DVD-Kritik: Robert Enricos „Die Abenteurer“ mit Alain Delon und Lino Ventura

April 4, 2011

Solche Filme werden heute nicht mehr gemacht.

Aber liegt das an der nostalgischen Brille – immerhin sind Lino Ventura, Robert Enrico und José Giovanni tot und Alain Delon hat sich in den vergangenen dreißig Jahren ziemlich aus dem Geschäft zurückgezogen – oder wirklich an dem Film?

 

Die Story

 

In „Die Abenteurer“ wird ein Hohelied auf die Freundschaft gesungen, die mit dem gewaltsamen Tod von zwei der drei Freunde endet. Es beginnt mit einem Besuch von Laetitia (Joanna Shimkus) auf dem Schrottplatz von Roland (Lino Ventura). Er hat keine Zeit, fertigt sie barsch ab, aber als sie sagt, sie habe Zeit und werde auf ihn warten, nimmt er sie mit zu einem Feld. Dort bauen sie einige Stangen auf und Manu (Alain Delon) fliegt mit einem Doppeldecker durch sie hindurch. Sie alle freuen sich, dass der Stunt gelingt. Denn die Stangen sind nur die Probe für einen Flug durch den Triumphbogen in Paris.

Bereits in diesen ersten, fast wortlosen Minuten, wird die Freundschaft zwischen den Dreien etabliert. Denn Roland und Manu nehmen Laetitia schnell in ihren Männerbund und in ihre bedingungslose Freundschaft auf. Sie sind Träumer, die sich auch durch Rückschläge nicht von ihren Zielen abbringen lassen. Denn Manu gelingt der Flug durch den Triumphbogen nicht und er verliert seine Pilotenlizenz. Roland will einen neuen Motor entwickeln, aber seine Experimente mit einem besonders schnellem Dragster enden erfolglos. Auch bei einem Besuch in einem Casino, wo sie nach System spielen, verlieren sie ihr Geld. Trotzdem verlieren sie nicht ihren Optimismus.

Erst als Laetitia ihnen enttäuscht die vernichtenden Kritiken für ihre Ausstellung präsentiert, beschließen sie, sie mit nach Afrika zu nehmen. Dort soll vor der Küste das Wrack eines Flugzeugs mit einem Schatz an Bord liegen; – Geld, das sie dringend brauche, um ihre Träume weiter zu verfolgen.

Dieser zweite Teil von „Die Abenteurer“ ist klar von dem ersten, in und um Paris spielendem Teil, getrennt. Die drei verleben glückliche Tage vor der Küste und finden, dank der Hilfe des Piloten (Serge Reggiani) auch das Flugzeug. Kurz nachdem sie den Schatz geborgen und durch vier geteilt haben (eine weitere der vielen wundervollen Szenen des Films: der Pilot will die Beute durch drei teilen; Roland und Manu erklären ihm ohne großen Worte, dass Laetitia ein gleichwertiges Mitglied ihrer Crew ist), geraten sie in eine falsche Polizeikontrolle. Denn Gangster (es wird nie wirklich klar, wer genau das Geld haben will, aber von ihrem ersten Auftreten ist klar, dass sie über Leichen gehen) wollen ihnen die Beute abnehmen. Der Pilot beginnt eine Schießerei, bei der Latitia erschossen wird. Manu und Roland bestatten sie auf hoher See.

Der dritte Teil spielt an der französischen Atlantikküste, in Sichtweite des bekannten Fort Boyard. Denn so selbstverständlich es für Manu und Roland war, Laetitia mit nach Afrika zu nehmen und ihr den gleichen Teil der Beute zu geben, so selbstverständlich ist es für sie, die Verwandten von Laetitia zu suchen und ihnen ihren Teil der Beute zu geben. Dabei erfahren sie zunächst einiges über Laetitias Familiengeschichte und als sie ihre nächsten Verwandten treffen, die ohne zu fragen, jede Verantwortung für die Taten von Laetitia ablehnen und ihr auch nicht helfen wollen, beschließen Manu und Roland (wieder ohne ein Wort darüber zu verlieren), dass sie Laetitias Teil der Beute doch für sich behalten. Denn diese Menschen haben das Geld nicht verdient. Erst als deren Junge, den sie aus dem städtischen Museum kennen, auftaucht, ändern sie ihre Meinung. Sie zeigen Laetitias Verwandten das Geld und Roland sagt, dass sie es für den Jungen anlegen würden.

Doch da sind noch die Gangster. Sie haben den Piloten geschnappt und finden auch eine Spur zu Manu, der sie dann an die Atlantikküste führt.

Inzwischen hat Roland Fort Boyard gekauft. Er will dort, wie er Manu begeistert erzählt, ein Hotel-Restaurant einrichten. Als die Gangster die im Meer gelegene Festung betreten, kommt es zu einem Schusswechsel. Die Gangster sterben und auch Manu wird erschossen.

 

Der Film

 

Die ausführliche Inhaltsangabe zeigt schon, dass es Robert Enrico nicht um eine klassisch erzählte Geschichte ging. Denn dafür sind die drei Geschichten zu scharf voneinander getrennt; fast als ob man sich drei Kurzfilme oder Episoden einer TV-Serie hintereinander ansieht. Gerade so werden die die einzelnen Teile miteinander verbindenden Themen umso deutlicher: Freundschaft, das Leben von gesellschaftlichen Außenseitern, Träumern und Glücksrittern und die Wichtigkeit von Stil, Haltung und Gesten.

Dabei war eine solche bedingungslose Freundschaft, wie die zwischen Roland, Manu und Laetitia, vielleicht immer nur ein Mythos, der vor allem in französischen Kriminalfilmen der fünfziger und sechziger Jahre gerne gepflegt wurde. Aber damals wurde ein solches Idealbild noch formuliert. Heute wird darauf meist vollkommen verzichtet.

Und mit Alain Delon (der wahrscheinlich nie wieder so entspannt spielte) und Lino Ventura hatte Robert Enrico die beiden großen Stars des französischen Kinos, die beide auch immer wieder den Homme Solitaire verkörperten, verpflichtet, um wieder einmal gesellschaftliche Außenseiter, die nur ihren Regeln folgen, zu spielen. Allerdings spielen sie dieses Mal keine Verbrecher, sondern fast normale Menschen.

