Die Unbestechlichen – The Untouchables (The Untouchables, USA 1987)
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: David Mamet
Grandioser Gangsterfilm über den Kampf von Eliot Ness und seiner unbestechlichen Mitstreiter gegen Al Capone.
„Mit der ihm eigenen formalen Brillanz hat Brian De Palma diesen authentischen Fall inszeniert. Seine Liebe zum Detail, ausgeklügelte Kamerafahrten und Einstellungen, Ennio Morricones emotionaler Soundtrack und die lakonisch-präzise Charakterisierung der Personen machen den Film zu einem Augen- und Ohrenschmaus.“ (Fischer Film Almanach 1988)
Sean Connery gewann den Oscar als bester Nebendarsteller.
Mit Kevin Costner, Robert de Niro, Sean Connery, Charles Martin Smith, Andy Garcia, Jack Kehoe
Hätte einer der vielen französischen Unternehmer, denen er in den vierziger Jahren seine damals visionären Erfindungen zeigte, sie gekauft oder ihn angestellt, wäre der polnische Flüchtling Jan Bojarski (Reda Kateb) vielleicht nie zum „Leonardo da Vinci der Geldfälscher” und zum „Cézanne des Falschgeldes” geworden. Schon während des Zweiten Weltkriegs fälscht er in Frankreich Pässe. Später, um seine Familie zu ernähren, französische Geldscheine. Die meiste Zeit seiner Karriere arbeitet er allein. Mit den brachialen Methoden einer Gangsterbande, zu der er in den frühen fünfziger Jahren kurz gehört, ist er nicht einverstanden. Er ist ein Gewalt ablehnender Tüftler.
Fortan stellt er die Blüten im heimischen Keller her. Die Druckplatten, die Farben, das Papier (mit in ganz Frankreich zusammengekauftem OCB-Zigarettenpapier als Grundlage) und die Druckerpresse stellt er in zeitintensiver Heimarbeit selbst her. Anschließend verteilt er die Blüten im ganzen Land. Dabei befolgte er einige Regeln, die seine Entdeckung verhindern sollen und die dazu führen, dass die Polizei vermutet, dass die bewundernswert guten Blüten, die in Details sogar besser als die Originale sind, von einer mehrköpfigen Bande in Umlauf gebracht werden.
Währenddessen jagt ihn Kommissar Mattei (Bastien Bouillon). Er ist von den handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten des Fälschers fasziniert und frustriert, weil er über Jahre, entgegen jeder Wahrscheinlichkeit, keine heiße Spur.
Einmal treffen Bojarski und Mattei, so erzählt Jean-Paul Salomé es in seinem Krimi „Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski”, in Vichy in einer Hotelbar aufeinander. Das Gespräch erinnert Krimifans selbstverständlich an das Gespräch zwischen Al Pacino und Robert De Niro in Michael Manns Neo-Noir-Gangsterthrillerklassiker „Heat”. Auch wenn Mattei Bojarski ähnlich obsessiv jagt, ist Salomés Film kein Actionthriller, sondern ein traditionsbewusster Noir, der sich gekonnt in die Tradition des französischen Kriminalfilms der fünfziger und sechziger Jahre stellt. Er hat, passend zur Profession des Protagonisten, einen Blick für Details und viel Geduld beim Erzählen seiner Geschichte. Salomés Fokus beim Erzählen liegt auf den Figuren, ihren Handlungen und Beziehungen.
„Der perfekte Schein” basiert auf der wahren Geschichte von Jan Bojarski (15. Oktober 1912 in Lancut, Österreich-Ungarn – 2. Mai 2003 in Saint-Sauveur, Départment Isere). Im Januar 1964 wurde er durch eine Verkettung von Zufällen verhaftet und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen guter Führung wurde er nach 13 Jahren entlassen.
