Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“

August 6, 2021

Im Moment glaubt Dominik Graf, dass eine Verfilmung genauso so lange sein soll, wie die Lektüre des Buches dauert. Bei einem kurzen Roman, also eigentlich eher einer Novelle, geht das. Trotzdem ist die Idee Unfug. Konsequent exekutiert würden dann Romanverfilmungen zehn bis zwanzig Stunden dauern. Solche Epen könnten dann nur noch im Fernsehen laufen. Dabei gibt es etliche Romanverfilmungen, die ausgezeichnete eigenständige Interpretionen von Romanen sind und deutlich kürzer als die Vorlage sind.

Das sage ich, weil die Länge von drei Stunden das Problem von Dominik Grafs ansonsten sehr gelungener, werktreuer und gleichzeitig eigenständiger Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ ist.

Kästners Roman erschien 1931 in einer leicht gekürzten Fassung als „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“. Er wurde von den Nazis als entartete Kunst angesehen und gehörte zu den Büchern, die während der Bücherverbrennung verbrannt wurden. 2013 erschien unter dem ursprünglich geplanten Titel „Der Gang vor die Hunde“ Kästners Originalfassung. Diese liegt Dominik Grafs Verfilmung zugrunde.

Fabians Geschichte ist eine bestenfalls lose verknüpfte Abfolge von Episoden, die ein Bild von Deutschland vor neunzig Jahren, also von den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren, ergeben. In einem Roman, vor allen in einem etwas über zweihundertseitigem Roman, der eine Satire ist, zur Avantgarde gehört und der ein Sittenbild ist, ist diese episodische Struktur kein Problem. Bei einem Film, der dann drei Stunden lang Episoden ohne eine erkennbare Geschichte aneinanderreiht, wird das zu einem Problem. Es wird redundant. Es wird langweilig.

Auch wenn ich jetzt nicht genau sagen kann, wo Graf hätte schneiden sollen, hätte er doch um ein Drittel kürzen sollen.

Das gesagt ist „Fabian“ ein absolut sehenswerter Film, der die Stimmung der zwanziger Jahre, das pulsierende Großstadt-, Künstler- und Bohèmeleben, ohne erkennbare Kompromisse und souverän mit allen filmischen Stilmitteln hantierend, auf die Leinwand bringt.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht – überzeugend von „Oh Boy“ Tom Schilling gespielt – Jakob Fabian, ein promovierter Germanist, der im Berlin der frühen dreißiger Jahre tagsüber als schlecht verdienender Werbetexter für eine Zigarettenfabrik arbeitet, in einem Zimmer zur Miete wohnt und nach Sonnenuntergang durch die Berliner Clubs und Bordelle zieht. Dabei lehnt der Flaneur und Beobachter nie einen Drink oder eine Affäre ab. Begleitet wird er meistens von seinem Studienfreund Stephan Labude. Der Sohn des vermögenden Justizrat Labude schreibt schon seit Jahren an seiner Habilitation und er ist bekennender und agitierender Kommunist. Er hat eine feste, in einer anderen Stadt lebende Freundin, die er heiraten will. Aber sie betrügt ihn.

Bei einem seiner nächtlichen Sauftouren trifft Fabian auf Irene Moll. Die verheiratete Frau hat mit ihrem Mann ein Arrangement getroffen, nach dem sie ihm ihre Liebhaber vorstellen muss, die Liebhaber einen Vertrag unterschreiben müssen und sie dann Sex haben dürfen. Dieses Angebot lehnt Fabian bei ihrer ersten Begegnung empört ab.

Kurz darauf trifft er in einem Kabarett Cornelia Battenberg. Zufällig haben sie in der gleichen Wohnung ein Zimmer gemietet. Sie verlieben sich ineinander. Cornelia will als Schauspielerin Karriere machen. Sie beginnt eine Affäre mit einem Filmproduzenten.

Aus diesen und zahlreichen weiteren Episoden, aber noch mehr aus der Inszenierung, ergibt sich ein Bild des damaligen Berlins und der damaligen Gefühlslage, die in bestimmten Aspekten immer noch oder wieder aktuell ist. Während in Kästners Roman die Warnung vor dem Nationalsozialismus zwischen den Zeilen steht – schließlich kannte Kästner als er den Roman schrieb, die Zukunft nicht – deutet Graf den beginnenden Nazi-Terror deutlich an. Er zeigt Stolpersteine, die es in Berlin erst seit einigen Jahren gibt. Auf ihnen stehen die Namen von Opfern der Nationalsozialisten. Wir sehen Nazi-Uniformen. Bei einer Konfrontation von Fabian mit einem von Labudes Studienkollegen ist der heraufziehende Faschismus deutlich spür- und sichtbar.

Sowieso interessiert Graf sich in seinem Sittengemälde wenig für historische Faktenkorrektheit. Ihm geht es darum, die damalige Stimmung, die von einem Gefühl eines nahenden Weltuntergangs geprägt war, begreifbar zu machen und tief in Fabians Psyche, die Psyche eines alles distanziert beobachtenden Moralisten, einzutauchen. Dieser Fabian ist kein Mitläufer. Er will nicht, während er sich durch das pulsierende Nachtleben treiben lässt, mit der Masse mitschwimmen.

Dazu lässt Graf die Kamera fiebrig durch die engen, dunklen Räume tanzen. Er schneidet teils im Sekundentakt. Später, wenn Fabian sich verliebt und seine Eltern besucht, wird die Kamera und der Anfangs atemlose Erzählrhythmus ruhiger. Graf wechselt munter die Kameras, das Filmmaterial und das Bildformat. Er schneidet historische Aufnahmen hinein. Dazu kommt ein konstanter Fluss von Dialogen und Voice-Over. Auch wenn nicht alle Texte von Kästner sind, haben sie immer einen deutlichen Kästner-Einfluss. So ergibt sich eine souveräne, sehr eigenständige Interpretation des Romans, die immer wie eine wortwörtliche Übertragung wirkt, es aber nicht ist. Graf und sein Co-Drehbuchautor Constantin Lieb haben den Geist des lesenswerten Buches vorzüglich eingefangen.

Nach diesem „Fabian“ kann man Wolf Gremms „Fabian“ von 1979 getrost vergessen. Denn der ist nur hochbudgetiertes, letztendlich billiges Ausstattungskino. Genau das kann von dem „Gang vor die Hunde“ nicht gesagt werden.

Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Deutschland 2021)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Constantin Lieb, Dominik Graf

LV: Erich Kästner: Fabian oder Der Gang vor die Hunde, 1931/2013

mit Tom Schilling, Albrecht Schuch, Saskia Rosendahl, Michael Wittenborn, Petra Kalkutschke, Elmar Gutmann, Aljoscha Stadelmann, Anne Bennent, Meret Becker

Länge: 186 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

(zum Kinostart mit Filmcover und einigen Filmbildern)

Erich Kästner: Fabian oder Der Gang vor die Hunde

Atrium, 2021

248 Seiten

12 Euro

Erstausgabe dieser Ausgabe

Atrium Verlag, 2013

Erstausgabe

Fabian – Die Geschichte eines Moralisten

Deutsche Verlags-Anstalt, 1931

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“

Moviepilot über „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“

Metacritic über „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“

Rotten Tomatoes über „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“

Wikipedia über „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Erich Kästners „Die verschwundene Miniatur“ (1935/2009)

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte

 

 


Dominik Graf spricht über seine Filme

Dezember 20, 2010

Von der zehnteiligen Krimiserie „Im Angesicht des Verbrechens“ war ich enttäuscht.

Von dem die Serie begleitendem Buch bin ich begeistert.

