Neu im Kino/Filmkritik: „Insidious: Out of the Further“ schreibt das Horror-Franchise fort

August 22, 2026

Während in dem anderen Kinosaal mit „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ der Horrorfilm und Horror-Franchises gerade unter einem Berg Metaebenen begraben werden, präsentiert das an der Kinokasse erfolgreiche „Insidious“-Horrorfilm-Franchise gerade Old-School-Horror, der Metaebenen links liegen lässt. Dafür präsentiert er sattsam bekannte Szenen aus Horrorfilmen, von dem Macher wissen, dass die Zuschauer sie kennen und sie nicht darauf warten, ob, sondern nur wann sich das Monster in den dunklen Gängen und Ecken des Hauses zeigt. Gerne begleitet von plötzlichen, die vorherige Stille unterbrechenden lauten Geräuschen.

Die Filmgeschichte verlegten die Macher in das Jahr 2019 in eine Vorstadt ohne Namen. Die Zahntechnikerin Gemma (Amelia Eve) lebt mit ihrer Tochter Maya, einem aufgewecktem, zur Schule gehendem Kind, in einem Haus, das eine Mischung aus teils in Kartons verpackten, über Jahrzehnten angesammelten Erinnerungsstücken, dunklen Ecken und sparsam benutzten Lampen ist. Gemma erlebte dort vor zwanzig Jahren traumatisches mit ihrer offensichtlich verrückten Mutter. Jetzt scheint diese Vergangenheit zurückzukommen. Durch das Stadtviertel geht in Zeitlupe eine seltsame, offensichtlich von einem anderen Ort kommende Gruppe Menschen. In dem Haus scheint es zu spuken und Gemma verirrt sich in einem riesigen Labyrinth aus Kissen, das leichte „Backrooms“-Assoziationen mit etwas Taschenlampen-beleuchten-unheimliche-Gesichter-David-Lynch-Assoziationen weckt. „Backrooms“ ist der länger im Gedächtnis bleibende Horrorfilm und David Lynch spielt auch beim x-ten Besuch der „Lost Highway“ und des „Mulholland Drive“ in einer ganz anderen Liga.

Auch auf ihrer Arbeit geschehen unheimliche Dinge. Glücklicherweise trifft sie in einem ihrer Alpträume auf die schon lange verstorbene Geisterjägerin Elise Rainier (Lin Shaye). Sie ist jetzt eine selbsternannte Lotsin durch das Further, das Ewigreich, das Reich der verlorenen Seelen. Sie erklärt Gemma, dass sie ein besonderes Talent hat. Sie kann Gegenstände aus dem Further in die reale Welt und umgekehrt befördern. Deshalb interessiert der Dämon Cyrus sich für sie. Mit Gemmas Hilfe will er mit seinen Gefolgstoten in die reale Welt zurückkehren.

Ob „Insidious: Out of the Further“ in dem „Insidious“-Franchise ein Remake, ein Reboot oder einfach nur der nächste Geist der Woche ist, ist unklar. In jedem Fall erzählt Regisseur Jacob Chase mit neuen Hauptfiguren eine neue Geschichte aus der „Insidious“-Welt. Für die Fans gibt es einige sekundenlange, Erinnerungen weckende, für den aktuellen Film bedeutungslose Flashbacks zur Familie Lambert, einige bekannte Geister, das Konzept des Further und die Geisterjägerin Elise Rainier, wieder gespielt von Lin Shaye. Sie ist die einzige Schauspielerin, die in allen „Insidious“-Filmen mitspielt und mit dieser Rolle wirklich bekannt wurde in einem Alter, in dem viele andere Schauspielerinnen nur noch vor die Kamera treten, um sich zu beschweren, dass es für alte Schauspielerinnen keine Rollen mehr gibt.

Mit einigen guten Effekten, gruselig aussehenden Geistern (die viel zu lange ihre Zahnpflege vernachlässigten) und vielen extrem ausdehnten Suspense-Szenen erzählt Chase eine Geschichte, die immer wie eine Füller-Episode in einer TV-Serie wirkt. Weil die Macher gerade nicht wissen, was sie in den nächsten Episoden erzählen sollen, vertreiben sie sich die Zeit, in dem Gemma mehrere Male unter ihr Bett blickt und durch das dunkle Haus schleicht. Später krabbelt sie minutenlang durch ein Kissen-Labyrinth. Auf ihrer Arbeit untersucht sie ebenfalls minutenlang die Zähne eines alten, schweigsamen, gruselig aussehenden Mannes, während das Publikum im Kinosaal darauf wartet, dass endlich mehr als ein abgebrochener Zahn passiert.

Die Zeit vergeht, ohne dass etwas erinnerungswürdiges passiert. Das ist, wie in einer Füller-Episode oder in einem Roman, in dem der Autor sein Tagespensum herunterschreibt und überlegt, wie sich seine Geschichte weiter entwickeln soll, nicht wirklich schlecht, aber es sind die Episoden und Seiten, die man überspringt und überblättert.

Insidious: Out of the Further (Insidious: Out of the Further, USA 2026)

Regie: Jacob Chase

Drehbuch: Jacob Chase (nach einer Geschichte von David Leslie Johnson-McGoldrick und Jacob Chase)

mit Amelia Eve, Lin Shaye, Brandon Perea, Sam Spruell, Maisie Richardson-Sellers, Island Austin

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Insidious: Out of the Further“

Metacritic über „Insidious: Out of the Further“

Rotten Tomatoes über „Insidious: Out of the Further“

Wikipedia über „Insidious: Out of the Further“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Wans „Insidious: Chapter 2“ (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Leigh Whannells „Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang“ (Insidious: Chapter 3, USA 2015)