TV-Tipp für den 2. März: Leichen pflastern seinen Weg

März 1, 2021

Servus TV, 22.00

Leichen pflastern seinen Weg (Il grande silenzio, Italien/Frankreich 1968)

Regie: Sergio Corbucci

Drehbuch: Sergio Corbucci, Mario Amondola, Vittoriani Petrilli, Bruno Corbucci

Kultiger Schneewestern, den Quentin Tarantino auch als eines der Vorbilder für seinen Schneewestern „The Hateful 8“ nennt. Der Plot für das, den Zeitgeist treffenden, muntere Töten mit gesellschafts- und kapitalismuskritischer Agenda: der stumme Silenzio (Trintignant), der nur in Notwehr tötet, soll den skrupellosen Kopfgeldjäger Loco (Kinski) töten.

„Mit ‚Leichen pflastern seinen Weg‘ schuf Corbucci im Übergang zu den 70er-Jahren den ebenso melancholischen wie bitteren Abgesang auf ein bereits im Verfall begriffenes Genre, den Italo-Western. In jeder Einstellung merkt man Corbucci die Bemühung an, ein letztes, ultimatives Bild zu finden für eine erstarrende, in Korruption und Hass erstickende Welt, überzogen von einer endlosen, eher stumpfen als glitzernden Schneedecke.“ (Marcus Stigglegger in Filmgenres: Western)

Die Musik ist von Ennio Morricone.

Und eigentlich sollte man den Film auf der großen Leinwand sehen.

mit Jean-Louis Trintignant, Klaus Kinski, Frank Wolff, Vonetta McGee

Wiederholung: Mittwoch, 3. März, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Leichen pflastern seinen Weg“

Wikipedia über „Leichen pflastern seinen Weg“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 18. Juni: Leichen pflastern seinen Weg

Juni 17, 2020

Eis in seiner ursprünglichen Form findet man im Moment nur im Tiefkühlfach und Schnee (also diesen Schnee, nicht den anderen Schnee) nirgends. Immerhin zeigt dieser Schneewestern uns, wie Schnee aussieht:

Servus TV, 22.15

Leichen pflastern seinen Weg (Il grande silenzio, Italien/Frankreich 1968)

Regie: Sergio Corbucci

Drehbuch: Sergio Corbucci, Mario Amondola, Vittoriani Petrilli, Bruno Corbucci

Kultiger Schneewestern, den Quentin Tarantino auch als eines der Vorbilder für seinen Schneewestern „The Hateful 8“ nennt. Der Plot für das, den Zeitgeist treffenden, muntere Töten mit gesellschafts- und kapitalismuskritischer Agenda: der stumme Silenzio (Trintignant), der nur in Notwehr tötet, soll den skrupellosen Kopfgeldjäger Loco (Kinski) töten.

Mit ‚Leichen pflastern seinen Weg‘ schuf Corbucci im Übergang zu den 70er-Jahren den ebenso melancholischen wie bitteren Abgesang auf ein bereits im Verfall begriffenes Genre, den Italo-Western. In jeder Einstellung merkt man Corbucci die Bemühung an, ein letztes, ultimatives Bild zu finden für eine erstarrende, in Korruption und Hass erstickende Welt, überzogen von einer endlosen, eher stumpfen als glitzernden Schneedecke.“ (Marcus Stigglegger in Filmgenres: Western)

Die Musik ist von Ennio Morricone.

Und eigentlich sollte man den Film auf der großen Leinwand sehen.

mit Jean-Louis Trintignant, Klaus Kinski, Frank Wolff, Vonetta McGee

Wiederholung: Freitag, 19. Juni, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Leichen pflastern seinen Weg“

Wikipedia über „Leichen pflastern seinen Weg“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 20. Mai: Happy End

Mai 19, 2020

Arte, 20.15

Happy End (Happy End, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017)

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

Bitterböses Porträt einer Bauunternehmerfamilie, in der der Patriarch sich umbringen will, die Tochter die Geschäfte führt, der Sohn fremdgeht und ihre Kinder sich so überhaupt nicht für die Firmennachfolge empfehlen.

