Neu im Kino/Filmkritik: Über die 2026er Version von „Masters of the Universe“

Juni 3, 2026

Zuerst war das Spielzeug da. Dann wurde im Haus Mattel überlegt, wie man den Verkauf weiter ankurbeln könne. Comics und eine Zeichentrickfilmserie hatte man schon. Jemand schlug einen Spielfilm vor. Gesagt, getan. 1987 kam „Masters of the Universe“ in die Kinos. Der Film erzählt die Geschichte von He-Man (Dolph Lundgren, spärlichst bekleidet) und seinem Kampf gegen Skeletor (Frank Langella; unter der Maske nicht erkennbar). Der Kampf findet auf ihrem Heimatplaneten Eternia und der Erde statt. Vor allem auf der Erde in einem Diner, einer Schulaula und unbeleuchteten Gassen; – also kostengünstigen Drehorten.

Trotzdem soll der durchgängig wie ein billiges B-Picture aussehende Fantasy-Film 20 Millionen US-Dollar gekostet haben. Wer das jetzt angesichts aktueller Budgets für gar nicht so hoch hält, sollte einen Blick auf die Budgets einiger fast zeitgleich entstandener Kinohits werfen. Der dritte „Krieg der Sterne“-Film „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (1983) soll zwischen 32 und 42 Millionen US-Dollar gekostet haben. „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) und „Conan der Barbar“ (1982) sollen jeweils 20 Millionen US-Dollar gekostet haben. „Platoon“, 1987 mit dem Oscar als bester Film des Jahres ausgezeichnet, kostete 6 Millionen US-Dollar.

In allen diesen Filmen ist das ausgegebene Geld auf der Leinwand sichtbar. Nicht so in „Masters of the Universe“, der eher wie die Restverwertung eines italienischen Sandalenfilms aus den sechziger Jahren wirkt, den man mit vielen in der Gegenwart spielenden Szenen auf Spielfilmlänge streckte. Gary Goddards Film war ein allumfassender Flop, der in den vergangenen Jahren einen gewissen Kultstatus erhielt. Und wenn man ihn damals als Teenager im Kino oder im eigenen Zimmer gesehen hat, war man wohl empfänglicher für diesen Fantasy-Film, den man mit den Mattel-Figuren nachspielen konnte. Vor allem wenn man Arnold Schwarzenegger als „Conan der Barbar“ noch nicht sehen durfte.

Pläne für einen neuen „Masters of the Universe“-Kinofilm gab es schon länger. Als Regisseure waren in den vergangenen zwei Jahrzehnten John Woo, Jon M. Chu, Rian Johnson, Andrés Muschietti, Chris Sanders, Phil Lord/Christopher Miller, David S. Goyer und Aaron Nee/Adam Nee (die jetzt zu den vier genannten Drehbuchautoren gehören) im Gespräch. Drehbuchautoren schrieben mehr oder weniger detaillierte Entwürfe und selbstverständlich wurden über die Jahre verschiedene Schauspieler genannt, die die Hauptrolle spielen sollten.

Am Ende übernahm „Bumblebee“-Regisseur Travis Knight die Regie. Weil er den guten „Transformers“-Film inszenierte, könnte ihm auch diese Spielzeug-Verfilmung gelingen. Dass sein Film schlechter als der 1987er Film werden könnte, war fast ausgeschlossen. Nicholas Galitzine (zuletzt in „Glennkill“ als Journalist Elliot Matthews) spielt den teils spärlich bekleideten, edlen Helden. Wieder muss er gegen Skeletor kämpfen.

Was damals in einem Totaldesaster endete, ist jetzt eine ziemlich erfreuliche, zu lang geratene, selbstironische, überaus bunte und farbenprächtige Liebeserklärung an alte Fantasy-Filme. Den Ton setzt Travis Knight schon in den ersten Minuten, wenn Prinz Adam von seinem Leben auf seinem Heimatplaneten Eternia erzählt, wie er zum Kämpfer ausgebildet werden sollte, kläglich versagte, Skeletor (Jared Leto) sie überfiel, seine Familie und Freunde ermordete, er in letzter Sekunde mit einem magischen Schwert durch ein Portal auf die Erde geschickt wurde, dort in einem See landete und das Schwert verlor. Das erzählt Adam in einem Diner einer Verabredung, die danach fluchtartig die Gaststätte verlässt. Mit diesem Irren will sie nicht länger als nötig zusammen sein.

