TV-Tipp für den 7. Dezember: Die Dolmetscherin

Dezember 6, 2021

Nitro, 22.30

Die Dolmetscherin (The Interpreter, Großbritannien/Frankreich/USA 2005)

Regie: Sydney Pollack

Drehbuch: Charles Randolph, Scott Frank, Steven Zaillian (nach einer Geschichte von Martin Stellman und Brian Ward)

UN-Dolmetscherin Silvia Broome behauptet, dass sie ein Gespräch belauschte, in dem im Landesdialekt über ein Mordkomplott gegen den verhassten Diktator ihres Heimatlandes gesprochen wurde. Er soll in New York ermordet werden. Agent Tobin Keller soll die wichtige Zeugin beschützen. Gleichzeitig fragt er sich, ob die schöne Frau mit rätselhafter Vergangenheit, die Wahrheit sagt.

Der spannende Polit-Thriller ist der letzte Spielfilm von Sydney Pollack. Davor inszenierte er unter anderem “Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß” (They shoot horses, don’t they?), “Jeremiah Johnson”, “Yakuza” (The Yakuza), “Die drei Tage des Condors” (Three days of the Condor), “Tootsie”, “Jenseits von Afrika” (Out of Africa) und “Die Firma” (The Firm).

mit Nicole Kidman, Sean Penn, Catherine Keener, Jesper Christensen, Yvan Attal

Hinweise

Moviepilot über „Die Dolmetscherin“

Metacritic über „Die Dolmetscherin“

Rotten Tomatoes über „Die Dolmetscherin“

Wikipedia über „Die Dolmetscherin“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alan Elliottt/Sydney Pollacks „Aretha Franklin: Amazing Grace“ (Amazing Grace, USA 2018)

Mein Nachruf auf Sydney Pollack


TV-Tipp für den 6. Dezember: Misfits – Nicht gesellschaftsfähig/Die Toten

Dezember 5, 2021

Heute zeigt Arte zwei Klassiker von John Huston

Arte, 20.15

Misfits – Nicht gesellschaftsfähig (The Misfits, USA 1961)

Regie: John Huston

Drehbuch: Arthur Miller

Eine frisch geschiedene Frau schließt sich drei Cowboys an. Gemeinsam gehen sie auf Mustangjagd.

Ein Klassiker. Nicht nur, weil „Misfits“ der letzte Film von Marilyn Monroe und Clark Gable ist, sondern auch weil Arthur Miller in seinem ersten Spielfilmdrehbuch  eine schonungslose Bestandsaufnahme des nicht mehr existierenden amerikanischen Traums vom Freien Leben im Wilden Westen liefert. Denn Millers zeitgenössischen Cowboys sind von der Gesellschaft verachtete Außenseiter. Unter der Regie von John Huston spielen die Schauspieler ausgezeichnet und die Jagdszenen sind superb fotografiert.

„Nach einer langen Dürreperiode, was wirklich amerikanische Filme betrifft, gibt es jetzt Grund zur Freude, denn The Misfits ist so durch und durch amerikanisch, dass niemand außer einem Amerikaner ihn gemacht haben könnte.“ (Paul V. Beckley, New York Herald Tribune)

Mit Marilyn Monroe, Clark Gable, Montgomery Clift, Eli Wallach, Thelma Ritter

Wiederholung: Mittwoch, 8. Dezember, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“

Wikipedia über „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“ (deutsch, englisch)

Arte, 22.15

Die Toten (The Dead, USA/Großbritannien/Deutschland 1987)

Regie: John Huston

Drehbuch: Tony Huston

LV: James Joyce: The Dead (Erzählung, aus „The Dubliners“, 1914)

Dublin, 1904: die ältlichen, unverheirateten Schwestern Morkan haben Freunde und Verwandte zu einer Abendgesellschaft eingeladen. Als ein altes gälisches Lied ertönt, erinnert die verheiratete Gretta Conroy sich an ein Ereignis aus ihrem Leben.

John Hustons extrem selten gezeigter letzter Spielfilm. Eine Woche vor der Premiere in Venedig starb der legendäre Regisseur.

es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn man Hustons Verfilmung schlicht und einfach kongenial nennt. Er hat genau den Ton dieser schönen und tiefsinnigen Geschichte getroffen – ein Dokument großer Menschenkenntnis und Menschenliebe.“ (Fischer Film Almanach 1988)

In dem „Trailers from Hell“-Clip erzählt Dan Ireland von seinem Anteil am Film (sehr klein) und den Dreharbeiten.

mit Anjelica Huston, Donal McCann, Helena Carroll, Cathleen Delany, Ingrid Craige, Rachel Dowling, Colm Meaney

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Toten“

Wikipedia über „Die Toten“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Benedetta“ – Paul Verhoeven erzählt die Geschichte einer lesbischen Nonne

Dezember 5, 2021

Nachdem die letzten Werke einiger seit Ewigkeiten hochgeachteter Regisseure, wie Ridley Scott, Clint Eastwood und Woody Allen, enttäuschten, ist Paul Verhoevens neuer Film das komplette Gegenteil. „Benedetta“ ist eine in einem Kloster spielende Geschichte, in der es um Glaube, Macht und Sex geht. Im Mittelpunkt steht die titelgebende Benedetta Carlini (Virginie Efira), die im siebzehnten Jahrhundert als Nonne in einem Theatiner-Kloster in Pescia lebt. Sie ist tiefgläubig. Schon als Kind überzeugte sie mit Gottes Hilfe auf dem Weg zum Kloster eine Bande Strauchdiebe, sie und ihre Eltern mit all ihren Besitztümern unverletzt gehen zu lassen. Inzwischen lebt sie schon achtzehn Jahre im Kloster. Ihr Glaube ist immer noch stark. In der Hierarchie des Klosters könnte sie bis zur Äbtissin aufsteigen. Auf ihrem Körper tauchen immer wieder die Wundmale Jesus auf. Sie hat auch Visionen, in denen Jesus auftaucht.

Außerdem hat sie heimlich mit der Nonnenschülerin Bartolomea (Daphné Patakia), um die sich sich kümmern soll, Geschlechtsverkehr. Den zeigt Paul Verhoeven auch ausführlich, ohne dass sein Film in einen Porno im Kloster abdriftet. Zentral sind für ihn Fragen des Glaubens und der Macht; im Kloster, in der Kirche und außerhalb der Kirche. So ist immer unklar, wie sehr Benedetta von ihren Visionen selbst überzeugt ist oder sie nur benutzt, um im Kloster aufzusteigen. Die Wundmale fügt sie sich jedenfalls manchmal (?) selbst bei. Als die Pest im Land wütet, ergreift sie, mit der Hilfe einer Jesus-Vision, die geeigneten Maßnahmen, um die Bewohner der Stadt zu schützen. Sie lässt die Stadttore schließen. Auch dem Nuntius des Papstes, der herausfinden soll, was in dem Kloster geschieht, wird zunächst der Zutritt verwehrt.

