Dank der Mitreisenden eine immer wieder angenehme Zugfahrt (auch wenn der Zug etwas unpünktlich ist)
Tele 5, 20.15
Mord im Orient-Express (Murder on the Orient Express, Großbritannien 1974)
Regie: Sidney Lumet
Drehbuch: Paul Dehn
LV: Agatha Christie: Murder on the Orient Express, 1934 (Mord im Orientexpress)
Millionär Ratchett wird im Orient-Express ermordet. Der Zug bleibt im Schnee stecken und der Mörder muss noch im Zug sein. Hercule Poirot befragt die Passagiere.
Starbesetzer Edelkrimi mit Albert Finney (als Hercule Poirot), Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, Sir John Gielgud, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Michael York, Richard Widmark (als Leiche). Wolf Donner meinte: „Kulinarisches Kino, angenehm überflüssig und verwirrend nutzlos.“ (Donner in Die Zeit)
Während in dem anderen Kinosaal mit „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ der Horrorfilm und Horror-Franchises gerade unter einem Berg Metaebenen begraben werden, präsentiert das an der Kinokasse erfolgreiche „Insidious“-Horrorfilm-Franchise gerade Old-School-Horror, der Metaebenen links liegen lässt. Dafür präsentiert er sattsam bekannte Szenen aus Horrorfilmen, von dem Macher wissen, dass die Zuschauer sie kennen und sie nicht darauf warten, ob, sondern nur wann sich das Monster in den dunklen Gängen und Ecken des Hauses zeigt. Gerne begleitet von plötzlichen, die vorherige Stille unterbrechenden lauten Geräuschen.
Die Filmgeschichte verlegten die Macher in das Jahr 2019 in eine Vorstadt ohne Namen. Die Zahntechnikerin Gemma (Amelia Eve) lebt mit ihrer Tochter Maya, einem aufgewecktem, zur Schule gehendem Kind, in einem Haus, das eine Mischung aus teils in Kartons verpackten, über Jahrzehnten angesammelten Erinnerungsstücken, dunklen Ecken und sparsam benutzten Lampen ist. Gemma erlebte dort vor zwanzig Jahren traumatisches mit ihrer offensichtlich verrückten Mutter. Jetzt scheint diese Vergangenheit zurückzukommen. Durch das Stadtviertel geht in Zeitlupe eine seltsame, offensichtlich von einem anderen Ort kommende Gruppe Menschen. In dem Haus scheint es zu spuken und Gemma verirrt sich in einem riesigen Labyrinth aus Kissen, das leichte „Backrooms“-Assoziationen mit etwas Taschenlampen-beleuchten-unheimliche-Gesichter-David-Lynch-Assoziationen weckt. „Backrooms“ ist der länger im Gedächtnis bleibende Horrorfilm und David Lynch spielt auch beim x-ten Besuch der „Lost Highway“ und des „Mulholland Drive“ in einer ganz anderen Liga.
Auch auf ihrer Arbeit geschehen unheimliche Dinge. Glücklicherweise trifft sie in einem ihrer Alpträume auf die schon lange verstorbene Geisterjägerin Elise Rainier (Lin Shaye). Sie ist jetzt eine selbsternannte Lotsin durch das Further, das Ewigreich, das Reich der verlorenen Seelen. Sie erklärt Gemma, dass sie ein besonderes Talent hat. Sie kann Gegenstände aus dem Further in die reale Welt und umgekehrt befördern. Deshalb interessiert der Dämon Cyrus sich für sie. Mit Gemmas Hilfe will er mit seinen Gefolgstoten in die reale Welt zurückkehren.
Ob „Insidious: Out of the Further“ in dem „Insidious“-Franchise ein Remake, ein Reboot oder einfach nur der nächste Geist der Woche ist, ist unklar. In jedem Fall erzählt Regisseur Jacob Chase mit neuen Hauptfiguren eine neue Geschichte aus der „Insidious“-Welt. Für die Fans gibt es einige sekundenlange, Erinnerungen weckende, für den aktuellen Film bedeutungslose Flashbacks zur Familie Lambert, einige bekannte Geister, das Konzept des Further und die Geisterjägerin Elise Rainier, wieder gespielt von Lin Shaye. Sie ist die einzige Schauspielerin, die in allen „Insidious“-Filmen mitspielt und mit dieser Rolle wirklich bekannt wurde in einem Alter, in dem viele andere Schauspielerinnen nur noch vor die Kamera treten, um sich zu beschweren, dass es für alte Schauspielerinnen keine Rollen mehr gibt.
Mit einigen guten Effekten, gruselig aussehenden Geistern (die viel zu lange ihre Zahnpflege vernachlässigten) und vielen extrem ausdehnten Suspense-Szenen erzählt Chase eine Geschichte, die immer wie eine Füller-Episode in einer TV-Serie wirkt. Weil die Macher gerade nicht wissen, was sie in den nächsten Episoden erzählen sollen, vertreiben sie sich die Zeit, in dem Gemma mehrere Male unter ihr Bett blickt und durch das dunkle Haus schleicht. Später krabbelt sie minutenlang durch ein Kissen-Labyrinth. Auf ihrer Arbeit untersucht sie ebenfalls minutenlang die Zähne eines alten, schweigsamen, gruselig aussehenden Mannes, während das Publikum im Kinosaal darauf wartet, dass endlich mehr als ein abgebrochener Zahn passiert.
Die Zeit vergeht, ohne dass etwas erinnerungswürdiges passiert. Das ist, wie in einer Füller-Episode oder in einem Roman, in dem der Autor sein Tagespensum herunterschreibt und überlegt, wie sich seine Geschichte weiter entwickeln soll, nicht wirklich schlecht, aber es sind die Episoden und Seiten, die man überspringt und überblättert.
Insidious: Out of the Further (Insidious: Out of the Further, USA 2026)
Regie: Jacob Chase
Drehbuch: Jacob Chase (nach einer Geschichte von David Leslie Johnson-McGoldrick und Jacob Chase)
mit Amelia Eve, Lin Shaye, Brandon Perea, Sam Spruell, Maisie Richardson-Sellers, Island Austin
Little Big Soldier (Da bing xiao jiang, China/Hongkong 2010)
Regie: Sheng Ding
Drehbuch: Jackie Chan
Ein Soldat (Jackie Chan), der mit seiner äußerst unheroischen Kampftechnik „Toter Mann“ eine Schlacht überlebt, kann danach einen gegnerischen General gefangen nehmen. Er will ihn zu seinem König bringen und die Belohnung in Empfang nehmen.
In „Little Big Soldier“ gibt es, wie man es von Jackie Chan kennt, Action und Komik. Aber auch beträchtliche Schauwerte und eine zeitlose Antikriegsbotschaft. Ein sehr sympathischer Film.
Paul Gompitz (Charly Hübner) ist fasziniert von Johann Gottfried Seumes Bericht über seine Wanderung nach Syrakus 1801/1802. Er will unbedingt einmal, auf Seumes Spuren wandernd, Syrakus sehen.
1982 entschließt Paul sich, die Reise anzutreten. Weil er in der DDR lebt, kann der glücklich verheiratete, als Kellner auf einem Schiff der „Weißen Flotte“ arbeitende Paul nicht einfach im nächsten Sportgeschäft seine Wanderausrüstung zusammenkaufen und losgehen. Er muss zuerst einmal das Land verlassen und damit beginnen seine Probleme. Er beantragt eine Ausreisegenehmigung. Als diese ihm verweigert wird, überlegt er sich, wie er das Land verlassen kann. Er probiert erfolglos jede legale Methode, die DDR zu verlassen aus. Am Ende verfällt er auf eine äußerst gewagte Idee. Er will seine Reise nach Syrakus beginnen, indem er in einem Ein-Mann-Segelboot durch die Ostsee nach Westdeutschland segelt. Weil er nach seiner Reise nach Syrakus wieder in die DDR zurückkehren will ist es keine Flucht.
Lars Jessen verfilmte jetzt diese wahre Geschichte von Klaus Müller, die Friedrich Christian Delius wenige Jahre nach dem Fall der Mauer zu seinem Roman „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ inspirierte. Delius‘ Erzählung diente Jessen und seinen Drehbuchautoren Heide und Andreas R. Kersten als Inspiration für ein warmherziges, leicht humorvolles, sich Freiheiten nehmendes Drama. Denn so filmisch und abenteuerlich die Geschichte von Klaus Müller klingt, so wenig filmisch war sie dann in Teilen. Den größten und besten Teil des Films spielt „Spaziergang nach Syrakus“ in der DDR. In dieser ersten Stunde des Films stimmt alles.
Sieben Jahre und neun Monate nach seinem Entschluss, sich auf den Weg nach Syrakus zu begeben verlässt Paul in einem Segelboot in einer stürmischen Nacht die DDR, die wenige Tage später nicht mehr existiert. Aus diesem grotesken Zusammentreffen zwischen einer Republikflucht, die bestraft werden muss, und dem Zusammenbruch des Landes, aus dem er flüchtet, schlägt Jessen keine satirischen Funken. Er vermerkt es eher nebenbei als seltsame Gleichzeitigkeit von Ereignissen, während Paul in den Alpen in die Feinheiten der ihm bislang unbekannten italienischen Küche eingeführt wird.
Ab Pauls gelungener Flucht aus der DDR verliert der Film seinen erzählerischen Fokus. Bis dahin ist die Filmgeschichte auf ein klares Ziel ausgerichtet. Er muss die DDR verlassen. Das ist schwieriger und auch langwieriger als erwartet.
Danach, im letzten Drittel, wird die Filmgeschichte zunehmend episodisch und ziellos. Zuerst gibt es einige Episoden von seiner Reise nach Syrakus. Dann gibt es Episoden aus seinem späteren Leben zwischen seiner alten Heimat Rostock und Italien, wo er 2006 während der Fußball-WM als Kellner arbeitet und seinem Kollegen von seinem großen Abenteuer erzählt.
Jessen hätte auf diesen weitgehend belanglosen und arg lückenhaften Episodenreigen besser verzichtet zugunsten weiterer Geschichten von Pauls Vorbereitungen zu seiner Flucht in den Westen. Schließlich durften seine von ihm über alles geliebte Frau, Freunde, Bekannte und Kollegen nichts davon erfahren.
