Neu im Kino/Filmkritik: „Godzilla Minus Zero“ in großer Schlacht

November 5, 2026

Godzilla ist zurück.

Und jetzt sollte ich erklären, welcher Godzilla zurück ist.

Seinen ersten Auftritt hatte er 1954 in Inoshiro Hondas „Godzilla“. Der SW-Monsterheuler thematisierte auch die Folgen des Zweiten Weltkriegs, vor allem der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, für Japan. Seitdem trat er in unzähligen weiteren Filmen auf. Die meisten Filme waren billig. Mit kindlicher Freude zertrampelte Godzilla Großstädte, während Menschen versuchten, ihn zu besiegen. Manchmal kämpfte Gozilla auch gegen andere Kaijus. Die Menschen kämpften gegen sie. Am Ende war eine Großstadt kaputt. Und viele Kinder und Jugendliche hatten einen wunderschönen Sonntagnachmittag vor dem Fernseher verbracht.

Später durfte Godzilla im Big-Budget-Hollywoodkino mitmischen. Aktuell in dem „MonsterVerse“. Die bislang fünf Filme waren teuer. Der günstigste soll 135 Millionen US-Dollar gekostet haben. Sie haben viele ziemlich gut aussehenden CGI-Effekte und sind, in verschiedenen Abstufungen, schlecht.

Mitten in dieses Hollywood-Franchise platzte 2023 „Godzilla Minus One“. Takashi Yamazaki erzählt in seinem mit einem Oscar für die besten visuellen Effekte prämiertem Monsterfilm, der am Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt, vom Kampf einiger tapferer Menschen gegen Godzilla. Der aus Hollywood-Sicht extrem günstig produzierte Film – er soll 10 Millionen US-Dollar gekostet haben – war ein Überraschungserfolg.

„Gozilla Minus Zero“ ist die zwei Jahre später spielende Fortsetzung. Godzilla ist doch nicht tot. Artgenossen von Godzilla tauchen auf. Alles deutet auf einen großen Kampf zwischen Menschen und Monstern hin. Auf der Seite der Menschen kämpfen dann viele Menschen, die bereits in „Godzilla Minus One“ gegen Godzilla kämpften.

Für die ursprünglich nicht geplante Fortsetzung hatte Takashi Yamazaki, der wieder das Drehbuch schrieb, Regie führte und für die visuellen Effekte zuständig war, mehr Geld zur Verfügung. Er sagt bescheiden, das Budget sei etwas gestiegen. In jedem Fall war das VFX-Team größer. Dieses Mal bestand es nicht aus 35, sondern aus 50 Leuten. Es wurde im IMAX-Format gedreht. Und er ist einige Minuten länger.

Sein Film ist ein leicht zwiespältiges Vergnügen. Die Actionszenen sind gelungen. Vor allem im Finale wird dem Affen ordentlich Zucker gegeben. Aber sie sind rar. Die Auftritte von Godzilla und seinen, uh, Artgenossen noch rarer.

Zwischen den Actionszenen wird ordentlich gemenschelt, analysiert und sich auf den Kampf gegen die Monster vorbereitet. Die politischen Implikationen sind deutlich. Die Szenen mit Menschen sind oft quälend. Beispielsweise bemüht sich ein Mädchen schon von ihrem ersten Auftritt an erfolgreich, möglichst nervig zu sein. Das überbordende, kulturell bedingte Pathos und die damit verbundene Todesverachtung ist arg gewöhnungsbedürftig. Andere Szenen in der Familie und bei der Arbeit sind durchaus gelungen, aber auch eigentlich immer länger als nötig. So kommt der Monsterfilm auf deutlich über zwei Stunden Laufzeit.

Trotz aller Kritik ist „Godzilla Minus Zero“ ungleich besser als die Hollywood-Filme des „MonsterVerse“. Er bietet den Fans schon, was sie wollen und von einem japanischen Godzilla-Film erwarten.