Kurz darauf, fünfzehn Jahre nach seiner Landung in dem See, findet er das Schwert in einem Merchandise-Geschäft. In dem Geschäft macht er sich, als er das magische Schwert in seinen Besitz bringen will, zum Vollhorst. Mit dem Schwert, das ihm offensichtlich keine magischen Kräfte verleiht, flüchtet er aus dem Geschäft. Wenige Minuten später wird er auf auf der Straße von einem Monster angegriffen. Teela (Camila Mendes), seine Liebe aus Kindheitstagen in Eternia, taucht plötzlich auf und rettet ihn. Kurz darauf sind sie zurück in Eternia. Dort muss er gegen den mächtigen Bösewicht Skeletor kämpfen. Der möchte das Schwert haben und so allmächtig werden.

Knight und seine Drehbuchautoren Chris Butler, Aaron Nee, Adam Nee und Dave Callaham zitieren lustvoll die bekannten Fantasy-Klischee und B-Picture-Klischees, brechen sie und ziehen alle Figuren durch den Kakao. Da lacht der Bösewicht sein teuflisches Lachen deutlich über die Peinlichkeitsschwelle. Seine Untertanen schauen sich betreten an. Er erklärt ihnen, dass die Szene eigentlich während seines teuflischen Lachens abbrechen sollte. Später erklärt er, dass er der Bösewicht des Films sei, er böses tue und dass das als Motivation vollkommen ausreiche.

Musikalisch unterlegt wird dies mit gut abgehangenem Hardrock, der perfekt in die Fantasy-Welt des Films passt. Die Songs sind auch immer wieder gut für einen spektakulären Auftritt, der dann in sich zusammenfällt. Und bei den für den Film von Daniel Pemberton geschriebenen Stücken ertönt öfter eine von „Queen“-Gitarrist Brian May gespielte Gitarre.

Die Spezialeffekt haben genau das richtige Maß an Schlechtigkeit um zu überzeugen. Sie sind gut, aber nie so gut, dass sie eine perfekte Illusion erzeugen.

Die Story – eigentlich sind es eine Coming-of-Age-Story und der Kampf des Helden gegen den Bösewicht – variiert gekonnt die bekannten Elemente. Dabei werden Männer durchgängig als ziemliche Waschlappen und Trottel gezeichnet. Sie überschätzen sich. Sie verhalten sich unvernünftig. Sie reagieren komplett falsch auf bestimmte Situationen. Sie interessieren sich mehr für die Pose als für das Ausfüllen dieser Pose. Und das sorgt immer wieder für Lacher.

Die Frauen neben Prinz Adam und Skeletor sind dagegen eher die treibenden und im Hintergrund agierenden Kräfte, die die Männer in die richtige Richtung – auch wenn es bei Skeletor die falsche Richtung ist – schieben. Dabei bleiben sie immer, den seit Ewigkeiten etablierten Regeln des Genres gehorchend, gut aussehende Nebenfiguren. Wobei Adam wenn er zu vom von allen herumgestoßenem sanftem und etwas trotteligem Nerd zum muskelbepacktem blonden Krieger He-Man wird, auch sehr ansehnlich ist.

Masters of the Universe“ ist das filmische Äquivalent zu einer Nostalgia-Band, die, nach jahrelanger Trennung auf einer Reunion-Tour, mit viel Energie und Selbstironie die alten Hits noch einmal spielt, während alle im Saal in Erinnerungen baden. Die Zeiten, als sie ihre Eltern mit bestimmten LP-Covers und satanischen Beschwörungen schockieren konnten, sind vorbei. Jetzt sind sie Eltern, teils Großeltern.

Aber wenn das so gut präsentiert wird, wie jetzt in „Masters of the Universe“ kann diese Nostalgieveranstaltung ein großer Kassenhit werden. Im Abspann teasern die Macher in mehreren Mid- und einer Post-Credit-Szene mögliche weitere Filme an.

Dann gerne in unter zwei Stunden. Denn so ein Film sollte nicht über 140 Minuten dauern.

Masters of the Universe (Masters of the Universe, USA 2026)

Regie: Travis Knight

Drehbuch: Chris Butler, Aaron Nee, Adam Nee, Dave Callaham (nach einer Geschichte von Aaron Nee, Adam Nee, Alex Litvak und Michael Finch; basierend auf „Masters of the Universe” von Mattel)

mit (teilweise nur die Stimme im Original) Nicholas Galitzine, Camila Mendes, Alison Brie, James Purefoy, Morena Baccarin, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Charlotte Riley, Sasheer Zamata, Jon Xue Zhang, Christian Vunipola, Kristen Wiig, Jared Leto, Idris Elba, Artie Wilkinson Hunt, Eire Farrell, Dolph Lundgren

Länge: 142 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Kinostart: 4. Juni 2026

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Masters of the Universe“

Metacritic über „Masters of the Universe“

Rotten Tomateos über „Masters of the Universe“

Wikipedia über „Masters of the Universe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Travis Knights „Bumblebee“ (Bumblebee, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Die abgedrehte Science-Fiction-Apokalypse „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

März 13, 2026

Ein x-beliebiger Diner in Los Angeles an einem x-beliebigen Abend mit einer ebenso x-beliebigen Kundschaft. So sieht es auf den ersten Blick aus. Bis ein seltsam kostümierter Mann auftaucht, der von seiner Kleidung, seinem Aussehen und seinem Habitus ein Obachloser ist. In einer großen Rede behauptet er, er sei aus der Zukunft, er und einige auserwählte Diner-Gäste könnten eine in wenigen Stunden anstehende Katastrophe verhindertn. Falls sie ihn freiwillig begleiten und diese Nacht überleben. Auch das ist, wie jeder Großstadt-Bewohner und -Besucher weiß, nicht ungewöhnlich.

Ungewöhnlich ist dann, dass dieser Mann, nennen wir ihn den Mann aus der Zukunft, wirklich aus der Zukunft kommt und er wirklich eine die Welt vernichtende Katastrophe verhindern will. Zögernd erklären sich einige Diner-Gäste bereit, ihm zu helfen. Gemeinsam macht sich diese Gruppe höchst seltsamer Weltretter auf den Weg. Auch der Mann aus der Zukunft hält sie für eine sehr ungewöhnliche Gruppe. Auf den ersten Blick hat sie keine Chance, die Welt zu retten. Aber der Zeitreisende hat schon 116 erfolglose Versuche hinter sich. Immer mit anders zusammengestellten Gruppen von Diner-Gästen, die er irgendwann einmal für erfolgversprechender hielt. Also versucht er es mit diesen Nobodys – und viel mehr soll nicht über Gore Verbinskis neuesten Film „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ verraten werden.

Es handelt sich um den abgedrehtesten Science-Fiction-Film seit Ewigkeiten. Die Story verbreitet ein kräftiges „12 Monkeys“-Gefühl. Schließlich geht es auch in Verbinskis Film um eine Zeitreise, ein offensichtlicher Nobody (gespielt von Sam Rockwell) soll die Welt retten und die Mission ist ziemlich aussichtslos. Verbinski erzählt dies äußerst humorvoll, sarkastisch, pointiert und kurzweilig. Während die Mission immer mehr aus dem Ruder läuft, aber auch erfolgreicher als viele frühere Versuchte ist, erzählt Verbinski in gut platzierten Rückblenden, wer die Begleiter des Zeitreisenden sind und warum sie ihn begleiten. In den Momenten gibt es auch etwas Medien- und Gesellschaftskritik. Die heutige, oft erschreckend gedankenlose Nutzung von Handys, Computern, Virtual Reality und Künstlicher Intelligenz wird kritisiert. Satirisch übertrieben wird auf die Gefahren der Technik hingewiesen. Es gibt Klone von toten Kindern und einen erschreckend legeren Umgang mit den Folgen von Schulmassakern. Denn wenn man nach einer Schulschießerei einen Klon von seinem Sohn bestellen kann, ist so ein gewaltsamer Tod nicht mehr so schmerzhaft. Außerdem kann man den Klon-Sohn nach seinen Vorstellungen erschaffen.

In den Rückblenden nehmen Regisseur Verbinski und Drehbuchautor Matthew Robinson sich die aktuellen Schlagzeilen und die Gesellschaft bewegenden Themen vor, während der Zeitreisende und seine Weltretter sich durch das nächtliche Los Angeles auf dem Weg zum Ziel ihrer Mission schlagen. Dabei begegnen sie immer absurderen und lebensgefährlicheren Gefahren.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ ist ein Volltreffer als schwarzhumorige Science-Fiction-Satire. Die Gesellschaftskritik ist sicher nicht besonders subtil, aber treffend. Und das Ende ist…stark.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die (Good Luck, Have Fun, Don’t Die, USA/Deutschland 2025)

Regie: Gore Verbinski

Drehbuch: Matthew Robinson

mit Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Michael Peña, Zazie Beetz, Asim Chaudhry, Tom Taylor, Georgia Goodman, Daniel Barnett, Artie Wilkinson-Hunt, Riccardo Drayton

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Moviepilot über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Metacritic über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Rotten Tomatoes über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Wikipedia über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gore Verbinskis „The Lone Ranger“ (The Lone Ranger, USA 2013)

Meine Besprechung von Gore Verbinskis „A Cure for Wellness“ (A Cure for Wellness, USA/Deutschland 2016)