TV-Tipp für den 31. August: Ein Köder für die Bestie

August 31, 2013

ZDF, 00.30

Ein Köder für die Bestie (USA 1962, R.: J. Lee Thompson)

Drehbuch: James R. Webb

LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)

Nach seinem Knastaufenthalt beginnt Max Cady Sam Bowden und dessen Familie zu terrorisieren. Immerhin brachte dessen Aussage ihn ins Gefängnis.

Spannender Psychoschocker

Mit Gregory Peck, Robert Mitchum, Martin Balsam, Telly Savalas

Hinweise

Wikipedia über John D. MacDonald (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über John D. MacDonald

Krimi-Couch über John D. MacDonald

Umfangreiche amerikanische John D. MacDonald-Fanseite


DVD-Kritik: Peter Robinsons „Inspector Banks – Mord in Yorkshire“ ermittelt auch im Film

August 30, 2013

Es dauerte weit über zwanzig Jahre, bis mit „Aftermath“ ein Roman von Peter Robinson verfilmt wurde. Dabei gehören die in Yorkshire spielenden, vielfach nominierten und ausgezeichneten Polizeiromane mit DCI Alan Banks schon lange zu den bei Krimilesern beliebten Serien. Inzwischen hat Robinson 21 Banks-Romane veröffentlicht und damit haben die Macher der TV-Serie „Inspector Banks – Mord in Yorkshire“ (DCI Banks) theoretisch mehr als genug Vorlagen für die kommenden Jahre. Denn „Aftermath“, in England als Zweiteiler ausgestrahlt (mit Werbung wurden aus dem Neunzigminüter zwei einstündige Sendungen), war überraschend erfolgreich und der TV-Sender ITV produzierte mit Left Bank Pictures weitere „Inspector Banks“-Filme. In England wurden bis jetzt sieben Filme ausgestrahlt; in Deutschland, hauptsächlich im ZDF, die vier, die es jetzt auf der DVD „Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Die komplette erste Staffel“ gibt. Weitere drei Filme, die wieder als Zweiteiler gezeigt werden sollen, werden derzeit gedreht und sollen Anfang 2014 in England ausgestrahlt werden. Für Nachschub ist also gesorgt.

Weil die Romane teilweise schon älter sind – der erste Banks-Roman „Falle für Peeping Tom“/“Augen im Dunkeln“ (Gallows View) erschien 1987 – und die Polizeiarbeit sich seitdem rapide änderte, wurden die Geschichten an die Gegenwart angepasst und, weil die TV-Macher sich nicht an die Chronologie der Romane halten, wurden bei den vernachlässigbaren privaten Subplots ebenfalls die nötigen Anpassungen vorgenommen.

Doch das dürfte höchstens Fans der Romane, die eine buchstabengetreue Umsetzung wollen, stören. Denn im Mittelpunkt der „Inspector Banks“-Filme steht der Fall.

In „Aftermath“ werden im Keller eines Wohnhauses vier Mädchenleichen entdeckt. Dabei stirbt ein Polizist und der mutmaßliche Täter landet im Koma. Außerdem ist ein weiteres Mädchen verschwunden. Lucy Payne,die Frau des Mörders, zu der Banks eine besondere Beziehung aufbaut, schweigt und Banks muss sich mit DI Annie Cabbot, einer neuen, überaus ambitionierten Kollegin, herumschlagen.

Nach der spektakulären Pilotfolge steuern die nächsten drei „Inspector Banks“-Filme ruhigere Gewässer an. Banks und Cabbot arbeiten gut zusammen. Obwohl ihre Ambitionen und der damit einhergehende immer wieder fehlenden Teamgeist bei Banks auf wenig Gegenliebe stoßen und die Fälle immer schwierige moralische und emotionale Prüfungen für Banks und Cabbot enthalten.

In „Kein Rauch ohne Feuer“ sterben bei einem Schiffsbrand zwei Menschen. Ihre erste Spur führt in das Milieu von Kunstfälschern. Aber auch die Familie des zweiten Opfers hat etwas zu verbergen.

In „Wenn die Dämmerung naht“ wird auf einem Kliff eine schwer behinderte Frau ermordet. Es war Lucy Payne, die wir aus „Aftermath“ kennen. Während bei den Verfilmungen der Abstand von nur einem Jahr zwischen den beiden Fällen unglaubwürdig kurz geraten ist, erschienen die gleichnamigen Romane 2001 und 2007, in denen Payne verurteilt, schwer verletzt wurde und eine neue Identität erhielt.

Während Cabbot Paynes Mörder sucht, sucht Banks den Mörder des Teenagers Hayley Daniels, die nach einem feuchtfröhlichem Abend in einer Gasse der Altstadt ermordet wurde. Letztendlich haben beide Fälle dann doch etwas miteinander zu tun und die Mörderin von Payne ist, im Gegensatz zum Roman, von Anfang an bekannt. Weil sie im Film eine prominentere Rolle hat, wird aus einer banalen Tätersuche ein Psychoduell, in dem es um die Frage geht, wie Täter bestraft werden sollen.

In „Kalt wie das Grab“ ermitteln Banks und Cabbot wieder in zwei verschiedenen Fällen, die dann doch miteinander verknüpft sind. Nach einem missglückten Raubüberfall wird ein Täter in seinem Wohnwagen erschlagen. Cabbot sucht den Mörder, während Banks von seinem Vorgesetzten gebeten wird, in London seine von zu Hause abgehauene Tochter zu suchen.

Die vier jeweils neunzigminütigen Fälle sind gute britische Polizeikrimis, in denen immer wieder gezeigt wird, dass Polizeiarbeit Teamarbeit ist und dass an einem Fall viele Polizisten arbeiten. Das ist traditionsbewusste Krimikost, die sich auf das gute Erzählen ihrer Geschichten konzentriert. Dabei stehen die Fälle im Mittelpunkt. Über das Privatleben von Banks und Cabbot erfahren wir fast nichts und das ist gut so.

Inspector Banks“ ist zwar nicht so innovativ wie „Sherlock“ oder „Luther“, aber flott erzählte Krimiunterhaltung mit einem düsteren Unterton ist es allemal.

Die deutschen Ausgaben der Banks-Romane erschienen im Ullstein Verlag. Derzeit sind keine weiteren Übersetzungen geplant.

Inspector Banks - DVD-Cover - 4

Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Die komplette erste Staffel (DCI Banks, GB 2010/2011)

LV: Romane von Peter Robinson

mit Stephen Tompkinson (DCI Alan Banks),Andrea Lowe (DS Annie Cabbot), Lorraine Burroughs (DS Winsome Jackman), Jack Deam (DC Ken Blackstone), Colin Tierney (Chief Supt Gerry Rydell)

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 360 Minuten (4 Folgen à 90 Minuten, 2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die ersten verfilmten Fälle von DCI Banks

Robinson - Aftermath - 2Robinson - Wenn die Dunkelheit fällt - 2

Aftermath (Aftermath, GB 2010)

Regie: James Hawes

Drehbuch: Robert Murphy

LV: Peter Robinson: Aftermath, 2001 (Wenn die Dunkelheit fällt)

TV-Erstausstrahlung als „Banks – Der Solist“

Kein Rauch ohne Feuer (Playing with Fire, GB 2011)

Regie: Paul Whittington

Drehbuch: Robert Murphy

LV: Peter Robinson: Playing with Fire, 2004 (Kein Rauch ohne Feuer)

Robinson - Wenn die Dämmerung nahtRobinson - Kalt wie das Grab

Wenn die Dämmerung naht (Friend of the Devil, GB 2011)

Regie: Bill Anderson

Drehbuch: Laurence Davey

LV: Peter Robinson: Friend of the Devil, 2007 (Wenn die Dämmerung naht)

Kalt wie das Grab (Cold is the Grave, GB 2011)

Regie: Marek Losey

Drehbuch: Robert Murphy

LV: Peter Robinson: Cold is the Grave, 2000 (Kalt wie das Grab)

Hinweise

BBC Germany über „Inspector Banks“

Homepage von Peter Robinson

Krimi-Couch über Peter Robinson

Wikipedia über Peter Robinson (deutsch, englisch) und „Inspector Banks“ 


TV-Tipp für den 30. August: Lili Marleen

August 30, 2013

3sat, 22.35

Lili Marleen (D 1980, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Manfred Purzer, Rainer Werner Fassbinder, Joshua Sinclair (Mitarbeit)

LV: Lale Andersen: Der Himmel hat viele Farben

Fassbinders Version von Lale Andersens Leben. Gedreht im UFA-Look, aber mit genug Haken und Ösen, um jede blinde Identifikation zu verhindern.

Mit Hanna Schygulla, Giancarlo Giannini, Mel Ferrer, Karl-Heinz von Hassel, Christine Kaufmann, Hark Bohm, Karin Baal, Udo Kier, Erik Schumann, Gottfried John, Elisabeth Volkmann, Barbara Valentin, Adrian Hoven, Willy Harlander, Franz Buchrieser, Rainer Werner Fassbinder, Brigitte Mira, Irm Hermann, Harry Baer, Milan Boor, Volker Spengler

Hinweise

Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über die Kuba-Pauschalreise „¡Hasta La Vista, Sister!“

August 29, 2013

Unsere Großeltern besuchten Kuba, bevor Fidel Castro Máximo Líder wurde, wegen des sonnigen Klimas und der Casinos. Die Mafia soll da auch ihre Hände drin gehabt haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Unsere Eltern besuchten Kuba, um Fidel Castro beim Aufbau der kommunistischen Gesellschaft und als Bollwerk gegen die imperialistischen USA zu helfen. In den Sommerferien war, für die gute Sache, Schwitzen in der Sonne angesagt. Wer hat gesagt, dass Revolution einfach sei?

Wir müssen Kuba überhaupt nicht mehr besuchen, weil wir ja die wunderschönen CDs des Buena Vista Social Clubs haben und uns Wim Wenders‘ Film über die alten Musiker ansehen können.

Aber wer dieses Jahr seine Kuba-Dosis ohne den Buena Vista Social Club haben will, sollte sich „¡Hasta La Vista, Sister!“ ansehen. Denn das von John Roberts (Regie) und Eirene Housten (Drehbuch) im Film präsentierte Kuba erfüllt alle Wünsche des Kuba-Pauschaltouristen mit Musik, Herzschmerz und ansehnlichen Kubanern. Kubanerinnen gibt es nicht, weil die Protagonisten des Films zwei Frauen sind: die schottischen Schwestern Ailie und Rosa. Sie sind, streng nach Drehbuchschule, sehr gegensätzlich. Ailie ist ein strammer Modejunkie, die in jeder Situation auf ihr gepflegtes Äußeres achtet. Rosa, benannt nach Rosa Luxemburg, macht ihrem Namen als politische Aktivistin alle Ehre.

Als ihr Vater Roddy stirbt und seine zweite Ehefrau aus Roddys Asche, weil Golf sein Leben war, eine Golf-Trophäe anfertigen will, klaut Rosa die Asche. Sie will sie nach Kuba bringen. Dort hatte er mit ihrer Mutter, die er während eines revolutionären Arbeitsaufenthaltes kennenlernte und die dort beerdigt ist, seine beste Zeit gehabt und dort soll er deshalb auch beerdigt werden.

Gegen ihren Willen wird Rosa von Ailie, die standesgemäß viele Koffer dabei hat und für Kuba im schicken Fünfziger-Jahre-Retro-Stil, der sich für den Strand- und Casinobesuch gleichermaßen eignet, gekleidet ist, und Conway, ihrem von ihr angeschwärmten Genossen und Freund, der stolz seinen Schottenrock trägt, begleitet.

Auf Kuba – nun, wenn ich jetzt sage, dass dort fast jedes Kuba-Klischee bedient wird, inclusive einem heißen Abend in einem kubanischen Club und den freundlichen, überaus hilfsbereiten und unverschämt gutaussehenden kubanischen Männern (Hach, welche Revolutionärin vergisst da nicht mal kurz die Revolution? Welche Fashionista vergisst da nicht mal kurz den Kleiderwechsel?) und auch die Konflikte zwischen den Schwestern in den erwartbaren Bahnen in Richtung Harmonie verlaufen und sie einiges über den Kuba-Aufenthalt ihres Vaters erfahren, das er ihnen nicht erzählte, verrate ich schon fast zu viel.

¡Hasta La Vista, Sister!“ ist halt klassisches Feelgood-Kino mit einer humoristischen Note, das kein Kuba-Klischee auslässt und nicht besonders tiefgründig ist. Es ist letztendlich britisches Qualitätskino, das man allerdings auch schnell wieder vergisst, weil alles doch zu harmlos und zu konventionell ist.

Das vor kurzem gestartete Roadmovie „Jackie – Wer braucht schon eine Mutter“ machte mehr aus einer ähnlichen Schwesternkonstellation. Denn Americana-Klischees, inclusive der Landschaft, sind doch etwas rauer. Die biestige Mutter Jackie taugt wahrlich nicht zur Verklärung und sie war auch nur die Samenspenderin für den Kinderwunsch schwuler Vorzeigeeltern. Das ist dann doch eine viel unkonventionellere Ausgangslage. 

Hasta la Vista Sister - Plakat

¡Hasta La Vista, Sister! (Day of the Flowers, Großbritannien 2012)

Regie: John Roberts

Drehbuch: Eirene Housten

mit Eva Birthistle, Charity Wakefield, Carlos Acosta, Bryan Dick, Christopher Simpson

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Englische Homepage über „¡Hasta La Vista, Sister!“

Deutsche Homepage über „¡Hasta La Vista, Sister!“

Film-Zeit über „¡Hasta La Vista, Sister!“

Moviepilot über „¡Hasta La Vista, Sister!“

Rotten Tomatoes über „¡Hasta La Vista, Sister!“


TV-Tipp für den 29. August: Die Prinzessin von Montpensier

August 29, 2013

WDR, 23.25

Die Prinzessin von Montpensier (Frankreich 2010, R.: Bertrand Tavernier)

Drehbuch: Jean Cosmos, Francois-Olivier Rousseau, Bertrand Tavernier

LV: Madame de la Fayette: La Princesse de Montpensier,1662

Während des Glaubenskriegs in Frankreich zwischen Katholiken und Hugenotten wird Marie aus politischen Gründen mit dem Prinzen von Montpensier verheiratet. Aber sie liebt ihren Cousin.

Prächtiger Historienfilm von Bertrand Tavernier, der zu einer unwürdig späten Uhrzeit seine TV-Premiere hat.