Weil etliche Details in Bojarskis Leben als Verbrecher nicht vollständig geklärt sind, beispielsweise, was seine Frau wusste, nahm Salomé sich Freiheiten. Das Ergebnis ist ein stimmiger Retro-Krimi – mit einem äußerst sympathischem, introvertiertem Verbrecher, der einfach nur ein kleinbürgerlich-gutes Leben für seine Familie und sich will, als Protagonisten.
Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski(L’Affaire Bojarski, Frankreich 2025)
Regie: Jean-Paul Salomé
Drehbuch: Jean-Paul Salomé, Bastien Daret, Delphine Gleize (in Zusammenarbeit mit) (nach einer Idee von Marie-Pierre Huster)
mit Reda Kateb, Sara Giraudeau, Bastien Bouillon, Pierre Lottin, Quentin Dolmaire, Victor Poirier, Olivier Loustau
Kingsman: The Golden Circle(Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
LV: Mark Millar/Dave Gibbons: The Secret Service, 2012/2013 (Secret Service) (naja, eigentlich „Inspiration“)
Nachdem Bösewichter die Zentrale der Kingsman zerstörten, müssen die distinguierten britischen Agenten Eggsy und Merlin sich mit ihrer US-amerikanischen Partnerorganisation, den Statesman, deren Zentrale in Kentucky einer Whiskey-Destillerie ist, zusammentun.
Witzige, mit hundertvierzig Minuten zu lang geratene Agentenkomödie, mit einer chaotischen Story und viel Action, die um 20.15 Uhr wahrscheinlich in einer gekürzten Version gezeigt wird.
mit Taron Egerton, Julianne Moore, Colin Firth, Mark Strong, Channing Tatum, Halle Berry, Jeff Bridges, Pedro Pascal, Edward Holcroft, Elton John, Hanna Alström, Tom Benedict Knight, Michael Gambon, Sophie Cookson, Björn Granath, Lena Endre, Poppy Delevingne, Bruce Greenwood, Emily Watson
2026 sitzt ein Mann in einem großen, im brutalistischen Stil gebautem, mit teuren Kunstwerken dekoriertem Haus in seinem Arbeitszimmer an seinem Laptop. Der ungefähr sechzigjährige Filmregisseur Raùl Rossetti (Leonardo Sbaraglia) schreibt gerade an seinem neuen Drehbuch.
Im Dezember 2004 stürzt sich die Werbefilmregisseurin Elsa (Barbara Lennie) in die Arbeit. Nach einer Panikattacke beginnt sie über ihr Leben nachzudenken. Vor Jahren inszenierte sie zwei Flops, die zu Kultfilmen wurden. Vielleicht könnte sie wieder einen Film drehen. Sie beginnt eine Geschichte zu schreiben.
Elsa existiert nur in der Fantasie von Raùl. Sie, ihr Umfeld und ihre Erlebnisse setzten sich aus den Menschen und deren Erlebnissen zusammen, die der sehr zurückgezogen lebende Regisseur kennt.
Nachdem Pedro Almodóvar in „Leid und Herrlichkeit“ (2019) deutlich gelungener von der Sinnkrise eines Regisseurs erzählte und munter spekuliert wurde, wie nah der Film an Almodóvars Leben ist, treibt er dieses jetzt Spiel weiter voran. Er schichtet mehrmals Metafiktion und Reflektion über Metafiktion auf Metafiktion und Reflektion über Metafiktion. Beginnend mit dem Regisseur, der einen autofiktionalen Text über eine Regisseurin schreibt, die ein Drehbuch schreibt und mit ihren Figuren redet.
Als intellektuelles Spiel und seine Konstruktion offen ausstellendes und ständig thematisierendes Gedankengebäude ist diese Herangehensweise als formales Experiment interessant. Als Film nicht unbedingt.
