Aktuelle TV-Krimi-Buch-Tipps online

August 31, 2007

Wer wissen möchte, welche Verfilmungen von Kriminalromanen in den ersten beiden Septemberwochen im Fernsehen gezeigt werden, muss sich unbedingt meine TV-Krimi-Buch-Tipps ansehen. Wer einfach nur einige schöne alte Filmplakate und Buchcovers sehen will, muss ebenfalls zu den Alligatorpapieren klicken.

Als Klickanregung gibt es hier das Intro:

Hallo liebe Krimifreunde,
in den kommenden beiden Wochen zeigen die Sender neben der üblichen Portion Brunetti und Bond auch einige lange nicht mehr gezeigte Verfilmungen. Dazu gehört die David-Goodis-Verfilmung „Schießen Sie auf den Pianisten“ (von Francois Truffaut), die Jim-Thompson-Verfilmung „After Dark, My Sweet“ (von James Foley), die Max-Pierre-Schaeffer-Verfilmung „Vier Schlüssel“ (von Jürgen Roland) und die durchwachsene Chester-Himes-Verfilmung „Harlem Action – Eine schwarze Komödie“ (von Bill Duke). Knautschgesicht Walter Matthau jagt die Bösen in der Maj-Sjöwall/Per-Wahlöö-Verfilmung „Massenmord in San Francisco“ (von Stuart Rosenberg) und in der John-Godey-Vefilmung „Die Todesfahrt der U-Bahn 123“ (von Joseph Sargent). Clint Eastwood verfolgt in seiner Michael Connelly-Verfilmung „Blood Work“ einem Serienmörder. Alfred Hitchcock zeigt in der immer wieder sehenswerten David-Dodge-Verfilmung „Über den Dächern von Nizza“, dass das Leben als Einbrecher begehrenswert ist. Jedenfalls wenn man aussieht wie Cary Grant. Arte widmet ihm einen ganzen Abend und legt die Doku „Cary Grant – Gentleman des Kinos“ drauf. Für Agatha Christie gibt es ebenfalls einen Arte-Themenabend mit „Zeugin der Anklage“ und „Agatha Christie – Mein Leben in Bildern“. Außerdem laufen der Lars Becker geschriebene und inszenierte Berliner Tatort „Dschungelbrüder“ und zwei von Richard-Brooks-Filme: die grandiose Frank O’Rourke-Verfilmung „Die gefürchteten Vier“ und die etwas konfuse Charles McCary-Verfilmung „Flammen am Horizont“.
Als TV-Premiere gibt es neue Fälle für den von Val McDermid erfundenen Psychologen Tony Hill. „Hautnah – Die Methode Hill“ heißt es deshalb an den kommenden vier Sonntagen.


TV-Tipp für den 31. August

August 31, 2007

Das Vierte, 22.35 Uhr

Bad Lieutenant (USA 1992, R.: Abel Ferrara)

Drehbuch: Zoe Lund, Abel Ferrara

Harvey Keitel als drogensüchtiger Bulle auf der Suche nach Erlösung in den Straßenschluchten New Yorks. Genial! Unbedingt ansehen.

Mit Harvey Keitel, Victor Argo, Paul Calderone, Robin Borrows, Paul Hipp, Zoe Lund, Peggy Gormley, Anthony Ruggiero

Hinweise:

Ein informatives Buch über Abel Ferrara: Bernd Kiefer/Marcus Stiglegger: Die bizarre Schönheit der Verdammten – Die Filme von Abel Ferrara (Schüren Verlag, 2000, nur noch antiquarisch)

Das Drehbuch


Gegenwart oder Vergangenheit?

August 30, 2007

Vor längerem habe ich bereits geschrieben, dass ich ein altes Manuskript überarbeiten werde. Die erste Fassung hat mir nicht gefallen. Ich fand sie nicht spannend genug. Wenn ich einen meiner Texte auch beim fünften Mal noch Wort für Wort lese und nicht gegen den Schlaf ankämpfen muss, dann kann er nicht ganz schlecht sein. Wenn ich beginne, die Seiten zu überfliegen, dann, tja, dann stimmt etwas nicht. Bei „Verschwunden“ (so ist immer noch der Arbeitstitel; ich könnte es aber in „Katharina“ umbenennen; hm, der Titel gefällt mir) hat mich die erneute Lektüre nicht gepackt, aber es gibt zahlreiche gute Szenen und die Schlusspointe ist auch gut. Allerdings wird es jetzt ein anderes Ende geben.

Die Arbeit geht, wie ich mir gedacht habe, ziemlich gut voran. Nur gestern stieß ich auf ein Problem. Die Geschichte wird bis auf zwei Szenen (jedenfalls bis jetzt) aus der Sicht des ermittelnden Privatdetektivs erzählt. Sie ist ganz traditionell in der ersten Person Vergangenheit (Ich kam, sah und siegte) geschrieben.

