DVD-Kritik: Zurück in die Achtziger – mit „Street Hawk“

Damals, Mitte der achtziger Jahre, war die kurzlebige TV-Serie „Street Hawk“ eine weitere TV-Serie, die im Fahrwasser von „Das fliegende Auge“, „Airwolf“ und „Knight Rider“, in denen Helden mit Hightech-Autos und -Hubschraubern, immer mit einem ordentlichen Science-Fiction-Touch, das Verbrechen bekämpften. In „Street Hawk“ kämpfen ein Hightech-Motorrad, von dem es nur einen Prototyp gibt, ein Super-Fahrer und ein in der geheimgehaltenen Zentrale sitzender Tüftler, gegen das Verbrechen in Los Angeles. Bei uns wurde die Serie 1986/1987 von RTLplus gezeigt.

Heute ist „Street Hawk“ eine dieser Achtziger-Jahre-Serien, bei der bemerkenswert ist, dass nichts bemerkenswert ist. Denn ohne die dicke Nostalgiebrille und gesteigertes Fantum („Ich muss jeden Auftritt von George Clooney haben.“) ist „Street Hawk“ zum Vergessen.

Es gibt, immerhin, einige Auftritte von Gaststars, wie George Clooney (ganz am Anfang seiner Karriere), Dennis Franz (lange vor dem „NYPD Blue“-Ruhm), Bianca Jagger (einer der wenigen Filmauftritte der damals vor allem als Ex-Frau von Mick Jagger bekannten Schönheit, die einfach nur ihren Körper präsentieren musste), Sybil Danning (damals, hm, nun, der Sex- und B-Picture-Star), und bewährten Recken, wie Clu Gulager, Michael Horsley, Christopher Lloyd („Zurück in die Zukunft“) und Charles Napier, und eine durchaus prophetische Sicht künftiger Straßenkriminalitätsbekämpfung.

Denn „Street Hawk“ ist ein Motorrad, das mit einigen Schusswaffen und einem Laserstrahler ausgerüstet ist, das unglaublich schnell fahren kann (besonders wenn in der Zentrale der Düsenantrieb, der hier „Hyberthrust“ heißt, eingeschaltet wird), via Funk in ständigem Kontakt mit der Zentrale steht (gut, das war schon damals keine Utopie) und in Echtzeit superscharfe Bilder in sie überträgt. Dort können die Bilder in Sekundenschnelle, auch über verschiedene Datenbanken, analysiert werden. Das war damals noch reine Zukunftsmusik.

Und wenn Norman Tuttle, der Erfinder des Motorrads Street Hawk, bei einer langwierigen Recherche von Akten und Zeitungsartikeln entnervt fordert, dass alle Daten in den Computer eingegeben werden sollten, damit er sie sofort auf Gemeinsamkeiten durchsuchen kann, dann war das damals eine spinnerte Zukunftsvision. Heute machen wir genau das täglich mindestens einmal, wenn wir bei Google (oder einer anderen Suchmaschine) ein Wort eingeben oder uns, bei Amazon, via Data-Mining, Buchempfehlungen geben lassen. Auch dass Tuttles Zentrale über das Telefonnetz arbeitet und, wenn die Telefongesellschaft in „Goldraub“ an den Leitungen arbeitet, die Technik in der Zentrale und dem Motorrad nicht mehr einwandfrei funktioniert, ist für uns längst Alltag.

Dieser Norman Tuttle (Joe Regalbuto) ist der in den typischen Hollywood-Klischees verhaftete, von der Regierung bezahlte Wissenschaftler, der das Motorrad entwickelte und jetzt mit Jesse March (Rex Smith) als Fahrer des Motorrads seine Erfindung einem Test unterziehen will. Dieser Praxistest ist so geheim, dass niemand davon etwas erfahren darf. Auch Jesse March darf niemandem davon erzählen. Das sorgt für Konflikte, wenn er der Frau, die er gerade als Street Hawk gerettet hat, seine wahre Identität nicht verraten darf, und wenn er bei seiner Tagesarbeit bei der Polizei im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, wo er nach einem Unfall hinversetzt wurde, sich immer wieder frei nehmen muss, um als Street Hawk das Verbrechen zu bekämpfen. Natürlich ist Jesse March das absolute Gegenteil von Tuttle: er ist ein Frauenschwarm, sportlich und für ihn ist die Maschine einfach nur ein tolles Motorrad. Für Tuttle ist sie der heilige Gral.

Die Fälle sind, auch nach dem damaligen TV-Standard betrachtet, mau und wirken oft, als ob man ein Drehbuch für eine 25-minütige Episode auf 45 Minuten gestreckt habe . Mal will ein Gangsterboss „Street Hawk“ umbringen und er engagiert dafür einen Fahrer (Georg Clooney), der ein alter Freund von Jesse March ist. Mal hilft Jesse March einer alten halbchinesischen Freundin und er muss sich entscheiden, ob er sie mit ihrem neuen Freund in den Osten gehen lässt (jaja, „Casablanca“). Mal hilft er einer sich auf der Flucht vor Gangstern befindenden Kronzeugin (Sybil Danning), mal soll ein reicher Erbe vor unbekannten Attentätern beschützt werden (immerhin hat in dieser Folge Dennis Franz einige großartige Auftritte), mal soll ein gestohlenes Pferd gefunden werden. Die Plots sind alle mit heißer Nadel gestrickt und dienen nur als Entschuldigung für die langen Action-Szenen, die sich, musikalisch unterlegt von „Tangerine Dream“ (damals eine vor allem im Ausland populäre deutsche Elektronik-Band), weitgehend in Fahrten auf Street Hawk erschöpfen.

