DVD-Kritik: Über die nette, gut besetzte Krimikomödie „Henry & Julie“

Das DVD-Cover von „Henry & Julie: Der Gangster und die Diva“ mit Keanu Reeves, der eine MP in seiner Hand hält, ist reiner Etikettenschwindel. Denn außer einigen Revolvern gibt es in dieser romantischen Bankräuberkomödie mit Screwball-Touch keine Schusswaffen.

Der von Keanu Reeves gespielte Henry ist ein Allerweltsjunge, der von allen herumgestoßen wird, sein Leben weitgehend passiv erleidet und der gerade von seiner Nachtschicht als Mautkassierer an einer Autobahn in der Nähe von Buffalo, New York, zurückgekommen ist und sich mit seiner Frau über ihre Babypläne unterhält, als er von seinen Freunden ohne sein Wissen in einen Banküberfall hineingezogen und als einziger verurteilt wird.

Nach seinem Gefängnisaufenthalt beschließt er, die Bank auszurauben. Immerhin wurde er bereits dafür verurteilt. Zusammen mit seinem Knastkumpel Max (James Caan) planen sie den Einbruch in die Bank – durch einen alten Tunnel, der in einem alten Theater beginnt. In ihm wird gerade eine Aufführung von Anton Tschechows letztem Theaterstück „Der Kirschgarten“ geprobt und Henry verliebt sich in die impulsive Hauptdarstellerin Julie (Vera Farmiga). Als Max herausfindet, dass der Tunnel in der Garderobe des Hauptdarstellers beginnt, verschafft er Henry die Rolle, die auch die Beziehung von Henry und Julie spiegelt.

Henry & Julie“ ist eine angenehm altmodische Komödie, die eindeutig eine Liebeserklärung an die klassischen Screwball- und romantischen Hollywood-Gaunerkomödien, die irgendwann in den sechziger Jahren aus den Kinos verschwanden, ist und die in den letzten Jahren immer wieder von Woody Allen in seinen Krimis verklärt wurden. Entsprechen gediegen ist die Machart, die Auswahl der Schauplätze und auch die Musikauswahl erfreut das Herz des Nostalgikers. Die Schauspieler, vor allem Vera Farmiga, James Caan und Peter Stormare als Theaterregisseur, haben erkennbar ihren Spaß und liefern herrlich exzentrische Charakterstudien ab. Dagegen wirkt Keanu Reeves als Biedermann, der zum Gewalt ablehnenden Verbrecher wird, noch blasser. Insgesamt ist „Henry & Julie“ eine kurzweilige, aber auch weitgehend überraschungsfreie Unterhaltung, bei der sich für Henry und Julie das Leben und die Kunst immer mehr miteinander vermischen und das Publikum eine einmalige Tschechow-Premiere erlebt.

Henry & Julie: Der Gangster und die Diva (Henry’s Crime, USA 2010)

Regie: Malcolm Venville

Drehbuch: Sacha Gervasi, David N. White (nach einer Geschichte von Stephen Hamel und Sacha Gervasi)

mit Keanu Reeves, Vera Farmiga, James Caan, Peter Stormare, Bill Duke, Danny Hoch, Fisher Stevens

DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:2,35)

Ton: Deutsch (DD 5.1, DTS), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer (deutsch, englisch)

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

(Blu-ray identisch)

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Henry & Julie: Der Gangster und die Diva“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Keanu Reeves über „Henry & Julie“ (20. September 2010)

Bonusmaterial

eine Version des DVD-Covers, die wohl für uns zu bieder war

man hätte natürlich auch das Originalplakat verwenden können

eine Pressekonferenz gab es auf dem Toronto International Film Festival

 

 

2 Responses to DVD-Kritik: Über die nette, gut besetzte Krimikomödie „Henry & Julie“

  1. […] Meine Besprechung des Keanu-Reeves-Film „Henry & Julie“ […]

  2. […] Meine Besprechung des Keanu-Reeves-Film „Henry & Julie“ […]

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