In diesem Fall ergibt das intellektuelle Spiel mit den verschiedenen Ebenen einen hermetisch abgeschlossener Raum, inszeniert mit starren Einstellungen, wenig Bewegung von der Kamera und den Schauspielern und noch weniger Geschichte. Almodóvar präsentiert vor allem Episoden und reflektierende Gespräche darüber. Wunderschön in ihrer Absurdität ist beispielsweise die Episode, in der eine Ärztin bei ihrer Patientin Elsa einen Mann wiedererkennt, ihn fragt, woher sie ihn kenne und sich anschließend mit ihm sehr interessiert über seine Arbeit unterhält. Überlang sind, nach „Magic Mike“, die Striptease-Szenen. Welche Figur in Elsas Plot welche Figur in Raùls Leben ist, bleibt dabei durchaus offen für Interpretationen. Das liegt auch daran, dass Almodóvar eher wenig über Raùls Leben erzählt und erfundene Geschichten immer wieder verändert werden können. Aber Raúls Assistentin Mónica erkennt sich in der ersten Fassung des von Raùl geschriebenem Drehbuch sofort wieder.
Eigentlich erzählt Almodóvar in seinem neuesten Film „Bitteres Fest“ die Geschichte vor der eigentlichen Filmgeschichte. Er räumt den Schreibtisch auf, ehe er sich an den Computer setzt, „Szene 1“ tippt und beginnt eine Geschichte zu erzählen, die auf den ersten, zweiten und auch dritten Blick nichts mit ihm zu tun hat.
Das ist, wie gewohnt bei Pedro Almodóvar, fein inszeniert, gut gespielt und auch gut konstruiert in seiner multiplen Verschachtelung zwischen Zeitebenen, Plots und Interpretationsmöglichkeiten. Aber es fehlen die aus seinen früheren Filmen bekannte Lebendigkeit und Lebensfreude. „Bitteres Fest“ überzeugt nur als intellektuelles, sich selbst genügendes, braves Gedankengebäude. Für einen Almodóvar-Film ist das etwas wenig.
Bitteres Fest(Amarga Navidad, Spanien 2026)
Regie: Pedro Almodóvar
Drehbuch: Pedro Almodóvar
mit Barbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aitana Sánchez Gijón, Victoria Luengo, Patrick Criado, Milena Smit, Quim Gutiérrez, Rossy de Palma, Carmen Machi, Gloria Muñoz, Amaia Romero
Es war einmal; – eigentlich ist es noch nicht so lange her: 2020 inszenierte Cesc Gay, basierend auf seinem Theaterstück, die spanische Komödie „Sentimental“. Seitdem gab es Remakes in Italien, der Schweiz, Frankreich und Südkorea. Und jetzt gibt es ein US-Remake. Olivia Wilde verlegte das spanische Stück, ohne große Änderungen, nach San Francisco.
Wieder geht es um eine nachbarschaftliche Einladung zum Kennenlernen bei einem Abendessen. Angela (Olivia Wilde) hat die neuen Mieter Hawk (Edward Norton) und Pina (Penélope Cruz) eingeladen. Ihr Mann Joe (Seth Rogen) ist nicht begeistert über diese spontane Einladung. Der Musikprofessor hat sich auf einen ruhigen Abend eingestellt. Mit den neuen Mietern, die ihn vor allem mitten in der Nacht mit lauten Geräuschen von ihrem extrem lustvollem Geschlechtsverkehr stören, will er nichts zu tun haben. Jedenfalls nicht heute Abend.
Aber da klingeln sie schon. Das anschließende Gespräch entwickelt sich anders als geplant. Zuerst entschuldigen Pina und Hawk sich für ihren lauten Sex. Sie und einige ihrer Freunde, die teils für den extrem hörbaren Geschlechtsverkehr verantwortlich sind, würden einfach manchmal alles um sich herum vergessen. Notgedrungen erklärt Joe, dass sie das nicht störe. Hawk nennt ihn lächelnd einen Lügner. Munter umkreisen die beiden Ehepaare sich. Während Angela und Hawk schon seit fünfzehn Jahren verheiratet sind und ihre Ehe zu einer öden Zweckgemeinschaft verkommen ist, genießen Hawk und Pina ihre noch junge offene und offen ausgelebte Liebe. Immer geht es bei den Gesprächen um Sex, Beziehungen, Enttäuschungen, emotionale Verletzungen und die Nähe zwischen beiden Wohnungen. Denn man hört nicht nur Geräusche, sondern kann auch in die andere Wohnung blicken. Irgendwann erfährt Joe, dass Hawk so seine nackte Frau ansehen kann und sie es genießt, von ihm angesehen zu werden.
