TV-Tipp für den 23. November: Dame, König, Ass, Spion

November 22, 2022

Arte, 20.15

Dame, König, As, Spion (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Regie: Tomas Alfredson

Drehbuch: Bridget O’Connor, Peter Straughan

LV: John le Carré: Tinker, Tailer, Soldier, Spy, 1974 (Dame, König, As, Spion)

Wer ist der Maulwurf im britischen Geheimdienst? George Smiley sucht den für die Sowjetunion arbeitenden Verräter.

Grandiose Verfilmung des verschachelten Agententhrillers von John le Carré.

mit Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Benedict Cumberbatch, Ciarán Hinds, David Dencik, Simon McBurney, Kathy Burke, Stephen Graham, Svetlana Khodchenkova, John le Carré (Komparse bei der MI6-Silvesterfeier; also genau aufpassen)

Wiederholung: Montag, 28. November, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dame, König, As, Spion“

Wikipedia über die Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

seine Romane

Meine Besprechung von John le Carrés „Schatten von gestern“ (Call for the Dead, 1961)

Meine Besprechung von John le Carrés „Ein Mord erster Klasse“ (A Murder of Quality, 1962)

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung von John le Carrés „Silverview“ (Silverview, 2021)

neuere le-Carré-Verfilmungen

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Mein Nachruf auf John le Carré

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Tomas Alfredsons Jo-Nesbø-Verfilmung „Schneemann“ (The Snowman, USA 2017)


TV-Tipp für den 19. August: Der Schneider von Panama

August 18, 2022

3sat, 22.25

Der Schneider von Panama (The Tailor of Panama, USA/Irland/Großbritannien 2001)

Regie: John Boorman

Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis

LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)

Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.

Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.

Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter, Brendan Gleeson, Martin Ferrero, Mark Margolis, Dylan Baker, Daniel Radcliffe

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schneider von Panama“

Wikipedia über „Der Schneider von Panama“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973 – Kult mit Sean Connery)

Homepage von John le Carré

seine Romane

Meine Besprechung von John le Carrés „Schatten von gestern“ (Call for the Dead, 1961)

Meine Besprechung von John le Carrés „Ein Mord erster Klasse“ (A Murder of Quality, 1962)

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung von John le Carrés „Silverview“ (Silverview, 2021)

neuere le-Carré-Verfilmungen

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Mein Nachruf auf John le Carré

John le Carré in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Juni: A most wanted man

Juni 10, 2022

RBB, 23.30

A most wanted man (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014)

Regie: Anton Corbijn

Drehbuch: Andrew Bovell

LV: John le Carré: A most wanted man, 2008 (Marionetten)

Als der militante Tschetschene und Islamist Issa Karpov in Hamburg auftaucht, ist Geheimagent Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) alarmiert. Mit seinem Team und anderen Geheimdiensten heftet er sich an Karpovs Fersen. Der behauptet, nur ein Flüchtling zu sein.

Sehr gelungene, top besetzte John-le-Carré-Verfilmung und einer der letzten Leinwandauftritte des viel zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman.

Eine kleine Episode aus dem unglamourösen Agentenleben, die in erster Linie ein intellektuelles Vergnügen ist, bei der wir beobachten, wie die Dienste, unter ständiger Berücksichtigung ihrer Eigeninteressen, zusammenarbeiten und im entscheidenden Moment eiskalt ihre Chance nutzen. Da ist der Einzelne, wie man es auch aus den anderen Romanen von John le Carré kennt, nur ein von anderen benutzter Spielball.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Philip Seymour Hoffman, Rachel McAdams, Grigoriy Dobrygin, Willem Dafoe, Robin Wright, Homayoun Ershadi, Nina Hoss, Franz Hartwig, Daniel Brühl, Kostja Ullmann, Vicky Krieps, Rainer Bock, Herbert Grönemeyer, Charlotte Schwab, Martin Wuttke

Hinweise

Moviepilot über „A most wanted man“

Metacritic über „A most wanted man“

Rotten Tomatoes über „A most wanted man“

Wikipedia über „A most wanted man“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Schatten von gestern“ (Call for the Dead, 1961)

Meine Besprechung von John le Carrés „Ein Mord erster Klasse“ (A Murder of Quality, 1962)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten“ (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung von John le Carrés „Silverview“ (Silverview, 2021)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Mein Nachruf auf John le Carré

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Anton Corbijns John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) (DVD-Kritik)

Meine Besprechung von Anton Corbiijns „Life“ (Life, Kanada/Deutschland/Österreich 2015)


Die Krimibestenliste Januar und Februar 2022

Februar 7, 2022

Im Februar stehen auf der von Deutschlandfunk Kultur monatlich präsentierten Krimibestenliste:

1 (9) Denise Mina: „Totstück“

Aus dem Englischen von Karen Gerwig

Ariadne im Argument Verlag, Hamburg 2021

317 Seiten, 23 Euro

2 (1) Colin Niel: „Unter Raubtieren“

Aus dem Französischen von Anne Thomas

Lenos, Basel 2021

404 Seiten, 24 Euro

3 (-) Mike Nicol: „Das Schlupfloch“

Aus dem Englischen von Mechthild Barth

btb, München 2021

524 Seiten, 11 Euro

4 (-) Omar Shahid Hamid: „Verrat“

Aus dem Englischen von Almuth Degener

Draupadi, Heidelberg 2021

328 Seiten, 19,80 Euro

5 (-) Zhou Haohui: „18/4 – Der Hauptmann und der Mörder“

Aus dem Englischen von Julian Haefs

Heyne, München 2022

398 Seiten, 13 Euro

6 (-) Doug Johnstone: „Eingeäschert“

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger

Polar, Stuttgart 2022

423 Seiten, 25 Euro

7 (5) Liz Nugent: „Kleine Grausamkeiten“

Aus dem Englischen von Kathrin Razum

Steidl, Göttingen 2021

400 Seiten, 24 Euro

8 (4) Elizabeth Wetmore: „Wir sind dieser Staub“

Aus dem Englischen von Eva Bonné

Eichborn, Köln 2021

320 Seiten, 22 Euro

9 (-) Candas Jane Dorsey: „Drag Cop“

Aus dem Englischen von Conny Lösch

Suhrkamp, Berlin 2021

361 Seiten, 11 Euro

10 (7) Candice Fox: „606“

Aus dem Englischen von Andrea O’Brien

Suhrkamp, Berlin 2021

467 Seiten, 16,95 Euro

Und, als Nachtrag (weil die Liste nicht mehr automatisch und mit einem eindeutigem Betreff in meinem Postfach landet), die Januar-Bestenliste:

1 (4) Colin Niel: „Unter Raubtieren“

Aus dem Französischen von Anne Thomas

Lenos, Basel 2021

404 Seiten, 24 Euro

2 (6) Attica Locke: „Black Water Rising“

Aus dem Englischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck

Polar, Stuttgart 2021

456 Seiten, 24 Euro

3 (2) Carlo Lucarelli: Der schwärzeste Winter

Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl

Folio, Wien 2021

316 Seiten, 22 Euro

4 (1) Elizabeth Wetmore: „Wir sind dieser Staub“

Aus dem Englischen von Eva Bonné

Eichborn, Köln 2021

320 Seiten, 22 Euro

5 (-) Liz Nugent: „Kleine Grausamkeiten“

Aus dem Englischen von Kathrin Razum

Steidl, Göttingen 2021

400 Seiten, 24 Euro

6 (3) Regina Nössler: Katzbach

Konkursbuch, Tübingen 2021

348 Seiten, 12,90 Euro

7 (-) Candice Fox: „606“

Aus dem Englischen von Andrea O’Brien

Suhrkamp, Berlin 2021

467 Seiten, 16,95 Euro

8 (-) Robert Brack: „Blizzard“

Ellert & Richter, Hamburg 2021

284 Seiten, 12 Euro

9 (-) Denise Mina: „Totstück“

Aus dem Englischen von Karen Gerwig

Ariadne im Argument Verlag, Hamburg 2021

317 Seiten, 23 Euro

10 (5) John le Carré: „Silverview“

Aus dem Englischen von Peter Torberg

Ullstein, Berlin 2021

252 Seiten, 24 Euro


Die Krimibestenliste Dezember 2021

Dezember 12, 2021

Dank aktiver Verdrängung meinerseits etwas später als gewohnt: die Krimibestenliste von Deutschlandfunk Kultur für den Monat mit den längsten Nächten:

1 (4) Elizabeth Wetmore: „Wir sind dieser Staub“

Aus dem Englischen von Eva Bonné

Eichborn, Köln 2021

320 Seiten, 22 Euro

2 (8) Carlo Lucarelli: „Der schwärzeste Winter“

Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl

Folio, Wien 2021

316 Seiten, 22 Euro

3 (5) Regina Nössler: „Katzbach“

Konkursbuch, Tübingen 2021

348 Seiten, 12,90 Euro

4 (-) Colin Niel: „Unter Raubtieren“

Aus dem Französischen von Anne Thomas

Lenos, Basel 2021

404 Seiten, 24 Euro

5 (2) John le Carré: „Silverview“

Aus dem Englischen von Peter Torberg

Ullstein, Berlin 2021

252 Seiten, 24 Euro

6 (-) Attica Locke: „Black Water Rising“

Aus dem US-Amerikanischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck

Polar, Stuttgart 2021

456 Seiten, 24 Euro

7 (1) Garry Disher: „Moder“

Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller

Pulp Master, Berlin 2021

302 Seiten, 14,80 Euro

8 (4) Tana French: „Der Sucher“

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

Scherz, Frankfurt am Main 2021

496 Seiten, 22 Euro

9 (9) Frank Göhre: „Die Stadt, das Geld und der Tod „

CulturBooks, Hamburg 2021

160 Seiten, 15 Euro

10 (10) Ursula Hasler: „Die schiere Wahrheit“

Limmat, Zürich 2021

344 Seiten, 29 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Einiges davon steht auch auf meiner Zu-lesen-Liste. Im Moment bin ich allerdings mit der Neuübersetzung von Raymond Chandlers „Die Lady im See“ (ja, den Klassiker kennen wir im Original oder in der alten Übersetzung), Frank Schmolkes Sebastian-Fitzek-Comicadaption „Der Augensammler“ und Pieke Biermanns Berlin-Quartett (mit vier Krimis, neu herausgegeben, in das Berlin zwischen 1987 und 1997) beschäftigt. Alle drei bis sieben Werke erfüllen nicht die Voraussetzungen, um in die Krimibestenliste aufgenommen zu werden.


Buchbesprechung: John le Carrés letzter Roman: „Silverview“

Dezember 11, 2021

Das ist er also: der neue Roman von John le Carré. Gleichzeitig – er starb vor einem Jahr am 12. Dezember 2020 – ist es sein letzter Roman und natürlich beeinflusst dieses Wissen die Lektüre und die Rezeption. Bei mir kommt noch hinzu, dass ich mich den allgemeinen Jubelarien zu seinen vorherigen Büchern nicht so richtig anschließen konnte. Zu oft hatte ich den Eindruck, dass es in den Besprechungen weniger um sein aktuelles Buch und mehr um seinen Ruf als ‚größter Spionageschriftsteller aller Zeiten‘ ging. Auch „Silverview“ wird allgemein abgefeiert. Und wieder finde ich den Roman nicht so gut. Dabei ist auf den ersten Blick alles drin, was einen le Carré ausmacht. Aber die Story funktioniert nicht. Eigentlich ist es keine Story sondern mehr eine Skizze, bei der fast bis zur letzten Seite unklar ist, was uns le Carré erzählen will.

Im Mittelpunkt stehen drei Männer: Stewart Proctor ist der Chef der Inlandssicherheit. Der Geheimdienstler erhält einen Brief und beschäftigt sich daraufhin mit der Vergangenheit von Edward Avon. Edward war, als er vor Ewigkeiten angeworben wurde und im damals noch bestehendem Ostblock spionierte, ein von seiner Mission überzeugter Geheimagent. Das änderte sich während des Bosnienkrieges. Jetzt lebt er zusammen mit seiner ebenfalls pensionierten Frau Deborah in Silverview, einem Anwesen am Ortsrand eines Küstenstädtchens in East Anglia. Sie war die beste Nahost-Analystin des Geheimdienstes. Sie hat Krebs im Endstadium.

Edward trifft sich öfter mit dem Buchhändler Julian Lawndsley. Der 33-jährige Julian war in London ein erfolgreicher Börsenmakler. Diese Arbeit gab er aus bis nach dem Buchende unbekannten Gründen auf zugunsten des Lebens als schlecht verdienender Buchhändler, der von Büchern keine Ahnung hat. Edward schlägt ihm vor, im Keller seiner Buchhandlung ein besonderes Buchangebot einzurichten. Außerdem ist er, so sagt er, ein Schulfreund von Julians verstorbenem Vater.

Selbstverständlich sind diese beiden Plots – der eine ist Proctors Recherchen in Edward Avons Vergangenheit, der andere ist die beginnende Freundschaft zwischen Edward und Julian – miteinander verknüpft. Aber bis zum Ende laufen sie unverbunden nebeneinander her. Das Ende hinterlässt dann auch einige Fragen.

Le Carré schrieb die Geschichte zwischen 2013 und 2015, war allerdings nicht mit ihr zufrieden und legte sie zur Seite. Sein Sohn Nicholas Cornwell (der unter den Pseudonymen Nick Harkaway und Aidan Truhen Romane veröffentlicht) hat das Manuskript nach dem Tod seines Vaters aus der Schublade geholt und vor der Veröffentlichung um einige wenige Sätze und Absätze ergänzt.

Nach der Lektüre verstehe ich, warum le Carré mit der Geschichte unzufrieden war und sie, so mein Eindruck, nicht fertig schrieb. Der jetzt veröffentlichte Roman wirkt wie ein Fragment, das so wohl niemals für eine Veröffentlchung gedacht war.

Denn die Geschichte funktioniert nicht. Das liegt an ihrer Konstruktion, die lange Zeit beide Handlungsstränge vollkommen unverbunden nebeneinander her laufen lässt. Das liegt an den vielen Lücken, die in einer späteren Fassung geschlossen würden. Dann wüssten wir auch mehr über die Motive der verschiedenen Figuren. In der vorliegenden Fassung sind sie höchstens erahnbar.

Außerdem spielt die Geschichte inzwischen in einer seltsam unbestimmbaren Zeit. Es gibt nämlich keinerlei Hinweise auf das Handlungsjahr. Damit könnte sie, wie le Carrés andere Romane zum Zeitpunkt der Veröffentlichung spielen. Andererseits wirkt vieles so, als würde es in der nahen Vergangenheit spielen. Das betrifft die skizzenhaften Biographien der Figuren und den Umgang mit Computern, der eher zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre zurück in die Vergangenheit verweist. Und auch damals wäre unklar gewesen, welches für England gefährliche Wissen Edward und seine Frau hätten ausplaudern können.

In „Silverview“ wird Edwards Biographie, die an andere le-Carré-Figuren erinnert, auf wenigen Seiten abgehandelt. Dabei hätte sein Leben durchaus die Basis für einen Roman sein können. Der in der Gegenwart spielende Teil, also Edwards Plan, ist nicht mehr als eine hastig auf einen Zettel geschriebene Notiz. Ausformuliert hätte auch das ein guter Spionageroman werden können. Beides hat le Carré in der Vergangenheit schon mehrmals gelungener erzählt. Und so ist le Carrés letzter Roman immer ein Roman, der an seine früheren und besseren Romane erinnert.

John le Carré: Silverview

(übersetzt von Peter Torberg)

Ullstein, 2021

256 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Silverview

Viking, PRH, London, 2021

Hinweise

Bookmarks über „Silverview“

Perlentaucher über „Silverview“

Wikipedia über „Silverview“

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Mein Nachruf auf John le Carré

John le Carré in der Kriminalakte

 


Die Krimibestenliste November 2021

November 7, 2021

Die Dunkelheit kommt früher und bleibt länger. Draußen ist es inzwischen zu kalt für lauschige Biergartenabende. Dafür wird die Zeit, die mit einem gutem Buch im flackernden Licht einer Kerze verbracht werden kann, länger. Deutschlandfunk Kultur gibt in seiner monatlichen Krimibestenliste einige Leseempfehlungen:

1 (1) Garry Disher: „Moder“

Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller

Pulp Master, Berlin 2021

302 Seiten, 14,80 Euro

2 (-) John le Carré: „Silverview“

Aus dem Englischen von Peter Torberg

Ullstein, Berlin 2021

252 Seiten, 24 Euro

3 (4) Tana French: „Der Sucher“

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann

Scherz, Frankfurt am Main 2021

496 Seiten, 22 Euro

4 (-) Elizabeth Wetmore: „Wir sind dieser Staub“

Aus dem Englischen von Eva Bonné

Eichborn, Köln 2021

320 Seiten, 22 Euro

5 (-) Regina Nössler: „Katzbach“

Konkursbuch, Tübingen 2021

348 Seiten, 12,90 Euro

6 (9) Hannelore Cayre: „Reichtum verpflichtet“

Aus dem Französischen von Iris Konopik

Ariadne im Argument Verlag, Hamburg 2021

256 Seiten, 20 Euro

7 (3) Ivy Pochoda: „Diese Frauen“

Aus dem Englischen von Sigrun Arenz

ars vivendi, Cadolzburg 2021

360 Seiten, 23 Euro

8 (-) Carlo Lucarelli: „Der schwärzeste Winter“

Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl

Folio, Wien 2021

316 Seiten, 22 Euro

9 (10) Frank Göhre: „Die Stadt, das Geld und der Tod „

CulturBooks, Hamburg 2021

160 Seiten, 15 Euro

10 (-) Ursula Hasler: „Die schiere Wahrheit“

Limmat, Zürich 2021

344 Seiten, 29 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Und weil Wiederauflagen nicht in die Bestenliste aufgenommen werden dürfen, empfehle ich schnell Robin Detjes Neuübersetzung von Raymond Chandlers Phlip-Marlowe-Privatdetektivroman „Die Lady im See“. Erschienen bei Diogenes für 22 Euro.

Dort erschien auch, für 16 Euro, eine Neuausgabe von Valerie Wilson Wesleys erstem Tamara-Hayle-Privatdetektivkrimi „Ein Engel über deinem Grab“. Der Krimi war für einen Shamus Award nominiert.

Bei Anaconda erschien, für 29,95 Euro, eine hübsche Neuausgabe aller von Arthur Conan Doyle geschriebenen Sherlock-Holmes-Geschichten in drei Bänden. Die alten, zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts entstandenen Übersetzungen wurden durchgesehen und behutsam überarbeitet; einige Geschichten wurden neu übersetzt.

Wer also Lücken in seinem Wissen über die Arbeit von Privatdetektiven schließen möchte, hat hier drei eindeutige Kaufempfehlungen. Außerdem sieht ein Klassiker im Bücherregal immer gut aus.


Neu im Kino/Filmkritiken für den große Neustart: „Godzilla vs. Kong“, „Nomadland“, „Percy“, „Der Spion“, „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“, „Ich bin dein Mensch“, „Possessor“, „Nobody“, „Monster Hunter“

Juli 1, 2021

Einmal schnell – mit der selbstgewählten Option über einige Filme, je nach Zeit, mehr zu schreiben: die Filme, die heute starten. Auf der einen Seite der Skala ein Blockbuster für die große Leinwand („Godzilla vs. Kong“). Auf der anderen Seite der diesjährige Oscar-Gewinner („Nomadland“). Dazwischen ein deutscher Science-Fiction-Film („Ich bin dein Mensch“), Dramen und Action. Denn „Nobody“ verlässt den Raum.

Godzilla vs. Kong“ ist ein Spektakel, das für die große Leinwand gemacht ist. Die Story wurde schon vor dem Schreiben des Drehbuchs weggeworfen zugunsten einiger, teils vollkommen abstruser Szenen, die Schauspieler sind noch nicht einmal unterfordert von den anderthalb verlangten Gesichtsausdrücken, aber wenn dann King Kong und Godzilla sich kloppen und dabei Hongkong zerstören, die Boxen im Kino mit großem Wumms dröhnen, dann, ja, dann bleibt nur die Erkenntnis: KINO IST ZURÜCK! ENDLICH.

Ich gebe zu, dass ich den Film im Zoopalast in Berlins größtem Kinosaal sah, Monster auf einer Monsterleinwand überwältigend sind und es einer der ersten Filme war, die ich nach der monatelangen Pause im Kino sehen konnte. Das alles förderte meine Begeisterung.

Davon abgesehen ist „Godzilla vs. Kong“ ein dummer Sommer-Blockbuster, der genau das sein will und dessen Existenzberechtigung im Titel steht. Godzilla, King Kong und, – ähem, das wäre jetzt ein Spoiler.

Godzilla vs. Kong (Godzilla vs. Kong, USA 2021)

Regie: Adam Wingard

Drehbuch: Eric Pearson, Max Borenstein (nach einer Geschichte von Terry Rossio, Michael Dougherty und Zach Shields)

mit Alexander Skarsgård, Millie Bobby Brown, Rebecca Hall, Brian Tyree Henry, Kyle Chandler, Shun Oguri, Eiza González, Julian Dennison, Demián Bichir

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Godzilla vs. Kong“

Metacritic über „Godzilla vs. Kong“

Rotten Tomatoes über „Godzilla vs. Kong“

Wikipedia über „Godzilla vs. Kong“ (deutsch, englisch)

Nomadland“ ist das Gegenteil. Ein kleines Indie-Drama mit einer gewohnt fantastischen Frances McDormand, die hier die Nomadin Fern spielt.

Nach dem Verlust von Mann, Job und Haus entschloss Fern sich 2011 (also während der Nachwirkungen der Finanzkrise), ihre Sachen zu packen. Seitdem lebt sie in ihrem Wohnwagen, fährt von schlechtbezahltem Job zu schlechbezahltem Job und genießt, wie viele andere Menschen, die Freiheiten des Nomadenlebens.

Chloé Zhao („The Rider“) zeigt quasi-dokumentarisch das Leben dieser Nomaden und ihrer Gemeinschaft. Wieder drehte sie mit Laien, die sich selbst spielen. Und wieder ist da kein falscher Ton zu spüren.

Bei den diesjährigen Oscars wurde ihre Charakterstudie „Nomadland“ als bester Film, für die beste Regie und die beste Hauptrolle ausgezeichnet. Golden Globes gab es als bester Film und für die beste Regie. Um nur die bekanntesten Preise zu nennen. Insgesamt erhielt der Film, laut IMDB, über 230 Preise.

Zhaos karge Charakterstudie ist großes großartiges Kino mit Bildern, die für die große Leinwand komponiert sind. In diesem Fall (und, Ich verspreche!, in den folgenden Zeilen werde ich nicht mehr erwähnen, wo ich die Filme gesehen habe) musste ich den Film am Computer sehen und ich dachte die ganze Zeit nur „ich will den Film im Kino sehen“.

Nomadland (Nomadland, USA 2020)

Regie: Chloé Zhao

Drehbuch: Chloé Zhao

LV: Jessica Bruder: Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century, 2017 (Nomaden der Arbeit, Sachbuch)

mit Frances McDormand, David Strathairn, Linda May, Swankie, Bob Wells

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Nomadland“

Metacritic über „Nomadland“

Rotten Tomatoes über „Nomadland“

Wikipedia über „Nomadland“ (deutsch, englisch)

Percy“ erzählt nah an den Fakten und angenehm altmodisch die Geschichte von Percy Schmeiser. Der Kanadier ist ein Farmer der alten Schule, der die besten Samen der vorherigen Ernte aufbewahrt und nächstes Jahr wieder aussät. Genau so haben Bauern seit Jahrhunderten gearbeitet. Bis Konzerne Firmen wie Monsanto genmanipulierte Saatgut anboten. Diese sind resistent gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel, was für die Bauern natürlich eine Arbeitserleichterung ist. Für Monsanto sind sie ein großes Geschäft. Denn sie haben Patente dafür erworben und die Bauern müssen jedes Jahr bei ihnen neue Samen kaufen. Ein Monokulturen förderndes Riesengeschäft, das von Umwelt- und Dritte-Welt-Bewegungen seit Jahrzehnten kritisiert wird.

Percy hatte damit nichts zu tun, bis Monsanto 1997 auf seinen Feldern Spuren von ihren Samen nachwies und ihn verklagte. Im Gegensatz zu anderen Farmern zog Percy Schmeiser vor Gericht.

Clark Johnson erzählt in seinem Justizdrama „Percy“ jetzt die Geschichte von Percy Schmeiser und seinem Kampf gegen Monsanto nach. Das tut er, indem er sich auf das Drehbuch und die Schauspieler – Christopher Walken als Percy Schmeiser, Zach Braff als sein Anwalt, Christina Ricci als Aktivistin – verlässt. Eine kluge Entscheidung.

Percy (Percy, Kanada 2020)

Regie: Clark Johnson

Drehbuch: Garfield Lindsay Miller, Hilary Pryor

mit Christopher Walken, Christina Ricci, Zach Braff, Luke Kirby, Roberta Maxwell, Adam Beach, Martin Donovan

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Percy“

Metacritic über „Percy“

Rotten Tomatoes über „Percy“

Wikipedia über „Percy

Auch „Der Spion“ beeindruckt nicht durch Spektakel (das hatten wir schon in „Godzilla vs. Kong“), sondern mit seinen Schauspielern. Die Geschichte basiert ebenfalls auf Tatsachen. Jedenfalls soweit man das weiß, wenn es um Geheimagenten und ihre Arbeit geht.

Der britische Geheimdienst MI6 und der amerikanische Geheimdienst CIA engagieren im November 1960 den harmlosen, leicht schmierigen Geschäftsmann Greville Wynne (Benedict Cumberbatch), der immer wieder mit Ostblockstaaten Geschäfte macht. Er soll den Kontakt zu dem hochrangigen Sowjetoffizier Oleg Penkowski (Merab Ninidze) herstellen. Penkowski möchte nämlich den Westmächten geheime Informationen zuspielen.

MI6 und CIA sind sich sicher, dass der KGB keinen Verdacht schöpfen wird, wenn Wynne sich mit Penkowski trifft. Womit sie nicht rechneten, ist, dass die beiden gegensätzlichen Männer sich befreunden. Als Penkowski aufzufliegen droht und der MI6 nichts für ihn unternehmen will, will Wynne seinen Freund retten.

Der Spion“ ist unauffälliges Schauspielerkino mit viel frühsechzigerjahre Patina. Fans des Genres denken bei der Geschichte von Wynne, der über seine Erlebnisse als Spion zwei Bücher mit zweifelhaftem Wahrheitsgehalt schrieb, natürlich sofort an John le Carrés „Das Russland-Haus“ und die grandiose Verfilmung von Fred Schepisi mit Sean Connery.

Das ist nicht schlecht, aber auch nicht unbedingt ein Film, den man sich im Kino ansehen muss.

Der Spion (The Courier, Großbritannien 2020)

Regie: Dominic Cooke

Drehbuch: Tom O’Connor

mit Benedict Cumberbatch, Merab Ninidze, Rachel Brosnahan, Jessie Buckley, Angus Wright, James Schofield, Anton Lesser

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Der Spion“

Metacritic über „Der Spion“

Rotten Tomatoes über „Der Spion“

Wikipedia über „Der Spion“ (deutsch, englisch)

Der neueste Film aus dem „Conjuring“-Universum ist, nach Spin-offs und Vorgeschichten, „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“ und damit ein Film aus der Hauptreihe. Wieder wird ein wahrer Fall der Geisterjäger Ed und Lorraine Warren erzählt. Dieses Mal ist es der Brookfield Demon Murder Case.

Am 16. Februar 1981 ermordet der junge Arne Cheyenne Johnson seinen Freund bestialisch. Sein Verteidiger würde auf irgendeine Form von verminderter Zurechnungsfähigkeit plädieren. Aber die Warrens sind schon vor Ort und sie wissen, dass Johnson von einem besonders fiesem Dämonen besessen ist und genau darauf soll die Verteidigung aufbauen. Die nötigen Beweise wollen sie beschaffen.

Der neueste „Conjuring“-Film läuft für meinen Geschmack zu sehr in den Bahnen eines gewöhnlichen Justizkrimis ab, in dem die tapferen Ermittler während der Verhandlung die Beweise für die Unschuld des Angeklagten suchen und in letzter Sekunde finden. Da ist es wirklich einerlei, ob der Angeklagte unschuldig ist, nicht zurechnungsfähig (beispielsweise wegen Opioid-Gebrauch) oder gerade von einem Dämonen besessen war. Das ist eine Frage der Fakten und der Verteidigungsstrategie.

Weil „Conjuring 3“ ein Horrorfilm ist, interessiert sich Regisseur Michael Chaves weniger für rechtstechnische Details und Verteidigungsstrategien, sondern für Geister, Dämonen und Teufelsaustreibungen mit Hilfe der katholischen Kirche.

James Wan, der Regisseur der vorherigen „Conjuring“-Filme ist dieses Mal nur als Autor und Produzent involviert.

Conjuring 3: Im Bann des Teufels (The Conjuring: The Devil made me do it, USA 2021)

Regie: Michael Chaves

Drehbuch: David Leslie Johnson-McGoldrick (nach einer Geschichte von James Wan und David Leslie Johnson-McGoldrick)

mit Patrick Wilson, Vera Farmiga, Ruairi O’Connor, Sarah Catherine Hook, Julian Hilliard

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“

Metacritic über „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“

Rotten Tomatoes über „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“

Wikipedia über „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“ (deutsch, englisch)

Das „Conjuring“-Universum in der Kriminalakte

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring 2″ (The Conjuring 2, USA 2016)

Meine Besprechung von John R. Leonettis „Annabelle“ (Annabelle, USA 2014)

Meine Besprechung von David F. Sandbergs „Annabelle 2″ (Annabelle: Creation, USA 2017)

Meine Besprechung von Corin Hardys „The Nun“ (The Nun, USA 2018)

Meine Besprechung von Michael Chaves‘ „Lloronas Fluch“ (The Curse of La Llorona, USA 2019)

Meine Besprechung von Gary Daubermans „Annabelle comes home“ (Annabelle comes home, USA 2019)

Mit einer anderen Sorte von Nicht-Mensch muss Alma sich in „Ich bin dein Mensch“ auseinandersetzen.

Alma soll für drei Wochen einen menschenähnlichen Roboter testen und danach ein Gutachten schreiben. Es geht um die Frage, ob Ehen zwischen Mensch und Maschine erlaubt werden sollen. Dafür wird ihr Tom zugeteilt. Er wurde extra für sie konfiguriert, nachdem in umfangreichen Test Almas Wünsche und Sehnsüchte erforscht wurden. Der Android ist dann auch das Inbild eines Traummanns: gutaussehend, höflich, umsorgend, perfekt im Haushalt und allwissend. Nur seine Bewegungen, Mimik und, selten, Sprachrhythmus verraten, dass Tom kein Mensch ist.

In ihrem neuen Film „Ich bin dein Mensch“ beschäftigt Maria Schrader („Vor der Morgenröte“) sich mit der Frage, was Androiden von Menschen unterscheidet, was Gefühle sind und damit auch und vor allem, was das Menschsein und die menschliche Gesellschaft ausmacht. Das erzählt sie mit Hilfe eines immer wieder überraschend humorvollen Drehbuchs, guten Schauspielern und einer eleganten Kamera und Bildgestaltung (Benedict Neuenfels).

Ich bin dein Mensch“ ist ein feiner, auf der Berlinale abgefeierter, zum Nachdenken anregender Film und einer der besten deutschen Filme des Jahres.

Maren Eggert erhielt einen Silbernen Bären für ihre schauspielerische Leistung.

Ich bin dein Mensch (Deutschland 2021)

Regie: Maria Schrader

Drehbuch: Jan Schomburg, Maria Schrader

LV: Emma Braslavsky: Ich bin dein Mensch, 2019 (Kurzgeschichte, in „2029 – Geschichten von Morgen“)

mit Maren Eggert, Dan Stevens, Sandra Hüller, Hans Löw, Wolfgang Hübsch, Annika Meier, Falilou Seck, Jürgen Tarrach, Henriette Richter-Röhl, Monika Oschek

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Ich bin dein Mensch“

Moviepilot über „Ich bin dein Mensch“

Rotten Tomatoes über „Ich bin dein Mensch“

Wikipedia über „Ich bin dein Mensch“ (deutsch, englisch)

‚Wie der Vater, so der Sohn‘ ist ein dummer Spruch, der in diesem Fall zutrifft. Denn Brandon Cronenbergs „Possessor“ sieht wie ein Horrorfilm seines Vaters David Cronenberg aus den Siebzigern aus. Auch die Geschichte könnte von David Cronenberg stammen.

Eine geheimnisumwitterte Firma hat eine Technik entwickelt, mit der man in fremde Gehirne eindringen und diese Menschen dann zu bestimmten Handlungen bewegen kann. Die Firma bietet dabei vor allem eine Dienstleistung an: Mord. Und zwar Morde, die sonst nicht durchführbar wären. Jedenfalls nicht so.

Eine ihrer Agentinnen ist Vos. Sie hadert zunehmend mit den Folgen der Aufträge für ihre Psyche. Immer weniger kann sie zwischen ihrer Arbeit in fremden Köpfen und ihrem Privatleben mit ihrer Familie unterscheiden.

Brandon Cronenberg inszenierte seinen Horrorfilm „Possessor“ als Hommage an die frühen Bodyhorrorfilme von David Cronenberg. Die Farbgebung, die Erzählgeschwindigkeit, die Kamerabewegungen, der Ton, die Tricks (bei den Morden wird nach der Methode „zuviel rotes Blut kann es nicht geben“ vorgegangen), die minimalistischen, futuristisch aussehenden Sets und die von der Firma verwandten Technik erinnern alle an David Cronenbergs Frühwerk.

Allerdings fehlt in „Possessor“ die damalige Gesellschaftskritik und das Ende, das sich um eine Antwort auf die wichtigen im Film gestellten Fragen drückt, ist äußerst unbefriedigend.

Possessor“ ist primär L’Art pour l’art, die einen, wegen dem was zu sehen ist und dem was nicht zu sehen ist, mit einem gewaltigen Gefühl des Unwohlseins über das Eindringen in fremde Körper zurücklässt.

Und gerade das macht diesen Horrorfilm sehenswert.

Posessor (Possessor, Kanada/Großbritannien 2020)

Regie: Brandon Cronenberg

Drehbuch: Brandon Cronenberg

mit Andrea Riseborough, Christopher Abbott, Rossif Sutherland, Sean Bean, Jennifer Jason Leigh

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

alternativer Titel: „Possessor: Uncut“

Hinweise

Moviepilot über „Possessor“

Metacritic über „Possessor“

Rotten Tomatoes über „Possessor“

Wikipedia über „Possessor“ (deutsch, englisch)

Hutch Mansell (Bob Odenkirk) ist auf den ersten Blick ein ganz gewöhnlicher Mann, der ein ganz gewöhnliches Leben lebt mit einem langweiligen Job, Frau und Kindern. Er ist ein richtiger Nobody. Als zwei Einbrecher bei ihnen einbrechen, überwältigt er sie, als er die Chance hat, nicht. Stattdessen legt er den Golfschläger zur Seite und lässt sie mit der Beute ziehen. Seine Kinder halten ihn für ein Weichei. Dass der Revolver, den die Einbrecherin in der Hand hielt, nicht geladen war und er deshalb nicht zuschlug, sagt er ihnen nicht.

Als seine Tochter kurz darauf ihr heißgeliebtes Kitty-Cat-Armband vermisst, beginnt Hutch die Einbrecher zu suchen. Das ist der Auftakt für eine ungeahnte Gewaltorgie. Denn Hutch war nicht immer der harmlose Vorstadtdaddy.

Nobody“ ist ein B-Picture-Actionkracher mit viel Gewalt, trockenem Humor und gut(gelaunt)en Schauspielern. Erfunden wurde die Geschichte von Derek Kolstadt (Drehbuch, Produktion) und David Leitch (Produktion), die auch in die „John Wick“-Filme involviert sind und die Geschichte von Hutch Mansell ähnelt der von John Wick. Denn der Unterschied zwischen einem Kinderarmband und einem Hund als Anlass für eine besinnunglose Gewaltorgie ist letztendlich minimal. Auch die Ausbildung von Hutch Mansell und John Wick ähnelt sich. Wobei Hutch Mansell früher für eine andere Institution als John Wick arbeitete und er am Ende mit der Hilfe von seinem Vater und einigen alten Freunden gegen die Bösewichter kämpft.

Das ist ein großer Spaß für kleine Jungs. Eine Fortsetzung ist nicht nötig. Obwohl Derek Kolstadt anscheinend schon an einer arbeitet und sie angesichts des bisherigen Einspiels unvermeindlich erscheint. Ein Crossover mit John Wick ist, weil die Filme von verschiedenen Studios produziert wurden, unwahrscheinlich und für mein Empfinden auch vollkommen unnötig.

Nobody (Nobody, USA 2021)

Regie: Ilya Naishuller

Drehbuch: Derek Kolstad

mit Bob Odenkirk, Connie Nielsen, RZA, Aleksey Serebryakov, Christopher Lloyd, Michael Ironside, Billy MacLellan, Gage Munroe

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Nobody“

Metacritic über „Nobody“

Rotten Tomatoes über „Nobody“

Wikipedia über „Nobody“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ilya Naishullers „Hardcore“ (Hardcore Henry, Russland/USA 2016)

Unnötig beschreibt „Monster Hunter“ treffend. Dieses Mal schickt Paul W. S. Anderson seine Frau Milla Jovovich in die Wüste.

Jovovich spielt Captain Artemis. Zusammen mit ihrem Team geraten sie während eines gefährlichen Militäreinsatzes in der Wüste in einen Sandsturm, der sie in ein Paralleluniversum schleudert, in dem es noch mehr Sand und viele, riesige und sehr gefährliche Monster gibt.

Monster Hunter“ ist, wie die ebenfalls von Anderson mit Jovovich inszenierten „Resident Evil“-Filme, eine Computerspielverfilmung. Und es ist keine gute Verfilmung; wobei ich, weil ich das Spiel nicht kenne, genaugenommen sagen müsste: kein guter Film. Die Dialoge wirken wie Restbestände aus einem Trailer eines militaristischen 80er-Jahre-B-Pictures. Die Story folgt der alten Computerspieldramaturgie von Herausforderung, Lösung suchen, Feind vernichten. Und weil Jovovich als Heldin all die Angriffe überlebt, ist auch klar, dass sie immer die richtige Lösung findet.

Ein Langweiler. Ach wie spaßig waren da die „Resident Evil“-Filme.

Monster Hunter (Monster Hunter, Deutschland/Kanada/China/Japan 2020)

Regie: Paul W. S . Anderson

Drehbuch: Paul W. S. Anderson

mit Milla Jovovich, Tony Jaa, Tip ‘T.I.’ Harris, Meagan Good, Diego Boneta, Josh Helman, Jin Au-Yeung, Ron Perlman, Jannik Schümann

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Monster Hunter“

Moviepilot über „Monster Hunter“

Metacritic über „Monster Hunter“

Rotten Tomatoes über „Monster Hunter“

Wikipedia über „Monster Hunter“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Resident Evil: The Final Chapter“ (Resident Evil: The Final Chapter, USA 2016)


TV-Tipp für den 24. Juni: Der Schneider von Panama

Juni 23, 2021

3sat, 22.25

Der Schneider von Panama (The Tailor of Panama, USA/Irland/Großbritannien 2001)

Regie: John Boorman

Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis

LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)

Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.

Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.

Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter, Brendan Gleeson, Martin Ferrero, Mark Margolis, Dylan Baker, Daniel Radcliffe

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schneider von Panama“

Wikipedia über „Der Schneider von Panama“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Boormans „Zardoz“ (Zardoz, USA 1973 – Kult mit Sean Connery)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Mein Nachruf auf John le Carré

John le Carré in der Kriminalakte

 


R. i. P. John le Carré

Dezember 14, 2020

R. i. P. John le Carré (19. Oktober 1931 als David John Moore Cornwell in Poole, Grafschaft Dorset – 12. Dezember 2020 in Truro, Cornwall)

Am Sonntag wurde bekannt, dass John le Carré am Samstag in Cornwall, nach einem kurzen Kampf gegen die Krankheit, an einer Lungenentzündung starb. In der Pressemitteilung betont seine Familie, dass le Carrés Tod nichts mit Covid-19 zu tun habe.

Nach seinem Studium arbeitete Le Carré von 1958 bis 1964 für den Geheimdienst. Zunächst für den MI5 und ab 1960 für den MI6, den Auslandsgeheimdienst. Der Erfolg von seinem dritten Roman „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (The Spy Who Came In From The Cold, 1963) führte zu einem Berufswechsel. Bis zu seinem Tod schrieb er, bis auf wenige Ausnahmen, Spionageromane und Politthriller, die weltweit gelesen und abgefeiert wurden. Unbestritten ist er einer der großen Autoren von Spionageromanen – und Brexit-Gegner.

Das zeigen auch die zahlreichen Ehrungen. Le Carré ist Grand Master der Mystery Writers of America. Er erhielt den CWA Diamond Dagger und die Goethe-Meaille für sein Lebenswerk. In den vergangenen Jahrzehnten wurden seine Romane immer wieder ausgezeichnet. Und die meisten Verfilmungen sind, was nicht selbstverständlich ist, gelungen.

Die nächsten Tage wird es zahlreiche längere Nachrufe geben.

