TV-Tipp für den 19. Oktober: Die Braut trug schwarz

Oktober 18, 2020

Arte, 20.15

Die Braut trug Schwarz (La Mariée était en noir, Frankreich/Italien 1967)

Regie: François Truffaut

Drehbuch: François Truffaut, Jean-Louis Richard

LV: William Irish (Pseudonym von Cornell Woolrich): The Bride wore black, 1940 (Die Braut trägt Schwarz)

Wenige Sekunden vor der Hochzeit wird der Mann von Julie Kohler erschossen. Sie beschließt, seine Mörder umzubringen.

François Truffauts Hommage an Alfred Hitchcock und eine fast schon chabrolhafte Abrechnung mit der Bourgeoisie.

„Truffaut auf einem ersten Höhepunkt seines Könnens“ schreibt Willi Winkler in „Die Filme von Francois Truffaut“ über „Die Braut trug Schwarz“. Davor drehte Truffaut „Sie küssten und sie schlugen ihn“, „Schießen Sie auf den Pianisten“, „Jules und Jim“, „Die süße Haut“ und „Fahrenheit 451“.

Heute wird „Die Braut trug Schwarz“, wegen einiger Plot-Ähnlichkeiten, oft als Vorbild für „Kill Bill“ genannt. Quentin Tarantino sagt zwar, dass er Truffauts Film nie gesehen habe, was angesichts seines Filmkonsums unwahrscheinlich erscheint. Wahrscheinlich hat er nur vergessen, dass er den Film vor langer, langer Zeit einmal gesehen hat.

Anschließend, um 22.00 Uhr zeigt mit „Der Wolfsjunge“ (Frankreich 1969)  einen weiteren Truffaut-Film.

Mit Jeanne Moreau, Claude Rich, Jean-Claude Brialy, Michel Bouquet, Michel Lonsdale, Charles Denner

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Braut trug Schwarz“

Wikipedia über „Die Braut trug schwarz“ (deutsch, englisch, französisch), Cornell Woolrich (deutsch, englisch) und François Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Oktober: Das Geheimnis der falschen Braut

Oktober 10, 2020

Arte, 20.15

Das Geheimnis der falschen Braut (La sirène du Mississipi, Frankreich/Italien 1969)

Regie: François Truffaut

Drehbuch: François Truffaut

LV: Cornell Woolrich (als William Irish): Walz into darkness, 1947 (Walzer in die Dunkelheit)

Ein reicher Tabakhändler verliebt sich in eine wunderschöne Frau. Aber diese ist mehr an seinem Geld interessiert.

Damals war der Film bei der Kritik und an der Kasse ein Flop. Kein Wunder: Belmondo – ausgestattet mit einem betonharten Image als Draufgänger – spielt ein Weichei und Deneuve eine eiskalte Mörderin. Inzwischen hat sich Meinung zu Truffauts bösem Märchen im Hitchcock-Stil geändert: „Truffaut nutzt die Vorlage eines ´schwarzen´ Romans von Cornell Woolrich zu einer reizvollen Variation über das Thema der ‚amour fou‘ und spickt sie mit zahlreichen Verweisen auf die französische und amerikanische Kinotradition (Renoir, Hitchcock); ein hervorragend gespieltes Drama, das nie als ´Wirklichkeit´ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.“ (Lexikon des internationalen Films)

Anschließend, um 22.15 Uhr, zeigt Arte die spielfilmlange Doku „Belmondo, der Unwiderstehliche“ (Frankreich 2017)

Am Montag, den 19. Oktober, präsentiert Arte einen François-Truffaut-Abend mit „Die Braut trug schwarz“ (Frankreich/Italien 1968; ebenfalls nach einem Roman von Cornell Woolrich) (um 20.15 Uhr) und „Der Wolfsjunge“ (Frankreich 1969) (um 22.00 Uhr).

mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet, Nelly Borgeaud, Marcel Berbert

Wiederholung: Freitag, 16. Oktober, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Geheimnis der falschen Braut“

Wikipedia über „Das Geheimnis der falschen Braut“ (deutsch, englisch, französisch) und Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut


TV-Tipp für den 2. Februar: Das Fenster zum Hof

Februar 2, 2020

Arte, 20.15

Das Fenster zum Hof (Rear Window, USA 1954)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Anschließend, um 22.05 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Mr. und Mrs. Hitchcock“.

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Fenster zum Hof“

Wikipedia über „Das Fenster zum Hof“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. August: Das Fenster zum Hof

August 13, 2017

Tele 5, 17.50

Das Fenster zum Hof (USA 1954, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Beginn eines Hitchcock-Abends: um 20.15 Uhr folgt „Über den Dächern von Nizza“, um 22.30 Uhr „Der Mann, der zuviel wusste“ und um 01.05 Uhr „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“.

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Wiederholung: Dienstag, 15. April, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Das Fenster zum Hof“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. April: Das Fenster zum Hof

April 10, 2016

Tele 5, 20.15

Das Fenster zum Hof (USA 1954, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Wiederholung: Montag, 11. April, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)