Etwas später fragt der ehemalige, in sich ruhende Feuerwehrmann Hawk, ob sie nicht jetzt sofort alle zusammen Sex haben sollten. Kondome habe er dabei und er freue sich schon auf einen Partnertausch.
Bei Disney heißt es Live-Action-Remake und die Kritiken sind teils desaströs. Ein Grund ist, dass die gut verfügbaren Originale allseits bekannt und beliebt sind. Im Fall von „The Invite“ (und anderer Remakes, bei denen eigentlich nur Schauspieler und Drehort ausgetauscht wurden) sind das Original und die anderen Versionen unbekannter. Da drängt sich dann eher der Vergleich zum Theater auf. Dort ist es normal, wenn ein anderer Regisseur auf einer anderen Bühne mit anderen Schauspielern das gleiche Stück nochmal inszeniert. Es ja auch nicht so, dass man eine Inszenierung, wie einen Film, immer und überall sehen kann.
Außerdem wurden wegen der bekannten Unlust der US-Amerikaner, synchronisierte oder untertitelte Filme anzusehen, schon immer starbesetzte 1-zu-1-Remakes von Filmen gemacht, die in anderen Ländern ein Publikumserfolg waren. Für die Kenner des Originals sind diese Remakes oft in verschiedenen Abstufungen uninteressant.
Das gilt auch für „The Invite“. Die Schauspieler – Seth Rogen, Olivia Wilde, Penélope Cruz und Edward Norton – sind gut. Wobei ich mich fragte, warum Seth Rogen und Edward Norton nicht ihre Rollen tauschten. Denn Edward Norton wirkt als sexpositiver Feuerwehrmann nie glaubwürdig.
Die sich in einer Wohnung spielende Geschichte weckt auf den ersten Blick Erinnerungen an Roman Polanskis Theaterverfilmung „Der Gott de Gemetzels“. In diesem Vier-Personenstück eskaliert die gänzlich andere Geschichte allerdings konsequenter und glaubwürdiger.
In „The Invite“, das ebenfalls auf einem Theaterstück basiert, wirkt die Geschichte immer wieder formelhaft. Die Wendungen ergeben sich nicht aus der Geschichte, sondern dem Wunsch des Drehbuchautors, alle zehn Minuten eine überraschende Wendung zu präsentieren.
P. S.: Für nächstes Jahr ist eine niederländisch-belgische Verfilmung des Stücks angekündigt. Irgendetwas muss dieses Gespräch über Sex und Beziehungen haben.
The Invite(The Invite, USA 2026)
Regie: Olivia Wilde
Drehbuch: Will McCormack, Rashida Jones (basierend auf dem Theaterstück „Los vecinos de arriba“ von Cesc Gay)
mit Seth Rogen, Olivia Wilde, Penélope Cruz, Edward Norton
Being Hipp – First Lady of European Jazz(Deutschland 2025)
Regie: Anna Schmidt
Drehbuch: Anna Schmidt
55-minütige Doku über die in Leipzig geborene Jazz-Pianistin Jutta Hipp (1925 – 2003), die in den 50er Jahren in den USA erfolgreich war und auch auf Blue Note veröffentlichte.
Danach geht’s jazzig weiter mit „Louis Armstrong & His All Stars“ (Friedrichstadtpalast 1965, um 23.35 Uhr), „James ‚Blood‘ Ulmer sowie Barbara Dennerlein“ (Jazzbühne Berlin 1985 und 1988, um 01.25 Uhr) und „Betty Carter & her Trio“ (Jazzbühne Berlin 1985, um 02.50 Uhr).
