Neu im Kino/Filmkritik: Michael Mann zieht den „Blackhat“ an

Februar 5, 2015

Wie zeige ich Computercodes, das Internet und den Cyberkrieg? Schwierig, aber in den vergangenen Jahren gab es ja einige interessante Ideen. Michael Mann, einer der stilprägenden und stilistisch überzeugendsten Regisseure der verganenen Jahrzehnte, stand in seinem neuen Thriller „Blackhat“ ebenfalls vor der Frage. Denn in dem Film geht es um den Cyberwar, einen skrupellosen Gangster und zwei Männern, die gegen ihn kämpfen.
Es beginnt mit Angriffen auf das Chai Wan Atomkraftwerk in Hong Kong und die Börse in Chicago. Den ersten Angriff zeigt Michael Mann in einer atemberaubenden Montage, in der die Kamera sich von China durch Datenleitungen und Computer zu einem weit entfernten Ort rast, wo die Kamera sich aus einem Computer heraus in das Zimmer bewegt, in dem der Verbrecher, mit einem Tastendruck seine Schadsoftware losschickt. Beim zweiten und dritten Verwenden dieser Montage fällt dann vor allem die bescheidene Animation auf. Die restliche Zeit lässt Mann, wenn er die Computerspezialisten bei der Arbeit beobachtet, dann Männer angestrengt auf Bildschirme blicken (langweilig!) und zeigt einen mit grünen Buchstaben, Zahlen und Ziffern gefüllten schwarzen Bildschirm. Das ist noch langweiliger (jaja, in der Wirklichkeit ist das so) und erinnert an die Uralt-Cybercrimethriller aus den Achtzigern und Neunzigern, die heute sogar durch die nostalgische Brille betrachtet, nur langweiliger Unfug sind. Und genau das ist „Blackhat“: langweiliger Unfug, der gerade so die Qualität eines passablen, aber verzichtbaren B-Pictures erreicht, das sich mit einer sattsam bekannten Story einfach an ein aktuelles Thema, wie Drogenhandel, Terrorismus oder halt Cybercrime, ranhängt. Da hilft es auch nichts, dass Computerexperten sich über die richtige Verwendung von Fachbegriffen und der richtigen Darstellung von Abläufen freuen.
Denn der Plan des extrem blassen und austauschbaren Bösewichts ist hirnrissig, sichert ihm aber die uneingeschränkte Aufmerksamkeit aller Sicherheitsbehörden von zwei normalerweise miteinander verfeindeter Weltmächte. Als erstes jagt er ein AKW in die Luft. Danach manipuliert er die Börse. Das waren die unauffälligen Testläufe seiner Software. Sein nächstes Ziel bleibt lange im Dunkeln, aber unsere tapferen Helden entdecken es mit einer Sherlock-Holmes-würdigen Deduktion.
Der Held, gespielt von Chris Hemsworth, ist der Super-Supermann: der beste Hacker der Galaxis, sportlich, an allen möglichen und unmöglichen Waffen ausgebildet, philosophisch bewandert und ein echter Frauenheld, der sich in die sexy Schwester von seinem Unifreund verliebt. Der Unifreund, ebenfalls ein begnadeter Hacker, Chinese und jetzt im Staatsdienst, will bei der Jagd nach dem unbekannten Saboteur unbedingt seinen alten Kumpel Nick Hathaway haben. Denn ein Teil der Schadsoftware wurde von Hathaway an der Uni, als kleine Entspannungsübung, geschrieben.
Dieses Dreieck von zwei miteinander befreundeten Männern und einer Frau erinnert an „Miami Vice“. Sowieso wirkt „Blackhat“ oft wie „Miami Vice 2“, der allerdings nie die hypnotische Qualität erreicht, die „Miami Vice“ in seinen besten Momenten hatte. „Miami Vice“ ist allerdings auch ein eher konfuses Remake der TV-Serie mit einem größeren Budget, aber ohne neue Erkenntnisse.
Auch all die anderen vertrauten Michael-Mann-Elemente sind da: die Männerfreundschaften, die dünne Grenze zwischen Gut und Böse, die Beziehungen der Charaktere zueinander, die tollen Bilder (allerdings viel zu wenige; meistens sind es eben Nahaufnahmen von Menschen, die in Räumen an Schreibtischen sitzen), die Musik. Aber immer wirkt es wie eine Pflichtübung.
Die Story ist eine Ansammlung von Klischees, die wir aus besseren Filmen kennen. Denn „Blackhat“ kann sich nie entscheiden, was in welchem Tonfall seine Geschichte erzählt werden soll. So schwankt der Film unentschlossen zwischen einem realistichen Hackerkrimi, einem eskapistischer James-Bond-Film, einem Neo-Noir, der dieses Mal vor exotischer Kulisse spielt, und, gegen Ende, einem Gangsterthriller.
Und diese Filmgeschichte ist – trotz des realen Hintergrundes und den stimmigen Details – unglaubwürdig. Eigentlich verharmlost sie in der Post Snowden-Ära die realen Gefahren des Cyberkriegs, indem die altbekannte Geschichte von dem Einzelgänger, der im Alleingang den Bösewicht (der als Handlanger einige Terroristen und Söldner hat) in einer ganz und gar irdischen Konfrontation besiegt. Sozusagen: Nick Hathaway gegen Doktor Mabuse.
Das ist nicht besonders beeindruckend.

Blackhat - Plakat

Blackhat (Blackhat, USA 2014)
Regie: Michael Mann
Drehbuch: Morgan Davis Foehl
mit Chris Hemsworth, Wang Leehom, Tang Wei, Viola Davis, Hold McCallany, Andy On, Ritchie Coster, John Ortiz, Yorick van Wageningen
Länge: 133 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Blackhat“
Moviepilot über „Blackhat“
Metacritic über „Blackhat“
Rotten Tomatoes über „Blackhat“
Wikipedia über „Blackhat“
Wired unterhält sich mit Michael Mann über „Blackhat“ und sieht sich mit Experten den Film an

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Michael Mann in der Kriminalakte

Pressekonferenz zum Film mit Michael Mann und einigen der Schauspieler

Nachtrag (6. Februar 2015): In der SZ gibt es einen lesenswerten Artikel von Hakan Tanriverdi, der sich mit den wahren Gefahren des Cyberkriegs als Krieg beschäftigt und der damit auch „Blackhat“ einem Realitätstest unterzieht. Tanriverdi kommt zu einem ernüchterndem Ergebnis: weltweit gibt es ein, zwei Fälle, die man als ‚Krieg‘ bezeichnen kann und die, wie „Stuxnet“, nur über Computer verübt wurden.

Spionage ist ein anderes Thema.


TV-Tipp für den 8. Juni: Miami Vice

Juni 7, 2022

Nitro, 20.15

Miami Vice (Miami Vice, USA 2006)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Miamic Vice“

Wikipedia über „Miami Vice“ (deutsch, englisch)

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch “Miami Vice” von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Ambulance“ Bayhem

März 24, 2022

Wer Angst davor hat, dass Hollywood seine Ideen klaut, sollte einen Blick auf „Ambulance“ werfen. Michael Bays Actionthriller ist ein Remake eines gleichnamigen dänischen Thrillers. Nach einem Banküberfall klauen zwei Brüder auf ihrer Flucht einen Krankenwagen. In dem Wagen befinden sich ein im Sterben liegender Herzpatient und eine Praktikantin. Das Interessante an dem Film ist, dass er ohne einen Schnitt gedreht wurde. In Bays Version folgt der erste von vielen Schnitt schon nach wenigen Sekunden. Die Story selbst wird von schlanken achtzig Minuten auf deutllich über zwei atemlose Stunden aufgeblasen. Die Ähnlichkeiten mit dem Original beschränken sich dabei auf die nicht so wahnsinnig originelle Grundidee, während der interessante Punkt des Originals konsequent ignoriert wird.

In der neuen Version stehen die Brüder Sharp im Mittelpunkt. Will (Yahya Abdul-Mateen II) braucht unbedingt Geld. Seine an Krebs erkrankte Frau könnte mit einer Operation gerettet werden. Die Krankenkasse will die Kosten nicht übernehmen. Also bittet Will seinen Bruder Danny (Jake Gyllenhaal) um Hilfe. Dieser nimmt ihn spontan mit zu einem Banküberfall, bei dem er 32 Millionen Dollar erbeuten will. Schon bei dem Überfall gibt es die ersten Probleme. Diese eskalieren schnell. Plötzlich sind überall schwerbewaffnete Polizisten. Alle schießen in der Bank, der Tiefgarage und auf offener Straße wild um sich. Danny und Will haben nur eine Möglichkeit, der Falle zu entkommen. Sie entführen einen Krankenwagen. In ihm liegt ein von ihnen angeschossener, in Lebensgefahr schwebender Polizist. Umsorgt wird er von der taffen Rettungssanitäterin Camille ‚Cam‘ Thompson (Eiza Gonzalez), deren Mission es ist, jede verletzte Person lebendig zur Notaufnahme zu bringen.

Und los geht die wilde Hatz durch Los Angeles, immer wieder mit Graffitis und einer fotogen untergehenden Sonne im Hintergrund. Verfolgt werden die beiden Brüder von einer Armada schießwütiger Polizisten, angeführt von dem harten SIS-Captain Tyler Monroe (Garret Dillahunt), und einem ebenso hartem FBI-Agenten, der uns darüber informiert, dass Danny kein gewöhnlicher Bankräuber, sondern ein Superduperbankräuber ist. FBI-Agent Anson Clark (Keir O’Donnell) weiß von 38 Banken, die Danny Sharp bis jetzt ausgeraubt hat. Das hätten wir angesichts des amateurhaft geplanten Bankraubs nie vermutet.

Michael Bay peppt die Story mit allem auf, was wir von einem Bay-Film erwarten: Waffen, Autos, Testosteron, sinnfrei im Bild herumhängende US-Flaggen, markige Sprüche; – wobei es hier kleine Variationen gibt. Denn zwischen all den schießwütigen Alpha-Männern, gibt es einen schwulen FBI-Agenten und eine ganz normal aussehende Analytikerin, die beide auch einige Einzeiler haben. Mit zunehmendem Alter scheint Bays Interesse an jungen vollbusigen Frauen, deren Reize er fotogen für pubertierende Teenager in Szene setzt, zu erlahmen. Es gibt ja noch Sportautos, Waffen, Hubschrauber und Sonnenuntergänge.

Und weil die Story von „Ambulance“ nur eine über zweistündige Verfolgungsjagd ist, ist der Baysche Exzess auf eine Sache fokussiert. Es ist allerdings auch ein Exzess, der nur immer mehr und immer lauter kennt. Wild kreist die Kamera, linksrum, rechtsrum, von oben, von unten, um Danny und Will, während Danny versucht, Will zu dem Bankraub zu überreden und ihn dabei gegen die Kamera umkreist. In der Bankfiliale rast die Kamera durch die riesige Bankhalle als müsse sie einen 100-Meter-Läufer überholen. Später stützt die Kamera zwischen Hochhäusern hinab, fliegt wieder hoch, dreht sich um die eigene Achse und rast wieder Richtung Straße. Dazwischen wird aus allen Rohren geballert und Autos, bevorzugt Polizeiautos, geschrottet. Denn bei der Verfolgungsjagd zählt für die Polizei nur ein Leben: das des im Krankenwagen liegenden schwerverletzten Kollegen. Wie viele Polizeiautos dabei schrottreif gefahren werden und wie viele Polizisten dabei sterben, ist egal.

Diese ganze überhitzte Aufregung kann allerdings nicht über das formelhafte und oft auch erschreckend unlogische Drehbuch hinwegtäuschen. Die Figuren handeln oft widersprüchlich, teils sogar idiotisch. Vor allem Danny Sharp agiert nie wie ein Profi-Bankräuber, sondern bestenfalls wie ein blutiger Amateur, der einfach intuitiv handelt.

Michael Bay und Drehbuchautor Chris Fedak (Erfinder der TV-Serien „Chuck“, „Deception“ und „Prodigal Son“) interessieren sich auch nicht für die in der Geschichte liegenden Themen. Vieles wird angesprochen oder angedeutet, aber nichts wird vertieft. Es hätte um das US-Gesundheitssystem gehen können, das einen ehrenwerten Mann und Kriegsveteranen dazu zwingt, zum Verbrecher zu werden. Es hätte um den US-Waffenkult gehen können, der eben die im Film gezeigte exzessive Gewalt ermöglicht. Es hätte um Freundschaft, brüderliche Bande, Familie, Männlichkeitsbilder, Verantwortung, Verrat, Ethos und Moral gehen können. Alles das wird in dem Actionthriller in einem Bild oder Halbsatz angesprochen, aber nie vertieft. Nach dem Abspann bleibt nichts zurück, über das es sich lohnt zu reden. Entsprechend leer fühlt sich „Ambulance“ schon während der wilden Hatz durch Los Angeles an.

Bay ist halt immer noch das aufmerksamkeitsgestörte Kind im Spielzeugladen, das begeistert alles ausprobiert und das sich nur für die glänzende Oberfläche und Bewegungsdynamiken interessiert. „Ambulance“ ist auf visueller, akustischer und auch schauspielerischer Ebene hoffnungslos überdrehter, sich nie für Nuancen interessierender B-Actionthriller.

Dabei, auch wenn das Drehbuch schlechter als bei Bays „Pain & Gain“ ist, hätte ein besserer Regisseur aus der Geschichte viel mehr machen können. Guy Ritchie („Cash Truck“), Nick Love („The Crime“), oder, wenn wir weiter zurück in die Vergangenheit gehen, Michael Mann (besonders „Heat“), Kathryn Bigelow, Walter Hill, John Frankenheimer, Don Siegel, John Boorman („Point Blank“) und Steven Spielberg („Sugarland Express“) fallen mir spontan ein.

Bei Bay überwiegt am Ende die Enttäuschung darüber, wie wenig er aus seiner Geschichte macht und wie viel Zeit er dafür benötigt. Auch wenn „Ambulance“ besser als seine „Transformers“-Filme ist.

Ambulance (Ambulance, USA 2022)

Regie: Michael Bay

Drehbuch: Chris Fedak (basierend auf dem 2005er Film „Ambulancen“ von Laurits Munch-Petersen und Lars Andreas Pedersen)

mit Jake Gyllenhaal, Yahya Abdul-Mateen II, Eiza González, Devan Long, Garret Dillahunt, Keir O’Donnell, Jackson White, Cedric Sanders, Colin Woodell, Olivia Stambouliah, A Martinez

Länge: 137 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ambulance“

Metacritic über „Ambulance“

Rotten Tomatoes über „Ambulance“

Wikipedia über „Ambulance“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Bays „Pain & Gain“ (Pain & Gain, USA 2013)

Meine Besprechung von Michael Bays „Transformers: Ära des Untergangs (Transformers: Age of Extinction, USA 2014)

Meine Besprechung von Michael Bays „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi (13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi, USA 2016)

Meine Besprechung von Michael Bays „Transformers: The Last Knight“ (Transformers: The Last Knight, USA 2017)


Tv-Tipp für den 30. Oktober: Public Enemies

Oktober 29, 2021

ZDFneo, 20.15

Public Enemies (Public Enemies, USA 2009)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Ronan Bennett, Ann Biderman, Michael Mann

LV: Bryan Burrough: Public Enemies, 2004

Melvin Purvis (Christian Bale) jagt John Dillinger (Johnny Depp).

Die Version von Michael Mann.

Da waren meine Erwartungen entsprechend hoch – und sie wurden enttäuscht. Denn im Vergleich zu „Dillinger“ von John Milius mit Warren Oates als John Dillinger und Ben Johnson als Melvin Purvis ist Manns Version doch ein eher laues Lüftchen mit Starpower und einer die Atmosphäre zerstörenden Digitalkamera (wobei das allerdings auch am Kino gelegen haben kann. Denn ein Kumpel meinte, er hätte eine Vorführung gesehen, bei der Mann die Technik überwachte und die Bilder seien grandios gewesen).

„spannende Genre-Bricolage“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Giovanni Ribisi, Billy Crudup, Stephen Dorff, James Russo, Rory Cochrane, Channing Tatum, Diana Krall

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Public Enemies“

Wikipedia über „Public Enemies“ (deutsch, englisch)

Vanity Fair: Bryan Burrough beim Dreh von „Public Enemies“ (9. Juni 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough sieht Johnny Depp sterben (4. Juni 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough über die geplante Verfilmung von „Public Enemies“ (7. März 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough über den Drehstart von „Public Enemies“ (6. März 2008)

„Public Enemies“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Vergiftete Wahrheit“ – die Sache mit der Teflon-Pfanne

Februar 12, 2021

Zum Kinostart, der pandemiebedingt letztendlich quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, schrieb ich über diesen tollen, auf einem wahren Fall Skandal basierenden Justizthriller, der viele, viele Zuschauer verdient hat:

Die Teflonpfanne – wer keine hat, kennt sie wenigstens vom Namen. Es handelt sich um eine beschichtete Pfanne, mit der man sehr gut kochen kann.

Wenn es da nicht das kleine Problem mit der Beschichtung gäbe, das DuPont lange verschwieg. Bei der Herstellung von Teflon verwendete der Chemiekonzern DuPont Perfluoroctansäure (PFOA). Diese Säure kann unter anderem Krebs verursachen. Sie sollte daher nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten.

Wie groß die Probleme sind und was sie für die Betroffenen bedeuten, zeigt Todd Haynes in seinem neuesten Film „Vergiftete Wahrheit“. Ursprünglich sollte das packende und absolut sehenswerte Drama bereits im Frühjahr anlaufen. Jetzt läuft das Thrillerdrama einige Monate später an. Aktuell und wichtig ist es immer noch.

Im Mittelpunkt des Films steht der von Mark Ruffalo überzeugend gespielte Anwalt Robert ‚Rob‘ Bilott. Er hat den Aufstieg in die oberen Etagen der renommierten in Cincinnati, Ohio, residierenden Kanzlei Taft Stettinius & Hollister geschafft. Dort ist das Spezialgebiet des Wirtschaftsanwalts die Umweltgesetzgebung. Zu den Mandanten der Kanzlei gehören große Chemiefirmen, wie DuPont.

Die Sommer, die er als Kind und Jugendlicher auf der Farm seiner Großmutter in Parkersburg, West Virginia, verbrachte, sind nur noch eine ferne Erinnerung. Über diesen Teil seines Lebens redet er nicht. Nicht weil er sich dafür schämt (obwohl er als gesellschaftlicher Aufsteiger in dieser Hinsicht einen Minderwertigkeitskomplex hat), sondern weil diese Welt mit der Welt der Kanzlei nichts zu tun hat.

Eines Tages steht im Eingangsbereich der Kanzlei ein Mann, der schon durch seine Kleidung signalisiert, dass er nicht zu den normalen Kunden der Kanzlei gehört. Wilbur Tennant ist ein Farmer aus Parkersburg. Er behauptet, dass DuPont giftige Chemikalien ins Wasser leite und damit seine Kühe vergifte. Er hofft, dass Bilott sich des Falls annimmt. Auf Bilott ist er gekommen, weil bei ihnen in der Provinz sich kein Anwalt mit DuPont anlegen will, Bilott Umweltanwalt ist und er früher öfter auf dem Nachbarhof war. Er also die Gegend und die Menschen kennt und damit vertrauenswürdig ist.

Aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Großmutter kehrt Bilott in seine alte Heimat zurück. Eigentlich will er sich nur kurz die Kühe auf dem Hof der Brüder Wilbur und Jim Tennant ansehen und ihnen dann erklären, dass Wilbur Tennants Vermutung, dass seine Kühe von DuPont vergiftet werden, falsch ist.

Damit hätte er schnell seine Pflichten gegenüber seiner Familie erledigt und er könnte wieder in sein Leben zurückkehren.

Aber er sieht bei einem seiner ersten Besuche, wie Tennant einen wild gewordenen Stier erschießen muss. Außerdem hat Tennant auf Video degenerierte und krepierende Kühe aufgenommen. Es sind Bilder, die gut in einen Horrorfilm passen würden. Auch die Landschaft und die Menschen sehen nicht gesund aus.

Diese Beobachtungen beunruhigen ihn. Er will mehr wissen und er kann seinen Chef Tom Terp überzeugen, dass sie den Fall als einen Pro-Bono-Fall übernehmen. Solche Fälle werden von Kanzleien immer wieder übernommen, um ihr soziales Image aufzupolieren.

Bilott beginnt zu recherchieren. Er lässt sich Akten von DuPont bringen. Er klagt auf die Herausgabe von Akten. Er entdeckt eine riesige Gesetzeslücke, die auf den ersten Blick nicht besteht. Die US-Umweltschutzbehörde EPA konzentriert sich bei ihren Genehmigungen und Vorschriften auf neue Chemikalien und unter welchen Bedingungen sie wie zugelassen werden können. Mit älteren Chemikalien, wie der Perfluoroctansäure (PFOA), die seit 1951 eingesetzt wird, wird sich nicht weiter beschäftigt.

Bei seinem Aktenstudium bemerkt Bilott, dass DuPont schon länger von den von PFOA ausgehenden Gefahren wusste. Unklar ist allerdings zunächst, seit wann DuPont von den Gefahren wusste, ob sie danach weiter den mit PFOA angereicherten Schlamm auf einer Deponie lagerte, von der aus die Chemikalien in das Trinkwasser des Ortes gelangten, oder ob sie damit aufhörten.

Im Sommer 1999, ungefähr ein Jahr nach seiner ersten Begegnung mit Tennant, hat Bilott genug Material zusammen, für eine Klage gegen DuPont.

Aber damit ist Bilotts Kampf noch lange nicht vorbei. Eigentlich beginnt er erst jetzt. Denn DuPont hat, wie alle Konzerne, viel Geld und Zeit, um gegen unbequeme Kläger vorzugehen. Vor allem wenn es um hohe Forderungen geht und die Klagenden todkrank sind.

Vergiftete Wahrheit“ gehört in die ehrwürdige Reihe aufklärerischer Dramen wie Michael Manns „Insider“ (wo es um die von der Tabakindustrie geleugnete Gefährlichkeit von Nikotin geht), Steven Soderberghs „Erin Brockovich“ (wo es ebenfalls um verseuchtes Wasser geht), Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (über die Pentagon-Papiere und was vor Watergate geschah) und, ebenfalls mit Mark Ruffalo, Tom McCarthys „Spotlight“ (über sexuellen Missbrauch von Kindern in der römisch-katholischen Kirche in Boston).

Auch Todd Haynes und den Drehbuchautoren Mario Correa und Matthew Michael Carnahan gelingt es, einen komplexen, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Fall gekonnt zu verdichten und die verschiedenen Aspekte des Falls verständlich zu präsentieren. Die traditionelle Erzählweise, die sich auf die Geschichte, die Dialoge und die Schauspieler verlässt, hilft dabei.

Für Mark Ruffalo ist der von ihm gespielte Robert Bilott, ein Mann der ohne Anzug nicht leben kann, ein weiteres Highlight seiner Schauspielerkarriere.

2017 erhielt Bilott von der schwedischen Right Livelihood Foundation den Alternativen Nobelpreis. Sein Kampf ist noch lange nicht vorbei.

 

Nach der zweiten Sichtung dieser David-gegen-Goliath-Geschichte fällt (wieder) auf, wie dicht und klug die Geschichte erzählt wird. Mit einem Helden, der nicht wie Erin Brockovich eine sexy Rampensau ist, sondern ein biederer, konservativer Angestellter, für den in jeder Situation ein unauffälliger Anzug die Kleidung seiner Wahl ist.

Das Bonusmaterial, über vierzig Minuten, besteht aus einer selbstablaufenden Bildergalerie, kurzen Interviews mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins und Todd Haynes und mehreren kurzen Featurettes. Das sind ein Mini-Making-of, „Uncovering Dark Waters“, „The cost of being a hero“ und „The real people“. Die Werbe-Featurettes sind solide gemacht und unterscheiden sich in ihrer Mischung aus Interviewschnipsel und Bildern aus dem Film und von den Dreharbeiten nicht von den Featurettes für irgendeinen anderen Film. Die wahren Hintergründe werden nur in einem Halbsatz angesprochen. Dabei wären gerade hier über den Film hinausgehende vertiefende Informationen zu DuPont, der Teflon-Pfanne, PFOA, den Auswirkungen der benutzten Chemikalien auf Mensch, Tier und Umwelt und Robert Bilotts unermüdlichen Kampf gegen DuPont interessant gewesen.

Vergiftete Wahrheit (Dark Waters, USA 2019)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Mario Correa, Matthew Michael Carnahan

LV: Nathaniel Rich: The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare (New York Times Magazine, 6. Januar 2016)

mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Camp, Victor Garber, Bill Pullman, Mare Winningham, William Jackson Harper

DVD

Tobis Home Entertainment/Leonine

Bild: 2,40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englischfür Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Trailer, OV-Trailer, Mini-Making-Of (deutsch), Featurettes (englisch), Interviews (englisch), Bildergalerie

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (Hauptfilm ab 6 Jahre; d. h. wegen eines Trailers FSK-12)

Die Blu-ray enthält zusätzlich einige B-Roll-Aufnahmen.

Eine Expertendiskussion in Hamburg während der Deutschlandpremiere des sehenswerten (Habe ich das schon einmal gesagt?) Justizthrillers

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Vergiftete Wahrheit“

Metacritic über „Vergiftete Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Vergiftete Wahrheit“

Wikipedia über „Vergiftete Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ „Vergiftete Wahrheit“ (Dark Waters, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Vergiftete Wahrheit“ – ein Thriller über einen biederen Anwalt, der für DuPont zum Alptraum wurde

Oktober 9, 2020

Die Teflonpfanne – wer keine hat, kennt sie wenigstens vom Namen. Es handelt sich um eine beschichtete Pfanne, mit der man sehr gut kochen kann.

Wenn es da nicht das kleine Problem mit der Beschichtung gäbe, das DuPont lange verschwieg. Bei der Herstellung von Teflon verwendete der Chemiekonzern DuPont Perfluoroctansäure (PFOA). Diese Säure kann unter anderem Krebs verursachen. Sie sollte daher nicht in Kontakt mit Lebensmitteln geraten.

Wie groß die Probleme sind und was sie für die Betroffenen bedeuten, zeigt Todd Haynes in seinem neuesten Film „Vergiftete Wahrheit“. Ursprünglich sollte das packende und absolut sehenswerte Drama bereits im Frühjahr anlaufen. Jetzt läuft das Thrillerdrama einige Monate später an. Aktuell und wichtig ist es immer noch.

Im Mittelpunkt des Films steht der von Mark Ruffalo überzeugend gespielte Anwalt Robert ‚Rob‘ Bilott. Er hat den Aufstieg in die oberen Etagen der renommierten in Cincinnati, Ohio, residierenden Kanzlei Taft Stettinius & Hollister geschafft. Dort ist das Spezialgebiet des Wirtschaftsanwalts die Umweltgesetzgebung. Zu den Mandanten der Kanzlei gehören große Chemiefirmen, wie DuPont.

Die Sommer, die er als Kind und Jugendlicher auf der Farm seiner Großmutter in Parkersburg, West Virginia, verbrachte, sind nur noch eine ferne Erinnerung. Über diesen Teil seines Lebens redet er nicht. Nicht weil er sich dafür schämt (obwohl er als gesellschaftlicher Aufsteiger in dieser Hinsicht einen Minderwertigkeitskomplex hat), sondern weil diese Welt mit der Welt der Kanzlei nichts zu tun hat.

Eines Tages steht im Eingangsbereich der Kanzlei ein Mann, der schon durch seine Kleidung signalisiert, dass er nicht zu den normalen Kunden der Kanzlei gehört. Wilbur Tennant ist ein Farmer aus Parkersburg. Er behauptet, dass DuPont giftige Chemikalien ins Wasser leite und damit seine Kühe vergifte. Er hofft, dass Bilott sich des Falls annimmt. Auf Bilott ist er gekommen, weil bei ihnen in der Provinz sich kein Anwalt mit DuPont anlegen will, Bilott Umweltanwalt ist und er früher öfter auf dem Nachbarhof war. Er also die Gegend und die Menschen kennt und damit vertrauenswürdig ist.

Aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Großmutter kehrt Bilott in seine alte Heimat zurück. Eigentlich will er sich nur kurz die Kühe auf dem Hof der Brüder Wilbur und Jim Tennant ansehen und ihnen dann erklären, dass Wilbur Tennants Vermutung, dass seine Kühe von DuPont vergiftet werden, falsch ist.

Damit hätte er schnell seine Pflichten gegenüber seiner Familie erledigt und er könnte wieder in sein Leben zurückkehren.

Aber er sieht bei einem seiner ersten Besuche, wie Tennant einen wild gewordenen Stier erschießen muss. Außerdem hat Tennant auf Video degenerierte und krepierende Kühe aufgenommen. Es sind Bilder, die gut in einen Horrorfilm passen würden. Auch die Landschaft und die Menschen sehen nicht gesund aus.

Diese Beobachtungen beunruhigen ihn. Er will mehr wissen und er kann seinen Chef Tom Terp überzeugen, dass sie den Fall als einen Pro-Bono-Fall übernehmen. Solche Fälle werden von Kanzleien immer wieder übernommen, um ihr soziales Image aufzupolieren.

Bilott beginnt zu recherchieren. Er lässt sich Akten von DuPont bringen. Er klagt auf die Herausgabe von Akten. Er entdeckt eine riesige Gesetzeslücke, die auf den ersten Blick nicht besteht. Die US-Umweltschutzbehörde EPA konzentriert sich bei ihren Genehmigungen und Vorschriften auf neue Chemikalien und unter welchen Bedingungen sie wie zugelassen werden können. Mit älteren Chemikalien, wie der Perfluoroctansäure (PFOA), die seit 1951 eingesetzt wird, wird sich nicht weiter beschäftigt.

Bei seinem Aktenstudium bemerkt Bilott, dass DuPont schon länger von den von PFOA ausgehenden Gefahren wusste. Unklar ist allerdings zunächst, seit wann DuPont von den Gefahren wusste, ob sie danach weiter den mit PFOA angereicherten Schlamm auf einer Deponie lagerte, von der aus die Chemikalien in das Trinkwasser des Ortes gelangten, oder ob sie damit aufhörten.

Im Sommer 1999, ungefähr ein Jahr nach seiner ersten Begegnung mit Tennant, hat Bilott genug Material zusammen, für eine Klage gegen DuPont.

Aber damit ist Bilotts Kampf noch lange nicht vorbei. Eigentlich beginnt er erst jetzt. Denn DuPont hat, wie alle Konzerne, viel Geld und Zeit, um gegen unbequeme Kläger vorzugehen. Vor allem wenn es um hohe Forderungen geht und die Klagenden todkrank sind.

Vergiftete Wahrheit“ gehört in die ehrwürdige Reihe aufklärerischer Dramen wie Michael Manns „Insider“ (wo es um die von der Tabakindustrie geleugnete Gefährlichkeit von Nikotin geht), Steven Soderberghs „Erin Brockovich“ (wo es ebenfalls um verseuchtes Wasser geht), Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“, Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (über die Pentagon-Papiere und was vor Watergate geschah) und, ebenfalls mit Mark Ruffalo, Tom McCarthys „Spotlight“ (über sexuellen Missbrauch von Kindern in der römisch-katholischen Kirche in Boston).

Auch Todd Haynes und den Drehbuchautoren Mario Correa und Matthew Michael Carnahan gelingt es, einen komplexen, sich über einen längeren Zeitraum erstreckenden Fall gekonnt zu verdichten und die verschiedenen Aspekte des Falls verständlich zu präsentieren. Die traditionelle Erzählweise, die sich auf die Geschichte, die Dialoge und die Schauspieler verlässt, hilft dabei.

Für Mark Ruffalo ist der von ihm gespielte Robert Bilott, ein Mann der ohne Anzug nicht leben kann, ein weiteres Highlight seiner Schauspielerkarriere.

2017 erhielt Bilott von der schwedischen Right Livelihood Foundation den Alternativen Nobelpreis. Sein Kampf ist noch lange nicht vorbei.

Vergiftete Wahrheit (Dark Waters, USA 2019)

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Mario Correa, Matthew Michael Carnahan

LV: Nathaniel Rich: The Lawyer Who Became DuPont’s Worst Nightmare (New York Times Magazine, 6. Januar 2016)

mit Mark Ruffalo, Anne Hathaway, Tim Robbins, Bill Camp, Victor Garber, Bill Pullman, Mare Winningham, William Jackson Harper

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Eine Expertendiskussion in Hamburg während der Deutschlandpremiere des sehenswerten (Habe ich das schon einmal gesagt?) Justizthrillers

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Vergiftete Wahrheit“

Metacritic über „Vergiftete Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Vergiftete Wahrheit“

Wikipedia über „Vergiftete Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)


TV-Tipp für den 16. Juli: Der fremde Sohn

Juli 15, 2020

ZDFneo, 20.15

Der fremde Sohn (Changeling, USA 2008)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: J. Michael Straczynski

Los Angeles, 1928: Ein Kind verschwindet. Als die Polizei es unverletzt nach fünf Monaten findet, behauptet die Mutter, dass das nicht ihr Sohn sei. Ist sie, wie die Polizei über die Nervensäge behauptet, verrückt oder versucht die Polizei etwas zu vertuschen?

Nach gut 140 Minuten ist diese Frage beantwortet.

Just another Period-Picture mit Stars, stilechter Ausstattung, Überlänge (oder Blockbuster-Länge) und, natürlich, basierend auf einem wahren Fall. Insgesamt okaye Unterhaltung.

Anschließend, um 22.25 Uhr, läuft Michael Manns „Public Enemies“ (USA 2009) über den Gangster John Dillinger.

Mit Angelina Jolie, Gattlin Griffith, John Malkovich, Jeffrey Donovan, Amy Ryan, Colm Feore

Hinweise

Moviepilot über „Der fremde Sohn“

Metacritic über „Der fremde Sohn“

Rotten Tomatoes über „Der fremde Sohn“

Wikipedia über „Der fremde Sohn“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Glückwünsche zum achtzigsten Geburtstag von Clint Eastwood

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell! (Richard Jewell, USA 2019)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

 


TV-Tipp für den 11. Dezember: Collateral

Dezember 10, 2019

Kabel Eins, 22.55

Collateral (Collateral, USA 2004)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Stuart Beattie

Max ist ein nett-harmloser Los-Angeles-Taxifahrer, der von einem eigenen Unternehmen träumt, aber seit zwölf Jahren sein Leben als Angestellter fristet. Da steigt Vincent ein und bietet ihm 600 Dollar, wenn er ihn in den kommenden Stunden zu fünf Freunden fährt. Nach dem ersten Stopp, weiß Max, dass Vincent ein Autragkiller ist und er ihn zu den nächsten Opfern bringen soll.

„Collateral“ ist ein kleiner, ökonomisch erzählter Neo-Noir-Thriller über das tödliche Aufeinandertreffen zweier Charaktere ihrer vollkommen gegensätzlichen Lebensauffassungen; ist ein grandios besetzter Schauspielerfilm; ist eine Liebeserklärung an das nächtliche Los Angeles und wahrscheinlich der beste Film von Michael Mann.

Mit Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg (Regisseur von “Operation: Kingdom” und „Hancock“), Bruce McGill, Javier Bardem, Jason Statham (Miniauftritt auf dem Flughafen)

Wiederholung: Donnerstag, 12. Dezember, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Collateral“

Wikipidia über „Collateral“ (deutsch, englisch)

IndieLondon: Interview mit Michael Mann

Sight & Sound: Interview mit Michael Mann

The Dialogue: Stuart Beattie: Tricks of the Trade (Teil eines Interview)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont (12. September 2000) (und bereits teilweise von Michael Mann, Stand: 10. Juli 2003 – Änderung des Handlungsortes von New York nach Los Angeles)

Drehbuch „Collateral“ von Stuart Beattie, bearbeitet von Frank Darabont und Michael Mann  (24. August 2003)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. Oktober: Insider

Oktober 24, 2019

3sat, 22.25

Insider (The Insider, USA 1999)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Eric Roth, Michael Mann

LV: Marie Brenner: The Man who know too much, 1996 (Artikel Vanity Fair)

TV-Journalist Lowell Bergman will eine Story über die miesen Geschäfte der Zigarettenindustrie landesweit ausstrahlen. Sein Kronzeuge ist Jeffrey Wigand, ehemaliger Chef der Forschungsabteilung eines Zigarettenkonzerns. Dummerweise wollen die Senderbosse und die Zigarettenindustrie die Story verhindern.

Hochspannender 157-minütiger Thriller, der einen gelungen Einblick in die Medienwelt und die Wirtschaft und ihre Strukturen liefert, getragen von einem fantastischen Ensemble.

mit Al Pacino, Russell Crowe, Christopher Plummer, Diane Venora, Philip Baker Hall, Lindsay Crouse, Debi Mazar

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Insider“

Wikipedia über „Insider“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. März: Texas Killing Fields

März 15, 2019

3sat, 22.25

Texas Killing Fields – Schreiendes Land (Texas Killing Fields, USA 2011)

Regie: Ami Canaan Mann

Drehbuch: Donald F. Ferrarone

Drei Polizisten suchen in den Sümpfen von Texas einen Serienfrauenmörder.

Etwas unspektakulärer, an James Lee Burke (ohne Geister) erinnernder fiebriger Südstaaten-Noir mit tollen Bildern und Schauspielern. Der Krimiplot gerät dabei zur Nebensache.

Ami Canaan Mann ist die Tochter von Michael Mann. In den letzten Jahren arbeitete sie fast ausschließlich fürs Fernsehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sam Worthington, Jeffrey Dean Morgan, Jessica Chastain, Chloë Grace Moretz, Sheryl Lee, Tony Bentley, Stephen Graham, Jason Clarke

Hinweise

Metacritic über „Texas Killing Fields“

Rotten Tomatoes über „Texas Killing Fields“

Wikipedia über „Texas Killing Fields“

Daily Mail über die wahren Hintergründe (8. Juli 2012)

Meine Besprechung von Ami Canaan Manns „Texas Killing Fields – Schreiendes Land“ (Texas Killing Fields, USA 2011)


TV-Tipp für den 8. März: Heat

März 8, 2019

Da empfehle ich fröhlich die ganze Woche Filme mit starken Frauen und dann, am Internationalen Frauentag (der ab diesem Jahr in Berlin ein Feiertag ist), gibt es nur Männerfilme (dreimal Jason Statham, zweimal Keanu Reeves, einmal Clint Eastwood). Daher, mit schlechtem Gewissen, ein Film, der kein Frauenversteherfilm ist:

3sat, 22.25

Heat (Heat, USA 1995)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Michael Mann

Die Story ist einfach und altbekannt: ein Polizist jagt einen ihm geistesverwandten Dieb.

Der Film ist sogar ein Remake. Michael Mann nahm einfach sein altes Drehbuch für „Showdown in L. A.“ (L. A. Takedown, 1989) und machte aus einem anderthalbstündigem TV-Piloten einen dreistündigen Kinofilm. Dank des größeren Budgets und guter Schauspieler (eine aus heutiger Sicht sehr beeindruckende Liste von Mann-Vertrauten, Stars und damals noch unbekannteren Namen) entstand ein Klassiker.

Berater bei dem Film waren Chuck Adamson (vor seinem Tod: Polizist und Autor für „Miami Vice“ und „Crime Story“), Dennis Farina (heute: Ex-Polizist und Schauspieler) und Andy McNab (heute: Ex-SAS und Schriftsteller).

mit Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Jon Voight, Tom Sizemore, Amy Brenneman, Ashley Judd, Mykelti Williamson, Wes Studi, Diane Venora, Ted Levine, Dennis Haysbert, William Fichtner, Natalie Portman, Tom Noonan, Danny Trejo, Henry Rollins, Jeremy Piven, Xander Berkeley, Marty Ferrero, Rick Avery, Bud Curt (ungenannt, als Restaurantmanager Solenko)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Heat“

Wikipedia über „Heat“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Heat“ von Michael Mann (Fassung vom 3. März 1994)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. September: Blackhat

September 20, 2018

Vox, 23.00

Blackhat (Blackhat, USA 2014)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Morgan Davis Foehl

Nach einem verheerendem Hackerangriff auf kritische Infrastruktur tun sich chinesische und amerikanischer Sicherheitsleute zusammen. Aber ohne die Hilfe von Nick Hathaway, einem genialen, gerade inhaftierten Hacker, können sie den titelgebenden Blackhat nicht besiegen.

Bislang letzter Film von Michael Mann, der, trotz einiger gelungener Set Pieces und Bilder, nur eine lahme Version von „Miami Vice“ im Hackermilieu ist. „Blackhat“ ist langweiliger Unfug, der gerade so die Qualität eines passablen, aber verzichtbaren B-Pictures erreicht.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chris Hemsworth, Wang Leehom, Tang Wei, Viola Davis, Hold McCallany, Andy On, Ritchie Coster, John Ortiz, Yorick van Wageningen

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Blackhat“
Moviepilot über „Blackhat“
Metacritic über „Blackhat“
Rotten Tomatoes über „Blackhat“

Wikipedia über „Blackhat“ (deutsch, englisch)

Wired unterhält sich mit Michael Mann über „Blackhat“ und sieht sich mit Experten den Film an

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. April: Blackhat – Außer Kontrolle

April 1, 2018

ZDF, 23.35

Blackhat (Blackhat, USA 2014)

Regie: Michael Mann

Drehbuch: Morgan Davis Foehl

Nach einem verheerendem Hackerangriff auf kritische Infrastruktur tun sich chinesische und amerikanischer Sicherheitsleute zusammen. Aber ohne die Hilfe von Nick Hathaway, einem genialen, gerade inhaftierten Hacker, können sie den titelgebenden Blackhat nicht besiegen.

Bislang letzter Film von Michael Mann, der, trotz einiger gelungener Set Pieces und Bilder, nur eine lahme Version von „Miami Vice“ im Hackermilieu ist. „Blackhat“ ist langweiliger Unfug, der gerade so die Qualität eines passablen, aber verzichtbaren B-Pictures erreicht.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chris Hemsworth, Wang Leehom, Tang Wei, Viola Davis, Hold McCallany, Andy On, Ritchie Coster, John Ortiz, Yorick van Wageningen

Wiederholung: Mittwoch, 4. April, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Blackhat“
Moviepilot über „Blackhat“
Metacritic über „Blackhat“
Rotten Tomatoes über „Blackhat“

Wikipedia über „Blackhat“ (deutsch, englisch)

Wired unterhält sich mit Michael Mann über „Blackhat“ und sieht sich mit Experten den Film an

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. September: Heat

September 29, 2017

ZDFneo, 23.10

Heat (USA 1995, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Story ist einfach und altbekannt: ein Polizist jagt einen ihm geistesverwandten Dieb.

Der Film ist sogar ein Remake. Michael Mann nahm einfach sein altes Drehbuch für „Showdown in L. A.“ (L. A. Takedown, 1989) und machte aus einem anderthalbstündigem TV-Piloten einen dreistündigen Kinofilm. Dank des größeren Budgets und guter Schauspieler (eine aus heutiger Sicht sehr beeindruckende Liste von Mann-Vertrauten, Stars und damals noch unbekannteren Namen) entstand ein Klassiker.

Berater bei dem Film waren Chuck Adamson (vor seinem Tod: Polizist und Autor für „Miami Vice“ und „Crime Story“), Dennis Farina (heute: Ex-Polizist und Schauspieler) und Andy McNab (heute: Ex-SAS und Schriftsteller).

mit Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Jon Voight, Tom Sizemore, Amy Brenneman, Ashley Judd, Mykelti Williamson, Wes Studi, Diane Venora, Ted Levine, Dennis Haysbert, William Fichtner, Natalie Portman, Tom Noonan, Danny Trejo, Henry Rollins, Jeremy Piven, Xander Berkeley, Marty Ferrero, Rick Avery, Bud Curt (ungenannt, als Restaurantmanager Solenko)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Heat“

Wikipedia über „Heat“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Heat“ von Michael Mann (Fassung vom 3. März 1994)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. September: Roter Drache

September 1, 2017

ZDFneo, 22.00

Roter Drache (USA 2002, Regie: Brett Ratner)

Drehbuch: Ted Tally

LV: Thomas Harris: Red Dragon, 1981 (Roter Drache)

FBI-Mann Will Graham jagt einen Serienkiller. Nur Hannibal Lecter kann ihm helfen.

Die zweite Verfilmung von „Red Dragon“, dem ersten Roman mit Menschenfresser Hannibal Lecter, ist meilenweit von der Qualität von „Manhunter“ (USA 1986, Regie/Buch: Michael Mann) entfernt. Optisch hält Ratner sich in seinem langatmig-langweiligen Starkino an den von Jonathan Demme in seiner Thomas-Harris-Verfilmung „Das Schweigen der Lämmer“ etablierten Look. Von der Story wiederholt Ratner nur Michael Manns eiskalten „Manhunter“, garniert mit überflüssigen Verweisen auf „Das Schweigen der Lämmer“.Und Anthony Hopkins in der Rolle seines Lebens.

Die andere Meinung: „Roter Drache ist ein erstklassiger Thriller.“ (Rheinische Post, 31. Oktober 2002)

Mit Anthony Hopkins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson, Mary-Louise Parker, Philip Seymour Hoffman, Anthony Heald, Lalo Schifrin (als Dirigent, sein bislang einziger Filmauftritt)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Roter Drache“

Wikipedia über „Roter Drache“ (deutsch, englisch)

Homepage von Thomas Harris

Krimi-Couch über Thomas Harris

Meine Besprechung von Brett Ratners „Aushilfsgangster“ (Tower Heist, USA 2011)

Meine Besprechung von Brett Ratners „Hercules“ (Hercules, USA 2014)


TV-Tipp für den 19. Mai: Miami Vice

Mai 19, 2017

ZDFneo, 23.10

Miami Vice (USA 2006, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miami Vice“

Rotten Tomatoes über „Miamic Vice“

Wikipedia über „Miami Vice“ (deutsch, englisch)

Spielfilm.de: Interview mit Michael Mann zum Film

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch “Miami Vice” von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Der grandiose Neo-Western „Hell or High Water“

Januar 14, 2017

Es beginnt mit einem Banküberfall in West-Texas und ehe die Polizei auftaucht, haben Toby Howard (Chris Pine) und sein gerade aus dem Knast entlassener, impulsiver Bruder Tanner (Ben Foster) schon die nächste Bank überfallen. Texas Ranger Marcus Hamilton (Jeff Bridges) und sein Partner Alberto Parker (Gil Birmingham) vermuten schnell, dass die Bankräuber es auf die Filialen einer bestimmten Banken abgesehen, einen Grund dafür und ein Ziel haben. Die Howards überfallen nämlich Filialen der Texas Midlands Bank und, wie wir etwas später erfahren, hat diese Bank ihrer Mutter einen kleinen Kredit auf das Grundstück gegeben und die Howards, während ihre Mutter im Sterben lag, immer weiter in eine Verschuldungsspirale getrieben hat. Jetzt will die Bank das Grundstück, auf dem Öl gefunden wurde, haben.

Mit den Banküberfällen wollen die Howard-Brüder genug Geld erbeuten, um ihre Schulden zu bezahlen.

David Mackenzie („Young Adam“, „Hallam Foe“) inszenierte nach einem Drehbuch von „Sicario“-Autor Taylor Sheridan, mit der Musik von Nick Cave und Warren Ellis (was schon eine Empfehlung an sich ist), einen schnörkellosen Neo-Western, der gleichzeitig ein Porträt des ländlichen Texas ist. Die weit auseinanderliegenden Städte sind klein, vom Verfall geprägt und immer wieder tauchen am Straßenrand oft schon ältere Schilder von Banken auf, die etwas verkaufen wollen. Schnell entsteht das bedrückende Bild eines ökonomisch darnieder liegenden Landes.

Es ist auch ein Land, in dem zu viele Leute zu viele Waffen haben. So müssen die beiden Bankräuber schon während ihres zweiten Banküberfalls vor einem schießwütigem Bankkunden weglaufen. Später hat auch Texas Ranger Hamilton immer wieder Probleme mit schießgeneigten Texanern. Denn natürlich hat jeder Texaner mindestens eine Waffe in seinem Auto liegen. Oft auch zwei, drei oder noch mehr, die er auch gerne und ohne erkennbare Gewissenskonflikte gegen Menschen einsetzt.

Der Schotte Mackenzies hat bei seinem Neo-Western immer auch einen europäischen Blick auf die USA. Er sieht Dinge, die einem US-Amerikaner nicht auffallen, weil er sie für selbstverständlich hält. Er hat, das ist in jedem Bild spürbar, eine große Liebe und Faszination für den Western und den Gangsterfilm. Er badet, auch dank der Musik der Australier Cave und Ellis, förmlich im Americana-Feeling. Allerdings ohne Verklärungen u d mit dem skeptisch-staunendem Blick eines Außenseiters. Die Bilder der dünn besiedelten Landschaft, der Sonnenauf- und -untergänge, der Häuser, der Diner, die in Texas noch die Patina der fünfziger Jahre verströmen (McDonalds kam nie dorthin, weil er dort keine Geschäfte hätte machen können) und der Menschen, die alle nicht wie die typischen Hollywood-Schauspieler aussehen. In der Originalfassung suhlen sie förmlich im texanischen Dialekt, der kaum verständlich ist und auch Kenner der englischen Sprache nach Untertiteln rufen lässt.

Mackenzie ist, trotz einiger Längen, ein feiner Film gelungen, der auf jegliche aufgesetzte Sozialkritik verzichtet. Die Längen des Neo-Westerns liegen an der seit Ewigkeiten bekannten Geschichte von Bankräubern, die sich gegen die Banken und ihre Macht auflehnen, und Gesetzeshütern, die sie gnadenlos verfolgen, und Taylor Sheridans Konzentration auf wenige Charaktere, über die wir wenig mehr erfahren, als ihre aktuellen Taten. Letztendlich kämpfen zwei Polizisten gegen zwei Bankräuber, die sich während der Filmgeschichte eigentlich nicht begegnen. Diese für Filme prinzipiell schwierige Erzählkonstruktion kennen wir aus Michael Manns Gangsterfilmklassiker „Heat“ und auch in „High or High Water“ funktioniert sie vorzüglich.

Alles in „Hell or High Water“ ist Handlung, die sich ohne eine einzig Rückblende oder lange Erklär-Dialoge chronologisch und ohne Umwege bis hin zu seinem durchaus positiven, aber moralisch zwiespältigem Ende bewegt. Damit besteht „Hell or High Water“ zwar nicht den 100-%-Noir-Test, aber niemand würde das düstere Drama für einen Feelgood-Film oder einen 08/15-Actionfilm halten.

hell-or-high-water-plakat

Hell or High Water (Hell or High Water, USA 2016)

Regie: David Mackenzie

Drehbuch: Taylor Sheridan

mit Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges, Gil Birmingham, Marin Ireland, Katy Mixon, Dale Dickey

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hell or High Water“

Metacritic über „Hell or High Water“

Rotten Tomatoes über „Hell or High Water“

Wikipedia über „Hell or High Water“ (deutsch, englisch)

Und hier, zum Tonvergleich, der Originaltrailer

DP/30 versammelt die drei Hauptdarsteller zu einem gesitteten Gespräch

Mit Taylor Sheridan führte DP/30 ein Einzelgespräch


Neu im Kino/Filmkritik: „The Infiltrator“ – eine wahre Geschichte aus dem Kampf gegen Drogenhändler und Geldwäscher

September 30, 2016

Florida, achtziger Jahre: Drogen aus Südamerika überfluten das Land. Brian De Palma in „Scarface“ und Michael Mann in der TV-Serie „Miami Vice“ zeichneten, neben etlichen Krimiautoren, in Echtzeit ein Sittengemälde dieses Krieges.

Robert ‚Bob‘ Mazur war als U.S. Customs Special Agent an vorderster Front dabei. 2009 veröffentlichte er unter dem Titel „The Infiltrator“ seine Erinnerungen.

Jetzt verfilmte Brad Furman („The Lincoln Lawyer“) Mazurs Biographie, die unbestritten das Potential für einen spannenden Kinoabend hat, in dem alles drin ist, was man von einem sich für sonniger Kulisse entfaltendem Drogenthriller erwartet. Vor allem wenn es um einen langjährigen Undercover-Einsatz geht, in dem Robert Mazur als Geldwäscher Robert Musella die Spur des Drogengeldes verfolgt. Dabei geraten neben den Kartellbuchhaltern auch mehrere Repräsentanten der global tätige Bank of Credit and Commerce International (BCCI) in den Fokus der Ermittlungen des Zollfahnders.

Und trotzdem enttäuscht „The Infiltrator“.

Das liegt nicht daran, dass Furman sich einige dramaturgische Freiheiten nimmt. Das ist immer so und fällt nur denen auf, die Mazurs Buch kennen oder sich vor dem Kinobesuch ausführlich mit den wahren Ereignissen beschäftigen.

Ein großes Problem ist allerdings, auch ohne die Fakten zu kennen, das Alter der beiden Hauptdarsteller Bryan Cranston und Diane Kruger. Sie sind zu alt für ihre Rollen. So spielt der sechzigjährige Cranston den damals 36- bis 38-jährigen Mazur. Die vierzigjährige Kruger spielt eine unerfahrene Polizistin, die während ihres ersten Undercover-Einsatzes Mazurs Verlobte spielen soll.

Aber auch darüber – immerhin überzeugen sie schauspielerisch – könnte man hinwegsehen, wenn Furman wenigstens konsequent die offensichtlichen Themen eines Gangsterthrillers behandeln würde.

Denn selbstverständlich geht es um Vertrauen,Misstrauen und auch die Faszination der Gefahr und des großen Geldes für den kleinen Polizisten. Lässt Mazur sich korrumpieren? Verrät er seine Gangsterfreunde? Was empfindet er dabei? Wie geht er mit Vertrauens- und Loyalitätskonflikten um? Und, im Fall von Mazur, der glücklich verheirateter Vater zweier Kinder ist, geht es natürlich auch um die Frage, wie seine Arbeit sein Familienleben beeinflusst.

Das alles wird in „The Infiltrator“ angesprochen. Auch weil man eine solche Geschichte nicht erzählen kann, ohne diese Themen anzusprechen. Aber Furman gelingt es nie, auch nur einen Funken Spannung oder Interesse an den Charakteren zu wecken. Mazur (der den Film mitproduzierte) wird als glücklicher und zufriedener Familienmensch porträtiert, der als ehrlicher, vertrauenswürdiger und zuverlässiger Beamter seine Arbeit erledigt. Und ob er als Beamter jetzt ohne irgendeinen Gewissenskonflikt Akten sortiert oder etwas anderes tut, ist egal. Auch weil er sich auf die finanzielle Seite des Drogengeschäfts konzentriert. Er fliegt nicht nach Südamerika, um Drogen einzukaufen, sondern er erschleicht die Freundschaft von Bankern und Buchhaltern. Bei den zahlreichen Transaktionen geht es um Geld und Bankkonten. Das gekaufte und verkaufte Produkt ist nebensächlich. Die Gefahr einer Enttarnung von Mazur und seiner Kollegin Kathy Ertz eher behauptet, als wirklich spürbar.

Gleichzeitig wird in dem Film vieles in Nebensätzen angesprochen, aber nicht weiter verfolgt. Dabei würde man, weil es angesprochen wird, gerne mehr über die Geschäfte des Geheimdienstes in Südamerika (siehe die Iran-Contra-Affäre) und das Medellin-Kartell erfahren. Aber Pablo Escobar, der in den ersten Minuten auf einer Schautafel als Kopf der Drogenmafia gezeigt wird (was für den kundigen Zuschauer heißt: der Mann wird die nächsten neunzig Minuten gejagt und am Ende zur Strecke gebracht), wird während des Films immer wieder erwähnt, aber persönlich taucht er nur einmal für den Bruchteil einer Sekunde am Bildrand auf. Escobar ist in „The Infiltrator“ nur der anonym bleibende Kopf einer Firma, während die Ermittlungen sich auf einen seiner mehr oder weniger wichtigen Angestellten konzentrieren.

Denn in dem Film und der in ihm gezeigten Operation C-Chase (wird der Name überhaupt vor dem Abspann erwähnt?) geht es, ausgehend von dem Kampf gegen die Drogenimporteure und das Medellin-Kartel, um die Geldwäscher der Drogenkartelle und um die darin involvierte Bank of Credit and Commerce International (BCCI), die neben Drogenhändlern auch andere nicht weniger unseriöse Kunden hatte.

Letztendlich erfährt man in „The Infiltrator“ nichts, was man nicht schon in der Noir-Serie „Miami Vice“ gesehen hat. Oder zuletzt, wesentlich vergnüglicher, in der Siebziger-Jahre-Gaunerkomödie „American Hustle“.

the-infiltrator-plakat

The Infiltrator (The Infiltrator, Großbritannien 2016)

Regie: Brad Furman

Drehbuch: Ellen Brown Furman

LV: Robert Mazur: The Infiltrator, 2009

mit Bryan Cranston, Diane Kruger, John Leguizamo, Benjamin Bratt, Yul Vazquez, Juliet Aubrey, Elena Anaya, Amy Ryan, Olympia Dukakis, Rubén Ochandiano, Simón Andreu, Joseph Gilgun, Daniel Mays

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Infiltrator“

Metacritic über „The Infiltrator“

Rotten Tomatoes über „The Infiltrator“

Wikipedia über „The Infiltrator“

History vs. Hollywood über „The Infiltrator“

Meine Besprechung von Brad Furmans „Der Mandant“ (The Lincoln Lawyer, USA 2011)

Meine Besprechung von Brad Furmans „Runner Runner“ (Runner Runner, USA 2013)

Buchtipp

Narconomics von Tom Wainwright

Einerseits hat das gerade erschienene Buch nichts mit „The Infiltrator“ zu tun.

Andererseits erscheint es mir eine sehr gute Ergänzung zu dem Film zu sein. In „Narconomics – Ein Drogenkartell erfolgreich führen“ zeichnet „Economist“-Korrespondent Tom Wainwright die gesamte Wertschöpfungskette des illegalen Kokainhandels vom Anbau in den Anden bis zum Verkauf in westlichen Großstädten nach. Dabei betrachtet er den Drogenhandel als einen Markt – der dann auch mit entsprechenden Mitteln bekämpft werden kann.

Tom Wainwright: Narconomics – Ein Drogenkartell erfolgreich führen

(übersetzt von Henning Dedekind)

Blessing, 2016

352 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

How to run a Drug Cartel

PublicAffairs, Perseus Book Group, New York, 2016


TV-Tipp für den 26. August: Public Enemies

August 26, 2016

3sat, 22.35

Public Enemies (USA 2009: Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Ronan Bennett, Ann Biderman, Michael Mann

LV: Bryan Burrough: Public Enemies, 2004

Melvin Purvis (Christian Bale) jagt John Dillinger (Johnny Depp).

Die Version von Michael Mann.

Da waren meine Erwartungen entsprechend hoch – und sie wurden enttäuscht. Denn im Vergleich zu „Dillinger“ von John Milius mit Warren Oates als John Dillinger und Ben Johnson als Melvin Purvis ist Manns Version doch ein eher laues Lüftchen mit Starpower und einer die Atmosphäre zerstörenden Digitalkamera (wobei das allerdings auch am Kino gelegen haben kann. Denn ein Kumpel meinte, er hätte eine Vorführung gesehen, bei der Mann die Technik überwachte und die Bilder seien grandios gewesen).

„spannende Genre-Bricolage“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Giovanni Ribisi, Billy Crudup, Stephen Dorff, James Russo, Rory Cochrane, Channing Tatum, Diana Krall

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Public Enemies“

Vanity Fair: Bryan Burrough beim Dreh von „Public Enemies“ (9. Juni 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough sieht Johnny Depp sterben (4. Juni 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough über die geplante Verfilmung von „Public Enemies“ (7. März 2008)

Vanity Fair: Bryan Burrough über den Drehstart von „Public Enemies“ (6. März 2008)

„Public Enemies“ in der Kriminalakte

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. Mai: Miami Vice

Mai 19, 2016

Vox, 22.00

Miami Vice (USA 2006, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Wiederholung: Freitag, 20. Mai, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miami Vice“

Rotten Tomatoes über „Miamic Vice“

Wikipedia über „Miami Vice“ (deutsch, englisch)

Spielfilm.de: Interview mit Michael Mann zum Film

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch “Miami Vice” von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


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