DVD-Kritik: Wunderschön, „Die Wolken von Sils Maria“

August 31, 2015

Zum Kinostart kurz vor Weihnachten schrieb ich schamlos begeistert über Olivier Assayas‘ neuen Film „Die Wolken von Sils Maria“:

Der Film erzählt von einer Schauspielerin, die eine Theaterrolle annimmt, die Rolle einstudiert und schließlich die Premiere feiert.
Das klingt jetzt nicht furchtbar spannend, aber „Die Wolken von Sils Maria“ ist von Olivier Assayas inszeniert, der zuletzt mit „Carlos – Der Schakal“ und „Die wilde Zeit“ überzeugte, und mit Juliette Binoche und Kristen Stewart in den Hauptrollen und Chloë Grace Moretz in einer wichtigen Nebenrolle ist der Film auch namhaft besetzt. Und Assayas nutzt den Plot zu einer vielschichtigen Betrachtung über das Wesen des Künstlers, die verschwimmenden Grenzen zwischen Wirklichkeit und Rolle und die Unterschiede zwischen Hoch- und Trivialkultur, garniert mit Ausschnitten aus Arnold Fancks Stummfilmfragment „Das Wolkenphänomen von Maloja“ und dieser Malojaschlange, einem Wolkenphänomen, bei dem Wolken sich tagsüber in das Tal bewegen. Dabei ist sein Film zwar anspruchsvoll, intellektuell herausfordernd und kompromisslos. Er verfolgt seine Vision und nimmt dabei keine Rücksicht auf seine Zuschauer. Aber gleichzeitig ist er ungeheuer verspielt, kurzweilig, voller schöner Betrachtungen, eklektisch und niemals zerfassernd, sondern auch lustvoll Umwege nehmend, wie man bei einem Spaziergang auch mal einen kleinen Abstecher macht, ehe man wieder auf den Weg zurückkehrt und immer etwas interessantes entdeckte. Und wenn es nur die Aussicht in ein Bergtal ist.
Im Mittelpunkt stehen die Textproben der von Juliette Binoche gespielten Maria Enders. Sie hatte vor zwanzig Jahren, im Theater, ihren Durchbruch als verführerische junge Sigrid, die ihre Vorgesetzte Helena in Gefühlswirren stürzt und in den Selbstmord treibt.
Wilhelm Melchior, der Autor des Stückes, wurde während der Proben und danach in jeder Hinsicht ihr Mentor.
Kurz vor einer Ehrung für sein Lebenswerk, bei der sie eine Rede halten sollte, erfährt sie, dass er gestorben ist. Gleichzeitig wird ihr die Hauptrolle in einer Neuinszenierung des Stückes angeboten. Der junge, von der Kritik abgefeierte Regisseur will sie unbedingt haben. Aber jetzt soll sie nicht Sigrid, mit der sie sich identifizierte, sondern Helena, ihre Antagonistin, die Böse, spielen.
Zögernd nimmt sie die Rolle an, quartiert sich in der Berghütte von Melchior in Sils Maria ein und beginnt mit ihrer persönlichen Assistentin Valentine (Kristen Stewart) die Rolle zu proben. Dabei übernimmt Valentine die Rolle der Jüngeren – und bei den Proben ist oft nicht erkennbar, wann der Text des Stückes übergeht in persönliche Bekenntnisse und wann persönliche Bekenntnisse von dem Stück überlagert werden.
Später lernt Enders auch Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz) kennen, die Sigrid spielen soll. Sie ist ein junger Hollywoodstar, die mit einer Rolle in einem Superheldenfilm berühmt wurde, jetzt souverän mit ihren Skandalen auf der Klaviatur der Facebook- und Twitter-Öffentlichkeit spielt und mit einer prestigeträchtigen Theaterrolle den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen würde.
Dieses Spiel zwischen Rolle und Schauspielerpersönlichkeit gewinnt durch die Besetzung natürlich zusätzliche Facetten und wird dadurch ein schönes Spiel zwischen den verschiedenen Ebenen, zwischen Selbsterkenntnissen, Einblicken in die Welt der Schauspielerinnen und schönen Lügen, die wahrer als das wahre Leben sind. Immerhin trifft hier ein europäischer Altstar auf zwei Hollywood-Jungstars, die auch in Superheldenfilmen mitspielen – und wenn es keine Theaterrolle gibt, ist natürlich eine Rolle in einem europäischen Kunstfilm auch nicht zu verachten.
Ein Punkt störte mich allerdings bei „Die Wolken von Sils Maria“. Olivier Assayas verjüngte Juliette Binoche um mindestens zehn Jahre. Denn als sie, im Film, vor zwanzig Jahren ihren Durchbruch hatte, war sie eine Achtzehnjährige; was sie im Film zu einer knapp Vierzigjährigen machen würde, während ich mich immer wieder fragte, warum sie keine Fünfzigjährige spielen darf. Das hätte ihren inneren Konflikt noch glaubwürdiger gemacht.
Das ändert aber nichts daran, dass „Die Wolken von Sils Maria“ die europäische Version des ebenfalls grandiosen „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“, der am 29. Januar bei uns anläuft, ist. Man sollte sich unbedingt beide Filme ansehen. Vielleicht sogar hintereinander und dann vergleichen.

Seitdem hat „Birdman“ den Oscar als bester Film bekommen und Kristin Stewart trat neben Julianne Moore (die für ihre Rolle den Oscar erhielt) in dem Alzheimer-Drama „Still Alice“ auf.
Stewart und Juliette Binoche erhielten für ihr Spiel in „Die Wolken von Sils Maria“ jeweils einen César. Ein dritter César ging an Oliver Assayas‘ Drehbuch.
Stewart soll auch in Assayas‘ nächstem Film „Personal Chopper“ auftreten, der nächstes Jahr in die Kinos kommen soll.
Das Bonusmaterial besteht nur aus einem zwölfminütigem Interview mit Olivier Assayas, das aber gewohnt informativ ausgefallen ist.

Die Wolken von Sils Maria - DVD-Cover

Die Wolken von Sils Maria (Clouds over Sils Maria, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2014)
Regie: Olivier Assayas
Drehbuch: Olivier Assayas
mit Juliette Binoche, Kristen Stewart, Chloë Grace Moretz, Lars Eidinger, Hanns Zischler, Angela Winkler, Nora von Waldstätten, Aljoscha Stadelmann

DVD
NFP marketing & distribution/EuroVideo
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Originalfassung (Englisch mit Passagen in Deutsch und Französisch)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interview mit Olivier Assayas, Trailer, Hörfilmfassung
Länge: 118 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Wolken von Sils Maria“
Moviepilot über „Die Wolken von Sils Maria“
Metacritic über „Die Wolken von Sils Maria“
Rotten Tomatoes über „Die Wolken von Sils Maria“
Allociné über „Die Wolken von Sils Maria“
Wikipedia über „Die Wolken von Sils Maria“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Kinofassung)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Director’s Cut – bzw. die dreiteilige TV-Fassung)

Meine Besprechung von Olvier Assayas’ “Die wilde Zeit” (Après Mai, Frankreich 2012) (und der DVD)

Meine Besprechung von Olivier Assayas‘ „Die Wolken von Sils Maria“ (Clouds over Sils Maria, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2014) (mit Pressekonferenzen)


TV-Tipp für den 31. August: Schwaches Alibi

August 31, 2015

Arte, 20.15
Schwaches Alibi (USA 1954, Regie: Jerry Hopper)
Drehbuch: Lawrence Roman
LV: J. Robert Bren/Gladys Atwater: Cry Copper
Polizeichef Joe Conroy glaubt, dass ein braver Familienvater und Bäcker, nachdem die Polizei ihn unsanft behandelte, zum Polizistenmörder wurde. Conroy hat zwar keine Beweise, aber dennoch verfolgt er ihn. Auch nachdem er entlassen wurde.
Selten gezeigter Noir
mit Sterling Hayden, Gloria Grahame, Gene Barry, Marcia Henderson, Casey Adams, Billy Chapin, Chuck Connors
Wiederholung: Freitag, 4. September, 14.00 Uhr
Hinweise
TCM über „Schwaches Alibi“
Wikipedia über „Schwaches Alibi“
Noir of the Week über „Schwaches Alibi“
FilmNoir.net über „Schwaches Alibi“
The Film Noir File über „Schwaches Alibi“


Neu im Kino/Filmkritik: „Frank“, das Genie unter der Maske

August 30, 2015

Dass „Frank“ es doch noch in unseren Kinos gezeigt wird (wobei der DVD-Start schon für den 30. Oktober angekündigt ist), ist schon eine kleine, freudige Überraschung. Immerhin hatte der Musikfilm bereits im Januar 2014 seine Premiere auf dem Sundance-Festival. In England startete er am 9. Mai 2014. Die schrullige Komödie wurde allgemein abgefeiert und erhielt einige Preise. Aber von einer deutschen Veröffentlichung war nichts zu hören. Bis jetzt. Dabei sollte doch allein schon der Hinweis, dass Everbody’s Darling Michael Fassbender die Hauptrolle spielt, für Interesse sorgen.
Fassbender spielt Frank, einen genialen, aber auch seltsamen Musiker. Sein Gesicht verbirgt er hinter einem riesigen Pappmaché-Kopf, auf dem ein immer leicht erstaunt wirkendes, kindlich naives Gesicht gemalt ist und die von ihm geleitete Band „Soronprfbs“ ist zwar unter Alternative-Fans beliebt, aber kommerziell vollkommen erfolglos. Außerdem hat die Band genialer Dilletanten ein ständiges Keyboarder-Problem. Der letzte wurde nach einem erfolglosen Suizid-Versuch ins Krankenhaus eingeliefert.
Jon (Domhnall Gleeson), ein introvertierter Möchtegern-Musiker, der seine banalen Alltagsbeobachtungen mit Keyboardklängen abschmeckt, wird als Ersatz-Keyboarder angeheuert. Frank ist von ihm begeistert. Er lädt ihn zu einer Aufnahmesession ein, die nicht, wie Jon erwartet, im Studio um die Ecke an einem Nachmittag, sondern in einer einsam an einem irischen See gelegenen Hütte ist und die achtzehn Monate dauert, in der die Band, die aus merkwürdigen Gestalten und fragilen Beziehungen besteht, dank der ungefragten Social-Media-Arbeit von Jon zu einem Auftritt bei dem Indie-Festival „South by Southwest“ in Austin, Texas führt, was den Durchburch bedeuten könnte.
„Frank“ spielt zwar in der Gegenwart, aber die Musik und die Anspielungen kommen dann doch aus der Vergangenheit. Der Film basiert nämlich sehr lose auf einer Reportage von Jon Ronson, die er und Peter Straughan stark bearbeiteten. Wie schon bei ihrer Bearbeitung von Ronsons Sachbuch „Männer, die auf Ziegen starren“. Denn Ronsons Reportage „Oh Blimey“ ist über Frank Sidebottom, ein von dem verstorbenen Komiker Chris Sievey 1984 erfundener Kunstcharakter, dessen wahre Identität zunächst unbekannt war. Frank Sidebottom tourte Ende der Achtziger und in den Neunzigern durch England, hatte zahlreiche Fernsehauftritte und es gab einen Comicstrip mit ihm. Eine Zeit lang spielte Ronson in Sidebottoms Band Keyboard.
Dieser Charakter, bzw. die Idee eines genialen Musiker, der immer mit einem Pappmaché-Kopf auftritt und einer ihn bewundernden Band, wurde dann in die Gegenwart transferiert und eine neue Geschichte erfunden, bei der das Wissen um die Ursprünge eher stört. Denn „Frank“ ist kein Biopic und von ‚wahren Ereignissen‘ ist er auch nicht inspiriert. Dafür sind die Änderungen dann zu groß.
Trotzdem wirkt Lenny Abrahamsons Film immer wie ein aus der Zeit gefallener Bastard, bei dem die modernen Elemente eher stören. Denn Franks Musik, die absurde Heldenvereherung seiner Mitmusiker für ihn und seine Suche nach dem perfekten Ton als Teil der nur in seinem Kopf vorhandenen depressiven Symphonie und die monatelange Aufnahmesession in einer einsam gelegenen Hütte atmen in jeder Sekunde den depressiven Geist der achtziger Jahre, inclusive dem vom Punk kommenden Hang zum Dilletantismus und einen unbedingten Experimentierwillen.
So nennen die Macher den manisch-depressiven Singer/Songwriter Daniel Johnston, der seit den frühen Achtzigern Platten veröffentlicht, und Captain Beefheart, ein Frank-Zappa-Mitmusiker, der in den frühen Siebzigern seine großen Erfolge hatte (wobei er über Kultstatus nie hinauskam), als Inspiration für ihre Musik.
Sie hätten auch die Residents nennen können. Die bereits 1969 gegründete Band wurde mit seltsamen Cover-Versionen und Aktionen zwischen Musik und Kunst bekannt (naja, ebenfalls primär Kultstatus). Die Musiker halten ihre Identität immer noch geheim und sie treten immer maskiert auf.
Jons deprimierend eintönige, mit spartanischen Keyboarklängen zu Songs verarbeitete Alltagsbeobachtungen erinnern dann an Depeche Mode, eine 1980 gegründete Synthie-Pop-Band, die lange Zeit auf Gitarren verzichtete.
Trotzdem ist „Frank“ ein herrlich schrulliger Film mit einem liebevollen Blick auf gesellschaftliche Außenseiter, die sich in einer Band einen eigenen, gut funktionierenden Schutzraum geschaffen haben.

Frank - Plakat

Frank (Frank, Irland/Großbritannien 2014)
Regie: Lenny Abrahamson
Drehbuch: Jon Ronson, Peter Straughan
LV: Jon Ronson: Oh Blimey! (Reportage, The Guardian, 2006)
mit Michael Fassbender, Domhnall Gleeson, Maggie Gyllenhaal, Scott McNairy, Francois Civil, Carla Azar
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Frank“
Moviepilot über „Frank“
Metacritic über „Frank“
Rotten Tomatoes über „Frank“
Wikipedia über „Frank“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Männer, die auf Ziegen starren” (The men who stare at Goats, 2004)

Meine Besprechung von Jon Ronsons “Die Psychopathen sind unter uns – Eine Reise zu den Schaltstellen der Macht” (The Psychopath Test – A Journey through the Madness Industry, 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: „Straight Outta Compton“ in die Charts

August 30, 2015

In „Straight Outta Compton“ erzählt F. Gary Gray („Friday“ [mit Ice Cube], „Set It Off“, „Verhandlungssache“, „The Italian Job“) die Geschichte der Rap-Band „N. W. A.“ von ihren Anfängen Mitte der Achtziger bis zum Tod von Eazy-E am 26. März 1995 durch AIDS, kurz vor einer geplanten Reunion der 1991 aufgelösten Band, in einer mitreisenden Mischung aus Einblicken in das Leben in Compton, der Dynamik innerhalb der Band, ihren Konflikten mit dem Gesetz und dem großen Erfolg mit Songs wie „Fuck tha Police“, die auch live dargeboten werden. Jedenfalls solange, bis dank der Polizei das Konzert im Chaos mündet.
Das ist gut gemacht, kurzweilig und ein Teil der afroamerikanischen Geschichtsschreibung, der in den USA an der Kinokasse überraschend erfolgreich ist. Es ist allerdings auch ein Film, der von den Bandmitgliedern mitproduziert wurde und sie und ihre Angehörigen halfen in jeder Beziehung tatkräftig mit. Daher sollte man auch keinen übermäßig kritischen Blick auf „N. W. A.“, ihre Bedeutung und ihr Erbe erwarten. Es ist auch keine Auseinandersetzung darüber, wie sehr der Gangsta Rap, der letztendlich von „N. W. A.“ erfunden wurde und zu einem der populärsten HipHop-Stile wurde, wirklich authentische Botschaften aus dem Ghetto vermittelte. Es wird auch nicht auf die Ironie eingegangen, dass die Mitglieder von „N. W. A.“, – „Eazy-E“ Eric Wright, „Dr. Dre“ Andre Romell Young, „Ice Cube“ O’Shea Jackson, „DJ Yella“ Antoine Carraby und „MC Ren“ Lorenzo Patterson -, zwar mit Songs über den Alltag in Compton bekannt werden, aber sie schnell vor einem weißen Publikum sangen und dass ihre Texte zwar vom Leben in Compton erzählten, sie aber nie – wie „Public Enemy“ – einen sozialkritischen und politischen Blick auf die Realität in den USA hatten und sie daher auch nie verändern wollten. Sie wollten Geld verdienen – und das taten die Niggaz wit Attidudes als Musterknaben des Kapitalismus. Das wird schon in den ersten Minuten deutlich. Die Jungs, die oft gerade alt genug sind, um Auto zu fahren, wollen nur Musik machen und sind von dem gesamten Gangwesen in ihrem Viertel gänzlich unbeeindruckt, moralisch integer und gewaltfrei. Erst als sie Erfolg haben und durch die USA durch die Stadien touren, gibt es Drogenmissbrauch, Schlägereien und Streitereien. Vor allem mit ihrem Manager Jerry Heller (Paul Giamatti, gewohnt grandios) und um das liebe Geld.
Diesen kritischen Diskurs über ihre Musik und ihr Wirken muss man in anderen Medien, in Dokumentarfilmen, in Büchern, in Artikeln, suchen. Dort kann man sich auch in die Geschichte des HipHop vertiefen.
In dem Film gibt es ein fulminantes zweieinhalbstündiges HipHop-Feuerwerk, das einen auch daran erinnert, wie wichtig diese Musik damals war.

