„Brant“ jagt einen Polizistenmörder

Mai 31, 2017

In London fragt ein Mann per Anruf in einer Boulevardzeitung, wie viele Polizisten er ermorden soll. Das könnte ein geschmackloser Scherz sein, wenn er nicht schon einmal zugeschlagen hätte und dieser Mord der Auftakt einer Serie von insgesamt acht Polizistenmorden sein soll.

Detective Sergeant Brant und seine Kollegen von der South East London Police Squad machen sich auf die Jagd nach dem Polizistenmörder.

Brant“ ist der bekannteste Brant-Roman von Ken Bruen. Denn er wurde 2011 von Elliott Lester mit Jason Statham verfilmt. Für einen Kinostart von „Blitz“ in Deutschland reichte es dann doch nicht – düstere Cop-Dramen laufen bei uns halt nicht im Kino -, aber auf DVD erschien der Film, er ist gut erhältlich und läuft auch ziemlich regelmäßig im TV.

Der Roman ist der vierte von sieben Brant-Romanen, die Ken Bruen zwischen 1998 und 2007 schrieb und die seit letztem Jahr in nicht chronologischer Reihenfolge bei polar erscheinen. Das mindert etwas das Lesevergnügen, denn die Charaktere und ihre Beziehungen entwickeln sich von Roman zu Roman weiter und Bruen spielt immer wieder auf Ereignisse aus den vorherigen Romanen an, während er die Handlung immer weiter verknappt. Das gilt für die Haupt- und Nebenhandlungen. Immerhin sind die Brant-Romane Polizeikriminalromane, die sich auf der formalen Ebene an Ed McBains langlebigen, das Genre prägenden Serie über das 87. Polizeirevier orientieren. Bruen unterläuft allerdings die Konventionen des Polizeiromans mit viel Schwarzem Humor, literarischen Anspielungen und einer invertierten Moral. Bei Bruen gibt keine guten Bobbys, sondern nur verschieden schlechte Cops, die alle mehr oder weniger die Arbeit erledigt bekommen. Unter fröhlicher Missachtung der Dienstvorschrift und jedes zivilisierten Verhaltenskodex. Der schlimmste von ihnen ist Brant und in „Brant“ legt er auf den ersten Seiten auch gleich mächtig los. Beim Polizeipsychiater raucht er (entgegen der Verbotsschilder), verpasst ihm eine Kopfnuss, zwingt ihn zum Glenfiddich-Trinken und schwärzt ihn bei den internen Ermittlern als Trinker an. Das geschieht alles auf den ersten fünf Seiten des Romans und, wie auch auf den ersten Seiten seines ersten Jack-Taylor-Privatdetektivromans „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards) (auch verfilmt), weiß man nach diesem Auftakt, ob man für das Buch geeignet ist oder doch lieber einen lauschigen Häkelstrickkrimi mit honorigen Polizisten und Mördern liest.

Ken Bruen: Brant

(übersetzt von Len Wanner)

polar Verlag, 2017

256 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Blitz – or… Brant hits the Blues

Do Not Press, 2002

Verfilmung

Blitz – Cop-Killer vs. Killer-Cop (Blitz, Großbritannien 2011)

Regie: Elliott Lester

Drehbuch: Nathan Parker

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, Zawe Ashton, David Morrissey, Ned Dennehy, Mark Rylance, Luke Evans

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 31. Mai: Am Abend aller Tage

Mai 30, 2017

ARD, 20.15

Am Abend aller Tage (Deutschland 2017, Regie: Dominik Graf)

Drehbuch: Markus Busch

Der Jurist und Kunstkenner Philipp Keyser wird von einer Gruppe namenloser Senioren beauftragt, das verschollene Gemälde „Berufung der Salome“ des Expressionisten Ludwig Glaeden besorgen. Es soll sich in der Münchner Villa des menschenscheuen Sammlers Magnus Dutt befinden.

Sehr lose inspiriert vom wahren Fall des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt und der bei ihm gefundenen Raubkunstgemälde inszenierte Dominik Graf ein Thrillerdrama, in dem es auch um die Frage geht, wem Kunst gehört. Und natürlich um das Kino

mit Friedrich Mücke, Victoria Sordo, Ernst Jacobi, Emma Jane, Hildegard Schmahl

Wiederholungen

ARD: Donnerstag, 1. Juni, 00.35 Uhr (Taggenau!)

One: Mittwoch, 7. Juni, 15.25 Uhr

Hinweise

ARD über „Am Abend aller Tage“

Filmportal über „Am Abend aller Tage“

Moviepilot über „Am Abend aller Tage“

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


Das „Lexikon des internationalen Films“ blickt auf das Filmjahr 2016 zurück

Mai 30, 2017

Früher waren Lexika überlebensnotwendig. Der Duden und der Brockhaus standen als verlässliche Ratgeber für brenzlige Situationen, wie Hausaufgaben, in jeder Wohnung des Bildungsbürgertums. Die Encyclopaedia Britannica gab es in der gutsortierten Universitätsbibliothek. Neben den verschiedenen Jahrbüchern.

Heute gibt es das alles im Internet – und trotzdem sind die gedruckten Bücher immer noch sinnvoll. Sie halten inne, sammeln einmal im Jahr die wichtigen Dinge, zeigen Entwicklungen auf, man kann wunderschön in ihnen herumblättern und Dinge auf eine Art entdecken, die so im Netz nicht funktioniert.

Das gilt auch für die neueste Ausgabe des „Lexikon des internationalen Films“. Vom Aufbau unterscheidet es sich nicht von den vorherigen Ausgaben: im Mittelpunkt stehen Kurzkritiken aller in Deutschland 2016 erstmals im Kino, auf DVD/Blu-ray und im Fernsehen gezeigten Spielfilme und längere Dokumentarfilme. Es werden auch TV-Filme und immer mehr Serien erwähnt. Seit letztem Jahr ist auch der „Tatort“ dabei. Weil britische Serien wie „Inspector Barnaby“ und Rosamunde-Pilcher/Inga-Lindström-Verfilmungen seit Ewigkeiten besprochen werden, war diese Erweiterung überfällig. Insgesamt gibt es auf über 360 Seiten gut zweitausend Kurzkritiken. Ergänzt um zwanzig Seiten mit Kurzkritiken von DVDs und Blu-rays, die eine besonders überzeugende Ausstattung haben. Hier werden dann ältere Filme, wie „Blues Brothers“ und „Der Mann, der vom Himmel fiel“, besprochen.

Es gibt den Rückblick auf das vergangene Kinojahr, die Preisträger ausgewählter Festivals und Filmpreise, den Kinotipp der Katholischen Filmkritik (weil das „Lexikon des internationalen Films“ von der katholischen Kirche herausgeben wird), die „Sehenswert“-Empfehlungen des Filmdienst, aufgelistet auf zwei Seiten (für den schnellen Überblick), und die von der „Filmdienst“-Redaktion intern unter ihren Kritikern abgestimmte Liste der besten Filme des Kinojahres 2016. Das waren

Toni Erdmann

Arrival

Alles was kommt

Paterson

Frantz

Nocturnal Animals

American Honey (ein bei Preisen und Jahresbestenlisten sträflich unterschätzter Film)

Anomalisa

Wild

Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika

Eine gute Auswahl, aber wo bleiben „Raum“ und „Spotlight“?

Das „Special“ befasst sich dieses Jahr mit TV-Serien. Es gibt fünf vertiefende Texte und Kurzkritiken zu vierzig Serien; natürlich mit den üblichen Verdächtigen: „Boardwalk Empire“ (da muss ich mal einige Folgen am Stück sehen. Denn bis jetzt halte ich die Gangsterserie für ziemlich zäh), „Die Brücke – Transit in den Tod“, verschiedene Marvel-Serien, „The Night Manager“, „True Detective“ und „The Walking Dead“.

Für Filmfans ist die aktuelle Ausgabe des „Lexikon des internationalen Films“ selbstverständlich ein Pflichtkauf.

Die Zukunft des Lexikons ist, wie Peter Hasenberg von der Katholischen Filmkommission für Deutschland im Vorwort schreibt, allerdings ungewiss, weil die Deutsche Bischofskonferenz beschlossen hat, die Zeitschrift „Filmdienst“ ab 2018 nur noch als Online-Angebot fortzuführen. Die in ihr erscheinenden Kritiken bilden das Fundament des Lexikons. Die Zeitschrift feiert dieses Jahr ihr 70-jähriges Bestehen.

Filmdienst/Katholische Filmkommission für Deutschland (Redaktion: Horst Peter Koll): Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2016

Schüren, 2017

544 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Homepage der Zeitschrift „Filmdienst“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung von “Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2010″

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2011“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2013“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2014“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2015“


Wer hat „Das Versprechen“ und „Zweimal lebenslänglich“ gewonnen?

Mai 30, 2017

Die Verlosung ist rum und die glücklichen Gewinner sind

Heike H. aus Idar-Oberstein für das Buch

Wolfgang W. aus Berlin für die DVD

Viel Vergnügen wünscht die Kriminalakte.

Für alle anderen, die jetzt zum Händler ihres Vertrauens laufen, hier noch einmal die wichtigsten Angaben:

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)

Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger

mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield

und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl

DVD

Farbfilm Home Entertainment

Bild: 1:2,35 (Cinemascope)

Ton: Originalfassung (Deutsch/Englisch, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Hörfilmfassung, Die Protagonisten, Die Liebesbriefe

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Zum Lesen

Die Autobiographie von Jens Söring, der im Gefängnis mehrere Bücher schrieb

soering-zweimal-lebenslaenglich

Jens Söring: Zweimal lebenslänglich – Wie ich seit drei Jahrzehnten für meine Freiheit kämpfe

(mit einem aktuellen Vorwort von Karin Steinberger)

(aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Strerath-Bolz)

Knaur, 2016

416 Seiten

10,99 Euro

Erstausgabe

Knaur Verlag, 2012

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Versprechen“

Moviepilot über „Das Versprechen“

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „The Forecaster“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ (The Promise, Deutschland 2016)

The New Yorker: ausführliche Reportage von Nathan Heller über den Mordfall (9. November 2015)

Michael Remke: Neue Beweise für Unschuld des Diplomaten-Sohns? (Die Welt, 5. Mai 2017)

 


Cover der Woche

Mai 30, 2017


TV-Tipp für den 30. Mai: Red Rock West

Mai 30, 2017

WDR, 00.25

Red Rock West (USA 1992, Regie: John Dahl)

Drehbuch: John Dahl, Rick Dahl

Vollkommen abgebrannt landet Michael Williams in dem Kaff Red Rock. Dort wird er für einen Profikiller gehalten und erhält auch gleich das Honorar für den Mordauftrag. Dummerweise trifft kurz darauf der wirkliche Killer ein.

„‚Red Rock West‘ ist ein Film noir mit allen Qualitäten eines modernen Western, wie sie in den Romanen und Figuren von Jim Thompson zu finden sind. Es geht um Liebe, Mord und Verrat – schnörkellos, direkt und lakonisch inszeniert.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Besser hätte ich es auch nicht formulieren können.

„Red Rock West“ ist ein Film aus einer Zeit, als man sich noch auf den nächsten Nicolas-Cage-Film freute.

mit Nicolas Cage, Dennis Hopper, Lara Flynn Boyle, J. T. Walsh

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Red Rock West“

Wikipedia über „Red Rock West“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. Mai: Every thing will be fine

Mai 29, 2017

Arte, 22.10

Every thing will be fine (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Bjørn Olaf Johannessen

An einem Wintertag überfährt Tomas zufällig ein Kind. In den folgenden Jahren versucht er mit seiner Schuld umzugehen.

Ruhiges, intensives Drama, das Wenders in 3D drehte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit vielen Clips).

mit James Franco, Rachel McAdams, Charlotte Gainsbourg, Marie-Josée Croze, Robert Naylor, Patrick Bauchau, Peter Stormare

Wiederholung: Mittwoch, 31. Mai, 13.40 Uhr

Hinweise
Filmportal über „Every thing will be fine“
Film-Zeit über „Every thing will be fine“
Moviepilot über „Every thing will be fine“
Metacritic über „Every thing will be fine“
Rotten Tomatoes über „Every thing will be fine“
Wikipedia über „Every thing will be fine“ (deutsch, englisch)
Berlinale über „Every thing will be fine“

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. Mai: Quartett Bestial

Mai 27, 2017

Arte, 20.15

Quartett Bestial (Sept morts sur ordonannce, Frankreich/Deutschland/Spanien 1975)

Regie: Jacques Rouffio

Drehbuch: Georges Concon, Jacques Rouffio, Jean-Louis Chevriér

Dr. Brézé möchte, dass seine vier Söhne, alles lausige Quacksalber, in der Provinz in der von ihm gebauten Klinik gut Geld verdienen. Dafür müssen alle anderen Ärzte aus der Gegend vertrieben werden. Nur Dr. Losseray leistet Widerstand.

