TV-Tipp für den 1. Juli

Juni 30, 2007

Zum zehnten Todestag von Robert Mitchum kann es nur eine Empfehlung geben:

Tele 5, 22.10

Fahr zur Hölle, Liebling (USA 1975, R.: Dick Richards)

Drehbuch: David Zelag Goodman

LV: Raymond Chandler: Farewell, my lovely, 1940 (Lebewohl, mein Liebling/Betrogen und gesühnt/Lebwohl, mein Liebling)

Los Angeles, 1941: Der gerade freigelassene Bankräuber Moose Malloy engagiert Marlowe. Der Detektiv soll Malloys Freundin Velma finden. Ein nur scheinbar einfacher Fall.

Dritte, sehr originalgetreue und sehr gelungene Verfilmung des Chandler-Buches.

Mit Robert Mitchum, Charlotte Rampling, John Ireland, Harry Dean Stanton, Sylvester Stallone (in einer erträglich kurzen Rolle) und – in einer ganz kleinen, aber wichtigen Rolle – Jim Thompson (!)

Wiederholung um 03.40 Uhr

 

Am 6. August hat Robert Mitchum seinen 90. Geburtstag. Dann senden die Öffentlich-Rechtlichen hoffentlich einige Filme mit ihm. Mein spontanes Wunschprogramm, ohne die regelmäßigen Wiederholungen, wäre:

Dead Man, Yakuza, Die Freunde von Eddie Coyle (Wann lief der Film zuletzt im TV?), Ein Köder für die Bestie, Engelsgesicht, Goldenes Gift und eine Wiederholung der lange nicht gezeigten David Morrell-Verfilmung „Der Geheimbund der Rose“. Wurde dieser TV-Zweiteiler überhaupt jemals wiederholt?


TV-Tipp für den 30. Juni

Juni 30, 2007

Kult oder Kultur?

Hmhm.

Zur Auswahl stehen Werner Herzog und Pamela Anderson.

Ui.

BR zeigt einfach so ab 20.15 Uhr „Fitzcarraldo“ (D 1982), „Mein liebster Feind“ (D 1999) und „Invincible – Unbesiegbar“ (USA/GB/D/Irl. 2001). Der erste Film, in dem Klaus Kinski als Opernfan ein Schiff über einen Dschungelberg zerrt, ist bekannt. Der Zweite heißt neudeutsch „Making of“ und ist eine mit zahlreichen Ausschnitten von den Dreharbeiten zu den Herzog-Kinski-Filmen versehene Liebeserklärung von Herzog an seinen Star. Und dem Dritten hätte eine Portion Kinski sicher nicht geschadet. Aber der starb bereits 1991.

Das Vierte zelebriert ab 18.10 Uhr den Vierzigsten von Pamela Anderson. Es beginnt mit fünf Folgen “Baywatch”. „Ein mörderischer Wettkampf“, „Die Graffiti-Gang“, die Doppelfolge „Spuk im Hotel“ und „Filmteam am Strand“. Danach gibt’s “Playboy’s Babes of Baywatch”, “The Best of Pamela Anderson“, „The Ultimate Pamela Anderson“ und The Pamela Anderson Video Centrefold”.

Oha.

Ähem, Programm 23.


X-Zine lobt das „Krimijahrbuch 2007“

Juni 29, 2007

Claus Kerkhoff hält in seiner Besprechung das „Krimijahrbuch 2007“ für „sehr empfehlenswert„. Dem will ich nicht widersprechen, sondern gleich noch einige weitere Kerkhoffsche Worte zitieren:

Das Ergebnis sind 340 Seiten Krimikultur vom Feinsten mit den Krimihighlights des vergangenen Jahres, mit Interviews und Porträts, und Axel Bußmer schlägt darüber hinaus noch einen Bogen zum Krimi in Film und Fernsehen. (…) Mit dem „Krimijahrbuch 2007“ ist jetzt bereits das zweite Krimijahrbuch im NordPark-Verlag erschienen und es hat das Zeug dazu, eine feste Institution zu werden. Das „Krimijahrbuch 2007“ ist spannender Lesestoff, der Lust macht, neue Autoren und ihre Bücher zu entdecken. Ein Muss für alle, die mehr über Krimis wissen wollen.

Außerdem erwähnt er neben zahlreichen anderen Artikeln meinen „kenntnisreichen Beitrag zu Robert B. Parker´s einflussreicher Spenser-Serie„.

Da kann ich nur noch ergänzen, dass der neuen Spenser-Krimi „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)  im Juli vom Pendragon Verlag ausgeliefert wird. Eine Besprechung gibt es die Tage.


TV-Tipp für den 29. Juni

Juni 28, 2007

Sat.1, 03.25

Blond: Eva Blond! – Wie das Leben so spielt (D 2004, R.: Matthias Glasner)

Drehbuch: Sascha Arango

Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Außerdem waren die Quoten für „Blond: Eva Blond!“ auch nie wirklich überzeugend. Einige Preise sicherten der abgedrehten Krimiserie ein längeres Leben bei dem Privatsender. Für Krimifans mit einem Hang zum Absurden, Makabren und Schwarzhumorigen waren die sechs „Blond: Eva Blond!“-Filme immer ein Festschmaus. Drehbuch, Regie, Schauspieler – hier stimmte einmal einfach alles.

Dabei klingt der Fall nach schlimmster Kolportage: Regierungsdirektor Bierbichler und Starkoch Schlenz sterben anscheinend eines natürlichen Todes. In ihren Mägen werden Reste einer Prostituierten gefunden. Die schusselige, blonde Kommissarin Eva Blond gerät an drei seltsame Witwen.

Das klingt jetzt nach 08/15-Krimi, aber die Mischung macht’s und die stimmt hier.

Mit Corinna Harfouch, Erdal Yildiz, Herbert Knaup, Sissi Perlinger, Merit Becker, Ulrike Krumbiegel, Frank Giering, Bülent Sharif

Die „Blond: Eva Blond!“-Filme:

Das Urteil spricht der Mörder (D 2002, R.: Jorgo Papavassiliou)

Das Buch der Beleidigungen (D 2002, R.: Urs Egger)

Der Zwerg im Schließfach (D 2004, R.: Hermine Huntgeburth)

Wie das Leben so spielt (D 2004, R.: Matthias Glasner)

Epsteins Erbe (D 2006, R.: Achim von Borries)

Der sechste Sinn (D 2006, R.: Matthias Glasner)

Sascha Arango schrieb alle sechs Drehbücher und beantwortet einige Fragen zu seiner „Blond: Eva Blond!“: http://presse.prosieben.de/db/6/doc/9/4/5/8/1.html


Guter Stoff, schlecht verarbeitet

Juni 28, 2007

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Es gibt sicher tausend Möglichkeiten, aus einem Stoff eine spannende Geschichte zu machen. Gute, weniger gute und schlechte. In Guido Seyerles Romandebüt „Schweinekrieg“ ist der Stoff das Schwäbisch-Hällische Landschwein und wie es einigen Landwirten in den vergangenen beiden Jahrzehnten gelang, aus einer aussterbenden Rasse eine Marke zu machen. Diese Etablierung in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ging nicht ohne Konflikte ab.

Das ist der reale Hintergrund und auch der Stoff den Guido Seyerle zu einem Roman verarbeitete. Allerdings ist es kein gelungener Roman. Gründe gibt es dafür viele. Der wichtigsten ist die Wahl der Hauptperson. „Schweinekrieg“ wird ausschließlich aus der Sicht des freiberuflichen Lokaljournalisten Chris Schranz erzählt. Er beobachtet mit Sympathie, wie der nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt 1984 zurückgekehrte Landwirt Heinrich Bauer das vom Aussterben bedrohte Schwäbisch-Hällische Landschwein als Marke etablieren will. Bauer versucht die anderen Schweinezüchter zu überzeugen, ihre Zucht umzustellen. Er engagiert sich bei den Grünen. Er gründet eine Erzeugergemeinschaft und er organisiert einen Stand auf der Grünen Woche in Berlin. Der Stand wird ein voller Erfolg. Später kann Bauer mit einem der größten europäischen Lebensmittelkonzerne, Feinkost Küfer, einen lukrativen Vertrag für die Gesundheitslinie „ich darf“ abschließen.

Gleichzeitig versucht die Schweinemafia (so nennen die Züchter das Kartell der Abnehmer, die die Preise immer weiter nach unten drücken), personifiziert durch die Schweinezentrale und ihren Chef Falko Dombrowski, Bauer zu behindern. Während sich diese Aktionen der Schweinezentrale innerhalb der marktwirtschaftlichen Spielregeln bewegen, tritt bei mehreren Schweinen auf verschiedenen Höfen die Aujetzki-Krankheit auf, zwei Reifen werden mit einem aus der DDR stammenden Messer zerstochen, eine Inkassofirma versucht von Bauer nicht vorhandene Schulden einzutreiben und Lukas Ritzer wird ermordet.

Das ist eigentlich mehr als genug Handlung für ein spannendes Buch. Aber Chris Schranz tut genau das, was ein Journalist tun soll: er hält sich aus allem heraus, beobachtet und berichtet darüber.

Doch der erste, einige behaupten der einzige, Grundsatz für eine spannende Geschichte lautet: Die Hauptperson will ein bestimmtes Ziel mit allen Mitteln erreichen.

Der zweite dehnt diesen Satz auf die anderen Charaktere aus: Jeder will in jeder Szene etwas erreichen. Auch wenn es nur ein Glas Wasser ist.

Aber Schranz will nichts erreichen. Dagegen will Heinrich Bauer etwas erreichen. Er nimmt den Kampf eines Davids gegen Goliath auf und gewinnt. Das wäre eine tolle Geschichte gewesen. Auch die Geschichte der Menschen, die mit allen Mitteln verhindern wollen, dass Bauer erfolgreich ist, wäre spannend zu lesen gewesen. Oder die Geschichte von Bauers Frau, die an dem Ehrgeiz ihres Mannes zerbricht. Oder die der Polizisten, die den Mörder von Ritzer suchen.

Doch Seyerle wählte mit Chris Schranz den schwächsten von allen möglichen Hauptcharakteren aus.

Gleichzeitig war Seyerle der Kampf der kleinen Schweinezüchter gegen die Schweinezentrale zu wenig. Er pfropfte diesem Kampf einen dünnen und, wenn er nicht der Wirklichkeit entspricht, abstrus-unglaubwürdigen Krimiplot auf. Denn irgendjemand will anscheinend mit allen Mitteln verhindern, dass Bauer und seine Mitstreiter erfolgreich sind. Jedenfalls ist beim Lesen unklar, ob die Anschläge gegen die Schweinezüchter wirklich die geplanten Taten eines einzelnen Täters sind. Am Ende (und damit gebe ich den Lesern, die das Buch nach diesem Verriss doch noch kaufen, die Spannung, die in der Geschichte nicht vorhanden ist) wird der hinter allem steckende Bösewicht verhaftet und es gibt eine Erklärung für die vielen aus Osteuropa, hauptsächlich der DDR, kommenden Menschen. Denn diese Ostler arbeiten zusammen.

 

Guido Seyerle: Schweinekrieg

Gmeiner Verlag, 2007

288 Seiten

9,90 Euro

 

Homepage von Guido Seyerle: http://www.reise-schriftsteller.de/

 

„Schweinekrieg“ vermischt Fakten mit Fiktion. Auf der Seite der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) gibt es einige Fakten:

http://www.besh.de/html/startseite.html


Besprechung von Stewart O’Nans „Eine gute Ehefrau“ online

Juni 28, 2007

Meine Besprechung von Stewart O’Nans neuestem Roman „Eine gute Ehefrau“ (The good wife, 2005) ist online in der Berliner Literaturkritik. Wer in den vergangenen Tagen immer mehr glaubte, ich würde nur Krimis lesen, wird sich erstaunt die Augen reiben. Denn „Eine gute Ehefrau“ ist kein Kriminalroman. So weit will ich die Genreregeln dann doch nicht dehnen.

Außerdem – und das dürfte der nächste Schock sein – hat mir das Buch sehr gut gefallen.

Wenn Sie wissen wollen warum – die Antwort ist nur einen Klick entfernt.


TV-Tipp für den 28. Juni

Juni 28, 2007

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ARD, 22.45

Catch me if you can (USA 2002, R.: Steven Spielberg)

Drehbuch: Jeff Nathanson

LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)

Spielberg erzählt die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)

Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner

Heute berät Frank Abagnale immer noch Banken und das FBI. Wie er über seine wilde Jugend denkt, erfahren Sie in diesem Spiegel-online-Artikel.


TV-Tipp für den 27. Juni

Juni 26, 2007

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Kabel 1, 22.25

Leben und Sterben in L. A. (USA 1985, R.: William Friedkin)

Drehbuch: William Friedkin, Gerald Petievich

LV: Gerald Petievich: To live and die in L. A., 1984 (Leben und Sterben in L. A.)

Zwei Polizisten jagen einen Geldfälscher. Dabei sind sie in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich.

Nihilistischer Polizei- und Gangster-Thriller mit rasanten Action-Szenen.

Mit William L. Petersen, Willem Dafoe, John Pankow, John Turturro, Dean Stockwell, Gerald Petievich (in einer Minirolle als „Special Agent“)

Homepage von Gerald Petievich: http://www.petievich.com/

Meinen mit vielen schönen Buchcovers, Filmplakaten und Fotos aufgepeppten Überblick über die verfilmten Kriminalromane gibt es in den TV-Krimi-Buch-Tipps. Außerdem informiert der Alligator täglich über krimirelevantes in der Web-Öffentlichkeit und ist damit immer einen Klick wert.

 


Einige Drehbücher für gute Filme im Netz

Juni 26, 2007

Die Tage sind – allerdings nur im Original – einige Krimi-Drehbücher (ich habe davon einen ziemlich weiten Begriff) ins Netz gestellt worden. Deutsche Autoren sind in diesem Punkt sehr zurückhaltend. Ad hoc fällt mir nur dieses ein.

Hier also die Drehbücher für den englischsprachigen Teil der Menschheit:

Eine frühe Version von „U-Turn“ von John Ridley. Anscheinend schrieb Ridley mehr oder weniger gleichzeitig das Drehbuch und seinen 1997 erschienenen Noir-Debütroman „Stray Dogs“, der später als „U-Turn“ von Oliver Stone mit Sean Penn, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Billy Bob Thornton, Powers Boothe, Jon Voight, Liv Tyler, Claire Danes undundund verfilmt wurde.

Das Drehbuch von William Monahan zu dem neuesten Martin Scorsese-Film „The Departed“ gibt es hier. Das war einer meiner Lieblingsfilme 2006.

Die Coen-Seite „You know, for kids!“ hat das Drehbuch zu dem neuesten Film der Brüder Joel und Ethan Coen online gestellt. „No Country for Old Men“, die Verfilmung eines Buches von Cormac McCarthy, gibt es hier. Und die anderen Drehbücher der Coens gibt’s ebenfalls auf dieser Seite.

Wer’s lieber klassischer mag und nach „Prison Break“ wieder Blut auf Knastfilme geleckt hat, kann sich ja das Drehbuch von „Der Unbeugsame“ (USA 1967, R.: Stuart Rosenberg, mit Paul Newmann, George Kennedy, Strother Martin und Dennis Hopper) durchlesen. Das von Donn Pearce und Frank Pierson geschriebene Shooting Draft für „Cool Hand Luke“ gibt es hier. Auf „aellea Classic Movie Sripts“ gibt es auch das Drehbuch von Nunnally Johnson zur John Steinbeck-Verfilmung „Grapes of Wrath„. Mehr gibt es auf dieser neuen Seite noch nicht.

Thanks to SimplyScripts für einige Hinweise.


TV-Tipp für den 26. Juni

Juni 26, 2007

Das Vierte, 22.10

Repo Man (USA 1984, R.: Alex Cox)

Drehbuch: Alex Cox

LA-Vorstadt-Punk Otto hat null Bock auf eine geregelte Arbeit. Aber Action ist okay. Als Repo Man bekommt er genug davon. Besonders nachdem er, sein Chef, die CIA, Gangster und Ufo-Freaks einen alten Chevy haben wollen, weil eine sehr obskure Organisation dem Finder 20.000 Dollar für die Kiste geben will.

Die kohlrabenschwarze Satire „Repo Man“ war Alex Coxs gelungener USA-Start. Danach drehte der Brite „Sid & Nancy“, „Straight to hell“, „Walker“ und verschwand anschließend aus dem Blickfeld des Publikums. Ähnlich erging es Otto-Darsteller Emilio Estevez. In den Achtzigern einer der heißen Jungstars. In den Neunzigern abgetaucht und zuletzt mit „Bobby – Sie alle hatten einen Traum“ (für den starbestückten Film über die Ermordung von Robert F. Kennedy schrieb er auch das Drehbuch und führte Regie) wieder aufgetaucht.

„Repo Man“ war ein auch an der Kinokasse erfolgreicher Low-Budget-Punkfilm. „Cox versteht es, in seinem launig inszenierten Low-budget-Streifen innerhalb eines sehr realistisch dargestellten Umfeldes Action, Slapstick und Groteske zu integrieren, ohne dass Brüche entstehen. Witzige Dialoge, flotte Regie und gute Darstellung (besonders Harry Dean Stanton als Bud) hinterlassen den Eindruck eines rundherum gelungenen Spaßes.“ sagte der „Fischer Film Almanach 1985“. Heute sagt „Das große Filmlexikon“ von TV Spielfilm: „Repo Man ist vollgestopft mit absurden Einfällen, eingebettet in eine fragmentarische Handlung. Herausragend die Kamera von Robby Müller und der Soundtrack mit Musik von Black Flag, Suicidal Tendencies, The Circle Jerks und Iggy Pop.“ Und bei Rotten Tomatoes erhält der Kultfilm von den Kritikern eine fast hundertprozentige Frische bescheinigt.

Mit Emilio Estevez, Harry Dean Stanton, Fox Harris, Olivia Barash, Tom Finnegan

 


Kurzes vom „Tatort Deutsche Weinstraße“

Juni 25, 2007

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Neunzehn Kurzgeschichten sind in dem mehr oder weniger offiziellen Begleitband zur diesjährigen Criminale. „Tatort Deutsche Weinstraße“ heißt das von Angela Eßer herausgegebene Buch. Die Autoren sind teils bekannter, teils weniger bekannt. Die Qualität der Geschichten ist unterschiedlich und jeder wird seine eigene Lieblingsgeschichte finden. Gut ist es, wenn man als Leser kein eingefleischter Krimifan ist. Denn in dieser bestenfalls durchwachsenen Sammlung haben sich die Autoren in stiller Eintracht darauf verständigt, schwarzhumorige Schnurren abzuliefern, die sich in erster Linie an Nicht-Krimifans richten, die bei einem Glas Wein nett unterhalten werden wollen.

Wirklich überzeugend ist nur die zweiseitige Geschichte (genauso genommen eine Druckseite) „Ohne Kohle in der Südpfalz“ von Wolfgang Burger. Setting, Aufbau der Spannung, überraschende Pointe. Chapeau.

Aber die anderen? Nun, die beiden Gaunerkomödien „Oleg, die Navis und ich“ von Niklaus Schmied und „Des Kanzlers Kreditkarte“ von Jürgen Ehlers sind ebenfalls gut. Beide Male versucht ein Verbrecher seinen Schnitt zu machen. Auch Peter Dells „Familienbande“ mit seinem Privatdetektiv Philipp Sturm ist als traditionelle PI-Story okay.

Doch die anderen Geschichten sind entweder Ideen ohne eine Pointe oder letztendlich sehr ähnliche Geschichten mit einer ebenfalls sehr ähnlichen Pointe. So sind die von den gar nicht so alten Autoren erfundenen Charaktere oft ältere oder früh vergreiste Menschen. Sie sind Rentner, Witwer, auf Kur oder haben zwanzig Jahre nach der Schule die Gelegenheit sich zu rächen (Yeah, liebe Schulkameraden, die Zeit der Rache nähert sich!). Oft werden sie als verschrobene Einzelgänger gezeichnet, die sich selbst im Weg stehen. Das führt zu dem nächsten Problem: Kein Mensch sieht in den Spiegel und sagt ‚Ich bin ein komischer Kauz.’. Nein. Jeder sieht in den Spiegel und sagt ‚Ich bin ein grundvernünftiger Mensch.’. Entsprechend unklar sind sie gezeichnet. Oft sind ihre Handlungen schlichtweg unglaubwürdig. Verstärkt wird dies in vielen Geschichten durch die Sprache. So haben wir eloquente Ich-Erzähler, die allerdings, das zeigen ihre Aktionen und die Reaktionen ihrer Mitmenschen, Trottel sind.

Weil dann in der Geschichte der Aufbau von Spannung, also dem Schüren einer Erwartung und der Auflösung, nicht funktioniert, ist das Ende im negativen Sinn überraschend. Es interessiert nicht. Es ergibt sich nicht aus den vorherigen Handlungen. Es ist, eine andere Erklärung fällt mir nicht ein, der Tropfen der das Fass zum Überlaufen brachte und dann zu einer plötzlichen Aktion führt. Halt ein Schock. Doch Geschichten ohne Suspense (Denken Sie an Hitchcock!) sind langweilig.

Angela Eßer (Hrsg.): Tatort Deutsche Weinstraße

Grafit, 2007

240 Seiten

9,50 Euro

Enthält folgende Kurzgeschichten:

Wolfgang Burger: Ohne Kohle in der Südpfalz

Peter Dell: Familienbande

Klaus Dewes: Herxi II

Jürgen Ehlers: Des Kanzlers Kreditkarte

Angela Eßer: Schweigen in Schweigen

Kathrin Heinrichs: Paradiesisch tot

Carsten Sebastian Henn: Tod in der Mandelblüte

Andreas Izquierdo: In Schleusen

Ralf Kramp: Der Nachtmahr von Neustadt

Tatjana Kruse: Killer-Kerwe in Klingenmünster

Paul Lascaux: Die Eselei auf der Madenburg

Richard Lifka: Es war einmal in Wachenheim

Sandra Lüpkes: Gehörnt in Lambrecht

Udo Marquardt: Ciconia Ciconia

Olaf Paust: Der richtige Mann

Niklaus Schmied: Oleg, die Navis und ich

Jürgen Siegmann: Das Lama von Bockenheim

Ingeborg Struckmeyer: Letzte Kur?

Sabine Thomas: Löwenherz-Serenade

Die Criminale: http://www.die-criminale.de/

Tatort Deutsche Weinstraße: http://tatort-deutscheweinstrasse.de/

Meine Besprechung von Wolfgang Burgers „Ausgelöscht“:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-zwanzigneun.html


Erst unappetitliches, dann langweiliges „Shanghai Dinner“

Juni 25, 2007

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Viele halten Nury Vittachis vierten Wong-Roman „Shanghai Dinner – Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt“ für eine spannende Krimikomödie mit gelungenen Seitenhieben auf die internationale Politik. Ich halte „Shanghai Dinner“ für ein quälend langatmiges Buch mit einem dünnen Plot und nur wenigen mäßig witzigen Betrachtungen über das Leben und kulturelle Unterschiede, die mich an Heinz Erhardt erinnern.

Dabei ist der Anfang genial. Fengshui-Detektiv C. F. Wong eröffnet in der boomenden Stadt Shanghai ein neues Büro. Doch bereits am ersten Tag, in der ersten Zeile, bricht das Unheil über ihn herein. Das Gebäude neben seinem frisch bezogenen Büro wird abgerissen und er kann die Abrissarbeiten nur solange aufhalten, bis sie die noch nicht ausgepackten Kisten wieder aus seinem Büro gebracht haben.

Danach wird’s zäh. Wong geht zu einem exquisiten Dinner, bei dem Tiere lebendig gekocht und gegessen werden. Für Wong ist das okay. Aber nicht für den radikalen Veganer Vega. Er nimmt die erlauchte Gästeschar als Geisel und zahlt gleiches mit gleichem heim.