Und es geht immer um die Struktur dieser Gesellschaft, Macht, Einfluss und Geld. Schon beim Gespräch über die Aufnahme von Benedetta ins Kloster zeigt Verhoeven, dass ein Kloster ein Wirtschaftsbetrieb ist, der sich rentieren muss. Für Benedettas Ausbildung zur Nonne muss ihr Vater daher viel Geld bezahlen. Später geht es auch immer wieder um Geld und Macht. Altruistisch handelt in dieser Welt niemand.

Verhoeven hält dabei in seinem präzise komponiertem Drama immer die Balance zwischen den verschiedenen Erklärungen. Deshalb habe ich vorher so oft „auch“ geschrieben. Als Zuschauer steht man ständig vor der Frage, wie sehr Benedetta wirklich eine überzeugte Gläubige oder eine eiskalte Manipulatorin und Karrieristin ist, die das Kloster nach iihren Vorstellungen formt. Auch die anderen Figuren sind in ihren Handlungen ännlich ambivalent angelegt.

Daher stört der Text am Filmende, in dem wir erfahren, was nach den im Film geschilderten Ereignissen mit Bendetta geschieht. Dieser Text präferiert eindeutig eine Erklärung für ihr Verhalten. Er vermittelt eine Gewissheit, die in den vorherigen zwei Stunden vermieden wurde.

Die Filmgeschichte beruht auf den umfangreichen Dokumenten des Prozesses gegen Benetta Carlini (1590 – 1661). Judith C. Brown entdeckte sie in einem Archiv in Florenz und verarbeitete sie zu ihrem Sachbuch „Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonnein in Italien zur Zeit der Renaissance“.

Verhoevens vorherigen Film „Elle“ nannte ich „Meisterwerk“. Das kann ich jetzt bei „Benedetta“ nicht nochmal schreiben. Was soll besser als ein Meisterwerk sein? Also muss ich wohl sagen: „Benedetta“ ist nicht schlechter als „Elle“. Und wieder steht, wie öfter bei Paul Verhoeven, eine Frau im Mittelpunkt, die nicht nach den Regeln spielt.

Benedetta (Benedetta, Frankreich 2021)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: David Birke, Paul Verhoeven

LV: Judith C. Brown: Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy, 1986 (Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonne in in Italien zur Zeit der Renaissance)

mit Virginie Efira, Charlotte Rampling, Daphné Patikia, Lambert Wilson, Olivier Rabourdin, Louise Chevillotte, Hervé Pierre, Clotilde Courau, David Clavel, Guilaine Londez

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Benedetta“

Moviepilot über „Benedetta“

Metacritic über „Benedetta“

Rotten Tomatoes über „Benedetta“

Wikipedia über „Benedetta“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD


TV-Tipp für den 5. Dezember: John Huston – Filmkünstler und Freigeist

Dezember 5, 2021

Arte, 22.10

John Huston – Filmkünstler und Freigeist (Frankreich 2021)

Regie: Marie Brunet-Debaines

Knapp einstündige Doku über John Huston (1906 – 1987). Sie wird als Teil einer sehr kleinen John-Huston-Filmreihe gezeigt. Um 20.15 Uhr zeigt Arte seinen Western „Denen man nicht vergibt“. Morgen, am 6. Dezember, gibt es um 20.15 Uhr „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“ (mit Marilyn Monroe) und um 22.15 Uhr seinen letzten Film, die selten gezeigte James-Joyce-Verfilmung „Die Toten“. Und das war’s dann auch schon mit der Filmreihe.

Hinweise

Arte über die Doku (bis 3. März 2022 in der Mediathek)

Wikipedia über John Huston (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. Dezember: Dumbo

Dezember 3, 2021

Sat.1, 20.15

Dumbo (Dumbo, USA 2019)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: Ehren Kruger

LV: Helen Aberson, Harold Pearl: Dumbo the Flying Elephant, 1939 (Roll-a-Book, von dem wahrscheinlich nur ein Prototyp hergestellt wurde)

TV-Premiere von Tim Burtons Realverfilmung des Disney-Klassikers über einen fliegenden Elefanten.

Ein seltsamer Film: ein Tim-Burton-Film ohne Tim-Burton-Feeling, ein Kinderfilm für Erwachsene und ein Realfilm, der vor allem am Computer entstanden ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Colin Farrell, Michael Keaton, Danny DeVito, Eva Green, Alan Arkin, Nico Parker, Finley Hobbins, Roshan Seth, Deobia Oparei, Joseph Gatt, Sharon Rooney, Lars Eidinger

Hinweise

Moviepilot über „Dumbo“

Metacritic über „Dumbo“

Rotten Tomatoes über „Dumbo“

Wikipedia über „Dumbo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Dumbo“ (Dumbo, USA 2019)

Tim Burton in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Das Endes des „House of Gucci“ als Familienunternehmen

Dezember 3, 2021

1970 – im Film wird 1978 genannt – lernt der introvertierte Maurizio Gucci (Adam Driver) in Mailiand Patrizia Reggiani (Lady Gaga), die ausgehfreudige Tochter eines Transportunternehmer, kennen. Sie verlieben sich ineinander, heiraten 1972 und trennen sich 1985. Die Scheidung war 1994. Am 27. März 1995 wird Maurizio Gucci auf offener Straße erschossen.

1998 wird Patrizia Reggiani verurteilt. Sie soll einen Killer beauftragt haben, ihren Ex-Mann zu ermorden.

Zwischen diesen beiden Daten spielt sich Ridley Scotts neuer Film „House of Gucci“ ab. Es ist eine wahre Geschichte, über die damals viel berichtet wurde. Immerhin war hier alles versammelt, was das Herz der Klatschpresse jubilieren lässt und Stoff für mindestens ein halbes Dutzend verschiedener Filme liefert. 2001 erschien Sara Gay Fordens Buch „The House of Gucci: A Sensational Story of Murder, Madness, Glamour, and Greed“. Scott sicherte sich schnell die Verfilmungsrechte.

Angesichts des Films frage ich mich, was Scott an dieser Familiengeschichte und Ehe interessiert hat. Denn die von den wahren Ereignissen inspirierte Filmgeschichte hat keine Fokus. Scott spring sprunghaft zwischen der Geschichte der Ehe von Maurizio Gucci und Patrizia Reggiani und der Geschichte des Hauses Gucci hin und her, bleibt dabei trotz der epischen Laufzeit von fast hundertsechzig Minute erstaunlich kryptisch und oberflächlich. Vieles wirkt skizziert. Oft entwickelt sich die Handlung sprunghaft und lässt dabei immer wieder ein, zwei, drei wichtige Erklärschritte aus, die wichtig wären, um emotional involviert zu sein und die Gründe für die Handlungen der einzelnen Figuren zu verstehen.

Beide Geschichten können als selbstverschuldete Verfallsgeschichten gesehen werden. Denn noch vor seinem Tod verkaufte Maurizio Gucci, als letztes Mitglied der Familie, 1993 seine Firmenanteile an Investcorp. Davor zerfleischte sich die Familie und keiner der Söhne war fähig oder willens, das Unternehmen zu leiten. Maurizios Ehe endet in einer Scheidung. Danach plant Patrizia Reggiani hasserfült seine Ermordung. Im Film ist ihr Motiv eher enttäuschte Liebe, in der Realität könnten es primär finanzielle Überlegungen und die Hoffnung auf mehr Einfluss in dem Familienunternehmen gewesen sein. Lady Gaga spielt sie als Symbiose ungefähr aller italienischen Filmfrauen.

