Besuchen Sie „Gotham Central“ mit den Reiseführern Ed Brubaker und Greg Rucka

Oktober 31, 2016

Es hat verdammt lange gedauert, bis die hochgelobte Serie „Gotham Central“, die in den USA zwischen 2002 und 2006 erschien, auch ins Deutsche übersetzt wurde. Inzwischen sind die ersten vier Sammelbände erschienen, die etwas anders zusammengestellt sind als die US-Ausgaben und über die bis jetzt auf Deutsch erschienen Geschichten kann gesagt werden: Das Warten hat sich gelohnt.

Die Noir-Autoren Greg Rucka und Ed Brubaker hatten die Idee, Fälle aus dem normalen Polizeialltag in Gotham zu erzählen. Immerhin hat dort die Polizei einiges zu tun. Dummerweise holt immer wieder Batman die Kastanien aus dem Feuer und heimst das Lob der Öffentlichkeit ein, während die gesamte Polizei mal wieder als ein Haufen depperte Handlanger da steht. Gerade gut genug, um anschließend etwas aufzuräumen.

Im Auftaktband „In Erfüllung der Pflicht“ suchen die Detectives Marcus Driver, Renee Montoya und Chris Allen von der Abteilung für Schwerverbrechen (MCU) in der titelgebenden Geschichte Mr. Freeze, der einen ihrer Kollegen ermordete. In „Motiv“, der zweiten Geschichte des Sammelbandes, suchen Marcus Driver und Renee Montoya den Mörder eines entführten Mädchens.

Im zweiten „Gotham Central“-Band „Doppeltes Spiel“, der nur von Greg Rucka geschrieben ist, gibt es neben der langen Geschichte „Doppelleben“, die 2004 mit dem Eisner und Harvey Award ausgezeichnet wurde; zwei kürze Geschichten, die bereits vor den ersten „Gotham Central“-Geschichten in „Detective Comics # 747“ und „The Batman Chronicles 16 (1)“ erschienen und in denen die Polizistin Renee Montoya mitspielt. Sie ist auch in „Gotham Central“ einer der wichtigsten Charaktere. In „Beide Augen zu – Eine Geschichte zum Batman-Event ‚Niemandsland’“, rettet Montoya mit Ex-Staatsanwalt Harvey ‚Two-Face‘ Dent Verschüttete. In „Doppelte Glückwünsche“, erhält sie von einem unbekannten Verehrer Blumen.

In „Doppelleben“ (so der Titel der langen Geschichte) muss sich Renee Montoya mit den Beamten der „Abteilung für innere Angelegenheiten“ herumschlagen, sie wird als Lesbe geoutet und als Mörderin angeklagt. Und dabei soll sie auch noch ganz normale Polizeiarbeit machen.

Der dritte „Gotham Central“-Sammelband „Im Fadenkreuz des Jokers“ enthält die von Ed Brubaker geschriebene Ein-Heft-Geschichte „Tagträume“ (in der Stacy, die als zivile Angestellte das Bat-Signal bedient, einen Brief über ihre Arbeit und Träume schreibt) und, geschrieben von Ed Brubaker und Greg Rucka, die längere Geschichte „Leichte Opfer“ in der ein Scharfschütze im Vorweihnachtstrouble für Angst und Schrecken sorgt. Bei ihren Ermittlungen erfahren Renee Montoya und ihr Kollege Crispus Allen, dass der Joker dahinter steckt.

Der vierte „Gotham Central“-Sammelband enthält zwei längere Geschichten, die von Ed Brubaker und Greg Rucka separat geschrieben wurden und die am nächsten an einer normalen Polizeigeschichte sind. Auch wenn die Huntress einen Miniauftritt hat, der Verbrecherboss Pinguin einmal zusammengeschlagen wird und der in der Irrenanstalt Arkham Asylum sitzende Mad Hatter eine wichtige Rolle bei einer Ermittlung hat. Oh, und Batman tritt überhaupt nicht auf. Die Cops der MCU dürfen hier endlich einmal ganz normale Polizeiarbeit machen. Soweit das in Gotham möglich ist.

In „Das Leben ist voller Enttäuschungen“ müssen die Ermittler den Mord an einer Buchhalterin aufklären. Nachdem ihr erster Verdächtiger, ein Taxifahrer, als Täter ausscheidet, konzentrieren sich ihre Ermittlungen auf Washburn Pharma, den Arbeitgeber der Toten. Denn dort wurde noch eine weitere Buchhalterin vergiftet.

In „Ein ungelöster Fall“ bringt sich Kenny Booker während einer Geiselnahme um. Er behauptet, vor fast acht Jahren hätten Stimmen in seinem Kopf ihm befohlen sein Baseball-Team zu töten. Detective Marcus Driver nimmt die Ermittlungen wieder auf. Gleichzeitig versucht der pensionierte, zur ganz alten Schule gehörende Detective Harvey Bullock den Fall immer noch zu lösen.

Diese Fälle aus dem großstädtischen Polizeialltag sind ein schönster Mix aus Noir und Hardboiled-Polizeikrimi, gut erzählt und atmosphärisch gezeichnet von dem Hauptzeichner Michael Lark und Jason Pearson (The Batman Chronicles # 16 [1)), Steve Mitchell (Detective Comics # 747), Brian Hurt (Gotham Central # 11) und Greg Scott (Gotham Central # 16-18).

Die Sammelbände können unabhängig voneinander gelesen werden. Es gibt zwar immer wieder einige Hinweise auf frühere Ereignisse, aber diese sind eher ein Nebensatz oder eine kurze Szene in einer spannenden Geschichte als ein eigenständiger, unverständlicher Handlungsstrang. Allerdings wird man nach der Lektüre des ersten Falles der MCU auch deren anderen Fälle lesen wollen – und danach ungeduldig auf die nächste „Gotham Central“-Geschichte warten. Einige kann Panini ja noch übersetzen.

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Greg Rucka/Ed Brubaker: Gotham Central: Bullocks letzter Fall (Band 4)

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2016

172 Seiten

16,99 Euro

enthält

Gotham Central # 16 – 22

DC Comics

Greg Rucka/Ed Brubaker: Gotham Central: Im Fadenkreuz des Jokers (Band 3)

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2016

124 Seiten

14,99 Euro

enthält

Gotham Central # 11 – 15

DC Comics

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Greg Rucka/Michael Lark: Gotham Central: Doppeltes Spiel (Band 2)

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2015

172 Seiten

16,99 Euro

enthält

Gotham Central #6 – 12

The Batman Chronicles # 16 (1)

Detective Comics # 747

Ed Brubaker/Greg Rucka: Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini, 2015

124 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Gotham Central # 1 – 5

DC Comics 2003

Hinweise

Wikipedia über „Gotham Central“

“A Criminal Blog” (über “Criminal”)

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 4 – Obsession“ (Criminal Vol. 4: Bad Night, 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 5 – Sünder“ (Criminal: The Sinners, 2010)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 6 – Unschuld“ (Criminal: The Last of the Innocent, Vol. 1 – 4, 2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)

Meine Besprechung von Ed BrubakerSean Phillips’ „Incognito 1 – Stunde der Wahrheit“ (Incognito, 2008/2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker (Autor)/Sean Phillips (Zeichner) „Incognito 2: Schlechter Einfluss“ (Incognito: Bad Influences, Vol. 1 – 5, 2010/2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Den Tod im Nacken (Band 1)“ (Fatale # 1 – 5, 2012)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas „Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)“ (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Hollywood Babylon (Band 2)“ (Fatale # 6 – 10, 2012)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Westlich der Hölle (Band 3)“ (Fatale # 11 – 15, 2013)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Steve Epting/Butch Guice/Mike Perkins‘ „Der Tod von Captain America (Band 2)“ (Captain America: The Burden of Dreams, Part 1 – 6 (# 31 – 36), 2007/2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Steve Epting/Roberte De La Torre/Luke Ross“ „Der Tod von Captain America (Band 3)“ (Captain America: The Man who bought America, Part 1 – 6 (# 37 – 42), 2008)

Ed Brubaker in der Kriminalakte

Comic Book Resources: Interview mit Ed Brubaker über „Fatale“ (8. Mai 2012)

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Die Welt ohne Superman” (The Sleepers, 2009)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Batman: Hinter der Maske” (Cutter, März – Mai 2010/Beneath the Mask,  Juni – Juli 2010/Good King Wencesias, Februar 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas “Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)” (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Greg Rucka in der Kriminalakte


Die Femme „Fatale“ hat „Den Tod im Nacken“ und das Dreamteam Ed Brubaker/Sean Phillips an ihrer Seite

März 10, 2013

Brubaker - Fatale 1

Bei dem Cover, eine dunkelhaarige Schönheit mit einer Pistole, und dem Wort „Fatale“ denken wir selbstverständlich sofort an Femme Fatale und bei einem Blick auf die Macher, Autor Ed Brubaker und Zeichner Sean Phillips, denken wir an die grandiosen Noir-Serien „Sleeper“, „Criminal“ und „Incognito“ und wissen, dass „Fatale“ nicht schlecht sein kann.

Allerdings hat es mich auch nicht so begeistert wie die eben genannten Werke. Das kann daran liegen, dass das Noir-Horror-Crossover „Fatale“ sich etwas unglücklich zwischen den in sich abgeschlossenen „Criminal“-Geschichten und einer längeren Geschichte, wie „Sleeper“, positioniert. Denn „Fatale“ war zuerst als abgeschlossene Serie konzipiert und wurde dann, wegen des Erfolgs, zu einer On-Going-Serie, also einer Serie, bei der unklar ist, wann sie endet.

Doch der Reihe nach. „Fatale“ beginnt in der Gegenwart bei einer Beerdigung. Nicolas Lash trifft noch am Grab von Dominic Raines, einem erfolgreichen Pulp-Autor, Jo. Die dunkelhaarige Schönheit behauptet, ihre Großmutter habe Raines gekannt. In einer Rückblende, die 1956 in San Francisco spielt und sich an einem unveröffentlichtem Manuskript von Raines orientiert und den größten Teil des ersten „Fatale“-Bandes „Den Tod im Nacken“ ausmacht, wird erzählt, wie Raines, der damals noch als Reporter arbeitete, an einer großen Story dran war. Der verheiratete Familienvater will den korrupten Polizisten Walt Booker und dessen Partner, von denen einer einen Zeugen getötet hat, in einer großen Reportage überführen. Seine Quelle ist die dunkelhaarige Josephine, die Jo wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt, und die Bookers Freundin ist. Auch Raines ist von ihr verhext.

Gleichzeitig versuchen Booker und sein Partner einen bestialischen Mehrfachmord mit okkultem Hintergrund zu klären.

Die immer gleich jung aussehende Josephine verbirgt etwas, das im ersten „Fatale“-Sammelband „Den Tod im Nacken“, der die ersten fünf „Fatale“-Hefte umfasst, noch nicht enthüllt wird, obwohl wir es uns denken können. Vor allem wenn einige übernatürliche Kreaturen auftauchen.

Für meinen Geschmack springt Ed Brubaker etwas zu sehr zwischen den verschiedenen Zeitebenen und, in der Vergangenheit zu sehr zwischen den verschiedenen Erzählperspektiven. Denn zuerst glauben wir, dass wir die 1956 in San Francisco spielenden Ereignisse aus der Sicht von Raines‘ unveröffentlichtem Manuskript erfahren. Aber dann wechselt Brubaker die Perspektive und wir erfahren immer mehr Dinge, die Raines nicht wissen kann. Außerdem bleibt der übernatürliche Hintergrund in Richtung H. P. Lovecraft noch zu unscharf, um wirklich zu überzeugen. Daran ändern auch die gewohnt atmosphärischen Panels von Sean Phillips nichts.

Ed Brubaker/Sean Phillips: Fatale: Den Tod im Nacken (Band 1)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini, 2013

140 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Fatale # 1 – 5

Image, Januar – Mai 2012

 

Hinweise

“A Criminal Blog” (über “Criminal”)

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 4 – Obsession“ (Criminal Vol. 4: Bad Night, 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 5 – Sünder“ (Criminal: The Sinners, 2010)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Criminal 6 – Unschuld“ (Criminal: The Last of the Innocent, Vol. 1 – 4, 2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)

Meine Besprechung von Ed BrubakerSean Phillips’ „Incognito 1 – Stunde der Wahrheit“ (Incognito, 2008/2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker (Autor)/Sean Phillips (Zeichner) „Incognito 2: Schlechter Einfluss“ (Incognito: Bad Influences, Vol. 1 – 5, 2010/2011)

Ed Brubaker in der Kriminalakte

Comic Book Resources: Interview mit Ed Brubaker über „Fatale“ (8. Mai 2012)

 


„Unschuld“ ist ein Fremdwort im „Criminal“-Kosmos von Ed Brubaker und Sean Phillips

April 16, 2012

Ein neuer „Criminal“-Band von Autor Ed Brubaker und Zeichner Sean Phillips ist für Noir-Fans ein Drei-Sterne-Menü. Mindestens.

In „Unschuld“, dem sechsten „Criminal“-Sammelband, erzählen sie, mit Kurzauftritten von alten „Criminal“-Bekannten, von Riley Richards.

Der hoch verschuldete Spieler ist mit Felicity ‚Felix‘ Doolittle, die ihn betrügt, verheiratet. Für ihren Vater ist Richards ein Tunichtgut, den er notgedrungen als Frühstücksdirektor eingestellt hat. Jedenfalls solange seine Tochter mit ihm verheiratet ist.

Als er wegen eines plötzlichen Krankenhausaufenthaltes seines Vaters in seinen Geburtsort Brookview fährt, trifft er seine Sandkastenliebe Lizzie Gordon. Die alten Gefühle erwachen wieder und er fasst einen Plan, mit dem er seine Probleme beseitigen könnte.

Während in den bisherigen „Criminal“-Geschichten Berufsverbrecher im Mittelpunkt standen, ist es in „Unschuld“ ein ganz normaler Mann in einer Noir-Situation.

Und, ebenfalls im Gegensatz zu den bisherigen „Criminal“-Geschichten, bilden die Erinnerungen von Riley Richards einen wichtigen Teil der Geschichte. Sean Phillips zeichnete sie in den schönsten Bonbonfarben im Stil der Walt-Disney-Comics und sofort wird deutlich, wie sehr Richards seine Vergangenheit verklärt.

In „Unschuld“ fragen sich Ed Brubaker und Sean Phillips, wie ihre erwachsenen „Criminal“-Charaktere zu den Männern und Frauen wurden, die sie heute sind. War alles vorherbestimmt? Oder haben sie irgendwann eine falsche Entscheidung getroffen?

Dieser Frage gehen sie in ihrer herrlich knappen und mit gemeinen Wendungen gespickten „Noir“-Geschichte nach. Im letzten Panel werden dann Gegenwart und Vergangenheit miteinander vereinigt.

Das ist, wie immer, wenn Ed Brubaker und Sean Phillips sich zusammentun, sehr empfehlenswert!