Hinweise

Homepage von John le Carré

Wikipedia über John le Carré (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John le Carrés „Schatten von gestern“ (Call for the Dead, 1961)

Meine Besprechung von John le Carrés „Ein Mord erster Klasse“ (A Murder of Quality, 1962)

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten“ (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Mai: Verräter wie wir

Mai 22, 2020

ZDFneo, 22.00

Verräter wie wir (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Regie: Susanna White

Drehbuch: Hossein Amini

LV: John le Carré: Our Kind of Traitor, 2010 (Verräter wie wir)

Während eines Urlaubs in Marrakesch lernen der rundum harmlose Oxford-Dozent für Poesie Perry und seine Frau Gail den feierwütigen Dima, der immer von einem Hofstaat begleitet wird, kennen. Dima bittet Perry um einen Gefallen. Er soll dem MI6 einen USB-Stick mit Daten überbringen. Denn Dima, der ein Geldwäscher für die Russenmafia ist, fürchtet um sein Leben und Perry und Gail sollen ihm den Weg in die Sicherheit ebnen.

Der ruhige Thriller ist eine weitere gelungene John-le-Carré-Verfilmung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Stellan Skarsgård, Damian Lewis, Naomie Harris, Jeremy Northam, Khalid Abdallah, Mark Gatiss, Saskia Reeves, Alicia von Rittberg, John le Carré (sein Genehmigungs-Cameo)

Die Vorlage

le Carre - Verräter wie wir - Movie-Tie-In 4

John le Carré: Verräter wie wir

(übersetzt von Sabine Roth)

Ullstein, 2016 (für die Filmausgabe)

416 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 2010

Originalausgabe

Our Kind of Traitor

Viking, London, 2010

Hinweise

Moviepilot über „Verräter wie wir“

Metacritic über „Verräter wie wir“

Rotten Tomatoes über „Verräter wie wir“

Wikipedia über „Verräter wie wir“ (deutsch ,englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Schatten von gestern“ (Call for the Dead, 1961)

Meine Besprechung von John le Carrés „Ein Mord erster Klasse“ (A Murder of Quality, 1962)

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten“ (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte


Die Krimibestenliste Februar 2020

Februar 3, 2020

Alaaf und Helau! schallt es nicht aus der von der Frankfurter Allgemeinen und Deutschlandfunk Kultur präsentierten Krimibestenliste. Statt karnevalesker Lustigkeit gibt es mörderische Sozialkritik. Also genau das richtige für trübe, verregnete Tage:

1. Sarah Schulman – Trüb (Plazierung im Vormonat: 3)

Aus dem Englischen von Else Laudan. Ariadne im Argument-Verlag, 270 Seiten, 20 Euro.

2. Attica Locke – Heaven My Home (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Susanna Mende.Polar, 322 Seiten, 22 Euro.

3. Nicci French – Was sie nicht wusste (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller. C. Bertelsmann, 446 Seiten, 16 Euro.

4. Ahmed Saadawi – Frankenstein in Bagdad (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Assoziation A, 296 Seiten, 22 Euro.

5. Melba Escobar – Die Kosmetikerin (Plazierung im Vormonat: 2)

Aus dem Spanischen von Sybille Martin. Heyne, 320 Seiten, 9,99 Euro.

6. Robert E. Dunn – Dead Man’s Badge (Plazierung im Vormonat: 10)

Aus dem Englischen von Philipp Seedorf. Luzifer, 356 Seiten, 14,95 Euro.

7. John le Carré – Federball (Plazierung im Vormonat: 5)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Ullstein, 352 Seiten, 24 Euro.

8. Hannelore Cayre – Die Alte (Plazierung im Vormonat: 1)

Aus dem Französischen von Iris Konopik.Ariadne im Argument-Verlag, 203 Seiten, 18 Euro.

9. Regina Nössler: Die Putzhilfe (Plazierung im Vormonat: 4)

Konkursbuch, 402 Seiten, 12,90 Euro.

10. Liz Moore – Long Bright River (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. C.H. Beck, 414 Seiten, 24 Euro.

 


John le Carré spielt „Federball“ und die Geheimagenten laufen über das Spielfeld

Januar 8, 2020

Wenn im ersten Absatz von John le Carrés neuem Roman „Federball“ Ich-Erzähler Nat sagt, die Begegnung zwischen ihm und Edward ‚Ed‘ Stanley Shannon sei ein reiner Zufall gewesen, dann ahnt der Leser, dass diese Begegnung folgenreich sein wird und weil John le Carré Agentenromane schreibt, haben wir in diesem Moment auch schon eine grobe Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird.

Aber bis diese zufällige Begegnung Auswirkungen auf Nats Arbeit hat, vergeht viel Lesezeit. Nat ist 46 Jahre, Geheimagent am Ende seiner Karriereleiter und, bevor er endgültig von Außeneinsätzen in irgendeine Form des Innendienstes (oder Pension) geschickt wird, hat er in London die Leitung der Nebenstelle Oase übernommen. Es handelt sich dabei um eine heruntergewirtschaftete Abteilung, die seit dem Ende des Kalten Kriegs nichts nennenswertes mehr leistete. Dort geht Nat seiner alltäglichen und sehr unglamourösen Arbeit nach. Er trifft sich mit Spitzeln. Er bereitet oder beteiligt sich an der Vorbereitung von austauschbaren Operationen. Sein Leben ist die Papier gewordene Empfehlung, einen Job nicht anzunehmen.

In seiner Freizeit trifft er sich mit dem Mittzwanziger Ed, spielt mit ihm Badmington und hört sich seine Tiraden über den Brexit, Donald Trump und die ganze unfähige Politikerkaste an. Ed sagt ihm, er arbeite in einer Werbeagentur.

Das ist, wie Nat erst viel später zufällig erfährt, eine Lüge. Ed arbeitet als Büroangestellter mit einer Sicherheitsfreigabe für die Geheimhaltungsstufe Top Secret und höher ebenfalls für den Geheimdienst. Nachdem Ed einige Dokumente, die er nur kopieren soll, auch liest, entwickelt er Skrupel. Jetzt will er, wie Nat erschrocken bei der Beobachtung einer russischen Spionageoperation sieht, diese Geheimnisse an den Feind weitergeben.

Weil Nat Ed kennt und sie sich in den vergangenen Wochen und Monaten oft getroffen haben, ist jetzt auch sein Job in Gefahr.

In diesem Moment sind wir schon weit in der zweiten Hälfte des Romans. Bis dahin passiert wenig und auch danach plätschert die Geschichte arg gemütlich vor sich hin.

John le Carré liefert auch einige Spitzen gegen den Brexit und Donald Trump. Dafür ist vor allem Ed zuständig, der sich nach seinen Badmington-Spielen mit Nat, beim gemeinsamen Getränk über die Tagespolitik aufregt. Für die Romangeschichte ist das nur wichtig, um Eds nobles Motiv für seinen Geheimnisverrat zu verstehen.

Als Spionagethriller ist „Federball“ ein Reinfall. Als etwas lang geratenes Porträt eines desillusionierten kleinen Beamten ist „Federball“ deutlich interessanter.

John le Carré: Federball

(übersetzt von Peter Torberg)

Ullstein, 2019

352 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Agent running in the Field

Viking, London 2019

Pünktlich zur Veröffentlichung von John le Carrés neuestem Roman veröffentlichte der Ullstein-Verlag John le Carrés George-Smiley-Romane in einer neuen, einheitlichen Covergestaltung. Dazu gehören auch le Carrés fast unbekannte Frühwerke „Schatten von gestern“ und „Ein Mord erster Klasse“. Es sind nämlich auch die ersten beiden George-Smiley-Romane, der von Anfang an als Anti-James-Bond konzipiert war. In seinem Debüt „Schatten von gestern“ glaubt der Geheimagent Smiley, dass der Suizid eines Beamten des Außenministeriums, kein Suizid war. In „Ein Mord erster Klasse“ will George Smiley an einem Eliteinternat den Mord an einer Professorengattin aufklären. Das ist noch mehr als „Schatten von gestern“ ein bestenfalls durchwachsener Rätselkrimi. Beide Romane sind vor allem für die le-Carré-Gesamtleser wichtig.

Erst mit seinem nächsten Roman „Der Spion, der aus der Kälte kam“ schrieb er einen reinrassigen Agententhriller. Der Roman wurde ein Bestseller und ist heute einer der Klassiker des Genres. Mit seinem dritten Roman hatte John le Carré sein Thema und seine erzählerische Welt gefunden, der er bis auf den stark kritisierten Liebesroman „Der wachsame Träumer“ (The naive and sentimental lover, 1971) treu blieb.