Godzilla Minus Zero (Godzilla Minus Zero, Japan 2026)

Regie: Takashi Yamazaki

Drehbuch (und visuelle Effekte): Takashi Yamazaki

mit Ryûnosuke Kamiki, Minami Hamabe, Min Tanaka, Hidetaka Yoshioka, Masami Nagasawa, Yuki Yamada, Kuranosuke Sasaki, Jun Kunimura, Sakura Ando, Miou Tanaka, Sae Nagatani

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Godzilla Minus Zero“

Metacritic über „Godzilla Minus Zero“

Rotten Tomatoes über „Godzilla Minus Zero“

Wikipedia über „Godzilla Minus Zero“ 


TV-Tipp für den 5. November: Shoplifters

November 4, 2026

Weil die TV-Premiere von „Late Night with the Devil“ (Toller Film!) im ZDF um 01.20 Uhr einfach zu spät ist:

One, 21.55

Shoplifters – Familienbande (Manbiki Kazoku, Japan 2018)

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

Die Familie Shibata hält sich mit kleinen Ladendiebstählen über Wasser. Aber sie sind auch eine herzensgute Familie, die spontan die kleine Yuri, die allein auf einem Balkon spielt, bei sich aufnehmen.

Gewohnt feinfühliger Film von Hirokazu Kore-eda über echte und falsche Familien, der verdient in Cannes die Goldene Palme erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lily Franky, Sakura Ando, Mayu Matsuoka, Kilin Kiki, Kairi Jyo, Miyu Sasaki

Hinweise

Moviepilot über „Shoplifters“

Metacritic über „Shoplifters“

Rotten Tomatoes über „Shoplifters“

Wikipedia über „Shoplifters“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Shoplifters – Familienbande“ (Manbiki Kazoku, Japan 2018)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „La Vérité – Leben und lügen lassen“ (La Vérité, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Broker – Familie gesucht“ (Beurokeo, Südkorea 2022) und der DVD

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Die Unschuld“ (怪物 [Kaibutsu], Japan 2023)


TV-Tipp für den 30. Mai: Shoplifters

Mai 29, 2026

One, 20.15

Shoplifters – Familienbande (Manbiki Kazoku, Japan 2018)

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

Die Familie Shibata hält sich mit kleinen Ladendiebstählen über Wasser. Aber sie sind auch eine herzensgute Familie, die spontan die kleine Yuri, die allein auf einem Balkon spielt, bei sich aufnehmen.

Gewohnt feinfühliger Film von Hirokazu Kore-eda über echte und falsche Familien, der verdient in Cannes die Goldene Palme erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lily Franky, Sakura Ando, Mayu Matsuoka, Kilin Kiki, Kairi Jyo, Miyu Sasaki

Wiederholung: 31. Mai, 23.20 Uhr

Hinweise

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Neu im Kino/Filmkritik: Über Hirokazu Kore-Edas „Die Unschuld“

März 24, 2024

Als ihr Sohn Minato mal verstört, mal schmutzig, mal nur mit einem Schuh und auch mal verletzt aus der Schule kommt, ist seine ihn liebende Mutter Saori Mugino zunehmend irritiert und auch entsetzt. Sie will wissen, was vorgefallen ist. Aber Minato schweigt. An der Schule wird die alleinerziehende Witwe von den Lehrern höflich-abweisend behandelt. Die Entschuldigung von Minatos Lehrer Michitoshi Hori ist so gekünstelt, dass sie nicht mehr als eine für alle peinliche und steife Übung in japanischer Höflichkeit ist. Danach hat Saori noch mehr Fragen als vorher.