Diese Geschichte ist für Tavernier der dramaturgische Faden um ein episches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Er zeigt, immer wieder, wie damals Politik mit Heiraten gemacht wurde, der ersten Nacht mit der Braut, von dem Zwiespalt zwischen Aberglaube, Religion und den Naturwissenschaften, welche Konventionen das Leben bestimmten und wie das Leben am Hof, auf dem Land war und auf dem Schlachtfeld war. Dabei erscheint das in dem Film gezeichnete Bild der Vergangenheit realistisch – und gleichzeitig ist es doch, dank der Inszenierung und der Musik von Philippe Sarde, ein sehr zeitgenössischer Film. Außerdem sind die in dem Film angesprochenen Themen heute teils immer noch, teils wieder aktuell. 

mit Mélanie Thierry, Lambert Wilson, Grégoire Leprince-Ringuet, Gaspard Ulliel, Raphael Personnaz

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Prinzessin von Montpensier“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul“

Meine Besprechung von Bertrant Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)


Ist Hubert „Täuscher“ in Andrea Maria Schenkels neuem Roman ein Mörder?

August 28, 2013

Schenkel - Täuscher - 2

Mit 240 Seiten ist der neue Roman von Andrea Maria Schenkel überraschend lang geraten. Denn ihre vorherigen Bücher „Tannöd“, „Kalteis“, „Bunker“ und „Finsterau“ konnten wirklich bequem in einem Rutsch gelesen werden.

Weniger überraschend ist, dass sie sich wieder einen historischen Fall als Inspiration genommen hat und den in Zeitungen und Protokollen dokumentierten Fakten – so staubtrocken liest es sich immer wieder – mehr oder weniger akkurat folgt.

1922 wurden in Landshut die 32-jährige Clara Ganslmeier und ihre 77-jährige Mutter Elsa (sieht, auch für heutige Verhältnisse, nach einer extrem späten Geburt aus) bestialisch ermordet. Die Polizei findet schnell den mutmaßlichen Täter: Hubert Täuscher, den Verlobten von Clara, der als Bürstenfabrikantensohn nur Flausen im Kopf hat und an ständiger Geldnot leidet. Er soll sie aus Habgier ermordet haben und den Schmuck an Luck Schinder, einen Freund mit verbrecherischer Vergangenheit, verscherbelt haben.

So weit, so konventionell. Weil Schenkel, wie immer in ihren Bücher, munter in der Chronologie und zwischen verschiedenen „Handlungssträngen“ (eher Handlungssplitter) hin- und herspringt, ist einerseits die Lösung, also der Ablauf des Doppelmordes und der Mörder, ziemlich schnell klar, andererseits bleibt eine milde Grundspannung, weil es ja doch nicht so einfach sein kann und man einen guten Teil der Lesezeit damit verbringt, die Ereignisse chronologisch zu ordnen.

Denn Schenkel benutzt diese Zeitsprünge als ein willkürliches Mittel, um von der Dürftigkeit ihrer Geschichte abzulenken.

Dabei können Zeitsprünge und Perspektivenwechsel gute erzählerische Mittel sein, um den Lesern und Zuschauern in dem Moment, in dem sie angewandt werden, für den Fortgang der Geschichte wichtige Informationen zu geben oder um die Spannung zu steigern.

In „Täuscher“ führen sie zur Distanz. Auch weil Schenkel meistens in einer biederen Beamtenprosa, die direkt aus Gerichtsdokumenten und schlechten Zeitungsreportagen stammt, schreibt und damit alle Charaktere papierne Erfüllungsgehilfen einer unklaren These bleiben.

Es langweilt, weil kaum etwas wirklich wichtiges für den Fortgang der Geschichte geschieht und vieles ohne großen Erkenntnisgewinn, aber aus verschiedenen Perspektiven, immer wieder wiederholt wird.

Und gerade Hubert Täuscher bleibt als verstockter Angeklagter, der bis nach der Urteilsverkündung wie ein auf frischer Tat ertappter Bengel seine Unschuld beteuert, ein Rätsel. Danach erklärt er zwar sein Verhalten und die wahren Hintergründe, die für halbwegs geübte Leser von Anfang an offensichtlich waren, und unser lange gehegter Verdacht, dass sogar ein kreuzdämlicher Trottel gegenüber Hubert Täuscher eine Intelligenzbestie ist, bewahrheitet sich. Der Mann hat seine Strafe wirklich verdient.

Wer historische Kriminalromane, die in Deutschland spielen, lesen will, sollte sich stattdessen die Bücher von Robert Brack und Robert Hültner, die in ihren gut geschriebenen Romanen spannend, informativ und glaubwürdig Fakten mit Fiktion mischen, ansehen. Ihre Romane haben all das, was „Täuscher“ fehlt.

Andrea Maria Schenkel: Täuscher

Hoffmann und Campe, 2013

240 Seiten

18,99 Euro

Hinweise

Homepage von Andrea Maria Schenkel

Meine Besprechung von Andrea Maria Schenkels „Kalteis“ (2007)

Meine Besprechung von Andrea Maria Schenkels “Bunker” (2009)

Meine Besprechung von Andrea Maria Schenkels „Finsterau“ (2012)

Andrea Maria Schenkel in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. August: Do the Right Thing

August 28, 2013

Arte, 21.35

Do the Right Thing (USA 1989, R.: Spike Lee)

Drehbuch: Spike Lee

Eine schwüle Sommernacht in Brooklyn – und alle Treffen sich in Sal’s Pizzeria.

Spike Lees dritter Spielfilm und inzwischen ein Klassiker.

Lee macht im Grunde etwas sehr Mutiges. Er hält seinen eigenen Leuten ihren eigenen Rassismus vor. Erst wenn sie dies erkennen, sind sie in der Lage, anders mit dem Rassismus der Weißen umzugehen, als es das Ende des Films zeigt.“ (Fischer Film Almanach 1990)

Das Richtige getan hat Lee, indem er einen Film gedreht hat, der seine Dringlichkeit in keinem Augenblick vermeint, ohne deshalb Lösungen mit auf den Weg geben zu wollen. Statt die eine richtige Position zu behaupten, orchestriert Lee virtuos eine Vielzahl von Positionen.“ (Cristina Nord, in Gunnar Landsgesell/Andreas Ungerböck, Hrsg.: Spike Lee, 2006)

mit Danny Aiello, Ossie Davis, Ruby Dee, Richard Edson, Spike Lee, Giancarlo Esposito, Bill Nunn, John Turturro, John Savage, Samuel L. Jackson, Rosie Perez, Martin Lawrence

Hinweise

Homepage von “40 Acres and a Mule Filmworks” (Firma von Spike Lee)

Drehbuch “Do the Right Thing” von Spike Lee

Rotten Tomatoes über „Do the Right Thing“

Wikipedia über „Do the Right Thing“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “Do the Right Thing”

New York Magazine: Interview mit Spike Lee über “Do the Right Thing” (7. April 2008)

Los Angeles Times: Jason Matloff über “Do the Right Thing” zwanzig Jahre nach der Premiere” (24. Mai 2009)

NPR: Diskussion über “Do the Right Thing” zwanzig Jahre nach der Premiere  (24. Juni 2009)

Meine Besprechung von Spike Lees „Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna“ (Miracle at St. Anna, USA/I 2008)


DVD-Kritik: Don Coscarelli kehrt mit „John dies at the End“ zurück

August 27, 2013

 

Zehn Jahre nach dem grandiosen „Bubba Ho-Tep“, in denen Regisseur Don Coscarelli nur einen TV-Film inszenierte, ist er mit „John dies at the End“ zurück und die Horrorkomödie ist eine geschmacksicher geschmacklose Angelegenheit, die sich deshalb natürlich primär an ein Horrorfilmpublikum richtet, das schon Coscarellis frühere Flme, wie „Das Böse“ und die drei Fortsetzungen, goutierte.

Dieses Mal geht es, mit viel Schwarzem Humor, um zwei College-Abbrecher, John und Dave, die außer ihrem TV- und Drogenkonsum wenig auf die Reihe bekommen und auch gar nicht mehr auf die Reihe bekommen wollen, denn bedröhnt vor der Glotze abhängen ist doch okay. Aber sie sind quasi auserwählt gegen eine die Menschheit bedrohende Droge zu kämpfen, die ihren Verstand angreift, an der Realität zweifeln lässt und zu irrationalen Taten animiert. Manchmal mit tödlichen Folgen. Der Straßenname dieser gefährlichen Droge ist „Sojasauce“.

Dass „John dies at the End“ (so ein richtiger Spoiler ist der Titel nicht) nicht bierernst genommen werden sollte, dürfte allein schon der Name der Droge verraten.

Dass Don Coscarelli das drogeninduzierte Driften durch Raum und Zeit und das Verwischen der verschiedenen Welten und Wahrnehmungsebenen (so sind die Menschen nicht immer das, was sie zu sein scheinen) und die Rahmenhandlung in der Dave in einem Diner einem Journalisten seine Geschichte erzählt, als Entschuldigung nimmt, um – aus Sicht der klassischen Hollywood-Dramaturgie – ziemliches chaotisch mehr oder weniger gelungene Witze aneinanderreiht, ist nachvollziehbar. Aber gleichzeitig fehlt im so jeder erzählerische Stringenz, die den Film außerhalb des Hardcore-Fankreises von nicht jugendfreien Horrorkomödien und Trashperlen goutierbar machen würde.

Das ändert nichts daran, dass die handgemachten Tricks, wie das Monster aus gefrorenen Fleischstücken, in Zeiten von überbordenden CGI-Exzessen, Spaß machen und der Film in einem Midnight-Screening oder, mit einer ordentlichen Portion Alkohol und einigen guten Kumpels, auf der heimischen Couch ziemlich genial ist. Vor allem bei dem zweiten oder dritten Ansehen. Mit oder ohne Sojasauce.

John dies at the End - DVD-Cover

John dies at the End (John dies at the End, USA 2012)

Regie: Don Coscarelli

Drehbuch: Don Coscarelli

LV: David Wong: John dies at the End, 2001 (als Webserial; danach verschiedene Printausgaben mit mehr oder weniger vielen Ergänzungen)

mit Chase Williamson, Rob Mayes, Paul Giamatti, Clancy Brown, Glynn Turman, Doug Jones

DVD

Pandastorm

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Wendecover

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Film ist auch als Mediabook mit Bonusmaterial erhältlich.

John dies at the End - Mediabook

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Metacritic über „John dies at the End“

Rotten Tomatoes über „John dies at the End“

Wikipedia über „John dies at the End“

Movieline unterhält sich mit Don Coscarelli und Paul Giamatti über „John dies at the End“ (25. Januar 2013)

„Fanboy Planet“-Interview mit Don Coscarelli über „John dies at the End“

„Shock till you drop“-Interview mit Don Coscarelli über „John dies at the End“ (8. April 2013)

Homepage von David Wong

Diese Anti-Piraterie-Spots werden auch immer blutiger

 

 


Cover der Woche

August 26, 2013

Göhre - Einzelhaft


TV-Tipp für den 27. August: Der Mackintosh-Mann

August 26, 2013

WDR, 23.25

Der Mackintosh-Mann (USA 1973, R.: John Huston)

Drehbuch: Walter Hill, William Fairchild (ungenannt)

LV: Desmond Bagley: The freedom trap, 1971 (Lebenslänglich mit Rückfahrkarte)

Geheimagent Rearden soll sich im Knast mit einem Sowjetagenten anfreunden. Sie werden von Freunden des Sowjetagenten befreit. Auf ihrer Flucht dämmert Rearden, dass er nur eine Marionette in einem viel größeren Spiel ist.

Spannender Agententhriller (wobei die Agenten-Sache eher nebensächlich ist)

mit Paul Newman, James Mason, Dominique Sanda, Ian Bannen

Hinweise

Wikipedia über „Der Mackintosh-Mann“

New York Times: Vincent Canby bespricht „The Mackintosh Man“ (26. Juli 1973)

Sun Times: Roger Ebert bespricht „The Mackintosh Man“ (15. August 1973, 1,5 Sterne)

Ain’t it cool: Quint über „The Mackintosh Man“ (30. Juni 2009)

Things that don’t suck: Bryce Wilson über „The Mackintosh Man“ (13. Januar 2010, ebenfalls positiv)

Wikipedia über Desmond Bagley (deutsch, englisch)

Kirjasto über Desmond Bagley

Desmond-Bagley-Fanseite


TV-Tipp für den 26. August: Der letzte Tycoon

August 26, 2013

 

Arte, 20.15

Der letzte Tycoon (USA 1976, R.: Elia Kazan)

Drehbuch: Harold Pinter

LV: F. Scott Fitzgerald: The last Tycoon, 1941 (Manuskript, posthum veröffentlicht)

Biopic über Monroe Stahr, eine mächtigen Hollywood-Studiochef in den dreißiger Jahren, seine Arbeit und sein Leben.

Das Vorbild für Monroe Stahr war Irving Thalberg, der mit 20 Jahren MGM-Studiomanager wurde, Filme wie „Meuterei auf der Bounty“ (das Original von 1935) produzierte und 1936 mit 37 Jahren starb.

Elia Kazans letzter Spielfilm war ein Kassenflop und wurde zuletzt vor einer halben Ewigkeit im Fernsehen gezeigt.

Trotz sehr guter Besetzung, aufwendiger Ausstattung und handwerklichem Können fehlt der letzte Biss, und der Film bleibt in einer Aneinanderreihung von Episoden stecken.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Robert De Niro, Tony Curtis, Robert Mitchum, Jeanne Moreau, Jack Nicholson, Donald Pleasence, Ray Milland, Dana Andrews, Ingrid Boulting, Peter Strauss, Theresa Russell, John Carradine, Jeff Corey, Seymour Cassel, Angelica Huston

Wiederholung: Freitag, 30. August, 13.55 Uhr

Hinweise

Arte über „Der letzte Tycoon“

Rotten Tomatoes über „Der letzte Tycoon“

Wikipedia über „Der letzte Tycoon“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 25. August: Das Blaue Palais: Der Gigant

August 25, 2013

ZDFkultur, 22.00 Uhr

Das Blaue Palais: Der Gigant (Deutschland 1976)

Letzter Film einer fünfteiligen Miniserie (so heißt das ja heute) über ein unabhängiges Forschungsinstitut. In „Der Gigant“ geht es um die Entwicklung eines neuen Werkstoffs, für den ein Konzern sich interessiert. Aber der Leiter des Instituts weist nachdrücklich auf die mit der Herstellung verbundenen Umweltschäden hin.

Auch in den anderen „Das blaue Palais“-Filmen geht es immer, im Rahmen von spannenden Geschichten, um wissenschaftliche Entdeckungen und den damit verbundenen philosophischen Fragen .

mit Dieter Laser, Jean-Pierre Zola, Ben Zeller, Helga Anders, Eva Renzi, Peter Fricke

Wiederholung: Montag, 26. August, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Rainer Erler

Wikipedia über Rainer Erler und „Das Blaue Palais“


TV-Tipp für den 24. August: Super 8

August 24, 2013

 

Sat.1, 20.15

Super 8 (USA 2011, R.: J. J. Abrams)

Drehbuch: J. J. Abrams

Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.

Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kyle Chandler, Elle Fanning, Joel Courtney, Gabriel Basso, Noah Emmerich, Ron Eldard, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills

Wiederholung: Sonntag, 25. August, 00.55 Uhr (Taggenau!)

 

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film und noch eine Seite zum Film

Film-Zeit über „Super 8“

Wikipedia über „Super 8“ (deutsch, englisch)

Time: Interview mit J. J. Abrams über “Super 8″ (6. Juni 2011)

Go into the Story: Emotionale und rationale Logik am Beispiel von „Super 8“


Rainer Erler, Rainer Erler, Rainer Erler

August 23, 2013

 

Demnächst laufen einige Filme von Rainer Erler im TV.

Rainer who?“ werden jetzt die Jüngeren fragen. Denn der letzte Film von Rainer Erler, „Die Kaltenbach-Papiere“, ist von 1991.

Davor, vor allem in den siebziger und achtziger Jahren, war er in Deutschland der Regisseur für spannende, teils prophetische Filme, die gesellschaftlich wichtige Fragen aufgriffen. Er drehte – für das Fernsehen! – Science-Fiction-Filme, die sich nicht vor Hollywood-Produktionen verstecken mussten und müssen, weil sie zum Nachdenken anregen. Denn das Behandeln philosophischer Fragen ist in einem Science-Fiction-Film letztendlich wichtiger als epische Weltraumschlachten.

Normalerweise schrieb er auch das Drehbuch und von etlichen seiner Filme schrieb er auch Romanfassungen.

Gezeigt werden:

Samstag, 24. August

ZDF, 01.30 Uhr (Taggenau!; also eigentlich irgendwie noch heute )

Fleisch (Deutschland 1979)

Während ihrer Flitterwochen in den USA gerät ein deutsche Ehepaar in die Hände von Organhändlern.

Salopp gesagt: die deutsche Version von „Coma“ – und fast zeitgleich mit dem Hollywood-Film entstanden. Der Film wurde nach seiner TV-Premiere sogar im Kino gezeigt.

Mit Jutta Speidel, Herbert Herrmann, Wolf Roth, Charlotte Kerr

Sonntag, 25. August

ZDFkultur, 22.00 Uhr

Das blaue Palais: Der Gigant (Deutschland 1976)

Letzter Film einer fünfteiligen Miniserie (so heißt das ja heute) über ein unabhängiges Forschungsinstitut. In „Der Gigant“ geht es um die Entwicklung eines neuen Werkstoffs, für den ein Konzern sich interessiert. Aber der Leiter des Instituts weist nachdrücklich auf die mit der Herstellung verbundenen Umweltschäden hin.

Auch in den anderen „Das blaue Palais“-Filmen geht es immer, im Rahmen von spannenden Geschichten, um wissenschaftliche Entdeckungen und den damit verbundenen philosophischen Fragen .

mit Dieter Laser, Jean-Pierre Zola, Ben Zeller, Helga Anders, Eva Renzi, Peter Fricke

Wiederholung: Montag, 26. August, 01.00 Uhr (Taggenau!)

BR, 23.15 Uhr

Die Quelle (Deutschland 1978)

Während seines Inselurlaubs gerät der Tourist Wolf zwischen die Fronten eines Wasserkrieges.

Heute aktueller den je.

mit Herbert Herrmann, Josefa Guerra Sinsolo, Siegfried Wischnewski, Wolf Harnisch, Werner Kreindl

Montag, 26. August

WDR, 23.25 Uhr

Seelenwanderung (Deutschland 1962)

Drehbuch: Karl Wittlinger

Bum und Axel sind Freunde, bis Bum seine Seele verkauft, Geld und Erfolg, aber eben keine Seele mehr hat – und das ist nach dem Tod eine verdammt dumme Sache.

Mit dem Ernst-Lubitsch-Preis ausgezeichnete Parabel über die Wirtschaftswunderzeit, die später ein Programmkinohit wurde.

mit Hanns Lothar, Wolfgang Reichmann, Karin Schlemmer, Robert Meyn

Der Grund? Nun, ganz einfach: Der 1933 in München geborene Regisseur feiert am 26. August einen runden Geburtstag.

 

 

 


TV-Tipp für den 23. August: Auf der Flucht

August 23, 2013

RTL II, 20.15

Auf der Flucht (USA 1993, R.: Andrew Davis)

Drehbuch: Stuart Twohy, Jeb Stuart

LV: TV-Serie von Roy Huggins

Dr. Richard Kimble wird verdächtigt, seine Frau ermordet zu haben. Er flüchtet. US Marshal Sam Gerard verfolgt ihn.

Die Kinoversion der erfolgreichen TV-Serie von Roy Huggins. Dr. Richard Kimble, gespielt von David Jansen, war vier Jahre in 120 Folgen auf der Flucht und die Welt schaute gebannt zu. Harrison Ford beweist in zwei spannenden Kinostunden seine Unschuld.

„Die Inszenierung setzt, perfekt und effizient, auf Thrill und Action. Was sie über gleichartige Produkte hinaushebt, ist ihre gelungene Bemühung um Atmosphäre und Lokalkolorit, der Verzicht auf den üblichen Waffenfetischismus und auf das gewohnte Eskalieren spektakulärer Gewalttätigkeit sowie das gepflegte Handwerk bis hin zu den Kleinigkeiten.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Der Film war ein Kassenknüller und erhielt für einen Thriller ungewöhnlich viele Preise und Nominierungen. Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. Tommy Lee Jones erhielt einen Oscar als bester Nebendarsteller.

Fünf Jahre später spielte Tommy Lee Jones in „Auf der Jagd“ (U. S. Marshals) wieder den unerbittlichen Jäger Sam Gerard.

mit Harrison Ford, Tommy Lee Jones, Sela Ward, Joe Pantoliano, Julianne Moore, Jeroen Krabbé

Wiederholung: Samstag, 24. August, 15.40 Uhr

Hinweise

Wikipedia über “The Fugitive” (TV-Serie und die Folgen)

Thrilling Detective über Roy Huggins

Harrison-Ford-Fanseite

Mein Geburtstagsgruß an Harrison Ford (mit weiteren Links)

Harrison Ford in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Pain & Gain“ erzählt von blöden Verbrechern

August 22, 2013

 

Du kannst alles erreichen, wenn du es willst. Auch Daniel Lugo (Mark Wahlberg) glaubt an das Versprechen des amerikanischen Traums und der Personal Trainer in dem Fitness-Studio „Sun Gym“ in Miami tut alles dafür. Er arbeitet hart. Er bildet sich fort. Er ist allerdings auch nicht besonders intelligent. Also beschließt er mit seinem Arbeitskollegen Adrian Doorbal (Anthony Mackie) und dem Ex-Knacki Paul Doyle (Dwayne Johnson), der im Gefängnis zum Christentum konvertierte und ehrlich bleiben will, einen seiner Kunden, den großkotzigen Selbstmade-Millionär Victor Kershaw (Tony Shalhoub), der während des Trainings mit seinem illegalen Vermögen und seiner Intelligenz prahlt, zu entführen.

Schon die Entführung gestaltet sich schwieriger als erwartet. Danach ist das Opfer widerspenstiger als erwartet. Aber nach einer wochenlangen Folter überschreibt er sein Vermögen. Die Ermordung ist dann wieder schwieriger als erwartet – und als die drei Trottel das geklaute Geld mit vollen Händen ausgeben, liegt Kershaw hasserfüllt im Krankenhaus und engagiert den Privatdetektiv Ed Du Bois (Ed Harris).