Straight Outta Compton - Plakat

Straight Outta Compton (Straight Outta Compton, USA 2015)
Regie: F. Gary Gray
Drehbuch: Jonathan Herman, Andrea Berloff
mit Corey Hawkins, Jason Mitchell, Paul Giamatti, O’Shea Jackson Jr., Neil Brown Jr., Aldis Hodge, R. Marcos Taylor, Tate Ellington, Carra Patterson, Marlon Yates Jr., Keit Powers
Länge: 147 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Straight Outta Compton“
Moviepilot über „Straight Outta Compton“
Metacritic über „Straight Outta Compton“
Rotten Tomatoes über „Straight Outta Compton“
Wikipedia über „Straight Outta Compton“ (deutsch, englisch) und N. W. A. (deutsch, englisch)
AllMusic über N. W. A.

Zwei Fragerunden mit Cast und Crew

DP/30 unterhält sich mit F. Gary Gray über den Film und sein Leben


TV-Tipp für den 30. August: Casablanca

August 30, 2015

Arte, 20.15

Casablanca (USA 1942, Regie: Michael Curtiz)

Drehbuch: Julius J. Epstein, Philip G. Epstein, Howard Koch

LV: Murray Burnett, Joan Alison: Everybody comes to Rick’s (Theaterstück)

Gerade hat sich Rick in Casablanca eingerichtet, als seine alte Liebe auf der Flucht vor den Nazis bei ihm auftaucht.

Casablanca ist das Kernstück des Bogart-Kults und ein Pflichttermin für Cineasten.

Mit Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Paul Henreid, Claude Rains, Conradt Veidt, Sydney Greenstreet, Peter Lorre, Curt Bois

Wiederholung: Montag, 31. August, 13.55 Uhr (VPS 14.00 Uhr)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Casablanca“

Turner Classic Movies über „Casablanca“

Wikipedia über „Casablanca“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. August: Die innere Sicherheit

August 29, 2015

Nach „Jerichow“ (um 23.05 Uhr)

RBB, 00.30

Die innere Sicherheit (Deutschland 2000, Regie: Christian Petzold)

Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki

Die 15-jährige Jeanne ist mit ihren Eltern ständig auf der Flucht. Denn diese sind gesuchte, ehemalige RAF-Terroristen. Jetzt müssen sie wegen Geldproblemen zurück nach Deutschland. Die alten Freunde sollen ihnen aus der finanziellen Misere helfen. Und Jeanne ist erstmals wirklich verliebt.

Mit dem genau beobachteten, die deutsche Wirklichkeit sezierenden Drama über vergangene Schuld, das Erwachsenwerden und Verpflichtungen hatte Christian Petzold seinen Durchbruch bei den Kritikern und dem Publikum (über 100.000 Zuschauer). Stellvertretend für die zahlreichen euphorischen Besprechungen: „bester deutscher Film des Jahres“ (Michael Althen, SZ, 31. Januar 2001)

Mit Julia Hummer, Barbara Auer, Richy Müller, Günther Maria Halmer

Hinweis

M Means Movie: Interview mit Christian Petzold (2001)

Wikipedia über „Die innere Sicherheit“

Meine Besprechung von Christian Petzolds “Phoenix” (Deutschland 2014)

Christian Petzold in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Das Märchen der Märchen“ ist nichts für Kinder

August 28, 2015

Heute sind Märchen Kindergeschichten. Gute-Nacht-Geschichten, die nachmittags im Fernsehen gezeigt werden und deren Ursprung, nämlich eine Erzählung für Erwachsene zu sein, heute kaum noch feststellbar ist.
Matteo Garrone, der das realistische Gangsterepos „Gomorrah“ inszenierte, drehte jetzt mit „Das Märchen der Märchen“ einen Film, der garantiert nicht für Kinder geeignet ist. Auch wenn die FSK ihn ab 12 Jahre freigegeben hat, richtet sich dieser Märchenfilm an ein erwachsenes Publikum, das die Anspielungen und Märchenmotive, die hier vom Kopf wieder auf die Füße gestellt werden, gerne wieder erkennt. Inspiriert ist der Film von Giambattista Basiles Geschichtensammlung „Il Racconto dei Racconti“ („Das Märchen der Märchen“ bzw. „Das Pentameron“). Basile sammelte – wie wir es von Giovanni Boccaccios „Das Dekameron“ (Decamerone, das zwischen 1349 und 1353 geschrieben wurde), einer Sammlung von hundert Novellen, kennen – fünfzig Märchen, die er in eine Rahmenhandlung, in der sich eine Gruppe von Menschen in fünf Tagen 49 Geschichten erzählte, einbettete. „Il Racconto dei Racconti“ erschien 1634/1636 und ist eines der großen Märchenbücher, das, weil es im neapolitanischen Dialekt geschrieben ist, lange unbekannt blieb und später von den Brüdern Grimm als Grundlage für ihre Märchensammlung genommen wurde.
Garrone wählte für seinen Film „Das Märchen der Märchen“ drei Geschichten aus, über deren Anfang und Ende gestritten werden kann. Er erzählt von einer Königin (Salma Hayek), die alles tun würde, um einen Sohn zu gebären. Dafür schickt sie ihren Mann in den Tod. Und nach der Geburt – gleichzeitig gebar eine Dienstmagd einen identischen Zwilling – ist die Geschichte noch nicht vorbei. In der zweiten Geschichte verliebt der König von Strongcliff (Vincent Cassel) sich in eine liebreizende Frau, die bis jetzt seinem Sextrieb entgehen konnten. Was er nicht ahnt, ist, dass sie, die sich seinen Avancen entzieht und ihr Gesicht verbirgt, nicht jung und schön, sondern alt und hässlich ist. Und dabei kriegt der König, wenn er bei einer Frau auch nur eine Falte sieht, Panickattacken. In der dritten Geschichte sucht der König von Highhills (Toby Jones) mit einem Ratespiel einen Gemahl für seine Tochter Violet (Bebe Cave). Der künftige Bräutigam ist ein riesiger, ungeschlachteter Unhold, der sie auch gleich über seine Schulter wirft und in seine Höhle verschleppt.
Diese in verschiedenen, aber benachbarten Königreichen spielenden Hauptgeschichten ergänzt Garrone um viele kürzere Episoden und er erzählt sie nicht hintereinander (obwohl ich seine solche Schnitffassung gerne sehen würde), sondern parallel und auch eher distanziert, was dem Film ein schleppendes Tempo verleiht und mit zunehmender Laufzeit bemerkt man, dass der Film primär eine Sammlung von nur lose miteinander verbundenen Episoden ist. Weshalb einige Charaktere plötzlich aus dem Film verschwinden und andere Charaktere, die für den gesamten Film letztendlich eine große Bedeutung haben, wie die Königstochter Violet, erst sehr spät auftauchen. Es gibt nicht, wie bei anderen Ensemblefilmen, einen den gesamten Film tragenden Charakter. Eher schon betrachtet man alle Personen gleich distanziert. Es gibt ein eigentümliches Missverhältnis zwischen Nebencharakteren, deren Gefühle man versteht und die manchmal nur ein, zwei Szenen oder eine große, äußerst berührende Szene haben, und den Hauptcharakteren, die dagegen schon zu einer eindimensionalen Parodie mutieren. Das gilt vor allem für den sexsüchtigen König von Strongcliff (Vincent Cassel), der nur mit schönen, jungen Frauen Sex haben will, dem wir zum ersten Mal nach einem solchen Gelage begegnen und der dem Begriff „Oberflächlichkeit“ eine neue Dimension verleiht. Er ist wahrlich nicht der Märchenprinz, sondern eher ein notgeiler, alternder Vampir.
Auffallend bei allen Geschichten ist, wie sehr die bekannten Märchenkonventionen gegen den Strich gebürstet werden. Als habe Garrone sich gefragt „Was würde Disney tun?“ und dann das Gegenteil getan. Daher ist auch in jeder Szene eine ungebremste sexuelle Lust spürbar und alle sind von niederen Trieben und Obsessionen beherrscht. Das gilt für den König von Highhill (Toby Jones), der sich nur für einen einen schweinemäßig riesigen Floh, den er in seinem Gemach füttert, interessiert. Seine Tochter ist ihm dagegen herzlich egal.
Oder für die Königin von Longtrellis (Salma Hayek), die sich unbedingt einen Erben wünscht, dafür ihren Mann in den Kampf mit einem Seeungeheuer schickt und anschließend das blutig pulsierende Herz des Ungeheuers genußvoll verspeist; – wobei wir uns fragen, wer hier das wirkliche Ungeheuer ist. Denn den durch das Ungeheuer verursachten Tod ihres Mannes betrauert sie nur pflichtschuldig.
Ebenso auffallend ist, dass bei Garrone die Frauen das starke Geschlecht sind und sie auch sympathischer sind, während die Männer ausgemachte Trottel sind, mit denen man keinen Funken Mitleid hat. In diesem Anti-Disney-Kosmos gibt es dann auch keinen Traumprinz und die Prinzessin muss die Dinge selbst in die Hand nehmen.
Seine düsteren Märchen bettet Garrone in eine vom Barock inspirierte Fantasywelt, die in ihrer Opulenz verzaubert. Auch dank der prächtigen Ausstattung und den handgemachten Tricks. Das erinnert dann an die vor Jahrzehnten in Cinecittà entstandenen Filme, irgendwo zwischen Fellinis Pracht und dem Trash der Sandalenfilme.

