Fucking up someone else’s day

Whether your monster is a werewolf or a serial killer or a bank robber, it boils down to somebody fucking up someone else’s day.

Tom Piccirilli

Das erste Mal las ich in Duane Swierczynkis Secret Dead Blog von Tom Piccirilli. Er wies mit einem Zitat auf ein Interview mit Piccirilli in Allan Guthries Noir Zine hin. Ich musste laut lachen und setzte Tom Piccirilli sofort auf meine Zu-lesen-Liste. Piccirilli kommt aus dem Horrorgenre und erhielt mehrere Bram-Stoker-Awards (mit „The Night Class“ setzte er sich 2002 gegen Stephen King und Chuck Palahniuk durch). Vor wenigen Tagen erhielt er für „The Midnight Road“ von der ITW den Preis für das beste Thriller-Taschenbuch des Jahres. In Deutschland erschien bislang nur vor acht Jahren sein Bram-Stoker-Award-nominiertes Debüt „Dark Father“ als „Söhne des Bösen“. In seiner Heimat veröffentlichte er seitdem fast zwanzig Romane und über 150 Kurzgeschichten.

Vor wenigen Wochen publizierte der Heyne Verlag in seiner Hardcore-Reihe mit „Killzone“ einen seiner neuesten Romane. Er erzählt die Geschichte von Eddie Whitt, der den Serienkiller Killjoy finden will. Killjoy brachte vor fünf Jahren seine Tochter Sarah um. Seine Frau Karen lebt seither in einer Nobel-Irrenanstalt. Seit Jahren schreibt Killjoy ihm rätselhafte Briefe. Der letzte perverse Spielzug von Killjoy ist, dass er, als Zeichen seiner Buße, den Eltern der von ihm ermordeten Kinder andere Kinder gibt. Denn während Killjoy zuerst perfekte Familien zerstörte, rettet er jetzt Kinder aus dysfunktionalen Familien. Seitdem feiern die Medien Killjoy als Volkshelden. Doch Eddie Whitt kann nicht verzeihen.

„Killzone“ ist strukturell ein eher läppischer Whodunit mit einer großen Action-Szene im letzten Drittel. Innerhalb dieser Struktur befolgt Piccirilli seinen eingangs zitierten Satz. Denn das Monster Killjoy hat das Leben von Eddie Whitt gründlich zerstört.

Piccirilli konzentriert sich in dem Roman auf das Porträt eines Mannes, der alles verloren hat; der nur noch obsessiv die immergleichen Handlungen vollzieht; der an der Schwelle zum Wahnsinn steht und der nur noch für seine Rache lebt. Außerdem bemüht Eddie Whitt sich immer wieder, ein richtiges Arschloch zu sein, mit dem man nicht mehr Zeit als nötig verbringen möchte.

„Killzone“ ist entgegen dem Image der Hardcore-Reihe nicht besonders gewalttätig, sondern absolut Noir. Doch Piccirilli gelingt es nicht, die Leiden von Eddie Whitt emotional nachvollziehbar zu machen. Das kann an dem emotional-verhärteten Charakter von Whitt liegen. Das kann, denn in angloamerikanischen Rezensionen wird immer wieder auf Piccirillis gute Sprache hingewiesen, auch an der Übersetzung liegen, die hier Feinheiten nicht übertragen hat.

Daher ist „Killzone“ kein Buch, das unbedingt gelesen werden muss. Und (ich hoffe, dass seine anderen Werke besser sind) eine schlechte Wahl um einen Autor auf einem neuen Markt zu etablieren.

Tom Piccirilli: Killzone

(übersetzt von Nicolai von Schweder-Schreiner)

Heyne, 2008

352 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

The Dead Letters

Bantam Dell, New York, 2006

Hinweise

Homepage von Tom Piccirilli

Noir Zine: Allan Guthrie redet mit Tom Piccirilli

SF Scope: Kit Hawkins redet mit Tom Piccirilli

Cemetary Dance Publications: Norman Partridge redet mit Tom Piccirilli

Enter the Octopus: Matt Staggs redet mit Tom Piccirilli

2 Responses to Fucking up someone else’s day

  1. […] (der neue Eastwood, Darabont-Indiana-Jones,…), und James Bond Tom Piccirilli (Killzone) blogt seit wenigen Tagen unter “The Cold Spot” (Gleichzeitig der Titel seines neuesten […]

  2. […] Meine Besprechung von Tom Piccirillis „Killzone“ (The dead letters, 2006) […]

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