Die Abenteurer“ ist ein feiner Film, ein Kassenhit, ein Klassiker des französischen Kinos und eine zeitlose Liebeserklärung an die Träumer und die Freundschaft.

 

Einige Meinungen zum Film

 

Robert Enrico: „Ich hasse die Leute, die sozusagen zu der ’schweigenden Mehrheit‘ gehören. Die Außenseiter haben schon immer diejenigen fasziniert, die ein banales Leben führen. Der Film destilliert den Traum.“ (Cinéma Francais Nr. 6, November 1976)

 

Alain Delon über „Die Abenteurer“, der einer seiner Lieblingsfilme ist: „Es war ein wunderbarer Film, sehr schön gemacht. Es war eine Story, so wie ich sie gerne mag, ich nenne das eine Freundschafts-Geschichte, über die Beziehung zwischen zwei Männern, in deren Mitte manchmal eine Frau steht. Ich habe die übliche Liebesgeschichte, die Romanze, ein wenig satt.“ (Robin Bean: Reaching for the World, Films and Filming, Februar 1965)

 

Lino Ventura über Robert Enrico und die Themen des Films: „Enrico ist ein Poet, er ist ein wenig surrealistisch, ein Träumer. (…) Es sind Personen, die ganz auf sich selbst angewiesen sind. Für mich sind das richtige Männer. Ich meine damit, dass es sich nicht lohnt, viel zu reden. Ich rede übrigens nie viel im Film.“ (Hans C. Blumenberg/Wilfried Reichert: Interview mit Lino Ventura, 1974)

Ich liebe diesen Typ des einsamen Mannes.“ (Frauke Hanck: Ein eigenwilliger Charakter, Vorwärts, 4. März 1976)

Ich möchte Filme machen, die etwas ausdrücken, Freundschaft zum Beispiel. Freundschaft halte ich für das Wichtigste im Leben.“ (Lotte Holetz: Grüß Gott, Bulle, Münchner Abendzeitung, 19. Februar 1976)

 

1981 schrieben Regisseur Adolf Winkelmann (Die Abfahrer, Nordkurve [sträflich unterschätzt], Contergan) und Drehbuchautor Jost Krüger (die Winkelmann-Filme „Jede Menge Kohle“ und „Super“) zur Wiederaufführung des Films: „Es ist Zeit, endlich mal zuzugeben, dass uns ‚Die Abenteurer‘ damals richtig gut, viel besser gefallen hat als: Es/Mahlzeiten/Die Tätowierung/Wilde Reiter GmbH/Persona/Man lebt nur zweimal/Kuckucksjahre und Fahrenheit 451. (…) Der Film ist stilistisch perfekt (dramaturgisch nicht ganz: erzählt zu viele Geschichten und findet kein Ende). Jede Geste der Schauspieler, jede Einstellungsfolge scheint in der Wirkung auf uns genau kalkuliert. Keine filmischen Experimente, richtiges Kino, effektvolles Kunst-Handwert.“ (tip 21/81)

 

Hans Gerhold schrieb in „Das Abenteuer Leben – Notizen zu den Filmen des Regisseurs Robert Enrico“ über den Film: „Die spannende und humorvolle, mit atemberaubenden lyrischen Passagen durchsetzte Schatzsuche dreier gescheiterter Existenzen – (…) -, an deren Ende der Tod steht, wird zu einem Hymnus auf das Leben in Freiheit und zu einer Meditation über den Abenteurer als metaphysischen Existenz, der seine Erfüllung im zweckentbundenen Handeln findet, stilisiert.“ (film-dienst 2/1982)

 

‚Les Aventuriers‘ ist ein Film über das Scheitern von Träumen. Doch dieses Scheitern stärkt die Freundschaft der Protagonisten. An ihrem Ende bleibt Roland daher nur die Einsamkeit. Es ist ein Film auch über das Scheitern der Individualität an den Normen der Gesellschaft, über die Außenseiterrollen von Einzelgängern. Enrico findet dafür schöne Bilder. “ (Meinolf Zurhorst/Lothar Just: Lino Ventura: Seine Filme – sein Leben,1984)

 

Trotz aller Tragik erzählt ‚Les Aventuriers‘ seine Geschichte mit einer spielerischen Leichtigkeit, in der sich die Aufbruchstimmung der sechziger Jahre widerspiegelt. Sie ist ebenso wunderbar im Soundtrack von François de Roubaix eingefangen, dessen einprägsames Leitmotiv ein Wechselspiel aus heiterem Pfeifen und dramatischen Akkorden kennzeichnet, wie in mehreren musikalischen Einlagen der Akteure.“ (Frank Arnold in Bodo Traber/Hans J. Wulff, Hrsg.: Filmgenres: Abenteuerfilm, 2004)

 

Die DVD

 

Endlich gibt es „Die Abenteurer“ in einer adäquaten Version. Denn in die bisherigen Veröffentlichungen waren gekürzt (dafür mit O-Ton) oder ungekürzt (aber ohne O-Ton) und ohne Extras.

Jetzt gibt die Originalfassung mit deutschem und französischem Ton und einigen interessanten Extras. In einer Bildershow wird ein Text über die Entstehung des Films vorgelesen. Es gibt ein Interview mit Hauptdarstellerin Joanna Shimkus (mit arg störenden Hintergrundgeräuschen) und eine leicht experimentelle Doku über den Filmkomponisten François de Roubaix. In einem Zimmer erzählen de-Roubaix-Fans, wie sie ihn entdeckten und wie seine Musik ihr Leben beeinflusste. Insgesamt eine gute Stunde Bonusmaterial.

Die Abenteurer (Les Aventuriers, Frankreich 1967)

Regie: Robert Enrico

Drehbuch: Robert Enrico, José Giovanni, Pierre Pelegri

LV: José Giovanni: Les Aventuriers, 1960

mit Lino Ventura, Alain Delon, Joanna Shimkus, Serge Reggiani, Paul Crauchet, Hans Meyer

DVD

Concorde

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 1.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Interview mit Joanne Shimkus. Porträt von François de Roubaix, Originaltrailer

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Die Abenteurer“ (deutsch, französisch)

Arte über „Die Abenteurer“

Kriminalakte über José Giovanni, Alain Delon und Lino Ventura

 


TV-Tipp für den 30. März: Fahrstuhl zum Schafott

März 29, 2021

Servus TV, 22.05

Fahrstuhl zum Schafott (L’ascenseur pour l’échafaud, Frankreich 1958)

Regie: Louis Malle

Drehbuch: Roger Nimier, Louis Malle

LV: Noel Calef: Ascenseur pour l’echafaud, 1956 (Fahrstuhl zum Schafott)

Julien hat den perfekten Mord begangen. Aber danach geht alles gründlich schief: er bleibt in einem Fahrstuhl stecken und sein Auto wird von Halbstarken geklaut.

Malles Regiedebüt ist inzwischen ein Noir-Krimiklassiker und einer der stilbildenden Filme der Nouvelle Vague. Musikalisch fabelhaft begleitet von Miles Davis und einer aus europäischen Musikern bestehenden Band.

Louis Malle erzählt in knapp neunzig Minuten vier Geschichten. Entsprechend dicht, assoziativ und oft schon hastig, fast wie ein Bebop-Stück, ist „Fahrstuhl zum Schafott“ erzählt. Da gibt es keine überflüssigen Bilder. Eher schon umgekehrt – und gerade das macht „Fahrstuhl zum Schafott“, abgesehen von seinem Rang als Filmklassiker, auch heute noch gut ansehbar. Außerdem ist die Noir-Philosophie immer noch aktuell.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Mit Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Lino Ventura, Charles Denner, Jean-Claude Brialy (Gast in der Bar)

Wiederholung: Mittwoch, 31. März, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fahrstuhl zum Schafott“

Wikipedia über „Fahrstuhl zum Schafott“ (deutsch, englisch, französisch)

Film-Noir über „Fahrstuhl zum Schafott“

Roger Ebert über „Fahrstuhl zum Schafott“

Noir of the Week: Guy Savage über „Fahrstuhl zum Schafott“

Criterion: Terrence Rafferty über „Fahrstuhl zum Schafott“

Meine Besprechung von Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“ (L’Ascenceur pour l’échafaud, Frankreich 1957)

Meine Besprechung von Roger Vadim, Louis Malle und Federico Fellinis „Außergewöhnliche Geschichten“ (Histoires Extraordinaires, Frankreich/Italien 1968)


TV-Tipp für den 14. Dezember: Einer bleibt auf der Strecke

Dezember 13, 2020

Arte, 20.15

Einer bleibt auf der Strecke (Les grandes gueules, Frankreich/Italien 1965)

Regie: Robert Enrico

Drehbuch: Robert Enrico, José Giovanni

LV: José Giovanni, Le haut-fer, 1962

In den Vogesen übernimmt der aus Kanada zurückgekehrte Erbe Valentin (Bourvil) ein altes Sägewerk. Schnell hat er Ärger mit der Konkurrenz. Da schlägt ihm Laurent (Lino Ventura) vor, ehemalige Sträflinge zu beschäftigen. Das Resozialisierungsprojekt stößt nicht überall auf Wohlwollen.

TV-Premiere eines Films, der damals in unseren Kinos lief und aufgrund der Beteiligten eigentlich viel bekannter sein müsste. So ist „Einer bleibt auf der Strecke“ bei uns jetzt wohl Lino Venturas unbekanntester Film als Hauptdarsteller. Von dem Team Enrico/Giovanni/Ventura stammt auch „Die Abenteurer“.

Einer bleibt auf der Strecke“ überträgt Western-Topoi in die Vogesen und erzählt episodisch die Geschichte einer Männerfreundschaft.

Ein sozialkritisch angelegter, aber wegen der klischeehaften Typisierung und der selbstzweckhaften Schlägereien wenig glaubwürdiger Film des talentierten französischen Regisseur Robert Enrico.“ (Lexikon des internationalen Films – und damit die zeitgenössische Filmkritik)

1982 schrieb Hans Gerhold in einem Robert-Enrico-Porträt im film-dienst: „Enrico gelingt in diesem Fällen eine psychologisch ungemein differenzierte Charakterisierung. Das geduldige Sich-Einlassen auf die Erfahrungen, Erlebnisse, Hoffnungen und Träume seiner Protagonisten bestimmt bis in den Erzählduktus hinein die Art des Geschichten-Entwickelns: Wichtig ist nicht das Resultat, der Effekt, der Action-Höhepunkt, wenngleich er nicht vernachlässigt wird, sondern der Prozess, der Weg, der Menschen unter bestimmten Bedingungen zu bestimmten Handlungen führt. Das geschieht nicht in der Art vorgeblich tiefsinniger Psychodramen, sondern in höchst unprätentiöser Weise durch die Darstellung physischer Tätigkeiten.“

Es könnte sich – seltsamerweise – um eine auf 100 Minuten gekürzte Fassung handeln. In meinen Unterlagen finde ich nämlich Laufzeitangaben von 106, 120 und sogar 128 Minuten.

Anschließend, um 21.55 Uhr, zeigt Arte einen weiteren sehenswerten Film von Robert Enrico: „Das Netz der tausend Augen“ (Frankreich 1974),mit Jean-Louis Trintignant, Marlene Jobert und Philippe Noiret.

mit Bourvil, Lino Ventura, Marie Dubois, Jess Hahn, Jean-Claude Rolland, Michel Constantin

auch bekannt als „Die großen Schnauzen“

Wiederholung: Donnerstag, 17. Dezember, 13.45 Uhr

Hinweise

Arte über den Film (bis 20. Dezember in der Mediathek)

Wikipedia über „Einer bleibt auf der Strecke“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Robert Enricos „Die Abenteurer“ (Les Aventuriers, Frankreich 1967)


TV-Tipp für den 22. Juni: Fahrstuhl zum Schafott

Juni 21, 2020

Arte, 20.15

Fahrstuhl zum Schafott (L’ascenseur pour l’échafaud, Frankreich 1958)

Regie: Louis Malle

Drehbuch: Roger Nimier, Louis Malle

LV: Noel Calef: Ascenseur pour l’echafaud, 1956 (Fahrstuhl zum Schafott)

Julien hat den perfekten Mord begangen. Aber danach geht alles gründlich schief: er bleibt in einem Fahrstuhl stecken und sein Auto wird von Halbstarken geklaut.

