DVD-Kritik: Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“

November 30, 2011

Es war einmal vor langer Zeit, als sich einige Filmfanatiker auf den Weg machten. Sie wollten nicht mehr nur in „Les Cahiers du Cinéma“ über Film schreiben, sondern Filme drehen. Filme, die mehr mit der Wirklichkeit zu tun hatten, als das, was damals im Kino lief.

Louis Malle, Jean-Luc Godard, Francois Truffaut und Claude Chabrol hießen die Jungs und ihre Debütfilme „Fahrstuhl zum Schafott“, „Außer Atem“, „Sie küssten und sie schlugen ihn“ und „Die Enttäuschten“ begründeten in den späten fünfziger Jahren die Nouvelle Vague, die nicht nur das französische Kino veränderte.

Heute, über fünfzig Jahre nach ihrer Premiere, sind ihre Filme immer noch erstaunlich frisch. (Kurzer Einschub: Besprechungen des jüngst bei StudioCanal erschienenen Werkes von Francois Truffaut und von „Außer Atem“, jetzt mit Tonnen an Bonusmaterial in der Blu Cinemathek erschienen, folgen demnächst.)

Diese Frische kommt einerseits natürlich von dem jugendlichen Drang, in dem ersten Film möglichst viel von den eigenen Wünschen, Themen und Obsessionen unterzubringen. Eine war das amerikanische Kino. Vor allem der Kriminalfilm. Der Film Noir. Allein schon, dass ein in Hollywood entstandenes Genre einen französische Namen hat, sagt wohl genug aus. Auch Malles Debütfilm „Fahrstuhl zum Schafott“ ist ein Noir.

Es kommt aber auch von der Wahl der Drehorte. So suchte Louis Malle für „Fahrstuhl zum Schafott“ vor allem Orte, die mehr an die USA (oder das Bild, das sie damals in Frankreich von den USA hatte) und die Moderne mit viel Beton, Stahl und Glas erinnerten. Die in einem Motel spielenden Szenen wurden, 200 Kilometer von Paris entfernt, am Ärmelkanal, in Le Touquet gedreht, weil es in ganz Frankreich nur dieses eine Motel, das im Film dann in der Nähe von Paris sein soll, gab. Die nächtlichen Autobahnen, die nächtlichen Pariser Straßen durch die Jeanne Moreau spaziert, begleitet von den improvisierten Klängen des Jazz-Ttompeters Miles Davis (der hier nicht von seinen Stammmusikern, sondern von Saxophonist Barney Wilen, Pianist René Urtreger, Bassist Pierre Michelot und Schlagzeuger Kenny Clarke begleitet wurde), die modernen Bürogebäude mit ihrem funktionalem Design, das alles war damals eher ein Blick in die Zukunft. So sagt Louis Malle in dem auf der DVD enthaltenem Interview, dass es damals in ganz Paris vielleicht fünf Bürogebäude mit so einem Fahrstuhl gab. Er zeigte in „Fahrstuhl zum Schafott“ ein Fantasie-Paris, das damals erst im Entstehen war.

Es wurde vor Ort, ohne zusätzliche Beleuchtung, auf den Straßen von Paris, gedreht. Es wurde alles vermieden, was an die typischen, aus anderen französischen Filmen bekannten Innenräume erinnerte – und Louis Malle und sein Kameramann Henri Decae (der Kameramann der Nouvelle Vague – und vieler französischer Filme) stilisierten ihre Bilder immer wieder. Besonders deutlich wird das in „Fahrstuhl zum Schafott“ wenn Lino Ventura Maurice Ronet verhört und wenn er, am Filmende, Jeanne Moreau als Anstifterin überführt.

Und die Regisseure der Nouvelle Vague sprachen vieles an, das damals in Filmen totgeschwiegen wurden. In „Fahrstuhl zum Schafott“ ist das jugendliche Lebensgefühl, der Indochina-Krieg und der Ehebruch (kurze Nebenbemerkung: Louis Malles nächster Film „Die Liebenden“ war wegen seiner aus damaliger Sicht verharmlosenden Sicht des Ehebruchs sogar ein veritabler Skandalfilm. Auch in „Fahrstuhl zum Schafott“ wurden für die damalige deutsche Kinoauswertung einige Stellen, die jetzt untertitelt im Film sind, geschnitten).

Die Geschichte für seinen Debütfilm hatte Louis Malle nicht, wie seine Kollegen Francois Truffaut und Jean-Luc Godard öfters, in einem amerikanischem Kriminalroman, sondern in Noel Calefs Kriminalroman „Ascenseur pour L’echaufad“ gefunden. Dennoch hätte die Geschichte von dem perfekten Mord genausogut in den USA spielen können.

Das Liebespaar Julien Tavernier (Maurice Ronet) und Florence Carala (Jeanne Moreau) will Taverniers Chef, den Waffenhändler Simon Carala (Jean Wall), umbringen. Tavernier tötet ihn nachdem die Angestellten bereits ins Wochenende gegangen sind. Als er zu seiner Geliebte gehen will, bemerkt er, dass er ein wichtiges Beweisstück vergessen hat. Er geht zurück in das Bürogebäude und, als er im Fahrstuhl nach oben fahren will, stellt der Pförtner den Strom ab.

Während Tavernier versucht, sich aus dem zwischen zwei Etagen stehen gebliebenem Fahrstuhl zu befreien, wartet Florence in einem Café auf ihn. Als sie sein Auto an ihr vorbeifahren sieht und die Beifahrerin erblickt, glaubt sie, dass er sie mit einer anderen Frau betrügt. Sie streift gedankenverloren durch das nächtliche Paris.