Während wir noch darüber rätseln, was Vega mit dieser unappetitlichen, von Vittachi in epischer Breite geschilderten Aktion erreichen will (Müssen wir wirklich über mehrere Seiten lesen, wie Menschen gekocht und frittiert werden?), erfahren wir, dass Vega am nächsten Tag einen Anschlag auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten plant. Wong kann mit seiner veganen Assistentin Joyce McQuinnie flüchten. Sie versuchen die Sicherheitsbeamten des Präsidenten von dem Anschlag zu überzeugen. Nachdem Secret Service-Mann Dooley in dem Elefanten, der an der Bühne der Regierungshäupter vorbeigehen soll, das Ticken einer Bombe hört, ist er überzeugt. Doch jetzt müssen Wong und seine veganen Mitstreiterinnen erschreckt feststellen, dass Thomas Dooley den Elefanten umbringen will, weil für andere Maßnahmen keine Zeit mehr bleibt. Wong entführt den Elefanten.

Tja, und dann laufen Wong, seine Assistentin Joyce und die Veterinärin Lu Linyao, verfolgt von den Sicherheitsleuten, fast über die gesamte zweite Hälfte des Buches mit dem trägen Elefanten durch die abendliche Rush-Hour von Shanghai. Ihnen bleibt nur noch eine knappe Stunde, bis die Bombe explodiert.

Während dieser eher statischen Verfolgungsjagd bleibt genügend Zeit über den Sinn und Unsinn von Wongs Aktion zu sinnieren.

Denn Wong hat objektiv das Dümmste gemacht, was ein Mensch tun kann. Anstatt, wie es auch die Tierärztin vor der Entführung versuchte, die Sicherheitsleute zu überzeugen, die Bombe aus dem Elefant zu entfernen oder ihn mit einem Hubschrauber an einen entlegenen Platz zu fliegen, flüchtet Wong mit ihm. Dabei will er einmal den Elefanten auf einem menschenleeren Platz explodieren lassen, ein anderes Mal, weil es ihm als Fengshui-Meister verboten ist, Tiere zu töten, das Leben des Elefanten retten. Doch so kann es ihm nicht gelingen.

Nury Vittachi: Shanghai Dinner – Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt

(übersetzt von Ursula Ballin)

Unionsverlag, 2007

320 Seiten

19,90 Euro

Originalausgabe:

The Shanghai Union of Industrial Mystics

Allen & Unwin, Crows Nest, Australien, 2006

336 Seiten

Der Unionsverlag über Nury Vittachi:

http://www.unionsverlag.com/info/person.asp?pers_id=1720


Ein bisschen Luxus – Kapitel 6 online

Juni 25, 2007

Das sechste Kapitel schildert – ach, Sie können es auch hier lesen.


TV-Tipp für den 25. Juni

Juni 24, 2007

Kabel 1, 03.15

Miami Vice: Der kleine Prinz (USA 1984, R.: Alan J. Levi)

Drehbuch: A.J. Edison (nach einer Geschichte von Joel Surnow & Wendy Cozen)

Seit einigen Tagen strahlt Kabel 1 mitten in der Nacht die kultige Krimiserie „Miami Vice“ aus. „Der kleine Prinz“ ist eine der zahlreichen Episoden, die zeigt, warum die Serie immer auch als Noir-Serie bezeichnet wird. Die beiden Polizisten Sonny Crockett (Don Johnson) und Ricardo Tubbs (Philip Michael Thomas) sollen einen erfolgreichen Wall-Street-Broker und Drogenhändler schnappen. Um an ihn heranzukommen, bedienen sie sich des Sohnes. Am Ende haben sie eine Familie zerstört. Crockett meint am Ende der Episode auf die Frage von Tubbs, was sie heute getan hätten: „Gute polizeiliche Routinearbeit.“

Ähnlich düster endeten viele Folgen.

Der Look, die Musik, das Zusammenspiel der Schauspieler (von denen viele hier einen ihrer ersten Auftritte, teilweise sogar den ersten, hatten), die Geschichten, die gesellschaftliche Probleme ansprechen, die düstere Diagnose der USA unter Ronald Reagan, und die teilweise aus heutiger Sicht archaische Technik (Computer, Telefone, Wanzen) sorgen immer noch für gute Fernsehunterhaltung. Dagegen ist der „Miami Vice“-Spielfilm von Michael Mann nur ein schwacher Abklatsch.

Wahrscheinlich zeigt Kabel 1 an den kommenden Wochentagen nachts alle fünf Staffeln.

Immerhin wurde vergangenes Jahr die Nachmittagsausstrahlung mangels Quote abgebrochen.

Meine Besprechung der ersten Staffel von „Miami Vice“:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-zwoelf-miami-vice.html


Verfilmte Kriminalromane am 23. und 24. Juni im TV

Juni 23, 2007

Das Wochenende verwöhnt mit zahlreichen Krimiverfilmungen. Hier die schmucklose Präsentation. Die schöne gibt’s hier.

Samstag, 23. Juni

RTLII, 12.55

Fair Game (USA 1995, R.: Andrew Sipes)

Drehbuch: Charlie Fletcher

LV: Paula Gosling: A Running Duck; Fair Game, 1978 (Töten ist ein einsames Geschäft)

Eine Anwältin wird von Killern gehetzt. Ein Polizist will sie beschützen. Überleben sie?

Und wieder wurde ein Buch von Paula Gosling für den Kinomarkt geschrottet. Die Frau ist eine hochgelobte und ausgezeichnete Autorin (u. a. Silver Dagger, Gold Dagger, John Creasey Award). Also: den Film vergessen, das Buch lesen.

Joel Silver produzierte gewohnt realitätsfern, mit Cindy Crawford, William Baldwin, Steven Berkoff.

Pro 7, 20.15

Jede Menge Ärger (USA 2002, R.: Barry Sonnenfeld)

Drehbuch: Robert Ramsey, Matthew Stone

LV: Dave Barry: Big Trouble, 1999 (Jede Menge Ärger – Big Trouble)

Etwa ein halbes Dutzend Menschen suchen in Florida eine Atombombe.

Auch Dave Barry porträtiert Florida als Irrenanstalt und Barry Sonnenfeld (Get Shorty, Men in Black) schien der geeignete Regisseur zu sein. Trotzdem floppte die sehr kurze, prominent besetzte Komödie, kurz nach 9/11, an der Kasse und erlebte in Deutschland nur eine Videopremiere.

„So simpel die Story, so prominent die Besetzung – von leichter Hand inszenierte Komödie, der ein wenig mehr Ironie gut getan hätte.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2004)

Mit Tim Allen, Rene Russo, Stanley Tucci, Tom Sizemore, Johnny Knoxville, Dennis Farina, Dwight ‚Heavy D‘ Myers, Omar Epps, Jason Lee, Martha Stewart (als sie selbst), Dave Barry (Gastauftritt als Anwalt)

Dave Barrys Homepage: http://davebarry.com/

Dave Barry zu seinem Roman:

http://www.bookpage.com/9909bp/dave_barry.html

Ausführliche Informationen zum Film:

http://www.rottentomatoes.com/m/1109942-big_trouble/about.php

BR, 20.15

Tod auf dem Nil (GB 1978, R.: John Guillermin)

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Agatha Christie: Death on the Nile, 1937 (Der Tod auf dem Nil)

Auf einem Nildampfer wird die Millionenerbin Linnet Ridgeway ermordet. Ihr Mörder ist noch auf dem Schiff. Hercule Poirot wird mit der Hilfe seiner kleinen grauen Zellen den Fall lösen.

„Tod auf dem Nil“ erhielt einen Oscar für die besten Kostüme und läutete eine kleine Renaissance von Christie-Verfilmungen ein. Der Film ist eine weitgehend spannungsfreie, nostalgische, stargarnierte Angelegenheit.