Ken Bruen, Inspector Brant, „Kaliber“ und die Sache mit den Manieren

Juli 28, 2015

Über seinen Privatdetektiv Jack Taylor sagte Ken Bruen, die Fälle würden nicht wegen, sondern trotz ihm gelöst. Das gleiche hätte er über die Romane mit Inspector Brant, einer aus sieben, zwischen 1998 und 2007 erschienenen Romanen bestehende Serie von in London spielenden Polizeiromanen, sagen können. Denn Brant und seine Kollegen lösen die Fälle auch nicht aufgrund guter Polizeiarbeit. Die meiste Zeit sind sie mit Drogen, Alkohol, persönlichen Problemen und internen Feindseligkeiten beschäftigt, während die Ermittlungen sich meist als eine persönliche Vendetta gestalten, in der Recht und Gesetz manchmal benutzte Leitplanken sind, um ihre Aggressionen abzubauen. Das ist zwar formal immer noch von Ed McBain und seiner Serie um das 87. Polizeirevier beeinflusst, aber bei Ken Bruen liest sich das wie McBain auf Speed und mit einer Punkattitüde.
Jetzt, nachdem seine bekanntere Serie mit dem Galway-Privatdetektiv Jack Taylor seit einigen Jahren kontinuierlich übersetzt wird (wobei die Übersetzungen von Harry Rowohlt nicht unumstritten sind), und die Brant-Verfilmung „Blitz“ (mit Jason Statham) regelmäßig im Fernsehen läuft und auf DVD gut erhältlich ist, hat der Polar-Verlag einen ersten Brant-Roman veröffentlicht. Mit „Kaliber“ ist es der sechste Brant-Roman, in dem ein selbsternannter Manierenkiller die Londoner zu einem höflicheren Umgang miteinander erziehen will. Deshalb wendet er sich mit seiner Mission an die Öffentlichkeit. Er hat allerdings nicht mit Southeast-Sergeant Brant gerechnet. Der bittet eine Kollegin, der er vor kurzem geholfen hat (es war natürlich ein nicht ganz legaler Gefallen), darum, sich in der Öffentlichkeit möglichst unhöflich zu Benehmen. Sein ebenso einfacher wie bestechender Plan sieht vor, dass der Manierenkiller auf den Lockvogel hereinfällt und er ihn dann umbringen kann.
Daneben versucht Brant sich jetzt als Krimiautor. Sein Vorbild ist Ed McBain, von dem er alle Bücher hat. Seine Muse ist ein Kollege, den er unter Drogen setzt. Der Manierenkiller nennt sich – Ken Bruen geizt nie mit literarischen Verweisen – Ford. Nach Lou Ford, dem Ich-Erzähler in Jim Thompsons Noir-Klassiker „Der Mörder in mir“ (The Killer inside me, 1952 – Lesebefehl!). Aber er liest auch, wie er in seinem Tagebuch schreibt, die Herren Charles Willeford und Cornell Woolrich.
Langjährige Ken-Bruen-Fans werden „Kaliber“, wie seine anderen Romane an einem Abend lesen. Bruen verknappt seine Erzählung – in seinen Polizeiromanen jongliert er mit mehreren parallelen Plots – so sehr, dass fast nur noch die Pointe, die präzise Beobachtung, die sarkastische Bemerkung und die düstere, gegen alles und jeden austeilende Weltsicht übrigbleibt. Das verlangt einen aufmerksamen Leser, macht Spaß und steht in der Tradition von G. F. Newmans zwischen 1970 und 1974 im Original publizierter Bastard-Trilogie über den skrupellosen Scotland-Yard-Inspector Terry Sneed, der für seinen Aufstieg in einem korrupten System über Leichen geht und jede Dienstregel bricht. Diese umfassende Entmystifizierung des edlen britischen Polizisten erschienen erst in den Achtzigern auf Deusch bei Ullstein. James Ellroy ist ein aktuellerer und bekannterer Einfluss. Aber gegenüber Bruen erscheint Ellroy als verquast pompöser Erzähler. Während Ellroy hunderte Seiten braucht, um die Polizisten als Schweine zu zeigen, genügen Bruen – großzügig gelayoutet – knapp zweihundert Seiten um seine korrupten, rassistischen, homophoben und frauenfeindliche Beamte auf das Podest zu heben sie, die selbst all das sind, was sie ablehnen, herunterstoßen. Zum Vorbild taugt keiner und im wirklichen Leben möchte man ihnen auch nicht begegnen. Aber für einen Noir sind sie grandioser Stoff.
Uh, und noch eine erfreuliche Meldung: Max Fisher und Angela Petrakos erleben weitere Abenteuer. Ken Bruen und Jason Starr haben einen weiteren Noir mit ihnen geschrieben. „Pimp“ ist für März 2016 bei Hard Case Crime angekündigt. Wann und ob die deutsche Übersetzung erscheint ist unklar.

Bruen - Kaliber

Ken Bruen: Kaliber
(übersetzt von Karen Witthuhn)
Polar, 2015
184 Seiten
12,90 Euro

Originalausgabe
Calibre
St. Martin’s Minotaur, 2006

Die Inspector-Brant-Ermittlungen
1. A White Arrest (1998)
2. Taming the Alien (1999)
3. The McDead (2000)
4. Blitz: or Brant Hits the Blues (2002)
5. Vixen (2003)
6. Calibre (2006)
7. Ammunition (2007)

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans „Tower“ (Tower, 2009)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Oktober: Die Braut trug Schwarz

Oktober 18, 2014

Das ist, wenn ich mich jetzt nicht sehr irre, der einzige Film, der im Fernsehen zum dreißigsten Todestag von Francois Truffaut (21. Oktober) gezeigt wird.


Servus TV, 22.20
Die Braut trug Schwarz (Frankreich/Italien 1967, Regie: Francois Truffaut)
Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Louis Richard
LV: William Irish (Pseudonym von Cornell Woolrich): The Bride wore black, 1940 (Die Braut trägt Schwarz)
Wenige Sekunden vor der Hochzeit wird der Mann von Julie Kohler erschossen. Sie beschließt, seine Mörder umzubringen.
Truffauts Hommage an Alfred Hitchcock und eine fast schon chabrolhafte Abrechnung mit der Bourgeoisie.
„Truffaut auf einem ersten Höhepunkt seines Könnens“ schreibt Willi Winkler in „Die Filme von Francois Truffaut“ über „Die Braut trug Schwarz“. Davor drehte Truffaut „Sie küssten und sie schlugen ihn“, „Schießen Sie auf den Pianisten“, „Jules und Jim“, „Die süße Haut“ und „Fahrenheit 451“.
Mit Jeanne Moreau, Claude Rich, Jean-Claude Brialy, Michel Bouquet, Michel Lonsdale, Charles Denner

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Braut trug Schwarz“

Wikipedia über Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Arte über Francois Truffaut

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Kriminalakte über Francois Truffaut

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


DVD-Roundup, Teil 1: Spielfilme, Spielfilme und nochmal Spielfilme, größtenteils sehenswert

März 17, 2014

Schon wieder stapeln sich die gesehenen Filme auf meinem Schreibtisch, einige habe ich schon vor Wochen und Monaten gesehen, aber ich kam aus verschiedenen Gründen (Okay, der Hauptgrund ist, dass ich meine Kritik nicht sofort geschrieben habe) nicht dazu, etwas über die Filme zu sagen. Dabei sind sie fast alle einen Blick wert.

