Cover der Woche – und R. i. P. Jean-Luc Godard

September 13, 2022

R. i. P. Jean Luc Godard ( 3. Dezember 1930, Paris – 13. September 2022, Rolle/Schweiz)

Anstatt eines schnell geschriebenen länglichen biographischen Nachrufs poste ich einfach den Anfang meiner ausführlichen Besprechung von Bert Rebhandls lesenswerter Biographie über Jean-Luc Godard:

Jean-Luc Godard, geboren am 3. Dezember 1930 in Paris

Regisseur von „Außer Atem“, Begründer der Nouvelle Vague

lebt seit Jahrzehnten, zusammen mit Anne-Marie Miéville, zurückgezogen und produktiv, in der Schweiz in der Kleinstadt Rolle am Genfersees

So könnte Jean-Luc Godards Leben in drei Zeilen aussehen. Nichts davon ist falsch. Nichts davon verrät, warum Godard noch heute, sechzig Jahre nachdem „Außer Atem“ seine Premiere hatte und über fünfzig Jahre nachdem er sich vom normalen Kinobetrieb abwandte, ein immer noch weithin bekannter Name ist. Mit Godard verbindet jeder irgendetwas und hat sogar ein Bild von ihm im Kopf.

Godard gehörte in den fünfziger Jahren in Paris zu einem Kreis filmbegeisterter junger Männer, die in der Filmzeitschrift „Cahiers du Cinéma“ lautstark über ihre Liebe zum Film und zu bestimmten Regisseuren schrieben und später selbst Regisseure wurden. Zu diesem Kreis gehören, neben Godard, François Truffaut, Éric Rohmer, Claude Chabrol und Jacques Rivette.

In den Sechzigern drehte Godard nach seinem umjubeltem Spielfilmdebüt „Außer Atem“ mit einem ähnlichen Arbeitstempo wie wenig später in Deutschland Rainer Werner Fassbinder. Fast jeder dieser Godard-Filme gehört noch heute zum Godard-Kanon (ich zögere, sie Klassiker zu nennen, weil ich mit solchen Worten sparsam umgehe und weil bei einigen dieser Filme der Titel und ein Image bekannter als der ganze Film sind). Bis 1968 drehte er „Der kleine Soldat“, „Eine Frau ist eine Frau“, „Die Geschichte der Nana S.“, „Die Karabinieri“, „Die Verachtung“, „Die Außenseiterbande“, „Eine verheiratete Frau“, „Lemmy Caution gegen Alpha 60“ (Alphaville), „Elf Uhr nachts“ (Pierrot le fou), „Masculin – Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca-Cola“, „Made in U.S.A.“, „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“, „Die Chinesin“, „Weekend“ und „Eins plus Eins“ (One plus One/Sympathy for the Devil).

Schon in diesen Jahren wurden seine Filme immer politischer und experimenteller. 1968, nach „Eins plus Eins“ verabschiedete er sich als Regisseur vom Kino. In den nächsten Jahren arbeitete er auch im Kollektiv. Teils verschwand sein Name hinter einer Gruppenidentität in der Anonymität. Dazu gehören die Flugblattfilme, die auf politischen Veranstaltungen gezeigt wurden. Er identifizierte sich mit den Anliegen der 68er. Gleichzeitig begann er mit der Videotechnik zu experimentieren. Außerdem arbeitete er für das Fernsehen. Zum Beispiel 1976 mit der 13-teiligen TV-Serie „Six fois deux, sur et sous la communication“ und, zwei Jahre später, mit der 12-teiligen TV-Serie „France, tour, détour, deux enfants“. Diese Arbeiten sind fast unbekannt.

Erst in den Achtzigern kehrte Godard wieder zurück ins Kino. „Rette sich, wer kann“, „Passion“, Vorname Carmen“ (seine sehr freie Version von Prosper Mérimées Novelle „Carmen“) , „Maria und Joseph“ (seine skandalumwitterte Interpretation der aus der Bibel bekannten Geschichte von Maria und Joseph von Nazaret), „Détective“ und „Nouvelle Vague“ sind seine bekanntesten Filme aus dieser Zeit. Teils spielten, wie schon bei seinen Filmen aus den Sechzigern, Stars mit. Eigentlich nie gab es eine nacherzählbare Geschichte. Es ging eher um die Idee einer Geschichte, die es ihm ermöglicht, seine Gedanken zu entfalten. Beides diente als vernachlässigbares Korsett und als willkommener Anlass, das zahlende Publikum ins Kino zu bringen, und es dort mit philosophischen Gedanken, Geistesblitzen, Assoziationen und Humor zu belästigen. Jean-Luc Godard inszenierte sich gleichzeitig als Narr und Klugscheißer, der munter mit seinem Wissen protzte.

In seinen letzten Filme, wie jüngst „Bildbuch“, versuchte der wie ein Eremit lebende Godard überhaupt nicht mehr, ein großes Publikum anzusprechen. Wer sich allerdings auf den assoziativen Strom von Bildern und Gedanken einlässt, wird immer ein, zwei Goldstücke finden. Nur der Spaß, den wir mit Jean-Paul Belmondo und Anna Karina in „Pierrot le fou“ oder mit der „Außenseiterbande“ hatten, ist in seinen experimentellen Essayfilmen verschwunden.

Hinweise

Rotten Tomatoes über Jean-Luc Godard

Wikipedia über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (À bout de souffle, Frankreich 1960)

Meine Besprechung von Bert Rebhandls „Jean-Luc Godard – Der permanente Revolutionär“ (2020)

Jean-Luc Godard in der Kriminalakte


„Jean-Luc Godard – Der permanente Revolutionär“ hat Geburtstag – und Bert Rebhandl schenkt ihm ein Buch

Dezember 3, 2020

Jean-Luc Godard, geboren am 3. Dezember 1930 in Paris

Regisseur von „Außer Atem“, Begründer der Nouvelle Vague

lebt seit Jahrzehnten, zusammen mit Anne-Marie Miéville, zurückgezogen und produktiv, in der Schweiz in der Kleinstadt Rolle am Genfersees

So könnte Jean-Luc Godards Leben in drei Zeilen aussehen. Nichts davon ist falsch. Nichts davon verrät, warum Godard noch heute, sechzig Jahre nachdem „Außer Atem“ seine Premiere hatte und über fünfzig Jahre nachdem er sich vom normalen Kinobetrieb abwandte, ein immer noch weithin bekannter Name ist. Mit Godard verbindet jeder irgendetwas und hat sogar ein Bild von ihm im Kopf.

Godard gehörte in den fünfziger Jahren in Paris zu einem Kreis filmbegeisterter junger Männer, die in der Filmzeitschrift „Cahiers du Cinéma“ lautstark über ihre Liebe zum Film und zu bestimmten Regisseuren schrieben und später selbst Regisseure wurden. Zu diesem Kreis gehören, neben Godard, François Truffaut, Éric Rohmer, Claude Chabrol und Jacques Rivette.

In den Sechzigern drehte Godard nach seinem umjubeltem Spielfilmdebüt „Außer Atem“ mit einem ähnlichen Arbeitstempo wie wenig später in Deutschland Rainer Werner Fassbinder. Fast jeder dieser Godard-Filme gehört noch heute zum Godard-Kanon (ich zögere, sie Klassiker zu nennen, weil ich mit solchen Worten sparsam umgehe und weil bei einigen dieser Filme der Titel und ein Image bekannter als der ganze Film sind). Bis 1968 drehte er „Der kleine Soldat“, „Eine Frau ist eine Frau“, „Die Geschichte der Nana S.“, „Die Karabinieri“, „Die Verachtung“, „Die Außenseiterbande“, „Eine verheiratete Frau“, „Lemmy Caution gegen Alpha 60“ (Alphaville), „Elf Uhr nachts“ (Pierrot le fou), „Masculin – Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca-Cola“, „Made in U.S.A.“, „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“, „Die Chinesin“, „Weekend“ und „Eins plus Eins“ (One plus One/Sympathy for the Devil).

Schon in diesen Jahren wurden seine Filme immer politischer und experimenteller. 1968, nach „Eins plus Eins“ verabschiedete er sich als Regisseur vom Kino. In den nächsten Jahren arbeitete er auch im Kollektiv. Teils verschwand sein Name hinter einer Gruppenidentität in der Anonymität. Dazu gehören die Flugblattfilme, die auf politischen Veranstaltungen gezeigt wurden. Er identifizierte sich mit den Anliegen der 68er. Gleichzeitig begann er mit der Videotechnik zu experimentieren. Außerdem arbeitete er für das Fernsehen. Zum Beispiel 1976 mit der 13-teiligen TV-Serie „Six fois deux, sur et sous la communication“ und, zwei Jahre später, mit der 12-teiligen TV-Serie „France, tour, détour, deux enfants“. Diese Arbeiten sind fast unbekannt.

Erst in den Achtzigern kehrte Godard wieder zurück ins Kino. „Rette sich, wer kann“, „Passion“, Vorname Carmen“ (seine sehr freie Version von Prosper Mérimées Novelle „Carmen“) , „Maria und Joseph“ (seine skandalumwitterte Interpretation der aus der Bibel bekannten Geschichte von Maria und Joseph von Nazaret), „Détective“ und „Nouvelle Vague“ sind seine bekanntesten Filme aus dieser Zeit. Teils spielten, wie schon bei seinen Filmen aus den Sechzigern, Stars mit. Eigentlich nie gab es eine nacherzählbare Geschichte. Es ging eher um die Idee einer Geschichte, die es ihm ermöglicht, seine Gedanken zu entfalten. Beides diente als vernachlässigbares Korsett und als willkommener Anlass, das zahlende Publikum ins Kino zu bringen, und es dort mit philosophischen Gedanken, Geistesblitzen, Assoziationen und Humor zu belästigen. Jean-Luc Godard inszenierte sich gleichzeitig als Narr und Klugscheißer, der munter mit seinem Wissen protzte.

In seinen letzten Filme, wie jüngst „Bildbuch“, versuchte der wie ein Eremit lebende Godard überhaupt nicht mehr, ein großes Publikum anzusprechen. Wer sich allerdings auf den assoziativen Strom von Bildern und Gedanken einlässt, wird immer ein, zwei Goldstücke finden. Nur der Spaß, den wir mit Jean-Paul Belmondo und Anna Karina in „Pierrot le fou“ oder mit der „Außenseiterbande“ hatten, ist in seinen experimentellen Essayfilmen verschwunden.

Filmkritiker Bert Rebhandl zeichnet in seinem pünktlich zu Godards neunzigstem Geburtstag erschienenen Biographie „Jean-Luc Godard – Der permanente Revolutionär“ Godards Leben und Schaffen chronologisch nach. Dabei gibt es drei Schwerpunkte: sein noch heute einflussreiches Werk in den sechziger Jahren, seine zwischen 1988 und 1998 entstandene mehrteilige Serie „Geschichte(n) des Kinos“ (Histoire(s) du cinéma) und sein Spätwerk; also die wenigen Filme, die er in den letzten zwanzig , dreißig Jahren veröffentlichte.

Er streift Godards Umgang mit seinen Schauspielern (oft sehr schwierig), das Zeigen nackter Frauen (ähem, das könnte, neben der intellektuellen Brillanz der Monologe und Dialoge, ein Grund für seine Beliebtheit bei jüngeren Zuschauern sein; davon abgesehen ebenfalls sehr schwierig, mit einer Tendenz zur Pornographie), seine Beziehungen zu jungen Frauen (man könnte sie übergriffig nennen) und seine, höflich formuliert, unklare Haltung zum Antisemitismus. Das alles nennt Rebhandl ohne ein Urteil zu fällen.

Auf Godards Privatleben geht er nur ein, wenn es für sein Werk und seine Selbstinszenierung eine Rolle spielt. Auf einen intellektuellen Überbau, der Godards offenes Werk in eine bestimmte Lesart zwängen würde, verzichtet Rebhandl bewusst.

So ist „Jean-Luc Godard – Der permanente Revolutionär“ eine informative Biographie, die einmal chronologisch durch Godards Werk geht und die Neugierde auf eine wiederholte (?) Sichtung von Godards unbekannteren Werken weckt. Soweit sie allgemein verfügbar sind.

Bert Rebhandl: Jean-Luc Godard – Der permanente Revolutionär

Paul Zsolnay Verlag, 2020

288 Seiten

25 Euro

 

 

Die Filme von Jean-Luc Godard (vor allem seine Spielfilme und wichtigen längeren Werke, daneben drehte er Kurzfilme, kurze und lange TV-Filme und Werbefilme unterschiedlicher Länge)

Außer Atem (À bout de souffle, 1960)

Der kleine Soldat (Le petit soldat. 1960)

Eine Frau ist eine Frau (Une femme est une femme, 1961)

Die Geschichte der Nana S. (Vivre sa vie, 1962)

Die Karabinieri (Les Carabiniers, 1962)

Die Verachtung (Le Mépris, 1963)

Die Außenseiterbande (Bande à part, 1964)

Eine verheiratete Frau (Une femme mariée, 1964)

Lemmy Caution gegen Alpha 60 (Alphaville, une étrange aventure de Lemmy Caution, 1965)

Elf Uhr nachts (Pierrot le fou, 1965)

Masculin – Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca-Cola (Masculin – féminin: 15 faits précis, 1966)

Made in U.S.A. (Made in U.S.A, 1966)

Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß (Deux ou trois choses que je sais d’elle, 1967)

Die Chinesin (La Chinoise, 1967)

Weekend (Week-end, 1967)

Eins plus Eins (One plus One/Sympathy for the Devil, 1968)

Die fröhliche Wissenschaft (Le Gai Savoir, 1969, TV-Film)

Alles in Butter (Tout va bien, 1972, mit Jean-Pierre Gorin)

Nummer zwei (Numéro 2, mit Anne-Marie Miéville)

Rette sich, wer kann (das Leben) (Sauve qui peut [la vie], 1980)

Passion (Passion, 1982)

Vorname Carmen (Prénom Carmen, 1983)

Maria und Joseph (Je vous salue, Marie, 1985)

Détective (Détective, 1985)

King Lear (King Lear, 1987)

Schütze deine Rechte (Soigne ta droite, 1987)

Nouvelle Vague (Nouvelle Vague, 1990)

Deutschland Neu(n) Null (Allemagne neuf zéro, 1991)

Weh mir (Hélas pour moi, 1993)

JLG/JLG – Godard über Godard (JLG/JLG – Godard par Godard, 1995)

For Ever Mozart (1996)

Geschichte(n) des Kinos (Histoire(s) du cinéma, 1988 – 1998)

Auf die Liebe (Eloge de l’amour, 2001)

Unsere Musik (Notre musique, 2004)

Film Socialisme (2010)

Adieu au langage (2014)

Bildbuch (Le Livre d’image, 2018) (bis 15. Dezember 2020 in der Arte-Mediathek)

Hinweise

Homepage von Bert Rebhandl

Rotten Tomatoes über Jean-Luc Godard

Wikipedia über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (À bout de souffle, Frankreich 1960)

Jean-Luc Godard in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 5. Dezember: „Jean-Luc Godard“-Filmnacht

Dezember 5, 2010

80 Jahre ist Jean-Luc Godard und 3sat wird seinem Ruf als Kultursender mit einer Godard-Filmnacht gerecht. Gezeigt werden


3sat, 22.55

Eine Frau ist eine Frau (F/I 1960, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch:

Anna will ein Kind. Ihr Freund ist von der Idee nicht begeistert. Aber vielleicht springt sein Freund als Samenspender ein.

Godards erster Farbfilm ist eine anarchistische Mischung aus Komödie und Musical, aus Verehrung für Lubitsch und Hollywood-Musicals und Dekonstruktion dieser Filme. Ein großer Spaß für offene Geister.

mit Anna Karina, Jean-Paul Belmondo, Jean-Claude Brialy, Jeanne Moreau

3sat, 00.15

Elf Uhr nachts (F/I 1965, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Lionel White: Obsession, 1963

Ferdinand stolpert in eine undurchsichtige Mordgeschichte und flüchtet mit seiner Ex Marianne quer durch Frankreich auf eine einsame Insel.

Auch bzw. besser bekannt als „Pierrot le fou“. Die Krimifarce hat mit dem Buch wenig bis nichts zu tun, aber viel mit Godard, seinem filmischen Kosmos und dem Lebensgefühl der Sechziger.

Mit Jean-Paul Belmondo, Anna Karina

3sat, 02.00

Die Außenseiterbande (F 1964, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Dolores Hitchens: Fool’s gold, 1958 (Flucht nach Las Vegas)

Vordergründig erzählt Godard die Planung und Durchführung eines Einbruches. Aber die Abschweifungen von dieser Geschichte sind ihm wichtiger. Inzwischen ist „Die Außenseiterbande“ ein Klassiker der Nouvelle Vague und einer der zugänglichsten Filme Godards. Ein schöner Film, aber eher für die Cineasten unter uns.

´Bande à part´ (Die Außenseiterbande) ist der heiterste Film Godards, nicht wegen seiner Story (eigentlich ist die gar nicht so heiter), sondern wegen der ironischen leichten Art, mit der Godard spielerisch mit den Formen, die er in den vorangegangenen Filmen entwickelt hat, umgeht. Er selbst spricht einen Kommentar, der ergänzt, ironisiert, ansatzweise interpretiert und vor allem immer wieder darauf hinweist, daß alles, was da geschieht, auch anders verlaufen könnte…In ´Bande à part´ weist der leichte, spielerische, ironisch-distanzierte Kommentar ebenso auf die Entstehung wie die äußerst raffinierte Schwarzweiß-Fotografie von Raoul Coutard (z. B. bei den Autofahrten).“ (Hanser Reihe Film 19: Jean-Luc Godard)

Mit dem spannenden Krimi „Fool’s gold“ hat „Die Außenseiterbande“ natürlich, außer der Prämisse und einigen Elementen der Handlung, kaum noch etwas gemeinsam. Oder sagen wir es umgekehrt: dafür, dass Godard sich nur von dem Roman inspirieren ließ, hat er verdammt viel übernommen.

Mit Anna Karina, Claude Brasseur, Sami Frey

3sat, 03.35

Weekend (F/I 1967, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

Der Wochenendtrip eines jungen Ehepaares wird zu einem Abgesang auf die Wohlstandsgesellschaft. Ein Film, der nicht in wenigen Worten beschrieben werden kann, sondern gesehen werden muss.

‚Week-End‘ ist das Chaos; ‚Week-End‘ ist wie das Zeugnis eines fremden, fernen Sterns (des unseren?). Wir sind das Chaos – ein Trümmerfeld abendländischer Kultur -“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science-Fiction-Films)

mit Mireille Darc, Jean Yanne, Jean-Pierre Léaud

Hinweise

Wikipedia über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

IMDB über Jean-Luc Godard

Kriminalakte gratuliert Jean-Luc Godard zum Geburtstag


Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Jean-Luc Godard!

Dezember 3, 2010

Jean-Luc Godard, geboren am 3. Dezember 1930 in Paris.

Sein erster Spielfilm war 1960 „Außer Atem“ (À bout de souffle) mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg. Danach zahlreiche weitere Filme, wobei die Filme seit 1968 zunehmend abstrakter wurden und, auch deshalb, nur noch ein überschaubares Publikum erreichten.

In unseren Kinos lief schon seit Ewigkeiten kein Godard-Film mehr und auch im Fernsehen laufen seine nach „Eins plus eins“ (Sympathy for the devil) gedrehten Filme selten bis nie.

Sein neuester Film heißt „Film socialisme“ (Homepage, Wikipedia).


TV-Tipp für den 29. September: Die Verachtung

September 28, 2022

Anlässlich des Todes von Jean-Luc Godard

RBB, 00.25

Die Verachtung (Le Mépris, Frankreich/Italien 1963)

Regie: Jean-Luc Godard

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Alberto Morovia: Il Desprezzo, 1954 (Die Verachtung)

Drehbuchautor Paul soll das Drehbuch für einen Film über die Abenteuer von Odysseus auf der Insel Capri schreiben. Dort sind, neben Paul, seine wunderschöne Frau, der Produzent, der ein Auge auf Pauls Frau Camille geworfen hat, und der Regisseur. Camille, die an Pauls Liebe zweifelt, beginnt ihn zunehmend zu verachten.

Godards anspielungs- und zitatenreiche Satire auf das Filmbusiness, gedreht mit viel Geld, Brigitte Bardot und Fritz Lang als Regisseur.

mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll, Jean-Luc Godard, Raoul Coutard

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Verachtung“

Wikipedia über „Die Verachtung“ (deutschenglisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (À bout de souffle, Frankreich 1960)

Meine Besprechung von Bert Rebhandls „Jean-Luc Godard – Der permanente Revolutionär“ (2020)

Mein Nachruf auf Jean-Luc Godard

Jean-Luc Godard und Fritz Lang in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Woody Allen # 49: Rifkin’s Festival

Juli 7, 2022

Einen Film will Woody Allen noch drehen. Das sagte der 86-jährige im Juni in einem Gespräch mit Alec Baldwin. Die Dreharbeiten für diesen Film beginnen im Herbst in Paris. Ob er danach noch weitere Filme drehe, wisse er nicht. Das Umfeld für seine Filme habe sich zu sehr verändert. Früher liefen sie überall. Jetzt würden sie wenige Wochen nach dem Kinostart auf einem Streamingportal gezeigt. So hatte sein bislang letzter Film am 18. September 2020 beim Filmfestival San Sebastián seine Premiere. In den USA wurde er Anfang des Jahres nur in wenigen Kinos gezeigt. Auch in Deutschland läuft er erst jetzt in einer überschaubaren Zahl von Kinos an. Dabei ist sein 49. Film gar nicht sein schlechtester. Es ist eine Komödie, die sich nahtlos in sein durchwachsenes, oft enttäuschendes Spätwerk einfügt.

Dieses Mal geht es um Mort Rifkin (Wallace Shawn). Der snobistische Filmkritiker und Universitätslehrer begleitet seine Frau Sue (Gina Gershon) nach Spanien zum Filmfestival in San Sebastián. Sie macht dort die Pressebetreuung für Philippe (Louis Garrel). Er ist ein junger, gut aussehender, charismatischer Regisseur, der gerade im Minutentakt Preise erhält. Rifkin hält nichts von Philippes Filmen. Er schlendert durch San Sebastián. Er fragt sich, ob Sue ihn mit Philippe betrügt. Er hat Schmerzen in der Brust. Er besucht Dr. Jo Rojas (Elena Anaya) und ist, weil er aufgrund des Namens einen Mann erwartet hat, ganz erstaunt, dass Rojas eine gut aussehende, unglücklich verheiratete Ärztin ist, mit der er sich gleich sehr gut versteht. In New York wohnten sie im gleichen Viertel. Sie haben den gleichen Kunstgeschmack. Er verliebt sich in sie – und erfindet schnell neue Beschwerden um sie wieder zu besuchen.

Vor, während und nach den Dreharbeiten wurde vor allem über Woody Allens Privatleben gesprochen. Es ging, wieder einmal, um inzwischen jahrzehntealte Missbrauchsvorwürfe von seiner Ex-Frau Mia Farrow. Diese Geschichte führte auch dazu, dass sich im Rahmen der #MeToo-Debatte etliche Schauspieler und sein Produktionspartner Amazon Studio von Allen distanzierten. Die Auswertung von seinen letzten beiden Filmen, „A rainy day in New York“ und „Rifkin’s Festival“, litt auch darunter. Und dann kam die Corona-Pandemie, die zu monatelangen Kinoschließungen führte. Insofern können wir uns freuen, dass Woody Allens immer noch neuester Film in die Kinos kommt. Auch wenn es nur ein kleiner Start ist. Hier in Berlin läuft der Film in drei Kinos.

Dabei ist der Film gar nicht so schlecht. Er hält ziemlich genau das Niveau seiner vorherigen Filme. Nichts ist neu. Vieles ist sehr vertraut. Einiges fast schon lieblos und schlampig inszeniert. Die Idee, Mort Rifkins Träume mit nachgespielten SW-Szenen aus seinen Lieblingsfilmen zu illustrieren, erfreut das Herz des Cineasten.

Beim Lesen der Handlung erkennen Allen-Fans sofort viele vertraute Elemente. Beim Ansehen dürften sie für fast jede Szene mindestens eine ähnliche Szene aus einem älteren Allen-Film nennen können. „Rifkin’s Festival“ ist, wieder einmal, eine Liebeskomödie, in der beide Ehepartner mit einem Seitensprung liebäugeln. Mort Rifkin ist natürlich eine weitere Version von Woody Allen, wie wir ihn spätestens seit dem „Stadtneurotiker“ kennen. Nur dass er dieses Mal nicht von Woody Allen, sondern von Wallace Shawn gespielt wird. Und Shawn spielt ihn äußerst bedächtig und erstaunlich uninteressiert an Pointen.

Seine Lieblingsfilme sind, wenig überraschend für einen älteren Filmkritiker, vor allem Klassiker des europäischen Kinos. Inszeniert wurden diese Filme von Regisseuren, die Allen selbst bewundert. Nämlich, – in der Klammer stehen die Filme, von denen Rifkin träumt -, Orson Welles (Citizen Kane, 1941), Jean-Luc Godard (Außer Atem, 1960), François Truffaut (Jules and Jim, 1962), Luis Buñuel (Der Würgeengel, 1962), Federico Fellini (8½, 1963), Claude Lelouch (Ein Mann und eine Frau, 1966) und, wenig verwunderlich nachdem Allen eine Bergman-Phase hatte, Ingmar Bergman (Das siebente Siegel, 1957; Wilde Erdbeeren, 1957; Persona; 1966).

Rifkin’s Festival“ ist kein Film, mit dem Allen neue Fans gewinnen wird. Es ist auch keiner seiner besten Filme. Es handelt sich eher um den Besuch eines alten Freundes, der noch einmal seine bekannten Geschichten und Witze erzählt. Wegen der vielen filmischen Anspielungen hat es auch etwas von einem Alterswerk, das noch einmal bekannte Themen, Motive und Obsessionen bündelt. Nicht um sie irgendwie neu zu bewerten, sondern um sie einfach noch einmal anzusehen. Das ist, wie sein vorheriger Film „A rainy day in New York“, schon sympathisch anspruchslos. „Rifkin’s Festival“ ist der etwas fahrige Bericht von Rifkin gegenüber seinem Therapeuten, der am Filmanfang und -ende im Bild ist, über seine Woche im sonnigen San Sebastián.

Und natürlich kann man Rifkins Träume zum Anlass nehmen, sich die ihnen zugrunde liegenden Filme wieder anzusehen. Es gibt wahrlich schlechtere Beschäftigungen für ein langes Wochenende.

Rifkin’s Festival (Rifkin’s Festival, USA 2020)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

mit Wallace Shawn, Gina Gershon, Louis Garrel, Elena Anaya, Sergi López, Christoph Waltz, Tammy Blanchard, Steve Guttenberg, Richard Kind, Douglas McGrath

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Rifkin’s Festival“

Metacritic über „Rifkin’s Festival“

Rotten Tomatoes über „Rifkin’s Festival“

Wikipedia über „Rifkin’s Festival“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens “Magic in the Moonlight” (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Meine Besprechung von Woody Allens „Irrational Man“ (Irrational Man, USA 2015)

Meine Besprechung von Woody Allens „Café Society“ (Café Society, USA 2016)

Meine Besprechung von Woody Allens „Wonder Wheel“ (Wonder Wheel, USA 2017)

Meine Besprechung von Woody Allens „A rainy Day in New York“ (A rainy Day in New York, USA 2019)

Woody Allen in der Kriminalakte  


Neu im Kino/Filmkritik: Ti Wests „X“ ist sein Blutgericht in Texas

Mai 19, 2022

Sie sind nicht die ersten, die auf die Idee gekommen sind. Schließlich begann in den USA die Porno-Hysterie 1972 mit dem Film „Deep Throat“. Der Porno hatte so etwas wie eine Handlung. Vor den Kinos, in denen er gezeigt wurde, bildeten sich lange Schlangen. Bekannte Persönlichkeiten sahen sich das Werk an und sprachen danach darüber.

1979 war diese Hysterie vorbei. Aber sicher konnte man mit einem Porno noch etwas Geld machen. Vor allem wenn der Film ohne ein Budget auf einer abgelegenen Farm in Texas gedreht wird. Das ist jedenfalls die geniale Idee von Barbesitzer Wayne Gilroy, der hier seinen ersten Film produzieren will.

Das einzige was Wayne benötigt, um seine Idee umzusetzen, sind einige junge, knackige Schauspieler und ein ebenso junger, ambitionierter Regisseur, der den Film als sein Ticket nach Hollywood sieht. Dafür darf er gleichzeitig als Kameramann und Toningenieur arbeiten.

Schnell findet Wayne diese Menschen und den richtigen Drehort. Die Regie übernimmt RJ Nichols. Er ist ein Filmstudent, der natürlich einen künstlerisch wertvollen pornographischen Film drehen möchte. Sein Vorbild ist Jean-Luc Godard. Das mutet etwas seltsam an, weil Godards wichtigste Filme in den Sechzigern entstanden. 1979 hatte er schon seit über zehn Jahren keine Filme fürs Kino mehr gedreht. Stattdessen experimentierte er, abseits der internationalen Öffentlichkeit, mit der damals neuen Videotechnik. Aber in Texas gehen die Uhren halt langsamer.

Die weiblichen Rollen in dem geplanten Epos „The Farmer’s Daughter“ werden von den Stripperinnen Maxine Minx und Bobby-Lynne Parker, die männliche Rolle von dem Vietnamveteran Jackson Hole übernommen. Dass er ein Schwarzer ist, der, wie es dem Klischee entspricht, offensiv seine sexuelle Potenz präsentiert, stört hier niemand. Es ist ja auch ein Teil des geplanten Films.

Fünfte im Bund ist Lorraine Day, die Freundin von RJ. Sie soll ihm bei der Arbeit helfen.

Diese Gruppe will innerhalb weniger Stunden im Gästehaus einer abgelegenen Farm ihr künftiges Meisterwerk drehen. Dass ihr Vermieter Howard etwas seltsam ist und an Gedächtnisproblemen leidet, stört sie nicht. Letzendlich sollen er und seine Frau Pearl, die sie aus einem Fenster im ersten Stock des Farmhauses beobachtet, sie nur in Ruhe ihren Film drehen lassen.

Dass der Dreh sich für die fünf Städter zu einem Horrortrip entwickeln wird, wissen Filmfans in dem Moment schon lange. Denn Ti West spart in seinem neuen Film „X“ (was das angestrebte Rating von Waynes Films ist) nicht mit Anspielungen auf Tobe Hoopers Horrorfilmklassiker „The Texas Chainsaw Massacre“ von 1974.

Für den Genrefan entwickelt sich so schnell ein ziemlich intelligentes und beim Erraten der Vorbilder amüsantes Spiel zwischen verschiedenen Metaebenen, Vorbildern aus dem pornographischen (weniger) und dem Horrorfilm (mehr) und „X“. Das gilt auch für die Reihenfolge der Morde und die Art ihres Ablebens.

Bis zum ersten Mord vergeht allerdings über eine Stunde. Auch danach, immerhin gibt es auf der Farm nur eine überschaubare Zahl an potentiellen Opfern, lässt Ti West sich Zeit. Für den Gore-Fan sind die in der Nacht stattfindenden Morde ziemlich enttäusend. Sie geschehen schnell und es ist immer so dunkel, dass sie mehr erahnt als gesehen werden.

Auch ist die Horrorstimmung niemals auch nur im Ansatz so beängstigend wie in „The Texas Chainsaw Massacre“.

So ist „X“ für den Fan des Siebziger-Jahre-Horrorfilms ein schönes, liebevoll ausgestattetes, stilbewusstes Erinnerungsstück, das auch etliche Anspielungen auf den pornographischen Film enthält.

X (X, USA 2022)

Regie: Ti West

Drehbuch: Ti West

mit Mia Goth, Jenna Ortega, Brittany Snow, Scott Mescudi, Martin Henderson, Owen Campbell, Stephen Ure, James Gaylyn, Matthew Saville

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „X“

Metacritic über „X“

Rotten Tomatoes über „X“

Wikipedia über „X“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ti Wests „The Innkeepers“ (USA 2011)


Blu-ray-Kritik: Alain Delon ist „Tony Arzenta – Tödlicher Hass“ empfindet er

März 30, 2022

Während der Geburtstagsfeier seines Sohnes wirkt der von Alain Delon gespielte Tony Arzenta seltsam distanziert. Er passt nicht zwischen die feiernden Kindern und ihre Müttern. Kurz darauf verlässt er die Feier, fährt durch die Stadt und bringt einen Mann um. Einen zufällig auftauchenden Zeugen erschießt er ebenfalls. Mit einem bedauerndem Blick. Arzenta ist der Killer für ein international agierendes Verbrechersyndikat, vulgo die Mafia. Nach diesem Auftrag möchte er aussteigen und ganz zum Familienmenschen werden.

Kurz darauf explodiert in Arzentas Auto eine Autobombe. Arzenta muss zusehen, wie sein Frau und sein Sohn bei der Explosion sterben.

Dieser Doppelmord ist der Auftakt für einen sich über mehrere Länder erstreckenden Rachefeldzug. Arzenta tötet nacheinander die auf ihn angesetzten Killer und die Bosse, die den Mordautrag gegeben haben.

Der 1973 entstandene Gangsterthriller „Tony Arzenta – Tödlicher Hass“ gehört zu Alain Delons unbekanntesten Filmen. So ist der Actionthriller deutlich schlechter als seine bekanntesten Filme, wie „Der eiskalte Engel“. Auch wenn er, aus heutiger Sicht, nicht so schlecht ist, wie damals das Lexikon des internationalen Films urteilte: „Ein zynischer Actionfilm mit Glorifizierung brutaler Gewalt, distanzloser Verherrlichung eines Massenmörders und billigster ‚Zehn-kleine-Negerlein-Dramaturgie‘.“

Weltweit gab es ein munteres Fassungswirrwarr. Je nach Land, Verleih und Verwertung wurde munter an dem Werk herumgeschnitten.

Bei uns war „Tony Arzenta“von 1985 bis 2021 indiziert und damit der öffentlichen Aufmerksamkeit entzogen. Es gab danach keine TV-Ausstrahlungen, keine Video- oder DVD-Veröffentlichung und in den Kinos lief der damals über zehn Jahre alte Film selbstverständlich auch nicht mehr. Es gab auch keinen Neustart mit einem anderen Titel. Bei anderen Filmen wurde das damals getan.

Jetzt, nachdem die Indizierung (bzw. genaugenommen die Folgeindizierung von 2010) aufgehoben wurde, gibt es „Tony Arzenta“ in einem Mediabook in der 97-minütigen deutschen Kinofassung und der 112-minütigen internationalen Fassung. Das Bonusmaterial besteht aus einer Bildergalerie mit vielen, einen nostalgisch stimmenden zeitgenössischen Filmplakaten, einem 40-seitigem Booklet mit einem lesenswertem Text von Steffen Wulf und einem Audiokommentar von Leonhard Elias Lemke (u. a. Deadline – Das Filmmagazin). Sein Audiokommentar ist informativ, aber für mein Gefühl zu wenig analytisch und er erzählt zu oft, was gerade im Bild zu sehen ist.

Beim Ansehen des harten Gangsterthrillers fragte ich mich, warum er indiziert wurde. Denn so schlimm ist der Selbstjustizthriller nicht. Früher hätte es auch für die VHS-Auswertung eine FSK-18 getan, heute ist er „frei ab 16 Jahre“ und das ist okay. Ducio Tessari zeichnet eine düstere Welt ohne einen Sympathieträger. Es sind Verbrecher, die sich skrupellos gegenseitig verraten und töten. In dieser Welt ist Arzenta der strahlende Held, weil er weniger Böse als die anderen Figuren ist. Sicher, er ist ein eiskalter Killer, aber er ist auch ein liebender Familienvater, der den Verlust seiner Familie erleiden muss. Er hat Eltern, die er öfter besucht. Er glaubt noch an Loyalitäten. Und er verprügelt keine Frauen. Das tun einige der Verbrecher, die ihn umbringen wollen.

Ducio Tessaris Gangsterfilm ist kein vergessener Klassiker, sondern lediglich ein okayer harter Gangsterthriller für Delon-Fans und Fans italienischer Thriller aus den Siebzigern. Der Poliziottesco erzählt seine einfache Gangster-ermorden-Gangster-Geschichte relativ flott und mit zahlreichen Actionszenen.

Als der Thriller 1973 seine Premiere feierte, war Alain Delon ein Star. In Deutschland hatte er spätestens nach seiner Beziehung zu „Sissi“ Romy Schneider einen schweren Stand. Die Delon-Klassiker, wie „Nur die Sonne war Zeuge“, „Rocco und seine Brüder“, „Der Leopard“, „Die Abenteurer“ und „Der eiskalte Engel“, sind schon älter. Jean-Pierre Melvilles letzter Film „Der Chef“ lief gerade in den Kinos. In den folgenden Jahren drehte Delon mit bekannten Regisseuren und Schauspielern als an der Kinokasse zugkräftiger Kinostar weitere Filme. Die waren kommerzieller, mal weniger kommerziell ausgerichtet. Es waren auch gute und heute noch bekannte Filme dabei, wie José Giovannis „Endstation Schafott“ (mit Jean Gabin) oder Joseph Loseys „Mr. Klein“. Aber ein richtiger Klassiker ist keiner dieser Filme. Seine bekannteren Filme aus dieser Zeit bedienten zunehmend rechte Thrillerfantasien.

Ab Mitte der achtziger Jahre zog Delon sich zunehmend ins Privatleben zurück. Zu seinen wenigen späteren, bemerkenswerten Filmauftritten gehören Volker Schlöndorffs Marcel-Proust-Verfilmung „Eine Liebe von Swann“ (mit Delon als homosexuellem Baran) und Jean-Luc Godards „Nouvelle Vague“ und, auch wenn sie inzwischen fast vergessen ist, die auf den sehr empfehlenswerten Romanen von Jean-Claude Izzo basierende TV-Miniserie „Fabio Montale“. Sowieso lohnt sich bei den Delon-Filmen meistens die Lektüre des dem Film zugrunde liegenden Romans. So sind die Romane von Jean-Patrick Manchette besser als die Verfilmungen. Aber das ist ein anderes Thema.

Tony Arzenta – Tödlicher Hass (Tony Arzenta e Big Guns/Les grands fusils, Italien/Frankreich 1973)

Regie: Duccio Tessari

Drehbuch: Ugo Liberatore, Franco Verucci, Roberto Gandus (nach einer Geschichte von Franco Verucci)

mit Alain Delon, Richard Conte, Carla Gravina, Marc Porel, Roger Hanin, Nicoletta Machiavelli, Guido Alberti, Lino Troisi, Anton Diffring, Silvano Tranquilli, Corrado Gaipa, Giancarlo Sbragia, Umberto Orsini

deutscher Kinotitel: Tödlicher Hass

Blu-ray

explosive media/Koch Media

Bild: 1,85:1 (1080p)

Ton: Deutsch, Italienisch, Englisch (DTS HD Master Audio 2.0)

Untertitel: Deutsch, Italienisch, Englisch

Bonusmaterial: Booklet, Bildergalerie, Kino-Trailer, Audiokommentar

Länge: 112 Minuten (indernationale Fassung)/97 (deutsche Fassung)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Tony Arzenta“

Rotten Tomatoes über „Tony Arzenta“

Wikipedia über „Tony Arzenta“ (deutsch, englisch, französisch, italienisch)

Schnittberichte vergleicht die deutsche mit der internationalen Fassung


Neu im Kino/Filmkritik: Wes Anderson inszeniert einige Reportagen aus dem „The French Dispatch“

Oktober 22, 2021

Kurz gesagt: der neue Film von Wes Anderson ist der neue Film von Wes Anderson und er hat alles das, was man von einem Wes-Anderson-Film erwartet.

Damit hätten wir die Frage, ob der Film sehenswert ist, oder nicht, geklärt.

Jedenfalls für die Menschen, die seit Ewigkeiten auf „The French Dispatch“, Andersons Liebesklärung an „The New Yorker“, warteten, die Covid-bedingten Startterminverschiebungen geduldig ertrugen, immer auf einen Kinostart hofften (begleitet von zahlreichen Gebeten) und die sich selbstverständlich an seine vorherigen Filme erinnern. Seit seinem dritten Film „The Royal Tenenbaums“ produziert der Autorenfilmer auch seine Werke, die, bei allen Unterschieden, immer einen unverkennbaren Stil haben. Das gilt für seine starbesetzten Realfilme, wie „The Darjeeling Limited“, „Moonrise Kingdom“ und „The Grand Budapest Hotel“, und für seiine Trickfilme, wie „Fantastic Mr. Fox“ und „Isle of Dogs“. „The French Dispatch“ ist wieder ein Realfilm, wieder mit vielen bekannten Schauspielern und wieder mit zahlreichen Anspielungen. Dieses Mal auf die Welt des französischen Films, Frankreich und den alten Magazinjournalismus.

Der titelgebende „The French Dispatch“, also genaugenommen „The French Dispatch of the Liberty, Kansas Evening Sun‘, ist ein amerikanisches Magazin, das in Frankreich erscheint, immer ein Liebhaberprojekt des Verlegers war und ist. Wenn es zu einem Konflikt zwischen der Länge des journalistischen Textes und den Anzeigen kommt, dann wirft er einige Anzeigen raus. Nachdem der hochgeschätzte Gründer und Verleger Arthur Howitzer, Jr. (Bill Murray) stirbt, stirbt auch das Magazin. In seinem Film blättert Wes Anderson durch die letzte Ausgabe und der so entstandene Film ist dann eine Ansammlung von garantiert erfundenen Reportagen aus der sehr französischen Stadt Ennui-sur-Blasé (erfunden, gedreht wurde in Angoulême) in einer fiktiven Zeitlinie, die immer wie ein französischer Film aus den fünfziger/sechziger Jahren aussieht.

In der ersten und kürzesten Reportage radelt der Reisereporter Herbsaint Sazerac (Owen Wilson) durch die verrufensten Ecken der Stadt und zeigt sie im Wandel der Zeit.

In „Das Beton-Meisterwerk“ schreibt und spricht die Kunstkritikerin J. K. L. Berensen (Tilda Swinton) über den Künstler Moses Rosenthaler (Benicio Del Toro) und sein Werk. Der geistesgestörte, inhaftierte Maler ist ein Genie. Jedenfalls für die Kunstwelt, die ungeduldig auf sein neuestes Werk wartet, das im Gefängnis der Welt präsentiert werden soll. Werk und Ablauf der Präsentation entsprechen dann nicht den Erwartungen einer normalen Vernissage.

Korrekturen eines Manifests“ ist eine Reportage über politikbewegte Studenten und damit auch eine Satire und Hommage an die 68er und die Nouvelle Vague, vor allem natürlich an die in den Sechzigern entstandenen legendären Filme von Jean-Luc Godard. Lucinda Krementz (Frances McDormand) berichtet über die revolutionären Umtriebe der Studierenden und sie hilft Zeffirelli B (Timothée Chalamet), dem charismatischem Anführer der Studenten, entgegen aller journalistischer Ethik, aber befeuert von der Liebe, bei der Formulierung eines Manifests. Oder genauer gesagt: sie redigiert es, während sie gemeinsam im Bett und Bad sind.

Das private Speisezimmer des Polizeichefs“ ist die sich in jedem gutem Magazin befindende Kriminalgeschichte. In dieser ziemlich noiren Reportage erzählt Roebuck Wright (Jeffrey Wright), der eigentlich nur ein Porträt über den Koch des Kommissars von Ennui-sur-Blasé schreiben wollte, von der Entführung des Sohnes des Kommissars und sich daraus ergebenden Verwicklungen.

Gerahmt werden diese Reportagen von einem Blick in die Redaktionsräume des „French Dispatch“, eines Magazins, das es heute so nicht mehr gibt und auch so wahrscheinlich niemals gab, aber in dem alle eine große, seltsame Familie waren.

Alle Geschichten sind starbesetzte Liebeserklärungen an Frankreich, das französische Kino, das Kino und das Erzählen von Geschichten aus sicherer ironischer Distanz. Die Episodenstruktur, die natürlich dem Blättern in einem Magazin entspricht, verhindert eine traditionelle Spannungsdramaturgie. Aber die interessierte Wes Anderson noch nie. Ihn interessierte immer das verspielte Spielen mit Versatzstücken, Brechungen und Anspielungen in seinem ganz eigenem Kosmos.

The French Dispatch“ ist ganz großes und großartiges Kino für den kulturinteressierten Bürger, Cineast und, weil wir dieses Mal in einem aus Filmen sehr vertrautem Nachkriegsfrankreich sind, Bourgeois.

The French Dispatch (The French Dispatch, USA/Deutschland 2021)

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson (nach einer Originalgeschichte von Wes Anderson, Roman Coppola, Hugo Guiness und Jason Schwartzman)

mit Benicio Del Toro, Adrien Brody, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Frances McDormand, Timothée Chalamet, Lyna Khoudri, Jeffrey Wright, Mathieu Amalric, Stephen Park, Bill Murray, Owen Wilson, Christoph Waltz, Edward Norton, Jason Schwartzman, Liev Schreiber, Elisabeth Moss, Willem Dafoe, Lois Smith, Saoirse Ronan, Cécile de France, Guillaume Gallienne, Tony Revolori, Rupert Friend, Henry Winkler, Bob Balaban, Hippolyte Girardot, Anjelica Huston (Erzählerin)

(Ich empfehle im Kino ausdrücklich den Verzicht auf etwaige Trinkspiele.)

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „The French Dispatch“

Moviepilot über „The French Dispatch“

Metacritic über „The French Dispatch“

Rotten Tomatoes über „The French Dispatch“

Wikipedia über „The French Dispatch“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wes Andersons „The Grand Budapest Hotel“ (The Grand Budapest Hotel, USA/Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Wes Andersons „Isle of Dogs – Ataris Reise“ (Isle of Dogs, USA 2018)


R. i. P. Jean-Paul Belmondo

September 7, 2021

Jean-Paul Belmondo (9. April 1933, Neuilly-sur-Seine – 6. September 2021, Paris)

Bebel, wie er genannt wurde, ist tot.

Über seine Biographie und damit auch über sein Leben schrieb ich:

Wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag am 9. April erschien bei Heyne die deutsche Übersetzung von ‚Bebel‘ Jean-Paul Belmondos Autobiographie „Meine tausend Leben“.

Auf etwas über dreihundert Seiten lässt der 1933 in dem Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geborene Schauspieler sein Leben Revue passieren. Vor seinem Durchbruch 1960 als Hauptdarsteller in Jean-Luc Godards Klassiker „Außer Atem“ (darüber erzählt Belmondo ab Seite 155) arbeitete er vor allem am Theater. Danach, in den Sechzigern spielte er in etlichen künstlerisch wertvollen Filmen und Klassikern, wie „Eva und der Priester“, „Der Teufel mit der weißen Weste“, „Elf Uhr nachts“, „Der Dieb von Paris“ und „Das Geheimnis der falschen Braut“ mit.

In den Siebzigern (so ab Seite 262) verlegte er sich dann, aus finanzieller Sicht, sehr erfolgreich auf Actionfilme, wie „Angst über der Stadt“ und Komödien, wie „Ein irrer Typ“, in denen er seine Stunts selbst ausführte. Die Kritiker waren von seinen Filmen nicht mehr so wahnsinnig begeistert und Belmondo kümmerte sich nicht mehr um die Kritiker, weil er Filme für die breite Masse machte. In den Achtzigern wurden die Filme, wie „Das As der Asse“ und „Der Profi 2“, platter. Er wurde auch langsam zu alt, um die Stunts noch selbst auszuführen. Über seine Filmkarriere erzählt er in dem auch schon aus älteren Interviews bekanntem Duktus, dass der kommerzielle Erfolg eines Filmes auch ein Qualitätsmerkmal sei. Eine Reflexion darüber erfolgt nicht. Er nimmt auch keine Neubewertung seines damaligen Schaffens vor oder beschäftigt sich intellektuell mit seinem Werk, für das er auch als Produzent verantwortlich war und das vor allem und oft nur das Publikum unterhalten wollte. Es gibt ab und an kleine Anekdoten von den Dreharbeiten, die ihm immer dann besonders gut gefielen, wenn er mit Freunden zusammenarbeiten konnte und ‚viele sportliche Szenen absolvieren‘ konnte. Über sein Privatleben, seine beiden Ehefrauen, seine Partnerinnen, seine Kinder und seinen Schlaganfall 2001, erfährt man dagegen fast nichts.

Ende der Achtziger zog er sich fast vollständig aus dem Filmgeschäft zurück. Die wenigen Filme, in denen er seitdem mitspielte, kamen auch nicht mehr in unsere Kinos. Ab 1987 trat er dann wieder öfter im Theater auf.

Jean-Paul Belmondo: Meine tausend Leben – Die Autobiographie

(unter Mitarbeit von Paul Belmondo und Sophie Blandinières)

(übersetzt von Pauline Kurbasik und Dr. Bettina Seifried)

Heyne, 2018

320 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Mille Vies Valent Mieux Qu’une

Librairie Arthème Fayard, Paris, 2016


Einmal Filmgeschichte bitte. Komplett und mit allem!

Juni 12, 2021

Der jüngst erschienene, lang erwartete und lang angekündigte dritte Teil der „Einführung in die Filmgeschichte“ ist jetzt doch nicht der Abschluss. Denn es ist schon ein vierter Teil angekündigt, der sich mit dem „Kino der Gegenwart“ (so der aktuelle Buchtitel) beschäftigt und die Jahre zwischen den späten neunziger Jahren und, nun, ich sage mal dem ersten Post-Pandemie-Jahr abdeckt.

Wie alles begann wird in dem numerisch erstem Band (es handelt sich um den chronologisch zuletzt erschienenen Band) „Von den Anfängen des Films bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs“ geschildert.

Neben erwartbaren Texten zum Weimarer Kino, zum Nazi-Kino, zu Hollywood, u. a. über David Ward Griffith, Alan Croslands „The Jazz Singer“ (dem ersten Tonfilm) und zum frühen Film Noir, gibt es auch Texte zum französischen, russischen, skandinavischen und japanischem Stummfilm.

In „Vom Neorealismus zu den neuen Wellen – Filmische Erneuerungsbewegungen 1945 – 1968“ geht es um die Phase des Kinos, die für viele heute noch tätige und einflussreiche Regisseure und Filmkritiker stilprägend war.

Es ist die die Zeit des Film Noir (seine stilprägende Hochphase), des Neorealismus, der französischen Nouvelle Vague, des Jungen Deutschen Films (der sich von Opas Kino und Alpträumen wie „Schwarzwaldmädel“ emanzipieren wollte) und des filmischen Aufbruchs im Ostblock. Es ist auch die Zeit, in der James Bond seine ersten Kinoabenteuer erlebte – und die hier ebenfalls behandelt werden. Verbunden mit der Frage, warum ein ‚Relikt des Kalten Krieges‘ heute immer noch so beliebt ist.

Im dritten Band „New Hollywood bis Dogma 95“ geht es dann um das Kino nach „1968“. Auch hier gibt es die Mischung aus erwartbaren und überraschenderen Themen. Selbstverständlich wird sich mit New Hollywood, dem Neuen Deutschen Film, dem New British Cinema, dem jungen französischem Kino, dem US-Independent-Kino und, wie schon der Titel verrät, Dogma 95 beschäftigt. Es geht auch, ebenso selbstverständlich, um das politische, das feministische und das schwullesbische Kino. Das waren damals sehr wichtige Diskurse. Überraschender sind dagegen die Texte zu Bollywood, dem schwarzafrikanischem und dem lateinamerikanischem Kino. Dieses Kino ist, nach einer Hochphase, inzwischen fast vollkommen aus der öffentlichen Wahrnahme verschwunden. Gerade das macht diese Texte so lohnenswert,

Alle drei Bücher sind gleich aufgebaut. Sie basieren auf der Vorlesungsreihe „Einführung in die Filmgeschichte“, die seit Mitte der Neunziger im Studiengang Filmwissenschaft an der Universität Zürich den Studierenden als Teil des Grundstudiums angeboten wird. Die Bücher richten sich dementsprechend an Studierende, die eine Einführung in die Filmgeschichte benötigen, an filmhistorisch Interessierte, die einen knappen Überblick brauchen und Cineasten, die eine Mischung aus Auffrischung bekannten Wissens und Hinweisen auf gute Filme, die sie noch nicht gesehen haben, brauchen.

Vom Aufbau her ist die Sammlung von Aufsätzen mit einem Lexikon vergleichbar. Das liest auch niemand in einem Rutsch von der ersten bis zur letzten Seite durch, sondern es wird herumgeblättert, gelesen, geblättert und wieder gelesen.

Wer nicht nur Lesen möchte, kann die Komplettausgabe des Lexikons kaufen (oder sich schenken lassen). Sie enthält neben den drei Büchern die sieben DVDs umfassende DVD-Box „Filmgeschichte weltweit“. Sie enthält die sechzehn Filme, die die BBC zum hundertsten Geburtstag des Kinos bei bekannten Regisseuren, wie Martin Scorsese, Jean-Luc Godard und Edgar Reitz, in Auftrag gab. Das sind dann zusätzlich zu den Büchern zwanzig Stunden Filmgeschichte.

Thomas Christen (Hrsg.): Von den Anfängen des Films bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges – Der internationale Film von 1895 bis 1945 (Einführung in die Filmgeschichte 1)

Schüren, 2020

432 Seiten

38 Euro

Thomas Christen (Hrsg): Vom Neorealismus zu den neuen Wellen – Filmische Erneuerungsbewegungen 1945 – 1968 (Einführung in die Filmgeschichte 2)

Schüren, 2016

520 Seiten

38 Euro

Thomas Christen, Robert Blanchet (Hrsg.): New Hollywood bis Dogma 95 (Einführung in die Filmgeschichte 3)

(2. Auflage mit aktualisierten Bibliografien und Filmografien)

Schüren, 2016

520 Seiten

38 Euro

Hinweise

Schüren über die „Einführung in die Filmgeschichte“

absolut medien über die „Filmgeschichte weltweit“


Das „Filmjahr 2020/2021“ mit dem Lexikon des internationalen Films analysiert

April 16, 2021

2020 war für die Filmbranche eine Katastrophe. Mit 1,8 Millionen Zuschauer war „Bad Boys for Life“ der erfolgreichste Film des Jahres. „Tenet“ folgt mit 1,6 Millionen auf dem zweiten Platz. 2019 sah es anders aus. Auf dem ersten Platz stand „Die Eiskönigin II“ mit 6,4 Millionen Zuschauern. Auf den nächsten Plätzen stehen „Der König der Löwen“ (5,5 Millionen), „Avengers – Endgame“ (5,1 Millionen), „Das perfekte Geheimnis“ (5 Millionen) und „Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers“ (4,96 Millionen). Der Umsatz brach um über sechzig Prozent ein. Angesichts der wenigen Monate, in denen die Kinos ohne Beschränkungen auf waren (eigentlich nur bis Mitte März) und den teils großen Beschränkungen in den wenigen Öffnungsmonaten im Sommer und Frühherbst, hätte ich mit einem größeren Einbruch gerechnet. Für dieses Jahr sehe ich allerdings ziemlich schwarz. Vor dem Sommer dürfte es keine Öffnungen geben. Im Sommer wird in den Kinos vielleicht ein Notprogramm gefahren und es gibt Sommerkinos. Im Herbst dürfte es dann besser werden.

Für Filmfans war das letzte Jahr ähnlich schlecht. Die Zahl der im Lexikon besprochenen Fime hat sich zwischen den Filmjahren 2019 und 2020 kaum geändert. Es sind jeweils um die 1400 Filme. Besprochen werden Spielfilme, spielfilmlange TV-Filme (wozu auch der „Tatort“ gehört), TV-Serien und spielfilmlange Dokumentarfilme, die 2019 in Deutschland anliefen. Allerdings nur selten im Kino, wo ein Film seine maximale Wirkung entfalten kann. Meistens erlebten die Werke ihre Premiere auf DVD, im Fernsehen und auf verschiedenen Streaming-Plattformen, die dann nicht für alle zugänglich sind.

Diese Kurzbesprechungen sind natürlich immer noch das Herzstück des vom Filmdienst und der Katholischen Filmkommission für Deutschland herausgegebenem „Lexikons des internationalen Films“.

Ab dem vorletzten Filmlexikon wurde der Berichtsteil des Filmjahrs massiv ausgebaut. Während es sich früher um einige Seiten handelt, umfasst der Berichtsteil jetzt über zweihundert Seiten des 544-seitigen Buches.

In ihm gibt es Interviews mit Moritz Bleibtreu, Julia von Heinz, Burhan Qurbani, Sam Mandes, Ken Loach und Ladj Ly, Porträts von Filmschaffenden wie Jean-Luc Godard, Ben Wheatley, Wim Wenders, Clint Eastwood und Ruben Östlund, längere Nachrufe auf, u. a. Sean Connery, Olivia de Havilland, Kirk Douglas und Michael Gwisdek, Analysen zur Filmbranche und bestimmter Themen und Motive, wie dem Verräter im Film und wie er sich zum geschätzten Whistleblower wandelte, dem New Black Cinema und dem Road Movie (Reden wir von Film als Flucht aus der tristen Realität.) und einem konzentriertem Rückblick auf wichtige Ereignisse des zurückliegenden Filmjahres.

Es gibt, ebenfalls wie in den letzten Jahren (Hey, warum soll eine gute Struktur geändert werden?), längere Besprechungen von fünfzehn bemerkenswerten Serien und den zwanzig besten Kinofilmen des Jahres 2020. Das sind, nach Meinung der filmdienst-Kritiker:innen:

Der schwarze Diamant

Bohnenstange

I’m thinking of ending things

Die Wütenden – Les Misérables

Undine

Berlin Alexanderplatz

Niemals selten manchmal immer

Little Women

Der See der wilden Gänse

Tenet

Kajillionaire

Ein verborgenes Leben

Zombi Child

Monos – Zwischen Himmel und Hölle

Il Traditore – Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra

Über die Unendlichkeit

The King of Staten Island

What you gonna do when the world’s on fire?

Milla meets Moses

Ema

Auch wenn ich nicht alle Filme gesehen habe und mir einige Filme nicht so gefallen haben, ist das eine in jedem Fall überzeugende Liste sehenswerter Filme für die nächsten Abende im Heimkino.

Und das Lexikon selbst ist ebenso empfehlenswert. Als jährlich erscheinendes Lexikon bündelt es noch einmal die Ereignisse eines Jahres und zeigt Entwicklungen und Perspektiven auf, die sonst im Alltagsgewusel und einer unüberschaubaren Zahl verschieden schlecht sortierter Lesezeichen und Ordner untergehen.

Außerdem liefert das Blättern durch die gewohnt treffenden Kurzkritiken viele Anregungen für noch nicht gesehene Filme.

P. S.: Schönes Cover. Kristen Stewart als Jean Seberg. Könnte auch ein Plakat für meine Wohnzimmerwand sein.

Filmdienst.de/Katholische Filmkommission für Deutschland (Redaktion: Jörg Gerle, Felicitas Kleiner, Josef Lederle, Marius Nobach): Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2020/2021

Schüren, 2021

544 Seiten

28,00 Euro

Hinweise

Homepage der Zeitschrift „Filmdienst“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung von “Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2010″

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2011“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2013“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2014“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2015“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2016“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2017“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2019/2020“


TV-Tipp für den 3. Dezember: Die Verachtung

Dezember 2, 2020

Alles Gute zum Geburtstag, Jean-Luc Godard!

RBB, 00.45

Die Verachtung (Le Mépris, Frankreich/Italien 1963)

Regie: Jean-Luc Godard

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Alberto Morovia: Il Desprezzo, 1954 (Die Verachtung)

Drehbuchautor Paul soll das Drehbuch für einen Film über die Abenteuer von Odysseus auf der Insel Capri schreiben. Dort sind, neben Paul, seine wunderschöne Frau, der Produzent, der ein Auge auf Pauls Frau Camille geworfen hat, und der Regisseur. Camille, die an Pauls Liebe zweifelt, beginnt ihn zunehmend zu verachten.

Godards anspielungs- und zitatenreiche Satire auf das Filmbusiness, gedreht mit viel Geld, Brigitte Bardot und Fritz Lang als Regisseur.

mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll, Jean-Luc Godard, Raoul Coutard

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Verachtung“

Wikipedia über „Die Verachtung“ (deutschenglisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (À bout de souffle, Frankreich 1960)

Jean-Luc Godard und Fritz Lang in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Jean Seberg – Against all Enemies“ ins Kino

September 16, 2020

Monate später als geplant richtet Kristen Stewart ihren Zeige- und Mittelfinger im Kino auf das Publikum. Sie spielt in „Jean Seberg – Against all Enemies“ die titelgebende Jean Seberg.

Cineasten kennen Seberg vor allem aus der Rolle, die sie 1960 zum Star machte. In „Außer Atem“ spielt sie die in Paris lebende, Zeitungen verkaufende Studentin Patricia, die sich in den Kleinkriminellen Michel Poiccard verliebt. Der hat während einer Verkehrskontrolle einen Polizisten erschossen und ist jetzt auf der Flucht. Der stilistisch einflussreiche Krimi markiert auch den Beginn der Karrieren ihres Filmpartners Jean-Paul Belmondo und des Regisseurs Jean-Luc Godard. Außerdem ist „Außer Atem“ einer der essenziellen Nouvelle-Vague-Filme, ein Kultfilm und ein Klassiker. Danach war Seberg, die Frau mit der damals vollkommen unweiblichen Kurzhaarfrisur, ein Star. In den nächsten Jahren spielte sie in einigen prestigeträchtigen und auch Big-Budget-Produktionen mit. Aber letztendlich und rückblickend gelang es ihr nicht, an den Erfolg von „Außer Atem“ anzuknüpfen.

Benedict Andrews‘ Biopic „Jean Seberg – Against all Enemies“ beginnt im Mai 1968 in Paris. Die in Frankreich lebende Seberg ist seit 1962 mit dem Schriftsteller Romain Gary verheiratet, gemeinsam haben sie einen Sohn und jetzt möchte sie wieder als Schauspielerin arbeiten.

Auf dem Flug in die USA lernt sie Hakim Jamal kennen. Die blonde Hollywood-Schauspielerin ist von dem afroamerikanischen Polit-Aktivisten, der sich wie ein Popstar durch das Flugzeug bewegt, fasziniert. Sie will ihn näher kennen lernen. In den USA organisiert sie Spendenpartys. Außerdem beginnt sie mit dem ebenfalls verheirateten Aktivisten eine Affäre – und wird dabei vom FBI auf Schritt und Tritt beobachtet.

Die Beobachtung ist Teil der hochgradig illegalen Operation COINTELPRO, in der das FBI Schmutz gegen vermeintliche Staatsfeinde, wie die Black-Panther-Sympathisantin Seberg, sammelt.

Jean Seberg – Against all Enemies“ hat also alles, was ein Film braucht: eine in mehrfacher Hinsicht skandalträchtige wahre Geschichte, Stars (Kristen Stewart als Jean Seberg, Anthony Mackie als Hakim Jamal, Yvan Attal als Romain Gary, Zazie Beetz als Jamals Frau, Jack O’Connell und Vince Vaughn als FBI-Agenten) , Glamour, 60er-Jahre-Zeitkolorit, Revolution und Pop.

Und dann scheitert das Biopic an seiner eigenen Mutlosigkeit. Die ersten an Jean-Luc Godard erinnernden Minuten, zeigen, was für ein Film hätte entstehen können. Ein Pop-Pamphlet, das an den Stil der sechziger Jahre anknüpft, zugleich spielerisch und strukturiert ist, auf mehreren Ebenen herausfordert und zum Nachdenken anregt.

Diese Experimentierfreude erschöpft sich schon nach wenigen Minuten. Danach folgt Benedict Andrews („Una und Ray“) brav den Konventionen. Er verfolgt Seberg, wenn sie sich mit Jamal trifft und für die Black-Power-Bewegung engagiert. Gleichzeitig erzählt er von einem jungen, stockbürgerlichen, verheirateten Vater und FBI-Agenten, der Seberg beobachtet und abhört. Während seiner Arbeit beginnt dieser Ermittler, eine erfundene Figur, seine Meinung über die ‚Terroristin‘ Seberg zu ändern.

Am Ende kriegen wir statt experimentierfreudigem Godard und politaktivistischem Popkino biederes Besinnungskino über einen FBI-Agenten mit Gewissensbissen.

Das sieht mit Nostalgie-Bonus hübsch aus und Kristen Stewart überzeugt als durch die Überwachung und die Schmutzkampagne des FBI zunehmend psychisch lädierte Jean Seberg. Insgesamt ist der Film aber zu mutlos um nachhaltig zu beeindrucken.

Jean Seberg – Against all Enemies (Seberg, USA 2019)

Regie: Benedict Andrews

Drehbuch: Joe Shrapnel, Anna Waterhouse

mit Kristen Stewart, Jack O’Connell, Margaret Qualley, Zazie Beetz, Yvan Attal, Stephen Root, Colm Meaney, Anthony Mackie, Vince Vaughn

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Metacritic über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Rotten Tomatoes über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Wikipedia über „Jean Seberg – Against all Enemies“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Mai: Außer Atem

Mai 11, 2020

Servus TV, 22.00

Außer Atem (À bout de souffle, Frankreich 1960)

Regie: Jean-Luc Godard

Drehbuch: Jean-Luc Godard (nach einem Szenario von François Truffaut)

Buch zum Film: Claude Francolin: À bout de souffle, 1960 (Außer Atem)

Kleinganove Michel erschießt einen Polizisten und flieht nach Paris zur us-amerikanischen Studentin Patricia.

Ein Klassiker der Nouvelle Vague und ein zeitloser Kultfilm.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung des Films.

mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Daniel Boulanger, Jean-Pierre Melville, Henri-Jacques Huet, Van Dode, Jean-Luc Godard, Roger Hanin

Wiederholung: Mittwoch, 13. Mai, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Außer Atem“

Wikipedia über „Außer Atem“ (deutsch, englisch, französisch) und über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

Filmzentrale mit mehreren Besprechungen über „Außer Atem“: Behrens, Kreimeier, Richter

Die Zeit (Katja Nicodemus) redet mit Jean-Luc Godard: „Kino heißt streiten“ (November 2007)

Kriminalakte gratuliert Jean-Luc Godard zum Geburtstag (3. Dezember 2010)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (À bout de souffle, Frankreich 1960)

Jean-Luc Godard in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. April: Bildbuch

April 23, 2019

Arte, 23.15

Bildbuch (Le livre d’image, Schweiz/Frankreich 2018)

Regie: Jean-Luc Godard

Drehbuch: Jean-Luc Godard

Godards neuester Filmessay, der Anfang April sogar in einigen deutschen Kinos gezeigt wurde. Stilistisch unterscheidet sich die wilde, scheinbar (?) frei assoziierende Collage von Filmausschnitten und philosophischen Gedanken nicht von seinen vorherigen Filmen. Das Publikum bleibt überschaubar.

Jean-Luc Godard setzt mit seinem neuesten Film sein sich alle Freiheiten nehmendes Spätwerk fort. Ein rauschhafter Gedankenfluss, eine assoziative Collage in fünf Kapiteln. Die Sehnsucht nach Freiheit. Die Abgründe der Menschheit. Die Schönheit des Kinos. Zeit und Geschichte, gedehnt und verdichtet.

Mit ‚Bildbuch‘ setzt der inzwischen 88-jährige Jean-Luc Godard die essayistische Arbeit der letzten 20 Jahre fort und macht da weiter, wo ‚Histoire(s) de cinema‘ und ‚Film Socialisme‘ begonnen haben. Es geht um Gewalt und wie sie in Bildern dargestellt wird, um das Verhältnis Europas zur südlichen Hemisphäre, um die Verantwortung der Kunst und des Kinos. Poetisch, melancholisch, universell gültig und gleichzeitig sehr persönlich, ist ‚Bildbuch‘ ein hypnotischer Strom von Bildern, Gedanken und Zitaten.“ (Presseheft)

Bereits um 20.15 Uhr zeigt Arte Godards Debütfilm „Außer Atem“, der Jean-Paul Belmondo zum Star machte und ein neues Kino begründete.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Bildbuch“

Metacritic über „Bildbuch“

Rotten Tomatoes über „Bildbuch“

Wikipedia über „Bildbuch“ (englisch, französisch) und über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

IMDB über Jean-Luc Godard

Kriminalakte gratuliert Jean-Luc Godard zum Geburtstag (3. Dezember 2010)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards “Außer Atem” (À bout de souffle, Frankreich 1959)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Gaspar Noés „Climax“

Dezember 8, 2018

Jede Geschichte habe einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Aber nicht unbedingt in dieser Reihenfolge, sagte Jean-Luc Godard, der große Philosoph des Kinos, einmal.

Gaspar Noé, der große Provokateur des Kinos, nahm für seinen neuen Film „Climax“ Godards Satz wörtlich. Der Film beginnt mit dem Ende und auch der Vorspann ist nicht an der gewohnten Stelle. Aber das sind kleine formale Spielerei in einem Film, der letztendlich strikt chronologisch seine Geschichte erzählt.

1996 feiern 21 junge Tänzer und Tänzerinnen in Frankreich in einer Turnhalle einer schon einige Tage leerstehenden Schule das Ende der aufreibenden Proben. Am nächsten Tag soll die große Tour durch Frankreich und die USA beginnen. Diese Nacht wird gefeiert, getanzt und getrunken. Auch der von der Choreographin für ihre Tänzer und Tänzerinnen gemischte Sangria. Zu spät bemerken sie, dass in der Sangria nicht nur Alkohol, sondern auch etwas anderes ist, das sie vollkommen enthemmt.

Währenddessen legt DJ Daddy trendige Tanzmusik auf und als waschechter Master of Ceremony liefert er der zunächst feiernden und tanzenden, später halluzinierenden und verhexten Masse den passenden Soundtrack für die Hexenmesse, die dem Prinzip der Enthemmung gehorcht.

In seinem neuesten Film „Climax“ verzichtet Gaspar Noé auf ein Drehbuch. Bei den Dialogen dürften die Schauspieler improvisieren. Sie sind sowieso unwichtiger als die langen Tänze, die Enthemmungen, die Stadien der Trance und, nun, all die Dinge, die man auch noch so auf einer Party tut und über die man nachher nicht mit seinen Eltern oder seiner Freundin (wenn sie nicht dabei war) reden will.

Optisch ist das ein einziger Trip, der deutlich vom Horrorfilm der siebziger Jahre, vor allem dem Giallo und stilprägenden Regisseuren wie Dario Argento, inspiriert ist. Nur dass bei Noé die Kamera sich noch enthemmter durch die Räume bewegen kann. Die Leere der chronologisch gedrehten Geschichte kann sie kaum verdecken. Auch weil die Tänzer schnell austauschbare Opfer für die Anbetung eines abwesenden, nicht näher bezeichneten Satans sind. Wer will kann „Climax“ dann als Allegorie auf die Gesellschaft sehen, die angesichts einer nahenden Katastrophe einfach weiterfeiert.

Am Ende ist „Climax“ ein neunzigminütiger, formal beeindruckender, kompromissloser Low-Budget-Videoclip voll HipHop-, Electro- und Techno-Musik der neunziger Jahre, Farben und tanzender junger Menschen. Ein Feelbad-Trip mit höchst rudimentärer Story und pseudo-provozierender Szenen. Ob einem das gefällt, hängt vor allem davon ab, ob einem die Musik gefällt.

Climax (Climax, Frankreich 2018)

Regie: Gaspar Noé

Drehbuch: Gaspar Noé

mit Sofia Boutella, Romain Guillermic, Souheila Yacoub, Kiddy Smile, Claude Gajan Maull, Giselle Palmer, Taylor Kastle, Thea Carla Schott, Sharleen Temple, Lea Vlamos, Alaia Alsafir, Kendall Mugler, Lakdhar Dridi, Adrien Sissoko, Mamadou Bathily, Alou Sibide, Ashley Biscette, Mounia Nassangar, Tiphanie Au, Sarah Belala, Alexandre Moreau, Naab, Straus Serpent, Vince Galliot Cumant

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Climax“

AlloCiné über „Climax“

Metacritic über „Climax“

Rotten Tomatoes über „Climax“

Wikipedia über „Climax“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Gaspar Noés „Love 3D“ (Love, Frankreich/Belgien 2015)


„Die sieben Samurai“ ist der beste nicht englischsprachige Film – sagt die neueste Bestenliste von BBC Culture

November 5, 2018

BBC Culture fragte für ihre neueste Bestenliste über zweihundert Filmkritiker und Experten aus über vierzig Längern nach den hundert besten nicht englischsprachigen Filmen. Die Liste ist natürlich ein Angebot zur Diskussion (Ich meine, wie konnten sie ausgerechnet diese Perle der Filmkunst vergessen?) und zum Ansehen von Spielfilmen, die allein schon aufgrund des Expertenvotums, wichtige, sehenswerte und oft auch einflussreiche Filme sind.

Hier die Liste der Filme mit den englischen Titeln (manchmal identisch mit dem deutschen Titel, manchmal habe ich den deutschen Titel eingefügt, einige Filme wurden hier bereits abgefeiert):

100. Landscape in the Mist (Landschaft im Nebel) (Theo Angelopoulos, 1988)

99. Ashes and Diamonds (Asche und Diamant) (Andrzej Wajda, 1958)

98. In the Heat of the Sun (Jiang Wen, 1994)

97. Taste of Cherry (Abbas Kiarostami, 1997)

96. Shoah (Claude Lanzmann, 1985)

95. Floating Clouds (Mikio Naruse, 1955)

94. Where Is the Friend’s Home? (Abbas Kiarostami, 1987)

93. Raise the Red Lantern (Zhang Yimou, 1991)

92. Scenes from a Marriage (Ingmar Bergman, 1973)

91. Rififi (Jules Dassin, 1955)

90. Hiroshima Mon Amour (Alain Resnais, 1959)

89. Wild Strawberries (Wilde Erdbeeren) (Ingmar Bergman, 1957)

88. The Story of the Last Chrysanthemum (Kenji Mizoguchi, 1939)

87. The Nights of Cabiria (Die Nächte der Cabiria) (Federico Fellini, 1957)

86. La Jetée (Chris Marker, 1962)

85. Umberto D (Vittorio de Sica, 1952)

84. The Discreet Charm of the Bourgeoisie (Der diskrete Charme der Bourgeoisie) (Luis Buñuel, 1972)

83. La Strada (Federico Fellini, 1954)

82. Amélie (Die fabelhafte Welt der Amélie) (Jean-Pierre Jeunet, 2001)

81. Celine and Julie go Boating (Céline und Julie fahren Boot) (Jacques Rivette, 1974)

80. The Young and the Damned (Die Vergessenen) (Luis Buñuel, 1950)

79. Ran (Akira Kurosawa, 1985)

78. Crouching Tiger, Hidden Dragon (Ang Lee, 2000)

77. The Conformist (Der große Irrtum/Der Konformist) (Bernardo Bertolucci, 1970)

76. Y Tu Mamá También (Alfonso Cuarón, 2001)

75. Belle de Jour (Luis Buñuel, 1967)

74. Pierrot Le Fou (Jean-Luc Godard, 1965)

73. Man with a Movie Camera (Dziga Vertov, 1929)

72. Ikiru (Akira Kurosawa, 1952)

71. Happy Together (Wong Kar-wai, 1997)

70. L’Eclisse (Liebe 1962) (Michelangelo Antonioni, 1962)

69. Amour (Michael Haneke, 2012)

68. Ugetsu (Kenji Mizoguchi, 1953)

67. The Exterminating Angel (Luis Buñuel, 1962)

66. Ali: Fear Eats the Soul (Angst essen Seele auf)(Rainer Werner Fassbinder, 1973)

65. Ordet (Carl Theodor Dreyer, 1955)

64. Three Colours: Blue (Drei Farben: Blau) (Krzysztof Kieślowski, 1993)

63. Spring in a Small Town (Fei Mu, 1948)

62. Touki Bouki (Djibril Diop Mambéty, 1973)

61. Sansho the Bailiff (Kenji Mizoguchi, 1954)

60. Contempt (Die Verachtung) (Jean-Luc Godard, 1963)

59. Come and See (Elem Klimov, 1985)

58. The Earrings of Madame de… (Max Ophüls, 1953)

57. Solaris (Andrei Tarkovsky, 1972)

56. Chungking Express (Wong Kar-wai, 1994)

55. Jules and Jim (Jules und Jim) (François Truffaut, 1962)

54. Eat Drink Man Woman (Ang Lee, 1994)

53. Late Spring (Yasujirô Ozu, 1949)

52. Au Hasard Balthazar (Robert Bresson, 1966)

51. The Umbrellas of Cherbourg (Die Regenschirme von Cherbourg) (Jacques Demy, 1964)

50. L’Atalante (Jean Vigo, 1934)

49. Stalker (Andrei Tarkovsky, 1979)

48. Viridiana (Luis Buñuel, 1961)

47. 4 Months, 3 Weeks and 2 Days (Cristian Mungiu, 2007)

