„Archangel“: Zeitreisen mit William Gibson

April 4, 2018

Mit „Archangel“ betritt William Gibson Neuland.

Seit seinem 1984 erschienenem Romandebüt „Neuromancer“ ist er als Science-Fiction-Autor und einer der Erfinder des Cyberpunk bekannt. Davor veröffentlicht er bereits mehrere Kurzgeschichten in Science-Fiction-Magazinen.

Zwei seiner Geschichten wurden auch verfilmt. Die Filme „Vernetzt – Johnny Mnemonic“ und „New Rose Hotel“ waren vor allem interessant, aber nicht wirklich gelungen. In unzähligen anderen Filmen ist sein Einfluss (und der des Cyberpunk) unübersehbar. Zum Beispiel in den „Matrix“-Filmen, „Tron“ und, ab Donnerstag im Kino, „Ready Player One“ in einer sehr jugendfrei-poppigen 80er-Jahre-Retro-Version, die nichts mehr vom nihilistischen Punk-Noir-Gestus des frühen Cyberpunk hat.

Gibson versuchte sich auch als Drehbuchautor. Bis auf zwei verfilmte „Akte X“-Drehbücher allerdings erfolglos. Auch „Archangel“ begann, wie Gibson im Nachwort des Buches erzählt, als Idee für ein Drehbuch. Erstmals stellten Gibson und sein Co-Autor Michael St. John Smith die Geschichte einem deutschen TV-Sender vor. Als der Produzent angesichts der Vorschläge von Gibson und St. John Smith entsetzt abwinkte, formulierten sie ihre Ideen zu Gibsons erstem Comic um. Der wurde dann prompt für den Eisner Award in der Kategorie „Beste abgeschlossene Serie“ nominiert.

2016 wird in einem dystopischen Alternativuniversum Junior Henderson, Vizepräsident der USA, auf eine Zeitreise in das Jahr 1945 geschickt. Er soll seinen Großvater, Mayor Aloysius Henderson, umbringen und die erste Phase des Projekts Archangel, das Zeitreisen und Veränderungen der Realität in Paralleluniversen ermöglicht, einleiten.

Kurz darauf werden von einer Widerstandgruppe zwei Marines ebenfalls in das Jahr 1945 geschickt. Sie landen sechs Monate später, im August 1945, in Berlin. Sie sollen Henderson, der mit seinen Taten eine Katastrophe heraufbeschwören wird, töten und so den Lauf der Geschichte zum Positiven ändern; – okay, wie bei allen Zeitreise-Geschichten sollten wir diesen Punkt wahrscheinlich nicht weiter vertiefen.

In Berlin legen die beiden Soldaten eine ziemlich katastrophale Landung hin. Einer stirbt, der andere wird von den Amerikanern inhaftiert.

Die britische Agentin Naomi Givens glaubt, dass der seltsame Mann wirklich aus der Zukunft gekommen ist. Sie will ihm helfen.

Henderson, der inzwischen ebenfalls in Berlin ist, will den aus der Zukunft kommenden Soldat töten und er ist bei seiner Jagd nach dem namenlosen Marine, Naomi Givens und ihrem Freund, dem US-Army-Captain Vince Matthews, nicht zimperlich. Immerhin könnten die Drei seinen Plan, durch die Zündung einer Atombombe den uns bekannten Lauf der Welt zu verändern, sabotieren.

Archangel“ ist eine auf zwei Zeitebenen spielender Action-Thriller, der in erster Linie eine atemlose Hatz durch das vom Krieg zerstörte Berlin ist. Mit viel Action und einer spürbaren Freude am Zitat. Als hätte man Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ noch einmal liebevoll durch den Popkultur-Schredder geschickt und mit einer ordentlichen Prise SF-Noir abgeschmeckt.

Wenn am Ende der fünfteiligen Miniserie, die Cross Cult in einem Band mit etwas Bonusmaterial veröffentlichte, die eine Welt gerettet ist, verrät die letzte Seite des Comics, dass unsere tapferen Recken 1945 zwar eine Katastrophe verhinderten, aber die Gegenwart nicht viel besser aussieht.

Da würde ich gerne die Verfilmung sehen.

William Gibson (Text)/Michael St. John Smith (Text)/Butch Guice (Zeichnungen)/Alejandro Barrionuevo (Zeichnungen)/ Wagner Reis (Zeichnungen): Archangel

(übersetzt von Michael Schuster)

Cross Cult, 2017

128 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

William Gibson’s Archangel

IDW, 2017

William Gibson in seinem angestammten Metier

In seinem letzten Roman „Peripherie“ erzählt William Gibson die Geschichte von Flynne, die an Stelle ihres Bruders ein Computerspiel testet und eine dystopische, virtuelle Welt betritt, die in Wirklichkeit die Zukunft ist. Sie beobachtet einen Mord und Wilf, der das Opfer betreute, ist auf die Hilfe der einzigen Zeugin angewiesen.

Mit 624 Seiten wahrlich keine Gute-Nacht-Lektüre.

Das Taschenbuch erscheint im September bei Knaur.

William Gibson: Peripherie

(übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann)

Tropen, 2016

624 Seiten

24,95 Euro

Originalausgabe

The Peripheral

G. P. Putnam’s Sons, New York, 2014

Hinweise

Homepage von William Gibson

Deutsche Homepage von William Gibson

Wikipedia über William Gibson (deutsch, englisch)

Rolling Stone interviewt William Gibson (2007)

De:Bug Magazin redet mit William Gibson (2008 )

Intor redet auch mit William Gibson (2008 )

The Boston Globe macht „Q&A“ mit William Gibson (2007)

Powells telefoniert mit William Gibson (2007)

DShed: Lesung und Diskussion mit William Gibsonüber “Systemneustart” (6. Oktober 2010, 69 Minuten)

Meine Besprechung von William Gibsons „Systemneustart“ (zero history, 2010) (mit einigen Videoclips)

Meine Besprechung von William Gibsons „Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack – Gedanken über die Zukunft als Gegenwart“ (Distrust that particular flavor, 2012)

William Gibson in der Kriminalakte

William Gibson über den Comic (jaja, der Ton ist leise, das Publikum ist hörbar und das Bild…)

 


William Gibson meint „Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack“

April 26, 2013

 

Gibson - Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack - 2

Eine Essaysammlung ist normalerweise Resteverwertung. Etwas, das ein Romanautor tut, wenn sein nächster Roman auf sich warten lässt, er aber wahrscheinlich vertragliche Verpflichtungen hat oder schnell etwas Geld haben möchte. Halt etwas für die Komplettisten unter seinen Fans. Einige Feuilletonisten schreiben einige wohlfeine Worte darüber und damit ist die Sache, wie bei den vorweihnachtlichen Best-of-Alben, vergessen.

 

Das trifft sicher auch auf William Gibsons schön gelayoutete Essaysammlung „Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack“ zu, dachte ich und ich wollte die Texte in kleinen Portionen lesen, immer mit der Möglichkeit im Hinterkopf, dass das Buch auf dem „Bücher, die ich gerade lese“-Stapel, neben einigen Kurzgeschichtensammlungen, einstaubt. Aber ich hatte die Texte ratzfatz, fast in einer Sitzung weggelesen und, auch wenn nicht alle Texte gleich gelungen sind, geben sie einen guten Einblick in Gibsons Schaffen, seine Inspirationen und was er vom Cyberspace hält. Denn in seinen ersten Romanen „Neuromancer“ (Newromancer, 1984), „Biochips“ (Count Zero, 1986) und „Mona Lisa Overdrive“ (Mona Lisa Overdrive, 1988) beschrieb er in den achtziger Jahren, als fast niemand einen Computer in seiner Wohnung stehen hatte und das Internet ein esoterisches Expertending ohne jeden Praxisbezug war, eben dieses Internet und die Verschmelzung von normaler Welt und Cyberspace in furiosen Cyberpunk-Romanen, in denen die Beschreibung der Welt zwingender und faszinierender als die eigentliche Geschichte war. Denn ein großer Plotter war William Gibson nie, aber gerade bei seinen Science-Fiction-Romanen störte das nicht.

 

Wobei William Gibson wahrscheinlich jetzt laut protestieren würde. Denn in mehreren Essays, wie seiner „Rede für die Bookexpo in New York“ (2010) führt er aus, dass er niemals über zukünftige Welten, sondern immer nur über die Gegenwart geschrieben habe. Außerdem lägen Science-Fiction-Autoren mit ihren Vorhersagen auch ziemlich oft daneben. Trotzdem wirken etliche Texte erstaunlich prophetisch für die heutige Realität. Damals waren einige Anwendungen, Suchmaschinen (Erinnert ihr euch noch an AltaVista?) und Ebay gerade im Entstehen und Singapur und Japan, wo er mehrmals war, porträtiert er als Vorbilder für künftige technikverliebte Gesellschaften.

 

Und dann gibt es noch sein 1996 in der New York Times publiziertes Essay „Das Netz ist Zeitverschwendung“ (The Net is a waste of Time), in dem die wohl schon legendäre Überschrift konsequent als Ablehnung des Internets missverstanden wurde, weil man den Text nicht gelesen hat. Denn: „Während neue Technologien ständig die Lücken im globalen Kommunikationsnetz schließen, bleiben uns immer weniger Entschuldigungen für…Müßiggang.

 

Und genau das ist es, was das World Wide Web, dieses Testbild für das künftige globale Leitmedium, uns zu bieten hat. In seiner unbeholfenen, larvenähnlichen, seltsam unschuldigen Form gibt es uns heute die Möglichkeit, Zeit zu verschwenden, ziellos umherzustreifen und uns Tagträumen über die zahllosen andern Leben hinzugeben, die andere Menschen vor den zahllosen Monitoren in diesem postgeografischen Metaland, das wir immer öfter Heimat nennen. Vermutlich wird es sich schon bald in etwas weniger Zufälliges verwandeln – etwas, das deutlich weniger Spaß macht. Es wäre nicht das erste Mal. Derweil jedoch lässt sich im Netz in seiner herrlich ungeordneten Global-Ham-Televison-Postcard-Universes-Phase wunderbar die Zeit vertrödeln. Und für Außenstehende sieht es vielleicht sogar so aus, als würden wir arbeiten.“

 

Ach ja: Bereits seit 1985 schreibt William Gibson seine Romane auf einem PC. Aber das Gerücht, dass er immer noch in einem dunklen Kellerzimmer seine Romane auf einer alten Schreibmaschine schreibt, ist einfach zu gut, um nicht in gefühlt jeden zweiten Text über Gibson eingeflochten zu werden. Wahrscheinlich auch von mir.