Spider-Man, der freundliche Superheld aus und für die Nachbarschaft ist zurück. Wieder wird er von Tom Holland gespielt. MJ (Zendaya) und Ned Leeds (Jacob Batalon) sind wieder dabei. Aber nachdem Spider-Man vor vier Jahren die Welt rettete, musste er dafür sorgen, dass sich niemand mehr an Peter Parker erinnert.
Jetzt dreht sich in Spider-Mans Welt alles um das Schnappen von die Nachbarschaft und die Stadt in Angst und Schrecken versetzende Räuber. Die Kriminalitätsrate sinkt immer weiter. Die New Yorker können wieder Subway fahren und nach Einbruch der Dunkelheit ohne Angst vor Überfällen nach Hause gehen.
Und nun kommen wir zu einem zweigeteilten Probleme. Einerseits bittet der Verleih, wie immer bei Blockbustern, um spoilerfreie Besprechungen, andererseits hat der Film auch wenig „Geschichte“. Der „Gegner“ von Spider-Man ist etwas, das von einem Mensch zu einem anderen Mensch springen und seinen Körper und Geist übernehmen kann. Er kann aber nicht in den Geist von Spider-Man dringen. In dem Moment und lange ist unklar, ob dieses Wesen wirklich in diesem Film Spider-Mans Hauptgegner oder nur ein Handlanger des Bösewichts ist. Das erste Mal trifft Spider-Man auf dieses Wesen, als es den Verbrecher Scorpion aus einem Hochsicherheitsgefängnis befreit.
Im folgenden treten dann viele alte Bekannte aus dem Spider-Man- und Marvel-Universum auf. Teils in der aktuellen Hauptgeschichte, teils in Erinnerungen (was ein eleganter Weg ist, um auch einigen Verstorbenen einen weiteren Auftritt zu verschaffen). Die meisten dieser kurzen Auftritte sind nicht störender Fan-Service. Das gilt auch für den „Punisher“ Frank Castle (Jon Bernthal), der in der zweiten Hälfte des Films eine größere Rolle hat. Der skrupellos Bösewichter tötende Rächer ist in fast jeder Beziehung der Gegenentwurf zu Spider-Man. Dies führt, sobald sie gemeinsam gegen den Bösewicht vorgehen, zu einigen hitzigen Wortgefechten.
Trotz zahlreicher ziemlich spektakulärer Actionszenen (wobei das Finale in dieser Hinsicht enttäuscht) erzählt Destin Daniel Cretton in seinem ersten Spider-Man-Film keine Geschichte, in der der Held gegen den Bösewicht der Woche kämpft und die Stadt vor dem Untergang rettet. Er konzentriert sich einerseits auf Peter Parkers Erwachsenwerden und seinen damit verbundenen Abschied von seiner Jugend. Die Schule ist vorbei. MJ und Ned schließen gerade ihr Studium ab. Freundschaften können zerbrechen. Er muss seine Identität verbergen.
Dieser thematisch wenig spannende, aber in vielen Episoden, wenn er MJ und Ned trifft, vergnügliche Strang gehört zum festen Spider-Man-Repertoire, wie in den Batman-Geschichten Diskussionen über Vigilantentum und die Ähnlichkeit zwischen Batman und den Bösewichtern, gegen die er kämpft.
Deutlich interessanter und zum Nachdenken anregend ist der zweite thematische Strang des Superheldenfilms. Schon am Anfang, wenn Spider-Man im Department of Damage Control (DODC) einer Gruppe begegnet, die er früher bekämpfte, wird die Botschaft des Films angesprochen. Jetzt kämpften sie, so erklärt DODC-Direktor Bill Metzger (Tramell Tillman) Spider-Man, auf der Seite der Guten. Die Aufgabe seiner Behörde sei es, Schäden zu verhindern. Das gelinge vor allem, indem sie die Fähigkeiten der Menschen in die richtigen Bahnen lenkten. Fundamental dafür ist die Annahme, dass Menschen und in verschiedenen Abstufungen nichtmenschliche Wesen (wir sind hier ja in der Welt der Superhelden und Superschurken) sich ändern können und dass „gut“ und „böse“ keine unveränderlichen Zuschreibungen sind. Metzger sagt es nicht ausdrücklich, aber natürlich erinnert dieser Ansatz an Professor Charles Francis Xaviers School for gifted Youngsters; – wobei Xavier seine Schüler in den X-Men-Geschichten vor allem lernte, mit ihren Fähigkeiten verantwortungsvoll umzugehen.