Der Film wurde begeistert aufgenommen, und Depardieu erhielt seine erste Nominierung für einen César. (…) Vor dem düsteren Hintergrund eines einsamen Kampfes gegen die Medizinermafia erinnert das Sujet des Films an Geschichten von Balzac. Depardieu und Piccoli wurden von der angesehenen Les Nouvelles Littéraires als beste Schauspieler ihrer jeweiligen Generation bejubelt. Laut Le Figaro hatte Regisseur Jacques Rouffio ‚einen Volltreffer gelandet, indem er uns in den vollklimatisierten Alptraum einer Klinik führt‘. Alle schätzten diesen Film, besonders weil er das korrupte Gesundheitssystem in Frankreich attackierte.“ (Marianne Gray: Gérard Depardieu – Der europäische Superstar, 1992)

Die andere Meinung: „Verworrenes Psychodrama; oberflächlich, langatmig und blutrünstig.“ (Lexikon des internationalen Films)

Rouffio inszenierte auch „Violette und Francois“ und „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“.

Arte zeigt die neue, digital restaurierte Fassung.

mit Michel Piccoli, Gérard Depardieu, Jane Birkin, Marina Vlady, Charles Vanel

Wiederholung: Dienstag, 30. Mai, 13.40 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Quartett Bestial“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 27. Mai: Das Gesetz der Begierde

Mai 26, 2017

One, 22.00

Das Gesetz der Begierde (Spanien 1986, Regie: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Pablo liebt Juan. Antonio liebt Pablo und Pablos Schwester Tina, die früher ein Mann war. Und schon dreht sich das Liebes- und Eifersuchtskarussell.

„Der Showdown ist schlichtweg genial, und zwar gerade weil er unüberbietbar kitschig ist. (…) Der Rest stellt sich als banale Eifersuchtsgeschichte unter Schwulen dar“, urteilte der Fischer Film Almanach damals über Almodóvars Frühwerk, das auch international Kasse machte.

mit Eusebio Poncela, Carmen Maura, Antonio Banderas, Miguel Molina

Wiederholung: Montag, 29. Mai, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Das Gesetz der Begierde” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Julieta“ (Julieta, Spanien 2016)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Stockholm Syndrom ist „Berlin Syndrom“

Mai 26, 2017

Stockholm-Syndrom: „ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Dies kann dazu führen, dass das Opfer mit den Tätern sympathisiert und mit ihnen kooperiert.“ (Wikipedia)

Berlin Syndrom“ könnte der Titel eines Films von Dario Argento sein. Dann wäre es ein herrlich durchgeknallter Horrorfilm der den Exzess zum Stilprinzip erhebt.

Es ist aber der Titel des neuen Films der Australierin Cate Shortland („Lore“), der in Berlin spielt und, wenig subtil, auf das Stockholm-Syndrom anspielt.

Die australische Rucksackreisende Clare Havel (Teresa Palmer) trifft in Berlin-Kreuzberg Andi Werner (Max Riemelt). Er ist ein charmanter, literarisch interessierter Englischlehrer, der ihr Berlin abseits der Touristenpfade zeigt. Weil man als Reisende an keinen festen Terminkalender gebunden ist, verbringt sie etwas Zeit mit ihm. Inclusive einer Nacht in seinem Bett. Das ist, immerhin ist „Berlin Syndrom“ ein Thriller, ein böser Fehler. Denn Andi sperrt sie in seiner hermetisch abgeschlossenen Hinterhofwohnung in einem leeren, renovierungsbedürftigen und daher menschenleeren Wohnblock ein.

In diesem Moment ist das Fundament für einen klassischen Konflikt zwischen Entführer und Gefangener gelegt, der natürlich unterschiedlich ausformuliert werden kann. Einerseits, wie in dem Kriegsfilm-Klassiker „Gesprengte Ketten“ oder der Stephen-King-Verfilmung „Misery“, indem die Gefangene von der ersten Minute alles versucht, um auszubrechen. Andererseits indem die Gefangene Sympathie für den Täter entwickelt und sich vielleicht sogar in ihn verliebt.

Shortland beschreitet keinen dieser Wege konsequent. Zwar benutzt Clare etwaige Fluchtmöglichkeiten, wenn sie ihr auf dem Silbertablett serviert werden. Aber das sieht immer nach einer halbherzigen Pflichterfüllung aus. Die üblichen Thrillermechanismen einer Ausbruchsgeschichte werden in diesen Momenten höchst halbherzig bis zum vorhersehbaren Ende, das seine eigenen Probleme hat, bedient.

Als Thriller ist „Berlin Syndrom“ daher eine ziemliche Enttäuschung.

Auf der anderen Seite entwickelt sich keine Beziehung zwischen Clare und Andi. Sie leben fast wie ein altes Ehepaar nebeneinander her. Sie macht mehr oder weniger den Haushalt. Er verdient als Lehrer das Geld und er erzählt auch seinen Arbeitskollegen von seiner neuen Freundin. Dass diese Beziehung nur eine begrenzte Haltbarkeit hat, wird schon früh in einem Gespräch zwischen Andi und seinem Vater (Matthias Habich) deutlich. Er fragt seinen Sohn, warum er immer Berlin-Besucherinnen als Freundin habe.

In diesen Momenten könnte „Berlin Syndrom“ ein Drama über eine eine verquere Beziehung, über die Dynamik zwischen Anziehung und Ablehnung, und über Abhängigkeiten werden. Aber dafür geschieht einfach zu wenig zwischen Clare und Andi und das, was geschieht, bleibt zu sehr an der Oberfläche.

Immerhin liefert Max Riemelt ein hübsches Psychopathenporträt (natürlich mit DDR-Trauma) und es gibt Berlin-Impressionen von dem schon oft abgefilmten Kreuzberg (was bei Berlinern natürlich immer bestimmte Gefühle auslöst), während der Film das Potential seiner Prämisse verschenkt.