Spaziergang nach Syrakus(Deutschland 2026)
Regie: Lars Jessen
Drehbuch: Heide Kersten, Andreas R. Kersten
LV (nach Motiven von): Friedrich Christian Delius: Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus, 1995
mit Charly Hübner, Lina Beckmann, Thorsten Merten, Bruno Di Chiara, Jens Münchow, Tom Jahn, Max Tuveri, Christian Näthe, Mélanie Fouché, Anna Unterberger, Moritz Vierboom, Dagmar Sachse, Björn Jung
Lord of War – Händler des Todes (Lord of War, USA 2005)
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
There are over 550 million firearms in worldwide circulation. That’s one firearm for every twelve people on the planet. The only question is: How do we arm the other 11? (Yuri Orlov)
Einer der wenigen ansehbaren Nicolas-Cage-Filme, die der Schauspieler in diesem Jahrzehnt drehte. Dafür sammelte er in den vergangenen Jahren Razzie-Nominierungen.
In der knalligen Satire „Lord of War – Händler des Todes“ spielt er Yuri Orlov, einen Waffenhändler, der ungefähr jeden Potentaten der Nach-Kalter-Kriegs-Welt mit Waffen beliefert. Der Film erzählt in kurzen Episoden die Geschichte seines märchenhaften Aufstiegs von den Hinterhöfen Little Odessas in die Hinterhöfe der Weltpolitik. Denn mit dem illegalen Waffenhandel kann viel Geld verdient werden.
That was intentional, just to be a little subversive and make almost like a ‘how-to’ film – how to be an arms dealer – and I thought that would be a more interesting way into it than a typical story structure. (Andrew Niccol)
Mit Nicolas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan, Ian Holm, Ethan Hawke
Der Anfang ist fantastisch: die Macher haben für ihren Horrorfilm „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ ein 80er-Jahre-Horror-Franchise erfunden und präsentieren jetzt neben der schnell zusammengefassten Geschichte der verschiedenen Filme und dem rapiden Niedergang der Serie nach dem ersten Film (Remember „Halloween“?), die gesamte Welt der „Camp Miasma“-Filme mit Plakaten, Set-Impressionen, Requisiten, Devotionalien, dem über Jahre entstandenem Merchandise und den vielen verschiedenen Veröffentlichungen der Filme von VHS zu DVD zu Blu-ray. In wenigen Minuten wird der gesamte Kosmos eines Horror-Franchise gezeigt. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man glauben, dass es die „Camp Miasma“-Filme wirklich gibt und man sie blöderweise bis jetzt verpasste.
Kris (Hannah Einbinder, „Hacks“) ist ein Fan der Serie. Nicht der fanatischste Fan der Serie, aber fast. Außerdem ist sie Regisseurin und jetzt will sie ein Reboot der Serie inszenieren. Natürlich mit Respekt vor dem Original, den ersten Film fortführen, rebooten und mit einem neuen Dreh in die Gegenwart befördern. Ihre queere Identität will sie dabei nicht verleugnen, sondern in das Zentrum des Films stellen. Es soll ein Film für die alten Fans sein – und eine vollkommen neue Fanbase erschaffen. Auch die Heldin des ersten Films, die zurückgezogen lebende Billy (Gillian Anderson; bekannt aus der Horrorserie „Akte X“), soll wieder mitspielen.
Um Billy zu überzeugen die Rolle anzunehmen, fährt Kris zu ihr. Mitten im Winter (Äh, wann spielten die „Camp Miasma“-Filme?) zu ihrem einsam gelegenem Haus…am Drehort der Horrorfilme. Und als ob das noch nicht verdächtig genug wäre, lebt Billy im Set und der Welt der „Camp Miasma“-Filme. Da fragt sich nicht nur Kris, ob Billy gerade eine Norma-Desmond-„Boulevard der Dämmerung“-Existenz auslebt, komplett verrückt ist oder die Verrückte spielt.
Diese Frage, garniert mit vielen Dialogen und Diskursen über den 80er-Jahre-Horrorfilm, das damalige Frauenbild, den Zustand von Hollywood, verschiedene Formen von Sexualität und der „Wahrheit“ von Horrorfilmen, also was wäre, wenn es das Monster aus den Camp Miasma wirklich gäbe, steht dann im Zentrum des von Jane Schoenbrun („I saw the TV glow“) inszenierten Films. Dieser spielt hauptsächlich in einer Nacht in Billys Haus und besteht aus einem Gespräch zwischen der alten, von der Welt vergessenen Schauspielerin und der jungen Regisseurin, zwischen dem Star und ihrem Fan, garniert mit einigen Ausflügen in die nicht (?) reale Welt von Camp Miasma.
Dieser Dialog zwischen den beiden Frauen und die Inszenierung ergehen sich, besoffen von der eigenen Schlauheit, in Meta-Ebenen. Da werden dann gleichzeitig alle Erwartungen bedient. Da wird man zuerst über die Klischees der Slasherfilme belehrt, ehe eine spärlich bekleidete Schönheit in knappstem T-Shirt kreischend in Zeitlupe vor dem Monster wegläuft und ihr T-Shirt immer feuchter wird.
Es gibt etwas lesbischen Sex. Den gab es auch in den alten Horrorfilmen; auch wenn in europäischen Filmen mehr, also weniger Bekleidung, gezeigt wurde. Damals wurden einfach nur die Gelüste lüsterner Jungs befriedigt. Jetzt gibt es die popkulturelle Einordnung – und die lüsternen Jungs dürfen wieder die gleichen Bilder angucken.
Diese Idee eines zitatfreudigen Metafilms, der gleichzeitig als richtiger Horrorfilm und als Grundlage für Universitätsseminare funktioniert, trägt dann nicht über zwei Stunden. Die Handlungen und Motive von vor allem Billy zunehmend beliebig. Von dem einen zum nächsten Bild wechselt sie den Charakter, erklärt es zum Scherz und verneint den Scherz. Die Filmgeschichte wird zunehmend abstrus; auch wenn spätestens nach Kris‘ Ankunft in Billys Haus jede Anmutung eines realistischen Films beherzt zur Seite geschoben wird. Ab diesem Moment wird „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ von einer Traumlogik irgendwo zwischen Schmalspur-David-Lynch und Schmalspur-Surrealismus beherrscht.
Der Meta-Horrorfilm konzentriert sich zu sehr auf das immer redundanter, abgedrehter und in seiner Beliebigkeit uninteressanter werdende Gespräch zwischen Kris und Billy. Er stellt in den verschiedenen übereinander gestapelten, sich teilweise widersprechende und in ihren Erklärungen aufhebenden Meta-Ebenen und Zitaten zu sehr sein Wissen heraus. Irgendwann ist nur noch eine interpretationsoffene Beliebigkeit vorhanden.
Teenage Sex and Death at Camp Miasma (Teenage Sex and Death at Camp Miasma, USA/Kanada 2026)
Regie: Jane Schoenbrun
Drehbuch: Jane Schoenbrun
mit Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Jack Haven, Amanda Fix, Arthur Conti, Eva Victor, Zach Gerry, Sarah Sherman, Patrick Fischler, Dylan Baker
Irma Gräfin von Sztáray (Sandra Hüller) wird Hofdame von Kaiserin Elisabeth von Österreich, bekannter als Sisi (Susanne Wolff) – und Frauke Finsterwalder erzählt die Geschichte der beiden Frauen beherzt faktenfrei und mit einem rein weiblichen Soundtrack. Schade, dass die zweite Hälfte des Dramas nicht die Qualität der ersten Hälfte hat.
mit Sandra Hüller, Susanne Wolff, Stefan Kurt, Georg Friedrich, Sophie Hutter, Maresi Riegner, Johanna Wokalek, Sibylle Canonica, Angela Winkler, Markus Schleinzer, Anne Müller, Anthony Calf, Tom Rhys Harries, Annette Badland
Der Banküberfall und die Flucht vor der Polizei gelingen ziemlich nach Plan. Die Beute ist auch größer als erwartet. Aber danach geht alles schief. Irgendwie hat die Polizei fast sofort erfahren, wer für den Überfall verantwortlich ist. Wenige Stunden nach dem Überfall sind ihre Gesichter in allen Hamburger Zeitungen abgedruckt. Und vor Marlons Tür stehen zwielichtige Typen. Er machte bei dem Überfall als Fluchtwagenfahrer nur mit, um seine Schulden abzubezahlen. Jetzt weiß er, dass etwas furchtbar schief ging und er hereingelegt werden soll.
Der unpolitische, hoch verschuldete 25-jährige Marlon-Brandon-Fan, – genaugenommen Fan des von Brando in „Der Wilde“ (The Wild One, USA 1953) gespielten Johnny Strabler, Chef des Black Rebel Motorcycle Club -, muss untertauchen. Auf seiner Irrfahrt durch Deutschland trifft er Revolutionäre, Sympathisanten und Terroristen. Denn Jürgen Heimbachs neuer Kriminalroman „Straßenköter“ spielt 1975 zur Hochzeit des RAF- und Linksterrorismus in der Bundesrepublik.
Auf wenigen Seiten entwirft Heimbach ein dichtes Porträt des damaligen Deutschland, während Marlon durch die Geschichte stolpert. Alle paar Seiten präsentiert er eine neue Überraschung für den von der Polizei schnell als hochgefährlichen Linksterroristen verfolgten Taugenichts. Denn Marlon befand sich, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und nicht ganz freiwillig, im Wendland in einem Haus, in dem Terroristen die Befreiung ihrer in Stammheim inhaftierten Genossen planten.
„Straßenköter“ ist eine sich eher an ein jugendliches Publikum richtende Abenteuergeschichte mit viel stimmigem Zeit- und Lokalkolorit. Wenn Heimbach die Wahl zwischen neuem Ärger für Marlon und einer Geschichtsstunde hat, entscheidet er sich zuverlässig für das Erste. Das macht den spannenden, äußerst wendungsreichen und erstaunlich kurzen Thriller zur perfekten Sommerlektüre.
Der Komponist Fred Ballinger und sein Freund, der Drehbuchautor Mick Boyle, verbringen den Sommer in der Schweiz in einem edlen Wellness-Tempel. Die beiden alten Herren genießen die Ereignislosigkeit. Sie blicken wehmütig auf ihre früheren Jahre zurück und beobachten, milde desinteressiert, die anderen Hotelgäste. Ab und an wird Ballinger, – weil es doch nicht vollkommen ohne Story geht -, von einem Gesandten der Queen gefragt, ob er sein bekanntestes Stück für eine Feier dirigieren möchte. Ballinger lehnt diese Unterbrechung seines Ruhestandes zunächst ab.
In „Ewige Jugend“ gibt es noch nicht einmal die Scheinaktivitäten von Sorrentinos früheren Filmen. Handlungstechnisch passiert nichts. Visuell passiert nichts. Das hat, gerade wegen der Altersweisheit der Charaktere, durchaus seinen kontemplativ entspannenden Reiz. Wenn man in der richtigen Stimmung ist.
Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die 55-minütige Doku „Sir Michael Caine: Vom Arbeiterkind zum Hollywoodstar“ (Deutschland 2021).
mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano, Jane Fonda, Mark Kozelek, Robert Seethaler, Alex Macqueen
Felix Huby (21. Dezember 1938, Dettenhausen – 19. August 2022, Berlin), Vater von Kommissar Ernst Bienzle und einer der großen Autoren des deutschen Kriminalromans
Ex-Boxer Bubi Kantmeier wird auf offener Straße erschossen. Der Boxer arbeitete für den Restaurantbesitzer Guido Tessari. Und weil Kommissar Schimanski mit Guido befreundet ist, ist der Fall für den Ruhrpottkommissar eine persönliche Angelegenheit. Vor allem nachdem Guido andeutet, dass er Probleme mit Schutzgelderpressern hat und Bubis Tod vielleicht eine Warnung war.
Das dürfte einer der ersten Krimis sein, in denen die Mafia im Ruhrpott agiert.
Aus der Erinnerung: ein guter Schimanski.
mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Ulrich Matschoss, Wilfried Blasberg, Guido Gagliardi. Cornelia Glogger, Pietro Giardini
Los Angeles, 1973: der von sich überzeugte 15-jährige Schüler Gary, der gleichzeitig Nachwuchsschauspieler und Jungunternehmer ist, verliebt sich während der üblichen Klassenfotos in die zehn Jahre ältere Assistentin des Fotografen. Alana lässt ihn abblitzen. Zunächst.
TV-Premiere – Die Uhrzeit ist eine Frechheit. „Licorice Pizza“ ist kein nur für eine kleine Minderheit interessanter Arthaus-Film. Andersons Komödie ist ein von der Kritik frenetisch gefeiertes Zeitporträt, das laut IMDb 61 Preise erhielt und für fast 200 Preise nominiert wurde, unter anderem mehrere Oscars, Golden Globes, BAFTAs und Critics Choice Awards . “Licorice Pizza” ist nicht Paul Thomas Andersons bester Film, aber er ist absolut sehenswert.
Die Klapperschlange (Escape from New York, USA 1981)
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, Nick Castle
USA, 1997: Manhattan wurde zum Gefängnis umfunktioniert, in dem Verbrecher den Ton angeben. Durch einen dummen Zufall muss das Flugzeug des US-Präsidenten in Manhattan notlanden. Da hat der Polizeichef eine geniale Idee: Er bietet dem rauhbeinigen Knacki Snake Plissken die Freiheit an, wenn er den US-Präsidenten lebendig aus Manhattan herausholt. Zur Motivationsförderung lässt er Plissken zwei Sprengkapseln implantiert.
Ein schön zynischer, dystpischer SF-Klassiker und ein John-Carpenter-Klassiker.
„einer der spannendsten Filme der letzten Jahre, sorgfältig inszeniert, wenn auch recht gewalttätig.“ (Fischer Film Almanach 1982)
mit Kurt Russell, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton, Adrienne Barbeau, Tom Atkins
Bei einem Provinzturnier treffen sich die Jugendfreunde und Tennisprofis Patrick Zweig (Josh O’Connor) und Art Donaldson (Mike Faist) zufällig wieder. Art ist inzwischen mit Tashi (Zendaya), die auch seine Managerin ist, verheiratet. Vor dreizehn Jahren verliebten sie sich in den aufstrebenden und von allen umschwärmten Tennisstar.
TV-Premiere. Hemmungsloser Flirt mit und zwischen Trash und Pulp. Ein Vergnügen!
Die siebzehnjährige Ivy (Bella Ramsey) ist zum ersten Mal im Children Run Free Camp für krebskranke Jugendliche. Sie wurde von ihren Eltern gezwungen, vier Wochen des Sommers dort und nicht schlecht gelaunt in ihrem Zimmer zu verbringen. Entsprechend gründlich versucht sie möglichst alles zu sabotieren mit der Absicht, möglichst schnell nach Hause geschickt zu werden. Wenn ihr das nicht gelingt, will sie eine möglichst schlechte Zeit in dem Sommercamp verbringen.
Einige der anderen Sommercamper waren schon öfter dabei. Und wenn sie nächstes Jahr nicht wieder dabei sind, sind sie gestorben. Die Chance dafür ist ziemlich hoch. Denn sie alle haben Krebs. Sie werden in Krankenhäusern Tage, Wochen und Monate behandelt. Der Tod und Gespräche über das Sterben gehören zu ihrem Alltag.
George Jaques erzählt in seinem Film „Sunny Dancer“ von Ivys Erlebnissen in dem Camp, das sich in großen Teilen nicht von einem anderen Sommercamp unterscheidet. Die Erzieher sind seltsam. Die von ihnen initiierten Beschäftigungen nervig. Die Köchin und die Pillen reichende Krankenschwester sind, nun, Erwachsene.
Die anderen Jugendlichen sind, nachdem Ivy sie kennengelernt hat, wirklich okay. Denn sie alle haben Krebs, sind immer wieder geschwächt von ihrer Krankheit und sie müssen sich aufgrund ihrer Krankheit viel mehr mit dem Tod beschäftigen als andere Gleichaltrige. Und sie sind im ‚Chemo-Camp‘ (Ivy über das Camp) über eine längere Zeit mit Gleichaltrigen zusammen, die die gleichen Probleme haben. Endlich einmal sind sie nicht die Außenseiter, sondern sie können, ohne die besorgten Eltern, als Teenager Teenager-Dinge tun. Das ist auch der Grund, weshalb einige immer wieder kommen. Bis sie zu alt werden.
„Sunny Dancer“ ist ein Feelgood-Movie für Jugendliche mit dem Herz am richtigen Fleck. Da verzeiht man die vorhersehbare Geschichte, die eigentlich eine Zusammenstellung von Episoden und Impressionen aus einem Ferienlager ist, und die brave Inszenierung.
Es beginnt harmlos: Ein Mann steigt aus der übervollen U-Bahn. Er telefoniert dabei mit seiner Freundin, erfährt von ihr, dass er Vater wird, bekommt einen Asthma-Anfall und geht zum nächsten Ausgang. Dummerweise ist die Station in Tokio riesig und der telefonierende Mann etwas unaufmerksam. Irgendwann glaubt er, dass er sich verlaufen hat. Aber, kein Problem, jede U-Bahnstation ist mit Schildern gepflastert, die zum Ausgang führen. Als er zum wiederholten Mal an den exakt gleichen Schildern und Plakaten vorbeigeht und wieder ein zunächst stummer, später schreiender Mann ihm entgegenkommt, dämmert ihm, dass er sich nicht verlaufen hat, sondern in – ja, wo eigentlich? – ist. Einem Alptraum? Einer Parallelwelt? Einem schlechten Scherz? Einem Sketch für „Verstehen Sie Spaß?“; falls es so eine Sendung in Japan gibt. Jedenfalls beginnt er nach Zeichen und einem Ausweg zu sehen.
Dank eines Schildes begreift er, dass die Welt, in der er sich gerade befindet, nach auf den ersten Blick sehr einfachen, eigentlich nur einer Regel funktioniert: Kehre um, wenn du eine Anomalie entdeckst; gehe weiter, wenn es keine Anomalie gibt. Aber was ist eine Anomalie?
Dieses erste Kapitel, in dem der verirrte Mann immer wieder durch den gleichen Gang geht und er einigen wenigen anderen Menschen begegnet, die, ihn ignorierend, an ihm vorbeilaufen, ist das längste Kapitel von Genki Kawamuras „Exit 8“. Das Kapitel dauert fast den halben Film und es ist enorm spannend. Denn schnell suchen auch wir nach Anomalien, nach Veränderungen, wie den wechselnden Zahlen auf Schildern, und Auswegen aus diesem Gang, aus dem es scheinbar kein entkommen gibt.
Die späteren Erklärungen erklären einiges und werfen neue Fragen auf. Das gilt vor allem für die Nebenfiguren des Spiels. Denn „Exit 8“ ist die Verfilmung des gleichnamigen erfolgreichen Computerspiels von Kotake Create. Für den Protagonisten, den verirrten Mann, steht am Ende des Horrorfilms die Antwort auf eine Frage, die er am Anfang nicht benatworten wollte. Aber ob er wirklich den titelgebenden Exit 8 gefunden hat, bleibt in diesem Film, der wie eine Endlosschleife konstruiert ist und sich anscheinend alles wiederholt, unklar.
Bis dahin begeistert der wunderschön durchkomponierte, auf mehreren Ebenen funktionierend, gleichzeitig in sich geschlossene und für verschiedene Interpretationen offene Horrorfilm in seinem Minimalismus. Eigentlich spielt der gesamte Film nur in einem Gang, der immer wieder durchschritten wird und der scheinbar kein Ende hat, obwohl er sich alle paar Meter wieder wiederholt. Kawamura inszeniert das in langen Takes, die über die reale Länge des Gangs bei den Dreharbeiten hinwegtäuschen. Mit der heutigen Technik und den monoton gekachelten U-Bahn-Gängen können unsichtbare Schnitte leichter getarnt werden und aus fünf Metern werden endlos viele Meter.
Genki Kawamura schrieb den Bestseller „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ (2012), produzierte die Filme „Suzume“, „Miral“, „Belle“ und „Die Unschuld“ mit und verfilmte seinen Roman „A hundred Flowers“ (2022), sein Spielfilmdebüt. „Exit 8“ ist sein zweiter Spielfilm. Seine Premiere hatte er 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes in der Sektion „Midnight Screenings“.
Exit 8 (8番出口, Transkription: Hachi-Ban Deguchi, Japan 2025)
Der talentierte Mr. Ripley (The talented Mr. Ripley, USA 1999)
Regie: Anthony Minghella
Drehbuch: Anthony Minghella
LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)
Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.
Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.
Der Film war unter anderem für den Edgar Alan Poe Award nominiert.
Mit Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Philip Baker Hall, Lisa Eichhorn
Ein Horrorfilm, ein Neo-Noir und jetzt ein Dinosaurierfilm. Wo ist da, abgesehen von dem Namen des Regisseurs, der gemeinsame Nenner? Alle verraten ein großes Filmwissen. „It Follows“ über einen tödlichen Fluch, der durch Sex weitergegeben wird, gefiel den Horrorfans und den Kritikern. „Under the Silver Lake“ kam beim Kinostart nicht so gut an. Inzwischen wird dieser Zitatfreudige, aus der Zeit gefallene in Los Angeles spielende, sich in der dortigen Kultur suhlende Neo-Noir positiver beurteilt. Sein neuester Film „The End of Oak Street“ ist ein sich etwas seltsam zwischen die Stühle setzender Vorstadt-Dinosaurier-Film. Was wäre, wenn der Jurassic Park nicht auf einer einsamen Insel sondern eines Morgens im Vorgarten einer typischen US-Vorstadt wäre? Und was wäre, wenn eine typische US-amerikanische Kleinfamilie plötzlich gegen Dinosaurier im Vorgarten kämpfen müsste?
David Robert Mitchell, der wie bei seinen vorherigen Filmen auch dieses Mal das Drehbuch schrieb, hält sich nicht mit Erklärungen auf, wie es zu der Zeitreise der Familie Platt, bestehend aus der Hausfrau Denise Platt (Anne Hathaway), ihrem liebevollem Mann Greg (Ewan McGregor) und ihren netten Kinder Brian (Christian Convery) und seiner ältere Schwester Audrey (Maisy Stella), kommt. In der Nacht gibt es plötzlich ein sehr helles Licht. Am nächsten Tag ist die lauschige Vorort ein vom Rest der heutigen Welt abgetrenntes Gebiet mit tropischen Temperaturen und Dinosauriern, aber ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Dieses „Twilight Zone“-Gefühl gibt Mitchell dann schnell zugunsten eines bunten, actionlastigen Siebziger/Achtziger-Jahre-Fantasy-Familienfilms auf. Obwohl der Film 1982 spielt, wirkt er mit den Frisuren und Kleidern seiner Hauptfiguren, der Inneneinrichtung, den kleinen Fernsehern, Denises Polaroid-Kamera und der Abwesenheit von allem, was irgendwie mit Computern und den Achtzigern zu tun hat, wie ein in den Siebzigern spielender Film. In jedem Fall ist es eine Zeit, die heute als gute alte Zeit, in der die US-Gesellschaft noch eine harmonische Gemeinschaft war, verklärt wird.
Mitchell nahm sich für seinen neue Film „The End of Oak Street“ als offensichtliches Vorbild in den siebziger und achtziger Jahren entstandene Fantasy-Filme für die ganze Familie. Auch wenn es bei ihm ab und an etwas drastischer und expliziter zugeht. Er zeigt, wie ein Dinosaurier einem Menschen ein Bein abbeißt. Oder wie zwei Dinosaurier sich einträchtig an ein Haus gelehnt paaren. Das ist ein Moment der Stille, bevor die Menschen wieder schreiend vor Dinosauriern weglaufen.
Die Platts laufen kreuz und quer durch die Oak Street und die anderen Straßen und Abkürzungen in ihrer halb im Wald liegenden Vorstadt. Sie suchen ihren Hund Starbuck und ein Portal, das sie wieder in die Gegenwart zurückbringen soll. Bis auf ein kürzlich mit ihrer Familie in die Nachbarschaft gezogenes Mädchen, treffen sie kaum andere Menschen. Bei der Zeitreise des Ortes in die Vergangenheit scheinen fast alle Nachbarn im Nirgendwo verschwunden zu sein. Die anderen Nachbarn werden sofort zu Dino-Futter oder werfen nur einen kurzen Blick auf die Straße. Letztendlich ist die Oak Street nach der Zeitreise ein seltsam menschenleerer und entsprechend ruhiger Ort.
Sowieso sollte man nicht zu sehr über die doch sehr vorhersehbare und einfache Geschichte von „The End of Oak Street“ nachdenken. Mitchell liefert weitgehend anspruchslose familienfreundliche Unterhaltung im Retro-Design mit Spielberg-Touch.
Wer einfach knappe hundert Minuten zusehen möchte, wie eine vierköpfige Familie mit kleinen Problemen beim Zusammenleben und einem Hund, gegen Dinosaurier kämpft, und die Geschichte nicht zu sehr auf Erklärungen und politische Implikationen abklopft, wird sich gut unterhalten fühlen.
The End of Oak Street (The End of Oak Street, USA 2026)
Regie: David Robert Mitchell
Drehbuch: David Robert Mitchell
mit Anne Hathaway, Ewan McGregor, Christian Convery, Maisy Stella, P. J. Byrne, Chris Coy, Jordan Alexa Davis
Niederkaltenkirchen, ein Dorf in Niederbayern, mit einer verdächtig hohen Mordrate. Jetzt hat es den Steckerlfischkönig erwischt. Splitterfasernackt liegt er im Bad des örtlichen und selbstverständlich sehr noblen Golfclubs. Weil es sich eindeutig um Mord handelt und der Steckerlfischkönig Paulus (Christian Tramitz) viele Feinde hatte, muss Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), der unbestechliche Dorfpolizist mit der hundertprozentigen Aufklärungsrate, ran. Sofort sehr verdächtig ist die Großfamilie Dottinger. Die miteinander verfeindeten Familien Dottinger und Paulus betreiben seit Ewigkeiten auf Volksfesten Fischbuden. In den vergangenen Tagen eskalierte der Konflikt zwischen den Konkurrenten auf einem Volksfest so sehr, dass Franz Eberhofer öfter zur Hilfe gerufen wurde.
Noch bevor Eberhofer einen Blick auf die Leiche werfen kann, mischt sich sein Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) in die Ermittlungen ein. Weil er gerade einen Selbstversuch im konsumfreien Leben durchführt, taucht er vollkommen ungepflegt und stinkend auf. Eberhofers Frau, die Susi (Lisa Maria Potthoff), würde sich über mehr Hilfe von ihrem Gatten im Bürgermeisterwahlkampf freuen. Und ihr inzwischen schon zehnjähriger Sohn Paul (Pelle Küffner – Mensch, wachsen die Kinder schnell!), probt gerade für eine Tanzaufführung. Eberhofers Bruder und Vater leben weiter auf dem Hof. Die Oma wird kurzzeitig für eine Kur in ein Altenheim befördert und Eberhofers Kumpels haben sich als Werbemaßnahme T-Shirts drucken gelassen. Die neuen Hemden präsentieren sie auf dem Golfplatz, an ihrem Handicap arbeitend.
Ihr merkt: seit dem vorherigen Eberhofer-Film „Rehragout-Rendezvous“ hat sich in Niederkaltenkirchen viel und gleichzeitig wenig verändert. Auch hinter der Kamera ist Kontinuität angesagt. So ist das Drehbuch wieder von Stefan Betz und Ed Herzog ist wieder der Regisseur. Das ist ein eingespieltes Team, das zuverlässig im Jahresturnus (auch wenn es zuletzt eine längere Pause gab) eine neue Krimi-Komödie abliefert. Der Kriminalfall ist dabei die Beigabe für den vergnüglichen Rest, der weitgehend von den bekannten Figuren bestritten wird. Auch wenn es zu viele Witze über Birkenbergers fürchterlichen Geruch gibt, einiges zu vorhersehbar ist und einige potentielle Witze ignoriert werden.
Auch im „Steckerlfischfiasko“ markieren der Mord und die Aufklärung des Falles nur die Punkte, wann der Film beginnt und endet. Dazwischen werden einige Filmminuten für die Ermittlungen verwendet, während die Aufmerksamkeit der Macher vor allem den verschiedenen Nebengeschichten und Begegnungen mit den aus den vorherigen Filmen bekannten Figuren gilt. Die Fans bemerken die kleinen Veränderungen. Die Gaststars fügen sich spielfreudig ein.
Am Ende unterscheidet sich das „Steckerlfischfiasko“ kaum von den vorherigen neun Eberhofer-Krimis. Das erwartet auch, wie bei der neuen CD der „Rolling Stones“ (sie waren wieder im Studio), niemand. Die Fans wollen das Gleiche noch einmal, nur etwas anders. Das gut eingespielte Team Eberhofer liefert.
Steckerlfischfiasko(Deutschland 2026)
Regie: Ed Herzog
Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog
LV: Rita Falk: Steckerlfischfiasko, 2023
mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Eisi Gulp, Enzi Fuchs, Gerhard Wittmann, Pelle Küffner, Lara Mandoki, Ruby O. Fee, Niklas Marian Müller, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Thomas Kügel, Sigi Zimmerschied, Ferdinand Hofer, Günther Michael Ostrowski, Milan Peschel, Eli Wasserscheid, Petra Berndt, Peter Mitterrutzer, Castro Dokyi Affum, Christian Tramitz
Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)
Regie: Ben Stiller
Drehbuch: Steven Conrad
LV: James Thurber: The Secret Life of Walter Mitty, 1939 (Walter Mittys Geheimleben, Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The New Yorker“)
Walter Mitty arbeitet im Fotoarchiv des „Life Magazine“ und in seiner Fantasie erlebt er die tollsten Abenteuer. Sein Leben ändert sich, als auf dem Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins ein von dem wagemutigem Fotografen Sean O’Connell gemachtes Bild erscheinen soll. Denn dummerweise findet Mitty das Negativ nicht. Also macht er sich auf den Weg. Er sucht O’Connell und erlebt dabei die erstaunlichsten Abenteuer.
Wunderschöne, gelungen zwischen Fantasie und Realität wechselnde Komödie über Träume und ihre Erfüllung. Von James Thurbers klassischer Kurzgeschichte wurde nur die Grundidee übernommen.