Über Maurizio Gucci wissen wir trotz Adam Drivers zurückhaltendem Spiel, nach zweieinhalb Stunden nicht mehr als am Anfang. Nämlich dass er wundervoll entspannt durch Mailand Fahrrad fahren kann. Es ist allerdings vollkommen unklar, wie er tickt, was er erreichen will und warum er was tut. Dabei scheint er in den Achtzigern, aus unbekannten Gründen, in die Rolle des Firmenchefs hingewachsen zu sein und in der Lage zu sein, seine Interessen durchzusetzen. Vorher sagte ihm seine Frau, was er zu tun habe und er, vollkommen desinteressiert an unternehmerischen Entscheidungen, folgte ihren Ratschlägen.

Scott findet auch keinen einheitlichen Tonfall. „House of Gucci schwankt zwischen 70er-Jahre-Italo-Thriller (vor allem am Anfang und bei den mit Al Pacino als Aldo Gucci in New York spielenden Szenen), Felliniesker Opulenz, überbordender Gefühls- und Verfallsoper, und Szenen, die wohl satirisch gemeint sind. Es gibt etwas Ehedrama und einige Firmenintrigen. Die Schauspieler geben dem Affen Zucker. Im besten Fall ist das als Einzelleistung überzeugend, im schlechtesten Fall einfach nur bizarr. Das gilt vor allem für den von Al Pacino gespielten Aldo Gucci, der in den USA das Gucci-Unternehmen vertritt und wie die Klischeevorstellung einer Kreuzung aus halbseidenem Unternehmer und 70er-Jahre-Mafiosi wirkt, und seinem von Jared Leto gespielten Filmsohn Paolo, der sich vor allem als Künstler sieht und dabei wie der Quartalsirre von nebenan wirkt. Er ist die erste Person, der man einen Vormund geben möchte. Für irgendeine Führungsposition ist er erkennbar unqualifiziert.

House of Gucci“ ist eine missglückte Seifenoper, die nie verrät, was sie uns erzählen will oder warum wir uns für das Schicksal der Familie Gucci interessieren sollten.

Inzwischen hat Ridley Scott in einem Interview von einer längeren Version gesprochen, die er vielleicht für die DVD-Veröffentlichung erstellt. Diese könnte dann sogar in sich stimmiger sein.

House of Gucci (House of Gucci, USA 2021)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Becky Johnston, Roberto Bentivegna (nach einer Geschichte von Becky Johnston)

LV: Sara Gay Forden: The House of Gucci: A Sensational Story of Murder, Madness, Glamour, and Greed, 2001 (GUCCI: Mode, Mord und Business)

mit Lady Gaga, Adam Driver, Al Pacino, Jeremy Irons, Jared Leto, Jack Huston, Salma Hayek, Alexia Murray, Vincent Riotta, Gaetano Bruno

Länge: 158 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „House of Gucci“

Metacritic über „House of Gucci“

Rotten Tomatoes über „House of Gucci“

Wikipedia über „House of Gucci“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywod über „House of Gucci“

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Ridley Scott in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 3. Dezember: Geronimo – Eine Legende

Dezember 2, 2021

3sat, 22.25

Geronimo – Eine Legende (Geronimo: An American Legend, USA 1993)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: John Milius, Larry Gross

Ein junger West-Point-Absolvent erzählt, wie er die Jagd auf Geronimo erlebte. Der Indianerhäuptling kämpfte mehrere Jahre gegen die US-Armee, bevor er sich 1886 kampflos ergab.

Postmoderner Spät-Western. „Die Geschichte des letzten Indianeraufstands als elegisches Dokudrama: ohne übergroße Helden, ohne mythische Überzeichnung in Bild und Stil. Indianer und Soldaten agieren wie Gezeichnete, die bei allem, was sie tun und wofür sie kämpfen, nur verlieren. (…) Sie ahnen, dass ihre Zeit abgelaufen ist, und wissen, dass sie dennoch nicht aufgeben dürfen.“ (Norbert Grob: Geronimo, in Bernd Kiefer/Norbert Grob: Filmgenres: Western, 2003)

mit Jason Patric, Robert Duvall, Gene Hackman, Wes Studi, Matt Damon

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Geronimo“

Wikipedia über „Geronimo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Zuerst einmal „Gunpowder Milkshake“, danach ab in die Bibliothek

Dezember 2, 2021

Das ist er also: der Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Filmfests: eine Actionkomödie, in der Männer nach der Im-Dutzend-billiger-Methode getötet werden. Im Mittelpunkt steht Sam (Karen Gillan). Inzwischen arbeitet sie, wie ihre Mutter Scarlet (Lena Headey), die sie vor fünfzehn Jahren verlassen hat, als Profikillerin für eine Organisation, die sich „Die Firma“ nennt. Ihre Geschicke werden ausschließlich von Männern gelenkt. Der Manager der Firma ist Nathan (Paul Giamatti) und er hat jetzt die unangenehme Aufgabe, Sam zu erklären, dass sie bei ihrem letzten Auftrag den falschen Mann getötet hat. Dass sie von der Firma die falschen Informationen bekommen hat, dass der Tote übernaupt nicht an dem Ort hättte sein dürfen und dass man bei der Nennung der Zahl ihrer Gegner mindestens eine Null vergessen hat, ist egal.

Sam könnte ihren Fehler mit einem neuen Auftrag ausbügeln: sie soll einen Koffer voller Geld an einen Erpresser überbringen, der von der Firma wichtige Papiere gestohlen hat.

Nun, auch diese Aktion läuft spektakulär aus dem Ruder. Einige Männer sterben und wir haben gelernt, wie frau eine Koffer als tödliche Waffe einsetzt.

Danach wird Sam von der Firma gejagt. Außerdem fühlt sie sich für die naseweise achtjährige Emily (Chloe Coleman) verantwortlich. Denn sie hat Emilys Vater umgebracht.

Die einzigen Menschen, die ihr helfen könnten, sind die Bibliothekarinnen Anna May (Angela Bassett), Florence (Michelle Yeoh) und Madeleine (Carla Gugino). Ihr Arbeitsort ist eine altehrwürdige Bibliothek. Aber viele der kostbaren alten Büchern in ihrer Bibliothek werden zum Lagern von Waffen benutzt.

Gunpowder Milkshake“ ist ein Actionfilm, der natürlich an die John-Wick-Filme und die dort liebevoll über mehrere Filme ausgebaute Mythologie erinnert.

Bei Navot Papushado („Big Bad Wolves“) und seinem Co-Drehbuchautor Ehud Lavski ist die Welt, in der die Geschichte spielt, ebenso ausgedacht. Aber, und das macht einen erfrischenden Unterschied, mit einer eindeutig feministische Botschaft. Die Firma ist selbstverständlich ein Abbild unserer Gesellschaft und ihrer Strukturen. Seit Jahrhunderten haben Männer die Macht. Sie sagen den Frauen, was zu tun ist. Sie verwehren ihnen den gesellschaftlichen Aufstieg aus ihrer Killerkaste.