Beginnen wir mit den Spielfilmen.

Santiago, der Verdammte“ von „Detour“-Regisseur Edgar G. Ulmer wurde für ein Taschengeld gedreht und, nachdem er seinen Lauf durch die Kinos beendete, in irgendein Archiv versenkt. Jedenfalls ist die Bildqualität lausig. Auch die Story ist nicht gerade besonders glaubwürdig.

Denn der bis zum gehtnichtmehr gutherzige Bandit Santiago flüchtet nach einem Diebstahl, bei dem sein Freund tödlich verwundet wurde, in Richtung Grenze. Auf seiner Flucht begegnet er einem jungen Farmerehepaar, das sich kaum über Wasser halten kann und deren Ehe kriselt. Während sie mit ihm flüchten möchte, möchte er Santiagos Geld und Santiago benimmt sich nicht wie ein hartgesottener Bandit, sondern wie die Vulgärversion von Jesus.

Aber die Schauspieler sind mit soviel Energie bei der Sache und die von Ulmer gezeichneten Charaktere, vor allem die Hassliebe des Ehepaares und ihre Gier nach Geld, reißen mit in diesem Mysterienspiel unter südlicher Sonne, das zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, als der gute alte Wilde Westen schon Geschichte war, spielt und bei dem kein Charakter ohne Makel ist. Im Gegenteil!

Santiago, der Verdammte - DVD-Cover

Santiago, der Verdammte (The Naked Dawn, USA 1954)

Regie: Edgar G. Ulmer

Drehbuch: Nina Schneider, Herman Schneider (Pseudonym von Julian Zimet)

mit Arthur Kennedy, Betta St. John, Eugene Iglesias, Charlita, Roy Engel

DVD

Koch Media – Edition Western-Legenden # 25

Bild: 1.33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bildergalerie, Originaltrailer

Länge: 78 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Santiago, der Verdammte“

Turner Classic Movies über „Santiago, der Verdammte“

Wikipedia über „Santiago, der Verdammte“

Wikipedia über Edgar G. Ulmer (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Edgar G. Ulmer

Meine Besprechung von Edgar G. Ulmers „Detour – Umleitung“ (Detour, USA 1945)

Und noch ein Großer, der hier einen kleinen Film inszenierte. Die Budgetbeschränkungen und das – höflich formuliert – verwirrende Drehbuch machte er durch Stil- und Experimentierwillen wett.

Also die Story: in Frankreich während der Terrorherrschaft der Jakobiner wollen alle das titelgebende „Schwarze Buch“ haben. In ihm notierte Robespierre die künftigen prominenten Kandidaten für die Guillotine. Und weil sich alle herzlich misstrauen, aufs Kreuz legen und mit falschen Identitäten operieren, gibt es einem ziemlich verwirrenden Kampf um das Buch, bei dem das Interesse schnell erlahmt.

Denn es gibt überall Lug und Trug, Logik eher wenig und Anthony Mann inszenierte das alles in schönster Noir-Ästhetik, was dann auch die Aufnahme in die „Film Noir“-Reihe rechtfertigt. Trotzdem ist „Das schwarze Buch“ eher ein Film für Komplettisten.

Das schwarze Buch - DVD-Cover

Das schwarze Buch (Reign of Terror/The Black Book, USA 1949)

Regie: Anthony Mann

Drehbuch: Philip Yordan, Æneas MacKenzie

mit Robert Cummings, Richard Basehart, Arlene Dahl, Norman Lloyd

DVD

Koch Media (Film Noir Collection # 14)

Bild: 1.33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Bildergalerie

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das schwarze Buch“

Turner Classic Movies über „Das schwarze Buch“

Wikipedia über „Das schwarze Buch“ (deutsch, englisch)

Das kann von „Zeuge gesucht“, einem Noir-Klassiker, der bei uns seit Ewigkeiten nicht mehr im TV lief, nicht gesagt werden. Denn Robert Siodmaks erster Noir, nach einem Roman von Cornell Woolrich, war gleich ein Volltreffer.

Der hard-boiled Roman Woolrichs und Siodmaks Anleihen beim Expressionismus erweisen sich als eine geglückte Kombination.“ (Paul Werner: Film Noir)

Die Geschichte ist ein wahrer Alptraum. Jedenfalls für Scott Henderson, der als gehörnter Ehemann eine Nacht mit einer unbekannten Schönheit verbringt, die ihm ihren Namen nicht verraten will. Als er am nächsten Tag in seine Wohnung zurückkehrt, erwartet ihn die Polizei. Seine Frau wurde ermordet und natürlich ist Henderson der Hauptverdächtige. Sein Alibi, mit einer Unbekannten eine Show besucht zu haben, ist vollkommen unglaubwürdig. Vor allem nachdem die Polizei es überprüfte und niemand sich an die Schönheit erinnerte.

Nur seine Sekretärin Carol Richman glaubt ihm. Sie beginnt die titelgebende „Phantom Lady“ zu suchen – und auch den Mörder von Hendersons Frau.

Zeuge gesucht - DVD-Cover

Zeuge gesucht (Phantom Lady, USA 1943)

Regie: Robert Siodmak

Drehbuch: Bernard C. Schoenfeld

LV: William Irish (aka Cornell Woolrich): Phantom Lady, 1942

mit Francot Tone, Ella Raines, Alan Curtis, Aurora Miranda, Elisha Cook jr.