Doch bei den erwähnten beiden Szenen wechsele ich die Perspektive und erzähle aus der Sicht einer anderen Person. Mein Held erfährt später davon. Ich fand es beim Schreiben interessant, die Sicht zu wechseln und länger mit einer anderen Stimme zu erzählen. Außerdem wechselte ich in der ersten Szene in die Gegenwartsform. Ich hatte dafür zwei Gründe. Einmal wollte ich so die beiden Stimmen noch unterscheidbarer machen. Denn niemand würde ein „ich kam, sah, siegte“ mit einem „ich komme, sehe, siege“ verwechseln. Außerdem passte es zu dem von mir für ihn gewählten leicht atemlosen Stream-of-Consciousness-Stil. Während der Detektiv ruhig und überlegt vorgeht, plant der andere nicht. Er nimmt die Ereignisse mit jugendlicher Begeisterung einfach auf.

In der zweiten Szene mit diesem Charakter fiel ich dann doch wieder in die üblichere Vergangenheitsform zurück und jetzt stehe ich vor der Frage, in welcher Zeitform der Charakter von seinen Erlebnissen erzählt.

Theoretisch habe ich die freie Wahl. Außerdem ist die Gegenwartsform derzeit besonders bei deutschen Autoren sehr beliebt. Für diese Zeit spricht natürlich das Handeln des Charakters. Er unternimmt einiges und plant dabei seine Aktionen nicht groß voraus. Er agiert einfach. Das kann in der Gegenwartsform gut erzählt werden.

Dagegen spricht, dass die Vergangenheitsform die seit Jahrhunderten gebräuchliche Form zum Erzählen von Geschichten ist. Es scheint also keinen Leser zu stören, wenn der Held von vergangenen Ereignissen berichtet. Als Leser erleben wir es trotzdem gegenwärtig. Als Vielleser bin ich sogar so sehr an Vergangenheitsform  gewöhnt, dass ich immer „kam, sah, siegte“ lese, auch wenn da steht „komme, sehe, siege“. Irgendwann stoppe ich dann leicht irritiert, lese den Absatz noch einmal und bin aus meinem Lesefluss gerissen. Außerdem lesen sich die meisten in der Vergangenheit erzählten Texte auch besser, weil in dieser Zeitform flüssiger formuliert werden kann. Hier ist es möglich eine Vorschau auf künftige Ereignisse zu machen. Hier ist es möglich, Gespräche zu raffen. Wenn ich in der Gegenwartsform schreibe, ist das schwieriger.  Denn rein logisch kann ich nicht in einem Satz sagen „ich komme, sehe, siege“. Zwischen den einzelnen Aktionen vergeht immer wieder eine bestimmte Zeit.

Weil ich letztendlich an einem flüssig zu lesenden Text interessiert bin, werde ich jetzt auch die erste, von diesem Charakter erzählte, Szene in die Vergangenheitsform setzen.

 

Und James Lee Burke ist im deutschen Fernsehen. Wow!


Das Compart-Ding

August 29, 2007

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Das war zu erwarten gewesen. Ich meine, wir kennen Martin Compart. Seit vielen Jahren ist er ein scharfzüngiger Krimikritiker und gab verschiedene, vor allem unter Noir- und Hardboiled-Fans geschätzte Krimireihen bei Ullstein, Bastei-Lübbe und Dumont heraus. Dass er in seinem jetzt wiederveröffentlichten Debüt „Der Sodom-Kontrakt“ all seine Vorlieben und Obsessionen hineinpackt, wundert nicht.

Die wüste Story beginnt wie eines der von Compart geliebten Bücher. Der ehemalige Stasi- und BND-Agent Gill schlägt sich jetzt als Privatdetektiv durch. Er ist gerade damit beschäftigt ein Paar beim Sex zu fotografieren. Der Auftrag kommt von einem verheirateten Mann, der wissen möchte, ob ihn seine unverheiratete Freundin betrügt. Da ruft ihn sein alter Kumpel Brenner an und bietet ihm 500 Euro für eine Stunde Arbeit. Gill sagt zu und wenig später ist er in ein mehrere Grenzen überschreitendes Komplott verwickelt. Denn Brenner hat etwas entdeckt und fürchtet um sein Leben. Gill kann ihn vor seinen Verfolgern in ein Safehouse bringen. Aber Gill hat nicht aufgepasst. Wenig später bringen die Killer Schmidt und Schneider Brenner um und präsentieren der Polizei Gill als Mörder. Bevor die Polizei am Tatort erscheint, kann Gill flüchten. Er will jetzt herausfinden, warum sein Freund sterben musste. Gleichzeitig wird er von dem Killerpärchen und der Leiterin der Mordkommission, Alexa Bloch, verfolgt. Das ist erst der Anfang einer blutigen Hatz von Witten nach Brüssel und wieder zurück, bei der sich irgendwann auch Gills früherer Arbeitgeber beteiligt.

Wer Comparts literarische Vorlieben kennt, wird vom „Der Sodom-Kontrakt“ auch ohne den etwas marktschreierisch-falschen Untertitel „Ein politisch inkorrekter Anti-EU-Thriller“ keinen biederen Regionalkrimi erwarten. Hier ist alles so, wie wir es aus den harten amerikanischen Thrillern und ihren europäischen Epigonen Jean-Patrick Manchette, Jörg Fauser und Ulf Miehe kennen. Der Plot, die Charaktere, die Beschreibungen und der schwarze Humor – alles bekannt. Aber die deutschen und belgischen Handlungsorte sind dann für eine solche Geschichte doch neu und Martin Compart hat das alles souverän in Szene gesetzt.

