IAMTW verleiht ersten Scribe Award

Juli 31, 2007

Die „International Association of Media Tie-in Writers“ (IAMTW) hat in San Diego auf der Comic Con am 29. Juli erstmals den Scribe Award verliehen. Die IAMTW will den Autoren von Filmromanen ein besseres Renommee verschaffen. Denn obwohl ihre Bücher oft auf den Bestsellerlisten stehen und sich gut verkaufen, werden sie oft für schlechte Lohnschreiber gehalten, die einfach die Ideen eines anderen Autors von einem Drehbuch in einen schlecht geschriebenen Roman umformulieren. Dabei wird oft vergessen, dass es bereits eine Leistung ist, Bilder von einem nicht existierenden Film (schließlich soll das Buch ja gleichzeitig mit dem Film veröffentlicht werden) in Worte zu übersetzten.

Neben den Adaptionen schreiben die Tie-in-Autoren auch Originalromane. In ihnen erfinden sie mit den aus Film und Fernsehen bekannten Charakteren neue Geschichten. Hier haben in den vergangenen Jahren Max Allan Collins, Lee Goldberg und Stuart Kaminsky spannende Kriminalromane geschrieben.

 

Hier die Liste der Nominierungen und der Preisträger:

 

SPECULATIVE FICTION

BEST NOVEL – ADAPTED

SLAINE: THE EXILE by Steven Savile

SUPERMAN RETURNS by Marv Wolfman

TOXIC AVENGER: THE NOVEL by Lloyd Kaufman & Adam Jahnke

ULTRAVIOLET by Yvonne Navarro

UNDERWORLD: EVOLUTION by Greg Cox

 

BEST NOVEL – ORIGINAL 

STAR TREK CRUCIBLE: McCOY – PROVENANCE OF SHADOWS by David R. George III

STARGATE ATLANTIS: EXOGENESIS by Elizabeth Christensen & Sonny Whitelaw

THIRTY DAYS OF NIGHT: RUMORS OF THE UNDEAD by Jeff Mariotte & Steve Niles

WARHAMMER: FAITH AND FIRE by James Swallow

WARHAMMER: ORC SLAYER by Nathan Long

 

GENERAL FICTION

BEST NOVEL – ADAPTED 

SNAKES ON A PLANE by Christa Faust

THE PINK PANTHER by Max Allan Collins

 

BEST NOVEL – ORIGINAL

CSI NEW YORK: BLOOD ON THE SUN by Stuart Kaminsky (CSI New York: Blutige Spur)

LAS VEGAS: HIGH STAKES by Jeff Mariotte

MR. MONK GOES TO HAWAII by Lee Goldberg (Mr. Monk besucht Hawaii)

OAKDALE CONFIDENTIAL: SECRETS REVEALED by Alina Adams

 

YOUNG ADULT – ALL GENRES

BEST NOVEL

ALIAS APO: STRATEGIC RESERVE by Christina York

BUFFY THE VAMPIRE SLAYER: PORTAL THROUGH TIME by Alice Henderson

DRAGONLANCE: WARRIOR’S HEART by Stephen Sullivan

KNIGHTS OF THE SILVER DRAGON: PROPHECY OF THE DRAGONS by Matt Forbeck

 

GRANDMASTER: Donald Bain

 

Weitere Informationen:

Homepage der IAMTW

Blog der IAMTW


TV-Tipp für den 31. Juli

Juli 30, 2007

Aus der Reihe „Wir sehen Filme, die die Welt nicht braucht“:

Arte, 00.10 (VPS 23.55)

Candy (USA/I 1968, R.: Christian Marquand)

Drehbuch: Buck Henry

LV: Terry Southern, Mason Hoffenberg: Candy, 1958

Alle Männer sind verrückt nach Candy.

Ein Desaster, aber mit vielen Stars und daher aus heutiger Sicht für die Freunde des schlechten Films durchaus mit gewissen Qualitäten ausgestattet. Außerdem scheint „Candy“ heute Nacht seine TV-Premiere zu erleben.

Stellvertretend für die vielen schlechten Kritiken hier eine neuere Meinung: „Als Film ist Candy eine einzige Katastrophe. Er ist monströs, vulgär, ohne jeden Humor, ohne Erotik. Er bestürmt das Publikum zwei Stunden lang mit einer formlosen Reihe von Episoden, unlogisch aneinandergereiht, in denen das junge Mädchen, das die Titelrolle spielt (Eva Aulin) von einer Reihe unheimlicher und wahnsinniger Männer verführt wird. (…) Um das wahnsinnige Bild abzurunden, gibt es noch eine Handvoll brutaler Polizisten, Lesbierinnen, karikierte Homosexuelle und laszive Zuschauer.“ (Tony Thomas: Marlon Brando und seine Filme)

Für die deutsche Kinoauswertung wurde der Film von 123 Minuten auf 101 Minuten gekürzt. Arte zeigt selbstverständlich die Originalfassung.

Mit Eva Aulin, Charles Aznavour, Marlon Brando, Richard Burton, James Coburn, John Huston, Walter Matthau, Ringo Starr, Anita Pallenberg

Auch bekannt als “Sexy-Ladies”

Wiederholung: Arte, Donnerstag, 9. August, 00.30 Uhr

Arte über „Candy“:

http://www.arte.tv/de/kunst-musik/summer-of-love/Die-Programme/1592464.html

Homepage über Terry Southern:

http://www.terrysouthern.com/


Ein bisschen Luxus – Kapitel 11 online

Juli 30, 2007

Der Krimi geht hier weiter.

Berlin Kriminell-Barbara und ich wollen die Tage auch etwas am Bonusmaterial arbeiten. Wenn der Tag doch mehr als 24 Stunden hätte…


„Verschwunden“: Erste Gedanken zur Überarbeitung

Juli 29, 2007

Vor einigen Tagen schrieb ich, dass ich ein altes Manuskript herausgekramt habe und überarbeiten will. Das Ende gefällt mir immer noch. Redigiert habe ich in der zweiten Hälfte wenig. Aber die erste Hälfte gefällt mir nicht.

