Captain Future „Jenseits der Sterne“ „Im Zeitstrom verschollen“

Captain Future ist ein Mann der Wissenschaft. Auf dem Mond forscht Curtis Newton, so sein bürgerlicher Name, in seinem Labor emsig mit seinem Team. Das besteht aus Professor Simon Wright, einem in einem Spezialbehälter lebendem Genie-Gehirn, Android Otho, der seine Gestalt verändern kann, und Roboter Grag, der gerne ein Mensch wäre. Sie sind auch fremde Welten erforschende und rettende Abenteurer. Newton dürfte jüngere Semester spontan an „Iron Man“ Tony Stark erinnern.

Allerdings wurde Curtis Newton bereits 1940 von Edmond Hamilton erfunden. In den nächsten Jahren schrieb Hamilton 24 „Captain Future“-Geschichten für das „Captain Future Magazine“ und, später, „Startling Stories“. Er schrieb zwischen 1940 und 1951 fast alle „Captain Future“-Geschichten. Und er ist mit diesen damals und heute immer noch sehr populären Abenteuergeschichten einer der Erfinder der Space Opera.

Seit einigen Jahren veröffentlicht der Golkonda Verlag Hamiltons „Captain Future“-Geschichten in sehr liebevollen Ausgaben. Die Romane werden neu, vollständig und gut übersetzt. Außerdem werden die Zeichnungen und das mit Captain Future zusammenhänge Bonusmaterial aus dem „Captain Future Magazine“ abgedruckt.

Jetzt sind im Rahmen dieser Neuausgabe der achte und neunte „Captain Future“-Roman „Im Zeitstrom verschollen“ und „Jenseits der Sterne“ erschienen.

Als Curtis Newton in „Im Zeitstrom verschollen“ von einem schon vor Millionen Jahre von dem sich damals zwischen Mars und Jupiter befindendem Planeten Katain an zukünftige Generationen gesendeten Hilferuf erfährt, macht er sich mit Simon Wright, Grag und Otho auf den Weg in die Vergangenheit. Denn er hat kürzlich ein Gerät erfunden, mit dem Zeitreisen möglich sind. In der Vergangenheit stolpert er in einen interplanetaren Konflikt und er hat eine Idee, wie er Katain vor der Zerstörung retten kann. Dafür muss er noch weiter in die Vergangenheit unseres Sonnensystems reisen.

in „Jenseits der Sterne“ verspricht Curtis Newton den Bewohnern des Planeten Merkur, dass er ihnen beim Überleben auf ihrem Planeten helfen wird. Die Merkurianer verbrauchen mehr Luft und Wasser als der Atmosphärenwandler produziert. Es muss also eine Möglichkeit gefunden werden, unbegrenzte Mengen an Sauerstoff und Wasser aus dem Nichts zu gewinnen. Die Lösung für das Problem könnte in der legendären Wiege der Materie liegen. Sie soll viele Lichtjahre entfernt in einer anderen Galaxie liegen. Falls es sie überhaupt gibt.

Mit dem von ihm erfundenen Vibrationsantrieb, der Flüge mit vielfacher Lichtgeschwindigkeit ermöglicht, brechen er und seine drei Gefährten zur Wiege der Materie auf. Dort, ihr ahnt es, stolpert er in einen veritablen Krieg zwischen verschiedenen Fraktionen, die nicht immer edle Absichten mit den Möglichkeiten der Wiege der Materie haben. Schließlich verleiht sie ihrem Besitzer unbegrenzte Macht.

Beide Romane sind wundervoll naive Geschichten fernab jeglicher Wirklichkeit, die fröhlich die amerikanische Mentalität vom Einzelgänger, der die Welt rettet, huldigt.

Schließlich wissen wir heute, dass in unserem Sonnensystem die anderen Planeten nicht bewohnt sind. Eigentlich sind alle wissenschaftlichen Theorien, die in den Romanen mit heiligem Ernst präsentiert werden, wundervoller Unfug. Um die bei Zeitreisen auftauchenden Probleme wird sich in „Im Zeitstrom verschollen“ nicht gekümmert. Letztendlich ist diese Zeitreise in die Vergangenheit nur ein Gimmick, der es Edmond Hamilton im Rahmen einer sich strikt chronologisch fortbewegenden Geschichte ermöglicht, einige Planeten zu zerstören. Bis dahin spielten die „Captain Future“-Geschichten in unserem Sonnensystem. Das Leben im Weltraum auf den fremden Planeten erinnert dann doch eher an die Vergangenheit, als Schatzsucher in Südamerika El Dorado, die sagenumwobene irgendwo und nirgendwo liegende Stadt aus Gold, suchten oder von Dorf zu Dorf, von Herrschaftsbereich zu Herrschaftsbereich, zogen, in Probleme gerieten und kämpften. Die Verständigung zwischen den Weltraumabenteurern und den Bewohnern fremder Planeten ist kein Problem, weil auf allen Welten mehr oder weniger Englisch oder eine mit dem englischen verwandte Sprache gesprochen wird. Auf den von unseren Helden besuchten Planeten gibt es einen gut gepflegten Hang zum antiken Kitsch, den wir auch aus „Flash Gordon“ kennen und der seit Jahrzehnten liebevoll in dicken Büchern und Filmen gepflegt wird.

Das ist, wie gesagt, unterhaltsamer Unfug und gerade deshalb sind die beiden neuen „Captain Future“-Romane „Im Zeitstrom verschollen“ und „Jenseits der Sterne“ auch achtzig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung ein immer noch gut lesbares Vergnügen.

Edmond Hamilton: Captain Future: Im Zeitstrom verschollen

(übersetzt von Frauke Lengermann)

Golkonda, 2020

208 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

The lost world of time

Captain Future Magazine, Herbst 1941

Edmond Hamilton: Captain Future: Jenseits der Sterne

(übersetzt von Maike Hallmann)

Golkonda, 2020

192 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Quest beyond the stars

Captain Future Magazin, Winter 1942

Hinweise

Wikipedia über Edmond Hamilton (deutsch, englisch) und Captain Future (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edmond Hamiltons “Captain Future: Die Herausforderung” (Captain Future’s Challenge, 1940)

Meine Besprechung von Edmond Hamiltons „Captain Future: Der Triumph“ (The Triumph of Captain Future, 1940)

Meine Besprechung von Hardy Kettlitz‘ „Edmond Hamilton – Autor von Captain Future“ (2015)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: