Neu im Kino/Soundtrack- und Filmkritik: „Silence“, der neue Film von Martin Scorsese

März 3, 2017

Alle paar Jahre dreht der bekennende Katholik Martin Scorsese einen Film, bei dem der Glaube im Mittelpunkt steht und sich alles darum dreht. „Die letzte Versuchung Christi“ war ein veritabler Skandal und eine spannende Neuinterpretation von Jesus Christus und seinen letzten Tagen. „Kundun“ war ein bestenfalls schöner Bilderbogen über die Kindheit und Jugend des vierzehnten Dalai Lama. Und jetzt „Silence“, die Verfilmung eines japanischen Romans von 1966, den er 1988 las und seitdem verfilmen wollte. Die Shusaku-Endo-Verfilmung ist, wenn man nicht gerade in einer Glaubenskrise steckt oder ein brennendes Interesse an theologischen Fragen hat, ein erschreckend langweiliger Film, der sein Thema auf die denkbar uninteressanteste Art behandelt.

1637 erhalten Pater Sebastiao Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garpe (Adam Driver) in Portugal die Nachricht, dass in Japan der geachtete Jesuitenpater Cristovao Ferreira (Liam Neeson) vom Glauben abgefallen und zum Buddhismus konvertiert ist. Er soll sogar eine Japanerin geheiratet haben. Seine beiden Schüler Rodrigues und Garpe wollen das nicht glauben. Sie wollen im Namen des Ordens die Nachricht überprüfen. Und nebenbei etwas missionieren.

In Japan findet derweil eine historisch verbürgte Christenverfolgung statt. Christen werden gefoltert und gemartert, bis sie ihrem Glauben abschwören oder sterben. Trotzdem praktizieren einige Christen im Untergrund weiterhin ihren Glauben.

Rodrigues und Garpe treffen in Japan kurz nach ihrer Ankunft auf eine solche Gemeinde. Sie beginnen dort als Geistliche zu praktizieren. Gleichzeitig suchen sie weiter nach dem anscheinend spurlos verschwundenen Ferreira.

Auf ihrer Reise treffen sie auch auf den gefürchteten Inquisitor Inoue (Issey Ogata). Mit salbungsvollen Worten und dem Angebot, keine weiteren Gläubigen bis zu ihrem Tod zu foltern, will er Pater Rodriques überzeugen, seinem Glauben abschwört. Sein Kollege und Freund Garpe wurde schon von Inoues Leuten getötet. Rodrigues, der sich in seiner christlichen Überzeugung nicht erschüttern lässt und sich immer wieder als Wiedergänger von Jesus Christus sieht, trifft auch auf Ferreira. Das ist der erwartbare Höhepunkt des Films. Wie in „Apocalypse Now“ der Auftritt von Marlon Brando am Filmende. Aber während Coppolas Vietnam-Film eine Reise in das Herz der Finsternis war, ist Scorseses Film eine, zugegeben optisch sehr ansprechende, Reise in das Herz der Langeweile. Denn die im Zentrum stehende Frage, warum der allseits geachtete, tiefgläubige Ferreira dem Glauben abschwor, während andere Gläubige auch unter einer immer schlimmer werdender Folter an ihrem christlichen Glauben festhielten, wird in „Silence“ als eine rein theologische und philosophische Frage für die verfolgten Jesuiten betrachtet. Die historischen Hintergründe werden, abseits der detailgenauen Nachstellung des damaligen Lebens, nicht weiter beachtet.

Scorsese und sein langjähriger Drehbuchautor Jay Cocks („Zeit der Unschuld“, „Gangs of New York“) reduzieren den Glaubenskonflikt letztendlich auf eine rein utilitaristische Frage: Wie viele Christen sollen für meinen Glauben sterben? Das ist dann, über hundertsechzig Minuten, eine arg eingeschränkte Behandlung des Konflikts, die schon in den ersten Minuten, wenn Ferreira die Folter von Glaubensgenossen mit kochendem Wasser beobachten muss, beantwortet wird. Immerhin schwor er da dem christlichen Glauben ab und beendete die weitere Folter seiner Gläubigen. Später werden dem Konflikt keine neuen Facetten abgewonnen oder die von Ferreira gegebene Antwort in Frage gestellt. Rodrigues beharrt einfach auf seinem Glauben, weil es der wahre Glaube ist.

Diese selbstgewählte Beschränkung führt dazu, dass niemals nach dem Konflikt zwischen verschiedenen Glaubens- und Wertesystemen gefragt wird. Also was unterscheidet den von den Jesuiten gepredigten Glauben vom Buddhismus (zu dem die Christen bekehrt werden sollen) und von der japanischen Weltsicht?

Es wird auch nie angesprochen, warum die japanischen Herrscher die Christen verfolgen, foltern und töten. Es wird auch nicht erklärt, warum die Christen bei ihrem Glauben blieben, wenn sie doch durch ein einfaches Bildertreten ihre Folter sofort hätten beenden können. Dafür hätten sie nur auf einem Bild von Jesus, Maria oder eines Kruzifixes treten müssen. Diese Handlung wurde als Beweis der Abkehr vom christlichen Glauben gewertet.

Ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher verrät, dass es bei der Christenverfolgung um Machtkämpfe ging, dass es um wirtschaftliche Interessen und die Frage des Handels mit dem Westen ging. In den Jahren, in denen „Silence“ spielt, begann Japan eine radikale Abschottungspolitik, die auch zur längsten Friedensperiode in der japanischen Geschichte führte. Die Edo-Epoche dauerte von 1603 bis 1868 und sie verhinderte eine Kolonisierung durch den Westen.

So ist „Silence“ nur ein religiöses Erbauungstraktat, das mit gut drei Stunden Laufzeit auch die Geduld des langmütigsten Zuschauer über Gebühr strapaziert.

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Silence (Silence, USA 2016)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Jay Cocks, Martin Scorsese

LV: Shusaku Endo: Chinmoku, 1966 (Schweigen)

mit Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Tadanobu Asano, Ciarán Hinds, Yosuke Kubozuka, Yoshi Oida, Shin’ya Tsukamoto, Issey Ogata, Nana Komatsu, Ryo Kase

Länge: 162 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Der Soundtrack

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Es gibt Filmmusik, die schiebt sich wie ein Pickel in den Vordergrund, ist nicht zu überhören und übertönt alles. Sie ist laut, penetrant und störend.

Und dann gibt es Filmmusik wie die von Kim Allen Kluge und seiner Frau Kathryn Kluge zu Martin Scorseses neuem Film „Silence“. Als ich las, dass es einen Soundtrack zu dem Film gibt, fragte ich mich, ob da überhaupt Musik gewesen war. Natürlich war nicht der übliche Martin-Scorsese-Soundtrack aus bekannten Songs zu hören. Es waren auch kein auftriumphierendes Orchester oder mittelalterliche Choralgesänge oder japanische Klänge zu hören.

Und trotzdem gab es Musik. Auf der Soundtrack-CD sind gut 52 Minuten Musik enthalten. Es ist eine filigrane Soundcollage mit vielen Wind-, Regen- und natürlichen Geräuschen, die die traditionelle „Musik“ dominieren. Diese ist sparsam eingefügt, eher percussiv und nah an der Ambient-Musik eines Brian Eno. Damit unterstützt die Musik der Kluges die Stimmung des Films und sie funktioniert auch ausgezeichnet ohne die Bilder als beruhigende Ambient-Musik, in der natürliche Klänge und kleine Änderungen das Klangbild dominieren. Da ist es fast schon konsequent, dass die Musik von Kim Allen und Kathryn Kluge sich nicht für eine Oscar-Nominierung qualifizieren konnte, weil ihre Musik kein „substantial body of music“ sei. Ein gewaltiger Irrtum, auch wenn „Silence“ definitiv nicht zur Hans-Zimmer-Schule der Filmmusik gehört.

Hörenswert!

Kim Allen Kluge, Kathryn Kluge: Silence – Original Motion Picture Soundtrack

Warner Classics

Die (noch nicht gelesene) Vorlage

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Shusaku Endo: Schweigen

(überarbeitete Neuübersetzung, aus dem Japanischen von Ruth Linhart, mit einem Vorwort von Martin Scorsese und einem Nachwort von William Johnson)

Septime Verlag, 2015

312 Seiten

22,90 Euro

Originalausgabe

Chinmoku

Verlag Shinchosha, Tokio, 1966

 

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Silence“

Metacritic über „Silence“

Rotten Tomatoes über „Silence“

Wikipedia über „Silence“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Homepage von Kim Allen Kluge

Ein Gespräch mit Martin Scorsese über „Silence“


Neu im Kino/Filmkritik: Martin Scorsese und „The Wolf of Wall Street“

Januar 16, 2014

Was soll nach einem Kinderfilm, einer Liebeserklärung an das Kino, kommen? Martin Scorsese entschied sich für eine Rückkehr zu seinen Wurzeln: nach über zehn Jahren spielt die Geschichte, die er erzählt, wieder in New York, ein Charakter steht im Mittelpunkt und es wird ein Milieu porträtiert, das die meisten Menschen wahrscheinlich nur aus der Zeitung kennen. Dieses Mal ist es der titelgebende „The Wolf of Wall Street“, wie sich Jordan Belfort gänzlich unbescheiden selbst nennt und wie er folgerichtig seine Autobiographie betitelte, und das Milieu der Börsenspekulanten, die Millionen verdienen und die bürgerliche Moralvorstellungen ungefähr so sehr beachten, wie Mafiosi, die sich aber auch gegenseitig umbringen.

The Wolf of Wall Street“ schließt auch stilistisch und erzählerisch an „GoodFellas“ und „Casino“, zwei frühere Scorsese-Klassiker, an. Nur das dieses Mal die Gangster keine Mörder, sondern Weiße-Kragen-Kriminelle sind.

Jordan Belfort kommt 1987 an die Wall Street und wird kurz darauf beim Börsencrash entlassen. Er eröffnet, abseits der Wall Street, Stratton Oakmont, eine Firma, die mit den Pennystocks ein Vermögen macht und mit immer mehr Angestellten in immer größere Büros expandiert. Belfort faszinierte bei den Pennystocks, Aktien von prinzipiell wertlosen Unternehmen, die nicht an der regulären Börse gehandelt werden und oft nur ein Betrug sind, dass er eine wesentlich höhere Provision als bei sonstigen Verkäufen erhält.

Belfort und seine engsten Freunde, eine erschreckend hohe Zahl von Schulabbrechern und Kleingangstern und in jedem Fall von Menschen, die keinerlei ökonomisches Wissen haben, aber gut das von Belfort geschriebene Verkaufsskript vorlesen können, verdienen mit ihrer aggressiven Verkaufsstrategie schnell unglaublich viel Geld und geben es ebenso schnell, maßlos und hemmungslos für Frauen, Drogen und ihre pubertären Träume aus.

Gleichzeitig sind sie Betrüger und Steuerhinterzieher im großen Stil, die – wie Gangster – Tonnen von Geld über die Grenze schmuggeln.

The Wolf of Wall Street“ zeichnet, nach einem Drehbuch von „The Sopranos“- und „Boardwalk Empire“-Autor Terence Winter, in einem atemlosem, dreistündigen Strudel von Voice-Over, Ansprachen, grellen Bildern und absurden Geschichten das Leben der Yuppies, die glauben über dem Gesetz zu stehen, nach – und wir finden sie durchaus sympathisch. Fast wie große Jungs, die ihren Spaß haben und nicht fassen können, dass sie Geld wie Heu verdienen.

Das liegt auch daran, dass die Gegenseite von dem humorlosen FBI-Agenten Patrick Denham verkörpert wird, der Belfort anscheinend nur verfolgt, weil er ihm sein Geld nicht gönnt; weil die Opfer von Belforts Spekulationen, die kleinen Menschen, die ihr mühsam Erspartes in wertlosen Aktien anlegen, nie vorkommen und weil, auch wenn Belfort am Ende vor Gericht steht, die Verhandlung auf einen kurzen Gag zusammengestrichen wird. Da fragt man sich dann doch, was Belfort, außer etwas Steuerhinterziehung, so schlimmes getan hat. Aber das fragte man sich auch bei Tony Soprano.

Beim Drehbuch merkt man, dass Terence Winter vom Fernsehen kommt. Denn es gibt viele, für Kino-Verhältnisse, unglaublich lange Szenen, in denen wenige Schauspieler in einem Raum sitzen und reden – und wir fasziniert zuhören, weil die Schauspieler und die von Winter geschriebenen Dialoge, Monologe und das fast pausenlose Voice-Over grandios sind. Wenn Wall-Street-Broker Mark Hanna dem jungen Jordan Belfort, der an seinen Lippen hängt, erzählt, wie die Wall Street funktioniert, dann darf Matthew McConaughey in wenigen Minuten einen vollkommen wahnsinnigen Menschen porträtiert, dem Andere ihr Geld anvertrauen. Oder wenn Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort eine seiner zahlreichen Ansprachen vor seinen Angestellten hält oder er einen massiven Quaaludes-Drogenrausch hat. Oder wenn er in der Schweiz sein Schwarzgeld anlegen will und an einen von Jean Dujardin hübsch skrupellosen, aber sehr charmanten Banker gerät.

Langweilig ist Martin Scorseses Film nie. Trotzdem ist „The Wolf of Wall Street“ mit drei Stunden, je nach Sichtweise, entweder zu lang geraten, weil man wirklich nicht die fünfte Belfort-Ansprache braucht, weil die Geschichte eher ein unfokussierter, eklektischer Reigen von grellen und absurden Episoden ist, oder zu kurz, weil es trotzdem nie langweilig wirkt und man gerne noch etwas mehr über Belfort und sein maßloses Leben in einem ebenso maßlosem Film erfahren hätte.

P. S.: Mehr, viel mehr Infos über den Film und die Hintergründe gibt es hier.

The Wolf of Wall Street - Plakat

The Wolf of Wall Street (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Terence Winter

LV: Jordan Belfort: The Wolf of Wall Street, 2007 (Der Wolf der Wall Street)

mit Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey, Kyle Chandler, Rob Reiner, Jon Favreau, Jean Dujardin, Jon Bernthal

Länge: 179 Minuten

FSK: 1b 16 Jahre

Die Vorlage

Belfort - Der Wolf der Wall-Street - Movie-Tie-In - 4

Jordan Belfort: Der Wolf der Wall Street – Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone

(übersetzt von Egbert Neumüller)

Goldmann Taschenbuch, 2014

640 Seiten

9,99 Euro

Die Originalausgabe erschien 2007.

Die deutsche Erstausgabe 2008 im Verlag Börsenmedien AG.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Wolf of Wall Street“

Moviepilot über „The Wolf of Wall Street“

Metacritic über „The Wolf of Wall Street“

Rotten Tomatoes über „The Wolf of Wall Street“

Wikipedia über „The Wolf of Wall Street“ (deutsch, englisch)

Hollywood vs. Reality über „The Wolf of Wall Street“

Kriminalakte: Tonnen weitergehender Informationen über den Film

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Infodump zu Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“

Januar 13, 2014

The Wolf of Wall Street - Plakat

Am Donnerstag startet „The Wolf of Wall Street“ (frei übersetzt „Der Wolf der Wall Street“), der neue, grandiose Film von Martin Scorsese, der an seine Klassiker „GoodFellas“ und „Casino“ anknüpft, nur dass er sich dieses Mal auf einen Finanzschwindler konzentriert. Ein dreistündiger Husarenritt. Leonardo DiCaprio, der vor wenigen Stunden den Golden Globe als bester Hauptdarsteller erhielt, übernahm die Hauptrolle und er ist wirklich atemberaubend als skrupelloser, egozentrischer Schwindler.

Der Film basiert auf der Biographie von Jordan Belfort, die jetzt bei Goldmann als Taschenbuch erschien:

Belfort - Der Wolf der Wall-Street - Movie-Tie-In - 4

Jordan Belfort: Der Wolf der Wall Street – Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone

(übersetzt von Egbert Neumüller)

Goldmann Taschenbuch, 2014

640 Seiten

9,99 Euro

Die Originalausgabe erschien 2007.

Die deutsche Erstausgabe 2008 im Verlag Börsenmedien AG.

Hier einige Interviews mit Jordan Belfort, dessen Art mir nicht gefällt. Aber irgendetwas muss der Verkäufer ja richtig machen.

Grant Lewers (The Room Live) spricht mit Belfort:

Der Google-Hangout vom 11. Januar (am Anfang spricht Belfort auch über Scorseses Film)

Belfort erzählt, wie man Dinge verkauft:

Zum Ausgleich gibt es einige Interviews mit den am Film beteiligten Menschen:

The Hollywood Reporter (THR) spricht mit Martin Scorsese, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill und Drehbuchautor Terence Winter („Boardwalk Empire“, „The Sopranos“)

The LipTV/Media Mayhem spricht mit Drehbuchautor Terence Winter

DP/30 spricht mit Martin Scorsese (Ton ungewöhnlich schlecht)

Charlie Rose spricht mit Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio (der Ton ist leider Mülltonne)

Eine ziemlich überfüllte Academy Conversation, vom 18. Dezember 2013, mit den Schauspielern Leonardo DiCaprio, Jonah Hill und Margot Robbie, Regisseur Martin Scorsese, Autor Terrence Winter, Editor Thelma Schoonmaker, Köstumdesignerin Sandy Powell and Casting Director Ellen Lewis

The Wolf of Wall Street - CD

Zum Film erscheint auch ein Soundtrack (digital ab dem 10. Januar, als CD ab dem 17. Januar) und, wie gewohnt, hat Martin Scorsese die Filmsongs passend ausgewählt. Auf die CD haben es

1. Mercy, Mercy, Mercy – Cannonball Adderley

2. Dust My Broom – Elmore James

3. Bang! Bang! – Joe Cuba

4. Movin’ Out (Anthony’s Song) – Billy Joel

5. C’est Si Bon – Eartha Kitt

6. Goldfinger – Sharon Jones and the Dap Kings

7. Pretty Thing – Bo Diddley

8. Moonlight In Vermont (Live At The Pershing Lounge/1958) – Ahmad Jamal

9. Smokestack Lightning (Album Version) – Howlin’ Wolf

10. Hey Leroy, Your Mama’s Callin’ You – The Jimmy Castor Bunch

11. Double Dutch – Malcolm McLaren

12. Never Say Never – Romeo Void

13. Meth Lab Zoso Sticker – 7Horse

14. Road Runner (Single Version) – Bo Diddley

15. Mrs. Robinson (LP Version) – The Lemonheads

16. Cast Your Fate To The Wind – Allen Toussaint

geschafft.

Ein feines Mixtape.

Aber das ist noch nicht alles:

Denn „History vs. Hollywood“ checkt die Faktenlage.


Neu im Kino/Filmkritik: Martin Scorsese, „Hugo Cabret“ und das KINO

Februar 9, 2012

Die Meldung für den für elf Oscars nominierten Film „Hugo Cabret“, unter anderem als bester Film, ist nicht, dass Martin Scorsese seinen ersten Film in 3D drehte, sondern dass er seinen ersten Kinderfilm drehte. Denn das ist nicht der „Hexenkessel“-„Taxi Driver“-„Wie ein wilder Stier“-„Casino“-„GoodFellas“-„Gangs of New York“-“Departed“-Scorsese, sondern höchstens, wenn wir den Film nach der ersten Hälfte stoppen, der „Aviator“-Scorsese. „Hugo Cabret“ erinnert da schon mehr an „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Auch „Hugo Cabret“ spielt in Paris. 1931 im riesigen Gare Montparnasse.

Dort lebt der zwölfjährige Hugo Cabret, der sich, nach dem Tod von seinem geliebten Vater und dem Verschwinden des ungeliebten, trunksüchtigen Onkels, der ihn in seine Obhut nahm, in den für die Besucher unzugänglichen Gängen des Bahnhofs versteckt und heimlich die Uhren wartet. Mit kleinen Diebstählen hält er sich über Wasser. Hier und da etwas zu essen und aus dem Laden des Spielzeughändlers Georges mechanisch betriebenes, oft auch kaputtes Spielzeug. Das braucht er, um einen mechanischen Automaten, der wie ein menschlicher Roboter aussieht, zu reparieren.

Als der verbitterte Spielzeughändler Georges ihm eines Tages ein Skizzenbuch seines Vaters abnimmt, will Hugo das Buch unbedingt wieder haben. Er verfolgt den Händler, verbündet sich mit dessen Tochter und wir erfahren, dass der Spielzeughändler Georges Méliès heißt und, was wir Filmfans natürlich wissen, einer der Begründer des Kinos ist. Méliès inszenierte „Die Reise zum Mond“ und unzählige weitere, inzwischen oft verschollene Filme, die damals, vor über hundert Jahren, sehr erfolgreich waren.

In diesem Moment wird „Hugo Cabret“ zu einer Liebeserklärung an das Kino, das in seiner modernsten Form, zeigt, dass die alten Stummfilme immer noch faszinierend sind und einen handgemachten Reiz haben, der heutigen 3D-Kreationen abgeht. Obwohl Scorsese auch einige Bilder zaubert, die nur so ihre volle Wirkung entfalten. Wenn Hugo Cabret und seine Isabelle im Haus von Georges Méliès von einem Schrank eine Kiste holen, sie ihnen entgleitet, sich öffnet und der Inhalt, eine Sammlung von Zeichnungen langsam durch den das Zimmer schwebt, dann wird der Moment durch den 3D-Effekt noch größer. Obwohl, wie der Clip zeigt, er auch in 2D beeindruckend ist.

Ebenso wenn der Stationsvorsteher, der Hugo im Bahnhof schnappen will, sich über Hugo beugt, immer größer und furchteinflößend wird, fast als ob er das Bild sprengen würde, dann merkt man, was mit 3D möglich ist.

Die anfängliche Kamerafahrt durch den Bahnhof ist aber das Pixelgewitter, das mich bei 3D immer wieder abschreckt und aus der Wirklichkeit des Film reißt. Auch atmosphärische Bilder mit Schnee, Rauch und Sonnenstrahlen sehen in 3D immer wieder, auch in einem Film der sich mit seiner Farbgebung betont künstlich und damit märchenhaft gibt, wie schlechte Computergrafiken aus.

Gleichzeitig, und das ist die große Ironie von „Hugo Cabret“, der die neuesten Filmtechniken benutzt, um den Traum vom Kino zu zeigen, sind gerade die ältesten Bilder aus den Stummfilmen, wie die legendäre „Ankunft eines Zuges in La Ciotat“, die längeren Ausschnitte aus Méliès „Die Reise zum Mond“ und „Das Königreich der Feen“ und Harold Lloyds legendäre Kraxelei an einem Hochhaus in „Ausgerechnet Wolkenkratzer“, die wirklich faszinierenden Bilder, in denen sich auch die kindliche Lust am Film, die Entdeckerfreude und Experimentierlust der Filmpioniere zeigt. Und wahrscheinlich hat Martin Scorsese genau das in seiner Liebeserklärung an das Kino gewollt: die Menschen mit dem Versprechen der neuesten Technik in das Kino zu locken, um ihnen zu zeigen, dass die alten Techniken, die Stummfilme und mechanischen Geräte, immer noch ihren Reiz haben.

Hugo Cabret“ ist ein wunderschöner Film für Kinder und Jugendliche, der sie als Publikum mit seiner schmalzfrei erzählten Geschichte ernst nimmt und er ist, inszeniert von einem Filmfanatiker, der bereits mehrere Dokumentarfilme über die Geschichte des Kinos, in denen er schwärmerisch von seinen Lieblingsfilmen erzählte, machte, eine Liebeserklärung an das Kino, die die Zuschauer für den Film als Kunstform und die Geschichte des Films begeistern soll.

Und die Erwachsenen haben auch ihren Spaß. Jedenfalls wenn sie nicht die französische Ausgabe von „GoodFellas“ erwarten.

Hugo Cabret (Hugo, USA 2011)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: John Logan

LV: Brian Selznick: The Invention of Hugo Cabret, 2007 (Die Entdeckung des Hugo Cabret)

mit Asa Butterfield, Sacha Baron Cohen, Ben Kingsley, Jude Law, Chloe Maretz, Christopher Lee, Emily Mortimer, Ray Winstone, Helen McCrory, Martin Scorsese (Cameo als Fotograf), Brian Selznick (Cameo als Student)

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hugo Cabret“

Rotten Tomatoes über „Hugo Cabret“

Wikipedia über „Hugo Cabret“ (deutsch, englisch)

Homepage von Brian Selznick

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Bonusmaterial

Natürlich war es schon ein Ereignis, die Stummfilme, die ich nur vom Fernsehen kannte, auf einer großen Leinwand in einer brillanten Bildqualität zu sehen, aber einen Eindruck kann man sich mit diesen Clips verschaffen.

Die Ankunft eines Zuges in La Ciotat (1895, von Auguste und Louis Lumière)

Die Reise zum Mond (1902, von Georges Méliès)

Das Königreich der Feen (1903, von Georges Méliès)

Ausgerechnet Wolkenkratzer (1923, von Harold Lloyd)

Wer nur die bekannte Szene sehen will

 


TV-Tipp für den 22. Januar: Gangs of New York

Januar 21, 2022

RBB, 23.30

Gangs of New York (Gangs of New York, USA/Deutschland/Italien/Großbritannien/Niedeland 2002)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Jay Cocks, Kenneth Lonergan, Steven Zaillian

LV: Herbert Asbury: The Gangs of New York, 1928 (Die Gangs von New York – Eine Geschichte der Unterwelt)

Amsterdam Vallon will den Mörder seines Vaters, den Gangsterboss William Cutting (Bill, the Butcher), töten.

Ausgehend von dieser dürftigen Geschichte entfaltet Martin Scorsese ein atemberaubendes Porträt vom Überlebenskampf, der Verflechtung zwischen Politik und Verbrechen, den Bandenkriegen und den Kämpfen zwischen den verschiedenen Ethnien in Five Points, den Slums von New York, in den Jahren zwischen 1846 bis 1863.

„Gangs of New York ist ein solches Drama der Endzeit einer Herrschaft, in der sich eine gesellschaftliche und familiäre Ordnung durch ihre eigenen Gesetze zerstört, und durch eine Rebellion der Methoden. Eine große Tragödie also, oder eine melancholische Farce; aber wieder projiziert sie Scorsese auf ein eher materialistisch dokumentiertes Stück Zeitgeschichte, mehrere Erzählweisen begegnen einander und werden umso deutlicher, je mehr sie sich zu widersprechen beginnen…Wie die meisten der (auch vom Aufwand her) großen Filme von Martin Scorsese erzählt auch Gangs of New York zunächst eine überaus einfache Geschichte, deren Bedeutung, deren eigentliches Leben sich erst in den Bildern offenbart…Gangs of New York ist auch ein großer Film übers Film-Erzählen.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)

Mit Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis, Cameron Diaz, Liam Neeson, Brendan Gleeson

Hinweise

Metacritic über „Gangs of New York“

Rotten Tomatoes über „Gangs of New York“

Wikipedia über „Gangs of New York“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Gangs of New York“ von Jay Cocks, Kenneth Lonergan und Steven Zaillian

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „The many Saints of Newark“ erzählt von Tony Sopranos Jugend

November 4, 2021

Wie wurde Tony Soprano Tony Soprano? Diese Frage wird in „The many Saints of Newark“ nicht wirklich beantwortet.

Doch bevor wir zu diesem Kinofilm, der immer wie ein hoch budgetierter Prestige-TV-Film wirkt, kommen, muss ich einiges über Tony Soprano sagen. Gespielt wurde er von James Gandolfini in der Rolle seines Lebens. In den USA war die sich auf ihn, sein Leben und seine Familie konzentrierende TV-Serie ein Hit und ein kulturelles Phänomen. Sie revolutionierte das Erzählen im Fernsehen und wurde auch noch nach ihrem Ende in den höchsten Tönen gelobt. Die Writers Guild of America nannte „Die Sopranos“ die am besten geschriebene TV-Serie aller Zeiten. Das Magazin „Rolling Stone“ setzte „Die Sopranos“ auf den ersten Platz ihrer Liste der besten TV-Serien aller Zeiten. Bei uns wurde die Serie vor zwanzig Jahren zunächst auf einem schlechten Sendeplatz gezeigt, der durch einem noch schlechteren Sendeplatz ersetzt wurde, ehe auf die weitere TV-Ausstrahlung verzichtet wurde. Immerhin erschien auch in Deutschland die Serie vollständig auf DVD. Entsprechend überschaubar dürfte hier die Zahl der „Sopranos“-Fans sein.

Tony Soprano ist in der TV-Serie, die von 1999 bis 2007 produziert wurde, ein hoffnungslos überforderter, in New Jersey lebender Caporegime. Der Mafiosi muss auf seine Leute aufpassen, Konkurrenten in Schach halten, ein guter Vater, Ehemann und Sohn sein. Vollkommen überfordert von diesen Anforderungen begibt er sich in Psychotherapie. Mit seiner nichtsahnenden Therapeutin konnte er über seine Probleme reden. Nach acht Jahren und sechs Staffeln war dann Schluss.

The many Saints of Newark“ springt jetzt zurück in die Kindheit und Jugend von Tony Soprano, der in dem Film nur eine Nebenrolle hat.

Die erste Hälfte des Mafiafilms spielt 1967. Tony ist noch ein Kind. ‚Hollywood Dick‘ Moltisanti kommt aus Italien mit einer deutlich jüngeren, wie Sophia Loren aussehenden Frau zurück. Giuseppina stellt schnell fest, dass das Leben in den USA nicht ihrem Bild von Amerika entspricht. Moltisantis Sohn Dickie Moltisanti ist ebenfalls ein Mobster. Er kümmert sich um das Tagesgeschäft. Er sammelt Schutzgeld. Er fährt, stilvoll gekleidet, mit seinem Chevrolet Impala Cabrio durch Newark. Er ist der Onkel von Tony Soprano. Und der elfjährige Tony bewundert seinen Onkel.

Als die Polizei einen schwarzen Taxifahrer zu Tode prügelt, ist das der Ausgangspunkt für mehrtägige, historisch verbürgte Straßenschlachten.

1971 ist Tony ein Teenager, der kleinere Verbrechen begeht. Tonys Vater ist aus dem Gefängnis entlassen worden. Schwarze Verbrecher machen der DiMeo-Verbrecherfamilie das Leben schwer. Wenn die Mafiosi nicht gerade ihre Familienmitglieder umbringen.

Auch in diesem Teil ergeben die Episoden aus Newark keine Geschichte. Es ist ein Blättern im Familienalbum. Tony Soprano stolpert manchmal durch das Bild. Einen Einfluss auf die Ereignisse hat er nicht. Dafür ist er noch zu jung und viel zu weit unten in der Mafia-Hierarchie. Immerhin kann er für die abendlichen Partys mit seinen Klassenkameraden stimmungssteigernde Drogen besorgen.

Viel wichtiger als Tony Soprano sind die anderen Familienmitglieder. Fans der TV-Serie müssten sie kennen und sich darüber freuen, sie in diesem Prequel-Film in jungen Jahren zu sehen. Alle anderen müssen die unzähligen familiären und kriminellen Verflechtungen erdulden, die nur deshalb Teil der Filmgeschichte sind, weil sie in der TV-Serie wichtig waren und ein solches Prequel in jedem Fall ein Film sein muss, der die Fans der Serie bedient.

Der gesamte Film zerfällt in unzählige Episoden. Figuren, die teils von hochkarätigen und bekannten Schauspielern wie Vera Farmiga, Ray Liotta, Jon Bernthal und Corey Stoll gespielt werden, tauchen kurz auf, verschwinden für Ewigkeiten aus der Filmhandlung und sind dann plötzlich wieder da. Die geisterhafte Voice-Over-Stimme könnte die disparaten Episoden zusammenhalten. Dieser Erzähler verrät uns schnell, von wem er später erschossen wird und wir sehen Ereignisse, bei denen er nicht dabei war. Da ist es fast schon überflüssig, zu sagen, dass das Voice-Over in „The many Saints of Newark“ niemals die Präsenz und den Druck entwickelt, den die Erzählerstimme in Martin Scorseses grandiosem Mafia-Epos „GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“ hatte. Die Erinnerungen an Scorseses Gangsterfilm zeigen schmerzlich, wie sehr Alan Taylor („Thor – The Dark Kingdom“ [Thor: The Dark World], „Terminator: Genisys“ und mehrere „The Sopranos“-Episoden“) als Regisseur versagt. Wobei das auch am Drehbuch von „Sopranos“-Erfinder David Chase und Lawrence Konner liegt.

The many Saints of Newark“ ist ein Film, der beständig in seine Teile zerfällt, die unverbunden nebeneinander stehen und sich in unzählige Sackgassen verirrt. Das führt dazu, dass der Gangsterfilm sich deutlich länger anfühlt als er ist.

The many Saints of Newark – A Sopranos Story (The many Saints of Newark, USA 2021)

Regie: Alan Taylor

Drehbuch: David Chase, Lawrence Konner (basierend auf von David Chase erfundenen Figuren)

mit Alessandro Nivola, Leslie Odom Jr., Vera Farmiga, Jon Bernthal, Corey Stoll, Ray Liotta, Michela De Rossi, Michael Gandolfini, Billy Magnussen, John Magaro, Michael Imperioli

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The many Saints of Newark“

Metacritic über „The many Saints of Newark“

Rotten Tomatoes über „The many Saints of Newark“

Wikipedia über „The many Saints of Newark“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alan Taylors „Terminator: Genisys“ (Terminator: Genisys, USA 2015)


DVD-Kritik: Etwas Filmbildung mit „The Movies – Die Geschichte Hollywoods“ und „In Search of the Last Action Heroes“

Juni 28, 2021

Das wird jetzt eine satte Portion Hollywood. Mal besser, mal schlechter erzählt. Mal mit höherem, mal mit niedrigerem Budget. Das eine ist die 140-minütige Doku „In Search of the Last Action Heroes“, einer Doku über den Hollywood-Actionfilm ab den und vor allem über die achtziger Jahren. Das andere ist die zwölfteilige, insgesamt gut neunstündige CNN/HBO-Serie „The Movies – Die Geschichte Hollywoods“ . Produziert wurde sie unter anderem von Tom Hanks. Die Interviewpartner sind hochkarätig. Neben Filmjournalisten, wie die in mehreren Episoden auftretenden Neal Gabler (Filmhistoriker), Renee Graham (The Boston Globe), Ben Mankiewicz (TCM), Amy Nicholson (Variety) und Kenneth Turan (Los Angeles Times), sind viele bekannte Regisseure und Schauspieler dabei. Unter anderem Steven Spielberg, Tom Hanks, Robert Redford, Martin Scorsese, Paul Thomas Anderson, Cameron Crowe, John Landis, Julia Roberts, Alec Baldwin, Robert De Niro und Susanna Hoffs (keine Ahnung warum die „Bangles“-Sängerin und Frau von „Austin Powers“-Regisseur Jay Roach dabei ist).

Konzentriert wird sich auf Hollywood, wobei Hollywood meistens als Ort, aber auch als Synomym für das globale Kino verwandt wird. Das öffnet die Tür, um sich mit dem Independent-Kino (das wenig mit Hollywood zu tun hat) und James Bond zu beschäftigen. Es wird auch beherzt weggelassen. Auch in neun Stunden kann einfach nicht alles vorgestellt werden.

Das ist allerdings nicht das Problem der Serie. Dass Schwerpunkte gesetzt werden, dass nicht alles besprochen wird und dass selbstverständlich der eigene Lieblingsfilm und -regisseur fehlt oder nicht genügend gewürdigt wird, ist selbstverständlich. Zum Problem wird das, wenn man sich ansieht, was weggelassen wird und wie das restliche Material aufbereitet wird. Weggelassen wird zuerst einmal der gesamte Stummfilm. Die nächsten Jahrzehnte werden im Schweinsgalopp in den ersten beiden vierzigminütigen Episoden durchgegangen. Ab der dritten Episode widmet sich dann jede Doppelfolge einem Jahrzehnt. Beginnend mit den sechziger Jahren. Die letzten zwanzig Jahre werden in einer wild zwischen den Jahren hin- und herspringenden Doppelfolge abgehandelt. Die Erklärung für das Weglassen der ersten Hälfte der Geschichte Hollywoods ist wohl, dass die heute noch lebendige Gesprächspartner früher noch nicht aktiv waren. Die prominenten Interviewpartner wie Robert Redford, Steven Spielberg, Martin Scorsese und Ridley Scott können in ihren aktuellen Statements in Erinnerungen an ihre Vergangenheit schwelgen und über ihre Einflüsse reden, die anscheinend nichts mit dem Stummfilm und nur sehr wenig mit dem frühen Hollywood-Tonfilm zu tun haben. Verstorbene Regisseure wie Alfred Hitchcock und Robert Altman haben da schlechte Karten. Und Woody Allen wird nur mal nebenbei erwähnt. Aber Allen verlässt ja fast nie Manhattan.

Noch problematischer als diese Konzentration auf die vergangenen sechzig Jahre, ist die Anordnung des Materials. Da folgt Filmclip auf Kurzstatement auf Filmclip auf Kurzstatement. Nach ungefähr zwei Minuten folgt der nächste Film. So werden in der Doppelepisode über die neunziger Jahre in ungefähr achtzig Minuten atemberaubende 145 Filme in teils nur sekundenlangen Ausschnitten präsentiert.

Warum bestimmte Filme in der Serie erwähnt werden und andere nicht, erschließt sich dem unbefangenem Zuschauer nicht. Eine Filmgeschichte, also eine sinnvolle Verknüpfung verschiedener Ereignisse und ein Aufzeigen von Entwicklungen, ergibt sich daraus nicht. Stattdessen folgt einfach Film auf Film auf Film nach dem Prinzip ‚drin ist ein Film, wenn der Regisseur oder ein Schauspieler dabei ist oder irgendjemand etwas über den Film sagen will‘.

Als Einführung in die Filmgeschichte taugt die Serie deshalb nicht. Es ist keine Struktur, kein Gedankengang, keine Anordnung des Materials erkennbar. Jemand, der sich über die Filmgeschichte informieren möchte, wird danach nicht schlauer als vorher sein.

Cineasten, die die Film- und Interviewschnipsel in die Filmgeschichte einordnen können, brauchen die Serie nicht. Sie können „The Movies“ höchstens als Schwelgen in Erinnerungen und als Anregung, sich mal wieder einen bestimmten Film anzusehen, gebrauchen.

Angesichts der an der Serie beteiligten Personen, des offenkundigen Budgets und des damit verbundenen Potentials ist „The Movies – Die Geschichte Hollywoods“ ein Totaldesaster, das wie ein YouTube-Autoplay-Abend wirkt.

Wobei ich da ein „Trailers from Hell“-Autoplay empfehle. Dort sprechen, während der Trailer gezeigt wird, bekannte Regisseure, wie der immer gut aufgelegte John Landis, über Filme. Meistens sind es B-Pictures, Horrorfilme, liebenswerter, manchmal kultiger Schund, äußerst obskure Filme, aber auch Klassiker. Das ist eine äußert angenehme Mischung aus Fantum und Filmbildung, die manchmal mit persönlichen Erinnerungen der Regisseure angereichert wird. Sie erzählen, wann und wo sie die Filme erstmals sahen oder sie erzählen von Erlebnissen, die sie bei den Dreharbeiten hatten oder was ihnen später von den Dreharbeiten erzählt wurde.

 

Obwohl mit einem deutlich geringerem Budget als „The Movies“ gedreht, ist „In Search of the Last Action Heroes“ von Oliver Harper, dem Macher des YouTube-Kanals „Oliver Harper’s Retrospectives and Reviews“, der gelungenere Dokumentarfilm. In ihm geht es vor allem um den Hollywood-Actionfilm der achtziger Jahre. Damals etablierte sich der Actionfilm als eigenständiges Genre. Vor allem die Filme mit Sylvester Stallone („Rambo“) und Arnold Schwarzenegger („Terminator“, „Commando“ [Das Phantom-Kommando]) waren bahnbrechend. Auch der zweite „Alien“-Film und die „Mad Max“-Filme werden genannt. Nachdem Stallone und Schwarzenegger an der Kinokasse überzeugten, wurden mit Bodybuildern und Kampfsportlern als Hauptdarsteller unzählige, meist billig produzierte Filme mit viel Action und wenig Handlung produziert. Teils fürs Kino, teils für den boomenden Heimvideomarkt. Mit diesen Filmen beschäftigt Oliver Harper sich ausführlicher.

Blockbuster, wie „Robocop“, die „Lethal Weapon“-Filme, „Stirb langsam“, und die damit einher gehenden Änderungen bei den Actionhelden hin zu weniger Muskeln, besseren Schauspielern, höheren Budgets und mehr Tricks werden ebenfalls angesprochen. Während in den 80-Jahre-Actionfilmen alle Kämpfe, Crashs, Explosionen und Stunts live vor der Kamera ausgeführt wurden, werden seit „Jurassic Park“ immer mehr Actionszenen in einer sicheren Studioumgebung oder gleich im Computer inszeniert. Dafür brauchte man die Actionhelden der Achtziger nicht mehr. Sie waren außerdem keine guten Schauspieler und sie wurden älter.

Mit den nur sehr kurz angesprochenen „Bourne“-, „The Raid“- und „John Wick“-Filmen zeichnete sich hier wieder eine Rückkehr zum guten alten Actionhandwerk ab.

Harper unterhielt sich ausführlich mit den Produzenten, Regisseuren, Autoren, Filmkomponisten und Schauspielern, die vor allem in den achtziger und neunziger Jahren auf dem Zenit ihrer Karriere standen. Die großen Stars wie Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone fehlen. Aber Cynthia Rothrock, Bill Duke und Eric Roberts sind dabei. Und sie alle haben etwas zu erzählen. Vielen, vor allem den Produzenten, Autoren und Regisseuren, wie Shane Black, Steven E. De Souza, Sam Firstenberg, Peter MacDonald, Paul Verhoeven und Mario Kassar, hätte ich gerne noch länger zugehört.

The Movies – Die Geschichte Hollywoods (The Movies, USA 2019)

Regie: ?

Drehbuch: ?

mit Neal Gabler, Renee Graham, Ben Mankiewicz, Amy Nicholson, Kenneth Turan, Steven Spielberg, Tom Hanks, Robert Redford, Martin Scorsese, Paul Thomas Anderson, Cameron Crowe, John Landis, Julia Roberts, Alec Baldwin, Robert De Niro, Brad Bird, Edgar Wright, Bill Hader, Holly Hunter, Julia Roberts, John Singleton, Ron Howard, Julianne Moore, Ridley Scott, Peter Bogdanovich, Tim Burton, Susanna Hoffs, Lawrence Kasdan

DVD/Blu-ray

Studio Hamburg Enterprises

Bild: 16:9

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Wendecover

Länge: 540 Minuten (12 x 45 Minuten)

FSK: ab 12 Jahre

In Search of the Last Action Heroes (In Search of the Last Action Heroes, Großbritannien 2019)

Regie: Oliver Harper

Drehbuch: Oliver Harper, Timon Singh

mit Scott Adkins, Stuart Ashen, Shane Black, James Bruner, Stan Bush, Ronny Cox, Boaz Davidson, Steven E. de Souza, Bill Duke, Brad Fiedel, Sam Firstenberg, Mark Goldblatt, Jenette Goldstein, Jeffrey Greenstein, Matthias Hues, Mario Kassar, Al Leong, Mark L. Lester, Sheldon Lettich, Peter MacDonald, Ian Nathan, Zak Penn, Phillip Rhee, Eric Roberts, Cynthia Rothrock, Paul Verhoeven, Vernon Wells, Michael Jai White, Alex Winter, Graham Yost ..

DVD/Blu-ray

Studio Hamburg Enterprises

Bild: 16:9

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Wendecover

Länge: 140 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

ARD über „The Movies – Die Geschichte Hollywoods“ (online verfügbar in der deutschen und der Originalversion bis Mitte Oktober 2021 [die einzelnen Episoden gehen an verschiedenen Tagen offline])

Moviepilot über „The Movies“ und „In Search of the Last Action Heroes“

Rotten Tomatoes über „The Movies

Wikipedia über „The Movies“ (mit einer Liste der präsentierten Filme)


Einmal Filmgeschichte bitte. Komplett und mit allem!

Juni 12, 2021

Der jüngst erschienene, lang erwartete und lang angekündigte dritte Teil der „Einführung in die Filmgeschichte“ ist jetzt doch nicht der Abschluss. Denn es ist schon ein vierter Teil angekündigt, der sich mit dem „Kino der Gegenwart“ (so der aktuelle Buchtitel) beschäftigt und die Jahre zwischen den späten neunziger Jahren und, nun, ich sage mal dem ersten Post-Pandemie-Jahr abdeckt.

Wie alles begann wird in dem numerisch erstem Band (es handelt sich um den chronologisch zuletzt erschienenen Band) „Von den Anfängen des Films bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs“ geschildert.

Neben erwartbaren Texten zum Weimarer Kino, zum Nazi-Kino, zu Hollywood, u. a. über David Ward Griffith, Alan Croslands „The Jazz Singer“ (dem ersten Tonfilm) und zum frühen Film Noir, gibt es auch Texte zum französischen, russischen, skandinavischen und japanischem Stummfilm.

In „Vom Neorealismus zu den neuen Wellen – Filmische Erneuerungsbewegungen 1945 – 1968“ geht es um die Phase des Kinos, die für viele heute noch tätige und einflussreiche Regisseure und Filmkritiker stilprägend war.

Es ist die die Zeit des Film Noir (seine stilprägende Hochphase), des Neorealismus, der französischen Nouvelle Vague, des Jungen Deutschen Films (der sich von Opas Kino und Alpträumen wie „Schwarzwaldmädel“ emanzipieren wollte) und des filmischen Aufbruchs im Ostblock. Es ist auch die Zeit, in der James Bond seine ersten Kinoabenteuer erlebte – und die hier ebenfalls behandelt werden. Verbunden mit der Frage, warum ein ‚Relikt des Kalten Krieges‘ heute immer noch so beliebt ist.

Im dritten Band „New Hollywood bis Dogma 95“ geht es dann um das Kino nach „1968“. Auch hier gibt es die Mischung aus erwartbaren und überraschenderen Themen. Selbstverständlich wird sich mit New Hollywood, dem Neuen Deutschen Film, dem New British Cinema, dem jungen französischem Kino, dem US-Independent-Kino und, wie schon der Titel verrät, Dogma 95 beschäftigt. Es geht auch, ebenso selbstverständlich, um das politische, das feministische und das schwullesbische Kino. Das waren damals sehr wichtige Diskurse. Überraschender sind dagegen die Texte zu Bollywood, dem schwarzafrikanischem und dem lateinamerikanischem Kino. Dieses Kino ist, nach einer Hochphase, inzwischen fast vollkommen aus der öffentlichen Wahrnahme verschwunden. Gerade das macht diese Texte so lohnenswert,

Alle drei Bücher sind gleich aufgebaut. Sie basieren auf der Vorlesungsreihe „Einführung in die Filmgeschichte“, die seit Mitte der Neunziger im Studiengang Filmwissenschaft an der Universität Zürich den Studierenden als Teil des Grundstudiums angeboten wird. Die Bücher richten sich dementsprechend an Studierende, die eine Einführung in die Filmgeschichte benötigen, an filmhistorisch Interessierte, die einen knappen Überblick brauchen und Cineasten, die eine Mischung aus Auffrischung bekannten Wissens und Hinweisen auf gute Filme, die sie noch nicht gesehen haben, brauchen.

Vom Aufbau her ist die Sammlung von Aufsätzen mit einem Lexikon vergleichbar. Das liest auch niemand in einem Rutsch von der ersten bis zur letzten Seite durch, sondern es wird herumgeblättert, gelesen, geblättert und wieder gelesen.

Wer nicht nur Lesen möchte, kann die Komplettausgabe des Lexikons kaufen (oder sich schenken lassen). Sie enthält neben den drei Büchern die sieben DVDs umfassende DVD-Box „Filmgeschichte weltweit“. Sie enthält die sechzehn Filme, die die BBC zum hundertsten Geburtstag des Kinos bei bekannten Regisseuren, wie Martin Scorsese, Jean-Luc Godard und Edgar Reitz, in Auftrag gab. Das sind dann zusätzlich zu den Büchern zwanzig Stunden Filmgeschichte.

Thomas Christen (Hrsg.): Von den Anfängen des Films bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges – Der internationale Film von 1895 bis 1945 (Einführung in die Filmgeschichte 1)

Schüren, 2020

432 Seiten

38 Euro

Thomas Christen (Hrsg): Vom Neorealismus zu den neuen Wellen – Filmische Erneuerungsbewegungen 1945 – 1968 (Einführung in die Filmgeschichte 2)

Schüren, 2016

520 Seiten

38 Euro

Thomas Christen, Robert Blanchet (Hrsg.): New Hollywood bis Dogma 95 (Einführung in die Filmgeschichte 3)

(2. Auflage mit aktualisierten Bibliografien und Filmografien)

Schüren, 2016

520 Seiten

38 Euro

Hinweise

Schüren über die „Einführung in die Filmgeschichte“

absolut medien über die „Filmgeschichte weltweit“


TV-Tipp für den 10. Oktober: Silence

Oktober 9, 2020

Servus TV, 20.15

Silence (Silence, USA 2016)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Jay Cocks, Martin Scorsese

LV: Shusaku Endo: Chinmoku, 1966 (Schweigen)

1648: Zwei Jesuitenpater reisen in das gottlose Japan. Dort soll ihr Mentor Gott abgeschworen haben.

Alle paar Jahre dreht Martin Scorsese einen seiner religiösen Filme. „Silence“ ist, trotz beeindruckender Bilder, sein schwächster dieser Filme. Das Drama ist ein religiöses Erbauungstraktat, das mit gut drei Stunden Laufzeit auch die Geduld des langmütigsten Zuschauer über Gebühr strapaziert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Tadanobu Asano, Ciarán Hinds, Yosuke Kubozuka, Yoshi Oida, Shin’ya Tsukamoto, Issey Ogata, Nana Komatsu, Ryo Kase

Wiederholung: Sonntag, 11. Oktober, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Silence“

Metacritic über „Silence“

Rotten Tomatoes über „Silence“

Wikipedia über „Silence“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Shusaku Endos „Schweigen“ (Chinmoku, 1966)


TV-Tipp für den 22. September: Wie ein wilder Stier

September 22, 2020

Servus TV, 22.05

Wie ein wilder Stier (Raging Bull, USA 1980)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Paul Schrader, Mardik Martin

LV: Jake La Motta mit Joseph Carter und Peter Savage: Raging Bull: My Story, 1970

Düsteres Biopic über den Boxer Jake La Motta. Scorsese drehte die zwischen 1941 und 1964 spielende Geschichte eines schnellen Aufstiegs und tiefen Falls stilbewusst in Schwarzweiß und Hauptdarsteller Robert De Niro ging vollständig in seiner Rolle auf. Dafür erhielt er einen Oscar und einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller.

Mit Robert De Niro, Cathy Moriarty, Joe Pesci, Frank Vincent

Wiederholung: Mittwoch, 23. September, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Wie ein wilder Stier“

Wikipedia über Jake La Motta und „Wie ein wilder Stier“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. September: Departed – Unter Feinden

September 15, 2020

Kabel 1, 20.15

Departed – Unter Feinden (The Departed, USA 2006)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser). Danach kam “The Wolf of Wall Street”.

Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und Keira Knightley) ab.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin

Wiederholung: Donnerstag, 17. September, 00.20 Uhr (Taggenau! – Dann sicher auch ungekürzt. Denn der Film ist ‚frei ab 16 Jahre‘)

Hinweise

Metacritic über “Departed – Unter Feinden”

Rotten Tomatoes über “Departed – Unter Feinden”

Wikipedia über “Departed – Unter Feinden” (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung von William Monahans “The Gambler” (The Gambler, USA 2014 – nur Drehbuch)


Notizzettel

April 30, 2020

Mittagessen, Plan für die nächsten Tage:

Kartoffeln mit Möhren, Tomaten und Zwiebeln

Möhren mit Kartoffeln, Tomaten und Zwiebeln

Tomaten mit Möhren, Kartoffeln und Zwiebeln

Zwiebeln mit Tomaten, Möhren und Kartoffeln

Reste vom Vortag

Reste davon, garniert mit einem Ei.

Na, das ist doch abwechslungsreicher als Nudeln, Nudeln, Nudeln.

Einkaufzettel – hat Zeit. Geschäfte sind eh geschlossen.Computerzubehör ist zu teuer und der Vorrat an Büchern und Filmen reicht.

Endlich den Text mit den vielen Leseempfehlungen fertig schreiben. Versprochen.

Meine kleine Pier-Paolo-Pasolini-Werkschau abgeschlossen. Ohne „Die 120 Tage von Sodom“. Den Film muss ich wirklich nicht zweimal sehen; – außerdem sollte man den Film mit Publikum sehen und beobachten, wie die Zuschauer fluchtartig den Saal verlassen.

Und jetzt?

Federico Fellini

John Cassavetes („Ich mache gern schwierige Filme, bei denen die Leute schreiend rauslaufen. Ich bin schließlich nicht in der Unterhaltungsbranche.“)

Werner Herzog

Spike Lee

Jim Jarmusch

Alfred Hitchcock

Stanley Kubrick (ohne „Shining“. Den habe ich als Vorbereitung für „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“ wieder gesehen.)

Martin Scorsese

Francis Ford Coppola (zum Beispiel die „Der Pate“-Trilogie; „Apocalypse Now“ habe ich ja kürzlich wieder im Kino gesehen)

Steven Spielberg (alles außer Indiana Jones. Die Filme habe ich erst kürzlich gesehen)

Und dann gibt es noch einige Filme, die ich aus dem einen oder anderen Grund bislang nicht gesehen habe. Wie Roman Polanskis Kostümdrama „Tess“, weil ich Kostümfilme prinzipiell langweilig finde. Vor allem wenn sie länger als zwei Stunden sind.

Arte-Mediathek durchgucken. Da sind im Moment einige alte Filme von Alfred Hitchcock (Gestern die erste Version von „Der Mann, der zuviel wusste“ im untertitelten Original gesehen), einiges von Eric Rohmer, Jacques Rivettes vierstündiges Drama „Die schöne Querulantin“ und, zum Entspannen, „Bugsy Malone“ (Warum wird der eigentlich nie im TV gezeigt?) oder der Ed-Wood-Klassiker „Plan 9 aus dem Weltall“, der besser als sein „schlechtester Film aller Zeiten“-Ruf ist. Danach kann ich mir die beiden anderen Ed-Wood-Filme aus der Mediathek ansehen. Denn zu viel des Schlechten ist wunderbar.

Danach zum Arsenal. Die öffnen ihr Archiv und bieten auch begleitende Gespräche zu den Filmen an.


Neu im Kino/Filmkritik: Willem Dafoe, Abel Ferrara, „Tommaso und der Tanz der Geister“

Februar 13, 2020

Einige Jahre war Abel Ferrara mit seinen gewalttätigen Neo-Noirs im Einklang mit dem Publikum. Sie reflektierten das damalige New York als eine gewalttätige, von Kriminalität, Sex und Trieben beherrschten Sündenpfuhl. Seine Filme, wie „The Driller Killer“ (1979, mit Ferrara in der Hauptrolle als psychopathischer Killer), „Die Frau mit der 45er Magnum“ (Ms. 45; Angel of Vengeance, 1981), „Krieg in Chinatown“/“China Girl“ (China Girl, 1987), „King of New York“ (1989) und „Bad Lieutenant“ (1992), hatten immer wieder Probleme mit der Zensur. Mit seinen Geldgebern hatte er ebenfalls immer wieder Probleme.

Diese Neo-Noirs und seine darauf folgenden Filme, wie „Snake Eyes“ (Dangerous Game, 1993; mit Madonna), „The Addiction“ (1994), „Das Begräbnis“ (The Funeral, 1996) und „The Blackout“ (1997), waren auch immer radikal persönliche Filme, die sich wenig um eingefahrene Publikumserwartungen kümmerten. Schließlich hätte Ferrara nach dem Erfolg von „King of New York“ und „Bad Lieutenant“ locker als zweiter Martin Scorsese weiter Gangsterfilme inszenieren können. Ferrara, der sich inzwischen als Buddhist bezeichnet, wurde erzkatholisch erzogen und die katholischen Kategorien von Schuld und Sühne sind ein wichtiger Pfeiler in seinem Werk. In den Neo-Noirs hatte er auch die ideale Form gefunden, um breitenwirksam von Schuld und Sühne zu erzählen.

Seit seiner William-Gibson-Verfilmung „New Rose Hotel“ (1998) versank er allerdings weitgehend in der Obskurität. Seine Filme, wie „Go Go Tales“ (2007), „Welcome to New York“ (2014) und „Pasolini“ (2014), wurden kaum noch vertrieben. In Deutschland erschienen sie oft irgendwann auf DVD und wurden einmal im Fernsehen gezeigt.

Mit seinem neuesten Film „Tommaso und der Tanz der Geister“ kehrt er jetzt, nach über zwanzig Jahren, wieder in die deutschen Kinos zurück. Mit einem weiteren radikal persönlichem Werk, das thematisch an seine früheren Filme anknüpft und, vom Ende betrachtet, ein Noir ist.

Tommaso (Willem Dafoe) ist ein amerikanischer Künstler, der mit seiner deutlich jüngeren ukrainisch-russisch-stämmigen Frau, und ihrer dreijährigen Tochter in Rom lebt.

Abel Ferrara nimmt sich viel Zeit, Tommasos Alltag zu schildern. Er beobachtet ihn mit seiner Frau und Tochter in ihrer Wohnung, auf dem Spielplatz und den Straßen Roms, beim Italienisch lernen, beim Einkaufen in seinem Viertel, bei seinen Yoga-Übungen, bei von ihm gegebenen Schauspielkursen, beim Entwickeln eines neuen Filmprojekts und bei den Treffen einer Selbsthilfegruppe ehemaliger Süchtiger, die sich Geschichten aus ihrem Leben als Süchtige erzählen. In diesen Szenen verfolgt Ferrara wie ein Voyeur mit unruhiger Handkamera Dafoe. Er lässt ihm alle Zeit der Welt, sich vor der Kamera zu präsentieren, ohne dass in diesen improvisierten und oft zu langen Alltagsbeobachtungen eine Geschichte vorangetrieben wird.

Willem Dafoe, der wieder mit Abel Ferrara zusammenarbeitet und inzwischen, wie Ferrara, in Rom lebt, spielt diesen Amerikaner in Rom als einen freundlichen Mann. So entspannt, so bürgerlich normal und so oft lachend sah man Dafoe noch nie in einem Film. Er ist ein freundlicher, aufgeschlossener Künstler. Nach turbulenten Jahren ist er in Rom zur Ruhe gekommen. Offensichtlich genießt er sein ruhiges, drogenfreies Leben als Ehemann einer deutlich jüngeren Frau und eines gemeinsamen Kindes. Als er seine Frau mit einem anderen Mann sieht, ändert sich das.

Diese Eifersuchtsgeschichte beginnt allerdings erst sehr spät im Film und sie wirkt mit ihrem Ende auch wie ein Fremdkörper in einem Film, der aufgrund der zahlreichen, gewollten autobiographischen Bezüge mühelos als ein Selbstporträt von Ferrara (mehr) und Dafoe (weniger) gelesen werden kann. Dazu trägt auch bei, dass Ferraras Ehefrau Cristina Chiriac Tommasos Frau spielt und ihre Tochter Anna Tommasos Tochter spielt.

Tommaso und der Tanz der Geister (Tommaso, Italien/Großbritannien/USA 2019)

Regie: Abel Ferrara

Drehbuch: Abel Ferrara

mit Willem Dafoe, Anna Ferrara, Cristina Chiriac

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Tommaso und der Tanz der Geister“

Metacritic über „Tommaso und der Tanz der Geister“

Rotten Tomatoes über „Tommaso und der Tanz der Geister“

Wikipedia über „Tommaso und der Tanz der Geister“

Meine Besprechung von Abel Ferraras “King of New York” (King of  New York, USA 1989)

Abel Ferrara in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. Februar: Oscar 2020 (+ Nachtrag: die Gewinner)

Februar 9, 2020

Pro 7, 23.00

Oscar 2020

Nachdem „Wonder Woman“ die Welt gerettet hat, beginnt Pro 7 mit seiner Berichterstattung über die diesjährige Oscar-Preisverleihung. Ab 23.00 Uhr gibt es „Die größten Hollwood-Momente 2020“. Ab Mitternacht wird vom roten Teppich berichtet. Ab 2.00 Uhr sind wir dann endlich im Dolby Theatre, wo in den nächsten Stunden die Preisverleihung stattfindet.

Hier (noch einmal, teilweise aktualisiert) die Liste der Nominierten, mit einigen Anmerkungen und meinen Tipps, wer die Preise gewinnen sollte und, manchmal, wer sie wahrscheinlich gewinnt. Denn warum sollte ich nicht zweimal falsch liegen? Filme die ich nicht gesehen habe, sind mit „(NG)“ gekennzeichnet und kein Teil meiner Oscar-Prognose.

Selbstverständlich werden die Gewinner nachgetragen.

(Nachtrag nach der Verleihung: die TATSÄCHLICHEN GEWINNER; mit der großen Überraschung, dass „Parasite“ doch bester Film des Jahres wurde)

Also dann:

Motion Picture

Ford v Ferrari (Fox), Peter Chernin, Jenno Topping und James Mangold, Producers

The Irishman (Netflix), Martin Scorsese, Robert De Niro, Jane Rosenthal und Emma Tillinger Koskoff, Producers (Sorry, obwohl ich ein Scorsese-Fan bin, ist da nicht sein bester Film und er ist aktuell hoffnungslos überbewertet)

Jojo Rabbit (Fox Searchlight), Carthew Neal und Taika Waititi, Producers (erstaunlich)

Joker (Warner Bros.), Todd Phillips, Bradley Cooper und Emma Tillinger Koskoff, Producers (überbewertet)

Little Women (Sony), Amy Pascal, Producer (unterbewertet. Das Drama hätte öfter nominiert werden müssen.)

Marriage Story (Netflix), Noah Baumbach und David Heyman, Producers (NG)

1917 (Universal), Sam Mendes, Pippa Harris, Jayne-Ann Tenggren und Callum McDougall, Producers (GEWINNER, er ist das typische Oscar-Futter und technisch überragend)

Once Upon a Time in Hollywood (Sony), David Heyman, Shannon McIntosh und Quentin Tarantino, Producers

TATSÄCHLICHER GEWINNER Parasite (Neon), Kwak Sin Ae und Bong Joon Ho, Producers (ein fantastischer Film, dem ich den Auslandsoscar gebe. Gegen „1917“ hat er wohl keine Chance.)

Actress

Cynthia Erivo (Harriet) (NG)

Scarlett Johansson (Marriage Story) (NG)

Saoirse Ronan (Little Women)

Charlize Theron (Bombshell; – sehenswerter Film, läuft am Donnerstag an)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Renée Zellweger (Judy) (GEWINNER)

Actor

Antonio Banderas (Pain and Glory) (GEWINNER)

Leonardo DiCaprio (Once Upon a Time in Hollywood)

Adam Driver (Marriage Story) (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Joaquin Phoenix (Joker)

Jonathan Pryce (The Two Popes) (NG)

Actress in a Supporting Role

Kathy Bates (Richard Jewell) (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Laura Dern (Marriage Story) (NG)

Scarlett Johansson (Jojo Rabbit)

Florence Pugh (Little Women) (GEWINNER, weil „Little Women“ ein wunderschöner Film ist, der bei den Nominierungen sträflich vernachlässigt wurde)

Margot Robbie (Bombshell)

Actor in a Supporting Role

TATSÄCHLICHER GEWINNER Brad Pitt (Once Upon a Time in Hollywood) (GEWINNER)

Al Pacino (The Irishman)

Joe Pesci (The Irishman)

Tom Hanks (A Beautiful Day in the Neighborhood) (NG)

Anthony Hopkins (The Two Popes) (NG)

Director (Männer, Männer, Männer)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Bong Joon Ho, Parasite (sollte der Gewinner sein)

Sam Mendes, 1917 (GEWINNER, weil er schon den Oscar als „bester Film“ gewonnen hat)

Todd Phillips, Joker

Martin Scorsese, The Irishman

Quentin Tarantino, Once Upon a Time in Hollywood

Adapted Screenplay

The Irishman, Steven Zaillian

TATSÄCHLICHER GEWINNER Jojo Rabbit, Taika Waititi

Joker, Todd Phillips & Scott Silver

Little Women, Greta Gerwig (GEWINNER, obwohl Greta Gerwig als beste Regisseurin hätte nominiert werden müssen)

The Two Popes, Anthony McCarten (NG)

Original Screenplay

1917, Sam Mendes & Krysty Wilson-Cairns

Knives Out, Rian Johnson

Marriage Story, Noah Baumbach (NG)

Once Upon a Time in Hollywood, Quentin Tarantino

TATSÄCHLICHER GEWINNER Parasite, Bong Joon Ho & Jin Won Han (GEWINNER, obwohl auch die anderen Bücher verdammt gut sind)

International Feature

Corpus Christi (Poland) (NG)

Honeyland (North Macedonia) (Land des Honigs) (NG)

Les Misérables (France) (Die Wütenden – Les misérables – fantastischer Film, unbedingt ansehen)

Pain and Glory (Spain) (Leid und Herrlichkeit – ebenfalls sehr sehenswert)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Parasite (South Korea) (GEWINNER)

Documentary Feature

TATSÄCHLICHER GEWINNER American Factory (Netflix), Steven Bognar, Julia Reichert und Jeff Reichert (NG – angesichts der Preise, die er bis jetzt bekommen hat, könnte er der GEWINNER sein)

The Cave (National Geographic), Feras Fayyad, Kirstine Barfod und Sigrid Dyekjaer (NG)

The Edge of Democracy (Netflix), Petra Costa, Joanna Natasegara, Shane Boris und Tiago Pavan (NG)

For Sama (PBS), Waad al-Kateab und Edward Watts (Sehenswert, startet am 5. März)

Honeyland (Neon), Ljubo Stefanov, Tamara Kotevska und Atanas Georgiev (NG)

Animated Feature Film

How to Train Your Dragon: The Hidden World (Dreamworks), Dean DeBlois, Bradford Lewis und Bonnie Arnold (NG)

I Lost My Body (Netflix), Jérémy Clapin und Marc du Pontavice (NG)

Klaus (Netflix), Sergio Pablos, Jinko Gotoh und Marisa Román (NG)

Missing Link (United Artists Releasing), Chris Butler, Arianne Sutner und Travis Knight (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Toy Story 4 (Pixar), Josh Cooley, Mark Nielsen und Jonas Rivera (NG)

Production Design

The Irishman, Production Design: Bob Shaw; Set Decoration: Regina Graves

Jojo Rabbit, Production Design: Ra Vincent; Set Decoration: Nora Sopková

1917, Production Design: Dennis Gassner; Set Decoration: Lee Sandales

TATSÄCHLICHER GEWINNER Once Upon a Time in Hollywood, Production Design: Barbara Ling; Set Decoration: Nancy Haigh (GEWINNER)

Parasite, Production Design: Lee Ha Jun; Set Decoration: Cho Won Woo

Film Editing

TATSÄCHLICHER GEWINNER Ford v Ferrari, Andrew Buckland & Michael McCusker

The Irishman, Thelma Schoonmaker

Jojo Rabbit, Tom Eagles

Joker, Jeff Groth

Parasite, Jinmo Yang (GEWINNER, oder „Ford v Ferrari“)

Cinematography

TATSÄCHLICHER GEWINNER 1917, Roger Deakins (GEWINNER)

The Irishman, Rodrigo Prieto

Joker, Lawrence Sher

The Lighthouse, Jarin Blaschke

Once Upon a Time in Hollywood, Robert Richardson

Visual Effects

Avengers: Endgame, Dan DeLeeuw, Russell Earl, Matt Aitken und Dan Sudick

The Irishman, Pablo Helman, Leandro Estebecorena, Nelson Sepulveda-Fauser und Stephane Grabli

The Lion King, Robert Legato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Elliot Newman (normalerweise die Kategorie, in der Blockbuster wie „Avengers“ und „Star Wars“ einen Preis erhalten, aber da der „Lion King“ ebenfalls ein Blockbuster ist und der gesamte Film ein Spezialeffekt ist, ist er der GEWINNER)

TATSÄCHLICHER GEWINNER 1917, Guillaume Rocheron, Greg Butler und Dominic Tuohy

Star Wars: The Rise of Skywalker, Roger Guyett, Neal Scanlan, Patrick Tubach und Dominic Tuohy

Costume Design

The Irishman, Sandy Powell und Christopher Peterson

Jojo Rabbit, Mayes C. Rubeo

Joker, Mark Bridges

TATSÄCHLICHER GEWINNER Little Women, Jacqueline Durran (GEWINNER; obwohl es in diesem Fall ein Trostpreis ist)

Once Upon a Time in Hollywood, Arianne Phillips

Sound Mixing (kaum zu unterscheiden vom Sound Editing und immer eine Frage, wie gut die Kinoanlage ist)

Ad Astra, Gary Rydstrom, Tom Johnson und Mark Ulanobr (GEWINNER; ebenfalls ein bei den Nominierungen etwas übersehener Film)

Ford v Ferrari, Paul Massey, David Giammarco and Steven A. Morrow

Joker, Tom Ozanich, Dean Zupancic and Tod Maitland

TATSÄCHLICHER GEWINNER 1917, Mark Taylor and Stuart Wilson

Once Upon a Time in Hollywood, Michael Minkler, Christian P. Minkler and Mark Ulano

Sound Editing

TATSÄCHLICHER GEWINNER Ford v Ferrari, Donald Sylvester (GEWINNER)

Joker, Alan Robert Murray

1917, Oliver Tarney and Rachael Tate

Once Upon a Time in Hollywood, Wylie Stateman

Star Wars: The Rise of Skywalker, Matthew Wood and David Acord

Original Song

„I Can’t Let You Throw Yourself Away,“ Toy Story 4, Musik und Text von Randy Newman (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER „(I’m Gonna) Love Me Again,“ Rocketman, Musik von Elton John; Text von Bernie Taupin (der Film hätte ein, zwei weitere Nominierungen verdient)

„I’m Standing With You,“ Breakthrough, Musik und Text von by Diane Warren (ein schlechter Film)

„Into the Unknown,“ Frozen II, Musik und Text von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez (NG)

„Stand Up,“ Harriet, Musik und Text von Joshuah Brian Campbell und Cynthia Erivo (NG)

Original Score

TATSÄCHLICHER GEWINNER Joker, Hildur Gudnadóttir

Little Women, Alexandre Desplat

Marriage Story, Randy Newman (NG)

1917, Thomas Newman

Star Wars: The Rise of Skywalker, John Williams

Makeup and Hairstyling

TATSÄCHLICHER GEWINNER Bombshell, Kazu Hiro, Anne Morgan und Vivian Baker

Joker, Nicki Ledermann and Kay Georgiou

Judy, Jeremy Woodhead

Maleficent: Mistress of Evil, Paul Gooch, Arjen Tuiten and David White

1917, Naomi Donne, Tristan Versluis and Rebecca Cole

Live-Action Short Film

Brotherhood (NG)

Nefta Football Club (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER The Neighbors‘ Window (NG)

Saria (NG)

A Sister (NG)

Animated Short Film

Dcera (Daughter), Daria Kashcheeva (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Hair Love, Matthew A. Cherry und Karen Rupert Toliver (NG)

Kitbull, Rosana Sullivan und Kathryn Hendrickson (NG)

Memorabl, Bruno Collet und Jean-François Le Corree (NG)

Sister, Siqi Song (NG)

Documentary Short Subject

In the Absence, Yi Seung-Jun und Gary Byung-Seok Kam (NG)

TATSÄCHLICHER GEWINNER Learning to Skateboard in a Warzone (If You’re a Girl), Carol Dysinger und Elena Andreicheva (NG)

Life Overtakes Me, John Haptas und Kristine Samuelson (NG)

St. Louis Superman, Smriti Mundhra und Sami Khan (NG)

Walk Run Cha-Cha, Laura Nix und Colette Sandstedt (NG)

Honorary Award

David Lynch

Lina Wertmüller

Wes Studi

Jean Hersholt Humanitarian Award

Geena Davis


Die Oscar-Nominierungen 2020 – und einige Anmerkungen dazu

Januar 13, 2020

Vor wenigen Stunden wurden die Nominierungen für die 92. Oscar-Verleihung veröffentlicht. Die Verleihung ist am Sonntag, den 9. Februar.

Die meisten Nominierungen erhielt „Joker“ mit elf Nominierungen. Jeweils zehn Nominierungen erhielten „The Irishman“, „1917“ (ab Donnerstag im Kino) und „Once upon a Time in Hollywood“. Sie gelten damit nach der offiziellen Lesart als Favoriten. Meine Favoriten sind es nicht unbedingt.

Hier die Liste der Nominierungen, mit einigen Anmerkungen und meinen Tipps, wer die Preise gewinnen sollte und, manchmal, wer sie wahrscheinlich gewinnt. Denn warum sollte ich nicht zweimal falsch liegen? Filme die ich nicht gesehen habe, sind mit „(NG)“ gekennzeichnet und kein Teil meiner Oscar-Prognose.

Also dann:

Motion Picture

Ford v Ferrari (Fox), Peter Chernin, Jenno Topping und James Mangold, Producers

The Irishman (Netflix), Martin Scorsese, Robert De Niro, Jane Rosenthal und Emma Tillinger Koskoff, Producers (Sorry, obwohl ich ein Scorsese-Fan bin, ist da nicht sein bester Film und er ist aktuell hoffnungslos überbewertet)

Jojo Rabbit (Fox Searchlight), Carthew Neal und Taika Waititi, Producers (erstaunlich)

Joker (Warner Bros.), Todd Phillips, Bradley Cooper und Emma Tillinger Koskoff, Producers (überbewertet)

Little Women (Sony), Amy Pascal, Producer (unterbewertet. Das Drama hätte öfter nominiert werden müssen.)

Marriage Story (Netflix), Noah Baumbach und David Heyman, Producers (NG)

1917 (Universal), Sam Mendes, Pippa Harris, Jayne-Ann Tenggren und Callum McDougall, Producers (GEWINNER, er ist das typische Oscar-Futter und technisch überragend)

Once Upon a Time in Hollywood (Sony), David Heyman, Shannon McIntosh und Quentin Tarantino, Producers

Parasite (Neon), Kwak Sin Ae und Bong Joon Ho, Producers (ein fantastischer Film, dem ich den Auslandsoscar gebe. Gegen „1917“ hat er wohl keine Chance.)

Actress

Cynthia Erivo (Harriet) (NG)

Scarlett Johansson (Marriage Story) (NG)

Saoirse Ronan (Little Women)

Charlize Theron (Bombshell) (NG)

Renée Zellweger (Judy) (GEWINNER)

Actor

Antonio Banderas (Pain and Glory) (GEWINNER)

Leonardo DiCaprio (Once Upon a Time in Hollywood)

Adam Driver (Marriage Story) (NG)

Joaquin Phoenix (Joker)

Jonathan Pryce (The Two Popes) (NG)

Actress in a Supporting Role

Kathy Bates (Richard Jewell) (NG)

Laura Dern (Marriage Story) (NG)

Scarlett Johansson (Jojo Rabbit)

Florence Pugh (Little Women) (GEWINNER, weil „Little Women“ ein wunderschöner Film ist, der bei den Nominierungen sträflich vernachlässigt wurde)

Margot Robbie (Bombshell) (NG)

Actor in a Supporting Role

Brad Pitt (Once Upon a Time in Hollywood) (GEWINNER)

Al Pacino (The Irishman)

Joe Pesci (The Irishman)

Tom Hanks (A Beautiful Day in the Neighborhood) (NG)

Anthony Hopkins (The Two Popes) (NG)

Director (Männer, Männer, Männer)

Bong Joon Ho, Parasite (sollte der Gewinner sein)

Sam Mendes, 1917 (GEWINNER, weil er schon den Oscar als „bester Film“ gewonnen hat)

Todd Phillips, Joker

Martin Scorsese, The Irishman

Quentin Tarantino, Once Upon a Time in Hollywood

Adapted Screenplay

The Irishman, Steven Zaillian

Jojo Rabbit, Taika Waititi

Joker, Todd Phillips & Scott Silver

Little Women, Greta Gerwig (GEWINNER, obwohl Greta Gerwig als beste Regisseurin hätte nominiert werden müssen)

The Two Popes, Anthony McCarten (NG)

Original Screenplay

1917, Sam Mendes & Krysty Wilson-Cairns

Knives Out, Rian Johnson

Marriage Story, Noah Baumbach (NG)

Once Upon a Time in Hollywood, Quentin Tarantino

Parasite, Bong Joon Ho & Jin Won Han (GEWINNER, obwohl auch die anderen Bücher verdammt gut sind)

International Feature

Corpus Christi (Poland) (NG)

Honeyland (North Macedonia) (Land des Honigs) (NG)

Les Misérables (France) (Die Wütenden – Les misérables – startet demnächst, fantastischer Film, unbedingt ansehen)

Pain and Glory (Spain) (Leid und Herrlichkeit)

Parasite (South Korea) (GEWINNER)

Documentary Feature

American Factory (Netflix), Steven Bognar, Julia Reichert und Jeff Reichert

The Cave (National Geographic), Feras Fayyad, Kirstine Barfod und Sigrid Dyekjaer

The Edge of Democracy (Netflix), Petra Costa, Joanna Natasegara, Shane Boris und Tiago Pavan

For Sama (PBS), Waad al-Kateab und Edward Watts

Honeyland (Neon), Ljubo Stefanov, Tamara Kotevska und Atanas Georgiev

Animated Feature Film

How to Train Your Dragon: The Hidden World (Dreamworks), Dean DeBlois, Bradford Lewis und Bonnie Arnold

I Lost My Body (Netflix), Jérémy Clapin und Marc du Pontavice

Klaus (Netflix), Sergio Pablos, Jinko Gotoh und Marisa Román

Missing Link (United Artists Releasing), Chris Butler, Arianne Sutner und Travis Knight

Toy Story 4 (Pixar), Josh Cooley, Mark Nielsen und Jonas Rivera

Production Design

The Irishman, Production Design: Bob Shaw; Set Decoration: Regina Graves

Jojo Rabbit, Production Design: Ra Vincent; Set Decoration: Nora Sopková

1917, Production Design: Dennis Gassner; Set Decoration: Lee Sandales

Once Upon a Time in Hollywood, Production Design: Barbara Ling; Set Decoration: Nancy Haigh (GEWINNER)

Parasite, Production Design: Lee Ha Jun; Set Decoration: Cho Won Woo

Film Editing

Ford v Ferrari, Andrew Buckland & Michael McCusker

The Irishman, Thelma Schoonmaker

Jojo Rabbit, Tom Eagles

Joker, Jeff Groth

Parasite, Jinmo Yang (GEWINNER, oder „Ford v Ferrari“)

Cinematography

1917, Roger Deakins (GEWINNER)

The Irishman, Rodrigo Prieto

Joker, Lawrence Sher

The Lighthouse, Jarin Blaschke

Once Upon a Time in Hollywood, Robert Richardson

Visual Effects

Avengers: Endgame, Dan DeLeeuw, Russell Earl, Matt Aitken und Dan Sudick

The Irishman, Pablo Helman, Leandro Estebecorena, Nelson Sepulveda-Fauser und Stephane Grabli

The Lion King, Robert Legato, Adam Valdez, Andrew R. Jones und Elliot Newman (normalerweise die Kategorie, in der Blockbuster wie „Avengers“ und „Star Wars“ einen Preis erhalten, aber da der „Lion King“ ebenfalls ein Blockbuster ist und der gesamte Film ein Spezialeffekt ist, ist er der GEWINNER)

1917, Guillaume Rocheron, Greg Butler und Dominic Tuohy

Star Wars: The Rise of Skywalker, Roger Guyett, Neal Scanlan, Patrick Tubach und Dominic Tuohy

Costume Design

The Irishman, Sandy Powell und Christopher Peterson

Jojo Rabbit, Mayes C. Rubeo

Joker, Mark Bridges

Little Women, Jacqueline Durran (GEWINNER; obwohl es in diesem Fall ein Trostpreis ist)

Once Upon a Time in Hollywood, Arianne Phillips

Sound Mixing (kaum zu unterscheiden vom Sound Editing und immer eine Frage, wie gut die Kinoanlage ist)

Ad Astra, Gary Rydstrom, Tom Johnson und Mark Ulanobr (GEWINNER; ebenfalls ein bei den Nominierungen etwas übersehener Film)

Ford v Ferrari, Paul Massey, David Giammarco and Steven A. Morrow

Joker, Tom Ozanich, Dean Zupancic and Tod Maitland

1917, Mark Taylor and Stuart Wilson

Once Upon a Time in Hollywood, Michael Minkler, Christian P. Minkler and Mark Ulano

Sound Editing

Ford v Ferrari, Donald Sylvester (GEWINNER)

Joker, Alan Robert Murray

1917, Oliver Tarney and Rachael Tate

Once Upon a Time in Hollywood, Wylie Stateman

Star Wars: The Rise of Skywalker, Matthew Wood and David Acord

Original Song

„I Can’t Let You Throw Yourself Away,“ Toy Story 4, Musik und Text von Randy Newman (NG)

„(I’m Gonna) Love Me Again,“ Rocketman, Musik von Elton John; Text von Bernie Taupin (der Film hätte ein, zwei weitere Nominierungen verdient)

„I’m Standing With You,“ Breakthrough, Musik und Text von by Diane Warren (ein schlechter Film)

„Into the Unknown,“ Frozen II, Musik und Text von Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez (NG)

„Stand Up,“ Harriet, Musik und Text von Joshuah Brian Campbell und Cynthia Erivo (NG)

Original Score

Joker, Hildur Gudnadóttir

Little Women, Alexandre Desplat

Marriage Story, Randy Newman (NG)

1917, Thomas Newman

Star Wars: The Rise of Skywalker, John Williams

Makeup and Hairstyling

Bombshell, Kazu Hiro, Anne Morgan und Vivian Baker (NG)

Joker, Nicki Ledermann and Kay Georgiou

Judy, Jeremy Woodhead

Maleficent: Mistress of Evil, Paul Gooch, Arjen Tuiten and David White

1917, Naomi Donne, Tristan Versluis and Rebecca Cole

Live-Action Short Film

Brotherhood

Nefta Football Club

The Neighbors‘ Window

Saria

A Sister

Animated Short Film

Dcera (Daughter), Daria Kashcheeva

Hair Love, Matthew A. Cherry und Karen Rupert Toliver

Kitbull, Rosana Sullivan und Kathryn Hendrickson

Memorabl, Bruno Collet und Jean-François Le Corree

Sister, Siqi Song

Documentary Short Subject

In the Absence, Yi Seung-Jun und Gary Byung-Seok Kam

Learning to Skateboard in a Warzone (If You’re a Girl), Carol Dysinger und Elena Andreicheva

Life Overtakes Me, John Haptas und Kristine Samuelson

St. Louis Superman, Smriti Mundhra und Sami Khan

Walk Run Cha-Cha, Laura Nix und Colette Sandstedt

Honorary Award

David Lynch

Lina Wertmüller

Wes Studi

Jean Hersholt Humanitarian Award

Geena Davis


TV-Tipp für den 13. Dezember: The Wolf of Wall Street

Dezember 12, 2019

3sat, 22.25

The Wolf of Wall Street (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Terence Winter

LV: Jordan Belfort: The Wolf of Wall Street, 2007 (Der Wolf der Wall Street)

An seinem ersten Arbeitstag an der Wall Street crasht die Börse. Also zieht der nun arbeitslose, selbsternannte „Wolf of Wall Street“ Jordan Belfort 1987 eine Straße weiter und mit dem Verkauf von Pennystocks verdient er ein Vermögen.

Knapp gesagt: „GoodFellas“ und „Casino“ in der Finanzwelt, niemals langweilig und grandios von Martin Scorsese inszeniert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung – und noch mehr im Bonusmaterial zum Film.

mit Leonardo DiCaprio, Jonah Hill, Margot Robbie, Matthew McConaughey, Kyle Chandler, Rob Reiner, Jon Favreau, Jean Dujardin, Jon Bernthal

Die Vorlage

Belfort - Der Wolf der Wall-Street - Movie-Tie-In - 4

Jordan Belfort: Der Wolf der Wall Street – Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone

(übersetzt von Egbert Neumüller)

Goldmann Taschenbuch, 2014

640 Seiten

9,99 Euro

Die Originalausgabe erschien 2007.

Die deutsche Erstausgabe 2008 im Verlag Börsenmedien AG.

Hinweise

Moviepilot über „The Wolf of Wall Street“

Metacritic über „The Wolf of Wall Street“

Rotten Tomatoes über „The Wolf of Wall Street“

Wikipedia über „The Wolf of Wall Street“ (deutsch, englisch)

Hollywood vs. Reality über „The Wolf of Wall Street“

Kriminalakte: Tonnen weitergehender Informationen über den Film

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. Oktober: Silence

Oktober 11, 2019

Tele 5, 20.15

Silence (Silence, USA 2016)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Jay Cocks, Martin Scorsese

LV: Shusaku Endo: Chinmoku, 1966 (Schweigen)

1648: Zwei Jesuitenpater reisen in das gottlose Japan. Dort soll ihr Mentor Gott abgeschworen haben.

TV-Premiere. Alle paar Jahre dreht Martin Scorsese einen seiner religiösen Filme. „Silence“ ist, trotz beeindruckender Bilder, sein schwächster dieser Filme. Das Drama ist ein religiöses Erbauungstraktat, das mit gut drei Stunden Laufzeit auch die Geduld des langmütigsten Zuschauer über Gebühr strapaziert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Andrew Garfield, Adam Driver, Liam Neeson, Tadanobu Asano, Ciarán Hinds, Yosuke Kubozuka, Yoshi Oida, Shin’ya Tsukamoto, Issey Ogata, Nana Komatsu, Ryo Kase

Wiederholung: Montag, 14. Oktober, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Silence“

Metacritic über „Silence“

Rotten Tomatoes über „Silence“

Wikipedia über „Silence“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Shusaku Endos „Schweigen“ (Chinmoku, 1966)


Neu im Kino/Filmkritik: Der „Joker“ will nur…

Oktober 11, 2019

Auf den Filmfestspielen von Venedig erhielt er den Goldenen Löwen. Seitdem werden ihm mehr oder weniger gute Chancen für einen oder mehrere Oscars eingeräumt. Allerdings dauert es bis zur Oscarverleihung noch einige Monate. Außerdem ist der „Joker“ ein Superheldenfilm und die hatten bisher, wie Science-Fiction- und Fantasy-Filme, wenig Glück bei den Oscars.

Bis zu den Nominierungen und Preisverleihungen kann der Verleih sich an den überwiegend positiven Kritiken, den begeisterten Publikumsreaktionen und dem überaus erfreulichem Einspiel – in den USA spielte der Film am Startwochenende über 96 Millionen US-Dollar ein – erfreuen. Außerdem wird über über den Protagonisten, die Gewalt und die Botschaft des Films diskutiert. Denn nichts davon ist wirklich eindeutig und nichts davon wird in dem heute gewöhnlichen Comicfilm-Actionstil präsentiert, in dem alles so unmöglich ist, dass, auch wenn ganze Städte und Galaxien zerstört werden, immer der Entertainment-Aspekt im Vordergrund steht. Wirklich verletzt wird niemand und am Ende gewinnen die Guten.

Spaß hat in „Joker“ niemand.

Das liegt auch daran, dass Todd Phillips in seinem Film nicht von einer weiteren Konfrontation zwischen Batman und dem Superschurken Joker erzählt. Sein Film gehört daher, wenigstens für den Moment, nicht zum DC Extended Universe. So wird das von Warner Bros. Pictures und DC Comics gemeinsam produzierte filmische Universum genannt. Nach einem sehr holprigen Start mit düsteren und ernsten Superheldenfilmen wurde es zuletzt mit „Wonder Woman“, „Aquaman“ und „Shazam!“ besser, unterhaltsamer und vergnüglicher.

Joker“ knüpft nicht an diese Filme und das DCEU an, sondern er ist als Einzelfilm, der in keiner Verbindung zum DCEU steht, konzipiert. Außerdem erzählt er die Entstehungsgeschichte des Jokers. Im Gegensatz zu anderen Superhelden und Superschurken gibt es nicht die allgemein akzeptierte, kanonisierte Ursprungsgeschichte des Jokers. Eigentlich kennt man den Joker in den Comics und Filmen nur als Superschurken mit einem, ähem, problematischen Sozialverhalten, Lust am Chaos und einem verzerrten Clownsgesicht.

Das eröffnet Todd Phillips (die „Hangover“-Filme, „War Dogs“) die Möglichkeit, seine Version von dem Joker und wie der Joker der Joker wurde zu erzählen, ohne sich um all das Drumherum zu kümmern.

Sein Joker heißt Arthur Fleck. Als wir ihn zum ersten Mal in Gotham City in den frühen 1980er Jahren sehen, wedelt er als Clown auf der Straße mit einem Werbeschild herum, das ihm prompt von einer Bande Jugendlicher geklaut wird. Nach einer Verfolgungsjagd stellen sie ihn in einer Nebengasse, schlagen ihn zusammen und zerstören das Schild. Das Schild wird später von Flecks Gehalt abgezogen.

Gotham City ist hier, wie auch in den Comics, ein Synonym für New York City. Es ist die Stadt, in der Martin Scorseses „Taxi Driver“ und „The King of Comedy“ spielen. Beide Filme wurden schon vor der Premiere als Inspirationen für „Joker“ genannt. Vor allem „The King of Comedy“ ist die immer wieder erkennbare Inspiration für „Joker“. Beide Male geht es um einen erfolglosen Künstler, der von seinem Idol wahrgenommen werden will. Bei Scorsese war Jerry Lewis das Idol und Robert De Niro der fanatische Möchtegern-Komiker. Bei Phillips ist Joaquin Phoenix der bis auf die Knochen abgemagerte Möchtegern-Komiker Arthur Fleck und Robert De Niro, in einer kleinen, aber wichtigen Nebenrolle, der bekannte Late-Night-Gastgeber Murray Franklin.

Bis es zur ersten echten Begegnung zwischen Fleck und Franklin kommt, führt Phillips uns in Flecks Psyche. Er ist ein nicht witziger Komiker, ein Clown zum Fürchten, ein von unerklärlichen Lachkrämpfen geplagter Psychopath, der immer noch bei seiner kränkelnden Mutter lebt und der ewige Verlierer, der höchstens in seiner Fantasie das Mädchen bekommt. Es gibt nichts, was ihn irgendwie auf seine spätere Karriere als Superverbrecher Joker vorbereiten könnte. Auch seine ersten verbrecherischen Taten, wie die Ermordung einiger nerviger Yuppies in der U-Bahn, folgen keinem Plan, sondern sind reine Affekthandlungen. Entsprechend ratlos reagiert er am Ende, wenn aus dem Clown Fleck der Joker wird und ganz Gotham City zum Schauplatz einer Straßenschlacht wird, während in einer Gasse neben einem Kino ein künftiger Superheld geboren wird.

Aber wirklich packend ist diese mit Anspielungen und Zitaten reichhaltig gesegnete Origin Story nie. Dafür ist der Film zu sehr überzeugt von seiner eigenen Bedeutung. Die Geschichte, die vor allem eine zwischen Wahn und Wirklichkeit pendelnde Charakterstudie ist, entwickelt sich zu schleppend und zu unentschlossen. So als habe man gleichzeitig provozieren und niemand provozieren wollen.

Und ich habe Arthur Fleck niemals als künftiges Verbrechergenie gesehen. Er ist von der ersten bis zur letzten Minute, auch wenn dann viele Menschen mit einem Clownsgesicht durch die Stadt marodieren, ein Niemand, der in dem Moment zu einer Projektionsfläche wird. Nur ist unklar für was.

Joker (Joker, USA 2019)

Regie: Todd Phillips

Drehbuch: Todd Phillips, Scott Silver

LV: Charakter von Bob Kane, Bill Finger und Jerry Robinson

mit Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz, Frances Conroy, Brett Cullen, Shea Whigham, Bill Camp, Glenn Fleshler, Leigh Gill, Josh Pais, Brian Tyree Henry

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche WarnerBrosDC-Facebook-Seite

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Joker“

Metacritic über „Joker“

Rotten Tomatoes über „Joker“

Wikipedia über „Joker“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Phillips‘ „War Dogs“ (War Dogs, USA 2016)


TV-Tipp für den 16. August: Woodstock

August 15, 2019

Arte, 22.10

Woodstock (Woodstock, USA 1970)

Regie: Michael Wadleigh

Drehbuch: Michael Wadleigh

Verdammt langer, verdammt selten gezeigter Film (der den Oscar als bester Dokumentarfilm erhielt) über ein legendäres Musikfestival mit einem Haufen legendärer Bands und Musiker. Im Film treten auf: Richie Havens, Joan Baez, The Who, Sha-Na-Na, Joe Cocker, Country Joe and the Fish, Arlo Guthrie, Crosby Stills & Nash, Ten Years After, John Sebastian, Santana, Sly & the Family Stone, Jimi Hendrix, Canned Heat, Jefferson Airplane, Janis Joplin und Canned Heat. Und wer die beiden „Woodstock“-CDs hat, kann noch einige weitere Musiker hören.

Am Schnitt arbeiteten unter anderem Martin Scorsese (der ja später noch einige Konzerte filmte) und Thelma Schoonmaker mit. Beide werden auch als „Assistant Director“ aufgeführt.

Arte zeigt heute den 216-minütigen Director’s Cut. Die Kinoversion dauerte nur 184 Minuten.

Während Wadleighs Musikfilm noch läuft, zeigt der WDR ab 23.30 Uhr die Doku „Woodstock Diary“ (USA 2014), danach, um 02.15 Uhr die Doku „Woodstock – Wie der Mythos entstand“ (Deutschland 2009) und danach, um 03.45 Uhr den Spielfilm „Taking Woodstock – Der Beginn einer Legende“ (USA 2009, Regie: Ang Lee). Und zum Sonnenaufgang einen Joint.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Woodstock“

Wikipedia über „Woodstock“ (deutsch, englisch)

All Music über „Woodstock“ und „Woodstock Two“


Neu im Kino/Filmkritik: Ziemlich old school, dieser „Killerman“

August 8, 2019

Moe Diamond (Liam Hemsworth – nicht der „Thor“-Hemsworth, sondern der „Tribute von Panem“-Hemsworth) ist in New York ein Geldwäscher, der altmodischen Art. Er läuft durch die halbe Stadt und tauscht das Drogengeld solange in Gold und Diamanten um, bis man die Spur nicht mehr zurückverfolgen kann. Dafür fallen für ihn zehn Prozent ab. Bei einer Million ist das kein schlechter Schnitt für einen Tag Lauferei. Dabei hilft ihm Skunk (Emory Cohen) , der Neffe des Mafiosi Perico. Sie arbeiten für ihn und Perico will ihnen jetzt mehr Geld zum Waschen anvertrauen.

Als Perico von einem korrupten FBI-Agenten vor polizeilichen Maßnahmen gewarnt wird, stoppt er für die nächsten Stunden alle seine Geschäfte. Moe und Skunk, die gerade auf einer Tour waren, sitzen jetzt auf einem Haufen Geld. Skunk hat auch gleich eine Idee, was sie mit dem Geld machen können: sie können es in einen Drogendeal investieren.

Widerwillig lässt Moe sich überzeugen. Und er hatte Recht mit seinen Bedenken: der Deal ist zu schön, um wahr zu sein. Bei der Übergabe tauchen korrupte Polizisten auf, die sie umbringen wollen.

In letzter Sekunde können Moe und Skunk mit dem Geld und den Drogen entkommen. Auf ihrer Flucht bauen sie einen Unfall, bei dem Moe sein Gedächtnis verliert. Zusammen mit Skunk muss er die nächsten Stunden überleben. Denn die Polizisten, die die Drogen für dieses Geschäft aus der Asservatenkammer entwendeten, suchen sie.

Killerman“, der neue Film von Malik Bader, orientiert sich mit seiner Gangstergeschichte erzählerisch und von der Wahl der Schauplätze und Schauspieler an den siebziger Jahren. Schon lange sah man diese abgeranzten Ecken von New York nicht mehr im Kino. Obwohl in Savannah, Georgia, gedreht wurde. Aber auch Martin Scorseses archetypischer New-York-Film „Hexenkessel“ (Mean Streets, 1973) wurde in Los Angeles gedreht. Und die Schauspieler sehen, bis auf den Strahlemann Liam Hemsworth, nicht wie die typischen Hollywood-Gesichter aus. Es sind Charakterköpfe, die man so aus älteren Filmen, von Fotos und auch aus der Nachbarschaft kennt.

Die Handkamera, die vielen Nahaufnahmen und das hohe Schnitttempo sind dann moderne Stilmittel, die den Thriller in die Nähe eines TV-Thrillers, wie der erfolgreichen Serie „24“, rücken.

Denn auch wenn „Killerman“ eine Gangstergeschichte erzählt, ist es ein Thriller, in dem jeder jeden jagt und tötet. Im Mittelpunkt der Jagd steht Moe, der sich, nach seinem Gedächtnisverlust, in einer fremden Welt, in der es mehr Feinde als Freunde gibt, zurechtfinden muss.

Bader inszenierte Moes Geschichte insgesamt recht zügig, hart und ironiefrei. Es gibt auch einige überraschende Wendungen, die für den Genrejunkie allerdings wenig überraschend sein dürften.

Insgesamt bietet „Killerman“ kurzweilige Genreunterhaltung in vertrauten Gewässern, die nie vorgibt mehr zu sein, als sie ist.

Killerman (Killerman, USA 2019)

Regie: Malik Bader

Drehbuch: Malik Bader

mit Liam Hemsworth, Diane Guerrero, Emory Cohen, Mike Moh, Zlatko Buric, Suraj Sharma, Nickola Shreli, John Cenatiempo

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 18 Jahre (eine FSK-16 wäre auch okay gewesen)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Killerman“

Metacritic über „Killerman“

Rotten Tomatoes über „Killerman“

Wikipedia über „Killerman“ 


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