„Inventing Queer Cinema“ – Es darf diskutiert werden

Juni 1, 2026

Am 12. Juni startet das die Ausstellung und das Filmprogramm „Inventing Queer Cinema“ in der Deutschen Kinemathek (Mauerstraße 79, 10117 Berlin) begleitende Veranstaltungsprogramm.

Hier, ohne weitere Worte, das Programm (wie es mir zugeflüstert wurde):

Freitag, 12. Juni, 19 Uhr 

Tanten, Tunten, kesse Väter.Wolfgang Theis macht großes Kino im Schwulen Museum

(Gespräch)

Wolfgang Theis (ehem. Schwules Museum, Deutsche Kinemathek)

Birgit Bosold (Vorstand, Schwules Museum)

Romain Pinteaux (Archiv, Schwules Museum)

Wolfgang Theis war der langjährige Leiter des Fotoarchivs der Deutschen Kinemathek und ist eine der »Gründungsmütter« des Schwulen Museums in Berlin. Dort kuratierte er viele Jahrzehnte Sonderausstellungen zu allen möglichen und unmöglichen Themen der queeren Kulturgeschichte. Zusammen mit Birgit Bosold und Romain Pinteaux widmen wir seinem eindrucksvollen (schwulen-) bewegten Schaffen diesen Abend.

In Kooperation mit dem Schwulen Museum und im Rahmen der Ausstellung »Susan Sontag: Sehen und Gesehen werden«.

Freitag, 19. Juni, 19 Uhr 

Unverfilmt: Das Drehbuch ›Der Puppenjunge‹ von Wieland Speck 

(Lesung und Gespräch)

Wieland Speck (Regisseur, Kurator ehem. Berlinale Panorama, TEDDY Awards)

Til Schindler (Schauspieler)

1926 veröffentlichte der deutsche Autor John Henry Mackay den Roman ›Der Puppenjunge. Die Geschichte einer namenlosen Liebe aus der Friedrichstrasse‹ über den Buchhändler Hermann Graff, der sich in den Strichjungen Günter verliebt. 1992 adaptierte Filmemacher und Aktivist Wieland Speck den Roman, sein Drehbuch blieb jedoch unverfilmt. Wir sprechen mit Speck über seine Adaption, erfolgreichen Aktivismus und gescheiterte Finanzierungen. Schauspieler Til Schindler liest erstmals öffentlich Teile des Drehbuches.

Freitag, 26. Juni, 19 Uhr 

Kein Taxi zum Klo? Lesbisches Kino im Fokus 

(Diskussion)

Monika Treut (Regisseurin, Autorin, Produzentin)

Angelina Maccarone (Regisseurin, Autorin)

Eline Gehring (Regisseurin, Autorin)

Wie steht es um lesbische Sichtbarkeit im Queer Cinema? Spielen lesbische Frauen als Regisseurinnen und Figuren im Film eine Nebenrolle? Oder gucken wir einfach nicht genau hin? Zwischen Verführungen, Coming Outs und Selbstbehauptung diskutieren Monika Treut, Angelina Maccarone und Eline Gehring ihre oft bahnbrechenden Filme. Sie erzählen von ihren Geschichten, ihren queeren Figuren und geben uns einen Einblick in vergangenes und kommendes lesbisches Filmschaffen.

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Freitag, 10. Juli, 19 Uhr 

Wie pervers ist die Situation? Wir diskutieren Rosa von Praunheims ›Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt‹

(Screening und Diskussion)

Martin Dannecker (Sexualwissenschaftler, Autor)

Jochen Hick (Regisseur, Journalist, Autor)

Faraz Shariat (Regisseur, Produzent, Autor)

›Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt‹ von Rosa von Praunheim löste 1971 ein Erdbeben aus und führte deutschlandweit erstmals zur Gründung zahlreicher Schwulenbewegungen. Statt um Empathie und Verständnis zu werben, griff Praunheim schwule Männer scharf an: Spießig, einsam, eitel und unpolitisch seien sie und sollten endlich auf die Straße gehen! Ein Film wie eine schallende Ohrfeige, die nicht umsonst auch in der Ausstellung »Inventing Queer Cinema« eine zentrale Rolle spielt. Wir zeigen den Film noch einmal und fordern das Publikum und geladene Gäste auf, sich kritisch zu positionieren. Ein offenes Gespräch ohne Podium und Bühne, in dem wir Wirkung und Thesen des Films neu diskutieren wollen.

Freitag, 17. Juli, 19 Uhr 

Let’s Have a Talk! Queerer Aktivismus in der Filmbranche

(Diskussion)

Vertreter*innen von:

Queer Media Society

#ActOut

Schwarze Filmschaffende e.V.

Hauptverband Cinephilie

Jünglinge

Die Deutsche Kinemathek lädt zum Austausch ein: Was passiert aktivistisch im deutschen Queer Cinema? Wer organisiert sich wie – und wofür? Wie können wir uns gegenseitig unterstützen und vor welchen Herausforderungen stehen wir? Dazu laden wir zum Fishbowl ein. Bei der Diskussionsmethode in Form eines offenen Stuhlkreises kommen die Teilnehmenden zu Wort und miteinander ins Gespräch. Mit dabei sind Vertreter*innen der Queer Media Society, von #ActOut, Jünglinge und dem Hauptverband Cinephilie. Die Veranstaltung ist offen für alle.

Freitag, 24. Juli, 19 Uhr 

Selbstverständlichkeiten und Rollenverständnisse: Frauen, Männer, Trans* im Film

(Diskussion)

Thea Ehre (Schauspielerin)

Tucké Royale (Schauspieler, Autor)

Zazie de Paris (Schauspielerin, Sängerin)

Zazie de Paris, Thea Ehre und Tucké Royale haben mit ihren Rollen in Produktionen wie ›Westler“, ›Bis ans Ende der Nacht‹ oder ›Neubau‹ queere Filmgeschichte geschrieben. Mal geht es in den Filmen explizit um Repräsentation von Trans*, mal wird es am Rande und oft überhaupt nicht erwähnt. Wann spielt Trans*identität im Film eine Rolle?  Wie steht es um die Sichtbarkeit im Queer Cinema? Ein Gespräch über Underground und Prime Time, Genre und Gender, Erfolg und Rollenangebote.

