Diese „Losers“ sind Gewinner

Sie sind eine Geheimeinheit der CIA.

Sie wurden von ihrem Land verraten.

Sie wollen sich rächen.

Sie sind das „A-Team“ aus dieser 80er-Jahre-TV-Serie.

Äh, nein, sie sind viel gewalttätiger als John ‚Hannibal‘ Smith (George Peppard mit Zigarre) und seine Jungs.

Nun, dann sind sie das „A-Team“ aus dem neuen Kinofilm von Joe Carnahan.

Ähem, wieder falsch. Sie sind die „Losers“. Sie haben im Auftrag von Max für die Agency geheime Operationen durchgeführt. Aber eines Tages setzte Max sie auf die Abschussliste und jetzt wollen sie sich dafür rächen. Sie sind irgendwie zu sechst und sie haben, als Neuzugang, sogar eine Frau im Team. Aber die Ur-Losers wissen nicht, ob sie Aisha al-Fadhil trauen könne. Immerhin ist sie eine Überläuferin, die immer noch für die Agency arbeitet und ihnen die Informationen für ihr neues Ziel beschafft.

Das ist im ersten Abenteuer der von den Briten Andy Diggle und Jock erfundenen „Losers“ das Goliath-Ölterminal im Hafen von Houston. Es ist eine Tarnfirma der Regierung und in den Büros sind geheime Informationen, die Franklin Clay und sein Team wollen. Die geräuschlose Infiltration geht schief und die Loser und ihre Gegner, die von dem brutalen Wade (einem alten Bekannten von Clay aus Special-Forces-Zeiten) angeführt werden, liefern sich eine erbarmungslose Schlacht, bei der natürlich keine Rücksicht auf Gebäude und Menschenleben genommen wird.

Denn, so Wade: „Zivilisten werden erst umgelegt, wenn es nötig ist.“

Goliath“, die Sammlung der ersten sechs, Eisner-prämierten „The Losers“-Hefte, liest wie die Erwachsenen-Version von „The A-Team“ minus dem Humor der TV-Serie. Es gibt höchstens schwarzen Humor und viele Hinweise auf die schmutzigen Geschäfte der C. I. A..

Diese Verschwörung gegen die Losers ist, für die aufmerksamen Zeitungs- und Polit-Thriller-Leser, noch sehr zahm. Denn dass die USA ihre Außenpolitik auch mit Tarnorganisationen betreibt, dass sie mit Bösewichtern Geschäfte macht, dass es einen florierenden Militärisch-Industriellen Komplex gibt, ist bekannt und wird auf der letzten Seite von „The Losers“ mit einem Zitat von Dennis Dayle, dem im August 2009 81-jährig verstorbenen, ehemaligen Leiter der Einsatzkommandos der Drug Enforcement Administration (DEA), bekräftigt: „Während meiner dreißigjährigen Tätigkeit für die Drug Enforcement Administration und andere Behörden stellte sich heraus, dass die Zielperson meiner Ermittlungen fast immer für die C. I. A. arbeiteten.“

Das Zitat ist Teil eines ganzseitigen Panels, in dem der geheimnisumwitterte Max mit einem Mitglied der Losers telefoniert. Der Cliffhanger macht nach dem furios-bleihaltigem und in sich abgeschlossenem ersten Abenteuer der Losers neugierig auf die kommenden 26 Hefte.

Denn Autor Andy Diggle und Zeichner Jock (dessen Stil an den von „100 Bullets“-Zeichner Eduardo Risso erinnert) haben die Geschichte der rachedurstigen Flüchtlinge einfach ohne große Erklärungen mitten in der Handlung begonnen. Die Losers sind schon die gejagten Losers. Die Vorgeschichte und die Biographien der einzelnen Charaktere werden höchstens in Halbsätzen angesprochen. Es gibt keine überflüssigen Erklärungen, sondern nur Action. Teilweise über mehrere Seiten und mit erheblichen Schäden an Gebäuden, Einrichtungen, Fahrzeugen und Menschen.


Die gleichnamige Verfilmung ist in den USA bereits gestartet, der Trailer sieht ziemlich krachig aus (also das Richtige für das Multiplex ihres Vertrauens) und den deutschen Starttermin kann ich nicht herausfinden.

Andy Diggle/Jock: The Losers – Goliath (Band 1)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Vertigo, 2010

164 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

The Losers, 1- 6

DC Comics, 2003/2004

Hinweise

Homepage von Andy Diggle

Blog von Andy Diggle

Homepage von Jock

Little White Lies: Interview mit Andy Diggle und Jock zur Verfilmung

Graphic Content (Vertigo): Andy Diggle über die Anfänge der „Losers“ (10. Februar 2010)

Wikipedia über „The Losers“

Amerikanische Homepage zum Film

3 Responses to Diese „Losers“ sind Gewinner

  1. tkl sagt:

    Die „Losers“ haben mir auch sehr gut gefallen. Old-School-Männerträume von der Handlungsfreiheit, die man sich einfach nimmt, wenn man eigentlich schon völlig eingedost ist. Einen deutschen Kinostart halte ich nach dem schwachen Abschneiden in USA (23,5 Millionen Dollar BO) für unwahrscheinlich. Dürfte eine DVD-Premiere werden.

    Schöne Grüße,

    Thomas Klingenmaier

  2. […] Meine Besprechung von Andy Diggle/Jocks „The Losers: Goliath“ […]

  3. […] Meine Besprechung von Andy Diggle/Jocks „The Losers: Goliath – Band 1“ […]

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