Vor wenigen Tagen wurde „Unschuld“ für den Eisner-Award als „Best Limited Series“ und Sean Phillips als „Best Cover Artist“ für seine „Unschuld“-Titelbilder nominiert.

Ed Brubaker/Sean Phillips: Criminal: Unschuld (Band 6)

(mit einem Vorwort von Patton Oswalt)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2012

116 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Criminal: The Last of the Innocent, Vol. 1 – 4

Marvel Comics, Juni – September 2011

Hinweise

„A Criminal Blog“ (über „Criminal“)

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 4 – Obsession“ (Criminal Vol. 4: Bad Night, 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 5 – Sünder“ (Criminal: The Sinners, 2010)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)

Meine Besprechung von Ed BrubakerSean Phillips’ „Incognito 1 – Stunde der Wahrheit“ (Incognito, 2008/2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker (Autor)/Sean Phillips (Zeichner) „Incognito: Schlechter Einfluss (Band 2)“ (Incognito: Bad Influences, Vol. 1 – 5, 2010/2011)

 


Ed Brubaker und Sean Phillips erzählen von einer „Obsession“

Dezember 10, 2009

Nach all den Gangstern, die uns bislang im „Criminal“-Kosmos von Autor Ed Brubaker und Zeichner Sean Phillips begegnet sind, ist Jacob Kurtz ein ganz gewöhnlicher Mann. Er zeichnet den bereits aus früheren „Criminal“-Bänden bekannten Comic „Frank Kafka, Privatdetektiv“. Seine einzige Verbindung zum Organisierten Verbrechen geht über seine vor Jahren verstorbene Frau. Weil sie spurlos verschwand, nahmen Detective Max Starr und der Onkel der Verstorbenen, der Gangsterboss Sebastian Hyde, an, dass Kurtz sie ermordete. Hydes Männer schlugen ihn zum Krüppel. Als herauskam, dass sie bei einen Unfall starb, verschaffte Hyde ihm die Stelle als Comiczeichner.

Jetzt lebt Kurtz zurückgezogen, zeichnet die Bildergeschichte für die Tageszeitung, schläft tagsüber und streift nachts durch die Stadt. Eines Abends trifft er in seinem Stamm-Diner auf ein streitendes Paar. Auf dem Heimweg nimmt er die attraktive Iris mit und das – wir ahnen es – hätte er besser nicht tun sollen. Denn selbstverständlich wird er in eine schlimme Geschichte verwickelt, bei der die Fälschung eines FBI-Ausweises noch sein harmlosestes Verbrechen ist.

Auch im vierten „Criminal“-Band revitalisieren Ed Brubaker und Sean Phillips eine klassische Noir-Geschichte. Dieses Mal ist es die Geschichte von dem Normalbürger, der sich in eine Gangsterbraut verliebt, selbst einige dunkle Geheimnisse hat und von einem hasserfüllten Polizisten verfolgt wird. Auf den letzten Seiten schlägt „Obsession“, auch dank plötzlicher und gelungener Wechsel der Erzählperspektive, einige überraschende Haken und lässt einen atemlos zurück.

Grandios!

Oder mit den Worten von Ken Bruen:

Der Mann [Ed Brubaker, A. d. V.] ist ein Genie.

Ich sage das ohne Vorbehalt.

Ich glaube, ich habe diesen Begriff höchstens zweimal im Leben verwendet.

Er hat ihn doppelt und dreifach verdient. (…)

‚Obsession‘ erzählt eine wunderbar tödliche Geschichte über Lügen, Mord und…ah…es wäre eine Sünde mehr zu verraten.“

Ed Brubaker/Sean Phillips: Criminal 4 – Obsession

(Einleitung von Ken Bruen)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2009

124 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Criminal Vol. 4: Bad Night

Marvel Comic, 2009

enthält

Criminal Vol. 2 4 – Criminal Vol. 2 7 (Juli – September 2008)

Hinweise

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillipss „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)


Ein heißer Herbst mit Ed Brubaker

August 21, 2009

Ed-Brubaker-Fans dürfen sich freuen. Denn abgesehen von dem hier bereits erwähntem vierten „Sleeper“-Band, sind auch einige weitere Werke von einem der derzeit aufregendsten Comicautoren angekündigt:

6.Oktober

Captain America 4 (Marvel, enthält Captain America Heft 43 – 48: „James Buchanan Barnes hat seine Feuertaufe bestanden. Doch Relikte des Kalten Krieges bedrohen die USA und nur Bucky kann das Unheil stoppen. Der neue Captain America im Kampf gegen seine eigene Vergangenheit als Wintersoldat und einem von Steve Dogers’s tödlichsten Feinden.“ – gezeichnet von S. Epting, L. Ross und B. Guice)

20. Oktober

Criminal 4: Obsession (DC Comics/Vertigo, enthält Vol. 2, Heft 4 – 7: „Jacobs Leben ist im Eimer. Er kann nicht mehr schlafen und wandert Nacht für Nacht in der Stadt umher, bis er ein schäbiges Lokal betritt und die Bekanntschaft der rothaarigen Iris und ihrem brutalen Lover macht. Und nun geht sein Leben endgültig den Bach runter, direkt in Richtung Hölle!“ – Hört sich sehr nach Cornell Woolrich an.)

November

Incognito 1 (DC Comics/Vertigo: „Was passiert, wenn ein Superschurke in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen wird und er deshalb ab sofort dazu verdammt ist, ein durchschnittliches, langweiliges Leben zu führen? Hier ist die spektakuläre Antwort.“ – „Incognito“ ist die Umkehrung von „Sleeper“. Während in „Sleeper“ ein guter Mensch böses tun muss, muss in „Incognito“ ein böser Mensch gutes tun. Dass das nicht zu einem Feelgood-Comic wird, dürfte bei dem Team Brubaker/Phillips niemand überraschen.)

Dezember

Sleeper 4: Das lange Erwachen (Crosscult: der Abschluss der grandiosen „Sleeper“-Serie. Dann erfahren wir endlich, wie die langjährige Undercover-Mission von Holden Carver in einem weltumspannenden Gangstersyndikat endet.)

Criminal, Incognito und Sleeper wurden von Sean Phillips gezeichnet.


Dreimal Hochspannung mit Ed Brubaker

August 22, 2008

In seiner Heimat ist Ed Brubaker bereits seit Jahren als einer der besten Comic-Autoren bekannt. Mehrere prestigeträchtige Eisner-Nominierungen und erhaltene Eisner-Preise sprechen eine deutliche Sprache. Inzwischen wollen die Hollywood-Größen Sam Raimi und Tom Cruise seine Graphic-Novel „Sleeper“ verfilmen.

In Deutschland kennen ihn, außerhalb der Hardcore-Comic-Szene, Unterabteilung Superhelden-Comics/Marvel-Universum, bislang nur wenige. Mit dem ersten „Criminal“-Band „Feigling“, in dem er zusammen mit Zeichner Sean Phillips eine Überfall-Geschichte erzählte, änderte sich das etwas. Mit dem zweiten „Criminal“-Band „Blutsbande“, dem ersten „Sleeper“-Band „Das Schaf im Wolfspelz“ und „Point Blank“, dem eigenständigen Vorspiel zur „Sleeper“-Serie, die alle die Tage erschienen sind, müsste sich das grundlegend ändern. Denn alle drei Comic-Bücher erzählen schnelle, wendungsreiche Hardboiled-Geschichten, die einer alten Formel so viel neues Blut verpassen, dass sie frisch und neu sind, ohne ihre Ursprünge zu verraten.

Die Comics „Point Blank“ und „Sleeper“, beide erschienen 2003 bei Wildstorm/DC Comics, verknüpfen gekonnt gewalttätigen Noir mit etwas abgehalftertem Superhelden-Gedöns. Denn einerseits haben die wichtigen Charaktere, teilweise bekannt aus dem WildC.A.T.S.-Kosmos, nach genetischen Manipulationen (Gen-Faktor genannt) übermenschliche Fähigkeiten, andererseits können sie letztendlich nichts Richtiges damit anfangen. Die Superkräfte scheinen sogar eher eine Belastung zu sein.

Der Held von „Point Blank“ ist der abgebrannt in Kneipen herumhängende Ex-Elitesoldat Cole „Grifter“ Cash. Er gehörte zur supergeheimen von John Lynch geleiteten Regierungsorganisation International Operations.

Eines Tages bittet ihn sein alter Chef Lynch um Hilfe. Er braucht, um einen von ihm gemachten „Fehler“ zu korrigieren jemand, dem er vertrauen kann. Diese Korrektur bedeutet, dass sie auf der Suche nach einem Carver mehrere Menschen foltern und töten müssen.

Als Lynch bei einem Mordversuch lebensgefährlich verletzt wird, beginnt Cash den Täter zu suchen. Seine Spur führt ihn zum kriminellen Superhirn Tao, der eine geheime Superwesen-Organisation befehligt.

Zusammengefasst klingt „Point Blank“ (dass der Comic den gleichen Titel wie der erste Parker-Roman von Richard Stark hat, ist sicher kein Zufall) nach einer banalen Rachegeschichte. Aber Ed Brubaker erzählt die Geschichte mit zahlreichen Rückblenden, die sich organisch in die Geschichte einfügen und nur durch den wechselnden Zeichenstil von Colin Wilson auffallen. So spiegelt die Erzählweise auch den geistigen Zustand von Cash wieder. Gleichzeitig bewegt sich die Geschichte in dem vertrauten Noir-Kosmos, in dem ein Mann, der mit seinen eigenen Dämonen kämpft, sich für einen Mord (auch wenn Lynch dank seiner Superheldenkräfte nur im Koma liegt) verantwortlich fühlt. Als er am Ende Tao gegenübersteht, endet die Begegnung ganz anders, als er es sich in seinen schlimmsten Alpträumen ausmalen hätte können.

„Ich dachte mir: Es wäre doch interessant, einen Comic über jemanden zu machen, der vorgibt, jemand anderes zu sein, und dann nach und nach nicht mehr unterscheiden kann zwischen sich selbst und der Rolle, die er spielt.“

Ed Brubaker über „Sleeper“

Am Ende von „Point Blank“ findet Cash den von Lynch verzweifelt gesuchten Holden Carver, der von Lynch als Undercover-Agent in die Organisation von Tao eingeschleust wurde. Carver soll herausfinden, was Tao vorhat. Denn Lynch kann sich keinen Reim auf die Anschläge und Verbrechen von Tao machen. Carvers Einsatz ist so gefährlich und geheim, dass nur Lynch die Wahrheit kennt.

Nachdem in „Point Blank“ ein ziemlich verrückter Einzelkämpfer im Mittelpunkt stand und die Erzählung entsprechend fragmentiert war, ist „Das Schaf im Wolfspelz“ eine Übung in Selbstbeherrschung – und sich langsam auflösenden Grenzen. Entsprechend der ursprünglichen Erscheinungsweise als einzelne Comichefte hat der erste „Sleeper“-Band „Das Schaf im Wolfspelz“ eine weitgehend episodische Struktur, die in sechs relativ klar getrennten Episoden vom Aufstieg Carvers in der Superwesen-Organisation von Tao und seiner entflammenden Liebe zu Miss Misery, der Vertrauten Taos, erzählt. Gleichzeitig versucht Holden, tief im Inneren, seine ursprüngliche Identität zu bewahren.

Denn Carver ist nach dem jahrelangen Undercover-Einsatz immer mehr zwischen den beiden Identitäten aufgerieben und besonders seitdem Lynch im Koma liegt, fragt er sich, wie er jemals wieder in sein altes Leben zurückkehren kann; – falls er das überhaupt will.

Der erste „Sleeper“-Band „Das Schaf im Wolfspelz“ eröffnet fulminant die düstere Geschichte eines Undercover-Agenten, dessen Weg zurück in ein bürgerliches Leben ihm zunehmend versperrt ist. Brubaker/Phillips erzählten die Geschichte von Carver in den noch folgenden drei „Sleeper“-Bänden weiter. Sie etablierten sich in der Comicszene mit dieser Serie als ein Team für düstere Hardboiled-Geschichten.

Dabei ist Carvers Geschichte von einem Undercover-Mann, der sich die Finger schmutzig machen muss und bei den Verbrechern immer mehr Freunde findet, keine neue Geschichte. Zahlreiche, teilweise auf wahren Begebenheiten beruhende, Kriminaldramen über die langen Undercover-Einsätze von Polizisten, die zunehmend zwischen ihren verschiedenen Loyalitäten zerrissen sind, und der fast zeitgleich entstandene Hongkong-Thriller „Infernal Affairs“ (der in den USA erst nach der Veröffentlichung von „Sleeper“ startete) erzählen in Teilen ähnliche Geschichten. Doch „Sleeper“ ist düsterer und gewalttätiger als die meisten anderen Geschichten. Brubaker verknüpft hier schamlos eine Noir-Geschichte, die irgendwo zwischen Gangster- und Spionagethriller schwankt, mit einer Superheldengeschichte, baut mehr Storytwists ein als bei „24“ und lässt auf kein gutes Ende hoffen.

„Point Blank“ und „Sleeper: Das Schaf im Wolfspelz“ haben in der deutschen Ausgabe mit den informativen Nachworten von Jochen Ecke auch ein lohnenswertes Bonus-Feature, das an die US-amerikanischen Heftausgaben von „Criminal“ erinnert. Dort gibt es, geschrieben von Brubaker und anderen Autoren, als Bonus zu den Comics Texte über die für die „Criminal“-Gesichte n wichtigen Noir-Einflüsse und, jüngst, ein Interview mit Hard-Case-Crime-Herausgeber Charles Ardai.

„One of my intentions with this series was to create a book that could handle any and every story I wanted to tell. The cast of the book is a loose-knit gang of crooks – a pickpocket, a hit-man, and a crooked cop, for starters – who each take center stage at different times. This way I can do a heist story, follow that with a revenge drama, and then a prison breakout, all while using the same characters. And as each story unfolds, the mysterious past that connects these characters is revealed, so readers can watch the puzzle of their twisted history being put together.“

Ed Brubaker über “Criminal”

Nach „Sleeper“ schrieb Ed Brubaker etliche Geschichten für bekannte Marvel-Charaktere, wie Captain America, Catwoman, Daredevil und X-Men, und erfand zusammen mit Greg Rucka die im Batman-Universum spielende Serie „Gotham Central“. 2006 widmete Brubaker sich dann, wieder zusammen mit Zeichner Sean Phillips, kompromisslos dem Noir und startete die gefeierte, im heutigen Amerika spielende „Criminal“-Serie. Letztes Jahr erhielt „Criminal“ den Eisner Award für Beste neue Serie und Ed Brubaker einen Eisner als Bester Autor des Jahres. Der erste Band „Feigling“, in dem die Geschichte eines misslungenen Überfalls erzählt wird, überzeugte restlos als sehr stilbewusste und eigenständige Genregeschichte. „Blutsbande“, der zweite „Criminal“-Band erzählt, nicht minder überzeugend, eine eiskalte Rachegeschichte.

Als Alternative zum Knast ging Tracy Lawless zum Militär, kämpfte in Bosnien, Afghanistan und dem Irak, verweigerte Befehle, wurde in ein Militärgefängnis eingesperrt und erfuhr erst ein Jahr nach dem Tod seines kleineren Bruders Broderick davon. Lawless kehrt, um den feige ermordeten Rick zu rächen, unter falschem Namen in seine alte Heimatstadt zurück, hängt in der Bar „The Undertow“ ab und beobachtet Rickys alte Bande. Als sie kurz vor einem neuen kriminellen Coup stehen, bringt er ihren Fahrer Davey um und bietet sich ihnen als neuer Fluchtwagenfahrer an. Als Fürsprecher benutzt er den in Untersuchungshaft sitzenden Fluchtwagenfahrer und Rickys besten Freund Leo Patterson (Genau, der „Feigling“ hat seine selbstmörderische Aktion am Ende des ersten Bandes überlebt.).

Tracy Lawless wird in der Bande aufgenommen und beginnt die Gangster gegeneinander auszuspielen. Denn er will wissen, wer von ihnen seinen Bruder ermordete.

Dank des geschickten Einsatzes von Rückblenden, ein von Brubaker gerne benutztes Stilmittel, wird genug von Tracy Lawless Vergangenheit bekannt, um ihn als tragischen Charakter, der immer seinen kleinen Bruder beschützen wollte, zu erkennen. Der auf den ersten Blick illusionslos-harte Lawless kann nämlich seiner Vergangenheit und den Verpflichtungen gegenüber der Familie, auch wenn alle Familienmitglieder tot sind, nicht entkommen. So ist das Ende von „Blutsbande“ für Tracy Lawless ähnlich bitter wie das Ende von „Feigling“ für Leo Patterson.

„Nur wenige Leute wissen, was eine gute Kriminal-Story ausmacht. Man denke nur an die alten Batman-Filme und so ziemlich jeden Versuch in Sachen Film Noir, seit das Kino farbig wurde: das Dunkle und das Schmutzige ist nur Fassade. Aber die innere Finsternis, die jede gute Kriminal-Story enthüllt und befreit, findet nie statt. Deine Geschichten sind haargenau richtig und wunderbar unerbittlich. Und das Beste: Sie nehmen sich ernst, und das mit erhobenen Haupt.“

Frank Miller (Sin City) über „Criminal“

Ed Brubaker/Colin Wilson: Point Blank

(übersetzt von Maria Morlock)

Cross Cult, 2008

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

Point Blank

Wildstorm, DC Comics 2003

(Erstausgabe in Einzelheften: Point Blank 1 – 5, 2002/2003)

Ed Brubaker/Sean Phillips: Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz

(übersetzt von Maria Morlock)

Cross Cult, 2008

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

Sleeper: Out in the Cold

Wildstorm, DC Comics 2004

(Erstausgabe in Einzelheften: Sleeper 1 – 6, 2003)

Ed Brubaker/Sean Phillips: Criminal 2 – Blutsbande

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2008

128 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Criminal 2: Lawless

Marvel Comics, 2007

(Erstausgabe in Einzelheften: Criminal 6 – 10, 2007)

Hinweise

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Blog über „Criminal“

Meine Besprechung von „Criminal 1: Feigling“ (mit weiteren Hinweisen)

Der zweite „Sleeper“-Band „Die Schlinge zieht sich zu“ erscheint im November.


Ed Brubaker mit „Criminal“ in Parkers Welt

März 19, 2008

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„Feigling“ ist ein Comic, der nicht in die Hände von Kindern gehört. Brubaker erzählt in dem fulminanten Auftakt seiner neuen Serie „Criminal“, für die er 2007 mit dem renommierten Eisner-Award ausgezeichnet wurde, eine blutige Geschichte aus der düsteren Hardboiled-Welt der Profigangster.

Bereits der Prolog mit seinem meisterhaften Zusammenspiel von Leos illusionslosem Monolog und den dazugehörigen Bildern überzeugt. Während Leo vom Wert der Regeln erzählt, die ihm als Gangster ein Leben außerhalb des Gefängnisses ermöglichen, erzählen die Bilder von einem blutig misslingenden Überfall und der geglückten Flucht Leos.

Danach zieht Leo sich zurück. Denn während die anderen ihn wegen seinem vorsichtigen Agieren und sorgfältigen Planen der verschiedensten Varianten eines Coups und der Flucht, für einen Feigling halten, ist Leo nur vorsichtig. Lieber verschiebt er einen Überfall oder führt ihn, wenn ihm die Sache zu heiß erscheint, nicht durch, als dass er sich in einen Schusswechsel mit der Polizei verwickeln lässt. Oder mit den Worten des korrupten Cops Seymour: „Leo ist ein Feigling. Er geht dem Ärger nicht aus dem Weg, er rennt. Und so gut, wie er darin ist, Sicherheitslücken zu erkennen und Dinger zu planen, so gut ist er auch im verpissen.“

Fünf Jahre später fristet Leo ein Leben als kleiner Taschendieb. Da wird er von dem korrupten Polizisten Seymour zu einem neuen Raub erpresst. Er soll, zusammen mit anderen korrupten Cops, Diamanten im Wert von fünf Millionen Dollar aus einem Polizeitransporter stehlen. Leo macht, auch aufgrund von alten Verpflichtungen, mit. Er tüftelt einen sicheren Plan aus. Doch schon während des Überfalls versuchen die Polizisten ihn umzubringen.

Leo, der wie immer noch einen weiteren Fluchtplan gemacht hat, kann mit der Beute fliehen. Doch der Gangsterboss Roy-L.T., die korrupten Cops um Seymour und die gesamte Polizei sind ihm auf den Fersen. Denn in dem Laster waren keine Diamanten, sondern Roys Rauschgift.

Um selbst zu überleben und die Menschen zu beschützen, die ihm wichtig sind, muss Leo gegen „die Regeln, die einem Freiheit garantieren“ verstoßen.

Und wohin ein Verstoß gegen die Regeln führt, hat bereits der Prolog drastisch verdeutlicht. Gefängnis oder Tod im polizeilichen Kugelhagel. Leo, der Gewalt verabscheut, will weder das eine noch das andere. Aber nur mit einer Pistole in der Hand hat er eine Chance zu überleben.

Das von Ed Brubaker in „Criminal“ entworfene Universum erinnert Genrefans zuerst an die kalte Welt des von Donald E. Westlake unter dem Pseudonym Richard Stark erfundenen Profigangsters Parker. Denn alles, was über Leo gesagt wird, kann auch über Parker gesagt werden. Bis auf zwei Punkte: Parker hat absolut keine freundschaftlichen Gefühle und Parker wendet Gewalt an, wenn er so seine Ziele besser erreichen kann. Der Rest – die vollkommen korrupte Welt, der Codex der Berufsverbrecher, die fatalen Fehler der Amateure, die Dummheit vieler Verbrecher, die alltägliche Gewalt – ist aus Parkers Welt bekannt.

Auf dieser Folie entwirft Ed Brubaker eine Geschichte, die einerseits die Genrekonventionen befolgt, andererseits bereits mit kleinen Änderungen für willkommene Überraschungen sorgt. Denn Leo ist viel menschlicher als Parker. Er

pflegt seinen an Demenz erkrankten Vaterersatz. Er hilft einer Freundin. Er hat sogar ziemlich gute Kontakte zu einer Polizistin, mit der er gemeinsam die Schule besuchte. Und weil er ihnen helfen will, bricht er seine Regeln.

 

„Feigling“ ist nach der „Sleeper“-Serie eine weitere Zusammenarbeit von Ed Brubaker und Sean Phillips. Brubaker gewann 2007 den Eisner und Harvey Award als bester Autor. In den vergangenen Jahren schrieb er für DC/Vertigo das Sandman-Spezial „Prez“ und die „Gotham City“-Serie aus dem Batman-Kosmos. Bei Marvel übernahm er die Serien „Captain America“ und „Daredevil“.

Der britische Zeichner Sean Phillips begann seine Karriere bei dem Magazin „2000AD“ und der Serie „Judge Dredd“. In den USA zeichnete er für DC/Vertigo „Hellblazer“, für DC/WildStorm „Sleeper“ und für Marvel „Marvel Zombies“.

Der zweite Criminal-Band „Lawless“ ist in den USA bereits veröffentlicht. In Deutschland kündigt Panini Comics für Juli „Das Schaf im Wolfspelz“, den ersten Band der „Sleeper“-Serie von Ed Brubaker und Sean Phillips, an.

 

 

Ed Brubaker/Sean Phillips: Criminal 1 – Feigling

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Books, 2008

128 Seiten

14,95 Euro

 

Originaltitel

Criminal 1: Coward

Marvel Comics, 2007

 

Hinweise

A Criminal Blog (von Ed Brubaker und Sean Phillips) 

Homepage von Ed Brubaker

Homepage von Sean Phillips 

Blog von Sean Phillips 

Bill Hader interviewt Ed Brubaker (mit Ausschnitten aus den Criminal-Comics)

Comic Book Resources: Interview mit Ed Brubaker

Newsarema: Interview mit Ed Brubaker 

Mein Artikel über Richard Starks Parker-Romane


Statt Kino: In „Tödliche Schwestern“ kloppt Black Widow, „Agentin und Avenger“, sich mit ihrer Schwester

Mai 22, 2020

Eigentlich sollte Cate Shortlands „Black Widow“ jetzt im Kino laufen. Mit Scarlett Johansson als ‚Black Widow‘ Natasha Romanoff, einer in Russland ausgebildeten, überaus gutaussehenden und überaus tödlichen Killerin, die schon vor Ewigkeiten die Seiten wechselte. Seitdem gehört sie zu den Avengers, Florence Pugh spielt ihre Schwester Yelena Belova und David Harbour und Rachel Weisz spielen ihre Eltern ‚Red Guardian‘ Alexei Shostakow und ‚Iron Maiden‘ Melina Vostokoff. Gemeinsam, so lässt sich aus den gewohnt spartanischen Inhaltsbeschreibungen erahnen, kämpfen sie gegen den ‚Taskmaster‘. Der Bösewicht will, so heißt es, Elitekämpferinnen wie Black Widow manipulieren und unter seine Kontrolle bringen. Wahrscheinlich um danach in bester größenwahnsinniger James-Bond-Bösewicht-Tradition die Welt zu beherrschen.

Pünktlich zu diesem im Moment in eine ferne, ferne Zukunft verschobenem Kinostart veröffentlichte der Panini-Verlag die Anthologie „Black Widow: Agentin und Avenger“ und den „Black Widow“-Comic „Tödliche Schwestern“. Dieser Sammelband enthält die lose miteinander verbundenen, im 1998 gegründeten Imprint „Marvel Knights“ erschienenen, sich an ein erwachsenes Publikum richtenden Geschichten „Tödlicher Wahnsinn“ (Black Widow: The Itsy-Bitsy Spider [1999]), „Identität“ (Black Widow: Breakdown [2001]) und „Blasse kleine Spinne“ (Black Widow: Pale Little Spider [2002]). Mit diesen Geschichten wurde Black Widow, die damals auf den hinteren Marvel-Rängen saß, zu einer Superheldin der ersten Reihe.

In diesen von Davin Grayson und Greg Rucka geschriebenen, von Scott Hampton, J. G. Jones und Igor Lordey gezeichneten Geschichten begegnen sich Natasha Romanoff (aka Natalia Romanova) und die ebenfalls vom Geheimdienst im Red Room in Moskau ausgebildete Yelena Belova erstmals. In Rhapastan sind sie auf der Suche nach einer gefährlichen Biowaffe.

Romanoff und Belova haben beide nach ihrer Ausbildung im Red Room den Tarnnamen ‚Black Widow‘. Allerdings hat Belova einen gewaltigen Minderwertigkeitskomplex. Sie will, und das ist der alle drei Geschichten miteinander verbindende Konflikt, besser als Romanoff und die einzig wahre ‚Black Widow‘ sein. Dafür muss ihre Vorgängerin sterben.

In „Identität“ geht es dann um, ähem, vertauschte Identitäten und eine Geheimmission.

Und in „Blasse kleine Spinne“ soll Belova in Moskau den Mord an ihrem Lehrer, Lieutenant Colonel Starkowsky, aufklären. Diese Mordermittlung führt sie in ein SM-Bordell und einer Konfrontation mit sich selbst.

Bei den drei spannenden Storys dachten die Zeichner immer daran, die beiden gutaussehenden Black Widows durchgehend gerade so noch jugendfrei ins Bild zu setzen. Das hat sich bei der Film-“Black Widow“, die jetzt den von MCU-Fans langerwarteten Solo-Leinwandauftritt bekommen hat, nicht geändert.

Black Widow: Agentin und Avenger – Die Black Widow-Anthologie“ ist der neueste Band der uneingeschränkt lobenswerten und interessanten Anthologie-Serie. Vorherige Bände porträtierten Batman, Deadpool und Wonder Woman. In jedem Band werden wichtige Comicauftritte der porträtierten Figur zusammengestellt und mit informativen Hintergrundtexten eingeleitet.

Auch im neuesten Band wurde nichts am bewährten Aufbau verändert. Beginnend mit ihrem ersten Auftritt in „Crimson Dynamo schlägt wieder zu!“ (The Crimson Dynamo strikes again!, Tales of Suspense (1959) 52 (I)) im April 1964 bis zur Gegenwart (die letzte Geschichte ist von 2016) geht es durch die Geschichte von Natasha Romanoff und der sich wandelnden Welt und Comicwelt.

Greg Rucka/J. G. Jones: Marvel Knights: Black Widow – Tödliche Schwestern

(übersetzt von Carolin Hidalgo und Reinhard Schweizer)

Panini, 2020

228 Seiten

23 Euro

Originalausgabe/enthält

Black Widow (1999) # 1 – 3: The Itsy-Bitsy Spider

Black Widow (2001) # 1 – 3: Breakdown

Black Widow (2002) # 1- 3: Pale Blue Spider

Black Widow: Agentin und Avenger – Die Black Widow-Anthologie

Panini, 2020

324 Seiten

29 Euro

Hinweise

Marvel über Black Widow

Wikipedia über Black Widow 

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Die Welt ohne Superman” (The Sleepers, 2009)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Batman: Hinter der Maske” (Cutter, März – Mai 2010/Beneath the Mask,  Juni – Juli 2010/Good King Wencesias, Februar 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas “Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)” (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Michael Larks „Gotham Central: Doppeltes Spiel (Band 2)“ (Gotham Central #6 – 12, DC Comics)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Im Fadenkreuz des Jokers (Band 3)“ (Gotham Central # 11 – 15, DC Comics)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Bullocks letzter Fall (Band 4)“ (Gotham Central # 16 – 22, DC Comics)

Meine Besprechung von Greg Rucka (Autor)/Nicola Scott/Bilquis Evely (Zeichner) „Wonder Woman: Das erste Jahr (Rebirth – Die Wiedergeburt des DC-Univerums)“ (Wonder Woman: Year One, Part One – Finale (# 2, 4, 6, 8, 10, 12, 14), 2016/2017)

Meine Besprechung vonGreg Rucka (Autor)/J. G. Jones (Zeichner) „Wonder Woman/Batman: Hiketeia“ (Wonder Woman/Batman: The Hiketeia, 2002)

Greg Rucka in der Kriminalakte


Batman trifft den Joker, „Der Mann, der lacht“

Oktober 16, 2019

Während im Kino gerade eine Herkunftsgeschichte des Jokers erzählt wird, ist Noir-Comicautor Ed Brubaker schon einen Schritt weiter. In „Der Mann, der lacht“ erzählt er vom ersten Aufeinandertreffen zwischen dem Joker und Batman.

Diese im Original bereits 2005 erschienene Geschichte ist jetzt, zusammen mit „Ganz aus Holz“, neu aufgelegt worden.

In „Der Mann, der lacht“, geschrieben von Brubaker, gezeichnet von Doug Mahnke, betritt der Joker erstmals die mit skurrilen Bösewichtern gut gefüllte Verbrechensbühne von Gotham City. Als erstes droht er, Henry Claridge um Mitternacht zu töten. So geschieht es.

Danach kündigt der Joker weitere Morde an und er befreit sechzehn im Williams Medical Center für geisteskranke Straftäter inhaftierte Mörder. Gemeinsam marodieren und morden sie durch die Stadt, während Batman versucht, den Joker zu stellen.

In „Ganz aus Holz“, ebenfalls geschrieben von Brubaker, gezeichnet von Patrick Zircher, wird am Sockel des historischen Green-Lantern-Heldendenkmals eine Leiche gefunden. Auf ihren nackten Oberkörper hat der Täter den rätselhaften Spruch „Ganz aus Holz“ geschrieben.

Alan Scott, die erste, inzwischen in New York lebende Green Lantern, deutet den Spruch als Hinweis auf seine Achillesferse. Er verfügt über kosmische Kräfte, kann aber mit Holz verwundet werden. Er reist nach Gotham City und, gemeinsam mit Batman, sucht er den Täter.

Außerdem ist der inzwischen pensionierte Commissioner Jim Gordon, der die Leiche bei einem Spaziergang entdeckte und sich ebenfalls umhört, spurlos verschwunden.

Beide „Batman“-Geschichten liefern das, was man von Ed Brubaker erwartet. Es sind spannende Noir-Geschichten, die sich hier nahtlos in den letztendlich sehr flexiblen Batman-Kosmos einfügen.

Ed Brubaker/Doug Mahnke: Batman/Joker: Der Mann, der lacht

(übersetzt von Ralph Kruhm)

Panini, 2019

144 Seiten

16,99 Euro

enthält

Der Mann, der lacht (Batman: The Man who laughs, DC Comics, April 2005)

Ganz aus Holz (Made of Wood, Detective Comics 784 – 786, DC Comics, September – November 2003)

Hinweise

Homepage von Ed Brubaker

Wikipedia über Ed Brubaker (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 4 – Obsession“ (Criminal Vol. 4: Bad Night, 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 5 – Sünder“ (Criminal: The Sinners, 2010)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 6 – Unschuld“ (Criminal: The Last of the Innocent, Vol. 1 – 4, 2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)

Meine Besprechung von Ed BrubakerSean Phillips’ „Incognito 1 – Stunde der Wahrheit“ (Incognito, 2008/2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker (Autor)/Sean Phillips (Zeichner) „Incognito 2: Schlechter Einfluss“ (Incognito: Bad Influences, Vol. 1 – 5, 2010/2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Den Tod im Nacken (Band 1)“ (Fatale # 1 – 5, 2012)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas „Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)“ (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Hollywood Babylon (Band 2)“ (Fatale # 6 – 10, 2012)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Westlich der Hölle (Band 3)“ (Fatale # 11 – 15, 2013)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Steve Epting/Butch Guice/Mike Perkins‘ „Der Tod von Captain America (Band 2)“ (Captain America: The Burden of Dreams, Part 1 – 6 (# 31 – 36), 2007/2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Steve Epting/Roberte De La Torre/Luke Ross“ „Der Tod von Captain America (Band 3)“ (Captain America: The Man who bought America, Part 1 – 6 (# 37 – 42), 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas „Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)“ (Gotham Central # 1 – 5 , 2003)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Im Fadenkreuz des Jokers (Band 3)“ (Gotham Central # 11 – 15)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Bullocks letzter Fall (Band 4)“ (Gotham Central # 16 – 22)

Ed Brubaker in der Kriminalakte

 


„Das erste Jahr“, „Die Übermenschen“ – alte und neue Batman-Geschichten von Frank Miller

September 12, 2018

Früher war Frank Miller einer der Neuerer in der Comic-Welt. Er schrieb und zeichnete sich durch die verschiedenen Superheldencomics. Legendär sind seine Batman-Neuinterpretation „Die Rückkehr des dunklen Ritters“, „300“ und selbstverständlich „Sin City“.

In den letzten Jahre fiel er vor allem durch, höflich formuliert, sehr grenzwertige Formulierungen auf. Seine Comics spiegelten diese reaktionären, islamophoben und auch verschwörungstheoretischen Verirrungen in Geschichten, die arm an Dialog waren und deren Bildsprache die Ideologie spiegelten. Wobei einige seiner problematischen Ansichten auch zur Noir-Ursuppe gehören und daher auch zur Ursuppe von Batman und „Sin City“. Aber in dem Kontext haben sie eine andere Bedeutung, wie ein Blick auf seinen jetzt wieder veröffentlichten frühen Batman-Comic „Das erste Jahr“ und seinen neuesten Batman-Comic „Die Übermenschen“ (auch „Dark Knight III“), geschrieben mit „100 Bullets“ Brian Azzarello, zeigt.

Das erste Jahr“ erschien 1987, ein Jahr nach Frank Millers stilbildendem „Batman: Die Rückkehr des dunklen Ritters“. In der vierteiligen Geschichte schildert Miller die Anfänge von Bruce Wayne als Batman. Wayne kehrt nach einer jahrelangen Abwesenheit in seinen Geburtsort zurück und sich fragt, was er mit seinem künftigem Leben anstellen soll.

Die Geschichte ist eher eine Zusammenstellung mehrere unabhängiger Kurzgeschichten über Verbrechen in Gotham City, die lose miteinander verknüpft sind durch zwei durchgehende Geschichten. Einmal geht es darum, wie Batman Batman wird und einmal, wie ‚Batman‘ Bruce Wayne und Lieutenant James Gordon Vertrauen zueinander fassen. David Mazzucchelli zeichnete Millers Geschichte in einem heute doch sehr altmodischen Stil. Das erinnert alles an die später entstandenen von Ed Brubaker und Greg Rucka geschriebene Serie „Gotham Central“.

Die Übermenschen“ ist mit 376 Seiten deutlich umfangreicher und liegt im Trend der neuen Miller-Werke, in denen die Bilder eindeutig über den Text dominieren. Und während „Das erste Jahr“ Geschichten aus Gotham City erzählte, die sich zwischen der Polizei und Batman abspielen, wird in „Die Übermenschen“ gleich der ganze DC-Kosmos ins Bild gebracht. Neben der Hauptgeschichte gibt es in dem Sammelband auch die dazu gehörenden Minicomics mit Atom, Wonder Woman, Green Lantern, Batgirl, Lara und Commissioner Yindel, die die Hauptgeschichte vertiefen.

Diese in neun Heften zwischen November 2015 und Juni 2017 erschienene Geschichte dreht sich um den Kryptonier Quar, der von der Menschheit verlangt, dass sie ihn als Gott anerkennen. Sonst werden er und seine Getreuen die Erde vernichten.

Auf der ideologischen Ebene – immerhin lässt, nach Millers letzten Werken, der Titel „Die Übermenschen“ Schlimmes befürchten – kann eine Entwarnung gegeben werden. Das kann an Co-Autor Brian Azzarello liegen. Das kann auch daran liegen, dass Miller nach eigenem Bekunden die schlimme Phase, die er vor einigen Jahren hatte, überstanden hat.

Dafür hat „Die Übermenschen“ andere Probleme. So glänzt Batman in einer Batman-Geschichte weitgehend durch Abwesenheit. Stattdessen dürften Superman, Wonder Woman, Batgirl und die Polizei von Gotham City sich mit Quar auseinandersetzen. Und die Story ist für den Umfang, den sie hat, arg gestreckt und oft kaum nachvollziehbar. Immerhin dürfen Hauptzeichner Andy Kubert, Frank Miller und Eduardo Risso (bei den Zwischenspielen) sich in oft großformatigen, teils experimentellen Panels austoben. Das sieht dann gut aus, während die erzählerische Stringenz über die Länge des Buches nicht mehr erkennbar ist.

Frank Miller/David Mazzucchelli/Richmond Lewis: Batman – Das erste Jahr

(übersetzt von Steve Kups)

Panini, 2018

100 Seiten

9.99 Euro

Originalausgabe

Batman # 404 – 407

DC Comics, 1987

Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert/Klaus Janson/Brad Anderson/Alex Sinclair: Batman – Die Übermenschen

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2018

376 Seiten

34 Euro

Originalausgabe

Dark Knight III: The Master Race # 1 – 9

DC Comics, 2018

Hinweise

DC Comics über Batman

Wikipedia über Batman (deutsch, englisch)

Blog/Homepage von Frank Miller

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons’ “Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)” (Give me liberty, 1990)

Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)

Meine Besprechung von Frank Millers “Holy Terror” (Holy Terror, 2011)

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Robert Rodriguez‘ „Sin City 2: A Dame to kill for (Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Matteo Casalis „Batman: Europa (Batman: Europa, 2016)

 


Greg Rucka und „Wonder Woman“: „Das erste Jahr“ und „Hiketeia“

Juni 14, 2017

Wenige Stunden vor dem Kinostart von „Wonder Woman“ muss man die 1941 von William Moulton Marston erfundene Superheldin wohl kaum vorstellen. Wobei Wonder Woman keine normale Superheldin, sondern die Amazonenprinzessin Diana ist und das ist schon ziemlich göttlich. Was auch daran liegt, dass sie und ihre Welt von der griechischen Mythologie inspiriert sind.

Ihre Origin Story, die auch im sehenswerten Film erzählt wird, erzählt Greg Rucka in „Das erste Jahr“ als Teil des DC-Comics-Komplettneustarts „DC Rebirth“ (bzw., auf Deutsch: „Rebirth – Die Wiedergeburt ds DC-Universums“). Selbstverständlich anders als der Film.

Das beginnt schon damit, dass der Comic in der Gegenwart spielt.

Diana lebt seit Ewigkeiten glücklich mit ihren Amazonen-Schwestern auf der Insel Themyscira. Ihre Welt hat keinen Kontakt zu unserer Welt, der „Welt der Männer“ und niemand weiß von der Insel.

Eines Tages stürzt ein Flugzeug ab. Nur der US-Soldat Steve Trevor überlebt den Absturz.

Weil die Amazonen danach glauben, dass der Kriegsgott Ares oder eine ähnlich dunkle Bedrohung in der „Welt der Männer“ Unheil anrichtet, muss eine Amazone Trevor begleiten und gegen die dunkle Bedrohung kämpfen. Diese dunkle Bedrohung ist die Sear-Terrorgruppe, die jetzt den Maru-Virus freisetzen will. Das ist ein biochemischer Wirkstoff, der Menschen in mordgierige Bestien verwandelt.

Neben dem Kampf gegen die Sear-Gruppe steht die Beziehung von Prinzessin Diana zu Steve Trevor und Dr. Barbara Ann Minerva, einer Wissenschaftlerin, die Dianas Sprache versteht, im Mittelpunkt. Beide helfen ihr, in der neuen Umgebung zurechtzukommen und beide werden, wie „Wonder Woman“-Fans wissen, eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen.

Das erste Jahr“ ist der kurzweilige Auftakt ihrer Geschichte in unserer Welt.

Schon 2002 schrieb Greg Rucka die Wonder Woman/Batman-Geschichte „Hiketeia“. Es ist seine erste „Wonder Woman“-Geschichte. Anschließend schrieb er drei Jahre lang „Wonder Woman“-Geschichten.

In „Hiketeia“ bittet Danielle Wellys Wonder Woman um Hiketeia. Das ist ein Ritual und Gesetz, bei dem dem Bittsteller Schutz gewährt und die volle Verantwortung für ihn übernommen wird. Letztendlich ist es eine Form des Kirchenasyls.

Wellys wird von Batman verfolgt, weil sie in Gotham City vier Männer ermordete. Batman will sie den Behörden übergeben. Gemäß dem Hiketeia muss Wonder Woman ihre Schutzbefohlene verteidigen.

Das ist ein schön klarer Konflikt, in dem es keine richtige Entscheidung gibt und den Rucka auch klar ausformuliert. Bei der Erklärung für Wellys‘ Taten und der Lösung des Konflikts verlässt Rucka dann allerdings der Mut zugunsten einfacher Lösungen.

Greg Rucka (Autor)/Nicola Scott/Bilquis Evely (Zeichner): Wonder Woman: Das erste Jahr (Rebirth – Die Wiedergeburt des DC-Univerums)

(übersetzt von Ralph Kruhm)

Panini, 2017

164 Seiten

16,99 Euro

Originalausgabe/enthält

Wonder Woman: Year One, Part One – Finale (# 2, 4, 6, 8, 10, 12, 14)

DC Comics, September 2016 – März 2017

Greg Rucka (Autor)/J. G. Jones (Zeichner): Wonder Woman/Batman: Hiketeia

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini, 2017

100 Seiten

12, 99 Euro

Originalausgabe

Wonder Woman/Batman: The Hiketeia

DC Comics, 2002

Hinweise

DC Comics über Wonder Woman

Wikipedia über Wonder Woman (deutsch, englisch) 

Meine Besprechung von Brian Azzarellos Wonder Woman

Meine Besprechung von Meredith Finch/David Finch/Goran Sudzukas „Wonder Woman – Göttin des Krieges“ (Wonder Woman: War Torn, DC Comics, Januar 2015 – August 2015)

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Die Welt ohne Superman” (The Sleepers, 2009)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Batman: Hinter der Maske” (Cutter, März – Mai 2010/Beneath the Mask,  Juni – Juli 2010/Good King Wencesias, Februar 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas “Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)” (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Michael Larks „Gotham Central: Doppeltes Spiel (Band 2)“ (Gotham Central #6 – 12, DC Comics)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Im Fadenkreuz des Jokers (Band 3)“ (Gotham Central # 11 – 15, DC Comics)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Ed Brubakers „Gotham Central: Bullocks letzter Fall (Band 4)“ (Gotham Central # 16 – 22, DC Comics)

Greg Rucka in der Kriminalakte

 

 


„Star Wars: Vor dem Erwachen“ war auch schon etwas los in der weit, weit entfernten Galaxis

Februar 1, 2016

Rucka - Star Wars - Vor dem Erwachen - 2

Eigentlich könnte ich jetzt die Hälfte meiner „Mad Max: Fury Road“-Besprechung wiederverwenden. Denn „Star Wars: Vor dem Erwachen“ besteht aus drei von Greg Rucka geschriebenen Kurzgeschichten, die vor dem neuen „Star Wars“-Film „Das Erwachen der Macht“ spielen und in denen wir einiges über drei Hauptfiguren des Films erfahren. Allerdings auch nichts weltbewegendes und nichts, was wir uns nicht schon beim Film gedacht haben. Es sind im besten Fall Geschichten, die vielleicht einmal in einer frühen Fassung des Drehbuchs waren und dann -zu Recht – herausgekürzt wurde. Insofern ist „Vor dem Erwachen“ erfrischend überflüssig.
So erzählt Greg Rucka von Finns Ausbildung als Sturmtruppler. Er ist natürlich der Beste in seiner Einheit und seine Vorgesetzten setzen große Hoffnungen in ihn. Dummerweise plagt ihn schon da sein Verantwortungsgefühl und sein Gewissen. Er hilft lieber dem schwächsten Mitglied seiner Einheit, als ihn sich selbst zu überlassen. Die Geschichte endet mit dem Flug nach Jakku, wo der Film wenige Minuten später beginnt.
Mit seinem Gewissen hat Poe Dameron keine Probleme. Der Pilot der Republik (also der Guten) ist der Sohn von kampferprobten Piloten (was dann auch eine Verbindung zur originalen „Krieg der Sterne“-Trilogie herstellt). Jetzt entdeckt er durch wagemutige Manöver (also Verstößen gegen Anweisungen und Vorschriften) Raumschiffe der bösen Ersten Ordnung. General Leia Organa holt ihn in eine Spezialtruppe, den Widerstand, und gleich bei seinem ersten „Mission: Impossible“-Auftrag entdeckt er Hinweise auf noch größere Pläne der Bösewichter. Leia schickt ihn nach Jakku zu Lor San Tekka, wo der Film wenige Minuten später mit einem Gespräch zwischen Poe und Lor San Tekka beginnt.
Auf Jakku ist Rey schon länger als Schrottsammlerin, die auf irgendjemand, der sie abholen soll, wartet. Nach einem Sturm entdeckt sie ein gut erhaltenes Raumschiffwrack, das sie herrichten und für viel Geld an den örtlichen Schrotthändler verkaufen möchte. Als die Schrottsammler Devi und Strunk ihr ihre Hilfe anbieten, fragt sie sich, ob sie ihnen vertrauen kann.
Alle drei von Greg Rucka geschriebenen Geschichten lassen sich flott lesen und sie sind, weil sie vor dem Film spielen, unabhängig von dem Film verstehbar. Letztendlich sind die Geschichten kaum ummäntelte Charakterszenen, die, wie gesagt, normalerweise aus einem Film herausgeschnitten würden, weil sie die Haupthandlung nicht voran bringen und wir in ihnen auch nichts erfahren, was wir nicht in anderen Szenen genausogut oder besser erfahren würden.
Insofern sind sie vor allem Lesefutter für die „Star Wars“-Hardcorefans, die einfach alles dazu lesen müssen.
Für Greg-Rucka-Komplettisten, eine in Deutschland sicher sehr rare Spezis, ist „Star Wars: Vor dem Erwachen“ natürlich auch wichtig.
Mich erinnerten sie daran, dass ich mal wieder einen Roman von Greg Rucka lesen sollte.

Greg Rucka: Star Wars: Vor dem Erwachen
(übersetzt von Marc Winter)
Panini Books, 2016
224 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
Star Wars: Before the Awakening
Disney/Lucasfilm, 2015

Hinweise

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Die Welt ohne Superman” (The Sleepers, 2009)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Batman: Hinter der Maske” (Cutter, März – Mai 2010/Beneath the Mask,  Juni – Juli 2010/Good King Wencesias, Februar 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas “Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)” (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Greg Rucka in der Kriminalakte

 


„Imperium in Trümmern“ in „Journey to ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht’“

Dezember 14, 2015

Rucka - Star Wars - Imperium in Trümmern

Am Donnerstag startet der „am meisten erwartete Film des Jahres“, des Jahrzehnts, des Jahrhunderts oder vielleicht sogar des Jahrtausends. Jedenfalls haben die Fans schon lange feuchte Höschen. Immerhin sind die Stars der ersten Trilogie, der einzig wahren Trilogie, also „Krieg der Sterne“, „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ dabei. Die ersten Bilder sahen gut aus und auch der Trailer versprach „Keine Panik. Es wird wieder wie früher.“. Oder wie Han Solo im Trailer sagt: „Chewie, wir sind zu Hause!“ Die Vorverkaufszahlen sind astronomisch. Hier in Berlin dürfte bis Mitte Januar nur schwer ein Platz in einer Vorführung zu bekommen sein. Das Merchandising läuft auf vorweihnachtlichen Hochtouren. In den Buchgeschäften stapeln sich die „Star Wars“-Bücher. Die Filmromane wurden mit einem neuen Cover wieder aufgelegt, es gibt mehr oder weniger gehaltvolle Sachbücher, Zeitschriften, die sich nur „Star Wars“ widmen und viele, viele, sehr viele neue Geschichten. Als Roman, auch mal als Jugendroman (Blanvalet und Panini liefern), und als Comic (Panini liefert).
Zum Beispiel schrieb Greg Rucka (u. a. „Gotham Central“, „Whiteout“) den Comic „Star Wars: Imperium in Trümmern“, das unmittelbar an den Film „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ anknüpft und uns, während der Zerstörung des Todessterns und des Imperiums, die furchtlose Kampfilotin Lieutenant Shara Bey vorstellt. Sie ist dann auch bei den nächsten Abenteuern von Han Solo, Prinzessin Leia Organa und Luke Skywalker dabei.
Denn die Bösen haben den Befehl zur Zerstörung der gesamten Galaxis gegeben. An den Rändern der Galaxis kommt dieser zuerst zum Tragen.
Han Solo greift mit einigen Soldaten und Ewoks einen Schlupfwinkel der Bösewichter auf der anderen Seite des Mondes an. Shara Bey ist als Freiwillige dabei.
Leia Organa soll sie auf diplomatischer Mission nach Naboo begleiten. Als ein Schiff der imperialen Streitkräfte einen den Planeten zerstörenden Sturm auslöst, wird aus der diplomatischen Mission ein Kampfeinsatz.
Und Luke Skywalker nimmt sie auf eine gefährliche Mission mit. Er will aus einer imperialen Basis etwas sehr Mächtiges stehlen.
„Imperium in Trümmern“ ist mehr ein kleiner Nachschlag zu „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ als ein Prolog für den neuen „Star Wars“-Film „Das Erwachen der Macht“, der ungefähr dreißig Jahre nach dem vorherigen „Star Wars“-Film spielt und, auch wenn man noch nichts genaues über die Geschichte weiß, vermute ich ohne den Film zu kennen, dass Han Solo, seine geliebte Prinzessin Leia Organa und ihr Bruder Luke Skywalker nur eine Nebenrolle spielen, während die Jungspunde die Hauptarbeit leisten müssen. Rey könnte die Tochter von Shara Bey sein und als Luke Skywalkers Tochter die Jedi-Tradition hochhalten, indem sie gegen die Bösewichter kämpfen muss (und, ja, der Bösewicht Kylo Ren ist ein anderer Spross aus der Familie Organa/Skywalker und die beiden sind Geschwister) in einer Geschichte, die sich letztendlich nicht so wahnsinnig von den beiden vorherigen „Star Wars“-Trilogien unterscheidet. Bis halt darauf, dass jetzt Geschwister gegeneinander kämpfen müssen.
Kehren wir noch einmal kurz zu Greg Rucka, der ja auch ein Romanautor ist, zurück. Einige seiner Romane wurden auch ins Deutsche übersetzt und sind nur noch antiquarisch erhältlich. Jedenfalls schrieb er jetzt auch einige „Star Wars“-Romane.
Die Tage erscheint sein Han-Solo-Roman „Im Auftrag der Rebellion“, der vor „Das Imperium schlägt zurück“ spielt. Das könnte, auch wenn er für ein jugendliches Publikum geschrieben ist (Leseempfehlung: 10 – 14 Jahre) ein spannendes Weltraumabenteuer werden.
Für den 27. Januar ist Greg Ruckas zweiter „Star Wars“-Roman „Vor dem Erwachen“ angekündigt und der Jugendroman für sehr junge Jugendliche erzählt die offizielle Vorgeschichte zum Film „Das Erwachen der Macht“, indem er uns mit „spannenden Episoden Einblicke in das Leben der neuen Hauptfiguren Finn, Rey und Poe gewährt…in den Tagen, Wochen und Monaten VOR dem Erwachen der Macht“ (Ankündigungstext).

Greg Rucka (Autor)/Marco Checchetto/Angel Unzueta/Emilio Laiso (Zeichner): Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht)
(übersetzt von Michael Nagula)
Panini, 2015
100 Seiten
12,99 Euro
(angekündigt für den 16. 12., aber ich habe es schon gelesen, werde morgen, so die Macht will, den Film sehen und muss dann gucken, wie ich den Film mit möglichst wenigen Spoilern bespreche)

Originalausgabe
Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4
Disney/Lucasfilm 2015

Hinweise

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Die Welt ohne Superman” (The Sleepers, 2009)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Batman: Hinter der Maske” (Cutter, März – Mai 2010/Beneath the Mask,  Juni – Juli 2010/Good King Wencesias, Februar 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Greg Ruckas „Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)“ (Gotham Central # 1 – 5, 2003)

Greg Rucka in der Kriminalakte

und nun zum Krieg der Sterne

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Kanal zum Film

Film-Zeit über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Moviepilot über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Metacritic über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Rotten Tomatoes über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Wikipedia über „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (deutsch, englisch)

Fantastic Fiction: die „Star Wars“-Bücher


„Batman“ und „Gotham Central“ – Superheld und normale Polizisten – und ein ordentlicher Ed-Brubaker-Nachschlag

Oktober 6, 2015

Gotham City ist Batmans Stadt und wenn wir sie besuchen, ist er normalerweise gerade damit beschäftigt, einige Bösewichter zu verkloppen.
In ihren „Batman“-Comics erzählen Autor Scott Snyder und Zeichner Greg Capullo seit 2011 die Geschichte von Bruce Wayne neu. In „Jahr Null – Die geheime Stadt“, dem vierten „Batman“-Sammelband nach dem Neustart, der vor allem die „Batman“-Hefte 21 bis 24 enthält, erzählen sie von Batmans erster Begegnung mit der Red-Hood-Gang, der es gelingt, ganz normale Bewohner von Gotham City zu Schwerverbrechern zu machen. Batman sucht den Kopf der Bande, was wegen ihrer Verkleidung gar nicht so einfach ist. Vor allem, weil Bruce Wayne an seinem Batman-tum zweifelt.
Das ist, wie die vorherigen Snyder/Capullo-“Batman“-Geschichten, ein feiner Comic, der sich überhaupt nicht mit der Frage beschäftigt, was die normalen Polizisten von Batman halten. Denn natürlich nimmt er ihnen immer wieder die Arbeit ab und sie stehen dumm rum. Im besten Fall dürfen sie den Verkehr umlenken und die Scherben aufkehren.
Ed Brubaker und Greg Rucka fragten sich vor fast fünfzehn Jahren, wie die ehrlichen Polizisten damit umgehen, dass Batman sie immer wieder als Deppen da stehen lässt. Also erfanden sie die Serie „Gotham Central“, die es immerhin auf vierzig Hefte brachte, die zwischen Dezember 2002 und April 2006 erschienen, mehrere Preise erhielt (unter anderem einen Eisner Award) und die bei den Kritikern beliebt, aber niemals ein Verkaufsschlager war. Dennoch basiert die in den USA erfolgreiche Serie „Gotham“ (ich glaube, bei uns läuft sie nicht so gut) auf der gleichen Prämisse.
Jetzt erschien der erste „Gotham Central“-Sammelband „In Erfüllung der Pflicht“ und er ist genau das, was man von Ed Brubaker und Greg Rucka erwarten kann: gut abgehangener Noir, der sich der bekannten Klischees bedient und sie gelungen in die Gegenwart und eine spannende Geschichte transportiert.
Eigentlich besteht der Sammelband aus zwei, lose miteinander verknüpften Geschichten. In „In Erfüllung der Pflicht“ tötet Mr. Freeze bei einem Routineeinsatz einen Polizisten. Seine Kollegen wollen ihn schnappen und herausfinden, was Mr. Freeze plant.
In „Motiv“ suchen sie den Mörder eines entführten Mädchens.
Im Mittelpunkt der beiden spannenden Geschichten steht dabei die Arbeit der Detectives, die einfach ihren Job machen wollen und sich ärgern, dass Batman sie immer dumm da stehen lässt. Ist ja auch nervig, wenn ein Superheld jede Nacht sein Ego ausführt und nach Lust und Laune Verbrecher vermöbelt.
Der zweite „Gotham Central“-Band ist für Ende Dezember angekündigt.

A propos Ed Brubaker: Von ihm sind auch noch einige neuere Werke, die schon vor einiger Zeit erschienen sind und die ich bislang nicht abfeierte, erhältlich. Es sind die Bände 2 und 3 seiner grandiosen Noir-Serie „Fatale“, gezeichnet von seinem Buddy Sean Phillips. Und der Abschluss seiner „Captain America“-Geschichte „Der Tod von Captain America“.
Der zweite „Fatale“-Sammelband „Hollywood Babylon“ spielt vor allem in den Siebzigern und bietet all das, was wir spätestens seit James Ellroy mit Los Angeles assoziieren: Hollywood, perverse Sexfilme und ein Satanistenkult.
Im sommerlichen Los Angeles von 1978 stolpert Miles, ein erfolgloser Schauspieler bei einer Party, die von der Method-Kirche organisiert wird, mitten in einen Tatort. Suzy hat Bruder Stane erschlagen und bevor die Sekte sie umbringt, flüchten sie in die benachbarte Villa der zurückgezogen lebenden Miss Josephine. Sie ist, wie wir aus dem ersten „Fatale“-Band wissen, ein Vampir, der von dem Sektenführer gesucht wird. Und dann geht es noch um ein äußerst wertvolles Buch.
Der dritte „Fatale“-Sammelband „Westlich der Hölle“ besteht aus vier Geschichten, die 1936 in Texas (Der Fall Alfred Ravenscroft), 1286 in Frankreich (Eine schöne Art zu Sterben), 1883 in Colorado (Auf dunklen Pfaden) und 1943 in den südlichen Karpaten (Nur einen flüchtigen Blick entfernt) spielen. Es sind schöne Variationen bekannter Topoi zwischen Hexenverfolgung, Wilder Westen und Weltkrieg-II-Abenteuer, die auch einige weitere Hintergründe über die Femme Fatale im Wandel der Jahrhunderte verraten.
Eigentlich müsste Panini langsam weitere „Fatale“-Bücher veröffentlichen. Denn in den USA schrieben Ed Brubaker und Sean Phillips seitdem emsig weitere Geschichten.
Die dreiteilige Geschichte „Der Tod von Captain America“ ist eine der frühen „Captain America“-Geschichten von Ed Brubaker. Er schrie von 2005 bis 2012 Geschichten mit Captain America, der inzwischen ja durch die Verfilmungen auch bei uns allgemein bekannt ist.
Nach dem Tod von „Captain America“ Steve Rogers versinkt Amerika immer mehr im Chaos. Sein Freund und Kriegskamerad Bucky Barnes wird inzwischen in der Zentrale von Red Skull, dem großen Bösewicht, einer Gehirnwäsche unterzogen. Bucky, auch bekannt als KGB-Killer Wintersoldat (jaja, ist auf den ersten Blick alles etwas verwirrend), kommt frei und er will sich an den Mördern seines Freundes rächen. In dem Moment ahnt er noch nicht, dass alles ein Komplott ist und er die Arbeit des Bösewichts, der die Macht über die USA erlangen will, erledigen soll.
„Der Tod von Captan America“ ist mit seinen vielen Komplotten und Seitenwechsel ein spannender Thriller, in dem wir auf viele alte Bekannte (auch bekannt aus den Filmen) stoßen. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass Brubaker hier eine Auftragsarbeit verrichtet, bei der er sich innerhalb bestimmter Regeln bewegen und verschiedene Rücksichten nehmen muss. Obwohl natürlich das Umbringen von Captain America, dem Helden der Serie, ein ziemlich rücksichtsloser Akt ist.
Und dann den Wintersoldaten zum Captain-America-Nachfolger aufzubauen; – das hat schon etwas.

Snyder - Batman - Jahr Null - Die geheime Stadt - 2Brubaker - Rucka - Gotham Central 1 - 2

Scott Snyder/Greg Capullo: Batman: Jahr Null – Die geheime Stadt (Band 4)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2015
172 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
Bright New Yesterday (Batman 0)
DC Comics, November 2012
Zero Year – Secret City: Part 1 – 3; Zero Year – Dark City: Part 1 (Batman # 21 – 24)
DC Comics, August – Dezember 2013

Ed Brubaker/Greg Rucka: Gotham Central: In Erfüllung der Pflicht (Band 1)
(übersetzt von Christian Heiss)
Panini, 2015
124 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe
Gotham Central # 1 – 5
DC Comics 2003

Brubaker - Fatale 2 - 2Brubaker - Fatale 3 - 2
Ed Brubaker/Sean Phillips: Fatale: Hollywood Babylon (Band 2)
(übersetzt von Claudia Fliege)
Panini, 2013
140 Seiten
16,95 Euro

Originalausgabe
Fatale # 6 – 10
Image, Juni – November 2012

Ed Brubaker/Sean Phillips: Fatale: Westlich der Hölle (Band 3)
(übersetzt von Claudia Fliege)
Panini, 2014
104 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
Fatale # 11 – 15
Image, Januar 2013 – Mai 2013

Brubaker - Der Tod von Captain America 2 - 2Brubaker - Der Tod von Captain America 3 - 2
Ed Brubaker/Steve Epting/Butch Guice/Mike Perkins: Der Tod von Captain America (Band 2)
(übersetzt von Reinhard Schweizer)
Panini, 2014
144 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe
Captain America: The Burden of Dreams, Part 1 – 6 (# 31 – 36)
Marvel, Dezember 2007 – Mai 2008

Ed Brubaker/Steve Epting/Roberte De La Torre/Luke Ross: Der Tod von Captain America (Band 3)
(übersetzt von Reinhard Schweizer)
Panini, 2014
148 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe
Captain America: The Man who bought America, Part 1 – 6 (# 37 – 42)
Marvel, Juni 2008 – November 2008

Hinweise

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos “American Vampire – Band 2″ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs “American Vampire – Band 3″ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Sean Murphys “American Vampire – Das Überleben des Stärkeren, Band 4″ (American Vampire: The Survival of the Fittest, 2011)

“A Criminal Blog” (über “Criminal”)

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 4 – Obsession“ (Criminal Vol. 4: Bad Night, 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 5 – Sünder“ (Criminal: The Sinners, 2010)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 6 – Unschuld“ (Criminal: The Last of the Innocent, Vol. 1 – 4, 2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)

Meine Besprechung von Ed BrubakerSean Phillips’ „Incognito 1 – Stunde der Wahrheit“ (Incognito, 2008/2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker (Autor)/Sean Phillips (Zeichner) „Incognito 2: Schlechter Einfluss“ (Incognito: Bad Influences, Vol. 1 – 5, 2010/2011)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Fatale: Den Tod im Nacken (Band 1)“ (Fatale # 1 – 5, 2012)

Ed Brubaker in der Kriminalakte

Comic Book Resources: Interview mit Ed Brubaker über „Fatale“ (8. Mai 2012)

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Die Welt ohne Superman” (The Sleepers, 2009)

Meine Besprechung von Greg Ruckas “Batman: Hinter der Maske” (Cutter, März – Mai 2010/Beneath the Mask,  Juni – Juli 2010/Good King Wencesias, Februar 2009)

Greg Rucka in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Veronica Mars“ ist wieder zurück Neptune, Kalifornien

August 2, 2014

Für die „Veronica Mars“-Fans bestanden die letzten Jahren aus persönlichen Wiederholungen der DVDs auf dem heimischen Bildschirm. Aber jetzt gibt es neues Futter. Nämlich einen Spielfilm, der nach einem kurzen Gastspiel in den Kinos jetzt auf DVD erschien und den Roman „Zwei Vermisste sind zwei zu viel“, der am 11. August erscheint. Bis dahin kann man sich den Spielfilm „Veronica Mars“ ansehen. Zum Kinostart schrieb ich:

Was bisher geschah: Als TV-Serie lief „Veronica Mars“ von 2004 bis 2007 im US-TV und sie hatte eine überschaubare, aber sehr treue Fanbasis, zu der auch Stephen King und Ed Brubaker gehörten. In der Serie ist die Heldin eine Privatdetektivin, die auch Schülerin ist und das Ganze wird aus der Hardboiled-Noir-Perspektive, mit einer Prise Humor, erzählt. Eine einfache, aber ziemlich geniale Idee.

Im deutschen TV lief die Serie ab 2006 im ZDF. Zuerst am Samstag Nachmittag, dann Freitag Nacht, beide Male gut versteckt, mit wechselnden Anfangszeiten, vor einem überschaubarem Publikum, das nicht das Zielpublikum der Serie, nämlich Teenager, war. Ich gab bei dieser „Sopranos“-würdigen Programmierung schnell auf.

Nach dem Ende der Serie ließ die Beliebtheit von „Veronica Mars“ nicht nach, die Macher und Schauspieler wurden immer wieder auf die Serie angesprochen – und als Serienerfinder Rob Thomas auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine Seite veröffentlichte, um das echte Interesse der Fans an einer „Veronica Mars“-Neuauflage zu testen, war, wie bei „Stromberg“, das Spendenziel schnell erreicht. Genaugenommen sollten bei der Kickstarter-Kampagne zwei Millionen Dollar gesammelt werden. Das erreichten sie innerhalb eines Tages. Am Ende wurden es 5,7 Millionen, die Kampagne brach sämtliche Rekorde und einem „Veronica Mars“-Spielfilm, der neun Jahre nach dem Ende der Serie spielt, stand nichts mehr im Weg.

Die Gegenwart: Veronica arbeitet schon lange nicht mehr als Privatdetektivin. Sie hat ihr Studium abgeschlossen, einen gut dotierten Job in einer Kanzlei in Manhattan in Aussicht und sie hat einen Freund. So einen richtig braven Typen. Kurz: ihr Leben verläuft endlich in ruhigen und gesitteten Bahnen. Da erfährt sie, dass Bonnie DeVille, früher Klassenkameradin, später Sängerin, ermordet wurde und ihr Ex-Freund Logan verdächtigt wird, sie getötet zu haben. Veronica fliegt von der Ostküste zurück nach Neptune, Kalifornien. Eigentlich will sie Logan nur bei der Suche nach einem Anwalt helfen, aber dann beginnt sie doch mit der Mörderjagd.

Außerdem steht das zehnjährige Klassentreffen an, bei dem sie unter keinen Umständen dabei sein will.

Aber auch ohne das Klassentreffen (bei dem sie – das ist jetzt nicht wirklich überraschend – teilnimmt) ist der Spielfilm „Veronica Mars“ vor allem eine Begegnung mit alten Bekannten, die man mehrere Jahre nicht gesehen hat, und die man jetzt, wenn man wieder seinen Heimatort besucht, wieder trifft, sich mit ihnen über die Vergangenheit und die Gegenwart, in der die damaligen Träume an der Gegenwart gemessen werden, unterhält und bemerkt, was sich in den vergangenen Jahren veränderte. In der „Red Harvest“-Kommune Neptune veränderte sich wenig und die Seriennostalgie wird auch dadurch befördert, dass viele alte Serienbekannte wieder dabei sind.

Diese Reunion ist dann schon fast wichtiger als der vernachlässigbare Fall – und knüpft nahtlos an die „Veronica Mars“-TV-Serie an, die ja auch immer ein selbstironischer und stilbewusster Clash zwischen Teenager-Drama und Hardboiled-Privatdetektivkrimi (inclusive dem Voice-Over) ist und die Fälle (jedenfalls in den mir bekannten Episoden) eher mau sind.

Auch optisch bewegt sich „Veronica Mars“ immer auf dem gewohnten TV-Standard, der auf der Kinoleinwand doch etwas deplatziert wirkt.

So ist der Spielfilm nur eine überlange Auftaktepisode für eine neue „Veronica Mars“-TV-Serie, die auch als Einzelfilm, als Nachklapp zur Serie, eigentlich ins Fernsehen gehört, aber wegen der Vorgeschichte im Kino läuft.

Veronica Mars“ ist von der ersten bis zur letzten Minute Fanservice, der kaum geeignet ist, neue Fans zu gewinnen.

Die Zukunft: In jedem Fall erscheint am 25. März der Roman „The Thousand Dollar Tan Line“ von Rob Thomas und Jennifer Graham. Es ist er erste „Veronica Mars“-Roman einer geplanten Serie und er spielt nach dem Ende des Films. Eine deutsche Übersetzung ist noch nicht angekündigt.

 

Nun, die Zukunft zeichnet sich jetzt etwas deutlicher ab. Denn die deutsche Übersetzung von „The Thousand Dollar Tan Line“ erscheint in wenigen Tagen. Ob es weitere Film-Auftritte von Veronica Mars gibt, ist dagegen immer noch unklar. Jedenfalls wären die Macher und Veronica-Mars-Darstellerin Kristen Bell bereit.

Und der Spielfilm, der eine sehr vergnügliche Angelegenheit für die „Veronica Mars“-Fans und Fans von angenehm altmodischen Privatdetektiv-Krimis ist (wie ich, der ohne seine jährliche Dosis Continental Op, Sam Spade, Philip Marlowe, Lew Archer, Jim Rockford undsoweiter nicht leben kann), bei denen Wortwitz wichtiger als Action sind (vor allem Action von der unrealistischen Sorte), funktioniert auf dem inzwischen gar nicht mehr so kleinem kleinen Bildschirm besser als im Kino.

Als Bonusmaterial gibt es auf der DVD (die Blu-ray hat etwas mehr) die 53-minütige Doku „Von den Fans: Das Making-of Veronica Mars“, in dem die Geschichte des Films von der Kickstarter-Kampagne über die Dreharbeiten bis zur Präsentation auf der San Diego Comic-Con erzählt wird. Der Schwerpunkt liegt dabei bei den Fans, denen es wirklich gelang, den Film Realität werden zu lassen. Einige waren auch bei den Dreharbeiten als Statisten dabei und bei der Vorstellung auf der Comic-Con feierten sie die Schauspieler und Rob Thomas frenetisch, bei einem Panel in der für 5000 Leute ausgelegten, vollbesetten Halle H. In der Doku kommen einige der Fans ausführlicher zu Wort. Außerdem werden die Macher, vor allem „Veronica Mars“-Erfinder Rob Thomas und die Schauspieler, die größtenteils auch schon bei der Serie dabei waren, nicht müde, die große Bedeutung der Fans für die Serie zu betonen. Und man muss ihnen zustimmen: denn „Veronica Mars“ ist das erste Beispiel für eine im TV gecancelte Serie, die durch den Willen der Fans, die sich hier auch finanziell am Film beteiligten, wieder zum Leben erweckt wurde.

Veronica Mars - DVD-Cover - 4

 

Veronica Mars (Veronica Mars, USA 2014)

Regie: Rob Thomas

Drehbuch: Rob Thomas, Diane Ruggiero (nach einer Geschichte von Rob Thomas)

mit Kristen Bell, Jason Dohring, Krysten Ritter, Ryan Hansen, Francis Capra, Percy Daggs III, Chris Lowell, Tina Majorino, Enrico Colantoni, Sam Huntington, Jerry O’Connell, Jamie Lee Curtis, James Franco

DVD

Warner Home Video (Warner Brothers)

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Spanisch (5.1)

Untertitel: Spanisch, Finnisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch

Untertitel für Hörgeschädigte: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Von den Fans: Das Making of Veronica Mars

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Der erste „Veronica Mars“-Roman erschien in den USA Ende März und bei uns am 11. August. Zeitlich spielt er nach dem Spielfilm. Veronica arbeitet jetzt als Privatdetektivin in Neptune und ihr Vater ist davon nicht sonderlich begeistert. In „Zwei Vermisste sind zwei zu viel“ sucht sie, im Auftrag der Handelskammer von Neptune, zwei während des Spring-Break-Besäufnisses verschwundene Teenager.

Ich bin gerade beim Lesen und die erste Hälfte hat sich sehr angenehm weggelesen. Die – wenn kein Unglück geschieht – Jubelrezension gibt es dann in einigen Tagen.

Der zweite“Veronica Mars“-Roman „Mr. Kiss and Tell“ (wieder ein schöner Originaltitel) erscheint am 28. Oktober und wenn die Verkaufszahlen gut sind, wird es sicher weitere Romane mit der Privatdetektivin gegen.

Thomas - Veronica Mars - 4

Rob Thomas/Jennifer Graham: Veronica Mars: Zwei Vermisste sind zwei zu viel

(übersetzt von Silvia Kinkel)

script 5, 2014

336 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Veronica Mars: The Thousand Dollar Tan Line

Alloy Entertainment, 2014

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Veronica Mars“

Moviepilot über „Veronica Mars“

Metacritic über „Veronica Mars“

Rotten Tomatoes über „Veronica Mars“

Wikipedia über „Veronica Mars“

Thrilling Detective über Veronica Mars

Meine Besprechung von Rob Thomas‘ „Veronica Mars“ (Veronica Mars, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Return of the First Avenger“ marvelt Captain America

März 27, 2014

Mal wieder: Spoilerwarnung für diesen Marvel-Film, der ein gewohnt guter Marvel-Film ist. Jedenfalls wenn einem diese Superheldenfilme gefallen.
Außerdem funktioniert er auch gut als Einzelfilm und in 2D.
Aber, keine Panik, es gibt auch eine 3D-Fassung.

Ob das wirklich eine gute Idee ist, den US-Titel „Captain America: The Winter Soldier“ in den deutschen Titel „The Return of the First Avenger“ zu übersetzen und davon auszugehen, dass sich alle unter einem „Avenger“ etwas vorstellen können, bezweifle ich. Nach dem Wörterbuch ist ein „Avenger“ ein „Rächer“, nach dem inzwischen wohl bekannteren Marvel-Universum eine Gruppe Superhelden, zu denen unter anderem Captain America, Black Widow, Iron Man, Thor und Hulk gehören und Captain America der „First Avenger“ ist.
An der Kinokasse düfte wohl eh ein Ticket für den Captai-America-Film verlangt werden, der ein absolut ordentlicher, kurzweiliger Marvel-Film ist, der ungefähr alles hat, was man inzwischen von einem Marvel-Film erwartet: knackig-atemberaubende Action, gut besetzt – sogar Robert Redford ist dabei! -, einige Witze, Anspielungen auf dem größeren Marvel-Kosmos und menschliche Superhelden.
Das lieferte vor drei Jahren auch der erste „Captain America“-Film „Captain America: The First Avenger“, der während des zweiten Weltkriegs spielt und ein herrlich abgedrehtes B-Picture über größenwahnsinnige Nazis und mindestens ebenso größenwahnsinnige Wissenschaftler ist, die von dem tapferen, ultrapatriotischen Captain America in den Tod geschickt werden. Inszeniert wurde das mit viel Geld und einem so heiligen Ernst, dass es Spaß machte. Am Ende opfert Captain America sich und verbringt die nächsten Jahrzehnte im Eis im Kälteschlaf.
Jetzt, in der Gegenwart, darf Steve Rogers weiterkämpfen. Er ist immer noch der kleine, tapfere Junge mit dem großen Herzen, der immer nur für das gute Amerika und die guten amerikanischen Werte kämpfen will. Denn das Gute kann nicht besiegt werden. Inzwischen arbeitet er für S.H.I.E.L.D., eine Art Super-CIA mit Superheldenverstärkung, die die wirklich bösen Bösewichter bekämpft.
Nur sind die S.H.I.E.L.D.-Missionen nicht so moralisch einfach wie der Kampf gegen die abgrundtief bösen Nazis. So erfährt Rogers nach einer geglückten Geiselbefreiung auf einem Schiff, dass seine Gefährtin Black Widow, bürgerlich Natasha Romanoff, während er die Geiselnehmer verkloppte, noch eine zweite Mission ausführte. Als er sich darüber bei seinem Vorgesetzten Nick Fury beschwert, erklärt dieser ihm, dass die Welt nicht mehr so einfach wie früher sei, dass es jetzt Grauzonen gebe (Früher nicht?) und S.H.I.E.L.D gerade ein großes Projekt vollendet, in dem Helicarrier, die an fliegende Flugzeugträger erinnern, und in der Luft über die Sicherheit der Menschheit wachen sollen, in dem sie Verbrechen im Vorfeld verhindern. Furchterregend? Jedenfalls meint das Captain America. Aber Nick Fury und Alexander Pierce, ein die S.H.I.E.L.D-Interessen vertretender Politiker, meinen, dass man etwas Freiheit aufgeben müsse, um die Freiheit von allen zu schützen.
Gleichzeitig glaubt Nick Fury, dass S.H.I.E.L.D von Bösewichtern infiltriert wurde. Als er ihnen auf die Schliche kommt, wird ein tödlicher Anschlag auf ihn verübt.
Captain America, der die Pläne der Bösewichter gefährden könnte, wird als Verräter gejagt. Zusammen mit Black Widow will er das Komplott gegen S.H.I.E.L.D aufdecken und Furys Mörder finden.
Und dann taucht noch der in den USA titelgebende geheimnisumwitterte Winter Soldier auf, der ähnlich unbesiegbar wie Steve Rogers ist.
Diese Kämpfe mit dem Winter Soldier und mit S.H.I.E.L.D-Agent Brock Rumlow (gespielt von Frank Grillo, der hier endlich einmal in einem Blockbuster eine große Rolle hat), der seinen flüchtigen Kollegen Rogers unerbittlich verfolgt, sind dann großes Action-Kino. Auch die Verfolgungsjagd durch Washington, wenn Nick Fury entführt werden soll und die Auto-Verfolgungsjagd nach etlichen Blechschäden und Explosionen mit einem schwer verletzten Nick Fury im Krankenhaus endet oder eben der Einsatz von Captain America, Black Widow und Rumlow auf dem Frachtschiff am Filmanfang stehen dem nicht nach.
Es gibt auch hübsche Anspielungen auf die vorherigen Filme, sehr interpretierbare Hinweise auf die kommenden Filme und, gerade am Anfang, viel zu viele Charakterszenen, in denen fast endlos geredet wird, ohne dass die Geschichte sich erkennbar weiterentwickelt. Immer hin sind diese Szenen nett anzusehen.
Aber immer wenn die politische Ebene angesprochen wird, fällt der Film wie ein Soufflé in sich zusammen. Denn der Film will auch ein politisches Statement sein. Jedenfalls wird im Presseheft immer wieder betont, dass sie sich an den 70er-Jahre-Politthrillern orientierten, die eine pessimistische Weltsicht hatten und entsprechend regierungskritisch waren. Auch Sydney Pollacks „Die drei Tage des Condor“, mit Robert Redford in der Hauptrolle, wird immer wieder erwähnt.
Allerdings mäandert „The Return of the First Avenger“ positionslos zwischen den verschiedenen Positionen. Denn er will gleichzeitig ein konservatives Publikum von Sicherheitsfanatikern und ein linksliberales Publikum von Bürgerrechtlern befriedigen, was nicht funktioniert und am Ende sogar verärgert. Denn die Botschaft ist: solange die richtigen Leute es tun, ist Überwachung okay. In die Realität übersetzt – und der zweite „Captain America“-Film wird ja als Kommentar zu Snowdens NSA-Enthüllungen gesehen, obwohl die Dreharbeiten schon davor begannen – . heißt das: Die NSA darf weiter alle überwachen, weil die NSA die Guten sind. Ob das Captain America als Kämpfer für die US-amerikanischen Werte genauso sieht?
Diese Unentschlossenheit, politisch wirklich Position zu beziehen, ist nachvollziehbar. Immerhin soll der Film 170 Millionen gekostet haben, ist Teil eines großen Franchise und er soll ein weltweites Publikum ansprechen.
Diese Vorsicht wirkt sich auch auf den Umgang mit dem Protagonisten und seiner ihn kennzeichnenden Eigenschaft aus. So wie Logan in „Wolverine: Weg des Kriegers“ nur kurz seine Unsterblichkeit aufgeben wollte, so wird der Patriotismus von Steve Rogers nicht wirklich auf die Probe gestellt. Aber gerade das wäre der spannende Punkt gewesen: Was würde Captain America tun, wenn die USA sich als Hort des Bösen entpuppen? Wenn sein naiver Patriotismus gnadenlos ausgenutzt wird?
In „The Return of the First Avenger“ wird diese Frage nicht gestellt.
In den Comics werden dagegen immer wieder wesentlich hemmungsloser die Eigenschaften des Helden auf die Probe gestellt. So wird aus Batman schon mal ein Vigilant, der hemmungslos tötet. Aus Captain America könnte ein Trottel werden, der von seiner Regierung für ihre Interessen benutzt wird. Im ersten „Captain America“-Film wurde das ja in den Propagandaveranstaltungen für Kriegsanleihen, in denen Captain America als Held Kinnhaken verteilte, schon angedeutet; – wobei dieser Film in einer Parallelwelt spielte, die mit dem Zweiten Weltkrieg nichts zu tun hatte.
Auch die Beziehung zwischen Captain America und dem Winter Soldier wird deshalb nur in eine Richtung angesprochen. Captain America will den Winter Soldier, der sein Jugendfreund Bucky Barnes ist und der zu einem Werkzeug des Bösen ohne Erinnerung wurde, wieder an ihre Freundschaft und ihre amerikanischen Werte erinnern. Ihn also wieder zurück auf die Seite der Guten holen. Dabei wäre es sicher spannend gewesen, wenn Bucky versucht hätte, seinen Freund zu überzeugen, dass er inzwischen auf der falschen Seite steht, weil die von ihm verteidigten amerikanischen Werte nicht mehr existieren. Dass sein gesamtes Leben auf einer Lüge aufbaut. Aber das hätte Captain America dann wohl doch zu sehr herausgefordert und so ist „The Return of the First Avenger“ letztendlich unterhaltsam-kurzweiliges Blockbuster-Kino mit einer verqueren politischen Botschaft und einem immer wieder unnötig kompliziertem Plot.

Die Stellung von „The Return of the First Avenger“ im Marvel-Filmkosmos

Produzent Kevin Feige, das Mastermind hinter den ganzen Marvel-Filmen erklärt, wo der neue neue Captain-America-Film im Marvel-Universum steht:
„’The Return of the First Avenger‘ gehört im Gesamtkonzept der Comicverfilmungen von Marvel Studios zur zweiten Phase. Der Film ist das Verbindungsglied zwischen den Geschichten, die in ‚Marvel’s The Avengers‘ und in ‚Avengers: Age of Ultron‘ erzählt werden, dessen Filmstart für 2015 geplant ist. Am Ende des Films verändert sich das filmische Marvel-Universum auf dramatische Weise – und das war so auch geplant. Captain America sollte verantwortlich für diese Veränderung des Marvel-Universums sein, das wollten wir unbedingt. Wenn wir dann all unsere Figuren zu Beginn von ‚Avengers: Age of Ultron‘ wiedersehen, wird sich im Vergleich zum Ende von ‚Marvel’s The Avengers‘ vieles total verändert haben. Teilweise haben ähnliche Entwicklungen bereits Tony Stark in ‚Iron Man 3‘ (2013) und Thor in ‚Thor: The Dark World‘ (Thor – The Dark Kingdom, 2013) durchgemacht. Der Hauptgrund dafür ist aber das Abenteuer, das Captain America in ‚The Return of the First Avenger‘ erlebt.“

The Return of the First Avenger - Plakat

The Return of the First Avenger (Captain America: The Winter Soldier, USA 2014)
Regie: Anthony Russo, Joe Russo, Joss Whedon (die obligatorische Post-Credits-Szene)
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
LV: Joe Simon, Jack Kirby (Charakter), Ed Brubaker (Konzept und Geschichte; er erfand diesen „Winter Soldier“)
mit Chris Evans, Scarlett Johansson, Robert Redford, Samuel L. Jackson, Frank Grillo, Anthony Mackie, Sebastian Stan, Cobie Smulders, Dominic Cooper, Hayley Atwell, Emily VanCamp, Jenny Agutter, Stan Lee, Ed Brubaker (Cameo)
Länge: 136 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Marvel-Facebookseite
Film-Zeit über „The Return of the First Avenger“
Moviepilot über „The Return of the First Avenger“
Metacritic über „The Return of the First Avenger“
Rotten Tomatoes über „The Return of the First Avenger“
Wikipedia über „The Return of the First Avenger“ (deutsch, englisch)

Bilder und Clips aus „The Return of the First Avenger“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung von David Morrell (Autor)/Mitch Breitweiser (Zeichner) „Captain America – Der Auserwählte (Marvel Exklusiv 93)“ (Captain America: The Chosen, Vol. 1 – 6, 2007/2008)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Der Fanservice „Veronica Mars“

März 13, 2014

 

Was bisher geschah: Als TV-Serie lief „Veronica Mars“ von 2004 bis 2007 im US-TV und sie hatte eine überschaubare, aber sehr treue Fanbasis, zu der auch Stephen King und Ed Brubaker gehörten. In der Serie ist die Heldin eine Privatdetektivin, die auch Schülerin ist und das Ganze wird aus der Hardboiled-Noir-Perspektive, mit einer Prise Humor, erzählt. Eine einfache, aber ziemlich geniale Idee.

Im deutschen TV lief die Serie ab 2006 im ZDF. Zuerst am Samstag Nachmittag, dann Freitag Nacht, beide Male gut versteckt, mit wechselnden Anfangszeiten, vor einem überschaubarem Publikum, das nicht das Zielpublikum der Serie, nämlich Teenager, war. Ich gab bei dieser „Sopranos“-würdigen Programmierung schnell auf.

Nach dem Ende der Serie ließ die Beliebtheit von „Veronica Mars“ nicht nach, die Macher und Schauspieler wurden immer wieder auf die Serie angesprochen – und als Serienerfinder Rob Thomas auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine Seite veröffentlichte, um das echte Interesse der Fans an einer „Veronica Mars“-Neuauflage zu testen, war, wie bei „Stromberg“, das Spendenziel schnell erreicht. Genaugenommen sollten bei der Kickstarter-Kampagne zwei Millionen Dollar gesammelt werden. Das erreichten sie innerhalb eines Tages. Am Ende wurden es 5,7 Millionen, die Kampagne brach sämtliche Rekorde und einem „Veronica Mars“-Spielfilm, der neun Jahre nach dem Ende der Serie spielt, stand nichts mehr im Weg.

Die Gegenwart: Veronica arbeitet schon lange nicht mehr als Privatdetektivin. Sie hat ihr Studium abgeschlossen, einen gut dotierten Job in einer Kanzlei in Manhattan in Aussicht und sie hat einen Freund. So einen richtig braven Typen. Kurz: ihr Leben verläuft endlich in ruhigen und gesitteten Bahnen. Da erfährt sie, dass Bonnie DeVille, früher Klassenkameradin, später Sängerin, ermordet wurde und ihr Ex-Freund Logan verdächtigt wird, sie getötet zu haben. Veronica fliegt von der Ostküste zurück nach Neptune, Kalifornien. Eigentlich will sie Logan nur bei der Suche nach einem Anwalt helfen, aber dann beginnt sie doch mit der Mörderjagd.

Außerdem steht das zehnjährige Klassentreffen an, bei dem sie unter keinen Umständen dabei sein will.

Aber auch ohne das Klassentreffen (bei dem sie – das ist jetzt nicht wirklich überraschend – teilnimmt) ist der Spielfilm „Veronica Mars“ vor allem eine Begegnung mit alten Bekannten, die man mehrere Jahre nicht gesehen hat, und die man jetzt, wenn man wieder seinen Heimatort besucht, wieder trifft, sich mit ihnen über die Vergangenheit und die Gegenwart, in der die damaligen Träume an der Gegenwart gemessen werden, unterhält und bemerkt, was sich in den vergangenen Jahren veränderte. In der „Red Harvest“-Kommune Neptune veränderte sich wenig und die Seriennostalgie wird auch dadurch befördert, dass viele alte Serienbekannte wieder dabei sind.