Denn das von Johannes F. Sievert herausgegebene Buch „Im Angesicht des Verbrechens“ ist kein Roman zum Film, kein Abdruck des Drehbuchs und kein blindes Abfeiern der Serie als Meisterwerk. Es ist ein Interviewband, der „Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“ (so der Untertitel) zeigen will und deshalb einen tiefen Einblick in die Produktion eines Films von den ersten Ideen bis zur Premiere gibt. Gleichzeitig, weil das Herzstück des Buches ein zweihundertseitiges Interview mit Regisseur Dominik Graf ist, ist es auch ein Rückblick auf sein Leben, wie er Regie führt und wie sich sein Stil änderte. Dabei kommt er in dem Gespräch immer wieder auf „Der Fahnder“ (die Serie, in der er seine ersten Meriten sammelte), „Die Katze“ (der erfolgreiche Banküberfallthriller mit Götz George und Gudrun Landgrebe) und „Die Sieger“ (ein erfolgloser Thriller über ein SEK-Team) zurück. Gerade „Die Sieger“ wird von Graf in dem Gespräch immer wieder genannt. Denn an diesem Film, den er für gescheitert hält, könne man einfach am Besten erklären, was er erreichen wollte, was schiefging und welche Folgen die falschen Kompromisse und Budgetbeschränkungen auf einen Film haben können. Die knappen und oft zu knappen Budgets, was sich vor allem an Action- und Massenszenen zeigt, sind ein wiederkehrendes Thema in dem Buch. Ein anderes wiederkehrendes Thema ist Grafs Suche nach dem Schmutz und dem bisschen Leben im Film. Denn er möchte in seinen Filmen nicht nur eine in jeder Beziehung perfekte Traumwelt zeigen, sondern auch Überraschungen und Improvisationen Raum geben. So wies er, als beim Dreh einer komplizierten Restaurantszene von „Im Angesicht des Verbrechens“, in der verschiedene Gruppen von Polizisten Gangster beobachten sein Team an, einen herumstreunenden Hund nicht aus dem Bild zu entfernen.

Im Anschluss an das ausführliche Interview mit Dominik Graf führte Johannes F. Sievert kürzere Interviews mit Drehbuchautor Rolf Basedow (das hätte ruhig ausführlicher sein können), den WDR-Redakteuren Wolf-Dietrich Brücker und Frank Tönsmann, Arte-Redakteur Andreas Schreitmüller, Producerin Kathrin Bullemer, Kameramann Michael Wiesweg, Szenenbildner Claus-Jürgen Pfeiffer, den Musikern Florian Van Volxem und Sven Rosenbach, der Cutterin Claudia Wolscht und den Hauptdarstellern. Diese Statements, die nach vertrauten Promo-Sätzen klingen, hätte man ruhig streichen können.

Eine euphorische Kritik der Serie von Peter Körte, ein Episodenguide, ein Glossar, eine detaillierte Filmographie von Dominik Graf und 75 Abbildungen runden das für Filmfans essentielle Werk ab.

Johannes F. Sievert (Hrsg.): Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie

Alexander Verlag, 2010

392 Seiten

29,90 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung von „Im Angesicht des Verbrechens“

Dominik Graf in der Kriminalakte

 


Dominik Graf liest

September 20, 2010

Dominik Graf liest einen Text aus seinem Buch „Schläft ein Lied in allen Dingen“ vor:


Erster Eindruck: Dominik Graf: Schläft ein Lied in allen Dingen

November 12, 2009

Graf - Schläft ein Lied in allen Dingen

Unbestritten ist Dominik Graf einer von Deutschlands besten Regisseuren. Außerdem ist er einer der ganz wenigen deutschen Regisseure, der über seine Filme und die von Kollegen schreibt. Er outet sich dann immer wieder als hoffnungsloser Filmfan, der seine Passion zum Beruf gemacht hat, und in einer guten Tradition steht. Hans-Christoph Blumenberg, Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Jean-Pierre Melville, Francois Truffaut, Claude Chabrol und Martin Scorsese, um nur einige zu nennen, haben offen über ihre Einflüsse gesprochen und so die Liste der Filme, die ich sehen will, verlängert. Einige sind über das Schreiben zur Regie gekommen.

Bei Dominik Graf war es umgekehrt. Er inszenierte einige Kinofilme, wie „Treffer“, „Die Katze“ und „Die Sieger“. Gleichzeitig arbeitete er für’s Fernsehen. Vor allem für die legendäre Vorabendserie „Der Fahnder“. Nachdem sein etwas zu lang geratener, unterschätzter Polizeifilm „Die Sieger“ an der Kasse floppte, arbeitete er fast nur noch für das Fernsehen und drehte etliche Filme, die den meisten heimischen Kinoproduktionen meilenweit überlegen sind. Denn Dominik Graf hat nicht nur eine eigene Handschrift, sondern er will explizit Filme für ein denkendes Publikum machen. Deshalb bedient er sich gerne des Genrekinos. In ihm kann er innerhalb bestimmter Regeln eine maximale Freiheit erreichen. Zuletzt gelang ihm das mit „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“. Parallel dazu veröffentlichte er zahlreiche Texte über von ihm geliebte Filme und bewunderte Regisseure. Sie rechtfertigen sein eigenes Schaffen und offenbaren seine Einflüsse.

Filmjournalist Michael Althen hat jetzt für den schön gestalteten Sammelband „Schläft ein Lied in allen Dingen“ 56 Texte von Dominik Graf ausgewählt. Die meisten Essays erschienen in der FAZ oder der SZ, zehn an anderen Orten und zwei sind bislang unveröffentlicht. Sortiert sind die Texte nach Ländern (Deutschland, Amerika, England, Frankreich, Italien, Osteuropa). Außerdem gibt es fünf Porträts.

Graf erinnert in ihnen an die Arten des Filmemachens, die heute weitgehend untergegangen sind. Es ist das alte Hollywood-Genrekino und das Hollywood-Kino der Siebziger Jahre, auf das sich inzwischen wieder vermehrt Regisseure von Polit- und Polizei-Thrillern beziehen. Er macht immer wieder auf das mal mehr, mal weniger vergessene Kino jenseits des Mainstreams aufmerksam. Es sind auch vergessene Filme von bekannten Regisseuren, wie George Roy Hills „Die Libelle“, dabei. Damals ein Flop und heute vergessen. Aber nach Grafs Liebeserklärung will man sich den Film wieder ansehen.

Und das ist auch bei den anderen Filmen, wie „Die dritte Genration“, „Das Privatleben des Sherlock Holmes,“, „The Dead Zone“, „New Rose Hotel“, „Ein mörderischer Sommer“ und „Allein gegen die Mafia“, so.

Außerdem gibt es einen 14-seitigen Anhang, in dem Graf etliche DVDs empfiehlt und kurz kommentiert.

Damit ist „Schläft ein Lied in allen Dingen“ eine Einladung zum Entdecken und Wiedersehen von Filmen. Ein feines Buch für lange Abende.

Anmerkung 1: Jetzt fehlt nur noch ein Buch, das die verschiedenen Texte von Dominik Graf über seine Filme und Interviews mit ihm versammelt.

Dann kann ich mein altes Projekt, ein Filmbuch über Dominik Graf, in der Schublade verschwinden lassen.

Anmerkung 2: Die DVD-Produzenten sollten endlich mal etwas Geld in die Hand nehmen und die Filme von Dominik Graf in einer wenigstens halbwegs anständigen Version auf den Markt bringen. Ein Audiokommentar oder ein Gespräch mit Graf als Bonusmaterial wären schon mal ein Anfang.

Denn bis jetzt sind die meisten seiner Filme in absolut lieblosen Ausgaben, oft mit einem gruseligen Cover und ohne Bonusmaterial, erschienen.

 

Dominik Graf: Schläft ein Lied in allen Dingen – Texte zum Film

(Herausgegeben von Michael Althen)

Alexander Verlag, 2009

376 Seiten

19,90 Euro

Buchpräsentation

Mittwoch, 18. November

Buecherbogen am Savignyplatz (Stadtbahnbogen 593, Berlin, S-Bahnhof Savignyplatz)

19.00 Uhr

Eintritt frei

Eine Veranstaltung im Rahmen der 18. Berlin-Brandenburgischen Buchwochen


Deutscher Filmpreis 2021 – Die Preisträger:innen

Oktober 1, 2021

Wer hat darf denn dieses Jahr mit den Lolas (und dem damit verbundenem Preisgeld) heimgehen? Erstaunlich oft „Ich bin dein Mensch“ und erstaunlich selten „Fabian“. Da gab es wohl so einen „Dominik Graf muss nicht schon wieder alle Preise gewinnen“-Effekt und, wie ich schon bei der Veröffentlichung der Nominierungsliste schrieb, „Ich bin dein Mensch“ ist auch ein guter Film. Der zweite große Gewinner ist „Tides“ – und damit hätten zwei Genrefilme, zwei Science-Fiction-Film, die beide sehenswert sind, groß abgeräumt.

