Der Komponist Fred Ballinger und sein Freund, der Drehbuchautor Mick Boyle, verbringen den Sommer in der Schweiz in einem edlen Wellness-Tempel. Die beiden alten Herren genießen die Ereignislosigkeit. Sie blicken wehmütig auf ihre früheren Jahre zurück und beobachten, milde desinteressiert, die anderen Hotelgäste. Ab und an wird Ballinger, – weil es doch nicht vollkommen ohne Story geht -, von einem Gesandten der Queen gefragt, ob er sein bekanntestes Stück für eine Feier dirigieren möchte. Ballinger lehnt diese Unterbrechung seines Ruhestandes zunächst ab.
In „Ewige Jugend“ gibt es noch nicht einmal die Scheinaktivitäten von Sorrentinos früheren Filmen. Handlungstechnisch passiert nichts. Visuell passiert nichts. Das hat, gerade wegen der Altersweisheit der Charaktere, durchaus seinen kontemplativ entspannenden Reiz. Wenn man in der richtigen Stimmung ist.
Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die 55-minütige Doku „Sir Michael Caine: Vom Arbeiterkind zum Hollywoodstar“ (Deutschland 2021).
mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano, Jane Fonda, Mark Kozelek, Robert Seethaler, Alex Macqueen
Ex-Boxer Bubi Kantmeier wird auf offener Straße erschossen. Der Boxer arbeitete für den Restaurantbesitzer Guido Tessari. Und weil Kommissar Schimanski mit Guido befreundet ist, ist der Fall für den Ruhrpottkommissar eine persönliche Angelegenheit. Vor allem nachdem Guido andeutet, dass er Probleme mit Schutzgelderpressern hat und Bubis Tod vielleicht eine Warnung war.
Das dürfte einer der ersten Krimis sein, in denen die Mafia im Ruhrpott agiert.
Aus der Erinnerung: ein guter Schimanski.
mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Ulrich Matschoss, Wilfried Blasberg, Guido Gagliardi. Cornelia Glogger, Pietro Giardini
Los Angeles, 1973: der von sich überzeugte 15-jährige Schüler Gary, der gleichzeitig Nachwuchsschauspieler und Jungunternehmer ist, verliebt sich während der üblichen Klassenfotos in die zehn Jahre ältere Assistentin des Fotografen. Alana lässt ihn abblitzen. Zunächst.
TV-Premiere – Die Uhrzeit ist eine Frechheit. „Licorice Pizza“ ist kein nur für eine kleine Minderheit interessanter Arthaus-Film. Andersons Komödie ist ein von der Kritik frenetisch gefeiertes Zeitporträt, das laut IMDb 61 Preise erhielt und für fast 200 Preise nominiert wurde, unter anderem mehrere Oscars, Golden Globes, BAFTAs und Critics Choice Awards . “Licorice Pizza” ist nicht Paul Thomas Andersons bester Film, aber er ist absolut sehenswert.
Die Klapperschlange (Escape from New York, USA 1981)
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, Nick Castle
USA, 1997: Manhattan wurde zum Gefängnis umfunktioniert, in dem Verbrecher den Ton angeben. Durch einen dummen Zufall muss das Flugzeug des US-Präsidenten in Manhattan notlanden. Da hat der Polizeichef eine geniale Idee: Er bietet dem rauhbeinigen Knacki Snake Plissken die Freiheit an, wenn er den US-Präsidenten lebendig aus Manhattan herausholt. Zur Motivationsförderung lässt er Plissken zwei Sprengkapseln implantiert.
Ein schön zynischer, dystpischer SF-Klassiker und ein John-Carpenter-Klassiker.
„einer der spannendsten Filme der letzten Jahre, sorgfältig inszeniert, wenn auch recht gewalttätig.“ (Fischer Film Almanach 1982)
mit Kurt Russell, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton, Adrienne Barbeau, Tom Atkins
Bei einem Provinzturnier treffen sich die Jugendfreunde und Tennisprofis Patrick Zweig (Josh O’Connor) und Art Donaldson (Mike Faist) zufällig wieder. Art ist inzwischen mit Tashi (Zendaya), die auch seine Managerin ist, verheiratet. Vor dreizehn Jahren verliebten sie sich in den aufstrebenden und von allen umschwärmten Tennisstar.
TV-Premiere. Hemmungsloser Flirt mit und zwischen Trash und Pulp. Ein Vergnügen!