Die DVD-Ausgabe ist wirklich nur den Die-Hard-Fans und den unverbesserlichen Nostalgikern zu empfehlen. Die Bildqualität ist erschreckend schlecht, auf Untertitel und Bonusmaterial wurde verzichtet. Dabei hätte es durchaus eine ausführliche „Street Hawk“-Doku (siehe unten) gegeben.

Street Hawk – Die komplette Serie (Street Hawk, USA 1985)

Erfinder: Bruce Lansbury, Robert Woltersdorff, Paul M. Belous

mit Rex Smith (Jesse March), Joe Regalbuto (Norman Tuttle), Richard Venture (Lt. Commander Leo Altobelli), Jeannie Wilson (Rachel Adams)

Musik: Tangerine Dream

DVD

Polyband

Bild: 4:3 (1,33:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital Mono 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Wendecover

Länge: 630 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die Ausflüge von „Street Hawk“

Pilotfilm (Pilot)

Regie: Virgil W Vogel

Drehbuch: Robert Wolsterdorff, Paul M. Belous

mit James Avery, Christopher Lloyd

Der beste Freund (The second self)

Regie: Virgil W. Vogel

Drehbuch: Bruce Cervi, Nichoals Corea

mit George Clooney

Joe Cannon kommt (The Adjuster)

Regie: Virgil W. Vogel)

Drehbuch: Nicholas Corea

mit Michael Horsley

Die Kronzeugin (Vegas Run)

Regie: Virgil W. Vogel

Drehbuch: Deborah Davies)

mit Sibyl Danning, Gregory Itzin

Der Mord auf Video (Dog Eat Dog)

Regie: Daniel Haller

Drehbuch: Bruce Cervi, Nicholas Corea

mit James Whitmore jr., Lee Ving (u. a. Flashdance, Straßen in Flammen, Black Moon), Charles Lampkin (irgendwie kommt mir das Gesicht bekannt vor)

Brandstiftung (Fire on the Wing)

Regie: Virgil W. Vogel

Drehbuch: John Huff, L. Ford Neale

mit Clu Gulager

Alte Zeiten werden werden wach (Chinatown Memories)

Regie: Paul Stanley

Drehbuch: Deborah Davis, Hannah Shearer

mit Keye Luke

Der Doppelgänger (The unsinkable 453)

Regie: Kim Manners

Drehbuch: Paul M. Belous, Robert Wolterstorff

mit Bianca Jagger

Tödlicher Waffenschmuggel (Hot Target)

Regie: Harvey Laidman

Drehbuch: Deborah Davis, Sheldon Willens

mit Charles Napier

Schriftsteller leben gefährlich (Murder is a Novel Idea)

Regie: Harvey Laidman

Drehbuch: Karen Harris

Das arabische Vollblut (The Arabian)

Regie: Richard Compton

Drehbuch: Joseph Gunn

Das falsche Opfer (Female of the Species; auch bekannt als „The Assassin“)

Regie: Harvey Laidman

Drehbuch: Karen Harris

mit Tom Everett, Dennis Franz

Goldraub (Follow the Yellow Gold Road)

Regie: Daniel Haller

Drehbuch: Burton Armus

mit Harry Northup, Don Swayze (der jüngere, ihm verdammt ähnlich sehende Bruder von Patrick Swayze)

Hinweise

Wikipedia über „Street Hawk“ (deutsch, englisch)

Street Hawk“-Fanseite

Noch ’ne „Street Hawk“-Fanseite

Der „Street Hawk“-YouTube-Kanal

Bonusmaterial

Der Pilotfilm in voller Länge

Making of „Street Hawk“

 

One Response to DVD-Kritik: Zurück in die Achtziger – mit „Street Hawk“

  1. nachgebloggt sagt:

    Ich glaube jeder der so im Alter um die 30 Jahre ist wird sich noch gut an diese Serie erinnern können? Ich habe genau dasselbe gedacht und war überrascht, wie viel ich vergessen hatte über die Jahre. Damals in den 80er Jahren habe ich die Serie zwar gesehen habe aber an die einzelnen Folgen oder die Story so gut wie keine Erinnerungen mehr. Im Fernsehen wüsste ich nicht, wo man die Serie noch sehen konnte und auf DVD gab es diese bisher nicht zu kaufen, was sich aber jetzt ändert. Dieses DVD-Set ist eines der besten seit Langem, denn hinter der Serie war ich schon lange hinterher. Enthalten sind alle 13 Folgen, mehr gab es damals nicht, weil die Serie in den 80er Jahren nicht so erfolgreich war, wie sie hätte sein sollen, schade natürlich denn heute ist sie Kult. In der zweiten Folge hat sogar George Clooney eine Nebenrolle, eine seiner Ersten. Wer sich also ein Stück seiner Jugend zurückholen will und noch mal eine tolle Kultserie genießen möchte sollte sich diese Box kaufen, die vom Preis her absolut in Ordnung ist. Viel Spaß beim Gucken.

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