Das Märchen der Märchen - Plakat

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)
Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso
LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)
mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay
Länge: 134 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Das Märchen der Märchen“
Moviepilot über „Das Märchen der Märchen“
Metacritic über „Das Märchen der Märchen“
Rotten Tomatoes über „Das Märchen der Märchen“
Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“
„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)


„Hitman: Agent 47“-Drehbuchautor Skip Woods: ein Pechvogel?

August 28, 2015

Unter Actionfans hat Drehbuchautor Skip Woods einen Ruf zu verteidigen. Nämlich der Autor zu sein, der jeden Film in Grund und Boden rammt. Der anstatt einer guten Geschichte einen unbekömmlichen Brei serviert, der von der ersten bis zur letzten Minute vollkommen misslungen ist. So als habe man einfach ein halbes Dutzend Drehbücher und Ideen zusammengeworfen und dann gemeint „passt, wackelt und hat Luft“.
Skip Woods schrieb die Drehbücher für
Hitman: Agent 47 (2015)
Sabotage (2014)
Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (2013)
Das A-Team – Der Film (2010)
X-Men Origins: Wolverine (2009)
Hitman – Jeder stirbt alleine (2007)
Passwort: Swordfish (2001)
Thursday (1998)
Manchmal mit einem anderen Autor zusammen, dem man natürlich einen Teil an dem Desaster aufbürden kann. Aber sein „Hitman: Agent 47“-Co-Autor Michael Finch schreib vorher „The November Man“. Ein absolut okayer Agententhriller mit Pierce Brosnan. Oder David Benioff, der neben „X-Men Origins: Wolverine“ auch „25 Stunden“ (nach seinem Roman), „Troja“ und „Brothers“ schrieb und der Erfinder der TV-Serie „Game of Thrones“ ist, ist eigentlich ein zuverlässiger Autor.
Oft ist bei einem Film, weil man keinen intimen Einblick in die Hintergründe der Produktion hat, auch unklar, wer welchen Anteil an dem Desaster hat. Es könnte ja der Hauptdarsteller sein. Oder der Regisseur, der einfach mal schnell das Drehbuch zugunsten seiner Vision in die Tonne wirft. Immerhin sind bei Spielfilmen die Regisseure bekannter als die Drehbuchautoren.
Und die Regeln für die Nennung als Drehbuchautor sind einigermaßen komplex, weil in Hollywood Drehbücher oft mehrere Fassungen von verschiedenen Autoren haben und manchmal am Ende Autoren genannt werden müssen, die mit der verfilmten Fassung nichts zu tun haben.
Das gesagt, werfen wir einen Blick auf das Werk der Regisseure und wie diese Filme im Vergleich mit ihren anderen Filmen bei der Kritik ankamen. Das dürfte uns ein Gefühl geben, wer einen größeren Anteil an dem Misserfolg hat. Dafür genügt ein Blick auf die Bewertungen bei Rotten Tomatoes und Metacritic, die beide viele Kritiken sammeln:

Hitman: Agent 47 (2015): Regie: Aleksander Bach
Bewertung „Hitman: Agent 47“: 8 % Rotten Tomatoes; 29 % Metacritic
Bewertung bester Film: entfällt, weil Debüt
Bewertung schlechtester Film: dito

Sabotage (2014): Regie: David Ayer
Bewertung „Sabotage“: 19 % Rotten Tomatoes; 41 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 19 % (Sabotage), 41 % (Sabotage)
Bewertung bester Film: 85 % (End of Watch), 70 % (Training Day)

Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (2013): Regie: John Moore
Bewertung „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“: 14 % Rotten Tomatoes; 28 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 14 % (Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben); 28 % (Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben)
Bewertung bester Film: 37 % (Im Fadenkreuz – Allein gegen Alle); 49 % (Im Fadenkreuz – Allein gegen alle)

Das A-Team – Der Film (2010), Regie: Joe Carnahan
Bewertung „Das A-Team – Der Film“: 47 % Rotten Tomatoes; 47 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 29 % (Smokin‘ Aces); 45 % (Smokin‘ Aces)
Bewertung bester Film: 83 % (Stretch; Narc; bei uns beide nur DVD-Start, „The Grey“ mit 79 % ist der zweitplatzierte); 70 % (Narc)

X-Men Origins: Wolverine (2009), Regie: Gavin Hood
Bewertung „X Men Origins: Wolverine“: 38 % Rotten Tomatoes; 40 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 38 % (X-Men Origins: Wolverine“); 40 % X-Men Origins: Wolverine)
Bewertung bester Film: 82 % (Tsotsi), 70 % (Tsotsi)

Hitman – Jeder stirbt alleine (2007), Regie: Xavier Gens
Bewertung „Hitman – Jeder stirbt für sich alleine“: 14 % Rotten Tomatoes; 35 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 14 % (Hitman – Jeder stirbt für sich alleine), 28 % (The Divide)
Bewertung bester Film: 55 % (Frontier(s)); 44 % (Frontier(s))

Passwort: Swordfish (2001), Regie: Dominic Sena
Bewertung „Passwort: Swordfisch“: 26 % Rotten Tomatoes; 32 % Metacritic
Bewertung schlechtester Film: 7 % (Whiteout [der gar nicht so schlecht ist]); 28 % (Whiteout; Season of the Witch)
Bewertung bester Film: 67 % (Kalifornia); 49 % (Kalifornia)

Thursday (1998): Regie: Skip Woods
Bewertung „Thursday“: 33 % (Rotten Tomatoes)

Von den acht Drehbüchern, die von Skip Woods verfilmt wurden, fallen zwei „Hitman: Agent 47“ und „Thursday“ weg, weil die Regisseure bis jetzt keine weiteren Filme inszeniert haben. Dann bleiben noch sechs Filme übrig, davon ist in drei Fällen bei Rotten Tomatoes und Metacritic der schlechteste Film des Regisseurs identisch mit dem Film, für den Skip Woods das Drehbuch schrieb. Und in einem weiteren Fall ist bei Rotten Tomatoes der schlechteste Film des Regisseurs der Film, für den Skip Woods das Drehbuch schrieb.
Da kann man wohl kaum noch von Zufall reden.
Nur: Warum werden in Hollywood weiter Bücher von ihm verfilmt? Denn so richtig Michael-Bay-erfolgreich war keiner seiner Filme. Im Gegenteil.


TV-Tipp für den 28. August: 5 Jahre Leben

August 28, 2015

Weil es ein guter Film ist und er heute etwas früher kommt und ich Lars Beckers „Zum Sterben zu früh“ (Arte, 20.15 Uhr) noch nicht gesehen habe:

Eins Festival, 22.00
5 Jahre Leben (Deutschland 2013, Regie: Stefan Schaller)
Drehbuch: Stefan Schaller, David Finck
Es trifft ja nur Terroristen. Zum Beispiel diesen Deutschtürken Murat Kurnaz, der kurz nach 9/11 als „feindlicher Kämpfer“ nach Guantánamo gebracht wurde. Nach fünf Jahren – auch weil die Bundesregierung absolut keine Eile hatte, den unschuldig Inhaftierten Kurnaz wieder in Deutschland einreisen zu lassen – kehrte er 2006 nach Bremen zurück.
Stefan Schallers beeindruckener Spielfilm konzentriert sich auf die Verhöre durch Gail Holford und Kurnaz’ Kampf um seine Würde. Gerade dank dieser Beschränkung gewinnt er an erzählerischer Kraft.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films.
mit Sascha Alexander Gersak, Ben Miles, Trystan Pütter, John Keogh, Timur Isik, Kerem Can, Siir Eloglu, Tayfun Bademsoy
Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über “5 Jahre Leben”

Film-Zeit über „5 Jahre Leben“

Wikipedia über Murat Kurnaz

Meine Besprechung von Stefan Schallers „5 Jahre Leben“ (Deutschland 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Hitman: Agent 47“ – zweiter Versuch, wieder mit Anzug und Glatze

August 27, 2015

In der Theorie spricht nichts dagegen, dass man aus einem Computerspiel einen guten Film machen kann. Immerhin dienen Computerspiele auch als Inspirationen für Romane und Comics – und das sind nicht unbedingt die schlechtesten Romane und Comics, die sogar von Menschen genossen werden können, die mit der Vorlage nichts anfangen können.
Außerdem werden ständig Romane und Comics verfilmt.
Und Agent 47 ist für einen Spielfilm eigentlich ein genialer Charakter. Er hat, dank Anzug, Glatze und Strichcode, einen hohen Wiedererkennungswert und ein eiskalter Profikiller ist nicht die schlechteste Ausgangslage für eine spannende Geschichte. Schon sein Beruf „Auftragsmörder“ gibt die Geschichte vor, die mit seiner aus den Spielen bekannten Hintergrundgeschichte beliebig angereichert werden kann.
In der Praxis sind viele Spiel-Verfilmungen nicht gut, sondern schlecht, sehr schlecht oder filmischer Sondermüll. Auch die erste Verfilmung des Spiels „Hitman“, „Hitman – Jeder stirbt alleine“ (Hitman, Frankreich/USA 2007), war nicht gut. Obwohl; rückblickend erscheint Timothy Olyphants Auftritt als Killer gar nicht mehr so schlecht. Denn inzwischen gibt es „Hitman: Agent 47“ mit Rupert Friend („Homeland“) als Agent 47,
Die Story für den neuen Film, wieder geschrieben von Skip Woods (der eine beeindruckende Liste schlechter Filme in seiner Filmographie hat), ist eine verworrene Entschuldigung für die mauen Actionszenen. Irgendwie geht es um eine junge Frau, die Agent 47 umbringen soll, es dann aber doch nicht tut, während andere sie umbringen wollen und irgendwie ist die Dame sehr wichtig für verschiedene Organisationen. Und dann geht es noch ums Klonen und die Vergangenheit von Agent 47.
Diese „der Killer hilft seinem Opfer gegen seinen Auftraggeber“-Geschichte ist zwar nicht neu, aber für einen Actionfilm wäre sie absolut ausreichend, wenn man einfach diese Geschichte erzählen würde. Stattdessen lassen die Macher einfach Szenen aufeinander folgen, die keinen Sinn ergeben und sich widersprechen. Da hilft dann auch nicht die Pseudo-Erklärung, dass der als Retter eingeführte Charakter doch ein Bösewicht ist und dass der Killer dann doch zum Guten mutiert, weil der Autor es so will. Denn die Hälfte dieser Erklärungen wird in der nächsten Szene wieder kassiert und auch das Interesse des gutwilligsten Zuschauer erlahmt schneller als ein Flammkuchen kalt wird, weil man zu keinem Charakter eine emotionale Bindung aufbauen kann.
Dadurch geraten die Actionszenen zu einer langweiligen Angelegenheit, bei der uns ziemlich egal ist, wer wen warum wie besiegt. Immerhin verfolgt man als Berliner die in der Hauptstadt spielende Actionszene gespannt, weil man zuerst die Drehorte erkennen will und danach verzweifelt überlegt, wie die Charaktere von A nach B gekommen sind. Der in Saigon spielende Schlußkampf hat sogar diesen Vorteil nicht mehr.
Etwas Gutes hat „Hitman: Agent 47“, das Spielfilmdebüt des Werbefilmers Aleksander Bach, dann doch. Er kann künftig bei Seminaren wundervoll als ein in jeder Sekunde überzeugendes Lehrbeispiel für vermeidbare Fehler im Erzählen von Geschichten gezeigt werden.

Hitman - Agent 47 - Plakat

Hitman: Agent 47 (Hitman: Agent 47, USA 2015)
Regie: Aleksander Bach
Drehbuch: Skip Woods, Michael Finch (nach einer Geschichte von Skip Woods)
mit Rupert Friend, Hannah Ware, Zachary Quinto, Ciarán Hinds, Thomas Kretschmann, Angelababy, Dan Bakkedahl
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Hitman: Agent 47“
Moviepilot über „Hitman: Agent 47“
Metacritic über „Hitman: Agent 47“
Rotten Tomatoes über „Hitman: Agent 47“
Wikipedia über „Hitman: Agent 47“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Gallows“ killt dumme Schüler

August 27, 2015

In den letzten Jahren mauserte sich Blumhouse Productions zu einer verläßlichen Bank für Horrorfilmfans. Allerdings, trotz einiger echter Hits und guter Filme, nicht unbedingt zu einer guten. Eher zu einer, die man mit Interesse beobachtet, immer auf einen guten Film hofft und oft enttäuscht ist. „Paranormal Activity“ war 2007 ihr großer Erfolg, dessen fünfter Teil als „Paranormal Activity: Ghost Dimension 3D“ (Yeah, der Horror erhält eine dritte Dimension) am 22. Oktober bei uns anläuft. Es ist ein Found-Footage-Horrorfilm: in einem Haus geschehen unheimliche Dinge, die von den überall platzierten Überwachungskameras in nicht gerade berauschender Bildqualität aufgenommen werden. Der Film kostete 15.000 US-Dollar und spielte weltweit fast 200 Millionen US-Dollar ein, was ihn zu einem der profitabelsten, vielleicht sogar zu dem profitabelsten Hollywood-Film aller Zeiten machte. Danach kamen „Sinister“, „Insidious“, „Unknown User“ (wird fortgesetzt), zahlreiche Fortsetzungen und die beiden „The Purge“-Filme, die sogar richtig gut und keine Horrorfilme sind. Aber der typische Blumhouse-Film ist ein billig produzierter Horrorfilm mit unbekannten Schauspielern, gedreht im Found-Footage-Stil (also mit Überwachungskameras, Videokameras und, inzwischen, Handy-Kameras), einer entsprechend improvisierten Geschichte und oft mit Geistern. Das führt dann dazu, dass wenig Blut fließt (was nicht unbedingt schlecht ist) und es wenige Schockmomente gibt, die oft schon im Trailer, der den Film ja verkaufen soll, gezeigt werden.
„The Gallows“, das Regiedebüt von Chris Lofing und Travis Cluff, reiht sich nahtlos in das Blumhouse-Oeuvre ein. In diesem Fall geht es um eine Schule, die nach zwanzig Jahren wieder das Stück „The Gallows“ aufführen will. Damals erhängte sich der Hauptdarsteller des Stücks während der Premiere durch einen bedauerlichen Unfall am nicht richtig präpariertem Galgen.
In der Nacht vor der Premiere schleichen sich die Schüler Cassidy, Reese und Ryan in die Schule. Sie wollen die Bühnendekoration zerstören und so die Premiere sabotieren. Aber bevor sie mit ihrem schändlichen Tun beginnen können, taucht Pfeifer auf und Reese, der in sie verknallt ist und sich deshalb als Schauspieler in dem Stück versucht, versucht sich an einer weit hergeholten Erklärung. Kurz darauf geschehen in der dunklen Schule seltsame Dinge, wie seltsame Geräusche und plötzlich auf- und zugehende Türen. Außerdem, und hier hört der Spaß für die vier Schüler auf, sterben sie der Reihe nach, ohne dem Täter oder der Lösung einen erkennbaren Schritt näher zu kommen.
Obwohl der Film mit knapp achtzig Minuten (ohne Abspann) angenehm kurz geraten ist, bleibt genug Zeit, sich Gedanken über den seltsamen Grundriss der Schule zu machen, die eher ein Escher-Labyrinth als eine real existierende Schule ist, und warum die Eingeschlossenen nicht die Polizei anrufen (denn jede Schule hat Telefone) oder die Feuerwehr rufen (denn jede Schule hat einen Feueralarm) oder ganz einfach aus der Schule flüchten. Denn eine Schule ist kein Hochsicherheitsgefängnis. Eine Flucht, vor allem wenn man Todesangst hat und sich deshalb über eine zerbrochene Fensterscheibe keine Gedanken mehr machen muss, wäre einfach zu bewältigen. Aber lieber stehen sie ratlos vor einer verschlossenen Tür und stolpern dann durch den Keller oder hinter der Bühne herum, bis der Bösewicht sein Werk vollenden kann.
Dazu kommt die nervige Handykamera, die immer wackelt und mal wieder am Verstand des Kameramanns zweifeln lässt, der in höchster Not doch nur an das Filmen der Ereignisse denkt.
Dabei ist die Auflösung dieses Mal gar nicht so übel geraten. Ich bin sogar überzeugt, dass „The Gallows“, wenn er konventionell gedreht worden wäre (also mit einem ausformuliertem Drehbuch und ohne Found-Footage-Gedöns), ein ganz ordentlicher kleiner Horrorfilm geworden wäre.
Aber so ist es, mal wieder, typischer Blumhouse-Mist, der aufgrund des geringen Budgets von 100.000 US-Dollar sein Geld mehr als einmal einspielen wird, bis nächstes Jahr „The Gallows 2 – Der Galgen steht immer noch“ (oder wie auch immer die unvermeidliche Fortsetzung heißt) in unseren Kinos anläuft. Laut Box Office Mojo hat „The Gallows“ bis jetzt weltweit fast 38 Millionen US-Dollar eingespielt.

Gallows - Plakat

The Gallows – Jede Schule hat ein Geheimnis (The Gallows, USA 2015)
Regie: Chris Lofing, Travis Cluff
Drehbuch: Chris Lofing, Travis Cluff
mit Reese Mishler, Pfeifer Brown, Ryan Shoos, Cassidy Gifford
Länge: 81 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Gallows“
Moviepilot über „The Gallows“
Metacritic über „The Gallows“
Rotten Tomatoes über „The Gallows“
Wikipedia über „The Gallows“ 


TV-Tipp für den 27. August: Heimat – Eine deutsche Chronik: Fernweh/Die Mitte der Welt

August 27, 2015

Arte, 22.15
Heimat – Eine deutsche Chronik: Fernweh (1919 – 1928), Die Mitte der Welt (1929 – 1933) (Deutschland 1984)
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Edgar Reitz, Peter Steinbach
Toll, dass „Heimat“, das Werk, mit dem Edgar Reitz seinen Durchbruch hatte, das damals wirklich ein TV-Ereignis war und das eindrucksvoll zeigt, was im Fernsehen möglich war, bevor es diese langen „Fernsehen ist der neue Roman“-Elogen gab, wieder im Fernsehen läuft.
Schade, dass Arte das Opus in einer von Reitz selbst von 924 Minuten auf 888 Minuten gekürzten Fassung in Doppelfolgen heute und an den kommenden Donnerstagen zeigt. D. h., dass um 01.45 Uhr der Abspann läuft und das Aufnahmegerät seine Arbeit beendet, während einige Nachteulen den Fernseher ausschalten.
In „Heimat“ erzählt Reitz anhand der in dem fiktiven Hunsrückdorf Schabbach lebenden Maria Simon (1900 – 1982) die wechselvolle Geschichte Deutschlands vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zu Marias Tod aus der Perspektive der kleinen Leute, die nicht in einer Metropole leben.
Großes Kino! Auch in der Mediathek.
Mit Marita Breuer, Gertrud Bredel, Willi Burger, Michael Lesch, Rüdiger Weigang, Karin Rasenack

Hinweise

Arte über „Heimat – Eine deutsche Chronik“

Wikipedia über „Heimat – Eine deutsche Chronik“

Homepage von Edgar Reitz

Kriminalakte über „Die andere Heimat“

Meine Besprechung von Edgar Reitz’ “Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht” (Deutschland 2013) (mit weiteren Clips)

Meine Besprechung von Edgar Reitz’ “Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht” (Deutschland 2013) (DVD-Kritik)


Am Ziel: „Das Kartell“ von Don Winslow

August 26, 2015

Nach der vorbereitenden Lektüre mit zwei kurzweiligen Neal-Carey-Romanen („London Undercover“ und „China Girl“) und seiner siebenhundertseitigen, 2005 erschienenen Chronik des US-Drogenkrieges „Tage der Toten“ bin ich mit „Das Kartell“, dem neuesten Roman von Don Winslow, der fast zeitgleich in den USA und Deutschland erschien, am Ziel von meinem kleinen Don-Winslow-Lesemarathon.
Zehn Jahre nach „Tage der Toten“ erzählt Winslow in „Das Kartell“ die Geschichte von DEA-Fahnder Art Keller und seiner Nemesis, dem mexikanischen Drogenboss Adán Barrera, weiter und widmet sich den Jahren zwischen 2004 und 2012 (mit einem 2014 spielendem Epilog), in denen der Drogenkrieg zunehmend brutaler geführt wurde und die von den Drogenkartellen verursachte Gewalt in Mexiko ungeahnte Ausmaße erreichte.
Am Anfang von „Das Kartell“ gelingt es Barrera, der am Ende von „Tage der Toten“ verhaftet wurde und vor einem US-Gericht angeklagt werden soll, von dem US-Gefängnis in ein mexikanisches Gefängnis überstellt zu werden, aus dem er schnell flüchtet. Art Keller, der sich in ein Kloster zurückgezogen hat, nimmt wieder seine Arbeit als Drogenfahnder auf. Er kennt Barrera am besten und er will ihn zur Strecke bringen.
Die ersten Seiten des über achthundertseitigem Roman lesen sich aufgrund der Ausgangslage eher wie ein klassischer Thriller mit einem klar definiertem Helden und einem ebenso klar definiertem Bösewicht. Das ändert sich im Verlauf des Romans, der in erster Linie eine chronologische Chronik des Anti-Drogenkampfes der USA in Mexiko in den vergangenen zehn Jahren ist und die sich liest, als sei sie direkt von den Schlagzeilen abgeschrieben worden. Diese Struktur, die eine Mischung aus den Titelseiten der Zeitungen und des episodischen Serienfernsehens (das im Rahmen eines daily struggle nicht mehr auf ein festes Ende angelegt ist und daher auch immer wieder mäandert und die Lösung des Konflikts endlos vor sich hin schiebt) ist, führt auch dazu, dass Keller und Barrera immer wieder für Dutzende von Seiten aus der Geschichte verschwinden und dass es breit gezeichnete Subplots gibt, die den Hauptplot (nämlich den Kampf zwischen Keller und Barrea) keinen Millimeter voranbringen.
So gibt es von Seite 383 bis Seite 430 das Kapitel „Journalisten“, das die Arbeit und das Privatleben von einigen Journalisten in Ciudad Juárez, einem Ort mit inzwischen trauriger Berühmtheit, schildert und der Beginn eines eigenständigen Plots ist, der mit Art Keller und Adán Barrera eigentlich nichts zu tun hat. Natürlich geht es in diesem Kapitel auch um die Banden- und Drogenkriminalität, aber jetzt wird der Drogenkrieg plötzlich aus einer Außenperspektive (nämlich der von ehrlichen Menschen, die weder Drogenhändler noch Polizisten sind) geschildert. Das ist nicht uninteressant, aber man hätte das Kapitel auch einfach streichen können, ohne am restlichen Text irgendetwas ändern zu müssen. Solche Episoden, die manchmal zu größeren Subplots werden, gibt es in „Das Kartell“ mehrere und sie tragen auch dazu bei, dass sich mit zunehmender Lektüre ein Gefühl der Erschöpfung einstellt.
Das spiegelt natürlich auch die Vergeblichkeit des Antidrogenkrieges und die zunehmende Erschöpfung von Keller und Barrera wieder. Aber literarisch erinnert dieses Programm dann an die unsäglich „totquatschen, bis alle zustimmen“-Politik, die nicht durch Qualität (die durchaus vorhanden sein kann), sondern nur durch Quantität beeindrucken will.
Wie schon „Tage der Toten“, gehört „Das Kartell“ nicht zu Don Winslows besten Büchern. Vor allem der Humor und die pointierte Verknappung fehlen. Stattdessen werden die Ereignisse oft in einer nüchternen Nachrichtenprosa beschrieben, die über die Strecke von achthundertdreißig Seiten ermüdet. Denn die Gewalt der Drogenkartelle gegeneinander und gegen die Bevölkerung geriet in den vergangenen zehn Jahren in Mexiko vollkommen außer Kontrolle. Aber nach dem dritten Massaker tendiert der Erkenntnisgewinn der Beschreibung des vierten Massakers an einer anderen Verbrecherbande, an Polizisten oder Zivilisten gegen Null. Es ist einfach nur mehr vom Gleichen.
Und wegen der vielen Charaktere und Handlungsstränge (die auch manchmal schnöde fallen gelassen werden; so begibt sich auf Seite 668 ein Drogengangster mit Kellers Hilfe in US-Schutzhaft. Erst viele Seiten später, auf Seite 715, erfahren wir in wenigen Sätzen, was mit ihm geschah, nachdem er sich bei Keller meldete und in US-amerikanische Schutzhaft begeben hat) und der langen Zeit, die die Geschichte umfasst, bleibt „Das Kartell“ dann als ein an allen Ecken und Enden ausfaserndes Werk, das wirklich alles über den Drogenkrieg sagen will (und dabei doch einiges weglässt), doch an der Oberfläche. Dass Don Winslow es besser kann, zeigt er in seinen kürzeren Romanen, die auch nicht durch den Duktus der Faktentreue gebremst werden. In ihnen steigt er wesentlich tiefer in den von den USA in Südamerika geführten, in jeder Beziehung absurden und zunehmend irrationalen Drogenkrieg ein. Also besser „Bobby Z“, „Savages – Zeit des Zorns“ oder „Kings of Cool“, die auch stilistisch überzeugender sind, lesen.

Winslow - Das Kartell - 2
Don Winslow: Das Kartell
(übersetzt von Chris Hirte)
Knaur, 2015
832 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
The Cartel
Alfred A. Knopf, 2015

Hinweise

Hollywood & Fine: Interview mit Don Winslow (11. Juli 2012)

Homepage von Don Winslow (etwas veraltet, weil eigentlich eine Verlagsseite)

Deutsche Homepage von Don Winslow (von Suhrkamp)

Don Winslow twittert ziemlich oft

Meine Besprechung von Don Winslows “London Undercover” (A cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Don Winslows “China Girl” (The Trail to Buddha’s Mirror, 1992)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows “Missing. New York” (Missing. New York, noch nicht erschienen)

Mein Hinweis auf Don Winslows „London Undercover – Neal Careys erster Fall“ (A Cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 26. August: Die andere Heimat

August 26, 2015

Arte, 20.15
Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht (Deutschland 2013)
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Edgar Reitz, Gert Heidenreich
Grandioses, fast vierstündiges Alterswerk von Edgar Reitz, in dem er vom Leben der Familie Simon im Hunsrückdorf Schabbach um 1840, zwischen hartem Alltag, Hungersnöten und revolutionärem Aufbruch erzählt. Einer der Simon-Jungs möchte, wie viele Hunsrücker, nach Brasilien auswandern, wo er auf ein besseres Leben hofft.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung zum Kino- und DVD-Start (mit unterschiedlichem Bonusmaterial).
mit Jan Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Marita Breuer, Rüdiger Kriese, Philine Lembeck, Mélanie Fouché, Eva Zeidler, Reinhard Paulus, Christoph Luser, Werner Herzog

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die andere Heimat“

Moviepilot über „Die andere Heimat“

Wikipedia über „Die andere Heimat“

Homepage von Edgar Reitz

Kriminalakte über „Die andere Heimat“

Meine Besprechung von Edgar Reitz‘ “Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht” (Deutschland 2013) (mit weiteren Clips)

Meine Besprechung von Edgar Reitz‘ „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ (Deutschland 2013) (DVD-Kritik)

Homepage von Michael Riessler


DVD-Kritik: Über die Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Schändung – Die Fasanentöter“

August 25, 2015

Zum Kinostart schrieb ich wenig begeistert über „Schändung – Die Fasanentöter“, die zweite Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung:

Es hilft nichts. Auch die Veränderungen im Drehbuch von Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg machen aus Jussi Adler-Olsen spannungsloser Geschichte „Schändung“ keinen Thriller. Die Täter sind beide Male von Anfang an bekannt, was ja nicht unbedingt ein Nachteil ist. So basiert die grandiose Krimiserie „Columbo“ auf dieser Idee. Aber in „Columbo“ sind die Verbrecher intelligent, die Konfrontationen zwischen dem Ermittler und dem Mörder sind vergnügliche Schlagabtäusche, Katz-und-Maus-Spiele zwischen intelligenten Kontrahenten, und in jeder Szene erfahren wir etwas neues.
In „Schändung“, und da unterscheiden sich der Roman seine Verfilmung nicht, ist es anders. Es gibt einfach keine nennenswerten Konfrontationen und, nachdem wir die Ausgangssituation kennen, auch keine neuen Erkenntnisse. Die gesamte Geschichte quält sich über 450 Seiten (im Roman) oder gut 120 Minuten (im Film) auf ihr Ende zu. Schon am Anfang erfahren wir, dass eine Gruppe stinkreicher Internatsschüler vor zwanzig Jahren zwei Jugendliche ermordeten. Bjarne Thøgersen gestand den Doppelmord und sitzt dafür im Gefängnis. Der Fall ist offiziell abgeschlossen.
Jetzt beginnt Carl Mørck vom Sonderdezernat Q, der Abteilung für alte, nicht abgeschlossene Fälle, den Fall neu aufzurollen. Im Roman weil die Akte wie von Geisterhand auf seinem schon gut gefülltem Schreibtisch auftaucht und es, anstatt sich irgendeinen ungeklärten alten Mordfall vorzunehmen, natürlich grundvernünftig ist, einfach einen geklärten alten Mordfall noch einmal zu untersuchen. Vielleicht haben die Kollegen ja Mist gebaut und vielleicht ist der geständige Täter, der sein Geständnis nicht widerrufen möchte, doch nicht der Täter. Wer jetzt glaubt, dass Mørcks Verhalten idiotisch ist, wird an Adler-Olsens Roman keine Freude haben. Aber eigentlich sollte er nach dem ersten Sonderdezernat-Q-Roman „Erbarmen“ schon vorgewarnt sein.
Im Film ist Mørcks Verhalten immerhin besser motiviert: Eines Nachts begegnet er im Regen (wegen der atmosphärischen Bilder) einem offensichtlich verwirrten Mann, der ihm die alte Akte gibt. Am nächsten Tag ist er tot. Suizid. Er war ein Ex-Polizist und der Vater der beiden toten Teenager. Getrieben von dem Gefühl, dem Mann nicht geholfen zu haben, sieht Mørck sich den Fall wieder an.
Zur gleichen Zeit läuft die Obdachlose Kimmie durch Kopenhagen. Sie ist eine der damaligen Täter und jetzt will sie sich an den anderen Tätern rächen. Ohne jetzt allzutief in die Psychologie einzusteigen: weil Jussi Adler-Olsen es so will und es in der Theorie doch gut klingt: während die Polizei die Täter sucht, will einer der Täter die anderen umbringen und jetzt haben wir einen Wettlauf mit der Zeit. Denn wer erreicht zuerst sein Ziel? Die Ausführung steht dann auf einem anderen Blatt und das Ende bringt diese beiden Plots mit mehr Zufall als Verstand oder innerer Logik zusammen.
Unglaubwürdige Charaktere, eine unplausible Geschichte, fehlende Konfrontationen, fehlende Konflikte – das ist das Rezept für einen veritablen Langweiler, der in diesem Fall immerhin Mørcks Privatleben links liegen lässt. Dieses Fazit gilt für den Roman und die Verfilmung.

Jetzt, nach der zweiten Sichtung, fällt mir auf, dass ich die gewohnt wertige skandinavische Optik nicht lobte. Und in zwei Punkten war ich etwas ungenau. Bjarne Thøgersen hat seine Strafe nämlich schon verbüßt und er wurde für sein Geständnis, was den beiden Ermittlern sofort auffällt, fürstlich entlohnt. Und Kimmie ist im Film nur noch eine gequälte Seele; – was einige Wendungen psychologisch umso unverständlicher macht. Im Roman verfolgt sie konsequenter ihren Racheplan; – was psychologisch auch nicht sonderlich nachvollziehbar ist. Immerhin ist die Verfilmung gelungener als der Roman.
Ob ich jemals ein Adler-Olsen-Fan werde? Immerhin gibt es mit „Erlösung“ einen dritten Versuch, der ab Mitte Juni 2016 in unseren Kinos laufen soll und der, bis auf den Regisseur (Hans Petter Moland übernahm), mit dem bewährtem Team gedreht wird. Vielleicht ist dieser Mørck-Film, in dem es um verschwundene Kinder geht, kein Murks, für den vor allem Romanautor Jussi Adler-Olsen verantwortlich ist.
Das Bonusmaterial ist ziemlich umfangreich und auch informativ geraten, was vor allem daran liegt, dass Regisseur Mikkel Nørgaard im 26-minütigem „Making of“ ausführlich zu Wort kommt. Mit den beiden Hauptdarstellern Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares gibt es außerdem kürzere Interviews (8 und 6:30 Minuten), die im Rahmen der Werbung für den deutschen Kinostart gemacht wurden.

Schändung - DVD-Cover - 4

Schändung – Die Fasanentöter (Fasandræberne, Dänemark/Deutschland/Schweden 2014)
Regie: Mikkel Nørgaard
Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg
LV: Jussi Adler-Olsen: Fasandræberne, 2008 (Schändung)
mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Pilou Asbaek, David Dencik, Danica Curcic, Johanne Louise Schmidt

DVD
NFP marketing & distribution (Vertrieb: Warner Bros.)
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Dänisch
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Interviews mit Nikolaj Lie Kaas und Fares Fares, Trailer, Teaser, Hörfilmfassung
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Adler-Olsen - Schändung - Movie-Tie-In

Jussi Adler-Olsen: Schändung
(übersetzt von Hannes Thiess)
dtv, 2015 (Filmausgabe)
464 Seiten
9, 95 Euro

Deutsche Erstausgabe
dtv premium, 2010

Originalausgabe
Fasandræberne
Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen, 2008

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Schändung“
Moviepilot über „Schändung“
Rotten Tomatoes über „Schändung“
Dänische Homepage von Jussi Adler-Olsen

Deutsche Homepage von Jussi Adler-Olsen

Krimi-Couch über Jussi Adler-Olsen

Wikipedia über Jussi Adler-Olsen

Meine Besprechung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ (Kvinden i buret, 2008)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards „Erbarmen“ (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards „Erbarmen“ (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013) (DVD)

Meine Besprechung von Mikkel Nørgaards Jussi-Adler-Olsen-Verfilmung „Schändung – Die Fasanentöter“ (Fasandræberne, Dänemark/Deutschland/Schweden 2014)


Cover der Woche

August 25, 2015

Keene - Das Mädchen in der Todeszelle


TV-Tipp für den 25. August: Das Gesetz der Begierde

August 25, 2015

Eins Festival, 23.40

Das Gesetz der Begierde (Spanien 1986, Regie: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Pablo liebt Juan. Antonio liebt Pablo und Pablos Schwester Tina, die früher ein Mann war. Und schon dreht sich das Liebes- und Eifersuchtskarussell.

„Der Showdown ist schlichtweg genial, und zwar gerade weil er unüberbietbar kitschig ist. (…) Der Rest stellt sich als banale Eifersuchtsgeschichte unter Schwulen dar“, urteilte der Fischer Film Almanach damals über Almodóvars Frühwerk, das auch international Kasse machte.

mit Eusebio Poncela, Carmen Maura, Antonio Banderas, Miguel Molina

Hinweise

Wikipedia über „Das Gesetz der Begierde” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)


TV-Tipp für den 24. August: Der Falke und der Schneemann

August 24, 2015

ServusTV, 23.50

Der Falke und der Schneemann (USA 1984, Regie: John Schlesinger)

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Robert Lindsey: The Falcon and the snowman, 1979

Musik: Pat Metheny (und dem David-Bowie-Hit „This is not america“)

Auf Tatsachen basierendes Drama über zwei Jugendliche, die mäßig brisante Geheimdokumente an die UdSSR verkauften und 1977 zu lebenslanger beziehungsweise 40-jähriger Haft verurteilt wurden. Inzwischen sind sie auf Bewährung entlassen.

Nach 9/11, der Hatz auf islamistische Terroristen und ihr Umfeld und den Whistleblowern der vergangenen Jahre, zuletzt Edward Snowden, ist „Der Falke und der Schneemann“ als düsteres Drama über jugendlichen Idealismus wieder sehr aktuell.

Mit Sean Penn, Timothy Hutton, Pat Hingle, Joyce Van Patten

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Der Falke und der Schneemann”

Wikipedia über “Der Falke und der Schneemann” (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 23. August: Fesseln der Macht

August 22, 2015

Tele 5, 20.15

Fesseln der Macht (USA 1981, Regie: Ulu Grosbard)

Drehbuch: John Gregory Dunne, Joan Didion

LV: John Gregory Dunne: True Confessions, 1977

Los Angeles, 1948: In einem Bordell wird die Leiche eines Priesters gefunden. Bei den Ermittlungen stößt Tom Spellay auf seinen Bruder, der inzwischen Sekretär des Erzbischofs ist. Beide wollen den Fall vertuschen. Aber eine ermordete Prostituierte vereitelt diesen Plan.

Spannendes, stimmiges Krimidrama, das sich an ein erwachsenes Publikum richtet. Die deutsche Premiere erlebte der Film 1986 auf Video.

Georges Pelecanos zum Film: “Released in 1981, it represents a kind of studio-picture craftsmanship that is sadly absent in most movies made today. Read the book, then wait for a rainy Saturday afternoon and see the film. This is one that has stood the test of time.”

Mit Robert De Niro, Robert Duvall, Charles Durning, Burgess Meredith, Cyril Cusack

Auch „Gefährliche Beichte“

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fesseln der Macht“

Wikipedia über „Fesseln der Macht“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. August: Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest

August 22, 2015

WDR, 00.30

Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua)

Drehbuch: Michael C. Martin

Hochkarätig besetzter Ensemblefilm über drei Polizisten, die versuchen in Brooklyn ihren Weg zu gehen: der eine wartet nur noch auf seine Pensionierung, der andere will einen Undercover-Einsatz beenden und muss dafür einen Freund verraten, der dritte will Geld für seine Familie besorgen und geht dafür über Leichen.

Die Geschichten mögen etwas zu sehr die bekannten Cop-Film-Klischees bedienen, aber insgesamt ist „Brooklyn’s Finest“ ein sehenswerter, vor Ort gedrehter Cop-Film und damit auch eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft.

mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Will Patton, Lili Taylor, Ellen Barkin, Brían F. O’Byrne, Michael K. Williams

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gesetz der Straße“

Rotten Tomatoes über “Gesetz der Straße”

Metacritic über “Gesetz der Straße”

Wikipedia über “Gesetz der Straße” (deutsch, englisch)

The Root: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Go into the Story: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Variety über Michael C. Martin (10. Juni 2008)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Southpaw“ (Southpaw, USA 2015)


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