Mit Peter Ustinov, Jane Birkin, Bette Davis, Mia Farrow, Lois „Moonraker-Bondine“ Chiles, David Niven, Jon Finch, Angela Lansbury

Das Vierte, 20.15

Prince of the City (USA 1981, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Jay Presson Allen, Sidney Lumet

LV: Robert Daley: Prince of the City, 1978 (Prince of the City)

Nach der Entdeckung der “French Connection” in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bildete die Polizei von New York eine mit besonderen Rechten ausgestattete Eliteeinheit zur Bekämpfung des Drogenhandels: die Special Investigating Unit (SIU). Sie nannten sich „Prinzen der Stadt“. Nach kurzem begannen sie ihre Rechte auszunutzen. Bob Leuci war einer von ihnen. Bis er sich bereit erklärte seine Kollegen zu bespitzeln.

Sidney Lumet verfilmte die auf Tatsachen beruhende Geschichte von Bob Leuci – der im Film Daniel Ciello heißt – als spannendes Biopic, bei dem keine Seite des Gesetzes besonders gut wegkommt und Leuci/Ciello sich zunehmend isoliert.

Das Drehbuch war 1982 als bestes Drehbuch für den Oscar, Edgar Allan Poe Awards und den Preis der Writers Guild of America nominiert.

Heute ist der auch nach den in „Prince of the City“ geschilderten Ereignissen immer noch überzeugte Polizist Bob Leuci ein Krimiautor. Robert Daley, der Autor des verfilmten Tatsachenromans, war ebenfalls ein Polizist. Bis 1972 war er stellvertretender Polizeichef von New York City.

Mit Treat Williams, Jerry Orbach, Bob Balaban

Pro7, 22.00

Stirb langsam 2 (USA 1990, R.: Renny Harlin)

Drehbuch: Steven E. de Souza, Doug Richardson

LV: Walter Wager: 58 Minutes, 1987

John McClane (Bruce Willis) feiert Weihnachten: nachdem er im ersten Teil ein Hochhaus zerlegte, ist dieses Mal ein Flughafen dran, unterstützt wird er von Franco Nero, Dennis Franz, William Atherton, Reginald VelJohnson, William Sadler, John Amos, Vondie Curtis-Hall.

„Wenn Die Hard eine neo-klassische Geschichte auf eine (beinahe) neo-klassische Weise erzählt, eine höchst traditionsbewusste Dramaturgie mit einem neuen Twist verbindet, dann ist Die Hard 2 der Beginn eines formelhaften Spiels: Vieles, was Willis´ Figur, den New Yorker Cop John McClane, anbelangt, ist nun bereits etabliert, wird wiederholt, variiert und vertieft, und erst in dieser Reflexion wird ein Charakter zum paradigmatischen Helden. Der Regisseur Renny Harlin erweist sich dabei als perfekter Erfüllungsgehilfe, da er selber dieser Formel kaum etwas hinzufügt, sondern versucht, alles auf eine geradezu mathematische Weise zu steigern: mehr Effekte, mehr Action, mehr Tote – mehr Bruce Willis.“ (Georg Seeßlen in Annette Kilzer, Hrsg.: Bruce Willis)

Tele 5, 22.00

Mord am Rainbow Drive (USA 1990, R.: Bobby Roth)

Drehbuch: Bill Phillips, Bennett Cohen

LV: Roderick Thorp: Rainbow Drive, 1986

Detective Mike Gallagher entdeckt fünf Leichen, aber nur vier werden im Polizeibericht erwähnt. Gallagher will herausfinden warum und legt sich mit seinen Vorgesetzten und einflussreichen Lokalpolitikern an.

Ein weiterer Teil der verdienstvollen Reihe „Ausgrabungen“: Heute gibt es einen TV-Cop-Krimi, der außer der Besetzung und atmosphärischen LA-Bildern, anscheinend nur eine ordentlich präsentierte 08/15-Story zu bieten hat.

Roth drehte zuletzt mehrere Episoden für „Prison Break“.

Mit Peter Weller, Sela Ward, David Caruso

Wiederholung um 01.45 Uhr

Auch bekannt als “Rainbow Drive”

BR, 22.35

Das Böse unter der Sonne (GB 1982, Regie: Guy Hamilton)

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Agatha Christie: Evil unter the sun, 1941 (Das Böse unter der Sonne oder Rätsel um Arlena)

Hercule Poirot sucht den Mörder der Broadway-Diva Arlena Marschall. Er muss einer der Gäste des griechischen Nobelhotels sein.

Großes Staraufgebot (Peter Ustinov, Jane Birkin, James Mason, Colin Blakely, Roddy McDowall, Diana Rigg), hübsche Kostüme, Musik von Cole Porter; Tendenz: gediegene Langeweile.

RBB, 22.50

In der Hitze der Nacht (USA 1967, R.: Norman Jewison)

Drehbuch: Sterling Siliphant

LV: John Ball: In the heat of the night, 1965 (In der Hitze der Nacht)

In einem Südstaatenkaff müssen ein weißer, reaktionärer Sheriff und ein afroamerikanischer Kollege einen Mord aufklären.

John Balls hochgelobter, erfolgreicher Roman war der erste Auftritt eines afroamerikanischen Polizisten als Sympathieträger. Ball wollte damit zur Verständigung zwischen den Rassen beitragen. Außerdem reflektierte er in seinem Krimi die damaligen politischen Kämpfe des Civil Rights Movements in den Südstaaten.

Die enorm erfolgreiche Verfilmung erhielt fünf Oscars, unter anderem als bester Film des Jahres. Aus heutiger Sicht ist „In der Hitze der Nacht“ ein extrem naives und einseitiges Bekenntnis zur Rassenversöhung (etwas guter Wille und schon geht´s) und ein technisch gut gemachter Whodunit.

Poitier drehte noch zwei schwächere Fortsetzungen. Letztendlich wurde es ein normaler, bestenfalls durchschnittlicher Polizeikrimi.

Mit Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates, Lee Grant

BR, 00.25

Die Morde des Herrn ABC (GB 1965, R.: Frank Tashlin)

Drehbuch: David Pursall, Jack Seddon

LV: Agatha Christie: The ABC Murders, 1936 (Die Morde des Herrn ABC)

Hercule Poirot sucht einen Mörder, der seine Opfer in alphabetischer Reihenfolge tötet.

Vergnügliche Christie-Verfilmung nach einem Drehbuch der Autoren der bekannten Miß Marple-Filme.

Mit Tony Randall, Robert Morley, Anita Ekberg

WDR, 00.30

Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia (USA 1974, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Gordon Dawson, Sam Peckinpah (nach einer Story von Frank Kowalski und Sam Peckinpah)

Der mehr als abgehalfterte Barpianist Benjamin wittert seine große Chance. Denn auf den Kopf von Alfredo Garcia ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Und Benjamin weiß, wo Alfredos Kopf ist.

„Wie eine klassische griechische Tragödie rollt das Filmdrama vor dem Zuschauer ab, mit allen Momenten und Zutaten des klassischen Genres. In einem hermetisch geschlossenen Zirkel, aus dem es keinen Ausweg gibt, zeugt Gewalt fortzeugend Gewalt…Dennoch wird man sagen dürfen, dass – sicher im Gegensatz zu unendlich vielen anderen Action-Filmen – hier die Gewalt in einem eindeutig kritischen, und zwar politisch-kritischen Rahmen dargestellt und präsentiert wird. Peckinpah zeigt einen Staat, in dem statt der Gesetze das Recht des Stärkeren regiert, statt des Rechtes die Faust, statt der Pistole die Maschinenpistole.“ (Film-Dienst)

Mit Warren Oates, Isela Vega, Gig Young, Kris Kristofferson

Sonntag, 24. Juni

Pro 7, 14.35

Jede Menge Ärger (USA 2002, R.: Barry Sonnenfeld)

Drehbuch: Robert Ramsey, Matthew Stone

LV: Dave Barry: Big Trouble, 1999 (Jede Menge Ärger – Big Trouble)

Etwa ein halbes Dutzend Menschen suchen in Florida eine Atombombe.

Auch Dave Barry porträtiert Florida als Irrenanstalt und Barry Sonnenfeld (Get Shorty, Men in Black) schien der geeignete Regisseur zu sein. Trotzdem floppte die sehr kurze, prominent besetzte Komödie, kurz nach 9/11, an der Kasse und erlebte in Deutschland nur eine Videopremiere.