Diese Antworten gibt Hirokazu Kore-Eda im Lauf seines neuen Films „Die Unschuld“. Erstmals seit seinem Debüt „Maboroshi – Das Licht der Illusion“ (Maboroshi no Hikari, 1995) verfilmte er wieder ein von einem anderen Autor geschriebenes Drehbuch. Es ist von Yûji Sakamoto. Sakamoto ist in Japan vor allem als TV-Autor bekannt. Kore-Eda sagt über ihn und warum sie für diesen Film zusammen arbeiteten: „Sakamoto ist der Drehbuchautor, den ich von den heute noch aktiven Autoren am allermeisten schätze. Unsere Geschichten haben ähnliche Inhalte und Themen, obwohl wir sie an verschiedenen Zeitpunkten verhandeln und eine jeweils ganz eigenen Herangehensweise und Sichtweise haben. Es ist, als würden wir dieselbe Luft einatmen, aber auf unterschiedliche Weise ausatmen.“

Das Rätsel über Minatos seltsames Verhalten lösen Kore-Eda und Sakamoto, indem sie sich ihm aus drei unterschiedlichen Perspektiven nähern. Sie erzählen sie nacheinander, quasi wie thematisch zusammenhängende, sich zeitlich teilweise überlappende Kurzgeschichten. Aus einem Spielfilm, der die Geschichte einer Person erzählt, machen sie drei Kurzfilme, in denen einige Ereignisse und das Verhalten einiger Personen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird.

Nachdem in „Die Unschuld“ zuerst die Sicht der besorgten Mutter Saori erzählt wird, wird das Geschehen anschließend aus der Sicht des jungen, allgemein beliebten und um seine Schüler bemühten Lehrers Hori erzählt. Auf den ersten Blick ist undenkbar, dass er irgendetwas Schlimmes getan haben könnte. Die dritte Annäherung erfolgt aus Minatos Sicht. Mit jeder neuen Perspektive erfahren wir mehr über die beschwiegenen Ereignisse, die Motive der mehr oder weniger daran beteiligten Menschen, wie sie sich fühlen, wie sie sie wahrnahmen und warum sie sich so verhalten, wie sie sich verhalten. Dabei lässt Kore-Eda auch immer einiges in der Schwebe. Er lässt jeder Figur ihre Sicht auf die Geschehnisse. Er will, wie auch in seinen anderen Filmen, nicht verurteilen, sondern verstehen.

Ein Problem bei diesem gleichberechtigten Erzählen aus verschiedenen Perspektiven in in sich abgeschlossenen Erzählblöcken ist, dass in jeder Geschichte vieles, das bereits aus einer anderen Geschichte bekannt ist, mit kleinen Akzentverschiebungen, noch einmal erzählt wird. Das Geheimnis um das von allen beschwiegene Ereignis ist ziemlich schnell offensichtlich. „Die Unschuld“ ist halt kein Rätselkrimi, in dem ein Mörder überführt werden soll, wie in Akira Kurosawas Klassiker „Rashomon“, sondern eine Geschichte von Schule und Kindheit. Mit zwei Jungen, die im Wald gemeinsam viel Zeit verbringen.

Das erzählt Kore-Eda gewohnt feinfühlig und seinen Figuren zugewandt. Trotzdem hatte ich während des Films immer das Gefühl, dass der Gimmick mit den drei Perspektiven überflüssig ist und mehr stört als hilft.

Die Unschuld (怪物 [Kaibutsu], Japan 2023)

Regie: Hirokazu Kore-Eda

Drehbuch: Yûji Sakamoto

Musik: Ryuichi Sakamoto

mit Sakura Ando, Eita Nagayama, Soya Kurokawa, Hinata Hiiragi, Yuko Tanaka

Länge: 127 min

FSK: ab 12 Jahren

internationaler Titel: Monster

–

Hinweise

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Metacritic über „Die Unschuld“

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Wikipedia über „Die Unschuld“ (deutsch, englisch)

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TV-Tipp für den 1. Oktober: Shoplifters – Familienbande

Oktober 1, 2020

Servus TV, 22.05

Shoplifters – Familienbande (Manbiki Kazoku, Japan 2018)

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

Die Familie Shibata hält sich mit kleinen Ladendiebstählen über Wasser. Aber sie sind auch eine herzensgute Familie, die spontan die kleine Yuri, die allein auf einem Balkon spielt, bei sich aufnehmen.