DVD

Koch Media (Film Noir Collection # 15)

Bild: 1.33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Bildergalerie, Originaltrailer

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Zeuge gesucht“

Turner Classic Movies über „Zeuge gesucht“

Wikipedia über „Zeuge gesucht“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Zeuge gesucht“

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Cornell Woolrich in der Kriminalakte

Ja, „Paranoia“ lief auch einige Tage im Kino. Aber nachdem er in den USA grandios floppte, sekundiert von desaströsen Kritiken, wollte der Verleih wohl nicht mehr Geld als nötig in die Kinoauswertung stecken, hofft jetzt aber auf ein erfolgreicheres Leben auf DVD. Immerhin ist die Vorlage von Bestsellerautor Joseph Finder (obwohl das in der Werbung eher verschwiegen wird), Regie führte Robert Luketic, der mit „21“ einen hübschen Gaunerfilm inszenierte, Liam Hemsworth und Amber Heard für das jüngere und Gary Oldman, Harrison Ford und Richard Dreyfuss (der kaum erwähnt wird) für das ältere Publikum sind dabei. Auch die Story wirkt auf den ersten Blick spannend: Nicholas Wyatt (Gary Oldman) schickt den jungen, ehrgeizigen Software-Programmierer Adam Cassidy (Liam Hemsworth) undercover in die Firma von seinem Konkurrenten Jock Goddard (Harrison Ford). Wyatt will so an dessen neueste Entwicklung kommen, die erstens bahnbrechend und zweitens den Markt in den kommenden Jahren bestimmen soll.

Trotzdem ist „Paranoia“ ein erschreckend unspannender Thriller bei dem die bahnbrechende Entwicklung (die eh nur der MacGuffin ist, aber ungefähr so aussieht, wie eine zehn Jahre alte Entwicklung) nie überzeugt, der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Firmen ein Hahnenkampf zwischen den Chefs ist und wir nichts substantielles über Industriespionage erfahren.

Paranoid ist höchsten, wer glaubt, dass „Paranoia“ ein Thriller sei.

Paranoia - DVD-Cover

Paranoia – Riskantes Spiel (Paranoia, USA/Frankreich 2013)

Regie: Robert Luketic

Drehbuch: Jason Dean Hall, Barry Levy

LV: Joseph Finder: Paranoia, 2004 (Goldjunge, Paranoia)

mit Liam Hemsworth, Amber Heard, Gary Oldman, Harrison Ford, Josh Holloway, Julian McMahon, Richard Dreyfuss

DVD

Studiocanal

Bild: 2,40:1 (anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (5.1 DD)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Featurettes, Geschnittene Szenen, Hinter den Kulissen, Trailer, Wendecover

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Paranoia“

Moviepilot über „Paranoia“

Metacritic über „Paranoia“

Rotten Tomatoes über „Paranoia“

Wikipedia über „Paranoia“ (deutsch, englisch)

Homepage von Joseph Finder

Dagegen erscheint „Errors of the Human Body“ verdammt gut. Eron Sheean drehte mit einem überschaubarem Budget einen hübschen kleinen Thriller, der über weite Strecken wie ein Medizin-Thriller in der „Coma“-Tradition aussieht, der nicht thrillen will, und am Ende zu einem ausgewachsenem Noir wird.

Der Genetiker Geoff Burton (Michael Eklund) war ein Starforscher, der mit einer neuen Therapie seinen Sohn heilen wollte. Die Therapie schlug nicht an, sein Sohn starb und Burton ertrinkt seitdem im Selbstmitleid. Da erhält er einen Ruf an das Institut für Genetik in Dresden. Dort steht seine frühere Assistentin und Geliebte Rebekka (Karoline Herfurth) kurz vor einer bahnbrechenden Entdeckung: nämlich einem auf seinen Forschungen basierendem Regenerations-Gen, das Krankheiten heilen und das Altern verhindern kann. Burton soll ihr bei den abschließenden Arbeiten helfen. Aber es gibt auch andere Forscher an der Universität, die sich seltsam verhalten, Konkurrenten von Rebekka sind und Burton seltsame Angebote machen. Außerdem sieht Burton das winterliche Dresden mit den Augen eines Fremden, der glaubt, dass an dem Institut auch geheime Forschungen durchgeführt werden. Schlimmer noch: mit der Zeit glaubt er sogar, selbst Teil eines genetischen Experiments zu sein.

Regisseur Eron Sheean gelingt es in „Errors of the Human Body“ eine unheimliche Atmosphäre zu beschwören, indem er Dresden und das Universitätsinstitut (gedreht wurde am dortigen „Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik“) aus Burtons Perspektive filmt, der zunehmend den Kontakt zur Wirklichkeit verliert. Deshalb scheinen sich auch alle immer etwas seltsam zu benehmen. Veles deutet Sheean nur an, kann aber nach dem Genuss von einigen Medizinthrillern mühelos entschlüsselt werden. Dadurch erscheint der Film aber im Mittelteil unnötig langsam.

Aber das düstere Ende entschädigt dafür.

Genrejunkies sollten einen Blick riskieren.

Als Bonus gibt es ein sehr informatives, zwölfminütiges Interview mit Eron Sheean.

Errors of the Human Body - DVD-Cover

Errors of the Human Body (Errors of the Human Body,

Regie: Eron Sheean

Drehbuch: Shane Danielsen, Eron Sheean

mit Michael Eklund, Karoline Herfurth, Tómas Lemarquis, Rik Mayall, Caroline Gerdolle

DVD

Pandastorm

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Interview mit dem Regisseur, Originaltrailer

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Errors of the Human Body“

Rotten Tomatoes über „Errors of the Human Body“

Wikipedia über „Errors of the Human Body“

Keinen Blick muss man bei „Das Frauenhaus“ und „Die Sklavinnen“ riskieren, zwei weiteren Filmen aus der Kooperation zwischen Jess Franco und Erwin C. Dietrich in den siebziger Jahren, die mühelos das Niveau der anderen Filme der „Jess Franco Golden Goya Collection“ halten: viel nackte Haut, wenig Story, kein Anspruch.