Das klingt doch nach einer zünftigen Gangstergeschichte aus dem Sunshine State in der Tradition von Elmore Leonard und Carl Hiaasen, um nur zwei bekannte Florida-Krimiautoren zu nennen, und der auf wahren Ereignisse aus den neunziger Jahren basierende Film „Pain & Gain“ hat in seinen besten Momenten auch ein gewisses Elmore-Leonard-Feeling.

Aber der Regisseur heißt Michael Bay und, auch wenn seine ersten Filme „Bad Boys“ und „The Rock“ knackige Action-Thriller waren (wobei „The Rock“ eine erschreckend hirnrissige Story hat), ist er inzwischen vor allem für seine drei „Transformers“-Filme bekannt. Der vierte „Transformes“-Film soll in Deutschland am 17. Juli 2014 starten.

Dazwischen drehte er „Bad Boys II“, eine geschmacklose, laute, lärmige, zu lang geratene Actionplotte mit tiefergelegtem Buddy-Humor – und „Pain & Gain“ ist dann auch mehr „Bad Boys II“ als „Bad Boys“, mit einer ordentlichen Portion Tony Scott in seiner „Man on Fire“/“Domino“-Phase, in der er seine Filme so zerschnitt, dass sie zuverlässig Kopfschmerzen verursachten. Auch in „Pain & Gain“ nervt die aufdringliche Kamera und der ebenso aufdringliche Schnitt immer wieder.

Darüber könnte man hinwegsehen, wenn Michael Bay sich entscheiden könnte, ob er die drei Verbrecher als etwas glücklose Jäger des amerikanischen Traums verherrlichen oder als gefährlich-skrupellose Trottel, deren viel Ego größer als ihre beeindruckenden Muskelpakete ist, demaskieren will. Er versucht beides, oft gleichzeitig, und so ergibt sich ein seltsamer Mix, bei dem die Inszenierung immer wieder die Geschichte und die Leistungen der Schauspieler sabotiert.

Denn die Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely, die bereits das Buch für den grandiosen Gangsterfilm „You kill me“ schrieben, haben eine kleine Gangstergeschichte geschrieben, die in den richtigen Händen zu einem lakonischen kleinen Noir und einer brillanten Abrechnung mit dem Amerikanischen Traum hätte werden können.

Auch die Leistungen der Schauspieler sind tadellos. Herausragend ist Tony Shalhoub, der in den vergangenen Jahren so sehr mit seiner Rolle als neurotischer Detektiv Adrian Monk in der TV-Serie „Monk“ verschmolz, dass man ihn sich kaum in einer anderen Rolle vorstellen kann. In „Pain & Gain“ spielt er so glaubhaft einen vollkommen gegensätzlichen Charakter, dass schon bei seinem ersten Auftritt (falls man ihn sofort erkennt) jede Erinnerung an Monk verblasst. Oder Dwayne Johnson, der unkaputtbare Action-Star, der hier überzeugend einen geistig minderbemittelten, leicht beeinflussbaren Gangster spielt. Ed Harris, der bereits in „The Rock“ mit Michael Bay zusammenarbeitete, ist als lakonischer Privatdetektiv gewohnt überzeugend. Mark Wahlberg gefällt als muskelbepackter, glückloser Jäger des amerikanischen Traums, der sich in Motivationskursen und Filmen das nötige Wissen für seine kriminellen Aktionen aneignet.

Doch gegen einen Michael Bay im „Bad Boys II“-Modus, der schwarzen Humor und Groteske immer wieder mit Geschmacklosigkeit und Maßlosigkeit verwechselt, hilft es nicht. Aus einer Satire wird ein Testosteron-Spektakel.

Leider.

Pain and Gain - Plakat

Pain & Gain (Pain & Gain, USA 2013)

Regie: Michael Bay

Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely

LV: Pete Collins: Pain & Gain (Reportage, Miami New Times, 23. Dezember 1999)

mit Mark Wahlberg, Dwayne Johnson, Ed Harris, Anthony Mackie, Tony Shalhoub, Bar Paly, Rebel Wilson, Ken Jeong, Rob Corddry, Peter Stormare (ein erweitertes Cameo)

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Pain & Gain“

Moviepilot über „Pain & Gain“

Metacritic über „Pain & Gain“

Rotten Tomatoes über „Pain & Gain“

Wikipedia über „Pain & Gain“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über die wahren Hintergründe

 

 

 

 

 


Neu Kino/Buch- und Filmkritik: Bäh, „Feuchtgebiete“ gibt es jetzt auch im Kino

August 22, 2013

Als „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche vor fünf Jahren erschien, sich wie geschnitten Brot verkaufte und im Feuilleton eifrig diskutiert wurde, interessierte es mich weniger als der sprichwörtlich in China umfallende Sack Reis. Ein Skandalbuch über eine junge Frau, Masturbation und ihrem Verhältnis zu Flüssigkeiten und Ausscheidungen, garniert mit Spekulationen darüber, wie sehr die Ich-Erzählerin im Roman identisch mit der Autorin ist.

Gähn!

2,5 Millionen im deutschsprachigen Raum verkaufte Exemplare später ist jetzt die Verfilmung dieses Frauenbuches im Kino und beim Studieren der Credits fällt die starke männliche Beteiligung auf. Scheint also auch etwas für Männer zu sein. Peter Rommel produzierte. Er produzierte auch „Wolke 9“, „Sommer vorm Balkon“ und „Nachtgestalten“. Gute Filme. Claus Falkenberg und David Wnendt schrieben das Drehbuch. David Wnendt übernahm auch die Regie und, wie schon in seinem überschätzten Debüt „Kriegerin“, steht wieder eine Frau im Mittelpunkt. Vom Buch wurde das grobe Handlungsgerüst übernommen, etliche Szenen wurden stark erweitert oder innerhalb der Geschichte verschoben und es gibt auch viele neue Szenen. Weil in Roches Roman die Erzählerin, die 18-jährige Helen, nach einer missglückten Intimrasur im Krankenhaus liegt und sich wild durch ihr Leben fantasiert und ihre banalen Ansichten über Gott, die Welt, ihre Hämorrhoiden und ihre Muschi assoziativ ausbreitet, ist das nicht schlimm und das Buch und der Film haben ihre Stärken und Schwächen.

Wobei die Schwächen beide Male eindeutig überwiegen. So ist „Feuchtgebiete“ bestenfalls funktional in einem lockeren Plauderton irgendwo zwischen naseweis und nervig geschrieben. Erotisch oder lustvoll ist da nichts. Skandalös auch nicht. Tabubrechend – naja. Und warum dieses langweilige Buch – außer der Banalbegründung „Sex sells“ – ein Bestseller wurde, ist mir schleierhaft.

Aber immerhin ist eine Story – Scheidungskind Helen möchte, dass ihre Eltern wieder zusammenkommen und versucht das mit einem möglichst langen Krankenhausaufenthalt zu erreichen – erkennbar und wenn sie dann am Ende, ziemlich überraschend, mit ihrem Krankenpfleger Robin zusammen zieht, kann sogar ein Entwicklungsroman erkannt werden. Immerhin emanzipierte Helen sich im Krankenhaus, als sie über ihr bisheriges Leben nachdachte, von ihren Eltern. Aber das ist vielleicht auch eine Überinterpretation und Helen will einfach nur etwas Sex haben.