Für die Neuauflage hat Compart sein Debüt zum Glück kaum überarbeitet. Damit spielt die Geschichte immer noch unüberlesbar zur Jahrtausendwende. Denn die zahlreichen Anspielungen auf die Bundesregierung, die EU-Politik, diverse Skandale und den damals Belgien erschütternden Fall Dutroux wären in einem nach 9/11 spielenden Roman unpassend. Deshalb muss Martin Compart unbedingt wieder in die Tasten hauen und einen „politisch inkorrekten 9/11-Thriller“ vorlegen.

 

Martin Compart: Der Sodom-Kontrakt – Ein politisch inkorrekter Anti-EU-Thriller

(vom Autor durchgesehen und für die Neuauflage bearbeitet)

Alexander-Verlag, 2007

336 Seiten

12,90 Euro

 

Erstausgabe: Strange Verlag 2001

 

Evolver-Interview von 2000 mit Martin Compart:

http://www.evolver.at/site/story.php?id=9251&page=1

Alexander Verlag über Martin Compart:

http://www.martincompart.de/


TV-Tipp für den 30. August

August 29, 2007

RTL, 22.00 Uhr

Bones – Die Knochenjägerin: Ein Toter auf den Gleisen (USA 2006, R.: Tony Wharmby)

Drehbuch: Hart Hanson

Creator: Hart Hanson

LV: Charakter von Kathy Reichs

Roman zur Serie: Max Allan Collins: Bones – Die Knochenjägerin: Tief begraben (Bones: Buried Deep, 2006)

Bei einem Zugunglück sterben drei Menschen. Weil eines der Opfer eine Senatorin ist, bittet das FBI in Form von FBI-Agent Seeley Booth Dr. Temperance ‚Bones’ Brennan vom Jeffersonian Institute in Washington, D. C., um Hilfe. Das übliche Kettengerassel zwischen den beiden ist dieses Mal noch lauter. Denn Bones hat einen neuen Chef, Dr. Camille Saroyan, und diese hatte eine Affäre mit Booth.

Heute startet die zweite, aus 22 Folgen bestehende Staffel der witzigen Forensik-Krimiserie „Bones – Die Knochenjägerin“. Im Gegensatz zum CSI-Franchise wird hier nicht immer betont cool an Tatorten nach DNS-Spuren gesucht und anschließend die Sonnenbrille aufgesetzt. Hier muss sich die Heldin Bones mit einem Team herumschlagen, das sie ständig verkuppeln und von Verschwörungstheorien überzeugen will. Und dann gibt es noch die Wortgefechte zwischen ihr und Booth, die sich ihre Liebe nicht eingestehen können (Naja, gemeine Drehbuchautoren verhindern das. Aber eben diese Typen formulieren auch jede Woche, wie auf der Fox-Seite nachgelesen werden kann, etliche gute Einzeiler.)

Doch, das ist einfach gut gemachte Popcorn-Unterhaltung.

Mit Emily Deschanel, David Boreanaz, Michaela Conlin, Eric Millegan, T.J. Thyne, Tamara Taylor, Christine Estabrook, Ray Wise         

Wiederholung um 02.20 Uhr

Hinweise:

RTL (ein gutes Beispiel für eine schlechte Seite)

Fox (sehr informative Seite mit ausführlichen Zusammenfassungen der einzelnen Episoden, Sammlungen der besten Sprüche, Videos, undsoweiter)


TV-Tipp für den 29. August

August 29, 2007

Vox, 20.15

Criminal Intent – Verbrechen im Visier: Entführt (USA 2006, R.: Norberto Barba)

Drehbuch: Charlie Rubin (nach einer Geschichte von Warren Leight und Charlie Rubin)

Creator: Dick Wolf

Developer: René Balcer

Goren glaubt, dass der Serienkiller Sebastian wieder zugeschlagen hat. Während er zusammen mit seinem früheren Mentor, dem Profiler Declan Gage, ermittelt, wird seine Partnerin Eames entführt.

Heutet startet die sechste Staffel dieses „Law & Order“-Ablegers. In jeder Folge löst die Major Case Squad, eine Abteilung der New Yorker Polizei für besonders schwere Kapitalverbrechen, einen kniffligen Fall. Am Ende jeder Episode steht immer die Konfrontation, meistens im Verhörzimmer, zwischen dem Detective und dem Verbrecher. Er will ihn mit psychologischen Mitteln zu einem Geständnis bewegen. Selbstverständlich bietet diese Szene den Schauspielern die Gelegenheit noch einmal groß aufzuspielen.

Die Serie startet 2001 mit dem Ermittlerteam Robert Goren (Vincent D’Onofrio), einer wahren Intelligenzbestie oder der beste Sherlock Holmes, den sich New York leisten kann, und seiner bodenständig-normalen Kollegin Alexandra Eames (Kathryn Erbe). Als für Hauptdarsteller Vincent D’Onofrio, der in fast jeder Szene auftrat, der Produktionsstress zu groß wurde, gesellte sich ab der fünften Staffel für die Hälfte der Fälle ein zweites Team zu Goren und Eames. Mike Logan (Chris Noth) ermittelte bereits in „Law & Order“. Zusammen mit seiner Partnerin Carolyn Barek (Annabella Sciorra) übernahmen sie die schmutzigeren Fälle. Anabella Sciorra stieg bereits nach einer Staffel aus. Ab kommender Woche hat Logan dann Detective Megan Wheeler (Julianne Nicholson) als Partnerin.

