Gelungenes Debüt vom „Kap der Finsternis“

Smith - Kap der Finsternis

Wenn ein Mann unter falschem Namen in Kapstadt lebt und er bereits auf den ersten Seiten vor seiner Frau und dem vierjährigem Sohn während des Abendessens zwei Kleinkriminelle umbringt, dann ist die Marschrichtung für die kommenden 350 Seiten vorgegeben. Denn Roger Smith hat mit seinem Debüt „Kap der Finsternis“ keinen Heile-Welt-Krimi, sondern einen Noir geschrieben.

Zu den Spielregeln des Genres gehört, dass Jack Burn sich nicht an die Polizei wendet, sondern die Leichen auf einer Müllkippe entsorgt. Zwei tote Verbrecher mehr fallen in der Millionenstadt mit der hohen Mordrate nicht weiter auf, denkt er sich. Aber die beiden Verbrecher haben für den fetten, stinkenden, korrupten, mordlüsternen Inspector Rudi „Gatsby“ Barnard (der deutlich an den von Orson Welles in „Im Zeichen des Bösen“ verkörperten Polizeichef Quinlan erinnert) gearbeitet. Und im Nachbarhaus hat der entstellte Nachtwächter Benny Mongrel die Tat beobachtet. Mongrel ist ein harter Hund, der nach seinem letzten Knastaufenthalt und einer Gangvergangenheit, ein ehrliches Leben beginnen will. Zunächst beobachtet er unbeteiligt die Ereignisse im Nachbarhaus. Immerhin gehörten die beiden Toten zu einer verfeindeten Gang.

Wie sich mit diesem Trio auf den folgenden Seiten die Geschichte entwickelt, ist natürlich ziemlich vorhersehbar. Dabei wird sie öfters von Zufällen und weniger vom zielgerichteten Agieren der einzelnen Charaktere vorangetrieben. Das beginnt schon damit, dass die toten Gangster zufällig bei Burn hereinstolperten (aber irgendwie muss die Geschichte ja beginnen), dass die Leichen schnell entdeckt werden, dass Inspector Barnard von einem jugendlichen Zeugen zu ihnen geführt wird, er ihn umbringt und auch diese Leiche verdächtig schnell entdeckt wird, dass Barnard ziemlich schnell weiß, wer der Täter ist, dass gerade jetzt ein unbestechlicher Korruptionsermittler gegen ihn ermittelt, undsoweiter.

Dafür zeichnet Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Roger Smith ein eindrucksvolles Bild der unschönen Seiten seiner Heimat. Da ist ein Polizist noch der unumschränkte Herrscher in seinem Revier, der nach eigenem Gutdünken Menschen umbringt. Es gibt kaum kontrollierte Jugendgangs und wenn Arm/Schwarz und Reich/Weiß in „Kap der Angst“ aufeinandertreffen, fließt Blut.

Smith wechselt souverän zwischen den verschiedenen Handlungen und treibt sie elliptisch auf die letzte tödliche Konfrontation zu. Der Showdown in den Flats erinnert dann an die letzten Minuten von „Training Day“.

Insgesamt ist „Kap der Finsternis“ von Roger Smith ein gelungenes Noir-Debüt, das neugierig auf sein nächstes Werk macht.

Inzwischen sind die Filmrechte verkauft. Kelly Masterson (Before the Devil knows you’re dead) soll das Drehbuch schreiben und Samuel L. Jackson den Korruptionsermittler Disaster Zondi spielen.

Rogers Smiths zweiter Roman „Wake up dead“ erscheint in den ersten Tagen des kommenden Jahres.

Roger Smith: Kap der Finsternis

(übersetzt von Jürgen Bürger und Peter Torberg)

Tropen, 2009

368 Seiten

21,90 Euro

Originalausgabe

Mixed Blood

Henry Hold and Company, 2009

Hinweise

Homepage von Roger Smith

The Big Thrill: Interview mit Roger Smith

Crime Beat: Roger Smith verrät seine zehn Lieblingskrimis (feine Liste, auch wenn, nein, weil ich die meisten Werke schon gelesen habe)

Crime Beat: Interview mit Roger Smith

Roger Smith erzählt die Backstory zu „Kap der Finsternis“

Page-69-Test von „Mixed Blood“

10 Responses to Gelungenes Debüt vom „Kap der Finsternis“

  1. […] 4 (5) Roger Smith: Kap der Finsternis […]

  2. […] wir einen Augenblick in Südafrika. Vor wenigen Wochen erschien “Kap der Finsternis” von Roger Smith. Demnächst erscheint bei btb “Schlaf ein, mein Kind” (Coldsleep Lullaby, 2005) von […]

  3. […] Smith („Kap der Finsternis“) verrät Crimespree Cinema seine fünf filmischen Lieblinge […]

  4. […] 2. Platz: Roger Smith: Kap der Finsternis (Mixed Blood) (Tropen bei Klett Cotta) […]

  5. […] 1 Roger Smith: Kap der Finsternis […]

  6. […] Mixed Blood (Kap der Finsternis), von Roger Smith […]

  7. […] Roger Smith: Kap der Finsternis (Heyne, 8,95 Euro) […]

  8. […] 5. Roger Smith, „Kap der Finsternis“, Heyne – Spannung und Tempo aus Südafrika. […]

  9. […] (und ich sollte mal sein neuestes Werk „Staubige Hölle“ lesen. Sein Debüt „Kap der Finsternis“ hat mir ja […]

  10. […] Meine Besprechung von Roger Smiths „Kap der Finsternis“ (Mixed Blood, 2009) […]

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