Berlin Syndrom (Berlin Syndrome, Australien 2017)

Regie: Cate Shortland

Drehbuch: Shaun Grant, Cate Shortland (zusätzliches Material)

LV: Melanie Joosten: Berlin Syndrome, 2011

mit Teresa Palmer, Max Riemelt, Matthias Habich, Emma Bading, Elmira Bahrami, Christoph Franken, Lucie Aron, Nassim Avat

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Berlin Syndrom“

Metacritic über „Berlin Syndrom“

Rotten Tomatoes über „Berlin Syndrom“

Wikipedia über „Berlin Syndrom“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Berlin Syndrom“


TV-Tipp für den 26. Mai: Gingerbread Man – Eine nächtliche Affäre

Mai 25, 2017

3sat, 22.35

The Gingerbread Man – Eine nächtliche Affäre (USA 1998, Regie: Robert Altman)

Drehbuch: Clyde Hayes

LV: John Grisham (Originalstory – soweit bekannt nicht veröffentlicht)

Anwalt Rick Magruder verknallt sich in Mallory Doss und bemerkt nicht, wie sehr sie ihn für ihre Interessen benutzt.

Die erfolgloseste und – so auch meine Ansicht – die beste Grisham-Verfilmung. Altman verfilmte einen Drehbuch-Entwurf, den Grisham vor seinem Leben als Bestseller-Autor schrieb, und das Studio startete den Film – nach einem Streit mit Altman über die endgültige Fassung – fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu den erfolgreichen Grisham-Bücher und deren Verfilmungen löst der Held, natürlich ein Anwalt, nicht das Problem, sondern er ist das Problem. In dem düsteren Südstaaten-Thriller glänzen etliche Stars: Kenneth Branagh, Robert Downey Jr., Embeth Davidtz, Robert Duvall, Tom Berenger, Daryl Hannah, Famke Janssen

Hinweise

Homepage von John Grisham

Wikipedia über John Grisham (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über John Grisham

Rotten Tomatoes über “The Gingerbread Man”

Wikipedia über „The Gingerbread Man“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Manns Doku „Altman“ (Altman, Kanada 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Song to Song“, Terrence Malick to Terrence Malick

Mai 25, 2017

Seinen neuen Film drehte Terrence Malick in Austin, Texas. Unter anderem bei den dortigen Rockmusikfestivals und neben den Filmstars sind auch etliche Rockmusiker, wie Patti Smith, Iggy Pop und John Lydon (aka Johnny Rotten), dabei. Das macht „Song to Song“ allerdings nicht zu einem Film über die Musikszene von Austin oder die Rockmusik. Sie ist nur der beliebig austauschbare Hintergrund für Malickrismen, die in der richtigen Stimmung ihren Reiz entfalten können, meistens aber nur als Kunstkitsch nerven. Auch in seinem vorherigen Film „Knight of Cups“, in dem Christian Bale einen erfolgreichen Hollywood-Comedy-Drehbuchautor in einer Midlife-Crisis spielte, war es so. Da wurde im Presseheft zwar behauptet, dass Bale einen Autor spielte, aber man sah ihn nie bei der Arbeit und man erfuhr nichts, aber auch absolut nichts über Hollywood. Bale hätte genausogut jeden anderen Beruf ausüben können.

Im Gegensatz zu Malicks vorherigen Filmen ist in „Song to Song“ fast eine Geschichte erkennbar. Wenn man „Geschichte“ als eine weitgehende Übereinstimmung zwischen Synopse, Film und Wahrnahme des Films sieht. Bei „Knight of Cups“ war die Synopse dagegen nur eine mögliche Zusammenfassung des Films. Bei „Song to Song“ geht es um eine junge Musikerin (Rooney Mara), die zwischen zwei Männern steht. Der eine ist ein erfolgreicher Musikproduzent (Michael Fassbender). Der andere ein aufstrebender Songwriter (Ryan Gosling). Sie ist mit beiden mal zusammen, mal getrennt. Mit einem gründet sie dann eine Familie.

An dieser „Geschichte“ hängt Terrence Malick seine Bilder auf, die sich nie um eine nachvollziehbare Chronologie kümmern und bei denen man auch überhaupt nicht versuchen sollte, sie in eine Chronologie zu pressen. Das war schon bei seinen vorherigen Filmen, die er seit 2011 mit „The Tree of Life“ in einem wahren Schaffensrausch heraushaute, so. Es geht Malick nicht um eine Geschichte, sondern nur um eine ästhetisch ansprechende Symphonie von Bildern und Tönen. Und genauso sehr, wie sich die Filme ähneln, könnte man einfach eine alte Besprechung recyclen. Denn wie in Malicks vorherigen Filmen ist der pompös herausgestellte Ort und das achsowichtige Milieu der Geschichte für die Handlung und die Charaktere vollkommen egal. So dürfen die Schauspieler in „Song to Song“ zwar, wie Groupies, im Backstage-Bereich der Bühne herumstehen und über das Festivalgelände streunen, aber sie könnten genausogut beliebige Festivalbesucher oder Freunde der Veranstalter sein. Am Ende der zwei Stunden wissen wir noch nicht einmal, welche Musik Faye, Cook und BV machen; außer dass es keine Klassik ist. Dann wären sie durch ein Opernhaus gestolpert.

Entsprechend beliebig ist der Soundtrack, den wahrscheinlich ein jüngerer Mitarbeiter von Malick als Mix-Tape zusammenstellen durfte, und die Auftritte der teils groß herausgestellten Rockmusiker. Bis auf Patti Smith beschränken sich ihre Auftritte auf Ein-Satz-Statements im Backstage-Bereich. Gedreht wurde während dem 2012er Austin City Limits Festival, dem South by Southwest Festival (SXSW) und dem Fun Fun Fun Fest. Im Film gibt es einige kurze Konzertausschnitte und Backstage-Impressionen mit mehr oder weniger bekannten Musikern und Bands.

Immerhin können die Austin-Festivalmacher sich über einen großen Werbefilm für Austin freuen. Die Weltpremiere des Films war dann auch am 10. März 2017 auf dem SXSW.

Fans der neuen Malick-Filme werden in „Song to Song“ all das finden, was ihnen an seinen in diesem Jahrzehnt gedrehten Filmen gefiel. Die schwebenden Bilder von Kameramann Emmanuel Lubezki; wobei die Festivalimpressionen sich nicht so wahnsinnig von anderen Konzertfilmen und Festivalberichten unterscheiden und sie auch nicht so schön wie Sonnenuntergänge in der Wüste sind. Die bedeutungsschwangeren Off-Texte, die dieses Mal von den verschiedenen Charakteren geflüstert werden und die die Liebesgeschichte etwas strukturieren. Über Kalenderweisheiten kommen sie allerdings nie hinaus. Und alles wird mit religiösem Kitsch zugekleistert.

Wobei es dieses Mal sehr lange dauert, bis der religiöse Kitsch in seiner ganzen Kraft zuschlägt. Dafür ist er am Ende des Films noch penetranter als in seinen vorherigen Filmen. Immerhin sorgte das Ende im Kinosaal für einen ungläubigen halbkollektiven Lacher und Oh-my-god-Stöhner. Denn Ironie, Witz, eine gewisse Doppeldeutigkeit oder ein Interpretationsspielraum bei der Botschaft kommen in Malicks Welt und im gesamten Film nicht vor. Dafür dürfen die Schauspieler, wie in seinen vorherigen Filmen, ohne Drehbuch improvisieren und so die Dreharbeiten als befreiende Selbsterfahrung erleben. Sie hatten sicher ihren Spaß. Für das Publikum ist das Ergebnis dann prätentiöser Quark mit banalreligiöser Beigabe, die immerhin schön aussieht.

Mit seinem grandiosen Frühwerk – „Badlands“ (1973), „In der Glut des Südens“ (Days of Heaven, 1978), „Der schmale Grad“ (The Thin Red Line, 1998) und, wenn auch sehr eingeschränkt, „The New World“ (2005) – hat „Song to Song“ nichts zu tun.

Song to Song (Song to Song, USA 2017)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

mit Ryan Gosling, Rooney Mara, Michael Fassbender, Natalie Portman, Cate Blanchett, Holly Hunter, Val Kilmer, Bérénice Marlohe, Lykke U, Tom Sturridge, Patti Smith, Iggy Pop, John Lydon, Florence Welch, The Black Lips, The Red Hot Chili Peppers (die meisten Auftritte bewegen sich im Cameo-Bereich)

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Aus der Freigabebegründung der FSK

Kindern im Grundschulalter bietet die Handlung praktisch keine Anknüpfungspunkte, weshalb sie eine große Distanz zu den Geschehnissen wahren können. Zugleich werden Kinder ab 6 Jahren von den teils mysteriös-poetischen Bilderwelten des Films nicht überfordert oder geängstigt.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Song to Song“

Metacritic über „Song to Song“

Rotten Tomatoes über „Song to Song“

Wikipedia über „Song to Song“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte

Das Publikumsgespräch bei der Premiere mit Michael Fassbender und Terrence Malick (einer seiner sehr sehr, sehr seltenen öffentlichen Auftritte)

 


TV-Tipp für den 25. Mai: Der dritte Mann

Mai 24, 2017

3sat, 20.15

Der dritte Mann (Großbritannien 1949, Regie: Carol Reed)

Drehbuch: Graham Greene

LV/Buch zum Film: Graham Greene: The third man, 1950 (Der dritte Mann)

Wien, kurz nach dem Krieg: Holly Martins kann es nicht glauben. Sein toter Freund Harry Lime soll ein skrupelloser Geschäftemacher sein. Holly will Harrys Unschuld beweisen.

Na, den Film kennen wir – das kaputte Wien, die grandiosen Leistungen der Schauspieler, die Verfolgung durch die Wiener Kanalisation, die Zither-Melodie von Anton Karas – und sehen ihn immer wieder gern.

3sat zeigt die restaurierte HD-Fassung von 2015.

Mit Joseph Cotten, Orson Welles, Alida Valli, Trevor Howard, Bernard Lee, Erich Ponto, Paul Hörbiger

Wiederholung: Freitag, 26. Mai, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Fanseite über Graham Greene

Wikipedia über Graham Greene (deutsch, englisch)

Wikipedia über „Der dritte Mann“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Graham Greenes Roman „Brighton Rock“ und den beiden Verfilmungen

Meine Besprechung von Carol Reeds „Ausgestoßen“ (Odd Man Out, Großbritannien 1947)

Meine Besprechung von Orson Welles’ “Im Zeichen des Bösen” (Touch of Evil, USA 1958)


DVD-Kritik: Über die Noirs „Die Narbenhand“ und „Die rote Schlinge“

Mai 24, 2017

Mit einem feinen Doppelschlag setzt Koch Media seine uneingeschränkt lobenswerte „Film Noir Collection“ fort. „Die Narbenhand“ ist ein echter Noir-Klassiker. „Die rote Schlinge“ ist eine äußerst unterhaltsame Screwball-Comedy, in der man die Noir-Anteile mit der Lupe suchen muss.

Duke Halliday (Robert Mitchum) flüchtet im Hafen von Vera Cruz vor Vincent Blake (William Bendix). Dort trifft er auf Joan ‚Chiquita‘ Graham (Jane Greer), der er wenige Minuten später in einem Hotelzimmer wieder begegnet. Sie will von Jim Fiske (Patrick Noles) das Geld haben, das sie ihm geliehen hat, bevor er nach Mexiko verschwand. Fiske kann sie beschwatzen und flüchtet mit einem Koffer voll gestohlenem Army-Geld, das Halliday unbedingt haben will. In dem Moment wissen wir noch nicht, warum Halliday das Geld will, warum Blake ihn jagt und ob Halliday zu den Guten oder den Bösen zählt.

Aber weil Halliday und Joan das Gleiche wollen, verfolgen sie gemeinsam den flüchtigen Fiske quer durch Mexiko. Dabei werden sie von dem wutschnaubenden Blake verfolgt und von Inspector General Ortega (Ramon Novarro), dem bauernschlauen mexikanischen Polizeichef, der amüsiert das erregte Treiben der Amerikaner beobachtet.

In seinem dritten Spielfilm „Die rote Schlinge“ erzählt Don Siegel die Geschichte so flott, das man kaum darüber nachdenken kann wer wen warum verfolgt und ob das schlüssig ist.

Dafür gibt es umwerfend komische Wortgefechte zwischen Robert Mitchum und Jane Greer, die bereits in „Goldnes Gift“ (Out of the Past, USA 1947) ein Paar waren. Sie hatten erkennbar ihren Spaß. Wie auch die anderen Schauspieler.

