Hitchcocks Einstand in Hollywood: ein viktorianisches Thrillermelodrama über die junge Frau de Winter, die in dem Familienschloss Manderley überall Spuren der verstorbenen Rebecca de Winter findet und anscheinend von ihrem Mann und der Haushälterin in den Tod getrieben werden soll.
Obwohl David O. Selznick gerade sehr mit „Gone with the wind“ beschäftigt war und Hitch deshalb in Ruhe arbeiten ließ, ist „Rebecca“ in erster Linie ein Selznick-Film.
Hitchcock war von dem Film nicht begeistert: „Das ist kein Hitchcock-Film. Das ist eine Art Märchen,…eine ziemlich vorgestrige, altmodische Geschichte. Es gab damals viele schriftstellernde Frauen. Dagegen habe ich nichts, aber Rebecca ist eine Geschichte ohne jeden Humor.“
Anschließend, um 22.20 Uhr, zeigt Arte das 55-minütige Porträt „Mr. & Mrs. Hitchcock“ (Frankreich 2019).
Mit Laurence Olivier, Joan Fontaine, George Sanders, Judith Anderson, Nigel Bruce, Leo G. Carroll
Im heutigen Spanien besucht die 17-jährige Ainara eine katholische Schule. Sie nimmt auch an kirchlichen Freizeiten teil. Nach der Schule will sie allerdings nicht, wie sie ihren schockierten Eltern eröffnet, das Tun, was alle ihre Klassenkameradinnen tun werden. Sie will in ein Kloster gehen und Nonne werden.
Während ihre Eltern ihre Tante versuchen, Ainara umzustimmen, empfangen die Ordensschwester und alle im Kloster lebenden Nonnen sie mit offenen Armen. Die ärmlich lebenden Schwestern freuen sich über jedes neue Mitglied.
Alauda Ruiz de Azúa präsentiert in ihrem zweiten Kinofilm in ruhigen, dicht inszenierten, präzise und pointiert beobachteten Szenen Ainaras Entscheidung, was diese Entscheidung für ihre Freunde und Familie bedeutet und wie sie alle mit dieser Entscheidung umgehen. Sie zeigt auch verschiedene Versuche, Ainara zu manipulieren. Sie beobachtet – und überlässt dem Publikum in jeder Beziehrung das Urteil über Ainaras Wunsch, Nonne zu werden.
Bei den diesjährigen Goyas wurde der Publikumserfolg „Glaube“ in den wichtigen Kategorien – Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Beste Hauptdarstellerin und Beste Nebendarstellerin – ausgezeichnet.
Glaube (Los Domingos, Spanien 2025)
Regie: Alauda Ruiz de Azúa
Drehbuch: Alauda Ruiz de Azúa
mit Blanca Soroa, Patricia López Arnaiz, Miguel Garcés, Juan Minujín, Mabel Rivera, Nagore Aranburu
Mississippi, 1966: der junge, sich an die Vorschriften haltende FBI-Agent Wayne Strider (Yahya Abdul-Mateen II) soll den Mord am dem Bürgerrechtler Vernon Dahmer aufklären. Die mutmaßlichen Täter sind Honoratioren und Mitglieder des Klu-Klux-Klans. Niemand will mit dem Schwarzen Polizisten reden. Die Weißen nicht, weil sie sich im Recht fühlen und nicht mit Schwarzen reden. Die Schwarzen nicht, weil sie Angst haben.
Das ändert sich erst, als ihm Greg Scarpa (Mark Wahlberg) zur Seite gestellt wird. Scarpa ist kein FBI-Agent, sondern ein Mafia-Killer und Spitzel für das FBI. Manchmal holt das FBI, alle geschriebenen und ungeschriebenen Vorschriften ignorierend, den New Yorker für Sachen, bei denen seine besonderen Fähigkeiten hilfreich sein können. Alle wissen, dass niemand jemals erfahren darf, dass ein Mafia-Killer für das FBI arbeitet.
Skrupellos schlägt, mordet und foltert Scarpa alle, die ihm Informationen über die Mörder geben könnten. Das sorgt zuerst für erwartbaren Streit zwischen Strider und Scarpa. Beispielsweise als Scarpa bei einer Verkehrskontrolle einen Polizisten erschießt. Später raufen sie sich zusammen, lernen sich schätzen und sie können den Fall aufklären.
Elegance Bratton erzählt diese in Teilen wahre Geschichte in dem Polizeithriller „By any means“.
Scarpa gab es und der Killer war ein Spitzel für das FBI. Er war auch irgendwie in den sechziger Jahren in den Südstaaten in Ermittlungen involviert. Alles weitere entspringt der Phantasie des Drehbuchautors.
In Alan Parkers „Mississippi Burning“ (1988), ein Film, an den die Geschichte von „By any means“ erinnert, taucht Scarpa ebenfalls auf. Als FBI-Agent Monk, der ein Klan-Mitglied entführt. Parkers Film behandelt mehr oder weniger die gleichen Ereignisse und erlaubt sich ebenfalls kreative Freiheiten im Umgang mit der Wahrheit. Die Stimmung in den Südstaaten treffen beide Thriller.
