Die Doku-Woche mit dem Menschenrechtsfilmfestival „One World Berlin“

Heute startet das supertolle Dokumentarfilmfestival „One World Berlin“. Bis zum Mittwoch, den 30. November, laufen im Kino Arsenal (Potsdamer Straße 2, S/U-Bahnhof Potsdamer Platz) etliche Filme, die sich mit bürger- und menschenrechtlichen Fragen beschäftigen. Nach den Filmen, von denen die meisten erstmals in Deutschland laufen, kann mit den Filmemachern und Experten diskutiert werden.

Auch ich bin, via die Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union, dabei und deshalb pflichtschuldig begeistert von den Filmen die wir präsentieren:

Donnerstag, 24. November, 19.00 Uhr

Eröffnung mit „Examined Life“ (Kanada 2008, Regie: Astra Taylor)

Skype-Interview mit einer Filmprotagonistin

Moderation: Werner Koep-Kerstin

Examined Life“ zeigt acht PhilosophInnen „bei der Arbeit“. Cornel West, Avital Ronell, Peter Singer, Kwame Anthony Appiah, Martha Nussbaum, Michael Hardt, Slavoj Žižek und Judith Butler reflektieren, analysieren und formulieren an für sie prägnanten Orten in New York über ihre Ideen und ihr Leben. Taylor hat einen „Walking Heads“-Film gemacht, der gleichzeitig viele für die Menschenrechtsarbeit wichtige Diskurse vorstellt und ihn damit zum geeigneten Eröffnungsfilm für ein Filmfestival über Menschen- und Bürgerrechte macht.

Freitag, 25. November, 19.00 Uhr

Verschiedene Filme von und über „Occupy Wall Street“ und „Occupy Berlin“

mit Thomas Scheffer (Videoatonale, Künstler, Institut für Kunst im Kontext, UdK Berlin) und Prof. Dr. Dieter Rucht (Soziologe, Bewegungsforscher, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Freie Universität Berlin) und Vertretern der hiesigen Occupy-Bewegung

Moderation: Axel Bussmer

Arabischer Frühling – amerikanischer Herbst – deutscher Winter. Die Begeisterung für eine Protestbewegung, die einen Vorstoß in die Höhle des Löwen wagt – den symbolischen und de facto Sitz des internationalen Finanzwesens auf der Wall Street in New York – war die Inspiration für „Occupy Wall Street“. In den vergangenen Wochen schwappte die Bewegung nach Deutschland über. Auch in Berlin, in Rufweite des Bundestages, hat die Occupy-Bewegung ihre Zelte aufgeschlagen.

Das Programm für diesen Abend stellen wir im Moment zusammen – und ich werde euch danach verraten, welche Filme wir gezeigt haben.

Samstag, 26. November, 15.00 Uhr

All watched over by Machines of Loving Grace (GB 2011, Regie: Adam Curtis)

Moderation: Axel Bussmer

Der dreistündige Archiv-Essay-Film „All watched over by Machines of Loving Grace“ von Adam Curtis spannt einen weiten historischen Bogen – von den Vordenkern des Neoliberalismus wie Ayn Rand bis zu verheerenden Auswirkungen der brutalen Kolonialpolitik im Kongo. Curtis untersucht die Rolle staatlicher und großwirtschaftlicher Kontrolle – und inwieweit beide Instanzen miteinander verflochten sind. Außerdem beschäftigt er sich mit unserem Glauben, dass es perfekte Systeme geben kann, und wie Computer, anstatt unser Leben einfacher zu gestalten, unsere Weltsicht verändern.

Viel Stoff zum Nachdenken, an einem ruhigen Samstagnachmittag – und garantiert, wie die anderen Filme von Curtis nie im deutschen Fernsehen zu sehen.

Montag, 28. November, 19.00 Uhr

Censuren – en thriller (Schweden 2011, Regie: Peter Normark)

Dear Censor (GB 2011, Regie: Matt Petty)

The Magic Bullet (Ausschnitte, Schweden 2011, Regie: Markus Öhrn)

mit Markus Öhrn (Künstler)

Moderation: Axel Bussmer

Einerseits gibt es in Demokratien keine Zensur. Andererseits gibt es Institutionen, die darüber entscheiden, wie alt man sein muss, um einen Film sehen zu können und die teilweise ein Entfernen der schlimmsten Szenen verlangen, bevor auch Erwachsene die Filme sehen dürfen. An diesem Abend beschäftigen wir uns mit der Filmzensur in Schweden und England.

Die schwedische Filmzensur hat pünktlich zum hundertsten Geburtstag die Arbeit eingestellt. In „Censuren – en Thriller“ wird gezeigt, wie die weltweit erste Filmzensurbehörde im Lauf der Jahre Filme zensierte und so auch eine alternative Sittengeschichte schrieb.

Das seit 1912 bestehende British Board of Film Classification (BBFC, bis 1984 British Board of Film Censors) ist noch aktiv. Matt Pellys „Dear Censor“ porträtiert die bisher fünf amtierenden britischen Oberzensoren, ihre Arbeitsauffassung, wie sie bestimmte Filme zensierte und wie die Regisseure mit ihr zusammen arbeiteten.

In der Black Box im Eingangsbereich des Arsenals ist für die Dauer des Festivals das 50-stündige Werk „The Magic Bullet“ von Markus Öhrn zu sehen. Öhrn hat dafür alle Filmszenen, die auf Anweisung der schwedischen Zensurbehörde aus Filmen herausgeschnitten wurden, zusammengetragen. In diesem filmischen Gedächtnis der anderen Art begegnen sich Softcorepornos, Splatterfilme, Filmkunst – und Burt Reynolds und Liza Minnelli.

Nach den beiden Dokumentarfilmen wollen wir uns mit Markus Öhrn über sein Kunstprojekt und die Bedeutung von Filmzensur im Wandel der Zeit unterhalten.

Dienstag, 29. November, 19.00 Uhr

Musik als Waffe (D 2010, Regie: Tristan Chytroschek)

mit Tristan Chytroschek

Moderation: Axel Bussmer

Die brisantesten Enthüllungen von Wiki-Leaks betreffen die Militäroperationen der westlichen Streitkräfte in Vorderasien. „Musik als Waffe“ und „Remote Control War“ zeigen hoch unkonventionelle Waffen, die in den jüngsten Kriegen zum Einsatz kamen. In „Musik als Waffe“ wird gezeigt, wie mit Kinderliedern, Songs und lauten Geräuschen gefoltert werden kann.

Dienstag, 29. November, 21.30 Uhr

Remote Control War (Kanada 2010, R.: Leif Kaldor)

mit Otfried Nassauer (Leiter des Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS))

Moderation: Werner Koep-Kerstin

In „Remote Control War“ wird gezeigt, wie sich mit ferngesteuerten Drohnen der Krieg verändert. Dass in naher Zukunft effektive ferngesteuerte Kampfmaschinen mit Bauteilen vom Elektronikmarkt angefertigt werden können, ist dabei sicher eine sehr beunruhigende Vision künftiger Kriege, die von Soldaten, die ihn ihrem Wohnzimmer weitab des Kampfgebiete sitzen, geführt werden.

One Response to Die Doku-Woche mit dem Menschenrechtsfilmfestival „One World Berlin“

  1. […] versprochen gibt es jetzt, nachdem der Occupy-Abend vorbei ist, die Liste der gezeigten Filme, ergänzt um einige Filme, die wir gerne gezeigt hätten, […]

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