Wobei „Die Sklavinnen“ fast eine nacherzählbare Geschichte erzählt, weil Jess Franco sich hier des Kunstkniffs bediente, einfach den größten Teil als Rückblende zu erzählen.

Der Millionär Amos Radeck entführt nach einem Gefängnisaufenthalt (der durch ihre Flucht frühzeitig beendet wurde) die Bordellbetreiberin Arminda. Radeck glaubt, dass Arminda seine Tochter entführt hat. Er lässt sie foltern und Arminda erzählt aus ihrem Leben, das in Franco-Mainier illustriert wird. Dennoch zeigt er in „Die Sklavinnen“ verhältnismäßig wenig nackte Haut.

In „Das Frauenhaus“ ist dann alles wieder beim alten. In dem Film werden dann epische Tanzszenen aus einem Nachtclub (ich würde es nicht „Striptease“ oder „Pole Dancing“ nennen) und ebenso epische Folterszenen aneinandergeklatscht. Denn der Nachtclub „Blue Rita“ ist die Fassade für eine Frauenverbrecherbande, die hochrangige Barbesucher entführt und erpresst. Sie betreiben dabei auch etwas Industriespionage und – oh Wunder! – Interpol jagt sie.

Bei diesem Werk hat Jess Franco sich etwas von trashigen Science-Fiction-Filmen inspirieren gelassen, was immerhin zu einigen absurden Bildern – nackte Frauen mit Gasmasken! – und debilen Folterszenen führt, wenn die nackten Frauen eine farbige Flüssigkeit auf ihr Opfer kippen und er aber so etwas von Sexgeil wird, dass er am liebsten die Ketten sprengen würde. In der richtigen Stimmung ist das ziemlich witzig.

Die Schauspieler sind aus den anderen Franco-Filmen bekannt. Die herrlich durchgeknallte Musik in beiden Filmen ist von Walter Baumgartner und, mal wieder, das Beste an den Filmen.

Die Sklavinnen - DVD-CoverDas Frauenhaus - DVD-Cover

Die Sklavinnen (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Erwin C. Dietrich

mit Lina Romay, Martine Stedil, Eric Falk, Peggy Markoff, Vitor Mendes

auch bekannt als „Die Sexhändler“ und „Die Verschleppten“ (waren anscheinend in der Schweiz die Video-Titel)

DVD

Ascot Elite

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Originaltrailer, Fotogalerie, Audio-Interview mit Jess Franco

Länge: 74 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Das Frauenhaus (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Jess Franco

mit Martine Fléty, Sarah Strasberg, Dagmar Bürger, Eric Falk

auch bekannt als „Blue Rita“

DVD

Ascot Elite

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Japanisch

Bonusmaterial: Originaltrailer, Fotogalerie, Featurette „Sklave im Frauenhaus“ (Interview mit Eric Falk)

Länge: 76 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Wikipedia über Jess Franco (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Jess Franco

Meine Besprechung von Jess Francos „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ (Jack, the Ripper, Deutschland/Schweiz 1976)

Meine Besprechung von Jess Francos „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ (Schweiz 1975)

Meine Besprechung von Jess Francos „Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin“ (Schweiz 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Frauen für Zellenblock 9“ (Schweiz 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Ilsa – The Mad Butcher“ (Schweiz/Deutschland/USA 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Die teuflischen Schwestern – Sexy Sisters“ (Schweiz 1977)

Meine Besprechung von Jess Francos „Wicked Women – Das Haus der mannstollen Frauen“ (Schweiz 1977)


TV-Tipp für den 16. Juni: Das Fenster zum Hof

Juni 16, 2013

Arte, 20.15

Das Fenster zum Hof (USA 1954, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Wiederholung: Dienstag, 18. Juni, 13.55 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)


TV-Tipp für den 18. Dezember: Das Fenster zum Hof

Dezember 18, 2012

3sat, 22.25

Das Fenster zum Hof (USA 1954, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Cornell Woolrich in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 9. Juni: Martha

Juni 9, 2012

BR, 21.55

Martha (D 1973, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder

LV: Cornell Woolrich: For the Rest of Her Life, 1968 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in Ellery Queen’s Mystery Magazine, deutscher Titel „Für den Rest ihres Lebens“)

Unerreichte Studie einer sadomasochistischen Paarbeziehung: Helmut Salomon versucht seine Frau, die etwa dreißigjährige Martha, zu erziehen und isoliert sie dafür zunehmend von der Außenwelt. Martha hat zunehmend Angst um ihr Leben. Aber sie will auch erzogen werden.

Weil Rainer Werner Fassbinder die Rechte an der Geschichte von Cornell Woolrich nicht hatte, durfte der für das Fernsehen gedrehte Film fast zwanzig Jahre nicht gezeigt werden. Er lief nur zweimal, 1974 und 1976, im Fernsehen. Als „Martha“ 1994 in Venedig seine Kinouraufführung hatte und im November 1994 im Kino startete, waren die Kritiker begeistert.

Martha“ ist ein gut abgehangener Noir. Oder, für die Bildungsbürger: „Martha ist die ‚triviale’ Horror-Variante von Fontane Effi Briest…Von allen Filmen Fassbinders erscheint mir dieser der kompakteste, ein Film ohne Abschweifungen, zielstrebig auf einen Punkt zusteuernd.“ (Wilhelm Roth in Rainer Werner Fassbinder, Reihe Film 2, Hanser Verlag)

Mit Margit Carstensen, Karlheinz Böhm, Adrian Hoven, Barbara Valentin, Ingrid Caven, Günter Lamprecht, Peter Chatel, Salem El Hedi, Kurt Raab (und dem Bodensee, besonders Konstanz, als Kulisse)

Hinweise

Wikipedia über „Martha“ (deutsch, englisch)

Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder (deutsch, englisch)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich


TV-Tipp für den 5. Juni: Romeo is bleeding

Juni 5, 2012

Bayern, 23.45

Romeo is bleeding (USA 1993, R.: Peter Medak)

Drehbuch: Hilary Henkin

Der korrupte Cop Grimaldi soll eine Berufskillerin, die sich mit der Mafia angelegt hat, beschützen. Er verliebt sich in sie und, auch weil sie ihr eigenes Spiel spielt, gerät er zwischen alle Fronten.