Und so ist Sams Kampf dann auch ihre Emanzipation von dieser Gesellschaft. Zuerst wird sie unfreiwillig Mutter. Dann verbündet sie sich mit den anderen Frauen und sie bringen die Männer um, die sie umbringen wollen. Diese werden selbstverständlich von Minute zu Minute mehr. Und, altehrwürdigen Thriller-Gesetzen gehorchend, bringen sie in diesem Kampf dann auch das alte Imperium der Männer zu Fall.

Das ist furios inszeniert, mit einer eindeutigen, aber nicht übermäßig plakativen Botschaft. Schließlich ordnet Papushado den einzelnen Seiten in seiner Genregeschichte nur ein eindeutig definiertes Geschlecht zu. Auf der einen Seite sind die Männer, auf der anderen Seite die Frauen, die sich nur gegen die Gewalt der Männer wehren.

Gunpowder Milkshake“ ist ein witziger Actionthriller mit hemmungslos übertriebener Comicgewalt, der sich eindeutig an die Fans von Filmen wie „John Wick“, „Nobody“ und der äußerst schwarzhumorigen Gewaltorige „Guns Akimbo“ richtet. Nur dass dieses Mal, auch wenn Karen Gillan öfter betont machohaft wie John Wayne durch die Landschaft stakst, der Held eine Frau ist.

Gunpowder Milkshake (Gunpowder Milkshake, Großbritannien 2021)

Regie: Navot Papushado

Drehbuch: Ehud Lavski, Navot Papushado

mit Karen Gillan, Lena Headey, Michelle Yeoh, Angela Bassett, Carla Gugino, Paul Giamatti, Chloe Coleman, Ralph Ineson, Adam Nagaitis, Michael Smiley, Freya Allan

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Gunpowder Milkshake“

Moviepilot über „Gunpowder Milkshake“

Metacritic über „Gunpowder Milkshake“

Rotten Tomatoes über „Gunpowder Milkshake“

Wikipedia über „Gunpwoder Milkshake“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. Dezember: The Broken Circle

Dezember 1, 2021

Servus TV, 22.15

The Broken Circle (The Broken Circle Breakdown, Belgien/Niederlande 2012)

Regie: Felix van Groeningen

Drehbuch: Carl Joos, Felix van Groeningen (nach dem Theaterstück von Johan Heldenbergh)

Die mit viel Bluegrass-Musik gewürzte Liebesgeschichte zwischen Didier und Elise, die gegensätzlicher kaum sein könnten, erlebt heute seine TV-Premiere.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Veerle Baetens, Johan Heldenbergh, Nell Cattrysse, Geert Van Rampelberg, Nils De Caster, Bobby Cleiren, Bert Huysentruyt, Jan Bijvoet

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Broken Circle“

Wikipedia über „The Broken Circle“ (deutsch, englisch)

Berlinale: Die Pressekonferenz

Meine Besprechung von Felix van Groeningens „The Broken Circle“ (The Broken Circle Breakdown, Belgien/Niederlande 2012)

Meine Besprechung von Felix van Groeningens „Café Belgica (Belgica, Belgien/Frankreich/Niederlande 2016)

Meine Besprechung von Felix van Groeningens „Beautiful Boy“ (Beautiful Boy, USA 2018)


TV-Tipp für den 30. November: The Equalizer

November 29, 2021

Nitro, 22.15

The Equalizer (The Equalizer, USA 2014)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Richard Wenk (basierend auf der von Michael Sloan und Richard Lindheim erfundenen TV-Serie)

Als ihr Zuhälter eine junge Prostituierte brutal zusammenschlägt, beschließt Robert McCall, dem Schläger eine Lektion zu erteilen. Die Sache läuft dann aus dem Ruder.

Spannender Actionthriller, der nur sehr lose von der gleichnamigen TV-Serie inspiriert ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Denzel Washington, Marton Csokas, Chloë Grace Moretz, David Harbour, Haley Bennett, Bill Pullman, Melissa Leo, David Meunier, Johnny Skourtis, Alex Veadov

Wiederholung: Donnerstag, 2. Dezember, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Equalizer“

Metacritic über „The Equalizer“

Rotten Tomatoes über „The Equalizer“

Wikipedia über „The Equalizer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „The Equalizer 2“ (The Equalizer 2, USA 2018)

Meine Besprechung von „The Equalizer – Staffel 1“


TV-Tipp für den 29. November: Place Vendôme – Heiße Diamanten

November 28, 2021

Arte, 21.55

Place Vendôme – Heiße Diamanten (Place Vendôme, Frankreich 1998)

Regie: Nicole Garcia

Drehbuch: Nicole Garcia, Jacques Fieschi

Die Witwe eines Nobeljuweliers übernimmt sein Geschäft und verstrickt sich in eine riskante Geschichte mit Diamanthändlern und Mafiosi.

Feines noirisches Thrillerdrama, das für zwölf Cesars nominiert war, unter anderem Bester Film, Regie, Drehbuch und Hauptdarstellerin.

mit Catherine Deneuve, Jena-Pierre Bacri, Emmanuelle Seigner, Jacques Dutronc, Bernard Fresson, Lászlo Szabo

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Place Vendôme – Heiße Diamanten”

Wikipedia über „Place Vendôme – Heiße Diamanten“ (deutsch, englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Das schwarze Quadrat“, Kunstdiebstahl für Anfänger

November 28, 2021

Auf einem Kreuzfahrtschiff soll der Austausch eines geklauten Bildes stattfinden. Aber weil es bei der Abfahrt Probleme gab, sind jetzt nur zwei der drei Diebe an Bord. Unter falscher Identität als Imitatoren von David Bowie und Elvis Presley für das abendliche Unterhaltungsprogramm der Reisenden. Dummerweise haben Vincent Kowalski und Nils Forsberg nicht die geringste Ähnlichkeit mit den beiden Musikern und ihre Live-Performer-Qualitäten sind auch überschaubar. Sie hatten nur die Koffer von den echten Imitatoren geklaut, um auf das Schiff zu kommen.

Auf dem Schiff treffen sie schnell auf etliche Menschen, die ihre falsche Identität mühelos durchschauen und die das von ihnen aus einem Museum gestohlene, 1915 entstandene Kasimir-Malewitsch-Gemälde „Das schwarze Quadrat“ in ihren Besitz bringen wollen. Und schon beginnt – wir befinden uns in einer Komödie – das lustige Spiel, in dem das Gemälde mehrmals geklaut, immer gesucht und oft gefälscht wird, sich alle gegenseitig betrügen und auch ermorden. Die Leiche wird dann beherzt ins Meer geworfen. Bei diesem Spiel ist keine der beteiligen Figuren mit übermäßiger Intelligenz gesegnet.

Nein, besonders plausibel ist das Setting nicht und die „Das kann mein zweijähriger Sohn besser“-Gags über moderne Kunst sollten langsam der Vergangenheit angehören. Aber anderseits trifft dieser Gag präzise das humoristische Niveau des Films.

Auch das gesamte Schiff und seine Passagiere wirken wie abgeranzte Relikte aus den Fünfziger Jahren. Ein übergewichtiger Bowie-Imitator und die auf dem Schiff installierte Videoüberwachung ändern daran nichts.

Peter Meisters prominent besetzter Debütfilm „Das schwarze Quadrat“ ist eine arg altbackene Komödie.

Das schwarze Quadrat (Deutschland 2021)

Regie: Peter Meister

Drehbuch: Peter Meister

mit Bernhard Schütz, Sandra Hüller, Jacob Matschenz, Pheline Roggan, Christopher Schärf, Victoria Trauttmansdorff, Wolfram Packhäuser

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das schwarze Quadrat“

Moviepilot über „Das schwarze Quadrat“

 


TV-Tipp für den 28. November: Maniac

November 27, 2021

Tele 5, 00.00

Maniac (Maniac, USA 1980)

Regie: William Lustig

Drehbuch: C. A. Rosenberg, Joe Spinell

In New York geht ein perverser Serienfrauenmörder um. Dies ist seine Geschichte.

Möglicherweise zeigt Tele 5 den lange aufgrund seiner Gewaltdarstellungen verbotenen Film heute in der ungekürzten Version.

Ein schlechter Film, aber ein einflussreicher Horrorfilm, der auch in gekürzten Fassungen eine unangenehme nihilistische Atmosphäre nackter Angst verbreitet. Aus heutiger Sicht sind auch die Bilder des damaligen New Yorks interessant. Denn wie es sich für einen mit einem Minibudget gedrehten Film gehört, wurde ohne Genehmigung einfach auf der Straße gedreht.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joe Spinell, Caroline Munro, Gail Lawrence, Kelly Piper, Sharon Mitchell, Tom Savini (der sich hier den Kopf wegschießt; – jedenfalls in der ungekürzten Version)

Hinweise

AllMovie über „Maniac“

Rotten Tomatoes über „Maniac“

Wikipedia über „Maniac“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte über „Maniac“ (Kinofassung/ungekürzte Fassung – FSK-16-Fassung) (um nur einen Schnittbericht zu nennen)

Meine Besprechung von William Lustigs „Maniac“ (Maniac, USA 1980)


Neu im Kino/Filmkritik: Sauber, sauber, sauberer, „A pure Place“

November 27, 2021

Bevor Nikias Chryssos für seinen zweiten Spielfilm, nach dem grotesken Kammerspiel „Der Bunker“, seine Filmsekte erfand, recherchierte er im Sektenmilieu. Er fand, so sagt er, eine faszinierende „Mischung aus echter Begeisterung auf Seiten der Anhänger, fast erotischer Aufladung und Albernheit (…) Und was von außen vor allem skurril wirkte, erwies sich bei einem Blick hinter die Kulissen doch als Mischung aus falschen Versprechungen, Lügen und Formen von Missbrauch.“

Er entdeckte immer wieder ähnliche Strukturen und bemerkte, wie wichtig in vielen Sekten Waschrituale und ein Streben nach Reinheit sind. Das trieb er in „A pure Place“ auf eine porentief reine Spitze. In der von Fust angeführten Sekte ist Seife enorm wichtig. Alles muss sauber sein. Der Schmutz muss weggeschrubbt werden. Fust umgibt mit seinem weißen Anzug, seiner Sonnenbrille, seinem Vollbart, seinen ausladenden Geste und seiner manirierten Sprechweise eine geheimnisvolle und weltentrückte Aura. Ein wenig wirkt er wie ein aus der Zeit gefallener Kolonialherr. Seine Jünger beten ihn an.

Während bei ihnen alles sauber ist, schuften im Keller des auf einer griechischen Insel liegenden Herrenhauses Waisenkinder. Sie leben im Dunkeln, zwischen Schweinen, im Dreck. Sie stellen die für die Sekte wichtige heilbringende Seife her.

Eines Tages holt Fust die 14-jährige jungfräuliche, aber schon sehr weiblich aussehende Irina aus diesem Schmutz heraus. Er trennt sie so von ihrem jüngerem Bruder Paul. Irina soll in den auserwählten Kreis seiner Sektenjünger aufsteigen. Als erstes soll sie mit Siegfried in einem Theaterstück auftreten. In dem Mysterienspiel soll sie die für die Sekte wichtige Hygeia, die Göttin der Reinheit, verkörpern.

A pure Place“ ist vor allem die Milieustudie einer Sekte und ihrer Strukturen. Chryssos erzählt das, sich dabei immer auf dem schmalen Grad zwischen Arthaus, Kunst und Trash bewegend, als edel bebildertes Horror-Sittengemälde mit erotischen Anspielungen. Es gibt auch etwas griechische Mythologie, Wagner und Nazismus. Das erinnert an Filme aus den Siebzigern, die mal Kunst, mal Exploitation waren, immer provozieren wollten, und in denen unter südlicher Sonne nackte Frauenkörper in herrschaftlichen, größtenteils leerstehenden Villen gezeigt wurden, während irgendwelche Geister und Monster durch die Gänge schlichen.

A pure Place“ ist ein sympathisch-sperriger Film, der seinen, zugegeben prätentiösen, Spaß mit prätentiösen Sekten hat.

A pure Place (Deutschland 2021)

Regie: Nikias Chryssos

Drehbuch: Nikias Chryssos, Lars Henning Jung

mit Sam Louwyck, Greta Bohacek, Claude Heinrich, Daniel Sträßer, Daniel Fripan, Lena Lauzemis, Wolfgang Czeczor

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „A pure Place“

Moviepilot über „A pure Place“

Wikipedia über „A pure Place“ 


TV-tipp für den 27. November: Easy Rider

November 26, 2021

3sat, 23.05

Easy Rider (Easy Rider, USA 1969)

Regie: Dennis Hopper

Drehbuch: Peter Fonda, Dennis Hopper, Terry Southern

Vor dem Drehstart sollte es nur ein weiterer billiger Biker-Film werden. Doch als „Easy Rider“ in die Kinos kam, wurde er zu einem Kultfilm für eine Generation und der Initialzündung für das New-Hollywood-Kino. Oder, wie ein älterer Mann während der Berlinale-Aufführung 2004 zu seinem Nachbarn sagte:

„Ich habe den Film noch nie gesehen.“

„Wirklich?“

„Nüchtern.“

Die Story des Roadmovies ist denkbar einfach: zwei junge Männer fahren mit ihren Motorrädern von Los Angeles nach New Orleans zum Mardi Gras. Ihre Reise wird zu einem Porträt Amerikas.

Die Musik von Steppenwolf, The Byrds, The Band, Roger McGuinn und Jimi Hendrix trug sicher auch ihren Teil zum Erfolg bei.

„Easy Rider (war) der richtige Film zur richtigen Zeit. Sein Kassenerfolg gab der Filmindustrie, die in den sechziger Jahren mit superteuren, starbestückten Ausstattungsfilmen ihr Publikum nicht mehr gefunden hatte, eine neue Richtung vor: Filme für ein junges Publikum, gedreht außerhalb der Studios on location.