Böswillig gesagt ist „Happy End“ ein Haneke Best-of. Schlecht ist das nicht, aber halt nicht so wahnsinnig innovativ und nicht so grandios, wie seine besten Werke.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant, Mathieu Kassovitz, Fantine Harduin, Franz Rogowski, Laura Verlinden, Toby Jones, Hassam Ghancy, Nabiha Akkari

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Happy End“

Filmportal über „Happy End“

Moviepilot über „Happy End“

Metacritic über „Happy End“

Rotten Tomatoes über „Happy End“

Wikipedia über „Happy End“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Happy End“ (Happy End, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017)

Buchtipp

Schon vor über einem Jahr erschienen und mit deutlich über eintausendreihundert Seiten kein leichtes Buch: „Die Drehbücher“ von Michael Haneke. Es enthält die Drehbücher der Kinofilme von Michael Haneke. Das sind „Der siebente Kontinent“ (1989), „Benny’s Video“ (1992), „71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“ (1994), „Der Kopf des Mohren“ (1995, verfilmt von Paulus Manker), „Funny Games“ (1997, US-Remake 2008), „Code: Unbekannt“ (2000), „Die Klavierspielerin“ (2001), „Wolfzeit“ (2003), „Caché“ (2005), „Das weiße Band“ (2009), „Liebe“ (2012), „Flashmob“ (noch nicht verfilmt) und „Happy End“ (2017).

Für Cineasten ein Pflichtkauf.

Michael Haneke: Die Drehbücher

Hoffmann und Campe, 2019

1344 Seiten

54 Euro


TV-Tipp für den 9. Dezember: Der Clou von Paris

Dezember 9, 2019

Arte, 22.10

Der Clou von Paris (Le Voyou, Frankreich/Italien 1970)

Regie: Claude Lelouch

Drehbuch: Claude Lelouch, Claude Pinoteau, Pierre Uytterhoeven

Ein sympathischer Berufsverbrecher entführt einen fünfjährigen Jungen. Während der Lösegeldverhandlungen bemerkt er, dass er sich sehr gut mit dem Jungen versteht. Und danach beginnen seine wirklichen Probleme.

Eine seit Ewigkeiten nicht mehr, falls überhaupt jemals im TV gezeigte Gaunerkomödie.

Erfrischend gespielte Krimi-Komödie mit einem hervorragenden Hauptdarsteller. Die eleganten formalen Spielereien können auf Dauer aber nicht die Banalität der Handlungs- und Typenklischees verdecken.“ (Lexikon des internationalen Films)

Lelouch ist vor allem für seine Liebesfilme bekannt. Er inszenierte u. a. „Ein Mann und eine Frau“, „Ein glückliches Jahr“, „Ein Hauch von Zärtlichkeit“, „Der Mann, der mir gefällt“ und „Die Entführer lassen grüßen“.

mit Jean-Louis Trintignant, Charls Denner, Danièle Delorne, Christine Lelouch, Yves Robert, Sacha Distel

alternative Titel: „Voyou – Der Gauner“, „Voyou oder ein Strolch in Paris“

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Clou von Paris“

Wikipedia über „Der Clou von Paris“ (englisch, französisch)


TV-tipp für den 23. September: Drei Farben: Rot

September 22, 2019

Arte, 21.45

Drei Farben: Rot (Trois couleurs: Rouge, Frankreich/Polen/Schweiz 1994)

Regie: Krzysztof Kieslowski

Drehbuch: Krzysztof Kieslowski, Krzysztof Piesiewicz

Eine Studentin überfährt die Schäferhündin eines misanthropischen, ehemaligen Richters, der illegal die Telefongespräche seiner Nachbarn abhört. Trotzdem fühlt sie sich, auch wegen ihrer persönlichen Situation, von ihm angezogen.

Fulminante Abschluss von Kieslowskis Drei-Farben-Trilogie. „’Drei Farben: Rot‘ ist Höhepunkt, Krönung und Abschluss der Drei-Farben-Trilogie, die die Farben der Trikolore – Blau, Weiß, Rot – zu den Idealen der Französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – in spannungsvolle Beziehung setzt und ihre Wertigkeiten für die heutige Zeit untersucht.“ (Fischer Film Almanach 1995)

mit Irène Jacob, Jean-Louis Trintignant, Frédérique Feder, Jean-Pierre Lorit

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Drei Farben: Rot“

Wikipedia über „Drei Farben: Rot“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 21. August: Ich bin wie ich bin

August 20, 2019

One, 22.00

Ich bin wie ich bin (Col cuore in gola/Le Coeur aux Levres, Italien/Frankreich 1967)

Regie: Tinto Brass

Drehbuch: Pierre Lévy, Francesca Longo, Sergio Donati

LV: Sergio Donati: Il sepolcro di carta, 1955

Ein junger Mann will eine junge Frau beeindrucken, indem er einen Mord aufklärt. Böser Fehler.

Kunterbunter Sixties-Giallo, der inzwischen einen gewissen Kultstatus hat. Damals urteilte das Lexikon des internationalen Films unerbittlich: „bei einer oberflächlichen Mischung aus Sex und Crime bleibt.“

Später inszenierte Tinto Brass „Salon Kitty“ (1976) und „Caligula“ (1979).

Mit Jean-Louis Trintignant, Ewa Aulin, Roberto Bisacco, Charles Kohler, Luigi Bellini, Vira Silenti

Wiederholung: Donnerstag, 22. August, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ich bin wie ich bin“

Wikipedia über „Ich bin wie ich bin“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. Juli: Rendez-vous

Juli 23, 2019

Arte, 22.00

Rendez-vous (Rendez-vous, Frankreich 1985)

Regie: André Téchiné

Drehbuch: André Téchiné, Olivier Assayas

Die junge Nina verlässt die Provinz, um in Paris Schauspielerin zu werden. Vor der großen Karriere trifft sie allerdings auf zwei Männer: den Immobilienmakler Paulot und seinen von Todessehnsucht getriebenen Mitbewohner Quentin, der als Maître de Plaisir in einem Hardcore-Pornotheater arbeitet.

Eine zeitgenössische Kritik: „Aus einer vielschichtigen, komplizierten Geschichte wird durch die beherrschte Inszenierung Téchinés, die hervorragende Kameraarbeit und die mitreißende schauspielerische Leistung der Hauptdarsteller ein Film von bruchloser Einheitlichkeit und morbider Schönheit.“ (Fischer Film Almanach 1986)

Klingt doch nach dem perfekten Sommerfilm

mit Juliette Binoche, Lambert Wilson, Wadeck Stranczak, Jean-Louis Trintignant, Dominique Lavanant

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rendez-vous“

Wikipedia über „Rendez-vous“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 24. Januar (+ Buchtipp: Michael Haneke: Die Drehbücher): Liebe

Januar 24, 2019

RBB, 23.30

Liebe (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

Georges pflegt seine Frau Anne, mit der er seit Jahrzehnten verheiratet ist – und Michael Haneke beobachtet diesen Weg in den Tod mit der ihm eigenen Präzision.

Der grandiose Film erhielt unter anderem die Goldene Palme (kurz nach seiner Weltpremiere), den Oscar als bester ausländischer Film (er war auch nominiert als bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin), mehrere Césars und viele weitere Preise.

Warum ich den Film so gut finde, obwohl er nicht unproblematisch ist, habe ich hier erklärt.

mit Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tharaud, William Shimell, Ramón Agirre, Rita Blanco

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Liebe“

Metacritic über „Liebe“

Rotten Tomatoes über „Liebe“

Wikipedia über „Liebe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Happy End“ (Happy End, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017)

Buchtipp

Kürzlich erschienen und mit deutlich über eintausendreihundert Seiten kein leichtes Buch: „Die Drehbücher“ von Michael Haneke. Es enthält die Drehbücher der Kinofilme von Michael Haneke. Das sind „Der siebente Kontinent“ (1989), „Benny’s Video“ (1992), „71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls“ (1994), „Der Kopf des Mohren“ (1995, verfilmt von Paulus Manker), „Funny Games“ (1997, US-Remake 2008), „Code: Unbekannt“ (2000), „Die Klavierspielerin“ (2001), „Wolfzeit“ (2003), „Caché“ (2005), „Das weiße Band“ (2009), „Liebe“ (2012), „Flashmob“ (noch nicht verfilmt) und „Happy End“ (2017).

Für Cineasten ein Pflichtkauf.

Michael Haneke: Die Drehbücher

Hoffmann und Campe, 2019

1344 Seiten

54 Euro


TV-Tipp für den 5. April: Liebe

April 5, 2018

MDR, 23.35
Liebe (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)
Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke
Georges pflegt seine Frau Anne, mit der er seit Jahrzehnten verheiratet ist – und Michael Haneke beobachtet diesen Weg in den Tod mit der ihm eigenen Präzision.
Der grandiose Film erhielt unter anderem die Goldene Palme (kurz nach seiner Weltpremiere), den Oscar als bester ausländischer Film (er war auch nominiert als bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin), mehrere Césars und viele weitere Preise.
Warum ich den Film so gut finde, obwohl er nicht unproblematisch ist, habe ich hier erklärt.
mit Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tharaud, William Shimell, Ramón Agirre, Rita Blanco

 

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Liebe“

Metacritic über „Liebe“

Rotten Tomatoes über „Liebe“

Wikipedia über „Liebe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Happy End“ (Happy End, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Happy End“ bei Michael Haneke???

Oktober 12, 2017

Einen typischen Feelgood-Film erwartet niemand von Michael Haneke, dem Regisseur von „Benny’s Video“, „Funny Games“ und, zuletzt, den Erfolgen „Das weiße Band“ und „Liebe“. Der Film erhielt vorn fünf Jahren die Palme d’Or in Cannes und in einem kurzen Moment, auch weil Isabelle Huppert wieder die Tochter von Jean-Louis Trintignant spielt, kann man glauben, dass „Happy End“ eine Fortsetzung von „Liebe“ ist. Es wird nämlich ein Ereignis erwähnt, das es auch in „Liebe“ gab: George erstickte seine todkranke Frau. In dem Moment erscheint „Happy End“ die Geschichte von „Liebe“ über die letzten Tage eines großbürgerlichen Pariser Ehepaares fortzusetzen.

Aber das ist Quatsch.

Denn im Mittelpunkt von „Happy End“ steht die Familie Laurent. Seit Jahrzehnten besitzt sie in Calais ein Bauunternehmen und lebt in einem Anwesen. Der Patriarch Georges (Jean-Louis Trintignant) leidet an Demenz und hegt Suizidgedanken, die er beharrlich, aber erfolglos in die Tat umsetzen will. Seine Tochter Anne (Isabelle Huppert) führt das Unternehmen straff und zielgerichtet. Ihr Sohn Pierre (Franz Rogowski) ist der designierte, aber ungeeignete Nachfolger. Ihr Bruder Thomas (Mathieu Kassovitz) ist Arzt, der jetzt seine zwölfjährige Tochter Ève (Fantine Harduin) bei sich und damit den Laurents aufnimmt. Èves Mutter hat sich mit Tabletten vergiftet.

Georges erblickt in ihr eine Verbündete. Dabei passt sie, wie er erst später feststellt, hervorragend in die dysfunktionale Familie Laurent, in der Humanität sich als gutes Angebot für eine außergerichtliche Einigung an die Angehörigen eines bei einem Bauunfall umgekommenen Arbeiters versteht.

Über zwei Stunden entwirft Haneke die „Momentaufnahme einer bürgerlichen europäischen Familie“. Es ist ein satirisches Porträt. Eine Abfolge von mehr oder weniger eindeutig zuordenbarer Szenen, die in sich gelungen sind, insgesamt aber emotional wenig bewegen oder neue Erkenntnisse liefern. Die Reichen sind amoralisch und unfähig zu irgendeiner Form von Mitgefühl oder menschlicher Nähe. Das kennt man aus älteren Haneke-Filmen. Aber dieses Mal verzichtet er auf eine Geschichte. Fast alle für die Handlung wichtigen Ereignisse sieht man nicht, sondern erfährt erst später von ihnen, wenn eine Person einer anderen davon erzählt. Nie schält sich so etwas wie ein Hauptplot heraus, weil „Happy End“ überhaupt nicht daran interessiert ist. Und selbstverständlich ist kein Mitglied der Familie Laurent sympathisch oder taugt zum Sympathieträger. Das war auch in den anderen Haneke-Filmen nicht anders. Aber dieses Mal interessiert man sich für keinen Charakter und keiner hat im Film eine dramaturgische Fallhöhe oder macht eine Entwicklung durch. Das würde Hanekes Botschaft stören und würde natürlich auch der Absicht eines durch und durch pessimistischen Sittenbildes einer normalen bürgerlichen, sich selbst genügenden Familie zuwiderlaufen. Oder in den Worten der offiziellen Synopse: „’Rundherum die Welt und wir mittendrin, blind.‘ Die Momentaufnahme einer bürgerlichen europäischen Familie.“

Bei Michael Haneke weiß man, was man erhält. Auch wenn sein neuester Film die Geschlossenheit früherer Werke vermissen lässt zugunsten eines Haneke-Best-of, bei dem selbstverständlich auch die Medienkritik nicht fehlt. Das ist nicht schlecht, aber auch enttäuschend.

Happy End (Happy End, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017)

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

mit Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant, Mathieu Kassovitz, Fantine Harduin, Franz Rogowski, Laura Verlinden, Toby Jones, Hassam Ghancy, Nabiha Akkari

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Happy End“

Filmportal über „Happy End“

Moviepilot über „Happy End“

Metacritic über „Happy End“

Rotten Tomatoes über „Happy End“

Wikipedia über „Happy End“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)


TV-Tipp für den 4. Oktober: Liebe

Oktober 4, 2017

Wenige Tage vor dem Kinostart von Michael Hanekes „Happy End“ (ebenfalls mit Jean-Louis Trintignant und Isabelle Huppert) kann man sich noch einmal seinen vorherigen Film ansehen:

Arte, 20.15
Liebe (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)
Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke
Georges pflegt seine Frau Anne, mit der er seit Jahrzehnten verheiratet ist – und Michael Haneke beobachtet diesen Weg in den Tod mit der ihm eigenen Präzision.
Der grandiose Film erhielt unter anderem die Goldene Palme (kurz nach seiner Weltpremiere), den Oscar als bester ausländischer Film (er war auch nominiert als bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin), mehrere Césars und viele weitere Preise.
Warum ich den Film so gut finde, obwohl er nicht unproblematisch ist, habe ich hier erklärt.
mit Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tharaud, William Shimell, Ramón Agirre, Rita Blanco

Wiederholungen

Freitag, 6. Oktober, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Freitag, 13. Oktober, 13.50 Uhr (jetzt dürfte jeder seine Wunschuhrzeit haben)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Liebe“

Metacritic über „Liebe“

Rotten Tomatoes über „Liebe“

Wikipedia über „Liebe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)


TV-Tipp für den 15. März: Mord im Fahrpreis inbegriffen

März 15, 2017

Arte, 20.15

Mord im Fahrpreis inbegriffen (Frankreich 1965, Regie: Constantin Costa-Gavras)

Drehbuch: Constantin Costa-Gavras

LV: Sébastien Japrisot: Compartiment tueurs, 1962 (Mord im Fahrpreis inbegriffen)

In einem Schlafwagen wird eine junge Frau ermordet. Inspektor Grazziani sucht den Täter, während dieser munter die Verdächtigen ermordet.

Das heute fast unbekannte Spielfilmdebüt von Costa-Gavras, der danach mit seinen Polit-Thrillern das Publikum begeisterte. Hier wandelt er noch auf den Pfaden des Rätselkrimis.

Aber: „Bereits dieser erste Film deutete Interesse an gesellschaftlichen Zusammenhängen an.“ (Horst Schäfer/Wolfgang Schwarzer: Von „Che“ bis „Z“ – Polit-Thriller im Kino, 1991) Das zeigt sich auch an dem Täter (wird nicht verraten) und den damit verbundenen Problemen bei den Dreherlaubnissen für bestimmte Orte durch die Polizei.

mit Yves Montand, Simone Signoret, Michel Piccoli, Pierre Mondy, Charles Denner, Jean-Louis Trintignant, Bernadette Lafont

