TV-Tipp für den 14. August: Killing them softly

August 13, 2022

Einen ganz anderen Killer als in „Bullet Train“ (seit einigen Tagen im Kino) spielt Brad Pitt in

RTL II, 00.35

Killing them softly (Killing them softly, USA 2012)

Regie: Andrew Dominik

Drehbuch: Andrew Dominik

LV: George V. Higgins: Cogan’s Trade, 1974 (Neuauflage als „Killing them softly“, deutsche Übersetzung als „Ich töte lieber sanft“)

Zwei Kleingangster überfallen ein illegales Pokerturnier. Dummerweise ist es von einem Mafiosi organisiert und der sinnt auf Vergeltung. Sein Troubleshooter Cogan (Brad Pitt) soll das Problem lösen.

Düsteres, top besetztes Gangsterdrama, das von seinen Dialogen lebt. Das ist nicht wirklich schlecht, aber der Roman ist besser. Denn dort stört es nicht, wenn die Geschichte vor allem über die Gespräche der Gangster erzählt wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Brad Pitt, James Gandolfini, Ray Liotta, Richard Jenkins, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, Vincent Curatola, Trevor Long, Max Casella, Sam Shepard

Die Vorlage (Lesebefehl!)

George V. Higgins: Ich töte lieber sanft

(übersetzt von Dirk van Gunsteren)

Verlag Antje Kunstmann, 2013

240 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Cogan’s Trade

Alfred A. Knopf, 1974

Hinweise

Metacritic über „Killing them softly“

Rotten Tomatoes über „Killing them softly“

Wikipedia über „Killing them softly“ (deutsch, englisch) und George V. Higgins

New York Times über George V. Higgins

Meine Besprechung von Andrew Dominiks  George-V.-Higgins-Verfilmung „Killing them softly“ (Killing the softly, USA 2012)

Meine Besprechung von George V. Higgins‘ „Ich töte lieber sanft“ (Cogan’s Trade, Killing them softly, 1974)

Meine Besprechung von George V. Higgins‘ „Die Freunde von Eddie Coyle“ (The Friends of Eddie Coyle, 1971)


Neu im Kino/Filmkritik: „Grand Jeté“, wenn die Mutter mit dem Sohn…

August 13, 2022

Ich denke nicht, dass mein Film Nadjas Verhalten entschuldigen oder verstehen will. Er schafft den Raum, diese Verbindung ohne moralische Wertung zu betrachten. Dieser Raum kann zu weiteren Gedanken persönlicher und individueller Natur führen.“

Isabelle Stever, Regie

 

Das hätte eine Provokation, über die alle reden, werden können: eine Mutter geht eine sexuelle Beziehung mit ihrem Sohn ein. Es wurde ein Film, der einen ratlos zurücklässt. Denn Regisseurin Isabelle Stever lässt uns über die Motive ihrer Figuren weitgehend im Dunkeln. Sie ignoriert alle Konflikte, die aus so einer, von der Gesellschaft abgelehnten, Liebesbeziehung entstehen könnten. Bei ihr scheint niemand sich an der Beziehung zwischen der Mutter und ihrem Sohn zu stören.

Als Teenager bekam Nadja ihren Sohn. Sie gab ihn zu ihrer Mutter und scheint ihn seitdem selten bis nie gesehen zu haben. Sie konzentrierte sich auf ihre Karriere als Ballettänzerin. Inzwischen arbeitet sie als reichlich unnahbare Ballettlehrerin.

Als sie ihre Mutter besucht, trift sie auch ihren gerade so erwachsenen Sohn Mario. Sie fühlen sich voneinander angezogen und haben in der kleinen Mietwohnung von Nadjas Mutter Geschlechtsverkehr miteinander. Nadjas Mutter scheint das nicht zu stören. Auch die anderen Nachbarn im Mietshaus, die wir nicht sehen, scheint diese gesellschaftliche geächtete Beziehung nicht zu stören.

Später zieht Mario bei Nadja ein. Sie haben weiterhin Sex miteinander und sie stürzen sich in das Nachtleben. Nirgendwo verheimlichen sie ihre Beziehung. Und jeder akzeptiert dieses Mutter/Sohn-Gespann. Auch ihre Schwangerschaft sorgt nicht für irgendwelche Diskussionen oder erkennbaren Konflikte zwischen ihnen oder zwischen ihnen und den wenigen anderen Menschen, denen sie begegnen.

Grand Jeté“ wirkt wie ein elliptisch erzähltes Gedankenexperiment im luftleerem Raum und ohne eine These, um die die Filmgeschichte und an den Film anschließende Diskussionen sich drehen könnten.

Entsprechend zufällig reihen sich die meist langen Szenen aneinander. Oft sind die Bilder unscharf und die Farben blass. Oft zeigt Stever minutenlange Nahaufnahmen von beispielsweise einem Schulterblatt. Oft nimmt sie ihre Figuren von schräg oben auf. So als sähe jemand auf sie herab. Diese gegen die Sehgewohnheiten verstoßenden Aufnahmen vergrößern die Distanz zum Publikum, das schon mit den rätselhaften Figuren zu kämpfen hat, weiter.

Und so wird aus dem potentiellem Skandalfilm „Grand Jeté“ schnell ein frustrierender Langweiler ohne Erkenntnisgewinn.

Grand Jeté (Deutschland 2022)

Regie: Isabelle Stever

Drehbuch: Anna Melikova

LV:: Anke Stelling: Fürsorge, 2017

mit Sarah Nevada Grether, Emil von Schönfels, Susanne Bredehöft, Stefan Rudolf, Maya Kornev, Carl Hegemann, Jule Böwe

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Grand Jeté“

Moviepilot über „Grand Jeté“

Rotten Tomatoes über „Grand Jeté“

Wikipedia über „Grand Jeté“

Berlinale über „Grand Jeté“


Neu im Kino/Filmkritik: Der Berlinale-Gewinner “Alcarràs – Die letzte Ernte”

August 13, 2022

Gleich am Filmanfang wird der Familie Solé mitgeteilt, dass sie am Ende des Sommers den Hof verlassen müssen. Dort bauen sie, inzwischen schon seit mehreren Generationen, Pfirsische an. Der Eigentümer des Landes will dort Solaranlagen aufstellen. Das bringt mehr Geld. Und die Solés können ja die Anlagen warten.

In den folgenden knapp zwei Stunden erzählt Carla Simón, was in diesem Sommer passiert. Dabei interessiert sie sich nicht für den Kampf der Familie Solé um ihre Existenz. Der findet nämlich, bis auf ein, zwei Alibi-Aktionen, nicht statt. Sie macht aus ihrer Prämisse auch keinen den Kapitalismus laut anklagenden Ken-Loach-Film. Das alles interessiert sie nicht. Angesichts dieses Desinteresses an dem unmittelbar erkennbarem Konfliktpotential der Prämisse stellt sich daher schon die Frage, warum Simón diese Prämisse wählte.

