Seit Jahren wird Joy in einem kleinen Raum von einem Sexverbrecher gefangen gehalten. Ihr Sohn Jack kennt nur diesen Raum. Aber er wird älter und stellt Fragen über die Welt. Eines Tages beschließt sie, mit ihrem Sohn zu fliehen.
TV-Premiere des großartigen, sehr beklemmenden und mühelos auf mehreren Ebenen interpretierbaren Kammerspiels.
Iraqi Odyssey – Meine Familie aus Bagdad (Schweiz/Deutschland/Irak 2014)
Regie: Samir
Drehbuch: Samir
Samir erzählt die Geschichte seiner Familie, die aus dem Irak flüchten musste und heute verstreut auf der ganzen Welt lebt, und seines Geburtslandes Irak von den fünfziger Jahren bis in die Gegenwart.
Leider wird wieder nur die von Samir selbst auf auf neunzig Minuten gekürzte Version gezeigt.
Dabei langweilt auch die dreistündige Version in keiner Sekunde – und sie eröffnet einen anderen Blick auf das Land.
Nach „Topas“ (um 20.15 Uhr) besucht Alfred Hitchcock die DDR
Arte, 22.15
Der zerrissene Vorhang (Torn Curtain, USA 1966)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)
Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.
In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, eine zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.
Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Das ist für zwei Stunden aber zu wenig.
Brian Moore schrieb später unter anderem die Romane „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.
Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack
Christian Wolff (Ben Affleck) ist Autist, Chef von „ZZZ Accounting“ und Kreditberater. Außerdem ist das auf seine Aufgaben fokussierte Mathegenie der Buchprüfer für verschiedene Verbrecherkartelle.
Für Living Robotics, einer Firma die auch Prothesen herstellt, soll er die Bücher prüfen. Ein hundertprozentig legaler Auftrag, der ihn in Teufels Küche bringt. Jetzt werden seine Fähigkeiten als Auftragskiller benötigt.
Wenn man darüber hinwegsieht, dass „The Accountant“ Humbug ist, ist Gavin O’Conner ein angenehm altmodischer Gangsterfilm gelungen, der seine Geschichte etwas intelligenter als erwartet zusammenfügt.
Die Ausstrahlung des FSK-16-Films um 20.15 Uhr ist wahrscheinlich gekürzt.
mit Ben Affleck, Anna Kendrick, J. K. Simmons, Jon Bernthal, Jean Smart, Cynthia Addai-Robinson, Jeffrey Tambor, John Lithgow, Rob Treveiler, Andy Umber, Ron Prather, Susan Williams
Mit dieser Fortsetzung hat keiner mehr wirklich gerechnet. Vor zehn Jahren, so ungefähr auf dem Höhepunkt der Zombiewelle, war „Zombieland“ eine Überraschung. Da wurden gleichzeitig die Regeln der Zombiefilme befolgt und durch den Kakao gezogen. Von einem spielfreudigen Ensemble und mit mehr als einer Portion schlagkräftigem Humor und kunstvoll über die Leinwand spritzender Zombiehirne. Der Film kam bei den Horrorfans gut an. Schnell wurde über eine Fortsetzung gesprochen. Und jetzt ist sie da. Wieder geschrieben von Rhett Reese und Paul Wernick, wieder inszeniert von Ruben Fleischer und wieder mit Jesse Eisenberg als Columbus, Woody Harrelson als Tallahassee, Emma Stone als Wichita und Abigail Breslin als Little Rock. Sogar Bill Murray, der im ersten Teil als Bill Murray das Zeitliche segnete, ist in „Zombieland: Doppelt hält besser“ wieder dabei. Und einige bemerkenswerte Neuzugänge mit unterschiedlich kurzen Lebenserwartungen.
Nachdem Columbus, Tallahassee, Wichita und Little Rock sich im Weißen Haus eingerichtet haben, beginnen sie ein fast schon normales WG-Leben. Als Columbus der auf ihre Unabhängigkeit bedachten Wichita einen Heiratsantrag macht, verlässt sie empört das Weiße Haus. Ihre jüngere Schwester Little Rock, die endlich gerne andere Männer kennen lernen möchte, ist selbstverständlich dabei.
In einer Shopping-Mall trifft der todunglückliche Columbus auf die auch für eine Klischeeblondine extrem nervige und dumme Madison (Zoey Deutch), die ihn am liebsten sofort vernaschen würde. Schließlich gibt es nach der Zombieapokalypse nicht mehr viele Männer.
Als Wichita ins Weiße Haus zurückkehrt, erwischt sie die beiden Turteltauben und der eh schon schief hängende Haussegen hängt noch schiefer. Sie wollte Columbus und Tallahassee um Hilfe bei der Suche nach ihrer Schwester bitten. Jetzt würde sie Columbus am liebsten umbringen. Und dann noch einmal umbringen.
Um Little Rock vor herumstreunenden Zombies und falschen Liebhabern zu retten, entschließen sie sich, gemeinsam aufzubrechen. Letztendlich sind sie doch eine Familie.
Auf ihrer mit Zombieattacken, Beziehungsproblemen und kleinen Gemeinheiten gepflasterten Reise in Richtung Graceland und später Babylon treffen sie Nevada (Rosario Dawson), die ein Elvis-Presley-Motel bewohnt, Nevads Mitbewohner Flagstaff (Thomas Middleditch) und Albuquerque (Luke Wilson), die Zwillinge von Columbus und Tallahassee sein könnten, Berkeley (Avan Jogia), ein singender Pazifist, der gegenüber Little Rock Bob Dylans Verse als die eigenen ausgibt und viele Zombies, mit teils neuen Fähigkeiten und treffenden Namen, wie Homer und T-800. Selbstverständlich endet alles mit einem großen Kampf zwischen Menschen und Zombies.
„Zombieland: Doppelt hält besser“ wiederholt, mit einigen neuen Figuren und neuen Zombies, „Zombieland“ und vermeidet dabei die üblichen Fortsetzungsfallen. Weder wird der erste Film mit mehr Explosionen und Gewalt noch einmal inszeniert, noch wird sich an einer vollkommen neuen Geschichte versucht, die all das ignoriert, was den ersten Teil zu einem Erfolg machte. So erzählt „Zombieland: Doppelt hält besser“ eine sehr vertraute Geschichte mit einigen netten Variationen. Dafür nehmen die Macher sich mehr Zeit als beim ersten Film und es gibt Szenen im und am Ende des Abspanns.
Zombieland: Doppelt hält besser(Zombieland: Double Tap, USA 2019
Regie: Ruben Fleischer
Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick
mit Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Emma Stone, Abigail Breslin, Rosario Dawson, Zoey Deutch, Avan Jogia, Luke Wilson, Thomas Middleditch, Bill Murray
Geplant war wohl nur ein kleiner Bericht. Schließlich waren die für die Öffentlichkeit wichtigsten Fakten schon bekannt. Nach 9/11 hat die USA im ‚war on terror‘ Verdächtige gefoltert. Das war ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht. In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen steht: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“ Es war ein ebenso klarer Verstoß gegen den 1789 vorgeschlagenen und 1791 ratifizierten Fünften Zusatzartikel der US-amerikanischen Verfassung.
Aber das wahre Ausmaß war nicht bekannt. Im Dezember 2007 stieß die demokratische US-Senatorin Dianne Feinstein eine Untersuchung des „Detention and Interrogation Programm“, volkstümlich Folterprogramm, an. Der aktuelle Anlass war eine Zerstörung von Beweisen durch die CIA. Ihr Mitarbeiter Daniel J. Jones vertiefte sich mit einigen Kollegen in die Akten. Die CIA und alle in das Programm involvierten Institutionen bis hoch zum Weißen Haus versuchten ihre Arbeit mit allen möglichen Tricks zu behindern. Und zwar von der Recherche bis zur Veröffentlichung.
Am Ende erstellte Jones ein 6700 Seiten umfassendes, mit über 38.000 Fußnoten gespicktes Konvolut, das detailliert die Verstrickungen des Staates mit privaten Anbietern und deren Vertuschungen nachzeichnete. Nach heftigem Streit, ob und in welcher Form der Bericht veröffentlicht werden kann, wurde im Dezember 2014 eine auf 525 gekürzte, an vielen Stellen geschwärzte Fassung der „Committee Study of the Central Intelligence Agency’s Detention and Interrogation Program“ veröffentlicht.
Scott Z. Burns, der Autor von „The Bourne Ultimatum“, „The Informant!“, „Contagion“, „Side Effects“ und, aktuell, „The Landromat“ (yep, bis auf den ersten Film sind alle Filme von Steven Soderbergh inszeniert), nahm sich jetzt die Geschichte von Daniel J. Jones und seinem Kampf um die Veröffentlichung seiner Recherchen vor. Er schrieb, immer nah an den Fakten und dem CIA-Folterbericht, das Drehbuch und inszenierte den starbesetzten Film.
Er erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen: auf der einen Zeitebene begleiten wir Jones bei seinen Recherchen, die vor allem im Studium von Akten bestehen, und seinen Gesprächen mit Feinstein, auf der zweiten Zeitebene sehen wir, was Jones bei seinen Recherchen erfährt. Wir sehen also, wie wenige Tage nach dem 11. September 2001 die Bush-Regierung das Folterprogramm bewilligt und die CIA es ausführt. Zentral waren dafür die Psychologen James Mitchell und Bruce Jessen, die keinerlei Erfahrung und Wissen über Verhörtechniken und geheimdienstliche Aufgaben hatten, aber großmäulig behaupteten, dass ihre ‚verschärften Verhörtechniken‘ wirksam seien. Die Szenen, in denen Burns nachzeichnet, wie das Folterprogramm initiiert wird, wie wenig Widerstand es im Geheimdienst dagegen gibt und wie sehr sich alle der Illusion hingeben, dass einige selbsternannte Experten mehr wüssten als alle echten Experten, gehören zu den erschreckendsten Minuten des Films. Denn Burns zeichnet hier eine kollektive Realitätsverweigerung in mehreren Institutionen nach.
Als die Folterpraxis bekannt wurde, vor allem durch die Bilder aus Abu Ghuraib, begann die Bush-Regierung, Folter in der Öffentlichkeit zu verteidigen. Hauptsächlich indem sie es in verschiedenen Variationen leugnete, erklärte, dass die von ihnen angewandten Methoden, wie Waterboarding, endloses Stehen und laute Musik keine Folter seien und behauptete, dass sie durch Folter wichtige Informationen im Kampf gegen Terroristen erhalten hatten. Das war Quatsch. Sie folterten und sie erhielten keine wichtigen Informationen.
Das alles bringt Burns zurück in das kollektive Gedächtnis und er zeigt, was ein kleiner Beamter tun kann.
Durch das parallele Erzählen der beiden Plots entsteht, auch wenn man die Fakten kennt (und nicht schon wieder vergessen hat), eine beträchtliche Spannung. Dabei konzentriert Burns sich bei seinem fast nur in Innenräumen spielendem Polit-Thriller auf die Schauspieler und die Dialoge. Die gesamte Inszenierung ist sehr ruhig. Sie orientiert sich an den Polit-Thrillern der siebziger Jahre, wie Alan J. Pakulas Watergate-Film „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men, USA 1976). Denn nichts soll vom Verstehen der Fakten ablenken.
Obwohl „The Report“ jetzt nur einen kleinen Kinostart hat und ab dem 29. November auf Amazon Prime gesehen werden kann, sollte man sich das Kammerspiel im Kino ansehen. Die Bilder und die Schauspieler füllen die Leinwand locker aus.
P. S.: Am 21. November läuft der ebenfalls sehenswerte Polit-Thriller „Official Secrets“ über die Whistleblowerin Katherine Guns an. Die beim britischen Geheimdienst beschäftigte Übersetzerin gab 2003 ein NSA-Memo an die Presse weiter. Nach dem Memo sollten UN-Delegierte ausspioniert und erpresst werden, damit sie einer UN-Sicherheitsresolution zustimmen, die die bevorstehende Invasion des Iraks legitimiert. Keira Knightley spielt Gun. Gavin Hood inszenierte.
The Report (The Report, USA 2019)
Regie: Scott Z. Burns
Drehbuch: Scott Z. Burns
mit Adam Driver, Annette Benning, Ted Levine, Jon Hamm, Sarah Goldberg, Maura Tierney, Michael C. Hall, Douglas Hodge, Fajer Kaisi, Jennifer Morrison, Tim Blake, Corey Stoll, Matthew Rhys
Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt: Das Jahr 1989 (Deutschland 2019)
Regie: Gabriele Denecke
Drehbuch: Gabriele Denecke
Da könnte im Fernsehen der 30. Jahrestag des Falls der Mauer gefeiert werden, aber die TV-Sender erfreuen weitgehend mit ihrem ganz normalem Samstagabendprogramm (Quizshow, Krimi, Sportschau und „The Dark Knight Rises“). Nur ein kleiner Sender leistet tapfer Widerstand. Heute indem er viel Mauerprogramm zeigt und in der neunzigminütigen Doku „Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt: Das Jahr 1989“ das Jahr, in dem aus Ost- und Westberlin wieder Berlin wurde, Revue passieren lässt.
Nächster Beitrag in dem Genre „Filmemacher reisen um die Welt, besuchen vorbildliche Projekte und drehen darüber einen aufbauenden Film“. In „Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen“ gelang das sehr gut. Die beiden Al-Gore-Filme „Eine unbequeme Wahrheit“ und „Immer noch eine unbequeme Wahrheit – Unsere Zeit läuft“ sind ebenfalls informative und kurzweilige Weltreisen zur Stärkung des ökologischen Bewusstseins. Auch in Michael Moores schon etwas älterem, unglaublich witzigem „Where to invade next“ funktioniert das Prinzip sehr gut. In dem Film geht es nicht um Umweltschutz, sondern um Arbeiterrechte, Bildung und den Strafvollzug, also soziale Grundrechte.
Jetzt hat sich Dokumentarfilmer Damon Gameau („Voll verzuckert – That Sugar Film“) auf eine ähnliche Reise begeben. In „2040 – Wir retten die Welt!“ will er seiner Tochter, die noch zu klein zum Mitreisen ist, zeigen, wie die Menschheit die Klimakatastrophe in wenigen Jahren mit heutiger Technik abwenden kann. 2040 ist seine jetzt vierjährige Tochter Mitte Zwanzig.
Gameau sieht sich Projekte zur dezentralen Solarenergie, zu Carsharing, zur nachhaltigen Landwirtschaft und zur Produktion von Seegras an. Gemeinsam ist diesen Techniken, dass sie Ressourcen schonen, dezentral sind und oft auf schon lange bestehendem Wissen und Techniken aufbauen. Und selbstverständlich ist jede dieser Maßnahmen sinnvoll und sollte auch verstärkt angewandt werden.
Er unterhält sich, teils an ungewohnten Orten, mit Fachleuten über ihre Arbeit. Und sie erzählen dann brav von ihren Projekten. Wobei unklar bleibt, wie diese lokalen Projekte auf eine nationale und eine globale Ebene übertragen werden können und ob es neben einigen netten Solarenergieprojekten auch einen größeren gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Umbau geben muss. Und von wem er wie gestaltet werden kann.
Dazu gibt es einige Animationen und Statements von Kindern, die sagen, was sie sich für das Jahr 2040 wünschen würden. Sie sagen in dem Moment das, was man in so einer Situation halt sagt.
Das wirkt wie eine beliebige Auswahl aus dem großen Regal „ressourcenschonende Ideen mit bestehender Technik“. Der so entstandene Film wirkt dann wie eine Aneinanderreihung von TV-Kurzbeiträgen. Das ist, unbestritten, gut gemeint. Aber halt nie so gut gemacht wie in den eingangs erwähnten Filmen. Sie wenden sich unmittelbar an die Zuschauer und fordern ihn zum Handeln auf. „2040 – Wir retten die Welt!“ ist dagegen nur ein Bilderbogen, in dem ein Vater seiner Tochter sagt, was wir heute tun könnten.
2040 – Wir retten die Welt! (2040, Australien 2019)
Regie: Damon Gameau
Drehbuch: Damon Gameau
mit Damon Gameau, Zoë Gameau, Paul Hawken, Kate Raworth, Tony Seba, Eric Toensmeier, Colin Seis, Brian von Herzen
„So long, Marianne“ ist ein Songs von Leonard Cohens erster, Ende 1967 erschienener LP „Songs of Leonard Cohen“. Er ist, wie die ebenfalls auf der LP enthaltenen Songs „Suzanne“, „Sisters of Mercy“ und „Hey, that’s no way to say Goodbye“, einer seiner Klassiker.
In seinem neuen Dokumentarfilm „Marianne & Leonard: Words of Love“ zeigt Nick Broomfield die Geschichte hinter dem Lied. Zu seinen bisherigen Arbeiten gehören „Aileen: Life and Death of a Serial Killer“, „Battle for Haditha“ und „Whitney – Can I be me“.
Die von Cohen in seinem Lied angesprochene „Marianne“ ist die Norwegerin Marianne Ihlen. Cohen lernte sie 1960 auf der griechischen Insel Hydra kennen.
Damals lebte sie auf Hydra mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Axel Jensen, und ihrem gemeinsamen Sohn. Sie lernten sich kennen, verbrachten Zeit miteinander und verliebten sich. Sie war eine von Cohens zahlreichen Freundinnen und Musen, die ihn zu mehreren Liedern inspiriert. Das war nie ein Geheimnis. Auch wenn man die von Broomfield in seiner Dokumentation ausführlich geschilderten Liebes- und Beziehungshintergründe und das freizügige Leben der Ausländer in Griechenland zwischen freier Liebe, Drogen und Künstlertum nicht genau kannte.
Diese Beschreibung des Lebens der Bohemien-Künstlergemeinschaft auf der Insel, der Beziehung zwischen Marianne Ihlen und Leonard Cohen, Cohens ersten Schritten als Musiker und ihrer Trennung sind der stärkste Teil von Broomfields Doku.
In der zweiten Hälfte schildert er ihr weiteres Leben und ihre lebenslange Freundschaft bis zu ihrem Tod. Ihlen starb im Juni 2016, Cohen im November 2016. Bei Marianne Ihlen verlief das weitere Leben, abseits des Rampenlichts der Medien, recht ereignislos in ihrer Heimat in bürgerlichen Bahnen. Cohens Leben als Musiker, sein jahrelanger Rückzug als Buddhist ins Mount Baldy Zen Center und seine aufgrund finanzieller Probleme notwendige und sehr erfolgreiche Rückkehr in das Musikgeschäft mit mehreren CDs und umjubelten Tourneen verlief im Rampenlicht der Öffentlichkeit und würde sich problemlos für mindestens eine ausführliche Dokumentation eignen.
Aber wie Broomfield in der dieser zweiten Filmhälfte willkürlich Ereignisse aus Cohens Leben hervorhebt, ist absolut ärgerlich. Da fehlen dann ganze Jahre, Platten und wichtige Songs wie „First we take Manhattan“, während „Hallelujah“ über mehrere Minuten abgefeiert wird. Seine Zeit im Kloster wird mit einigen bizarr anmutenden Bildern von Rōshi Kyozan Joshu Sasaki und Cohen als seinem Diener illustriert. Diese Bilder aus fast fünfzig Jahren wirken, als habe Broomfield verzweifelt Material gesucht, um auf die richtige Länge zu kommen, und als habe er dafür einfach alles genommen, was gerade vorhanden war. Dieses Material ist im Rahmen der Schilderung einer Beziehung denkbar uninteressant.
Für Cohen-Fans ist „Marianne & Leonard: Words of Love“ natürlich sehenswert.
Marianne & Leonard: Words of Love (Marianne & Leonard: Words of Love, USA 2019)
Regie: Nick Broomfield
Drehbuch: Nick Broomfield
mit Nick Broomfield (Erzähler), Marianne Ihlen, Leonard Cohen
Dom Hemingway ist ein frisch aus dem Knast entlasssener Safeknacker, Angeber, Arschloch und Choleriker (um nur seine guten Seiten zu erwähnen). Jetzt will er seinen Anteil aus einem früheren Diebstahl haben und, nun, die Dinge entwickeln sich anders als von Dom geplant.
Für Nachteulen perfekte Gangstergroteske, die sich nur um den von Jude Law grandios gespielten Dom Hemingway dreht.
Es war vielleicht nicht die entscheidende Schlacht des Zweiten Weltkriegs, aber die Schlacht um Midway war eine entscheidende Schlacht zwischen den USA und Japan im Zweiten Weltkrieg, die den weiteren Kriegsverlauf im Pazifik prägte.
Nach dem Überfall auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 beginnt der Krieg zwischen den beiden Ländern. Die amerikanischen Streitkräfte sind nach diesem Angriff, auf den sie nicht vorbereitet waren, entscheidend geschwächt.
Ihren nächsten großen Angriff planen die Japaner auf die Midwayinseln, auf denen ein Luftwaffenstützpunkt der US Navy ist. Aber amerikanische Entschlüsselungsexperten fangen japanische Funksprüche ab und vermuten, dass ein Angriff auf die Midwayinseln geplant ist. Admiral Chester W. Nimitz, der zu dem Zeitpunkt Oberbefehlshaber im Pazifik ist, hält die Vermutungen von U. S. Navy-Geheimdienstoffizier Edwin Layton und seiner Entschlüsselungsexperten für stichhaltig. Unter größter Geheimhaltung verlegt er seine Flotte, unter anderem drei Flugzeugträger, zu den Inseln.
Die anschließende Schlacht um die Midwayinseln dauert vom 4. bis zum 7. Juni 1942. Die Amerikaner verlieren einen Flugzeugträger, einen Zerstörer und 98 Flugzeuge. Es sterben 307 US-Soldaten.
Die von der starken US-amerikanischen Präsenz überraschten Japaner verlieren vier Flugzeugträger, einen Kreuzer und ungefähr dreihundert Trägerflugzeuge. 3057 Japaner sterben in der Schlacht, die als Wendepunkt des Pazifikkrieges gilt. Danach waren die Japaner in der Defensive.
Über vierzig Jahre nach Jack Smights Kriegsfilm „Schlacht um Midway“ verfilmt Roland Emmerich jetzt, immer nah an den historisch verbürgten Ereignissen entlang, die Vorgeschichte und die Schlacht neu. Sein Film beginnt nach einem kurzen Prolog, mit dem Angriff auf Pearl Harbor und endet kurz nach der Schlacht um die Midwayinseln. Wie schon bei Smight gibt es ein großes Aufgebot bekannter Schauspieler: Woody Harrelson spielt Chester W. Nimitz, Patrick Wilson den Geheimdienstoffizier Edwin Layton, Aaron Eckhart Jimmy Doolitle, Luke Evans Wade McClusky, Dennis Quaid William ‚Bull‘ Halsey und Ed Skrein in der Hauptrolle den tapferen Piloten Richard Halsey ‚Dick‘ Best.
Der Film ist dann genau das patriotische, starbesetzte Heldenepos, das man erwartet und das so schon vor Jahrzehnten gemacht wurde. Und das, wenn die japanischen Offiziere sich nach der Schlacht tapfer mit ihrer Niederlage abfinden, an der Selbstparodie entlangschrammt.
Trotzdem gelingt es Emmerich in seinem Fünfziger-Jahre-Kriegsfilm einige eigene Akzente zu setzen. So wird die japanische Seite erstaunlich ausführlich gezeigt. Es wird sich dann auch wenigstens etwas bemüht, ihre Sicht des Konflikts zu zeigen. In den Szenen wird sogar japanisch gesprochen (wenigstens in der Originalfassung des Films).
Auch ist „Midway“ für einen Kriegsfilm, der den tapferen Soldaten in einer siegreichen Schlacht zelebriert, erstaunlich unpathetisch und unpatriotisch.
Das ändert aber nichts daran, dass alle US-Soldaten unglaublich tapfer sind. Sie alle sind edle Krieger. Die Japaner dagegen dürfen all die Kriegsverbrechen und Gemeinheiten begehen, die es rechtfertigen, dass sie im Kampf getötet werden. Das beginnt schon mit ihrem feigen Angriff auf Pearl Harbor und endet bei ihrem Umgang mit US-Navy-Soldaten, die während der Schlacht um Midway in Gefangenschaft geraten.
Das ist die altbekannte Schwarzweiß-Zeichnung von guten, tapferen und siegreichen Amerikanern und bösen, hinterhältigen und hochnäsigen Japanern.
Es gibt vollkommen verschenkte Subplots. Zum Beispiel der Subplot mit Aaron Eckhart als Jimmy Doolittle, der am 18. April 1942 in einem Überraschungsangriff Tokio bombardiert. Anschließend fliegen sie in Richtung China, wo Doolittle und seine Untergebenen, die die Mission bis dahin überlebten, sich mit einigen ihnen helfenden Einheimischen unterhalten. Anschließend verschwindet er aus dem Film. Für den weiteren Film sind seine Szenen so bedeutungslos, dass man sie umstandslos in das Bonusmaterial hätte verbannen können.
Oder die Szenen mit Geoffrey Blake als John Ford. Der Westernregisseur war damals wirklich auf Midway und filmte die Schlacht. Blake gibt eine denkwürdige Vorstellung als knurriger Regisseur der alten Macho-Schule, der mitten im Bombenhagel von seinem Kameramann nur verlangt, dass er weiterdreht. Leider sieht man ihn in nur zwei Szenen. Im Abspann, wo wir einige Informationen über das weitere Leben der US-amerikanischen Helden erhalten, noch nicht einmal erwähnt, dass Ford aus seinen Aufnahmen den Oscar-prämierten Film „The Battle of Midway“ machte. Angesichts der Länge des Films mit gut hundertvierzig Minuten hätte man diese Szenen ebenfalls in das Bonusmaterial verbannen können.
„Midway“ ist ein altmodischer Kriegsfilm, der mal wieder den Krieg als Schule für den Mann darstellt. Daher stehen auch die Kampfflieger und all die anderen Soldaten, die an der Front kämpfen und sterben, im Mittelpunkt. Die Entschlüsselungsexperten, die mit ihrer Arbeit die entscheidenden Informationen für die Entsendung der Schiffe nach Midway gaben, werden nur einmal gezeigt und anschließend in Nebensätze verbannt.
Midway – Für die Freiheit (Midway, USA 2019)
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Wes Tooke
mit Ed Skrein, Patrick Wilson, Woody Harrelson, Luke Evans, Aaron Eckhart, Mandy Moore, Dennis Quaid, Nick Jonas, Etsushi Toyokawa, Tadanobu Asano, Luke Kleintank, Darren Criss, Keean Johnson
Endlich hat Corinna Harfouch wieder eine Hauptrolle übernommen. „Giulias Verschwinden“, „Blond: Eva Blond!“ und „Vera Brühne“ liegen ja schon einige Jahre zurück.
Endlich hat Jan-Ole Gerster wieder Regie geführt. Sein Debüt „Oh Boy“ war ein Überraschungserfolg und ist einer der allseits beliebten Berlin-Filme. Seitdem sind sieben Jahre vergangen.
Mit seinem zweiten Spielfilm „Lara“ hat er auf den ersten Blick noch einmal „Oh Boy“ inszeniert. Nur dass dieses Mal nicht Tom Schilling, sondern Corinna Harfouch einen Tag lang ziellos durch Berlin streift.
Auf den zweiten Blick ist „Lara“ erzählerisch dann mindestens ein großer Schritt nach vorne in erzählerisch anspruchsvollere Gefilde. In „Oh Boy“ stolpert der Endzwanziger Niko ziellos durch die Stadt, hat einige erfreuliche, einige weniger erfreuliche Begegnungen und er sucht dabei nur eine gute Tasse Kaffee. Die bekommt er am Ende des Films. „Oh Boy“ ist ein wunderschöner SW-Nouvelle-Vague-Film, der genauso ziellos wie sein Protagonist ist. Gerster könnte da mühelos Episoden austauschen oder weglassen und nichts würde sich verändern.
„Lara“ ist dagegen ein deutlich komplexerer Film, der Gegenwart und Vergangenheit zu einem Psychogramm einer sehr problematischen Frau verwebt. Lara ist, pünktlich zu ihrem sechzigsten Geburtstag, in Rente geschickt worden. Die Beamtin war eine strenge, fordernde und vollkommen humor- und empathielose Abteilungsleiterin. Freunde hat sie keine. Sie ist auch nicht zum Konzert ihres Sohnes eingeladen.
Viktor ist ein gefeierter klassischer Pianist, der heute Abend ein von ihm komponiertes Stück aufführen will. In der Vergangenheit litt er immer wieder unter ihren Ansprüchen. Sie spornte ihn gleichzeitig zu Höchstleistungen an und sagte ihm, dass er nicht gut genug sei. Und Viktor gelang es nie, sich von ihrem prägenden Einfluss zu lösen. Weil sie durch ihre Anwesenheit Viktors großen Abend sabotieren könnte, will ihr Ex-Mann verhindern, dass Lara ihn vor dem Konzert trifft.
Lara, die an ihrem runden Geburtstag nichts vor hat, streift ziellos durch das alte Westberlin. Sie trifft immer wieder Menschen, die sie zwingen, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen. Lara wollte früher selbst Pianistin werden. Sie stellte höchste Ansprüche an sich selbst. Sie war auf dem besten Weg, eine Konzertpianistin zu werden, wenn nicht ein von ihr bewunderter Musiker an ihrem Talent gezweifelt hätte. Danach wurde sie die keine Fehler verzeihende, unverschämt hohe Ansprüche stellende Klavierlehrerin ihres Sohnes, der als erwachsener Mann immer noch versucht sich von ihr zu lösen und gleichzeitig, wie ein kleines Kind, von ihrem Urteil abhängig ist.
Schon in den ersten Minuten liefert Gerster die wichtigsten Informationen über Lara. In den nächsten gut hundert Minuten fügt er diesem Bild so viele neue Facetten bei, dass es immer spannend bleibt. Und in den letzten Minuten mit deprimierender Klarheit deutlich wird, wie sehr Lara unwissentlich Erfahrungen weitergab, die sie, ebenfalls unwissentlich, übernahm. Es ist ein Teufelskreislauf, aus dem sie sich nie befreite, weil sie nicht wusste, dass sie in diesem Kreislauf steckte. Falls sie es überhaupt wissen wollte.
„Lara“ ist eine glänzend gespielte, präzise inszenierte und gespielte Charakterstudie, die bei aller Tristesse unglaublich unterhaltsam ist. Und ein Berlin-Film.
Jetzt ist nur zu hoffen, dass nicht wieder sieben Jahre bis zu Gersters nächstem Film vergehen.
Lara (Deutschland 2019)
Regie: Jan-Ole Gerster
Drehbuch: Blaž Kutin
mit Corinna Harfouch, Tom Schilling, Volkmar Kleinert, André Jung, Gudrun Ritter, Rainer Bock, Mala Emde, Steffen Jürgens, Alexander Khuon, Birge Schade, Johann von Bülow
Charlotte Wiedemann reiste als Journalistin für „Geo“, „Die Zeit“, „Le Monde Diplomatique“ und die „taz“ um die halbe Welt, berichtete oft aus Asien und Afrika und erhielt 2017 von der Otto-Brenner-Stiftung den Spezial-Preis für ihr Lebenswerk.
In ihrem neuen Buch „Der lange Abschied von der weißen Dominanz“ geht es, wie der Titel verrät, um die Veränderungen in westlichen Gesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten. Denn die jahrhundertelang gepflegte Zeit der unumstrittenen Dominanz des Westens ist vorbei. Diese ‚weiße Dominanz‘ war und ist in erster Linie die Dominanz weißer Männer über Menschen anderer Hautfarbe und Geschlecht; in zweiter Linie die weißer Frauen über Menschen anderer Hautfarbe.
Wer an dem Ende der weißen Herrschaft und der damit verbundenen Dominanz des Westens zweifelt, muss nur einen Blick in ein x-beliebiges Büro oder die Straße einer westeuropäischen Großstadt werfen und das heutige Bild mit einem Bild aus den fünfziger Jahren vergleichen. Oder sich einige Statistiken mit globalen militärischen und ökonomischen Daten ansehen.
Mit Zahlen hat Wiedemann es dann nicht so sehr. Ihr geht es mehr um das mit Beispielen gesättigte Nachzeichnen von Entwicklungen, die sie selbst miterlebte. Besonders gut gelingt ihr das, wenn sie erzählt, wie die Bundesrepublik sich in den vergangenen Jahrzehnten veränderte. Als sie zur Schule ging, waren alle ihre Mitschülerinnen weiße Deutsche, die evangelisch oder katholisch waren. Und der Graben zwischen Evangelen und Katholen erschien unüberwindbar. Heute sehen Schulklassen ganz anders aus. Als sie im Sommer 1983 als Lokalreporterin erstmals die Wohnung einer Gastarbeiterfamilie betrat, war in deren Wohnung kein Zeichen ihrer Religion zu sehen. Stattdessen bemühten sie sich um größtmögliche Unauffälligkeit. Im öffentlichen Leben kamen die Gastarbeiter nicht vor. Sie hatten keine Stimme. Heute gehören die Kinder und Enkelkinder der Gastarbeiter fest zum Straßenbild und zur Öffentlichkeit. Dass sie mit italienischem (Pizza!) und türkischem (Döner!!) Essen die deutsche Esskultur (Saumagen) bereicherten, ist ebenso unstrittig.
Dieses Kapitel „Wie wir waren. Wie wir sein werden“ ist das stärkste Kapitel des Buches, weil Wiedemann hier persönliches Erleben mit der Geschichte Deutschlands verbindet und durchgehend ein größerer erzählerisch-argumentativer Zusammenhang erkennbar ist. In den folgenden Kapiteln fehlt er zugunsten einer eklektischen Zusammenstellung von kurzen, unabhängig nebeneinander stehenden Texten. Sie schreibt über Rassismus, Feminismus, den Islam, Kolonialismus, die vergessene deutsche Kolonialgeschichte und den weißen Blick auf freiwillige und unfreiwillige Mobilität und Gewalt. Dabei zeigt sie immer wieder, wie sehr die weiße Perspektive sich von anderen Perspektiven unterscheidet und wie sehr die weiße Perspektive Dinge ausblendet. Bei der ‚Asylflut‘ die Fluchtursachen; bei den ‚kriminellen dunkelhäutigen Verbrechern‘ die von Deutschen begangenen Verbrechen.
Das ist durchaus interessant und auch immer wieder erhellend. Aber sehr schnell wird Wiedemanns selbstgewählte Anspruch beim Lesen zum Stolperstein. Im Vorwort schreibt sie, ihr Buch sei „ein Mosaik von Gedanken, Erinnerungen und Begegnungen geworden. Die kurze Form der Texte lädt ein zum Innehalten und zum vernetzten Lesen“.
Es ist damit auch ein Buch, das man nicht unbedingt in einem Rutsch durchlesen sollte. Es ist eine Gedankensammlung irgendwo zwischen Notizen und Zeitungskommentaren, die nur sehr lose miteinander zusammenhängen. Daraus ergibt sich, notgedrungen, keine durchgehende Argumentation und auch keine tiefschürende Analyse. Alles bleibt letztendlich im Anekdotischen und Oberflächlichen stecken. Nicht etwa, weil Wiedemann nichts zu sagen hätte, sondern weil sie in den kurzen Texten nicht in die Tiefe gehen kann.
So schlecht „Der lange Abschied von der weißen Dominanz“ als Buch funktioniert (jedenfalls, wenn man mehr als Gedankensplitter erwartet), so gut können die Texte bei einer Lesung als Einstieg in eine Diskussion funktionieren. Denn da kann nachgefragt, widersprochen, präzisiert und erklärt werden.
In Berlin kann das in den kommenden Tagen zweimal überprüft werden. Am Freitag, den 8. November, liest Wiedemann in Buchhandlung Leporello (Krokusstraße 91) ab 19.00 Uhr aus ihrem Buch. Die Lesung ist Teil der Reihe »Widerworte« der Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus.
Am Mittwoch, den 20. November, stellt Wiedemann ab 20.00 Uhr ihr Buch im Buchladen Schwarze Risse (Gneisenaustr. 2a) vor. Es handelt sich um eine Benefiz-Lesung für das Bürger*innen-Asyl Berlin.
Optisch beeindruckender, storytechnisch ziemlich unterirdischer SF-Fantasy-Film, der den 3D-Boom auslöste und Unsummen einspielte. Denn Cameron erzählt einfach die sattsam bekannte Geschichte vom edlen Wilden und dem gierigen Kapitalisten, voller Logiklöcher, Merkwürdigkeiten und auch Längen nach.
Im Moment arbeitet Cameron an weiteren „Avatar“-Filmen.
mit Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver, Michelle Rodriguez, Giovanni Ribisi, Joel David Moore, Stephen Lang, CCH Pounder, Wes Studi
Als Hit-Girl ein Schulmassaker abkürzt indem sie die beiden Täter enthauptet, entdeckt sie in der Schulbibliothek ein True-Crime-Buch über sich. Auf dem Cover steht, dass die Geschichte bald verfilmt werde. Also macht sie sich neugierig auf den Weg nach Hollywood. Auf dem Flug tötet sie einen Mann, der sie begrapscht. Am Ende des ersten Hefts der vierteiligen Geschichte „Hit-Girl in Hollywood“ von Autor Kevin Smith und Zeichnerin Pernille Ørum wird der erste Satz gesagt: „Ich sehe tote Menschen.“
Das sagt ‚Hit-Girl‘ Mindy McCready auf dem bekannten Hollywood-Schild sitzend – und jeder, der Mindy McCready aus den vorherigen „Hit-Girl“-Abenteuern oder den auch verfilmten „Kick-Ass“-Geschichten kennt, weiß, dass Mindy McCready von ihrem Vater zu einer…ach, seht euch einfach diesen eigentlich alles erklärenden Clip an:
Damit ist klar, dass Mindy tote Menschen nicht im „Sixth Sense“-Sinn versteht und in Hollywood demnächst einige Gräber geschaufelt werden.
Aber zuerst besucht Mindy das Set von „Bisher bei Hit-Girl“, trifft Juniper Florence, die sie spielt, und sieht, dass der Film ihr Leben verfälscht. Kurz darauf ist Lew Brothsteen, der den Film produziert und ein Harvey-Weinstein-würdiges Verhalten gegenüber jungen Frauen hat, entmannt. Und Mindy wird als Täterin gejagt.
Kevin Smith hat seine Geschichte mit Anspielungen auf Hollywood, überraschenden Wendungen und Witzen gespickt. So heißen die Mindy verfolgenden Polizisten Magnum und P. I., die sie verfolgenden FBI-Agenten Green und Orange und Florences Publicity Manager Gary Busey.
In diesem fröhlichen Treiben fehlen nur die Genoveses; die Mafiafamilie, die Hit-Girl in New York tötete. Die überlebenden Familienmitglieder machen sich, begleitet von einigen eiskalten Killern, rachedurstig auf den Weg nach Hollywood.
Auch das vierte nicht von Hit-Girl-Erfinder Mark Millar geschriebene „Hit-Girl“-Abenteuer ist ein großer Spaß, der nahtlos an Millars Werke anknüpft.
Kevin Smith ist ein bekennender Comic-Fan und Regisseur. Ich sage nur „Clerks“, „Mallrats“, „Jersey Girl“, „Chasing Amy“, und „Red State“.
Pernille Ørum ist eine dänische Illustratorin, Konzept- und Animationskünstlerin. „Hit-Girl in Hollywood“ ist ihr Comic-Debüt.
Mit der Faust in der Tasche(I Pugni In Tasca, Italien 1965)
Regie: Marco Bellocchio
Drehbuch: Marco Bellocchio
Zur surrealistischen Groteske zugespitztes Porträt einer in einem Haus in Norditalien lebenden dysfunktionalen, zwanghaft hohle Konventionen huldigenden bürgerlichen Familie. Eines Tages denkt der an Epilepsie leidende Alessandro sich einen perfiden Plan aus, um sich von seiner Familie zu befreien.
„Marco Bellocchios Regiedebüt erzählt von der nahezu hoffnungslosen Situation der italienischen Nachkriegsgeneration, die sich mit anarchischer Zerstörungswut ihre Unabhängigkeit von psychischen und sozialen Zwängen verschaffen will. Ein wütendes Pamphlet von beeindruckender Radikalität und Konsequenz.“ (Lexikon des internationalen Films)
Arte zeigt das Psychodrama in der 2015 restaurierten Fassung.
Marco Bellocchio drehte später unter anderem „Teufel im Leib“.
mit Lou Castel, Paola Pitagora, Marino Masé, Liliana Gerace
Sommer 1968: der Stiefvater schiebt den 14-jährigen Wolfgang nach Freistatt ab, eine hochangesehene evangelische Erziehungsanstalt für Schwererziehbare. Dort erlebt er ein drakonisches Regiment.
Trotz seiner Mängel ein sehenswerter, auf Tatsachen basierender Film.
Die einen verbarrikadieren sich in ihren vier Wänden mit einigen guten Büchern, andere besuchen die Veranstaltungen zur deutschen Einheit und andere laufen beim diesjährigen Krimimarathon Berlin-Brandenburg mit. Zum Glück beschränkt sich das Laufen auf die Strecke zwischen U-Bahn und Veranstaltungsort. Meistens ist es eine Buchhandlung, manchmal ein Restaurant (dann mit Pflicht-Abendessen) und manchmal auch ein ganz anderer Ort, wie im Felleshus der Nordischen Botschaften (Rauchstraße 1).
Dort beginnt am Montag, den 4. November, um 19.00 Uhr der diesjährige Krimimarathon, der Norwegen als Länderschwerpunkt hat. Es lesen Øistein Borge, Unni Lindell und Trude Teige.
Politthrillerisch geht es am Dienstag, den 5. November, um 19.00 Uhr im Berliner Kriminal Theater, Umspannwerk Ost (Palisadenstraße 48) mit Bernhard Kreutner und Christian von Ditfurth weiter. Der lässt Organe klauen, der andere Politiker entführen.
Am Mittwoch, den 6. November, um 19.30 Uhr in Walthers Buchladen (Bismarckstraße 71) stellt Else Laudan, die deutsche Verlegerin von Liza Cody, den neuen Roman von Liza Cody vor und weil Else Laudan seit Jahrzehnten im Argument Verlag tolle, von Frauen geschriebene Krimis herausgibt, kann sie viel erzählen.
Am Freitag, den 8. November, um 18.30 Uhr besucht Mick Herron das Savoy Hotel (Fasanenstraße 9-10) und liest aus seinem zweiten Jackson-Lamb-Krimi „Dead Lions“ vor. An dem Abend, der 39 Euro kostet, gibt es ein 3-Gänge-Menü und einen Aperitif.
Etwas teurer ist mit 49 Euro am gleichen Abend, ebenfalls um 18.30 Uhr im Hotel Am Jägertor (Hegelallee 11, Potsdam) die Lesung von Kerstin Ehmer. Auch hier gibt es zur Lesung ein 3-Gänge-Menü.
Håkan Nesser und Dietmar Bär sind am Sonntag, den 10. November um 20.00 Uhr im Kino International (Karl-Marx-Allee 33). Es ist die Buchpremiere von Nessers „Der Verein der Linkshänder“. In dem Roman ermitteln die Nesser-Fans wohlvertrauten Ermittler Van Veeteren und Barbarotti gemeinsam.
Etwas True Crime liefern am Mittwoch, den 13. November, um 18.30 Uhr in der Polizeihistorischen Sammlung (Platz der Luftbrücke 6) Jens Dobler und Michael Meisheit.
Am Donnerstag, den 14. November, stellt Michael Opoczynski im Bürgerschloss Hohenschönhausen (Hauptstraße 44) seinen neuen Roman „Geisterfahrer“ vor. Dieses Mal kümmert die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen sich in Berlin um Schutzgelderpresser.
Am Freitag, den 15. November, lesen Matthias Wittekindt und Rainer Wittkamp um 20.00 Uhr in der Espressobar Mörder (Torstraße 199) Kurzgeschichten vor. Unklar ist, ob sie die Geschichten gemeinsam schrieben und ob sie schon veröffentlicht sind.
Den Abschluss bildet am Sonntag, den 17. November, um 19.00 Uhr im „Max & Moritz“ (Oranienstraße 162) der Abend der Mörderischen Schwestern. Das sind keine Krankenschwestern aus der Hölle oder Harley Quinns (hm, vielleicht doch), sondern Krimiautorinnen, die aus ihren Werken lesen.
Insgesamt ist das ein durchaus beeindruckendes und umfangreiches Programm mit alten Bekannten und noch nicht Bekannten. Wie in den letzten Jahren wird vor allem die traditionelle Form der Lesung gepflegt. Ich hätte mir da noch einige andere Veranstaltungen gewünscht, wie kritische Bestandsaufnahmen des Genres, Diskussionen über bestimmte Aspekte des Genres, Gesprächsrunden zwischen Autoren und Experten und vielleicht auch ein, zwei Filmpräsentationen, in denen sich eine Autorin zu einer Verfilmung äußert oder ihren Lieblingskriminalfilm vorstellt.