Ebenfalls nach der fünften Staffel zog sich Captain James Deakins (Jamey Sheridan) in das Privatleben zurück. Sein Nachfolger ist Captain Danny Ross (Eric Bogosian). Am bekanntesten dürfte Ross-Darsteller Bogosian für sein Ein-Mann-Stück „Talk Radio“ sein. Er übernahm auch in der viel zu unbekannten Verfilmung von Oliver Stone die Hauptrolle.

Vox zeigt die 22 Episoden der sechsten Staffel an den kommenden Mittwochen immer um 20.15 Uhr und wiederholt sie, wenige Stunden später, nach Mitternacht.

Wiederholung um 00.20 Uhr

Weitere Informationen:

Vox-Homepage (nicht informativ)

NBC-Homepage (informativ)


Collins schickt die CSIler ins Dämonenhaus

August 28, 2007

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Halloween ist auch in Las Vegas keine normale Nacht. Für Gil Grissom und sein Team vom CSI Las Vegas beginnt die Nacht mit einem Überfall in dem Dämonenhaus. Das Dämonenhaus ist eine Attraktion in der Stadt der Attraktionen. In einem leeren Lagerhaus inszeniert die stockkonservative, christliche Organisation TAPARS (Teenager und Eltern für eine verantwortungsbewusste Gesellschaft) eine drastische Schau der Sünden. Sie will so die zahlreichen jugendlichen Besucher zu einem christlichen Leben animieren.

Der Überfall im Dämonenhaus ist die neueste Tat eines Pärchen, das in den vergangenen Wochen in Las Vegas zehn Geschäfte überfiel und keine verwertbaren Spuren hinterließ. Bereits am Tatort bemerken Gil Grissom, Nick Stokes und Sara Sidle zahlreiche Ungereimtheiten. So schlugen die beiden bis jetzt nie an einem Freitag zu. Sie hatten andere Waffen und andere Schuhe an. Aber der größte Unterschied ist, dass sie dieses Mal auch die Einnahmen aus dem Safe mitnahmen. In dem Safe des Dämonenhauses lagen die Einnahmen einer gesamten Woche. Haben die CSIler es hier mit einem gut informierten Nachahmungstäter zu tun?

Noch während die drei CSIler den Tatort sichern, ertönt ein lauter Schuss. Karl Newton hat auf offener Bühne seine Verlobte Joanna Boyd erschossen. Entgegen dem normalen Gebrauch war seine Waffe mit einer scharfen Patrone geladen. Während Newton unter Tränen die Tat gesteht, ist Grissom misstrauisch. Zusammen mit Catherine Willows und Warrick Brown beginnen sie den Tatort zu untersuchen. Schnell stellen sie fest, dass Boyd ermordet wurde und der wahrscheinliche Täter nicht ihr Verlobter ist.

Das Comicbuch „Das Dämonenhaus“ ist ein weiterer spannender Fall für das erste und nach Ansicht vieler Fans immer noch beste CSI-Team. Max Allan Collins, der in den vergangenen Jahren acht CSI-Romane mit dem Las Vegas-Team schrieb, erfand auch für dieses Buch mehrere spannende Fälle und würzte sie mit etlichen pointierten Dialogen und atmosphärischen Beschreibungen über die Stadt der Träume. Gabriel Rodriguez und Ashley Wood zeichneten dazu die gelungen zwischen dem bekannten CSI-Look und knalligen Comicbildern changierenden Bilder.

Auf seiner Homepage schreibt Max Allan Collins, dass er sich nach einem halben Jahrzehnt aus dem CSI-Franchise verabschiedet hat. Neben Comics hat er auch zehn Romane geschrieben und Computerspiele und Puzzles (Ja, es gibt CSI-Puzzles!) entworfen. Er hat gerade den Roman „Jump Cut“ für die Krimiserie „Criminal Minds“ geschrieben. In den USA erscheint er im November. Bei uns, immerhin läuft die Serie erfolgreich sonntags bei Sat.1, sicher einige Monate später.

 

 

Max Allan Collins (Story)/Gabriel Rodriguez/Ashley Wood (Zeichnungen): CSI: Das Dämonenhaus

(Übersetzung von Helga Parmiter)

Panini Comics, 2007

128 Seiten

14,95 Euro

 

Originalausgabe:

CSI Crime Scence Investigation: Demon House

IDW Publishing, Oktober 2004

 

Hinweise:

CSI-Comics in der Spurensuche:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-acht.html

CSI-Romane in der Spurensuche:

CSI-Roman „Im Profil des Todes (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006) von Max Allan Collins:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-sechs.html

CSI:NY-Romane “CSI:NY – Der Tote ohne Gesicht” (CSI:NY – Dead of Winter, 2005) und “CSI:NY – Blutige Spur” (CSI:NY – Blood on the sun, 2006) von Stuart M. Kaminsky:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-eins.html

 

Homepage Max Allan Collins:

http://www.maxallancollins.com/index.html

 

Panini Comics über CSI:

http://paninicomics.de/csi-s10279.html

 


Besprechung Sean Rowe „Traumschiff“ online

August 28, 2007

Meine Besprechung von Sean Rowes Debütroman „Traumschiff“ (Fever, 2005) ist online in der Berliner Literturkritik. Der düstere Gangsterroman hat mir gefallen.