Wahrscheinlich war Easy Rider auch deshalb ein solcher Erfolg, weil er eben nicht den vollkommenen Bruch mit der Tradition vollzog (…), sondern vielmehr anknüpfte an amerikanische Mythen – und sie zugleich hinterfragte. Aus dem Gegensatz von klassischer narrativer Struktur im Motiv der Reise und visuellem Bruch mit den Gewohnheiten erwächst die Stärke von Easy Rider, der seine Kraft ebenso den Kinoerinnerungen an die Landschaftsbilder des Westens verdankt wie der präzisen Auswahl von zeitgenössischen Rocksongs.“ (Frank Arnold in Hans Helmut Prinzler/Gabriele Jatho: New Hollywood 1967 – 1976: Trouble in Wonderland)

mit Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson, Karen Black, Phil Spector, Bridget Fonda (ungenanntes Debüt; Kind in der Kommune)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Easy Rider“

Wikipedia über „Easy Rider“ (deutsch, englisch)

Filmsite (Tim Dirks) über „Easy Rider“

Meine Besprechung von Dennis Hoppers „The last Movie“ (The last Movie, USA 1971)

Kriminalakte: Nachruf auf Dennis Hopper


TV-Tipp für den 26. November: The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz

November 25, 2021

Tele 5, 20.15

The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz (The Wrestler, USA 2008)

Regie: Darren Aronofsky

Drehbuch: Robert Siegel

Über dreißig Filmpreise erhalten (unter anderem der Goldene Löwe in Venedig), für über dreißig weitere Preise nominiert, Kritikerliebling, und die gloriose, allerdings nicht nachhaltige Rückkehr von Mickey Rourke als Schauspieler. Er erhielt für seine Rolle unter anderem den Golden Globe und den BAFTA Award und war für den Oscar nominiert.

Die Story: Im semidokumentarischem Stil eines Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Films verfolgt Aronofsky den abgewrackten Wrestler Randy ‘The Ram’ Robinson, dessen Leben nur aus Wrestling besteht. Nach einem Infarkt soll er das Wrestling aufgeben, er versucht einen Neuanfang, will sich mit seiner Tochter aussöhnen und kann doch vom Wrestling nicht lassen.

Großartiges Schauspielerkino, mit einem deutlichen Blick auf das Mainstream-Publikum.

Als nächsten Film drehte Aronofsky den grandiosen Ballettfilm „Black Swan“, der in vielen Punkten die spiegelbildliche Ergänzung zu „The Wrestler“ ist.

mit Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Wrestler“

Wikipedia über „The Wrestler“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Darren Aronofskys “Black Swan” (Black Swan, USA 2010)

Meine Besprechung von Darren Aronofskys „Noah“ (Noah, USA 2014)

Darren Aronofsky in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Aretha Franklin fordert „Respect“

November 25, 2021

Zwei Wochen nach der sehenswerten Doku „Billie – Legende des Jazz“ über die Jazzsängerin Billie Holiday kommt jetzt Liesl Tommys sehenswertes Biopic „Respect“ über die Soulsängerin Aretha Franklin in die Kinos. Tommy konzentriert sich auf die frühen Jahre der 1942 geborenen Sängerin. Nach einem 1952 in Detroit spielendem Prolog, in dem die zehnjährige Aretha Franklin mit ihrem Gesang die Abendgesellschaft ihres Vaters, des Predigers Reverend CL Franklin, erfreut, geht es weiter in das Jahr 1959 und damit zu den Anfängen von Franklins Profikarriere. Sie – ab diesem Moment wird sie von Aretha Franklins Wunschbesetzung Jennifer Hudson überzeugend gespielt – hatte schnell Erfolg. Vor allem nach ihrem Wechsel zu Atlantic folgte Hit auf Hit. Ihr Engagement für die Bürgerrechtsbewegung wird im Film eher stiefmütterlich behandelt. Das gleiche gilt für bestimmte Aspekte ihres Privatlebens, wie, dass Franklin ihr erstes Kind als Zwölfjährige, das zweite als Vierzehnjährige bekam.

Tommy erzählt Franklins Leben in den Sechzigern chronologisch bis zu ihrem Gospelkonzert 1972 in der Missionary Baptist Church in Watts, Los Angeles, das für die Doppel-LP „Amazing Grace“ aufgenommen wurde. Es ist das erfolgreichste Live-Gospel-Album aller Zeiten und Franklins größter kommerzieller Erfolg.

Mit diesem Triumph endet „Respect“. Ihr weiteres Leben wird – und das ist eine kluge Entscheidung – im Abspann mit Bildern der echten Aretha Franklin abgehandelt.

Respect“ ist in seiner konventionellen Machart nie schlecht, aber auch nie hundertprozentig überzeugend. Im Film wechseln sich Szenen aus Franklins Leben mit von ihr an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Gelegenheiten gesungenen Liedern ab. Das gibt einen guten Überblick über ihre verschiedenen biographischen Stationen und Hits. Gleichzeitig wirkt ihr Leben wie eine Abfolge mühelos erreichter Erfolge. Nie muss sie Proben. Nie gibt es Konflikte mit ihrer Band. Im Gegenteil: sogar als sie in Alabama zum ersten Mal mit einer ausschließlich aus weißen Männern bestehenden Band zusammen spielen muss, gelingt dieses Zusammenspiel sofort perfekt und die Männer folgen willig ihren Anweisungen.

In ihrem Privatleben gab es zwar Konflikte – ihre Schwangerschaften, ihre Beziehung zu ihrem Vater, ihre Beziehung zu ihrem Ehemann -, aber sie werden nie vertieft, sondern nur pflichtschuldig erwähnt. Daher bleibt auch unklar, was Aretha Franklin als Künstlerin und Mensch antreibt. Sie sagt nur einige Male, dass sie Hits will. Hits sind allerdings eine rein kommerzielle und keine künstlerische Messlatte. Immerhin endet „Respect“ mit dem Konzert in der Missionary Baptist Church, bei dem die Sängerin mit Gospelsongs zu ihren musikalischen Wurzeln zurückkehren wollte.

Respect“ ist ein überaus respektvoll verfilmter Wikipedia-Artikel mit viel Musik.

Respect (Respect, USA 2021)

Regie: Liesl Tommy

Drehbuch: Tracey Scott Wilson

mit Jennifer Hudson, Forest Whitaker, Marlon Wayans, Marc Maron, Skye Dakota Turner, Saycon Sengbloh, Hailey Kilgore, Albert Jones, Kimberly Scott, Tituss Burgess, Myk Watford, Audra McDonald, Mary J. Blige, Gilberg Glenn Brown

Länge: 146 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Respect“

Metacritic über „Respect“

Rotten Tomatoes über „Respect“

Wikipedia über „Respect“ (deutsch, englisch) und Aretha Franklin (deutsch, englisch)

AllMusic über Aretha Franklin

History vs. Hollywood über „Respect“

Meine Besprechung von Alan Elliottt/Sydney Pollacks „Aretha Franklin: Amazing Grace“ (Amazing Grace, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ und in der Vergangenheit

November 25, 2021

Wie alles endet, haben wir 2017 in „Resident Evil: The final Chapter“ erfahren.

Jetzt gibt es mit „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ einen Neustart der an der Kinokasse erfolgreichen Reihe. Schließlich spielten die sechs „Resident Evil“-Filme mit Milla Jovovich in der Hauptrolle weltweit über 1,2 Milliarden Dollar ein.