Donnerstag, 30. Juli, 19 Uhr 

Queer Cinema in Serie. Andere Geschichten und Figuren in Fernsehproduktionen

(Diskussion)

Merle Grimme (Regisseurin, Autorin)

Kerstin Polte (Regisseurin, Autorin)

Lamin Leroy Gibba (Schauspieler, Autor)

Es tut sich etwas im deutschen Fernsehen, das in den letzten Jahren queerer und diverser zu werden scheint. Mit Serien wie ›Clashing Differences‹, ›Schwarze Früchte‹, ›Becoming Charlie‹, ›Loving Her‹, ›Wir‹ oder „Druck‹ entstehen gerade im nicht-lineare Spartenprogramm Geschichten und Figuren, die wir so noch nicht kannten. Doch wie nachhaltig ist der Trend, und was folgt auf die Vorzeigeserien? Mit Merle Grimme, Kerstin Polte und Lamin Leroy Gibba berichten drei Kreative über ihre Arbeiten, die nicht nur die Fernsehlandschaft maßgeblich verändert haben.

Freitag 14. August, 19 Uhr 

Do It Yourself! Subversive Filmarbeit zwischen Pornoproduktion, Fernsehmagazin und Straßenführung 

(Diskussion)

Mahide Lein (Aktivistin, Kulturvermittlerin, AHOI)

Jürgen Brüning (Produzent, Regisseur, Kurator)

Gaby Tupper (Hausfrau, Showgirl, Community Queen)

Willkommen in der Subkultur! Von »Wurstfilm« und dem Porn Film Festival über »LÄSBISCH-TV« bis hin zu »Göttinnen des Trash und »Dietrich-Drag«: Jürgen Brüning, Mahide Lein und Gaby Tupper sprechen über ihre Kulturarbeit, ihr bewegtes Leben und darüber wie sie eigene Räume und Angebote geschaffen haben, die die queere Kultur Berlins verändert haben. Ein Abend als gesprächiger Erlebnisbericht.

Freitag, 21. August, 19 Uhr

Rosenkönige und Grausame Frauen: Die Bildermacherin Elfi Mikesch

(Gespräch)

Elfi Mikesch (Kamerafrau, Regisseurin, Fotografin)

Moderation:

Fiona Berg (feminist elsewheres)

Maja Roth (HBK Braunschweig)

Queer avant la lettre: Im Jahr 1970 begann die Fotografin Elfi Mikesch ihre Arbeit als Regisseurin und Kamerafrau. Bekannt für ihre tanzenden, beweglichen Bilder, die uns in unerhörte Schieflagen und Träume versetzen, arbeitet sie bei unzähligen Filmen von Rosa von Praunheim, Werner Schroeter oder Monika Treut an der Kamera. Diese Kollaborationen sprühen von Queerness, anarchischer Energie und politischem Engagement. Von ›Ich denke oft an Hawaii‹ (1978) und dem Foto-Film ›Execution – A Study of Mary‹ (1979) bis zu ihrem Dokumentarfilm ›Krieg oder Frieden‹ (2024) führte Mikesch bei über 20 Produktionen selbst Regie. Fiona Berg und Maja Roth unterhalten sich mit Mikesch über ihr queeres Leben und Schaffen.

P. S.: Wie immer: Änderungen vorbehalten. Und an einigen Abenden dürfte es voll werden.

 


Impressionen aus Berlin

Mai 18, 2026

Weil ich über „The Mandalorian and Grogu“ (vorher im IMAX gesehen; Kinostart ist am Mittwoch) im Moment nur sagen darf, dass ich nichts sagen darf, gibt es ein Bild aus Berlin:

 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Die Schafe, der Mord und die Bestseller-Verfilmung „Glennkill: Ein Schafskrimi“

Mai 14, 2026

Einiges muss man einfach akzeptieren. Nein, nicht dass Schafe reden und einen Mordfall lösen. Sondern dass alle Schafe in „Glennkill“ fotorealistisch animiert sind. Sie sehen immer etwas unnatürlich aus.

Diese Schafe gehören dem Schäfer George Hardy (Hugh Jackman) (im Buch George Glenn). Der liegt eines Tages, mit einem Spaten in seinem Körper, auf seiner Wiese. Offensichtlich wurde er ermordet. Seine Schafherde, angeführt von der schlauen Lily (im Buch Miss Maples), will herausfinden, wer ihren liebenswerten Schäfer brutal ermordete.

Die Idee für diese Geschichte stammt von Leonie Swann. Sie schrieb den Rätselkrimi „Glennkill“, der 2005 ein Überraschungs-Bestseller wurde und 2006 den Friedrich-Glauser-Preis als bester deutschsprachiger Debütkriminalroman erhielt. Denn Leonie Swann ist eine deutsche Autorin und „Glennkill“ erschien ursprünglich auf Deutsch.

Zahlreiche Übersetzungen, auch ins Englische, folgten. Dort erschien der Roman 2008 unter dem Titel „Three Bags Full: A Sheep Detective Story“.

Die Verfilmung heißt jetzt, um die Verwirrung zu vervollständigen, im Original (also im angloamerikanischen Raum) „The Sheep Detectives“. Als hätte man nicht einfach bei „Glennkill“ bleiben können.

Schnell gab es Pläne für eine Verfilmung und rechtliche Probleme. Denn es war unklar, wie sich eine deutsche und eine internationale Verfilmung (bzw. eine Hollywood-Verfilmung) zueinander verhalten sollten. Nachdem das geklärt war, war eine Hollywood-Verfilmung möglich. Außerdem hat sich die Tricktechnik in den vergangenen zwanzig Jahren enorm weiterentwickelt. Die „Avatar“-Filme und einige Disney-Live-Action-Filme, wie „The Jungle Book“ und „Der König der Löwen“, zeigten, wie gut Menschen, animierte Tiere (oder andere Lebewesen) und mehr oder weniger reale Landschaften miteinander interagieren können.

Inszeniert wurde der Krimi jetzt von Kyle Balda („Minions“, „Ich – Einfach unverbesserlich 3“, „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“). Craig Mazin („The Huntsman & The Ice Queen“, „Chernobyl“, „The Last of Us“) schrieb das Drehbuch.