Sie interessiert sich nämlich nur für die Familie Solé. Voller Empathie und unter dem Verzicht auf traditionelle Hollywood-Spannungsbögen erzählt sie einen Sommer aus dem Leben der Familie Solé. Und wüssten wir nicht, dass es deren letzter Sommer auf ihrem Land ist, würden wir diesen Sommer für einen ganz normalen Sommer halten, in dem sie arbeiten, lieben und es Konflikte zwischen dem Vater und dem Sohn über die Fortentwicklung des Betriebs gibt.

Simón zeigt auch, am Beispiel einer Familie, wie die Gesellschaft und die Wirtschaft sich im Lauf eines guten Jahrhunderts veränderten. Drei Generationen, – die jüngsten noch Kinder, der älteste kurz vor dem Tod -, leben in dem Haus, das in Katalonien in Alcarràs steht. Sie arbeiten alle auf der Pfirsichplantage. Das Wissen wird von Generation zu Generation weitergegeben. Es ist eine harte Arbeit, die wenig Gewinn abwirft. Helfen tun ihnen aus Afrika kommende Arbeiter.

Der Großvater ist für die aktuelle Malaise verantwortlich. Denn er verließ sich darauf, dass der vor achtzig Jahren per Handschlag geschlossene Vertrag bis in alle Ewigkeit gilt. Er ist auch zunehmend gebrechlich und hilft deshalb bei der Ernte nicht mehr mit. .

Die Plantage wird von seinem Sohn Quimet geführt. Er kann sich kein anderes Leben vorstellen. Seine Kinder und die anderen Familienmitglieder arbeiten mit. Dabei können sich die Kinder ein anderes Leben gut vorstellen. Für die jüngsten Kinder, die auch vom Alter her noch Kinder sind, ist die Farm ein riesiger Abenteuerspielplatz.

Das erzählt Carla Simón mit einem aus nicht professionellen Schauspielern bestehendem Ensemble. Vor dem Dreh probte die Regisseurin über drei Monate intensiv mit ihnen. In der Zeit wurden sie zu der Familie, die sie im Film spielen. Sie sprechen, was den wenigsten auffallen dürfte, den regionalen Dialekt. Sie kennen die spezifischen Handgriffe und Bewegungen, mit denen die Arbeit gemacht wird. Dieser fast schon dokumentarische Realismus fällt angenehm auf; auch wenn man selbst noch keine Pfirsische gepflügt hat und einen Traktor nur aus dem Fernsehen kennt.

So entsteht ein feinfühliges Porträt einer Grofamilie, die von der Landwirtschaft lebt.

Das genügt in diesem Fall für einen guten Film.

Die dramaturgische Klammer mit dem drohenden Verlust der Existenz hätte es, wie gesagt, nicht gebraucht. Sie stört sogar mehr als dass sie nutzt. Denn natürlich stellt sich irgendwann die Frage, warum sie ihr Schicksal so klaglos ertragen.

Alcarràs – Die letzte Ernte (Alcarràs, Spanien/Italien 2022)

Regie: Carla Simón

Drehbuch: Carla Simón, Arnau Vilaró (Co-Autor)

mit Josep Abad, Jordi Pujol Dolcet, Anna Otin, Albert Bosch, Xénia Roset, Ainet Jounou, Montse Oró, Carles Cabós

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Alcarràs“

Metacritic über „Alcarràs“

Rotten Tomatoes über „Alcarràs“

Wikipedia über „Alcarràs“ (deutsch, englisch, katalanisch [aktuell sehr ausführlich], spanisch)

Berlinale über „Alcarràs“


TV-Tipp für den 13. August: Eine Frau mit berauschenden Talenten

August 12, 2022

One, 21.45

Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)

LV: Hannelore Cayre: La daronne, 2017 (Die Alte)

Patience Portefeux (Isabelle Huppert) kommt als schlecht bezahlte Übersetzerin für das Pariser Drogendezernat gerade so über die Runden. Als sie bei einem Telefonat von einem großen Drogendeal erfährt, in den der Sohn einer Pflegerin ihrer Mutter involviert ist, hat sie eine Idee. Kurz darauf hat sie anderthalb Tonnen Haschich im Keller eines Mietshauses gelagert und sie beginnt die Drogen an die richtigen Männer zu verkaufen. Während die Polizei unbedingt die neue Drogengroßhändlerin schnappen will.

Wundervollen Krimikomödie zu einer berauschenden Uhrzeit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, Farida Ouchani, Liliane Rovère, Iris Bry, Nadja Nguyen, Rebecca Marder, Rachid Guellaz, Mourad Boudaoud, Youssef Sahraoui, Kamel Guenfoud

Die lesenswerte Vorlage

 

Hannelore Cayre: Die Alte

(übersetzt von Iris Konopik)

Argument Verlag, 2019

208 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La daronne

Éditions Métailié, Paris 2017

Hinweise

AlloCiné über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Moviepilot über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Wikipedia über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (deutsch, französisch)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“ (Commis d’office, 2004)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Das Meisterstück“ (Toiles de maitre, 2005)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Die Alte“ (La daronne, 2017)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Reichtum verpflichtet“ (Richesse oblige, 2020)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020) und der DVD

 


TV-Tipp für den 12. August: Der Marathon-Mann

August 11, 2022

3sat, 22.25

Der Marathon-Mann (Marathon Man, USA 1976)

Regie: John Schlesinger

Drehbuch: William Goldman

LV: William Goldman: Marathon Man, 1974 (Der Marathonmann)

Ein Student kommt, durch seinen ermordeten Bruder, einer Nazi-Organisation auf die Spur.

Spannender Thriller mit hochkarätiger Besetzung und einer – immer noch – schrecklichen Zahnarzt-Szene. Ursprünglich sollte sie länger sein, aber Testvorführungen ergaben, dass das zuviel Grauen war.

William Goldmans Drehbuch war für einen Edgar und WGA-Award (für „Die Unbestechlichen“ erhielt er den Preis der Writers Guild of America) nominiert.