Für diesen Neustart wird in der Chronologie zurückgesprungen in das Jahr 1998 und damit bevor Alice (Milla Jovovich) in einer zunehmend dystopischen Welt reihenweise Menschen tötet, die durch das von der Umbrella Corporation erfundene T-Virus zu Zombies wurden. 1998 hoffte die Umbrella Corporation noch, die katastrophalen Folgen ihrer Versuche in Raccoon City einzuhegen.

Mehr oder weniger im Mittelpunkt der Geschichte des neuen Films steht Claire Redfield. Sie verbrachte in Raccoon City ihre Kindheit mit ihrem Bruder Chris in dem von der Umbrella Corporation betriebenem Kinderheim. Dieses sieht wie eines dieser fürchterlichen Fünfziger-Jahre-Kinderheime oder eine Dependance des Arkham Asylum aus. Chris arbeitet inzwischen als Polizist in Raccoon City. Sie verschwand schon vor vielen Jahren aus der Stadt.

Jetzt kehrt sie in einer regnerischen Nacht zurück nach Raccoon City. Inwzischen ist aus der Bergarbeiterstadt eine vom Pharmakonzern Umbrella Corporation aufgegebene Geisterstadt geworden. In der Geisterstadt leben nur noch einige Menschen, die kein Geld zum Umzug hatten, Sicherheitsleute und Polizisten.

Kurz nachdem Claire in der Stadt ist, häufen sich die meist tödlichen Angriffe von seltsamen Wesen auf die Menschen. Denn Experimente der Umbrella Corporation sind schiefgegangen, Menschen verwandeln sich in Zombies und das fröhliche Morden beginnt. Dabei spielt die Hauptaction im und vor dem Polizeirevier und in und unter der zur Umbrella Corporation gehörenden, abgelegen im Wald liegenden Spencer Villa.

Welcome to Raccoon City“ beginnt überraschend gelungen mit Bildern der nächtlichen Stadt, Gesprächen in einem schön abgeranztem Diner und den ersten Begegnungen mit den Zombies. Diese Bilder und die spätere Belagerung des Polizeireviers, bei der die Zombies sich gegen das Gitter am Eingang pressen, erinnern an John Carpenters frühe Filme (vor allem „Assault – Anschlag bei Nacht“, auch etwas „Die Fürsten der Dunkelheit“) und George A. Romeros Zombiefilme.

Danach fügt Johannes Roberts („47 Meters Down“, „The Strangers: Opfernacht“) nur noch, ohne Sinn und Verstand, Szenen aneinander. Raccoon City ist dann nur noch eine Ansammlung von unverbunden nebeneinander stehenden Sets, in denen die Figuren eine Aufgabe bewältigen müssen: nicht von Zombies gebissen zu werden. Die Motive und Ziele der einzelnen Figuren werden nicht mehr erklärt. Es wird einfach nur behauptet und geballert. Die Dialoge sind oft atemberaubend schlecht. Ich erwarte bei einem B-Picture keine Shakespeare-Dialoge, aber sie sollten und können besser als eine allererste „Ich schreibe das mal auf, damit da etwas steht“-Fassung sein. Die Action spielt sich weitgehend in dunklen Räumen, die manchmal mit einer Taschenlampe spartanisch erleuchtet werden, ab.

Das alles macht „Welcome to Raccoon City“ zu einem Science-Fiction-Zombiefilm, den man getrost ignorieren kann. Trotzdem wird er sein Geld einspielen und uns den nächsten „Resident Evil“-Film bescheren.

Resident Evil: Welcome to Raccoon City (Welcome to Raccoon City, USA/Deutschland/Großbritannien 2021)

Regie: Johannes Roberts

Drehbuch: Johannes Roberts

mit Kaya Scodelario, Hannah John-Kamen, Robbie Amell, Tom Hopper, Avan Jogia, Donal Logue, Neal McDonough

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Moviepilot über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Metacritic über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Rotten Tomatoes über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“

Wikipedia über „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Resident Evil: The Final Chapter“ (Resident Evil: The Final Chapter, USA 2016)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „The other side of the door“ (The other side of the door, USA 2015)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „The Strangers: Opfernacht“ (The Strangers: Prey at Night, USA 2018)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „47 Meters down: Uncaged“ (47 Meters down: Uncaged, USA 2019)


TV-Tipp für den 25. November: Ray & Liz

November 24, 2021

WDR, 23.30

Ray & Liz (Ray & Liz, Großbritannien 2018)

Regie: Richard Billingham

Drehbuch: Richard Billingham

TV-Premiere. Fotograf Richard Billingham erzählt in seinem präzise fotografiertem Filmdebüt die Geschichte seiner Eltern Ray und Liz, die in Birmingham zur unteren Arbeiterklasse gehören. Es sind deprimierende Bilder aus deinem deprimierendem Leben. Danach möchte man, um sich besser zu fühlen, mindestens ein Feelbad-Movie sehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ella Smith, Justin Salinger, Patrick Romer, Deirdre Kelly, Tony Way, Sam Gittins, Joshua Millard-Lloyd

Hinweise

Moviepilot über „Ray & Liz“

Metacritic über „Ray & Liz“

Rotten Tomatoes über „Ray & Liz“

Wikipedia über „Ray & Liz“

Meine Besprechung von Richard Billinghams „Ray & Liz“ (Ray & Liz, Großbritannien 2018)


DVD-Kritik: Francis Ford Coppolas „The Outsiders“ in mehreren tollen Ausgaben

November 24, 2021

Bevor ich einige Worte über die neue „Special Edition“ von „The Outsiders“ verliere, gibt es zuerst einmal meine Gedanken zum Film:

The Outsiders“ ist die Verfilmung von S. E. Hintons gleichnamigem Romandebüt. In dem Buch schildert sie, basierend auf eigenen Erlebnissen, vom Leben der Greaser und der Socs. Die Greaser sind eine aus der Arbeiterklasse und unteren Arbeiterklasse stammende Jugendgang. Die Socs sind die rivalisierende, aus dem wohlhabenden Teil von Tulsa, Oklahoma, stammende Gang.

Eine richtige Geschichte hat „The Outsiders“ nicht. Es ist eine in den Sechzigern (die nach den Fünfzigern aussehen) spielende, locker verknüpfte Abfolge von Episoden aus dem Alltag der Jugendlichen. Es wird sich geschlagen, geliebt, getrunken, miteinander ins Autokino gegangen und, nachdem einer der Socs bei einer Schlägerei versehentlich stirbt, müssen zwei Mitglieder der Greasers aufs Land flüchten. Dort verstecken sie sich in einer abgelegen liegenden, verfallenen Holzkirche, retten einige Kinder, kehren als Helden zurück und prügeln sich wieder mit den Socs.

Die Besetzung besteht aus damals unbekannten, aber aufstrebenden Schauspielern. C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez und Tom Cruise spielten mit. Erstaunlich viele von ihnen sind heute noch aktiv, bekannt und beliebt. Und Musiker Tom Waits hat auch einen kurzen Auftritt. Er schrieb die Musik für Coppolas vorherigen Film „Einer mit Herz“ (One from the Heart).

