DVD-Kritik: Es ist etwas faul in „Durham County“

Dank DVDs kann man seine Lieblingsserien an einem Wochenende in einem Rutsch genießen, Serien, die einem als Jugendlichem gefielen, wiedersehen (was nicht immer unbedingt ein Vergnügen ist) und auch Serien aus Ländern sehen, die im deutschen Fernsehen bestenfalls ein Nischendasein fristen. Auch die kanadische Serie „Durham County“ erhielt in Kanada mehrere Preise, die dritte und letzte Staffel (so die Ankündigung) wird dort gerade im Fernsehen gezeigt und sie wird wahrscheinlich, was nichts über die Qualität der Serie aussagt, niemals im deutschen Free-TV laufen.

Großstadtpolizist Mike Sweeney (gespielt von dem aus „Flashpoint“ bekannten Hugh Dillon) zieht mit seiner Frau und seiner fast erwachsenen Tochter ins beschauliche Durham County in ein ebenso beschauliches Vorstadthaus. Als sie einziehen, bemerkt er, dass Ray Prager ihr Nachbar ist. Prager ist ein Jugendfreund von Sweeney. Nach einem Ereignis (das erst am Ende der Serie enthüllt wird) haben sich ihre Wege getrennt.

Bereits an seinem ersten Arbeitstag werden zwei junge Frauen ermordet. Kurz darauf wird eine Lehrerin von seiner Tochter ermordet. Sweeney war heimlich mit ihr befreundet. Er erzählt seinen Kollegen nichts von seiner Beziehung zu der toten Lehrerin und kann so weiter in dem Fall ermitteln. Im Lauf seiner Ermittlungen, glaubt er, dass sein Nachbar, der zu Wutausbrüchen neigende Prager, der gesuchte Serienmörder ist.

Aber den Machern von „Durham County“ ist der der Jagd nach einem Serienmörder innewohnende Thrill reichlich egal. Auch die traditionellen Krimielemente bedienen sie höchstens halbherzig. Die Polizei ermittelt viel zu dilettantisch und am Ende bleiben zu viele lose Enden, um „Durham County“ zu einer auch nur halbwegs überzeugenden Polizeiserie zu machen. Auch das psychologische Katz- und Maus-Spiel zwischen dem Polizisten Sweeney und dem Mörder Prager interessiert die Macherinnen nicht sonderlich. Denn dass Prager der Mörder ist, ist uns Zuschauern von Anfang an bekannt. Nur Mike Sweeney ahnt erst am Ende der dritten Folge (also zur Halbzeit), dass sein früherer Kumpel Ray Prager der Mörder ist. Doch auch danach wird es nicht spannender. Sweeney sucht nicht sonderlich energisch nach Beweisen und die Konfrontationen zwischen Sweeney und Prager drehen sich mehr um ihr Leben und ihr Verhältnis zu ihren Frauen und Kindern, als um die Morde.

Im Mittelpunkt der Miniserie stehen nämlich die verschiedenen Formen von männlicher Gewalt gegen Frauen, die Frage was heute zum Mannsein gehört und wie kleine Ereignisse und Entscheidungen das Leben beeinflussen können. Sweeney und Prager sind sehr ähnliche Charaktere, die ihre Gewalttätigkeit verschieden kompensieren. Der eine als Polizist. Der andere, nachdem er einen Mord beobachtet, als Frauenmörder.

Damit zeigt sich mit zunehmender Episodenzahl, wie sehr Prager der böse Bruder von Sweeney ist. In dieser Parallelführung von zwei Charakterstudien und ihrem problematischem Verhältnis zwischen Freundschaft und Hass liegt die Faszination der Serie, deren langsamer Erzählrhythmus nach der zweiten Folge, wenn man die Charaktere genauer kennt, zum Weitersehen animiert.

Dennoch hätte „Durham County“ locker in der halben Zeit erzählt werden können. So geschieht in der ersten Episode (nach der ich ernsthaft überlegte, ob ich mir wirklich die weiteren Folgen ansehen soll), außer einer langatmigen Vorstellung der Hauptcharaktere, nichts. In den weiteren Episoden ändert sich an diesem Tempo nichts.

Durham County“ ist eine durchwachsene Serie, die in ihrem besten Momenten das bürgerliche Vorstadtleben als Purgatorium zeigt.

Durham County – Staffel 1 (Durham County, Kanada 2007)

Regie: Holly Dale, Adrienne Mitchell (Folge 5 und 6)

Drehbuch: Laurie Finstad-Knizhnik

Erfinder: Laurie Finstad-Knizhnik, Janis Lundman, Adrienne Mitchell

mit Hugh Dillon, Helene Joy, Justin Louis, Kathleen Munroe, Laurence Leboeuf, Greyston Holt, Sonya Salomaa

DVD

Universum-Film

Bild: 1,78:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch (DD 2.0), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Behind the scenes (25 Minuten)

Länge: 275 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Kanadische Homepage zur Serie

Durham County Secrets

Wikipedia über „Durham County“

 

 

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