46. Children of Paradise (Marcel Carné, 1945)

45. L’Avventura (Die mit der Liebe spielen) (Michelangelo Antonioni, 1960)

44. Cleo from 5 to 7 (Agnès Varda, 1962)

43. Beau Travail (Claire Denis, 1999)

42. City of God (Fernando Meirelles, Kátia Lund, 2002)

41. To Live (Zhang Yimou, 1994)

40. Andrei Rublev (Andrei Tarkovsky, 1966)

39. Close-Up (Abbas Kiarostami, 1990)

38. A Brighter Summer Day (Edward Yang, 1991)

37. Spirited Away (Hayao Miyazaki, 2001)

36. La Grande Illusion (Die große Illusion) (Jean Renoir, 1937)

35. The Leopard (Der Leopard) (Luchino Visconti, 1963)

34. Wings of Desire (Der Himmel über Berlin) (Wim Wenders, 1987)

33. Playtime (Jacques Tati, 1967)

32. All About My Mother (Alles über meine Mutter) (Pedro Almodóvar, 1999)

31. The Lives of Others (Das Leben der anderen) (Florian Henckel von Donnersmarck, 2006)

30. The Seventh Seal (Das siebente Siegel) (Ingmar Bergman, 1957)

29. Oldboy (Park Chan-wook, 2003)

28. Fanny and Alexander (Fanny und Alexander) (Ingmar Bergman, 1982)

27. The Spirit of the Beehive (Victor Erice, 1973)

26. Cinema Paradiso (Giuseppe Tornatore, 1988)

25. Yi Yi (Edward Yang, 2000)

24. Battleship Potemkin (Panzerkreuzer Potemkim) (Sergei M Eisenstein, 1925)

23. The Passion of Joan of Arc (Die Passion der Jungfrau von Orléans) (Carl Theodor Dreyer, 1928)

22. Pan’s Labyrinth (Guillermo del Toro, 2006)

21. A Separation (Nader und Simin – Eine Trennung) (Asghar Farhadi, 2011)

20. The Mirror (Der Spiegel) (Andrei Tarkovsky, 1974)

19. The Battle of Algiers (Schlacht um Algier (Gillo Pontecorvo, 1966)

18. A City of Sadness (Hou Hsiao-hsien, 1989)

17. Aguirre, the Wrath of God (Aguirre, der Zorn Gottes) (Werner Herzog, 1972)

16. Metropolis (Fritz Lang, 1927)

15. Pather Panchali (Satyajit Ray, 1955)

14. Jeanne Dielman, 23 Commerce Quay, 1080 Brussels (Chantal Akerman, 1975)

13. M (Fritz Lang, 1931)

12. Farewell My Concubine (Chen Kaige, 1993)

11. Breathless (Außer Atem) (Jean-Luc Godard, 1960)

10. La Dolce Vita (Federico Fellini, 1960)

9. In the Mood for Love (Wong Kar-wai, 2000)

8. The 400 Blows (Sie küßten und sie schlugen ihn) (François Truffaut, 1959)

7. 8 1/2 (Federico Fellini, 1963)

6. Persona (Ingmar Bergman, 1966)

5. The Rules of the Game (Die Spielregel) (Jean Renoir, 1939)

4. Rashomon (Akira Kurosawa, 1950)

3. Tokyo Story (Yasujirô Ozu, 1953)

2. Bicycle Thieves (Fahrraddiebe) (Vittorio de Sica, 1948)

1. Seven Samurai (Die sieben Samurai) (Akira Kurosawa, 1954)

Insgesamt ist es eine gute Liste, die viele Klassiker und einige in Deutschland ziemlich unbekannte Filme enthält. Ad hoc fällt mir auf, dass „Der letzte Tango in Paris“ fehlt. Und einige deutsche Stummfilme wie „Nosferatu“ und „Der letzte Mann“ (beide von Friedrich Wilhelm Murnau). Aber dafür sind „M“ und „Metropolis“ (beide von Fritz Lang) dabei.

Und jetzt bin ich schon beim herummaulen, anstatt die noch nicht gesehenen Filme der Liste nachzuholen.


TV-Tipp für den 17. März: Angst über der Stadt (+ Buchtipp: Jean-Paul Belmondo: Meine tausend Leben – Die Autobiographie)

März 17, 2018

RBB, 23.50

Angst über der Stadt (Frankreich/Italien 1974, Regie: Henri Verneuil)

Drehbuch: Jean Laborde, Henri Verneuil, Francis Veber

Actionhaltiger, harter Polizeithriller in dem ein Pariser Kommissar, Typ „Dirty Harry“, einen Serienmörder jagt.

Nach dem Genuss von „Matrix“ und „Spider-Man“ wirken die Action-Szenen in „Angst über der Stadt“ zwar bedächtlich, aber Jean-Paul Belmondo ließ sich bei den zahlreichen Verfolgungsjagden, dem Abseilen von einem Hubschrauber und der Kletterei über die Dächer von Paris nicht doubeln. Bei den Schlägereien natürlich auch nicht. Die Story folgt den bekannten Genrekonventionen und Belmondo hatte in seiner ersten Polizistenrolle einen Kassenschlager.

„Angst über der Stadt“ ist „die mythische Dokumentation seiner Konversion von der Seite der Rebellen auf die Seite der Gesetz- und Ordnungsvertreter.“ (Georg Seesslen: Copland)

Mit Jean-Paul Belmondo, Charles Denner, Catherine Morin, Berto Maria Merli, Lea Massari

Hinweise

Wikipedia über “Angst über der Stadt” und über Jean-Paul Belmondo (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards “Außer Atem” (mit Jean-Paul Belmondo in der Hauptrolle)

Jean-Paul Belmondo in der Kriminalakte

Bonushinweis

Wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag am 9. April erschien bei Heyne die deutsche Übersetzung von ‚Bebel‘ Jean-Paul Belmondos Autobiographie „Meine tausend Leben“.

Auf etwas über dreihundert Seiten lässt der 1933 in dem Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geborene Schauspieler sein Leben Revue passieren. Vor seinem Durchbruch 1960 als Hauptdarsteller in Jean-Luc Godards Klassiker „Außer Atem“ (darüber erzählt Belmondo ab Seite 155) arbeitete er vor allem am Theater. Danach, in den Sechzigern spielte er in etlichen künstlerisch wertvollen Filmen und Klassikern, wie „Eva und der Priester“, „Der Teufel mit der weißen Weste“, „Elf Uhr nachts“, „Der Dieb von Paris“ und „Das Geheimnis der falschen Braut“ mit.

In den Siebzigern (so ab Seite 262) verlegte er sich dann, aus finanzieller Sicht, sehr erfolgreich auf Actionfilme, wie „Angst über der Stadt“ und Komödien, wie „Ein irrer Typ“, in denen er seine Stunts selbst ausführte. Die Kritiker waren von seinen Filmen nicht mehr so wahnsinnig begeistert und Belmondo kümmerte sich nicht mehr um die Kritiker, weil er Filme für die breite Masse machte. In den Achtzigern wurden die Filme, wie „Das As der Asse“ und „Der Profi 2“, platter. Er wurde auch langsam zu alt, um die Stunts noch selbst auszuführen. Über seine Filmkarriere erzählt er in dem auch schon aus älteren Interviews bekanntem Duktus, dass der kommerzielle Erfolg eines Filmes auch ein Qualitätsmerkmal sei. Eine Reflexion darüber erfolgt nicht. Er nimmt auch keine Neubewertung seines damaligen Schaffens vor oder beschäftigt sich intellektuell mit seinem Werk, für das er auch als Produzent verantwortlich war und das vor allem und oft nur das Publikum unterhalten wollte. Es gibt ab und an kleine Anekdoten von den Dreharbeiten, die ihm immer dann besonders gut gefielen, wenn er mit Freunden zusammenarbeiten konnte und ‚viele sportliche Szenen absolvieren‘ konnte. Über sein Privatleben, seine beiden Ehefrauen, seine Partnerinnen, seine Kinder und seinen Schlaganfall 2001, erfährt man dagegen fast nichts.

Ende der Achtziger zog er sich fast vollständig aus dem Filmgeschäft zurück. Die wenigen Filme, in denen er seitdem mitspielte, kamen auch nicht mehr in unsere Kinos. Ab 1987 trat er dann wieder öfter im Theater auf.

Jean-Paul Belmondo: Meine tausend Leben – Die Autobiographie

(unter Mitarbeit von Paul Belmondo und Sophie Blandinières)

(übersetzt von Pauline Kurbasik und Dr. Bettina Seifried)

Heyne, 2018

320 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Mille Vies Valent Mieux Qu’une

Librairie Arthème Fayard, Paris, 2016


TV-Tipp für den 8. Januar: Detective

Januar 8, 2018

Arte, 01.20

Detective (Frankreich 1985)

Regie: Jean-Luc Godard

Drehbuch: Jean-Luc Godard, Anne-Marie Miéville (nach einer Story von Alain Sarde und Philippe Setbon)

Ein Hoteldetektiv und ein Polizist wollen herausfinden, wer vor zwei Jahren einen Fürst ermordete. Dafür beobachten sie mit einer Videokamera (damals State of the Art) die Halle des noblen Pariser Hotels Concorde Saint-Lazare. Sie konzentrieren sich immer mehr auf drei Gruppen von Menschen.

Anlässlich des Todes von Johnny Hallyday nahm Arte im Dezember Jean-Luc Godards „Detective“ überraschend ins Programm und zeigt ihn heute Nacht nach einmal. Eine Gelegenheit, die sich kein Cineast entgehen lassen sollte. Denn dieser ‚kommerzielle‘ Film (aus Godards Sicht) ist eine wundervoll verspielte Noir-Dekonstruktion mit Starbesetzung.

1986 lief „Detective“ sogar regulär in deutschen Kinos. Heute werden Godards neueste Werke noch nicht einmal im Fernsehen gezeigt.

Mit Claude Brasseur, Nathalie Baye, Johnny Hallyday, Jean-Pierre Léaud, Laurent Terzieff, Stéphane Ferrara, Alain Cuny, Emmanuelle Seigner

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Detective“

Wikipedia über „Detective“ (englisch, französisch)

Der Film Noir über „Detective“

Wikipedia über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

IMDB über Jean-Luc Godard

Kriminalakte gratuliert Jean-Luc Godard zum Geburtstag (3. Dezember 2010)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards “Außer Atem” (À bout de souffle, Frankreich 1959)

 


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