Der Film selbst war für Coppola nach dem Riesenerfolg von „Apocalypse Now“ und dem Megaflop „Einer mit Herz“, der ihn und seine Firma Zoetrope in den Ruin trieb, der Versuch mit einem sicherem Hit – einem für wenig Geld mit damals unbekannten Schauspielern, basierend auf einem bei Jugendlichen bekanntem und beliebten Buch – seine finanzielle Situation zu verbessern. Bei der Kritik kam der „… denn sie wissen nicht, was sie tun“-Verschnitt (Rebel Without a Cause) damals nicht so gut an. So schrieb, stellvertretend für weitere negative zeitgenössische Besprechungen, Variety: „Francis Coppola hat einen handwerklich und schauspielerisch guten, aber sehr konventionellen Film (…) gemacht. Obwohl er in den Mittsechzigern spielt, sieht der Film wie ein Fünfziger-Jahre-Drama über Problemkinder aus, wie sie von Nicholas Ray und Elia Kazan gedreht worden sind, ohne allerdings jemals deren Tiefe und Spannung zu erreichen.“

Beim Publikum kam der Film besser an. Inzwischen ist es ein äußerst beliebter Film, der allein schon wegen der mitspielenden Schauspieler und der wunderschönen Sonnenuntergänge sehenswert ist.

Coppola selbst hatte den Film damals, auf Druck des Studios, von gut zwei Stunden auf neunzig Minuten gekürzt. 2005 veröffentlichte er eine umfangreiche Fassung, in die er die damals geschnittenen, den Romanlesern bekannte Szenen wieder einfügte und den Soundtrack veränderte und ergänzte. Sein inzwischen verstorbener Vater Carmine Coppola hatte für die neu eingefügten Szenen damals keine Musik geschrieben. Diese Fassung nannte Francis Ford Coppola „The Outiders: The complete Novel“. Sie ist näher am Buch und auch die Fassung, die Coppola ursprüngllich veröffentlichen wollte.

Die jetzt erstellte 4K-Version unterscheidet sich nicht von der 2005 veröffentlichten Version. Außer dass das Bild neu abgetastet wurde. Es ist brillant. Schönere Sonnenuntergänge wird man in diesem Herbst wohl nicht im Kino sehen.

Und nun kommen wir zur „Special Edition“, die jetzt bei Studiocanal erschienen und ein gutes Weihnachtsgeschenk ist. Es gibt den Film als DVD (mit umfangreichem Bonusmaterial), als Blu-Ray (mit noch mehr Bonusmaterial) und als Collector’s Edition (mit noch etwas mehr Bonusmaterial, das nicht auf den Blu-rays zu finden ist, und einer schicken Verpackung). Das dürfte dann das Weihnachtsgeschenk für den bekennenden Fan und Sammler sein.

Insgesamt sind auf den beiden Blu-rays, eine mit der Kinofassung, eine mit der „Complete Novel“-Fassung, deutlich über zwei Stunden Bonusmaterial enthalten.

Neu sind ein eine Einführung von Francis Ford Coppola, ein Interview mit James Mockoski, Head of Archives and Restoration bei American Zoetrope und Colorist Gregg Garvin über die 4K-Restaurierung, ein Interview mit Kameramann Stephen Burum, das Featurette „Old House New Home – Ein Museum für die ‚Outsiders’“ und bislang nicht gezeigte geschnittene Szenen.

Das ältere Bonusmaterial entstand vor allem im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der „The complete Novel“-Version 2005. Es handelt sich um das Featurette „Stay Gold – Ein Blick zurück auf ‚The Outsiders’“, einer durch zu den Drehorten in Tulsa mit der Buchautorin S. E. Hinton, Minilesungen aus dem Roman von Rob Lowe, Patrick Swayze, C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Leif Garret und Diane Lane, in denen sie ihre Figuren vorstellen, Aufnahmen vom ungewöhnlichen Casting der „Outsiders“ (Coppola versammelte alle Bewerber in einem Raum und ließ sie verschiedene Rollen spielen), eine Reportage von NBC’s News Today von 1983 über den Film, einige geschnittene und erweiterte Szenen und, selbstverständlich, den Kinotrailer von 1983.

Außerdem gibt es bei der Langfassung zwei Audiokommentare. Einer von Francis Ford Coppola. Einer von Matt Dillon, C. Thomas Howell, Diane Lane, Rob Lowe, Ralph Macchio und Patrick Swayze, die gemeinsam in Erinnerungen an den Film schwelgen.

Das macht dann aus über zwei Stunden über sechs Stunden Bonusmaterial.

Alle Featurettes sind ausführlich (drei sind über sieben Minuten, die anderen über zehn Minuten und das längste Featurette über 26 Minuten), äußerst informativ und mit erstaunlich wenigen Doppelungen. Sie liefern, wie das Bonusmaterial bei „Apocalypse Now“, das Hintergrundmaterial für kommende cineastische Analysen. Damit sind sie für Fans des Films und von Francis Ford Coppola eine Fundgrube.

The Outsiders: The complete Novel (The Outsiders, USA 1983/2005)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: Kathleen Knutsen Rowell

LV: S. E. Hinton: The Outsiders, 1967 (Die Outsider)

mit C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez, Tom Cruise, Leif Garrett, Glenn Withrow, Tom Waits, S. E. Hinton

auch bekannt als „Coppola’s The Outsiders – Rebellen ohne Grund“ (Kinotitel) bzw. „Die Outsider“ (Kinotitel)

Blu-ray (Special Edition)

Studiocanal/Arthaus

Bild: 2,40:1 (1080/24 p Full HD)

Ton: Deutsch, Englisch (5.1 DTS-HD MA)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Über die Restaurierung: Interview mit James Mockoski, Head of Archives and Restorations bei American Zoetrope und Colourist Gregg Garvin (auch DVD); Interview mit Kameramann Stephen Burum (auch DVD); Geschnittene Szenen (auch DVD); Einführung von Francis Ford Coppola (auch DVD); “Outsider Looking In” – neues Interview mit Francis Ford Coppola über Schlüsselszenen eines Kultfilms (auch DVD); Featurette “Old House New Home” – Ein Museum für die “Outsiders” (auch DVD); Trailer (auch DVD)

exclusives Blu-ray Bonusmaterial: Audiokommentar von Francis Ford Coppola, Audiokommentar von Matt Dillon, C. Thomas Howell, Diane Lane, Rob Lowe, Ralph Macchio und Patrick Swayze; Featurette “Stay Gold”: Ein Blick zurück auf THE OUTSIDERS; S.E. Hinton am Drehort in Tulsa; Das Casting der “Outsiders”; NBC’s News Today von 1983, ‚The Outsiders‘ Started by School Petition; Sieben Teammitglieder (Lowe, Swayze, Howell, Dillon, Macchio, Garret and Lane) lesen Auszüge aus dem Roman; Geschnittene und erweiterte Szenen; Kinotrailer von 1983

Länge: 91 (Kinofassung)/115 Minuten (The complete Novel)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Studiocanal über „Best of Cinema“

Moviepilot über „The Outsiders“

Metacritic über „The Outsiders“

Rotten Tomatoes über „The Outsiders“

Wikipedia über „The Outsiders“ (deutsch, englisch)

Homepage von S. E. Hinton

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now: The Final Cut“ (USA 1979/2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „The Outsiders: The complete Novel“ (The Outsiders, USA 1983/2005)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

 


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