Bei den Schlägereien und einer langen, auch heute noch ziemlich beeindruckende Autoverfolgungsjagd zeigt Don Siegel sein Können als Action-Regisseur. Sowieso beeindruckt, wie souverän Don Siegel die Geschichte inszenierte und an wie vielen Schauplätzen sie spielt. Gedreht wurde in Mexiko und auf der Ray Corrigan Ranch in Simi Valley, Kalifornien. Allerdings, das muss auch gesagt werden, hatte Siegel hier viele Drehtage zur Verfügung und ein großzügiges Budget. Das Budget für seinen später gedrehten Science-Fiction-Klassiker „Die Dämonischen“/“Invasion der Körperfresser“ (Invasion of the Body Snatchers, USA 1956) betrug 382.190 Dollar. „Die rote Schlinge“ kostete letztendlich 780.000 Dollar und war teurer als geplant. Das lag vor allem an dem komplizierten Drehplan. Während des Drehs musste Robert Mitchum eine Haftstrafe wegen des Konsums von Marihuana antreten und damit wurde der gesamte Drehplan obsolet. Das sieht man unter anderem daran, dass Mitchum und Bendix, der eine andere Verpflichtung hatte, nur zwei gemeinsame Szenen haben (den Rest erledigte der Schnitt), Jane Greer am Ende des Drehs hochschwanger war (hier halfen passende Kleider) und das Drehbuch umgeschrieben werden musste. Doch am Ende des Tages zählt das Ergebnis und das stimmt bei „Die rote Schlinge“.

Zusätzlich neben dem üblichen Bonusmaterial der „Film Noir Collection“ (Booklet, Trailer, Bildergalerie) gibt es dieses Mal ein kleines „Making of“ (von 2007), einen interessanten Audiokommentar von Filmhistoriker Richard B. Jewell und eine später ohne die Urheber des Originalfilms entstandene Farbversion, die gegenüber der originalen SW-Version sehr blass aussieht.

 

Die Narbenhand“ ist einer der großen Noirs, „einer der Schlüsselfilme des frühen Film noirs“ (Paul Werner: Film noir) und wenn man sich den Film heute wieder ansieht, sieht man auch sofort warum: „Die Schattenspiele des Kameramanns [John F.] Seitz waren ebenso stilbildend und vorbildlich für die späteren Filme wie die wulgärpsychologische Motivierung des Killers.“ (Paul Werner: Film noir)

Die Geschichte basiert auf einem Roman von Graham Greene, der eine archetypische Noir-Geschichte erzählt (weshalb der Roman offiziell nur zweimal, inoffiziell tausend Mal verfilmt wurde).

Profikiller Philip Raven (Alan Ladd), der eine ‚Narbenhand‘ hat, erledigt seine Jobs präzise und unauffällig. Als „der eiskalte Engel‘ von seinem letzten Auftraggeber Willard Gates (Laird Cregar) mit markierten Scheinen (die angeblich von der Nitro Chemical Corporation geklaut wurden) bezahlt wird und so auf die Fahndungsliste der Polizei gerät, beginnt er ihn zu suchen. Seine Spur führt nach Los Angeles. Dort trifft er die Barsängerin Ellen (Veronica Lake), die ebenfalls an Gates interessiert ist.

Nach dem Film war Alan Ladd, der bei der Erstauswertung an vierter Stelle genannt wurde, ein Star und er und Lake waren das Noir-Traumpaar, das sich danach noch einige Male verlieben durfte. Ich sage nur „Der gläserne Schlüssel“ (The Glass Key, USA 1942) und „Die blaue Dahlie“ (The Blue Dahlia, USA 1945)

Die Drehbuchautoren Albert Maltz und W. R. Burnett erzählen die Noir-Thrillergeschichte, was in einem Noir selten ist, vor dem aktuellen politischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Deshalb ist der Bösewicht in illegale Geschäfte mit dem Feind verwickelt. Regisseur Frank Tuttle erzählt die Geschichte mit der Präzision und Genauigkeit eines Handwerkers, der in allen Genres reüssierte ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Im direkten Vergleich mit der umfangreich ausgestatteten DVD zu „Die rote Schlinge“ enttäuscht die DVD-Ausgabe von „Die Narbenhand“. Angesichts der normalen Veröffentlichungspraxis von Koch Media scheint es kein Bonusmaterial zu geben. Das sollte einen aber nicht vom Kauf abhalten. Denn „Die Narbenhand“ ist ein echter Noir-Klassiker, der laut der OFDb noch nie im Fernsehen lief. Auch ich kann mich an keine Ausstrahlung des Films erinnern.

Die rote Schlinge (The big Steal, USA 1949)

Regie: Don Siegel

Drehbuch: Geoffrey Homes (aka Daniel Mainwaring), Gerald Drayson Adams

LV: Richard Wormser: The Roads to Carmichael’s, 1942 (Erzählung)

mit Robert Mitchum, Jane Greer, William Bendix, Patrick Knowles, Ramon Novarro, Don Alvarado, John Qualen, Pascual Garcia Pena

DVD

Koch Media (Film Noir Collection # 25)

Bild: 1.33:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Farbversion, Making of, Audiokommentar von Filmhistoriker Richard B. Jewell, Englischer Trailer, Bildergalerie

Länge: 71 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Die rote Schlinge“

Rotten Tomatoes über „Die rote Schlinge“

TCM über „Die rote Schlinge“

Wikipedia über „Die rote Schlinge“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Die rote Schlinge“

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel

Die Narbenhand (This Gun for hire, USA 1942)

Regie: Frank Tuttle

Drehbuch: Albert Maltz, W. R. Burnett

LV: Graham Greene: A Gun for sale/A Gun for hire, 1936 (Das Attentat)

mit Alan Ladd, Veronica Lake, Robert Preston, Laird Cregar, Tully Marshal, Marc Lawrence

DVD

Koch Media (Film Noir Collection # 24)

Bild: 1,18:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Englischer Trailer, Bildergalerie

Länge: 78 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Die Narbenhand“

Rotten Tomatoes über „Die Narbenhand“

TCM über „Die Narbenhand“

Wikipedia über „Die Narbenhand“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Die Narbenhand“


TV-Tipp für den 24. Mai: Still Alice – Mein Leben ohne Gestern

Mai 23, 2017

ZDF, 20.15

Still Alice – Mein Leben ohne Gestern (Still Alice, USA 2014)

Regie: Richard Glatzer, Wash Westmoreland

Drehbuch: Richard Glatzer, Wash Westmoreland

LV: Lisa Genova: Still Alice, 2009 (Mein Leben ohne Gestern)

Alice hat Alzheimer. Alice ist fünfzig Jahre und Sprachwissenschaftler. Sie und ihre Familie versuchen damit umzugehen.

Berührendes Drama.

Julianne Moore erhielt für ihre Darstellung der Alice unter anderem den Oscar, den Golden Globe, den Bafta und den Screen Actors Guild Award.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Julianne Moore, Kristen Stewart, Alec Baldwin, Kate Bosworth, Hunter Parrish, Shane McRae, Stephen Kunken

Wiederholung: Donnerstag, 25. Mai, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Still Alice“
Moviepilot über „Still Alice“
Metacritic über „Still Alice“
Rotten Tomatoes über „Still Alice“
Wikipedia über „Still Alice“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Richard Glatzer/Wash Westmorelands „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“ (Still Alice, USA 2014)


Verlosung: Wer will „Das Versprechen“ (DVD) oder „Zweimal lebenslänglich“ (Buch)?

Mai 23, 2017

Dank des „Angebots, das Sie nicht ablehnen können“-Angebots der netten Pressedame kann ich Euch jeweils ein Exemplar der DVD „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ (Farbfilm Home Entertainment) oder der Autobiographie „Zweimal lebenslänglich – Wie ich seit drei Jahrzehnten für meine Freiheit kämpfe“ (Knaur) von Jens Söring anbieten.

In Buch und Film wird die Geschichte von Jens Söring erzählt, der seit 1990 in den USA im Gefängnis sitzt. Er soll am 30. März 1985 die Eltern von seiner Freundin und ersten großen Liebe Elizabeth Haysom in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet haben. Er behauptet, unschuldig zu sein und die neueren Beweise unterstützen seine Version.

Ein lesenswertes Buch. Ein spannender Dokumentarfilm, den ich hier ausführlich besprochen habe.

Die Verlosung endet am Sonntag, den 28. Mai, um 23.59 Uhr.

In den Betreff müsst ihr „Verlosung Das Versprechen“ oder „Verlosung Zweimal lebenslänglich“ schreiben und in der Mail an info@axelbussmer.de muss eine deutsche Postadresse stehen.

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)

Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger

mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield

und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl

DVD

Farbfilm Home Entertainment

Bild: 1:2,35 (Cinemascope)

Ton: Originalfassung (Deutsch/Englisch, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Hörfilmfassung, Die Protagonisten, Die Liebesbriefe

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Zum Lesen

Die Autobiographie von Jens Söring, der im Gefängnis mehrere Bücher schrieb

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Jens Söring: Zweimal lebenslänglich – Wie ich seit drei Jahrzehnten für meine Freiheit kämpfe

(mit einem aktuellen Vorwort von Karin Steinberger)

(aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Strerath-Bolz)

Knaur, 2016

416 Seiten

10,99 Euro

Erstausgabe

Knaur Verlag, 2012

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Versprechen“

Moviepilot über „Das Versprechen“

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „The Forecaster“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ (The Promise, Deutschland 2016)

The New Yorker: ausführliche Reportage von Nathan Heller über den Mordfall (9. November 2015)

Michael Remke: Neue Beweise für Unschuld des Diplomaten-Sohns? (Die Welt, 5. Mai 2017)


Cover der Woche

Mai 23, 2017


TV-Tipp für den 23. Mai: Super 8

Mai 23, 2017

Pro7 Maxx, 20.15

Super 8 (USA 2011, Regie: J. J. Abrams)

Drehbuch: J. J. Abrams

Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.

Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kyle Chandler, Elle Fanning, Joel Courtney, Gabriel Basso, Noah Emmerich, Ron Eldard, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film und noch eine Seite zum Film

Film-Zeit über „Super 8“

Rotten Tomatoes über „Super 8“

Wikipedia über „Super 8“ (deutsch, englisch)

Time: Interview mit J. J. Abrams über “Super 8″ (6. Juni 2011)

Go into the Story: Emotionale und rationale Logik am Beispiel von „Super 8“

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)


DVD-Kritik: „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ für einen Diplomatensohn, der an die große Liebe glaubte

Mai 22, 2017

Zum Kinostart der beeindruckenden Dokumentation „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ über einen möglichen Justizirrtum schrieb ich:

Damals war der Fall eine Boulevardsensation, der alles hatte, was ein deftiger Hollywoodthriller benötigt. Aber seltsamerweise wurde der Fall bislang noch nicht zu einem Spielfilm verarbeitet und jetzt, nach mehreren US-TV-Dokumentationen, gibt es eine spielfilmlange Dokumentation darüber. In „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ zeichnen Marcus Vetter und Karin Steinberger die Geschichte von Jens Söring und Elisabeth Haysom nach.

Im August 1984 lernt der am 1. August 1966 in Thailand geborene deutsche Diplomatensohn und Hochbegabtenstipendiat Jens Söring auf dem Orientierungsabend der Universität von Virginia Elizabeth Roxanne Hawson, die am 15. April 1964 geborene Tochter eines Stahlbarons kennen. Sie verlieben sich.

Am 30. März 1985 werden die Eltern von Elizabeth, Derek und Nancy Haysom, in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet.

Elizabeth Haysom und Jens Söring, die zunächst nicht verdächtigt werden, flüchten nach Thailand und Europa, wo sie am 30. April 1986 in London wegen Scheckbetrugs verhaftet werden. Bei den Verhören gestehen sie die Tat. Später widerrufen sie ihre Geständnisse.

1990 wird Haysom wegen Anstiftung zum Mord zu neunzig Jahren verurteilt. Söring wird am 4. September 1990 zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt.

Damit könnte die Geschichte enden, wenn Söring nicht seitdem um seine Freilassung kämpfen würde. Er behauptet, an dem Doppelmord nicht beteiligt gewesen zu sein, sondern, nachdem Haysom ihm den Doppelmord gestanden hatte, beschloss, ihr mit einem Geständnis zu helfen. Er dachte, dass er als Diplomatensohn diplomatische Immunität genieße und höchstens für einige Jahre in den Jugendknast kommen könne. Das war ihm seine große Liebe wert.

Es gab auch während des Verfahrens, wie „Das Versprechen“ zeigt, Probleme und Merkwürdigkeiten, wie ein Richter, der schon vor dem Prozess von Sörings Schuld überzeugt war, ein spurlos verschwundenes FBI-Täterprofil, das Söring entlastet und Experten, die zu Themen aussagten, von denen sie keine Ahnung hatten.

Seitdem gab es auch einen Zeugen, der Haysom mit einen anderen Mann in einem blutverschmiertem Auto gesehen haben will. Und, das dürfte der wichtigste Punk für eine immer noch nicht erfolgte Neuaufnahme des Verfahrens sein, keine DNA-Blutspuren von Söring am Tatort. Dafür seien die Spuren einer anderen, nicht identifizierten Person gefunden worden.

Das alles und noch viel mehr (so war Haysom drogenabhängig und behauptete von ihrer Mutter sexuell missbraucht worden zu sein) dröseln Vetter und Steinberger in ihrem zweistündigem, niemals langweilig werdendem Film auf, der sich auch als Plädoyer für Jens Söring, an dessen Unschuld sie glauben, versteht. Auch die im Film befragten Personen glauben an Sörings Unschuld. Söring, der auch zu Wort kommt, beteuert sie ebenfalls. Die andere Seite, Elizabeth Haysom und die Ankläger kommen dagegen nicht zu Wort. Sie verweigerten Interviews.

Weil die beiden Filmemacher sachlich und schlüssig argumentieren und die neuen Fakten die offizielle Version fraglich erscheinen lassen, ist die Forderung nach einer Neuaufnahme des Verfahrens in jedem Fall gerechtfertigt. Es spricht auch einiges dafür, dass Söring als über beide Ohren verliebter Pennäler die Tat gestand, um seiner Freundin zu imponieren. Wie sehr sie ihn benutzte, ist dagegen unklar.

Insofern ist „Das Versprechen“, wenn man sie mit der gebotenen Skepsis ansieht, sehenswert.

 

Seit dem Kinostart Ende Oktober 2016 gab es neue Entwicklungen. Die wichtigste ist ein neues Gutachten. Sheriff J. E. „Chip“ Harding erstellte es im Auftrag der Verteidigung. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Söring tatsächlich unschuldig sein könnte. In jedem Fall hält er jeden Beweis der Staatsanwaltschaft für ungenau, unverlässlich und im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen. Auch aufgrund der in den vergangenen Jahren aufgetauchten Beweise würde Söring heute nicht mehr verurteilt werden.

Bis September will der demokratische Gouverneur Terry McAuliffe über ein Gnadengesuch entscheiden.

Die DVD enthält letztendlich nur den Film.

Das Bonusmaterial besteht aus auch auf der Film-Homepage ansehbaren Werbeclips, die in die Kategorien „Die Liebesbriefe“ und „Die Protagonisten“ eingeteilt wurden. Hier werden Chuck Reid, Ricky Gardner, Richard Zorn, Gail Marshall, Tom Elliott, Gail Ball & Dave Watson, Steven Rosenfeld, William Sweeney, Tony Buchanan, Ed Sulzbach und Carlos Santos in kurzen Cklips gezeigt, die es in teilweise minimal längeren Versionen auch auf der Film-Homepage gibt. Hinter „Die Liebesbriefe“ verbergen sich die Clips „Wie alles begann“, „Eine schicksalhafte Entscheidung“ und „Der Verrat“.

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)

Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger

mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield

und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl

DVD

Farbfilm Home Entertainment

Bild: 1:2,35 (Cinemascope)

Ton: Originalfassung (Deutsch/Englisch, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Hörfilmfassung, Die Protagonisten, Die Liebesbriefe

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Zum Lesen

Die Autobiographie von Jens Söring, der im Gefängnis mehrere Bücher schrieb

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Jens Söring: Zweimal lebenslänglich – Wie ich seit drei Jahrzehnten für meine Freiheit kämpfe

(mit einem aktuellen Vorwort von Karin Steinberger)

(aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Strerath-Bolz)

Knaur, 2016

416 Seiten

10,99 Euro

Erstausgabe

Knaur Verlag, 2012

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Versprechen“

Moviepilot über „Das Versprechen“

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „The Forecaster“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ (The Promise, Deutschland 2016)

The New Yorker: ausführliche Reportage von Nathan Heller über den Mordfall (9. November 2015)

Michael Remke: Neue Beweise für Unschuld des Diplomaten-Sohns? (Die Welt, 5. Mai 2017)


DVD-Kritik: Audie Murphy ist auf der „Flucht vor dem Tode“

Mai 22, 2017

Der gerade aus der Haft entlassene „The Cimarron Kid“ Bill Doolin (Audie Murphy) will sich bessern. Auf der Zugfahrt nach Cimarron County, Oklahoma, gerät er in einen Überfall der Dalton-Bande. Weil er ein Mitglied der Bande war, glaubt der Eisenbahndetektiv, dass Doolin an dem Überfall beteiligt war.

Notgedrungen nimmt Doolin sein altes Verbrecherleben wieder auf – und Budd Boetticher liefert einen flotten Western ab, in dem bis zum Abspann etliche Banken und Züge überfallen werden und bei den zahlreichen Schusswechseln zwischen den Banditen und der Staatsgewalt etliche Menschen sterben.

Das hat nicht die psychologische Tiefe seiner später mit Randolph Scott gedrehten, inzwischen legendären sieben Western, für die Burt Kennedy öfter das Drehbuch schrieb und die auch, nach der Produktionsfirma, als „Ranown-Zyklus“ bekannt sind.

Sein erster Western „Flucht vor dem Tode“ ist dagegen ein höchst konventionelles Werk, in dem der Protagonist zwar durch widrige Umstände wieder zum Verbrecherleben gedrängt wird, während er sich nur nach einem ruhigen Leben sehnt. Auf einer Ranch in Südamerika mit einer patenten Rancherstochter, die ihm im Film immer wieder hilft. Das mündet in einer moralisch so eindeutigen Botschaft, die heute aus einem Pilcher-Film stammen könnte. Aber mehr war 1952 halt nicht möglich.

Flucht vor dem Tode“ ist ein sehr unterhaltsames, wenn auch historisch nicht sehr akkurates Werk; – was auch Budd Boetticher unumwunden zugibt und was echte Western-Fans nie störte. Die werden hier vorzüglich bedient.

Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid, USA 1952)

Regie: Budd Boetticher

Drehbuch: Louis Stevens

mit Audie Murphy, Beverly Tyler, John Hudson, James Best, Leif Erickson, Noah Beery jr.

Blu-ray

Koch Media (Edition Western-Legenden # 46)

Bild: 1,33:1 (43)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer, Booklet, Bildergalerie

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Flucht vor dem Tode“

Rotten Tomatoes über „Flucht vor dem Tode“

TCM über „Flucht vor dem Tode“

Wikipedia über „Flucht vor dem Tode“


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