Neben „Der Spion, der aus der Kälte kam“ gehört, von seinen Smiley-Romanen, vor allem „Dame, König, As, Spion“ zum Kanon der wichtigen Spionageromane. Die unbekannteren Folgewerke „Eine Art Held“ und „Agent in eigener Sache“ können ebenfalls dazu gezählt werden. Schließlich bilden sie zusammen mit „Dame, König, As, Spion“ die Karla-Trilogie, in der le Carré den Kampf zwischen Smiley und seinem sowjetischen Gegenspieler Karla schildert.

John le Carré: Schatten von gestern

(übersetzt von Ortwin Münch)

Ullstein, 2019

224 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

Call for the Dead

Victor Collancz Ltd., London, 1961

John le Carré: Ein Mord erster Klasse

(übersetzt von Hans Bütow)

Ullstein, 2019

192 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

A Murder of Quality

Victor Gollancz Ltd., London, 1962

Hinweise

Perlentaucher über „Federball“

Bookmarks über „Federball“

Wikipedia über „Federball“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte


Die Krimibestenliste Januar 2020

Januar 6, 2020

Das neue Jahrzehnt startet die von vielen Herren und wenigen Damen zusammengestellte Krimibestenliste, präsentiert von der Frankurter Allgemeine und Deutschlandfunk Kultur, mit diesen Kriminalromanen: präsentieren die besten Krimis.

1. Hannelore Cayre – Die Alte (Plazierung im Vormonat: 2)

Aus dem Französischen von Iris Konopik.Ariadne im Argument-Verlag, 203 Seiten, 18 Euro.

2. Melba Escobar – Die Kosmetikerin (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Spanischen von Sybille Martin. Heyne, 320 Seiten, 9,99 Euro.

3. Sarah Schulman – Trüb (Plazierung im Vormonat: 9)

Aus dem Englischen von Else Laudan. Ariadne im Argument-Verlag, 270 Seiten, 20 Euro.

4. Regina Nössler – Die Putzhilfe (Plazierung im Vormonat: 5)

Konkursbuch, 402 Seiten, 12,90 Euro.

5. John le Carré – Federball (Plazierung im Vormonat: 1)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Ullstein, 352 Seiten, 24 Euro.

6. James Lee Burke – Mein Name ist Robicheaux (Plazierung im Vormonat: 7)

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Pendragon, 600 Seiten, 22 Euro.

7. Norbert Horst – Bitterer Zorn (Plazierung im Vormonat: 4)

Goldmann, 320 Seiten; 13 Euro.

8. Simone Buchholz – Hotel Cartagena (Plazierung im Vormonat: 8)

Suhrkamp, 230 Seiten, 15,95 Euro

9. Bernhard Aichner – Der Fund (Plazierung im Vormonat: /)

btb, 348 Seiten, 20 Euro.

10. Robert E. Dunn – Dead Man‘s Badge (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Philipp Seedorf. Luzifer, 356 Seiten, 14,95 Euro

Der neue le Carré wird die Tage besprochen. Ich fand ihn eher meh.

Aktuell lese ich Attica Lockes „Heaven, my home“ (Polar Verlag). Der dürfte nächsten Monat auf der Krimibestenliste stehen.


Die Krimibestenliste Dezember 2019

Dezember 1, 2019

Zum 1. Advent haben die haben die vielen Herren und wenigen Damen von der Krimibestenliste (präsentiert von der Frankfurter Allgemeine und Deutschlandfunk Kultur) ihre monatliche Liste empfehlenswerter Krimis zusammengestellt:

1. John le Carré – Federball (Plazierung im Vormonat: 4)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Ullstein, 352 Seiten, 24 Euro.

2. Hannelore Cayre – Die Alte (Plazierung im Vormonat: 10)

Aus dem Französischen von Iris Konopik. Ariadne im Argument Verlag, 203 Seiten, 18 Euro.

3. Paulus Hochgatterer – Fliege fort, fliege fort (Plazierung im Vormonat: 3)

Deuticke, 286 Seiten, 23 Euro.

4. Norbert Horst – Bitterer Zorn (Plazierung im Vormonat: 8)

Goldmann, 320 Seiten, 13 Euro.

5. Regina Nössler – Die Putzhilfe (Plazierung im Vormonat: /)

Konkursbuch, 402 Seiten, 12,90 Euro.

6. Fuminori Nakamura – Der Revolver (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Japanischen von Thomas Eggenberg. Diogenes, 186 Seiten, 22 Euro.

7. James Lee Burke – Mein Name ist Robicheaux (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Pendragon, 600 Seiten, 22 Euro.

8. Simone Buchholz – Hotel Cartagena (Plazierung im Vormonat: 6)

Suhrkamp, 230 Seiten, 15,95 Euro.

9. Sarah Schulman – Trüb (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Else Laudan. Ariadne im Argument Verlag, 270 Seiten, 20 Euro.

10. Dror Mishani – Drei (Plazierung im Vormonat: 5)

Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Diogenes, 336 Seiten, 24 Euro.

Einiges davon dürfte auf einigen Weihnachtswunschlisten gut aussehen.

Bei mir liegen, nach einer Rex-Stout-Neuübersetzung (die Nero-Wolfe-Geschichte „Zyankali vom Weihnachtsmann“) une der Jonathan-Lethem-Kurzgeschichtensammlung „Alan, der Glückspilz“ (wegen „Motherless Brooklyn“), der neue le Carré, der neue Burke (beide auch auf der Krimibestenliste), und der neue Child (aka der neue Jack Reacher), der neue Rankin (aka der neue John Rebus) und der neue Staalesen (endlich wieder ein Krimi mit Privatdetektiv Varg Veum) ganz oben auf meinem Lesestapel. Direkt neben Anthony J. Quinns „Gestrandet“ (Trouble im heutigen Nordirland) und Lou Berneys „Destination Dallas“ (der große Bouchercon-Gewinner).

Damit sind meine schlaflosen Nächte bis Weihnachten gesichert.


Die Krimibestenliste November 2019

November 4, 2019

Die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur empfehlen im aktuell zwischen arktischer Kälte und fast noch sommerlichen Temperaturen schwankendem November folgende Kriminalromane:

1. Garry Disher – Hitze (Plazierung im Vormonat: 1)

Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller.Pulp Master, 278 Seiten, 14,80 Euro.

2. Franz Dobler – Ein Schuss ins Blaue (Plazierung im Vormonat: /)

Tropen, 288 Seiten, 20 Euro.

3. Paulus Hochgatterer – Fliege fort, fliege fort (Plazierung im Vormonat: /)

Deuticke, 286 Seiten 23 Euro.

4. John le Carré – Federball (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Ullstein, 352 Seiten, 24 Euro.

5. Dror Mishani – Drei (Plazierung im Vormonat: 5)

Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Diogenes, 336 Seiten, 24 Euro.

6. Simone Buchholz – Hotel Cartagena (Plazierung im Vormonat: /)

Suhrkamp, 230 Seiten, 15,95 Euro.

7. Adam Brookes – Der chinesische Verräter (Plazierung im Vormonat: 7)

Aus dem Englischen von Andreas Heckmann. Suhrkamp, 402 Seiten, 15,95 Euro.

8. Norbert Horst – Bitterer Zorn (Plazierung im Vormonat: /)

Goldmann, 320 Seiten, 13 Euro.

9. Lisa McInerney – Blutwunder (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. Liebeskind, 334 Seiten 20 Euro.

10. Hannelore Cayre – Die Alte (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Französischen von Iris Konopik. Ariadne im Argument Verlag, 203 Seiten, 18 Euro.

 


TV-Tipp für den 6. Mai: Verräter wie wir

Mai 6, 2019

ZDF; 22.15

Verräter wie wir (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Regie: Susanna White

Drehbuch: Hossein Amini

LV: John le Carré: Our Kind of Traitor, 2010 (Verräter wie wir)

Während eines Urlaubs in Marrakesch lernen der rundum harmlose Oxford-Dozent für Poesie Perry und seine Frau Gail den feierwütigen Dima, der immer von einem Hofstaat begleitet wird, kennen. Dima bittet Perry um einen Gefallen. Er soll dem MI6 einen USB-Stick mit Daten überbringen. Denn Dima, der ein Geldwäscher für die Russenmafia ist, fürchtet um sein Leben und Perry und Gail sollen ihm den Weg in die Sicherheit ebnen.

Der ruhige Thriller ist eine weitere gelungene John-le-Carré-Verfilmung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Stellan Skarsgård, Damian Lewis, Naomie Harris, Jeremy Northam, Khalid Abdallah, Mark Gatiss, Saskia Reeves, Alicia von Rittberg, John le Carré (sein Genehmigungs-Cameo)

Wiederholung: Mittwoch, 8. Mai, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

le Carre - Verräter wie wir - Movie-Tie-In 4

John le Carré: Verräter wie wir

(übersetzt von Sabine Roth)

Ullstein, 2016 (für die Filmausgabe)

416 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 2010

Originalausgabe

Our Kind of Traitor

Viking, London, 2010

Hinweise

Moviepilot über „Verräter wie wir“

Metacritic über „Verräter wie wir“

Rotten Tomatoes über „Verräter wie wir“

Wikipedia über „Verräter wie wir“ (deutsch ,englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte


Aus dem Archiv: Meine Besprechung von John le Carrés „Marionetten“ (A most wanted man)

April 10, 2019

Wie die Zeit vergeht. Nachdem die Berliner Literaturkritik (eigentlich müsste man sie irgendwie wiederbeleben) in den letzten Jahren inaktiv war, soll sie im Mai 2020 offline gehen.

Zeit also, mal in meinen alten Texten zu stöbern und einige der alten Besprechungen in der Kriminalakte abzulegen. Bevorzugt von Büchern, die immer noch gut erhältlich sind oder die wichtig sind oder aus irgendeinem anderen nichtigen Grund.

Zur heutigen TV-Premiere von „A most wanted man“ gibt es daher meine Besprechung von John le Carrés Roman:

Der dreiundzwanzigjährige muslimische Tschetschene Issa Karpow reist als Flüchtling über Stockholm in die Europäische Union ein. Sein Ziel ist Hamburg. Dort findet er bei einer gastfreundlichen türkischen Familie Unterschlupf. Issa möchte Arzt werden. Dafür nimmt er über die Fluchthafen-Anwältin Annabel Richter Kontakt mit dem schottischen Privatbankier Tommy Brue auf. Er soll ihm helfen. Denn Issa ist der Sohn eines verstorbenen russischen Mafiosi und er hat den Schlüssel zu einem Geldwäsche-Konto. Aber er will nicht das Geld, sondern Schutz.

Während Brue und Richter versuchen, Issa zur Annahme des Vermögens zu bewegen, werden sie vom deutschen Geheimdienst, unter der Leitung von Günther Bachmann, und einigen anderen, nicht immer unbedingt deutschen Organisationen, beobachtet. Denn für die Geheimdienste ist der mit einem internationalen Haftbefehl gesuchte Issa Karpow kein harmloser Flüchtling, sondern ein bereits mehrmals aus der Haft ausgebrochener gefährlicher Terrorist.

Dass ihre Beweise eher dünn sind und dass es immer wieder Indizien gibt, die auf die Harmlosigkeit von Issa Karpow hinweisen, stört die Geheimdienstler nicht. Denn der „Most wanted man“, so der Originaltitel, ist, wie alle Charaktere in dem Roman am Ende nur eine „Marionette“, der seine Rolle als Bauer in einem größeren Plan des deutschen Geheimdienstes, in Absprache mit befreundeten Geheimdiensten, spielen soll.

In „Marionetten“ schreibt John le Carré über die Geheimdienste nach dem 11. September und ist dabei wieder in der Welt, in der er sich am Besten auskennt. Während die Geheimdienste sich nach dem Ende des Kalten Krieges neu orientieren mussten, schrieb John le Carré mehrere Rückblicke auf den Kalten Krieg und wandte sich verschiedenen Themen, wie internationaler Waffenhandel, Medikamententests in Afrika und dem internationalen Finanzmarkt, zu. Beide wurden von dem Al-Kaida-Attentat am 11. September 2001 und dem damit verbundenen Aufstieg des islamistischen Terrorismus als internationalem Phänomen überrascht. Die westlichen Geheimdienste fanden schnell zu ihrem vertrauten Repertoire, Folter und Verschleppungen, mit einem anderen Gegner, zurück. Nur handelt der islamistische Terrorismus als Graswurzelbewegung nicht so vernünftig wie der sowjetische Geheimdienst. Es ist ein asymmetrischer Krieg.

Aber John le Carré schreibt nicht über die Unterschiede zwischen dem alten und dem neuen Gegner des Westens. Darüber soll der Leser selbst nachdenken. Er erzählt in „Marionetten“ nur von einer kleinen Operation des Geheimdienstes und macht so die Gegenwart in einer spannenden Geschichte begreifbarer als in seinen vorherigen Romanen.

Denn nachdem seine letzten Werke immer wieder an einer schwachen Geschichte (siehe „Absolute Freunde“ und „Geheime Melodie“), zu einfältigen Charakteren (dito, aber vor allem „Geheime Melodie“) und einem zunehmend belehrendem Tonfall (wieder „Geheime Melodie“ und „Der ewige Gärtner“) litten, macht er dieses Mal wieder alles richtig.

John le Carré breitet das Drama gemächlich bis zu dem alle vorherigen Bemühungen des deutschen Geheimdienstes ad absurdum führendem Ende aus. Dieses Ende ist überraschend, aber zuerst auch enttäuschend. Doch letztendlich ist es folgerichtig und beendet die Aktion des deutschen Geheimdienstlers Bachmann mit einer bitteren Pointe.

John le Carré: Marionetten

(aus dem Englischen von Sabine Roth und Regina Rawlinson)

Ullstein, Berlin 2008

368 Seiten

22,90 Euro (gebundene Ausgabe)

9,99 Euro (Taschenbuch)

Originalausgabe

A most wanted man

Hodder & Stoughton, London 2008

Hinweise

Wikipedia über John le Carré (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. April: A most wanted man

April 9, 2019

Arte, 20.15

A most wanted man (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014)

Regie: Anton Corbijn

Drehbuch: Andrew Bovell

LV: John le Carré: A most wanted man, 2008 (Marionetten)

Als der militante Tschetschene und Islamist Issa Karpov in Hamburg auftaucht, ist Geheimagent Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) alarmiert. Mit seinem Team und anderen Geheimdiensten heftet er sich an Karpovs Fersen. Der behauptet, nur ein Flüchtling zu sein.

Überfällige TV-Premiere einer sehr gelungenen, top besetzten John-le-Carré-Verfilmung und einer der letzten Leinwandauftritte des viel zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman.

Eine kleine Episode aus dem unglamourösen Agentenleben, die in erster Linie ein intellektuelles Vergnügen ist, bei der wir beobachten, wie die Dienste, unter ständiger Berücksichtigung ihrer Eigeninteressen, zusammenarbeiten und im entscheidenden Moment eiskalt ihre Chance nutzen. Da ist der Einzelne, wie man es auch aus den anderen Romanen von John le Carré kennt, nur ein von anderen benutzter Spielball.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Philip Seymour Hoffman, Rachel McAdams, Grigoriy Dobrygin, Willem Dafoe, Robin Wright, Homayoun Ershadi, Nina Hoss, Franz Hartwig, Daniel Brühl, Kostja Ullmann, Vicky Krieps, Rainer Bock, Herbert Grönemeyer, Charlotte Schwab, Martin Wuttke

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „A most wanted man“
Metacritic über „A most wanted man“
Rotten Tomatoes über „A most wanted man“
Wikipedia über „A most wanted man“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Anton Corbijns John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) (DVD-Kritik)

Meine Besprechung von Anton Corbiijns „Life“ (Life, Kanada/Deutschland/Österreich 2015)


TV-Tipp für den 18. Mai: Der Spion, der aus der Kälte kam

Mai 18, 2018

3sat, 22.25

Der Spion, der aus der Kälte kam The Spy who came in from the Cold, Großbritannien 1965)

Regie: Martin Ritt

Drehbuch: Paul Dehn, Guy Trosper

LV: John le Carré: The spy who came in from the cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)

Der britische Geheimdienstler Leamas wechselt zum Schein die Seiten – und gerät in Teufels Küche.

Realistischer, kritischer, kalter Agententhriller über die Suche nach Doppelagenten und Überläufern. Mit le Carrés Buch (ein Welterfolg) und der gelungenen Verfilmung wandelte sich das heroische Bild des Spions zu eines sehr gewöhnlichem. Denn überall sind Spione „eine schmutzige Prozession von hohlen Narren und Verrätern. Ja, auch von Schwulen, Sadisten und Trinkern, von Leuten, die Räuber und Gendarm spielen, im ihrem erbärmlichen Leben etwas Reiz zu geben.“ (John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam).

Mit Richard Burton, Oskar Werner, Claire Bloom, Peter van Eyck, Rupert Davies, Sam Wanamaker, Cyril Cusack, Bernard Lee

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Spion, der aus der Kälte kam“

Wikipedia über „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte


%d Bloggern gefällt das: