TV-Tipps für Silvester und Neujahr: Musik und Gangster

Dezember 31, 2008

31. Dezember

3sat, 06.00

Pop around the clock

Traditionell beschließt 3sat sein Jahr mit Konzertmitschnitten. Dieses Jahr singen und spielen unter anderem die Foo Fighters, Jeff Beck, Van Morrison, Eric Clapton, Sheryl Crow, ZZ Top, Coldplay, Elvis, Frank Sinatra, Queen, Tina Turner, Alanis Morisette und die Sex Pistols.

1. Januar

BR, 23.30

Die schwarze Dahlie (USA 2006, R.: Brian de Palma)

Drehbuch: Josh Friedman

LV: James Ellroy: The Black Dahlia, 1987 (Die Schwarze Dahlie)

Hollywood, 1947: Zwei Polizisten versuchen herauszufinden, warum das Starlet Elizabeth Short, die titelgebende schwarze Dahlie, ermordet wurde. Sie stolpern in das typische Ellroy-Gestrüpp aus Mord, Verrat, Sex, Gier, Geld und Gewalt.

Machen wir’s kurz: langatmiges, vollkommen gescheitertes Ausstattungskino. Schade um das Geld.

Mit Josh Hartnett, Aaron, Eckhart, Scarlett Johansson, Hilary Swank, Mia Kirshner, Gregg Henry

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die schwarze Dahlie“

Wikipedia über „Die schwarze Dahlie“

Drehbuch „The Black Dahlia“ von Josh Friedman (Fassung vom 14. Oktober 2003)

BR, 01.25

Wem gehört die Stadt? (USA 1936, R.: William Keighley)

Drehbuch: Seton I. Miller (nach einem Originalstoff von Martin Mooney und Seton I. Miller)

Polizist Johnny Blake schleicht sich in ein Gangsterbande ein. Er will so an die Hintermänner der New Yorker Unterwelt gelangen. Doch der Gangster Bugs Fenner misstraut ihm.

Spannender Gangsterfilm, bei dem der Undercover-Einsatz von Robinson natürlich nur der Vorwand ist, um ausführlich das schändliche Treiben der Gangster zu zeigen. Bogart überzeugte die Kritiker als Gangster und wurde, wie in zahlreichen weiteren Gangsterfilmen, kurz vor Schluss von dem Star des Films umgebracht.

mit Edward G. Robinson, Joan Blondell, Humphrey Bogart

auch bekannt als „Wer regiert die Stadt?“

Hinweise

Monsters and Critics über „Bullets or Ballots“

DVD Movie Guide über „Bullets or Ballots“


Lesenswerte Essays für langjährige Krimifans

Dezember 30, 2008

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„Das Mörderische neben dem Leben“ ist die von Krimifans, die sich auch theoretisch mit dem Genre beschäftigen, langerwartete Sammlung von in den vergangenen fünfzehn Jahren verstreut in verschiedenen Zeitungen, Büchern und im Internet veröffentlichten Kritiken, Vorträgen und Essays von „Krimipapst“ Thomas Wörtche. Ergänzt werden die bekannten Texte durch einige bislang unveröffentlichte Texte, wozu vor allem das lesenswerte Vorwort, Wörtches Rückblick auf seine Zeit als Herausgeber der Krimireihe „metro“ des Unionsverlages und ein Text über Eric Ambler gehören. Wegen des langen Zeitraums, über den sich die Texte erstrecken, werden Konstanten in Wörtches Denken und seinem ästhetischem Programm, seiner Unterscheidung zwischen „Krimi“ (manchmal auch „Grimmi“) und „Kriminalliteratur“, deutlich. „Es ist also nur plausibel, Kriminalliteratur da zu vermuten, wo auch ästhetisch etwas bemerkenswert ist, wo also die verwendeten literarischen Mittel zum ‚Sinn’ oder der ‚Bedeutung’ eines Romans wesentlich beitragen. (…) Die beiden Komponenten Sprache und Wirklichkeit stehen in einem prekären Verhältnis: Die Sprache kann noch so kunstvoll sein, noch so raffiniert, ausgekocht und mit allen Wassern von Romantheorien gewaschen – wenn mit ihr etwas erzählt wird, was aus Gründen des Nicht-genau-Hinschauens, des Nicht-Wissens, des Falsch-Verstehens, des Nicht-Kennens von Sachverhalten, Topographien, Fakten etc. nicht hinreicht, dann zerplatzt die schöne Kunst wie eine Seifenblase, die bestenfalls noch hübsch schillert, normalerweise aber nur einen seifigen Nachgeschmack hinterlässt. Dann werden Texte plötzlich entsetzlich prätentiös.“ Und „Kriminalliteratur wird zum belanglosen oder auch bedenklichen ‚Grimmi’ dort, wo sie prätendiert, dass das Gute siegt, wo die Ordnung wieder hergestellt wird, die Monster ‚Serialkiller’ heißen, ‚das Böse’ psychopathisch ist, das Morden eine künstlerische Tätigkeit und das Aufklären ein Puzzlespiel.“

Es werden, allerdings eher beiläufig, einige Entwicklungen im Genre in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich. Die wichtigsten sind dabei das Ende der seit Jahrzehnten bekannten Krimireihen in den Neunzigern, der Aufstieg des Regiokrimis, der Sieg von Donna Leon und Henning Mankell an der Kasse und der Aufbau der metro-Reihe, die vor allem Autoren außerhalb der bekannten Regionen Deutschland-Skandinavien-USA präsentierte.

Das Namedropping in den Essays löst immer wieder ein beifälliges Nicken aus. Joseph Wambaugh (die Werke aus dem letzten Jahrhundert), Chester Himes, Jerry Oster, Jerome Charyn, Pieke Biermann, Jean-Patrick Manchette, Ross Thomas, Eric Ambler, Lawrence Block und George Simenon. Auch seine „15 begründete Vorlieben, international, in Büchern…“ erfreut die langjährigen Krimifans:

Thomas Adcock (geb. 1947): Hell’s Kitchen (Sea of Green, 1989 – nicht mehr erhältlich)

Robert W. Campbell (1927 – 2000): Asche (Juice, 1988 – nicht mehr erhältlich)

Liza Cody (geb. 1944): Schwesternkrieg (Monkey Wrench, 1994 – nicht mehr erhältlich)

Didier Daeninckx (geb. 1949)/Jacques Tardi (geb. 1946): Den Letzten beißen die Hunde Le Der des ders, 1997 – nicht mehr erhältlich)

Pablo de Santis (geb. 1963): Voltaires Kalligraph (El caligrafo de Voltaire, 2001 – Unionsverlag)

Garry Disher (geb. 1949): Drachenmann (The Dragon Man, 1999 – Unionsverlag)

Joe Gores (geb. 1931): 32 Cadillacs (32 Cadillacs, 1992 – nicht mehr erhältlich)

Imre Kertész (geb. 1929): Detektivgeschichte (Detektivtörténet, 1977/2001 – Rowohlt)

Robert Littell (geb. 1935): Die kalte Legende (Legends, 2005 – Fischer Verlag)

William Marshall (geb. 1944): Manila Bay (Manila Bay, 1986 – Unionsverlag, nicht mehr erhältlich)

Andreu Martin (geb. 1949): Die Stadt, das Messer und der Tod (El Hombre de la Navaja, 1993 – nicht mehr erhältlich)

James Sallis (geb. 1944): Driver (Drive, 2005 – Liebeskind)

Paco Ignacio Taibo II (geb. 1949): Vier Hände (Cuatro Manos, 1990 – Unionsverlag)

Luis Ferdinand Verissimo: Der Club der Engel (O Clube dos Anjos, 1998 – nicht mehr erhältlich)

Donald E. Westlake (geb. 1933): Der Freisteller (The Ax, 1997 – nicht mehr erhätlich)

Gerade jüngere Krimifans dürften spätestens jetzt ins Grübeln geraten. Von diesen fünfzehn Werken sind neun Werke nicht mehr erhältlich, andere Bücher der genannten Autoren oft ebenfalls nicht, das Durchschnittsalter ist deutlich über Sechzig, es ist nur eine Frau dabei und der Unionsverlag erhält bei den erhältlichen Büchern die meisten Nennungen. Diese Liste zeigt exemplarisch den Grund für das zunehmende Unwohlsein während der Lektüre von „Das Mörderische neben dem Leben“.

Insgesamt entsteht nämlich der Eindruck, dass in den vergangenen zehn Jahren, bis auf wenige Ausnahmen, nur Mist veröffentlicht wurde und dass alle jüngeren Autoren (sagen wir mal: unter sechzig Jahren) nur Mist schreiben oder nicht erwähnenswert sind. Kein Ian Rankin, kein Michael Connelly, kein George Pelecanos (den Wörtche nicht mag), kein Joe R. Lansdale, kein Jason Starr, kein Ken Bruen, kein John Harvey, keine Sara Paretsky, kein Thomas C. Cook, kein Peter Temple, kein Dennis Lehane, kein Charlie Huston, kein Mark Billingham, kein Jonathan Lethem – um nur einige Autoren (unabhängig von ihrem ästhetischem Programm, also ob Kriminalliteratur oder Grimmi) zu nennen, die in den vergangenen Jahren in der Krimiszene bei Lesern und Autoren sehr beliebt waren. Lee Child wird im Vorwort mit einem Satz erwähnt. Donna Leon, Ingrid Noll, die Skandinavier und die Serienkillerthriller werden immer mal wieder in einem Halbsatz abgewatscht.

Diese massive Schlagseite zugunsten nicht mehr erhältlicher Romane und Autoren kann, weil sie sich durch das gesamte Buch zieht, nicht damit erklärt werden, dass halt in einem Text aus dem Jahr 1995 auf 1995 erhältliche Autoren hingewiesen wird und es in erster Linie um die Argumentation des Autors gehe. Denn Wörtche wählte die Texte aus und, weil die meisten Bücher und Autoren nicht mehr erhältlich sind, müssen die Urteile von Wörtche einfach geglaubt werden. Eine schnelle Überprüfung ist meistens nicht möglich (Ein Stöbern in verschiedenen Antiquariaten ist dagegen eine langwierige Aufgabe und das Bestellen über Amazon-Marketplace und Abebooks immer etwas gefährlich.). Diese vom Autor aufgerichtete Barriere erschwert Interessierten unnötig die Lektüre. Da hilft auch Wörtches in dem Vorwort bescheiden formulierter Anspruch, dass „Das Mörderische neben dem Leben“ sich den Luxus gönne, „Kriminalliteratur und das Nachdenken über sie als zunächst einmal (allgemein-)konsensfreie Zone zu betreiben“, nicht. Denn dieser Luxus führt dazu, dass „Das Mörderische neben dem Leben“ vor allem ein Buch für bereits bekehrte Krimifans ist.

Neulinge dürften dagegen besser mit den „Krimijahrbüchern“ oder Barry Forshaws „The Rough Guide to Crime Fiction“ bedient sein. Denn für sie dürfte „Das Mörderische neben dem Leben“ ein obskurer Closed-Shop sein.

Thomas Wörtche: Das Mörderische neben dem Leben – Ein Wegbegleiter durch die Welt der Kriminalliteratur

Libelle, 2008

208 Seiten

19,90 Euro

Enthält

Kriminalliteratur tanzt, schwimmt und rudert auf vielerlei Grenzlinien – Ein Vorwort

TWs seltsame Rankings

Sprengfallen – Eric Ambler und die Poetik des Pragmatischen

Das Versagen der Kategorien – Über Georges Simenon

It Does Make Sense! Chester Himes und sein 20. Jahrhundert in den USA und Europa

Rätsel Ripley oder Ripley, revisted

Das Mörderische und das Komische

Kriminalliteratur, weltweit

The making of metro…

Krimis und Kriminalliteratur

Desaster as usual – Science-Fiction, Kriminalliteratur und eine ungeklärte Nachbarschaft

Die Verweigerung von Eindeutigkeit – Der argentinische Zeichner Albert Breccia und sein Beitrag zur Ästhetik des 20. Jahrhunderts

Gewalt im Reich der Töne – Ein unbequemes Radiofeuilleton mit Musik


Hinweis

Thomas Wörtche im Netz: Kaliber .38 und Titel-Magazin


Cover der Woche

Dezember 30, 2008

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TV-Tipp für den 30. Dezember: Entscheidung in der Sierra/Stadt an der Grenze

Dezember 30, 2008

BR, 00.00

Entscheidung in der Sierra (USA 1940, R.: Raoul Walsh)

Drehbuch: John Huston, W. R. Burnett

LV: W. R. Burnett: High Sierra, 1940 (High Sierra)

Nach einem missglückten Überfall flüchtet Roy Earle in die Berge. Die Polizei verfolgt ihn.

„High Sierra“ ist ein Abgesang auf die Gangsterfilme mit Cagney/Robinson/Raft. Bogart spielt zum ersten Mal seine klassische Rolle: den wortkargen, einsamen Verlierer; den harten Kerl mit dem weichen Herz. „High Sierra“, ein schnörkelloses Gangsterdrama, ist einer von Bogarts besten Filmen und war damals einer der größten finanziellen Erfolge von Warner Brothers.

Mit Ida Lupino, Humphrey Bogart, Arthur Kennedy

BR, 01.35

Stadt an der Grenze (USA 1935, R.: Archie Mayo)

Drehbuch: Laird Doyle, Wallace Smith, Robert Lord (Geschichte)

LV: Carroll Graham: Border Town, 1934 (Inspiration)

Ein erfolgloser Anwalt versucht als Teilhaber eines Spielkasinos in einer Grenzstadt sein Glück und er wird von der Frau seine Mitinhaber in eine düstere Affäre hineingezogen.

„Spannendes Melodram, das der Szenerie einer schäbigen Kleinstadt an der amerikanisch-mexikanischen Grenze eine dichte Atmosphäre abgewinnt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Paul Muni, Bette Davis


Taxifahren im Film

Dezember 29, 2008

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass in einem Film der Fahrer selten fragt, wohin sein Fahrgast will (vielleicht Telepathie) und dass am Ziel der Fahrgast ihm ungefragt den passenden Betrag aushändigt?

Sie halten das für unrealistisch?

Dann kennen Sie die Kottan-Version vom Taxifahren noch nicht:


Die Pechvögel 2008

Dezember 29, 2008

Welche Bücher wollte ich dieses Jahr unbedingt lesen und habe es bis heute aus verschiedenen Gründen nicht geschafft? Meistens lag es an der Länge (teils über 500, 600 Seiten), seltener verschwanden sie im Zu-Lesen-Stapel und einige sind erst vor wenigen Wochen erschienen, aber „Stichtag ist Stichtag“. Daher:

Martin Amis: Haus der Begegnungen (Ich sage nur „Gierig“ und „Pfeil der Zeit“.)

Iain Banks: Die Sphären

Brett Battles: Der Profi

Mark Billingham: Das Blut der Opfer

Robert Brack: Und das Meer gab seine Toten zurück (wird jetzt aber zusammen mit „Psychofieber“ gelesen)

Wolfgang Brenner: Bollinger und die Barbaren (wird jetzt aber zusammen mit „Honeckers Geliebte“ gelesen)

Glenn Chandler: Die Todeskarte

Donn Cortez: Closer (oder: Was hat der Junge vor seinen „CSI: Miami“-Romanen geschrieben?)

Pete Dexter: Paris Trout (Hardcovers passen so schlecht in die Jackentasche.)

Chuck Hogan: Endspiele

Charlie Huston: Killing Game

Simon Kernick: Gnadenlos

Michael Koryta: Tödliche Rechnung

Thor Kunkel: Kuhls Kosmos

Lynda La Plante: Die blutrote Dahlie

Hugh Laurie: Bockmist (Irgendwie ist das Buch immer wieder untergegangen. Dabei sind die ersten Zeilen grandios.)

David Lawrence: Tödliches Dunkel

Gayle Lynds: Spymaster

Stuart MacBride: Der erste Tropfen Blut

Michael Morley: Viper (wahrscheinlich kein gutes Buch, aber als Morley sein Debüt vorstellte, sagte ich, die Prämisse von „Viper“ klinge interessant: ein Serienkiller in der Mafia.)

Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

Scott Sigler: Infiziert

Peter Temple: Spur ins Nichts

Hunter S. Thompson: Angst und Schrecken im Wahlkampf

Martyn Waites: Der Gnadenthron


In der Kategorie „noch (?) nicht übersetzt“:

Sean Chercover: Big City, Bad Blood

James W. Hall: Magic City

Thomas Perry: Silence

Duane Swierczynski: Severance Package

Und noch mindestens ein Buch von James O. Born, Sean Doolittle, Tom Piccirilli, Richard Price und Max Allan Collins (zu produktiv für Einzelnennungen) und alle Hard-Case-Crime-Originalausgaben, die ich bis jetzt noch nicht gelesen habe.


Irgendwie Pech (und deshalb nicht in meiner Jahres-Top-Liste) hatten auch diese TV-Serien:

KDD – Kriminaldauerdienst (2. Staffel)

Kidnapped – 13 Tage Hoffnung

Sleeper Cell

Die Ausschnitte, die ich gesehen habe, haben mir gefallen, aber dann wurden die Serien auf die externe Festplatte ausgelagert und vergessen. Denn sie scheinen alle diese „Die nächste Folge will ich noch sehen“-Wirkung zu haben.


TV-Tipp für den 29. Dezember: Maschinenpistolen, Die wilden Zwanziger

Dezember 29, 2008

BR, 00.25

Maschinenpistolen (USA 1949, R.: Raoul Walsh)

Drehbuch: Ivan Goff, Ben Roberts

Der Gangsterfilmklassiker „White Heat“ führte den psychopathischen Gangster ein: James Cagney als neurotisch-brutaler Gangsterboss am Rockzipfel seiner Mutter. Grandios.

Auch das Ende: Cagney jagt sich und etliche Gas-Tanks in die Luft und brüllt: „Made it, Ma! Top of the world!“

Mit James Cagney, Virginia Mayo, Edmund O’Brien, Margaret Wycherly

Auch bekannt als „Sprung in den Tod“

BR, 02.15

Die wilden Zwanziger (USA 1939, R.: Raoul Walsh)

Drehbuch: Jerry Wald, Richard Macaulay, Robert Rossen

LV: Originalstory von Mark Hellinger

Schmissiger Gangsterfilm mit James Cagney und Humphrey Bogart – und, auch ohne ein Buch als Vorlage (als Inspiration dienten, neben einer Originalstory von Mark Hellinger, die Schlagzeilen der Tageszeitungen), wichtig als optische Vorlage für zahllose Gangsterkrimis.

Auch bekannt als  „Die goldenen Zwanziger“


Wiederveröffentlichungen – Ein Trend?

Dezember 28, 2008

2008 wurden im Rückblick ungewöhnlich viele Kriminalromane, die lange nicht mehr erhältlich waren, wieder veröffentlicht; – teilweise in neuen Übersetzungen oder vom Autor überarbeitet und, manchmal, mit begleitenden Texten zum Werk und Autor.

Hier ist die, sicher unvollständige, Liste:

Lawrence Block: Abzocker

Robert Brack: Psychofieber

Pete Dexter: Paris Trout

Egon Eis: Duell im Dunkel

Frank Göhre: An einem heißen Sommertag

Uta-Maria Heim: Das Rattenprinzip

Emilie Heinrichs: Leibrenten (der erste Band der „Criminalbibliothek 1850 – 1933)

David Hewson: Epiphanias

Sam Jaun: Brandnacht

Dan Kavanagh: Duffy

-ky: Einer von uns beiden

Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge

Hugh Laurie: Bockmist

Hansjörg Martin: Kein Schnaps für Tamara

Rex Miller: Fettsack

Michael Molsner: Rote Messe

Helga Riedel: Einer muss tot

Irene Rodrian: Schlaf, Bübchen, Schlaf

Peter Robinson: Eine respektable Leiche

James Sallis: Deine Augen hat der Tod

Peter Schmidt: Die Regeln der Gewalt

Leonard Schrader: Der Yakuza

Ross Thomas: Teufels Küche

Ross Thomas: Am Rand der Welt

Friedhelm Werremeier: Taxi nach Leipzig

Donald E. Westlake: Mafiatod

Peter Zeindler: Feuerprobe


Fred Breinersdorfer erzählt

Dezember 28, 2008

Bei Stichwort Drehbuch gibt es einige längere Ausschnitte aus einem Gespräch mit Krimi- und Drehbuchautor Fred Breinersdorfer (Anwalt Abel und „Sophie Scholl – Die letzten Tage“). Er erzählt von seinem ersten eigenen Filmdreh, wie er dabei den Drehbuchautor verfluchte (also sich selbst), wie wichtig ein Drehbuch ist und wie die Sitten im Filmgeschäft sind.

Hörenswert!


KrimiWelt-Bestenliste Januar 2009

Dezember 27, 2008

Die Januar-Bestenliste der KrimiWelt dürfte, wegen der Feiertage, in Wirklichkeit eine Mitte-Dezember-Bestenliste sein. Jedenfalls hat das kollektive Votum der Kritiker diese Liste ermittelt:

1 (1) John le Carré: Marionetten

2 (3) Jerome Charyn: Citizen Sidel

3 (8) Kate Atkinson: Lebenslügen

4 (4) Jo Nesbø: Der Schneemann

5 (6) Ian Rankin: Ein Rest von Schuld

6 (-) Rudolf Lorenzen: Bad Walden

7 (-) Stefan Kiesbye: Nebenan ein Mädchen

8 (-) Pete Dexter: Paris Trout

8 (-) Natsuo Kirino: Teufelskind

9 (7) Fred Vargas/Baudoin: Das Zeichen des Widders


TV-Tipps für die Weihnachtstage und das Wochenende: Vom Ice Harvest zum öffentlichen Feind

Dezember 24, 2008

Mittwoch, 24. Dezember

Sat.1, 22.20

The Ice Harvest (USA 2005, R.: Harold Ramis)

Drehbuch: Richard Russo, Robert Benton

LV: Scott Phillips: The Ice Harvest, 2000 (Alles in einer Nacht)

Heiligabend in Wichita, Kansas: Anwalt Charlie Arglist hat mit seinem Kumpel Vic einen Mafiaboss um zwei Millionen Dollar erleichtert. Bevor er Wichita verlassen kann, muss er noch den Weihnachtsabend überleben. Denn anscheinend wollen die Verwandtschaft, Kleingangster, eine Femme Fatale, ein Killer, sein nicht vertrauenswürdiger Mitverbrecher und der titelgebende Eissturm seinen Plan durchkreuzen.

Hochkarätig besetzte schwarze Komödie, die bei uns leider nur auf DVD veröffentlicht wurde.

Scott Phillips Debütroman war für den Edgar und Hammett Preis nominiert. Das Drehbuch war auch für einen Edgar nominiert.