Diese Reunion ist dann schon fast wichtiger als der vernachlässigbare Fall – und knüpft nahtlos an die „Veronica Mars“-TV-Serie an, die ja auch immer ein selbstironischer und stilbewusster Clash zwischen Teenager-Drama und Hardboiled-Privatdetektivkrimi (inclusive dem Voice-Over) ist und die Fälle (jedenfalls in den mir bekannten Episoden) eher mau sind.

Auch optisch bewegt sich „Veronica Mars“ immer auf dem gewohnten TV-Standard, der auf der Kinoleinwand doch etwas deplatziert wirkt.

So ist der Spielfilm nur eine überlange Auftaktepisode für eine neue „Veronica Mars“-TV-Serie, die auch als Einzelfilm, als Nachklapp zur Serie, eigentlich ins Fernsehen gehört, aber wegen der Vorgeschichte im Kino läuft.

Veronica Mars“ ist von der ersten bis zur letzten Minute Fanservice, der kaum geeignet ist, neue Fans zu gewinnen.

Die Zukunft: In jedem Fall erscheint am 25. März der Roman „The Thousand Dollar Tan Line“ von Rob Thomas und Jennifer Graham. Es ist er erste „Veronica Mars“-Roman einer geplanten Serie und er spielt nach dem Ende des Films. Eine deutsche Übersetzung ist noch nicht angekündigt.

Veronica Mars - Plakat 4

Veronica Mars (Veronica Mars, USA 2014)

Regie: Rob Thomas

Drehbuch: Rob Thomas, Diane Ruggiero (nach einer Geschichte von Rob Thomas)

mit Kristen Bell, Jason Dohring, Krysten Ritter, Ryan Hansen, Francis Capra, Percy Daggs III, Chris Lowell, Tina Majorino, Enrico Colantoni, Sam Huntington, Jerry O’Connell, Jamie Lee Curtis, James Franco

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Veronica Mars“

Moviepilot über „Veronica Mars“

Metacritic über „Veronica Mars“

Rotten Tomatoes über „Veronica Mars“

Wikipedia über „Veronica Mars“ 

Thrilling Detective über Veronica Mars


Endlich auf Deutsch: „Parker“ – Darwyn Cookes erster Parker-Comic

März 27, 2013

Cooke - Parker - 2

Jetzt wird’s langsam etwas unübersichtlich. Denn die jetzt auf Deutsch veröffentlichte Graphic Novel „Parker“ von Darwyn Cooke hat, außer dem Helden, nichts mit der gerade im Kino gestarteten Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ zu tun. Taylor Hackfords gelungener Film basiert nämlich auf dem Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire, 2000) von Richard Stark. Darwyn Cookes Comic auf „Jetzt sind wir quitt“ (The Hunter, 1962) von Richard Stark.

In „The Hunter“ trat Parker vor über fünfzig Jahren zum ersten Mal auf und im Manuskript starb der Held auch, entsprechend den damaligen Konventionen, dass Verbrechen sich nicht lohne, am Ende. Der Verleger fragte Donald Westlake, der den Roman unter einem Pseudonym schrieb, ob am Ende Parker überleben könne. Westlake sagte „ja“ und niemand konnte damals ahnen, dass damit eine der langlebigen Serien, mit etlichen Verfilmungen, begann. „The Hunter“ wurde zweimal verfilmt: einmal grandios von John Boorman als „Point Blank“ mit Lee Marvin; einmal nicht so grandios von Brian Helgeland als „Payback – Zahltag“ mit Mel Gibson. Denn Parker ist wirklich kein liebenswerter Zeitgenosse. Er ist ein Profiverbrecher, der seine Jobs cool und effizient durchzieht. Für seine Ziele geht er skrupellos über Leichen und Darwyn Cooke zeigt auch das in seinem Comic, der dem Roman (aus der Erinnerung) sehr genau folgt.

Es beginnt mit einer doppelseitigen Ansicht von Manhattan 1962. Danach beobachten wir, wie Parker ziemlich stinkig über die George-Washington-Bridge nach Manhattan marschiert und sich einen Grundstock an Geld und Papieren zusammenklaut. Erst auf Seite 20 sehen wir zum ersten Mal sein Gesicht in einem Spiegel. Er ähnelt Jack Palance, einem heute fast vergessenem Tough-Guy-Schauspieler, der dreimal für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert war. Und bis er einige Seiten später Lynn ohrfeigt, erzählen die Schwarz-Weiß-Blauen, fast schon abstrakten Zeichnungen von Darwyn Cooke die Geschichte mit archaischer Wucht. Erst jetzt erfahren wir auch, was Parker nach Manhattan getrieben hat und warum er so stinkig ist: er wurde von Mal nach einem Überfall hereingelegt, um seinen Anteil an der Beute betrogen und Lynn sollte ihn, erpresst von Mal, erschießen. Fast hätte sie Erfolg gehabt.

Parker will jetzt seinen Anteil an der Beute wieder haben – und dafür legt er sich auch mit der Mafia an. Denn Mal bezahlte mit dem Geld seine Schulden bei der Mafia.

Als vor vier Jahren vertrauenswürdige Noir-Comicautoren wie Ed Brubaker „The Hunter“ in den höchsten Tönen lobten und die ersten Bilder aus dem Comic im Netz auftauchten, war ich gespannt. Immerhin schrieb und zeichnete Darwyn Cooke unmittelbar davor einige fantastische, poppig-bunte „The Spirit“-Geschichten, die absolut keine Ähnlichkeit mit dem komplett vergurkten Film haben, und die ersten Seiten sahen fantastisch aus.

Die gesamte, erst jetzt übersetzte Geschichte (sie war schon für 2011 angekündigt) hält dem Versprechen der ersten Seiten, mit ihrer vorantreibenden und sehr stimmigen Mischung aus Bild und Text, stand. „Parker“ ist ein grandioser, stilbewusster Noir-Comic, in dem Darwyn Cooke Parker so grimmig zeichnet, wie Richard Stark ihn geschrieben hat und der in dieser Geschichte skrupellos mehrere Menschen umbringt.

Darwyn Cooke schrieb bis jetzt insgesamt fünf Parker-Comics – und ich freue mich schon auf die weiteren Auftritte von dem „Mistkerl“ (Stark über Parker).

Darwyn Cooke: Parker

(übersetzt von Stephanie Grimm)

Eichborn, 2013

144 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Richard Stark’s Parker – The Hunter

IDW Publishing, 2009

Vorlage

Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“, in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“, verlegt)

Hinweise

Blog von Darwyn Cooke

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/J. Bone/Dave Stewarts “Will Eisner’s The Spirit – 1” (The Spirit, No. 1 – 6, 2007)

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/Walter Simonson/Jimmy Palmiottis “Will Eisner’s The Spirit – 2” (The Spirit, No. 7 – 12, 2007/2008)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman “Irgendwann gibt jeder auf” (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)

 


Von Superhelden, Polizisten und einer Revolutionärin: „Powers“ und „Scarlet“

Mai 14, 2012

Obwohl Autor Brian Michael Bendis und Zeichner Michael Avon Oeming bereits vor über zehn Jahren mit „Wer ermordete Retro Girl?“ die erste längere Geschichte aus der „Powers“-Welt vorlegten und dafür den Eisner Award als Beste Neue Serie erhielten, wirkt sie erstaunlich aktuell. Denn zwischen all den anderen neuen Comics, Verfilmungen und TV-Serien, in denen Superhelden ein Teil des alltäglichen Lebens sind und sie sich an mehr oder weniger viele Regeln halten müssen, fällt diese Hardboiled-Geschichte, die in einer Welt, in der es Superhelden gibt, nicht weiter auf.

In einer Großstadt muss Detective Christian Walker den Mord an Retro Girl, einer enorm beliebten Superheldin aufklären. Aber Walker hat auch seine Geheimnisse und er ist ein echter Hardboiled-Cop.

Diese Mischung aus Noir, Hardboiled und Superhelden-Comic ist durchaus ansprechend. Aber die Marotte, die Bendis damals wahrscheinlich für cool hielt, in die Dialoge immer wieder Wiederholungen einzubauen, ist arg störend. Damals sagte Bendis, dass er den Stil von David Mamet, Richard Price und Aaron Sorkin bewundere. Trotzdem wäre hier etwas weniger Mamet-Kopie und mehr Hardboiled-Lakonie gut gewesen.

Neben der Geschichte „Wer ermordete Retro Girl?“ gibt es in dem ersten „Powers“-Sammelband auch eine satte Portion Bonusmaterial: die „Powers“-Strips, die vor dem ersten „Powers“-Heft in den „Comic Shop News“ erschienen, eine Cover-Galerie mit den Original- und verworfenen Titelbildern, das Sketchbook und es wird enthüllt, welche Zeichner die vielen neuen Superhelden für die Superhelden-Befragungen von Walker während seiner Ermittlungen in dem Comic „Wer ermordete Retro Girl?“ entwarfen. Auch Ed Brubaker steuerte einen Schurken bei.

Zehn Jahre später, erfand Brian Michael Bendis, zusammen mit Zeichner Alex Maleev, mit „Scarlett“ eine Serie, die mit „Kinder der Revolution“, einer Sammlung der ersten fünf „Scarlett“-Hefte (mehr gibt es bislang noch nicht), einen vielversprechenden Start hinlegt.

Scarlett Rue ist in Portland, Oregon, in einem leicht in die Zukunft verlegten Polizeistaat eine junge Punkerin. Ihr Freund Gabriel wird von einem Polizisten ermordet und anschließend für die Öffentlichkeit zum gefährlichen Drogenhändler gemacht. Gabriels Mörder wird vor Gericht freigesprochen.

Sie beschließt, sich zu rächen. Ihre erste Taten machen sie schnell zur Volksheldin gegen das repressive Regime. Sie wird zur Anführerin einer Revolution.

Während bei „Powers“ die sich in repetitiven Passagen ergehenden Dialoge immer wieder störten, auch weil der Held so pseudocool und eher blöd wirkte, verzichtet Bendis in „Scarlett“, zum Glück, auf dieses Stilmittel. Und dass Scarlett öfters die Leser direkt anspricht, stört nicht, sondern bereichert die Geschichte um eine zusätzliche Dimension.

Politisch ist „Scarlett“ weitgehend eine Revolutionssaga für die Globalisierungskritiker und die Occupy-Bewegung; – wenn sie denn endlich ihren Stuhlkreis verlassen und wirklich die Machtfrage stellen würde.

Bis dahin, in den Worten der rothaarigen Heldin: „Ich bin Scarlett. Und falls diese Welt bis auf die Grundfesten niederbrennen muss, bevor diese ganzen Arschlöcher lernen, sich nicht mehr wie Arschlöcher aufzuführen, dann funktioniert das genau so.“

Brian Michael Bendis (Autor)/Michael Avon Oeming (Zeichner): Powers: Wer ermordete Retro Girl? (Band 1)

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2012

196 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

Powers: Who killed Retro Girl?

Jinxworld, 2000/2012

Brian Michael Bendis (Autor)/Alex Maleev (Zeichner): Scarlet: Kinder der Revolution (Band 1)

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Panini, 2011

164 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Scarlet 1 – 5

Jinxworld, Juli 2010 – März 2011

Hinweise

Wikipedia über Brian Michael Bendis

Jinxworld/Homepage von Brian Michael Bendis


„Schlechter Einfluss“ für Zack Anderson in „Incognito“

Januar 13, 2012

Das grandiose Team Ed Brubaker (Autor) und Sean Phillips (Zeichner) hat sich wieder zusammengetan. Nach „Sleeper“ (und der dazu gehörigen Geschichte „Point Blank“), einem ausgewachsenen Paranoia-Thriller im Geheimagenten-Milieu mit Superheldeneinschlag, und „Criminal“, einer Reihe von unregelmäßig erscheinenden Noir-Geschichten, haben sie mit „Incognito“ eine dritte tolle Serie erfunden; wobei nach „Incognito: Stunde der Wahrheit“ noch unklar war, ob ein zweiter „Incognito“-Band folgt oder es eine in sich abgeschlossene Geschichte ist.
Jetzt ist dieser mit „Schlechter Einfluss“ erschienen. In der Story muss Zack Anderson, der als Superschurke Zack Overkill allgemein gefürchtet, danach im Zeugenschutzprogramm (das ihm gar nicht gefiel) war und jetzt bei S. O. S. (so eine Art Superpolizei) quasi zwangsrekrutiert (wie wir aus dem ersten „Incognito“-Band „Stunde der Wahrheit“ wissen) ist, sich wieder in die Unterwelt begeben. Denn S.-O.-S.-Agent Simon Slaughter ist während eines Undercover-Einsatzes in der Terrororganisation Level 9 bis in die Spitze aufgestiegen und anscheinend übergelaufen. Anderson soll ihn zurückholen.
Aber niemand vertraut ihm. Weder die S. O. S., die glaubt, dass er wieder zum Gangster wird, noch seine alten Freunde, die natürlich sein spurloses Verschwinden und das damit zusammenhängende Fehlen von „Overkill“-Taten bemerkt haben. Wem Zack vertrauen kann, weiß er auch nicht. Aber im Zweifelsfall nur sich selbst.
Brubaker/Phillips-Fans werden hier selbstverständlich vertraute Themen entdecken. In „Sleeper“ ging es ebenfalls um einen Undercover-Einsatz, die Frage der Loyalität, der eigenen moralischen Maßstäbe und wem man vertrauen kann. In „Criminal“, immerhin sind es Noir- und Unterweltgeschichten, geht es auch um Loyalitäten, Vertrauen und Verrat. Trotzdem gewinnt Ed Brubaker in „Schlechter Einfluss“ dem Thema wieder neue Facetten ab und das Ende ist, wie immer bei dem Team Brubaker/Phillips so hammerhart und zwiespältig, dass ich schon sehnsüchtig auf den dritten „Incognito“-Band warte. Denn ich will unbedingt wissen, wie das weitere Schicksal von Zack Anderson aussieht.

Ed Brubaker (Autor)/Sean Phillips (Zeichner): Incognito: Schlechter Einfluss (Band 2)
(mit einem Vorwort von Joe Hill)
(übersetzt von Claudia Fliege)
Panini, 2011
132 Seiten
16,95 Euro

Originalausgabe
Incognito: Bad Influences, Vol. 1 – 5
Basement Gang, Oktober 2010 – April 2011

Hinweise

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 4 – Obsession“ (Criminal Vol. 4: Bad Night, 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Criminal 5 – Sünder“ (Criminal: The Sinners, 2010)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)

Meine Besprechung von Ed BrubakerSean Phillips’ „Incognito 1 – Stunde der Wahrheit“ (Incognito, 2008/2009)


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