„Ein Film noir wie aus der Schreibmaschine von Cornell Woolrich“, steht vollkommen zutreffend im Fischer Film Almanach (1995).

mit Gary Oldman, Lena Olin, Annabella Sciorra, Juliette Lewis, Roy Scheider, Will Patton, David Proval, James Cromwell, Ron Perlman, Dennis Farina (Cameo)

Hinweise

Wikipedia über „Romeo is bleeding“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: Guy Savage über „Romeo is bleeding“


Buddy Giovinazzo rät „Piss in den Wind“

März 9, 2012

Piss in den Wind“ ist nicht gerade der Roman, den man von Buddy Giovinazzo erwartet. In seinen bisherigen Romanen waren Gangster, Dealer und Junkies die Protagonisten. Es war die „Poesie der Hölle“ in „Cracktown“, der „Broken Street“ und auch am „Potsdamer Platz“ (so die Titel seiner bisherigen Romane). Daneben drehte er auch etliche Filme. Seine amerikanischen bewegten sich im Unterschicht- und Kriminellenmilieu seiner Romane; seine deutschen sind vorzügliche TV-Beiträge für den „Tatort“, „Polizeiruf 110“ und „Wilsberg“.

Piss in den Wind“, sein neuester Roman, der wieder einmal zuerst auf Deutsch erschien, ist dagegen ein waschechter Noir. Universitätsdozent James Gianelli ist, abgesehen von seiner Eifersucht und seiner Zuneigung zu seinen Studentinnen, ein ganz normaler Mann, bis ihn seine derzeitige Freundin verlassen will und er einen Blackout hat. Danach wacht er neben ihrer Leiche auf und weil nur ein Mann als Täter in Frage kommt, lässt er ihre Leiche und ihr Auto verschwinden. Ihren Freunden erzählt er, dass er keine Ahnung hat, wo sie ist. Er scheint mit seiner Lüge durchzukommen.

Auf einem seiner Streifzüge mit dem Fotoapparat sieht er, wie vier Männer die Leiche einer ermordeten Prostituierten aus dem Meer bergen. Er fotografiert sie. Kurz darauf taucht ihr Geist bei ihm auf. Gianelli weiß zwar, dass Dominique nur ein Geist ist, aber sie ist auch die Frau seiner Träume. Denn im Gegensatz zu seinen vorherigen Freundinnen widerspricht sie ihm nicht, er kann sie ganz nach seinen Wünschen formen und sie wird ihn auch niemals für einen anderen Mann verlassen. Aber auch ein Geist ist nicht vollkommen willenlos.

Piss in den Wind“ ist ein Noir, der wohlige Erinnerungen an die klassischen Noirs, die Werke von James M. Cain, Cornell Woolrich, David Goodis und auch Jim Thompson weckt. Vor ihnen muss Buddy Giovinazzo sich wahrlich nicht verstecken. Auch wenn sein Ende nicht gar so düster ausfällt.

Buddy Giovinazzo: Piss in den Wind

(übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller)

pulp master, 2011

256 Seiten

13,80 Euro

Originalausgabe“

Caution to the winds

2009 (noch ohne amerikanischen Verlag)

Hinweise

Wikipedia über Buddy Giovinazzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Buddy Giovinazzo

One Road.Endless Possibilities: Interview mit Buddy Giovinazzo (21. Februar 2011, deutsch)

Meine Besprechung von Buddy Giovinazzos “Cracktown” (Life is hot in Cracktown, 1993)

Buddy Giovinazzo in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. September: Fegefeuer der Eitelkeiten

September 11, 2011

Arte, 20.15

Fegefeuer der Eitelkeiten (USA 1990, R.: Brian De Palma)

Drehbuch: Michael Cristofer

LV: Tom Wolfe: The Bonfire of the Vanities, 1987 (Fegefeuer der Eitelkeiten)

Ein Yuppie überfährt nachts einen Afroamerikaner und alle haben endlich die Story ihres Lebens.

Damals zu Unrecht verrissene und geflopte eigenständige Verfilmung eines grandiosen Buches über New York, die Achtziger, Ehrgeiz, Yuppies, Schwarze, Bürgermeister und – in diesem Sumpf niederer Gelüste – ein Richter als moralische Instanz. Noir im Gewand von Satire, Sittenbild und hoher Literatur.

Michael Cristofer schrieb auch das Drehbuch zu „Die Hexen von Eastwick“, zur vor Ewigkeiten geplanten und inzwischen auf unbekannte Zeiten verschobenen Michael Connelly-Verfilmung „Im Schatten des Mondes“ (Void Moon) und zum in Planung befindlichen „The Thomas Crown Affair II“ (wieder mit Pierce Brosnan und basierend auf Eric Amblers „Topkapi“). Außerdem drehte er die Cornell Woolrich-Verfilmung „Original Sin“.

Mit Bruce Willis, Tom Hanks, Melanie Griffith, Kim Cattrall, Morgan Freeman, F. Murray Abraham

Wiederholung: Montag, 12. September, 14.30 Uhr

Hinweise

Homepage von Tom Wolfe

Time: Artikel über Tom Wolfe (2004)

Die Welt: Interview mit Tom Wolfe (2007)

Tom Wolfe in der Charlie Rose Show (2007 – außerdem mit Kurt Vonnegut)

Guardian: Interview mit Tom Wolfe (2008 – mit Podcast)

Seed Magazine: Gespräch zwischen Tom Wolfe und Michael Gazzaniga (2008 )


TV-Tipp für den 19. August: Romeo is bleeding

August 19, 2011

RBB, 00.30

Romeo is bleeding (USA 1993, R.: Peter Medak)

Drehbuch: Hilary Henkin

Der korrupte Cop Grimaldi soll eine Berufskillerin, die sich mit der Mafia angelegt hat, beschützen. Er verliebt sich in sie und, auch weil sie ihr eigenes Spiel spielt, gerät er zwischen alle Fronten.