Also, hier noch einmal die vollständige Liste, ergänzt um die Gewinner:innen:

Bester Spielfilm:

GEWINNER BRONZE: Curveball – Wir machen die Wahrheit

GEWINNER SILBER: Fabian oder Der Gang vor die Hunde

GEWINNER GOLD: Ich bin dein Mensch

Je suis Karl

Schachnovelle

Und morgen die ganze Welt

Bester Dokumentarfilm

GEWINNER: Herr Bachmann und seine Klasse

Space Dogs

Walchensee Forever (Kinostart demnächst)

Bester Kinderfilm

GEWINNER: Die Adern der Welt

Jim Knopf und die Wilde 13

Beste Regie

Dominik Graf (Fabian oder Der Gang vor die Hunde)

Maria Speth (Herr Bachmann und seine Klasse) (Kinostart demnächst)

GEWINNER: Maria Schrader (Ich bin dein Mensch)

Bestes Drehbuch

Oliver Keidel, Johannes Naber (Curveball – Wir machen die Wahrheit)

Constantin Lieb, Dominik Graf (Fabian oder Der Gang vor die Hunde)

GEWINNER: Jan Schomburg, Maria Schrader (Ich bin dein Mensch)

Beste weibliche Hauptrolle

Saskia Rosendahl (Fabian oder Der Gang vor die Hunde)

GEWINNER: Maren Eggert (Ich bin dein Mensch)

Luna Wedler (Je suis Karl)

Beste männliche Hauptrolle

GEWINNER: Oliver Masucci (Enfant terrible)

Dan Stevens (Ich bin dein Mensch)

Jannis Niewöhner (Je suis Karl)

Beste weibliche Nebenrolle

Meret Becker (Fabian oder Der Gang vor die Hunde)

GEWINNER: Lorna Ishema (Ivie wie Ivie)

Birgit Minichmayr (Schachnovelle)

Beste männliche Nebenrolle

GEWINNER: Thorsten Merten (Curveball – Wir machen die Wahrheit)

Hary Prinz (Enfant terrible)

Milan Peschel (Je suis Karl)

Beste Kamera / Bildgestaltung

GEWINNER: Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Hanno Lentz)

Home (Frank Griebe)

One of these Days (Michael Kotschi) (Kinostart demnächst)

Bester Schnitt

A Symphony of Noise (Andrew Bird)

GEWINNER: Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Claudia Wolscht)

Walchensee Forever (Anja Pohl) (Kinostart demnächst)

Beste Tongestaltung

GEWINNER: A Symphony of Noise (Pascal Capitolin, Richard Borowski)

Enfant terrible (Andreas Wölki, Hubertus Rath, Kai Tebbel)

Nebenan (Roland Winke, Lars Ginzel, Noemi Hampel, Dominik Schleier)

Schachnovelle (Gunnar Voigt, Jan Petzold, Martin Steyer)

Space Dogs (Jonathan Schorr, Simon Peter, Tobias Adam)

Tides (Lars Ginzel, Frank Kruse, Markus Stemler)

Beste Filmmusik

Enfant terrible (Martin Todsharow)

Jim Knopf und die Wilde 13 (Ralf Wengenmayr, Marvin Miller)

GEWINNER: Tides (Lorenz Dangel)

Bestes Szenenbild

Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Claus Jürgen Pfeiffer)

Schachnovelle (Matthias Müsse)

GEWINNER: Tides (Julian R. Wagner)

Bestes Kostümbild

Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Barbara Grupp)

Jim Knopf und die Wilde 13 (Anke Winckler)

GEWINNER: Schachnovelle (Tanja Hausner)

Tides (Leonie Zykan) (Kinostart demnächst)

Bestes Maskenbild

Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Nannie Gebhardt-Seele, Anna Freund)

Schachnovelle (Daniela Skala)

GEWINNER: Tides (Sabine Schumann)

Beste visuelle Effekte

Jim Knopf und die Wilde 13 (Frank Schlegel)

Schachnovelle (Michael Wortmann)

GEWINNER: Tides (Denis Behnke)

Besucherstärkster Film

Nightlife (Regie: Simon Verhoeven)

Ehrenpreis

Senta Berger


TV-Tipp für den 5. September: Polizeiruf 110: Bis Mitternacht

September 4, 2021

ARD, 20.15/One 21.45

Polizeiruf 110: Bis Mitternacht (Deutschland 2021)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Tobias Kniebe

Kommissarin Bessie Eyckhoff glaubt, dass Jonas Borutta der Isarauenmörder und Messerstecher vom Olympiadorf ist. Neunzig Minuten bevor sie ihn mangels Beweisen entlassen muss, zieht sie ihren Kollegen Josef Murnauer hinzu. Auch er hatte Borutta vor einigen Jahren als Mörder verdächtigt.

Ein „Polizeiruf 110“ von Dominik Graf. Muss ich noch mehr sagen?

mit Verena Altenberger, Michael Roll, Thomas Schubert, Daniel Christensen, Robert Sigl, Thomas Wittmann

Hinweise

Wikipedia über „Polizeiruf 110: Bis Mitternacht“

ARD über “Polizeruf 110″

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Candyman“, „Coup“, „Killer’s Bodyguard 2“, „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“, „Martin Eden“ – die Neustarts vom 26. August 2021, Teil 1

August 26, 2021

Zehn Film werde ich jetzt besprechen. Dabei starten heute sogar siebzehn Filme. Und nur einem Film wünsche ich eine möglichst kurze Zeit in den Kinos. Die anderen sind vielleicht nicht alle kommende Klassiker, manche sind auch zwiespältig oder nur für ein bestimmtes Publikum geeignet (Ja, Killer’s Bodyguard, du bist gemeint), aber doch, in dem Fall für die Zielgruppe, mindestens einen Blick wert.

Im ersten Teil bespreche ich „Candyman“, „Coup“, „Killer’s Bodyguard 2“, „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ und „Martin Eden“; im zweiten Teil „Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“, „Die Rote Kapelle“, „Sky Sharks“, „Tides“ und „Die Unbeugsamen“.

Beginnen wir in alphabetischer Reihenfolge mit dem Mann, der Süßigkeiten an kleine Kinder verteilt.

Candyman“ ist irgendetwas zwischen Remake, Reboot, Prequel und Weitererzählung von „Candyman’s Fluch“ (Candyman, USA 1992). In den ersten Minuten wird nämlich von einem Auftauchen des titelgebenden Candymans im Sommer 1977 in Chicago in der real existierenden Sozialwohnungssiedlung Cabrini-Green erzählt. Dann springt die Filmgeschichte in die Gegenwart. Cabrini-Green ist inzwischen gentrifiziert. In einem der neuen Nobelapartments wohnt der schwarze Künstler Anthony McCoy. Als er die Geschichte von Candyman hört, ist er fasziniert. Schnell beschließt er, dass er sich in seinem neuen Projekt mit diesem Candyman und seinen Taten in Cabrini-Green beschäftigen will. In dem Moment ahnt er noch nicht, dass er dabei auch dem titelgebenden Mann mit den Süßigkeiten begegnen wird. Denn er taucht immer dann auf, wenn man seinen Namen fünfmal in einen Spiegel sagt (Nein! Nicht ausprobieren!).

Jordan Peele („Get out“) produzierte und schrieb das Drehbuch für diese Neuinterpretation einer Großstadtlegende. Die Regie übernahm die 1989 in Brooklyn geborene Nia DaCosta. Ihr Spielfilmdebüt war „Little Woods“. Ihr nächster Film ist der Marvel-Film „The Marvels“.

Candyman“ überzeugt vor allem als fast schon hypnotisch langsam erzählter, ätzender Kommentar zu Gentrifizierung, Rassismus und männlichen Selbstzweifeln. Weil der Protagonist ein Künstler ist, sind diese Sellbstzweifel monströs und die Macher können auch einen sarkastischen Blick auf die Kunstszene werfen. In den Städten ist sie ein Treiber der Gentrifizierung und Anthonys neues Projekt lebt genau von diesem Zwiespalt: einerseits will er in seinem neuen Werk auf die Geschichte bekannter machen, andererseits beutet er sie für seine Karriere aus. Vor allem nachdem nach der Präsentation seiner Werke in einer Galerie ein bestialischer Doppelmord geschieht, steigt der Preis für seine Bilder rapide.

Die üblichen Horrormomente, also vor allem die brutalen und blutige Morde, werden meistens nicht gezeigt. Die Opfer schon. Traditionelle Jumpscares werden auch größtenteils vermieden. Stattdessen wird die Vergangenheit von Candyman im Stil eines Schattenspiels erzählt.