Im Film wird dagegen explizit mit dem Skandal gespielt. David Wnendt geht dabei – der Film ist freigegeben ab 16 Jahre – immer an die Grenzen des auch noch für Jugendliche zeigbaren und er bleibt immer geschmackvoll. Und David Wnendt hat viele Szenen dazu erfunden oder erweitert, die im Buch nur einige Zeilen lang sind. Wir erfahren, unter anderem, mehr über ihre Eltern, die beide vollkommen unfähig sind, Kinder zu erziehen, es gibt einen langen Drogentrip von Helen und ihrer Freundin Corinna, nachdem ihr Dealer eine Dose mit Drogen bei ihnen vergisst, es gibt die längere Version von Helens vulgärer Pizzageschichte und, ganz am Anfang als „Trainspotting“-Hommage, einen Besuch von Helen auf Berlins schmutzigster Toilette.

Aber die Episoden bleiben eine Ansammlung von Szenen, bei denen meistens unklar ist, ob sie wahr oder erfunden oder von Helen in ihrer Fantasie überspitzt wurden. Das schon in der Vorlage rudimentäre Handlungsgerüst wurde noch weiter entkernt. Die Versuche, ihre Eltern zusammenzuführen sind kaum vorhanden und dass sie das unbedingt will, wird im Film nicht erkennbar. Sowieso: warum wollen Scheidungskinder unbedingt, dass ihre Eltern wieder zusammen sind und, obwohl sie sich nicht mehr lieben, auf heile Familie machen? Die Liebesgeschichte zwischen Helen und ihrem Pfleger ist höchstens als Schwärmerei eines Teenagers erahnbar, aber meistens geht es einfach um Helen, die ihren Spaß haben will und daher auch Robin ab und zu etwas neckt. Er scheint sowieso der einzige Pfleger auf dieser ziemlich menschenleeren Station zu sein. So kommt dann das gemeinsame Ende mit ihm vollkommen überraschend. Aber vielleicht fährt er sie, als er sie allein vor dem Krankenhaus im Regen stehen sieht, nur zur nächsten U-Bahn-Station.

Sogar die große Enthüllung am Ende des Films (sie hat als Achtjährige gesehen, wie ihre Mutter sich und ihren jüngeren Bruder vergasen wollte), die in einem konventionell erzähltem Film dazu dienen würde, ihre ach so verkorkste Psyche zu erklären und sie geläutert in eine bessere Zukunft entlassen würde, bleibt folgenlos. Im Buch wird dieses große Familiengeheimnis bereits auf Seite 61 (also am Anfang des zweiten Romanviertels) nebenbei enthüllt.

Zusammengehalten werden diese Episoden von der Erzählerin Helen, die fast während des gesamten Films erzählt, was wir gerade sehen oder auch nicht sehen können, weil sie gerade über – Na, Sie wissen schon – sinniert.

Aber die Szenen und das Voice-Over fügen sich nicht zu einem kohärentem Ganzen zusammen. Im Gegenteil. Sie widersprechen sich ständig gegenseitig. So sollen wir, zum Beispiel, glauben, dass Helen freiwillig bei ihrer Mutter bleibt, die sie sadistisch quält (so lässt sie sie auf den Betonboden fallen oder schneidet ihr im Schlaf die Wimpern ab), von einem Guru zum nächsten läuft und anscheinend als hygieneversessene Hausfrau und zweifache Mutter ziemlich sorgenfrei lebt. Helens Vater, der einerseits ein durchaus liebevoller, vermögender Vater mit unklarem Beruf, aber viel Freizeit und wechselnden Freundinnen ist, ist andererseits grotesk geistesabwesend. So schlägt er die Kofferraumtür seines Autos zu, klemmt dabei Helens Hand ein und reagiert überhaupt nicht auf ihre Schreie. Oder er cremt sie am Strand so nachlässig ein, dass sie danach den Sonnenbrand ihres Lebens hat. Sandburgbauen ist halt wichtiger. Billige Lacher ebenso.

Karikaturen sind diese Eltern, wie eigentlich alle Charaktere in „Feuchtgebiete“, sowieso, wobei man sich darüber unterhalten kann, ob sie Karikaturen aus Helens Sicht oder der Filmemacher sind und so kommen wir zu einem großen Problem des Films, der die Vorlage nicht blind-bieder bebildert: er hat keine erkennbare Haltung zur Geschichte. Er ordnet sein Material beliebig an und weil die einzelnen Erlebnisse und Fantasien von Helen folgenlos bleiben, könnten sie auch in irgendeiner anderen Reihenfolge als assoziativer Bilderbogen erzählt werden.

Das ist dann für einen zweistündigen Film, trotz großartiger Schauspieler und guter Inszenierung, zu wenig.

Feuchtgebiete - Plakat 4

Feuchtgebiete (Deutschland 2013)

Regie: David Wnendt

Drehbuch: Claus Falkenberg, David Wnendt

LV: Charlotte Roche: Feuchtgebiete, 2008

mit Carla Juri, Christoph Letkowski, Meret Becker, Axel Milberg, Marlen Kruse, Peri Baumeister, Edgar Selge, Harry Baer

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage (in der schönen Filmausgabe mit 27 Bildern und einem 22-seitigen Interview mit Charlotte Roche, David Wnendt und Peter Rommel)

Roche - Feuchtgebiete

Charlotte Roche: Feuchtgebiete

Dumont, 2013

240 Seiten

12 Euro

Erstausgabe

Dumont, 2008

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Feuchtgebiete“

Moviepilot über „Feuchtgebiete“

Wikipedia über „Feuchtgebiete“ (Roman, Film)

Meine Besprechung von David Wnendts „Kriegerin“ (D 2011)

Perlentaucher über „Feuchtgebiete“


TV-Tipp für den 22. August: Die Bourne-Verschwörung

August 22, 2013

Vox, 20.15

Die Bourne-Verschwörung (USA/D 2004, R.: Paul Greengrass)

Drehbuch: Tony Gilroy

LV: Robert Ludlum: The Bourne Supremacy, 1986 (Die Borowski-Herrschaft, Das Bourne Imperium)

Jason Bourne ist in Goa untergetaucht. Als ein Anschlag auf ihn verübt wird und er in Berlin ein Attentat verübt haben soll, beginnt Bourne den wirklichen Täter zu jagen.

Überaus erfolgreiche und auch bei der Kritik beliebte Fortsetzung von “Die Bourne-Identität”. Wieder, bis auf die Regie, mit dem bewährten Team und einigen halsbrecherischen Autoverfolungsjagden. Die Story ist ein Aufguss von „Die Bourne Identität“ (Am Anfang kämpft Bourne mit seiner Amnesie. In der Mitte erinnert er sich an seine Vergangenheit. Am Ende kämpft er gegen einen anderen Profikiller. Oh, und etliche Autos werden geschrottet.). Die vielen Berlin-Bilder sind dagegen für Berlin-Freunde ein Fest.

Gilroys Drehbuch war für den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.