Bratton zeichnet in seinem ruhig erzähltem Thriller ein Bild der damaligen, oft auch gewalttätigen Unterdrückung von Schwarzen und Bürgerrechtlern. Dieses Mal sogar mit einem Schwarzen Protagonisten, der – und das ist ein Problem des Films – von einem italienischstämmigem Mörder lernt, dass gegen Gewalt nur noch brutalere Gewalt hilft. Ein anderes Problem von „By any means“ ist, dass hier, wieder einmal, ein Weißer dem Schwarzen hilft, die Dinge zu regeln. Dieses Problem relativiert Bratton, wenn er detailliert die damalige Zeit schildert.
Für die Älteren ist „By any means“ eine lauwarme Wiederholung von „Mississippi Burning“.
Für die Jüngeren, die sich so alte Filme nicht ansehen, ist Brattons Thriller eine empfehlenswerte Geschichtsstunde, die zeigt, was sich seitdem in den USA veränderte und was auf dem Spiel steht.
By any means(By any means, USA 2026)
Regie: Elegance Bratton
Drehbuch: Sascha Penn
mit Yahya Abdul-Mateen II, Mark Wahlberg, Nicole Beharie, Josh Lucas, LisaGay Hamilton, David Strathairn, Ethan Embry, Giancarlo Esposito, Lee Perkins
Zach, der gerade mit seiner Mutter von der Großstadt in die Kleinstadt gezogen ist, verguckt sich sofort in das Nachbarmädchen Hannah. Aber ihr unhöflicher Vater verbietet ihr den Umgang mit Zach. Als Zach und sein Schulfreund Champ kurz darauf, aufgeschreckt durch seltsame Ereignisse, in das Nachbarhaus einbrechen, entdecken sie einen Schrank voller Bücher von R. L. Stine. Sie öffnen eines der Bücher und all die Monster, die R. L. Stine in seine Bücher verbannte, brechen aus. Zach, Champ, Hannah und ihr Vater, R. L. Stine höchstpersönlich, versuchen, das Schlimmste zu verhindern.
„Gänsehaut“ ist eine sehr unterhaltsame Gruselkomödie für ein jüngeres Publikum, eine Liebeserklärung an die klassischen Horror- und Monsterfilme und auch eine kleine Meditation über die Arbeit eines Horrorschriftstellers, garniert mit einigen gut platzierten Witzen, die vor allem Erwachsene verstehen.
Die Gräfin Elizabeth Bathory ist zurück. Nach 25 Jahren taucht sie wieder in Wien auf und wieder versinkt die Stadt in einem irren und, dank der Inszenierung, den Locations und den Kostümen, sehr stilbewusstem Blutrausch.
Gespielt wird die Gräfin von Isabelle Huppert. Inszeniert wurde der Film von Ulrike Ottinger, einer Legende des feministischen Kinos. Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek half bei dem Drehbuch. Von ihr sind die Anspielungen auf die österreichische Kultur und Geschichte. Die Zusammenarbeit zwischen Ottinger und Jelinek am Drehbuch begann in den frühen Nuller Jahren. Auch Isabelle Huppert wurde schon vor zwanzig Jahren auf die Rolle angesprochen. Sie war interessiert. Die Finanzierung gestaltete sich dann schwierig.
Neben Huppert spielen Birgit Minichmayer, Thomas Schubert, Lars Eidinger und Conchita Wurst (Göttlich! Kein weiterer Kommentar.) in diesem wundervoll respektlosem Tanz der Vampire mit.
Und das war es mit dem selektivem Name-Dropping für einen doch sehr speziellen Film. Die Figuren tragen absurde Namen, es gibt einen vegetarischen Vampir, weitere zur Familie gehörende, burschenschaftlich-halbstarke Vampire, einen Therapeuten, der die Vampirsichtungen seines Klienten für mit einer Konfrontationstherapie behandelbare Spinnereien hält, einen Kommissar, der sich an ein frühere Blutbäder erinnert, zwei verschrobene Wissenschaftler, die die Tagung „Identität der Vampire im Zeitalter ihrer digitalen Reproduzierbarkeit“ besuchen. Als sie erfahren, dass die Blutgräfin Elizabeth Bathory zufällig ebenfalls in dem Nobelhotel nächtigt, sind sie begeistert. Und es gibt ein sehr wienerisches morbid theaterhaft überhöhtes Wien, in dem die Begegnung zwischen Menschen und Vampiren normal ist.
Die vernachlässigbare Geschichte über ein Buch, das alle wollen, spielt in einem Operettenwien, das die Bühne für ein einziges gigantisches Kostümfest ist. Die Dialoge sind bewusst künstlich. Die Namen der Figuren, wie Rudi Bubi Baron von Strudl zur Buchtelau, Theobastus Bombastus, Nepomuk Nachbiss oder Oberinspektor Unglaube, sind Kabarettnamen. Die Bilder sind eindeutig für das Kino konzipiert. Martin Gschlacht arbeitete auf der Grundlage von Storyboards, die Ulrike Ottinger zeichnete. Bei ihren vorherigen Filmen war sie die Kamerafrau.