 

Während ihr euch jetzt „Misstrauen Sie dem unverwechselbarem Geschmack“ besorgen solltet, William Gibson in seiner Künstlerklause weiter an seinem neuen Roman schreibt, werde ich im Netz etwas Zeit verschwenden, während alle anderen glauben, dass ich arbeite.

 

 

William Gibson: Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack – Gedanken über die Zukunft als Gegenwart

 

(übersetzt von Sara und Hannes Riffel)

 

Tropen, 2013

 

256 Seiten

 

21,95 Euro

 

 

Originalausgabe

 

Distrust that particular flavor

 

Putnam Adult, New York 2012

 

 

Hinweise

 

Homepage von William Gibson

 

Deutsche Homepage von William Gibson

 

Rolling Stone interviewt William Gibson (2007)

 

De:Bug Magazin redet mit William Gibson (2008 )

 

Intor redet auch mit William Gibson (2008 )

 

The Boston Globe macht „Q&A“ mit William Gibson (2007)

 

Powells telefoniert mit William Gibson (2007)

 

DShed: Lesung und Diskussion mit William Gibsonüber “Systemneustart” (6. Oktober 2010, 69 Minuten)

Meine Besprechung von William Gibsons „Systemneustart“ (zero history, 2010) (mit einigen Videoclips)

 

William Gibson in der Kriminalakte

 

 


William Gibson versucht den „Systemneustart“

Mai 31, 2011

Boah, was war das?“ fragte ich mich am Ende von William Gibsons neuem Roman „Systemneustart“. Das soll das neue Werk des Mannes sein, der in den Achtzigern, neben Bruce Sterling, die Stimme des Cyberpunk war und als Science-Fiction-Autor eine Utopie von einem virtuellem Raum, dem Cyberspace, entwarf, die, knapp gesagt, das heutige Internet in all seinen Schattierungen ist. Vor allem die Neuromancer-Trilogie, aber auch die Idoru-Trilogie (die jetzt gesammelt als Taschenbuch erschien), sind zu recht Kultromane für die Science-Fiction-Gemeinde und die Internet-Geeks. Vor knapp zehn Jahren wandte Gibson sich der Gegenwart zu. Immerhin wurden seine Zukunftsvorstellungen ja langsam Realität.

Auch „Systemneustart“ spielt in der Gegenwart und es treten bekannte Charaktere aus seinen beiden vorherigen Romanen „Mustererkennung“ und „Quellcode“ auf. Und es geht wieder um die Welt der Werbung und der Waren.

Hollis Henry soll im Auftrag von Bigend herausfinden, wer der Designer hinter dem Modelabel Gabriel Hounds ist. Denn diese Kleider werden nur an halbseidenen Orten an ausgewählte Kunden verkauft. Es gibt auch keine Werbung dafür. Milgrim, der das vergangene Jahrzehnt in der Drogenrehabilitation verbrachte und einen Blick für Details hat, soll ihr helfen.

Schon diese Prämisse ist etwas haarig. Denn um das Modelabel wird ein Bohei gemacht, als ob es sich um eine Lieferung von illegalen Drogen oder Waffen handelt und der Verkauf von Klamotten ein Kapitalverbrechen ist. Denn es geht in „Systemneustart“ nicht um Industriespionage (was ja bedeuten würde, dass Konkurrenten um einen Markt kämpfen und sich einen Vorteil verschaffen wollen), sondern einfach nur darum herauszufinden, wer die Klamotten entwirft und das ist etwa so gefährlich wie eine Recherche in der städtischen Bibliothek. Aber Gibson inszeniert diese Suche, als ob es um das Ei des Kolumbus oder die drohende Vernichtung der Erde geht; – was dann doch etwas übertrieben-hysterisch wirkt. Jedenfalls für einen Roman, der sich nicht als Komödie oder Satire versteht. Humor ist sowieso in „Systemneustart“ Mangelware.

Stattdessen bewegen sich die blassen Charaktere mit großem Ernst von einem Ort an einen anderen Ort (immer in dieser Welt, nie in den tiefen des Cyberspace) und gefallen sich in ihrer Paranoia. Dafür verfremdet Gibson die Gegenwart bis zum Gehtnichtmehr und, während er mit seinen Cyberpunk-Romanen eine faszinierende, sich aus der Gegenwart speisende Utopie entwarft, hat er in „Systemneustart“ nichts zur Gegenwart und auch nichts zur Zukunft zu sagen.

Bis zum Ende bleibt vollkommen unklar, worum es überhaupt geht (Gabriel Hounds? Militärkleidung? Etwas anderes?) und, damit verbunden, was auf dem Spiel steht. Aber wenn unklar ist, worum es geht, ist einem auch die Geschichte egal.

Auch nachdem einer von Bigends Mitarbeitern entführt wird, wird es nicht klarer und, was beim Benutzen eines so altbewährten Erzählkniffs eigentlich ein Kunststück ist, auch nicht spannender. Es gibt sogar, kurz vor dem Geiselaustausch auf Seite 452 einen absurden Dialog zwischen einigen Hauptcharakteren, der das Dilemma des Buches ziemlich gut zusammenfasst:

Verstehst du, was er da treibt?“

Nein, aber es ist kompliziert.“

(…)

Sie wollen, dass er für Milgrim gehalten wird.“

Das weiß ich! Aber warum?“

Jemand hat Bigends Starinformatiker entführt. Die verlangen, dass wir ihnen im Tausch Milgrim ausliefern.“

Warum denn das?“

Genau genommen“, sagte Hollis, „hat es wohl etwas damit zu tun, dass du dem Kerl, der euch verfolgt hat, einen Pfeil an den Kopf geworfen hast.“

Und auch wir Leser sind keinen Deut schlauer als Hollis. Außerdem ist uns reichlich egal, ob die Befreiungsaktion à la Schlechte-A-Team-Kopie gelingt oder schiefgeht. Deutlicher kann man wohl das Scheitern eines Romans nicht formulieren. Der Roman ist ein, auf gut fünfhundert, engbebruckte Seiten ausgewalzter literarischer Leerlauf von einem Mann, der das Genre revolutionierte.

Systemneustart“ liest sich als ob man ein Spiel von Freizeitsoldaten beobachtet, ohne die Regeln zu kennen und die Freizeitsoldaten auch nur gegen imaginäre Gegner kämpfen. Dagegen ist das Beobachten von trocknender Farbe eine hochspannende Angelegenheit.

 

William Gibson: Systemneustart

(übersetzt von Hannes und Sara Riffel)

Tropen, 2011

496 Seiten

24,95 Euro

Originalausgabe

zero history

G. P. Putnam’s Sons, New York 2010

William Gibson: Die Idoru-Trilogie (Virtuelles Licht, Idoru, Futuremantic)

(überarbeitete Neuausgabe)

(übersetzt von Peter Robert)

Heyne, 2011

1056 Seiten

13,99 Euro

Die Werke von William Gibson

Die Neuromancer-Trilogie

Neuromancer (Newromancer, 1984)

Biochips (Count Zero, 1986)

Mona Lisa Overdrive (Mona Lisa Overdrive, 1988)

Die Idoru-Trilogie

Virtuelles Licht (Virtual Light, 1993)

Idoru (Idoru, 1996)

Futuremantic (All Tomorrow’s Parties, 1999)

Die Bigend-Romane

Mustererkennung (Pattern Recognition, 2003)

Quellcode (Spook Country, 2007)

Systemneustart (zero history, 2010)

Einzelwerke

(mit Bruce Sterling) Die Differenzmaschine (The Difference Engine, 1990)

Kurzgeschichtensammlung

Vernetzt – Johnny Mnemonic und andere Geschichten (Burning Chrome, 1986)

Hinweise

Homepage von William Gibson

Deutsche Homepage von William Gibson

Rolling Stone interviewt William Gibson (2007)

De:Bug Magazin redet mit William Gibson (2008 )

Intor redet auch mit William Gibson (2008 )

The Boston Globe macht „Q&A“ mit William Gibson (2007)

Powells telefoniert mit William Gibson (2007)

 

Blog zu „Systemneustart“ (studentisches Projekt)

DShed: Lesung und Diskussion mit William Gibsonüber „Systemneustart“ (6. Oktober 2010, 69 Minuten)

William Gibson in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Ghost in the Shell“ – viel Stil, wenig Substanz

März 30, 2017

Am Anfang war die Aufregung der Fans über White-Washing: Scarlett Johansson spielt eine Japanerin. Naja, eigentlich eine Japanerin, deren Gehirn in einen Roboterkörper implantiert wird. Und Roboter haben eigentlich keine Nationalität. Vor allem Roboter mit implantierten falschen Erinnerungen.

Außerdem sieht Scarlett Johansson in „Ghost in the Shell“ wirklich sehr japanisch aus und Mamoru Oshii, Regisseur des „Ghost in the Shell“-Animationsfilm ist ebenfalls begeistert: „Scarlett Johansson hat meine Erwartungen an die Rolle der Major bei Weitem übertroffen. (…) Sie ist meiner ursprünglichen Vorstellung dieser Figur so nahe gekommen. Diese Rolle war für sie, und niemand sonst hätte sie spielen können.“

Johansson spielt den ‚Roboter‘ Major überzeugend als emotionslose, leicht staksende Maschine, die sich langsam an ihre Vergangenheit (oder Zukunft oder andere implantierte Erinnerungen oder Fehler in der falsch formatierten Festplatte) erinnert und herausbekommen will, was sie bedeuteten. Dabei wird sie in ein politisches Komplott verwickelt, das auch die weniger pfiffigen Zuschauer nach einigen Sekunden von der ersten bis zur letzten Filmminute durchschauen. Auch wenn sie sich gerade nicht an „Robocop“ erinnern.

Denn Major wurde von Dr. Ouelet (Juliette Binoche) für die Hanka Corporation entwickelt. Auf einige wichtige Manager dieser Firma wurde jetzt ein Anschlag verübt. Verantwortlich dafür soll der brillante Hacker Kuze (Michael Pitt) sein, der auf einen Rachefeldzug gegen die Firma ist und der sich an einem unbekannten Ort in der Mega-Metropole versteckt. Major und ihre Kollegen von Anti-Terror-Einheit „Sektion 9“ sollen ihn finden.

Die Story könnte, wie in zahlreichen anderen Science-Fiction-Filmen, der erzählerische Faden sein, an dem entlang eine zum Nachdenken anregende Vision der Zukunft entworfen wird, die aktuelle Entwicklungen in die Zukunft projiziert und die auch und vor allem ein Kommentar zur Gegenwart ist.

Aber die neue Verfilmung von „Ghost in the Shell“ gehört zu den Science-Fiction-Filmen, die konsequent Stil über Substanz stellen.

Ghost in the Shell“ ist ein freies Remake des Kult-Animes von Mamoru Oshii, der auf Masamune Shirows gleichnamigen Manga von 1989 basiert und bei uns nach dem VHS-Start 1996 kurz darauf auch eine Kinoauswertung erlebte. Weitere Filme, zwei Fernsehserien und drei Videospiele folgten.

Vor zwanzig Jahren war die Cyberpunk-Welt von „Ghost in the Shell“ noch neu; auch weil er einer der wenigen Filme war, der die Ideen von Cyberpunk-Autoren wie William Gibson und Bruce Sterling auf die Kinoleinwand übertrug. Als Trickfilm hatte er keine Probleme mit den erforderlichen Spezialeffekten. Jetzt, dank CGI, sind auch die unmöglichsten Spezialeffekte kein Problem mehr und so basiert die Welt von „Ghost in Shell“ auf „Blade Runner“, „Matrix“ und „Das fünfte Element“, ohne letztendlich viel Sinn zu ergeben, wenn Major zwischen der Matrix und der realen Welt hin und her springt, Visionen hat und fantastische Technologien benutzt. Die reale Welt sieht wie eine riesige „Das fünfte Element“-Bilderwelt aus, in die man noch einige riesige, eher bewegungslos herumhängende Hologramme einfügte. Das sieht schick aus.

Auch wenn Scarlett Johansson reichlich nackt (Frage: Warum muss ein Roboter wie ein Playmate aussehen?) durch diese Cyperpunk-Welt schwebt, springt und kämpft, kann das Auge sich nicht beklagen, während das Gehirn wegen ständiger Unterforderung in jeder Beziehung in einen Dämmerschlaf versinkt.

Denn die Filmgeschichte hat niemals eine gesellschaftspolitische Relevanz als Utopie. Die große Zeit des Cyberpunk ist vorbei. Sie war in den Achtzigern und Neunzigern, als es eine pessimistische Weltsicht und Angst vor den Möglichkeiten von Computern gab. Cyberpunk-Autoren schrieben über weltweite Vernetzungen von Daten, das Internet, Smartphones, kybernetische Erweiterungen unserer Körper und kybernetische Ersetzungen von Körperteilen als es diese Dinge noch nicht gab.

Regisseur Rupert Sanders überträgt jetzt diese Welt in die Gegenwart, ohne – und das hätte er tun müssen, damit „Ghost in the Shell“ relevant wird – ihr als Utopie irgendetwas hinzuzufügen oder sie irgendwie zu aktualisieren. Er entwirft auch kein wirkliches Bild der Zukunft, weder als Utopie, noch als Dystopie oder als irgendwie geartete Gesellschaftskritik. „Ghost in the Shell“ hat, um nur einige der bekannten Cyberpunk-Topoi zu nennen, keine Position zum Kapitalismus, zur Kontrollgesellschaft oder zur Technik-Diktatur. Und das ist, wenn wir an unseren alltäglichen Umgang mit Computern und Überwachungstechnologien denken, dann zu wenig.

Sanders ignoriert in seinem Film die Gesellschaftskritik, die düstere Weltsicht und die philosophischen Fragen des Cyberpunks durchgehend zugunsten der bunt glitzernden Oberfläche.

So toll diese Bilder sind – hier scheint sich ein IMAX-Besuch zu lohnen -, so sehr wirkt „Ghost in the Shell“ wie der Besuch in einem SF-Museum mit Scarlett Johansson, die hier auf der visuellen Ebene ihre Rollen als ‚Black Widow‘ Natasha Romanoff aus den Avengers-Filmen (inclusive einer Fahrt auf dem Motorrad) und Luc „Das fünfte Element“ Bessons „Lucy“ wiederholt.

Ghost in the Shell (Ghost in the Shell, USA/Großbritannien 2017)

Regie: Rupert Sanders

Drehbuch: Jamie Moss, William Wheeler, Ehren Kruger

LV: Masamune Shirow: Ghost in the Shell, 1989

mit Scarlett Johansson, Pilou Asbaek, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael Pitt, Chin Han, Danusia Samal, Lasarus Ratuere, Yutaka Izumihara, Tawanda Manyimo

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ghost in the Shell“

Metacritic über „Ghost in the Shell“

Rotten Tomatoes über „Ghost in the Shell“

Wikipedia über „Ghost in the Shell“ (deutsch, englisch)

Meine Beprechung von Rupert Sanders‘ „Snow White and the Huntsman (Snow White and the Huntsman, USA 2012)

Und noch einige Plakate


Die KrimiZeit-Bestenliste November 2016

November 4, 2016

Wer die Weihnachtsgeschenke vor dem Fest testen möchte, kann sich in punkto „Mord & Totschlag“ von der neuen Bestenliste der KrimiZeit-Jury von Zeit und Nordwestradio inspirieren lassen:

1 (-) Franz Dobler: Schlag ins Gesicht

2 (10) Malla Nunn: Zeit der Finsternis

3 (1) Giancarlo de Cataldo/Carlo Bonini: Die Nacht von Rom

4 (-) Peter Temple: Die Schuld vergangener Tage

5 (-) Matthias Wittekindt: Der Unfall in der Rue Bisson

6 (6) Alan Carter: Des einen Freund

7 (2) Friedrich Ani: Nackter Mann, der brennt

8 (7) Benjamin Whitmer: Nach mir die Nacht

9 (-) Candice Fox: Eden

10 (4) Patrícia Melo: Trügerisches Licht

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Einiges liegt auch auf meinem Zu-Lesen-Stapel. Neben, wegen der Verfilmung, Hans Falladas „Jeder stirbt für sich allein“, einigen Sachbüchern und Weihnachtskrimis, über die ich vor dem Fest etwas schreiben will. Zu Weihnachten kann ich dann ja Fastnachts- und Osterkrimis lesen.

Und dann gibt es mit „Peripherie“ (The Periphal, 2014) auch einen neuen Roman von William Gibson. Aber der schreibt ja Science-Fiction


Sascha Mamczak macht sich Gedanken über „Die Zukunft“

Juni 11, 2014

Mamczak - Die Zukunft - 2

Wer in Büchern das Kleingedruckte liest und wer Vorworte liest, dem sagt Sascha Mamczak etwas. Er ist nämlich seit über zehn Jahren der Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe, die es jetzt schon über ein halbes Jahrhundert gibt; was deutlich länger ist, als die Krimireihen bei verschiedenen Verlagen. Dabei gelingt der Heyne-Science-Fiction-Reihe immer noch der Spagat zwischen Klassikern, literarischer Science-Fiction (also den Romanen, die auch die minimale Chance auf eine Besprechung im Feuilleton haben), Weltraumopern und aktuellen Trends (wie Zombies und Genre-Mischformen), zwischen bekannten Namen und Neuentdeckungen. Als Liebhaberprojekt erscheint dort seit fast dreißig Jahren das Jahrbuch „Das Science-Fiction-Jahr“. Die nächste Ausgabe ist für August angekündigt und wird, wie die vorherigen Bände, von Sascha Mamczak, Sebastian Pirling und Wolfgang Jeschke, dem legendären und langjährigen Herausgeber der Heyne-Science-Fiction-Reihe, herausgegeben.
Vor dem Jahrbuch machte Sascha Mamczak sich in dem schmalen Band „Die Zukunft – Eine Einführung“, der auch als Begleitband zu der Jubiläumsausgabe von fünf Neuauflagen von Science-Fiction-Klassikern, dient, Gedanken über die Zukunft. Also nicht seine persönliche Zukunft, sondern darüber was der Begriff „Zukunft“ im Gegensatz zu „Gegenwart“ und „Vergangenheit“ bedeutet. In dem Essay versucht er den Begriff zu klären und stellt dabei verschiedene wissenschaftliche und literarische Konzepte vor. Er leitet den Begriff historisch her, von Gesellschaften, die noch keine Vorstellung von Zukunft hatten, hin zu Gesellschaften, die die Zukunft gestalten wollen. Es gibt auch einen sehr kurzten Ritt durch die Geschichte der Science-Fiction-Literatur und einige Bemerkungen zur Zukunftsforschung.
Das ist vor allem in der ersten Hälfte, wenn Mamczak versucht, den Begriff zu klären, mühsam zu lesen. Denn wie soll man etwas erklären, das man nicht wirklich erklären kann? Dass in diesen Momenten der Gedanke und die Argumentation nicht besonders klar ist und dass Mamczak in schönster deutscher Tradition Bandwurmsätze schreibt (wie ich jetzt), hilft in diesen Kapiteln nicht. In der zweiten Hälfte, wenn er auch eine kleine Literaturgeschichte schreibt und chronologisch voranschreitet, wird es besser. Hier gibt es zahllose, den Fans bekannte Beispiele aus der Literatur und wie diese mit der Wirklichkeit zusammenhängen. Vor allem natürlich als Utopien, die mal eine „Brave New World“, mal „1984“ zeichneten, auch mal hoffnungsvoll utopisch waren und die alle irgendwie die Zukunft vorhersahen. Jedenfalls Teile davon. Trotzdem irrten Science-Fiction-Autoren und Zukunftsforscher sich auch oft. Wobei manche Irrtümer auch erfolgreiche Warnrufe gewesen sein können, wie der legendäre Bericht des Club of Rome zu den Grenzen des Wachstums.
Dank der Kürze ist „Die Zukunft – Eine Einführung“ eine schnelle und auch inspirierende Lektüre, die zum Nachdenken anregt. Es ist allerdings kein Begleitbuch zu den fünf „Bücher, die Zukunft machen“, die gleichzeitig als Jubiläumsausgaben erschienen. Mamczak erwähnt sie – außer William Gibsons „Neuromancer“ (enthalten in „Die Neuromancer-Trilogie“) – überhaupt nicht. Es ist ein Essay, das sich schreibend seinem Begriff nähert und versucht diesen schreibend zu erfassen. Das ist allerdings ein philosphischer Stil, der mir nicht sonderlich gefällt, weil er zum mäandern einladt.
Wie dieser Text.

Sascha Mamczak: Die Zukunft – Eine Einführung
Heyne, 2014
112 Seiten
8,99 Euro

Die „Bücher, die Zukunft machen“
Zum fünfzigjährigem Bestehen der Heyne-Science-Fiction-Reihe gibt es einige Science-Fiction-Klassiker mit einem neuen Umschlag. Science-Fiction-Fans dürften die Romane schon in mindestens einer Ausgabe in ihrem Regal stehen haben. Etliche erschienen auch 2000 zum vierzigjährigem Bestehen der Reihe, damals noch mit Vorworten von bekannten Science-Fiction-Autoren, wie Stephen Baxter, Jack Womack, Kim Stanley Robinson, Ben Bova, Davd Brin und Norman Spinrad.
In der Edition „50 Jahre Science Fiction bei Heyne“ (wie der Sticker verrät) sind jetzt erschienen:

Le Guin - Die linke Hand der Dunkelheit - 2014 - 2Haldeman - Der ewige Krieg - 2014 - 2
Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit
Joe Haldeman: Der ewige Krieg

Gibson - Die Neuromancer-Trilogie - 2014 - 2Banks - Bedenke Phlebas - 2014 - 2
William Gibson: Die Neuromancer-Trilogie
Iain Banks: Bedenke Phlebas

Glukhovsky - Metro 2033 - Metro 2034 - 2014 - 2
Dmitry Glukhovsky: Metro 2033/Metro 2034
Eine feine Auswahl und ein guter Einstieg in die Welt der Zukunftsliteratur.

Hinweise

„Die Zukunft“ bloggt bei Heyne

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2008″

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2009“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science Fiction Jahr 2010“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2011“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2012“

Meine Besprechung von Sascha Mamczak/Sebastian Pirling/Wolfgang Jeschkes (Hrsg.) „Das Science-Fiction-Jahr 2013“


Neu im Kino/Filmkritik: Über David Cronenbergs Don-DeLillo-Verfilmung „Cosmopolis“ mit Robert Pattinson in der Hauptrolle

Juli 5, 2012

Nachdem David Cronenbergs „Eine dunkle Begierde“ (A dangerous Method, 2011) schnell als Nebenwerk abgetan wurde, waren die Erwartungen für „Cosmopolis“ hoch. Immerhin schrieb Cronenberg nach „eXistenZ“ (1999) wieder das Drehbuch für einen Spielfilm und im Cronenberg-Kanon werden die Filme, die er nach eigenen Büchern inszenierte, als die für ihn wichtigeren, persönlicheren, angesehen.

Als Vorlage nahm er ein Buch von Don DeLillo. DeLillo ist ein seit Jahrzehnten abgefeierter US-amerikanischer Autor, der mit „Unterwelt (Underworld, 1997) auch zum Bestsellerautor wurde. „Unterwelt“ ist, nach der Seitenzahl, sein Opus Magnum, das noch einmal alle seine Themen und Obsessionen auf gut tausend Seiten bündelt und, aufgrund der Länge, auch einen zerfaserten Eindruck hinterlässt.

In „Cosmopolis“ erzählt Don DeLillo auf knapp zweihundert Seiten von einem 28-jährigem Börsenspekulanten, der im April 2000 in seiner Limousine durch Manhattan fährt. Er will einen Haarschnitt bei seinem Frisör haben. Dass gleichzeitig alle Straßen wegen des Besuches des Präsidenten und einem Trauermarsch für einen Sufi-Rap-Star gesperrt sind, ist ihm egal. Auch dass der Komplex vor einem Anschlag warnt und daher die Sicherheitsmaßnahmen für Packer erhöhen will, ist im egal. Immerhin wird er von Bodyguards beschützt und seine Limousine ist sein von der Außenwelt abgeschottetes Büro, in dem er, nach Belieben, Leute empfangen kann. Für Geschäfte. Für philosophische Diskurse. Für Sex. Für seine tägliche ärztliche Untersuchung. Gerne auch gleichzeitig.

Die Fahrt ist auch eine Reise zu Eric Packers innersten Ängsten, ein Porträt von New York, vor allem der von Packers Limousine abgefahrenen 47. Straße und der Finanzindustrie – vor 9/11 und vor dem großen Finanzcrash. Gleichzeitig entwirft Don DeLillo eine Vision einer Welt, die mehr an die Cyberspace-Welten von William Gibson, als an die Realität erinnert. Jedenfalls die damalige.

Denn Packer verliert an diesem Tag sein ganzes Vermögen an der Börse. Doch dieser Verlust bleibt abstrakt. Es sind nur Zahlen auf einem Bildschirm.

Für den Film nahm David Cronenberg dann Don DeLillos Roman und verfilmte ihn mit minimalen Veränderungen. Er ließ ein, zwei Szenen weg, die sich im Film nicht realisieren ließen. Er stellte einige Kleinigkeiten um. Die größte Änderung ist, dass im Film Benno Levin (gespielt von Paul Giamatti) erst am Ende auftaucht. Davor hat Levin im Film nur einen Cameoauftritt im Hintergrund, als er, mit einer Perücke minimal verkleidet, zu einem Geldautomat geht. Im Buch gibt es dagegen 14 Seiten mit „Benno Levins Bekenntnissen“. Das Ende, der lange Dialog von Levin, der Packer umbringen will, und Eric Packer (gespielt von Robert Pattinson [mein Interview mit ihm]), ist dann wieder gleich. Im Drehbuch hatte diese Szene 22 Seiten und Cronenberg inszenierte sie fast ohne Schnitte.

Der Film ist dann auch folgerichtig ausschließlich aus Eric Packers Perspektive erzählt. Die Kamera verlässt nur mit Packer die Limousine.

Auch Don DeLillos Dialoge wurden Eins-zu-Eins übernommen. Dummerweise sind sie als Literatur vielleicht okay (obwohl sie mir schon da zu künstlich sind), aber in einem Film sind sie einfach nur noch gekünstelt.

Die Atmosphäre ist irreal oder, je nach Blickwinkel, hyperreal. Denn alle Charaktere bewegen sich wie Avatare durch eine künstliche Welt, die erst am Ende, wenn Packer sich in einem Frisörsalon, der sogar den Frisörsalon in dem Coen-Film „The Man, who wasn’t there“ modern erscheinen lässt, sich der Alltagsrealität etwas nähert. Aber auch dann inszeniert Cronenberg die Szene, als ob Packer sich in einem Alptraum befindet. Es ist eine Cyberwelt, in der es in der Matrix Hinweise auf kommende Ereignisse gibt (oder auch nicht) und in der, wie im Buch, Ereignisse hart hintereinander geschnitten werden, ohne dass die gewählte Reihenfolge die einzig mögliche oder die logisch sinnvollste ist. Alles steht unverbunden nebeneinander und nur durch Packers Reiseziel hat „Cosmopolis“ eine rudimentäre Geschichte.

Zum Ansehen ist „Cosmopolis“ dann auch hartes Brot. Denn Cronenberg lässt die Kamera meistens statisch die Schauspieler beobachten, die sich kaum bewegen und auch mimisch so wenig tun, dass die Grenze vom Unterspielen zum überhaupt nicht mehr spielen lässig überschritten wird. Einerseits trägt eben diese visuelle Kargheit zur besonderen Atmosphäre des Films bei, andererseits ist es für das Auge ähnlich anregend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen. „Cosmopolis“ wirkt wie ein abgefilmtes Hörspiel mit theatralischen Dialogen, das mit Standbildern der Schauspieler illustriert wird. Besonders Eric Packer ist ein Nichts mit der Ausstrahlung eines Besenstiels. Das liegt weniger bis gar nicht an den schauspielerischen Qualitäten von Robert Pattinson, sondern an dem von Cronenberg geschriebenem Drehbuch und dem von ihm gewähltem ästhetischen Konzept, das sogar Weltklasseschauspieler wie Paul Giamatti hilflos zurücklässt. Und dabei dachte ich bis jetzt, dass Giamatti alles glaubwürdig spielen kann.

Wenn man allerdings zuerst Don DeLillos Roman liest, der sich fast wie der Roman-zum-Film liest, und sich dann den Film ansieht, wird man schon einige Hintergründe kennen und genauer verfolgen können, wo das alles hinführt. Daher empfehle ich: zuerst das Buch lesen, dann – wenn man will – den Film sehen.

Cosmopolis“ hat als furchtbar werkgetreue Adaption schon etwas, aber er ist auch furchtbar prätentiös und leblos.

Cosmopolis (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Regie: David Cronenberg

Drehbuch: David Cronenberg

LV: Don De Lillo: Cosmopolis, 2003 (Cosmopolis)

mit Robert Pattinson, Juliette Binoche, Sarah Gadon, Mathieu Amalric, Jay Baruchel, Keven Durand, K’Naan, Emily Hampshire, Samantha Morton, Paul Giamatti

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Vorlage

Don DeLillo: Cosmopolis

(übersetzt von Frank Heibert)

KiWi, 2012 (Film Tie-In)

208 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Cosmopolis

Scribner, 2003

Deutsche Erstausgabe

Kiepenheuer & Witsch, 2003

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Cannes-Presseheft für „Cosmopolis“ (informativ und schön gelayoutet)

Film-Zeit über „Cosmopolis“

Rotten Tomatoes über „Cosmopolis“

Wikipedia über „Cosmopolis“

Perlentaucher über Don DeLillos Roman „Cosmopolis“

Stuttgarter Zeitung: Mein Interview mit Robert Pattinson (5. Juli 2012)

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Vorankündigung: Mit David Cronenberg habe ich auch gesprochen. Das „Cosmopolis“-Interview gibt es bald in der Kriminalakte.


Dan Burstein entschlüsselt „Die Welt der Lisbeth Salander“

Januar 4, 2012

Dass sich mein Stieg-Larsson-Fantum in sehr überschaubaren Grenzen bewegt, ist bekannt. Deshalb tendierte mein Interesse an Dan Bursteins „Die Welt der Lisbeth Salander – Die Millennium-Trilogie entschlüsselt“ gegen Null. Burstein veröffentlichte in den vergangenen Jahren etliche Bücher, in denen er die Bücher von Dan Brown entschlüsselte und die mich noch weniger als der in China umfallende Sack Reis interessierten.
Daher war mir auch „Die Welt der Lisbeth Salander“ herzlich egal, bis, tja, bis das Buch in meinem Briefkasten landete, ich das Inhaltsverzeichnis überflog, anfing zu lesen (Christopher Hitchens! „Nordic Noir“!) und, upps, kurz darauf, das ganze Buch gelesen hatte.
Denn Burstein beschäftigt sich nicht nur mit Stieg Larssons drei Romanen, sondern auch mit seinem Leben, seinen literarischen Vorbildern, den Verfilmungen und dem skandinavischem Krimi, teils in Überblickartikeln, teils in Interviews. Für den US-amerikanischen Buchmarkt liefern Burstein und seine Ko-Autoren Arne de Keijzer (der bereits mehrere Bücher mit Burstein veröffentlichte) und John-Henri Holmberg (der mit Larsson seit 1972 befreundet war) so auch einige Hintergrundinformationen über den „Schwedenkrimi“ und die dortige Gesellschaft, die für viele Amerikaner wahrscheinlich neu sind. Für uns natürlich weniger, weil die schwedische Gesellschaft doch der deutschen ähnelt und wir in den vergangenen Jahren wahrlich genug Schwedenkrimis lesen konnten. Daher erstaunte mich auch, dass Burstein, de Keijzer und Holmberg noch mehrere Krimiautoren interviewen konnten, die bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden.
Im Zentrum des sechshundertseitigen Sammelbandes steht natürlich Stieg Larsson, seine „Millennium“-Trilogie, mit Spekulationen über den vierten Band, und immer wieder Lisbeth Salander. Mikael Blomkvist kommt eigentlich überhaupt nicht vor. Das kann an den englischen Titeln „The Girl with the Dragon Tattoo“, „The Girl who played with Fire“ und „The Girl who kicked the Hornets Nest“ liegen, die eindeutig den Fokus auf Salander, die junge, verhaltensgestörte, entmündigte Computerspezialistin, legen, das kann auch daran liegen, dass Blomkvist, der unsportliche Enthüllungsjournalist mit dem immensen Kaffeekonsum und Sexualleben das sogar James Bond neidisch macht, einfach der langweiligere Charakter ist. Wobei mir ein Artikel „Warum ich gerne Mikael Blomkvist wäre“ gefallen hätte.
Sehr interessant sind die Interviews mit Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen von Stieg Larsson, dessen Zeitschrift „Expo“ das Vorbild für „Millenium“ (die Zeitschrift, für die Blomkvist arbeitete) war. Auch die 120-seitige Stieg-Larsson-Biographie  von Holmberg gibt, ergänzt um die 50 Seiten zu Larssons Fantum zum Science Fiction und zum Krimi,  einen Einblick in die schwedische Gesellschaft der vergangenen vierzig Jahre, den linken Bewegungen (in denen Larsson sich engagierte) und dem Siebziger-Jahre-Science-Fiction-Fantum, mitsamt den internen Streitigkeiten.
Ziemlich uninteressant wird es dagegen, wenn in Larssons drei Romane „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ alles möglich hineininterpretiert wird und Laura Gordon Kutnick schön verschwörungstheoretisch Larssons Leben mit seinen Romanen vergleicht und sich fragt, ob Larsson ermordet wurde oder, wie viele seine Charaktere, untergetaucht ist. Abgesehen davon, dass etliche Elemente von Larssons Romanen zum festen Inventar eines Polit-Thrillers gehören (ein Artikel, der einen solchen Vergleich anstellt, fehlt leider), entbehren die Fragen jeder Grundlage. Denn wenn Larsson noch Leben würde und die Aussagen seiner Freunde über ihn stimmen, hätte oder würde er sicher dafür sorgen, dass seine Freundin und nicht seine Familie, zu der er eigentlich keinen Kontakt mehr hatte, die Einnahmen aus seinen Büchern bekommt.
Bei all der Lisbeth-Salander-Verklärung fällt auch auf, dass neben dem augenfälligen und schon von Larsson gebrachten Pippi-Langstrumpf-Vergleich kaum auf literarische, filmische und popkulturelle Vorläufer eingegangen wird, die auch Larsson, der ein eifriger Krimi- und SF-Leser war, kannte. Das wären neben der von Peter O’Donnell bereits in den Sechzigern erfundenen Modesty Blaise (wird erwähnt), die vielen, nur sehr knapp erwähnten, Privatdetektiv-Krimis seit den Achtzigern (beginnend mit den Romanen von Sara Paretsky, Sue Grafton und Linda Barnes), Science-Fiction-Geschichten (neben den Buch erwähnten wären es vor allem Cyberpunk-Autoren, wie William Gibson, Bruce Sterling und Neal Stephenson), diversen Hongkong-Krimis (wie „The Heroic Trio“ mit Michelle Yeoh und Maggie Cheung) und Filmen mit starken Frauen (wie „Strange Days“ und „Matrix“), auch die seit Robert B. Parker im Privatdektivkrimi fest etablierte Teilung von skrupelbehaftetem Detektiv und skrupellosem Freund. Ich sage nur Spenser und Hawk.
„Die Welt der Lisbeth Salander“ ist, wenn man die Lobhuddelei auf Larsson überliest, auch für Nicht-Larsson-Fans eine gewinnbringende Lektüre, die durch ein, zwei ordentliche Verrisse noch besser geworden wäre.
Wer noch mehr über Krimis aus Skandinavien erfahren, sollte sich unbedingt „Fjorde, Elche, Mörder – Der skandinavische Kriminalroman“ von Jost Hindersmann besorgen.

Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmberg (Hrsg.): Die Welt der Lisbeth Salander – Die Millennium-Trilogie entschlüsselt
(übersetzt von Thomas Pfeiffer, Friedrich Pflüger und Ursel Schäfer)
Heyne, 2012
628 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
The Tattooed Girl
St. Martin’s, New York 2011

Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Demnächst im Kino (Besprechung folgt zum Filmstart)


TV-Tipp für den 9. November: Matrix

November 9, 2011

Kabel 1, 20.15

Matrix (USA 1998, R.: Andy Wachowski, Larry Wachowski)

Drehbuch: Andy Wachowski, Larry Wachowski

Hacker Neo ist der nette Nerd von nebenan, bis er erfährt, dass die Wirklichkeit nicht die Wirklichkeit ist und dass er der Erlöser ist.

Kommerziell unglaublich erfolgreicher, Hugo- und Nebula-nominierter Science-Fiction-Klassiker, in dem es erstmals gelang, die Ideen der Cyberpunk überzeugend in einen Realfilm zu transportieren. Die beiden Fortsetzungen „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ sind dagegen ein Fall für die filmische Mülltonne und auch bei der „Matrix“ kann man sich an einigen groben Logikfehlern und Widersprüchen stoßen. Z. B.: Warum sollten die Maschinen uns Menschen mit einer Computersimulation betäuben? Warum sollten wir Menschen aus der Computersimulation ausbrechen wollen? Vor allem, wenn die Erde ungefähr so bewohnbar wie die dunkle Seite des Mondes ist.

Danach, um 22.55 Uhr, läuft der ziemlich grottige SF-Film „Vernetzt – Johnny Mnemomic“, ebenfalls mit Keanu Reeves in der Hauptrolle und nach einer Geschichte von Cyperpunk-Autor William Gibson.

mit Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie Anne Moss, Hugo Weaving, Gloria Foster, Joe Pantoliano

Wiederholung: Donnerstag, 10. November, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Matrix“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Matrix“ von Andy Wachowski und Larry Wachowski

Meine Besprechung des Keanu-Reeves-Film „Henry & Julie“

 


TV-Tipp für den 26. April: New Rose Hotel

April 26, 2011

RBB, 22.45

New Rose Hotel (USA 1998, R.: Abel Ferrara)

Drehbuch: Abel Ferrara, Christ Zois

LV: William Gibson: New Rose Hotel, 1981 (New Rose Hotel, Kurzgeschichte, zuerst erschienen in „Omni“, später in dem Sammelband „Burning Chrome“, 1986; deutsche Ausgabe: „Vernetzt“)

In der Cyberspace-Zukunft: zwei Headhunter wollen einen Wissenschaftler an den höchsten Bieter verkaufen.

SF-Noir mit einer überraschend hochkarätigen Besetzung und, im Rückblick, der Abschluss von Ferraras großer Zeit. Denn in den Neunzigern war er seit „Bad Lieutenant“ der Liebling des Feuilletons und der Arthouse-Kinos. In den vergangenen zehn Jahren drehte er zwar weiter, aber in Deutschland fand sich kein Verleiher.

„Top geschauspielert, theatralisch redselig, ein halber Porno – typisch Ferrara.“ (Horst Wegener, Zitty, 20/2000)

„Ein einzigartiges Werk, rätselhaft, verstörend, schonungslos.“ (Rüdiger Suchsland, Münchner Merkur, 26. Juli 2000)

mit Willem Dafoe, Asia Argento, Christopher Walken, Yoshitaka Amano, Annabella Sciorra, Gretchen Mol, John Lurie, Ryuichi Sakamoto

Hinweise

Wikipedia über „New Rose Hotel“

3sat über William Gibson

Homepage von William Gibson

Deutsche Homepage von William Gibson

Rolling Stone interviewt William Gibson (2007)

De:Bug Magazin redet mit William Gibson (2008 )

Intor redet auch mit William Gibson (2008 )

The Boston Globe macht „Q&A“ mit William Gibson (2007)

Powells telefoniert mit William Gibson (2007)

Guardian: Andrew Purcell trifft Abel Ferrara (5. August 2010)


TV-Tipp für den 18. August: New Rose Hotel

August 17, 2010

SWR, 23.20

New Rose Hotel (USA 1998, R.: Abel Ferrara)

Drehbuch: Abel Ferrara, Christ Zois

LV: William Gibson: New Rose Hotel, 1981 (New Rose Hotel, Kurzgeschichte, zuerst erschienen in „Omni“, später in dem Sammelband „Burning Chrome“, 1986; deutsche Ausgabe: „Vernetzt“)

In der Cyberspace-Zukunft: zwei Headhunter wollen einen Wissenschaftler an den höchsten Bieter verkaufen.

TV-Premiere eines SF-Noir mit einer überraschend hochkarätigen Besetzung und, im Rückblick, der Abschluss von Ferraras großer Zeit. Denn in den Neunzigern war er seit „Bad Lieutenant“ der Liebling des Feuilletons und der Arthouse-Kinos. In den vergangenen zehn Jahren drehte er zwar weiter, aber in Deutschland fand sich kein Verleiher.

Top geschauspielert, theatralisch redselig, ein halber Porno – typisch Ferrara.“ (Horst Wegener, Zitty, 20/2000)

Ein einzigartiges Werk, rätselhaft, verstörend, schonungslos.“ (Rüdiger Suchsland, Münchner Merkur, 26. Juli 2000)

mit Willem Dafoe, Asia Argento, Christopher Walken, Yoshitaka Amano, Annabella Sciorra, Gretchen Mol, John Lurie, Ryuichi Sakamoto

Hinweise

Wikipedia über „New Rose Hotel“

3sat über William Gibson

Homepage von William Gibson

Deutsche Homepage von William Gibson

Rolling Stone interviewt William Gibson (2007)

De:Bug Magazin redet mit William Gibson (2008 )

Intor redet auch mit William Gibson (2008 )

The Boston Globe macht „Q&A“ mit William Gibson (2007)

Powells telefoniert mit William Gibson (2007)

Guardian: Andrew Purcell trifft Abel Ferrara (5. August 2010)


Surrogate, Sachbeschädigungen und einige Morde

Januar 21, 2010

Mit „Tron“ und den Romanen von William Gibson, Bruce Sterling und Neal Stephenson tauchten wir vor Jahren, als wir das Internet noch nicht kannten, in den Cyberspace ab.

Der erste „Matrix“-Film (die beiden grottigen Fortsetzungen lassen wir links liegen) drehte dann die ganze Sache etwas um – und etliche SF-Autoren monierten zu Recht die Logikschwächen dieser Konstruktion.

Robert Venditti drehte mit seinem Comicdebüt „The Surrogates“ diese Denkschraube noch etwas weiter. Denn während in den Cyberpunk-Romanen immer klar war, dass die Akteure in der realen Welt leben und der Cyberspace eine rein elektronische Welt ist, die allerdings vielfältig mit der realen Welt verknüpft ist und sie auch beeinflusst, ist das bei Venditti anders. Jedenfalls irgendwie. Denn es gibt keinen Cyberspace, aber die Menschen verlassen ihre Wohnungen nicht mehr. Sie schicken Surrogate – menschlich aussehende Roboter, die von ihnen gesteuert werden – nach draußen. Insofern ist der Cyberspace, in dem wir jede gewünschte Identität annehmen können und folgenlos Erfahrungen sammeln können, ein Teil der Wirklichkeit geworden.

Das ist auf den ersten Blick eine faszinierende Idee und Autor Robert Venditti und Zeichner Brett Weldele setzen sie auch kongenial um. Auf den zweiten Blick ist es aber auch ein ziemlicher Unfug. Denn wahrscheinlich wird es, außer in „Blade Runner“, nie Roboter geben, die von Menschen nicht mehr unterschieden werden können. Aber diese Replikanten agierten selbstständig. Die Surrogate sind dagegen ferngesteuerte Hüllen. Es wird also eine gewaltige Rechnerleistung beanspruchen, diese Roboter durch die gesamte Metropole fernzusteuern. Und es stellt sich die Frage, warum ein solch riesiger Aufwand betrieben werden sollte.

(Das heißt nicht, dass es in naher Zukunft nicht mehr spezielle ferngesteuerte Arbeitsroboter gibt, die für Menschen gefährliche oder monotone Tätigkeiten, wie dem Entschärfen von Bomben und dem Bau von Häusern und Tunnels, übernehmen.)

Dennoch gibt es in Vendittis und Weldeles 2054 spielendem Comic in Central Georgia Metropolis diese sich stellvertretend für echte Menschen durch die Stadt bewegenden Surrogate. Es gibt für uns normale Verbrechen, wie Einbruch, Diebstahl und Mord, praktisch nicht mehr. Es gibt dagegen öfters Sachbeschädigungen – an den Surrogaten. Auch jetzt müssen der ältere Polizist Harvey Greer und sein jüngerer Partner Pete Ford wieder so einen Fall von Sachbeschädigung aufklären. Während eines Gewitters sterben bei einem Liebesspiel in einer dunklen Gasse zwei Surrogate. Die erste Vermutung der Polizisten, dass sie durch einen Blitzschlag verkohlt sind, wird durch die Obduktion und Aufzeichnung der letzten Minuten der Surrogate widerlegt. Ein maskierter Mann hat sie mit einem Stromschlag gebraten. Greer und Ford beginnen diesen Mann zu suchen. Als nächstes werden die Surrogate von zwei Wächtern von Clark Technologies gebraten und eine EMP-Offensivsystem gestohlen. Greer glaubt, dass der Täter einen größeren Rachefeldzug gegen die Surrogate plant.

Nachdem bei einem Zusammentreffen mit ihm Greers Surrogat zerstört wird, muss er seine Wohnung verlassen.

Unter dem Deckmantel einer actionhaltigen Whodunit-Geschichte behandelt „The Surrogates“ auch philosophische Fragen, wie was das Menschsein ausmacht und welche Realität wir wollen: die geschönte aus der Werbung oder die ungeschönte.

Das ist kein Selbstbewusstsein, sondern die Wirklichkeit. Das hier ist es, wer ich bin, und wenn ich mich verlinke, ändert sich daran nichts.“

Wenn ich verlinkt bin, sehe ich jünger aus. Ich fühle mich jünger. Wenn das nicht die Wirklichkeit ist, dann weiß ich nicht, was.“

Weldele zeichnete die Geschichte mit klaren Strichen und meist einfarbigen Panels, die fast wie ein Storyboard für einen Film wirken.

Und in Hollywood ist „The Surrogates“ auch gelandet.

Die gleichnamige Verfilmung von Jonathan Mostow läuft heute in den Kinos an. Das Drehbuch ist von Michael Ferris und John Brancato. Auf ihr Konto gehen auch der grandiose David-Fincher-Film „The Game“, die Gurke „Catwoman“ und die beiden letzten „Terminator“-Filme. Bruce Willis übernahm die Hauptrolle. Das Konzept der Surrogaten wurde aus der Graphic Novel übernommen. Die Story, wie schon der Trailer zeigt, wurde etwas aufgepeppt. Optisch sieht der mit 88 Minuten ungewöhnlich kurze SF-Thriller jetzt wie die Bruce-Willis-Version der freien Isaac-Asimov-Verfilmung „I, Robot“ aus. Also „Stirb langsam, Roboter“.

Robert Venditti/Brett Weldele: The Surrogates

(übersetzt von Christian Langhagen)

Cross Cult, 2009

208 Seiten

26 Euro

Originalausgabe

The Surrogates

Top Shelf Productions, 2006/2009

Verfilmung

Surrogates (USA 2009)

Regie: Jonathan Mostow

Drehbuch: Michael Ferris, John Brancato

mit Bruce Willis, Radha Mitchell, Rosamund Pike, James Cromwell, Ving Rhames

Hinweise

Homepage von Robert Venditti

Homepage von Brett Weldele

UGO: Interview mit Robert Venditti (13. April 2009)

BC Refugee Blog: Interview mit Robert Venditti (12. Oktober 2009)

Comicgate: Interview mit Robert Venditti und Brett Weldele (7. November 2009)

Slam Multimedia: Interview mit Robert Venditti und Brett Weldele (2009)

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Surrogates“


Der kriminelle Buchherbst – Teil 9: Random Murders, Part Three

Oktober 9, 2009

Heyne Taschenbuch

November

David Benioff: 25 Stunden (die Vorlage für den gleichnamigen Spike-Lee-Film mit Edward Norton)

C. J. Box: Todeszone (Wildhüter Joe Pickett soll im Yellowstone Park das perfekte Verbrechen aufklären.)

Meg Gardiner: Gefürchtet (ein Unbekannter hat die Identität von Evan Delaney gestohlen)

Susanne Graf: Der Bildermacher (Künstler Broski wird ermordet und die Kommissare Carmen Henning und Albert Schneider haben ihren ersten gemeinsamen Fall.)

Jan Guillou: Der Kreuzritter – Rückkehr (ist ein historischer Roman)

Kim Harrison: Blutnacht (Vampirjägerin Rachel Morgan schlägt wieder zu.)

Mary & Caroll Higgins Clark: Der Weihnachtsdieb (ein, ähem, Weihnachtskrimi)

Charlie Huston: Das Clean Team (der neue Roman des Schöpfers von Hank Thompson und Joe Pitt – und vielleicht auch der Beginn einer neuen Serie)

John Niven: Coma (der Autor von „Kill your Friends“ schlägt wieder bei Heyne Hardcore zu)

Anne Perry: Der Weihnachtsfluch (ihr neuer Weihnachtskrimi)

Dezember

Caleb Carr: Das Blut der Schande (Taschenbuch-Ausgabe seines Sherlock-Holmes-Krimis)

Claude Cueni: Gehet hin und tötet (Taschenbuch-Ausgabe)

William Gibson: Die Neuromancer-Trilogie (Wer’s noch nicht hat oder an gute Freunde verliehen hat.)

Tracy Gilpin: Schatten der Lüge (Privatdetektivin Dunai Marks ermittelt wieder in Kaptstadt. Dieses Mal soll sie zwei verschwundene Kinder finden.)

John Grisham: Berufung (Taschenbuch-Ausgabe)

Michael Katz Krefeld: Die Anatomie des Todes (ist noch ein Krimi aus Norwegen)

Jack Ketchum: Wahnsinn (Liddy hat einen gewalttätigen Sadisten geheiratet. Irgendwann beginnt sie sich zu wehren.)

Manfred H. Krämer: Der Kardinal von Auerbach (Taschenbuch-Ausgabe des zweiten Bergstraßen-Krimis)

Robert Ludlum/Philip Shelby: Der Cassandra-Plan (erster Thriller der Covert-One-Serie)

Jennifer Rardin: Ein Quantum Blut (heißt der dritte Auftritt von CIA-Agentin Jaz Parks. Ist wohl irgendwie „James Bond meets Dracula“)

Victoria Schlederer: Des Teufels Maskerade (Das Bureau für Okkulte Angelegenheiten ermittelt 1909 in Prag)

Christian Schoenborn: Operation Ismael (Islamistische Terroristen toben sich in Deutschland aus. Gut, dass Antiterror-Experte Deek Miller sie jagt. – Die Verfilmung heißt wohl „Gott will es“)

Charles Todd: Kalt wie Stein (Francesca Hatton will wissen, ob ihr Großvater ein Mörder war.)

Jan Costin Wagner (Hrsg.): 13 Morde hat das Jahr (Kurzkrimis von Robert Hültner, Karr & Wehner, Udo Wachtveitl, Robert Brack, dem Herausgeber und anderen)

Januar

Max Bronski: Sister Sox (Taschenbuch-Ausgabe eines Kommissar-Gossec-Krimis)

Mary Higgins Clark: Warte, bis du schläfst (Taschenbuch-Ausgabe)

Richard Laymon: Der Ripper (Laymons Roman über Jack the Ripper)

Nicholas Lessing: Und stehe auf von den Toten (Rom 1701: Ein Mädchen verschwindet. „Wunderdektiv“ Prospero sucht sie.)

James Mollison: Escobar – Der Drogenbaron (Heyne Hardcore, Sachbuch über Pablo Escobar mit über 350 bislang unveröffentlichten Fotos)

Marion Pauw: Blutige Asche (in Amsterdam: Ist Ray ein Mörder? Seine Anwältin glaubt das nicht.)

George D. Shuman: Blinde Angst (Sherry Moore kämpft gegen eine international operierende Menschenhändlerbande.)

Scott Sigler: Virulent (Zweiter Roman des Autors von „Infiziert“.)

Alexandra von Grote: Der letzte Walzer in Paris (Ein Fall für Kommisar LaBréa)

Februar

Massimo Carlotto: Die dunkle Unermesslichkeit des Todes (Taschenbuch-Ausgabe)

Alan Guthrie: Post Mortem (Taschenbuch-Ausgabe – Cover sieht verdammt gut aus.)

Robert Harris: Ghost (ist die Vorlage für den neuen Roman-Polanski-Film mit Pierce Brosnan und Ewan McGregor)

Henrike Heiland: Von wegen Traummann (Nö, kein Krimi, sondern ein humorvoller Roman über den Kampf der Geschlechter)

Matt Hilton: Der Knochensammler (ist ein grausamer Serienmörder. Joe Hunter jagt ihn.)

Simon Kernick: Todesangst (Du wachst in einem Alptraum auf…)

Jonathan Maberry: Patient Null („Die Nacht der lebenden Toten meets Michael Crichton“ verspricht der Verlag. Klingt gut.)

Alexander McCall Smith: Schottische Katzen kennen den Weg (Taschenbuch-Ausgabe eines Miss-Isabel-Krimis)

James McGee: Das Höllenschiff (Historischer Kriminalroman: London, während der napoleonischen Kriege: Sonderermittler Hawkwood jagt eine Verbrecherbande.)

Sergeij Minajew: Seelenkalt (Porträt eines moskauer Topmanagers, der mit Clubbing, Drogen, Alkohol und Sex der Sinnlosigkeit seines Lebens entkommen möchte.)

John Scalzi: Agent der Sterne (Science Fiction und Satire, denn der titelgebende Agent ist ein Hollywood-Agent und er soll den Menschen hässliche Aliens als künftige Mitwohner schmackhaft machen.)

Georg Schramm: Lassen Sie es mich so sagen… (Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit, Taschenbuch-Ausgabe)

März

Colin Forbes: Todeskette (Taschenbuch-Ausgabe eines Thrillers mit Spezialagent Tweed)

John Leake: Der Mann aus dem Fegefeuer – Das Doppelleben des Serienkillers Jack Unterweger (Taschenbuch-Ausgabe)

Michael Morley: Viper (Taschenbuch-Ausgabe)

Kathy Reichs: Der Tod kommt wie gerufen (Taschenbuch-Ausgabe)

James Sallis: Deine Augen hat der Tod (Taschenbuch-Ausgabe)

Kevin Wignall: Die letzte Wahrheit (nominiert für den Edgar und Barry)

April

Scott Bakker: Neuropath (Medizinthriller)

Vince Flynn: Der Gegenschlag (Agent Mitch Rapp jagt wieder einmal Terroristen.)

Richard Laymon: Der Pfahl (ein Horrorautor entdeckt eine mumifizierte Leiche mit einem Holzpfahl im Herzen. Er beginnt herumzuexperiementieren.)

Duane Louis: Schnelle Beute (Swierzynskis Roman war für den Gumshoe Award nominiert)

Jeff Povey: Der Club der Serienkiller (ist natürlich eine schwarze Komödie für nette Menschen, die gerade auf Dexter-Entzug sind.)

Jon Ronson: Durch die Wand (Taschenbuch-Ausgabe einer satirischen Abrechnung mit geheimen US-Militärexperimenten.)

Detlef Tiegel: Achtung Abzocke! (Wie Callcenter mit unseren Daten Millionen verdienen – Bericht eines Insiders)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part One (Blanvalet)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 8: Random Murders, Part Two (Goldmann Taschenbuch)


Was denkt der Autor? Die Autorin?

Juni 18, 2009

In unserer Reihe „Fragen Sie den Autor“ beantworten heute

– Joe R. Lansdale

– Laura Lippman

– Katy Munger und

– Alan Dean Foster

einige Fragen.

In dem halbstündigen Interview beim Reading and Writing Podcast spricht Joe R. Lansdale über seine Jugend, seine Arbeit und die Zukunft des Buchmarktes.

Laura Lippman nimmt sich für die Bat Segundo Show eine ganze Stunde Zeit und spricht über

satire and gentle fun, shaking the “serious is better” notion, Thomas Pynchon, being true to voice, the problems with the word “ballsy,” writing effrontery, Janet Maslin’s overanalysis of Life Sentences, the value of the red herring, the benefits of found opportunities, the problems with plans, Portnoy’s Complaint, creating deflections for the reader, the Oz books and the Nome King, Philip Roth’s Zuckerman, overworking sentences, the joys of dashes, Emily Dickinson, smarmy memoirs, reading the entire book aloud at 40 pages per day, writing a book a year, following instructions, William Gibson, editing as “deboning a fish,” Lippman’s work ethic as a saving grace, racist perceptions, generalizations, and the older generation in Baltimore, the fallibility of memory, the purpose of memoir, Ann Patchett’s Truth and Beauty, making stuff up, basing a novel on true crime, the ethics of taking from real-life stories, responding to email, investigative journalism and amateurism, faking it, and losing sight of the victims over the course of fiction or investigation.

Katy Munger (die Casey-Jones-Serie) verrät Sarah Weinman, warum sie nach der langen Pause ihr neues Buch „Desolate Angel“ als Chaz McGee veröffentlicht:

I think the biggest reas on is I use pen names is that I have always been very sensitive (perhaps overly sensitive) to the covenant between author and reader when it comes to a series. You promise them certain characters, a certain tone, a certain outlook on life. And all three of my series are as different from one another as they could be! I just wanted readers to know that. Beyond that, I’m thinking this is probably a symptom of the way I tend to compartmentalize my life, certain friends in one corner, other friends in another, the different hats I wear. Maybe I just like re-inventing myself and not being typecast. Or maybe I’m just a pain in the ass. (Let’s not take a vote on that.)

Alan Dean Foster spricht bei Book Spot Central über seinen neuen Flinx-Roman (die erscheinen bei Bastei-Lübbe) und über seinen jüngsten Filmroman „Terminator: Salvation“ (Terminator: Die Erlösung):

I was asked to do the novelization less than a year before the film came out. This is fairly typical of studios and production teams, who don’t seem to realize that publishers like to have a year or so between the time a book is finished and they can put it out in stores. It drives publishers nuts, as you can imagine. It generally takes me about a month to do a novelization, though I have done some in as little as two weeks. And I agreed to do it because…writing is what I do. I like to think that, as a professional, I can make a decent book out of anything. Good scripts are easy to adapt. Bad ones are a challenge.


Kleinkram mit Elmore Leonard, Lawrence Block, Lee Child, Agatha Christie, John Wayne – und drei Drehbücher

Juni 10, 2009

Bei Barnes & Noble gibt es ein langes Interview mit Elmore Leonard über seine Anfänge, das Schreiben, sein neues Buch „Doad Dogs“, das Buch, das er gerade schreibt (wieder mit Karen Sisco), über andere Autoren und warum es kein weiteres Buch mit Ernest Stickley gibt:

I couldn’t bring back one of my favorite characters, Stick, because Burt Reynolds played him, and if I think of Burt Reynolds as Stick, it won’t work. [LAUGHS]

Pulp International präsentiert die Covers der von Lawrence Block als Sheldon Lord geschriebenen Sex-Novellen.

Hm, die japanischen Poster für den ersten James-Bond-Film „Dr. No“ sind auch nicht schlecht.

Doch zurück zu Lawrence Block. Ein Fan hat bei GoogleMaps die für Matt Scudder wichtigen Orte eingetragen. Ist etwas für den nächsten Manhattan-Besuch.

Bleiben wir in New York:  Lee Child schreibt über einen Mann, der eine Bar betritt…

(Die deutsche Ausgabe von „The hard way“ erscheint unter dem sehr deutschen Titel „Way out“ am 24. August bei Blanvalet. Jack Reachers zehntes Abenteuer beginnt in einem Café in NYC.)

Hier gibt’s einige Infos zu den zwei neuen Hercule-Poirot-Geschichten von Agatha Christie. Die Geschichten werden in England am 3. September in dem Band „Secret Notebooks: Fifty Years of Mysteries in the Making“ veröffentlicht.

Bei The Tainted Archive gibt es einen Podcast über John Wayne. Der nächste soll über die Western von und mit Clint Eastwood sein.

Und bei Scribd (Jaha, Anmeldung erforderlich) gibt es die Drehbücher zu drei Klassikern aus den Sechzigern:

Walon Green, Sam Peckinpah: The Wild Bunch (Fassung vom 12. Februar 1968 – Na, zu diesem Western muss ich wohl nichts sagen.)

Larry Marcus: Petulia (FAssung vom 30. März 1967 – Düsteres Drama und Gesellschaftsporträt der USA in den Sechzigern von Richard Lester mit Julie Christie und George C. Scott)

William Gibson: The Miracle Worker (Fassung vom 8. Mai 1961 – Arthur Penn verfilmte das Buch 1962. Der deutsche Titel ist „Licht im Dunkel“.)


Kurz gemeldet

März 17, 2009

Pieke Biermann ist von Tom Wolfes „Der Electric Kool-Aid Acid Test“ begeistert.

Leonard Cassuto ist von Hard Case Crime begeistert: That press is now publishing some of the best crime fiction around.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, William Gibson!


TV-Tipp für den 14. August

August 14, 2008

Gut, ich hatte vor einigen Tagen die Erstausstrahlung zum Tagestipp gemacht, die Kamera ist ziemlich nervig (vulgo modern), aber trotzdem:

3sat, 21.00

scobel: Quellcode des Lebens: Gert Scobel im Gespräch mit Kultautor William Gibson


Mörderischer Herbst V – dtv

Juli 11, 2008

Weiter geht’s mit dem deutschen Verlag von John Harvey und einigen weniger bekannten Schreibern, wie Umberto Eco und Henning Mankell.

Oktober

Anne George: O du Mörderische (Die streitlustigen Southern Sisters jagen den Mörder einer Galeristin.)

Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens (Taschenbuch-Ausgabe; Deutscher-Krimi-Preis 2007 – ERSCHEINT BEREITS IM SEPTEMBER)

Jorun Thorring: Glaspuppen (Ein samischer Kriminalpolizist und alleinerziehender Vater sucht den Mörder von Medizinstudentinnen. – In Norwegen wurden 50.000 Exemplare verkauft. – ERSCHEINT BEREITS IM SEPTEMBER)

November

Denis Lépée: Der Carthago-Code (Heutige Anschläge auf Regierungssitze scheinen mit architektonische Grundprinzipien, nach denen Karthago gebaut wurde, zusammenzuhängen. Unterwasserarchäologe Tommaso McDonnell deckt die Verschwörung auf.)

Zoran Zivkovic: Das letzte Buch („Spannender, postmoderner Thriller von einem Meister des schwarzen Humors…der seinen Eco gelesen hat“, schreibt der Verlag.)

Dezember

Joel Rose: Kein Rabe so schwarz (Edgar Allan Poe auf Mörderjagd)

Januar

Umberto Eco: Das Focaultsche Pendel (in neuer Ausstattung)

Frode Grytten: Die Raubmöwen besorgen den Rest (Riverton-Preis für den besten Krimi des Jahres 2005)

John Harvey: Verführung zum Tod (Charlie Resnick ist wieder da.)

Jorgen Jaeger: Blutschrift (Das nenne ich norwegische Eskalation: zuerst wird ein Zahnarzt erschossen, dann brennen drei Gebäude und kurz darauf gibt es eine Bombendrohung. Polizeichef Ole Vik und sein Team ermitteln in – abhängig von der Lesegeschwindigkeit – Echtzeit.)

Kevin Lewis: Jagd auf Frankie (Nachdem Frankie einen Kinderschänder umgebracht hat, wird sie von der Polizei und den Zuhälterfreunden des Toten gejagt. Als sie in den Besitz geheimer Daten gerät, heften sich noch einige weitere Verfolger an ihre Fersen.)

Februar

Charlaine Harris: Falsches Grab (Harper Connelly entdeckt auf einem Friedhof in Memphis, Tennessee, in einem Grab eine Leiche zu viel. Gut, dass sie die letzten Augenblicke der Toten nachempfinden kann. Dumm, dass dem Mörder das nicht gefällt.)

Cynthia Harrod-Eagles: Mord im Park (Dritter Fall für Detective Inspector Bill Slider: Der Parkmörder ersticht Joggerinnen. Doch sein jüngstes Opfer starb an einer Überdosis Beruhigungsmittel.)

Tom Kahn: Das Tibetprojekt (Historiker Decker soll das Geheimnis des tibetischen Buddhismus ergründen. Seine gefährlichen Recherchen führen ihn zurück in das Dritte Reich.)

Henning Mankell: Die flüsternden Seelen (Taschenbuch-Ausgabe eines Afrika-Romans)

Henning Mankell: Das Auge des Leoparden (Großdruck-Ausgabe eines Afrika-Romans)

Ilkka Remes: Hochzeitsflug (Gehirnforscher Christian Brück will herausfinden, warum das Flugzeug mit seiner künftigen Frau abstürzte. Eine Videokassette liefert ihm dabei den Hinweis auf ein ungeheuerliches Geschehen. – Remes überarbeitete und aktualisierte „Hochzeitsflug“ für die deutsche Ausgabe.)

März

Iain McDowall: Gefährliches Wiedersehen (Als dritter Roman erscheint der erste Fall von DCI Jacobson und DS Kerr. In ihm suchen sie den Mörder eines unauffälligen Geschichtsprofessors.)

Tomas Ross: Der Tod des Kandidaten (De zesde mei, 2003 – Der Autor ist ein Niederländer, der in Wirklichkeit H. P. Hogendoorn heißt, und mit dem Ami Ross Thomas nichts zu tun hat. Aber auch bei ihm geht es um Politik: eine gerade aus der Haft entlassene Tierschützerin soll ihre Freunde bespitzeln. Der Sicherheitsdienst glaubt, dass sie ein Attentat planen. Der Roman erhielt den niederländischen Krimipreis „Gouden Strop“.)

April

William Gibson: Neuromancer/Biochips/Mona Lisa Overdrive (die bahnbrechende Neuromancer-Trilogie vom Vater des Cyberpunk in einem Band)

Jutta Profijt: Kühlfach 4 (Krimikomödie: Autoschieber Pascha wird ermordet. Damit sein Tod gerächt wird, nimmt sein Geist Kontakt mit dem Rechtsmediziner Gänsewein auf und dieser muss unter Verbrechern ermitteln.)

Greg Rucka: Ein Job in Taschkent (Ex-SIS-Mitarbeiterin Tara Chace soll in Taschkent, Usbekistan, einen Mann und sein Kind retten. Das ist leichter gesagt, als getan.)

Qiu Xialong: Rote Ratten (Oberinspektor Chen soll den Roten Ratten – korrupte Beamte und Neokapitalisten – das Handwerk leben.)

Fett Kursiv sind die Titel, auf die ich mich besonders freue.

Bereits erschienen

Mörderischer Herbst I – Pendragon, Edition Nautilus, Unionsverlag

Mörderischer Herbst II – Gmeiner, Grafit

Mörderischer Herbst III – Edition Köln, Emons

Mörderischer Herbst IV – btb Hardcover, Alexander Verlag, Heyne Hardcover, Liebeskind, Manhattan, Page & Turner, Rotbuch, vgs


TV-Tipp für den 12. Juni

Juni 12, 2008

3sat, 21.00

scobel

Quellcode des Lebens: Gert Scobel im Gespräch mit William Gibson – na, dieser Titel verrät doch schon alles: eine Stunde mit dem Vater des Cyberpunks. Das ist doch eine echte Alternative zu dem Fußballspiel.

Wiederholung: Freitag, 13. Juni, 06.30 Uhr

Hinweise

3sat über William Gibson

Homepage von William Gibson

Deutsche Homepage von William Gibson

Rolling Stone interviewt William Gibson (2007)

De:Bug Magazin redet mit William Gibson (2008 )

Intor redet auch mit William Gibson (2008 )

The Boston Globe macht „Q&A“ mit William Gibson (2007)

Powells telefoniert mit William Gibson (2007)


Unsortierte Kurzmeldungen mit viel Stallone

Februar 8, 2008

„Rambo IV“ läuft in den deutschen Kinos in einer gekürzten Fassung. Wahrscheinlich wurde eine Minute herausgeschnitten. Schade, denn nach den bisherigen Meldungen scheint er wieder an den ersten Rambo-Film anzuknüpfen.

Ken Levine erklärt, was die Technischen Berater beim Film machen. Er greift dabei auf seine Erfahrung bei „M. A. S. H.“ zurück. Anfangs hatten sie einen Technischen Berater vom Militär, der ihnen lange Fachvorträge hielt. Innerhalb weniger Monate wurde er dann ‚zu Hollywood‘. Die Show scheint – im Gegensatz zu den neuen Arztserien – den medizinischen Teil fachlich richtig gezeigt zu haben. Das gleiche gilt für „CSI: Las Vegas“. Schön ist hier auch die Diskussion dazu und der Hinweis auf die Criterion-„Armageddon“-DVD und den Audiokommentar der Technischen Berater. Im Wesentlichen sagen sie wohl immer wieder: „Wir haben Michael Bay gesagt, dass das so nicht geht. Es war ihm egal.“

Markus Sakey (Der Blutzeuge) hat Barack Obama gewählt und erklärt es im „Outfit“:

I believe that Obama’s character is exactly what we need right now. Now perhaps more than ever in our history. Our role in the world is changing. Our internal systems are breaking down. We are divided and distrustful.

We need a leader of unquestionable intelligence who refuses to dumb down a position to a soundbite. We need a leader who is more interested in fixing America’s many problems than in sitting behind the big desk. We need a leader who dares tells us that we shouldn’t be afraid to hope.

Duane Louis (Swierczynski) , der Autor von „Blondes Gift“, hat seinen Brotjob gekündigt. In seinem Blog erklärt er warum (Tja, er will mehr schreiben.) und verlinkt zu einem Interview (So sieht er aus, wenn er in einem New Yorker TV-Studio sein Sherlock-Holmes-Rätselbuch vorstellt: Will you solve Sherlock’s Mystery?).

Die Februar-Ausgabe der Phantastik-Couch ist online mit Besprechungen von Joe Hill (Black Box, Kurzgeschichten) und William Gibson (Mustererkennung).

Bleiben wir in der Zukunft: eine nicht produzierte Version von „Demolition Man“ (der Action-Kracher in dem Stallone und Snipes sich verkloppen) ist online. Die Fassung vom 19. November 1992, geschrieben von Daniel Waters und Jonathan Lemkin scheint sich, so Donovan, sehr von dem Film zu unterscheiden: DEMOLITION MAN changed almost completely from its first draft before it made it to the screen. Different characters, different story, different genre, even a different “world”. Only Lenkov’s basic concepts (e.g. cryo-prison, cop vs psycho) survived.


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