Mit Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider, Marthe Keller, William Devane, Fritz Weaver

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Marathon-Mann“

Wikipedia über „Der Marathon-Mann“ (deutsch, englisch) und William Goldman (deutsch, englisch)

Charlie Rose: Interview mit William Goldman (7. Januar 1997)

Ain’t it cool: Interview mit William Goldman (3. März 2000)

Guardian: Interview mit William Goldman (25. April 2009)

William Goldman in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Nope, „Nope“

August 11, 2022

Ein Teil meiner Enttäuschung hängt sicher mit den Erwartungen zusammen. Die Trailer versprachen viel und verrieten wenig. Die offizielle Synopse ebenso: „Emerald ‚Em‘ (Keke Palmer) und OJ (Daniel Kaluuya) sind die Eigentümer einer Farm für Hollywood-Filmpferde. Ihre kalifornische Haywood-Ranch, weitab von den ersten Anzeichen menschlicher Zivilisation, ist bereits seit Jahrzehnten in Familienbesitz. Eines Nachts beobachten sie auf ihrem Land schockierende Phänomene, für die es keinerlei Erklärung zu geben scheint. Dabei ahnen sie nicht, dass es sich nur um die Vorboten eines grauenerregenden Geheimnisses handelt…“

Die Kritiken und Publikumsmeinungen aus den USA sind überaus positiv. Alle, die den Film vor mir gesehen hatten, wollten mit mir über das Ende reden. Das war der Moment, in dem ich immer sagte: „Darüber reden wir, wenn ich ihn gesehen habe.“

Also erwartete ich einen besonderen Film mit einem Shyamalan-Twist am Ende. Außerdem gefielen mir Jordan Peeles vorherige Filme, „Get Out“ gefiel mir sehr gut. „Wir“ weniger. An der Kinokasse waren beide Filme äußerst erfolgreich – und „Nope“ ist das Ergebnis. Der Regisseur erhält ein größeres Budget und freie Hand.

Das benutzt er für eine gewöhnliche Alien-Invasionsgeschichte mit vielen losen Enden, die dazu führen, dass im Internet inzwischen munter spekuliert wird, was was bedeutet und wie das alles miteinander zusammenhängt. Also wer der Motorradfahrer ist, der aus dem Nichts auftaucht als die Geschwister die Aliens anlocken wollen, warum wir so viel über eine 90er-Jahre-Sitcom erfahren und was das damalige Unglück mit den Ereignissen in der Gegenwart zu tun hat. Außer dass Ricky ‚Jupe‘ Park (Steven Yeun) damals als Kinderdarsteller zum Ensemble der Sitcom gehörte und er heute, immer noch von seinem Hollywood-Ruhm zehrend, in der Nähe der Farm der beiden Haywood-Geschwister einen Wilder-Westen-Goldrausch-Themenpark betreibt. Wie der Zusammenhang zwischen Menschen die in oder mit Hollywood Geld verdienen mit den Aliens ist. Undsoweiterundsofort.

Die Story selbst ist ein aufgeblasenes Nichts. In der ersten Hälfte wird angedeutet, dass die Aliens in einer sich nicht bewegenden Wolke am Himmel über der Pferdefarm sind. Ihren Angriffen scheint man, wie schon der Trailer andeutet, entkommen zu können, wenn man sie bei Angriffen nicht ansieht. In der zweiten Hälfte kämpfen dann die Farmbesitzer OJ und seine Schwester Emerald gegen die Aliens. Ihnen helfen der Computerfreak, Slacker und Angestellte der Elektronikkette Fry’s Electronics, Angel Torres (Brandon Perea), der ihre Videoüberwachungsanlage auf den neuesten Stand brachte (was ihnen bei den Angriffen nicht hilft), und der etwas durchgeknallte Dokumentarfilm-Kameramann Antlers Holst (Michael Wincott). Holst ist dabei, weil echte Aufnahmen von Aliens eine Sensation wären.

Das sieht in jedem Moment, auch das zeigt der Trailer, gut aus. Allerdings zieht sich die Story wie Kaugummi. Vieles wird angedeutet. Vieles wird angesprochen, aber fast nichts wird konsequent zu Ende geführt. Das weckt natürlich durchgehend Erwartungen auf eine große Auflösung am Ende. Diese Überraschung gibt es nicht. Und das ist dann auch eine Art von Überraschung. Wie ein Witz ohne Pointe.

So ist „Nope“ ein bildgewaltiger lahmer Schocker, der ein Manifest der Hybris des Regisseurs ist. Hoffentlich fällt Jordan Peeles nächster Film wieder überzeugender aus.

Nope (Nope, USA 2022)

Regie: Jordan Peele

Drehbuch: Jordan Peele

mit Keke Palmer, Daniel Kaluuya, Brandon Perea, Steven Yeun, Michael Wincott, Devon Graye, Keith David, Eddie Jemison, Osgood Perkins, Wrenn Schmidt

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Nope“

Metacritic über „Nope“

Rotten Tomatoes über „Nope“

Wikipedia über „Nope“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jorda Peeles „Get out“ (Get out, USA 2017)

Meine Besprechung von Jordan Peeles „Wir“ (Us, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“ und dort…

August 11, 2022

Mit dem 9-Euro-Ticket (Bitte unbedingt verlängern! Auch wenn ich es kaum benutze, schätze ich die Möglichkeit es benutzen zu können.); – also mit dem 9-Euro-Ticket probieren wir hier in Deutschland gerade etwas aus, wofür Tom Harper sehr alt werden musste: nämlich das fast kostenlose Reisen mit Nahverkehrsverbindungen. Der Pensionär hat einen Seniorenpass, mit dem er kostenlos Nahverkehrsbusse benutzen kann. Mit diesem Pass will der inzwischen Neunzigjährige, nach dem Tod von seiner Frau Mary, von John o‘ Groats, dem nördlichsten Punkt Schottlands, nach Land’s End, dem südlichsten Punkt Englands, fahren.

Es ist eine Reise, die der Senior 1952 Jahren mit seiner Frau in umgekehrter Richtung unternommen hat. Damals fuhren sie mit diesen Bussen von Land’s End nach John o‘ Groats. Jetzt unternimmt Tom diese Reise in umgekehrter Richtung. Er besucht dabei die Orte, die er auf der Hinfahrt mit seiner Frau besucht hat. Es ist eine Erinnerungsreise. Deshalb und nicht weil er zu wenig Geld für eine Zugfahrkarte hat, fährt Tom Bus. Denn allein die Verpflegungs- und Übernachtungskosten kosten ihn mehr als eine Zugfahrkarte. Es ist außerdem seine letzte Reise.

Diese verläuft, mit einigen Abweichungen von der streng geplanten Route, in dem erwartbaren Fahrplan.

Es gibt zwei Punkte, die eindeutig für den Film sprechen, eine ärgerliche Ankunft am Filmende und einige verpasste Chancen, die aus „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“ mehr als einen guten Feelgood-Film gemacht hätten.

Für Gilles MacKinnons Roadmovie sprechen eindeutig die fotogenen Landschaftsaufnahmen und Timothy Spall, der den meist grummeligen und abweisenden Tom spielt. Spall ist zwar erst Mitte sechzig, aber er sah schon immer alt aus und hier, mit etwas Make-up, Mimik und Körperhaltung sieht er wirklich wie ein alter Mann aus, der dickköpfig seine letzte Mission erfüllt und sich dabei von nichts länger als nötig ablenken lässt. Deshalb sind seine Begegnungen, bis auf eine Übernachtung bei einer Familie, auch alle kurz und oberflächlich. So entsteht bei Toms Reise durch Großbritannien kein Bild des Landes und seiner Brüche (wie in „Easy Rider“ für die USA), sondern es bleibt bei einer Aneinderreihung von Postkartenbildern und Toms Erinnerungen an sein Leben mit Mary, die immer wieder eingestreut werden. Hier verpassen MacKinnon und Drehbuchautor Joe Ainsworth die auf der Hand liegende Chance einer Post-Brexit-Bestandsaufnahme des Landes, seiner Verwerfungen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten. „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“ hätte uns etwas über das heutige Großbritannien verraten können. Es bleibt dann bei einer sentimentalen Reise vom einen Ende des Landes zum anderen Ende des Landes.

Schon während des Films fällt auf, dass auffallend oft Handy-Aufnahmen von Tom gemacht werden. Im Film werden sie nicht weiter erwähnt. Im Abspann werden sie gezeigt und durch den Hashtag #BusHero wird angedeutet, dass Toms Reise im Internet von einer zunehmenden Zahl Menschen wohlwollend verfolgt wurde. Das führt zu dem ärgerlichen Ende. Als Tom in Land’s End ankommt, wird er von einer Menschenmasse wie der wiedergeborene Heiland begrüßt. Warum sie seine Reise verfolgt haben, wird nicht erklärt. Warum sie von ihm irgendeinen klugen Satz erwarten, wird noch weniger erklärt.Tom will – zu recht – mit diesen Menschen nichts zu tun haben. Wie schon Brian (in „Das Leben des Brian“) flüchtet er vor ihnen.

So ist „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“ ein unter seinen Möglichkeiten bleibendes Feelgood-Movie mit einem gewohnt grandiosen Timothy Spall.

P. S.: Der Film basiert auf keiner wahren Geschichte, sondern auf einer Gedankenspielerei von Drehbuchautor Joe Ainsworth. Bei einem Familientreffen überlegten sie, wohin sie mit einem Seniorenpass reisen könnten. So ein Pass ist zwar für Strecken in der näheren Umgebung gedacht, aber mit etwas Zeit und Planung sind auch weitere Strecken möglich.

Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr (The last bus, Großbritannien 2021)

Regie: Gillies MacKinnon

Drehbuch: Joe Ainsworth

mit Timothy Spall, Phyllis Logan, Natalie Mitson, Ben Ewing, Patricia Panther, JS Duffy, Saskia Ashdown, Scott Campbell, Anne Kidd, Aila Gavin, Matt Costello

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“

Metacritic über „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“

Rotten Tomatoes über „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“

Wikipedia über „Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr“


TV-Tipp für den 11. August: James Bond 007 – Lizenz zum Töten

August 10, 2022

Vox, 22.20

James Bond: Lizenz zum Töten (Licence to Kill, Großbritannien 1989)

Regie: John Glen

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Figur von Ian Fleming

Nachdem Drogenbaron Sanchez seinen Freund Felix Leiter während der Hochzeit schwer verletzt und dessen Künftige umbringt, sieht Bond rot. Im Alleingang bringt er Sanchez um seine Existenzgrundlage.

Der zweite Einsatz von Timothy Dalton war realistischer und härter als die vorherigen Bonds. An der Kasse war er damit nicht so erfolgreich – und die Bond-Macher legten eine mehrjährige Pause ein. Pierce Brosnan beendete die Produktionspause 1995 mit dem kommerziell äußerst erfolgreichen „GoldenEye“.

In „Lizenz zum Töten“ ist die Mischung aus klassischem Bond und modernem us-amerkanischen Action-Kino nicht vollkommen überzeugend. In Erinnerung bleibt vor allem, dass alles viel brutaler als gewohnt ist. Der nächste Versuch eines härteren Bonds gelang mit „Casino Royale“ wesentlich besser.

Als ich ihn mir, wegen Ähnlichkeiten in der Story, in Zusammenhang mit dem letzten Craig-Bond „Keine Zeit zu sterben“ wieder ansah, fand ich ihn nicht so schlecht und viel, viel besser als „Keine Zeit zu sterben“.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Mit Timothy Dalton, Robert Davi, Talisa Soto, Benicio Del Toro, Anthony Zerbe, Desmond Llewelyn, Robert Brown, Caroline Bliss

Hinweise

Rotten Tomatoes über „James Bond: Lizenz zum Töten“

Wikipedia über “James Bond: Lizenz zum Töten“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romane “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond – Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


„Paper Girls: Die komplette Geschichte“ in einem Buch

August 10, 2022

Pünktlich zum Start der Amazon-Prime-Video-Serie „Paper Girls“ hat Cross Cult eine Gesamtausgabe der Vorlage veröffentlicht. Autor Brian K. Vaughan, Zeichner Cliff Chiang und Kolorist Matt Wilson erzählten von 2015 bis 2019 in dreißig Heften, die bereits in sechs Sammelbänden veröffentlicht wurden, die Geschichte der titelgebenden „Paper Girls“.

Sie tragen, wie ihr Name andeutet, die Tageszeitung aus. Die Gruppe besteht aus den zwölfjährigen Mädchen Erin Tieng, MacKenzie Coyle, Karina ‚KJ‘ J. und Tiffany Quilkin. Auch am 1. November 1988 versorgen sie frühmorgens die Kleinstadt Stony Stream, ein Vorort von Cleveland, Ohio, mit der Tageszeitung. Verkleidete Nachbarjungen versuchen sie zu erschrecken. Aber sie haben vor diesen Halbstarken keine Angst. Auch nicht vor der Polizei, die sie wegen eingeschlagener Scheiben befragt und ihnen das Rauchen verbieten möchte.

Bei ihrer Runde entdecken sie im Keller eines Hauses ein Raumschiff, das wie eine Apollo-Kapsel aussieht. Kurz darauf tauchen Außerirdische auf. Einige sprechen in fremden Sprachen. Andere nicht. Und schon werden die Mädels, aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände, durch die Zeit geschleudert. Es geht in die weit zurückliegende Vergangenheit und die nahe und ferne Zukunft. Manchmal auch in eine alternative Zukunft. Denn Zeitreisen führen immer wieder zu ungeahnten Konsequenzen. Vor allem wenn die Zeitreisenden diese Reise niemals hätten antreten dürfen. Sie treffen auf ihr älteres Ich. Sie lernen viel über sich und sie wachsen bei ihren gefährlichen Abenteuern zu einer Gruppe zusammen.

Die Geschichte beginnt mit einer gehörigen Portion 80er-Jahre-Nostalgie. Auch später gibt es immer wieder klug platzierte popkulturelle Anspielungen. Sie sind das Sahnehäubchen. Im Zentrum stehen die vier Mädchen und ihre Abenteuer.

Paper Girls“ erhielt mehrere Eisner-Awards. Der erste „Paper Girls“-Sammelband war für den Hugo Award als bester Comic nominiert.

Die Verfilmung sieht nach dem Trailer eher Meh aus. Die bisherigen Reaktionen können, so mein Überblick, als ‚ist okay‘ und ‚gefällt‘ zusammengefasst werden. Eine zweite Staffel ist geplant.

Brian K. Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilson: Paper Girls: Die komplette Geschichte

(übersetzt von Sarah Weissbeck)

Cross-Cult, 2022

800 Seiten

60 Euro (Paperback-Ausgabe)

99 Euro (gebundene Ausgabe)

Originalausgabe

Paper Girls: The complete Story

Image Comics, 2021

enthält

Paper Girls # 1 – 30

Hinweise

Homepage von Cliff Chiang

Moviepilot über „Paper Girls“ (TV-Serie)

Rotten Tomatoes über „Paper Girls“ (TV-Serie)

Wikipedia über „Paper Girls“, „Paper Girls“ (TV-Serie), Brian K. Vaughan (deutsch, englisch) und Cliff Chiang

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiangs „Paper Girls 1“ (Paper Girls, Volume 1, 2016)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiangs „Paper Girls 2“ (Paper Girls, Volume 2, 2017)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilsons „Paper Girls 4“ (Paper Girls, Volume 4, 2018)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilsons „ Paper Girls 5″ (Paper Girls. Volume 5, 2018)

Meine Besprechung von Brian K.Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilsons „Paper Girls 6“ (Paper Girls, Volume 6, 2019)


TV-Tipp für den 10. August: Das Fleisch der Orchidee

August 9, 2022

Arte, 00.00

Das Fleisch der Orchidee (La chair de l’orchidée, Frankreich/Italien/Deutschland 1974)

Regie: Patrice Chéreau

Drehbuch: Jean-Claude Carrière, Patrice Chéreau

LV: James Hadley Chase: The Flesh of the Orchid, 1948 (Ein Grab voll roter Orchideen, Das Fleisch der Orchidee)

Eine Millionenerbin, die in einer Klinik in den Wahnsinn getrieben werden soll, bricht aus. Auf ihrer Flucht gerät sie unter anderem in ein Mordkomplott.

Patrice Chéreaus Regiedebüt ist ein selten gezeigter, ziemlich durchgeknallt-träumerischer Psychothriller nach einem Roman von James Hadley Chase (1906 – 1985), den ältere Semester noch kennen und dessen Krimis vor ungefähr dreißig Jahren in die Antiquariate verschwanden.

„Theater- und Opernregisseur Patrice Chéreau greift kräftig ins Reservoir kinematographischer Schreckenselemente, um seiner Verfilmung (…) die nötige Spannung zu verleihen. Dabei gelingt ihm über weite Partien tatsächlich die Schaffung eines Alptraums, beklemmend und wahrhaft mörderisch. Seine Inszenierung macht dabei allerdings einen bewusst artifiziellen Charakter. Chéreau bevorzugt bläuliche, kalte Farben und verkommene trostlose Handlungsorte.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Zu seinen späteren Filmen gehören „Der verführte Mann – L’Homme blessé“ (L’homme blessé), „Die Bartholomäusnacht (La Reine Margot)“, „Wer mich liebt, nimmt den Zug (Ceux qui m’aiment prendront le train) und „Intimacy“.

mit Charlotte Rampling, Bruno Cremer, Edwige Feuillère, Simone Signoret, Hans-Christian Blech, Alida Valli

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Fleisch der Orchidee“

Wikipedia über „Das Fleisch der Orchidee“ (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über James Hadley Chase

Mordlust über James Hadley Chase

Crimetime über James Hadley Chase

Wikipedia über James Hadley Chase (deutsch, englisch)


Cover der Woche

August 9, 2022


Ken Bruen erzählt von „Aliens Bändigung“ – und DS Brant hat etwas damit zu tun

August 9, 2022

Beginnen wir diese Besprechung mit dem Ende, den Werbeseiten eines Buches, in denen auf andere Bücher hingewiesen wird. So auch dieses Mal. Der Polar Verlag weist auf die bereits erschienenen Brant-Krimis hin. Und er verrät, wann die noch nicht übersetzten Brant-Krimis auf Deutsch veröffentlicht werden. Im Juni 2023 erscheint der dritte Brant-Roman „The McDead“. Das ist gleichzeitig der letzte Band der „The White Trilogy“. Unter diesem Titel wurden 2003 die ersten drei Brant-Romanen „Saubermann“, „Aliens Bändigung“ und „The McDead“ veröffentlicht. Der siebte und letzte Brant-Roman „Ammunition“ erscheint im Juni 2024.

Danach könnte der Polar Verlag einen Blick auf Bruens Jack-Taylor-Romane werfen. Einige Romane der grandiosen Privatdetektiv-Krimireihe wurden bereits übersetzt. Aber noch lange nicht alle Romane der Serie und Bruen schreibt die Taylor-Serie emsig weiter.

Doch kommen wir jetzt zurück zu „Aliens Bändigung“, dem zweiten Brant-Krimi, der jetzt auf Deutsch erschienen ist.

Alien ist der Spitzname von Fenton. Er hat ihn, weil er während einer gemeinsamen Sichtung von Ridley Scotts „Alien“ (dem Original von 1979) einen Typen mit einem Baseballschläger erschlug, weil dieser einen anderen Typen reingelegt hatte. Danach sah er sich den Film bis zum Ende an, weil er alles Unvollendete hasst.

Jetzt soll er Detective Sergeant Brant von der Londoner Metropolitan Police eine ordentliche Abreibung verpassen. Fenton tut es. Und hat danach einen todbringenden Feind. Denn Brant will es ihm heimzahlen. Auch wenn er dafür London in Richtung USA verlassen muss. Dort schließt Fenton gerade neue Freundschaften.

Als alter Bruen-Fan ist diese Bändigung des Aliens natürlich eine klare Empfehlung.

Ken Bruen: Aliens Bändigung

(übersetzt von Karen Witthuhn, mit einem Nachwort von Günther Grosser)

Polar Verlag/Dark Places, 2022

192 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Taming the Alien

The Do-Not Press, 1999

Hinweise

Wikipedia über Ken Bruen (deutsch, englisch)

Mein Besprechung von Ken Bruens „Brant“ (Blitz – or… Brant hits the Blues, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Once were Cops“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. August: 45 Minuten bis Ramallah

August 8, 2022

One, 22.45

45 Minuten bis Ramallah (Deutschland 2013)

Regie: Ali Samadi Ahadi

Drehbuch: Gabriel Bornstein, Karl-Dietmar Möller-Naß

Buch zum Film: Gabriel Bornstein: 45 Minuten bis Ramallah, 2013

Wegen der Hochzeit seines Bruders fliegt Rafik von Hamburg nach Ostjerusalem. Als ihr Vater bei einem Familienstreit einen Herzanfall hat, müssen die beiden miteinander zerstrittenen Brüder den letzten Wunsch ihres Vaters erfüllen. Er will in seinem Geburtsort, einem Dorf im Westjordanland, beerdigt werden. Auf der Karte dauert die titelgebende Fahrt keine Stunde. In der Realität ist sie ein Höllentrip.