Die von Mazin erfundene Filmgeschichte übernimmt aus dem Roman die Prämisse und die Idee, den Kriminalfall aus der Sicht von Schafen zu erzählen. Der nun folgende Kriminalfall im Film hat nichts mit dem Fall im Roman zu tun. Das gilt selbstverständlich auch für den Täter und sein Motiv. Mazin veränderte und erfand viele Personen. So ist der ermordete Schäfer im Film viel netter als im Roman. Er hat auch einen besseren literarischen Geschmack. Im Film liest George seinen auf der Wiese grasenden Schafen Kriminalromane vor und vermittelt ihnen so das Handwerkszeug, um den Mordfall aufzuklären. Im Buch liest er ihnen vor allem schnulzige Liebesromane vor. Im Buch ist der Kriminalfall kaum bis überhaupt nicht vorhanden. Entsprechend wenig ermtteln die Schafe.

Das sind aber nur Details. Der größte und wichtigste Unterschied ist, dass der Film von Menschen gemacht wurde, die die Regeln des Rätselkrimis kennen, respektieren und lieben. Ihr „Glennkill“ ist ein aus einer ungewöhnlichen Perspektive erzählter witziger Rätselkrimi und eine Reflexion über die Regeln des Rätselkrimis.

Der Roman wurde offensichtlich von jemand geschrieben, dem das egal ist. Die Geschichte wurde lieblos in ein Krimi-Korsett gezwängt, weil Krimis sich verkaufen. Vor allem wenn sie mild humoristisch sind. Vor zwanzig Jahren waren schon seit längerem Katzenkrimis sehr beliebt. Schafe sind da nur andere Vierbeiner, die dem Publikum gefallen könnten. Diese Egal-Einstellung gegenüber dem Krimi-Genre zeigt sich auch daran, dass Leonie Swann ihren Schäfer Liebesromane vorlesen lässt. Der Roman-George liest ihnen Schnulzen vor. Seine Erbin Rebecca liest ihnen Emily Brontës „Wuthering Heigths“ vor.

Das macht Swanns Roman zu einem wenig überzeugendem Möchtegern-Kriminalroman und Baldas Film zu einem rundum überzeugendem cozy Rätselkrimi mit einem deutlich erkennbarem humoristischem Einschlag.

Pünktlich zum Filmstart erschien vor wenigen Tagen Leonie Swanns dritter Schafskrimi. „Widdersehen“ spielt nach dem Frankreichausflug „Garou“ wieder auf der aus „Glennkill“ bekannten irischen Wiese. Aber sie sieht nicht mehr so schön aus wie früher. Als dann auch noch ihre Schäferin Rebecca spurlos verschwindet, müssen Miss Maple und die Schafherde wieder ermitteln. Ihre einzigen Spuren sind ein Finger und ein Brief, den die Schafe nicht lesen können.

Glennkill: Ein Schafskrimi (The Sheep Detectives, USA 2026)

Regie: Kyle Balda

Drehbuch: Craig Mazin

LV: Leonie Swann: Glennkill, 2005

mit Hugh Jackman, Nicholas Braun, Nicholas Galitzine, Molly Gordon, Hong Chau, Emma Thompson, Tosin Cole, Kobna Holdbrook-Smith, Conleth Hill, Mandeep Dhillon

(im Original den Stimmen von) Julia Louis-Dreyfus, Chris O’Dowd, Regina Hall, Brett Goldstein, Rhys Darby, Patrick Stewart, Tommy Birchall, Bryan Cranston, Bella Ramsey

(in der deutschen Synchronisation mit dem Stimmen von) Anke Engelke, Bastian Pastewka

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Die Vorlage, neu aufgelegt bei einem neuen Verlag

Leonie Swann: Glennkill

Dumont, 2026

416 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Goldmann, 2005

Die weiteren Schafskrimis von Leonie Swann mit den schlauen irischen Schafen und ihrer Schäferin Rebecca

Leonie Swann: Garou

Dumont, 2026

448 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Goldmann, 2010

Leonie Swann: Widdersehen

Dumont, 2026

336 Seiten

25 Euro

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Glennkill“

Metacritic über „Glennkill“

Rotten Tomatoes über „Glennkill“

Wikipedia über „Glennkill“ (Verfilmung: deutsch, englisch; Roman: deutsch, englisch) und Leonie Swann (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kyle Balda/Brad Ableson (Co-Regie)/Jonathan del Vals (Co-Regie) „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ (Minions: The Rise of Gru, USA 2022)

Dumont über Leonie Swann

Perlentaucher über Leonie Swann

Mein Hinweis auf Leonie Swanns „Widdersehen“-Lesereise


Impressionen aus Berlin: Nochmal „Inventing Queer Cinema

Mai 13, 2026

Ausgehend von meinem heutigen TV-Tipp gibt es ein weiteres Bild aus der Ausstellung „Inventing Queer Cinema“ der Deutschen Kinemathek.


Über die Ausstellung „Inventing Queer Cinema“ in der Deutschen Kinemathek

Mai 11, 2026

Die erste Ausstellung der Deutschen Kinemathek an ihrem Übergangsstandort präsentiert auch ein Stück Berlin-Geschichte, das nur möglich wurde, weil das Archiv des Filmverleihs Salzgeber geöffnet wurde. Der Filmverleih wurde 1985 von Manfred Salzgeber in West-Berlin gegründet mit dem Ziel, schwule Filme zu verleihen. Und Berlin war und ist für den queeren Film wichtig.

Schon vor der Gründung des Verleihs – Salzgeber fand 1985 für den Film „Buddies“, den ersten Spielfilm über AIDS, keinen Verleiher oder TV-Sender – engagierte der 1943 geborene und 1994 verstorbene Filmfanatiker sich für schwule Belange. Unter anderem bei der Gründung des Internationalen Forums des Jungen Films, später bei der Berlinale, als Kinobetreiber und gut vernetzter Entdecker und Förderer von Filmen abseits des Mainstreams, die nach seiner Überzeugung gesehen werden sollten. Mit Wieland Speck schuf er 1987 im Panorama der Berlinale den Teddy Award, den weltweit ersten offiziellen queeren Filmpreis auf einem A-Festival.