Kleinkram von Bunker über Connelly bis Lippman

August 28, 2007

Wer heute die Zeitung aufschlägt, weiß es bereits: Hansjörg Felmy ist tot. Er starb am 24. August. Hier die erste Meldung über seinen Tod. Und hier gibt es weitere Informationen über ihn und seine bekannteste Rolle als langjähriger Tatort-Kommissar Heinz Haferkamp.

NPR präsentiert vier Schriftsteller und ihre Städte:

Donna Leon und Venedig

John Burdett und Bangkok

Laura Lippman und Baltimore

Michael Connelly und Los Angeles

Anfang September erscheint „Stark“ (No Exit Press); ein neuer Roman von Edward Bunker. Es ist ein bislang unveröffentlichtes Manuskript aus den frühen Sechzigern.  Der vor zwei Jahren verstorbene Edward Bunker begann im Gefängnis zu schreiben. Seinen ersten Erfolg hatte er mit dem später verfilmten Roman „No beast so fierce“ (später „Straight Time“, 1973, deutsch als „Wilder als ein Tier“). Er spielte Mr. Blue in Quentin Tarantinos Debüt „Reservoir Dogs“. Hier die Presseinformation.

(Danke an The Rap Sheet für den Hinweis.)


Ein bisschen Luxus – Kapitel 15 online

August 28, 2007

Gespannt, wie’s weitergeht? Hier die leichengesättigte Lösung.

Ich höre schon die ganzen Krimifans aufatmen: „Endlich gibt es die zu einem Krimi gehörenden Leichen.“ Denn ein Krimi ohne Leichen ist doch laaangweilig.


TV-Tipp für den 28. August

August 28, 2007

John Huston (geboren 5 August 1906, gestorben 28 August 1987)

Deshalb:

Tele 5, 20.15

Das war Roy Bean (USA 1972, R.: John Huston)

Drehbuch: John Milius

Buch zum Film: John Milius: The Life and Times of Judge Roy Bean, 1973 (unklar ob Roman zum Film oder Drehbuch)

Knallige, prominent besetzte Nummernrevue über Roy Bean, einen Gangster der sich zu einem Friedensrichter ernannte und, weil er vom Staat als Richter anerkannt wurde, jahrelang, ohne die juristische Literatur zu kennen, Recht sprach. Die respektlose Abrechnung mit den amerikanischen Western-Mythen kam erst 1975 gekürzt in die deutschen Kinos.

John Milius, dem wir auch „Conan, der Barbar“ und „Die rote Flut“ verdanken, hatte wohl an einen weniger de demystifizierenden Film gedacht. Immerhin musste er sein Image als knallharter Reaktionär verteidigen.

„Das war Roy Bean“ orientiert sich lose am Leben des wirklichen und ziemlich legendären „Hanging Judge“ Roy Bean (1825 – 1903). Denn unter den zahlreichen Revolvermännern und Glücksspielern des Wilden Westens war er schon eine besondere Nummer

Mit Paul Newman, Jacqueline Bisset, Ava Gardner, Tab Hunter, John Huston, Stacy Keach, Roddy McDowall, Anthony Perkins, Victoria Principal (Debüt), Anthony Zerbe, Ned Beatty

Wiederholung am 29. August auf Tele 5 um 06.45 Uhr


Dangerous Connection – Im Netz der Verschwörung

August 26, 2007

The Proposal, USA 1999, R.: Richard Gale

Drehbuch: Maurice Hurley

Terry Martin ermittelt seit Monaten undercover gegen den Unterweltkönig Simon Bacig. Die Ermittlungen kommen nicht so richtig voran. Eines Tages lädt Bacig Martin mit seiner Frau zu seiner Geburtstagsparty ein. Weil Martin seine Frau nur erfunden hat, muss schnell eine passable Frau her. Martin und sein Chef halten die Polizistin Susan Reese für geeignet. Sie ist einverstanden und was jetzt kommt, ist für Genrefans nicht sonderlich überraschend. Natürlich beginnen Martin und Bacig um die Sexbombe herumzuscharwenzeln. Selbstverständlich verknallt Martin sich in seine Kollegin und ebenso selbstverständlich kann sie innerhalb kürzester Zeit den Gangster zu Geständnissen bewegen. Am Ende gibt es dann einige Überraschungen, die aber nicht hinterfragt werden sollten, und eine Schießerei. In Zeitlupe. Wow, das haben wir noch nie gesehen.

Die Story ist nicht neu, aber mit dem richtigen Drehbuch kann sie für einen unterhaltsamen Abend sorgen. Nur ist die Geschichte hier ein lieblos zusammengestellter Gemischtwarenladen irgendwo zwischen düsterem Polizeifilm und Schnulze. Entsprechend unentschlossen pendelt der Film zwischen den verschiedenen Polen hin und her und handelt die sattsam bekannten Stationen ohne große Überraschungen ab. Dazu kommen noch das zu geringe Budget und die dilettantische Regie. Richard Gale inszenierte seinen Debütfilm ohne ein Gespür für Stimmungen.  Die Synchronisation zerstört dann den Rest von Spannung.

„Dangerous Connection – Im Netz der Verschwörung“ ist ein billig produzierter Film irgendwo im Niemandsland zwischen „Fernsehfilm der Woche“ und „Direct-to-DVD“ mit drei halbwegs bekannten Gesichtern.

Der Film ist nur aus einem Grund rudimentär interessant. Das Drehbuch ist von Maurice Hurley. Er begann bei „Miami Vice“. Später schrieb er Bücher für „Baywatch“, „Baywatch Nights“, „Star Trek: Das nächste Jahrhundert“ (in den drei Serien war er auch Producer), „Diagnose Mord“, „Pointman“, „Nikita“ und „24“. 

Mit Jennifer Esposito, Nick Moran, Stephen Lang


TV-Tipp für den 27. August

August 26, 2007

MDR, 22.50

Die Saat der Gewalt (USA 1955, R.: Richard Brooks)

Drehbuch: Richard Brooks

LV: Evan Hunter: The blackboard jungle, 1954

Hochgelobtes, damals heiß diskutiertes und immer noch sehenswertes Jugenddrama über einen idealistischen Lehrer, der seine Schüler in New York vor einer Laufbahn als Verbrecher bewahren will. Bill Haleys „Rock around the clock“ wurde zum Welthit.

Hunter ist unter seinem Pseudonym Ed McBain als Autor der 1957 begonnenen Serie über das 87. Polizeirevier viel bekannter.

Mit Glenn Ford, Sidney Poitier, Paul Mazursky (Nebenrolle).

Hinweise:

Homepage von Ed McBain:

http://www.edmcbain.com/   

Meine ausführliche Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions) in der „Kriminalakte“:

https://kriminalakte.wordpress.de/2007/06/12/zehn-autoren-ein-buch-tausend-seiten/


Spiegel und taz über Kriminalromane

August 26, 2007

Der Spiegel glaubt, jetzt habe „Die Stunde des Krimis“ geschlagen. Nicht irgendeines, sondern des deutschen Krimis. Sie glauben es nicht, dann müssen Sie den Artikel lesen.

Die taz berichtet dagegen über einen auflagensteigernden Krieg unter skandinavischen Krimischreibern.


Fluchtpunkt Marseille

August 26, 2007

The Marseille Contract, Marseille Contrat, GB/F 1974, R.: Robert Parrish

Drehbuch: Judd Bernard

Aus dem Plot hätte man eine Saga über Freundschaft, Vertrauen und Verrat machen können. Rauschgiftfahnder Steve Ventura (Quinn) kommt bei seiner Jagd nach dem Drogenhändler Jacques Brizard (Mason) nicht weiter. Also engagiert er einen Killer. Dieser ist sein alter Freund und Ex-Kollege John Deray (Caine). Deray übernimmt den Auftrag. Er schleicht sich bei Brizard ein.

Aber das Ganze ist ein lieblos heruntergekurbelter Langweiler, bei dem auch die vielen Stars nichts retten können. Nur Michael Caine als Profikiller zieht sich achtbar aus der Affäre. Hübsch anzusehen ist auch die erste Kontaktaufnahme von Caine mit der Freundin des Drogenhändlers. Die beiden liefern sich in ihren Sportwagen auf den einsamen Landstraßen Südfrankreichs eine lange Verfolgungsjagd. John Woo kopierte diese umweltschädigende Art der Kontaktaufnahme im ebenfalls schrottigen „Mission: Impossible II“.

Die Musik von Roy Budd ist okay.

Mit Michael Caine, Anthony Quinn, James Mason, Marcel Bozzufi, Maurice Ronet, Catherine Rouvel, Alexandra Stewart


TV-Tipp für den 26. August

August 26, 2007

3sat, 23.45

Wie Raubkatzen (F 1963, R.: René Clement)

Drehbuch: René Clement, Pascal Jardin, Charles Williams

LV: Day Keene: Joy House, 1954 (Die goldene Falle)

Ein Playboy (Delon) taucht auf der Flucht vor Gangstern in der Villa von zwei reichen Amerikanerinnen unter. Diese haben ein mörderisches Geheimnis und keine Skrupel.

Spannender Thriller mit Alain Delon, Jane Fonda, Lola Albright


Bestenliste, Schenkel, Garfield, Leonard

August 25, 2007

Frage: Welchen Krimis wünschen die Macher der KrimiweltBestenliste im September viele Leser?

Antwort:

1          (3)       Andrea Maria Schenkel: Kalteis

Edition Nautilus, TB, 160 S., 12,90 €

2          (-)        Heinrich Steinfest: Die feine Nase der Lilli Steinbeck

Piper, TB, 348 S., 12,00 €

3          (10)     Walter Mosley: Little Scarlet

Aus dem Amerikanischen von Uda Strätling

Fischer, TB, 304 S., 9,95 €

4          (2)       Astrid Paprotta: Feuertod

Piper, TB, 320 S., 12,00 €

5          (-)        Deon Meyer: Der Atem des Jägers

Aus dem Englischen von Ulrich Hoffmann

Rütten&Loening, geb., 428 S., 19,95 €

6          (4)       Juan Damonte: Ciao Papá

Aus dem argentinischen Spanisch von Peter Tremp

Lateinamerika Verlag, TB, 190 S., 14,80 €

7          (5)       Robert B. Parker: Der stille Schüler

Aus dem Amerikanischen von Frank Böhmert

Pendragon, TB, 214 S., 9,90 €

8          8          (8)       Jan Costin Wagner: Das Schweigen

Eichborn Berlin, geb., 288 S., 19,95 €

9          9          (-)        Sergej Kusnezow: Die Hülle des Schmetterlings

Aus dem Russischen von David Drevs

Heyne, TB, 430 S., 8,95 €

10       10       (-)        Michael Connelly: Der Mandant

Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb

Heyne, geb., 526 S., 19,95 €

 

Mit Michael Connelly und Robert B. Parker bin ich natürlich sehr einverstanden. Bei Walter Mosley hatten mich seine Easy Rawlins-Romane irgendwann gelangweilt. Aber vielleicht sollte ich ihm mal wieder eine Chance geben. Und bei Andrea Maria Schenkel habe ich eine ganz andere Meinung.

 

Bleiben wir noch einen Moment bei Andrea Maria Schenkel. Inzwischen steht der Gerichtstermin in der Plagiatsklage fest. Am 20. Februar 2008 soll ein Richter am Landgericht München I entscheiden, ob Andrea Maria Schenkel aus den beiden Sachbüchern (?) von Peter Leuschner abgeschrieben hat. Leuschner sagt, Schenkel habe die von ihm erfundenen Teile abgeschrieben (mehr Infos und Textbeispiele hier). Das wirft, wie bereits gesagt, ein seltsames Licht auf seinen journalistischen Ethos. Denn ein Journalist erfindet nichts!

Dass ein Journalist trotzdem fetzig und pointiert über die Wirklichkeit schreiben kann, zeigen unter anderem Tom Wolfe, Hunter S. Thompson (Gut, der war eine ganz spezielle Nummer.), Nick Tosches und P. J. O’Rourke. Von P. J. O’Rourke erschien vor kurzem „Reisen in die Hölle und andere Urlaubsgeschichten“ (Eichborn); von Nick Tosches „Muddy Waters isst selten Fisch“ (Liebeskind). Wer’s gerne auf Englisch hat, sollte sich mal eine Ausgabe des von Otto Penzler und Thomas H. Cook jährlich herausgegebenen „The Best American Crime Writing“ schnappen.

 

Nachdem Brian Garfield in den letzten Jahren aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwand, ist er jetzt wieder zurück. Im neuen Blog „Saddlebums Western Reviews“ wird er interviewt. Für das Alfred Hitchcock Mystery Magazine unterhielt Steve Hockensmith sich mit dem Autor von „Ein Mann sieht rot“. Der Grund für diese beiden Texte ist ganz einfach: Am 13. September startet in den deutschen Kinos, zwei Wochen nach der USA-Premiere, die Garfield-Verfilmung „Death Sentence – Todesurteil“. Regie führte James Wan (Saw), das Drehbuch schrieb Ian Jeffers und Kevin Bacon spielt die Hauptrolle. Der Trailer sieht vielversprechend aus.

 

Ebenfalls gut sieht der Trailer für das Remake „3:10 to Yuma“ aus. Regie führte James Mangold, das Drehbuch schrieben Halsted Welles, Michael Brandt und Derek Haas, Russell Crowe, Christian Bale, Peter Fonda und Gretchen Mol übernahmen wichtige Rollen. Die Westernkurzgeschichte ist von Elmore Leonard und sie wurde bereits vor einem halben Jahrhundert erfolgreich verfilmt. Ein deutscher Kinostart für diesen Western, der nach dem Trailer eher lose auf der Kurzgeschichte basiert (oder sie ausgebaut hat) gibt es noch nicht.

 

 


TV-Tipp für den 25. August

August 24, 2007

Kabel 1, 00.40

Watch the Skies! – Sie kommen, um uns zu vernichten (USA 2005, R.: Richard Schickel)

Drehbuch: Richard Schickel

Einstündige Doku über die amerikanischen Science-Fiction-Filme der Fünfziger und wie sie einige Hollywood-Regisseure beeinflussten.

Mit Steven Spielberg, George Lucas, Ridley Scott, James Cameron


Eine Liebeserklärung an Astrid Paprotta

August 23, 2007

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Regelmäßige Watching the Detectives-Leser wissen, dass Blogger Dieter Paul Rudolph ein Fan der Romane von Astrid Paprotta ist. Für ihn gehört sie „zum erlauchten Kreis der literarischen MagierInnen, die uns die ewige Suppe des Krimis mit den Elixieren der literarischen Landschaftsgärtnerei würzen“. Jetzt hat er mit „Die Zeichen der Vier – Astrid Paprotta und ihre Ina-Henkel-Kriminalromane“ das erste Buch über sie geschrieben.

Paprotta eroberte mit dem aus den Romanen „Mimikry“ (1999), „Sternentaucher“ (2002), „Die ungeschminkte Wahrheit“ (2004) und „Die Höhle der Löwin“ (2005) bestehenden Ina-Henkel-Zyklus die Herzen der Kritiker und etlicher Krimifans. Sie erhielt den Deutschen Krimipreis und den Glauser.

Dieter Paul Rudolph liest die vier Henkel-Romane in seiner werkimmanenten Interpretation in erster Linie als einen großen Entwicklungsroman, in dem aus der Heldin eine gute Polizistin wird. Neben dieser romanübergreifenden Entwicklungsgeschichte sind die einzelnen Romane wie Spiegelkabinette mit verschiedenen Spiegelungen aufgebaut. „Wir haben Ina Henkels Weg durch die Fiktion als einen Emanzipationsprozess erlebt, der sie durch die Spiegelkabinette der subjektiven Wirklichkeiten führte.“

Ein Interview mit Astrid Paprotta und eine umfangreiche, von Thomas Przybilka gewohnt zuverlässig erstellten, Bibliographie schließen „Die Zeichen der Vier“ ab.

Rudolphs schmales Buch richtet sich vor allem an Paprotta-Fans, die noch tiefer in die Welt der Ina-Henkel-Romane eintauchen wollen.

 

 

Dieter Paul Rudolph: Die Zeichen der Vier – Astrid Paprotta und ihre Ina-Henkel-Kriminalromane

Nordpark – Krimikritik, 2007

88 Seiten

12 Euro

 

Nordpark Verlag zum Buch:

http://www.nordpark-verlag.de/krimikritikacht.html

Blog „Watching the Detectives“ von Dieter Paul Rudolph:

http://www.hinternet.de/weblog/watching_the_detectives/

Homepage von Astrid Paprotta:

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Straßen in Flammen

August 23, 2007

Streets of Fire, USA 1984, R.: Walter Hill

Drehbuch: Walter Hill, Larry Gross

Die Story ist ein luftiges Nichts: Gang-Boss Raven Shaddock entführt während eines Konzertes die Sängerin Ellen Aim. Ihr Ex Tom Cody kommt zurück, rettet sie aus dem Club des Bösen, bringt sie zurück und trifft sich mit Raven zum abschließenden Kampf.

Aber die Story ist Walter Hill auch ziemlich egal. Ihm geht es in seiner Rockfantasie „Straßen in Flammen“ um die amerikanische Populärkultur: Rockmusik, Fünfziger-Jahre-Filme, Western, Actionfilme und Comics. Denn „Straßen in Flammen“ spielt in einer zeitlosen Gegenwelt, in der alles nach den Fünfzigern aussieht, die Waffen und die Musik aber aus den Achtzigern sind. Ähnlich zeitlos sind die „Spiderman“-Filme von Sam Raimi. In diesen Straßen einer nicht genannten Großstadt (Wer denkt bei den Brücken und Schluchten nicht an New York in einer seiner zahlreichen Inkarnationen?) wird noch einmal der Kampf zwischen Motorradgangs und Polizei inszeniert. Psychologisiert wird dabei nichts. Alles ist reine Oberfläche. Cody ist dabei natürlich der direkt aus einem Western entsprungene aus der Fremde kommende Heilsbringer. Als Ex-Soldat verdient er jetzt sein Geld als einsilbiger Söldner. Der Manager der Sängerin denkt nur an seine Investition. Die Frauen sind schmückendes Beiwerk. Der Bösewicht ist vor allem böse. Die Rocksongs wummern ordentlich. Ry Cooder füllt den Rest mit einem geschmackvollen Höllenritt durch die amerikanische Musikgeschichte. Andrew Laszlo fand die passenden, nach einer großen Leinwand schreienden Bilder. Die Szenenübergänge sind wie bei einem Comic gestaltet. Die Schauspieler präsentieren die Gaga-Dialoge, die direkt aus einem Comic stammen könnten, mit dem nötigen Ernst. Dabei sind die Nebendarsteller glaubwürdiger, als der blasse Cody-Darsteller Michael Paré. Ein besonders Highlight ist Amy Madigan als Codys Kampfgefährtin McCoy. Sie ist – als Frau – der härteste Kerl auf den Straßen dieser Rock-City und sie nimmt, obwohl sie ihre Rolle in den Dialogen eher kumpelhaft anlegt und kaum Action-Szenen hat (immerhin ist sie nur der Sidekick), einige der starken Frauen der vergangenen Jahre vorweg.

„Straßen in Flammen“ ist ein typischer 80er-Jahre Actionfilm, der bemerkenswert gut gealtert ist. Damals war er als überlanger Videoclip seiner Zeit weit voraus. Heute ist der Genrehybrid immer noch gut genießbar. Damals war Walter Hill einer der heißesten und besten Regisseure von intelligenten Actionfilmen. Heute liegt sein letzter guter Film auch schon über zehn Jahre zurück.

Mit Michael Paré, Diane Lane, Rick Moranis, Amy Madigan, Willem Dafoe, Deborah Van Valkenburgh, Richard Lawson, Rick Rossovich, Bill Paxton


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