Kurzweilige, schwarzhumorige Satire, die ihre Vorbilder im angloamerikanischen Raum sucht und erfrischend undeutsch kredenzt. Ein großer Spaß.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Karim Saleh, Navid Akhavan, Julia Engelbrecht

Hinweise

Filmportal über „45 Minuten bis Ramallah“

Moviepilot über „45 Minuten bis Ramallah“

Wikipedia über „45 Minuten bis Ramallah“

Meine Besprechung von Ali Samadi Ahadis „45 Minuten bis Ramallah“ (Deutschland 2013)


Die Krimibestenliste Juli und August 2022

August 8, 2022

Da ist ist sie: die von Deutschlandfunk Kultur einmal im Monat präsentierte Krimibestenliste. Auf der August-Empfehlungsliste stehen:

1 (–) Christoffer Carlsson: Was ans Licht kommt

Aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann

Rowohlt, 492 Seiten, 23 Euro

2 (1) Sybille Ruge: Davenport 160 x 90

Suhrkamp, 264 Seiten, 15 Euro

3 (–) Max Annas: Mordunterschungskommission – Der Fall Daniela Nitschke

Rowohlt, 367 Seiten, 22 Euro

4 (5) Femi Kayode: Lightseekers

Aus dem Englischen von Andreas Jäger

btb, 464 Seiten, 16 Euro

5 (–) Andrej Kurkow: Samson und Nadjeschda

Aus dem Russischen von Johanna Marx und Sabine Grebing

Diogenes, 367 Seiten, 24 Euro

6 (2) Don Winslow: City on Fire

Aus dem Englischen von Conny Lösch

HarperCollins, 400 Seiten, 22 Euro

7 (–) Peter Farris: Letzer Aufruf für die Lebenden

Aus dem Englischen von Sven Koch

Polar, 432 Seiten, 16 Euro

8 (–) Jonathan Moore: Poison Artist

Aus dem Englischen von Stefan Lux

Suhrkamp, 352 Seiten, 16,95 Euro

9 (6) Tash Aw: Wir, die Überlebenden

Aus dem Englischen von Pociao und Roberto de Hollanda

Luchterhand, 416 Seiten, 24 Euro

10 (3) Jacob Ross: Die Knochenleser

Aus dem Englischen von Karin Diemerling

Suhrkamp, 376 Seiten, 15,95 Euro

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Und weil es mit der Mail im Postfach und Erinnern, ohne die Mail im Postfach nicht klappte, gibt es nachträglich die Juli-Bestenliste:

1 (4) Sybille Ruge: Davenport 160 x 90

Suhrkamp, 264 Seiten, 15 Euro

2 (1) Don Winslow: City on Fire

Aus dem Englischen von Conny Lösch

HarperCollins, 375 Seiten, 22 Euro

3 (3) Jacob Ross: Die Knochenleser

Aus dem Englischen von Karin Diemerling

Suhrkamp, 376 Seiten, 15,95 Euro

4 (7) S. A. Cosby: Die Rache der Väter

Aus dem Englischen von Jürgen Bürger

ars vivendi, 344 Seiten, 24 Euro

5 (–) Femi Kayode: Lightseekers

Aus dem Englischen von Andreas Jäger

btb, 464 Seiten, 16 Euro

6 (–) Tash Aw: Wir, die Überlebenden

Aus dem Englischen von Pociao und Roberto de Hollanda

Luchterhand, 416 Seiten, 24 Euro

7 (2) Dror Mishani: Vertrauen

Aus dem Hebräischen von Markus Lemke

Diogenes, 351 Seiten, 22 Euro

8 (9) William Boyle: Brachland

Aus dem Englischen von Andrea Stumpf

Polar, 355 Seiten, 25 Euro

9 (–) Val McDermid: 1979 – Jägerin und Gejagte

Aus dem Englischen von Kirsten Reimers

Knaur, 430 Seiten, 12,99 Euro

10 (6) Mary Paulson-Ellis: Die andere Mrs. Walker

Aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt

Ariadne/Argument, 442 Seiten, 23 Euro

Ich sehe, meine Don-Winslow-Besprechung liegt immer noch auf dem To-Do-Stapel. Ken Bruen hat sich vorgedrängelt.

Und es gibt neue Bücher von Lee Child, James Ellroy, Ian Rankin und, auch wenn es wohl mehr Science-Fiction ist, Thor Kunkel.


DVD-Kritik: Claire Denis hat „Trouble Every Day“ mit Blutsaugern

August 8, 2022

Im Guardian gab es kürzlich eine Liste, in der die Filme von wichtigen Regisseuren empfohlen werden, die sich als Einstieg in ihr Werk eignen. Bei Claire Denis wird „Trouble Every Day“ genannt. Ich würde wahrscheinlich einen anderen Film als Einstieg empfehlen. Wahrscheinlich einen ihrer letzten Filme, also „Meine schöne innere Sonne“ oder „High Life“; um nicht die üblichen Verdächtigen, wie „Chocolat – Verbotene Sehnsucht“, „35 Rum“ oder „Les Salauds – Dreckskerle“ zu nennen.

Denn „Trouble Every Day“ ist ein sperrigers Werk mit einer ziemlich konfusen Geschichte, die mehr andeutet als ausspricht. Es geht um Coré. Nach der Teilnahme an einem Experiment ihres Mannes in Afrika hat sie einen unstillbaren Hunger auf menschliches Blut und Fleisch entwickelt. Ihr Mann, der Arzt Léo versucht ihr zu helfen. Bis er ein Gegenmittel gefunden hat, beseitigt er in und um Paris herum die Spuren ihrer, ähem, Nahrungsaufnahme und sperrt sie in ihr herrschaftliches Haus ein.

Während er tagsüber seiner Arbeit nachgeht, versuchen zwei Jugendliche sie zu befreien.

Zur gleichen Zeit fliegt der Wissenschaftler Shane Brown mit seiner Frau für die Flitterwochen nach Paris. Neben dem üblichen Flitterwochen- und Touristenprogrogramm will er Léo treffen und mit ihm über das Experiment, bei dem er dabei war, die ungeplanten Folgen und seine damit verbundenen Ängste reden.