Dieser Ansatz und der den ganzen Film durchziehende Glaube an das Gute im Menschen und die Veränderbarkeit des einzelnen Menschen machen aus „Brand New Day“ einen Gegenentwurf zur Tagespolitik, vor allem in den USA, wo sich die einzelnen politischen Lager immer mehr in ihre Schützengräben zurückziehen, dem Gegner alle Schandtaten unterstellen, Empathie für eine Schwäche halten und nicht daran glauben, dass Menschen sich verändern können.
Der Preis für diesen sehr sympathischen Ansatz ist, dass sich schon lange vor dem Filmende die Frage stellt, wer denn der Bösewicht des Films ist. Angesichts der vielen Marvel-Bösewichter der vergangenen Jahren, an die man sich schon einige Minuten nach dem Abspann kaum noch erinnern konnte, ist das nicht wirklich ein Makel. Es ist eher die konsequente Fortführung eines Konzepts.
Davon abgesehen setzt Destin Daniel Cretton nahtlos den Stil der vorherigen drei „Spider-Man“-Filme fort. Die liefen zwischen 2017 und 2021 im Kino, wurden von Jon Watts inszeniert und Holland spielte immer Peter Parker.
P. S.: Dank der Magie der Fördergelder ist „Brand New Day“ auch ein deutscher Film.
P. P. S.: Nach dem Abspann gibt es eine Miniszene, eigentlich nur ein kurzer Witz, und das, wenig überraschende Versprechen, dass es einen weiteren Spider-Man-Film geben wird.
Spider-Man: Brand New Day(Spider-Man: Brand New Day, USA 2026)
Regie: Destin Daniel Cretton
Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Justin Kuritzkes (basierend auf der von Stan Lee und Steve Ditko erfundenen Figur)
mit Tom Holland, Zendaya, Jacob Batalon, Mark Ruffalo, Sadie Sink, Jon Bernthal, Michael Mando, Marvin Jones III, Zabryna Guevara, Tramell Tillman, Liza Colón-Zayas, Florence Pugh
Vera Drake (Vera Drake, Großbritannien/Frankreich/Neuseeland 2004)
Regie: Mike Leigh
Drehbuch: Mike Leigh
London in den Fünfzigern: Die aus der Arbeiterklasse kommende Vera Drake ist eine herzensgute Seele und führt kostenlos Abtreibungen durch. Sie will den Schwangeren helfen. Als die Polizei ihr auf die Schliche kommt und Anklage erhoben wird, steht ihre Familie vor der Frage, wie sie damit umgehen soll.
Hochgelobtes Drama, das unter anderem mit drei BAFTAs (Regie, Hauptdarstellerin und Kostüme) und sechs British Independent Film Awards (Bester britischer Independent-Film, Regie, Hauptdarstellerin, Hauptdarsteller, Nebendarsteller und beste Produktion) ausgezeichnet wurde.
mit Imelda Staunton, Richard Graham, Eddie Marsan, Anna Keaveney, Alex Kelly, Daniel Mays, Phil Davis, Lesley Manville, Sally Hawkins
LV: Kerry Howley: Who Is Reality Winner? (New York Magazine, 25. Dezember 2017, Reportage)
In dem schwarzhomorigen Biopic wird die Geschichte der Whistleblowerin Reality Winner erzählt. Sie war von 2010 bis 2016 in der United States Air Force. Danach arbeitete sie für ein NSA-Subunternehmen (National Security Agency). Dort entdeckte sie einen NSA-Report über einen Versuch russicher Hacker, die US-Präsidentenwahl von 2016 zu beeinflussen. Sie gab den Bericht zur Veröffentlichung an „The Intercept“ weiter. Anschließend wurde sie verhaftet und im August 2018 zur bislang längsten Strafe für die nicht autorisierte Weitergabe von staatlichen Informationen an die Medien (63 Monate) verurteilt.
Im Juni 2021 wurde sie vorzeitig aus der Haft entlassen. Ihre Bewährung endete im November 2024.
Kurz nach der Premiere von „Winner“ auf dem Sundance Film Festival kam bei uns „Reality“ (Reality, USA 2023) in die Kinos. Tina Satter konzentriert sich in ihrem grandiosen Film auf das erste Gespräch zwischen Reality Winner (Sydney Sweeney [grandios!]) und den FBI-Beamten, die sie wegen Geheimnisverrats verhaften wollen.
mit Emilia Jones, Connie Britton, Zach Galifianakis, Kathryn Newton, Danny Ramirez, Kristian Jordan
Im Rausch der Tiefe – The Big Blue (La grand bleu, Frankreich/USA/Italien 1988)
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson, Roger Garland
Bildgewaltiges Drama über zwei Kinderfreunde, die begeisterte Taucher sind und jetzt gegeneinander antreten. Es geht um den Weltrekord im Tauchen ohne Sauerstoffgerät.
Ein frühes Werk von Luc Besson, das in Frankreich ein Kassenhit war.
mit Jean-Marc Barr, Jean Reno, Rosanna Arquette, Paul Shenar, Sergio Castellitto, Jean Bouise, Griffin Dunne
James Bond 007: Casino Royale (Casino Royale, USA 2006)
Regie: Martin Campbell
Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade
LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)
James Bond soll Le Chiffre, den Finanzier eines weltweiten Terrornetzwerkes, ausschalten.
Nach allgemeiner Einschätzung ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Offizielle Zählung) einer der fünf besten, vielleicht sogar – vor “Skyfall” – der beste Bond-Film. Niemand hatte mit dieser umfassenden Revitalisierung des Mythos James Bond für das neue Jahrhundert gerechnet. Die weiteren Craig-Bonds sind dann eine erstaunlich zwiespältige Angelegenheit.
Der erste Auftritt von Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät ist ein spannender Thriller mit einem viel zu langen Ende. Denn nachdem Le Chiffre tot ist, ist der Film noch lange nicht zu Ende.
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.
Mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wrigth, Judi Dench, Giancarlo Giannini
Die wandernde Erde II (liúlàng dìqiú II, China 2023)
Regie: Frant Gwo
Drehbuch: Yang Zhixue, Gong Geer, Frant Gwo, Ruchang Ye
LV (Idee): Cixin Liu: liúlàng dìqiú (Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in Science Fiction World, Juli 2000) (deutsche Veröffentlichung: Die wandernde Erde, 2019)
Was geschah, bevor die Erde sich, um einer explodierenden Sonne zu entgehen, auf die hundert Generationen dauernde Wanderschaft in ein anderes Sonnensystem begab?
Dieses gut dreistündige Science-Fiction-Spektakel beantwortet diese Frage höchst kurzweilig im Geist von Roland Emmerich.
Und weil dieser zweite Teil die Vorgeschichte zum ersten Teil erzählt, muss man sich den ersten Teil nicht vor dem zweiten Teil ansehen.
