TV-Tipp für den 1. Juni: Das Gesetz der Begierde

Mai 31, 2016

3sat, 22.25

Das Gesetz der Begierde (Spanien 1986, Regie: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Pablo liebt Juan. Antonio liebt Pablo und Pablos Schwester Tina, die früher ein Mann war. Und schon dreht sich das Liebes- und Eifersuchtskarussell.

„Der Showdown ist schlichtweg genial, und zwar gerade weil er unüberbietbar kitschig ist. (…) Der Rest stellt sich als banale Eifersuchtsgeschichte unter Schwulen dar“, urteilte der Fischer Film Almanach damals über Almodóvars Frühwerk, das auch international Kasse machte.

mit Eusebio Poncela, Carmen Maura, Antonio Banderas, Miguel Molina

Hinweise

Wikipedia über „Das Gesetz der Begierde” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)


Cover der Woche

Mai 31, 2016

Sahrhage - Lehrermord


kurz & schnell: Eine Handvoll Besprechungen von Comics, Filmen und TV-Serien

Mai 31, 2016

Es hilft nichts. Die Steuererklärung ist gemacht (irgendwie), der Schreibtisch muss aufgeräumt werden (definitiv) und einige schon lange geplante Besprechungen, die als viel längere Besprechungen geplant waren, werden jetzt in der Kategorie „kurz & schnell“ abgehandelt. Denn nach dem Erwachen der Macht warten die nächsten Besprechungen schon und „Die Maske des Dimitrios“ will enthüllt werden.

Finch - Wonder Woman - Kriegswunden 1 - 2

Nachdem das Entsetzen über den neuen Zack-Snyder-Film, der Wonder Woman den Kampf zwischen Batman und Superman entscheiden ließ, können wir uns wieder den Bildergeschichten mit, nun, in diesem Fall den beiden Jungs und der gewohnt knapp bekleideten „Göttin des Krieges“ widmen.

Nachdem Brian Azzarello seine „Wonder Woman“-Neuinterpretation abschloss, übernahm Meredith Finch die Autorentätigkeit. Ihr Mann David Finch wurde der Zeichner. In ihrem ersten „Wonder Woman“-Sammelband „Kriegswunden“ geht es um Machtkämpfe in ihrem Amazonenreich, der Paradiesinsel, und um Kämpfe gegen Bedrohungen für die Menschheit. Denn für weniger rückt die Justice League nicht aus.

Gelungen,

Meredith Finch/David Finch/Goran Sudzuka: Wonder Woman – Göttin des Krieges

(übersetzt von Steve Kups)

Panini Comics, 2016

156 Seiten

16,99 Euro

Originalausgabe

Wonder Woman: War Torn (# 36 – # 40); Wonder Womand: War-Torn, Final Chapter (Wonder Woman Anual 1)

Januar 2015 – August 2015

Hinweise

DC Comics über Wonder Woman

Wikipedia über Wonder Woman (deutsch, englisch) 

Meine Besprechung von Brian Azzarellos Wonder Woman

Snyder - Capullo - Batman - Jahr Null - Die dunkle Stadt - 2

Scott Snyders grandiose Neuinterpretation von Batman geht mit dem über 250-seitigem „Jahr Null – Die dunkle Stadt“ weiter. Jetzt muss Batman gegen den Riddler kämpfen, der Gotham unter seine Kontrolle bringen will.

Die erste Runde endet für Bruce Wayne desaströs und der Riddler kann sich zum Herrscher über Gotham aufschwingen. Der zweite Teil des Buches zeigt dann ein ganz anderes Gotham, in dem der Riddler über die Stadt herrscht und die Bewohner mit seinen Ratespielen nervt und in den Tod treibt. Trotzdem hofft Batman, dass er ihn doch noch besiegen kann. Wenn er nicht stirbt.

Jahr Null – Die dunkle Stadt“ ist eine großartige Batman-Geschichte, die natürlich viel besser als dieser Film ist, den wir so gerne aus unserem Gedächtnis streichen würden.

Scott Snyder/JamesTynion IV/Greg Capllo/Andy Clarke: Batman: Jahr Null – Die dunkle Stadt (Band 5)

(übersetzt von Steve Kups)

Panini Comics, 2016

252 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Zero Year – Dark City, Part 2 – Part 5 (Batman # 25 – # 29, Januar 2014 – Mai 2014)

Zero Year – Savage City, Part 1 – Part 4 (Batman # 30 – 33, Juni 2014 – September 2014)

Hinweise

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos “American Vampire – Band 2″ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs “American Vampire – Band 3″ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Sean Murphys “American Vampire – Das Überleben des Stärkeren, Band 4″ (American Vampire: The Survival of the Fittest, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Greg Capullos „Batman: Jahr Null – Die geheime Stadt (Band 4)“ (Zero Year – Secret City: Part 1 – 3; Zero Year – Dark City: Part 1 (Batman # 21 – 24), August – Dezember 2013)

Griffo - Desberg - Golden Dogs 1 - 2Griffo - Desberg - Golden Dogs 2 - 2

Golden Dogs“ von Stephen Desberg (Szenario) und Griffo (Zeichnungen) erzählt die Geschichte einer vierköpfigen Verbrecherbande in London um 1820, die ein recht bunter Haufen sind. Dass eine Prostituierte dabei ist. Geschenkt. Aber dass auch ein Transvestit dabei ist, der sich jeden Abend, bevor er vor Publikum auftritt entscheiden kann, ob sie ein er ist (oder umgekehrt), das ist schon etwas anderes und bei den verschiedenen Raubzügen sehr hilfeich. Im ersten Band „Fanny“ kommt die Truppe zusammen. Im zweiten Band „Orwood“ muss sie, nachdem sie von der Polizei verfolgt werden, getrennte Wege gehen. Und es gibt einen Verräter unter ihnen.

In Frankreich sind bereits zwei die abschließenden beiden Folgebände erschienen.

Griffo/Desberg: Golden Dogs – Fanny (Band 1)

(übersetzt von Horst Berner)

Panini Comics, 2015

56 Seiten

13,99 Euro

Originalausgabe

Golden Dogs Volume 01: Fanny

Éditions du Lombard, 2014

Griffo/Desberg: Golden Dogs – Orwood (Band 2)

(übersetzt von Horst Berner)

Panini Comics, 2016

56 Seiten

13,99 Euro

Originalausgabe

Golden Dogs Volume 02: Orwood

Éditions du Lombard, 2014

Seeley - Revival 4 - 2Seeley - Revival 5 - 2

In „Revival“ erzählt Tim Seeley (Hack/Slash), wie in der Ortschaft Wausau im nördlichen Wisconsin eines Tages die Toten wieder auferstehen. Aber sie sind keine blutrünstigen Zombies, sondern ganz normale Menschen, die sich fast ganz normal verhalten. Im Mittelpunkt der Serie steht daher auch das Zusammenleben von Mensch und Nicht-mehr-Mensch, die sich im vierten und fünften Band, „Flucht nach Wisconsin“ und „Steigende Fluten“, endgültig zu einer nicht enden wollenden Soap entwickelt, in dem die Nebenstränge mehr Zeit einnehmen als die, sofern erkennbar, immer unwichtiger werdende Haupthandlung. Auf ein konkretes Ende, wie zum Beispiel einer Erklärung für die Wiederauferstehungen in Wausau, wird überhaupt nicht mehr hingearbeitet. Dafür werden weitere Rätsel aufgeworfen.

Wer damit leben kann, wird sich über den vierten und fünften Band von „Revival“ freuen. Neueinsteiger sollten dagegen mit dem ersten Band beginnen.

Tim Seeley/Mike Norton: Revial: Flucht nach Wisconsin (Band 4)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2015

164 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Revival, Volume 4: Escape to Wisconsin

Image, 2014

Tim Seeley/Mike Norton: Revival: Steigende Fluten (Band 5)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2016

128 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Revival, Volume 5: Gathering of Waters

Image, 2015

Hinweise

Homepage von Tim Seeley

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)“ (Hack/Slash: Reanimation Games, 2009)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: My First Maniac – Wie alles begann (Band 9)“ (Hack/Slash: Me without you, 2010)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: Folterverliebt (Band 10)“ (Hack/Slash: Torture Porn, 2011)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash – Tote Promis (Band 11)“ (Hack/Slash: Dead Celebrities, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash – Heiraten, f#cken, töten (Band 12)“ (Hack/Slash: Marry F#ck Kill, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival: Unter Freunden (Band 1)“ (Revival, Volume 1: You’re among friends, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival – Lebe dein Leben (Band 2)“ (Revival, Volume 2: Live like you mean it, 2013)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival – Ein ferner Ort (Band 3)“ (Revival, Volume 3: A faraway place, 2014)

Bunn - Night of the Living Deadpool - 2Bunn - Return of the Living Deadpool

À propos Untote: Deadpool darf in „Night of the Living Deadpool“ und „Return of the Living Deadpool“ von Autor Cullen Bunn und den Zeichnern Ramon Rosanas und Nik Virella auch einmal gegen sie kämpfen. Dass der Kampf eines unsterblichen Plappermauls gegen unsterbliche Mäuler nicht in den normalen Zombie-Bahnen verläuft und Deadpool am Ende von „Night of the Living Deadpool“ eine Lösung für die Zombieplage hat, die zu ungeahnten Folgen führt, die er in „Return of the Living Deadpool“ bekämpfen muss, erfreut natürlich das Herz des Deadpool-Fans.