Wiederholungen

Freitag, 17. März, 13.35 Uhr

Dienstag, 21. März, 13.35 Uhr

Dienstag, 28. März, 13.40 Uhr

Hinweise

Arte über den Film

Rotten Tomatoes über „Mord im Fahrpreis inbegriffen“

Wikipedia über „Mord im Fahrpreis inbegriffen“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 6. September: Liebe

September 6, 2016

WDR, 22.10
Liebe (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)
Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke
Georges pflegt seine Frau Anne, mit der er seit Jahrzehnten verheiratet ist – und Michael Haneke beobachtet diesen Weg in den Tod mit der ihm eigenen Präzision.
Der grandiose Film erhielt unter anderem die Goldene Palme (kurz nach seiner Weltpremiere), den Oscar als bester ausländischer Film (er war auch nominiert als bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin), mehrere Césars und viele weitere Preise.
Warum ich den Film so gut finde, obwohl er nicht unproblematisch ist, habe ich hier erklärt.
mit Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tharaud, William Shimell, Ramón Agirre, Rita Blanco

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Liebe“

Metacritic über „Liebe“

Rotten Tomatoes über „Liebe“

Wikipedia über „Liebe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)


TV-Tipp für den 15. Februar: Z

Februar 15, 2016

Arte, 20.15
Z – Anatomie eines politischen Mordes (Frankreich/Algerien 1969, Regie: Constantin Costa-Gavras)
Drehbuch: Jorge Semprún, Constantin Costa-Gavras
LV: Vassilis Vassilikos: Z, 1966 (Z)
Immer wieder sehenswerter, oscarprämierter, archetypischer Polit-Thriller, der die Ermordung des griechischen linken Oppositionsabgeordneten Gregorios Lambrakis am 22. Mai 1963 fiktionalisiert. In dem Film soll ein junger Untersuchungsrichter die Gerüchte über einen Mord entkräften.
„Z“ war, entgegen allen Erwartungen, weltweit ein Kassenschlager. In Griechenland wurde der Film erst im November 1974, nach dem Ende der Militärdiktatur, aufgeführt.
Jorge Semprún und Constantin Costa-Gavras erhielten für ihr Drehbuch den Edgar (und für echte Krimifans zählt natürlich nur ein Krimipreis, während Oscars, Golden Globes, Preise in Cannes etwas für die Cineasten sind).
mit Yves Montand, Irene Papas, Jean-Louis Trintignant, Charles Denner, Georges Géret, Jacques Perrin, Francois Périer, Bernard Fresson, Marcel Bozzuffi
Wiederholung: Dienstag, 16. Februar, 13.55 Uhr
Hinweise
Arte über die Costa-Gavras-Filmreihe
Rotten Tomatoes über „Z“
Wikipedia über „Z“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 21. September: Liebe

September 21, 2014

ARD, 21.45
Liebe (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)
Regie: Michael Haneke
Drehbuch: Michael Haneke
Georges pflegt seine Frau Anne, mit der er seit Jahrzehnten verheiratet ist – und Michael Haneke beobachtet diesen Weg in den Tod mit der ihm eigenen Präzision.
Der grandiose Film erhielt unter anderem die Goldene Palme (kurz nach seiner Weltpremiere), den Oscar als bester ausländischer Film (er war auch nominiert als bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin), mehrere Césars und viele weitere Preise.
Warum ich den Film so gut finde, obwohl er nicht unproblematisch ist, habe ich hier erklärt.
mit Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tharaud, William Shimell, Ramón Agirre, Rita Blanco

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Liebe“

Metacritic über „Liebe“

Rotten Tomatoes über „Liebe“

Wikipedia über „Liebe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)


TV-Tipp für den 4. August: Claires Knie/Meine Nacht bei Maud

August 4, 2014

Arte, 20.15

Claires Knie (Frankreich 1970, Regie: Eric Rohmer)

Drehbuch: Eric Rohmer

mit Jean-Claude Brialy, Aurora Cornu, Béatrice Romand, Laurence de Monaghan

Wiederholung: Donnerstag, 21. August, 13.40 Uhr

Arte, 21.55 (VPS 22.00)

Meine Nacht bei Maud (Frankreich 1969, Regie: Eric Rohmer)

Drehbuch: Eric Rohmer

Um der Kritik, die sich immer auf den einzelnen Film bezieht und ihn gerne zum einzigartigen Meisterwerk hochjubelt, ein Schnippchen zu schlagen, stellte der frühere „Cahiers du Cinema“-Filmkritiker Eric Rohmer seine Filme immer zu verschiedenen Zyklen zusammen. „Claires Knie“ und „Meine Nacht bei Maud“ sind der vierte und fünfte Film seiner „Sechs Moralischen Erzählungen“, was natürlich eine alles und nichts sagende Klammer ist für einige dialoglastige und sehr unterhaltsame Filme ist, die moralische Fragen behandeln.

In „Claires Knie“ ist das Objekt der Begierde für den Diplomaten Jérôme, der seinen Sommerurlaub vor der Heirat allein in den Alpen verbringt, das Knie der 17-jährigen Claire. Wie soll er mit seiner Obsession umgehen?

In „Meine Nacht bei Maud“ verbringt der streng gläubige Katholik Jean-Louis eine Nacht bei der geschiedenen Schönheit Maud, die ihn becirct. Aber er will die keusche Francoise heiraten. Was wird Jean-Louis tun?

Arte zeigt die beiden Rohmer-Klassiker hintereinander zu einer zivilisierten Uhrzeit.

mit Jean-Louis Trintignant, Françoise Fabian, Marie-Christine Barrault, Antoine Vitez, Léonide Kogan

Wiederholung: Dienstag, 19. August, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Claires Knie“ und „Meine Nacht bei Maud“ (beide Filme sind die nächsten sieben Tage auch in der Mediathek zu finden)

Wikipedia über Eric Rohmer (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 9. Juni: Neun im Fadenkreuz

Juni 8, 2014

Arte, 20.15
Neun im Fadenkreuz (Frankreich/Italien 1971, Regie: Philippe Labro)
Drehbuch: Philippe Labro, Jacques Lanzmann, Vincenzo Labella
LV: Ed McBain: Ten plus one, 1963 (Neun im Fadenkreuz)
Nizza: Ein Unbekannter erschießt schienbar wahllos Menschen. Inspektor Carella und seine Kollegen suchen den Scharfschützen.
Französische Verfilmung eines Romans aus Ed McBains grandioser, durchgehend lesenswerter Serie von Polizeiromanen über das 87. Polizeirevier. Die Krimis legten eigentlich die heute bekannten Genreregeln des Polizeiromans und von Polizeiserien im Fernsehen fest.
„In der Darstellung überzeugender, ansonsten aber mittelmäßiger Krimininalfilm“ (Lexikon des internationalen Films)
Als ich den Film vor Jahren sah, gefiel er mir verdammt gut.
Die Musik ist von Ennio Morricone.
mit Jean-Louis Trintignant, Dominique Sanda, Sacha Distel, Carla Gravina, Stéphane Audran, Erich Segal
auch bekannt als „Ohne besonderes Tatmotiv“ (DDR-Titel)
Wiederholung: Donnerstag, 12. Juni, 14.05 Uhr

Hinweise

Arte über „Neun im Fadenkreuz“

Homepage von Ed McBain

Meine Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions)

Meine Besprechung von Ed McBains „Die Gosse und das Grab“ (The Gutter and the Grave, 2005, Originalausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)


TV-Tipp für den 23. März: Denn sie kennen kein Erbarmen – Der Italowestern

März 23, 2014

3sat, 21.30

Denn sie kennen kein Erbarmen – Der Italowestern (D 2006, R.: Hans-Jürgen Panitz, Peter Dollinger)

Drehbuch: Hans-Jürgen Panitz, Peter Dollinger

Sehr informative, spielfilmlange Doku über den Italo-Western.

Mit Franco Nero, Ferdinando Baldi, Claudia Cardinale, Pierre Brice, Sergio Corbucci, Damiano Damiani, Clint Eastwood, Alberto Grimaldi, Robert Hossein, Sergio Leone, Antonio Margheriti, Tomas Milian, Ennio Morricone, Bud Spencer, Jean-Louis Trintignant, Eli Wallach


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