TV-Premiere. Gewohnt feinfühliger Film von Hirokazu Kore-eda über echte und falsche Familien, der verdient in Cannes die Goldene Palme erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lily Franky, Sakura Ando, Mayu Matsuoka, Kilin Kiki, Kairi Jyo, Miyu Sasaki

Hinweise

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Neu im Kino/Filmkritik: Der Cannes-Gewinner „Shoplifters – Familienbande“

Dezember 27, 2018

In Tokio sehen Osamu Shibata und sein Sohn Shota auf ihrem Heimweg ein Mädchen, das sie von ihrem Balkon beobachtet. Spontan beschließen sie, das verwahrloste Kind mitzunehmen. Zunächst nur für eine warme Mahlzeit. Als sie Spuren häuslicher Gewalt an ihr entdecken, darf Yuri bei ihnen bleiben. Schließlich sei es keine Entführung, wenn Yuri jederzeit zu ihren Eltern zurückkehren könne. Bis dahin nehmen die Shibatas Yuri als weiteres Familienmitglied bei sich auf. Sie haben zwar wenig Platz in ihrer Hütte, in der auch noch Osamus Frau, eine Halbschwester und eine Großmutter leben. Aber sie lieben sich gegenseitig und spenden sich die Wärme, die man hofft, in einer Familie zu finden.

Da übersieht man auch gerne, dass Osamu und Shota, bevor sie Yuri mitnahmen, im Supermarkt ihr Abendessen klauten.

Auch später versucht man die kleinen Irritationen, die zeigen, dass die Shibata-Familie keine normale Familie ist, zu ignorieren. Denn die Shibatas sind keine Blutsverwandte, sondern, das wird schnell deutlich, Seelenverwandte, die unter widrigen Umständen eine heile Familie schufen. Jedenfalls auf der emotionalen Ebene.

Was ist eine Familie? Mit dieser Frage beschäftigte sich Hirokazu Kore-eda bereits in seinen früheren Filmen, wie „Like Father, like Son“ und „Unsere kleine Schwester“. Wieder zeigt er, dass eine glückliche Familie nichts mit Verwandtschaftsbeziehungen zu tun hat, sondern dass Familien durch Zufälle und Wahl entstehen. So sind die Shibatas auf der emotionalen Ebene eine vorbildliche Familie; auf jeder anderen Ebene eine Verbrecherfamilie. Und doch möchte man am Ende des wunderschönen Films und nachdem man alle Verbrechen der Shibatas kennt, seine Kinder Osamu und seiner Frau Nobuyo immer noch in Obhut geben. Ja, man möchte sogar selbst ein Teil der Shibata-Familie sein.

Das liegt an Hirokazu Kore-edas Blick auf seine Figuren. Er beobachtet die einzelnen Familienmitglieder mit einem immer sympathisch zugewandten Blick. Er vermeidet augenscheinliche Dramatisierungen. Sehr subtil legt er die verschiedenen Schichten der Beziehungen zwischen den Shibatas offen. Er liebt seine Figuren, die er mit einer spürbaren Wärme im Blick behält, während er nebenbei Missstände in der japanischen Gesellschaft anspricht. Das ist große Kunst.

„Shoplifters“ ist ein stiller Film, der in Cannes die Goldene Palme erhielt. Vor wenigen Wochen reichte Japan Kore-edas Drama für den Auslands-Oscar ein. Aktuell steht „Shoplifters“, neben einigen anderen sehr preiswürdigen Filmen, auf der Shortlist. Außerdem ist er, neben zahlreichen anderen Nominierungen, für den Golden Globe nominiert.

Shoplifters – Familienbande (Manbiki Kazoku, Japan 2018)

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

mit Lily Franky, Sakura Ando, Mayu Matsuoka, Kilin Kiki, Kairi Jyo, Miyu Sasaki

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

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Moviepilot über „Shoplifters“

Metacritic über „Shoplifters“

Rotten Tomatoes über „Shoplifters“

Wikipedia über „Shoplifters“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015)