Insofern kann „Candyman“ als gelungene Wiederbelebung eines schon toten Horrorfilm-Franchises aus dezidiert afroamerikanischer Perspektive gesehen werden. Denn selbstverständlich gab es nach dem überraschenden Erfolg des ersten „Candyman“-Films weitere, schlechtere und unbekanntere „Candyman“-Filme.

Allerdings hatte ich auch den Eindruck, dass der „Candyman“-Mythos die Macher beim Erzählen ihrer Geschichte etwas hinderte. Schließlich mussten sie immer wieder auf die aus den vorherigen Filmen bekannte Großstadtlegende von dem Killer mit der Hakenhand, sein Schicksal und seine Taten verweisen, anstatt eine eigene urban legend zu erfinden.

Candyman (Candyman, USA 2021)

Regie: Nia DaCosta

Drehbuch: Jordan Peele, Win Rosenfeld, Nia DaCosta

mit Yahya Abdul-Mateen II, Teyonah Parris, Nathan Stewart-Jarrett, Colman Comingo, Kyle Kaminsky, Vanessa Williams, Brian King, Rebecca Spence, Tony Todd

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Candyman“

Metacritic über „Candyman“

Rotten Tomatoes über „Candyman“

Wikipedia über „Candyman“ (deutsch, englisch)

Auf den ersten Blick wirkt „Coup“ wie der nächste Versuch eines deutschen Genrefilms. Im Mittelpunkt der wahren Geschichte steht ein 22-jähriger Bankangestellter. Obwohl er nur lustlos arbeitet, hat er eine feste Anstellung und finanziell eigentlich ausgesorgt. Da entdeckt er eine Sicherheitslücke. Er nutzt sie aus und hat plötzlich mehrere Millionen Deutsche Mark. Zusammen mit seinem besten Freund, wie er ein Rocker, flüchtet er nach Australien. Dort geben sie das erbeutete Geld mit vollen Händen aus. Er möchte auch, dass seine große Liebe und ihr gemeinsames Kind nachkommen. Aber sie will nicht.

In seinem Regiedebüt erzählt Sven O. Hill diese Geschichte mit einem minimalen Budget und einem Mix aus Real- und Animationsfilm. Erzählt wird die Geschichte von dem Bankräuber, der sie Hill erzählte und der immer noch etwas fassungslos über seinen 1988 erfolgten Bankraub ist.

Das Problem dieser verfilmten wahren Geschichte ist dann die wahre Geschichte, die halt nicht den Hollywood-Drehbuchregeln folgt und deshalb etwas spannungs- und konfliktfrei ist. Denn brenzlig oder gefährlich wird es für für ihn nie.

Coup“ ist kein pulstreibendes Krimidrama, sondern eine Schnurre mit nett-verpeilten Hamburger Jungs und ein Blick in die bundesdeutsche Vergangenheit als eine Anstellung bei einer Bank eine krisensichere Arbeit bis zur Rente war.

Coup (Deutschland 2019)

Regie: Sven O. Hill

Drehbuch: Sven O. Hill

mit Daniel Michel, Rocko Schamoni, Tomasz Robak, Paula Kalenberg

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Coup“

Moviepilot über „Coup“

Die Story von „Killers’s Bodyguard 2“, bzw. im Original mit „The Hitman’s Wife Bodyguard“ treffender betitelt, ist Unfug, der nur existiert, um exzessive Gewalt, Brachialhumor und ein gutgelauntes Ensemble im konstanten Overacting-Modus zusammem zu führen.

Diese Fortsetzung knüpft an „Killer’s Bodyguard“ an. In dem Überraschungserfolg musste der Top-Bodyguard Michael Bryce (Ryan Reynolds) den erfolgreichen Profikiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) lebendig von Coventry nach Den Haag bringen. Bei der Mission gab es Verletzte, Tote und erhebliche Schäden an Fahrzeugen und Gebäuden.

Jetzt ist Bryce immer noch todunglücklich über den Verlust seines Top-Ratings als Bodyguard (das gibt es in dieser Welt) und seiner Lizenz (auch das gibt es in dieser Welt). Als er sich auf Anraten seiner Therapeutin, die ihren therapieunfähigen Patienten unbedingt loswerden will, in einen Erholungsurlaub begibt, wird er von Sonia Kincaid (Salma Hayek), der Frau von Darius Kincaid, gefunden und sofort in ein riesiges Gefecht mit einer Hundertschaft schieß- und gewalttätiger Männer verwickelt. Während er unter keinen Umständen eine Waffe anrühren möchte, ballert sie wild drauflos.

Sie entkommen und stolpern gleich in die nächste Schlacht. Denn Sonia will unbedingt ihren von einem Mafiosi entführten Mann befreien und sie möchte Mutter werden (dabei ist sie die ungeeignetste Person dafür). Außerdem werden sie von dem echt harten, immer schlecht gelauntem Interpol-Agenten Bobby O’Neill (Frank Grillo), der unbedingt wieder zurück in die USA will, erpresst, den größenwahnsinnigen griechischen Cyberterroristen Aristoteles Papadopolous (Antonio Banderas) auszuschalten.

Die James-Bond-würdige Geschichte erhebt sich bei ihrer europäischen Sightseeing-Tour nie über das Niveau der Rollennamen. Da werden die Klischees munter aneinandergereiht und zitiert; in dem vollen Bewusstsein, dass jeder im Saal die Anspielungen versteht.

Und dann tritt auch noch Morgan Freeman als Quasi-Gott auf. Im Film ist das einer der wirklich überraschenden Momente. Wer allerdings einen Blick auf das Plakat geworfen hat, weiß, dass Morgan Freeman mitspielt.

In der richtigen Stimmung ist Buddy-Movie (oder Buddy-Buddy-Movie) „Killer’s Bodyguard 2“ ein spaßiger Film, sozusagen der räudige, sich schlecht benehmende, sein schlechtes Benehmen geniesende Bruder von „Free Guy“, ebenfalls mit Ryan Reynolds.

Killer’s Bodyguard 2 (The Hitman’s Wife Bodyguard, USA 2021)

Regie: Patrick Hughes

Drehbuch: Tom O’Connor

mit Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Salma Hayek, Antonio Banderas, Morgan Freeman, Frank Grillo, Caroline Goodall, Rebecca Front, Gabriella Wright, Alice McMillan,

Kristofer Kamiyasu, Tom Hopper

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Killer’s Bodyguard 2“

Metacritic über „Killer’s Bodyguard 2“

Rotten Tomatoes über „Killer’s Bodyguard 2“

Wikipedia über „Killer’s Bodyguard 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Patrick Hughes‘ „The Expendables 3“ (The Expendables, USA 2014)

Meine Besprechung von Patrick Hughes‘ „Killer’s Bodyguard“ (Hitman’s Bodyguard, USA 2017)

Bleiben wir in Italien. Aber während „Killer’s Bodyguard 2“ Italien nur für den Klischeetrip US-amerikanischer Prägung benutzt, taucht Franco Maresco in seinem neuen Film „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ tief in den sizilianischen Alltag ein.

Am 23. Mai 1992 und am 19. Juli 1992 verübte die Mafia Bombenattentate auf die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Die Attentate, bei denen auch mehrere Unbeteiligte starben, waren letztendlich auch das Ende der Mafia, wie wir sie aus unzähligen Filmen kennen.

25 Jahre später will Maresco in Palermo die Feiern zu ihrem Todestag aufnehmen. Dafür begleitet er die Fotografin Letizia Battaglia. Sie dokumentierte ab den Siebzigern die Morde der Mafiosi. Sein zweiter Protagonist ist der Party-Veranstalter Ciccio Mira, der mit vielen Künstlern eine Feier zu Ehren der beiden ermordeten Mafiajäger durchführen will. Seine an Peinlichkeit kaum zu überbietende Dorfkirmes-Veranstaltung mit untalentierten Amateurkünstlern lebt von dem Gegensatz zwischen der erklärten Absicht, Borsellino und Falcone zu ehren, und der Realität, in der die Veranstalter und die Künstler wortreich nicht erklären können, warum sie an der Veranstaltung teilnehmen wollen und sie sich nicht von der Mafia distanzieren wollen.