Malles Regiedebüt ist inzwischen ein Noir-Krimiklassiker und einer der stilbildenden Filme der Nouvelle Vague. Musikalisch fabelhaft begleitet von Miles Davis und einer aus europäischen Musikern bestehenden Band.

Louis Malle erzählt in knapp neunzig Minuten vier Geschichten. Entsprechend dicht, assoziativ und oft schon hastig, fast wie ein Bebop-Stück, ist „Fahrstuhl zum Schafott“ erzählt. Da gibt es keine überflüssigen Bilder. Eher schon umgekehrt – und gerade das macht „Fahrstuhl zum Schafott“, abgesehen von seinem Rang als Filmklassiker, auch heute noch gut ansehbar. Außerdem ist die Noir-Philosophie immer noch aktuell.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Mit Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Lino Ventura, Charles Denner, Jean-Claude Brialy (Gast in der Bar)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fahrstuhl zum Schafott“

Wikipedia über „Fahrstuhl zum Schafott“ (deutsch, englisch, französisch)

Film-Noir über „Fahrstuhl zum Schafott“

Roger Ebert über „Fahrstuhl zum Schafott“

Noir of the Week: Guy Savage über „Fahrstuhl zum Schafott“

Criterion: Terrence Rafferty über „Fahrstuhl zum Schafott“

Meine Besprechung von Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“ (L’Ascenceur pour l’échafaud, Frankreich 1957)

Meine Besprechung von Roger Vadim, Louis Malle und Federico Fellinis „Außergewöhnliche Geschichten“ (Histoires Extraordinaires, Frankreich/Italien 1968)


Druckfrisch durchgeblättert: Das „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2019/2020“

April 8, 2020

Seit der „Filmdienst“, die 1949 von der Katholischen Filmkommission für Deutschland gegründete Filmzeitschrift, zum Filmkulturportal filmdienst.de umgestellt wurde, wurden auch beim jährlichen „Lexikon des internationalen Films“ einige Kleinigkeiten geändert. So gab es in der Redaktion einen größeren, für den Inhalt unbedeutenden personellen Wechsel und der Teil des Lexikons mit den längeren Berichten wurde deutlich ausgeweitet. Von früher um die hundert Seiten auf um die zweihundert Seiten. Das ‚Lexikon der Filme‘, also die kritisch kommentierte alphabetische Auflistung aller in Deutschland im Berichtsjahr im Kino und TV erstmals gezeigten und auf DVD und bei Streaming-Anbietern erstmals veröffentlichten Spiel- und Dokumentarfilme, bildet immer noch das umfangreiche Herz des Lexikons. Und die fast eintausendvierhundert Kurzkritiken sind gewohnt zuverlässig.

Eine kleine Änderung ist, dass die Jahreszahlen im Titel geändert wurden. Jetzt stehen das Veröffentlichungsjahr („2020“) und das Berichtsjahr („2019“) gleichberechtigt nebeneinander. Das ist in Richtung Verkauf sicher die klügere Lösung. Früher stand das Berichtsjahr groß im Titel und das Erscheinungsjahr klein auf dem Umschlag. Die schon seit Jahren eingestellten Filmlexika des Fischer- und des Heyne-Verlags hatten immer das Erscheinungsjahr groß auf dem Cover stehen gehabt.

Wie jedes Jahr gibt es eine von den Filmdienst-Kritikern ausgewählte Liste mit den besten Kinofilmen des letzten Jahres. Diese Liste umfasst, wie letztes Jahr, zwanzig Werke:

Parasite

Porträt einer jungen Frau in Flammen

The Irishman

Burning

Systemsprenger

La Flor (ein vierzehnstündiges Epos, das auf einigen Festivals und später in wenigen Kinos lief; – aber Arte wird uns das Werk sicher irgendwann in seiner ganzen Pracht zeigen)

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

Heimat ist ein Raum aus Zeit

Border

Ich war zuhause, aber…

The Sisters Brothers

Wir

Joker

High Life

Leid und Herrlichkeit

Vox Lux

Lara

Once upon a time in…Hollywood

Bis dann, mein Sohn

Sunset

Außerdem werden fünfzehn bemerkenswerte Serien vorgestellt. Unter anderem „Chernobyl“, „Der Pass“ und „Catch-22“.

Ergänzt werden diese längeren Kritiken um Porträts von Filmschaffenden (wie Sylvester Stallone, Dino de Laurentis, Lino Ventura [zu seinem hundertsten Geburtstag; das Porträt erinnerte mich daran, mir wieder einen Film mit ihm anzusehen.], Barry Jenkins, Bong Joon-ho, Jan-Ole Gerster, Francois Ozon und Yorge Lanthinos), Nachrufe, aktuelle Trends aus der Filmbranche und Auflistungen wichtiger Filmpreise.

Damit ist die aktuelle Ausgabe des Jahrbuchs des „Lexikons des internationalen Films“ für Filmfans gewohnt essentiell. Auch wenn beim Blättern die Liste der Unbedingt-zu-sehen-Filme wieder wächst.

Zum Glück kenne ich schon fast alle Filme der Top-20-Liste. Das ist schon einmal ein guter Anfang.

Filmdienst.de/Katholische Filmkommission für Deutschland (Redaktion: Jörg Gerle, Felicitas Kleiner, Josef Lederle, Marius Nobach): Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2019/2020

Schüren, 2020

544 Seiten

28,00 Euro

Hinweise

Homepage der Zeitschrift „Filmdienst“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung von “Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2010″

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2011“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2013“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2014“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2015“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2016“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2017“


TV-Tipp für den 29. März: Der zweite Atem

März 28, 2020

Arte, 20.15

Der zweite Atem (Le deuxième souffle, Frankreich 1966)

Regie: Jean-Pierre Melville

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

LV: José Giovanni: Un règlement de comptes, 1958 (später “Le deuxième souffle”, deutsch “Der zweite Atem”)

Der gerade aus dem Knast ausgebrochene Gu beteiligt sich an einem ausgeklügelten Raub. Aber danach laufen die Dinge, vor allem wegen falsch verstandener Ehrbegriffe, aus dem Ruder.

Ein weiteres Meisterwerk von Jean-Pierre Melville.

“Der beste Gangsterfilm der letzten Jahre entstand nicht in Hollywood, sondern in den Straßen von Paris.” (Sigrid Schmitt, Süddeutsche Zeitung)

“Le deuxième souffle ist Melvilles La règle du jeu. Hatte Renoir in seiner Satire eine Gesellschaft, die nur nach bestimmten Spielregeln funktionieren kann, als hohl entlarvt, weil sie sich auch dann noch an diese Regeln klammert, wenn sie sinnlos geworden sind, so führt Melville in seinem nach einem Roman von José Giovanni entstandenen Film diese Konventionen zu ihrer letzten Konsequenz. Der Mikrokosmos der Gangster, wie Renoirs Adlige und Diener Signifikat für die Gesamtgesellschaft, ist determiniert von Regeln, die notwendig zu Untergang und Tod führen.” (Hans Gerhold in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte, Hrsg.: Jean-Pierre Melville)

Damals war es eine beliebte Übung der deutschen Verleiher, bei Melville-Filmen beherzt zur Schere zu greifen. Auch “Der zweite Atem” blieb davon nicht verschont. Über eine halbe Stunde wurde für den deutschen Kinostart 1968 aus dem Film entfernt. Arte zeigt natürlich die ungekürzte Version – und danach, um 22.40 Uhr, die einstündige Doku „Der Virtuose des Gangsterfilms – Jean-Pierre Melvill“ (Frankreich 2019).

mit Lino Ventura, Paul Meurisse, Raymond Pellegrin, Christine Fabrega, Michel Constantin, Marcel Bozzufi

Wiederholung: Mittwoch, 1. April, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der zweite Atem“

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. November: Die Valachi-Papiere

November 2, 2018

BR, 23.45

Die Valachi-Papiere (Carteggio Valachi/Cosa Nostra, Italien/Frankreich 1972)

Regie Terence Young

Drehbuch: Stephen Geller, Dino Maiuri, Massimo de Rita

LV: Peter Maas: The Valachi Papers, 1968 (Die Valachi Papiere)

Biopic über Joe Valachi. Er war über dreißig Jahre Mitglied der Mafia und wurde, nachdem Don Vito Genovese ihn zum Tod verurteilte, in den frühen Sechzigern zum Kronzeugen gegen die Mafia.

Valachi war der erste Mafia-Gangster, der für eine Strafminderung der Polizei sein gesamtes Leben erzählte.

James Bond“-Regisseur Terence Young inszenierte, im Fahrwasser von „Der Pate“, einen harten Thriller, der damals auch ein Kassenhit war. Das ist gut, aber natürlich ist Martin Scorseses „GoodFellas“ tausendmal besser.

Mit Charles Bronson, Lino Ventura, Joseph Wiseman, Jill Ireland, Amadeo Nazzari

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Valachi-Papiere“

Wikipedia über „Die Valachi-Papiere“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 26. Oktober: Der Clan der Sizilianer

Oktober 26, 2018

BR, 23.45

Der Clan der Sizilianer (Le Clan des Siciliens, Frankreich 1969)

Regie: Henri Verneuil

Drehbuch: Henri Verneuil, José Giovanni, Pierre Pelegri

LV: Auguste Le Breton: Le Clan des Siciliens, 1967

Kamera: Henri Decae

Musik: Ennio Morricone

Ein entflohener Sträfling entführt mit einer Gangsterbande ein mit Juwelen beladenes Flugzeug. Während der Planung beginnt er ein Verhältnis mit der Schwiegertochter des Bosses. Und der sieht das gar nicht sportlich.

Allein schon die Besetzung mit Jean Gabin, Alain Delon und Lino Ventura verspricht einen vergnüglichen Abend und einen Kassenknüller. Bei der Kritik war der Film dagegen ziemlich unbeliebt: „Gut fotografierte und musikalisch intelligent akzentuierte Gaunergeschichte, die jedoch eine psychologische Darstellung und ausreichende Charakterisierung der Personen vermissen läßt.“ (Film-Dienst) oder „larmoyante Opernhandlung um sizilianische Gangsterehre“ (Der Spiegel)

mit Jean Gabin, Alain Delon, Lino Ventura, Irina Demick, Amedeo Nazzari, Sidney Chaplin, Elisa Cegani

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Clan der Sizilianer“

Wikipedia über „Der Clan der Sizilianer“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 17. Oktober: Vier im roten Kreis

Oktober 16, 2018

One, 22.50

Vier im roten Kreis (Le cercle rouge, Frankreich 1970)

Regie: Jean-Pierre Melville

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

Nach einer Haftstrafe plant Einbrecher Corey (Alain Delon) gleich seinen nächsten Coup. Den Einbruch in ein gut gesichertes Juweliergeschäft. Mit zwei Kumpanen (Gian Maria Volonté, Yves Montand) will er das Ding durchziehen. Ein Kommissar (André Bourvil) jagt sie.

Mehr Story braucht Jean-Pierre Melville in seinem vorletzten Film „Vier im roten Kreis“ nicht, um ein weiteres Meisterwerk zu inszenieren. Der Gangsterfilm ist nur deshalb bei der breiten Masse unbekannter, weil Melvilles „Der eiskalte Engel“ und sein letzter Film „Der Chef“ (beide ebenfalls mit Alain Delon) bekannter sind. Denn „Vier im roten Kreis“ hat alles, was Melville-Fans lieben und auf der großen Leinwand wirkt der Film noch besser.

Legendär und in die Kinogeschichte eingegangen ist der Einbruch in das Juweliergeschäft: eine gute halbe Stunde verfolgen wir atemlos den Einbruch, bei dem keiner der Einbrecher ein Wort sagt. Großes Kino.

mit Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand, Gian Maria Volontè, Francois Périer, Paul Crauchet

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Vier im roten Kreis“

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

Meine Besprechung von “Der Leopard” (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von “Die Abenteurer” (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. September: Der Swimmingpool

September 20, 2018

3sat, 22.25

Der Swimmingpool (La piscine, Frankreich/Italien 1968)

Regie: Jacques Deray

Drehbuch: Jean-Emmanuel Conil (Pseudonym von Alain Page), Jean-Claude Carrière (Adaption und Dialoge), Jacques Deray (Adaption und Dialoge)

Viel Story hat „Der Swimmingpool“ nicht, aber darum ging es auch nicht. Denn das High Concept hieß: Das ehemalige Liebespaar „Alain Delon und Romy Schneider am Swimmingpool. Und Jane Birkin ist auch dabei.“

Denn der Filmplot ist (wenn man mehr als Delon und Schneider leicht bekleidet am Swimmingpool sehen will) eine arg zähe Dreiecksgeschichte mit Sex und Mord unter der südfranzösischen Sonne. Der Film war ein Kinohit.

mit Alain Delon, Romy Schneider, Maurice Ronet, Jane Birkin

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Wikipedia über „Der Swimmingpool“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Der Leopard“ (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von „Die Abenteurer“ (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


TV-Tipp für den 13. August: Die Abenteurer

August 13, 2018

Arte, 20.15

Die Abenteurer (Les Aventuriers, Frankreich 1967)

Regie: Robert Enrico

Drehbuch: Robert Enrico, José Giovanni, Pierre Pelegri

LV: José Giovanni: Les Aventuriers, 1960

Roland (Lino Ventura) und Manu (Alain Delon) wollen zusammen mit ihrer Freundin Laetitia (Joanna Shimkus) vor der afrikanischen Küste einen Goldschatz heben. Aber sie sind nicht die einzigen Glücksjäger.

„Die Abenteurer“ ist ein feiner Film, ein Kassenhit, ein Klassiker des französischen Kinos und eine zeitlose Liebeserklärung an die Träumer und die Freundschaft. Immer wieder ein Vergnügen

mit Lino Ventura, Alain Delon, Joanna Shimkus, Serge Reggiani, Paul Crauchet, Hans Meyer

Wiederholung: Mittwoch, 15. August, 14.00 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Abenteurer“

Wikipedia über „Die Abenteurer“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Robert Enricos „Die Abenteurer“ (Les Aventuriers, Frankreich 1967)

Kriminalakte über José Giovanni, Alain Delon und Lino Ventura


TV-Tipp für den 10. Juni: Adieu Bulle

Juni 10, 2018

Arte, 20.15

Adieu Bulle (Adieu Poulet, Frankreich 1975)

Regie: Pierre Granier-Deferre

Drehbuch: Francis Veber

LV: Raf Vallet: Adieu Poulet!, 1974 (Adieu, Bulle)

Kommissar Verjeat ermittelt, mitten im tobenden Provinzwahlkampf, gegen einen einflussreichen Politiker, der wahrscheinlich auch ein Mörder ist.

Der „perfekte Actionfilm“ (Lexikon des internationalen Films) bot Lino Ventura, nach einigen untypischen Rollen, wieder eine Glanzrolle. „Fast alle Ingredienzien der von Regisseuren wie Becker, Melville, Sautet und Enrico geprägten Gattung kommen vor, auch jene spröde Männerfreundschaft, die den französischen Unterweltfilm schon immer als europäisches Gegenstück zum Western auswies.“ (Hans Christoph Blumenberg, Kölner Stadt-Anzeiger) Für die Verfilmung wurde die Story kräftig geändert. Daher lohnt sich die Lektüre von Vallets Roman durchaus. Wenn man in einem Antiquariat ein Exemplar auftreibt.

Mit Lino Ventura, Patrick Dewaere, Victor Lanoux, Julien Guiomar, Francoise Brion, Claude Rich

Wiederholung: Montag, 11. Juni, 14.00 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Adieu Bulle“

Rotten Tomatoes über „Adieu Bulle“

Wikipedia über „Adieu Bulle“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 25. Mai: Vier im roten Kreis

Mai 24, 2018

3sat, 22.25

Vier im roten Kreis (Le cercle rouge, Frankreich 1970)

Regie: Jean-Pierre Melville

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

Nach einer Haftstrafe plant Einbrecher Corey (Alain Delon) gleich seinen nächsten Coup. Den Einbruch in ein gut gesichertes Juweliergeschäft. Mit zwei Kumpanen (Gian Maria Volonté, Yves Montand) will er das Ding durchziehen. Ein Kommissar (André Bourvil) jagt sie.

Mehr Story braucht Jean-Pierre Melville in seinem vorletzten Film „Vier im roten Kreis“ nicht, um ein weiteres Meisterwerk zu inszenieren. Der Gangsterfilm ist nur deshalb bei der breiten Masse unbekannter, weil Melvilles „Der eiskalte Engel“ und sein letzter Film „Der Chef“ (beide ebenfalls mit Alain Delon) bekannter sind. Denn „Vier im roten Kreis“ hat alles, was Melville-Fans lieben und auf der großen Leinwand wirkt der Film noch besser.

Legendär und in die Kinogeschichte eingegangen ist der Einbruch in das Juweliergeschäft: eine gute halbe Stunde verfolgen wir atemlos den Einbruch, bei dem keiner der Einbrecher ein Wort sagt. Großes Kino.

Anschließend, um 00.40 Uhr, läuft „Der Chef“, ein weitere Film von Melville.

mit Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand, Gian Maria Volontè, Francois Périer, Paul Crauchet

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Vier im roten Kreis“

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

Meine Besprechung von “Der Leopard” (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von “Die Abenteurer” (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. März: Der Kommissar und sein Lockvogel

März 12, 2018

Arte, 20.15

Der Kommissar und sein Lockvogel (Dernier domicile connu, Frankreich/Italien 1969

Regie: José Giovanni

Drehbuch: José Giovanni

LV: Joseph Harrington: The last known Address, 1965

Kommissar Leonetti soll in wenigen Tagen einen seit fünf Jahren verschwundenen Zeugen finden.

Ein eher selten gezeigter Klassiker des Polizeifilms. Giovanni zeigt ohne gefällige Lösungen die zermürbende Arbeit eines Polizisten. Besonders das Ende ist in seiner bitteren Konsequenz grandios.

„Mich reizte die Idee, einen Bullen zu zeigen, der zu Fuß durch die Stadt marschiert, der weder einen schnellen Schlitten fährt, noch dieses ganze Theater wahrnimmt, das man im Kino immer sieht. Aus diesem Grund habe ich diesen Film gemacht, als Gegensatz zu allem, was existiert. Das war übrigens auch schon im Buch von Harrington, der früher selbst Polizist war.“ (José Giovanni)

Mit Lino Ventura, Marlène Jobert, Michel Constantin

Auch bekannt als „Tödliche Frist“ und „Letzter bekannter Wohnsitz“ (unter dem Titel war der Film im Kino angekündigt)

Wiederholung: Mittwoch, 14. Mär7, 14.05 Uhr

Hinweise

Schnitt über „Der Kommissar und sein Lockvogel“

Wikipedia über „Der Kommissar und sein Lockvogel“ (deutsch, englisch, französich) und José Giovanni (deutsch, französich)

Meine Besprechung des Films “Die Abenteurer” (nach einem Buch von José Giovanni, mit Lino Ventura)

Kriminalakte über José Giovanni und Lino Ventura


TV-Tipp für den 4. Februar: Ich – Die Nummer eins

Februar 3, 2018

Arte, 20.15

Ich – Die Nummer eins (Le silencieux, Frankreich/Italien 1972)

Regie: Claude Pinoteau

Drehbuch: Claude Pinoteau, Jean-Loup Dabadie

LV: Francis Ryck: Drôle de pistolet, 1968 (später nach dem Film “Le Silencieux”) (Ein Sender im Gepäck)

Ein sowjetischer Kernforscher gerät in London zwischen die Fronten der Geheimdienste.

Spannender, ungewöhnliche Spionagethriller mit einem schweigsamen Helden, der das Opfer von Strukturen wird, und einem Finale in den Alpen.

Damals und heute gelobt: „Brillant inszeniert und gespielt, mit unterschwelliger Ironie und menschlichen Momenten, bietet dieser Erstlingfilm spannende Unterhaltung.“ (Katholischer Filmdienst)

„Spannender kleine Thriller“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Der Roman erhielt 1969 den „Grand prix de littérature policière“.

Mit Lino Ventura, Léa Massari, Leo Genn, Robert Hardy

Videotitel: Wettlauf mit dem Tod

Wiederholung: Freitag, 9. Februar, 14.00 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Ich – Die Nummer eins“ und Francis Ryck (deutsch, französisch)


TV-Tipp für den 27. November: Der zweite Atem

November 27, 2017

Arte, 20.15

Der zweite Atem (Frankreich 1966, Regie: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

LV: José Giovanni: Un règlement de comptes, 1958 (später “Le deuxième souffle”, deutsch “Der zweite Atem”)

Der gerade aus dem Knast ausgebrochene Gu beteiligt sich an einem ausgeklügelten Raub. Aber danach laufen die Dinge, vor allem wegen falsch verstandener Ehrbegriffe, aus dem Ruder.

Ein weiteres Meisterwerk von Jean-Pierre Melville.

“Der beste Gangsterfilm der letzten Jahre entstand nicht in Hollywood, sondern in den Straßen von Paris.” (Sigrid Schmitt, Süddeutsche Zeitung)

“Le deuxième souffle ist Melvilles La règle du jeu. Hatte Renoir in seiner Satire eine Gesellschaft, die nur nach bestimmten Spielregeln funktionieren kann, als hohl entlarvt, weil sie sich auch dann noch an diese Regeln klammert, wenn sie sinnlos geworden sind, so führt Melville in seinem nach einem Roman von José Giovanni entstandenen Film diese Konventionen zu ihrer letzten Konsequenz. Der Mikrokosmos der Gangster, wie Renoirs Adlige und Diener Signifikat für die Gesamtgesellschaft, ist determiniert von Regeln, die notwendig zu Untergang und Tod führen.” (Hans Gerhold in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte, Hrsg.: Jean-Pierre Melville)

Damals war es eine beliebte Übung der deutschen Verleiher, bei Melville-Filmen beherzt zur Schere zu greifen. Auch “Der zweite Atem” blieb davon nicht verschont. Über eine halbe Stunde wurde für den deutschen Kinostart 1968 aus dem Film entfernt. Arte zeigt natürlich die ungekürzte Version – und danach, um 22.40 Uhr zeigt der Sender Melvilles Glaubensdrama „Eva und der Priester“ (mit Jean-Paul Belmondo und Emmanuelle Riva).

mit Lino Ventura, Paul Meurisse, Raymond Pellegrin, Christine Fabrega, Michel Constantin, Marcel Bozzufi

Wiederholung: Dienstag, 28. November, 13.50 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der zweite Atem“

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. November: Vier im roten Kreis

November 26, 2017

Endlich mal zu einer normalen Uhrzeit

Arte, 20.15

Vier im roten Kreis (Frankreich 1970, Regie: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

Nach einer Haftstrafe plant Einbrecher Corey (Alain Delon) gleich seinen nächsten Coup. Den Einbruch in ein gut gesichertes Juweliergeschäft. Mit zwei Kumpanen (Gian Maria Volonté, Yves Montand) will er das Ding durchziehen. Ein Kommissar (André Bourvil) jagt sie.

Mehr Story braucht Jean-Pierre Melville in seinem vorletzten Film „Vier im roten Kreis“ nicht, um ein weiteres Meisterwerk zu inszenieren. Der Gangsterfilm ist nur deshalb bei der breiten Masse unbekannter, weil Melvilles „Der eiskalte Engel“ und sein letzter Film „Der Chef“ (beide ebenfalls mit Alain Delon) bekannter sind. Denn „Vier im roten Kreis“ hat alles, was Melville-Fans lieben und auf der großen Leinwand wirkt der Film noch besser.