Ulrike Ottinger ist eine der wenigen Regisseurinnen des Neuen Deutschen Films. Neben der Filmregie war die Feministin Malerin, Fotografin, Galeristin, Filmclub-Betreiberin, Mitgründerin des Verbandes der Filmarbeiterinnen, Theater- und Opernregisseurin.
Am bekanntesten ist ihre Berlin-Trilogie „Bildnis einer Trinkerin“ (1979), „Freak Orlando“ (1981) und „Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse“ (1984). Danach konzentrierte sie sich auf teils episch lange Dokumentarfilme.
Der wienerisch-morbide Vampirfilm „Die Blutgräfin“ ist jetzt ihre sehr stilbewusste Rückkehr zum Spielfilm. Gewohnt experimentell spielt sie mit Zitaten und Mythen, während die Blutgräfin und ihre Zofe durch Wien wandeln und alle seine Vampire ein Fest feiern mit den Lebenden und bald Toten.
Die Blutgräfin (Österreich/Deutschland/Luxemburg 2026)
mit Isabelle Huppert, Birgit Minichmayer, Thomas Schubert, Lars Eidinger, André Jung, Marco Lorenzini, Karl Markovics, Felix Oitzinger, Tom Neuwirth (aka Conchita Wurst), Maresi Riegner, Branko Samarovski, Inge Maux, Paul Matic
In einem Lagerhaus in Brooklyn will DJ Dre die große Party, von der die ganze Stadt sprechen wird, veranstalten. Aber kurz vor dem Beginn sagt der bestenfalls szenebekannte Hauptact ab. Ein Ersatz muss organisiert werden. Lust, Liebe und Künstler:innenegos knallen aufeinander. Hetero-Influencer wollen die angekündigte Drag-Show ansehen. Und dann tauchen auch noch Zombies auf.
“Queen of the Dead” ist das Spielfilmdebüt von Tina Romero. Ihr Filmdebüt hatte sie als Kind in George A. Romeros “Der Affe im Menschen” (Monkey Shines, 1988). Sie spielte ein spielendes Kind. Später studierte sie Film am Wellesley College und der NYU Tisch Graduate School of Film. Sie ist Vizepräsidentin der GARF Foundation, die das Werk ihres Vaters George A. Romero würdigt. Er beeinflusste auch unverkennbar ihr mit einem überschaubarem Budget inszeniertes Spielfilmdebüt.
Das Budget ist allerdings nicht das größte Problem von “Queens of the Dead”. Auch nicht, dass die Schauspieler keine zukünftigen Oscar-Kandidaten sind, sondern, auch rollenbedingt, zum Overacting tendieren. Beides akzeptiert man, wenn der Rest zumindest interessant ist.
Leider macht Tina Romero aus wenig noch weniger. Fast der gesamte Film spielt in der zur Partylocation umfunktionierten Lagerhalle. In ihr stehen die wenige Menschen, die zu der großen Party gekommen sind, verlorener als nötig herum. Als müssten die strengsten Corona-Regeln eingehalten werden. Auf die Angriffe der Zombies reagieren sie meistens vollkommen bescheuert. Die Angriffe sind rar und schnell vorbei. Die Witze erschöpfen sich weitgehend in einer Umkehr der Geschlechterrollen und Spott über die bekannten Klischees über Homosexuelle und Transvestiten. Das war vor vierzig Jahren, zehn Jahre nach der “Rocky Horror Picture Show”, vielleicht noch neu, ist aber heute, fast dreißig Jahre nach der „Bullyparade“, älter als die Tageszeitung vom letzten Halloween.
“Queens of the Dead” ist da einfach nur der nächste, verzichtbare, mit einem Minibudget gedrehte Zombiefilm. Dieses Mal in der queerbunten Version.
Aus US-amerikanscher Perspektive ist das vielleicht anders. Dort kann die 80er-Jahre-Zombiekomödie „Queens of the Dead“ als Selbstvergewisserung und Schlachtruf der LGBTQ+-Community gegen die sie offensiv bekämpfende Regierung und die reaktionäre Stimmung gesehen werden.
Queens of the Dead (Queens of the Dead, USA 2025)
Regie: Tina Romero
Drehbuch: Tina Romero, Erin Judge
mit Jaquel Spivey, Katy O’Brian, Nina West, Tomas Matos, Margaret Cho, Jack Haven, Quincy Dunn-Baker, Cheyenne Jackson, Tom Savini
The Rocky Horror Picture Show(The Rocky Horror Picture Show, USA 1974)
Regie: Jim Sharman
Drehbuch: Richard O’Brien, Jim Sharman
Nach einer Reifenpanne klopfen die Spießer Janet und Brad an die Tür eines düsteren Schlosses – und gelangen in ihre schlimmsten Alpträumen. In dem Schloss findet gerade das orgiastische Jahrestreffen der irdischen Agenten vom Planeten Transsexual statt.
Ein Kultfilm, der in einigen Kinos viele Jahre lief.
Nach dem Film zeigt Arte um 21.50 uhr die 75-minütige Doku „Die ‚Rocky Horror Picture Show‘: Eine wilde Geschichte“ (USA 2025, Regie: Linus O’Brien).
mit Tim Curry, Susan Sarandon, Barry Bostwick, Richard O’Brien, Patricia Quinn, Nell Campbell, Jonathan Adams, Peter Hinwood, Meat Loaf, Charles Gray (Der Erzähler)
Klara ist eine Künstliche Freundin (KF). Sie ist allerdings kein mit dem Internet verbundener Supercomputer, sondern ein autonom lernendes System, das mit einigen Charaktereigenschaften, die sich wohl von KF zu KF unterscheiden, und bestimmten Fertigkeiten ausgestattet ist. Das führt in Kazuo Ishiguros Roman und Taika Waititis Version immer wieder zu amüsanten Situationen zwischen Roboter und Mensch und Roboter und Umwelt. Waititi interpretiert den Roman. Er setzt andere Schwerpunkt und erfindet Figuren. Er verändert die Geschichte, das Ende und den Ton. Ishiguros Roman ist deutlich ernster und richtet sich an Erwachsene; trotz der naiven Klara als Erzählerin, die sich auf dem Niveau eines Kindes befindet und die Welt durch die Augen eines neugierigen Kindes sieht. Waititis Film ist bis so ungefähr zur Filmmitte ein Film, der mit seinem Humor und den Slapstick-Elementen, auch für Kinder ein Vergnügen ist. Aber in der zweiten Hälfte, in der die Geschichte unnötig zerfasert und es immer unklarer wird, wohin das alles führen soll, wird eindeutig ein erwachsenes Publikum angesprochen.
Klara (Jenny Ortega) wird von Josie (Mia Tharia) als KF ausgewählt. Josie lebt mit ihrer Mutter (Amy Adams) und Melania Haushälterin (Rachel House) in einem einsam gelegenem Haus, das von Kornfeldern umgeben ist. Erst langsam begreift Klara, dass Josie im Sterben liegt.
Literatur-Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro konzentriert sich in seinem Roman „Klara und die Sonne“ auf Fragen, die mit Josies Sterben zusammenhängen. Es sind Fragen, wie man die letzten Tage verbringen soll, wie man mit dem Tod der Tochter umgeht und, weil Klara eine KF mit viel Empathie und dem Wunsch zu helfen ist, wie man mit dem Sterben einer pflegebürftigen Person umgeht. Einen Anspruch auf Realismus erhebt er dabei kaum. Dafür ist Klara zu rudimentär, realitätsfremd und eingeschränkt programmiert. Sie soll eine ‚beste Freundin‘ sein, verfügt aber nur über das Wissen eines Teddybären. Josie wird nur von einem periodisch auftauchendem Doktor behandelt. Weiteres Pflegepersonal gibt es nicht. Das ist fernab jeder gegenwärtigen und zukünftigen Realität. Innerhalb der von Ishiguro erfundenen Realität funktioniert das alles.
Taika Waititi ist bekannt für seinen bei aller Respektlosigkeit immer auch warmherzigen Humor, wie er in „5 Zimmer Küche Sarg“, „Wo die wilden Menschen jagen“ und drei „Thor“-Kinofilmen bewies. In „Jojo Rabbit“ gelang ihm die Verbindung von Humor, ernsten Themen und durchaus kindgerechter Erzählweise; – wobei „Ein Film für alle Altersstufen“ vielleicht zutreffender ist. Dagegen ist „Klara und die Sonne“ eine ziemliche Enttäuschung.
Waititi konzentriert sich in seinem Film, vor allem am Anfang, auf die Comedy-Elemente. In grotesken Posen stehen die KFs im Schaufenster und warten auf Käufer. Klara steht dabei gerne auf einem Bein. Nach Geschäftsschluss unterhalten sie sich untereinander und mit der Managerin des Geschäfts über die Welt, die sie draußen erwartet. Klara ist dabei eine besonders empathische und neugierige KF. Eine besondere Beziehung hat sie dabei zur Sonne. Für sie ist die Sonne nicht nur die Energiequelle, die sie und die anderen KFs auflädt, sondern mehr. Wenn Klara dann in Josies Haus ist, beginnt sie die Welt zu erkunden, fährt Auto (keine besonders gute Idee) und lernt eine künstliche Vogelscheuche kennen. In dieser Filmhälfte gibt es etliche gelungene Gags. Später nicht mehr. Aus der Komödie wird ein weitgehend humorfreies, oberflächliches Drama für Erwachsene über eine Mutter, die versucht, den baldigen Tod ihrer Tochter zu verarbeiten.
Dieser Stilbruch führt dazu, dass „Klara und die Sonne“ zu einem Film auf der Suche nach einem Publikum wird.
Es ist auch Waititis schwächster Film. Was schade ist, weil auf den ersten Blick eigentlich alles für den Film spricht. Jenny Ortega als Klara überzeugt. Die anderen Schauspieler, die Sets und die Kamera ebenso. Aber das Drehbuch funktioniert nicht.
Dabei hätte Waitit sich nur entscheiden müssen, ob er einen Film im Stil von „Jojo Rabbit“ oder „Next Goal Wins“ drehen möchte. In „Klara und die Sonne“ kombiniert er beide Filme und verliert.