Mit John Cusack, Billy Bob Thornton, Connie Nielsen, Randy Quaid, Oliver Platt

Wiederholung: Donnerstag, 25. Dezember, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Scott Phillips

Amerikanische Homepage zum Film

Donnerstag, 25. Dezember

RTL, 22.00

Children of Men (USA 2006, R.: Alfonso Cuarón)

Drehbuch: Alfonso Cuarón, Timothy J. Sexton, David Arata, Mark Fergus, Hawk Ostby

LV: P. D. James: The Children of Men, 1992 (Im Land der leeren Häuser)

2027: Seit 18 Jahren wurde weltweit kein Kind mehr geboren. Großbritannien ist ein Polizeistaat und eigentlich geht alles vor die Hunde. Da wird der desillusionierte Weltverbesserer Theo von einer Untergrundorganisation entführt. Er soll eine junge, schwangere Frau aus London in eine irgendwo außerhalb Englands liegende sichere Zone bringen. Denn das Baby darf nicht in die Hände der Regierung fallen. Auf ihrer Reise muss Theo schnell feststellen, dass er niemand vertrauen kann.

Verfilmung des S-F-Romans von P. D. James. Für den Film spricht die Darstellerriege, die Kameraarbeit (Cuarón schnitt auch in Action-Szenen extrem selten, teilweise überhaupt nicht). Gegen den Film spricht die 08/15-Story, dass diese Negativutopie ein einziges Patchwork verschiedenster, sich letztendlich wiedersprechender Negativutopien ist und dass „Children of Men“ im Gegensatz zu den großen Negativutopien deshalb eskapistisches Kino ist.

Mit Clive Owen, Julianne Moore, Chiwetel Ejiofor, Michael Caine, Danny Huston

Wiederholung: Freitag, 26. Dezember, 23.40 Uhr

Hinweise

Homepage von P. D. James

Krimi-Couch über P. D. James

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Children of Men“

Freitag, 26. Dezember

RBB, 00.15

Casino (USA 1995, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi

LV: Nicholas Pileggi: Casino: Love and Honor in Las Vegas, 1995 (Casino)

Biopic über die Mafia in Las Vegas in den Siebzigern

Kurz gesagt: ein Meisterwerk und Pflichttermin für Krimifans.

„Die einander ergänzenden Elemente von ‚Casino’, die genaue, materialistische Dokumentation, das Shakespeare-Drama von Macht und Fall, der Genrefilm und die Strindbergsche Seelenpein von Mann und Frau, zwischen denen eine unsichtbare Mauer steht, laufen alle auf die Feststellung hinaus, die Robert De Niro schon am Anfang getroffen hat: dass niemand gegen die Bank gewinnen kann. Das ist nicht nur konkrete Beschreibung einer ökonomisch-kriminellen Situation und soziale Metapher auf das Wesen des Kapitalismus, sondern auch ein philosophisches Gleichnis.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)

Mit Robert De Niro, Sharon Stone, Joe Pesci, James Woods, Kevin Pollak, L. Q. Jones

Wiederholung: BR, Samstag, 27. Dezember, 23.25 Uhr

Samstag, 27. Dezember

BR, 22.25

Hollywood Gangster (D 2008, Regie: Eckhart Schmidt)

Drehbuch: Eckhart Schmidt

Einstündige Doku über das Bild des Gangsters in Hollywoodfilmen im Wandel der Zeit. Als Begleitprogramm gibt es um 20.15 Uhr die Gaunerkomödie „Der Clou“ (mit Robert Redford und Paul Newman) und um 23.25 Uhr „Casino“.

Mit Roger Corman, Nicholas Pileggi, Peter Bogdanovich, Martin Bregman, James Caan, Angie Dickinson, Joan Leslie, John Milius, Budd Boetticher

Sonntag, 28. Dezember

Gangsterfilm-Double-Feature

BR, 23.00

GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (USA 1990, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi

LV: Nicholas Pileggi: Wiseguy, 1985 (Der Mob von innen)

Preisgekrönter und mitreisender Gangsterfilm über das Leben des Mafia-Aussteigers Henry Hill zwischen 1955 und 1980 in New York.

Bei Scorsese sind Gangster die Kehrseite des amerikanischen Traums und die Mafia keine ehrenwerte Gesellschaft, sondern eine Ansammlung von Killern, Schlägern und Betrügern.

mit Robert De Niro, Joe Pesci (Oscar als bester Nebendarsteller), Ray Liotta, Lorraine Bracco, Paul Sorvino

BR, 01.20

Der öffentliche Feind (USA 1931, R.: William A. Wellman)

Drehbuch: Harvey Thew

Kleiner Gauner wird zu einem Polizistenmörder.

Einer der unumstrittenen Klassiker des Gangsterfilms. Damals wurde „The public enemy“, ebenso wie der vergleichbare „Little Caesar“, als Glorifizierung des Verbrechens kritisiert.

James Cagney begründete mit dieser Rolle seinen Ruhm; besonders mit dieser Szene: Cagney zerdrückt eine Grapefruit in Mae Clarkes Gesicht.

Mit James Cagney, Edward Woods, Jean Harlow


Cover der Woche

Dezember 23, 2008

cannon-der-weise-tod


TV-Tipp für den 23. Dezember: James Bond – Der Hauch des Todes

Dezember 23, 2008

HR, 20.15

JAMES BOND: Der Hauch des Todes (GB 1987, R.: John Glen)

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Ian Fleming: The living daylights, 1962 (Duell mit doppeltem Einsatz, Kurzgeschichte)

Bond soll einem russischen Agenten zur Flucht verhelfen. Aber dieser treibt ein doppeltes Spiel.

Der erste Bond mit Timothy Dalton ist ein rundum unterhaltsamer Familienfilm: etwas Action (jugendfrei), schöne Frauen (dito), Pferde, Exotik (na, so a la Karl May). Tja, man gab sich Mühe zum 25-jährigen Leinwandjubiläum.

Sogar einige Elemente der Fleming-Story wurden in „Der Hauch des Todes“ verwandt.

Mit Timothy Dalton, Maryam d´Abo, Jeroen Krabbé, Joe Don Baker (hier einer der Bösen)


Schöner Bildband über das Kino des Grauens

Dezember 22, 2008

duncan-horror-cinema

„Horror ist das Gegenwärtige, die Vergegenwärtigung. Die Tatsache, der man ins Auge sehen muss. Der Mörder, der vor dir steht, mit gefletschten Zähnen und erhobenem Messer. Die tote Ehefrau am Boden. Das schlaffe Fleisch im Spiegel – das Kind, das hinter einem Ball herläuft und dabei den Lastwagen nicht wahrnimmt, den du kommen siehst. Horror ist die Wanze, die dir aus dem Ohr kriecht. Horror sind die Nazis an der Macht.

Worin besteht der Unterschied zwischen Horror und Terror? Horror ist die zweite Stufe. Terror ist die Ungewissheit, die Angst. (…) Horror ist, wenn deine Befürchtungen wahr werden. Horror ist die Erfüllung.“ schreiben Jonathan Penner und Steven Jay Schneider in der Einleitung zu dem von Paul Duncan herausgegebenen, gewohnt prächtig gelayouteten Band „Horror Cinema“ der „Film series“ des Taschen Verlages.

In neun Kapitel zeichnen Penner und Schneider in knappen Texten die Geschichte des Horrorfilms von den Anfängen bis zur Gegenwart nach. Sie fassen die Genregrenzen, wie man nach den einleitenden Worten vermuten kann, großzügig. Es geht um Slasher und Serienmörder, Kannibalen und Hinterwäldler, die Rache der Natur, Science-Fiction-Horror, lebende Toten, Geister und Spukhäuser, Besessene und teuflische Bösewichte, Voodoo und Satanisten, Vampire und Werwölfe, und Ungeheuer in Frauengestalt.

Die ersten Kapitel sind umfangreicher und auch für Genrekenner gewinnbringend zu lesen. Ab der Mitte des Buches werden sie kürzer und erschöpfen sich teilweise in einer kaum kaschierten Aufzählung von Filmtiteln, die, auch weil sie zu unsortiert sind, nicht mehr als Ansehempfehlungen taugen.

Doch das ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Denn insgesamt bietet „Horror Cinema“ auf wenigen Seiten einen gelungenen Überblick über das Genre. Jonathan Penner und Steven Jay Schneider gelingt es, die Entwicklung des Genres von den Stummfilmen über die klassischen Horrorfilme der dreißiger Jahre und die Zombie- und Slasherfilme hin zu den aktuellen Werken nachzuzeichnen.

Die Texte werden, wie gewohnt, durch zahlreiche Fotos, kundige Bildunterschriften und prägnante Zitate ergänzt. Dabei beeindruckt – wie schon bei den früheren Veröffentlichungen in der Filmreihe des Taschen-Verlages – die Auswahl der Bilder. Denn neben den wenigen bekannten Filmfotos gibt es zahlreiche selten bis nie abgedruckte Filmfotos und Bilder von den Dreharbeiten.

Paul Duncan (Hrsg.): Horror Cinema

(Texte von Jonathan Penner und Steven Jay Schneider)

Taschen Verlag, 2008

192 Seiten

19,99 Euro


Hinweis

Taschen-Verlag über „Horror Cinema“ (in dem Buch kann geblättert werden)


Neue Drehbücher: „Sex and the City“ & „RocknRolla“

Dezember 22, 2008

Na, das ist doch ein ausgewogenes Paket von Simply Scripts:

Für die Mädels: „Sex and the City“ (Drehbuch von Michael Patrick King – Hm.)

Für die Jungs:  „RocknRolla“ (Drehbuch und Regie: Guy Ritchie – Und im Gegensatz zu seinem letzten Film „Revolver“ soll der Gangsterfilm „RocknRolla“ ab dem 19. März 2009 auch in den deutschen Lichtspieltheatern gezeigt werden. Ansonsten dreht Madonnas Exmann jetzt eine moderne, also actionhaltige, Version von Sherlock Holmes.)


TV-Tipp für den 22. Dezember: Tatort: Und dahinter liegt New York

Dezember 22, 2008

RBB, 22.05

Tatort: Und dahinter liegt New York (D 2001, Friedemann Fromm)

Drehbuch: Friedrich Ani

Wer erschoss den Polizisten Reck? Batic und Leitmayr ermitteln in Münchens nicht so gut gestellten Kreisen.

Toller Krimi mit fesselnder Story, guter Besetzung und authentischer Atmosphäre.

Bei der Erstausstrahlung gab es eine groteske Diskussion über den Titel: Dürfen wir nach dem Anschlag vom 11. September noch die Worte New York im Titel haben? Oder sollen wir sie durch die Welt ersetzten?

Mit Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Michael Fitz, Barbara Rudnik

Hinweise

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)


TV-Tipp für den 21. Dezember: Das Gasthaus an der Themse

Dezember 21, 2008

Das Vierte, 20.15

Das Gasthaus an der Themse (D 1962, R.: Alfred Vohrer)
Drehbuch: Trygve Larsen (Egon Eis), Harald G. Petersen
LV: Edgar Wallace: The india-rubber men, Wolves of the waterfront, The pool, 1929 (Das Gasthaus an der Themse)
Inspektor Wade verfolgt den Hai; einen Mörder, der mit einer Harpu ne zuschlägt und in einem Taucheranzug in die Londoner Kanalisation abtaucht.
Das war das letzte Drehbuch von Egon Eis für einen Wallace-Film (er schrieb u. a. „Der Frosch mit der Maske“, „Der rote Kreis“ und „Die toten Augen von London“) und die erste Wallace-Verfilmungen mit einem anderen Haupttäter im Film als im Buch. Kramp hält „Das Gasthaus an der Themse“ für eine der besten Schwarzweiß-Wallace-Verfilmungen von Vohrer.

Ansonsten: ein Edgar-Wallace-Film ist ein Edgar-Wallace-Film.

Mit Joachim Fuschberger, Brigitte Grothum, Richard Münch, Elisabeth Flickenschildt, Klaus Kinski, Eddi Arent, Siegfried Schürenberg.

Hinweis
Meine Besprechung von Egon Eis‘ „Duell im Dunkel“


TV-Krimi-Buch-Tipps für die Weihnachtstage und Silvester online

Dezember 21, 2008

Alfred ließ für einige Stunden den Kampf gegen Viren, Bakterien und ärztliche Ratschläge („Bettruhe! Tee trinken! Nicht aufregen! Nicht aufregen!!“) ruhen und stürzte sich in die Alligatorenpapiere-Arbeit. Ein Ergebnis sind die TV-Krimi-Buch-Tipps für die letzten Tage des Jahres. Ansehen! Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier:

Hallo liebe Krimifreunde,
zu den letzten TV-Krimi-Buch-Tipps für dieses Jahr. Traditionell geizen die Sender während der letzten Tage des Jahres nicht mit Filmen. Neben viel Müll lohnt sich bei diesen Filmen das Einschalten (oder programmieren des Rekorders): die sechste Folge von Lynda La Plantes „Heißer Verdacht“, Liliana Cavanis Patricia-Highsmith-Verfilmung „Ripley’s Game“, Frank Capras Joseph-Kesselring-Verfilmung „Arsen und Spitzenhäubchen“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmungen „Casino“ und „GoodFellas“, José Giovannis „Der Rammbock“, Sam Peckinpahs „Sacramento“, den Alfred-Hitchcock-Filme „Die Vögel“, „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“, „Das Fenster zum Hof“ und „Der Mann, der zuviel wusste“.
Die sehenswerte TV-Premiere ist Harold Ramis Verfilmung von Scott Phillips‘ Debütroman „The Ice Harvest“, die okaye TV-Premiere ist Alfonso Cuaróns P.-D.-James-Verfilmung „Children of Men“ und dann gibt es für die Freunde des Gangster- und Noir-Films gleich eine ganze Reihe guter Filme. Es sind, in der Reihenfolge ihrer Ausstrahlung, „Der kleine Caesar“, „Der öffentliche Feind“, „Goldenes Gift“, „Maschinenpistolen“, „Die wilden Zwanziger“, „Entscheidung in der Sierra“, „Stadt an der Grenze“, „Wem gehört die Stadt?“, „Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern“ und „Gardenia – Eine Frau will vergessen“.


TV-Tipp für den 20. Dezember: Ripley’s Game

Dezember 20, 2008

Sat.1, 00.35

Ripley’s Game (GB/I/USA 2002, R.: Liliana Cavani)
Drehbuch: Liliana Cavani, Charles McKeown
LV: Patricia Highsmith: Ripley’s Game, 1974 (Ripley’s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley’s Game oder Ein amerikanischer Freund)
Ripley schlägt einem todkranken Mann vor, mit einem Auftragsmord seiner Familie ein finanzielles Polster zu verschaffen.
„John Malkovich ist perfekt in der Hauptrolle, die Spannung stimmt, die Inszenierung souverän.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2005)
Hochgelobte, sehenswerte Highsmith-Verfilmung, die in Deutschland nur eine DVD-Premiere erlebte und bevorzugt zu unmöglichen Zeiten ausgestrahlt wird.
Mit John Malkovich, Ray Winstone, Hanns Zischler
Wiederholung: Sonntag, 21. Dezember, 04.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Gerald Peary: Interview mit Liliani Cavani (Boston Phoenix, Dezember 2003)

Roger Ebert’s Overlooked Film Festival: Ripley’s Game

Wikipedia über Patricia Highsmith

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith


CSI: Las Vegas und CSI: NY auf Mörderjagd

Dezember 19, 2008

preisler-csi-tod-in-der-wuste decandido-csi-ny-ohne-ausweg

Tote im Knast, in einem italienischen Cafe, in einem See und in einer Villa. Das sind in den neuen Büchern von Jerome Preisler und Keith R. A. DeCandido die harten Fälle für die CSIler aus New York und Las Vegas.

Preisler und DeCandido sind erprobte Tie-In-Autoren. Preisler schrieb mehrere „Homicide“- und „Tom Clancy’s Power-Plays“-Romane. DeCandido „Resident Evil“-, „Buffy“-, „Supernatural“- und „Star Trek“-Romane. Beiden gelingt es mit ihrer ersten Arbeit für das CSI-Franchise einerseits perfekt die Formel für die TV-Fans auszufüllen, und andererseits spannende Fälle für die Leser, die die Serien nicht ansehen, zu erfinden. Denn auch ein Tie-In-Roman muss vor allem als Roman funktionieren.

Im Original heißt Jerome Preislers Roman mit dem Las-Vegas-Team um Gil Grissom „Nevada Rose“. Dieser Titel bezieht sich dabei auf beide Fälle, während der deutsche Titel „Tod in der Wüste“ einen Fall hervorhebt. Denn in dem einem Fall wird das stadtbekannte Partygirl Rose Demilles, genannt Nevada Rose, tot in ihrem Bett gefunden. Wurde sie ermordet oder ist ein SM-Spiel zu weit gegangen? Catherine Willows und Warrick Brown haben schnell zwei Verdächtige. Demilles Freund, den Baseball-Star Mark Baker, und ihren verheirateten Liebhaber. Dr. Layton Samuels ist Schönheitschirurg und seine Ehe inzwischen ein schrottreifes Unternehmen mit glänzender Fassade.

In dem zweiten Fall wird in einem künstlichen See eine männliche Leiche gefunden. Aber der Fundort ist nicht der Tatort. Anhand des sandartigen Materials an den Kleidern des Toten finden Greg Sanders und Sara Sidle heraus, dass Adam Belcher in einem Stollen starb und durch ein Unwetter in den See gespült wurde. Der Tote hatte zusammen mit seinem Bruder Charles einen wertvollen Stein gefunden, den sie „Nevada Rose“ nannten. Aufgrund ihrer Ermittlungen glauben die CSIler an einen Mord und Charles, der den Stein meistbietend verkaufen wollte, ist ihr Hauptverdächtiger.

Während Jerome Preislers „Tod in der Wüste“ einfach eine weitere Geschichte mit den Forensikern aus Las Vegas ist, platziert Keith R. A. DeCandido seine Geschichte genau an das Ende der dritten „CSI: NY“-Staffel zwischen die Folgen „Nachspiel“ und „Ausnahmezustand“. Deshalb werden in „Ohne Ausweg“ für einen Tie-In-Roman ungewöhnlich oft frühere Ereignissen erwähnt. Außerdem lässt DeCandido, genau wie in vielen Episoden, nach der Verhaftung einen langen Epilog folgen. Das funktioniert überraschend gut, weil er allen Charakteren einen abschließenden Auftritt gewährt.

Am Anfang von „Ohne Ausweg“ werden Mac Taylor und seine Jungs in die Richmond Hill Correctional Facility gerufen. Vance Barker wurde erstochen. Der Mithäftling Jack Mulroney gesteht sofort die Tat. Taylor und sein Team sollen nur die Spuren sichern.

Der zweite Todesfall ist wesentlich komplizierter. Der allseits beliebte, zum Islam konvertierte Ex-Polizist Malik Washburne wurde erschlagen. Der erste Tatverdächtige ist Jorge Melendez. Er fand die Leiche und er hatte in den vergangenen Tagen Streit mit Malik, weil dieser ihm bei einer Berufungsverhandlung nicht helfen wollte.

Stella Bonasera und Lindsay Monroe müssen derweil den Mord an der Nachtbedienung Maria Campagna in Belluso’s Bakery aufklären. Ihr erster Verdächtiger ist ein cholerischer Kampfsportler, der die Tote zuletzt gesehen hatte und, nachdem er früher bereits wegen einer Vergewaltigung fälschlich verdächtigt wurde, die Polizei hasst und sich entsprechend unkooperativ verhält.

Im direkten Vergleich ist Keith R. A. DeCandidos „Ohne Ausweg“ gelungener als Jerome Preislers „Tod in der Wüste“. Denn während Preisler sich vor allem auf die Frage nach dem Täter konzentriert und diesen, entsprechend der TV-Serie, anhand der Spuren ermittelt, gewinnen bei DeCandido die einzelnen Charaktere, ihre Gefühle, Motive und Wünsche ein größeres Gewicht. Es entsteht ein kleines Sittenbild von New York als einer pulsierenden Großstadt, die doch ein Dorf ist. Jedenfalls spätestens, wenn Stella Bonasera ihre Arbeitskollegen am Ende in Belluso’s Bakery zum Cannoli-Essen einlädt.

Jerome Preisler: CSI: Crime Scene Investigation – Tod in der Wüste

(übersetzt von Frauke Meier)

vgs, 2008

264 Seiten

17,95 Euro

Originalausgabe

CSI: Crime Scene Investigation – Nevada Rose

Pocket Books, 2008

Keith R. A. DeCandido: CSI: NY – Ohne Ausweg

(übersetzt von Frauke Meier)

vgs, 2008

312 Seiten

17,95 Euro

Originalausgabe

CSI: NY – Four Walls

Pocket Books, 2008

Hinweise

Homepage von Jerome Preisler

Homepage von Keith R. A. DeCandido

CSI Files: Interview mit Keith R. A. DeCandido über seinen CSI: NY-Roman (30. April 2008)

Meine Besprechungen der CSI-Romane und CSI-Comics (mit weiterführenden Links)

Max Allan Collins: CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise (CSI: Crime Scene Investigation – Body of Evidence, 2003):

Max Allan Collins: CSI – Crime Scene Investigation: Im Profil des Todes (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006)

Max Allan Collins:  CSI – Das Dämonenhaus (Demon House, 2004 – Comic)

Max Allan Collins:  CSI: NY – Blutiger Mond (Bloody Murder, 2006 – Comic)

Donn Cortez: CSI: Miami – Mörderisches Fest (CSI: Miami – Harm for the Holidays – Misgivings, 2006)

Donn Cortez: CSI: Miami – Todsicheres Alibi (CSI: Miami – Harm for the Holidays – Heart Attack, 2006)

Donn Cortez: CSI: Miami – Im freien Fall (CSI: Miami – Cut and run, 2007)

Ken Goddard: CSI: Crime Scene Investigation – In Extremis (CSI: Crime Scene Investigation – In Extremis, 2007)

Steven Grant: CSI: Geheimidentität (Secret Identity, 2005 – Comic)

Stuart M. Kaminsky: CSI: NY – Der Tote ohne Gesicht (CSI: NY – Dead of Winter, 2005)

Stuart M. Kaminsky: CSI: NY – Blutige Spur (CSI: NY – Blood on the sun, 2006)

Stuart M. Kaminsky: CSI: NY – Sintflut (CSI: NY – Deluge, 2007)

Jeff Mariotte/Kris Oprisko: CSI Miami (enthält die Comics „Blut/Geld“, „Du sollst nicht“ und „Verräterische Waffe“, 2005)

Kris Oprisko: CSI: Domino (Dominoes, 2005)




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