„Ein Film noir wie aus der Schreibmaschine von Cornell Woolrich“, steht vollkommen zutreffend im Fischer Film Almanach (1995).

mit Gary Oldman, Lena Olin, Annabella Sciorra, Juliette Lewis, Roy Scheider, Will Patton, David Proval, James Cromwell, Ron Perlman, Dennis Farina (Cameo)

Hinweise

Wikipedia über „Romeo is bleeding“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: Guy Savage über „Romeo is bleeding“


Eine „Tödliche Injektion“ von Jim Nisbet

Mai 16, 2011

Dr. Franklin Royce ist in Texas Gefängnisarzt, Alkoholiker und verheiratet. „unglücklich verheiratet“ wäre ein Euphemismus für den Zustand seiner Ehe und das erklärt vielleicht auch, weshalb er dem zum Tode verurteiltem Afroamerikaner Bobby Mencken zuhört, als dieser vor seinem Tod seine Unschuld beteuert. Danach setzt Royce ihm die Giftspritze und er darf das Geld für seine erste Hinrichtung einstreichen.

Aber das Gewissen lässt ihn nicht los und er beginnt in Menckens Leben im Armenviertel von Dallas herumzustöbern. Er trifft auf dessen Freundin, die drogensüchtige Prostituierte Colleen Valdez und Menckens Freund Fast Eddie, die wissen, was damals geschah. Royce verliebt sich in Colleen, bleibt bei den beiden, driftet immer mehr in deren kleinkriminelles Leben und wird vom Beobachter zum Mittäter.

Weil „Tödliche Injektion“ sogar nach Daniel Woodrels strenger Definition, wonach ein Noir schlecht enden müsse, ein Noir ist, ist der selbstverschuldete Weg von Royce in die Hölle klar vorgezeichnet und Jim Nisbet malt ihn aus, als ob Cornell Woolrich eine Auszeit vom Tod genommen hat. Viel schwärzer als „Tödliche Injektion“ kann ein Noir nicht sein.

Gleichzeitig thematisierte Jim Nisbet als einer der ersten Autoren, nachdem die Todesstrafe 1976 in den USA wieder aufgenommen wurde und 1982 in Texas, seitdem der Staat mit den meisten Hinrichtungen, erstmals ein Mann mit einer Giftspritze hingerichtet wurde, die Todesstrafe. Fast klinisch schildert Nisbet auf den ersten Seiten, wie Mencken, der wahrlich nicht als Vorbild taugt, mit einer tödlichen Injektion, die von einem Arzt verabreicht werden muss, hingerichtet wird und die Reaktionen einiger Texaner darauf.

Seitdem Jim Nisbet seinen beunruhigenden Roman schrieb, lief die texanische Hinrichtungsmaschine erst richtig an und es wurde immer offensichtlicher, dass viel zu oft Unschuldige zum Tod verurteilt werden. Insofern ist „Tödliche Injektion“ mit seiner Kritik an der Todesstrafe heute noch aktueller als damals, als nur wenige Menschen hingerichtet wurden.

Und nun zur Frage aller Fragen für die wenigen Menschen, die noch die deutsche Erstausgabe haben: Lohnt sich der Neukauf? Es gibt ein fünfseitiges Vorwort von Sandro Veronesi und eine komplette Neuübersetzung. Wer aber nicht die verschiedenen Übersetzungen vergleichen und beurteilen will, kann auch mit der alten, seit Jahren nur noch antiquarisch erhältlichen Ausgabe leben.

Für alle anderen lohnt sich der Kauf. Denn „Tödliche Injektion“ ist ein fabelhafter Noir, der jetzt hoffentlich die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient.

Jim Nisbet: Tödliche Injektion

(neu übersetzt von Angelika Müller)

pulp master, 2011

240 Seiten

12,80 Euro

Deutsche Erstausgabe

Jim Nisbet: Tödliche Injektion

(übersetzt von Gabriele Kunstmann)

Black Lizard, 1989

Originalausgabe

Lethal Injection

Black Lizard Books, 1987

Hinweise

Homepage von Jim Nisbet

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Dunkler Gefährte“ (Dark Companion, 2006)

Mein Interview mit Jim Nisbet

Jim Nisbet in der Kriminalakte


Etwas für die Wunschliste: Film Noir Collection Box 1

Dezember 4, 2010

Wer die ersten drei Filme der „Film Noir“-Reihe von Koch Media noch nicht hat, sollte bei der jetzt erschienenen „Film Noir Collection Box 1“ zuschlagen. Denn „Die blaue Dahlie“ (nach einem Drehbuch von Raymond Chandler), „Spiel mit dem Tod“ (nach einem Roman von Kenneth Fearing) und „Scharzer Engel“ (nach einem Roman von Cornell Woolrich) sind tolle Noirs und schon seit Ewigkeiten nicht mehr im TV gelaufen.


TV-Tipp für den 11. April: Das Geheimnis der falschen Braut

April 11, 2010

Arte, 20.15

Das Geheimnis der falschen Braut (F/I 1969, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut

LV: Cornell Woolrich (als William Irish): Walz into darkness, 1947 (Walzer in die Dunkelheit)

Ein reicher Tabakhändler verliebt sich in eine wunderschöne Frau. Aber diese ist mehr an seinem Geld interessiert.