Im Anschluss, um 22.20 Uhr (Wiederholung um 02.35 Uhr), läuft der Thriller „Green Zone“, ebenfalls von Paul Greengrass, wieder mit Matt Damon und selbstverständlich sehenswert

Mit Matt Damon, Franka Potente, Brian Cox, Julia Stiles, Karl Urban, Joan Allen, Michelle Monaghan

Wiederholung: Freitag, 23. August, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Die Bourne-Verschwörung“

Rotten Tomatoes über „Die Bourne-Verschwörung“

Wikipedia über “Die Bourne-Verschwörung” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tony Gilroys „Das Bourne-Vermächtnis“ (The Bourne Legacy, USA 2012)


Weil für Gordon Ferris „Mord ist nur ein Spiel“ ist, gewährt er eine „Galgenfrist für einen Toten“

August 21, 2013

 

Ferris - Mord ist nur ein Spiel - 2Ferris - Galgenfrist für einen Toten - 2

Auf der Insel wird der Schotte Gordon Ferris mit Ian Rankin verglichen. Das ist ein billiger Vergleich, weil ungefähr jeder zweite Kriminalromanautor mit dem bekannt-beliebten Ian Rankin verglichen wird, genauso wie derzeit jeder Fantasy-Autor einen J.-K.-Rowling-Vergleich und jeder Horror-Schriftsteller einen Stephen-King-Vergleich ertragen muss. Einerseits ist der Vergleich in diesem Fall ziemlich treffend, weil die Romane von Gordon Ferris sich in England seit Jahren gut verkaufen. Von seinem Privatdetektivroman „Galgenfrist für einen Toten“ wurden bei Amazon bis November 2012 170.000 E-Books und in den sechs Monaten vor der regulären Buchpublikation 200.000 E-Books verkauft. Er ist dieses Jahr für den Dagger in the Library von der CWA nominiert. Der Preis würdigt Autoren, die den Benutzern von Bibliotheken, vulgo den Lesern, am Besten gefielen. Außerdem laufen beide Autoren unter dem Label „Tartan Noir“, unter dem Noirs, die in Schottland spielen, verkauft werden.

Andererseits ist der Vergleich Mumpitz. Denn Ian Rankins Romane spielen in der Gegenwart, oft spricht Rankin in seinen Romanen Ereignisse, die gerade die Schlagzeilen beherrschen und die Bevölkerung von Edinburgh bewegen, direkt an und Inspector John Rebus, sein bekanntester Charakter, ist ein Polizist.

Die Romane von Gordon Ferris spielen unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und seine Protagonisten sind noch traumatisiert vom Krieg. Außerdem sind seine beiden Seriencharaktere Danny McRae und Douglas Brodie Privatdetektive. Wobei Brodie ein Journalist ist, der in „Galgenfrist für einen Toten“ in Glasgow der Verteidigerin Samantha Campbell (abgekürzt Sam) helfen soll, Beweise für die Unschuld des zum Tode verurteilten Hugh „Shug“ Donovan zu finden. Donovan hat seine Anwältin ausdrücklich darum gebeten, dass sein Jugendfreund, mit dem er sich vor siebzehn Jahren wegen Fiona zerstritt, diese Beweise finden soll. Donovan soll Fionas Sohn Rory und vier weitere Kinder ermordet haben. Die Beweise für seine Schuld sind allerdings zweifelhaft.

Galgenfrist für einen Toten“ ist der gelungene Auftakt von Gordon Ferris‘ zweiter Serie. In England erschien inzwischen der dritte, für den Ellis-Peters-Award nominierte Douglas-Brodie-Roman „Pilgrim Soul“.

Sein Debüt „Mord ist nur ein Spiel“, das bereits 2007 erschien und erst jetzt übersetzt wurde (und was eine weitere Gemeinsamkeit mit Ian Rankin ist: als die erste deutsche Übersetzung erschien, war Rankin in seiner Heimat bereits ein Bestsellerautor), spielt in London.

Dort hat Danny McRae eine Detektei eröffnet. Im Auftrag von Kate Graveney soll er herausfinden, ob sie den spurlos verschwundenen Major Philip Anthony Caldwell ermordet hat. Der ist McRaes ehemaliger Vorgesetzter vom Nachrichtendienst, den er wegen seiner Kriegserlebnisse sprechen möchte.

Gleichzeitig werden in London Prostituierte ermordet. McRae, der nach dem Krieg an periodischem Gedächtnisverlust leidet und der aus ihm unerklärlichen Gründen von der Mordserie fasziniert ist, glaubt, als Soldat in Frankreich während einer Geheimdienstoperation eine Widerstandskämpferin getötet zu haben. Er befürchtet, dass er der Prostituiertenmörder ist.

Eingefleischte Krimifans werden die Täter und die Hintergründe für die Morde in „Mord ist nur ein Spiel“ und „Galgenfrist für einen Toten“, auch wenn es einige Überraschungen gibt, schnell erahnen.

Trotzdem bleibt man dabei. Denn Ferris zeichnet ein lebendiges Bild der damaligen Zeit und es macht Spaß, seinem unprätentiösen, leicht melancholischen Erzähler – beide Romane sind als klassische Privatdetektivromane natürlich aus der Sicht des Detektivs geschrieben – zuzuhören.

Deshalb sollten Freunde von Privatdetektiv-Romanen, vor allem der US-Hardboiled-Schule à la Dashiell Hammett und Raymond Chandler, den Ferris öfter erwähnt, unbedingt zugreifen.

Gordon Ferris: Mord ist nur ein Spiel

(übersetzt von Manfred Sanders)

Festa, 2013

352 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

Truth Dare Kill

Créme de la Crime, 2007

Gordon Ferris: Galgenfrist für einen Toten

(übersetzt von Usch Kiausch)

Festa, 2013

448 Seiten

13,95 Euro

Originalausgabe

The Hanging Shed

Atlantic Books, 2010

Hinweise

Homepage von Gordon Ferris

Shotsmag: Interview mit Gordon Ferris (2012)

The Scotsman: Interview mit Gordon Ferris über seine Douglas-Brodie-Serie (30. März 2013)


TV-Tipp für den 21. August: Equilibrium

August 21, 2013

Kabel 1, 23.10

Equilibrium (USA 2002, R.: Kurt Wimmer)

Drehbuch: Kurt Wimmer

Nach dem nächsten Weltkrieg verbietet ein Diktator, der sich „Vater“ nennt, die Ursache für alles Übel: Gefühle. Als einer seiner Vollstrecker, der gnadenlos gegen Menschen, die doch Gefühle entwickeln (und damit so etwas wie einen freien Willen haben), jagt, dann doch Gefühle entwickelt…

Kleiner Kultfilm, der ganz hübsch „Fahrenheit 451“ (und ähnliche Dystopien, in denen die Regierung alles ausmerzt, was ihnen nicht in den Kram passt und eine Schöne Neue Welt errichtet) mit „Matrix“-artigen Kämpfen verbindet und das alles mit vielen Aufnahmen aus Berlin (einerseits weil in Babelsberg gedreht wurde, andererseits weil die Architektur zwischen Faschismus und Moderne einfach toll aussieht), etwas „Metropolis“-Style und Faschismus-Look garniert. Die meisten Kritiker mochten den Film nicht (der Rotten-Tomatoes-Frischegrad ist 37 Prozent), die wenigen Zuschauer (in Deutschland war’s eine DVD-Premiere) mochten den durchaus geschickt bekannte Versatzstücke miteinander verbindenden Film und die Phoenix Film Critics Society nominierte den Film in der Kategorie „Übersehener Film des Jahres“.

Kurt Wimmer verspielte seinen Credit in der SF-Szene mit dem komplett misslungenen SF-Film „Ultraviolet“, rehabilitierte sich etwas mit seinem „Total Recall“-Drehbuch und Christian Bale wurde Batman.

mit Christian Bale, Emily Watson, Taye Diggs, William Fichtner, Sean Bean, Dominic Purcell, Angus MacFadyen, Mehmet Kurtulus, David Hemmings

Hinweise

Wikipedia über „Equilibrium“ (deutsch, englisch)

Fanseite zum Film

SciFi Dimensions: Interview mit Kurt Wimmer über “Equilibrium” (Mai 2003)


<span>%d</span> Bloggern gefällt das: