TV-Tipp für den 1. Januar: Zoomania

Dezember 31, 2018

Sat.1, 20.15

Zoomania (Zootopia, USA 2016)

Regie: Byron Howard, Rich Moore, Jared Bush (Ko-Regisseur)

Drehbuch: Jared Bush, Phil Johnston, Dan Fogelman (zusätzliches Material) (Nach einer Geschichte von Byron Howard, Jared Bush, Rich Moore, Phil Johnston, Jennifer Lee, Josie Trinidad und Jim Reardon)

Als Jung-Polizistin und Karnickel Judy Hopps mit dem verbrecherischen Fuchs Nick Wilde (Hey, er ist ein Fuchs!) den spurlos verschwundenen Mr. Otterton sucht, entdecken sie ein riesiges, Zoomania bedrohendes Komplott.

Äußerst gelungener Disney-Film mit sympathischer Botschaft und unzähligen Anspielungen, die jüngere Zuschauer übersehen werden. Aber die sollten um diese Uhrzeit auch im Bett sein.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit vielen Tieren und vielen Sprechern

Wiederholung: Mittwoch, 2. Januar, 11.50 Uhr

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Zoomania“
Metacritic über „Zoomania“
Rotten Tomatoes über „Zoomania“
Wikipedia über „Zoomania“ (englisch)

Meine Besprechung von Byron Howard/Rich Moore/Jared Bushs „Zoomania“ (Zootopia, USA 2016)


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2018

3sat, 06.00

Pop around the Clock

Wie jedes Jahr: 3sat zeigt 24 Stunden Konzertmitschnitte, die normalerweise neu sind, erstmals gezeigt werden und danach nie wieder laufen. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass einer der in den vergangenen Jahre gezeigten Konzertmitschnitte wiederholt wurde.

Die Musiker und Bands sind normalerweise gut abgehangene, etablierte Größen. Heute spielen, unter anderem, Norah Jones (um 06.45 Uhr), Herbert Grönemeyer („Tumult“ um 16.00 Uhr), The Rolling Stones (um 18.00 Uhr, ein 2018 veröffentlichter Mitschnitt der 1999er „No Security“-Tour), Elton John (um 20.00 Uhr, so als Vorbereitung für das Elton-John-Biopic „Rocketman“) und Rammstein (um 22.45 Uhr, das Paris-Konzert lief, glaube ich, schon mal im TV.)

Hier das vollständige Programm und die Möglichkeit zum Musikgenuss.


Top oder Flop? Die Ratgeber „Krimis schreiben“ und „111 Tipps und Tricks, wie man einen verdammt guten Krimi schreibt“

Dezember 30, 2018

Die Sache mit dem Geniekult dürfte so langsam der Vergangenheit angehören. Sicher, es gibt Menschen, die auf alle Lehrer, Ratgeber und Fortbildungen verzichten können und grandiose Werke erschaffen. Es gibt noch mehr, die glauben, dass sie Genies sind, auf alle Lehrer, Ratgeber und Fortbildungen verzichten und einfach nur Mist bauen.

Für alle anderen, normalbegabten Menschen sind Ratgeber eine gute Hilfe. Solange sie solchen Ratschlägen mit der nötigen Distanz folgen.

Mit „Krimis schreiben – Wie Sie erfolgreiche Kriminalromane schreiben, überarbeiten und in einem Verlag oder als Selfpublisher veröffentlichen“ und „111 Tipps und Tricks, wie man einen verdammt guten Krimi schreibt“ sind jetzt zwei Schreibratgeber von deutschen Autoren erschienen, die sich vor allem mit dem Kriminalroman beschäftigen. Patrick Baumgärtel ist Gründer und Inhaber der Literaturagentur Schoneburg und organisiert den Krimimarathon Berlin-Brandenburg. Martin Schüller ist Krimiautor. Zu seinen zahlreichen Krimis gehören auch einige Romanfassungen von „Tatorten“. Profis sind beide. Auch wenn sie auf verschiedenen Seiten des Schreibtischs sitzen.

Baumgärtels Ratgeber „Krimis schreiben“ ist konventionell aufgebaut. Zuerst wird erklärt, was ein Krimi ist. Dann geht es durch den Schreibprozess: Plotting, Aufbau der der Geschichte, Figuren, Schauplätze, Erzählperspektiven und -zeiten, Sprache, Spannung erzeugen, überarbeiten und verkaufen des Werkes. Das beschreibt er nicht in langen Texten, sondern bevorzugt in kurzen Abschnitten und abhakbaren Regeln. Erfreulich ist bei Baumgärtels Ratgeber, dass er sich bei seinen Beispielen auf zeitgenössische, deutschsprachige Krimiautoren konzentriert.

Ein durchgehendes Problem des Buches ist allerdings, dass Baumgärtel seine Tipps und Regeln nicht begründet. So schreibt er, zum Beispiel: „Zusätzlich zu Protagonist, Antagonist und Opfer benötigen wir etwa acht namentlich genannte Nebenfiguren, die aus dem privaten Umfeld des Ermittlers, aus dem Ermittlerteams, Zeugen, Informanten (Verwandte und Bekannte des Opfers) und etwa drei oder vier Verdächtigen sowie deren Umfeld bestehen können.“ Er erklärt allerdings nicht, wie er zu dieser Zahl kommt. Dabei hätte die Erklärung ihn kaum Platz gekostet: viel mehr Figuren kann sich ein normaler Leser bei einem 200-Seiten-Krimi nicht merken und innerhalb eines Rätselkrimis sollte jeder Verdächtige genug Zeit haben, um ein glaubwürdiger Mordverdächtiger zu werden. Mit einigen falschen Fährten sind die zweihundert Seiten dann schnell gefüllt.

Am Ende des Buches hat man einen Haufen durchaus zutreffender und sinnvoller Regeln, deren Sinn man nicht versteht (jedenfalls, wenn man nur dieses Buch liest). Wenn man diese Regeln dann anwendet, ohne sie zu verstehen, entsteht kein guter Krimi, sondern ein typischer deutscher Krimi, in dem der Ermittler auch unbedingt ein privates Problem haben muss und alle so furchtbar skurrile Namen und Eigenschaften haben. Also irgendetwas zwischen „Soko“ und „Tatort“.

Schüllers „111 Tipps und Tricks, wie man einen verdammt guten Krimi schreibt“ erscheint, wie der Titel verrät, in der 111er-Reihe des Emons-Verlag. Sie begann mit Tipps, welche Sehenswürdigkeiten man in verschiedenen Städten besuchen muss und ist inzwischen bei „111 Whiskys, die man getrunken haben muss“ (die Fassbrause des Romanciers) angekommen. Der Aufbau der Bände ist immer gleich: auf jeder Doppelseite wird eine Sache vorgestellt. Links mit einer Seite Text. Rechts mit einem Foto. Bei Sehenswürdigkeiten und, ähem, Genussempfehlungen funktioniert das Format gut. Bei einem Ratgeber stößt es an naturgegebene Grenzen. Denn nicht jeder Tipp verdient die gleich lange Behandlung. Deshalb gibt es, zum Beispiel, „Figurennamen I: Vornamen“ und „Figurennamen II: Nachnamen“. Man kann wirklich darüber streiten, ob es genau 111 Tipps und ob es genau diese alphabetisch sortierten Tipps sein müssen. Aber das konnte man auch bei den Sehenswürdigkeit.

Nicht streiten kann man dagegen darüber, dass dieses 111-Tipps-Format für einen Neuling nur von begrenztem Nutzen ist. Es fehlt einfach die Struktur eines Ratgebers, in dem strukturiert in ein Thema eingeführt wird und so auch ein Lernplan verfolgt wird. In Schüllers Buch gibt es dagegen nur eine unsortierte, dank des (selbst)ironischen Tonfalls sehr kurzweilig zu lesende Sammlung von Tipps, Tricks, Gedanken, Überlegungen und Anekdoten, die unterhalten und zum Nachdenken und Diskutieren anregen können. Sie können einen Autor auch wieder an bestimmte Dinge erinnern, wenn er in einer Werbepause oder beim Warten auf den Postboten (der immer zweimal klingelt), einige Minuten Zeit hat.

Insofern ist „111 Tipps und Tricks, wie man einen verdammt guten Krimi schreibt“ ein empfehlenswertes Buch. Es sollte allerdings nicht der erste Schreibratgeber sein, den man liest. Und es sollte nicht der Schreibratgeber sein, den man wegen seines Tipps zur (also gegen) die Schreibblockade kauft.

Patrick Baumgärtel: Krimis schreiben – Wie Sie erfolgreiche Kriminalromane schreiben, überarbeiten und in einem Verlag oder als Selpfublisher veröffentlichen

Autorenhaus Verlag, 2018

192 Seiten

16,80 Euro

Martin Schüller: 111 Tipps und Tricks wie man einen verdammt guten Krimi schreibt

Emons, 2018

240 Seiten

16,95 Euro

Hinweise

Homepage von Patrick Baumgärtel

Homepage von Martin Schüller

Meine Besprechung von Martin Schüllers „Tatort: Die Blume des Bösen“ (Buch zum Film, 2009)

Meine Besprechung von Martin Schüller “Tatort: A gmahde Wiesn” (Buch zum Film, 2009)

Meine Besprechung von Martin Schüllers „Tatort: Moltke“ (Buch zum Film, 2010)

Meine Besprechung von Martin Schüllers „Tatort: Tempelräuber“ (Buch zum Film, 2010)


TV-Tipp für den 30. Dezember: Spiel mir das Lied vom Tod

Dezember 30, 2018

RBB, 22.00

Spiel mir das Lied vom Tod (C’era una volta il west, Italien/USA 1968)

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Sergio Donati (nach einer Geschichte von Dario Argento, Bernardo Bertulucci und Sergio Leone)

Die Story – Killer Frank will für die Eisenbahn an das Land der Exhure Jill gelangen, während ‚Mundharmonika‘ ihm einen Strich durch die Rechnung macht – ist eher Nebensache gegenüber den von Ennio Morricone untermalten Bildern von Tonino Delli Colli.

Ein Western-Klassiker, der eigentlich auf die große Leinwand gehört.

mit Charles Bronson, Henry Fonda, Claudia Cardinale, Jason Robards, Frank Wolff, Gabriele Ferzetti, Keenan Wynn, Lionel Stander, Jack Elam, Woody Strode

Wiederholung: Montag, 31. Dezember, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Spiel mir das Lied vom Tod“

Wikipedia über „Spiel mir das Lied vom Tod“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. Dezember: Teufel in Blau

Dezember 28, 2018

ZDFneo, 00.02

Der Teufel in Blau (Devil in a blue dress, USA 1995)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: Carl Franklin

LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)

Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.

Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.

Während Mosley in den USA regelmäßig neue Romane (auch mit Easy Rawlins) veröffentlich, sind die deutschen Verlage wieder ausgestiegen.

Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Teufel in Blau“

Wikipedia über „Teufel in Blau“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Easy Rawlins

Homepage von Walter Mosley

Meine Besprechung von Walter Mosleys Kurzroman „Archibald Lawless: Freier Anarchist“ in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)


Neu im Kino/Filmkritik: Das Biopic „Mary Shelley“

Dezember 28, 2018

Frankenstein.

Auch zweihundert Jahre nach der ersten Publikation von „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ ist der Horrorroman immer noch bekannt. Er wird immer wieder neu aufgelegt und verfilmt. Entsprechend bekannt ist die Geschichte von Victor Frankenstein und seiner Kreatur.

Weil Mary Shelley (geborene Godwin am 30. August 1797 in London – gestorben am 1. Februar 1851 in London) in einem Vorwort zu „Frankenstein“ die Entstehung ihres Romans schildert, dürfte auch diese Geschichte bekannt sein. Im Sommer 1816 gastierte sie mit ihrem Geliebten und späteren Ehemann Percy Shelley, John Polidori und ihrer Stiefschwester Claire Clairmont bei Lord Byron am Genfer See. Während einer stürmischen Nacht hatte Lord Byron die Idee, in einem Wettbewerb herauszufinden, wer von ihnen die beste Gruselgeschichte erzählen könnte. 1986 erzählte Ken Russell in seinem Film „Gothik“ die Ereignisse dieser Nacht.

Und damit dürfte sich das Wissen über Mary Shelley, bzw. Mary Wollstonecraft Shelley, erschöpfen.

Haifaa Al-Mansours Biopic mit Elle Fanning als Mary Shelley könnte da Abhilfe schaffen. In ihrem Film konzentriert sie sich auf die frühen und sehr turbulenten Jahre der Autorin. 1814 lernt die schreib- und literaturbegeisterte sechzehnjährige Mary Godwin den berühmten romantischen und schon verheirateten Dichter Percy Bysshe Shelley (Douglas Booth) kennen. Sie verliebt sich. Sie haben Sex und Kinder. Nach dem Suizid von Shelleys Ehefrau heiratet sie ihre große Liebe. Er ist ein Verfechter der freien Liebe. Sie ist von dieser Idee nicht so begeistert. Sie haben kein Geld.

1816 verbringen sie, alle bürgerlichen Konventionen missachtend, den Sommer bei Lord Byron (Tom Sturridge).

Herausgefordert von dem ebenfalls berühmten Lord Byron beginnt sie „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ zu schreiben. Das Buch wird zuerst anonym veröffentlicht. Mit der Enthüllung ihrer wahren Identität endet der Film und auch die im Film angelegte Emanzipationsgeschichte.

Im Film ist, auch wenn die Shelley-Forschung es nicht so eindimensional sieht, Shelleys Horrorroman eine kaum verklausulierte autobiographische Erzählung ihres bisherigen Lebens. Mit dieser filmisch leichter zu bewältigenden Gleichsetzung von persönlichen Erlebnissen und literarischen Erzeugnissen huldigt der Film dann dem platten Kult, dass großes Leid zu großer Literatur führt. Das intellektuelle und damit sehr unfilmische Umfeld, in dem Mary Shelley sich bewegte – ihre kurz nach ihrer Geburt verstorbene Mutter Mary Wollstonecraft war eine Schriftstellerin und Feministin, ihr Vater William Godwin war Sozialphilosoph und Begründer des politischen Anarchismus, die damaligen Denker verkehrten in der Buchhandlung ihres Vaters – wird dagegen kaum beachtet.

Haifaa Al-Mansour („Das Mädchen Wadjda“) erzählt das alles chronologisch als biederes, feministisch grundiertes Ausstattungskino, in dem erst am Ende der rote Faden zwischen den einzelnen Episoden aus Mary Shelleys Leben sichtbar wird. Entsprechend desinteressiert folgt man den Ereignissen und wartet auf die Nacherzählung des legendären Sommers am Genfer See. Diese ist erst ziemlich spät im Film.

Während Mary Shelley ein dreidimensionaler Charakter ist, sind die sie umgebenden Männer alle arg dimensional gezeichnet. Vor allem ihre große Liebe Percey Shelley und Lord Byron werden so sehr überzeichnet, dass man schon bei ihrem ersten Auftritt eine gepflegte Antipathie gegen diese egomanischen Trottel hat.

In dem Moment läuft auch die feministische Lesart, die Mary Shelley als damals (und auch heute noch) moderne Frau und als Vorbild für junge Frauen zeigen möchte, ins Leere. Denn es ist vollkommen rätselhaft, warum Mary Shelley und auch sonst irgendjemand diese Männer bewundern und sich in sie verlieben könnte.

Mary Shelley (Mary Shelley, Großbritannien/Irland/Luxemburg 2017)

Regie: Haifaa Al-Mansour

Drehbuch: Emma Jensen, Haifaa Al-Mansour

mit Elle Fanning, Douglas Booth, Tom Sturridge, Bel Powley, Stephen Dillane, Joanne Froggatt, Ben Hardy

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mary Shelley“

Metacritic über „Mary Shelley“

Rotten Tomatoes über „Mary Shelley“

Wikipedia über „Mary Shelley“ (deutsch, englisch) und Mary Shelley (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. Dezember: Das finstere Tal

Dezember 28, 2018

ZDF, 00.25
Das finstere Tal (Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute.
Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.
mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner

Die lesenswerte Vorlage

Willmann - Das finstere Tal - 2

Thomas Willmann: Das finstere Tal
Ullstein, 2014
320 Seiten
9,99 Euro

Erstausgabe
Liebeskind, 2010

Hinweise

Homepage zum Film

Perlentaucher über „Das finstere Tal“

Film-Zeit über „Das finstere Tal“

Moviepilot über „Das finstere Tal“

Wikipedia über „Das finstere Tal“

Meine Besprechung von Andreas Proschaskas „Das finstere Tal“ (Österreich/Deutschland 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Der Cannes-Gewinner „Shoplifters – Familienbande“

Dezember 27, 2018

In Tokio sehen Osamu Shibata und sein Sohn Shota auf ihrem Heimweg ein Mädchen, das sie von ihrem Balkon beobachtet. Spontan beschließen sie, das verwahrloste Kind mitzunehmen. Zunächst nur für eine warme Mahlzeit. Als sie Spuren häuslicher Gewalt an ihr entdecken, darf Yuri bei ihnen bleiben. Schließlich sei es keine Entführung, wenn Yuri jederzeit zu ihren Eltern zurückkehren könne. Bis dahin nehmen die Shibatas Yuri als weiteres Familienmitglied bei sich auf. Sie haben zwar wenig Platz in ihrer Hütte, in der auch noch Osamus Frau, eine Halbschwester und eine Großmutter leben. Aber sie lieben sich gegenseitig und spenden sich die Wärme, die man hofft, in einer Familie zu finden.

Da übersieht man auch gerne, dass Osamu und Shota, bevor sie Yuri mitnahmen, im Supermarkt ihr Abendessen klauten.

Auch später versucht man die kleinen Irritationen, die zeigen, dass die Shibata-Familie keine normale Familie ist, zu ignorieren. Denn die Shibatas sind keine Blutsverwandte, sondern, das wird schnell deutlich, Seelenverwandte, die unter widrigen Umständen eine heile Familie schufen. Jedenfalls auf der emotionalen Ebene.

Was ist eine Familie? Mit dieser Frage beschäftigte sich Hirokazu Kore-eda bereits in seinen früheren Filmen, wie „Like Father, like Son“ und „Unsere kleine Schwester“. Wieder zeigt er, dass eine glückliche Familie nichts mit Verwandtschaftsbeziehungen zu tun hat, sondern dass Familien durch Zufälle und Wahl entstehen. So sind die Shibatas auf der emotionalen Ebene eine vorbildliche Familie; auf jeder anderen Ebene eine Verbrecherfamilie. Und doch möchte man am Ende des wunderschönen Films und nachdem man alle Verbrechen der Shibatas kennt, seine Kinder Osamu und seiner Frau Nobuyo immer noch in Obhut geben. Ja, man möchte sogar selbst ein Teil der Shibata-Familie sein.

Das liegt an Hirokazu Kore-edas Blick auf seine Figuren. Er beobachtet die einzelnen Familienmitglieder mit einem immer sympathisch zugewandten Blick. Er vermeidet augenscheinliche Dramatisierungen. Sehr subtil legt er die verschiedenen Schichten der Beziehungen zwischen den Shibatas offen. Er liebt seine Figuren, die er mit einer spürbaren Wärme im Blick behält, während er nebenbei Missstände in der japanischen Gesellschaft anspricht. Das ist große Kunst.

Shoplifters“ ist ein stiller Film, der in Cannes die Goldene Palme erhielt. Vor wenigen Wochen reichte Japan Kore-edas Drama für den Auslands-Oscar ein. Aktuell steht „Shoplifters“, neben einigen anderen sehr preiswürdigen Filmen, auf der Shortlist. Außerdem ist er, neben zahlreichen anderen Nominierungen, für den Golden Globe nominiert.

Shoplifters – Familienbande (Manbiki Kazoku, Japan 2018)

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

mit Lily Franky, Sakura Ando, Mayu Matsuoka, Kilin Kiki, Kairi Jyo, Miyu Sasaki

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Shoplifters“

Metacritic über „Shoplifters“

Rotten Tomatoes über „Shoplifters“

Wikipedia über „Shoplifters“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015)


(Endlich) Neu im Kino/Filmkritik: Dennis Hoppers „The Last Movie“

Dezember 27, 2018

Easy Rider“ war 1969 der Traum für Hollywood. Ein kleiner Independent-Film, gedreht mit einem Budget von deutlich unter einer halben Million Dollar, hat den dritthöchsten Umsatz an der Kinokasse. Das ist der feuchte Traum jedes Buchhalters und Geldgebers. Dass „Easy Rider“ seitdem ein immer wieder gern gesehener und gezeigter Kultfilm wurde, war 1969 noch nicht absehbar. Dennis Hopper, der Regisseur des Films, war der Mann der Stunde. Er durfte nach seinem erfolgreichen Debüt endlich sein lange verfolgtes Lieblingsprojekt „The last Movie“ verfilmen. Mit einer Million Dollar von Universal und dem Recht am finalen Schnitt machte er sich auf den Weg nach Peru – und fuhr seine Regiekarriere so gründlich gegen die Wand, dass er erst 1980 mit „Out of the Blue“ seinen nächsten Film drehen konnte.

Universal war von dem Film so geschockt, dass sie ihn letztendlich im Keller verbannten. „The last Movie“ ist, je nach Perspektive, eine kompromisslose, zutiefst pessimistische Vision eines Künstlers oder ein sich jeder Beschreibung entziehendes Desaster.

Hopper erzählt die Geschichte des Stuntman Kansas, der in Peru bei den Dreharbeiten für einen blutigen Western (so in der Tradition von „The Wild Bunch“, nur ohne die Teile, in denen nicht geschossen wird) dabei ist. Er verliebt sich in die einheimische Prostituierte Maria, bleibt nach den Dreharbeiten am Drehort und möchte dort Land für künftige Filmproduktionen kaufen. Einem anderen Amerikaner hilft er bei der Suche nach Gold. Und die Einheimischen spielen den Film und die Dreharbeiten nach. Dabei ist unklar, wie sehr sie Fiktion und Realität voneinander unterscheiden können und wollen. Irgendwann zwingen sie Kansas zum Mitspielen bei ihrer rituellen Nachinszenierung.

Soweit die Filmgeschichte, die mehr die Form eines assoziativen Essays hat. Hopper, der auch am Drehbuch (mit „… denn sie wissen nicht, was sie tun“-Drehbuchautor Stewart Stern) und am Schnitt beteiligt war, springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Realität, Fiktion, Traum und Wahnsinn hin und her, ohne klare Grenzen ziehen zu wollen. Er erklärt nichts. In langen Szenen zeichnet er dabei ein äußert hässliches Bild des hässlichen Amerikaners; wobei immer wieder unklar ist, ob man Schauspieler sieht, die bekiffte Männer spielen oder ob man Bekiffte sieht, die im Drogenrausch vor sich hin reden.

Hopper taumelt durch den Film, als übe er schon für „Apokalypse Now“; – wobei er, so heißt es, die siebziger Jahre in einem einzigen Drogenrausch verbrachte.

Die Dreharbeiten wurden innerhalb der vorgesehenen Zeit und unterhalb des geplanten Budgets abgeschlossen. Das muss betont werden, weil, fernab von den Argusaugen der Buchhalter und Anzugträger, sie auch eine Versammlung von Hoppers Freunden und Bekannten und ein einziges hippieeskes Drogenchaos waren.

Nach dem Dreh begann Dennis Hopper in Taos, New Mexiko, mit dem Schnitt und auch aus dieser Zeit gibt es legendäre Geschichten, die immer etwas mit dem Konsum von Drogen und Sex zu tun haben. Es wurde immer unklarer, welcher Film entstehen sollte. Eine erste Fassung folgte einer konventionellen Filmdramaturgie. „El Topo“-Regisseur Alejandro Jodorowsky schlug Hopper eine experimentellere Struktur vor. Hopper schnitt den Film um. Er wurde immer assoziativer und mit jeder Schnittfassung länger, während Dennis Hopper immer unfähiger wurde, den finalen Schnitt zu machen. Wie bei „Easy Rider“. Aber da wurde aus dem gedrehten Material ein Film destilliert, der zum Kultfilm wurde. Bei „The last Movie“ gelang das nicht. Dafür ist der Film zu uneinheitlich, zu zerfahren und zu sehr von seiner eigenen Grandiosität überzeugt.

Hoppers Fassung lief im August 1971 in Venedig und erhielt den Kritikerpreis CIDALC. Testvorführungen vor einem studentischem Publikum (also dem angepeilten „Easy Rider“-Publikum) verliefen katastrophal. Die Kritiken waren vernichtend. Universal verlangte von Hopper eine neue Fassung. Hopper, der den finalen Schnitt hatte, weigerte sich. Universal brachte ihn dann wenige Tage in die Kinos und anschließend ins Archiv.

Die deutsche Premiere des Films war am 17. Januar 1992 im ZDF. Bis dahin hatte der Film bereits seinen legendären Ruf.

Noch zu Lebzeiten sicherte Dennis Hopper sich die Rechte an seinem Film. Er wollte ihn wieder herausbringen.

Il Cinema Ritrovata restaurierte den Film. In den USA erschien „The last Movie“ Mitte November mit viel Bonusmaterial auf Blu-ray. Rapid Eye Movies bringt die 4-K-Restaurierung jetzt in einige Kinos. Die Fassung sieht sehr superb. Der Film selbst ist eine kompromisslose Vision eines Künstlers, der etwas über den Tod des Westerns, den Kulturimperialismus, den Expansionismus der USA und den Tod des amerikanischen Traums sagen wollte. Das sind heute immer noch aktuelle Themen. Allerdings erreicht Hoppers Analyse kaum die Tiefe einer Regenpfütze und, wie es oft bei skandalumwitterten Filmen ist, sind die Geschichten, die sich um das Werk ranken, interessanter als das Werk selbst. Das ist in diesem Fall ein höchst disparater, vorne und hinten und an allen Ecken und Enden zerfleddernder Film, dessen Teile niemals zu einem homogenen Ganzen werden. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist „The last Movie“ einen Blick wert.

 

Einige deutsche Stimmen zum Film

 

Hoppers Film wurde zu einem finanziellen Misserfolg. Er verarbeitete seine Film- und Kinoerfahrung auf höchst individualistische Art zu einer so allegorischen Auseinandersetzung mit dem Medium, dass sein Film sich zwischen allen Genres bewegte und keinen großen Zuschauerkreis ansprach.“ (Horst Schäfer: Film im Film, 1985)

Die aus stilistisch unterschiedlichem Material assoziativ montierte Bildfolge ist Hoppers wütend-verzweifelte Abrechnung mit dem amerikanischen Kinoimperialismus.“ (Zoom, zitiert nach Lothar R. Just: Film-Jahrbuch 1993)

In seinen Mitteln alles andere als zimperlich, zerfetzt Hopper die gewohnten Strukturen des Unterhaltungskinos. Um so wirkungsvoller entlarvt er damit ihren inneren Kern. Wie ‚Easy Rider‘ (1969) ist ‚The last Movie‘ ein konzentrierter Film über gewisse Aspekte des American way of life, seine Oberflächlichkeit, Gedankenlosigkeit und Gewalttätigkeit. (…) Wenn man ihn nun 20 Jahre nach seinem Entstehen endlich zu sehen bekommt, muss man feststellen, dass er von seiner Aktualität nichts verloren hat. Ganz im Gegenteil.“ (Fischer Film Almanach 1993)

Ein wild verschachtelter und mit einer Vielzahl experimenteller Einfälle durchsetzter Film über den Mythos Film; zugleich eine wütende Abrechnung mit dem Hollywood-System.“ (Lexikon des internationalen Films)