In seinem Dokumentarfilm bedient Maresco sich eines satirischen Ansatzes, bei dem immer unklar ist, wie sehr die einzelnen Szenen inszeniert sind. Denn er ist ein ausgesucht respektloser und penetranter Fragensteller. Trotzdem ertragen seine Interviewpartner ihn klaglos und höflich. Auch wernn er zum x-ten Mal von ihnen ein Bekenntnis gegen die Mafia hören will. Oder er den immer freundlichen, aber auch sehr halbseidenen Festivalveranstalter Mira ins Kreuzverhör nimmt und dieser wort- und gestenreich ausweicht.

Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ ist eine sehr italienische satirische Doku, die perfekt in kleine, schummerige Arthauskinos passt. Die Studentenkinos sind ja noch geschlossen.

Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war (La mafia non è più quella di una volta, Italien 2019)

Regie: Franco Maresco

Drehbuch: Franco Maresco, Claudia Uzzo, Francesco Guttuso, Giuliano La Franca, Uliano Greca

mit Letizia Battaglia, Ciccio Mira, Matteo Mannino, Christian Miscel, Franco Zecchin

Länge: 105 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Verleihseite zum Film

Moviepilot über „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“

Rotten Tomatoes über „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“

Wikipedia über „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ (englisch, italienisch)

Wir bleiben in Italien. „Martin Eden“ ist die freie Verfilmung von Jack Londons gleichamigem, autobiographisch inspiriertem Roman. Pietro Marcello verlegte die Geschichte in seinem Spielfilmdebüt in das Nachkriegsitalien des Neorealismus.

Wie Dominik Graf in seiner Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ erstarrt Marcello nicht in Ehrfurcht vor der Vorlage. Er bebildert sie nicht, sondern eignet sie sich an, interpretiert und verändert sie; dabei benutzt er die filmischen Mittel, die ihm passen. Die Geschichte gewinnt eine zeitlose Qualität, die immer an eine unspezifische Vergangenheit und die große Zeit des italienischen Kinos erinnert.

Martin Eden ist ein ungebildeter Seemann und Landarbeiter. Er gehört zum Subproletariat. Als er im Hafen von Neapel die großbürgerliche Elena Orsini vor einigen Schlägern rettet, öffnet sich für ihn eine Tür in eine andere Welt. Er verliebt sich in sie und sie scheint auch etwas für ihn zu empfinden. Um sie zu beeindrucken, beginnt er hochliterarische Werke zu lesen und er möchte Schriftsteller werden.

Einer der wenigen Menschen, die an ihn glaubt ist der Bohemien und Sozalist Russ Brissenden. Er fragt sich aber auch, ob Eden erfolgreich sein kann, ohne sich zu verraten. Falls er überhaupt einen Text verkaufen kann.

Martin Eden (Martin Eden, Italien/Frankreich/Deutschland 2019)

Regie: Pietro Marcello

Drehbuch: Maurizio Braucci, Pietro Marcello

LV: Jack London: Martin Eden, 1909 (Martin Eden)

mit Luca Marinelli, Jessica Cressy, Denise Sardisco, Vincenzo Nemolato, Carmen Pommella, Elisabetta Volagoi, Marco Leonardi, Autilia Ranieri, Pietro Raguso, Carlo Cecchi

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Martin Eden“

Moviepilot über „Martin Eden“

Metacritic über „Martin Eden“

Rotten Tomatoes über „Martin Eden“

Wikipedia über „Martin Eden“ (deutsch, englisch, italienisch)


Lola!!! Die Nominierten für den Deutschen Filmpreis 2021

August 19, 2021

Wer hat denn dieses Jahr die Chance auf eine Lola, wie der Deutsche Filmpreis inzwischen genannt werden möchte. Nominiert sind eine doch überschaubare Zahl von Filmen, die noch nicht alle im Kino angelaufen sind.

In der Kategorie „Bester Spielfilm“ sind nominiert:

Curveball – Wir machen die Wahrheit (Kinostart demnächst)

Fabian oder Der Gang vor die Hunde

Ich bin dein Mensch

Je suis Karl (Kinostart demnächst)

Schachnovelle (Kinostart demnächst)

Und morgen die ganze Welt

(Mein Tipp: Fabian oder Der Gang vor die Hunde; Ich bin dein Mensch fand ich auch gelungen. Die anderen Filme – ach schweigen wir darüber, bis sie im Kino anlaufen)

Bester Dokumentarfilm

Herr Bachmann und seine Klasse (Kinostart demnächst)

Space Dogs

Walchensee Forever (Kinostart demnächst)

Bester Kinderfilm

Die Adern der Welt

Jim Knopf und die Wilde 13

Beste Regie

Dominik Graf (Fabian oder Der Gang vor die Hunde)

Maria Speth (Herr Bachmann und seine Klasse) (Kinostart demnächst)

Maria Schrader (Ich bin dein Mensch)

Bestes Drehbuch

Oliver Keidel, Johannes Naber (Curveball – Wir machen die Wahrheit)

Constantin Lieb, Dominik Graf (Fabian oder Der Gang vor die Hunde)

Jan Schomburg, Maria Schrader (Ich bin dein Mensch)

Beste weibliche Hauptrolle

Saskia Rosendahl (Fabian oder Der Gang vor die Hunde)

Maren Eggert (Ich bin dein Mensch)

Luna Wedler (Je suis Karl) (Kinostart demnächst)

Beste männliche Hauptrolle

Oliver Masucci (Enfant terrible)

Dan Stevens (Ich bin dein Mensch)

Jannis Niewöhner (Je suis Karl) (Kinostart demnächst)

Beste weibliche Nebenrolle

Meret Becker (Fabian oder Der Gang vor die Hunde)

Lorna Ishema (Ivie wie Ivie) (Kinostart demnächst)

Birgit Minichmayr (Schachnovelle) (Kinostart demnächst)

Beste männliche Nebenrolle

Thorsten Merten (Curveball – Wir machen die Wahrheit) (Kinostart demnächst)

Hary Prinz (Enfant terrible)

Milan Peschel (Je suis Karl) (Kinostart demnächst – Peschel ist grandios!)

Beste Kamera / Bildgestaltung

Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Hanno Lentz)

Home (Frank Griebe)

One of these Days (Michael Kotschi) (Kinostart demnächst)

Bester Schnitt

A Symphony of Noise (Andrew Bird) (Kinostart demnächst)

Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Claudia Wolscht)

Walchensee Forever (Anja Pohl) (Kinostart demnächst)

Beste Tongestaltung

A Symphony of Noise (Pascal Capitolin, Richard Borowski)

Enfant terrible (Andreas Wölki, Hubertus Rath, Kai Tebbel)

Nebenan (Roland Winke, Lars Ginzel, Noemi Hampel, Dominik Schleier)

Schachnovelle (Gunnar Voigt, Jan Petzold, Martin Steyer) (Kinostart demnächst)

Space Dogs (Jonathan Schorr, Simon Peter, Tobias Adam)

Tides (Lars Ginzel, Frank Kruse, Markus Stemler) (Kinostart demnächst – für SF-Fans ein Dystopie-Pflichttermin)

Beste Filmmusik

Enfant terrible (Martin Todsharow)

Jim Knopf und die Wilde 13 (Ralf Wengenmayr, Marvin Miller)

Tides (Lorenz Dangel)

Bestes Szenenbild

Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Claus Jürgen Pfeiffer)

Schachnovelle (Matthias Müsse) (Kinostart demnächst)

Tides (Julian R. Wagner) (Kinostart demnächst)

Bestes Kostümbild

Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Barbara Grupp)

Jim Knopf und die Wilde 13 (Anke Winckler)

Schachnovelle (Tanja Hausner) (Kinostart demnächst)

Tides (Leonie Zykan) (Kinostart demnächst)

Bestes Maskenbild

Fabian oder Der Gang vor die Hunde (Nannie Gebhardt-Seele, Anna Freund)

Schachnovelle (Daniela Skala) (Kinostart demnächst)

Tides (Sabine Schumann) (Kinostart demnächst)

Beste visuelle Effekte

Jim Knopf und die Wilde 13 (Frank Schlegel)

Schachnovelle (Michael Wortmann) (Kinostart demnächst)

Tides (Denis Behnke)

Besucherstärkster Film

Nightlife (Regie: Simon Verhoeven) (nicht „Die Känguru-Chroniken“)

Ehrenpreis

Senta Berger

Das ZDF zeigt am 1. Oktober um 23.00 Uhr die Verleihung der Lolas.


TV-Tipp für den 12. August: Polizeiruf 110: Cassandras Warnung

August 11, 2021

Ein weiterer Film von Dominik Graf. Sein neuester Film – „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ – läuft gerade im Kino.