Viele Filme über queeres Leben entstanden in Berlin. Rosa von Praunheim lebte und arbeitete bis zu seinem Tod in Berlin. Sein Spielfilm „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) kann für die schwule und lesbische Community und ihr Selbstbewusstsein nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Konzipiert und kuratiert wurde die Ausstellung von Björn Koll, der sich mit ihr einen Traum erfüllte. Seit 1989 arbeitet er in verschiedenen Funktionen bei Salzgeber. 1994 wurde er Eigentümer und wurde 2007 alleiniger Geschäftsführer der Salzgeber & Co. Medien GmbH. Zur Ausstellung sagt er: „Es geht bei ‚Inventing Queer Cinema‘ (…) nicht um die Frage, wer was erfunden hat. Das queere Kino ist ein imaginärer Raum und Traum, der von Millionen Menschen auf der Welt gespeist und geteilt wird. Der Wunsch, sich selbst zu sehen unf für andere sichtbar zu werden, war dabei immer stärker als alle Widrigkeiten bei Produktion und Herausbringung.“

Die Ausstellung nutzt die Räumlichkeiten des E-Werk, einem seit 1987 denkmalgeschütztem Umspannwerk, und zeigt gleichzeitig die Begrenzungen auf. Denn so hoch die Eingangshalle mit 8,75 Meter ist, so wenig Platz ist für die Präsentation all der in Jahrzehnten gesammelten und jetzt zu einem kleinen Teil ausgestellten Exponate. Dafür laden die frei schwebenden Plakate und Bilder zum Assozieren und Erinnern ein.

Die Ausstellung in der Eingangshalle teilt sich auf ein einen Prolog, der auf die Geschichte des queeren Film in den zwanziger Jahren in der Weimarer Republik eingeht. Es gibt die schon erwähnten, den Raum dominierenden Visuals und etwas abgeschottete Ecken für Rosa von Praunheim, eine Box für Manfred Salzgeber und eine auf drei Leinwände aufgeteilte Präsentation.

Bei Rosa von Praunheim wird sich in einer auf sechs Monitoren aufgeteilten Präsentation auf „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ und die Wirkungsgeschichte des Films konzentriert. In „Manfreds Box“ gibt es einen Einblick in das Wirken von Manfred Salzgeber mit 1993 entstandenen Mitschnitten aus seiner Einführung in die queere Filmgeschichte und Interviews mit Kollegen und Freunden. Im Fokus Fernsehen wird gezeigt, wie sich in den vergangenen Jahrzehnten in Talkshows, im Kinderfernsehen und in Filmen und Serien die Präsentation queerer Menschen veränderte.

Ein weiterer Blickfang ist die Installation „Celebrating Queer Cinema“. Auf drei Leinwänden werden Ausschnitte aus 22 Filmen gezeigt.

Im Schaltwerk werden erstmals Dokumente und Gegenstände aus dem Archiv des Filmverleih Salzgeber präsentiert. Es gehört jetzt zum Bestand der Stiftung Deutsche Kinemathek.

Während die Ausstellung primär eine Einführung in das Thema ist, gibt es zur Vertiefung eine Filmreihe und begeltende Veranstaltungen.

Die Filmreihe besteht aus 96 Filmen, die zwischen 1924 (Carl Theodor Dreyers „Michael“) und 2023 (Paul B. Preciados „Orlando, meine politische Biografie“, Vuk Lungulov-Klotz‘ „Mutt“, Hannes Hirschs „Drifter“, Harvey Rabbits „Captain Faggotron saves the Universe“ und Malgorzata Szumowska/Michal Englerts „Frau aus Freiheit“) ihre Premiere hatten. Fast die Hälfte der teils mehrfach gezeigten Filme stammen aus den siebziger, achtziger und neunziger Jahren. Es werden Filmen von Elfi Mikesch, Ulrike Ottinger, Rosa von Praunheim, Monika Treut und Frank Ripploh gezeigt. Es gibt auch Entdeckungen wie „100 Tage, Genosse Soldat“. Der sowjetische Film von 1990 über fünf junge Männer, die ihren Militärdienst nicht überleben, ist, je nach Sicht, immer noch oder wieder aktuell.

Zu den begleitenden Veranstaltungen gehören Drehbuchlesungen und Publikumsdiskussionen. Zu den Gästen gehören Monika Treut, Angelina Maccarone, Elfi Mikesch, Wieland Speck und Jochen Hick.

Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, sich nach dem Besuch der Ausstellung weiter in das Thema zu vertiefen. Und vielleicht gibt es auch irgendwann noch ein von Björn Koll angedachtes Buch zur Ausstellung.

Die Ausstellung „Inventing Queer Cinema“ ist in der Deutschen Kinemathek (Mauerstraße 79, Berlin) von jetzt bis zum 13. September 2026.

Sie ist von Donnerstag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Alle weiteren Informationen zur Ausstellung, der Filmreihe und den weiteren Angeboten findet ihr auf der Seite der Deutschen Kinemathek.


Frohe Ostern!

April 5, 2026


Wie war die Leipziger Buchmesse 2026?

März 23, 2026

Dann wollen wir, nach dem Prolog, in drei kurzen Kapiteln berichten

die Fakten

Am Donnerstag und Freitag besuchten 105.000 Menschen die Leipziger Buchmesse. Einer davon war ich. Insgesamt kamen über 313.000 Besucher zur diesjährigen Leipziger Buchmesse. Das ist ein Rekordbesuch. Letztes Jahr waren es 296.000 Besucher. Über 2.000 Aussteller aus 54 Ländern (auch Grönland) präsentierten ihre Bücher. Es gab über 3.000 Veranstaltung, meistens Lesungen und Gesprächsrunden, auf dem Messegelände und in der Stadt.

Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe, sagt dazu: „Ob Belletristik oder Sachbücher, gezeichnete oder gesprochene Bücher – dass die Leipziger Buchmesse mit ihrem Angebot noch mehr Menschen als je zuvor anzieht, macht uns wirklich stolz. Sie ist ein unverzichtbarer Treffpunkt für alle, die Bücher lieben.“

Der bekannteste Preis ist der Preis der Leipziger Buchmesse. Er ging an:

Belletristik: Katerina Poladjan: Goldstrand [S. Fischer]

Sachbuch/Essayistik: Marie-Janine Calic: Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa [C.H. Beck]

Übersetzung: Manfred Gmeiner: Unten leben (von Gustavo Faverón Patriau) [Literaturverlag Droschl]

Es gab aber auch noch andere Preise:

Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung

Miljenko Jergović: Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered (Übersetzung: Brigitte Döbert, Suhrkamp)

Erster Tancho Award für herausragende deutschsprachige Mangaka:

Kategorie Verlagspublikation: Sozan Coskun: Kiela und das letzte Geleit (Band 3) (altraverse)

Kategorie Selfpublishing: Lisa Santrau (LIAN): Rabenfluch 3: Zauber und Schatten

die Eindrücke

Zwischen den Gesprächen an verschiedenen Ständen (und meiner Meisterleistung, den großen Stand von Random House [Heyne, Goldmann, Blanvalet, usw.] zu übersehen, obwohl ich davor stand) besuchte ich dieses Jahr auch zwei Lesungen:

Horst Eckert las aus seinem neuen Thriller „Die Praktikantin“ (Heyne). In ihm will die titelgebende Praktikantin Carla Bergmann, zusammen mit dem Investigativjournalisten Jan Koller, herausfinden, warum in ein von Exilrussen gemietetes Büro eingebrochen wurde und die deutschen Behörden den Einbruch vertuschen wollen. Eckert verriet mir vor der Lesung, dass er bereits an seinem nächsten Roman schreibt und wir in ihm Figuren aus der „Praktikantin“ wieder begegnen werden.

Malin Thunberg Schunke (rechts im Bild), die seit vielen Jahren in Deutschland lebt, stellte zusammen mit ihrer Übersetzerin Stefanie Werner (links im Bild) ihren zweiten auf Deutsch erschienenen Roman vor. „Tödliche Fehler“ (Polar Verlag) ist ihr zweiter Roman (von fünf) mit dem Eurojust-Ermittlerduo Fabia Moretti und Esther Edh. Dieses Mal wollen sie herausfinden, was mit polnischen und rumänischen Saisonarbeitern auf einem in der Nähe von Neapel liegendem Bauernhof geschah. Thunberg Schunke und Werner meinten, bei der Lektüre könne einem der Appetit vergehen. Außerdem verriet Werner, dass sie gerade den dritten Roman der Serie übersetze. Er soll nächstes Jahr erscheinen.

Schon im letzten Jahr fiel auf, dass Dark Romance/Fantasy-Romane vor allem bei Leserinnen äußerst beliebt sind. Die großen Stände von einzelnen Autorinnen und die langen Schlangen sagen alles.

Sebastian Fitzek, den ich nicht traf, dürfte sich auf der Messe bei seinen täglichen, immer mehrstündigen Signierstunden einen veritablen Tennisarm erschrieben haben. Wie letztes Jahr.

die Pläne

Wieder einige Interviews führen oder ein absolut unvor….ich bleibe bei den Interviews. Das ist schwieriger.


Leipziger Buchmesse 2026 – Prolog

März 20, 2026

Mein Donnerstag: Leipziger Buchmesse – mit vielen guten Gesprächen, einer leckeren Pizza und der Preis der Leipziger Buchmesse ging an:

KATEGORIE BELLETRISTIK: Katerina Poladjan: „Goldstrand“ [S. Fischer]

KATEGORIE SACHBUCH/ESSAYISTIK: Marie-Janine Calic: „Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ [C.H. Beck]

KATEGORIE ÜBERSETZUNG: Manfred Gmeiner: „Unten leben“ (Gustavo Faverón Patriau) [Literaturverlag Droschl]


Horst Eckert # 21: Die Praktikantin

März 16, 2026

 

Horst Eckert stellt seinen Roman auf der Leipziger Buchmesse 2026 vor

Carla Bergmann kann ihr Glück kaum fassen: in der Lokalredaktion der Morgenpost hat sie einen Praktikumsplatz bekommen. Als erstes soll sie den Polizeibericht bearbeiten. Das ist eine typische Anfängeraufgabe. Dabei entdeckt sie eine Meldung über einen Einbruch in ein Büro. Zwei Männer wurden verhaftet. Sie fragt bei der Polizeisprecherin nach. Diese sagt ihr, es habe sich um eine Irrtum gehandelt und die beiden verhafteten Männer seien bereits entlassen worden.

Damit könnte die Sache erledigt sein. Aber Carla fragt sich, warum die Polizeisprecherin so pampig reagierte.

Sie recherchiert weiter, findet heraus, dass in das Büro eines ukrainischen Magazins, für das auch regimekritische Exilrussen schreiben, eingebrochen wurde, aber nichts gestohlen wurde. Kurz darauf wird auf Artem Woronin, einem der für das Magazin arbeitenden Journalisten, ein Anschlag verübt. Dieser Anschlag geschieht Sekunden vor einem Treffen mit Clara, bei dem er ihr wichtige Dokumente übergeben wollte. Er stirbt in der Garage der Morgenpost.

Danach ist diese Geschichte für die Morgenpost eine große Story. Zusammen mit Jan Koller, früher Investigativjournalist, jetzt Hauptstadtkorrespondent der Zeitung, will Clara herausfinden, wer warum Woronin ermordete.

Dabei begegnen der erfahrene Journallist und die Praktikantin auch einigen aus früheren Thrillern von Horst Eckert bekannten Figuren, wie den Polizisten Vincent Veih und Melia Adan. Und in Berlin bricht in dem an wenigen Tagen im November spielendem Thriller gerade die Regierung auseinander. Ähnlichkeit mit einem realen Koalitionsbruch sind gewollt. Schließlich schreibt Horst Eckert schon seit Jahren seine fabelhaften Politthriller dicht entlang aktueller Ereignisse, Entwicklungen und Schlagzeilen. In dem Einzelroman „Die Praktikantin“ beschäftigt sich der frühere TV-Journalist, neben dem Ukrainekrieg in all seinen Facetten, mit aktuellen Entwicklungen in der Zeitungsbranche. Der Spardruck, KI-Anwendungen und anstehende Fusionen prägen die Arbeit in der Redaktion.

Der Hauptplot – die Recherche von Carla und Jan über die Hintergründe des Einbruchs – entwickelt sich flott und actionreich. Das liegt einerseits daran, dass „Die Praktikantin“ zu Eckerts kürzeren Werken gehört, und andererseits daran, dass er eine Story erzählt, die von Eric Ambler sein könnte. Wie bei Ambler geraten in diesem Fall zwei (bei Ambler war es normalerweise ein) Normalbürger in eine sie überfordernde labyrinthische politische Verschwörung, bei der unklar ist, ob sie das Ende der Geschichte erleben.