Damals war der Film bei der Kritik und an der Kasse ein Flop. Kein Wunder: Belmondo – ausgestattet mit einem betonharten Image als Draufgänger – spielt ein Weichei und Deneuve eine eiskalte Mörderin. Inzwischen hat sich Meinung zu Truffauts bösem Märchen im Hitchcock-Stil geändert: „Truffaut nutzt die Vorlage eines ´schwarzen´ Romans von Cornell Woolrich zu einer reizvollen Variation über das Thema der ‚amour fou‘ und spickt sie mit zahlreichen Verweisen auf die französische und amerikanische Kinotradition (Renoir, Hitchcock); ein hervorragend gespieltes Drama, das nie als ´Wirklichkeit´ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet

Hinweise

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich


Jim Nisbets kurzweiliger „Dunkler Gefährte“

März 3, 2010

Das ungewöhnlichste an Banerjhee Rolf ist sein Name. Denn seine Eltern kamen 1945 aus Indien in die USA. Der Rest strahlt die stockbiedere Normalität eines Mannes aus dem Mittelschicht aus. Er ist verheiratet, hat ein Haus (belastet mit einer Hypothek), der Sohn studiert in Chicago und er selbst wässert als Frührentner unter der kalifornischen Sonne seine Blumen.

Früher war er als Leiter der Qualitätskontrolle in einer Biotech-Firma ein wichtiger Mann, aber da wollte er vor allem als Wissenschaftler arbeiten und bei einer Umstrukturierung wurde seine Abteilung aufgelöst. Jetzt quält er sich mit seinen Schulden herum und züchtet Blumen. Zur Entspannung unterhält er sich über den Gartenzaun immer wieder mit seinem Nachbar Toby Pride, der anscheinend von seiner Ostküstenverwandschaft das Angebot bekommen hat, dass er sich nicht um Geld kümmern müsse, solange er an der Westküste bleibe. Rolf glaubt auch, dass Pride mit Drogen handelt. Aber das geht ihn nichts an, bis er sich zuerst von Pride breitschlagen lässt, ein Los zu kaufen und, als seine Frau für zwei Wochen zu ihrem Sohn fährt, er die Freundin von Pride vor ihrem wütendem Freund schützt. Schnell ist Prides Wut verraucht und sie machen es sich zu dritt in Prides Wohnung mit Drogen vor dem Fernseher gemütlich. Pride zeigt ihm begeistert die Sendungen eines Piratensenders.

Plötzlich stürmen zwei Männer hinein und beginnen auf sie zu schießen. Bei dem Schusswechsel sterben sie. Pride und seine Freundin werden tödlich verletzt und Rolf hat seinen ersten Mord begangen. Als ehrlicher Bürger will er natürlich sofort die Polizei anrufen, aber Pride hält ihn ab. Denn die Eindringlinge waren Polizisten und das ist noch nicht das schlimmste Geheimnis, das Pride ihm verrät. Rolf muss untertauchen.

Dunkler Gefährte“ ist bereits Jim Nisbets neunter Roman, sein zweites auf Deutsch erschienenes Werk und es wurde für den Hammett-Award, dem jährlichen Preis der nordamerikanischen Abteilung der International Association of Crime Writers, nominiert.

Es ist ein kleiner, feiner Noir über die Macht des Zufalls und wie ein, zwei kleine Ereignisse und eine Verkettung unglücklicher Umstände ein geregelt-langweiliges Leben vollkommen aus den geordneten Bahnen werfen können. Denn Banerjhee Rolf ist der falsche Mann zur falschen Zeit am falschen Ort.

Gleichzeitig porträtiert Jim Nisbet, wie in seinen früheren Romanen, nüchtern und ohne den polemischen Furor eines Michael Moore den US-amerikanischen Kapitalismus. In „Dunkler Gefährte“ rückt, vor allem in der ersten Hälfte, wenn Nisbet lakonisch von Rolfs Entlassung und seiner Suche nach einem neuen Job erzählt, der Umgang mit der Generation 50+ in den Vordergrund. Denn das Wissen von Rolf wird nicht gebraucht.

Vor zwanzig Jahren erschien in der ebenfalls von Frank Nowatzki herausgegebenen Black-Lizard-Reihe Nisbets zweiter Roman „Tödliche Injektion“ (Lethal Injection, 1987). In dieser Geschichte glaubt der alkoholabhängiger Gefängnisarzt Franklin Royce, dass der Afroamerikaner Bobby Mencken, dem er eben die Todesspritze verpasst hat, unschuldig war. Er will herausfinden, für wen Mencken in den Tod ging, und er besucht in den Slums von Dallas Menckens frühere Freunde.

Mit „Tödliche Injektion“ begibt Jim Nisbet sich sehr gelungen in einen alptraumhaften und hoffnungslosen Kosmos, der anscheinend von Cornell Woolrich ausgeborgt wurde. Woody Haut hält „Tödliche Injektion“ in seinem Buch „Neon Noir“ für „one of the best novels Jim Thompson never wrote“.

Für die anderen Nisbet-Romane sind dann Englischkenntnisse unerlässlich.

Jim Nisbet: Dunkler Gefährte

(übersetzt von Frank Nowatzki und Angelika Müller)

pulp master, 2010

192 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

Dark Companion

Dennis McMillan Publications, 2006

Hinweise

Homepage von Jim Nisbet

Fantastic Fiction über Jim Nisbet

The Writers‘ Block: Jim Nisbet liest seine Kurzgeschichte „Weight less than Shadow“ (aus „San Francisco Noir“, 20 Minuten)

Die zweite Meinung:


TV-Tipp für den 5. Dezember: Romeo is bleeding

Dezember 5, 2009

WDR, 23.45

Romeo is bleeding (USA 1993, R.: Peter Medak)

Drehbuch: Hilary Henkin

Der korrupte Cop Grimaldi soll eine Berufskillerin, die sich mit der Mafia angelegt hat, beschützen. Er verliebt sich in sie und, auch weil sie ihr eigenes Spiel spielt, gerät er zwischen alle Fronten.

Ein Film noir wie aus der Schreibmaschine von Cornell Woolrich“, steht vollkommen zutreffend im Fischer Film Almanach (1995).

mit Gary Oldman, Lena Olin, Annabella Sciorra, Juliette Lewis, Roy Scheider, Will Patton, David Proval, James Cromwell, Ron Perlman, Dennis Farina (Cameo)

Hinweise

Wikipedia über „Romeo is bleeding“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: Guy Savage über „Romeo is bleeding“


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