RBB, 22.15

Polizeiruf 110: Cassandras Warnung (Deutschland 2011)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Günter Schütter

Kaum beginnt Kommissar Hanns von Meuffels seinen Dienst in München, muss er auch gleich im Kreis der Kollegen ermitteln. Denn auf die Frau von Gerry Vogt wurde ein Anschlag verübt, bei dem ihre Freundin starb. Diana Vogt erhält Polizeischutz und von Meuffels und Vogt suchen die Mörderin, die wahrscheinlich eine verschmähte Verehrerin ist.

Der erste Auftritt von Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels ist ein starkes Stück Kino, mitreisend erzählt mit kleinen Abschweifungen. Dass die Lösung, rückblickend, einige kleine Logikfehler hat, kann nach neunzig atemlosen Minuten verziehen werden.

mit Matthias Brandt, Ronald Zehrfeld, Philipp Moog, Alma Leiberg, Anna Maria Sturm, Tobias van Dieken

Hinweise

Wikipedia über „Polizeiruf 110: Cassandras Warnung“

ARD über “Polizeruf 110″

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Dominik Graf in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 4. August: Hanne

August 3, 2021

Auch dieser Film von Dominik Graf ist aus vielen Gründen nicht wirklich als Vorbereitung für seinen neuen Kinofilm „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (mit Tom Schilling, Albrecht Schuch und Saskia Rosendahl) geeignet. Seine überzeugende und selbstverständlich sehenswerte Erich-Kästner-Verfilmung läuft am 5. August 2021 an.

ARD, 20.15

Hanne (Deutschland 2019)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Beate Langmaack

Die frisch pensionierte Chefsekretärin Hanne Dührsen erfährt, dass sie vielleicht Leukämie hat. Während sie über das Wochenende auf die Diagnose warten muss, stürzt sie sich in das Nachtleben.

Berührendes Drama über eine Frau, die vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, das Leben genießt.Dafür gab es drei Grimme-Preise (Regie, Drehbuch, Hauptrolle).

mit Iris Berben, Petra Kleinert, Herbert Knaup, Trystan Pütter, Sophie Lutz, Mohamed Achour, Sönke Möhring

Wiederholungen

ARD, Donnerstag, 5. August, 00.35 Uhr (Taggenau!)

One, Sonntag, 8. August, 20.15 Uhr

One, Mittwoch, 11. August, 13.55 Uhr

Hinweise

Filmportal über „Hanne“

Wikipedia über „Hanne“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. Juli: Zielfahnder – Flucht in die Karpaten

Juli 21, 2021

Aus vielen Gründen nicht wirklich als Vorbereitung für Dominik Grafs neuen Kinofilm „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (mit Tom Schilling, Albrecht Schuch und Saskia Rosendahl) geeignet. Seine überzeugende und selbstverständlich sehenswerte Erich-Kästner-Verfilmung läuft am 5. August 2021 an.  Bis dahin könnt ihr Kästners Roman lesen.

So! Und jetzt zu

BR, 23.15

Zielfahnder – Flucht in die Karpaten (Deutschland 2016)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Rolf Basedow

Die beiden LKA-Zielfahnder Hanna Landauer und Sven Schröder verfolgen den flüchtigen Gewaltverbrecher Liviu Caramitru bis nach Rumänien.

Mit gut zwei Stunden Laufzeit sprengt Dominik Graf dieses Mal locker das übliche Neunzig-Minuten-TV-Korsett. Mit seinem hohen Erzähltempo verlangt er den aufmerksamen Zuschauer, der sich aus ein, zwei Andeutungen eine ganze Geschichte zusammenreimen muss. Und mit dem ungewöhnlichen Schauplatz zeigt er uns eine fremde Welt, in der die Gesetze des „Tatort“ nicht mehr gelten.

Hochspannender, grandioser Thriller

mit Ulrike C. Tscharre, Ronald Zehrfeld, Arved Birnbaum, Axel Moustache, Dragos Bucur, Radu Binzaru, Anna Schäfer

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Kate Fansler und „Der James Joyce-Mord“

Juni 21, 2021

Im Moment habe ich wirklich Pech mit meiner Krimiwahl. Zwei Krimis von deutschen Autoren, deren Klappentexte vielversprechend waren, brach ich enttäuscht ab. Das war zu sehr auf dem Niveau eines schlechten deutschen TV-Krimis. Das war zu desinteressiert am Plotting. Das wurde in einem Stil erzählt, der mir nicht gefiel.

Und nun „Der James Joyce-Mord“ von Amanda Cross. Zwischen 1964 und 2002 schrieb sie fünfzehn Rätselkrimis mit Amateurdetektivin Kate Fansler. Ihr erster Krimi „In the Last Analysis“ (Gefährliche Praxis; Die letzte Analyse) war für den Edgar als bestes Debüt nominiert. „Death in a Tenured Position“ (Die Tote von Harvard, 1981) erhielt den Nero Award. In ihren Büchern verfolgte sie auch immer eine feministische Agenda.

Nach den negativen Erfahrungen mit zwei neuen Krimis könnte doch die Lektüre eines alten Krimis von überschaubarer Länge ein Vergnügen sein.

War es nicht.

Die Literaturprofessorin und hundertfüfnzigprozentige Großstädterin Kate Fansler verbringt den Sommer auf dem Land. In Araby, einem Dorf in den Berkshires, soll sie den Nachlass des amerikanischen Verlegers von James Joyce sortieren. Sie interessiert sich vor allem für die Briefe von James Joyce. Ihr hilft ein Student. Und sie soll, zusammen mit einem extra dafür engagiertem Hauslehrer, auf ihren verhaltensauffälligen Neffen Leo aufpassen.

Als der Hauslehrer mit einem Gewehr, das nicht geladen sein sollte, herumspielt, löst sich ein Schuss. Der tötet die Nachbarin Mary Bradford, eine von allen gehasste Klatschtante.

Fansler und ihr Freund Reed Amhearst beginnen den Täter, also, die Person, die die Kugel in das Gewehr schob, zu suchen. Verdächtige gibt es genug.

Aber anstatt jetz im Stil eines Rätselkrimis die Amateurdetektivin ermitteln zu lassen, liefert Amanda Cross Dialog nach Dialog über Banalitäten, Feindseligkeiten im akademischen Lehrbetrieb und unter Fachkollegen, etwas Hintergrund zu James Joyce (bei dem Titel nicht überraschend) und, manchmal, wird auch besprochen, was vorher geschehen ist oder jemand erlebt hat. Nur eine Handlung, also in diesem Fall eine Suche nach Hinweisen auf den wahren Täter und eine Parade der Verdächtigen und ihrer Motive, ergibt sich daraus nicht. Das ist dann eher Warten auf Godot (Hach, eine literarische Anspielung!) mit einem überwältigendem Desinteresse an der Mördersuche.

Die Dialoge sind, auch wenn im Klappentext von Screwball-Comedy-Dialogen gesprochen wird, nicht witzig und nicht pointiert.

Entsprechend lieblos wird am Ende der Täter aus dem Hut gezaubert.

Da bleibe ich, wenn es ein Klassiker sein soll (Klassiker ist einfach ein Synonym für „vor Jahzehnten erschienenes Werk“; den Zusatz „wiederentdeckt“ gibt es bei einer Neuauflage; den Zusatz „zu Unrecht vergessen“ wenn es keine Neuauflage gibt, aber der Rezensent gerne eine hätte), bei Nero Wolfe.

Aber jetzt lese ich erst einmal Erich Kästners „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“. Den Roman hat Dominik Graf kongenial mit „Oh Boy“ Tom Schilling als Fabian verfilmt.

Amanda Cross: Der James Joyce-Mord – Ein neuer Fall für Kate Fansler

(übersetzt von Monika Blaich und Klaus Kamberger)

Dörlemann, 2021

288 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

The James Joyce Murder

Macmillan, New York, 1967

Der Roman erschien im Deutsche Taschenbuch Verlag als „In besten Kreisen“.

Hinweise

Krimi-Couch über Amanda Cross

Wikipedia über Amanda Cross (deutsch, englisch) und Kate Fansler (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Michael Kliers „Idioten der Familie“

September 14, 2019

Weil Heli (Jördis Triebel), die jahrelang auf ihre jüngere Schwester aufpasste, als Malerin noch einmal künstlerisch durchstarten will, soll Ginnie (Lilith Stangenberg) in ein Heim. Bis jetzt lebte die geistig schwer behinderte sechsundzwanzigjährige Ginnie im Haus der verstorbenen Eltern.

Wenige Tage vor diesem für Ginnie entscheidenden Ortswechsel sind ihre Brüder Frederik (Kai Scheve), Tommie (Hanno Koffler) und Bruno (Florian Stetter) noch einmal für ein Wochenende in ihr Elternhaus gekommen.

In diesem Moment beginnt Michael Kliers neuer Film „Idioten der Familie“. Nur langsam erschließt sich der von mir eingangs geschilderte Grund für diese Familienzusammenkunft, in der die Geschwister noch einmal darüber sprechen, ob sie bezüglich Ginnie die richtige Entscheidung getroffen haben. Dabei wird der Wechsel in die Behinderten-Wohngruppe so dramatisiert, als ob sie ihre Schwester danach nicht mehr sehen können. Das ist natürlich Unfug. Sowieso ist Ginnies Umzug nur der austauschbare Grund für das Geschwistertreffen. Ginnie irrlichtert durch den Film, während ihre Geschwister allesamt um sich selbst kreisen und ihre Lebenslügen pflegen. Die Egozentriker entfachen jetzt einen Sturm im Wasserglas. Nach dem Wochenende werden vor allem die Brüder schnell wieder in ihr Leben ohne ihre behinderte Schwester zurückkehren und sie in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren wahrscheinlich genauso oft besuchen, wie sie es in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren getan haben.

Das fast ausschließlich in dem Haus und Garten spielende Drama wirkt mehr wie eine improvisierte Probe an einem Wochenende im Haus eines Freundes als wie ein richtiger Film. Denn aus den einzelnen Szenen ergibt sich keine richtige Geschichte, sondern nur eine Abfolge verschieden befremdlicher Episoden, in denen die Geschwister sich lieben und hassen, auf die Nerven gehen, versöhnen und auch sexuell belästigen. Schon lange vor dem Abspann sinkt jegliche Sympathie und Interesse an den verkorksen Figuren und ihrem bildungsbürgerlich zelebriertem Selbstmitleid auf Null.

Erschwerend kommt die Zeichnung von Ginnie hinzu, die nur als „Wir spielen eine Behinderte“-Schauspielübung ihre Berechtigung hat.

Michael Klier inszenierte „Überall ist es besser, wo wir nicht sind“, „Ostkreuz“, „Heidi M.“ (sein heute wohl bekanntester Film) und „Farland“. Außerdem ist er einer der Drehbuchautoren von Dominik Grafs „Der Rote Kakadu“.

Idioten der Familie (Deutschland 2018)

Regie: Michael Klier

Drehbuch: Michael Klier, Karin Aström

mit Lilith Stangenberg, Jördies Triebel, Hanno Koffler, Florian Stetter, Kai Scheve

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Idioten der Familie“

Moviepilot über „Idioten der Familie“

 


TV-Tipp für den 9. Juli: Die Sieger – Director’s Cut

Juli 8, 2019

BR, 22.00

Die Sieger – Director’s Cut (Deutschland 1994/2019)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Günter Schütter (nach einer Idee und Vorlage von Peter Hollweg und Klaus Maas)

Bei einem Einsatz, der schief geht, glaubt SEK-Mann Karl Simon einen toten Kollegen gesehen zu haben. Er beginnt ihn zu suchen.

Toller harter Polizeithriller, der sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken muss. Damals floppte der actionhaltige Film an der Kinokasse.

Auf der diesjährigen Berlinale wurde eine digital restaurierte, um einige verschollen geglaubte Szenen (die nur in schlechterer Bildqualität auf der Rohschnitt-VHS vorhanden waren) ergänzte Fassung gezeigt. Insgesamt ist diese Fassung ungefähr fünfzehn Minuten länger.

Dominik Graf zu dieser Fassung (in epd film): „Im Prinzip ist das Vorliegende nun als die Endfassung zu sehen, ja. Mehr gab es beim Drehen 1993 nicht. Günter Schütter hatte ursprünglich ein längeres Drehbuch geschrieben, ein Jahr vor den Dreharbeiten, das bis auf den jetzigen Schluss – der war anders – noch epischer, inhaltlich gewaltiger war und mit mehr verblüffenden Details aufwartete. »Szenen aus dem SEK-Leben« zu erzählen lag aber nicht in der Absicht des Produzenten Günter Rohrbach, und nachdem sich auch Bernd Eichingers Verleihinteresse verflüchtigt hatte, weil es sich hier – Zitat – ja mehr um »Verlierer als Sieger« handele, wurden die Drehbuchfassungen, auch wegen finanziellen Defiziten, allmählich immer weiter eingedampft. Das finale Skript war dann zweifellos ein Kompromiss. Aber alte Filme verändern sich auch im Lauf der Jahre, sie bleiben immer wie in einem flüsternden Dialog mit der laufenden Jetzt-Zeit, sie verlieren oder gewinnen mal an Attraktivität, weil sie dem filmischen Zeitgeschehen einen Spiegel vorhalten. In diesem Fall auch dem politischen Geschehen. Einen Korruptions- und Entführungs-Fall wie den hier beschriebenen, der mit Hilfe von kriminellen Elitepolizisten in Zusammenarbeit mit gierigen Politikern abläuft – das wollte sich 1993 in der Jubel-BRD niemand vorstellen. Obwohl wirtschaftlicher Betrug und politische Champagnerparties auf Kosten der gewendeten Menschen im Osten ja ungeheure Ausmaße annahmen. Das könnte heute anders sein, wir trauen, glaube ich, den Volks-Vertretern heute fast alle Betrügereien zu ihrem eigenen Vorteil zu.“

mit Herbert Knaup, Hansa Czypionka, Heinz Hoenig, Katja Flint, Hannes Jaenicke, Heinrich Schafmeister, Michael Breitsprecher, Meret Becker, Natalia Wörner

Hinweise

Filmportal über „Die Sieger“

Moviepilot über „Die Sieger“

Wikipedia über „Die Sieger“

Berlinale über „Die Sieger – Director’s Cut“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Mai: Die Katze

Mai 23, 2019

3sat, 22.25

Die Katze (Deutschland 1988)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Uwe Erichsen, Christoph Fromm

LV: Uwe Erichsen: Das Leben einer Katze, 1984 (später “Die Katze”)

In der Düsseldorfer Innenstadt endet ein Bankraub in einer Geiselnahme. Die Polizei umstellt die Filiale und ein nervenzerfetzendes Duell beginnt. Aber die Polizisten wissen nicht, dass sie von Probek beobachtet werden und dieser alles geplant hat.

Grandioser deutscher Action-Thriller, der sich nicht vor amerikanischen Vorbildern verstecken muss.

“Für einen bundesdeutschen Spielfilm zeigt ‘Die Katze’ eine erstaunliche Professionalität: präzise Kamera- und Schauspielerführung, eine funktionelle Dramaturgie, eine funktionierende Geschichte.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe)

Beim Cognac Festival du Film Policier gab’s dafür den “Grand Prix” und den “FR3 Grand Prix” (Unwichtige Bonus-Information: Guy Hamilton war der Juryvorsitzende).

mit Götz George, Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Ralf Richter

Hinweise

Filmportal über „Die Katze“

Wikipedia über „Die Katze“ (deutsch, englisch)

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Uwe Erichson

Vierundzwanzig über „Die Katze“ (Interview mit Christoph Fromm)

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. April: Zielfahnder – Flucht in die Karpaten

April 10, 2019

NDR, 23.30

Zielfahnder – Flucht in die Karpaten (Deutschland 2016)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Rolf Basedow

Die beiden LKA-Zielfahnder Hanna Landauer und Sven Schröder verfolgen den flüchtigen Gewaltverbrecher Liviu Caramitru bis nach Rumänien.

Mit gut zwei Stunden Laufzeit sprengt Dominik Graf dieses Mal locker das übliche Neunzig-Minuten-TV-Korsett. Mit seinem hohen Erzähltempo verlangt er den aufmerksamen Zuschauer, der sich aus ein, zwei Andeutungen eine ganze Geschichte zusammenreimen muss. Und mit dem ungewöhnlichen Schauplatz zeigt er uns eine fremde Welt, in der die Gesetze des „Tatort“ nicht mehr gelten.

Hochspannender, grandioser Thriller

mit Ulrike C. Tscharre, Ronald Zehrfeld, Arved Birnbaum, Axel Moustache, Dragos Bucur, Radu Binzaru, Anna Schäfer

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Privatdetektive: Tabor Süden und „Der Narr und seine Maschine“

Januar 28, 2019

Tabor Süden ist zurück und auf der ersten Seite von „Der Narr und seine Maschine“ steht er auf dem Bahnhof und will wegfahren. Einfach nur weg.

Aber Edith Liebergesell, seine frühere Arbeitgeberin, hält ihn davon ab. Ihre Detektei hat einen neuen Auftrag. Josef Ried, der Besitzer des Hotel Prinz Ludwig, hat sie beauftragt Cornelius Hallig zu finden. Der 64-jährige Hallig schrieb als Georg Ulrich erfolgreiche Kriminalromane. Er ist Alkoholiker, schwerer Raucher und gesundheitlich schwer angeschlagen. Seit über dreißig Jahren lebt er extrem zurückgezogen mit seiner inzwischen verstorbenen Mutter im Prinz Ludwig. Seit vier Tagen ist der Stammgast spurlos verschwunden. Weil Süden vor Jahren einige Romane von Hallig gelesen hat und sie ihm gefielen, nimmt er den Auftrag an.

Während Süden im Hotel seine Arbeit beginnt, stolpert Hallig mit einer Pistole durch München.

Tabor Süden ist erst seit einigen Jahren als Privatdetektiv unterwegs. Davor – und in den meisten Süden-Romanen von Friedrich Ani – war er Polizist in der Vermisstenabteilung der Münchner Polizei. Aber auch schon als Polizist war er ein Exot. Immerhin suchte der Eigenbrötler verschwundene Personen und seine Arbeitsmethode bestand aus dem Eintauchen ins Milieu und dem endlosen Zuhören. Meistens in Lokalen und mit viel Bier. Die Leute die er sucht, sind meistens die kleinen Leute, die man in jeder Eckkneipe trifft. Oft sind sie auch sozial vereinsamt. Ihr Verschwinden ist nicht der Stoff für Zeitungsschlagzeilen und groß angelegte Suchaktionen der Polizei. Falls jemand überhaupt ihr Verschwinden bemerkt und möchte, dass sie gefunden werden.

Als Privatdetektiv setzte Tabor Süden seine Arbeit nahtlos fort.

Friedrich Ani hatte mit diesem Ermittler seinen Durchbruch. In schneller Folge schreib er zwischen 2001 und 2005 zehn jeweils etwa zweihunderseitige Romane, in denen Tabor Süden als Polizist vermisste Personen sucht. Die Romane wurden von der Kritik abgefeiert. Die Leser liebten Tabor Süden. Danach legte Ani eine mehrjährige Süden-Pause ein, in der er erfolglos versuchte andere Ermittler zu etablieren. 2011 kehrte er mit „Süden“ zu Tabor Süden zurück. Seitdem schrieb er mehrere Süden-Romane, in denen Tabor Süden in der Detektei Liebergesell eine neue Heimat und Familie fand.

Vor elf Jahren wurden zwei Süden-Romane verfilmt: „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“ von Dominik Graf und „Kommissar Süden und das Geheimnis der Königin“ von Martin Enlen. Ulich Noethen spielt Tabor Süden. Das ZDF stellte die potentielle Serie noch vor der Ausstrahlung des ersten TV-Films ein. Soweit ich mich erinnere, zeigte das ZDF die sehenswerten Filme seitdem nicht mehr.

Der Narr und seine Maschine“ ist das 21. Süden-Buch. Es ist in dem unverkennbaren Ani-Tonfall geschrieben mit den typischen Ani-Figuren, die man abseits der lauten Szene-Lokale sieht und denen er seit Jahren eine Stimme verleiht. Und selbstverständlich interessiert sich Ani auch dieses Mal nicht für den perfekt durchkonstruierten Krimiplot. Aber das ist egal. Die traurig-melancholische Stimmung überzeugt wieder einmal.

Friedrich Ani: Der Narr und seine Maschine

Suhrkamp, 2018

144 Seiten

18 Euro

Die Romanauftritte von Tabor Süden

Die Erfindung des Abschieds, 1998

German Angst, 2000

Verzeihen, 2001 (Neuauflage unter dem Titel Süden und die Stimme der Angst)

Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels, 2001

Süden und der Straßenbahntrinker, 2002

Süden und die Frau mit dem harten Kleid, 2002

Süden und das Geheimnis der Königin, 2002

Süden und das Lächeln des Windes, 2003

Gottes Tochter, 2003

Süden und der Luftgitarrist, 2003

Süden und der glückliche Winkel, 2003

Süden und das verkehrte Kind, 2004

Süden und das grüne Haar des Todes, 2005

Süden und der Mann im langen schwarzen Mantel, 2005

Der verschwundene Gast, 2008

Süden, 2011

Süden und die Schlüsselkinder, 2011

Süden und das heimliche Leben, 2012

M, 2013

Der einsame Engel, 2016

Der Narr und seine Maschine, 2018

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und das heimliche Leben“ (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “M” (2013)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der namenlose Tag“ (2015)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der einsame Engel“ (2016)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. Januar: Zielfahnder – Flucht in die Karpaten

Januar 19, 2019

RBB, 22.50

Zielfahnder – Flucht in die Karpaten (Deutschland 2016, Regie: Dominik Graf)

Drehbuch: Rolf Basedow

Die beiden LKA-Zielfahnder Hanna Landauer und Sven Schröder verfolgen den flüchtigen Gewaltverbrecher Liviu Caramitru bis nach Rumänien.

Mit gut zwei Stunden Laufzeit sprengt Dominik Graf dieses Mal locker das übliche Neunzig-Minuten-TV-Korsett. Mit seinem hohen Erzähltempo verlangt er den aufmerksamen Zuschauer, der sich aus ein, zwei Andeutungen eine ganze Geschichte zusammenreimen muss. Und mit dem ungewöhnlichen Schauplatz zeigt er uns eine fremde Welt, in der die Gesetze des „Tatort“ nicht mehr gelten.

Hochspannender, grandioser Thriller

mit Ulrike C. Tscharre, Ronald Zehrfeld, Arved Birnbaum, Axel Moustache, Dragos Bucur, Radu Binzaru, Anna Schäfer

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Oktober: Am Abend aller Tage

Oktober 9, 2018

3sat, 20.15

Am Abend aller Tage (Deutschland 2017, Regie: Dominik Graf)

Drehbuch: Markus Busch

Der Jurist und Kunstkenner Philipp Keyser wird von einer Gruppe namenloser Senioren beauftragt, das verschollene Gemälde „Berufung der Salome“ des Expressionisten Ludwig Glaeden besorgen. Es soll sich in der Münchner Villa des menschenscheuen Sammlers Magnus Dutt befinden.

Sehr lose inspiriert vom wahren Fall des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt und der bei ihm gefundenen Raubkunstgemälde inszenierte Dominik Graf ein Thrillerdrama, in dem es auch um die Frage geht, wem Kunst gehört. Und natürlich um das Kino

mit Friedrich Mücke, Victoria Sordo, Ernst Jacobi, Emma Jane, Hildegard Schmahl

Hinweise

Filmportal über „Am Abend aller Tage“

Moviepilot über „Am Abend aller Tage“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

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Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. August: Tatort: Schwarzes Wochenende

August 14, 2018

WDR, 22.10

TATORT: Schwarzes Wochenende (Deutschland 1986, Regie: Dominik Graf)

Drehbuch: Dominik Graf, Bernd Schwamm, Michael Hatry

Möbelfabrikant Hencken wird vor Schimanskis Stammhotel „Ideal“ erschossen. Für Schimanski, der die Intrigen zweier verfeindeter Familien aufklären muss, der Auftakt zu einem wirklich schwarzen Wochenende. Und das alles ohne seine geliebte Jacke.

Damals war Dominik Grafs „Tatort“ bei der Kritik ziemlich schlecht weggekommen, heute wird er – zu Recht – als einer der düsteren Klassiker gefeiert. Einer der Höhepunkte des Films ist eine halbstündige Verhörsequenz. Heute undenkbar.

Mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Dieter Pfaff, Marita Breuer, Marie-Louise Millowitsch

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Schimanski

Wikipedia über „Tatort: Schwarzes Wochenende“

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