In Taverniers Auto saßen Véronique (Yori Bertin) und, am Steuer ihr Freund, der kriminellen Abenteuern nicht abgeneigte Louis (Georges Poujouly). Sie klauten den Wagen für eine Spritztour, auf der sie ein vermögendes deutsches Ehepaar kennenlernen und gemeinsam einen feuchtfröhlichen Abend verbringen. Als Louis das Auto des Deutschen klauen will, wird er von ihm erwischt. Im Affekt erschießt Louis den Deutschen.

Inspektor Chérier (Lino Ventura) glaubt, dass Tavernier den Deutschen ermordet hat. Denn Tavernier hat kein Alibi, sein Auto wurde am Tatort gesehen und seine Freundin, die glaubt, dass er sie betrügt, belastet ihn schwer.

Jedenfalls bis die Leiche von ihrem Mann, Simon Carala, entdeckt wird.

Louis Malle erzählt diese drei Geschichten, wenn man die Ermittlungen der Polizei hinzuzählt, vier Geschichten in knapp neunzig Minuten. Entsprechend dicht, assoziativ und oft schon hastig, fast wie ein Bebop-Stück, ist „Fahrstuhl zum Schafott“ erzählt. Da gibt es keine überflüssigen Bilder. Eher schon umgekehrt – und gerade das macht „Fahrstuhl zum Schafott“, abgesehen von seinem Rang als Filmklassiker, auch heute noch gut ansehbar.

Außerdem ist die Noir-Philosophie immer noch aktuell.

Fahrstuhl zum Schafott (Ascenseur pour l’echaufad, Frankreich 1958)

Regie: Louis Malle

Drehbuch: Roger Nimier, Louis Malle

LV: Noel Calef: Ascenseur pour l’echafaud, 1956 (Fahrstuhl zum Schafott)

Mit Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Lino Ventura, Georges Poujouly, Yori Bertin, Jean Wall, Charles Denner, Jean-Claude Brialy (Gast in der Bar)

DVD

Arthaus (StudioCanal)/Kulturspiegel (Französisches Kino 9)

Bild: 1,66:1 (SW)

Ton: Deutsch, Französisch (Mono Dolby Digital)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Booklet mit exklusiven Texten zum Film, Interview mit Louis Malle „Parlons Cinéma“ (17 Minuten, untertitelt), US-Trailer
Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

(DVD ist auch erhältlich in der „Arthaus Collection Französisches Kino/Gesamtedition“)

Hinweise

Wikipedia über „Fahrstuhl zum Schafott“ (deutsch, englisch, französisch)

Film-Noir über „Fahrstuhl zum Schafott“

Roger Ebert über „Fahrstuhl zum Schafott“

Noir of the Week: Guy Savage über „Fahrstuhl zum Schafott“

Turner Classic Movies: Jay Carr über „Fahrstuhl zum Schafott“

Turner Classic Movies: Glenn Erickson über „Fahrstuhl zum Schafott“

Criterion: Terrence Rafferty über „Fahrstuhl zum Schafott“

Arte über „Fahrstuhl zum Schafott“

 


TV-Tipp für den 30. November: Mein liebster Feind

November 30, 2011

ZDFkultur, 20.15

Mein liebster Feind (D 1999, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: Werner Herzog

Grandiose spielfilmlange Doku, in der Werner Herzog seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski reflektiert. Sie verband über fünf Filme eine innige und sehr produktive Hassliebe. Denn „Aguirre, der Zorn Gottes“, „Nosferatu“, „Woyzeck“, „Fitzcarraldo“ und „Cobra Verde“ sind Klassiker des Neuen Deutschen Films (auch wenn sie nicht unbedingt in Deutschland entstanden) und in jedem Fall gehören sie zu ihren besten Arbeiten.

Mit Werner Herzog, Klaus Kinski, Claudia Cardinale, Mick Jagger, Eva Mattes, Thomas Mauch, Maximilian Schell

Hinweise

Homepage von Werner Herzog

Wikipedia über Werner Herzog (deutsch, englisch)


Cover der Woche

November 29, 2011


TV-Tipp für den 29. November: Im Zwielicht

November 29, 2011

3sat, 20.15

Im Zwielicht (USA 1997, R.: Robert Benton)

Drehbuch: Robert Benton, Richard Russo

Ex-Privatdetektiv Harry Ross jobbt für das mit ihm befreundete, sich im vergangenen Ruhm sonnendes Schauspielerpaar Jack und Catherine Ames. Während eines Botenganges für sie stolpert er über eine Leiche und die alten Instinkte werden wieder wach. Ross will seinen Freunden gegen die Erpresser helfen.

Betont altmodischer Privatdetektiv-Krimi, der sich ausdrücklich auf die Tradition bezieht (so kann er als dritter Lew-Harper-Film gesehen werden. Newman spielte Harper in „Ein Fall für Harper“ und „Unter Wasser stirbt man nicht“. Harper ist der Filmname des von Ross MacDonald erfundenen Privatdetektiv Lew Archer.), mit pointierten Dialogen und einem Haufen Altstars glänzend unterhält.

Die Musik ist von Elmer Bernstein.

„Ein reines Vergnügen.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 6. August 1998)

„Benton zeigt angenehm gelassen, wie die Vergangenheit als Ballast wirkt, dem man nicht entrinnt, und wie ihr Fortwirken neues Unheil erzeugt.“ (Fischer Film Almanach 1999)

Das klingt doch verdammt nach Ross MacDonald.

mit Paul Newman, Susan Sarandon, Gene Hackman, Stockard Channing, James Garner, Reese Witherspoon, Giancarlo Esposito, Liev Schreiber, John Spencer, M. Emmet Walsh

Wiederholung: Mittwoch, 30. November, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Im Zwielicht“ (deutsch, englisch)

A. V. Club: Interview mit Robert Benton (4. März 1998)

The Hollywood Interview: Alex Simon redet mit Robert Benton (1998)


Occupy Wall Street und Occupy Berlin – was im Arsenal gezeigt wurde

November 28, 2011

Wie versprochen gibt es jetzt, nachdem der Occupy-Abend vorbei ist, die Liste der gezeigten Filme, ergänzt um einige Filme, die wir gerne gezeigt hätten, dann aber aus Zeitgründen weglassen mussten. Denn sonst wäre die Diskussion (sie wurde aufgenommen und – na mal sehen, wie gut die Aufnahme wurde) noch kürzer ausgefallen.

Wir starteten mit dem für seine zurückhaltende Art bekannten Michael Moore

Danach

Gerne hätte ich noch diese beiden Clips gezeigt, aber Berlin klopfte an die Tür

Die „Occupy Berlin„-Filme sind alle von Videoatonale gemacht und dafür gibt es sogar eine Playlist

Auch hier musste etwas gekürzt werden. Deshalb, als Bonusmaterial

 


TV-Tipp für den 28. November: Il Divo – Der Göttliche

November 28, 2011

Arte, 20.15

Il Divo – Der Göttliche (I/Fr 2008, R.: Paolo Sorrentino)

Drehbuch: Paolo Sorrentino

Porträt des italienischen Politikers Giulio Andreotti, der zwischen 1972 und 1992 sieben Mal Ministerpräsident war und immer wieder in Verdacht geriet, mit der Mafia zu gute Kontakte zu haben.

Sorrentinos hochgelobter Film knüpft an die Tradition des italienischen Polit-Thrillers an.

Mit Toni Servillo, Anna Bonaiuto, Piera Degli Espositi

Wiederholung: Freitag, 2. Dezember, 14.45 Uhr

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Il Divo“ (deutsch, englisch, italienisch)

Film-Zeit über „Il Divo“

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the place“


TV-Tipp für den 27. November: Der Leopard

November 27, 2011

Arte, 20.15

Der Leopard (Italien 1962, R.: Luchino Visconti)

Drehbuch: Suso Cecchi d’Amico, Pasquale Festa Campanile, Massimo Franciosa, Enrico Medioli, Luchino Vicsonti

LV: Giuseppe Tomasi di Lampedusa: Il Gattopardo, 1957 (Der Leopard, Il Gattopardo)

Ein Klassiker.

Und ehe ich jetzt ins Schwärmen gerate, verweise ich kühl auf meine ausführliche Besprechung des Films.

mit Burt Lancaster, Alain Delon, Claudia Cardinale, Paolo Stoppa, Serge Reggiani, Rina Morelli, Mario Girotti, Giuliano Gemma

Wiederholung: Mittwoch, 30. November, 14.45 Uhr


TV-Tipp für den 26. November: Der Schrei der Eule

November 26, 2011

BR, 23.55

Der Schrei der Eule (D/F/GB/Kan 2009, R.: Jamie Thraves)

Drehbuch: Jamie Thraves

LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)

Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Jenny. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Greg. Als Greg nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt.

Bereits Claude Chabrol und Tom Toelle verfilmten 1987 den Krimi. Während beide Verfilmungen sich sehr ähneln und, wenn man die Prämisse akzeptiert, gelungen sind, kann das anscheinend von Jamie Thraves Film nicht behauptet werden.

mit Paddy Considine, Julia Stiles

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )


TV-Tipp für den 25. November: Eyes Wide Shut

November 25, 2011

RTL II, 22.25

Eyes Wide Shut (USA 1999, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Frederic Raphael

LV: Arthur Schnitzler: Traumnovelle, 1926 (Buchausgabe, davor 1925/1926 als Fortsetzungsroman in „Die Dame“ erschienen)

Nachdem seine Frau ihm eine Jahre zurückliegende außereheliche Sexfantasie beichtet, tickt William aus. Verstört irrt der Doktor durch das nächtliche New Yorker zwischen Prostituierten und Swingerclubs.

Kubricks letzter Film ist nicht sein bester. Dafür ist er zu lang (auf mich wirkt er wie der Rohschnitt) und durch den Wechsel der Handlungszeit vom Wien der späten Kaiserjahre in das heutige New York wird die Geschichte ihres moralischen Kontextes beraubt. Denn in einer heute, unter normalen Menschen, spielenden Geschichte ist es einfach unglaubwürdig, dass ein Mann so von einer außerehelichen Sexualfantasie irritiert ist.

Zum Glück spielen weite Teile in pompös-altmodischen Innenräumen und die Dialoge wurden auch von Schnitzler übernommen. So kann man meistens ausblenden, dass „Eyes Wide Shut“ zur falschen Zeit spielt.

Mit Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Sky Dumont

Wiederholung: Sonntag, 27. November, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Eyes Wide Shut“ (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte


Die Doku-Woche mit dem Menschenrechtsfilmfestival „One World Berlin“

November 24, 2011

Heute startet das supertolle Dokumentarfilmfestival „One World Berlin“. Bis zum Mittwoch, den 30. November, laufen im Kino Arsenal (Potsdamer Straße 2, S/U-Bahnhof Potsdamer Platz) etliche Filme, die sich mit bürger- und menschenrechtlichen Fragen beschäftigen. Nach den Filmen, von denen die meisten erstmals in Deutschland laufen, kann mit den Filmemachern und Experten diskutiert werden.

Auch ich bin, via die Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union, dabei und deshalb pflichtschuldig begeistert von den Filmen die wir präsentieren:

Donnerstag, 24. November, 19.00 Uhr

Eröffnung mit „Examined Life“ (Kanada 2008, Regie: Astra Taylor)

Skype-Interview mit einer Filmprotagonistin

Moderation: Werner Koep-Kerstin

Examined Life“ zeigt acht PhilosophInnen „bei der Arbeit“. Cornel West, Avital Ronell, Peter Singer, Kwame Anthony Appiah, Martha Nussbaum, Michael Hardt, Slavoj Žižek und Judith Butler reflektieren, analysieren und formulieren an für sie prägnanten Orten in New York über ihre Ideen und ihr Leben. Taylor hat einen „Walking Heads“-Film gemacht, der gleichzeitig viele für die Menschenrechtsarbeit wichtige Diskurse vorstellt und ihn damit zum geeigneten Eröffnungsfilm für ein Filmfestival über Menschen- und Bürgerrechte macht.

Freitag, 25. November, 19.00 Uhr

Verschiedene Filme von und über „Occupy Wall Street“ und „Occupy Berlin“

mit Thomas Scheffer (Videoatonale, Künstler, Institut für Kunst im Kontext, UdK Berlin) und Prof. Dr. Dieter Rucht (Soziologe, Bewegungsforscher, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Freie Universität Berlin) und Vertretern der hiesigen Occupy-Bewegung

Moderation: Axel Bussmer

Arabischer Frühling – amerikanischer Herbst – deutscher Winter. Die Begeisterung für eine Protestbewegung, die einen Vorstoß in die Höhle des Löwen wagt – den symbolischen und de facto Sitz des internationalen Finanzwesens auf der Wall Street in New York – war die Inspiration für „Occupy Wall Street“. In den vergangenen Wochen schwappte die Bewegung nach Deutschland über. Auch in Berlin, in Rufweite des Bundestages, hat die Occupy-Bewegung ihre Zelte aufgeschlagen.

Das Programm für diesen Abend stellen wir im Moment zusammen – und ich werde euch danach verraten, welche Filme wir gezeigt haben.

Samstag, 26. November, 15.00 Uhr

All watched over by Machines of Loving Grace (GB 2011, Regie: Adam Curtis)

Moderation: Axel Bussmer

Der dreistündige Archiv-Essay-Film „All watched over by Machines of Loving Grace“ von Adam Curtis spannt einen weiten historischen Bogen – von den Vordenkern des Neoliberalismus wie Ayn Rand bis zu verheerenden Auswirkungen der brutalen Kolonialpolitik im Kongo. Curtis untersucht die Rolle staatlicher und großwirtschaftlicher Kontrolle – und inwieweit beide Instanzen miteinander verflochten sind. Außerdem beschäftigt er sich mit unserem Glauben, dass es perfekte Systeme geben kann, und wie Computer, anstatt unser Leben einfacher zu gestalten, unsere Weltsicht verändern.

Viel Stoff zum Nachdenken, an einem ruhigen Samstagnachmittag – und garantiert, wie die anderen Filme von Curtis nie im deutschen Fernsehen zu sehen.

Montag, 28. November, 19.00 Uhr

Censuren – en thriller (Schweden 2011, Regie: Peter Normark)

Dear Censor (GB 2011, Regie: Matt Petty)

The Magic Bullet (Ausschnitte, Schweden 2011, Regie: Markus Öhrn)

mit Markus Öhrn (Künstler)

Moderation: Axel Bussmer

Einerseits gibt es in Demokratien keine Zensur. Andererseits gibt es Institutionen, die darüber entscheiden, wie alt man sein muss, um einen Film sehen zu können und die teilweise ein Entfernen der schlimmsten Szenen verlangen, bevor auch Erwachsene die Filme sehen dürfen. An diesem Abend beschäftigen wir uns mit der Filmzensur in Schweden und England.

Die schwedische Filmzensur hat pünktlich zum hundertsten Geburtstag die Arbeit eingestellt. In „Censuren – en Thriller“ wird gezeigt, wie die weltweit erste Filmzensurbehörde im Lauf der Jahre Filme zensierte und so auch eine alternative Sittengeschichte schrieb.

Das seit 1912 bestehende British Board of Film Classification (BBFC, bis 1984 British Board of Film Censors) ist noch aktiv. Matt Pellys „Dear Censor“ porträtiert die bisher fünf amtierenden britischen Oberzensoren, ihre Arbeitsauffassung, wie sie bestimmte Filme zensierte und wie die Regisseure mit ihr zusammen arbeiteten.

In der Black Box im Eingangsbereich des Arsenals ist für die Dauer des Festivals das 50-stündige Werk „The Magic Bullet“ von Markus Öhrn zu sehen. Öhrn hat dafür alle Filmszenen, die auf Anweisung der schwedischen Zensurbehörde aus Filmen herausgeschnitten wurden, zusammengetragen. In diesem filmischen Gedächtnis der anderen Art begegnen sich Softcorepornos, Splatterfilme, Filmkunst – und Burt Reynolds und Liza Minnelli.

Nach den beiden Dokumentarfilmen wollen wir uns mit Markus Öhrn über sein Kunstprojekt und die Bedeutung von Filmzensur im Wandel der Zeit unterhalten.

Dienstag, 29. November, 19.00 Uhr

Musik als Waffe (D 2010, Regie: Tristan Chytroschek)

mit Tristan Chytroschek

Moderation: Axel Bussmer

Die brisantesten Enthüllungen von Wiki-Leaks betreffen die Militäroperationen der westlichen Streitkräfte in Vorderasien. „Musik als Waffe“ und „Remote Control War“ zeigen hoch unkonventionelle Waffen, die in den jüngsten Kriegen zum Einsatz kamen. In „Musik als Waffe“ wird gezeigt, wie mit Kinderliedern, Songs und lauten Geräuschen gefoltert werden kann.

Dienstag, 29. November, 21.30 Uhr

Remote Control War (Kanada 2010, R.: Leif Kaldor)

mit Otfried Nassauer (Leiter des Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS))

Moderation: Werner Koep-Kerstin

In „Remote Control War“ wird gezeigt, wie sich mit ferngesteuerten Drohnen der Krieg verändert. Dass in naher Zukunft effektive ferngesteuerte Kampfmaschinen mit Bauteilen vom Elektronikmarkt angefertigt werden können, ist dabei sicher eine sehr beunruhigende Vision künftiger Kriege, die von Soldaten, die ihn ihrem Wohnzimmer weitab des Kampfgebiete sitzen, geführt werden.


TV-Tipp für den 24. November: This is England – Ende einer Kindheit

November 24, 2011

Arte, 20.15

This is England – Ende einer Kindheit (GB 2006, R.: Shane Meadows)

Drehbuch: Shane Meadows

England während der Thatcher-Jahre: der zwölfjährige Skinhead Shaun findet in einem Exknacki einen Vaterersatz. Als dieser die Skins zu einer Nazigruppe machen will, folgt Shaun ihm blind.

Rabiates, autobiographisch gefärbtes, hochgelobtes Jugenddrama, das den British Independent Film Award und den BAFTA-Award als bester britischer Film erhielt und bei uns seine Premiere auf DVD erlebte.

Der bewegende Film zeichnet das Porträt einer verlorenen Generation und zugleich die Studie einer in emotionaler Kälte erstarrten Gesellschaft.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Stephen Graham, Thomas Turgose, Jo Hartley, Andrew Shim, Vicky McClure

Wiederholung: Samstag, 3. Dezember, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „This is England“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Zurück in die Achtziger – mit „Street Hawk“

November 23, 2011

Damals, Mitte der achtziger Jahre, war die kurzlebige TV-Serie „Street Hawk“ eine weitere TV-Serie, die im Fahrwasser von „Das fliegende Auge“, „Airwolf“ und „Knight Rider“, in denen Helden mit Hightech-Autos und -Hubschraubern, immer mit einem ordentlichen Science-Fiction-Touch, das Verbrechen bekämpften. In „Street Hawk“ kämpfen ein Hightech-Motorrad, von dem es nur einen Prototyp gibt, ein Super-Fahrer und ein in der geheimgehaltenen Zentrale sitzender Tüftler, gegen das Verbrechen in Los Angeles. Bei uns wurde die Serie 1986/1987 von RTLplus gezeigt.

Heute ist „Street Hawk“ eine dieser Achtziger-Jahre-Serien, bei der bemerkenswert ist, dass nichts bemerkenswert ist. Denn ohne die dicke Nostalgiebrille und gesteigertes Fantum („Ich muss jeden Auftritt von George Clooney haben.“) ist „Street Hawk“ zum Vergessen.

Es gibt, immerhin, einige Auftritte von Gaststars, wie George Clooney (ganz am Anfang seiner Karriere), Dennis Franz (lange vor dem „NYPD Blue“-Ruhm), Bianca Jagger (einer der wenigen Filmauftritte der damals vor allem als Ex-Frau von Mick Jagger bekannten Schönheit, die einfach nur ihren Körper präsentieren musste), Sybil Danning (damals, hm, nun, der Sex- und B-Picture-Star), und bewährten Recken, wie Clu Gulager, Michael Horsley, Christopher Lloyd („Zurück in die Zukunft“) und Charles Napier, und eine durchaus prophetische Sicht künftiger Straßenkriminalitätsbekämpfung.

Denn „Street Hawk“ ist ein Motorrad, das mit einigen Schusswaffen und einem Laserstrahler ausgerüstet ist, das unglaublich schnell fahren kann (besonders wenn in der Zentrale der Düsenantrieb, der hier „Hyberthrust“ heißt, eingeschaltet wird), via Funk in ständigem Kontakt mit der Zentrale steht (gut, das war schon damals keine Utopie) und in Echtzeit superscharfe Bilder in sie überträgt. Dort können die Bilder in Sekundenschnelle, auch über verschiedene Datenbanken, analysiert werden. Das war damals noch reine Zukunftsmusik.

Und wenn Norman Tuttle, der Erfinder des Motorrads Street Hawk, bei einer langwierigen Recherche von Akten und Zeitungsartikeln entnervt fordert, dass alle Daten in den Computer eingegeben werden sollten, damit er sie sofort auf Gemeinsamkeiten durchsuchen kann, dann war das damals eine spinnerte Zukunftsvision. Heute machen wir genau das täglich mindestens einmal, wenn wir bei Google (oder einer anderen Suchmaschine) ein Wort eingeben oder uns, bei Amazon, via Data-Mining, Buchempfehlungen geben lassen. Auch dass Tuttles Zentrale über das Telefonnetz arbeitet und, wenn die Telefongesellschaft in „Goldraub“ an den Leitungen arbeitet, die Technik in der Zentrale und dem Motorrad nicht mehr einwandfrei funktioniert, ist für uns längst Alltag.

Dieser Norman Tuttle (Joe Regalbuto) ist der in den typischen Hollywood-Klischees verhaftete, von der Regierung bezahlte Wissenschaftler, der das Motorrad entwickelte und jetzt mit Jesse March (Rex Smith) als Fahrer des Motorrads seine Erfindung einem Test unterziehen will. Dieser Praxistest ist so geheim, dass niemand davon etwas erfahren darf. Auch Jesse March darf niemandem davon erzählen. Das sorgt für Konflikte, wenn er der Frau, die er gerade als Street Hawk gerettet hat, seine wahre Identität nicht verraten darf, und wenn er bei seiner Tagesarbeit bei der Polizei im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, wo er nach einem Unfall hinversetzt wurde, sich immer wieder frei nehmen muss, um als Street Hawk das Verbrechen zu bekämpfen. Natürlich ist Jesse March das absolute Gegenteil von Tuttle: er ist ein Frauenschwarm, sportlich und für ihn ist die Maschine einfach nur ein tolles Motorrad. Für Tuttle ist sie der heilige Gral.

Die Fälle sind, auch nach dem damaligen TV-Standard betrachtet, mau und wirken oft, als ob man ein Drehbuch für eine 25-minütige Episode auf 45 Minuten gestreckt habe . Mal will ein Gangsterboss „Street Hawk“ umbringen und er engagiert dafür einen Fahrer (Georg Clooney), der ein alter Freund von Jesse March ist. Mal hilft Jesse March einer alten halbchinesischen Freundin und er muss sich entscheiden, ob er sie mit ihrem neuen Freund in den Osten gehen lässt (jaja, „Casablanca“). Mal hilft er einer sich auf der Flucht vor Gangstern befindenden Kronzeugin (Sybil Danning), mal soll ein reicher Erbe vor unbekannten Attentätern beschützt werden (immerhin hat in dieser Folge Dennis Franz einige großartige Auftritte), mal soll ein gestohlenes Pferd gefunden werden. Die Plots sind alle mit heißer Nadel gestrickt und dienen nur als Entschuldigung für die langen Action-Szenen, die sich, musikalisch unterlegt von „Tangerine Dream“ (damals eine vor allem im Ausland populäre deutsche Elektronik-Band), weitgehend in Fahrten auf Street Hawk erschöpfen.

Die DVD-Ausgabe ist wirklich nur den Die-Hard-Fans und den unverbesserlichen Nostalgikern zu empfehlen. Die Bildqualität ist erschreckend schlecht, auf Untertitel und Bonusmaterial wurde verzichtet. Dabei hätte es durchaus eine ausführliche „Street Hawk“-Doku (siehe unten) gegeben.

Street Hawk – Die komplette Serie (Street Hawk, USA 1985)

Erfinder: Bruce Lansbury, Robert Woltersdorff, Paul M. Belous

mit Rex Smith (Jesse March), Joe Regalbuto (Norman Tuttle), Richard Venture (Lt. Commander Leo Altobelli), Jeannie Wilson (Rachel Adams)

Musik: Tangerine Dream

DVD

Polyband

Bild: 4:3 (1,33:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital Mono 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Wendecover

Länge: 630 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die Ausflüge von „Street Hawk“

Pilotfilm (Pilot)

Regie: Virgil W Vogel

Drehbuch: Robert Wolsterdorff, Paul M. Belous

mit James Avery, Christopher Lloyd

Der beste Freund (The second self)

Regie: Virgil W. Vogel

Drehbuch: Bruce Cervi, Nichoals Corea

mit George Clooney

Joe Cannon kommt (The Adjuster)

Regie: Virgil W. Vogel)

Drehbuch: Nicholas Corea

mit Michael Horsley

Die Kronzeugin (Vegas Run)

Regie: Virgil W. Vogel

Drehbuch: Deborah Davies)

mit Sibyl Danning, Gregory Itzin

Der Mord auf Video (Dog Eat Dog)

Regie: Daniel Haller

Drehbuch: Bruce Cervi, Nicholas Corea

mit James Whitmore jr., Lee Ving (u. a. Flashdance, Straßen in Flammen, Black Moon), Charles Lampkin (irgendwie kommt mir das Gesicht bekannt vor)

Brandstiftung (Fire on the Wing)

Regie: Virgil W. Vogel

Drehbuch: John Huff, L. Ford Neale

mit Clu Gulager

Alte Zeiten werden werden wach (Chinatown Memories)

Regie: Paul Stanley

Drehbuch: Deborah Davis, Hannah Shearer

mit Keye Luke

Der Doppelgänger (The unsinkable 453)

Regie: Kim Manners

Drehbuch: Paul M. Belous, Robert Wolterstorff

mit Bianca Jagger

Tödlicher Waffenschmuggel (Hot Target)

Regie: Harvey Laidman

Drehbuch: Deborah Davis, Sheldon Willens

mit Charles Napier

Schriftsteller leben gefährlich (Murder is a Novel Idea)

Regie: Harvey Laidman

Drehbuch: Karen Harris

Das arabische Vollblut (The Arabian)

Regie: Richard Compton

Drehbuch: Joseph Gunn

Das falsche Opfer (Female of the Species; auch bekannt als „The Assassin“)

Regie: Harvey Laidman

Drehbuch: Karen Harris

mit Tom Everett, Dennis Franz

Goldraub (Follow the Yellow Gold Road)

Regie: Daniel Haller

Drehbuch: Burton Armus

mit Harry Northup, Don Swayze (der jüngere, ihm verdammt ähnlich sehende Bruder von Patrick Swayze)

Hinweise

Wikipedia über „Street Hawk“ (deutsch, englisch)

Street Hawk“-Fanseite

Noch ’ne „Street Hawk“-Fanseite

Der „Street Hawk“-YouTube-Kanal

Bonusmaterial

Der Pilotfilm in voller Länge

Making of „Street Hawk“

 


TV-Tipp für den 23. November: Panic Room

November 23, 2011

Kabel 1, 22.40

Panic Room (USA 2002, R.: David Fincher)

Drehbuch: David Koepp

Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.

Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.

David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.

Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)

Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)

Wiederholung: Donnerstag, 24. November, 23.40 Uhr

Hinweise

Wikipedia über David Fincher (deutsch, englisch) und „Panic Room“ (deutsch, englisch)

Die Welt: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Süddeutsche Zeitung: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Drehbuch „Panic Room“ von David Koepp

The Works and Genius of David Fincher (Fan-Blog – mit einem „Panic Room“-Special)

Bonushinweis

Am 12. Januar 2012 startet bei uns David Finchers neuer Film, der auf einem Bestseller, der schon einmal verfilmt wurde, basiert


Cover der Woche

November 22, 2011


TV-Tipp für den 22. November: Ein (un)möglicher Härtefall

November 22, 2011

ZDFneo, 20.15

Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003, R.: Joel Coen, Ethan Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Robert Ramsey, Matthew Stone (nach einer Geschichte von Robert Ramsey, Matthew Stone und John Romano)

Ein skrupelloser und erfolgreicher Scheidungsanwalt verliebt sich in eine Heiratsschwindlerin.

Die Coen-Version einer Screwball-Comedy. Dank Clooney, Zeta-Jones und Thornton durchaus okay, aber nicht ihr bestes Werk. Danach drehten sie ein überflüssiges Remake von „The Ladykillers“.

Mit George Clooney, Chatherine Zeta-Jones, Geoffrey Rush, Cedric the Entertainer, Edward Herrmann, Paul Adelstein, Richard Jenkins, Billy Bob Thornton

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über die Coen-Brüder (deutsch, englisch)

„You know, for Kids“ (Coen-Seite)


„Freitag“ oder das Finale von Brian Azzarello und Eduardo Rissos Serie „100 Bullets“

November 22, 2011

Mit „Freitag“, dem dreizehnten „100 Bullets“-Sammelband, der die letzten zwölf „100 Bullets“-Heften enthält, wird die von Autor Brian Azzarello und Zeichner Eduardo Risso vor zwölf Jahren begonnene Noir-Crime-Serie, die sechs Eisner-Awards erhielt, beendet. Es begann im ersten Heft mit dem faszinierendem Gedankenspiel: „Was wäre, wenn du die Gelegenheit hättest, jemand, der dir etwas Böses angetan hat, zu töten, ohne dafür bestraft zu werden?“

Später wurde deutlich, dass dieses moralische Dilemma nur ein Puzzlestück des erbarmungslos geführten Kampfes zwischen mehreren Verbrecherfamilien, die sich bereits vor Ewigkeiten zum Trust zusammengeschlossen und im Hintergrund die Geschichte der USA bestimmten, war. In den späteren „100 Bulltes“-Heften wurde dieser Kampf zwischen den verschiedenen Familien und Generationen und ihrer Putztruppe, den Minutemen, die in Atlantic City in einem Hinterhalt getötet werden sollten, auf eine anregende Weise immer verwirrender. Denn Azzarello und Risso sprangen, immer wieder unterbrochen von Episoden, die auf den ersten Blick nichts mit dem Kampf im Trust zu tun hatten, zwischen den verschiedenen Erzählsträngen und Zeiten hin und her, verknüpften sie immer kunstvoller und ließen einen über die wahren Absichten der verschiedenen Charaktere im Unklaren. Teils weil die Charaktere ein doppeltes Spiel spielten, teils weil sie, ohne ihr Wissen, einem Gedächtnisverlust hatten.

Gleichzeitig wurde immer unklarer, wer in dem sich langsam entfaltenden, vor allem die letzten Jahrzehnte umspannenden Geschichte eine Haupt- und wer eine Nebenfigur ist. Und weil die Serie auf 100 Hefte festgelegt war, wurde die Neugierde auf das Ende, wenn sich die unklaren Kampflinien klären und die vielen offenen Fragen beantwortet würden, immer größer.

Aber nach all den vorher ausgelegten Spuren entpuppt sich das Finale von „100 Bullets“ als profaner, in einem Blutbad endender Machtkampf. Da erscheint die geniale Ausgangsidee von den 100 Kugeln, die nicht zurückverfolgt werden können, und der Aktenkoffer mit den Beweisen, die Agent Graves verschiedenen Menschen aushändigte, nur noch wie ein Gimmick und es drängt sich der Eindruck auf, dass Brian Azzarello sich selbst in den verschiedenen Geschichten so sehr verirrte, dass er am Ende nur noch eine Möglichkeit sah, den von ihm angefertigten gordischen Knoten zu zerschlagen: mit nackter Gewalt und ohne Rücksicht auf Verluste.

Ich schrieb über Amerika. Über Macht und Verderbtheit, Treue und Verrat, und das, was die Begriffe verbindet. Freunde und Feinde. Väter und Söhne, Mütter und Töchter, Brüder. Ich schrieb über moralische Entscheidungen und deren Konsequenzen – auch dann, wenn man diese meidet. Denn auch das ist eine Entscheidung.

Brian Azzarello über „100 Bullets“

Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): 100 Bullets: Freitag (Band 13)

(Einleitung von Brian Azzarello)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2011

304 Seiten

29,95 Euro

Originalausgabe

100 Bullets: Wilt

Vertigo/DC Comics, 2009

(enthält „100 Bullets: 89 – 100“, 2008/2009)

Hinweise

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung“ (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 4 – Stunde der Abrechnung“ (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Wikipedia über „100 Bullets“ (deutsch, englisch)
Britische Fanseite zu „100 Bullets“

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)


TV-Tipp für den 21. November: Departed – Unter Feinden

November 21, 2011

ZDF, 22.15

Departed – Unter Feinden (USA 2006, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser).

William Monahans Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung „London Boulevard“ (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und, umpf, Keira Knightley),  startet am 1. Dezember und dass mir der Film gefällt,…

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alex Baldwin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Departed – Unter Feinden“

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)


„Stadt Land Buch“ Mord

November 20, 2011

Der Lesemarathon „Stadt Land Buch“ läuft im Moment durch Berlin und Brandenburg und zu den Läufern gehören auch einige Krimiautoren, die in diesen Lokalitäten eine Verschnaufpause einlegen:

Thilo Bock mit der „Senatsreserve“ (Frankfurter Verlagsanstalt, „humorvoller Entwicklungsroman und Krimi“) am Dienstag, den 22. November, um 20.00 Uhr in der Buchhandlung Leselust (Waidmannsluster Damm 181, Berlin-Reinickendorf) und am Mittwoch, den 23. November, um 19.30 Uhr in der „Buchkönigin“ (Hobrechtstraße 65, Berlin-Neukölln)

Ketil Bjørnstad (verbrecherisch guter Musiker) mit „Die Unsterblichen“ (Suhrkamp Verlag) und einer musikalischen Lesung am Mittwoch, den 23. November, um 20.00 Uhr in der Buchhandlung Starick (Breite Straße 35 – 36, Berlin-Schmargendorf)

Martina Arnold mit „Berliner Morde“ (Wellhöfer Verlag) und Heidi Ramlow mit „Ran an’n Sarg und mitgeweent“ (Eulenspiegel Verlag) am Donnerstag, den 24. November, um 20.00 Uhr, organisiert von der Krimibuchhandlung Miss Marple, im Terzo Mondo (Grolmanstraße 27, Berlin-Charlottenburg)

Die schwarze Tatze: Mörderische Katzenkrimis“ (auch bekannt als die „Zweite Berliner Katzen-Krimi-Nacht“) am Donnerstag, den 24. November, um 19.30 Uhr in der Box im Deutschen Theater (Schumanstraße 13a, Berlin-Mitte) mit Texten von Edgar Allan Poe, Patricia Highsmith und Bram Stoker.

Miau.

Rob Alef hat am Freitag, den 25. November, um 20.00 Uhr, im Bötzowbuch (Bötzowstraße 27, Berlin-Prenzlauer Berg) Ärger mit „Kleine Biester“ (Rotbuch Verlag)

Tom Wolf will mit „Die letzte Bastion“ (berlin.krimi.verlag im be.bra.verlag) nicht nur raus aus der großen Stadt, sondern auch rein in die Vergangenheit von Preußen um 1800. Die Lesung ist am Dienstag, den 22. November, um 19.00 Uhr in Neuruppin in der Fontane-Buchhandlung (Karl-Marx-Straße 83)

Aus vertraulicher Quelle weiß ich, dass die Autoren sich dann über regen Zuspruch freuen und mit zittriger, manchmal auch blutverschmierter Hand die eigenen Werke signieren.

Selbstverständlich sind alle Angaben ohne Gewehr, mit Pistole, Messer und Degen gemacht.


TV-Tipp für den 20. November: Der dünne Mann

November 20, 2011

SWR, 23.35

Der dünne Mann (USA 1934, R.: W. S. Van Dyke II)

Drehbuch: Albert Hackett, Frances Goodrich

LV: Dashiell Hammett: The thin man, 1933 (Der dünne Mann)

Eigentlich wollte Privatdetektiv Nick Charles nach der Hochzeit mit Nora nur noch sein Leben genießen. Aber Nora überzeugt ihn, das Verschwinden des Fabrikanten und Erfinders Wynant aufzuklären. Und mit der Hilfe von Nora, ihrem Terrier Asta, einigen Schnäpsen und Witzen findet er den Täter.

Herrlicher Krimispaß mit William Powell und Myrna Loy – dem Traumpaar der Dreißiger. Tja, damals konnte das Leben noch als einzige Schnapslaune genossen werden.

The thin man“, Hammetts letzter Roman, ist die komödiantische Variante seines Hardboiled-Kosmos.

Früher wurde der Film auch als „Der Unauffindbare“ und „Mordsache Dünner Mann“ gezeigt.

Hinweise

Wikipedia über „Der dünne Mann“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Nick und Nora Charles

Dashiell Hammett in der Kriminalakte

Bonusmaterial


TV-Tipp für den 19. November: Die Marquise von O.

November 19, 2011

3sat, 21.05

Die Marquise von O. (D/Fr 1976, R.: Eric Rohmer)

Drehbuch: Eric Rohmer, Peter Iden

LV: Heinrich von Kleist: Die Marquise von O., 1808

Norditalien, 1799, eine Garnisonsstadt: Die Marquise ist schwanger. Aber sie hat keine Ahnung, wer sie geschwängert hat. Doch niemand glaubt ihr.

Eric Rohmer, der sein Werk gern in Zyklen unterteilte, begann nach seinen sechs moralischen Geschichten mit der „Marquise von O.“ einen Zyklus von Klassiker-Verfilmungen, den er mit „Perceval le Gallois“ und dem „Käthchen von Heilbronn“ fortsetzte.

Der Film erhielt in Cannes den Großen Preis der Jury und Cineasten freuen sich, dass dieser selten (hm, seehr selten) gezeigte Leckerbissen mal wieder im Fernsehen läuft. Und dann noch zu einer vernünftigen Uhrzeit.

mit Edith Clever, Bruno Ganz, Edda Seippel, Peter Lühr, Otto Sander, Bernhard Frey, Ruth Drexler

Hinweise

Wikipedia über „Die Marquise von O.“ (deutsch, englisch, französisch)

Heinrich von Kleist: Die Marquise von O.


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