Legendär und in die Kinogeschichte eingegangen ist der Einbruch in das Juweliergeschäft: eine gute halbe Stunde verfolgen wir atemlos den Einbruch, bei dem keiner der Einbrecher ein Wort sagt. Großes Kino.

Am Montag, den 27. November, zeigt Arte zwei weitere Melville-Meisterwerke: um 20.15 Uhr „Der zweite Atem“ und um 22.40 Uhr „Eva und der Priester“.

mit Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand, Gian Maria Volontè, Francois Périer, Paul Crauchet

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Vier im roten Kreis“

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

Meine Besprechung von “Der Leopard” (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von “Die Abenteurer” (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Februar: Vier im roten Kreis

Februar 3, 2017

BR, 23.30

Vier im roten Kreis (Frankreich 1970, Regie: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

Nach einer Haftstrafe plant Einbrecher Corey (Alain Delon) gleich seinen nächsten Coup. Den Einbruch in ein gut gesichertes Juweliergeschäft. Mit zwei Kumpanen (Gian Maria Volonté, Yves Montand) will er das Ding durchziehen. Ein Kommissar (André Bourvil) jagt sie.

Mehr Story braucht Jean-Pierre Melville in seinem vorletzten Film „Vier im roten Kreis“ nicht, um ein weiteres Meisterwerk zu inszenieren. Der Gangsterfilm ist nur deshalb bei der breiten Masse unbekannter, weil Melvilles „Der eiskalte Engel“ und sein letzter Film „Der Chef“ (beide ebenfalls mit Alain Delon) bekannter sind. Denn „Vier im roten Kreis“ hat alles, was Melville-Fans lieben und auf der großen Leinwand wirkt der Film noch besser.

Legendär und in die Kinogeschichte eingegangen ist der Einbruch in das Juweliergeschäft: eine gute halbe Stunde verfolgen wir atemlos den Einbruch, bei dem keiner der Einbrecher ein Wort sagt. Großes Kino

mit Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand, Gian Maria Volontè, Francois Périer, Paul Crauchet

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

Meine Besprechung von “Der Leopard” (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von “Die Abenteurer” (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Januar: Die Entführer lassen grüßen

Januar 9, 2017

Arte, 22.15

Die Entführer lassen grüßen (Frankreich/Italien 1971, Regie: Claude Lelouch)

Drehbuch: Claude Lelouch, Pierre Uytterhoeven

Fünf Gauner entdecken Entführungen als Geschäftsmodell. Ihre Geisel werden immer höhere Repräsentanten der Gesellschaft.

Laue, extrem selten gezeigt Komödie, die sich – weil viel zu undifferenziert – erfolglos in Gesellschaftskritik versucht. „Die Entführer lassen grüßen“ ist, trotz einiger gelungener Szene, wirklich kein wichtiger Lelouch- oder Ventura-Film.

„Mäßig unterhaltsame Burleske mit oberflächlicher Kritik an Ideologien; stellenweise amüsant, doch überwiegend auf billige Gags und mäßige Späße ausgerichtet.“, schrieb der Katholische Film-Dienst zutreffend zum deutschen Kinostart.

Meinolf Zurhorst und Lothar Just urteilten in ihrem „Lino Ventura“-Buch ähnlich: „Lelouch, gerühmt von den Schauspielern für seine Improvisationsfreude und die Freiheit, die er seinen Darstellern lässt, trat mit ‚Die Entführer lassen grüßen’ in viele Fettnäpfchen. Sein Film ist nicht nur Gaunerkomödie, sondern auch eine deftige, nicht immer geschmacksichere Politiksatire, die alles über einen Kamm schert, seien es lateinamerikanische Freiheitsbewegungen oder die Aktivitäten der CIA…Lelouchs eigenwilliger Stil, immer auf knallige Effekte bedacht und konsumfreundlich, eingängig unterstützt  durch die Musik von Francis Lai, lässt dabei manch gelungene Szene zu, etwa jene, in der die Ganoven am strand verschiedene Annäherungstaktiken für die da liegenden Schönheiten einüben. Man spürt förmlich den Spaß, den die Hauptdarsteller bei der Arbeit gehabt haben.“ Nur überträgt sich dieser Spaß nicht ins Wohnzimmer.

Mit Lino Ventura, Jacques Brel, Charles Denner, Yves Robert, Johnny Hallyday (als er selbst), Juan Luis Buñuel, André Falcon

Hinweise

Homepage von Claude Lelouch (viele Bilder, viele französische Texte)

Wikipedia über „Die Entführer lassen grüßen“ (deutsch, englisch, französisch) und Claude Lelouch (deutsch, englisch, französisch)

Arte über die Claude-Lelouch-Filmreihe


TV-Tipp für den 2. Januar: Ein glückliches Jahr

Januar 2, 2017

Arte, 20.15

Ein glückliches Jahr (Frankreich/Italien 1973, Regie: Claude Lelouch)

Drehbuch: Claude Lelouch

Am Silvesterabend wird Juwelendieb Simon vorzeitig aus der Haft entlassen. Im neuen Jahr will er mit seiner früheren Geliebten Françoise wieder an alte Zeiten anknüpfen. Aber sie will nicht.

Wunderschöne Krimiromanze, die mehr Romanze als Krimi ist.

Der gelungene Auftakt einer kleinen Claude-Lelouch-Reihe, in der Arte vier seiner Filme in restaurierten Fassungen zeigt. Weitere Informationen hier.

Anschließend, um 22.10 Uhr, läuft Lelouchs damals unglaublich erfolgreiche Edelschnulze „Ein Mann und eine Frau“ (Frankreich 1966), die auch am Anfang von „Ein glückliches Jahr“ zitiert wird.

Mit Lino Ventura, Françoise Fabian, Charles Gérard, André Falcon

Wiederholung: Dienstag, 10. Januar, 13.50 Uhr

Hinweise

Arte über die Claude-Lelouch-Filmreihe

AlloCiné über „Ein glückliches Jahr“

Rotten Tomatoes über „Ein glückliches Jahr“

Wikipedia über „Ein glückliches Jahr“ (englisch, französisch)


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