Klara und die Sonne (Klara and the Sun, USA 2026)
Regie: Taika Waititi
Drehbuch: Taika Waititi, Dahvi Waller
LV: Kazuo Ishiguro: Klara and the Sun, 2021 (Klara und die Sonne)
mit Jenna Ortega, Amy Adams, Mia Tharia, Aran Murphy, Steve Buscemi, Natasha Lyonne, Rachel House
Was für ein Leben! Geboren am 15. November 1936 in Hamburg. Der Vater wird als Jude und Kommunist nach Auschwitz deportiert und ermordet. 1953 siedelt Wolf Biermann in die DDR über, wird Liedermacher und schnell zum Staatsfeind mit Arbeits-, Auftritts-, Publikations- und Reiseverbot. Im November 1976 darf er für ein Konzert nach Westdeutschland/BRD/Bundesrepublik Deutschland/Deutschland (ich hoffe, ich habe keine Bezeichnung für die Bonner Republik vergessen) ausreisen. Er tritt in der Kölner Sporthalle auf. Der Saal ist brechend voll. Die Stimmung gut. Danach bürgerte das SED-Politbüro ihn aus und stieß eine ungeahnte und ungeplante Solidarisierungswelle mit Wolf Biermann an.
Seitdem trat Biermann regelmäßig auf (nach dem Mauerfall auch wieder in der DDR), veröffentlichte Musikalben und mischte sich immer wieder querulantisch in die Politik ein.
Dieses Leben des trotz seiner fast neunzig Jahren junggebliebenen und immer wieder selbstironischen Künstlers rekapituliert Jens Meurer in seinem konventionellem Biopic „Bierman“. Chronologisch führt er mit Statements von Wolf Biermann, Vertrauten und Bewunderern und Archivaufnahmen durch Biermanns Leben. Meurer gibt einen guten Einblick und Überblick über Biermans Leben und Denken, aber nicht, trotz zahlreicher angespielter Lieder, in sein Werk.
Dafür erfahren wir, wie er zu seinem Bart kam.
Das sehenswerte Biopic „Biermann“ ist ein Teil der großen Wolf-Biermann-Offensive zu seinem runden Geburtstag. Neben dem Film gibt es mehrere Bücher, Musikalben und eine kleine Konzerttour.
mit Wolf Biermann, Pamele Biermann, Ulrich Gumpert, Günter ‚Baby‘ Sommer, Campino, Barbara Honigmann, Armin Mueller-Stahl, Nora Buschmann, Joachim Gauck, Van Holzen, Wolfgang Niedecken, Lina Maly, Alligatoah, (und in Archivaufnahmen) Eva-Maria Hagen, Heinrich Böll, Romy Schneider, Nina Hagen, Manfred Krug
Ehe Helen Mirren ab dem 5. November im Kino als Patricia Highsmith „Ein Talent fürs Morden“ beweist, beweist sie dies als Alma Reville in
RBB, 20.15
Hitchcock(Hitchcock, USA 2012)
Regie: Sacha Gervasi
Drehbuch: John J. McLaughlin
LV: Stephen Rebello: Alfred Hitchcock and The Making of Psycho, 1990 (Hitchcock und die Geschichte von „Psycho“)
Biopic über die Dreharbeiten zu „Psycho“ und die Beziehung zwischen Alfred Hitchcock und seiner Frau Alma Reville.
Die Dialoge sind pointiert, der Humor hitchcockian, die Schauspieler grandios, das Zeitkolorit treffend, die Faktentreue – naja, warum soll man bibeltreu bei den Fakten bleiben, wenn sie einer gelungenen Pointe im Weg stehen. Entstanden ist eine Geschichte, die in dieser Version, so meine Vermutung, Alfred Hitchcock gefallen hätte.
mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Danny Huston, Toni Collette, Michael Stuhlbarg, Michael Wincott, Jessica Biel, James D’Arcy, Kurtwood Smith, Ralph Macchio, Tara Summers
Die netten Damen von der Presseagentur machten mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann. Deshalb verlose ich 2 mal 2 Kinokarten für die am 5. November startende Krimikomödie „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“. Es handelt sich dabei um die freie und gelungenere Verfilmung von Jörg Maurers zweitem Jennerwein-Kriminalroman.
Kommissar Hubertus Jennerwein (Florian Brückner) soll herausfinden, wer das Neujahrsspringen mit einem Mordanschlag auf den gerade springenden dänischen Skispringer frühzeitig beendete. In anonymen Schreiben kündigt der Mörder weitere Taten an. Und als wäre Jennerwein nicht schon genug beschäftigt mit der Aufklärung des Mordes und der Verhinderung weiterer Taten, schaltet sich die Lokalpolitik ein. Denn der Bürgermeister und die Honoratioren möchten alles vermeiden, was die erfolgreiche Bewerbung für die olympischen Winterspiele gefährden könnte.
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Die Teilnahmebedingungen für die Verlosung
Wer mit seiner Freund:in die Krimikomödie im Kino sehen möchte, muss bis Montag, den 2. November, um 12.00 Uhr mittags (aka Gary-Cooper-Zeit) eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung Kommisar Jennerwein“ an info@axelbussmer.de schicken.
Anschließend erhalten die beiden Gewinner die Tickets und die anderen E-Mails werden gelöscht.
Im Indianerreservat Wind River im US-Bundesstaat Wyoming wird die Leiche einer jungen Indianerin gefunden. Die unerfahrene FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) und der erfahrene Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) suchen den Täter.
Grandioser Schnee-Western von Taylor Sheridan. Er schrieb die Bücher für „Sicario“ und „Hell or High Water“.
mit Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Kelsey Asbille, Jon Bernthal, Graham Greene, Gil Birmingham, Julia Jones, Teo Briones, Martin Sensmeier, Hugh Dillon, James Jordan
Ein weiterer Klassiker von Ray Bradbury, dem Autor von „Fahrenheit 451“: an Halloween fragt sich ein Junge, wo der Ursprung von Hallowen ist. Zusammen mit seinen Freunden besucht er in dieser Nacht die verschiedenen Totenfeste.
Fun Fact: seit dem 31 Oktober 2007 gibt es in Kalifornien im Disneyland einen Halloween Tree (so auch der Originaltitel der 1972 erstmals erschienenen Geschichte).
Der Gott des Gemetzels(Carnage, Frankreich/Deutschland/Polen/Spanien 2011)
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Roman Polanski, Yasmina Reza (nach ihrem Theaterstück)
Der Sohn von Nancy und Alan Cowan hat dem Sohn von Penelope und Michael Longstreet zwei Zähne ausgeschlagen. Die kultivierten Eltern treffen sich, um, ganz zivilisiert, eine Versöhnung zwischen ihnen und ihren elfjährigen Kindern auszuhandeln. Der gute Wille ist vorhanden, aber nachdem Kaffee und Kuchen gereicht werden, eskaliert der Streit. Immer wieder unterbrochen vom ständigen Klingeln des Telefons.
Großartiges Schauspielerkino (wobei Kate Winslet für meinen Geschmack etwas blass bleibt), das vier Menschen in ein New-Yorker-Apartment einsperrt. Wunderschön pointiert, schwarzhumorig und bissig geschrieben und von Roman Polanski in einer weiterer seiner Theaterverfilmungen auf den Punkt inszeniert. Atempausen gibt es nach dem Film.
„‚Der Gott des Gemetzels‘ ist ein böser, vergnüglicher, kaum subtiler und durch und durch bürgerlicher Spaß.“ (Birgit Glombitza, epd Film 11/2011)
mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly
Erster Platz auf der Krimibestenliste im September und Oktober. Das heißt: aus Sicht der die Liste erstellenden Krimikritiker:innen ist Peter Graingers erster DC-Smith-Kriminalroman „Ein unglücklicher Tod“ der Roman, dem sie die meisten Leser wünschen. Aber ist „Ein unglücklicher Tod“ wirklich so gut und hält Peter Grainger das Niveau in seinem zweiten DC-Smith-Roman? Diogenes veröffentlichte wenige Wochen nach „Ein unglücklicher Tod“ „Gnade vor Recht“. Für Dezember ist mit „Nach menschlichem Ermessen“ der dritte Band der inzwischen siebzehn Bände umfassenden Serie angekündigt. Der achtzehnte Band ist für nächstes Jahr angekündigt. Für Nachschub ist also gesorgt.
Robert Partridge, war, als er 2013 in England seinen ersten Kriminalroman „Ein unglücklicher Tod“ (An Accidental Death) im Selbstverlag unter dem Pseudonym Peter Grainger veröffentlichte, dreißig Jahre Lehrer für Englisch und Literatur. Unter seinem richtigen Namen veröffentlichte er drei Romane. Von Anfang an plante er, weil er vom Schreiben leben wollte, eine Serie und regelmäßige Veröffentlichungen. Von allen Genres, die beim Publikum beliebt sind, hatte er die größte Affinität zum Krimi-Genre. Mit dem Erfolg, den er dann beim Publikum hatte, hat er wohl selbst nicht gerechnet. Insgesamt verkauften sich seine Polizeikrimis über eine Million Mal. Inzwischen erscheinen sie nicht mehr im Selbstverlag, sondern in seiner Heimat bei Penguin Random House UK. Im deutschsprachigen Raum erscheinen sie bei Diogenes.
Dort erschien im Sommer „Ein unglücklicher Tod“. Eine Gruppe Jugendlicher verbringt mit all den Dingen, die zu einer jugendlichen Spontanfeier gehören, einen Sommernachmittag am Fluss. Dabei ertrinkt der siebzehnjährige Wayne Fletcher. Er hatte vorher Alkohol und Cannabis zu sich genommen. Nach dem ersten Eindruck handelt es sich um einen tragischen Badeunfall. Eine unglückliche Kombination von Hitze, Drogen und Selbstüberschätzung beim Schwimmen. Bei der Obduktion fällt eine merkwürdige Prellung auf.
Der kurz vor der Pensionierung stehende Smith beginnt, mit seinem sich noch in Ausbildung befindendem Kollegen Chris Waters zu ermitteln. Er befragt die anderen Jugendlichen, erkundet die Gegend und er fragt sich, ob ein sich merkwürdig verhaltender Kanufahrer etwas gesehen hat.
Der zweite DC-Smith-Kriminalroman „Gnade vor Recht“ spielt unmittelbar nach „Ein unglücklicher Tod“. Er enthält auch einige Spoiler zu diesem Roman, die vollumfänglich wahrscheinlich nur von denen verstanden werden, die „Ein unglücklicher Tod“ kennen.
In „Gnade vor Recht“ stirbt am 6. Dezember Joan Riley in dem noblen Altersheim Rosemary House. Dass alte Menschen im Altersheim sterben, ist nicht ungewöhnlich. In diesem Fall fällt der Gerichtsmedizin allerdings auf, dass Joan Riley an einer Überdosis Morphium starb. Und damit wird der Tod zu einem Fall für DC Smith, der ohne wirkliche Spuren ermitteln muss. Denn seit Rileys Tod ist ein Monat vergangen.
„Ein unglücklicher Tod“ und „Gnade vor Recht“ sind angenehm altmodische Ermittlerkrimis mit angenehm normalen Ermittlern. Peter Graingers DC Smith steht eindeutig in der Traditon klassischer Ermittler wie Colin Dexters Inspector Morse. Smith ist schon seit dreißig Jahren Polizist. Der Witwer könnte problemlos in den Ruhestand gehen. Stattdessen arbeitet er wieder, auf eigenen Wunsch, als Detective Sergeant. In diesem Rang ist er von Verwaltungs- und Führungstätigkeiten befreit. Er kann ermitteln.
Der Fall selbst ist beide Male nicht sonderlich spektakulär. Beide Male beginnen die Ermittlungen eher zufällig, weil bei dem Toten etwas entdeckt wird, das aus einem natürlichen Tod einen potentiellen Mord macht. Beide Male ist die Zahl der Verdächtigen überschaubar und beide Male dürften erfahrene Krimileser schnell eine Idee haben, wer der Täter ist und was sein Motiv ist.
Grainger erzählt dies unaufgeregt, mit dem Blick für Details, spürbarer Sympathie für die Figuren, strikt an dem Fall orientiert und in überschaubarer Länge. Das gilt eindeutig für „Ein unglücklicher Tod“ (272 Seiten) und etwas weniger für „Gnade vor Recht“ (352 Seiten). Denn in seinem zweiten, achtzig Seite längerem Kriminalroman gibt es, neben kurzen Ausflügen in DC Smiths Privatleben (wie es sich für einen klassischen Ermittler gehört, hört er nach Feierabend allein in seiner Wohnung Musik) und die Arbeit in der Polizeistation, zwei private Subplots mit DC Smith und einige Rückblicke auf den ersten DC-Smith-Roman. Trotzdem steht auch hier der Fall und der Tatort, ein nobles Altersheim, seine Bewohner und das Personal, eindeutig im Zentrum der Geschichte.
Zwischen all den durchgeknallten Serienkillerthrillern, banalen Schmunzel- und Regiokrimis sind die beiden jetzt auf Deutsch erschienenen DC-Smith-Kriminalromane Krimi-Graubrot. Und wer schon einmal einen Monat in den USA verbrachte und sich nur von dem dortigen Brot(ersatz) ernähren musste, weiß, wie gut danach eine Scheibe Graubrot schmeckt.
Der Mann aus dem Westen (Man of the West, USA 1958)
Regie: Anthony Mann
Drehbuch: Reginald Rose
LV: Will C. Brown: The Border Jumpers, 1955
1874: Link Jones hat die Verbrecherlaufbahn zugunsten eines bürgerlichen Lebens aufgegeben. Als er während einer eines Zugüberfalls mit zwei Mitreisenden zurückbleibt führt er sie in eine Hütte, in der sie bereits von seinen alten Freunden erwartet werden. Ihr Anführer freut sich, dass das verlorene Schaf wieder zurückgekehrt ist. Aber ist das so?
Als der Film in die Kinos kam, war er bei der Kritik und dem Publikum ein Reinfall. Die französischen Kritiker waren begeistert und heute zählt „Der Mann aus dem Westen“ zu den anerkannten Western-Klassikern.
„’Man of the West’ zählt mit ‚The Naked Spur’ und ‚The Far Country’ zu seinen besten Western und damit zu de Hauptwerken des Genres überhaupt.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)
„Gary Coopers erste und einzige Begegnung mit dem Meisterregisseur Anthony Mann resultierte folgerichtig in dem ersten und einzigen wirklich großen Western seiner langen Karriere.“ (Homer Dickens: Gary Cooper und seine Filme)
„Mit Anthony Mann entdecken wir den Western als Arithmetik, wie in der ersten Mathematikstunde. Was bedeutet, dass ‚Der Mann aus dem Westen’ der intelligenteste aller Filme ist und zugleich der einfachste.“ (Jean-Luc Godard, Cahiers du Cinéma)
Reginald Rose schrieb auch die Drehbücher für „Die zwölf Geschworenen“ (nach seinem Theaterstück), „Ist das nicht mein Leben?“, „Die Wildgänse kommen“, „Die Seewölfe kommen“, „Das Kommando“ und „Wildgänse II – Sie fliegen wieder“.
Anschließend, um 21.50 Uhr, zeigt Arte die 55-minütige Doku „Gary Cooper – Der Unwiderstehliche“ (Frankreich 2020).
Mit Gary Cooper, Julie London, Lee J. Cobb, Arthur O’Donnell, Jack Lord
LV: Francis Beeding: The house of Dr. Edwardes, 1927 (Pseudonym von John Leslie Palmer und Hilary Aidan St. George Sanders)
Dr. Edwardes kommt als neuer Direktor in die Psychiatrie. Seine Kollegin Constance Petersen findet heraus, dass der wirkliche Dr. Edwardes ermordet wurde. Der Falsche behauptet, er könne sich an nichts erinnern.
Hitchcock wollte den ersten Film über die Psychoanalyse drehen. Nach eigenen Worten gelang ihm allerdings nur ein Thriller mit einer imposanten, von Salvador Dali gestalteten, Traumsequenz. Kritik und Publikum gefiel der Film.
Danach geht es planerisch bestenfalls halbgelungen (Warum wurde um 20.15 Uhr kein Rossellini-Film gezeigt?) um 22.00 Uhr mit „Legendäre Liebespaare des Kinos: Ingrid Bergman und Roberto Rossellini“ (Frankreich 2018) und um 22.55 Uhr mit der neuen, einstündigen Doku „Roberto Rossellini – Leben ohne Drehbuch“ (Frankreich/Italien/Litauen 2025) weiter.
Mit Ingrid Bergman, Gregory Peck, Michael Chekhov, Rhonda Fleming, Leo G. Carroll, John Emery
Schöne neue Welt: in Johannesburg räumen Polizeiroboter unter den Verbrechern auf. Das Law&Order-Programm läuft etwas aus dem Ruder, als ein Programmierer einem dieser Roboter zu einem denkenden Roboter machen und ein Kleingangsterpaar sich diesen kindlich naiven Roboter schnappt und ihn, uh, erzieht.
Neill Blomkamps „Robocop“-Version, die ohne Not all die politischen, moralischen, gesellschaftskritischen und ethischen Implikationen und Fragen zugunsten einer banalen, mit Filmzitaten, Gewalt und zwiespältigem Humor gewürzten Erziehungsgeschichte links liegen lässt.
Die schon etwas ältere Olga (Teresita Sánchez) lebt in Mexiko-Stadt ein eintöniges Leben zwischen Lebensmitteleinkäufen, Sudoku-Spielen und ihrer Wohnung. Dort kämpft sie – erfolglos – gegen Stubenfliegen. Weil sie Geld braucht, vermietet sie ein Zimmer unter an den aus Oaxaca kommenden Tulio (Hugo Ramirez). Seine Frau liegt todkrank im nahe gelegenem Krankenhaus. Er will bei ihr sein. Er ist höflich, zurückhaltend und bemüht sich alle Bedingungen von Olga zu erfüllen und möglichst wenig aufzufallen. Das liegt auch daran, dass er nicht allein gekommen ist, sondern von seinem abgöttisch geliebtem neunjährigen Sohn Cristian (Bastian Escobar) begleitet wird. Olga hat er nichts von ihm gesagt. Jede Nacht, wenn Olga schläft, bringt er ihn in die Wohnung.
Selbstverständlich entdeckt Olga eines Tages den ihr verschwiegenen Untermieter.
Und ebenso selbstverständlich entwickelt sich eine Beziehung zwischen der mürrischen Frau und dem aufgewecktem Kind. Ein wichtige Rolle spielt dabei ein „Cosmic Defender Pro“-Spielautomat und Cristians Wunsch, seine Mutter im Krankenhaus zu besuchen.
Auf der Berlinale kam „Moscas – Fliegen und andere Gäste“ von Fernando Eimbcke beim Publikum gut an. Der Film, der im Wettbewerb lief, erhielt den Preis der Leserjury der Berliner Morgenpost und den Preis der Ökumenischen Jury.
Eimbcke erzählt seine handlungsarme, überrraschungsfreie Geschichte über das Leben und Sterben in atmosphärischen SW-Bildern. Er konzentriert sich auf seine drei Hauptfiguren, ihr Leben und wie sie miteinander interagieren. Das Ergebnis überzeugt.
Moscas – Fliegen und andere Gäste (Moscas, Spanien/Mexiko 2026)
Regie: Fernando Eimbcke
Drehbuch: Vanesa Garnica, Fernando Eimbcke
mit Teresita Sánchez, Bastian Escobar, Hugo Ramírez
New York in den späten Siebzigern: FBI-Agent DiMaso will einen korrupten Bürgermeister überführen. Dabei sollen ihm der Betrüger Rosenfeld und seine Geliebte helfen.
Durchaus vergnügliche, aber auch von sich selbst zu sehr überzeugte Mega-Retro-Gaunerkomödie, die auf einem wahren Fall basiert.
mit Christian Bale, Amy Adam, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner, Jack Huston, Michael Peña, Louis C. K., Shea Whigham, Elisabeth Rohm, Barry Primus, Robert De Niro