Die siebzehnjährige Ivy (Bella Ramsey) ist zum ersten Mal im Children Run Free Camp für krebskranke Jugendliche. Sie wurde von ihren Eltern gezwungen, vier Wochen des Sommers dort und nicht schlecht gelaunt in ihrem Zimmer zu verbringen. Entsprechend gründlich versucht sie möglichst alles zu sabotieren mit der Absicht, möglichst schnell nach Hause geschickt zu werden. Wenn ihr das nicht gelingt, will sie eine möglichst schlechte Zeit in dem Sommercamp verbringen.
Einige der anderen Sommercamper waren schon öfter dabei. Und wenn sie nächstes Jahr nicht wieder dabei sind, sind sie gestorben. Die Chance dafür ist ziemlich hoch. Denn sie alle haben Krebs. Sie werden in Krankenhäusern Tage, Wochen und Monate behandelt. Der Tod und Gespräche über das Sterben gehören zu ihrem Alltag.
George Jaques erzählt in seinem Film „Sunny Dancer“ von Ivys Erlebnissen in dem Camp, das sich in großen Teilen nicht von einem anderen Sommercamp unterscheidet. Die Erzieher sind seltsam. Die von ihnen initiierten Beschäftigungen nervig. Die Köchin und die Pillen reichende Krankenschwester sind, nun, Erwachsene.
Die anderen Jugendlichen sind, nachdem Ivy sie kennengelernt hat, wirklich okay. Denn sie alle haben Krebs, sind immer wieder geschwächt von ihrer Krankheit und sie müssen sich aufgrund ihrer Krankheit viel mehr mit dem Tod beschäftigen als andere Gleichaltrige. Und sie sind im ‚Chemo-Camp‘ (Ivy über das Camp) über eine längere Zeit mit Gleichaltrigen zusammen, die die gleichen Probleme haben. Endlich einmal sind sie nicht die Außenseiter, sondern sie können, ohne die besorgten Eltern, als Teenager Teenager-Dinge tun. Das ist auch der Grund, weshalb einige immer wieder kommen. Bis sie zu alt werden.
„Sunny Dancer“ ist ein Feelgood-Movie für Jugendliche mit dem Herz am richtigen Fleck. Da verzeiht man die vorhersehbare Geschichte, die eigentlich eine Zusammenstellung von Episoden und Impressionen aus einem Ferienlager ist, und die brave Inszenierung.
Es beginnt harmlos: Ein Mann steigt aus der übervollen U-Bahn. Er telefoniert dabei mit seiner Freundin, erfährt von ihr, dass er Vater wird, bekommt einen Asthma-Anfall und geht zum nächsten Ausgang. Dummerweise ist die Station in Tokio riesig und der telefonierende Mann etwas unaufmerksam. Irgendwann glaubt er, dass er sich verlaufen hat. Aber, kein Problem, jede U-Bahnstation ist mit Schildern gepflastert, die zum Ausgang führen. Als er zum wiederholten Mal an den exakt gleichen Schildern und Plakaten vorbeigeht und wieder ein zunächst stummer, später schreiender Mann ihm entgegenkommt, dämmert ihm, dass er sich nicht verlaufen hat, sondern in – ja, wo eigentlich? – ist. Einem Alptraum? Einer Parallelwelt? Einem schlechten Scherz? Einem Sketch für „Verstehen Sie Spaß?“; falls es so eine Sendung in Japan gibt. Jedenfalls beginnt er nach Zeichen und einem Ausweg zu sehen.
Dank eines Schildes begreift er, dass die Welt, in der er sich gerade befindet, nach auf den ersten Blick sehr einfachen, eigentlich nur einer Regel funktioniert: Kehre um, wenn du eine Anomalie entdeckst; gehe weiter, wenn es keine Anomalie gibt. Aber was ist eine Anomalie?
Dieses erste Kapitel, in dem der verirrte Mann immer wieder durch den gleichen Gang geht und er einigen wenigen anderen Menschen begegnet, die, ihn ignorierend, an ihm vorbeilaufen, ist das längste Kapitel von Genki Kawamuras „Exit 8“. Das Kapitel dauert fast den halben Film und es ist enorm spannend. Denn schnell suchen auch wir nach Anomalien, nach Veränderungen, wie den wechselnden Zahlen auf Schildern, und Auswegen aus diesem Gang, aus dem es scheinbar kein entkommen gibt.
Die späteren Erklärungen erklären einiges und werfen neue Fragen auf. Das gilt vor allem für die Nebenfiguren des Spiels. Denn „Exit 8“ ist die Verfilmung des gleichnamigen erfolgreichen Computerspiels von Kotake Create. Für den Protagonisten, den verirrten Mann, steht am Ende des Horrorfilms die Antwort auf eine Frage, die er am Anfang nicht benatworten wollte. Aber ob er wirklich den titelgebenden Exit 8 gefunden hat, bleibt in diesem Film, der wie eine Endlosschleife konstruiert ist und sich anscheinend alles wiederholt, unklar.
Bis dahin begeistert der wunderschön durchkomponierte, auf mehreren Ebenen funktionierend, gleichzeitig in sich geschlossene und für verschiedene Interpretationen offene Horrorfilm in seinem Minimalismus. Eigentlich spielt der gesamte Film nur in einem Gang, der immer wieder durchschritten wird und der scheinbar kein Ende hat, obwohl er sich alle paar Meter wieder wiederholt. Kawamura inszeniert das in langen Takes, die über die reale Länge des Gangs bei den Dreharbeiten hinwegtäuschen. Mit der heutigen Technik und den monoton gekachelten U-Bahn-Gängen können unsichtbare Schnitte leichter getarnt werden und aus fünf Metern werden endlos viele Meter.
Genki Kawamura schrieb den Bestseller „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ (2012), produzierte die Filme „Suzume“, „Miral“, „Belle“ und „Die Unschuld“ mit und verfilmte seinen Roman „A hundred Flowers“ (2022), sein Spielfilmdebüt. „Exit 8“ ist sein zweiter Spielfilm. Seine Premiere hatte er 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes in der Sektion „Midnight Screenings“.
Exit 8 (8番出口, Transkription: Hachi-Ban Deguchi, Japan 2025)
Der talentierte Mr. Ripley (The talented Mr. Ripley, USA 1999)
Regie: Anthony Minghella
Drehbuch: Anthony Minghella
LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)
Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.
Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.
Der Film war unter anderem für den Edgar Alan Poe Award nominiert.
Mit Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Philip Baker Hall, Lisa Eichhorn
Ein Horrorfilm, ein Neo-Noir und jetzt ein Dinosaurierfilm. Wo ist da, abgesehen von dem Namen des Regisseurs, der gemeinsame Nenner? Alle verraten ein großes Filmwissen. „It Follows“ über einen tödlichen Fluch, der durch Sex weitergegeben wird, gefiel den Horrorfans und den Kritikern. „Under the Silver Lake“ kam beim Kinostart nicht so gut an. Inzwischen wird dieser Zitatfreudige, aus der Zeit gefallene in Los Angeles spielende, sich in der dortigen Kultur suhlende Neo-Noir positiver beurteilt. Sein neuester Film „The End of Oak Street“ ist ein sich etwas seltsam zwischen die Stühle setzender Vorstadt-Dinosaurier-Film. Was wäre, wenn der Jurassic Park nicht auf einer einsamen Insel sondern eines Morgens im Vorgarten einer typischen US-Vorstadt wäre? Und was wäre, wenn eine typische US-amerikanische Kleinfamilie plötzlich gegen Dinosaurier im Vorgarten kämpfen müsste?
David Robert Mitchell, der wie bei seinen vorherigen Filmen auch dieses Mal das Drehbuch schrieb, hält sich nicht mit Erklärungen auf, wie es zu der Zeitreise der Familie Platt, bestehend aus der Hausfrau Denise Platt (Anne Hathaway), ihrem liebevollem Mann Greg (Ewan McGregor) und ihren netten Kinder Brian (Christian Convery) und seiner ältere Schwester Audrey (Maisy Stella), kommt. In der Nacht gibt es plötzlich ein sehr helles Licht. Am nächsten Tag ist die lauschige Vorort ein vom Rest der heutigen Welt abgetrenntes Gebiet mit tropischen Temperaturen und Dinosauriern, aber ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Dieses „Twilight Zone“-Gefühl gibt Mitchell dann schnell zugunsten eines bunten, actionlastigen Siebziger/Achtziger-Jahre-Fantasy-Familienfilms auf. Obwohl der Film 1982 spielt, wirkt er mit den Frisuren und Kleidern seiner Hauptfiguren, der Inneneinrichtung, den kleinen Fernsehern, Denises Polaroid-Kamera und der Abwesenheit von allem, was irgendwie mit Computern und den Achtzigern zu tun hat, wie ein in den Siebzigern spielender Film. In jedem Fall ist es eine Zeit, die heute als gute alte Zeit, in der die US-Gesellschaft noch eine harmonische Gemeinschaft war, verklärt wird.
Mitchell nahm sich für seinen neue Film „The End of Oak Street“ als offensichtliches Vorbild in den siebziger und achtziger Jahren entstandene Fantasy-Filme für die ganze Familie. Auch wenn es bei ihm ab und an etwas drastischer und expliziter zugeht. Er zeigt, wie ein Dinosaurier einem Menschen ein Bein abbeißt. Oder wie zwei Dinosaurier sich einträchtig an ein Haus gelehnt paaren. Das ist ein Moment der Stille, bevor die Menschen wieder schreiend vor Dinosauriern weglaufen.
Die Platts laufen kreuz und quer durch die Oak Street und die anderen Straßen und Abkürzungen in ihrer halb im Wald liegenden Vorstadt. Sie suchen ihren Hund Starbuck und ein Portal, das sie wieder in die Gegenwart zurückbringen soll. Bis auf ein kürzlich mit ihrer Familie in die Nachbarschaft gezogenes Mädchen, treffen sie kaum andere Menschen. Bei der Zeitreise des Ortes in die Vergangenheit scheinen fast alle Nachbarn im Nirgendwo verschwunden zu sein. Die anderen Nachbarn werden sofort zu Dino-Futter oder werfen nur einen kurzen Blick auf die Straße. Letztendlich ist die Oak Street nach der Zeitreise ein seltsam menschenleerer und entsprechend ruhiger Ort.
Sowieso sollte man nicht zu sehr über die doch sehr vorhersehbare und einfache Geschichte von „The End of Oak Street“ nachdenken. Mitchell liefert weitgehend anspruchslose familienfreundliche Unterhaltung im Retro-Design mit Spielberg-Touch.
Wer einfach knappe hundert Minuten zusehen möchte, wie eine vierköpfige Familie mit kleinen Problemen beim Zusammenleben und einem Hund, gegen Dinosaurier kämpft, und die Geschichte nicht zu sehr auf Erklärungen und politische Implikationen abklopft, wird sich gut unterhalten fühlen.
The End of Oak Street (The End of Oak Street, USA 2026)
Regie: David Robert Mitchell
Drehbuch: David Robert Mitchell
mit Anne Hathaway, Ewan McGregor, Christian Convery, Maisy Stella, P. J. Byrne, Chris Coy, Jordan Alexa Davis
Niederkaltenkirchen, ein Dorf in Niederbayern, mit einer verdächtig hohen Mordrate. Jetzt hat es den Steckerlfischkönig erwischt. Splitterfasernackt liegt er im Bad des örtlichen und selbstverständlich sehr noblen Golfclubs. Weil es sich eindeutig um Mord handelt und der Steckerlfischkönig Paulus (Christian Tramitz) viele Feinde hatte, muss Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), der unbestechliche Dorfpolizist mit der hundertprozentigen Aufklärungsrate, ran. Sofort sehr verdächtig ist die Großfamilie Dottinger. Die miteinander verfeindeten Familien Dottinger und Paulus betreiben seit Ewigkeiten auf Volksfesten Fischbuden. In den vergangenen Tagen eskalierte der Konflikt zwischen den Konkurrenten auf einem Volksfest so sehr, dass Franz Eberhofer öfter zur Hilfe gerufen wurde.
Noch bevor Eberhofer einen Blick auf die Leiche werfen kann, mischt sich sein Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) in die Ermittlungen ein. Weil er gerade einen Selbstversuch im konsumfreien Leben durchführt, taucht er vollkommen ungepflegt und stinkend auf. Eberhofers Frau, die Susi (Lisa Maria Potthoff), würde sich über mehr Hilfe von ihrem Gatten im Bürgermeisterwahlkampf freuen. Und ihr inzwischen schon zehnjähriger Sohn Paul (Pelle Küffner – Mensch, wachsen die Kinder schnell!), probt gerade für eine Tanzaufführung. Eberhofers Bruder und Vater leben weiter auf dem Hof. Die Oma wird kurzzeitig für eine Kur in ein Altenheim befördert und Eberhofers Kumpels haben sich als Werbemaßnahme T-Shirts drucken gelassen. Die neuen Hemden präsentieren sie auf dem Golfplatz, an ihrem Handicap arbeitend.
Ihr merkt: seit dem vorherigen Eberhofer-Film „Rehragout-Rendezvous“ hat sich in Niederkaltenkirchen viel und gleichzeitig wenig verändert. Auch hinter der Kamera ist Kontinuität angesagt. So ist das Drehbuch wieder von Stefan Betz und Ed Herzog ist wieder der Regisseur. Das ist ein eingespieltes Team, das zuverlässig im Jahresturnus (auch wenn es zuletzt eine längere Pause gab) eine neue Krimi-Komödie abliefert. Der Kriminalfall ist dabei die Beigabe für den vergnüglichen Rest, der weitgehend von den bekannten Figuren bestritten wird. Auch wenn es zu viele Witze über Birkenbergers fürchterlichen Geruch gibt, einiges zu vorhersehbar ist und einige potentielle Witze ignoriert werden.
Auch im „Steckerlfischfiasko“ markieren der Mord und die Aufklärung des Falles nur die Punkte, wann der Film beginnt und endet. Dazwischen werden einige Filmminuten für die Ermittlungen verwendet, während die Aufmerksamkeit der Macher vor allem den verschiedenen Nebengeschichten und Begegnungen mit den aus den vorherigen Filmen bekannten Figuren gilt. Die Fans bemerken die kleinen Veränderungen. Die Gaststars fügen sich spielfreudig ein.
Am Ende unterscheidet sich das „Steckerlfischfiasko“ kaum von den vorherigen neun Eberhofer-Krimis. Das erwartet auch, wie bei der neuen CD der „Rolling Stones“ (sie waren wieder im Studio), niemand. Die Fans wollen das Gleiche noch einmal, nur etwas anders. Das gut eingespielte Team Eberhofer liefert.
Steckerlfischfiasko(Deutschland 2026)
Regie: Ed Herzog
Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog
LV: Rita Falk: Steckerlfischfiasko, 2023
mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Eisi Gulp, Enzi Fuchs, Gerhard Wittmann, Pelle Küffner, Lara Mandoki, Ruby O. Fee, Niklas Marian Müller, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Thomas Kügel, Sigi Zimmerschied, Ferdinand Hofer, Günther Michael Ostrowski, Milan Peschel, Eli Wasserscheid, Petra Berndt, Peter Mitterrutzer, Castro Dokyi Affum, Christian Tramitz
Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)
Regie: Ben Stiller
Drehbuch: Steven Conrad
LV: James Thurber: The Secret Life of Walter Mitty, 1939 (Walter Mittys Geheimleben, Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The New Yorker“)
Walter Mitty arbeitet im Fotoarchiv des „Life Magazine“ und in seiner Fantasie erlebt er die tollsten Abenteuer. Sein Leben ändert sich, als auf dem Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins ein von dem wagemutigem Fotografen Sean O’Connell gemachtes Bild erscheinen soll. Denn dummerweise findet Mitty das Negativ nicht. Also macht er sich auf den Weg. Er sucht O’Connell und erlebt dabei die erstaunlichsten Abenteuer.
Wunderschöne, gelungen zwischen Fantasie und Realität wechselnde Komödie über Träume und ihre Erfüllung. Von James Thurbers klassischer Kurzgeschichte wurde nur die Grundidee übernommen.
Kommissar Lutz sucht einen Serientäter, der im Stuttgarter Villenviertel Rothaarige erdrosselt. Als Julia Pfandler erdrosselt wird, glaubt Lutz, dass ihr Ehemann Dr. Konrad Pfandler (Curd Jürgens), ein hochintelligenter Versicherungsmathematiker, seine ihn betrügende Frau tötete und auch die anderen Morde begangen hat, um so von seiner Tat abzulenken.
Curd Jürgens, der heute immer noch (und vor allem?) als Bösewicht aus dem James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ bekannt ist, spielt auch hier einen Bösewicht mit guten Manieren.
„Rot – rot – tot“ ist ein spannender „Tatort“, der sich, wie damals üblich, auf den Fall, den Täter (der oft bekannt war) und das Motiv konzentriert, während das Privatleben des Kommissars privat bleibt. Dafür gibt es ein schönes Psychoduell zwischen Kommissar und Täter.
„Ehemann tötet Ehefrau aus Eifersucht – das ist die simple Quintessenz der Geschichte, und gerade auf der Grundlage dieser Banalität entfaltet sich die dramaturgische Raffinesse, die diesen ‚Tatort‘, ebenfalls kein Whodunit, (…) sehenswert macht.“ (Hans Krah: Sex & Crime, in Eike Wenzel, Herausgeber: Ermittlungen in Sachen ‚Tatort‘, 2000)
Ach ja, wenn heute mal wieder von „Tatort“-Zuschauerrekorden gesprochen wird. Bei der Erstausstrahlung sahen 26,57 Millionen Zuschauer „Rot – rot – tot“.
mit Werner Schumacher, Frank Strecker, Curd Jürgens, Renate Schroeter, Christian Berkel (eine seiner ersten Filmrollen)
USA, achtziger Jahre: die achtzehnjährige Maren reist auf der Suche nach ihrer vor Jahren verschwundenen Mutter quer durch die US-amerikanische Provinz. Begleitet wird sie auf ihrer Reise von Lee. Er ist wie sie ein Eater, also ein Mensch, der hungrig auf Menschenfleisch ist.
Düsterer Hybrid aus Horror-, Liebes- und Roadmovie.
LV: Georges Bayle: Du Raisin dans le Gas-Oil, 1954
Nach einem tödlichen Verkehrsunfall wird LKW-Fahrer Jean Chape von Gangstern verfolgt.
Selten gezeigter, dialogarmer Noir mit zahlreichen atmosphärischen Aufnahmen französischer Landstraßen und den Wohnungen der kleinen Leute. Grangier lässt seinen Figuren, besonders Jean Gabin, viel Zeit, sich in ihrem Umfeld zu präsentieren. Dabei geht die reine Krimihandlung immer wieder etwas verloren, was auch daran liegt, dass Chape nicht weiß, warum die Verbrecher ihn bedrohen und er in erster Linie nur sein ruhiges Leben weiterführen will.
Arte zeigt warhscheinlich, wie bei früheren Ausstrahlungen, die Originalversion. In ihr sind die beim deutschen Kinostart gekürzten Teile untertitelt.
Mit Jean Gabin, Jeanne Moreau, Marcel Bozzuffi, Roger Hanin
Molly’s Game – Alles auf eine Karte(Molly’s Game, USA 2017)
Regie: Aaron Sorkin
Drehbuch: Aaron Sorkin
LV: Molly Bloom: Molly’s Game: The True Story of the 26-Year-Old Woman Behind the Most Exclusive, High-Stakes Underground Poker Game in the World, 2014 (Molly’s Game)
In seinem Regiedebüt erzählt der grandiose Drehbuchautor Aaron Sorkins („The Social Network“, „Steve Jobs“, „The West Wing“) die Geschichte von Molly Bloom. Sie organisierte illegale Pokerspiele mit und für vermögende Spieler, die mit entsprechend hohen Einsätzen spielten. Das füllt ihr Bankkonto, führt zu Kontakten mit der Mafia und Problemen mit dem FBI.
Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Tele 5 ein Frühwerk von Aaron Sorkin. Zusammen mit Scott Frank schrieb er das Drehbuch für den Thriller „Malice – Eine Intrige“ (USA 19939
mit Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner, Michael Cera, Jeremy Strong, Chris O’Dowd, Bill Camp, Brian d’Arcy James, Graham Greene
Geronimo – Eine Legende(Geronimo: An American Legend, USA 1993)
Regie: Walter Hill
Drehbuch: John Milius, Larry Gross
Ein junger West-Point-Absolvent erzählt, wie er die Jagd auf Geronimo erlebte. Der Indianerhäuptling kämpfte mehrere Jahre gegen die US-Armee, bevor er sich 1886 kampflos ergab.
Postmoderner Spät-Western. „Die Geschichte des letzten Indianeraufstands als elegisches Dokudrama: ohne übergroße Helden, ohne mythische Überzeichnung in Bild und Stil. Indianer und Soldaten agieren wie Gezeichnete, die bei allem, was sie tun und wofür sie kämpfen, nur verlieren. (…) Sie ahnen, dass ihre Zeit abgelaufen ist, und wissen, dass sie dennoch nicht aufgeben dürfen.“ (Norbert Grob: Geronimo, in Bernd Kiefer/Norbert Grob: Filmgenres: Western, 2003)
mit Jason Patric, Robert Duvall, Gene Hackman, Wes Studi, Matt Damon
Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kamera: Chris Menges
Musik: Hans Zimmer
Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.
Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (Deutschland 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)
Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart
Das titelgebende Huhn ist ein echtes Huhn; also genaugenommen acht verschiedene Hennen, die verschiedene besondere Fähigkeiten hatten und sich während der Dreharbeiten die Arbeit teilten. Die in György Pálfis Film vorkommenden Menschen haben nur Nebenrollen und die Tiere sorgten, so Pálfi, „für eine ruhige und fröhliche Drehatmosphäre für das gesamte Team“.
Das titelgebende, namenlose schwarze Huhn wird in Griechenland in einer Hühnerfarm geboren und, weil die Henne nicht ihr vorherbestimmtes Schicksal akzeptiert, büxt sie aus. Sie erkundet die Welt, muss vor größeren Tieren, die sie als Nahrung betrachten, und Autos, die sie beim Überqueren einer Straße überfahren wollen, flüchten. Immer wieder, wenn ihr der Ort nicht gefällt oder die Situation potentiell lebensbedrohlich wird, haut sie ab. Erst in einem heruntergekommenem Restaurant mit Seeblick bleibt sie länger.
Die Erlebnisse des Huhns in diesem Restaurant bestimmen die zweite, deutlich schwächere Hälfte des Films. Aus einem spannenden und witzigem Road-Movie wird ein gewöhnliches Flüchtlingsdrama und ein ebenso gewöhnlicher Gangsterfilm. Der Wirt des Restaurants ist nämlich in kriminelle Machenschaften zwischen Drogen- und Menschenschmuggel verwickelt.
Diese Storyschwächen werden durch die Idee, ein Huhn als Protagonisten einer Geschichte zu wählen, den Mut, die Geschichte mit echten Tieren zu erzählen und dem guten Schnitt, der die erste Hälfte zu einem veritablem Action-Thriller macht, weitgehend wettgemacht.
Lebensansichten eines Huhns (Kota, Deutschland/Griechenland/Ungarn 2025)
Regie: György Pálfi
Drehbuch: György Pálfi, Zsófia Ruttkay
mit den Menschen Ioannis Kokiasmenos, Maria Diakopanagioti, Argyris Pantazaras, Eleni Apostolopoulou, Mahmod Bamerny, Antonis Tsiotsiopoulos, Antonis Kafetzopoulos
und den Hühnern Eszti, Szandi, Feri, Enci, Eti, Enikő, Nóra, Anett
Bayleen Bay ist eine typische US-amerikanische Kleinstadt. Brave Kinder, freundliche Nachbarn, saubere Straßen und gepflegte Vorgärten. Als eines Tages ein „Ice Cream Man“ auftaucht und aus seinem Wagen heraus Eis verteilt, ändert sich das radikal. Das Eis macht die Kinder, sobald sie eine bestimmte Melodie hören, zu mordgierigen, seelenlosen Zombies. Fortan bringen sie ihre Eltern und andere Erwachsene auf die denkbar gemeinsten Arten um. Und Regisseur Eli Roth zeigt das ausführlich, ziemlich detailliert und fast immer gut sichtbar im hellen Licht des Tages. Das ist, verglichen mit anderen Horrorfilmen, die so dunkel sind, das oft nur noch erahnbar ist, was zu sehen sein könnte, erfreulich.
…
Das war es dann so ziemlich mit den erfreulichen Dingen in einem überraschend zahmen und sich, trotz seiner kurzen Laufzeit von unter neunzig Minuten, länger anfühlendem Film. Denn „Ice Cream Man“ hat kein Thema und keine größere Zielgruppe. Sie beschränkt sich auf Eli-Roth-Fans und die Ich-sehe-mir-jeden-Film-an-wenn-das-Blut-spritzt-Splatter-Community. In anderen Splatterfilmen sind die Zielgruppe Teenager und Anfang-Zwanzigjährige, die sich auf der Leinwand sehen, und die, meistens, vor Sex vor der Ehe und dem Konsum von Drogen gewarnt werden. In „Ice Cream Man“ könnten es Kinder sein, die vor einem Rattenfänger gewarnt werden. Dafür spräche auch die Wahl der Hauptpersonen. Die Protagonisten sind einige Kinder, vor allem Jared (Charlie Zeltzer), der wegen seiner Laktoseintoleranz kein Eis aß, seine ältere Schwester Lizzie (Sarah Abbott) und ihr etwas dümmlicher Ex-Freund Chris (Dylan Hawco). Die Erwachsenen sind nur austauschbares Schlachtfutter ohne irgendeinen Hauch von Individualität.
Die Kinder hatten wahrscheinlich auch viel Spaß bei den Dreharbeiten. Aber sie dürfen den Film nicht sehen, weil die Altersfreigaben durchgehend deutlich höher sind. In Deutschland ist die Splatter-Komödie FSK-18. Alle Über-12-Jährigen haben kein direktes Identifikationsangbot. Sie wissen, dass sie von Fremden kein kostenloses Eis annehmen sollen. Sie interessieren sich für Sex & Drugs & Rock’n’Roll.
Für eine Horror-Comedy gibt es nicht genug Lacher. Außer man lacht konstant bei den Morden und den vorher erfolgenden Verletzungen, von denen einige im Trailer gezeigt werden. In die steckte Eli Roth eine beträchtliche Fantasie, die er besser in ein gescheites Drehbuch gesteckt hätte.
Neben der Idee, dass Kinder durch Eis zu mordenden Zombies werden, hat er mit dem Eisverkäufer, genaugenommen Eisverschenker (Ari Millen, grandios ohne eine Dialogzeile) und dem Eiswagen einen erinnerungswürdige Bösewicht und ein ebenso erinnerungswürdiges und bedrohliches Gefährt.
Aber ohne ein alles zusammenhaltendes Thema ist „Ice Cream Man“ nur, wenn die Kinder auf dem Schulhof mit den Innereien der Lehrer spielen oder Erwachsene gerade möglichst abstrus töten, eine Abfolge von schön drapierten Horror-Tableaus, ein Best-of der aus Horror- und Splatterfilmen bekannten und angedeuteten Mordmethoden, eine ausdehnte Sammlung von Filmzitaten und viel Leerlauf.
Ice Cream Man (Ice Cream Man, Kanada 2026)
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth, Noah Belson
mit Ari Millen, Benjamin Byron Davis, Eli Roth, Karen Cliche, Dylan Hawco, Sarah Abbott, Shiloh O’Reilly, Kiori Mirza Waldman, Charlie Zeltzer, Charlie Storey
Abgelegen von jeder Zivilisation liegt das schon vor Ewigkeiten der Natur überlassene Elternhaus von Saga. Objektiv ist das in Finnland im Wald liegende Haus eine Ruine. Der Wald wirkt eher sumpfig-bedrohlich als freundlich-beschützend. Trotzdem ziehen Saga und ihr Mann Jon dort ein. Hier und nicht in London wollen die Finnin und der Brite eine Familie gründen. Sie richten das Holzhaus wohnlich her und bekommen einen Sohn. Aber Saga verhält sich nach der Geburt seltsam. Ihr Kind ebenso.
Ihr Sohn ist ungewöhnlich behaart. Viel mehr sehen wir von ihm nicht. Sein Gesicht sehen wir erst am Ende. Er beißt Saga. Er fügt ihr Quetschungen zu. Es ist, als ob sie ein Monster an ihrer Brust ernähre. Ist er vielleicht ein Troll? Ihr Mann und auch alle anderen Menschen halten Sagas Kind dagegen für ein ganz normales, süßes Baby.
Hannah Bergholms Quasi-Ein-Personenstück „Nightborn“ changiert arg vorhersehbar und unglücklich zwischen Folk-Horror und einer Studie über eine Depression nach der Geburt eines Kindes. Denn Bergholm will sich nicht entscheiden, ob sie eine traditionelle Horrorgeschichte oder die Geschichte einer postpartalen Depression erzählt. Trotz der Kürze ist die sich so entwickelnde Beziehungsgeschichte eine ziemlich zähe Angelegenheit, garniert mit viel Blut und Flüssigkeiten.
Danach erschient „Lamb“ in einem deutlich milderem Licht.
Nightborn (Yön lapsi, Finnland/Litauen/Frankreich/Großbritannien 2026)
Regie: Hanna Bergholm
Drehbuch: Ilja Rautsi, Hanna Bergholm
mit Seidi Haarla, Rupert Grint, Pamela Tola, Pirkko Saisio, Rebecca Lacey, John Thomson