„So simpel die Story, so prominent die Besetzung – von leichter Hand inszenierte Komödie, der ein wenig mehr Ironie gut getan hätte.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2004)

Mit Tim Allen, Rene Russo, Stanley Tucci, Tom Sizemore, Johnny Knoxville, Dennis Farina, Dwight ‚Heavy D‘ Myers, Omar Epps, Jason Lee, Martha Stewart (als sie selbst), Dave Barry (Gastauftritt als Anwalt)

Dave Barrys Homepage: http://davebarry.com/

Dave Barry zu seinem Roman:

http://www.bookpage.com/9909bp/dave_barry.html

Ausführliche Informationen zum Film:

http://www.rottentomatoes.com/m/1109942-big_trouble/about.php

Tele 5, 20.15

Wag the dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt (USA 1997, R.: Barry Levinson)

Drehbuch: Hilary Henkin, David Mamet

LV: Larry Beinhart: American Hero, 1991 (American Hero)

Ein Medienberater rät dem Stab des Präsidenten, einen Krieg in Albanien zu inszenieren, um von einer Sexaffäre des Präsidenten abzulenken. Nach einem überzeugenden Anfang gerät das Ablenkungsmanöver außer Kontrolle.

Köstliche Medien- und Politsatire, die von Beinharts langatmigem Buch nur die Idee („Wir fälschen einen Krieg. Merkt doch keiner.“) übernimmt und durch die damaligen politischen Ereignisse (Clinton-Lewinsky-Affäre, Jugoslawien) eine nicht geplante tagespolitische Brisanz erhielt.

Mit einer bestens aufgelegten Riege von Schauspielern: Dustin Hoffman, Robert De Niro, Anne Heche, Denis Leary, Willie Nelson, Kirsten Dunst, William H. Macy, Woody Harrelson

Mehr über Larry Beinhart:

http://www.thelibrarian.biz/default.html

Spurensuche über Larry Beinharts “Crime – Kriminalromane und Tbriller schreiben“:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-zwei.html

Pro 7, 22.15

Stirb langsam – Jetzt erst recht (USA 1995, R.: John McTiernan)

Drehbuch: Jonathan Hengsleigh

LV: Charakter von Roderick Thorp

Es ist Sommer in New York und John McClane entdeckt den gesamten Staat New York als Spielplatz.

Der dritte „Stirb langsam“-Film beendet die „Stirb langsam“-Vorbereitungstage. Ab Mittwoch knallt, rummst und wummst „Stirb langsam 4.0“ in den Multiplexen ihres Vertrauens.

Davor gibt’s noch, direkt im Anschluss an „Stirb langsam – Jetzt erst recht“, „Das große ProSieben TV-Special zu ‚Stirb langsam 4.0’“, das mit dreißig Minuten gar nicht so groß ist.

Mit Bruce Willis, Jereym Irons, Samuel L. Jackson, Graham Greene

ZDF, 23.15

Inspector Barnaby: Sport ist Mord (GB 1999, R.: Jeremy Silberston)

Drehbuch: Anthony Horowitz

LV: Charaktere von Caroline Graham

Tara Cavendish wird mit einem Kricket-Schläger ermordet. Inspector Barnaby sucht im Kreis der ehrwürdigen Familie nach dem Mörder.

Mit John Nettles, Daniel Casey

Kabel 1, 00.25

Weiblich, ledig, jung sucht… (USA 1992, R.: Barbet Schroeder)

Drehbuch: Don Roos

LV: John Lutz: SWF seeks same; Single White Female, 1990 (Mitbewohnerin gesucht; Weiblich, ledig, jung sucht …)

Durchschnittlicher Thriller über die Freuden des WG-Lebens (besonders wenn die neue Mitbewohnerin eine besitzergreifende Psychopathin ist) mit Bridget Fonda, Jennifer Jason Leigh

ARD, 01.30

Cutter´s Way – Keine Gnade (USA 1981, R.: Ivan Passer)

Drehbuch: Jeffrey Fiskin

LV: Newton Thornburg: Cutter and Bone, 1976

Der verkrüppelte Vietnam-Veteran Alex Cutter begibt sich auf einen fanatischen Rachefeldzug gegen den Ölmagnaten J. J. Cord. Denn Cutters Freund Richard Bone glaubt, er habe Cord kürzlich beim Verstecken einer Leiche gesehen.

Der an der Kinokasse ziemlich gefloppte Film (die deutsche Premiere war auf Video) ist eine düstere Zustandbeschreibung der USA, in der mehrere amerikanische Genres gegen den Strich gebürstet werden und es keine sympathischen Figuren gibt. Inzwischen gilt „Cutter’s Way“ als kleiner Klassiker; – genau wie Thornburgs Roman.

Fiskins Drehbuch erhielt 1982 den Edgar als bestes Drehbuch.

Mit Jeff Bridges, John Heard, Lisa Eichhorn, Stephen Elliott, Ann Dusenberry

auch: „Cutter & Bone – Bis zum bitteren Ende“ und „Bis zum bitteren Ende“

ZDF, 02.05

Der aus dem Regen kam (F/I 1969, R.: René Clement)

Drehbuch: Sébastien Japrisot

Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Le passager de la pluie, 1992

Mellie erschießt in Notwehr einen Fremden und lässt die Leiche verschwinden. Eines Tages taucht ein geheimnisvoller Amerikaner auf und erpresst sie.

Spannender Psycho-Thriller: „La mise en scène est irréprochable, l’interprétation excellente et le film distille un charme doux-amer plein de suspense. Mais trop de froideur et une intrigue confuse finissent par lasser. Il n’est pas certain que ce film résiste à des diffusions répétées tant ses limites finissent par devenir évidentes.“ (Dictionnaire du cinéma, Robert Laffont)

Mit Marlène Jobert, Charles Bronson, Jill Ireland


Verfilmte Kriminalromane am 22. Juni im TV

Juni 21, 2007

RTL II, 22.10

Fair Game (USA 1995, R.: Andrew Sipes)

Drehbuch: Charlie Fletcher

LV: Paula Gosling: A Running Duck; Fair Game, 1978 (Töten ist ein einsames Geschäft)

Eine Anwältin wird von Killern gehetzt. Ein Polizist will sie beschützen. Überleben sie?

Und wieder wurde ein Buch von Paula Gosling für den Kinomarkt geschrottet. Die Frau ist eine hochgelobte und ausgezeichnete Autorin (u. a. Silver Dagger, Gold Dagger, John Creasey Award). Also: den Film vergessen, das Buch lesen.

Joel Silver produzierte gewohnt realitätsfern, mit Cindy Crawford, William Baldwin, Steven Berkoff.

 

ARD, 01.20

Verrat in den eigenen Reihen (NL 2000, R.: Jean van de Velde)           

Drehbuch: Simon de Waal, Jean van de Velde

LV: Jan van Daalen: Sans Rancune, 1991

Polizist Eddy will einen Drogenbaron verhaftet. Nachdem die Verhaftung schief geht, wittert er einen Verräter in den eigenen Reihen.

Auf Tatsachen beruhender, sich an amerikanischen Vorbildern orientierender Polizeithriller.

 

ARD, 03.05

Steckbrief 7-73 (USA 1951, R.: John Berry)

Drehbuch: Guy Endore (Strohmann von Dalton Trumbo und Hugo Butler)

LV: Sam Ross: He Ran All the Way, 1947

Ein Verbrecher versteckt sich auf der Flucht bei einer Arbeiterfamilie und terorisiert sie.

Straffer, kleiner Thriller, bei dem die bedrohte Familie sich oft überraschend gut den Wünschen des Verbrechers fügt. Immerhin sind sie zu viert und er fuchtelt nicht ständig mit seiner Pistole herum.

Der Geiselnehmer ist ein getriebener Mann, der mehr in die Sache hineinstolperte und jetzt zwischen Zu- und Abneigung zu seinen Geiseln hin und hergerissen ist. Immerhin stammt er aus der gleichen Schicht wie sie und er verliebt sich in Shelley Winters. Wegen ihr nahm er ihre Familie als Geisel. Ein unterschätzter Krimi. 