Seine Premiere hatte der Horrorfilm 2001 auf dem Cannes Filmfest, inclusive Zuschauern, die empört den Saal verließen, und Buh-Rufen nach dem Film. Die deutsche Premiere war am 10. September 2003 auf Arte. Der Sender gehört zu den Produzenten des Films. Seit seiner Premiere vor über zwanzig Jahren wurde „Trouble Every Day“ zu einem kleinen Kultfilm. Im Frühling brachte Rapid Eye Movies den Film in einer von „Trouble Every Day“-Kamerafrau Agnès Godard erstellten, von Claire Denis für gut befundenen 4K-Restaurierung in die Kinos. Diese Fassung erschien jetzt, weltweit erstmals, auf DVD und Blu-ray.

Das ist eine gute Gelegenheit, sich den Film nochmal anzusehen. Beim ersten Ansehen gefiel er mir ganz gut.

Beim zweiten Ansehen nicht mehr. Die Mini-Story wird extrem umständlich erzählt. Lange Zeit bleiben die Motive, Ziele und auch Hintergründe der einzelnen Figuren im Dunkeln. Anfangs, wenn Coré und Léo im Mittelpunkt stehen, ist das faszinierend. Schließlich sind ihre sexuellen, blutrünstigen und auch kannibalistischen Triebe und sein Bemühen, das Schlimmste zu verhindern, offensichtlich. Von dieser Frau geht eine für Männer tödliche Gefahr aus; – wobei es aus heutiger Sicht sicher eine Diskussion wert ist, warum Coré nur animalischen Sex mit Männern hat.

Aber warum wir uns für Shane Brown und seine Flitterwochen interessieren sollte, bleibt dagegen anfangs vollkommen nebulös und scheint nichts mit Coré und Léo zu tun zu haben. Auch später wird dieser Plot eher mitgeschleppt. Für die Haupthandlung ist er nicht weiter wichtig.

Insgesamt wird in dem Horrorfilm sehr wenig geredet. Die Bilder haben, auch in der neuen Abtastung, eine flaue Videooptik, bei der die Farben wie ausgewaschen aussehen. Über weite Strecken wirkt „Trouble Every Day“ wie ein Arthaus-Film, der mit etwas Blut und Sex auf seine Schockwirkung spekuliert. Und mit einem einprägsamen Plakat und Bildern (Béatrice Dalle mit viel Blut im Gesicht), die das Interesse an dem Film wecken.

Die Musik ist von den Tindersticks. Sie ist als Einzel-CD und in der „Tindersticks“-Box „Claire Denis Film Scores 1996-2009“ (zusammen mit ihrer Musik für „White Material“, „35 Rhums“, „L’Intrus“, „Vendredi soir“ und „Nénette et Boni“ erhältlich.

Trouble Every Day (Trouble Every Day, Frankreich/Deutschland/Japan 2001)

Regie: Claire Denis

Drehbuch: Claire Denis, Jean Pol Fargeau (Co-Autor)

mit Vincent Gallo, Tricia Vessey, Béatrice Dalle, Alex Descas, Florence Loiret-Caille, Nicolas Duvauchelle

DVD

Rapid Eye Movies

Bildformat: 2.35:1

Ton: Englisch/Französisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Blu-ray identisch

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Trouble Every Day

AlloCiné über „Trouble Every Day“

Metacritic über „Trouble Every Day“

Rotten Tomatoes über „Trouble Every Day“

Wikipedia über „Trouble Every Day“ (englisch, französisch)

Bonusmaterial

Claire Denis empfiehlt einige Filme

und unterhält sich mit Jim Jarmusch anläßlich einer Vorführung ihres neuen Film „Avec amour et acharnement“ (Internationaler Titel „Both Sides of the Blade“, noch kein deutscher Titel und noch kein Starttermin). Die Premiere war auf der diesjährigen Berlinale. Denis erhielt den Silbernen Bären für die Beste Regie.

 

 


TV-Tipp für den 8. August: Kaiserschmarrndrama

August 7, 2022

ARD, 20.15

Kaiserschmarrndrama (Deutschland 2021)

Regie: Ed Herzog

Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog

LV: Rita Falk: Kaiserscharrndrama, 2018

Ein Webcam-Girl wird ermordet und Franz Eberhofer hat einen neuen Fall. Wenn er sich nicht gerade mit den Bauplänen von seinem Bruder und seiner Ehefrau herumärgern muss. Die wollen nämlich für beide Familien ein wunderschönes Haus bauen.

TV-Premiere, wenige Tage nach dem Kinostart von Franz-Eberhofers neuem Abenteuer „Guglhupfgeschwader“. Gewohnt vergnügliche Provinzkrimi-Kost, dieses Mal fast ohne Kriminalfall, aber mit gewohnt unterhaltsamen und respektlosen Streitigkeiten im Kreis der Familie und Freunde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Gerhard Wittmann, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Sigi Zimmerschied, Nora Waldstätten, Michael Ostrowski, Thomas Kügel, Maria Hofstätter, Matthias Egersdörfer, Rüdiger Klink, Thomas Mraz, Ferdinand Hofer, Mai Le, Theresa Walter, Marek Fis, Christine Neubauer, Willy Astor, Olivia Pascal, Sarah Viktoria Frick

Wiederholung: Dienstag, 9. August, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Kaiserschmarrndrama“

Moviepilot über „Kaiserschmarrndrama“

Wikipedia über „Kaiserschmarrndrama“

Homepage von Franz Eberhofer

dtv über Rita Falk

Meine Besprechung von Rita Falks „Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi“ (2011)

Meine Besprechung von Rita Falks „Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi“ (2012)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Sauerkrautkoma“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung  „Leberkäsjunkie“ (Deutschland 2019)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Kaiserschmarrndrama“ (Deutschland 2021) und der DVD

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Guglhupfgeschwader“ (Deutschland 2022)


TV-Tipp für den 7. August: Die Träumer

August 6, 2022

Arte, 22.50

Die Träumer (The Dreamers, Großbritannien/Italien/Frankreich 2002)

Regie: Bernardo Bertolucci

Drehbuch: Gilbert Adair

LV: Gilbert Adair: The holy innocents – A Romance, 1988 (später überarbeitet zu „The Dreamers“ und dann auf Deutsch als „Träumer“ erschienen)

Paris, Frühling 1968: Die Cinémathèque Francaise wird geschlossen. Drei Studenten, Matthew und die Zwillinge Isabelle und Theo, ziehen sich in die riesige Wohnung der Zwillinge zurück und spielen anfangs Filme nach. Später wird es immer mehr zu einem Spiel sexueller Obsessionen.

Bertoluccis Liebeserklärung an das Kino und sein bester Film seit langem. Adair meinte, so sein Agent in einem Gespräch, Bertolucci habe in dem Film das gesagt, was er in seinem Roman habe sagen wollen. Ein schöneres Kompliment hat wahrscheinlich noch kein Regisseur gehört.