Derzeit denke ich, dass der Anfang gut ist. Immerhin erhält der Detektiv auf den ersten Seiten den Auftrag. In der zweiten Hälfte gibt es dann genug Überraschungen, um die Geschichte alle paar Seiten in eine andere Richtung zu bewegen. Und, wie gesagt, das Ende ist gut, denn hier erfahren wir in wenigen Zeilen, dass der Detektiv und Ich-Erzähler sich geirrt hat.

Also einfach in der ersten Hälfte etwas kürzen?

Nein. Denn hier wird natürlich einiges vorbereitet. Außerdem, denke ich, ist das nicht das größte Problem der Geschichte.

Größere Probleme liegen für mich in der Motivation von einigen Charakteren. Warum sollen sie so und nicht anders handeln? Warum konnten sie bestimmte Aktionen vorausplanen? Woher wussten sie, dass ihre Pläne funktionieren? Halt genau das, was mir bei einem schlechten Verschwörungsthrillern nicht gefällt. Da wird dann ein unglaublich komplizierter Plan entworfen, der nur funktionieren kann, wenn der Held zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort ist und irgendetwas tut. Das haben die Bösen geplant, weil sie wussten, dass der Held, wenn seine Frau umgebracht wird, er fünf Tage um 9.10 Uhr später seinen besten Freund besuchen wird. Pfui.

Blöderweise muss bei mir am Ende ein Charakter genau so etwas tun.

Das nächste Problem ist, dass ich im Prinzip eine Variante von „Laura“ geschrieben habe. Sie kennen den Film? Ein Polizist verliebt sich in das Bild einer Toten. Nun, auch bei mir ist eine Frau verschwunden. Sie wird gesucht. Die Menschen reden über sie und wir bekommen über ihre Aussagen ein Bild von ihr. Als Idee fand ich das toll. Aber jetzt ist mir zu wenig Spannung drin. Denn im Wesentlichen ist „Verschwunden“ (Arbeitstitel!!!) eine Charakterstudie ohne Konflikte.

Und hier kommen wir zum nächsten Problem. Mein Erzähler tut einfach seine Arbeit. Er kriegt den Auftrag. Er ermittelt. Er löst den Fall. Aber er wird als Charakter nicht wirklich fassbar. Denn für ihn steht nichts auf dem Spiel. Wenn er den Fall löst, ist es okay. Wenn nicht, dann ist es auch okay. Er hat auch keine Konflikte. Er löst ganz einfach den Fall. Interessanter wäre, wenn er die verschwundene Studentin bereits früher findet und vor der Frage steht, ob er sie zu ihrem Vater bringen soll oder nicht.

Und hier liegt, denke ich, auch die Möglichkeit, meinen Text besser zu machen. Ich streiche viel von den ersten Seiten, verlagere im zweiten Teil die Schwerpunkte und lasse den Helden aktiver in die Familiengeheimnisse vorstoßen; und zwar so, dass er eine Tragödie verhindern will.

Dann steht mein Erzähler vor Entscheidungen und er hat mindestens einen Gegner.

Es gibt mehr Konflikte und damit mehr Spannung und letztendlich ein besseres Buch.

Das klingt jetzt nach viel Arbeit? Ich denke nicht. Denn das Grundgerüst der Geschichte steht. Viele Szenen und Dialoge gefallen mir immer noch (Wobei ich dran denke, den Erzähler US-PI-witziger zu machen.). Ich kenne die Charaktere (und sie haben Namen, mit denen ich zufrieden bin). Ich kenne die falschen Fährten. Ich weiß, was geschieht. Ich muss es nur noch Schreiben. Fünf Seiten pro Tag. In einem Monat sind das 150 Seiten, in zwei Monaten 300 Seiten und das ist dann schon ein ganz ordentliches Buch.

 


TV-Tipp für den 30. Juli

Juli 29, 2007

RBB, 23.00

Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen (F/I/D 1974/1975, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol

LV: Richard Neely: The damned innocents, 1971

Julie will mit ihrem Geliebten ihren Mann umbringen.

Chabrol ging es nicht um den Kriminalfall, sondern um die Stellung einer Frau in einer Männerwelt. „Als ich das Drehbuch schrieb, das sich von dem Roman in vielem unterscheidet, begann mich die Rolle der Frau in dieser Geschichte mehr und mehr zu interessieren. So entstand das Porträt einer sehr femininen Frau in einer Welt von Männern – ich eliminierte alle anderen Frauen aus der Handlung…Mein Thema erschien mir so noch offensichtlicher: ein Film über die Frau und die Männer. So konnte ich von der dem roman noir innewohnenden Misogynie zu einem Feminismus übergehen, der mir, halten Sie sich fest, teuer ist.“ (Claude Chabrol)

Mit Romy Schneider, Rod Steiger, Jean Rochefort, Hans-Christian Blech


Die August-Liste der KrimiWelt

Juli 29, 2007

Die August-Ausgabe der KrimiWelt-Bestenliste ist draußen:

1          (2)       Matti Rönkä: Der Grenzgänger

Aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara

Grafit, geb., 224 S. 17,90 €

2          (3)       Astrid Paprotta: Feuertod

Piper, TB, 320 S., 12,00 €

3          (-)        Andrea Maria Schenkel: Kalteis

Edition Nautilus, TB, 160 S., 12,90 €

4          (-)        Juan Damonte: Ciao Papá

Aus dem argentinischen Spanisch von Peter Tremp

Lateinamerika Verlag, TB, 190 S., 14,80 €

5          (-)        Robert B. Parker: Der stille Schüler

Aus dem Amerikanischen von Frank Böhmert

Pendragon, TB, 214 S., 9,90 €

6          (6)       Christine Lehmann: Allmachtsdackel

Ariadne im Argumentverlag,TB, 320 S., 9,90 €

7          (4)       Gisbert Haefs: Caesar

Heyne, geb., 512 S., 21,95 €

8          (-)        Jan Costin Wagner: Das Schweigen

Eichborn Berlin, geb., 288 S., 19,95 €

9          (-)        Horst Eckert: Königsallee

Grafit, geb., 412 S., 18,90 €

10       (-)        Walter Mosley: Little Scarlet

Aus dem Amerikanischen von Uda Strätling

Fischer, TB, 304 S., 9,95 €

 

In den Klammern sind die Positionen des Vormonats. Danach ist diese Liste mit sechs Neuensteigern vor allem vom Wandel geprägt.

Sensationell finde ich den Neueinstieg von Andrea Maria Schenkels „Kalteis“ auf Platz drei. Denn das Buch erscheint erst am 8. August. Ich wird’s dann besprechen. Bis dahin können Sie bei Hammett einige Ausschnitte lesen.


Die Nominierungen für den Anthony Preis

Juli 29, 2007

Für den diesjährigen Anthony wurden diese Werke nominiert:

 

Bester Roman:

Julia Spencer-Fleming: All Mortal Flesh, St. Martins

Denise Mina: The Dead Hour, Little Brown

Jan Burke: Kidnapped, Simon & Schuster

Laura Lippman: No good Deeds, Harper

Nancy Pickard: The Virgin of small Plains, Ballantine

 

Bestes Debüt

Cornelia Read: A Field of Darkness, Mysterious Press

Alexandra Sokoloff: The Harrowing, St. Martin

Steve Hockensmith: Holmes on the Range, St. Martins

John Hart: The King of Lies, St. Martin

Louise Penny: Still Life, St. Martin

 

Bestes Taschenbuch:

Dana Cameron: Ashes and Bones, Avon

Robert Fate: Baby Shark, Capital Crime Press

Sean Doolittle: The Cleanup, Dell

Charlie Huston: A dangerous Man, Ballantine

Troy Cook: 47 Rules of highly effective Bank Robbers, Capital Crime Press

Victor Gischler: Shotgun Opera, Dell

Naomi Hirahara: Snakeskin Shamisen, Bantam Dell – Delta

 

Beste Kurzgeschichte:

Elaine Viets: After the Fall, Alfred Hitchcock Magazin

Bill Crider: Cranked, in “Damn near Dead”, Busted Flush Press

Dana Cameron: The Lords of Misrule, in “Sugarplums and Scandal”, Avon

Simon Wood: My Father’s Secret, in Crime Spree Magazine

Megan Abbot: Policy, in “Damn near Dead”, Busted Flush Press

Toni Kelner: Sleeping with the Plush, Alfred Hitchcock Magazin

 

Bestes Sachbuch:

Daniel Stashower: The beautiful Cigar Girl, Dutton

Chris Roerden: Don’t murder your Mystery, Bella Rosa Books

Jim Huang/Austin Lugar (Hrsg.): Mystery Muses, Crum Creek Press

Gary Warren Niebuhr: Read ‘em their Writes, Libraries Unlimited

E.J. Wagoner: The Science of Sherlock Holmes, John Wiley & Sons

                  

Besondere Verdienste:

Charles Ardai, Hard Case Crime

George Easter, Deadly Pleasures

Barbara Franchi & Sharon Wheeler, reviewingtheevidence.com

Jim Huang, Crum Creek Press and The Mystery Company

Jon & Ruth Jordan, CrimeSpree Magazine

Ali Karim, Shots Magazine

 Lynn Kaczmarek & Chris Aldrich, Mystery News

 Maddy Van Hertbruggen, 4 Mystery Addicts

 

Die Gewinner werden Ende September auf dem Bouchercon in Anchorage bekannt gegeben.

Der Anthony ist nach Anthony Boucher benannt, und wird seit 1986 auf der World Mystery Convention (tja, die Amis haben immer die Welt im Blick), auch bekannt als Bouchercon, von den Bouchercon-Mitgliedern vergeben.  

 

Dank an Sarah Weinman.  


TV-Tipp für den 29. Juli

Juli 29, 2007

Das Vierte, 17.50

Familiengrab (USA 1976, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Ernest Lehman

LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”)

Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.

Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.

Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.

Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt


TV-Tipp für den 28. Juli

Juli 27, 2007

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Das Vierte, 16.10

Touch – Der Typ mit den magischen Händen (USA 1997, R.: Paul Schrader)

Drehbuch: Paul Schrader

LV: Elmore Leonard: Touch, 1987 (Blutsmale)

Seelsorger Juvenal kann Kranke heilen. Windige Geschäftemacher und religiöse Fanatiker wollen die übersinnlichen Kräfte Juvenals für ihre eigenen Interessen ausbeuten.

„Touch“ ist wahrscheinlich Leonards untypischstes Buch: eine Story über einen jungen Wunderheiler, der kein Scharlatan ist. Lange wusste kein Verleger, wie er „Touch“ auf den Mark bringen sollte. Erst zehn Jahre nachdem Leonard „Touch“ geschrieben hatte, wurde es veröffentlicht. 

Paul Schrader (u. a. Drehbuch zu „Taxi Driver“) hielt sich bei seiner Verfilmung eng an das Buch. Mit zahlreichen bekannten Schauspielern drehte er eine sehenswerte, unterhaltsame Satire auf den religiösen Wahn in den USA. Ein sträflich unterschätzter Film.

„Ein zutiefst humaner Film über Nächstenliebe und Aufrichtigkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen, der nicht als theologischer Diskurs, sondern als Reflex auf die Defizite der modernen Gesellschaft angelegt ist. Durch den unaufdringlichen Charme des Hauptdarstellers und eine Inszenierung ohne aufgesetzte Dramatik ist ein feiner kleiner Film entstanden, der seinem großen Thema auf unprätentiöse Art und Weise gerecht wird.“ (Lexikon des internationalen Films)

Von Elmore Leonards Homepage: „“Touch“ had the Elmore Leonard sound as Schrader pretty much “shot the book.” The resulting film was somewhat subdued and low-key, but the film, like the book, takes a whimsical, black-comedy look at the exploitation of faith. The film had a tiny theatrical release and was overlooked by other Elmore Leonard films that came out the same year. The strong cast and Schrader’s feel for Elmore’s material make „Touch“ worth seeing.“

Auch in den deutschen Kinos lief die Groteske nur in wenigen Häusern und wird im Fernsehen selten und dann bevorzugt zu Videorekorderfreundlichen Zeiten gezeigt.

Mit Bridget Fonda, Christopher Walken, Skeet Ulrich, Tom Arnold, Gina Gershon, Lolita Davidovich, Paul Mazursky

 

Wiederholung: Das Vierte, Sonntag, 29. Juli, 14.15 Uhr

 

Hinweise:

Homepage von Elmore Leonard:

http://www.elmoreleonard.com/    

Meine Besprechung von „Up in Honey’s Room“ (2007) in der Spurensuche:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-vierzig.html  

Meine Besprechung von „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004) in der Spurensuche:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-sechs.html    

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“:

http://www.nordpark-verlag.de/krimikritiksieben-jahrbuch-2006.html

 


Unverzichtbar für Autoren

Juli 27, 2007

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Der wirkliche Wert des von Gerhild Tieger und Manfred Plinker herausgegebenen  „Deutsches Jahrbuch für Autoren Autorinnen 2007/2008“ liegt nicht den zahlreichen Artikeln, sondern in den Adressen. Die beiden Herausgeber und sicher eine große Zahl helfender Hände im Hintergrund haben umfangreiche Adresslisten zusammengestellt. Verlage, Zeitungen, Literaturhäuser, Aus- und Weiterbildungsinstitutionen, die verschiedensten Förderungen und Literaturpreise; das alles und noch mehr ist übersichtlich unter verschiedenen Rubriken alphabetisch sortiert mit Ansprechpartnern und kurzen Profilen der Institutionen aufgeführt. Diese Seiten ersparen Autoren die stundenlange Suche im Internet.

Dagegen wirken die 52 Artikel etwas eklektisch zusammengestellt. Auch hier wird die gesamte Buchbranche abgesteckt, es werden Schwerpunkte gebildet, aber oft hat man auch den Eindruck, dass hier einfach genommen wurde, was gerade im zwischen informativ und unterhaltend im Angebot war. Von Daniel Kehlmann und Arno Geiger gibt es Reden, von Sibylle Berg Betrachtungen über die Menschen, die Briefe an Autoren schreiben, Klaus Modick erzählt unterhaltsam-selbstironisch von seinem Werdegang als Schriftsteller, es gibt ein eigenes Kapitel zur Lyrik, Lektoren erzählen von ihrer Arbeit, Franz Josef Görtz erzählt, wie es dazu kam, dass die FAZ 1984 „Das Parfüm“ abdruckte, Tilmann P. Gangloff berichtet von dem Kampf deutscher Drehbuchautoren gegen „Knebelverträge“, Julie Myerson schreibt über Kritiker und Autoren, ein Essay von John Updike über den „Untergang des Buchhandels – und des Schriftstellers“ und dann gibt es im umfangreichen Kapitel „Genres“ mehrere Texte über Kriminalromane.

Diese fünfzig Seiten verdienen in der „Kriminalakte“ natürlich einen genaueren Blick. Tobias Gohlis schreibt über deutsche Krimis. Stephan Harbort über den Modus operandi von Serienmördern. Reinhard Jahn gibt Tipps zum Schreiben von Krimis. Anna Taube schreibt über Krimi im Kinderbuch. 

Kriminalhauptkommissar Harborts Text ist eine kurze quasi-wissenschaftliche Abhandlung, in denen er Serienmörder typisiert. Darüber hat er bereits erfolgreich mehrere Sachbücher geschrieben. Entsprechend informativ sind die vierzehn Seiten, die aber als Hintergrundinformation eigentlich nichts in einem „Jahrbuch für Autoren“ zu suchen haben.

Reinhard Jahn beantwortet in „Kriminalromane schreiben“ häufig gestellte Fragen. Der Titel ist letztendlich falsch. Denn im Zentrum stehen nicht Kriminalromane, sondern Kriminalgeschichten für Zeitungen und Zeitschriften. Jahns Antworten treffen natürlich auf alle Manuskripte, die Zeitungen angeboten werden, zu.

In die Tiefen und Untiefen des Kinderbuches dringt Kinderbuchlektorin Anna Taube mit ihrem sehr informativen „Krimi im Kinderbuch“ vor. Sie erklärt die Unterschiede zwischen Krimis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und stellt einige erfolgreiche Reihen, wie die „Fünf Freunde“, „Die drei???“ und „TKKG“, pointiert vor.

Tobias Gohlis beginnt „Deutsche Krimis“ gleich mit der zutreffenden Bemerkung (er sagt Polemik) „Der durchschnittliche deutsche Krimiautor ist als Schriftsteller Amateur und fest davon überzeugt, das Krimischreiben sei so einfach wie für Japaner das Verfassen von Haikus.“ ehe er auf die guten deutschen Krimiautoren hinweist. Es sind, wenig überraschend, Merle Kröger, Oliver Bottini, Thomas Kastura, Friedrich Ani und die Altmeister Frank Göhre, D. B. Blettenberg, Robert Brack (seine als Virginia Doyle geschriebenen Romane) und Robert Hültner. Damit wendet sich „Deutsche Krimis“ vor allem an Menschen, die in den vergangenen Jahren krimiabstinent waren.

Aber, wer kauft das „Deutsche Jahrbuch für Autoren Autorinnen 2007/2008“ schon wegen der Texte? Es wird wegen der Adressen gekauft.

 

Gerhild Tieger/Manfred Plinke (Hrsg.): Deutsches Jahrbuch für Autoren Autorinnen 2007/2008

Autorenhaus Verlag, 2007

1056 Seiten

29,90 Euro

 

Homepage des Verlages (mit Inhaltsverzeichnis):

http://www.autorenhaus-verlag.de/das-branchenhandbuch.phtml

 


TV-Tipp für den 27. Juli

Juli 27, 2007

R. i. P.: Ulrich Mühe, 20. Juni 1953 – 22. Juli 2007

ZDF, 20.15

Der letzte Zeuge: Die sich nach Liebe sehnen (D 2003, R.: Bernhard Stephan, Buch: Gregor Edelmann)

ZDF, 21.00

Der letzte Zeuge: Das weiße Rauschen (D 2003, R.: Bernhard Stephan, Buch: Gregor Edelmann)

Anlässlich des Todes von Ulrich Mühe zeigt das ZDF zwei Folgen der Krimiserie „Der letzte Zeuge“. Mühe war als Dr. Robert Kolmaar der Hauptdarsteller der erfolgreichen Gerichtsmediziner-Serie. Sein letzter großer Erfolg war „Das Leben der anderen“.

Arte zeigt, immer im Doppelpack, die ersten Folgen von „Der letzte Zeuge“: Montag ab 20.40 Uhr und als Wiederholung nach Mitternacht in der Samstagnacht.

Link zum ZDF:

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,2018063,00.html

Link zu Arte:

http://www.arte.tv/de/film/Der-letzte-Zeuge/1573634.html


Florida-Crime à la Hiaasen

Juli 26, 2007

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Im Rückblick ist die vor acht Jahren erschienene Satire „Krumme Hunde“ (Sick Puppy) der letzte wirklich gnadenlose satirische Kriminalroman von Carl Hiaasen. Danach schrieb er, neben zwei erfolgreichen Jugendbüchern, einen in der ersten Person erzählten Thriller („Letztes Vermächtnis“), garnierte die Satire mit einem Schuss Altersmilde („Der Reinfall“) oder brachte niemanden mehr um („Sumpfblüten“).

„Krumme Hunde“ beginnt harmlos, bevor die Geschichte ihren brüllend komischen Hiaasen-typischen fatal-destruktiven Verlauf nimmt. Der beste Lobbyist Floridas Palmer Stoat wirft aus seinem Range Rover in die Wildnis Floridas die Verpackungen seines Fastfood-Essens. Keine große Sache. Macht schließlich jeder. Dummerweise wird er dieses Mal von Twilly Spree beobachtet. Twilly ist ein Weltverbesserer, der seine Mitmenschen mit handfesten Demonstrationen überzeugen will. So sprengte er die Bank seines Onkels, weil die Bank einer Baufirma vierzehn Millionen Dollar für Bauarbeiten im Amazonasbecken lieh, in die Luft und musste – erfolglos – an einem Kursus zur Aggressionsbewältigung teilnehmen. Denn Twilly kann seine Wut immer noch nicht beherrschen. Er befördert eine Ladung Müll in Stoats BMW Cabrio. Damit könnte die Sache beendet sein, wenn Stoat nicht wenige Tage später wieder Müll aus seinem Wagenfenster werfen würde. Denn Stoat hat erstens keine Ahnung, wer warum seinen BMW zerstörte, und ist zweitens damit beschäftigt, die Umwidmung der idyllischen Insel Toad Island in ein luxuriöses Golfressort voranzubringen. Für das Shearwater-Island-Projekt (natürlich wird Toad Island [Kröteninsel] zuerst umbenannt) müssen seltene Tierarten verschwinden, Politiker geschmiert und Investoren beruhigt werden.

Auch als Twillys Demonstrationen immer persönlicher werden, hat Stoat keine Ahnung, wer ihn warum bedroht. Ihm fällt nur ein, dass es mit seinem neuesten Projekt zusammenhängen könnte.

Stoats von der Ehe und ihrem arroganten Ehemann gelangweilte Frau Desie verliebt sich natürlich prompt in den sympathischen Twilly, der zuerst ihren Hund Boodle und später sie entführt, und erzählt ihm, dass Stoat letztendlich die treibende Kraft bei der geplanten Zerstörung des Paradieses Toad Island ist. Twilly fordert Stoat auf, das Projekt zu stoppen. Sonst werde er seinen Hund und seine Frau nie wieder sehen.

Stoat kann diese Forderung, die letztendlich das Ende seiner Karriere als Lobbyist bedeuten könnte, unter keinen Umständen akzeptieren. Twilly soll, wie die anderen Probleme bei der Erschließung der Insel, aus dem Weg geschafft werden. Weil Geld bei dem vermögenden Überzeugungstäter Twilly Spree nicht fruchten wird, erpressen Stoat und der Gouverneur von Florida den früheren, in den Sümpfen untergetauchten Gouverneur Clinton ‚Skink’ Tyree. Er soll ihnen helfen, den Irren Twilly Spree aus dem Weg zu schaffen.

Hiaasen-Fans kennen Skink und wissen, dass spätestens jetzt für die Bösen die Straße ins Verderben ein mehrspuriger Highway ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen ist.

„Krumme Hunde“ ist Carl Hiaasens gnadenlose Abrechnung mit korrupten Politikern und, wieder einmal, eine furiose Anklage gegen die Zerstörung der traumhaften Landschafts Floridas für kommerzielle Interessen. Alle Probleme können mit der richtigen Menge Geld, – mal legal, mal illegal verbucht -, gerichtet werden, bis mit Twilly Spree ein Idealist auf der Bildfläche erscheint und den korrupten Frieden stört. Das erschreckende bei „Krumme Hunde“, wie auch bei den anderen in Florida spielenden witzig-grotesken Kriminalromanen von Hiaasen, ist, dass die auf den ersten Blick unglaublichsten Ereignisse wahr sind.

Doch was kann man schon von einem Bundesstaat erwarten, in dem Präsidentschaften gekauft werden und Journalisten als Haustiere Alligatore haben?

 

Carl Hiaasen: Krumme Hunde

(übersetzt von Michael Kubiak)

Goldmann, 2007 (2. Auflage)

512 Seiten

8,95 Euro

 

Deutsche Erstausgabe: Goldmann, 2002

 

Originalausgabe

Sick Puppy

Alfred A. Knopf, New York, 1999

Homepage von Carl Hiaasen: http://www.carlhiaasen.com/

 

Bücher von Carl Hiaasen

Romane

Powder Burn, 1981 (mit William D. Montalbano)

Trap Line, 1982 (mit William D. Montalbano)

A Death In China, 1984 (mit William D. Montalbano) (Der Tod in China)

Tourist Season, 1986 (Miami Terror)

Double Whammy, 1987 (Dicke Fische, Miami Morde)

Skin Tight, 1989 (Unter die Haut)

Native Tongue, 1991 (Große Tiere)

Strip Tease, 1993 (Striptease, Nachtclub)

Stormy Weather, 1995 (Stürmische Zeiten)

Naked Came the Manatee, 1996 (mit Brian Antoni, Dave Barry, Edna Buchanan, Tananarive Due, James W Hall, Vicki Hendricks, Elmore Leonard, Paul Levine, Evelyn W Mayerson and Edna Standiford – Serial Novel for The Miami Herald’s Tropic Magazine)

Lucky You, 1997 (Die Glücksfee)

Sick Puppy, 1999 (Krumme Hunde)

Basket Case, 2002 (Letztes Vermächtnis)

Skinny Dip, 2004 (Der Reinfall, Dagger-Nominierung für bester Roman)

Nature Girl, 2006 (Sumpfblüten)

 

Kinderbücher

Hoot, 2002 (Eulen)

Flush, 2005 (Fette Fische)

 

Sachbücher

Team Rodent: How Disney Devours the World, 1998

Kick Ass: Selected Columns of Carl Hiaasen, 1999

Paradise Screwed: Selected Columns of Carl Hiaasen, 2001

 

Verfilmungen

Striptease (Striptease, USA 1996, Regie/Drehbuch: Andrew Bergman)

Eulen – Kleine Freunde in großer Gefahr! (Hoot, USA 2006, Regie/Drehbuch: Wil Shriner)


TV-Tipp für den 26. Juli

Juli 26, 2007

Filmhistorisch ist „Firefox“ kein wichtiger Film. Aber er war einer meiner ersten Eastwood-Filme (vielleicht sogar der erste), einer der ersten Filme, die ich im Kino sah (Wow, war ich beeindruckt. Aber damals fand ich auch „Das Imperium schlägt zurück“ supertoll.) und der Beginn einer jahrelangen Lesefreundschaft zu Craig Thomas. Von Eastwood sehe ich mir immer noch jeden Film an. Von Thomas lese ich schon lange nichts mehr.

Deshalb geht’s heute zurück in den Kalten Krieg:

Vox, 22.15

Firefox (USA 1982, R.: Clint Eastwood)

Drehbuch: Alex Lasker, Wendell Wellman

LV: Craig Thomas: Firefox, 1977 (Firefox)

So sind die Amis. Da erfinden die Russen ein superschnelles Flugzeug (sechsfache Schallgeschwindigkeit, unsichtbar auf dem Radar, Steuerung durch Gedanken) und die Amis schicken einen von seinen Vietnam-Erfahrungen traumatisierten Piloten (er ist trotzdem der Beste) hinter den Eisernen Vorhang. Sein Auftrag: den Flieger zu klauen.

Einer dieser Agententhriller, die unterhaltsamen Unfug erzählen.

Der Brite Craig Thomas schrieb mit „Firefox“ einen der ersten Techno-Thriller. Bei ihm haben natürlich die Briten eine wichtige Rolle bei dem Diebstahl des Supervogels. Für den Film wurde es dann zu einer rein amerikanischen Angelegenheit. Thomas veröffentlichte 1983 unter dem Eindruck des erfolgreichen Films die Fortsetzung von „Firefox“: „Firefox Down“ schließt unmittelbar an „Firefox“ an und ist eine spannende, keineswegs tiefgründige Lektüre. Jedenfalls hatte ich das Buch als Teenager innerhalb weniger Tage gelesen (auf Englisch, weil ich nicht auf die Übersetzung warten wollte).

Mit Clint Eastwood, David Huffman, Ronald Lacey, Klaus Löwitsch, Nigel Hawthorne

Wiederholung um 02.35 Uhr


Spenser in der Schule

Juli 24, 2007

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Mit „Der stille Schüler“ von Robert B. Parker legt der Pendragon-Verlag seinen zweiten Spenser-Roman vor. Das klingt jetzt etwas umständlich, aber Robert B. Parker ist ein enorm produktiver Autor. Neben den jährlich erscheinenden Spenser-Romanen (2005 waren es sogar zwei) schreibt er fast ähnlich regelmäßig neue Jesse-Stone- und Sunny-Randall-Kriminalromane und zuletzt auch mehrere Einzelwerke. Die Plots sind oft locker gestrickt, aber immer gut geschrieben. Denn mit wenigen Sätzen charakterisiert er Personen und Orte. In „Der stille Schüler“ fragt sich Spenser, warum ein Schüler Amok läuft.

Ich betrat den ersten Klassenraum. Die Wände waren aus Gipskarton und wie der Flur gestrichen. Es gab eine Tafel, Fenster, Stühle mit Schreiblehne. Einen Lehrertisch vorn mit einem Stehpult darauf. Kreide auf der Ablage unten an der Tafel. Eine große, runde elektrische Uhr an der Wand über der Tür. Es hatte die Atmosphäre einer Verwahrzelle.

Ich konnte das Erstickende spüren, die Eingeschränktheit, die tödliche Langeweile, das schwerfällige Ticken der Uhr, während sie sich durch den Tag mahlte. Ich konnte mich daran erinnern, wie ich durch Fenster wie dieses zur Welt der Lebenden hinausgeschaut hatte. Zu Leuten, die sich tatsächlich frei bewegen durften.“

Dass Schule die Hölle ist, ist nach diesen Worten klar. Aber der 17-jährige Jared Clark wird von allen als stiller, unauffälliger und zurückhaltender Schüler beschrieben. Er soll zusammen mit Wendell Grant fünf Schüler und zwei Lehrer erschossen haben. Grant ergab sich und verpfiff Jared Clark an die Polizei. Clark gestand später die Tat. Damit ist der Fall offiziell geschlossen.

Doch nicht für Lily Ellsworth. Sie glaubt nicht, dass ihr Enkel Jared Clark die Morde begangen hat. Sie beauftragt Spenser, Clarks Unschuld zu beweisen. Spenser hält Clark, wie alle anderen, für schuldig. Doch ihm fällt bei seinen Ermittlungen sofort auf, dass alle, sogar Clarks Eltern, die beiden Amokläufer möglichst schnell und für immer wegsperren wollen. In der Dowling Privatschule befiehlt der Schulpräsident seinen Lehrern und den Schülern nicht mit Spenser zu reden. Der Polizeichef will ihn möglichst sofort aus der Stadt werfen und Clark hat einen vollkommen unerfahrenen Verteidiger.

Spensers Neugier ist jetzt geweckt. Im Gegensatz zu allen anderen will er herausfinden, warum ein stiller Schüler Amok läuft. Seine Suche nach der Wahrheit führt ihn durch alle Facetten des Lebens und der Teenage-Angst von Jugendlichen in den Vorstädten. Seit Spensers Schultagen ist allerdings der Druck sich anzupassen und gute Noten zu haben enorm gestiegen. Denn sie entscheiden heute über die Aufnahme am richtigen College und damit über das weitere Leben. Harlan Coben hat in seinem letzten Myron Bolitar-Roman „Ein verhängnisvolles Versprechen“ (Promise Me, 2006) ebenfalls diesen Leistungsdruck thematisiert. In US-amerikanischen Städten ist – im Gegensatz zu Deutschland mit der zentralen Studienplatzvergabe und der freien Wahl des Studienortes – die Frage, welche Universität einen annimmt, das den Sommer beherrschende Gespräch. Dies und zahlreiche andere Probleme des Erwachsenwerdens, wie Drogen, Sex und Zugehörigkeit zu Gruppen, thematisiert Robert B. Parker mit leichter Hand und ohne jemals zu moralisieren in witzigen Dialogen.

„Wie lautet unser Grundsatz für Klugscheißer hier?“

„Null Toleranz. Außer für mich.“

Mit „Der stille Schüler“ setzt Robert B. Parker seine Serie um den schlagfertigen und selbstironischen Bostoner Privatdetektiv Spenser gelungen fort, – auch wenn von Spensers Freunden nur Rita Fiore mitspielt. Susan Silverman ist auf einem Kongress und Hawk verdient Geld. Pearl versucht sich erfolglos als Wachhund und die vollbusigen Frauen geizen nicht mit eindeutigen Angeboten an Spenser.

Das gleiche wie immer. Susan ist unterwegs, und ich dachte, ich könnte für sie einspringen.“

„Du solltest dringend an deinen Hemmungen arbeiten.“

„Und sie in den Griff kriegen?“

„Nein. Überhaupt erst mal welche entwickeln.“

 

Robert B. Parker: Der stille Schüler – Ein Auftrag für Spenser

(übersetzt von Frank Böhmert)

Pendragon, 2007

216 Seiten

9,90 Euro

 

Originalausgabe:

School Days

G. P. Putnam’s Sons, New York, 2005

 

Homepage von Robert B. Parker

Pendragon-Homepage zu Robert B. Parker

Mein Porträt von Robert B. Parker und der Spenser-Serie in der Spurensuche

Mein Porträt von Harlan Coben und der Myron-Bolitar-Serie in der Spurensuche


TV-Tipp für den 25. Juli

Juli 24, 2007

NDR, 23.45

Der amerikanische Freund (D/F 1976, R.: Wim Wenders)

Drehbuch: Wim Wenders

LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)

Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.

Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“

Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)

Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel

 


TV-Tipp für den 24. Juli

Juli 23, 2007

Das Vierte, 20.15

Der 4 ½ Billionen Dollar Vertrag (GB 1985, R.: John Frankenheimer)

Drehbuch: George Axelrod, Edward Anhalt, John Hopkins

LV: Robert Ludlum: The Holcroft Covenant, 1978 (Der Holcroft Vertrag)

US-Architekt Noel Holcroft erbt von seinem Vater ein Vermögen. Es wurde im zweiten Weltkrieg von Nazis beiseitigeschaft. Angeblich um Opfer des Nationalsozialismus zu finden; in Wirklichkeit um Terroristen zu finanzieren. Holcroft ist davon nicht begeistert. 

Trotz der Besetzung und der bekannten Romanvorlage kennt kaum jemand diese Verfilmung. Das sagt doch eigentlich genug über die Qualität des Films aus.

Frankenheimer sprang in letzter Minute ein. Michael Caine ebenso. Ludlum, so Frankenheimer, war mit der Verfilmung sehr zufrieden. Doch dann gab es nach der Fertigstellung zwischen EMI und Universal Probleme über die Rechte und Universal weigerte sich, den Film entsprechend zu bewerben. In Deutschland erlebte „Der 4 ½ Billionen Dollar Vertrag“ seine Premiere 1986 auf Video. Damals war Videopremiere noch das Synonym für ‚Schrott’.

Hat „Der 4 ½ Billionen Dollar Vertrag“ vielleicht doch unentdeckte Qualitäten? Hm, Caine „found himself working from a tedious, clumsy novel by Robert Ludlum, which three good screenwriters, Axelrod, Anhalt, Hopkins, could do little to improve.

The resulting film, concerning Nazis old and new, weaves a tangled tale of conspiracy and deceit straining credulity to breaking point. That this confused narrative does not break into pieces is due entirely to Frankenheimer’s skill in holding it together and keeping it moving with stylish, lively settings, dramatic camerawork by Gerry Fisher, and a first rate group of actors led by the energetic and compelling Caine, who actually seem to believe in what they are doing.” (Gerald Pratley: The films of Frankenheimer)

Fazit: „Von dem Gespann Frankenheimer/Caine wäre mehr zu erwarten gewesen.“ (Fischer Film Almanach 1987)

Wenige Jahre vorher scheiterte Sam Peckinpah an einem Ludlum-Buch.

Mit Michael Caine, Anthony Andrews, Lilli Palmer, Mario Adorf, Michael Lonsdale

Homepage von Robert Ludlum: http://www.ludlumbooks.com/  

 


Ein bisschen Luxus – Kapitel 10 online

Juli 23, 2007

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Die Barry-Nominierungen

Juli 23, 2007

Mystery News und Deadly Pleasures haben die Nominierungen für die diesjährigen Barry Preise bekanntgegeben. Die elften Barrys werden im September verliehen.

 

Bester Roman

Ace Atkins: White Shadow

Rhys Bowen: Oh Danny Boy

Barry Eisler: The Last Assassin

Dan Fesperman: The Prisoner of Guantanamo

Ariana Franklin: City of Shadows

George Pelecanos: The Night Gardener

 

Bestes Debüt

Alex Berenson: The Faithful Spy (Kurier des Todes, Heyne, Februar 2008)

Gillian Flynn: Sharp Objects

Tom Gabbay: The Berlin Conspiracy

John Hart: The King of Lies

Louise Penny: Still Life

Cornelia Read: A Field of Darkness

 

Bester britischer Kriminalroman

Ken Bruen: Priest

Stuart MacBride: Dying Light (Die Stunde des Mörders)

C.J. Sansom: Sovereign

Ian Sansom: The Case of the Missing Books

Nick Stone: Mr. Clarinet

Edward Wright: Red Sky Lament

 

Bester Thriller

Joseph Finder: Killer Instinct

Alan Furst: The Foreign Correspondent

Simon Kernick: Relentless

Stephen Leather: Cold Kill

Daniel Silva: The Messenger

Stephen White: Kill Me

 

Bestes Taschenbuch:

Ken Bruen and Jason Starr: Bust

Max Allan Collins: The Last Quarry

Sean Doolittle: The Cleanup

Jay MacLarty: Live Wire

Jim Swain: Deadman’s Poker

Brian Wiprud: Crooked

 

Beste Kurzgeschichte

Simon Brett: Cain was Innocent (Thou Shalt Not Kill, publiziert von Carroll & Graf)

Judith Cutler: Shaping the Ends (EQMM Mai, 2006)

Brendan DuBois: The Right Call (EQMM September/Oktober, 2006)

Kate Ellis: A Man of Taste (EQMM Mar/Apr, 2006)

Paul Halter: Rosemary (The Night of the Wolf, publiziert von Wildside Press)

June Thomson: A Case for Inspector Ghote (The Verdict of Us All, publiziert von Crippen & Landru)

Deadly Pleasures-Herausgeber George Easter erklärt, warum Connelly und Child nicht nominiert wurden.

 

 


Unterhaltsame Schatzsuche

Juli 23, 2007

wuhrmann-silberfieber.jpg

Als erstes sollten Sie die Verlagsprosa von „Packender Verschwörungsthriller um den meistgesuchten Schatz der Welt“ nicht sonderlich ernst nehmen. Ebenso sollten Sie das Titelbild einfach nur als eine bestimmte, mit dem Buch nicht zusammenhängende Verteilung von Farbe, betrachten. Denn Peter Wührmanns Debüt „Silberfieber“ ist eine unterhaltsame Abenteuergeschichte über eine Schatzsuche, aber kein Verschwörungsthriller, und der sich angeblich auf Wavy Island, einer Insel vor der kanadischen Küste, befindende Schatz ist sicher nicht der meistgesuchte Schatz der Welt. Ich denke da an das Bernsteinzimmer, den heiligen Gral und die Schatzkammern untergegangener Schiffe wie der Lutine, Sussex oder Flor de la Mar. Um nur einige zu nennen.

Für den sich in der Schlussphase seines Geographiestudiums befindenden Frank Schönbeck beginnt alles mit einem maskierten Mann, der sich Einstein nennt und ihn in seiner Wohnung zusammenschlägt. Einstein möchte von Schönbeck eine alte Landkarte haben. Schönbeck sagt, er habe sie wieder Professor Pfleiderer gegeben. Einstein verschwindet und am nächsten Tag ist Pfleiderer mit einem Ziegelstein erschlagen worden.

Schönbeck fliegt nach London zu seinem Studienfreund Peter Adams. Denn er hat die Karte. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, warum jemand bereit ist für eine auf den ersten Blick vollkommen wertlose Karte zu morden. Neben dem für Jungs immer interessanten Räuber-und-Gendarm-Spiel, hat auch Adams bereits Kontakt mit den Bösen gehabt. Seine neueste, geheimnisvolle Freundin sagte ihm, er solle sie Marie Curie nennen. Als Adams sie am nächsten Tag zusammen mit einem großen Mann, der Einstein sein könnte, beobachtet, ist er überzeugt, dass er und Schönbeck in Lebensgefahr schweben. Sie flüchten vor Einstein, Curie und einer deutschen Polizistin.

Ihr einziger Verbündeter ist Professor Kenneth McCully. Durch ihn erfahren sie von Wavy Island und dem sich angeblich auf der Insel befindenden Silberschatz der spanischen Flotte. Gleichzeitig unterstützt er sie finanziell und begibt sich mit ihnen auf Weltreise.

Entsprechend den Genrekonventionen treffen sich alle zum Showdown auf Wavy Island.

„Silberfieber“ ist, wie gesagt, ein unterhaltsamer Abenteuerroman für einen lauen Sommerabend. Peter Wührmann will in seinem Debütroman unterhalten und dabei noch einige Informationen vermitteln. Beides gelingt ihm. In einem Nachwort sagt Wührmann, welche Quellen er für das Leben Einsteins, der Titanic und der Schatzsuche auf Wavy Island, die in Wirklichkeit Oak Island heißt, benutzt hat.

Dass die Bösen sich sehr verräterische Namen verpassen und mit ihren Aktionen mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen, als vernünftig ist, gehört in einem gewissen Rahmen zu den Genrekonventionen. Denn wenn die Bösen sich wirklich vernünftig verhielten, gäbe es kein Buch. Trotzdem macht die Dummheit der Bösen es den Guten hier zu leicht.

Noch leichter macht Wührmann es für sein Trio Schönbeck-Adams-McCully, weil er ihnen keine nennenswerten Steine in den Weg legt und sie auch nie in Lebensgefahr, halt das Brot und die Butter eines zünftigen Abenteuerromans, bringt. Deshalb unterhält „Silberfieber“ gut, ohne jemals wirklich spannend zu werden oder in Tiefen vorzustoßen, die den Roman für Jugendliche bedenklich machen würden. Wäre „Silberfieber“ ein Film, würde er wahrscheinlich ab 12 Jahren, vielleicht sogar ab 6 Jahren freigegeben.

 

 

Peter Wührmann: Silberfieber

Goldmann, 2007

352 Seiten

7,95 Euro

 

Weitere Informationen: http://www.silberfieber.de/


TV-Tipp für den 23. Juli

Juli 23, 2007

ZDF, 22.15

Wild Things (USA 1998, R.: John McNaughton)

Drehbuch: Stephen Peters

Ein beliebter Sportlehrer in einem Nobelort in Florida weist die sexuellen Avancen einer reichen Schülerin zurück. Danach behauptet sie, er habe sie vergewaltigt. Die Polizei glaubt ihr nicht, bis eine zweite Schülerin den gleichen Vorwurf erhebt.

Und das ist nur eine der ersten überraschenden Wendungen in diesem kleinen Thriller, bei dem die Stars lustvoll ihr Image ausfüllen, gegen es anspielen und sich (und uns) letztendlich fast ständig belügen. Denn in „Wild Things“ ist, unter der Sonne Floridas, nichts so wie es scheint. Eine schöne „Sommernachtsfantasie“.

Mit Kevin Bacon, Matt Dillon, Neve Campbell, Theresa Russell, Denise Richards, Robert Wagner, Bill Murray

Wiederholung: ZDF, Dienstag, 24. Juli, 00.35 Uhr

 


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