The last Movie (The last Movie, USA 1971)

Regie: Dennis Hopper

Drehbuch: Stewart Stern (nach einer Geschichte von Stewart Stern und Dennis Hopper)

mit Dennis Hopper, Stella Garcia, Julie Adams, Michael Anderson Jr., Rod Cameron, Peter Fonda, Samuel Fuller, Don Gordon, Henry Jaglom, Kris Kristofferson, John Phillip Law, Sylvia Miles, Tomas Milian, Jim Mitchum, Michelle Phillips, Dean Stockwell (teils nur sehr kurze Auftritte)

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Rapid Eye Movies über „The last Movie“

Moviepilot über „The last Movie“

Rotten Tomatoes über „The last Movie“

Wikipedia über „The last Movie“

Dennis Hopper 1971 in der „The Merv Griffin Show“

 


TV-Tipp für den 27. Dezember: Rumble Fish

Dezember 27, 2018

Arte, 22.25

Rumble Fish (Rumble Fish, USA 1983)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: S. E. Hinton, Francis Ford Coppola

LV: S. E. Hinton: Rumble Fish, 1975 (Kampffische – In den Slums einer amerikanischen Großstadt)

Der Halbstarke Rusty James bewundert seinen älteren Bruder, den vor Jahren spurlos verschwundenen, legendären Motorcycle Boy. Eines Tages kehrt er zurück.

Grandioses, experimentelles Jugenddrama. Coppola nannte seinen Film einen „Kunstfilm für Kinder“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matt Dillon, Mickey Rourke, Diane Lane, Dennis Hopper, Diana Scarwid, Vincent Spano, Nicolas Cage, Christopher Penn, Laurence Fishburne, William Smith, Tom Waits, Domino (eigentlich Sofia Coppola), S. E. Hinton

auch bekannt als „Rumblefish“ (auch diese Schreibweise wird benutzt)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rumble Fish“

Metacritic über „Rumble Fish“

Turner Classic Movies über „Rumble Fish“

Wikipedia über „Rumble Fish“ (deutsch, englisch)

Homepage von S. E. Hinton

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 26. Dezember: Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen

Dezember 25, 2018

ZDF, 15.05

Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen (Deutschland 2017)

Regie: Andreas Dresen

Drehbuch: Alexander Adolph

LV: James Krüss: Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen, 1962

Timm Thaler verkauft sein Lachen an den Baron Lefuet. Schnell bemerkt er, dass das eine sehr dumme Idee war und er will es wieder zurück haben.

Andreas Dresens Verfilmung von James Krüss‘ kapitalismuskritischem Kinderbuchklassiker ist ein guter, unterhaltsamer, kurzweiliger, auch anspielungsreicher Kinderfilm, der vor allem für Kinder ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Arved Friese, Justus von Dohnányi, Axel Prahl, Andreas Schmidt, Jule Hermann, Charly Hübner, Nadja Uhl, Steffi Kühnert, Bjarne Mädel, Fritzi Haberlandt, Harald Schmidt, Heinz-Rudolf Kunze, Milan Peschel, Joachim Król (Erzähler)

Wiederholung: ZDFneo, Donnerstag, 27. Dezember, 08.10 Uhr

Hinweise

Homepage von James Krüss

Oettinger-Verlag über James Krüss

Wikipedia über James Krüss und „Timm Thaler“

Homepage zum Film

Filmportal über „Timm Thaler“

Moviepilot über „Timm Thaler“

Wikipedia über „Timm Thaler“ (die aktuelle Verfilmung)

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Als wir träumten“ (Deutschland/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Andreas Dresens James-Krüss-Verfilmung „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ (Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Gundermann“ (Deutschland 2018)


Cover der Woche

Dezember 25, 2018

Heiligabend, irgendwo in England

Meine Besprechung (mit anderen mörderischen Weihnachtsgeschichten)


TV-Tipp für den 25. Dezember: Madame Mallory und der Durft von Curry

Dezember 25, 2018

ARD, 23.20

Madame Mallory und der Duft von Curry (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)

Regie: Lasse Hallström

Drehbuch: Steven Knight

LV: Richard C. Morais: The Hundred-Foot Journey, 2010 (Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef; Madame Mallory und der Geschmack von Curry)

Madame Mallory betreibt in der südfranzösischen Provinz ein Edelrestaurant. Da eröffnen gegenüber von ihrem Sternerestaurant eine indische Familie ein Restaurant mit indischer Küche – und die Probleme beginnen.

Wunderschönes, top besetztes Feelgood-Movie.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Om Puri, Manisch Dayal, Charlotte Le Bon, Farzana Dua Elahe, Amit Shah, Aria Pandya, Dillon Mitra, Michel Blanc

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Moviepilot über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Metacritic über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Rotten Tomatoes über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Wikipedia über „Madame Mallory und der Duft von Curry“

Homepage von Richard C. Morais

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Lachsfischen im Jemen“ (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms Lars-Kepler-Verfilmung „Der Hypnotiseur“ (Hypnotisören, Schweden 2012)

 Meine Besprechung von Lasse Hallströms “Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht” (Safe Haven, USA 2012)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Madame Mallory und der Duft von Curry“ (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)


TV-Tipp für den 24. Dezember: Sayonara

Dezember 24, 2018

Arte, 20.15

Sayonara (Sayonara, USA 1957)

Regie: Joshua Logan

Drehbuch: Paul Osborn

LV: James A. Michener: Sayonara, 1954 (Sayonara)

Japan, 1951: US-Mayor Lloyd Gruver (Marlon Brando) möchte eine japanische Tänzerin heiraten. Aufgrund eines Kontaktverbots von US-Soldaten zu Einheimischen hätte er sie überhaupt nicht kennen lernen dürfen.

Ewig nicht mehr gezeigte, damals im Kino sehr erfolgreiche, mit vier Oscars ausgezeichnete Schmonzette und einem jungen Marlon Brando.

Wahrscheinlich wird ‚Sayonara‘ eines Tages, in der Schlichtheit seiner Thematik, einen Platz neben ‚Madame Butterfly‘ einnehmen, es wäre jedenfalls zu hoffen.“ (Tony Thomas: Marlon Brando und seine Filme, 1980)

mit Marlon Brando, Patricia Owens, Red Buttons, Ricardo Montalban, Martha Scott, James Garner; Miiko Taka

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Sayonara“

Wikipedia über „Sayonara“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 23. Dezember: M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Dezember 23, 2018

One, 23.20
M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen
Hinweise

Rotten Tomatoes über „M“

TCM über „M“

Wikipedia über „M“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Du und ich” (You and me, USA 1938)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Auch Henker sterben” (Hangman also die, USA 1943)

Meine Besprechung von Fritz Langs Graham-Greene-Verfilmung „Ministerium der Angst“ (Ministry of Fear, USA 1945)

Meine Besprechung von Astrid Johanna Ofner (Hrsg.): Fritz Lang – Eine Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums (2012 – Sehr empfehlenswert!)

Fritz Lang in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. Dezember: The Company you keep – Die Akte Grant

Dezember 22, 2018

ARD, 23.40

Die Akte Grant (The Company you keep, USA 2013)

Regie: Robert Redford

Drehbuch: Lem Dobbs

LV: Neil Gordon: The Company you keep, 2003

Nachdem eine Weathermen-Kampfgefährtin verhaftet wird und ein neugieriger Jungspund-Journalist seine vierzig Jahre zurückliegende terroristische Vergangenheit enthüllt, taucht der angesehene Bürgerrechtsanwalt Jim Grant unter. Um, wie der Journalist vermutet, seine Unschuld zu beweisen.

Spannender, im positiven Sinn altmodischer, vor allem auf die Dialoge setzender Polit-Thriller, bei dem der Polit-Teil eher eine Beigabe ist und die vielen bekannten Gesichter, denen Robert Redford (als Grant) auf seiner Flucht vor dem FBI begegnet, erfreuen zuerst das Auge des gestandenen Kinofans und sorgen dann für eine angenehme Verunsicherung. Denn bei diesem All-Star-Ensemble ist schnell vollkommen unklar, wer nur einen kurzen Gastauftritt hat und wer nicht.

mit Robert Redford, Shia LaBeouf, Julie Christie, Susan Sarandon, Nick Nolte, Terrence Howard, Anna Kendrick, Stanley Tucci, Chris Cooper, Richard Jenkins, Brendan Gleeson, Brit Marling, Sam Elliott, Stephen Root, Jackie Evancho

auch bekannt als „The Company you keep – Die Akte Grant“ (Kinotitel)

Wiederholung: Sonntag, 23. Dezember, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Akte Grant“

Wikipedia über „Die Akte Grant“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Mary Poppins‘ Rückkehr“ zur Familie Banks in die Cherry Tree Lane 17

Dezember 21, 2018

Mary Poppins“ gehört zu den Filmen, die jeder gesehen hat und, wenn nicht, das dann jedenfalls behauptet. Das 1964 von Robert Stevenson inszenierte Musical mit Julie Andrews als resolutes Kindermädchen Mary Poppins, das der Familie Banks hilft, war einer der großen Disney-Hits und ist ein immer wieder gern gesehener Klassiker. Das liegt an den Songs und der überbordenden Fröhlichkeit des Films, im der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind.

2013 inszenierte John Lee Hancock das, ebenfalls von Disney produzierte, sehenswerte Making-of „Saving Mr. Banks“. In dem Drama wird erzählt, wie Walt Disney jahrelang um die Verfilmungsrechte für Mary Poppins kämpfte. Ihre Erfinderin P. L. Travers wollte keine Verfilmung. Als sie dann aus ökonomischen Gründen zustimmte, erstritt sie sich umfangreiche Mitspracherechte, die die Produktion zu einer anstrengenden Erfahrung für die Beteiligten machte.

Damit war eigentlich alles über Mary Poppins gesagt.

Jetzt erzählt Rob Marshall („Chicago“, „Into the Woods“) in einer eigentümlichen Mischung aus Remake und Weitererzählung die Geschichte von „Mary Poppins“ als „Mary Poppins‘ Rückkehr“.

Inzwischen sind die Banks-Kinder erwachsen. Michael Banks (Ben Whishaw) lebt immer noch in der Cherry Tree Lane 17. Er arbeitet in der Fidelity Fiduciary Bank, in der bereits sein Vater arbeitete. Seine Schwester Jane (Emily Mortimer) ist, wie ihre Mutter, politisch engagiert. Michaels drei Kinder bräuchten, nach dem Tod ihrer Mutter, ein Kindermädchen. Und die finanziellen Probleme sind drückend. Michael, eigentlich ein Künstler und immer noch ein Kind, hat sich bei seinem Arbeitgeber verschuldet und das Haus als Sicherheit angeboten. Jetzt tauchen die Geldeintreiber der Fidelity Fiduciary Bank auf. Michael soll mit seiner Familie binnen weniger Tage das Haus räumen.

Als Michael in alten Unterlagen blättert, erinnert er sich an die schöne Zeit mit dem Kindermädchen Mary Poppins. Er wünscht sich, dass sie zurückkäme – und so geschieht es. Mary Poppins (Emily Blunt) schwebt aus dem Himmel herab und klopft an die Tür des Banks Anwesen.

Auch wenn die Macher sagen, in „Mary Poppins‘ Rückkehr“ hätten sie die anderen Mary-Poppins-Geschichten von P. L. Travers verarbeitet und sie erzählten eine ganz neue Geschichte, ist „Mary Poppins‘ Rückkehr“ ein Remake von Stevensons Musical mit neuen Songs (die für die deutsche Fassung synchronisiert wurden), einigen neuen Erlebnissen und Figuren und vielen, sehr vielen Motiven und Elementen aus dem 1964er Film.

Ein solches Remake mit einigen neuen Elementen wäre kein Problem, wenn die Macher nicht gleichzeitig behaupteten, sie würden die Geschichte weiter erzählen. Nur: warum soll Michael und Jane Banks ziemlich genau das gleiche zustoßen, was ihren Eltern zustieß? Mit, auch wenn sie andere Namen haben, all den aus „Mary Poppins“ bekannten Charakteren? Warum soll Michael sich sentimental an Mary Poppins erinnernd, sie zurückwünschen und dann nichts, aber auch absolut nichts über sie wissen? So freut er sich, dass Mary Poppins anklopft, aber an ihre besonderen Fähigkeiten, dem Alltag mehr als einen Hauch von Magie zu verleihen, erinnert er sich nicht mehr. Dabei ist das der Grund, weshalb er sie wieder in seinem Leben haben wollte.

Die Story, die „Life of Pi“-Autor David Magee um die ausgedehnten Musical-Nummern, erfand, ist nicht mehr als eine Abfolge von Episoden, die das Auge überwältigen sollen. Marc Shaiman und Scott Wittman, Tony-Gewinner für „Hairspray“, schrieben die Musik. Ob die Songs zu Gassenhauern werden, wie die Songs von Richard M. und Robert B. Sherman (remember „Chim-Chim-Cheere“, „A Spoonful of Sugar“, „Supercalifragilisticexpialigetisch“), wird die Zeit erweisen. Es gibt große Musical-Nummern mit viel Gesang und Tanz. Es gibt, wie in „Mary Poppins“, eine ausgedehnte Trickfilm-Sequenz. Alles spielt in einer bewusst künstlichen Welt, die auch in den Nicht-Trickfilm-Teilen, wie ein im Studio gedrehter Animationsfilm aussieht.

Das ist gut gemacht, aber Marshalls Musical hat niemals die auch heute noch packende Wirkung des Originals. Während „Mary Poppins“ wie eine Überportion Zucker ist, ist „Mary Poppins‘ Rückkehr“ die zuckerfreie Version.

Mary Poppins‘ Rückkehr (Mary Poppins return, USA 2018)

Regie: Rob Marshall

Drehbuch: David Magee (nach einer Geschichte von David Magee, Rob Marshall und John DeLuca) (basierend auf den Mary-Poppins-Geschichten von P. L. Travers)

mit Emily Blunt, Lin-Manuel Miranda, Ben Whishaw, Emily Mortimer, Julie Walters, Colin Firth, Meryl Streep, Pixie Davies, Joel Dawson, Nathanael Saleh, Dick Van Dyke, Angela Lansbury, David Warner .

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Mary Poppins‘ Rückkehr“

Metacritic über „Mary Poppins‘ Rückkehr“

Rotten Tomatoes über „Mary Poppins‘ Rückkehr“

Wikipedia über „Mary Poppins‘ Rückkehr“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 21. Dezember: Serial Mom – Warum läßt Mama das Morden nicht?

Dezember 21, 2018

Eine gut versteckte, selten gezeigte Perle der Filmkunst

ZDFneo, 03.15

Serial Mom – Warum lässt Mama das Morden nicht? (Serial Mom, USA 1994)

Regie: John Waters

Drehbuch: John Waters

Mom (Kathleen Turner) hat es gerne ordentlich und sie tut alles für das Familienglück in der Vorstadt. Auch wenn sie dafür morden muss.

Feine schwarze Komödie auf hehre Werte mit dem geschmackvollen John-Waters-Touch.

mit Kathleen Turner, Sam Waterston, Ricki Lake, Matthew Lillard, Scott Wesley Morgan

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Serial Mom“

Wikipedia über „Serial Mom“ (deutsch, englisch)

Ein Interview mit John Waters zum Filmstart von „Serial Mom“


Neu im Kino/Filmkritik: „Aquaman“ Arthur Curry sucht einen Dreizack

Dezember 20, 2018

Neben Marvel ist DC Comics das andere große Unternehmen, das mit seinen Superheldencomics seit Jahrzehnten unendlich viele Kinder zum Lesen verführte. Bei den Filmen hat Marvel seit Jahren die Nase vorn. Die Kritiken sind gut. Die Einspielergebnisse fantastisch. Die Fans begeistert. Bei DC Comics kann man sich dagegen nur so halbwegs über die Einspielergebnisse des DC Extended Universe freuen. „Man of Steel“ (2013), „Batman v Superman: Dawn of Justice“ (2016), „Suicide Squad“ (2016) und „Justice League“ (2017) waren mehr oder weniger missratene Geduldsproben. Nur „Wonder Woman“ (2017) überzeugte.

Aquaman“ ist wieder eine Geduldsprobe. Gut aussehend, mit viel Action und durchaus sympathischen Darstellern, aber mit einem konfusem Nichts an Story.

Arthur Curry (Jason Momoa), der titelgebende Aquaman, Sohn von Atlanna (Nicole Kidman), Königin von Atlantis, und dem Leuchtturmwächter Tom Curry (Temuera Morrison), kann mühelos im Wasser und auf der Erde leben. Als erster Sohn von Königin Atlanna könnte er den Thron von Atlantis für sich beanspruchen. Aber der Einzelgänger ist daran nicht interessiert. Viel lieber lebt er das Leben eines ungebundenen Drifters, der ab und an selbstlos einigen Menschen hilft.

Als er erfährt, dass sein machtgieriger Halbbruder Orm (Patrick Wilson) alle Ozean-Königreiche vereinigen und gegen die Landbewohner in den Krieg ziehen will, beschließt Arthur um den Thron zu kämpfen. Denn er möchte nicht, dass die Landbewohner getötet werden. Auch wenn sie seit Jahrzehnten die Ozeane verschmutzen. Orm benutzt diese Umweltsünden als Rechtfertigung für seinen Krieg gegen die Menschen.

Bevor Arthur die Königswürde zugestanden wird, muss er den verlorenen Dreizack von Atlan findet und sich so als legitimer Herrscher des Meeres erweisen. Weil niemand weiß, wo der Dreizack ist, muss Curry mit Mera (Amber Heard), der Prinzessin des Meereskönigreichs Xebel, um die halbe Welt reisen. Von einem Abenteuer zum nächsten.

Diese Story ist die Entschuldigung für eine Abfolge viel zu lang geratener Actionszenen, die auch in einem „Fast & Furious“-Film nicht auffielen (naja, bis auf die Unterwasser-Action), langweiligen Erklärdialogen und Szenen, die anscheinend aus einem anderen Film stammen. Oder wie will man sonst damit umgehen, dass zwischen zwei Actionszenen Aquaman und Mera auf Sizilien Zeit haben, gemütlich wie ein frisch verliebtes Paar über den Markt zu schlendern, während ein bekannter Song die Boxen des Kinos austestet? Immerhin wird nach dem Song die Harmonie von einer wilden Hatz über die Dächer des Dorfes abgelöst. Oder dass, als sie auf ihrer globalen Schnitzeljagd in der Wüste die nächste Spur zum Ziel suchen, er sich wie ein pubertierender Teenager, der keine Lust auf eine Wanderung hat, benimmt? Das sind Szenen, die von ihrer Tonalität in einen vollkommen anderen Film gehören und die auch einen vollkommen anderen Arthur Curry zeichnen. Das ist, als ob James Bond plötzlich Mr. Bean würde.

In dem Moment hat man schon lange alle Fragen von Logik, storyinterner Stimmigkeit und Plausibilität ad acta gelegt. Da können Meeresbewohner mal mühelos Luft atmen, mal nicht. Da wird die Reise zum nächsten Ziel zunächst mit einem alten Fischerboot tuckernd begonnen, bevor Aquaman und Mera den Rest des Weges superflott im Wasser zurücklegen und so im Sturm den sie attackierenden Seemonstern entkommen. Da gibt es in Atlantis einen eigentümlichen Mix aus High Tech und tiefster Urzeit. Da ist die Gesellschaft immer noch wie ein uraltes Königreich aufgebaut, das sich in den vergangenen Jahrhunderten nicht veränderte. Das ist der verstaubte Mythenquark, der vor Jahrzehnten in den Zimmern pubertierender Jungs abgeladen wurde.

Da hilft auch kein muskelbepackter Jason Momoa als breit grinsender Aquaman.

Am Ende des mit gut zweieinhalb Stunden viel zu lang geratenen Wasserfilms bleibt eine große Frage: Warum ist es so schwer, einen gescheiten Superheldenfilm zu drehen? Oder anders formuliert: Was macht Marvel so viel besser als DC bei seinen Filmen?

Aquaman (Aquaman, USA 2018)

Regie: James Wan

Drehbuch: David Leslie Johnson-McGoldrick, Will Beall (nach einer Geschichte von Geoff Johns, James Wan und Will Beall) (nach einem Charakter von Mort Weisinger und Paul Norris)

mit Jason Momoa, Amber Heard, Willem Dafoe, Patrick Wilson, Nicole Kidman, Dolph Lundgren, Yahya Abdul-Mateen II, Temuera Morrison, Michael Beach, Randall Park, Graham McTavish, Leigh Whannell

Länge: 144 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche WarnerBrosDC-Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Aquaman“

Metacritic über „Aquaman“

Rotten Tomatoes über „Aquaman“

Wikipedia über „Aquaman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Wans „Insidious: Chapter 2“ (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Fast & Furious 7″ (Furious 7, USA 2015)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring 2″ (The Conjuring 2, USA 2016)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Käfer „Bumblebee“ ist ein guter Transformer

Dezember 20, 2018

Nach fünf „Transformers“-Spielfilmen, in denen Michael Bay seine Form subtiler Unterhaltung präsentierte, weiß man, wie ein an der Kinokasse erfolgreicher „Transformers“-Film aussieht: hirnlose Action, eine von Film zu Film zunehmend chaotischere Handlung, konsequent unterforderte Schauspieler (die dafür viel Schmerzensgeld erhalten) und junge Damen, deren für den Film notwendige Fähigkeiten sich in ihrem vollbusigen Aussehen erschöpfen.

Dass das bei dem neuen „Transformers“-Film anders wird, hat niemand wirklich erwartet. Schließlich hat Bay den Film produziert und der von ihm für diesen „Transformers“-Film engagierte Regisseur hat vorher nur den Animationsfilm „Kubo – Der tapfere Samurai“ gedreht.

Die ersten Minuten sind dann auch im bekannten Michael-Bay-Stil inszeniert: Es beginnt mit einer riesigen Schlacht. Auf dem Planeten Cybertron kloppen sich die Autobots mit den Deceptions. Als die Autobots die Schlacht verlieren, schickt Optimus Prime Bumblebee (aka B-127) auf die Erde. Er soll den Planeten bewachen und alles für die friedliche Ankunft der Autobots vorbereiten.

Auch auf der Erde geht es gleich mit viel Kampfgetöse weiter. Denn Bumblebee landet, verfolgt von den terminatormäßig auf ihr Ziel fokussierten Deceptions Shatter und Dropkick, mitten auf einem Militärübungsplatz und das Militär geht mit der bewährten Militärtaktik „erst ballern, dann weiterballern“ vor.

Bumblebee kann, schwer lädiert, entkommen und jetzt nimmt der von Travis Knight inszenierte Film eine sehr erfreuliche Wendung hin zu kindgerechter, ihre Protagonisten ernst nehmender herzerwärmender Disney-Unterhaltung.

Jetzt ist auch die Zeit, um kurz zu erklären, dass die Autobots und die Deceptions Roboter sind, die sich schwuppdiwupp in Autos verwandeln können. Bumblebee verwandelt sich in einen gelben VW Käfer und versteckt sich in dem nordkalifornischen Küstenort Brighton Falls auf einem Schrottplatz.

Dort lebt auch Charlie Watson (Hailee Steinfeld). Die Einzelgängerin gehört nicht zur angesagten Clique in der Schule. Lieber fährt sie mit ihrem Moped herum (ohne Helm), schraubt in der Garage an der 1959er Corvette ihres verstorbenen, über alles geliebten Vaters herum, trauert ihm immer noch nach und verdient sich etwas Geld hinzu. Sie ist definitiv kein Bay-Babe, sondern ein erfrischend normal aussehender Teenager mit alltäglichen Problemen und Sorgen. Wobei Jungs nicht dazu gehören.

Auf einem Schrottplatz entdeckt sie einen alten, gelben, hundertfünfzigprozentig schrottreifen VW Käfer. Sie verliebt sich in das Auto und kann den Besitzer des Schrottplatzes überzeugen, ihn ihr zum 18. Geburtstag zu schenken.

Als sich, kurz darauf, in der heimischen Garage, Bumblebee ihr gegenüber als Autobot zu erkennen gibt, reagiert sie erstaunlich gefasst. Denn der 1987 spielende Film spielt vor den anderen „Transformers“-Filmen und damals waren Transformers auf der Erde noch unbekannt. Schnell schließt sie den sehr herzigen Bumblebee in ihr Herz. Er wird, soweit man das bei einem Auto sagen kann, zu ihrem ständigen Begleiter, der auch in ihr Leben eingreift.

Die Idylle zwischen Charlie und Bumblebee ist allerdings nur von kurzer Dauer. Die Deceptions und das Militär wollen Bumblebee unbedingt finden und vernichten. Ein in Charlie verliebter Nachbarjunge entdeckt das Geheimnis des Käfers. Und dann ist da noch Charlies Familie, – ihr kleiner Bruder, ihre Mutter und ihr neuer Vater – , die sich fragt, was Charlie in der Garage treibt.

Weil Bumblebee ein VW Käfer mit besonderen Fähigkeiten ist, werden sofort Erinnerungen an vor Ewigkeiten gesehene Filme mit Herbie (Disneys Superkäfer) und Dudu (die deutsche Ausgabe in gelb) wach. Der 80er-Jahre-Soundtrack mit all den Hits, die man damals an jeder Straßenecke hörte, verbreitet ebenfalls ein angenehmes Retro-Gefühl. Die Songs sind dabei auch ein Teil des Gesprächs zwischen Bumblebee und Charlie. Weil Bumblebee nicht sprechen kann, drückt er seine Gedanken über das Autoradio mit Musik aus. Auch optisch und erzählerisch knüpft Travis Knight mit seinem Film an die achtziger Jahre an, als John Hughes, Steven Spielberg und die von ihm in seiner Firma Amblin Entertainment produzierten Filme, an der Kinokasse triumphierten. Man kann „Bumblebee“ ohne große Mühe als gelungene Neuinterpretation von „E. T. – Der Außerirdische“ sehen.

Das Zielpublikum des neuen Films aus dem „Transformers“-Universum sind dieses Mal eindeutig Kinder bis vierzehn Jahre. Für sie gibt es, im Rahmen einer in sich abgeschlossenen Geschichte sympathische Charaktere, Humor (zum Beispiel wenn Bumblebee tapsig das Haus der Watsons zerlegt) und, wenn die Transformers gegeneinander kämpfen, auch mehr als handfeste Action. Im Zentrum steht allerdings immer die glaubwürdige Beziehung zwischen Charlie und ihrem neuen Gefährten Bumblebee.

Bumblebee“ ist der sympathischste, erfreulichste und gelungenste „Transformers“-Film. Dass Travis Knight einen hundertprozentigen Anti-Michael-Bay-Film abliefert, hätte vor wenigen Wochen niemand erhofft und erwartet.

Bumblebee (Bumblebee, USA 2018)

Regie: Travis Knight

Drehbuch: Christina Hodson

mit Hailee Steinfeld, John Cena, Jorge Lendeborg Jr., Jason Drucker, Pamela Adlon, Stephen Schneider, Ricardo Hoyos, John Ortiz, Glynn Turman, – und im Original den Stimmen von Dylan O’Brien, Peter Cullen, Angela Bassett, Justin Theroux, David Sobolov

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Instagram-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Bumblebee“

Metacritic über „Bumblebee“

Rotten Tomatoes über „Bumblebee“

Wikipedia über „Bumblebee“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Michael Bays „Transformers: Ära des Untergangs (Transformers: Age of Extinction, USA 2014)

Meine Besprechung von Michael Bays „Transformers: The Last Knight“ (Transformers: The Last Knight, USA 2017)


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