Mit Michael Pitt, Eva Green, Louis Garrel, Anna Chancellor, Robin Renucci, Jean-Pierre Kalfon, Jean-Pierre Léaud

Hinweise

Moviepilot über „Die Träumer“

Metacritic über „Die Träumer“

Rotten Tomatoes über „Die Träumer“

Wikipedia über „Die Träumer“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 6. August: Jennifer 8

August 5, 2022

ZDFneo, 22.00

Jennifer 8 (Jennifer 8, USA 1992)

Regie: Bruce Robinson

Drehbuch: Bruce Robinson

LA-Cop John Berlin (Andy Garcia) wird in die Provinz versetzt. Dort stößt er sofort auf eine Mordserie. Ein Killer hat bis jetzt acht blinde Frauen umgebracht. Sein nächstes Opfer könnte die blinde Cellistin Helena Robertson (Uma Thurman) sein.

Okayer Serienkillerthriller, in dem der Cop der Magnet für alle möglichen und unmöglichen Probleme ist.

mit Andy Garcia, Uma Thurman, John Malkovich, Lance Henriksen, Kathy Baker, Graham Beckel

Wiederholung: Sonntag, 7. August, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Jennifer 8“

Wikipedia über „Jennifer 8“ (deutsch, englisch)


Neu im Streaming/Filmkritik: „Prey“, nochmal Predator, aber gut

August 5, 2022

Der erste „Predator“-Film, inszeniert von John McTiernan und mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle, ist heute ein SF-Horrorfilmklassiker. Die danach entstandenen Filme mit dem Monster nicht. Der absolute Tiefpunkt war 2018 mit „Predator – Upgrade“ (The Predator) erreicht. Shane Black, der in „Predator“ mitspielt, aber bekannter für seine Drehbücher zu den „Lethal Weapon“-Filmen ist, schrieb das Drehbuch und übernahm die Regie. Da konnte man, auch weil seine vorherigen Filme „Kiss Kiss, Bang Bang“, „Iron Man 3“ und „The Nice Guys“ überaus gelungen sind, einen besonderen Film erwarten. Es wurde ein atemberaubend schlechter Film.

Vor diesem Hintergrund wirkte die Ankündigung, dass es einen neuen „Predator“-Film geben wird, der die Geschichte der ersten Begegnung zwischen dem Predator und den Menschen erzählen wird, wie eine Drohung.

10 Cloverfield Lane“-Regisseur Dan Trachtenberg verlegt diese Begegnung in die Northern Great Plains in das Siedlungsgebiet der Comanchen. Die Geschichte spielt im September 1719, und damit noch vor der Gründung der USA.

Die junge Naru entdeckt im Wald die Spuren eines Tieres, das nach ihrer Ansicht kein Bär, sondern etwas anderes ist. Weil die gleichaltrigen Männer des Stammes sie zu dieser gefährlichen Jagd nicht mitnehmen wollen, macht sie sich allein auf den Weg und begegnet dem aus dem Weltall kommenden, meist unsichtbaren und anscheinend unbesiegbarem Predator.

Trachtenberg erzählt diese Geschichte gradlinig als ein gnadenloses Duell zwischen Mensch und, hm, Tier. Es gibt keine überflüssigen Nebengeschichten, keine länglichen Psychologisierungen und kein Gerede über die Predator-Mythologie. Der Predator ist hier einfach nur ein intelligentes Raubtier, das seine Beute jagt. Und Naru eine Kriegerin die dem Feind ins (unsichtbare) Auge starrt und ihn besiegen will. Danach wäre sie eine richtige Kriegerin.

Für die Fans gibt es einige wenige Zitate aus dem ersten „Predator“-Film. Mehr Fanservice gibt es nicht in diesem Western.

Neben der spannend erzählten Geschichte punktet „Prey“ mit einen Blick für die unberührte Landschaft und einem großen Respekt für die Kultur der Native Americans. In der Originalfassung wird, ohne Untertitel (was nicht weiter stört), comanche, englisch und französisch gesprochen. Französisch sprechen die fiesen Einwanderer, denen Naru begegnet und die den Tod durch den Predator verdient haben. Die Comanchen sprechen eine Mischung aus ihrer Sprache und, damit wir sie verstehen, englisch. Es gibt außerdem eine Fassung, in der die Comanchen nur ihre Sprache sprechen. Gespielt werden die Comanchen von Native Americans und First Nations. Und es gab Berater für die Lebensweise der Comanchen.

Prey“ ist der Film, auf den „Predator“-Fans schon lange nicht mehr zu hoffen wagten. Western-Fans dürfen sich über einen überaus gelungenen Western/SF-Hybrid freuen. Für alle anderen ist „Prey“ ein spannendes Western/Horror/Science-Fiction-B-Picture, das schnörkellos seine Geschichte erzählt.

Am Ende des Thrillers bleibt eigentlich nur eine Frage: Warum läuft der Film nicht im Kino?

Prey (Prey, USA 2022)

Regie: Dan Trachtenberg

Drehbuch: Patrick Aison (nach einer Geschichte von Patrick Aison und Dan Trachtenberg, basierend auf Figuren von Jim Thomas und John Thomas)

mit Amber Midthunder, Dakota Beavers, Stormee Kipp, Michelle Thrush, Julian Black Antelope

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Läuft auf Disney+

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Prey“

Metacritic über „Prey“

Rotten Tomatoes über „Prey“

Wikipedia über „Prey“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Predator – Upgrade“ (The Predator, USA 2018)

Meine Besprechung von Dan Trachtenbergs „10 Cloverfield Lane“ (10 Cloverfield Lane, USA 2016)


TV-Tipp für den 5. August: Papillon

August 4, 2022

3sat, 22.30

Papillon (Papillon, USA 1973)

Regie: Franklin J. Schaffner

Drehbuch: Dalton Trumbo, Lorenzo Semple jr.

LV: Henri Charrière: Papillon, 1969 (Papillon)

Henri Charrière, genannt Papillon, wird 1931 zu lebenslanger Strafarbeit in der Strafkolonie Bagno auf der Teufelsinsel Cayenne in Französisch-Guayana verurteilt. Er soll einen Zuhälter ermordet haben. Kaum angekommen, denkt Papillon nur an eine scheinbar unmögliche Flucht.

Tolle Verfilmung der beeindruckenden und höchst erfolgreichen Autobiographie von Charrière. Das Nachfolgewerk „Banco“, in dem er von seinem weiteren Leben erzählt, war dann episodischer.

Mit Steve McQueen, Dustin Hoffman, Victor Jory, Woodrow Parfrey, Robert Deman, Anthony Zerbe, Don Gordon, William Smithers, Val Avery, Dalton Trumbo

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Papillon”

Wikipedia über “Papillon” (deutsch, englisch)


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