„Psychologisierender Kriminalfilm, der mit atmosphärischer Dichte und der hervorragenden Leistung von John Garfields in seiner letzten Filmrolle zu packen weiß.“ (Lexikon des internationalen Films)

Guy Endore fungierte hier als Strohmann für die damals als Kommunisten auf der Schwarzen Liste stehenden Kollegen Dalton Trumbo und Hugo Butler. John Berry und John Garfield hatten ebenfalls Ärger mit dem für seine fanatische Jagd auf wenige echte und viele vermeintliche Kommunisten bekannten und gefürchteten Senator Joseph R. McCarthy.

Mit John Garfield, Shelley Winters

Mehr Informationen zum Film: http://www.tcm.com/thismonth/article/?cid=12481   

 

Hinweis:

Nachdem Alligator-Alfred wieder zurück ist, erscheinen die TV-Krimi-Buch-Tipps wieder regulär und mit vielen schönen Bildern (Filmplakate und Buchcovers)  hier. In der Kriminalakte werde ich nach einem blutigen Wochenende verstärkt auf Höhepunkte im Fernsehen hinweisen. So etwas wie der „TV-Tipp des Tages“ – wenn es wirklich einen gibt.


Verfilmte Kriminalromane am 21. Juni im TV

Juni 20, 2007

Das Vierte, 20.15

Blutspur (USA 1979, R.: Terence Young)

Drehbuch: Laird Koenig

LV: Sidney Sheldon: Bloodline, 1978 (Blutspur)

Die miese Sippschaft will die Erbin eines Pharmakonzerns mit allen Mitteln von der Konzernspitze verdrängen.

Tja, das kommt mit den falschen Menschen am falschen Ort heraus: Hochkarätig besetzte Langeweile. Im Kino ein Flop, kann im Puschenkino das Ratespiel “Welcher Star läuft jetzt durch’s Bild?” unterhalten.

Mit Audrey Hepburn, Ben Gazzara, James Mason, Claudia Mori, Irene Papas, Michelle Phillips, Maurice Ronet, Romy Schneider, Omar Sharif, Gert Fröbe, Marcel Bozzuffi, Pinkas Braun, Ivan Desny, Vadim Glowna, Wolfgang Preiss, Dietlinde Turban, Walter Kohut

Homepage von Sidney Sheldon: http://www.hachettebookgroupusa.com/features/sidneysheldon/index.html  

 

3sat, 22.25

Nächtliche Irrfahrt (F 2003, R.: Cédric Kahn)

Drehbuch: Laurence Ferreira Barbosa         , Cédric Kahn, Gilles Marchand

LV: Georges Simenon: Feux rouges, 1953 (Schlusslichter)

Antoine und Hélène wollen nur die Kinder aus dem Ferienlager abholen. Im Auto eskaliert der Ehestreit zwischen ihnen und dann nimmt Antoine auch noch einen entflohenen Sträfling mit.

Ist wohl ein bizarrer Roadtrip mit einer guten Portion David Lynch.

Mit Jean-Pierre Darroussin, Carole Bouquet

 

WDR, 23.15

Der Panther wird gehetzt (F/I 1960, R.: Claude Sautet)

Drehbuch: José Giovanni, Claude Sautet, Pascal Jardin

LV: José Giovanni: Classe tous risques, 1958 (Das Ende vor Augen)

Gangster Abel Davos kehrt aus seinem italienischen Versteck nach Frankreich zurück. Seine alten Freunde wollen nichts mehr von ihm wissen. Nur der Einzelgänger Eric Stark hält zu ihm.

Tolles Unterweltdrama über die letzten Tage eines Gangsters. Jean-Pierre Melville war begeistert. „Für mich bedeutete dieser Film einen Wendepunkt in meiner Karriere, rein gefühlsmäßig zählt er sehr viel. Er gehört zu jenen Filmen, die ich liebe. Aber das ist ganz persönlich.“ (Lino Ventura)

Damals fand die kirchliche Filmkritik keine lobenden Worte: „Was soll eigentlich der Film? Eine spannende Handlung hat er nicht zu bieten…Dann wird zu unserer berechtigten Empörung das Leben eines Verbrechers ganz unverfroren als Beruf hingestellt. In der gleichen Weise wird die Freundestreue hier so erstaunlich gewürdigt, dass man beinahe vergisst, dass hier Menschen durch Gewaltverbrechen aneinander gebunden sind. Die Kinder des Panthers sind schließlich noch der Gipfel der Unverfrorenheit, denn sie dienen nur dem Zweck, den eiskalten Mörder außerberuflich zum rührenden Familienvater zu verklären.“ (Evangelischer Filmbeobachter)

Mit Lino Ventura, Jean-Paul Belmondo, Sandra Milo


Verfilmte Kriminalromane am 20. Juni im TV

Juni 20, 2007

Kabel 1, 20.15

L.A. Confidential (USA 1997, R.: Curtis Hanson)

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: James Ellroy: L. A. Confidential, 1990 (Stadt der Teufel, L. A. Confidential)

Drei unterschiedliche Polizisten versuchen einen Mord aufzuklären und müssen dabei einen tiefen Sumpf aus Drogen, Sex, Gewalt und Abhängigkeiten trockenlegen.

Grandiose Verfilmung eines grandiosen Buches, das den Deutschen Krimipreis erhielt.

Brian Helgeland schaffte das scheinbar unmögliche: er raffte den 500-seitigen Thriller gelungen zu einem etwa zweistündigen Film zusammen und erhielt dafür einen Oscar. Kim Basinger für ihre Rolle als Edelhure erhielt ebenfalls die begehrte Trophäe.

Mit Guy Pearce, Russell Crowe, Kevin Spacey, Kim Basinger, Danny DeVito

 

SWR, 23.00

Rendezvous mit dem Tod (USA 1977, R.: Ashley Lazarus)

Drehbuch: Stanley Price

LV: Alistair MacLean: Golden Rendezvous, 1962 (Rendezvous mit dem Tod)

Ein Schiff wird gekapert und Schiffsoffizier Richard Harris greift ein. Hält den mauen Standard der meisten MacLean-Verfilmungen.

Mit Richard Harris, Ann Turkel, Gordon Jackson, John Vernon, David Janssen, Burgess Meredith


Dreimal Verbrechen für Zwischendurch

Juni 19, 2007

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„Kaliber .64“ nennt sich die von Volker Albers in der Edition Nautilus herausgegebene Reihe. „Kaliber“ weil’s um Verbrechen geht. „64“ weil keine Geschichte länger als 64 Seiten ist. Natürlich sind nicht alle Geschichten genau gleich lang. Denn mit dem Layout wird schon etwas geschummelt.

Neben der Länge bietet die „Kaliber .64“-Reihe für Autoren eine weitere Herausforderung: sie müssen eine Geschichte erzählen, die in diesem Format funktioniert. Das ist einfacher gesagt („64 Seiten schreiben? Kein Problem.“) als getan. Zuletzt stellten sich Gunter Gerlach, Susanne Mischke und Gabriele Wolff dieser Herausforderung.

Gabriele Wolff verirrte sich in ihrem langatmigen Psychothriller „Im Dickicht“ hoffnungslos in dem titelgebenden Gestrüpp. Kerstin Schroth zog mit ihrem Mann Bernd und ihrem Sohn Michael aus der Großstadt in die brandenburgische Provinz. Er reist als Architekt um den Globus. Sie verbringt ihre Zeit als Hausfrau mit dem Warten auf ihn, dem Beobachten ihrer Pflanzen und der Angst vor den Nachbarn, die sie beobachten und auf jeden Fehltritt der Zugezogenen achten. Dieses an sich schon seltsam-bedrückende Leben gerät vollends aus den Fugen, als auf ihrer Türschwelle ein Brief liegt, in der eine Nebenbuhlerin sie auffordert, Bernd zu verlassen. Erschreckender als der Inhalt ist für Kerstin, dass offensichtlich sie den Brief geschrieben hat.

„Im Dickicht“ ist der gar nicht so schlechte Titel für eine ziemlich misslungene Geschichte. Das beginnt mit der eigenwilligen Entscheidung, die Geschichte aus zwei Perspektiven zu erzählen, die sich gegenseitig behindert. Einerseits erzählt Wolff aus Kerstins Perspektive in der dritten Person Präteritum, wie Kerstin den Kontakt zur Wirklichkeit verliert und glaubt, dass sich alle gegen sie verschworen haben. In der ersten Person Präsens erzählt Wolff aus der Sicht eines Polizisten, wie dieser immer mehr begreift, dass Kerstin verrückt wird.

Weil beide Perspektiven sich konträr gegenüberstehen, einerseits die einer langsam verrückt werdenden Frau, andererseits die eines objektiven, mäßig-interessierten Beobachters, wird ziemlich schnell offensichtlich, dass hier wahrscheinlich versucht wurde zu zeigen, wie eine Frau sich in eine Wahnwelt hineinsteigert.

Das Ende ist in jedem Fall dann nur noch verwirrend. Oder in den Worten des Polizisten: „Gott, dieses Gespräch werde ich niemals auf die Reihe kriegen fürs Protokoll. (…) Ich bin nicht zu gebrauchen. Das hier ist nicht mein Fall.“

Während „Im Dickicht“ trotz der Kürze zu lang ist, ist es bei Susanne Mischkes „Sau tot“ genau umgekehrt. Denn „Sau tot“ ist ein Whodunit, der keine Zeit für die vielen Tatverdächtigen hat. So ist man mehr damit beschäftigt, die einzelnen Namen zu sortieren, als den Ermittlungen zu folgen. Entsprechend blass bleiben die Verdächtigen.

Nach einer Dorfhochzeit, bei der ein gutes Dutzend Personen vorgestellt werden, ist Jan Lemke, der stinkreiche Sohn, Dorf-Gigolo und Vorsitzende eines Clubs von Junggesellen, tot. Er wurde mit einer Mistgabel erstochen. Kommissar Lars Seehafer hat zahlreiche Verdächtige: die Hochzeitsgäste, die spurlos verschwundene Braut, die örtliche Biobäuerin Kati Lenzen und ihre vom Krieg verwirrte Großmutter. Immerhin ärgerte der Ermordete die Bäuerin immer wieder und er war in der Nacht vor der Hochzeit für den Tot ihres Lieblingsschweines Hermine verantwortlich.

Die Ermittlungen folgen dem üblichen Frage-Antwort-Spiel. Außerdem gibt es immer wieder Beweise, die in die eine, oder die andere Richtung deuten, bis Kommissar Seehafer dann auf Seite 57 einen Geistesblitz hat und den Täter kennt.

Während „Im Dickicht“ in Teilen im Präsens geschrieben wurde, wurde „Sau tot“ vollständig im Präsens geschrieben. Das scheint, Gunter Gerlach tut’s in „Engel in Esslingen“ ebenfalls, eine neue Mode bei deutschen Autoren zu werden. Doch, wie die Geschichten von Wolff und Mischke, zeigen, ist es schwer im Präsens glaubwürdig eine spannende Geschichte zu erzählen. Es ist ein oft nicht sinnvoller Bruch mit den Lesegewohnheiten. Vieles wirkt gekünstelt und klingt einfach unnatürlich. Nicht umsonst werden die meisten Geschichten in der Vergangenheitsform erzählt.

Gunter Gerlachs „Engel in Esslingen“ ist, wie gesagt, ebenfalls im Präsens geschrieben. Aber hier ist das Ergebnis eine stimmige Gaunerkomödie, in der Ich-Erzähler Valerian und sein Kumpel Ebbe zwei Typen sind, die einfach keine fünf Sekunden in die Zukunft denken können. Das zeigen schon die ersten Zeilen: „Ebbe beugt sich zum Bahnsteig herab. (…) Er kommt wieder hoch, zeigt mir die Münze. ‚Fünf Cent. Immerhin.’“

Die beiden Ex-Knackis und, wie wir später erfahren, gerade gefeuerten Geldeintreiber fahren mit dem Zug nach Esslingen zu ihrem Kumpel Rolf. Der hat nämlich den Plan für ein ganz großes Ding. Bereits auf der Zugfahrt werden sie von einem falschen Schaffner bestohlen und Ebbe wird von einer Frau mit einer Lockenfrisur wie eine Mütze mit einer Gabel in die Hand gestochen. Es ging um eine Wurst. Kaum angekommen entdecken Valerian und Ebbe den Dieb, aber bevor sie etwas unternehmen können, schreit die Frau mit der Lockenfrisur, sie hätten sie bestohlen.

Die beiden Ex-Knackis suchen das Weite. Doch damit hat ihre Pechsträhne gerade begonnen. In Rolfs Wohnung entdecken sie seine Leiche und ihr Plan von dem großen Geld scheint sich in Luft aufzulösen. Aber so leicht geben die Beiden nicht auf.

„Engel in Esslingen“ ist eine schwarzhumorige Gaunerkomödie mit absurden Wendungen und einer Handvoll Charaktere, die nicht gerade Geistesgrößen sind und absolut keinen Respekt vor fremdem Eigentum haben. Das ist die Art von Geschichten, die im kurzen „Kaliber .64“-Format ausgezeichnet funktionieren. Gleichzeitig macht „Engel in Esslingen“ Lust auf die anderen Werke von Gunter Gerlach. Und auch das ist eines der Ziele der Reihe: für wenig Geld einen Autor vorstellen.

 

Gabriele Wolff: Im Dickicht

Edition Nautilus, Kaliber .64, 2007

64 Seiten

4,90 Euro

Homepage der Autorin: http://www.gabrielewolff.de/

 

Susanne Mischke: Sau tot

Edition Nautilus, Kaliber .64, 2007

64 Seiten

4,90 Euro

Homepage der Autorin: http://www.susannemischke.de/

 

Gunter Gerlach: Engel in Esslingen

Edition Nautilus, Kaliber .64, 2007

64 Seiten

4,90 Euro

Homepage des Autors: http://www.gunter-gerlach.de/

 

Meine Besprechung der Kaliber .64-Bücher „Horst Eckert: Der Absprung“ (Top), „Frank Göhre: Der letzte Freier“ (Top) und „Regula Venske: Mord im Lustspielhaus“ (Flop):

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-zwanzigneun.html


WWW-Fundstücke

Juni 19, 2007

Zur besten Sendezeit klärt Arte heute im Themenabend „Wir werden alle überwacht“ auf.

Die „Stirb langsam 4.0“-Werbemaschine läuft auf vollen Touren. Gestern war die Deutschlandpremiere. Alle Beteiligten sind begeistert – auch wenn sie während des Interviews den Film höchstwahrscheinlich noch nicht gesehen haben. Demnächst dürften dann endlich auch die Kritiken zu diesem Über-Zwei-Stunden-Minuten-Actionfilm erscheinen.

Bereits vor einigen Tagen erschien in der „taz“ ein lesenswertes Interview mit den beiden Berliner Tatort-Kommissaren Till Ritter und Felix Stark, äh, Dominic Raacke und Boris Aljinovic. Zur Qualität ihrer „Tatorte“:

Raacke: Hundertprozentig gelungen ist keiner unserer „Tatorte“. Ich glaube, es waren so jeweils drei ziemlich gute und richtig schlechte Filme, der Rest lag irgendwo dazwischen.

Aljinovic: Wir beide haben Filme wie „French Connection“ im DVD-Regal. Wenn man die anguckt und mit unseren vergleicht, kann man zu gar keinem anderen Ergebnis kommen. Dieses Gefälle verliert man nie aus den Augen.

Und zur Vorgabe bei ihren ersten gemeinsamen Ermittlungen:

Raacke: Man darf auch nicht vergessen, dass die Losung bei unserem Dienstantritt war: Bloß nicht auffallen!

Aljinovic: Es wäre schön, wenn wir nicht der schlechteste „Tatort“ bleiben würden, so bescheiden war die Zielvorgabe damals. Wir sind jetzt allerdings so weit, dass wir schon ein bisschen mehr Selbstbewusstsein haben könnten: Es gab ein paar richtig gute Filme und sogar schon mal eine Nominierung für einen Preis.


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