Empfehlenswert!

Cullen Bunn/Ramon Rosanas: Night of the Living Deadpool

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini Comics, 2014

116 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Night of the Living Deadpool # 1 – 4

Marvel, März 2014 – Mai 2014

Cullen Bunn/Nik Virella: Return of the Living Deadpool

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini Comics, 2015

100 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Return of the Living Deadpool # 1 – 4

Marvel, April 2015 – Juli 2015

Hinweise

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner) „Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)“(Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5, März 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 2 (Deadpool Sonderband 3)” (Deadpool Corps 1 – 6, Juni 2010 – November 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 3: You say you want a Revolution (Deadpool Sonderband 4)” (Deadpool Corps 7 – 12: You say you want a Revolution (Part 1 – Part 6), Dezember 2010 – Mai 2011)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): Deadpool: Das Film-Special (X-Men Origins: Deadpool: The Major Motion Picture, 2010)

Meine Besprechung von „Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie“ (2016, Sammelband mit vielen Deadpool-Geschichten)

Meine Besprechung von Tim Millers „Deadpool“ (Deadpool, USA 2016)

Deadpool im Kino (und jetzt auch auf DVD/Blu-ray) wurde von Ryan Reynolds verkörpert, der auch in dem – zu Unrecht – kaum beachteten Spielerdrama „Dirty Trip – Mississippi Grind“ eine Hauptrolle spielt. Seinen Gegenpart spielt Ben Mendelsohn, der in den vergangenen Jahren zum Experten für gestörte Charaktere wurde. Da ist es schön, ihn auch einmal als ganz normalen Mann zu sehen.

Naja, fast. Denn Mendelsohn spielt Gerry, einen notorischen Spieler. In einer Bar lernt er Curtis (Ryan Reynolds) kennen. Einen Drifter und Spieler. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach New Orleans zu einem Pokerspiel mit einem großen Jackpot.

Dirty Trip“ von Anna Boden und Ryan Fleck erzählt die Geschichte dieser etwas ziellosen Reise von Gerry und Curtis, die sich zufällig begegnen und am Ende der Reise auch wieder getrennte Wege gehen. Stilistisch und erzählerisch steht ihr Film in der Tradition des New-Hollywood-Kinos, als problematische Charaktere im Mittelpunkt von, nun, Charakterstudien standen, die einen anderen Blick auf die USA warfen.

Sehr sehenswert!

Dirrty Trip - DVD-Cover - 2

Dirty Trip – Mississippi Grind (Mississippi Grind, USA 2015)

Regie: Anna Boden, Ryan Fleck

Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck

mit Ben Mendelsohn, Ryan Reynolds, Sienna Miller, James Toback

DVD

Ascot Elite

Bild: 16:9 (2.38:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Featurettes, Making of, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Dirty Trip – Mississippi Grind“

Metacritic über „Dirty Trip – Mississippi Grind“

Rotten Tomatoes über „Dirty Trip – Mississippi Grind“

Wikipedia über „Dirty Trip – Mississippi Grind“ 

Seit einigen Jahren erfreuen sich TV-Serien bei der Kritik einer wachsenden Beliebtheit. Gesehen wurden sie ja schon seit Ewigkeiten und die Fans tauschten sich, je nach Serie, mit großer Liebe zum Detail, über sie aus. Ich sage nur „Raumschiff Enterprise“ und „Akte X“. Dabei gibt es, grob gesagt, Miniserien, die innerhalb einer bestimmten Zeit, eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählen; Serien, in denen jede Woche ein neues Problem gelöst wird; und Serien, in denen sich die Geschichte über viele Folgen und Staffeln entwickelt, bis die sinkenden Zuschauerzahlen die Serie beenden. Bei diesen Serien ist man, wenn man nicht von der ersten Folge an dabei ist, ziemlich schnell „Lost“.

Und so eine sich über viele Staffeln erstreckende Geschichte war wohl auch bei „Blochin – Die Lebenden und die Toten“ die Idee gewesen. Also nicht ein „deutsches ‚Lost’“, sondern eine Krimi-Serie mit komplexen Charakteren, überraschenden Wendungen und einer Analyse des Zusammentreffens von Organisierter Kriminalität und Politik in der Hauptstadt. „Eine Kriminal-Symphonie der Großstadt Berlin“ steht auf dem DVD-Cover. Mit Matthias Glasner als Regisseur und Jürgen Vogel in der Hauptrolle hätte es etwas werden können, aber dann ging irgendwo alles schief. Und zwar so schief, dass man fassungslos dieses Komplettdesaster ansieht.

Blochin (Jürgen Vogel), ein Findelkind mit krimineller Vergangenheit und Polizist bei der Mordkommission mit ausgeprägten Milieukontakten, soll den Mord an einem Dealer aufklären. Kurz darauf wird in seiner Anwesenheit ein Undercover-Polizist in einem Szenelokal erschossen und Blochin (nur Blochin, kein Vorname, weil cool) wird als Mörder verdächtigt. Sein Schwager und Vorgesetzter Dominik (Thomas Heinze), normalerweise ‚Lieutenant‘ genannt (weil megacool), hilft ihm indem er einen Zeugen hinterrücks erschießt – und spätestens in diesem Moment fragt man sich, was die Macher, während sie Subplots und uninteressante Nebenstränge halbherzig einführen, geritten hat, den Charakter, der einen echten Konflikt hat, zu einer Nebenfigur zu machen, während der titelgebende Blochin vor allem als Zuschauer alles verfolgt und er während der gesamten Serienlänge keinen einzigen nennenswerten Konflikt hat. Das ändert sich in den letzten Minuten, die unverhohlen auf eine Fortsetzung spekulieren. Das wäre akzeptabel, wenn wenigstens die erste Staffel ein befriedigendes Ende hätte. Aber die Macher hören einfach mitten in der Geschichte auf.

Blochin“ ist einfach nur Murks ohne irgendeinen Abschluss, das das größte Verbrechen begeht, das eine Serie begehen kann: Zeitverschwendung zu sein.

Wie das uninformative Bonusmaterial.

Blochin - DVD-Cover - 2

Blochin – Die Lebenden und die Toten: Staffel 1 (Deutschland 2015)

Regie: Matthias Glasner

Drehbuch: Matthias Glasner, Svenja Rasocha (Co-Autor), LauraLackmann (Co-Autor), Maxim Kuphal-Potapenko (Co-Autor)

mit Jürgen Vogel, Thomas Heinze, Jördis Triebel, Maja Schöne, Emili Eiot, Christoph Letkowski

DVD

Studio Hamburg

Bild: 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial (30 Minuten): Wer ist Blochin?, Deleted Scenes ‚Jennifer‘, Wendecover

Länge: 360 Minuten (2 x 90 Minuten, 3 x 60 Minuten; 2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

ZDF über „Blochin“

Filmportal über „Blochin“

Moviepilot über „Blochin“

Wikipedia über „Blochin“

Meine Besprechung von Matthias Glasner „Gnade“ (Deutschland/Norwegen 2012)

Einen Abschluss gibt es bei den ARD-Sonntagskrimis immer nach neunzig Minuten. Egal ob es ein „Tatort“ oder ein „Polizeiruf 110“ ist und gerade die aus München kommenden „Polizeirufe“ sind immer einen Blick wert. In der dritten Box mit BR-„Polizeiruf 110“-Box sind

Pech und Schwefel (Regie: Klaus Krämer, Drehbuch: Klaus Krämer, Kaspar von Erffa, Deutschland 2003)

Vater Unser (Regie: Bernd Schadewald, Drehbuch: Christian Jeltsch, Deutschland 2004)

Die Maß ist voll (Regie: Klaus Krämer, Drehbuch: Klaus Krämer, Deutschland 2004)

Der scharlachrote Engel (Regie: Dominik Graf, Drehbuch: Günter Schütter, Deutschland 2005)

Die Prüfung (Regie: Eoin Moore, Drehbuch: Boris Gullotta, Deutschland 2005)

Er sollte tot (Regie: Dominik Graf, Regie: Rolf Basedow, Drehbuch 2006)

enthalten. Das Ermittlerteam bestand damals aus dem einarmigen Kommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) und der konsequent-fröhlich-patent-normalen Kommissarin Jo Obermaier (Michaela May). Ihre Fälle sind durchgehend sehenswert, durchgehend experimentierfreudig und auf einem durchgehend hohem Niveau; was sogar für die schwächeren Fälle gilt.

Dafür sprechen schon die vielen Preise, die diese sechs Fälle erhielten. So gab es für „Der scharlachrote Engel“ und „Er sollte tot“ jeweils einen Grimme-Preis und für „Er sollte tot“ gleich noch einen Sonderpreis für das Drehbuch beim Fernsehfilm-Festival Baden-Baden und für den Deutschen Fernsehpreis war es nominiert. Um nur die Drehbuchpreise zu nennen.

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Polizeiruf 110 – BR Box 3 (Die Folgen des BR 2003 – 2006)

DVD

EuroVideo

Bild: 16:9 anamorph (1,78:1)

Ton: Deutsch (Stereo 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 530 Minuten (3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Das Erste über den „Polizeiruf 110“

Wikipedia über den „Polizeiruf 110“ und die Kommissare Tauber und Obermaier

Meine Besprechung von „Polizeiruf 110 – BR Box 2 (Die Folgen des BR, 2000 – 2003)

Die erste Staffel von „True Detective“ wurde in den Himmel gelobt. „Meisterwerk“, „TV-Revolution“ und so. Da konnte die zweite Staffel natürlich nur schlechter abschneiden.

Ich bin da etwas zwiegespalten, weil für mich die erste Staffel hoffnungslos überbewertet und arg prätentiös ist. Da waren die Erwartungen an die zweite Staffel von Anfang an nicht so wahnsinnig hoch.

In der zweiten Staffel, die wieder eine in sich abgeschlossene Geschichte mit vollkommen neuen Charakteren erzählt, geht es um Korruption und mehr oder weniger kriminelle Geschäfte in Vinci, einer Kleinstadt in Kalifornien, die eine moderne Version von Dashiell Hammets „Poisonville“ ist.

Frank Semyon (Vince Vaughn) ist ein Ex-Gangster, der mit einem großen Projekt, in das auch die lokale Politik und ausländische Investoren involviert sind, zum respektierten Geschäftsmann werden will. Dieses Ansinnen könnte durch einen bizarren Mordfall gefährdet werden. Denn der Fundort der Leiche führt dazu, dass Motorradpolizist und Ex-Soldat Paul Woodrugh (Taylor Kitsch), Detective Sergeant Ani Bezzerides (Rachel McAdams) vom Ventura County Sheriff’s Office CID (das gerne die ganze korrupte Stadt Vinci ausmisten würde) und der korrupte Detective Ray Velcoro (Colin Farrell) vom Vinci Police Department, zusammenarbeiten müssen. Velcoro fragt sich, ob er in das Team entsandt wurde um den Fall aufzuklären oder die Aufklärung zu verhindern. Der trinkfreudige Polizist könnte mit beidem Leben. Woodrugh und Bezzerides haben auch ihr Päckchen persönliches Leid und Schuld zu tragen.

Die Besetzung mit Stars wie Colin Farrell, Vince Vaughn, Rachel McAdams, Taylor Kitsch und Kelly Reilly in den Hauptrollen und Abigail Spencer, Lolita Davidovich und David Morse in wichtigen Nebenrollen ist nicht schlecht. Regisseur Justin Lin, der einige Episoden der zweiten Staffel inszenierte, zeigt, dass er nicht nur ‚Fast & Furious‘ kann. Und „True Detective“-Erfinder Nic Pizzolatto schrieb wieder das Drehbuch für alle acht einstündigen Episoden.

Aber die über acht Stunden mäandernde Geschichte ist nur eine ziemlich vollständige, reichlich unstrukturierte Ansammlung von allen Klischees über Kalifornien, den Detektiv- und Polizeifilm. Wer will, kann mühelos zu jeder Szene mindestens zwei bessere Filme und Romane nennen. Das wäre, wenn Pizzolatto daraus etwas eigenständiges geschaffen hätte, gar nicht so schlimm. Aber so bleibt immer der Eindruck, dass eine ordnende Hand hier einiges hätte retten können.

So ist „True Detective: Staffel 2“ nur eine, durchaus kurzweilig, auf der Story-Ebene nicht besonders nachvollziehbare Ansammlung der bekannten Kriminalfilmklischees, in der, abgesehen von Vince Vaughn, gerade die anderen Hauptdarsteller erstaunlich blass bleiben.

Besser man sieht sich noch einmal die Klassiker, wie „Die Spur des Falken“, „Tote schlafen fest“, „Chinatown“ oder „L. A. Confidential“ an. Oder neuere Filme wie „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ oder, ab Donnerstag im Kino, „The Nice Guys“ an.

True Detective - Staffel 2 - 2

True Detective – Die komplette zweite Staffel (True Detective – Season 2, USA 2015)

Regie: Justin Lin, Janus Metz, Jeremy Podeswa, John Crowley, Miguel Sapochnik, Dan Attias

Drehbuch: Nic Pizzolatto, Scott Lasser (Co-Autor)

mit Colin Farrell, Rachel McAdams, Taylor Kitsch, Kelly Reilly, Vince Vaughn, Ritchie Coster, Michael Irby, Abigail Spencer, Lolita Davidovich, Rick Springfield, David Morse

DVD

Warner Home Video

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Making ‚The Vinci Massacre‘, A Look Inside ‚True Detective‘, ‚True Detectiv’s‘ California, Zwei Audiokommentare

Länge: 483 Minuten (8 Episoden à 57 Minuten) (3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

HBO über „True Detective“

Moviepilot über „True Detective“

Metacritic über „True Detective“

Rotten Tomatoes über „True Detective“

Wikipedia über „True Detective“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunagas „True Detective: Staffel 1“ (USA 2014)

Ein wenig zwischen die Stühle fällt die BBC-Serie „The Game“, die als richtig schön altmodischer Spionagethriller in der Tradition von „Dame, König, As, Spion“ John le Carré steht und ein herrlich muffiges Früh-Siebziger-Jahre-Feeling hat.

Es beginnt mit dem Angebot des KGB-Offiziers Arkady Malinov an den britischen Geheimdienst MI5, ihm Informationen über die große russische Geheimdienstoperation „Glass“ zu verraten. Daddy (Brian Cox), der Chef des Dienstes, stellt ein kleines Team zusammen, das mehr über die Operation Glass herausfinden soll. Schnell vermuten sie in ihrem Team einen Maulwurf.

Diese Jagd nach dem Maulwurf wird allerdings über mehrere Folgen zugunsten des ‚Geheimagenten der Woche‘ aufgegeben, was der Serie etwas episodisches verleiht.

Am Ende ist der Maulwurf enttarnt, die Operation Glass verhindert und die Option für eine zweite Staffel vorhanden, die auch längere Zeit im Gespräch war. Inzwischen hat die BBC verkündet, dass es wegen des hohen Budgets keine zweite Staffel gibt.

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The Game (The Game, Großbritannien 2014)

Regie: Niall MacCormick, Daniel O’Hara

Drehbuch: Toby Whithouse, Sarah Dollard, Debbie O’Malley

Erfinder: Toby Whithouse

mit Tom Hughes, Jonathan Aris, Victoria Hamilton, Shaun Dooley, Brian Cox, Paul Ritter, Chloe Pirrie, Yevgeni Sitokhin

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews (eigentlich ein zwanzigminütiges Making of), Deleted Scenes

Länge: 300 Minuten (6 x 50 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Game“

Rotten Tomatoes über „The Game“

Wikipedia über „The Game“ (deutsch, englisch)

Die dritte Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ lief ja schon im ZDF und auf der DVD/Blu-ray ist nur die wieder aus fünf spielfilmlangen Episoden bestehende, gut zehnstündige Serie in der deutschen und der Originalfassung enthalten.

Sie beginnt 13 Monate nach der vorherigen Staffel, die man nicht gesehen haben muss, um den aktuellen Fall (oder besser Fälle) zu verstehen. Saga Norén (Sofia Helin) arbeitet immer noch bei der Kripo Malmö. Ihr Kollege Martin Rohde sitzt im Gefängnis, weil er am Ende der zweiten Staffel einen Mord beging und sie gegen ihn aussagte, weil er gegen das Gesetz verstieß. Saga Norén ist, für alle, die die vorherigen Staffeln nicht kennen, eine fähige Polizistin mit einem ausgeprägten Asperger-Syndrom. Sie ist nicht in der Lage, eine normale Konversation zu führen und sie merkt gar nicht, dass sie andere Menschen mit ihrer Direktheit verletzt. Und Regeln und Gesetze sind Regeln und Gesetze, an die man sich halten muss.

Jetzt soll sie zusammen mit ihrem dänischen Kollegen Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) eine bizarre Mordserie aufklären. Es beginnt mit einer Gender-Forscherin und Aktivistin, die auf einer Baustelle als Teil eines Gemäldes des Grauens hergerichtet wurde.

Und wieder stapeln sich die möglichst fotogen inszenierten Leichen, etliche Charaktere werden eingeführt, deren Bedeutung erst viel später ersichtlich wird, fast ebenso viele Charaktere verschwinden mehr oder weniger spurlos aus der Geschichte (falls sie nicht ermordet werden) und dieses Mal gibt es so viele Subplots, dass der eigentlich im Zentrum stehende Kriminalfall dahinter verschwindet.

Zusammengehalten werden die vielen Plots durch ihre thematische Verwandtschaft. Immer geht es um die Folgen des eigenen Handelns und die Verantwortung dafür.

Und natürlich ist Saga Noréns sozial vollkommen inkompatibles Verhalten immer wieder gut für etliche Lacher in diesem unterkühlt erzählten Kriminaldrama, das allerdings immer mehr zu einer leichengesättigten Kolportage wird, in der flugs die aktuellen Schlagzeilen mit gruseligen Morden verziert werden.

Unterhaltsam: ja, schon. Aber auch etwas übertrieben und etwas unlogisch.

Die Brücke Staffel 3 - Blu-ray-Cover - 2

Die Brücke: Transit in den Tod – Staffel 3 (Bron, Broen, Dänemark/Schweden/Deutschland 2015)

Regie: Rumle Hammerich, Henrik Georgsson

Drehbuch: Hans Rosenfeldt, Camilla Ahlgren, Erik Ahrnbom, Astrid Øye

mit Sofia Helin, Thure Lindhardt, Rafael Pettersson, Dag Malmberg, Sara Boberg

Blu-ray

Edel: motion

Bild: 1080/50i High Definition Widescreen 16:9

Ton: Deutsch, Dänisch/Schwedisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: –

Länge: 568 Minuten (3 Blu-rays)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

ZDF über “Die Brücke”

Moviepilot über „Die Brücke“

Wikipedia über „Die Brücke“ (deutsch, englisch, dänisch, schwedisch)

Meine Besprechung von „Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 1“ (Bron; Broen, Schweden/Dänemark/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von „Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 2“ (Bron; Broen, Schweden/Dänemakr/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“ (ebenfalls erfunden von Hans Rosenfeldt)


TV-Tipp für den 31. Mai: Bis nichts mehr bleibt

Mai 31, 2016

WDR, 22.10

Bis nichts mehr bleibt (Deutschland 2010, Regie: Niki Stein)

Drehbuch: Niki Stein

Frank kämpft vor Gericht um das Sorgerecht für seine Tochter, die bei ihrer Mutter, einer Scientology-Anhängerin, ist.

Die Geschichte ist natürlich nur der Vorwand, um über die Sekte (die von dem Film nicht begeistert war) und ihre Methoden zu informieren.

Die kritische Bewertung überlasse ich dem „Lexikon des internationalen Films“, das etwas überschwänglich meint: „Ein sehr leiser, darstellerisch überzeugender (Fernseh-)Film, gedreht unter größtmöglicher Geheimhaltung und unter einem Titel-Pseudonym. Die Fülle an Fakten und Details schnürt ihm zwar gegen Ende ein wenig die Luft ab, dennoch bleibt er durchgängig spannend, auch weil Scientology hier zum allerersten Mal überhaupt in einem deutschen Film fiktional verhandelt wurde, der erzählte Stoff mithin ‚unverbraucht‘ ist.“

Die Erstausstrahlung war ein Quotenerfolg. Die Kritik positiv. Dennoch läuft „Bis nichts mehr bleibt“ eher selten im TV.

Mit Felix Klare, Silke Bodenbender, Kai Wiesinger, Nina Kunzendorf, Suzanne von Borsody, Paula Schramm, Sabine Postel, Robert Atzorn

Hinweise

Filmportal über „Bis nichts mehr bleibt“

Wikipedia über „Bis nichts mehr bleibt“


„Star Wars: Das Erwachen der Macht“ – jetzt auch als Roman zum Film, einmal für Erwachsene, einmal für Jugendliche

Mai 30, 2016

Im Kino war J. J. Abrams‘ Neustart-Fortführung von „Star Wars“, – „Krieg der Sterne“ für die Älteren -, enorm erfolgreich. Auf DVD und Blu-ray wird es für Das Erwachen der Macht“ ähnlich sein und die nächsten Filme aus der „Krieg der Sterne“-Welt sind schon in Arbeit.

Dreißig Jahre nach dem Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ kehren wir wieder in die weit, weit entfernte Galaxis zurück. Der damalige Sieg war nur von kurzer Dauer. Luke Skywalker verschwand spurlos. Han Solo tat wieder das, was er am Besten kann: windige Geschäfte an entlegenen Orten der Galaxie machen. Und auf dem Wüstenplaneten Jakku entdeckt die junge Schrottsammlerin Rey den herrenlosen Roboter BB-8, der den Teil einer Sternenkarte hat, die den Weg zu Luke Skywalker weisen soll. Die Bösewichter, die früher Imperium, jetzt Erste Ordnung heißen, wollen die Sternenkarte ebenfalls haben und schon entspinnt sich im Film eine witzige, kurzweilige und actionhaltige Odyssee durch die Galaxis. Auf ihrer Reise mit dem desertierten, in sie verliebten Erste-Ordnung-Strumtruppler Finn begegnet Rey auch Han Solo und seinem haarigen Freund Chewbacca.

Jetzt, mehr oder weniger zum DVD-Start, liegen zwei Romane vor, die sich im Cover kaum (es wurde selbstverständlich das Filmplakat verwandt), im Umfang beträchtlich unterscheiden.

Michael Kogge schrieb den „Jugendroman zum Film“, der, wie es sich für einen Filmroman gehört, brav der Filmgeschichte folgt. Allerdings ist der für Jugendliche, – in den USA wird er für 8 bis 12-jährige empfohlen -, geschriebene Roman auch arg einfach und dröge geschrieben.

Alan Dean Foster schrieb die Version für Erwachsene, die auch für jüngere Leseratten eindeutig die bessere Wahl ist. Foster schrieb, neben zahlreichen eigenen Science-Fiction-Romanen, auch die Filmromane zum allerersten „Krieg der Sterne“-Film (unter dem Pseudonym George Lucas), für die „Alien“-Filme, den ersten neuen „Star Trek“-Film und jeder seiner Filmromane ist äußerst lesenswert. Das gilt auch für seine Romanfassung von „Das Erwachen der Macht“, in der er selbstverständlich in erster Linie die Filmgeschichte nacherzählt, sie auch vertieft und, soweit möglich, erweitert. Denn bei jedem Satz muss er aufpassen, dass er nicht schon Dinge für die nächsten Filme festlegt. Das gilt natürlich vor allem für die Frage, wer jetzt die Eltern von Rey sind. Denn, das können wir aus den vielen Andeutungen lesen: sie wird in den kommenden „Star Wars“-Filmen eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Erste Ordnung sein.

Gleichzeitig füllt Foster im Roman einige der Lücken, die im Film zwar für Überraschungen sorgten (wie Poe Damerons Überleben) oder die man einfach hinnahm, weil die Geschichte sich flott genug vorwärts bewegte. In dem Roman wird daher schlüssiger erklärt, wie die Personen von A nach B kommen, warum Han Solo die gefährlichen Rathars in seinem Raumschiff hat und wie der Widerstand von der Anwesenheit von Han Solo, Chewbacca, Rey und Finn auf Takodana erfuhr. Im Film tauchen die X-Flügler einfach aus heiterem Himmel, äh, Weltall auf.

(Eine vollständige Auflistung der Unterschiede bzw. Fragen aus dem Film, die Foster in seinem Roman beantwortet gibt es hier und hier – und, ja, da wird wird munter gespoilert. Hier geht es zu einem Interview mit Alan Dean Foster.)

Ein großes Manko hat Fosters Roman gegenüber Kogges Roman: in der deutschen Ausgabe von Kogges Jugendroman gibt es 16 Seiten mit Fotos aus dem Film – und diese Filmfotos waren früher für mich einer der Kaufgründe für die Filmromane. Neben dem Gefühl, den Film noch einmal erleben zu können oder ihn erleben zu können, solange ich keine Gelegenheit hatte, ihn mir anzusehen, weil er nicht im Kino oder Fernsehen lief.

Star WarsDas Erwachen der Macht von Alan Dean Foster

 

Alan Dean Foster: Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film

(übersetzt von Michaela Link)

Penhaligon, 2016

352 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Star Wars: The Force awakens

Del Rey, 2015

Kogge - Star Wars - Das Erwachen der Macht -2

Michael Kogge: Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film

(übersetzt von Andreas Kasprzak und Tobias Toneguzzo)

Panini Books, 2016

192 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Star Wars: The Force awakens

Disney Lucasfilm Press, 2016

Die Vorlage

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt
LV: Charaktere von George Lucas
mit Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Max von Sydow, Carrie Fisher, Harrison Ford, Mark Hamill, Kenny Baker, Anthony Daniels, Peter Mayhew, Gwendoline Christie, Lupita Nyong’o
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Kanal zum Film

Film-Zeit über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Moviepilot über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Metacritic über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Rotten Tomatoes über “Star Wars: Das Erwachen der Macht”

Wikipedia über “Star Wars: Das Erwachen der Macht” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Homepage von Alan Dean Foster

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Trek“ (Star Trek, 2009)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator Salvation: The Official Movie Novelisation, 2009)

Interview mit Alan Dean Foster über seinen Filmroman „Star Wars: Das Erwachen der Macht“


TV-Tipp für den 30. Mai: Frau ohne Gewissen

Mai 30, 2016

Arte, 20.15
Frau ohne Gewissen (USA 1944, Regie: Billy Wilder)
Drehbuch: Raymond Chandler, Billy Wilder
LV: James M. Cain: Double Indemnity, 1936 (Doppelte Abfindung)
Ein Versicherungsagent verliebt sich mit tödlichen Konsequenzen in die falsche Frau.
„Der Prototyp des Film noir über die Frau als Femme fatale, einer der besten Filme Wilders und der Vorlage Cains weit überlegen.“ (Paul Werner: Film noir und Neo-Noir)
Mti Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson
Wiederholung: Dienstag, 31. Mai, 14.00 Uhr
Hinweise

Rotten Tomatoes über „Frau ohne Gewissen“

Wikipedia über „Frau ohne Gewissen“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Frau ohne Gewissen“

Noir of the Week über „Frau ohne Gewissen“


TV-Tipp für den 29. Mai: Der lange Weg nach Hause (aka „Long Walk Home“)

Mai 29, 2016

Eins Festival, 20.15

Der lange Weg nach Hause (Australien/Großbritannien 2002, Regie: Philip Noyce)

Drehbuch: Christine Olsen

LV: Doris Pilkington (aka Nugi Garimara): Follow the Rabbit-Proof Fence, 1996 (später „The Rabbit-Proff Fence“; deutsch als „Long Walk Home“)

Die wahre, von Philip Noyce packend erzählte Geschichte von drei Mädchen, die 1931 quer durch Australien 2400 Kilometer am titelgebenden „Rabbit-Proof Fence“ (Kaninchenzaun) entlang nach Hause wanderten. Als Aborigine-Mischlingskinder waren sie von ihren Müttern getrennt und an das andere Ende des Landes transportiert worden.

Das Gesetz existierte bis 1970.

Christopher Doyle war der Kameramann.

Die Musik ist von Peter Gabriel.

Mit Everlyn Sampi, Tianna Sansbury, Laura Monaghan, David Gulpilil, Ningali Lawford, Myarn Lawford, Deborah Mailman, Jason Clarke, Kenneth Branagh

auch bekannt als „Long Walk Home“ (Kinotitel)

Hinweise

Moviepilot über „Der lange Weg nach Hause“

Metacritic über „Der lange Weg nach Hause“

Rotten Tomatoes über „Der lange Weg nach Hause“

Wikipedia über „Der lange Weg nach Hause“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. Mai: No Direction Home: Bob Dylan

Mai 27, 2016

Arte, 21.45
No Direction Home: Bob Dylan (Großbritannien/USA 2005, Regie: Martin Scorsese)
Gut 210-minütige Doku über Bob Dylans frühe Jahre von seine Anfängen in Minnesota, der Greenwich-Village-Folk-Szene und seinem Verrat an der Folk-Szene, als er die akustische Gitarre gegen die E-Gitarre tauschte. Der Film endet 1966 mit Dylans Motorradunfall, nach dem er mehrere Jahre nicht mehr tourte.
Martin Scorsese gelang mit Konzertmitschnitten, historischen Aufnahmen und vielen aktuellen Interviews, die teilweise schon Jahre, bevor Scorsese sich an den Schnitt machte, geführt wurden, ein ebenso kurzweiliger wie informativer Film, der trotz der vielen Informationen nicht alles erklärt. Eigentlich bleibt sogar erstaunlich viel offen in dem von Sympathie getragenem Werk.
mit Bob Dylan, Joan Baez, Dave Van Ronk, Allen Ginsberg, Suze Rotolo
Hinweise
Rotten Tomatoes über „No Direction Home: Bob Dylan“
Wikipedia über „No Direction Home: Bob Dylan“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Money Monster“ – Geiselnahme im TV-Studio

Mai 27, 2016

Lee Gates (George Clooney) präsentiert im Fernsehen eine Finanzshow, die vor allem eine Show ist. Laut, schrill, mit Gags und Tanzeinlagen, die zwar unterhaltsam sind, aber nicht in das Umfeld einer seriösen Show gehören. Auch die Fachkompetenz von Lee Gates scheint vor allem im Entertainment zu liegen. Trotzdem ist die Sendung beliebt und Zuschauer vertrauen seinen Aktientipps. So auch Kyle Budwell (Jack O’Connell), ein einfacher Arbeiter, der sein gesamtes Vermögen in Ibis Clear Capital investierte, weil Gates es eine bombensichere Geldanlage nannte. Dummerweise verlor die Aktie aufgrund eines unerklärlichen Computerfehlers, so die offizielle Erklärung, rapide an Wert.

Budwell ist ruiniert, aber er will Antworten haben. Denn er hat doch immer das Richtige getan. Während einer Live-Sendung nimmt er Gates als Geisel.

Mit dieser Geiselnahme beginnt Jodie Fosters neuer Film „Money Monster“ und in den folgenden neunzig Minuten entfaltet sich die hochenergetisch erzählte Geschichte ungefähr in Echtzeit, vor allem im Fernsehstudio und vor laufender Kamera. Zunächst versucht Gates den Geiselnehmer zur Aufgabe zu bewegen. Er tut also, was er am besten kann: er redet. Als das nicht hilft und er bemerkt, dass die Erklärung von Ibis Clear Capital für den Aktieneinbruch nicht stimmig ist, will er Antworten haben.

Dabei hilft ihm sein Team, angeführt von seiner langjährigen Produzentin Patty Fenn (Julia Roberts), die innerhalb weniger Minuten herausfinden, was weder die Börsenaufsicht, noch die echten Journalisten herausfinden, die natürlich auch alle wissen wollen, warum die Aktie implodierte. Dieser auch aus der Not geborene Gesinnungswandel kommt etwas plötzlich. Immerhin sagte Fenn am Anfang des Thrillers: „Wir sind noch nicht einmal echte Journalisten.“

Ihnen zur Seite springt Diane Lester (Caitriona Balfe), die PR-Dame von Ibis Clear Capital, die sich fragt, warum der CEO Walt Camby (Dominic West) spurlos verschwunden ist und während der größten Krise der Firma sprichwörtlich über den Wolken schwebt in einem Flugzeug, das telefonisch nicht erreichbar ist.

Währenddessen wird die Polizei auf die Zuschauerränge verbannt.

Wenn man sich nicht an dem Aufklärungstempo von Fenns Team und der Erklärung für den Kurseinbruch der Aktie stört, sondern sich von dem Film mitreisen lässt, bekommt man einen hochspannenden Thriller, der konsequent auf Nebenstränge verzichtet. Jede Szene, jeder Satz, jedes Bild treibt die Handlung voran oder komplettiert das Bild einer von Gier und Geld geprägten Gesellschaft. So läuft „Money Monster“ anfangs im Restaurant als Hintergrundprogramm zur Mittagspause, bis die Zuschauer bemerken, dass sie gerade eine echte Geiselnahme sehen und schon erwacht ihr Interesse; die Sensationsgier. Etliche aus anderen Filmen bekannte Situationen enden vollkommen anders als gewohnt. Es gibt grandiose Einzeiler und Pointen. Sowieso ist der Film arg schwarzhumorig geraten.

Dabei vermittelt er keine wahnsinnig neuen Einsichten. Über das Funktionieren der Börse erfährt man auch nichts und im Gegensatz zu „The Big Short“, wo gezeigt wurde, wie das System funktioniert und es deshalb keine individuellen Schuldigen gab, die man einfach anklagen konnte, gibt es in „Money Monster“ am Ende einen Schuldigen, den man für seine Verbrechen vor Gericht anklagen und verurteilen kann.

Money Monster“ ist halt einfach nur ein spannender Thriller, der einige wichtige Themen unterhaltsam anspricht, der Gesellschaft einen Spiegel vorhält und auch zum Nachdenken anregt.

Money Monster - Plakat

Money Monster (Money Monster, USA 2016)

Regie: Jodie Foster

Drehbuch: Jamie Linden, Alan DiFiore, Jim Kouf (nach einer Geschichte von Alan DiFiore und Jim Kouf)

mit George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell, Dominic West, Caitriona Balfe, Giancarlo Esposito, Christopher Denham, Lenny Venito, Chris Bauer, Dennis Boutsikaris, Emily Meade, Condola Rashad

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Money Monster“

Metacritic über „Money Monster“

Rotten Tomatoes über „Money Monster“

Wikipedia über „Money Monster“ (deutsch, englisch)

Ein Gespräch mit Jodie Foster über den Film und den ganzen Rest

Ein Gespräch mit Jodie Foster und Jack O’Connell (dem Geiselnehmer)

und, aus Cannes, ein „Interview“(mit französischer Simultanübersetzung)

und die Pressekonferenz (dito)

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ gibt es viele alte Bekannte

Mai 27, 2016

Vor sechs Jahren war Tim Burtons Version von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ an der Kinokasse so unglaublich erfolgreich, dass eine Fortsetzung nur eine Frage der Zeit war. Außerdem hatte Carroll mit „Through the Looking-Glass“ quasi eine Fortsetzung geschrieben, von der man den Titel verwenden konnte. Denn, so Produzentin Suzanne Todd: „’Alice hinter den Spiegeln‘ ist im Grunde eine Ansammlung beliebiger und bizarrer Episoden aus Carrolls Leben, die eigentlich in keinem Zusammenhang zueinander stehen. Linda Woolverton hatte eine völlig neue Geschichte geschrieben, die von dem Buch inspiriert war und all den Figuren folgt, die wir im ersten Film liebgewonnen haben. Wir erleben, was mit ihnen seit dem ersten Film passiert ist. Und wir folgen ihnen in ihre Vergangenheit und erfahren noch mehr über sie. Alle waren begeistert.“

Trotzdem dauerte es sechs Jahre, bis mit „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ die Fortsetzung fertig war. Linda Woolverton schrieb wieder das Drehbuch, in dem sie die Geschichte von Alice weitererzählt. Die Regie übernahm James Bobin („Muppets most wanted“). Etliche Schauspieler, die bei „Alice im Wunderland“ mitspielten, sind wieder dabei und der poppig-künstliche Zuckerschock-Stil wurde beibehalten.

Am Ende von „Alice im Wunderland“ brach Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) als Seefahrerin in Richtung China auf.

Am Anfang von „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ kann sie, drei Jahre später, mit einem waghalsigen Manöver in sturmumtoster See einigen Piraten entkommen. Zurück in England erfährt Alice, dass ihre Mutter kurz davor steht, die Reederei zu verkaufen. An den Schnösel Hamish Ascot, der sie schon vor Jahren nicht heiraten wollte, und eine Gruppe alter Männer, die sich Frauen nur als Hausfrauen vorstellen können.

Alice tritt durch einen Spiegel ins Unterland, das sie in den vergangenen Jahren nicht besuchte. Erschrocken sieht sie, was sich aller veränderte. Vor allem der Verrückte Hutmacher Tarrant Hightopp (Johnny Depp) ist nicht mehr er selbst. Er ist, nachdem er eine Spur von seinen verstorbenen Eltern entdeckte, todunglücklich. Er bittet Alice um Hilfe. Aber wie sollen Tode wieder ins Leben zurückkehren?

Trotzdem versucht Alice ihren Freund zu retten und während ihrer Rettungsmission erfahren wir auch viel über das Wunderland und seine Bewohner in früheren Jahren. Insofern ist „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ ein Sequel und ein Prequel, wobei gerade dieser Teil der alleruninteressanteste ist. Denn wollen wir wirklich wissen, wie und warum Mirana, die Weiße Königin (Anne Hathaway), und Iracebeth, die Rote Königin (Helena Bonham Carter) sich zerstritten und Iracebeth so böse wurde? Hat sie uns nicht gerade wegen ihrer nicht erklärten Bösartigkeit im ersten Film so gut gefallen? Und wollen wir wirklich alles über die Eltern und Kindheit vom Verrückten Hutmacher erfahren? Nicht wirklich.

Auch Alices Rettungsmission im Unterland, die natürlich von Ereignissen in der realen Welt inspiriert ist und auch zwischen Gegenwart und Vergangenheit etwas hin und her springt, und es um den Besitz der Chronosphäre, die von der Zeit (Sacha Baron Cohen) beherrscht und gepflegt wird, wird eher lustlos präsentiert. Mit einer gehören Portion Unglaubwürdigkeit. Denn die taffe Seefahrerin soll jetzt, immerhin spiegeln ihre Abenteuer im Unterland ihre aktuellen Probleme in der realen Welt, an sich zweifeln und sich ernsthaft überlegen, ob sie nicht doch zum Heimchen am Herd wird.

Da helfen dann auch nicht mehr die Auftritte der alten Bekannten aus dem ersten Film und die bunten, hauptsächlich aus dem Computer generierten Bilder. Wobei jetzt das Zusammenspiel von Schauspielern und CGI-Figuren besser funktioniert als im ersten Teil.

Eine riesige Enttäuschung ist dagegen die erschreckend beliebig vor sich hin plätschernde Musik von Danny Elfman; – wobei: zur Lektüre von Carrolls Alice-Geschichten könnte sie eine gute Geräuschkulisse sein.

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Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln (Alice through the looking glass, USA 2016

Regie: James Bobin

Drehbuch: Linda Woolverton

LV: Lewis Carroll: Through the Looking-Glass, 1871 (Alice hinter den Spiegeln)

mit Johnny Depp, Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway, Sacha Baron Cohen, Rhys Ifans, Matt Lucas, Lindsay Duncan, Leo Bill, Geraldine James, Andrew Scott, Richard Armitage, Ed Speleers, Alan Rickman (Stimme), Timothy Spall (Stimme), Paul Whitehouse (Stimme), Stephen Fry (Stimme), Barbara Windsor (Stimme), Michael Sheen (Stimme)

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“

Metacritic über „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“

Rotten Tomatoes über „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“

Wikipedia über „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 27. Mai: Der Deutsche Filmpreis 2016

Mai 27, 2016

ARD, 22.15

Der Deutsche Filmpreis 2016

Nicht ganz live zeigt das Erste die diesjährige Verleihung des Deutschen Filmpreises.

Ganz Ungeduldige können schon ab 15.30 Uhr auf der Seite des Deutschen Filmpreises die neuesten Informationen erhalten.

Eigentlich sollte „Der Staat gegen Fritz Bauer“, der die meisten Nominierungen erhielt, auch die meisten Preise erhalten. Auch angesichts der Konkurrenz.

Lassen wir uns also überraschen.


Neu im Kino/Filmkritik: Verwirkliche deine Träume in der „Sing Street“

Mai 26, 2016

Von der Musik kommt John Carney nicht weg. Nach den Musikfilmen „Once“ und „Can a Song save your Life?“ drehte der 1972 geborene Dubliner jetzt mit „Sing Street“ eine sehr autobiographisch inspirierte Geschichte über eine Band in den Achtzigern in Dublin.

Der fünfzehnjährige Conor (Ferdia Walsh-Peela) muss die Schule wechseln und landet, weil das Geld nicht für mehr reicht, auf einer öffentlichen, entsprechend gruseligen Schule in der Synge Street. Das beginnt schon mit Regeln für die richtigen Schuhe und endet bei den Benimmregeln, die heute noch altmodischer sind als damals, als im katholischen Irland Scheidungen verboten waren. Und selbstverständlich sind seine proletarischen Klassenkameraden nicht von dem Neuling, der von einer Privatschule kommt, begeistert. Kurz: Conor will nur möglichst schnell weg.

Als er auf einer Treppe, gegenüber der Schule, eine gut aussehende junge Frau entdeckt, verliebt er sich Hals über Kopf in sie. Er spricht sie an, indem er behauptet, Musiker zu sein und sie in ihrem Video auftreten solle. Die etwas ältere Raphina (Lucy Boynton) gibt sich kühl distanziert und sagt, sie sei ein Model, was dann auch die Inspiration für Conors Song „The Riddle of the Model“ ist.

Weil Conor kein Instrument spielen kann und, was noch schlimmer ist, keine Band hat, beginnt er schnell mit seinem ersten Freund an der neuen Schule, Darren (Ben Carolan), eine Band zusammen zu stellen. Sie üben gemeinsam, schreiben Songs, drehen Videos mit klobigen Kameras und sie bereiten sich auf ihren ersten Auftritt vor.

Nebenbei entspinnt sich eine Liebesgeschichte zwischen Conor und Raphina. Sie ist seine erste große Teenager-Liebe.

Dass John Carney ein Gefühl für Musik hat und sie inszenieren kann, wissen wir. Auch in „Sing Street“ sind die Auftritte der Band und wie sie sich, unter der Anleitung von Conors Bruder Brendan (Jack Reynor), entwickeln, ein Genuss für den Musikfan. Brendan ist ein typischer LP-Nerd, der jeden Ton seiner großen Schallplattensammlung kennt und der in jedem Zustand stundenlang darüber philosophieren kann. Auch wenn man seine Liebe zu „Duran Duran“, einer auch durch MTV in den Achtzigern enorm erfolgreichen, bei den Musikkritikern ungeliebten New Romantic/Synthpop-Band, bei der Stil wichtiger als Substanz war, durchaus an seinem Urteil zweifeln lässt. Aber damals waren Teenager von der Band, ihren Pop-Songs, ihrem Stil und ihren provokanten Videos, die auf dem damals neuen Musikkanal MTV (bei uns gab es als wöchentliche Video-Dosis die Musiksendung „Formel 1“) verbreitet wurden, begeistert.

Nach diesem Vorbild werden die Auftritte von „Sing Street“ zunehmend professioneller. Ihre Kleidung und ihre Frisuren ändern sich. Und die Songs der Band sind nicht schlecht.

Carney verknüpft die Geschichte der Band mit einer gewohnt feinfühlig erzählten Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der damaligen katastrophalen ökonomischen und politischen Situation in Irland. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass alle nur möglichst schnell weg wollen nach London, wo man seine Träume verwirklichen kann.

Nur wir wollen möglichst lange in der „Sing Street“ bleiben.

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Sing Street (Sing Street, Irland/USA/Großbritannien 2016)

Regie: John Carney

Drehbuch: John Carney

mit Ferdia Walsh-Peelo, Lucy Boynton, Jack Reynor, Maria Doyle Kennedy, Aiden Gillen, Kelly Thornton, Ben Carolan, Mark McKenna, Percy Chamburuka

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

 

Der Soundtrack

Sing Street - CD-Cover

Auf der Soundtrack-CD sind neben den acht seltsam vertrauten Songs der Filmband „Sing Street“ (bestehend aus John Carney, Gary Clark, Graham Henderson, Carl Papenfus, Ken Papenfus und Zamo Riffman), die herrlich eingängig sind und ein angenehmes Retro-Gefühl haben, auch jeweils ein bekannter Song von Duran Duran („Rio“), The Jam („Town called Malice“), The Cure („Inbetween Days“), Hall & Oates („Maneater“), Joe Jackson („Stepping Out“), M („Pop Muzik“), Motörhead („Stay Clean“) und, als weiterer neuer Song, Adam Levines „Go Now“ enthalten. Der „Maroon 5“-Sänger war auch in John Carneys vorherigen Film „Can a Song save your Life?“ musikalisch und schauspielerisch involviert.

Die Songs für „Sing Street“ schrieb, teils mit Co-Autoren, Gary Clark, der in den Achtzigern Frontman von „Danny Wilson“ war.

Eine schöne CD – auch für die nächste 80er-Jahre-Disco.

Sing Street – Original Motion Picture Soundtrack

Decca/Universal Music, 2016

Hinweise

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Moviepilot über „Sing Street“

Metacritic über „Sing Street“

Rotten Tomatoes über „Sing Street“

Wikipedia über „Sing Street“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Carneys „Can a Song save your Life?“ (Begin again, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Über die gar nicht so schlechte Spieleverfilmung „Warcraft: The Beginning“

Mai 26, 2016

Überraschend gelungen ist Duncan Jones‘ dritter Spielfilm „Warcraft: The Beginning“. Das sagt jetzt allerdings wenig über den Film an sich, sondern vor allem über den Referenzrahmen aus. „Warcraft: The Beginning“ (ab jetzt nur noch „Warcraft“, im Netz gibt es ja kein Zeilengeld) ist eine Spieleverfilmung und „gute Spieleverfilmung“ ist ein bekanntes Oxymoron. Die meisten Spieleverfilmungen sind als Film und als irgendwie geartete Adaption des Spiels gescheitert. Eine Qual für die Fans des Spiels, weil sie im Film nichts von der Großartigkeit des Spiels finden, und eine für das restliche Publikum, weil es einen grottenschlechten Film sieht, eine Geldverschwendung, bei der vollkommen unklar ist, warum irgendjemand, geschweige den Millionen, das Spiel gekauft haben.

Warcraft“ ist außerdem ein Fantasy-Film und Fantasy-Filme irgendwo zwischen Rittern und eiserne Jungfrauen im Mittelalter und „Herr der Ringe“-Zaubereien interessieren mich herzlich wenig. Ich halte es da mit Alfred Hitchcock, de sich fragte, wie die Menschen in den Kostümen auf die Toilette gehen. Außerdem sind etliche Fantasy-Filme, trotz oder wegen ihres Budgets, schlechte Filme.

Kurz gesagt: in diesem Umfeld sind die Erwartungen notorisch gering.

Aber dann ist der Film von Duncan Jones und seine beiden Science-Fiction-Filme „Moon“ und „Source Code“ haben mir gut gefallen. Sie kosteten nicht viel Geld, hatten aber eine gute Geschichte und gute Schauspieler. Gute Schauspieler hat „Warcraft“ auch, wobei auf die wirklich großen Namen verzichtet wurde. Sie sollten nicht von der Geschichte ablenken.

Ihm könnte also eine gute Spieleverfilmung gelingen.

Oh, und Duncan Jones ist ein bekennender „World of Warcraft“-Spieler, was erst einmal nichts sagt, aber immerhin die Hoffnung weckt, dass er dem Geist des Spiels treu bleibt. Ob ihm das gelingt, kann ich nicht sagen. Computerspiele interessieren mich ungefähr so sehr wie Fantasy-Filme. Und das ist „Warcraft“.

Es geht um die aus einer fremden Welt in das Königreich von Azeroth kommenden Orcs. Die Orcs sehen aus wie eine muskelbepackte Version von Arnold Schwarzenegger. Sie leben für den Krieg und wollen die Welt der Menschen erobern. Die Menschen sind davon nicht begeistert. Ihre Truppen werden angeführt von dem tapferen Krieger Anduin Lothar (Travis Fimmel), dem jungen Zauberer Khadgar (Ben Schnetzer) und dem Wächter Medivh (Ben Foster), der mit seinen magischen Kräften über die Menschen wacht. Allerdings hat er sich in den letzten sechs Jahren in seine Burg zurückgezogen, widmete sich seinen Schriften und der Erschaffung eines Golems. Sekundiert werden sie von dem König Llane (Dominic Cooper) und seiner Gemahlin und Anduins Schwester Lady Taria (Ruth Negga).

Auf der Seite der Orcs haben die Macher weniger Sorgfalt verwandt, obwohl sie die Geschichte aus der Perspektive der Menschen und der Orcs erzählen wollen (was dann bei Friedensverhandlungen zu etwas putzigem Sprachwirrwarr auf der Tonspur sorgt). Einerseits sehen sie sich doch alle recht ähnlich, andererseits gibt es neben ihrem Anführer, dem Hörner tragendem Greis Gul’dan (Daniel Wu), dem tapferen Durotan (Toby Kebbell) und seiner ebenso kriegsbegabten, schwangerschaftsbedingt ausfallenden Frau Draka (Anna Galvin) kaum Charaktere, die einen größeren Wiedererkennungswert haben.

Zwischen beiden Welten steht Garona (Paula Patton), ein Halb-Mensch/Halb-Orc-Wesen, das Anduin gefangen genommen wird und, weil sie die Sprache der Menschen versteht, zur Übersetzerin und Vermittlerin zwischen ihnen wird. Kämpfen kann sie auch und es bleibt ein Rätsel, warum sie und der mit ihr gefangen genommene Orc nicht einfach ausbrechen.

Nachdem diese Fronten geklärt sind, fällt Durotan auf, dass Gul’dan alles zerstört, was in seinen Einflussbereich gerät. Er will sich daher mit den Menschen gegen den wahren Bösewicht verbünden.

Gut, die Story kennen wir wirklich vorwärts und rückwärts, mit allen möglichen Verwicklungen aus jedem zweiten Mittelalterfilm und Duncan Jones erzählt sie brav nach mit vorhersehbaren Wendungen, einem gemächlichen Erzähltempo, seit Ewigkeiten patentierten Dialogen und eindimensionalen Charakteren. Also mit all den Dingen, die wir in seinen vorherigen Filmen nicht vermissten. Daher ist „Warcraft“ vor allem ein Film für die Fantasy-Filmgemeinde, die gerade unter Hobbit-Entzug leidet, und für die Duncan-Jones-Komplettisten.

Denn die Bilder beeindrucken. Auch, was gar nicht so einfach ist, in 3D im IMAX. Wobei die Dimensionen und Proportionen zwischen riesigen Händen und Kleinkinderköpfen bei den Orcs immer wieder falsch wirken. Die Geschichte wird mit etwas Humor und dem augenzwinkernden Einverständnis erzählt, dass wir sie letztendlich schon kennen. Auch wenn die Namen ausgetauscht wurden.

Obwohl der Film „The Beginning“ heißt, erzählt er, bis auf einige Hinweise auf die weitere Geschichte und einigen überraschenden Todesfällen, eine in sich abgeschlossene Geschichte, für die man das Spiel nicht kennen muss.

Überraschend gelungen ist, um wieder auf meine erste Bewertung zurückzukommen, in diesem Fall ein okayer Fantasy-Film, der nichts neu erfindet, angenehm konservativ seine Geschichte erzählt und die bekannten Fallen früherer Spieleverfilmungen umschifft. Das ist im Umfeld von „Tomb Raider“, „Max Payne“, „Hitman – Jeder stirbt alleine“ und „Need for Speed“ schon sehr viel.

Warcraft - Plakat

Warcraft: The Beginning (Warcraft: The Beginning, USA 2016)

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Charles Leavitt, Duncan Jones

mit Travis Fimmel, Paula Patton, Ben Foster, Dominic Cooper, Toby Kebbell, Ben Schnetzer, Robert Kazinsky, Clancy Brown, Daniel Wu, Ruth Negga

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Moviepilot über „Warcraft: The Beginning“

Metacritic über „Warcraft: The Beginning“

Rotten Tomatoes über „Warcraft: The Beginning“

Wikipedia über „Warcraft: The Beginning“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ “Moon” (Moon, Großbritannien 2009) und ein Interview mit Duncan Jones über den Film

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Source Code“ (Source Code, USA 2011)


TV-Tipp für den 26. Mai: Hooligans

Mai 26, 2016

Kabel 1, 22.00

Hooligans (USA 2005, Regie: Lexi Alexander)

Drehbuch: Lexi Alexander, Dougie Brimson, Josh Shelov

Ein Ex-Harvard-Student lernt in London den Anführer der Hooligan-Gang „Green Street Elite“ kennen und er ist fasziniert von deren gewalttätigem Lebensstil.

Handwerklich routiniert erzählt, werden die Schlachten als rasante Actionsequenzen inszeniert, wobei der Film mehr und mehr einem tumben Kameradschafts-Pathos verfällt und die sinnfreien Gewalteskalationen nachgerade zu Heldentaten stilisiert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Dabei kommt das Kameradschafts-Pathos aus der Filmgeschichte und der Weltsicht der Protagonisten, die Lexi Alexander nicht verurteilt, sondern, durchaus mit einer gewissen Faszination, nur zeigt.

Bemerkenswert an dem Film ist, neben der Besetzung, dass Lexi Alexander eine der wenigen Frauen ist, die harte Actionfilme inszeniert. Davor drehte sie den Oscar-nominierten Kurzfilm „Johnny Flynton“ über einen Boxer. Danach drehte sie „Punisher: War Zone“. Zuletzt arbeitete sie für das US-Serien-TV.

Oh, und sie ist eine Deutsche. Als Neunzehnjährige zog sie nach Hollywood.

mit Elijah Wood, Charlie Hunnam, Claire Forlani, Marc Warren, Henry Goodman, Leo Gregory, Geoff Bell, Rafe Spall

Wiederholung: Freitag, 27. Mai, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Hooligans“

Metacritic über „Hooligans“

Rotten Tomatoes über „Hooligans“

Wikipedia über „Hooligans“ (deutsch, englisch)

Homepage von Lexi Alexander


TV-Tipp für den 25. Mai: Die Gesetzlosen – Bürgerwehren gegen Drogenbosse (aka „Cartel Land“)

Mai 25, 2016

WDR, 22.10

Die Gesetzlosen – Bürgerwehren gegen Drogenbosse (Cartel Land, USA/Mexiko 2015)

Regie: Matthew Heineman

Drehbuch: Matthew Heineman

Etwas versteckt und mit einem dümmlichen TV-Titel läuft Matthew Heinemanns beeindruckende Doku über einen Mexikaner und einen Amerikaner, die in ihrem Land gegen die Drogenkartelle kämpfen, im TV.

Cartel Land“ war, unter anderem, für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit José Manuel Mireles, Tim Foley

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Moviepilot über „Cartel Land“
Metacritic über „Cartel Land“
Rotten Tomatoes über „Cartel Land“
Wikipedia über „Cartel Land“ 

Meine Besprechung von Matthew Heinemans „Cartel Land (Cartel Land, USA/Mexiko 2015)


Cover der Woche

Mai 24, 2016

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TV-Tipp für den 24. Mai: No Direction Home: Bob Dylan

Mai 24, 2016

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

BR, 22.30
No Direction Home: Bob Dylan (Großbritannien/USA 2005, Regie: Martin Scorsese)
Gut 210-minütige Doku über Bob Dylans frühe Jahre von seine Anfängen in Minnesota, der Greenwich-Village-Folk-Szene und seinem Verrat an der Folk-Szene, als er die akustische Gitarre gegen die E-Gitarre tauschte. Der Film endet 1966 mit Dylans Motorradunfall, nach dem er mehrere Jahre nicht mehr tourte.
Martin Scorsese gelang mit Konzertmitschnitten, historischen Aufnahmen und vielen aktuellen Interviews, die teilweise schon Jahre, bevor Scorsese sich an den Schnitt machte, geführt wurden, ein ebenso kurzweiliger wie informativer Film, der trotz der vielen Informationen nicht alles erklärt. Eigentlich bleibt sogar erstaunlich viel offen in dem von Sympathie getragenem Werk.
mit Bob Dylan, Joan Baez, Dave Van Ronk, Allen Ginsberg, Suze Rotolo
Hinweise
Rotten Tomatoes über „No Direction Home: Bob Dylan“
Wikipedia über „No Direction Home: Bob Dylan“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Die Vorsehung“ sieht ihr Ende nicht voraus

Mai 23, 2016

Serienkillerfilm, die nächste Runde. Ich sage nicht Thriller, den thrillen tut „Die Vorsehung – Solace“ nur ganz selten. Dabei hat die Idee, dass Jäger und Täter seherische Begabungen haben, durchaus etwas. Auch wenn Stephen King schon vor Jahren in „Dead Zone“ von einem Lehrer mit hellseherischen Fähigkeiten, die er zur Verbrechensbekämpfung einsetzt, erzählte und Ted Griffin („Ocean’s Eleven“, „Aushilfsgangster“) eine frühere Fassung des Drehbuchs bereits 1998 verkaufte und Produzent Beau Flynn die Geschichte seit gut fünfzehn Jahren verfilmen wollte. Jetzt, nachdem die Hochzeit der Serienkillerfilme vorbei ist und alle vorherigen Verfilmungspläne, in die mehrere hochkarätige Namen involviert waren, scheiterten, gelang es ihm. Was jetzt, nachdem die Erinnerung an „Das Schweigen der Lämmer“ und „Sieben“ langsam verblasst, nicht unbedingt ein Nachteil ist. Zwischen all den Superheldenfilmen und Young-Adult-Dystopien ist ein Serienkillerfilm eigentlich eine willkommene, fast schon realitätsnahe Abwechslung.

Weil FBI-Detective Joe Merriwether (Jeffrey Dean Morgan) und seine Kollegin Katherine Cowles (Abbie Cornish) bei der Jagd nach einem Serienmörder nicht weiter kommen, konsultiert Merriwether seinen alten, zurückgezogen lebenden Freund, den Psychoanalytiker John Clancy (Sir Anthony Hopkins). Der kann nämlich, durch Berührung, in die Vergangenheit und Zukunft sehen. Allerdings kann er die Bilder nicht immer sofort richtig zuordnen.

Sein Gegner ist Charles Ambrose (Colin Farrell), der abgesehen von Clancys schemenhaften Visionen erst im letzten Drittel des Films auftritt. Bis dahin ist „Die Vorsehung“ ein recht biederer Rätselkrimi mit einer übernatürlichen Komponente. Danach wird es dann endgültig zu einem kruden Hokuspokus, bei dem sich natürlich eine Frage immer drängender stellt: Ist alles vorherbestimmt? Regisseur Afonso Poyart gibt darauf die wahrhaft ausweichende Antwort, dass es mal so, mal so ist. Halt gerade, wie es ihm passt.

Da waren sogar die alten Verschwörungsthriller, in denen die Bösewichter einen genialen Plan entwerfen, der mit tödlicher Sicherheit zu einem bestimmten, weit weit entfernten Ereignis führt, schon weiter. Was auch daran lag, dass der Protagonist erst am Ende die ganze Dimension des Komplotts erfährt, während in „Die Vorsehung“ ständig die Frage im Raum steht: „Warum versucht Clancy nicht die Zukunft zu ändern?“. Oder anders formuliert: „Warum haben die Handlungen von Clancy keinen Einfluss auf die Zukunft?“.

Das gesagt, hatte ich beim Ansehen des absolut durchschnittlichen Films immer das Gefühl, dass „Die Vorsehung“ vielleicht besser als Roman funktioniert hätte. Da hätte man dann auch Ambroses Motiv, das als Steilvorlage für Diskussionen um Sterbehilfe gut geeignet ist, vertiefen können.

Als Bonusmaterial gibt es dreizehn Minuten untertitelte Interviews mit Anthony Hopkins, Colin Farrell, Jeffey Dean Morgan, Abbie Cornisch, Afonso Poyart und Produzent Thomas Augsberger, in denen der Werbeaspekt eindeutig im Vordergrund steht.

Die Vorsehung - DVD-Cover - 4

 

Die Vorsehung – Solace (Solace, USA 2015)

Regie: Afonso Poyart

Drehbuch: Sean Bailey, Ted Griffin

mit Anthony Hopkins, Jeffrey Dean Morgan, Abbie Cornish, Colin Farrell, Matt Gerald, Jose Pablo Cantillo, Xander Berkeley

DVD

Concorde Home Entertainment

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Interviews, Deutscher und Originaltrailer

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Vorsehung“

Metacritic über „Die Vorsehung“

Rotten Tomatoes über „Die Vorsehung“

Wikipedia über „Die Vorsehung“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 23. Mai: Die Mörder sind unter uns

Mai 23, 2016

Arte, 20.15

Die Mörder sind unter uns (Deutschland 1946)

Regie: Wolfgang Staudte

Drehbuch: Wolfgang Staudte

Die Mörder sind unter uns“ war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste deutsche Film, der hergestellt wurde, und weil die anderen Besatzungsmächte Wolfgang Staudtes Drehbuch nicht akzeptierten (vor allem wegen des ursprünglich geplanten Selbstjustiz-Endes), war es auch der erste Defa-Film. Er ist auch ein Klassiker des deutschen Films und eine quälende, von Verunsicherung geprägte Bestandsaufnahme.

Im zerstörten Berlin leidet der Arzt Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) an seinen Kriegserlebnissen, die er versucht mit Alkohol und Barbesuchen zu betäuben. Er wohnt bei Susanne Wallner (Hildegard Knef), die in einem KZ war. Als sie in seinen Sachen den Abschiedsbrief von seinem Kompaniechef Brückner entdeckt, erfährt Mertens von ihr, dass Brückner (Arno Paulsen) noch lebt. Mertens möchte ihn für seine Kriegsverbrechen büßen lassen.

Staudte inszenierte diese Geschichte mit Bildern aus dem zerstörten Berlin in typischen Noir-Bildern und zahlreichen Nahaufnahmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Deutschen mit ihrer Schuld und wie sie mit den Tätern umgehen sollen. Es ist ein in hohem Maß selbstreflexiver, von Verunsicherung, auch über das eigene Tun, geprägter Film, der gerade daraus auch heute noch seine erzählerische Wucht gewinnt.

Ein historisches Dokument ist er sowieso.

Dieser erste Trümmerfilm war ein hoffnungsvoller Ansatz, die deutsche Vergangenheit zu bewältigen.“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms, 1980)

Mit Ernst Wilhelm Borchert, Hildegard Knef, Erna Sellmer, Arno Paulsen, Michael Günther, Robert Forsch

Hinweise

Arte über „Die Mörder sind unter uns“

Filmportal über „Die Mörder sind unter uns“

Moviepilot über „Die Mörder sind unter uns“

Rotten Tomatoes über „Die Mörder sind unter uns“

Wikipedia über „Die Mörder sind unter uns“ (deutsch, englisch)

Bonushinweis

Nies - Deutsche Selbstbilder in den Medien

Eine längere Analyse des Films von Eckhard Pabst gibt es in dem von Martin Nies herausgegebenem Sammelband „Deutsche Selbstbilder in den Medien – Film 1945 bis zur Gegenwart“.

Martin Nies (Herausgeber): Deutsche Selbstbilder in den Medien (Schriften zur Kultur- und Mediensemiotik Band 4)

Schüren Verlag, 2012

256 Seiten

24,90 Euro


TV-Tipp für den 22. Mai: Flight

Mai 22, 2016

Pro7, 20.15

Flight (Flight, USA 2012)

Regie: Robert Zemeckis

Drehbuch: John Gatins

Pilot Whip Whitaker rettet mit einem waghalsigen Manöver die Passagiere seiner Linienmaschine. Er wird als Held gefeiert. Aber bei der Untersuchung des Unglücks könnte auch herauskommen, dass Whip alkoholisiert flog.

Flight“ ist in erster Linie ein zu lang geratenes, gut gespieltes, konventionelles Alkoholikerdrama, das mit einer spektakulären Bruchlandung garniert wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Denzel Washington, Don Cheadle, Kelly Reilly, John Goodman, Bruce Greenwood, Melissa Leo, Brian Geraghty, Tamara Tunie, James Badge Dale

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Flight“

Metacritic über „Flight“

Rotten Tomatoes über „Flight“

Wikipedia über „Flight“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis “Flight” (Flight, USA 2012)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „The Walk“ (The Walk, USA 2015)


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