Zwischen all den Fronten und verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Interessen verliert Horst Eckert nie den Überblick. Sein neuester Pageturner ist wieder einmal glänzend geplottete Aufklärung

Die Praktikantin von Horst Eckert

 

Horst Eckert: Die Praktikantin

Heyne, 2026

384 Seiten

17 Euro

Hinweise

Homepage von Horst Eckert

Wikipedia über Horst Eckert

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Königsallee“ (2007)

Meine Besprechung von Horst Eckerts “Sprengkraft” (2009)

Kriminalakte: Interview mit Horst Eckert über „Sprengkraft“

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Niederrhein-Blues und andere Geschichten“ (2010)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzer Schwan“ (2011)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzlicht“ (2013)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schattenboxer“ (2015)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Wolfsspinne“ (2016)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Im Namen der Lüge“ (2020)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Die Stunde der Wut“ (2021)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Das Jahr der Gier“ (2022)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Die Macht der Wölfe“ (2023)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Nacht der Verräter“ (2024)

 


Impressionen aus Berlin: Brandenburger Tor im Schnee

Februar 6, 2026

Donnerstag, 5. Februar 2026, am Nachmittag


Frohes neues Jahr!

Januar 1, 2026


Neu im Kino/Filmkritik: Heftig, blutig und sehr personalintensiv diese „Therapie für Wikinger“

Dezember 29, 2025

Manfred (Mads Mikkelsen) war schon immer etwas seltsam. Jetzt, 15 Jahre nachdem sein Bruder Anker (Nikolaj Lie Kaas) für den heftig aus dem Ruder gelaufenen Diebstahl von 41,2 Millionen Kronen inhaftiert wurde und Manfred die Beute versteckte, hält Manfred sich für John Lennon. Sicher, einige Kleinigkeiten, wie musikalische Fähigkeiten, Frisur, Brille, stimmen nicht, aber Manfred will nur mit John angesprochen werden. Sonst stürzt er sich aus dem nächsten Fenster, egal wie tief er dann fällt, oder er lässt sich aus dem fahrenden Auto fallen. Egal wie schnell es fährt und wie stark die Straße befahren ist. Und selbstverständlich erinnert sich John nicht daran, was Manfred getan hat und wo Manfred die Beute auf dem Grundstück der Eltern versteckte.

Anker hofft mit einen Besuch in ihrem im Wald gelegenem Elternhaus, das inzwischen einem Ehepaar gehört, das es zu einem Airbnb machte, etwas gegen Manfreds Dissoziative Persönlichkeitsstörung unternehmen zu können – und an die Beute zu kommen. Ein Arzt unterstützt ihn dabei. Er hat sogar eine noch bessere Idee: er will herausfinden, was passiert, wenn man mehrere Menschen mit einer Dissoziativen Persönlichkeitsstörung zusammen bringt und sie in ihrer Sicht der Welt bestätigt. In diesem Fall müssten die Beatles wieder vereinigt werden. Die entsprechenden persönlichkeitsgestörten Menschen sind schnell gefunden. Sie werden von Anker und dem Arzt aus verschiedenen Kliniken geholt. Ein Glückstreffer ist ein Patient, der zwischen zwei Beatles-Musikern und vielen weiteren, teils vollkommen gegensätzlichen Identitäten wechselt. Diese abrupten Persönlichkeitswechsel sorgen für weitere Lacher in Anders Thomas Jensens neuer Komödie. Zu Jensens früheren Filmen gehören „Blinkende Lichter“, „Dänische Delikatessen“, „Men & Chicken“ und „Helden der Wahrscheinlichkeit“. Außerdem schrieb er zahlreiche von anderen Regisseuren verfilmte Drehbücher.

Therapie für Wikinger“ ist, wie Jensens vorherige von ihm inszenierte Filme, keine Komödie für sensible Feingeister. Das beginnt schon mit der als Trickfilm präsentierten Einleitung (die am Filmende fortgeführt wird) über einen Wikingerhäuptling, der, nachdem sein Sohn einen Arm verliert, den anderen Stammesmitgliedern ebenfalls einen Arm abhackt. Denn, so denkt er, wenn alle gleich sind, wird niemand mehr wegen eines fehlenden Arms angestarrt. Bei dem abgehacktem Arm bleibt es nicht.

Nach dieser Einstimmung ist der Ton für den Film gesetzt. Keine der von Anders Thomas Jensen für seinen neuen Film „Therapie für Wikinger“ erfundenen Figuren hat einen besonders großen Respekt vor der eigenen und der körperlichen Unversehrtheit anderer Menschen. Die unterschiedlichen Ansichten und Ziele der durchgehend etwas dummen, manisch auf ihr Ziel fixierten Figuren prallen ungehemmt aufeinander. Schnell entwickelt sich eine aus Screwball-Komödien bekannte Dynamik von weiteren, immer absurderen, aber gleichzeitig auch vollkommen vernünftigen und folgerichtigen Aktionen und Reaktionen.

Daraus macht Jensen eine schwarzhumorige Geschichte mit brutalem Humor, Klamauk und musikalischen Experimenten zwischen Abba, Beatles und, aufgrund des fehlenden musikalischen Könnens der Film-‚Beatles‘, experimentellen Klängen.

Auch die Botschaft überdehnt Jensen so sehr, dass sie von einer begrüßenswerten Ansicht in nackte Idiotie und Wahnsinn umschlägt – und so auch zum Nachdenken darüber anregen kann.

Insgesamt ist diese „Therapie für Wikinger“ eine ziemlich unterhaltsame Angelegenheit. Wenn man den richtigen Humor dafür hat.

Therapie für Wikinger (Den sidste viking, Dänemark 2025)

Regie: Thomas Anders Jensen

Drehbuch: Thomas Anders Jensen

mit Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Sofie Gråbøl, Søren Malling, Bodil Jørgensen, Lars Brygmann, Kardo Razzazi, Nicolas Bro, Peter Düring, Lars Ranthe, Anette Støvelbæk, Rikke Louise Andersson

Internationaler Titel: The Last Viking

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Therapie für Wikinger“

Metacritic über „Therapie für Wikinger“

Rotten Tomatoes über „Therapie für Wikinger“

Wikipedia über „Therapie für Wikinger“ (dänisch, deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anders Thomas Jensens „Men & Chicken“ (Mænd & høns, Dänemark/Deutschland 2014)

Anders Thomas Jensen in Berlin


24. Dezember

Dezember 24, 2025


Impressionen aus Berlin: Anders Thomas Jensen präsentiert seine „Therapie für Wikinger“

Dezember 17, 2025

Am Mittwoch, den 17. Dezember, stellte Anders Thomas Jensen seinen neuen Film, die sehenswerte Schwarze Komödie „Therapie für Wikinger“, im Delphi Lux vor – und blickte mir in die Augen.

Die Besprechung gibt es zum Filmstart am 25. Dezember. Hier schon einmal der Trailer:


Impressionen aus Berlin: Jake Lamar stellt „Viper’s Dream“ vor

Oktober 22, 2025

Diese Woche stellte Jake Lamar in Berlin in der Buchhandlung InterKontinental seinen neuen Kriminalroman „Viper’s Dream“ vor. In dem grandiosen Noir-Jazz-Gangsterroman muss Clyde ‚Viper‘ Morton 1961 innerhalb der nächsten drei Stunden seine Heimatstadt New York verlassen. Der Schwarze hat gerade einen Menschen ermordet. Es ist der erste Mord, den er bereut. Im Cathouse der Baroness Pannonica de Koenigswarter, einer Rothschild-Erbin und über Jahrzehnte wichtige Jazz-Mentorin, plant er, umgeben von bekannten Jazzmusikern, seine Flucht. Da stellt sie ihm die Frage, die sie in ihrem Leben,

hunderten von Jazzmusikern stellte: „Wenn du drei Wünsche frei hättest, die sofort in Erfüllung gingen, welche wären das?“

In dem Moment beginnt Clyde Morton über sein Leben nachzudenken – und Jake Lamar schreibt auf, wie Morton 1936 von Alabama nach New York kommt, in Harlem Musiker werden will und ein Verbrecher wird. Mr. O nimmt ihn in seine Organisation auf. Viper wird zum gut verdienenden Drogenhändler.

Viper’s Dream“ ist eine fulminante, sehr dicht und schnörkellos geschriebene Biographie eines Gangsters, die unmittelbar mit dem Wandel des Verbrechens und der Jazzmusik von den dreißiger bis zu den sechziger Jahren in New York und den USA verknüpft ist. Der Krimi erhielt letztes Jahr den CWA Historical Dagger Award. Dieses Jahr war er von den Mystery Writers of Japan als bester ins Japanische übersetzter Kriminalroman nominiert.

Letztes Jahr erschien, ebenfalls in der Edition Nautilus, als erste Übersetzung eines seiner Romane ins Deutsche, „Das schwarze Chamäleon“. Über den mit dem Deutsche Krimipreis ausgezeichneten Roman schreibt Krimiautor Robert Brack, der den Roman übersetzte, im Nachwort: „ein perfekt konstruierter klassischer Whodunnit, außerdem ein satirischer Campus- und vielschichtiger amerikanischer Gesellschaftsroman, der schon 2001 komplexe Fragen von Race, Gender und Identity Politics mit beeindruckender erzählerischer Virtuosität behandelte.“

Während der Lesung sprach der in der Bronx aufgewachsene, seit 1993 in Paris lebende Autor auch über seine anderen Romane, wie seine Bücher entstehen, von ihm bewunderte Kollegen und Romane und den Jazz.

Jake Lamar: Viper’s Dream

(übersetzt von Robert Brack)

Edition Nautilus, 2025

208 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Viper’s Dream

No Exit Press, London 2023

außerdem erhältlich

Jake Lamar: Das schwarze Chamäleon

(übersetzt von Robert Brack)

Edition Nautilus, 2024

328 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

If 6 were 9

Crown Publishers, New York 2001

Hinweise

Homepage von Jake Lamar

Edition Nautilus über Jake Lamar

Wikipedia über Jake Lamar (französisch, englisch)

 


Impressionen aus Berlin: Ereignisse kündigen sich an

Juli 29, 2025

2001 war „Der Schuh des Manitu“ nach „Harry Potter und der Stein der Weisen“ der erfolgreichste Film in den deutsche Kinos. Mit deutlich über 11 Millionen Besuchern und einem Umsatz von 65 Millionen Euro ist er der erfolgreichste deutsche Film nach 1968 an der deutschen Kinokasse.

Am 14. August läuft die schon jetzt am Kino großplakatig beworbene Fortsetzung „Das Kanu des Manitu“ an. Ob es wieder so ein Erfolg wird?

Jedenfalls fand ich den Trailer überraschend witzig:


Impressionen aus Berlin: im Regen

Juli 16, 2025

nach fünf Minuten war es vorbei


Impressionen aus Berlin: Reichstag, angestrahlt verhüllt

Juni 21, 2025

Kurz vor dem Abschluss der Kunstaktion habe auch ich es auf den zertretenen Rasen vor dem Reichstag geschafft und mir angesehen, wie Christo und Jeanne-Claudes legendäre Verhüllung des Gebäudes als Lichtinstallation aussieht.

Nun, ungefähr so ernüchternd, wie kolportiert wurde: einige Strahler beleuchten den Bundestag. Erahnbar ist eine kleine Präsentation, die vom Entwurf über die Verhüllung bis zum Fallen der Gewebebahnen den Ablauf der Kunstaktion nachstellt. Da graue Gewebebahnen sich kaum von einem Gemäuer unterscheiden, sieht es immer so aus, als würde einfach nur ein Gebäude angestrahlt und manchmal bewegt sich etwas, das zeigen soll, wie sich Stoffbahnen im Wind bewegen. Aber es könnte auch irgendetwas anderes sein.

Das hat nichts mit den prächtigen, quietschbunden Installationen des „Festival of Lights“ zu tun.


Anna Mai serviert ein „Broilerkomplott“

Mai 26, 2025

Die Aktion von Antonia Hansen, angehende Anwältin, und ihren aktivistischen WG-Freunden in der Tiefgarage der Investitionsbank Brandenburg war bestenfalls halb durchgeplant. Und danach, als sie beobachten, wie ein Killer den Fahrer von Beate Scherer tötet und die Leiche im Kofferraum ihres Autos versteckt, improvisieren sie. Vor allem verfolgen sie das Auto aus Potsdam in die brandenburgische Einöde, wo sich noch nicht einmal Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Aber erstaunlich viele Verbrecher treffen im Sonnenhof aufeinander. Dort plant Scherer, als Erweiterung ihres Broilerimperiums, die größte Geflügelmast in Ostbrandenburg.

In dem Dorf streiten die Einheimischen sich wegen der neuen Hühnerfabrik. Die Fronten, auch in Familien, verlaufen zwischen erwarteten finanziellen Einnahmen und erwartbaren Umweltschäden. Eine neugierige Polizistin, die gerne Kriminalpolizistin wäre, schnüffelt in ihrer Freizeit in dem Fall herum. Und auf einem Hof steht ein geklauter Scherer-Tiefkühllaster mit wertvollem Inhalt.

Anna Mais Krimidebüt „Broilerkomplott“ spielt zwar in der Provinz, aber ein typischer Regiokrimi mit skurillen Typen und lustigem Humor ist ihr Krimi nicht. Eher schon orientiert sie sich an US-amerikanischen Hardboiled-Gangsterkrimis, in denen in der Provinz wegen einer Unmenge Geld oder Drogen plötzlich die Hölle los ist und Menschen sich auf möglichst groteske Art umbringen und beim Beseitigen von Leichen an alles denken; – außer einem Anruf bei der Polizei.

Im Gegensatz zu diesen schwarzhumorigen und oft sehr zynischen Gangsterkrimis hat Anna Mai deutlich mehr Respekt vor dem Leben und der körperlichen Unversehrtheit ihrer lebensnah gezeichneten, ziemlich normalen Figuren. Und das ist gut so. Denn Brandenburg ist nicht das US-amerikanische Hinterland.

Souverän wechselt Mai zwischen den verschiedenen Handlungssträngen und treibt so die Geschichte spannend voran.

Zusätzlich gibt es eine homöopathische Dosis Umweltpolitik, weil Toni und ihre WG-Freunde radikale Tierschützer sind und sie mit ihrer Aktion am Buchanfang auf das Leid von Hühnern (aka Broiler) in der Massentierhaltung hinweisen wollen.

Broilerkomplott“ ist eine flotte Sommerlektüre von angenehmer Länge. Also eigentlich der idelae Kriminalroman für einen Nachmittag an einem stillen Gewässer in Brandenburg oder anderswo. Gerne mit veganen Broilern im Anschluss.

Anna Mai: Broilerkomplott

ariadne/Argument Verlag, 2025

272 Seiten

15 Euro

Hinweise

Ariadne über das Buch

Homepage von Anna Mai


Einige Bilder, einige Lesetipps

Mai 23, 2025

Weil es wohl noch einige Tage dauert, bis ich (abgesehen von einer Ausnahme) diese wunderbaren Werke der grafischen Literatur bespreche, gibt es schon heute einige Bilder von den Büchern und den kreativen Köpfen hinter den Büchern.

In „Die letzte Einstellung“ erzählt Isabel Kreitz die Geschichte des fiktiven Autors Heinz Hoffmann, der in Nazi-Deutschland in die innere Emigration geht. Als die UFA 1944 einen Ghostwriter für einen vom NS-Propagandaministerium geplanten ‚Durchhaltefilm‘ sucht, nimmt er zähneknirschend die Arbeit an.

Kreitz zeichnet die in Babelsberg und in der kriegsfernen Provinz aus dem Ruder laufenden Dreharbeiten für diesen kriegswichtigen Film akribisch nach und sie fragt, wie man als Künstler in einer Diktatur überlebt.

Wer will, kann und sollte sich anschließend Dominik Grafs Dokumentarfilm „Jeder schreibt für sich allein“ (Deutschland 2023, ausgehend von Anatol Regniers Sachbuch) über Autoren während der NS-Zeit ansehen.

Isabel Kreitz: Die letzte Einstellung

Reprodukt, 2025

312 Seiten

29 Euro

 

Schweigen“ heißt das neue Werk von Birgit Weyhe. In ihrer dokumentarischen Graphic Novel geht es um das Schweigen während und nach einer Diktatur. Sie erzählt darüber anhand von zwei Frauen – Ellen Marx und Elisabeth Käsemann – und, bei Marx, ihrem Leben während der Nazi-Diktatur und, bei Marx und Käsemann, ihrem Leben in den siebziger Jahren in Argentinien während der grausamen Militärdiktatur.

Ebenfalls empfehlenswert ist ihr vorheriger, hier bereits abgefeierter Comic „Rude Girl“. In dem Buch erzählt sie die Geschichte der Afroamerikanerin Priscilla Layne und unterhält sich, während des Schreibens, mit ihr über kulturelle Aneignung und ihre Zeichnungen, die sich durch diesen Austausch verändern.

Rude Girl“ war als erster Comic in der Kategorie Sachbuch für den Preis der Leipziger Buchmesse 2023 nominiert. Es stand auf der Shortlist für den Hamburger Literaturpreis als Buch des Jahres. Und Weyhe erhielt 2022 den wichtigen Max-und-Moritz-Preis als beste deutschsprachige Künstlerin.

Birgit Weyhe: Schweigen

avant-verlag, 2025

368 Seiten

39 Euro

Birgit Weyhe: Rude Girl

avant-verlag, 2022

312 Seiten

26 Euro

Genug Vergangenheit. Springen wir in die Zukunft. In „Metropolia: Berlin 2099“ erzählen Fred Duval (Szenario) und Ingo Römling (Bild – und im Bild) von der Suche des Privatermittlers Sasha nach einer Killerin, die sich irgendwo in Europas größter Metropole befindet. Sie soll einen genialen, für den Konzern Metropolia arbeitenden Ingenieur ermordet haben.

Seine einzige Spur ist ein Schuh, den sie auf ihrer Flucht verlor.

Der spannende Cyberpunk-Comic erinnert an Science-Fiction-Noirs wie „Blade Runner“, „The Matrix“ und, immerhin spielt ein großer Teil der Geschichte in einem riesigen, renovierungsbedürftigem Hochhaus, an „Dredd“, gekreuzt mit etwas gut abgehangenem Berlin-Feeling. Das Ergebnis ist ein überaus eigenständiges Werk, das die Tradition achtet und weiterentwickelt. Schließlich haben sich in den letzten Jahrzehnte auch die Technik und unsere Visionen einer zukünftigen Stadt weiterentwickelt

Fred Duval/Ingo Römling: Metropolia: Berlin 2099

Splitter, 2025

56 Seiten

18 Euro