TV-Tipp für den 30. November: Mogadischu

November 30, 2008

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ARD, 20.15

Mogadischu (D 2008, R.: Roland Suso Richter)

Drehbuch: Maurice Philip Remy

Buch zum Film: Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der Landshut, 2008

Nach Heinrich Breloers hochgelobtem Zweiteiler „Todesspiel“ (auch schon über zehn Jahre alt) über den Deutschen Herbst 1977, diversen Dokumentationen (zum Beispiel letztes Jahr ein Zweiteiler) über die RAF, dem noch im Kino laufendem „Baader Meinhof Komplex“ mutet „Mogadischu“ etwas akademisch an. Denn die Fakten sind bekannt. Am 13. Oktober 1977 entführt ein palästinensisches Kommando die Lufthansa-Maschine Landshut. Nach einem mehrtätigen Irrflug landet das Flugzeug in Mogadischu und die GSG 9 beendet die Geiselnahme.

Neue Erkenntnisse, wie die Beteiligung des KGB an der Entführung und was Lufthansa-Pilot Jürgen Schumann machte, als er nach einer Notlandung in Aden zwanzig Minuten verschwand, ändern nichts an dem großen Bild.

Aber Autor Remy und Regisseur Richter verarbeiteten diese Geschichte, nach den bisherigen euphorischen Kritiken, jetzt zu einem die damaligen Ereignisse konzentriert nacherzählendem TV-Spielfilm, der auch im Kino überzeugt hätte.

„Es ist ein ernsthafter Versuch der Annäherung (an die Wahrheit, A. d. V.). Wir bemühen uns, mit Verantwortung an ein Thema heranzugehen. Die Menschen, die das erlebt haben, sollen nicht davor sitzen und sagen: Was machen die denn da? Was erzählen die da?“ (Remy in der FAZ)

Das gleichnamige „Begleitbuch zum Film ‚Mogadischu’“ von Timo Kortner nimmt eine seltsame Zwischenstellung zwischen einem traditionellem Buch zum Film, also einer höchstens sparsam erweiterten Romanfassung des Drehbuchs, und einem Sachbuch über die Entführung ein. Denn Kortner führt relativ ausführlich in das gesellschaftliche Klima während der Schleyer-Entführung ein und er fügt immer wieder erklärende Passagen ein. Dabei gibt es im Buch und im Film eine Verschiebung der Perspektive von den Tätern zu den Opfern. Der Tatsachenroman „Mogadischu“ erzählt von Menschen in einer Ausnahmesituation und wie sie versuchen, diese zu überleben. Die Entführer bleiben dagegen, bis auf den durchgeknallten Captain Martyr Mahmud, blass. Und die Ideologie der Terroristen wird höchstens in einem Nebensatz gestreift; – was sie als Bösewichter noch bedrohlicher macht.

Kortners „Mogadischu“ ist ein packendes Drama, das auch eine gehörige Portion historisches Wissen vermittelt. Ein feines Buch.

Nach dem Film wird bei „Anne Will“ mit Zeitzeugen über die Entführung gesprochen und um 22.45 Uhr gibt es „Mogadischu – Die Dokumentation“ von Maurice Philip Remy.

Mit Nadja Uhl, Thomas Kretschmann, Christian Berkel, Said Tagmaqoui, Herbert Knaup, Simon Verhoeven, Jürgen Tarrach

Hinweise

ARD zum Film

FAZ: Interview mit Maurice Philip Remy über “Mogadischu” (24. November 2008)

FAZ (Michael Hahnfeld), Die Welt (Eckhard Fuhr), Spiegel Online (Christian Buß), Süddeutsche Zeitung (Christopher Keil), taz (René Martens), Die Zeit (Margit Gerste) über den Film „Mogadischu“


Das Buch zum Film

Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der ‚Landshut’

Knaur, 2008

272 Seiten

9,95 Euro

Nachtrag: Ich kann den Zeitungskritiken zustimmen: Der Film ist absolut sehenswert. Für meinen Geschmack hätte die Wackelkamera etwas dezenter sein können. Die Diskussion bei „Anne Will“ war gewohnt ziellos. Die Dokumentation war dann wieder gut. Weil sie wie der Film von teamWorx produziert wurde, dürfte sie auf der demnächst erscheinenden DVD sein.


KrimiWelt-Bestenliste Dezember 2008

November 29, 2008

Mit sechs neuen Büchern gibt es auf der KrimiWelt-Bestenliste für den Dezember einiges zu entdecken:

1 (-) John le Carré: Marionetten

2 (2) Jean-François Vilar: Die Verschwundenen

3 (3) Jerome Charyn: Citizen Sidel

4 (-) Jo Nesbø: Der Schneemann

5 (-) José María Guelbenzu: Stört den Mörder nicht

6 (-) Ian Rankin: Ein Rest von Schuld

7 (10) Fred Vargas/Baudoin: Das Zeichen des Widders

8 (-) Kate Atkinson: Lebenslügen

9 (8) Bernhard Jaumann: Die Augen der Medusa

10 (-) George Pelecanos: Der Totengarten

Draußen sind unter anderem Allan Guthries „Post Mortem“ (schade, Besprechung kommende Woche), Norbert Horsts „Sterbezeit“ (nicht schade; – aber nachdem seine vorherigen Bücher, so meine Erinnerung, alle länger in der Liste waren, war das jetzt ein sehr kurzes Gastspiel) und Richard Starks „Fragen Sie den Papagei“ war ja lange genug drin. Von den Neueinstiegen kenne ich John le Carrés „Marionetten“ (nach einer langen Durststrecke endlich wieder ein lesenswerter le Carré; auch wenn die Geschichte ziemlich vorhersehbar ist), Ian Rankins „Ein Rest von Schuld“ (die grandiose Abschiedsvorstellung von Rebus; – jedenfalls vorläufig) und George Pelecanos’ „Der Totengarten“ (den ich, wie Rankin, bereits auf der November-Liste erwartet hatte).

In Klammer ist immer die Platzierung des Vormonats.


TV-Tipp für den 29. November: Der lange Michael-Ballhaus-Abend

November 29, 2008

„Das Adventsfest der Volksmusik“, „Das Supertalent – Das große Finale“, „Die große TV total Stock Car Crash Challenge“, „Gala-Konzert zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung“ – kommt den wirklich nichts Gescheites um 20.15 Uhr? Oh, hier:

BR, 20.15

Die Ehe der Maria Braun (D 1978, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Peter Märtesheimer, Pea Fröhlich (nach einer Idee von Rainer Werner Fassbinder)

Fassbinder-Klassiker über das Leben einer Frau von den Kriegsjahren bis zum 4. Juli 1954.

Mit Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Ivan Desny, Gottfried John, Gisela Uhlen, Günter Lamprecht, Elisabeth Trissenar, Volker Spengler, Karl-Heinz von Hassel, Michael Ballhaus, Hark Bohm, Günther Kaufmann, Bruce Low, Rainer Werner Fassbinder, Claus Holm

BR, 22.15

Michael Ballhaus – Eine Reise durch mein Leben (D 2008, R.: Vera Tschechowa)

Drehbuch: Vera Tschechowa

Doku über den deutschen Kameramann, der auch in Hollywood sehr begehrt ist. Der Bayerische Rundfunk widmete dem 73-jährigen diesen Abend mit einer feinen Filmauswahl aus seinem Werk.

BR, 23.15

Die fabelhaften Baker Boys (USA 1989, R.: Steve Kloves)

Drehbuch: Steve Kloves

Ähem, das ist der Film mit Michelle Pfeiffer, singend, auf dem Piano. Jazzpianist Dave Grusin schrieb die Musik.

Mit Jeff Bridges, Beau Bridges, Michelle Pfeiffer, Jennifer Tilly, Xander Berkely, Gregory Itzin, Albert Hall

BR, 01.00

Die bitteren Tränen der Petra von Kant (D 1972, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder (nach seinem Theaterstück)

Und noch ein Fassbinder-Klassiker

Mit Hanna Schygulla, Margit Carstensen, Irm Hermann, Eva Mattes

Hinweise

BR zum Abend (erster Film, Doku, zweiter Film, dritter Film – und ein aktuelles Interview)

Vierundzwanzig: Interview mit Michael Ballhaus (November 2008 – vor allem über „Martha“)

Michael Ballhaus: Das ist mein Amerika (Tagesspiegel, 2. November 2008)

Cinemascope: Porträt/Interview mit Michael Ballhaus (26. April 2008)

Planet Interview: Interview mit Michael Ballhaus (Februar 2007)

Wikipedia über Michael Ballhaus (deutsch)


Kommissar Kirchenbergs enttäuschender vierter Auftritt

November 28, 2008

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Kann man einen Krimi schrieben, ohne den Täter zu präsentieren?

Ja, natürlich.

Kann man dafür gute Kritiken erhalten?

Ja, auch.

Aber nicht von mir. Denn für mich ist „Sterbezeit“ von Norbert Horst ein Roman, der den unsichtbaren Vertrag zwischen Erzähler und Publikum verneint. Dieser Vertrag besagt, dass der Erzähler am Ende eine Lösung für die von ihm eingangs aufgeworfene Frage liefert. Bei einem Krimi ist die Frage meistens „Wer ist der Täter?“ und am Ende wird der Täter überführt.

Schon in dem Polizeiroman „Blutskizzen“ strapazierte Horst diesen Vertrag, weil der Täter zwar ermittelt, aber entkommen konnte. In „Sterbezeit“, geht Horst auf diesem Weg noch einen Schritt weiter. Denn der Täter wird nicht mehr ermittelt, sondern am Ende hat Kommissar Konstantin Kirchenberg eine Vermutung, wer der Täter in einem alten Mordfall ist und wie sich die Tat abgespielt haben könnte.

Dieser zentrale Fall von „Sterbezeit“ beginnt mit dem Fund von zwei säuberlich abgetrennten, skelettierten Händen im Keller eines Mietshauses. Erst nachdem die Polizei eine neue wissenschaftliche Methode anwendet, können der Zeitpunkt der Tat und damit auch die zu befragenden Mieter genauer eingrenzt werden. Kirchenberg beginnt, mit einem neuen Kollegen, die ehemaligen Mieter zu befragen und die Vermisstenanzeigen durchzuforsten.

Dieser Mordfall wird mit dem Tod eines Drogensüchtigen und einer alten, kranken Frau, einem Fall von Drogenkonsum in der Verwandtschaft und Kirchenbergs Liebesgeschichte zu Ayse mühsam auf knappe dreihundert Seiten gestreckt.

Keiner dieser Subplots ist sonderlich interessant. Im Gegenteil. Die beiden privaten Plots bewegen sich auf dem Niveau einer Daily-Soap. Die drei Todesfälle sind letztendlich auch nicht viel besser. Doch während der Tod des Junkies und der alten Frau ohne große Mühe irgendwo in der Mitte des Buches aufgeklärt werden, gibt es bei dem Hauptfall keine Lösung.

Das ist, nachdem Horst in „Sterbezeit“ seinen vorherigen Roman mit keinem Wort erwähnt, nicht der Beginn eines zweiteiligen Romans (wie es Donn Cortez mit den „CSI: Miami“-Romanen „Mörderisches Fest“ und „Todsicheres Alibi“ tat), sondern einfach Verrat am Publikum. Denn das eingangs von dem Autor aufgeworfene Rätsel wird nicht gelöst. Er löst ein gegebenes Versprechen nicht ein, sondern beendet das Buch einfach indem er seinen Ich-Erzähler vage eine Vermutung äußern lässt, wer der Täter sei. Dieser Verstoß gegen die Genrekonventionen (und die Konventionen des Erzählens von Geschichten) könnte funktionieren, wenn Norbert Horst innerhalb der Geschichte ein anderes Thema präsentiert hätte, das er zu einem befriedigenden Schluss führen würde. Doch das tut er nicht. Deshalb ist „Sterbezeit“, genau wie ein Agatha-Christie-Roman bei dem die letzten Seiten fehlen, Zeitverschwendung.

Norbert Horst: Sterbezeit

Goldmann, 2008

288 Seiten

7,95 Euro

Hinweise

Homepage von Norbert Horst

Meine Besprechung von Norbert Horsts „Blutskizzen“

Nachtrag

Nachdem es in anderen Blogs eine Diskussion über diesen Text (vor allem meine Verwendung des Wortes „Vertrag“ gab), habe ich hier meine anderen Kritikpunkte gepostet.


TV-Tipp für den 28. November: Phoenix – Blutige Stadt

November 28, 2008

3sat, 23.10

Phoenix – Blutige Stadt (USA 1997, R.: Danny Cannon)

Drehbuch: Eddie Richey

In Phönix, Arizona, hat der spielsüchtiger Cop Harry Collins eine Pechsträhne. Zusammen mit seinen korrupten Kollegen will er einen Kredithai ausrauben. Natürlich geht die Sache in diesem noirischen Cop-Drama schief.

Ein feines Genrestück: gut gespielt, schick fotografiert, mit teilweise etwas durchhängender Story – und hier nur lieblos als DVD auf den Markt geworfen.

Graeme Revell schrieb die Musik.

Mit Ray Liotta, Anthony LaPaglia, Anjelica Huston, Daniel Baldwin, Jeremy Piven, Tom Noonan, Xander Berkeley, Giancarlo Esposito, Brittany Murphy, Giovanni Ribisi

Wiederholung: Samstag, 29. November, 03.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

3sat über „Phoenix – Blutige Stadt“

Wikipedia über “Phoenix”


Bouchercon 2008: Ein Gespräch mit Lawrence Block

November 27, 2008

Während der diesjährigen Bouchercon unterhielt Hard-Case-Crime-Herausgeber Charles Ardai sich mit seinem Lieblingsautor Lawrence Block. Das einstündige Gespräch ist jetzt auch in guter Qualität bei YouTube vorhanden:

Unbedingt ansehen!


Neu im Kino: Death Race

November 27, 2008

Death Race (Death Race, USA 2008)

Regie: Paul W. S. Anderson

Drehbuch: Paul W. S. Anderson

Weniger ein Film für die Freunde des gesitteten Kriminalfilms, sondern ein Film für die Freunde röhrender Motoren: 2012 findet in einem Knast ein Autorennen auf Leben (für wenige) und Tod (für den Rest) statt.

Uh, und für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Andersons Film ist ein sehr, sehr freies Remake von dem inzwischen zum Kult avanciertem „Death Race 2000“ (USA 1975, Frankensteins Todesrennen, Herrscher der Straße) von Paul Bartel mit David Carradine und Sylvester Stallone. Roger Corman produzierte den Film und die deutsche Kritik war entzückt: „entartet er zum widerwärtigen Nervenkitzel“ (Filmdienst) oder „Action-Orgie der Gehirnzwerge von Übermorgen“ (Münchner Abendzeitung).

Mit Jason Statham, Tyrese Gibson, Ian McShane, Joan Allen, Natalie Martinez, Max Ryan, Ed O’Neill (ungenannter Auftritt als Fabrikarbeiter)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Death Race“

Rotten Tomatoes: Jason Statham über seine Lieblingsfilme und „Transporter 3“


TV-Tipp für den 27. November: Killer stellen sich nicht vor

November 27, 2008

ARD, 01.05

Killer stellen sich nicht vor (F 1980, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank

LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)

Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Spieler Gerfaut bringt einen von ihnen schwer verletzt in ein Krankenhaus und sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.

Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.

Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.

Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette

Manchette-Seite des Distel-Literaturverlages

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Europolar: Elfriede Müller über Jean-Patrick Manchette

James Sallis über Jean-Patrick Manchette



Eisige Stunden mit US-Marshal Carrie Stetko

November 26, 2008

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Greg Rucka – – – ist in den USA bereits seit über zehn Jahren ein in der Krimi- und Comicszene bekannter Name. In Deutschland dauerte es, obwohl der große Druchbruch immer noch nicht gekommen ist, etwas länger. Denn seine Romane mit dem Bodyguard Atticus Kodiak wurden bislang nicht übersetzt. Die von Rucka geschriebenen, von Steve Lieber gezeichneten Comics „Whiteout“ und „Whiteout: Melt“, das einen Eisner Award erhielt, erschienen erst gute zehn Jahre nach ihrem Erscheinen in den USA in Deutschland. Die zwei auf dem gleichnamigem Spiel basierenden „Perfect Dark“-Romanen erschienen in der Heyne Science-Fiction-Reihe und sind nur noch antiquarisch erhältlich. Die später entstandene Comicserie „Queen & Country“ mit der britischen Agentin Tara Chace wurde fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlicht. Aber der erste Tara-Chace-Roman „Dschihad“ (A Gentleman’s Game, 2004) wurde schon breiter wahrgenommen. Und wenn die lange angekündigte Verfilmung von „Whiteout“ von Dominic Sena mit Kate Beckinsale in der Hauptrolle am 11. September 2009 in den USA (nach einigem Hin und Her ist das der derzeit aktuelle Starttermin) und, sicher, kurz darauf in Deutschland startet, wird Greg Rucka endlich auch beim breiten Publikum bekannt werden.

Beckinsale spielt den in die Antarktis versetzten toughen US-Marshal Carrie Stetko. In dem Comic „Whiteout“ muss sie wenige Tage bevor die Stationen auf den Winterbetrieb umschalten und fast alle Beschäftigen die Antarktis verlassen, den Mord an einem Amerikaner aufklären. Schnell gibt es weitere Morde und der Mörder versucht Stetko zu töten.

Während „Whiteout“ ein Whodunit ist, der vor allem in den verschiedenen Polarstationen spielt, geht es in dem zweiten Abenteuer mit Carrie Stetko „Whiteout: Melt“ in die arktische Weite. Eine Gruppe russischer Ex-Elitesoldaten klaut aus einer russischen Station mehrere Atomwaffen. Dabei töten sie die dort stationierten Polarforscher. Stetko wird von ihrer Regierung zurück in das Eis geschickt. Sie soll die Atomwaffen finden und so die Verhandlungsposition der USA gegenüber Russland stärken. Denn nach dem Antarktisvertrag sind dort Atomwaffen verboten. Zusammen mit dem russischen Ermittler Kapitän Alexander Iwanowitsch Kuchin verfolgt sie die Söldner durch das Eis.

Wie Greg Rucka in dem in „Whiteout: Melt“ abgedrucktem Interview mit Jochen Ecke sagt, habe er sich nach einigen Romanen mit Atticus Kodiak bewusst dafür entschieden, auch Comics zu schreiben, weil die verschiedenen Medien wie Comic, Roman und Film ihre spezifischen Stärken hätten und mit Steve Lieber habe er den Partner gefunden, der die Stetko-Geschichten kongenial in sparsame Schwarz-Weiß-Zeichnungen, was vor dem Manga-Boom sehr ungewöhnlich war, übertrug.

In den beiden Hardboiled-Geschichten „Whiteout“ und „Whiteout: Melt“ ergänzen die Zeichnungen und den Text in mehr als nur einer Beziehung. Neben der Geschichte verhandeln die Beiden immer auch weitere Themen, wie das Leben einer Frau in einer reinen Männergesellschaft, und sie geben ein Gefühl für die eisige Landschaft.

Derzeit arbeiten Greg Rucka und Steve Lieber nach einer fast zehnjährigen Pause an einem dritten Carrie-Stetko-Abenteuer: „Whiteout: Night“.

Ein dickes Lob verdient „Crosscult“ für die liebevolle Ausstattung der beiden Bände. Im ersten Band gibt es eine Covergalerie und ein aktuelles Nachwort von Steve Lieber. Im zweiten Band ausführliche Interviews mit Greg Rucka und Steve Lieber, ein kurzes Porträt von Greg Rucka und ein Vorwort von Brian Michael Bendis, einem bekannten Marvel-Comics-Autor: „wenn ein Comic so vielschichtig und oft gelobt wird wie dieser, ertappe ich mich immer wieder bei dem Wunsch, dass dies der Standard für Comics sein, nicht die Ausnahme. (…) Glückwunsch zu einer außergewöhnlichen Geschichte, die gut erzählt ist, Greg und Steve.“

Yeah.


Greg Rucka/Steve Lieber: Whiteout

(übersetzt von Stefan Pannor)

Cross Cult, 2007

128 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Whiteout

Oni Press, 1999 (die Einzelhefte erschienen 1998)

Greg Rucka/Steve Lieber: Whiteout: Melt

(übersetzt von Stefan Pannor)

Cross Cult, 2008

128 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Whiteout: Melt

Oni Press, 2000 (die Einzelhefte erschienen 1999/2000)

Hinweise

Homepage von Greg Rucka

YouTube: PressPass-Inteview mit Greg Rucka (Oktober 2008)

CrossCult über “Whiteout” und “Whiteout: Melt” (jeweils mit Leseprobe)

Crimespree Cinema über die Verfilmung “Whiteout”


TV-Tipp für den 26. November: Der zerrissene Vorhang

November 26, 2008

SWR, 23.00

Der zerrissene Vorhang (USA 1966, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)

Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.

In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.

Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Das ist für zwei Stunden aber zu wenig.

Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.

Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack

Hinweise

Wikipedia über Brian Moore

Alfred Hitchcock redet mit Francois Truffaut über „Der zerrissene Vorhang“

Senses of Cinema über Alfred Hitchcock

Kriminalakte über Paul Newman


Cover der Woche

November 25, 2008

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TV-Tipp für den 25. November: Rette Deine Haut!

November 25, 2008

3sat, 04.35

Rette Deine Haut! (D 2001, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Einige befreundete Polizsten verschaffen ihren Frauen mit illegalen Einnahmen ein gutes Leben. Als sie eine Zeugin umbringen sollen, eskaliert die Situation.

Grandioser deutscher Cop-Thriller, der zuletzt 2003 gezeigt wurde. Also: Aufzeichnen!

Mit Gregor Törzs, Henriette Heinze, Jan Gregor Kremp, Katharina Böhm, Ken Duken

Hinweise

Wikipedia über „Rette Deine Haut!“

Die Welt: Rainer Tittelbach zur Erstauststrahlung von „Rette Deine Haut!“ (1. Oktober 2001)

Die Welt: Sascha Westphal über die Bedeutung von „Rette Deine Haut!“ auf „Nachtschicht“ und „KDD – Kriminaldauerdienst“ (18. Juni 2007)


Kleinkram: Interview mit „24“-Macher Howard Gordon, New York Times Magazine über Film, „Gran Torino“-Drehbuch (demnächst) online, Neue Jim-Thompson-Verfilmung geplant, Dick Adlers 2008er-Listen, Grafton und Burke sind die neuen MWA-Grandmaster

November 24, 2008

Pünktlich zum zweistündigen, wie immer hochkarätig besetzten TV-Spielfilm „24: Redemption“ gibt es im IFMagazine ein langes, informatives Interview mit Executive Producer Howard Gordon, einem der kreativen Köpfe bei „24“ und Drehbuchautor für das Prequel zu der im Januar in den USA startenden siebten „24“-Staffel:

It’s tricky doing 24 hours. If you don’t hit it exactly right, it’s not like any other show where you can write it off and say “that was just a mediocre episode,” it has such implications downstream, you have to be a lot ahead or just get really lucky.

Über Jack Bauer sagt Gordon:

Jack reboots every year, but I think the cumulative toll of all the things he’s lost and all the things he’s done, it’s a collective judgement. Obviously last year was a particularly cruel one for Jack in the media. Abu Ghraib, and the conceits into that conduct, have come home to roost on the show. So the show is viewed through a different lens now. So not only has Jack lost so much, but the world is a different place when the show first launched. It makes him a far more complex, darker character than when he first started.

Und im dritten Teil des Interviews redet er dann auch über die siebte Staffel, die in Washington, D. C. spielt und einen alten Bekannten als Bösewicht hat.

Die „New York Times Magazine“-Ausgabe über das Filmgeschäft ist draußen. Es gibt ein Interview mit David Lynch, Artikel über Sitcoms, Werbung in der Post-TV-Welt, über die überall flimmernden Bildschirme und zwölf Autoren, Regisseure und Blogger schreiben über die bewegensten Momente in der Welt der bewegten Bilder.

„Gran Torino“, das Drehbuch von Nick Schenk zu dem neuen Clint-Eastwood-Film gibt es demnächst hier. Der Film erzählt anscheinend von einem Koreakriegsveteranen, der einen Nachbarjungen, der seinen 1972er Gran Torino klauen wollte, bessern möchte. Der Trailer sieht dagegen nach Dirty Harry in der Vorstadt aus. Mit Clint Eastwood als Regisseur und Hauptdarsteller dürfte es trotzdem ein guter Film sein.

Crimespree Cinema meldet, dass Casey Affleck (zuletzt die Lehane-Verfilmung „Gone, Baby, Gone“) die Hauptrolle in der Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“ (Der Mörder in mir, 1952) spielt. Jessica Alba spielt auch mit. Robert Weinback und John Curran haben das Drehbuch geschrieben. Der Regisseur ist noch nicht bekannt, aber Michael Winterbottom ist im Gespräch. In wenigen Wochen soll der Dreh beginnen. Oh my Gore sagt, dass Andrew Dominik, Curran und Winterbottom die letzte Drehbuchfassung geschrieben hätten und dass auch Elias Koteas mitspielt. Aber auch Oh my Gore sagt nicht, ob der Film in den Fünfzigern spielt (unwahrscheinlich) oder die Geschichte in die Gegenwart (aus Budgetgründen wahrscheinlich) verlegt wurde.

„The Killer inside me“ ist eines von Jim Thompsons besten und wichtigsten Büchern. In ihm erzählt der nette Sheriff Lou Ford, wie er einige Menschen umbringt. Das war damals natürlich ziemlich schockierend. Ich bin jedenfalls skeptisch gespannt auf den Film.

Krimi-Kritiker Dick Adler hat nach seiner Liste der zehn besten Krimis des Jahres 2008 (unter anderem Michael Koryta: Envy the night, Tom Rob Smith: Child 44, Stieg Larssen: The Girl with the dragon tattoo, Sean Chercover: Trigger City, C. J. Box: Blue Heaven [Stumme Zeugen]) eine Liste der Bücher vorgelegt, die es fast auf die erste Liste geschafft hätten (unter anderem Edward Wright: Damnation Falls, Christa Faust: Money Shot [Hardcore Angel], Marcus Sakey: Good People, Deon Meyer: Devil’s Peak, Don Winslow: The Dawn Patrol).

Die Mystery Writers of America (MWA) haben die Grandmaster 2009 (weil die MWA auf ihrer Homepage die Meldung noch nicht online hat) bekannt gegeben. Richtig, „die“. Denn die Ehrung wird vergeben an

Sue Grafton (deren Privatdetektivin Kinsey Millhone buchstabiert das ABC durch. In ihrer Heimat ist sie bereits beim T; in Deutschland beim R und, wenn ich mich nicht verzählt habe, sind derzeit nur vier Romane erhältlich)

James Lee Burke (dessen Serienhelden Dave Robicheaux und Billy Bob Holland haben es mehr mit Louisiana (vor allem New Orleans und die nähere Umgebung), Texas und Montana (eher Gastspiele); auf Deutsch ist derzeit kein Buch von James Lee Burke erhältlich.)


TV-Tipp für den 24. November: Todsünde

November 24, 2008

ZDF, 20.15

Todsünde (D 2008, R.: Matti Geschonneck)

Drehbuch: Hannah Hollinger

LV: Friedrich Ani: Idylle der Hyänen, 2006

Kommissar Polonius Fischer und sein Team, die Sieben Apostel, suchen einen Frauenmörder.

Matti Geschonneck ist eigentlich ein Guter. Hanns Zischler dito. Also könnte die Ani-Verfilmung durchaus gelungen sein. Bei dem Buch hat mich der religiöse Schwurbel (ein Ex-Mönch, der Psalme rezitiert, über das Böse sinniert und bei der Polizei ist; ein Team, das sich die Sieben Apostel nennt) und die Ankündigung, dass Fischer sich nicht um die normalen Ermittlungsmethoden kümmere, abgestoßen.

Mit Hanns Zischler, Lisa Maria Potthoff, Matthias Brandt, Christoph Waltz, Sissy Höfferer

Hinweise

ZDF über „Todsünde“

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)


TV-Tipp für den 23. November: Miami Vice

November 23, 2008

RTL, 20.15

Miami Vice (USA 2006, R.: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Wiederholung: Montag, 24. November, 01.15 Uhr (Taggenau! – und wahrscheinlich ungekürzt, denn der Film ist FSK-16)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miami Vice“

Spielfilm.de: Interview mit Michael Mann zum Film

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch „Miami Vice“ von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der ersten Staffel von „Miami Vice“


Global Trends 2025 – Der Link zum Bericht

November 22, 2008

Ich versteh’s nicht. Da schreiben Spiegel Online und die Netzeitung über den neuen Bericht „Global Trends 2025 – A transformed World“ des US-amerikanischen National Intelligence Council und geben keinen Link zum Bericht an. Also, hier ist er.

Und hier einige Ergebnisse des Berichts, der amerikanischen Politikern bei ihren künftigen Entscheidungen helfen soll sind:

  • The whole international system—as constructed following WWII—will be revolutionized. Not only will new players—Brazil, Russia, India and China— have a seat at the international high table, they will bring new stakes and rules of the game.
  • The unprecedented transfer of wealth roughly from West to East now under way will continue for the foreseeable future.
  • Unprecedented economic growth, coupled with 1.5 billion more people, will put pressure on resources—particularly energy, food, and water—raising the specter of scarcities emerging as demand outstrips supply.
  • The potential for conflict will increase owing partly to political turbulence in parts of the greater Middle East.

TV-Tipp für den 22. November: Achternbuschs Bayern – zum 70. Geburtstag

November 22, 2008

Heute gibt es wieder einen Themenabend: “Achternbuschs Bayern – zum 70. Geburtstag“. Damit ehrt der Bayerische Rundfunk eines ihrer Urgesteine.

In der legendären Hanser-Filmreihe wird Achternbusch so vorgestellt: „Herbert Achternbusch, 1938 in München geboren, gehört nicht erst seit seinem Christus-Film Das Gespenst (1982), dem ersten Zensurfall des Neuen deutschen Films, zu den eigenwilligsten deutschen (bayerischen) Autorenfilmern. (…) Sein anarchisches, komisches, bajuwarisches und anstößiges Kino wurde zum dichtesten Zeugnis eines autobiographisch-poetischen Autorenfilms in Deutschland. Seine Vorbilder Groucho Marx, Karl Valentin, Jerry Lewis, John Ford und Yazujiro Ozu hat er, bis zur Kenntlichkeit einer eigenen kinematographischen Sprache, sich anverwandelt.“

Herzlichen Glückwunsch, Herbert Achternbusch!

Und Sie, liebe Zuschauer: Nehmen Sie die Filme auf! Sie laufen fast nie im Fernsehen.

BR, 21.45

Achternbusch (D 2008, R.: Andreas Niessner)

Drehbuch: Andreas Niessner

Spielfilmlange Doku über den Schriftsteller, Autorenfilmer und Maler Herbert Achternbusch.

Mit Herbert Achternbusch, Sepp Bierbichler, Margarethe von Trotta, Gabi Geist

BR, 23.15

Das Andechser Gefühl (D 1974, R.: Herbert Achternbusch)

Drehbuch: Herbert Achternbusch

Ein Jung-Lehrer, der seinen Beruf und die Welt hasst, tagträumt sich in eine Beziehung mit einer Schauspielerin – bis diese leibhaftig vor ihm steht.

Sein Debütfilm

„Herbert Achternbuschs Erstling hat seine Ecken und Kanten und wirkt wie ein unbehauener Stein, erhält aber gerade dadurch – und seine klobigen Holzschnittsätze – seine eigene Dimension, die eines mit groteskem, bitterem Humor durchsetzten bayrischen Moritatenstücks.“ (Zoom-Filmberater)

Mit Herbert Achternbusch, Margarethe von Trotta, Barbara Gass, Heinz Braun, Walter Sedlmayer, Reinhard Hauff

BR, 00.15

Servus Bayern (D 1977, R.: Herbert Achternbusch)

Drehbuch: Herbert Achternbusch

Ein Schriftsteller und Wilderer plant seine Flucht aus dem verhassten Bayern.

„’Servus Bayern’ ist auch Kritik am gängigen ‚sensiblen’ Dichterbild der Siebziger Jahre und einem aufs Neue, Interessante, ja Neurotische fixierten Kulturbetrieb.“ (Helmut Schödel in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte: Achternbusch – Hanser Reihe Film Band 32, 1984)

Mit Annamirl Bierbichler, Herbert Achternbusch, Sepp Bierbichler, Heinz Braun, Barbara Gass, Gerda Achternbusch

BR, 01.20

I Know the Way to the Hofbräuhaus (D 1991, R.: Herbert Achternbusch)

Drehbuch: Herbert Achternbusch

Hick trifft im Hofgarten auf etliche Typen, die ihm auf dem Weg zum Hofbräuhaus das letzte Geleit geben.

„Die wahren deutschen Komödien entstehen halt ohne ‚Manta’-Etats und nimmersatte TV-Stars im Fastfood-Look“ (Fischer Film Almanach 1992)

Mit Bettina Hauenschild, Barbara de Koy, Veronika von Quast, Herbert Achternbusch

Hinweise

BR über Herbert Achternbusch und den Abend

Wikipedia über Herbert Achternbusch

Tagesspiegel: Interview mit Herbert Achternbusch (Juni 2008)

Süddeutsche Zeitung zum 70. von Herbert Achternbusch

Die Welt: Hans-Günter Pflaum über Herbert Achternbusch (17. November 2008)

Weitere Filme von Herbert Achternbusch

ARD: Montag, 24. November, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Picasso in München (D/A 1997)

3sat, Dienstag, 25. November, 22.55 Uhr

Das letzte Loch (D 1981)


TV-Krimi-Buch-Tipps online

November 21, 2008

Ah, ich liebe die alten Buchcovers und Filmplakate, die Alfred immer für meine TV-Krimi-Buch-Tipps ausgräbt. Die neueste Folge für die Tage bis zum 6. Dezember gibt es hier:

In den kommenden beiden Wochen leistet James Bond nicht nur im Kino Überstunden und von Alfred Hitchcock gibt es auch (wieder) einige Werke zu bestaunen. Außerdem wird die „Heißer Verdacht“-Reihe fortgesetzt. Als TV-Premiere flimmert die Friedrich-Ani-Verfilmung „Todsünde“ (nach seinem Roman „Idylle der Hyänen) über den Bildschirm. Und Lars Beckers „Rette deine Haut!“ wird, wenn auch mitten in der Nacht, endlich wieder gezeigt. Nach Mitternacht läuft ebenfalls Robert Altmans Edward-Anderson-Verfilmung „Diebe wie wir“, Clint Eastwoods Andrew-Klavan-Verfilmung „Ein wahres Verbrechen“ und Karel Reisz Robert-Stone „Dreckige Hunde“ erleiden das gleiche Schicksal. Etwas früher gibt’s die von Edgar Wallace miterfundene Geschichte von „King Kong und die weiße Frau“.


One World Berlin – Die Eröffnung

November 21, 2008

„60 Jahre Erklärung der Menschenrechte“ ist ein Schwerpunkt des diesjährigen One World Berlin. Während der Eröffnung im vollen Arsenal wurden zwei Kurzfilme gezeigt, die während eines Wettbewerbs des Goethe-Instituts und der Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft entstanden. In „Ein menschliches Anliegen“ (D 2007, R.: Barbara Falkner) wird sehr konzentriert, verknappt und etwas experimentell nachgezeichnet, wie es nach dem zweiten Weltkrieg zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte kam. Mir hat der Film gerade wegen seiner Klarheit und Fokussiertheit gefallen. Dass er dabei gleichzeitig sehr didaktisch wurde und bei der Darstellung der Gegenpositionen zu den Menschenrechten (historisch korrekt) Stereotypen des Westens bediente, nahm ich dafür hin. Viele Zuschauer sahen das allerdings anders und es gab schnell eine lebhafte Diskussion; und damit ist auch ein Ziel erreicht. Es wurde darüber diskutiert, ob das in dem Film gezeigte Bild der Menschenrechte überhaupt stimmt. Ob nicht gezeigt werden müsste, wo die Menschenrechte noch nicht verwirklicht sind; wo die USA gegen die Menschenrechte damals und heute verstößt.

Weniger Diskussion gab es dagegen über „Gewahrsam“ (USA 2007, R.: Michael Masarof). Er erzählte die fiktive Geschichte eines pakistanischstämmigem Durchschnittsamerikaners, der eines Tages vom Geheimdienst als Terrorist verhaftet wird. Masarof sagte anschließend, er verstünde seinen Film (auch) als Warnsignal. Im Arsenal, immerhin wurden mehrere Deutsche von US-Geheimdienstlern entführt und nach jahrelanger Haft freigelassen, wurde „Gewahrsam“ als Beschreibung der Wirklichkeit wahrgenommen.

Nach dem offiziellen Teil unterhielt ich mich länger mit Ulrich Gregor (der auch einen einführenden Vortrag über das Verhältnis von Kino zu Menschenrechten hielt), seiner Frau, Michael Masarof und Bartosz Paduch. Dessen Kurzfilm „Ohne Visum“ wird am Sonntag, um 17.00 Uhr, im Arsenal gezeigt.


TV-Tipp für den 21. November: Projekt: Peacemaker

November 21, 2008

Pro 7, 20.15

Projekt: Peacemaker (USA 1997, R.: Mimi Leder)

Drehbuch: Michael Schiffer

LV: Leslie Cockburn, Andrew Cockburn: One Point Safe (Artikel)

US-Colonel Thomas Devoe und Nuklearspezialistin Dr. Julia Kelly suchen mehrere verschwundene russische Atomsprengköpfe. Einer davon gelangt in die Hände eines serbischen Terroristen, der die Bombe in New York zünden will.

Interessant ist an „Projekt: Peacemaker“ nicht die Geschichte, sondern die kleinen Verschiebungen und Brüche innerhalb eines Genrefilms. Denn nach dem Ende des Kalten Krieges existieren die alten Fronten und Regeln nicht mehr. Neue Regeln gibt es noch nicht. Das ausführlich geschilderte Motiv des Terroristen ist sehr nachvollziehbar. Er möchte seine Familie rächen.

„Projekt: Peacemaker“ versucht innerhalb einer Genregeschichte die neue Realität nach dem Ende des Kalten Krieges für die Geheimdienste und die internationale Politik zu fassen. Dabei ist der Film genauso unsicher wie die Geheimdienste. Der alte Gegner Kommunismus ist verschwunden. Ein neuer ist noch nicht gefunden. An dieser Schnittstelle erzählt „Projekt: Peacemaker“ seine Geschichte.

Mit George Clooney, Nicole Kidman, Armin Müller-Stahl, Alexander Baluyev

Wiederholung: Samstag, 22. November, 00.25 Uhr (Taggenau!)


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