Neu im Kino/FIlmkritik: Eran Riklis nimmt uns mit auf „Die Reise des Personalmanagers“

Es geht auch darum, wie man durch die Toten zu leben lernt oder, besser noch – das Leben durch den Tod erst zu begreifen und zu entdecken. Ein Konzept, das ich faszinierend und außerordentlich fesselnd finde. Hier hat der Tod das Gesicht einer eindrucksvollen Frau mit dem geheimnisvollen Lächeln einer Mona Lisa – wer könnte dem widerstehen? Jedenfalls nicht der Personalmanager, genau so wenig wie ich. Also bin ich mit ihm und den anderen Komplizen auf die Reise gegangen, in der Hoffnung, dass am Ende eine bescheidene und doch bedeutende Aussage über die Conditio Humana von gestern, heute und morgen steht.

Eran Riklis über „Die Reise des Personalmanagers“

 

Das Arthaus-Publikum kennt Eran Riklis als Regisseur von „Die syrische Braut“ und „Lemon Tree“, der auf der Berlinale den Panorama-Publikumspreis erhielt. In beiden Filmen beschäftigte Riklis sich mit den Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf gewöhnliche Menschen. In seinem neuesten Film „Die Reise des Personalmanagers“ verlässt er seine Heimat und damit auch die Probleme und Absurditäten des israelischen Alltags.

Obwohl gerade eine solche Absurdität am Anfang der „Reise des Personalmanagers“ steht.

Bei einem Selbstmordattentat starb Yulia Petracke. Erst nach einer Woche konnte ihre Leiche identifiziert werden und ein Journalist klagt Jerusalems größte Bäckerei, bei der sie angestellt war, wegen ihres menschenverachtenden Umgangs mit ihrem Personal an. Dass die Rumänin zum Zeitpunkt ihres Todes bereits lange entlassen war und nur weil der verheiratete Abteilungsleiter in sie verliebt war, weiterhin in den Büchern geführt und bezahlt wurde, kümmert den Journalisten auf der Suche nach seiner nächsten Schlagzeile wenig.

Deshalb entschließt sich die Firmenchefin, um den Ruf der Bäckerei zu retten, für eine angemessene Beerdigung zu sorgen. Dies kann allerdings nur in der Heimat von Yulia geschehen. Sie schickt ihren von dieser Aufgabe absolut nicht begeisterten Personalmanager, zusammen mit dem Journalisten und der Toten, nach Rumänien.

Auf der Reise lernt der namenlose, letztendlich grundgütige Personalmanager die Familie der Toten kennen und er erlebt einige seltsame Abenteuer. Denn bei Riklis ist der Ostblock ein wahrer Operettenostblock mit trinkfesten Einheimischen, funktionstüchtigen Panzern aus alten Militärbeständen, die mal schnell ausgeborgt werden können, einer nicht funktionierenden Technik (mit Funklöchern von der Größe der Taiga) und einer auch ohne Planwirtschaft überbordenden und nicht funktionierenden Bürokratie.

Die Reise des Personalmanagers“ wird schnell zu einem Feelgood-Film für das Arthaus-Publikum, bei dem nichts so geleckt wie in einer Hollywood-Produktion ist, es auch nicht weniger Klischees gibt, es herrlich menschelt und der etwas unbeeindruckt zurücklässt, weil „Die Reise des Personalmanagers“ einfach jedem gefallen will und damit als Konsensfilm bei Festivals natürlich für die verschiedenen Publikumspreise prädestiniert ist. Beim Filmfestival in Locarno erhielt der Film dann auch den Publikumspreis.

Immerhin gibt es im Film nichts, was wirklich verärgert, aber es gibt auch nichts was wirklich begeistert – und damit letztendlich auch keinen Grund, sich den Film anzusehen. Jedenfalls im Kino. Im Fernsehen…

Die Reise des Personalmanagers (שליחותו של הממונה על משאבי אנוש‎/Shliḥuto shel Ha’Memuneh al Mash’abey Enosh, Israel/Deutschland/Frankreich/Rumänien 2010)

Regie: Eran Riklis

Drehbuch: Noah Stollman

LV: Abraham B. Jehoshua: Die Passion des Personalbeauftragten (2006)

mit Mark Ivanier, Guri Alfi, Noah Silver, Rozina Cambos, Julian Negulesco, Bogdan Stanoevitch

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Reise des Personalmanagers“

Bonusmaterial

ein ausführliches Gespräch mit Eran Riklis über „Die Reise des Personalmanagers“ und den ganzen Rest

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