Neu im Kino/Filmkritik: „Pitbull – Exodus“, Bomben und Morden auf polnisch

Seinen neuen Film hat Patryk Vega in zwei Fassungen inszeniert und, um jetzt etwas Verwirrung reinzubringen, ihnen unterschiedliche Titel gegeben. Die in polnisch aufgenommene Fassung heißt „Pitbull“, die englische Fasung „Exodus“. Einmal sprechen die Schauspieler polnisch, einmal englisch.

Ich habe die englische Fassung gesehen, aber weil mir der polnische Titel „Pitbull“ besser gefällt, bleibe ich beim polnischen Titel. Denn die Hauptfigur hat etwas von einem Pitbull. Schon als Kind spielte er gerne mit Sprengstoff. Später professionalisierte er sich als Sprengstoffexperte und er wurde, zuerst als jugendlicher Zuhälter, dann als Mitglied der Pershing-Gruppe, zu einem Verbrecher, der für unzählige Bombenattentate verantwortlich ist.

Diesen Aufstieg vom Kind, das in einem Haus aufwächst wird, im dem seine Mutter einen Puff betrieb, über einen kleinen Zuhälter (der von seinen Huren entjungfert wird) zu einem der Größen des polnischen organisierten Verbrechens erzählt ‚Nase‘ selbst; mit steinerner Mine und einem abgehacktem Primitiv-Englisch à la Sylvester ‚Rambo‘ Stallone (mit einem Hauch Arnold ‚Terminator‘ Schwarzenegger). Vega schildert Nases Erwachsenwerden so übertrieben, dass es sich wie eine Parodie auf die normalen Gangster-Aufstiegsgeschichten ansieht und -hört.

Nach ungefähr einem Drittel kommt ein plötzlicher Bruch. Plötzlich steht eine Bande jugendlicher Einbrecher im Mittelpunkt. Sie sind die polnische Version des „Bling Ring“, nur etwas intelligenter. Immerhin studieren sie Informatik an der Universität. Ein Zusammenhang zwischen ihren Einbrüchen und Nases Verbrechen ist nicht erkennbar. Erst als sie bei Nase einbrechen und auch seine geliebte Jacke mitgehen lassen, gibt es einen Zusammenhang, der dann zum letzten und schwächsten Teil des Thrillers führt. Denn jetzt kämpfen Nase, der ihn seit Ewigkeiten verfolgende Polizist Gebel, die jugendlichen Einbrecher und weitere Verbrechergruppen gegeneinander. Dieser Teil besteht aus einer verwirrenden Zahl von sich bekämpfenden Gruppen und aus dem Hut gezauberten Überraschungen.

Somit wirkt „Pittbull“ wie eine Zusammenstellung von drei, kontinuierlich schlechter werdenden Kurzfilmen. Vega erzählt das, wie in seinen vorherigen Filmen, wenig subtil und mit viel Gewalt.

Das unterscheidet sich nicht von ähnlich gelagerten US-amerikanischen B-Pictures, in denen Polizisten und Verbrecher nur an ihrer Dienstmarke erkennbar sind und sie alle, um ihr Ziel zu erreichen, skrupellos eine Spur der Verwüstung und Berge von Leichen hinterlassen.

Aber die Besetzung mit hier unbekannten polnischen Schauspielern, die absolut nicht irgendeinem Hollywood-Schönheitsideal entsprechen, und der filmisch unverbrauchte Handlungsort, sind dann für Genrejunkies mit reduzierten Erwartungen doch einen Blick wert.

Pitbull – Exodus (Pitbull, Polen 2021)

Regie: Patryk Vega

Drehbuch: Patryk Vega

mit Andrzej Grabowski, Przemysław Bluszcz, Jan Błachowicz, Tomasz Dedek, Sebastian Dela, Jan Hrynkiewicz

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Pitbull – Exodus“

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Bad Boy“ (Bad Boy, Polen 2020)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Small World (Small World, Polen 2021)

 

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