Beginnen wir mit der offiziellen Kurzsynopsis von „Dreams – Gefährliches Verlangen“:
„Jennifer ist ebenso reich wie attraktiv und genießt ein glamouröses Leben als Philanthropin in der amerikanischen High Society. Niemand ahnt, dass sie während ihrer regelmäßigen Aufenthalte in Mexiko eine leidenschaftliche Beziehung mit dem jungen Balletttänzer Fernando führt – einem vielversprechenden Talent ihrer Kulturstiftung. Verliebt und voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft in den USA wagt Fernando eines Tages den gefährlichen Weg über die Grenze. Als er plötzlich in Jennifers luxuriösem Apartment in San Francisco auftaucht, gerät ihre sorgfältig kontrollierte Welt aus den Fugen.“–
Michel Franco beginnt seinen neuen Film mit dem illegalen Grenzübertritt von Fernando, der damit endet, dass ihr Schleuser sie irgendwo in der Wüste ohne Wasser zurücklässt. Fernando schlägt sich auf eigene Faust nach San Francisco durch. Immerhin weiß er, wo Jennifers Wohnung ist und wo sie ihren Wohnungsschlüssel versteckt. So kann er sie am Abend in ihrem Bett überraschen.
In Rückblenden erzählt Franco dann die aus der Synopsis bekannte Vorgeschichte. Er tut das eher zäh als in das Geschehen involvierend und mit vielen offenen Fragen, die im Film nicht gestellt werden, weil dann das gesamte Erzählkonstrukt schwuppdiwupp zusammenbräche. Zum Beispiel, wird nicht gefragt, warum Jennifer McCarthy (Jessica Chastain) ihrem Liebhaber Fernando Rodríguez (gespielt von Ballettstar Isaac Hernández in seinem Schauspieldebüt) kein Visum besorgte. Wirklich geheim hielt sie ihre Beziehung nie und bei ihrem riesigen Familienvermögen und den guten Beziehungen der Familie McCarthy sollte das problemlos bewilligt werden. Auch Fernando bemühte sich um kein Visum, obwohl er als überaus talentierter Künstler wenigstens für einen kurzen Arbeitsaufenthalt auch im heutigen Trump-Amerika sicher eines bekommen hätte. Stattdessen überquert er mit Dutzenden weiterer illegaler Einwanderer die Grenze zu den USA auf dem denkbar gefährlichsten Weg. Das sind nur zwei Fragen, die die Glaubwürdigkeit der Liebesgeschichte unnötig strapazieren. Eine Beantwortung hätte allerdings die zunehmend unglaubwürdige, im Finale komplett aus dem Ruder laufende Geschichte zerstört.
„Dreams“ ist eine unterkühlte Studie in Abhängigkeit, die kein Drama und, vor allem, auch wenn die Synopse und die Seherfahrung danach klingen, kein Erotik-Thriller sein will. Das ganze wirkt mit seinen überlangen Sexszenen und seiner rückblendenreichen Erzählstruktur vor allem wie ein todernst durchgezogene Übung in Klischee-Didaktik mit einigen wenigen Ballettszenen.
Helen Macdonald (Claire Foy) ist eine junge, aufstrebende Wissenschaftlerin. In Cambridge begeistert die Naturwissenschaftlerin die Studierenden mit ihrem wieder unkonventionellem Unterricht. Im Moment hat sie ein Angebot für eine Postdoc-Stelle in Deutschland. Außerdem hat sie eine innige Beziehung zu ihrem Vater (Brendan Gleeson), einem begeisterten, Geschichten erzählendem Fotografen, der viel erlebt hat, jetzt bevorzugt die Natur fotografiert und dabei die Geschichte Englands dokumentiert.
Als er eines Tages einen Herzinfarkt hat und stirbt, ist Helen schockiert. Sein Tod wirft sie vollkommen aus der Bahn. Sie gleitet immer mehr in eine behandlungsbedürftige Depression. Mit der Zähmung eines Habichts versucht sie, unmittelbar nach dem Tod ihres Vaters, ihrem Leben wieder eine Struktur zu geben. Diese Sinnsuche gelingt ihr bestenfalls halb. Während sie sich immer mehr in die Abrichtung des Habichts hineinsteigert, verwahrlosen sie und ihre Wohnung zunehmend.
Viel nacherzählbare Geschichte hat TV-Regisseurin Philippa Lowthorpe in ihrem dritten Spielfilm nicht. Die auf dem gleichnamigem autobiographischem Bestseller von Helen Macdonald basiernde Charakterstudie „H wie Habicht“ konzentriert sich auf die Beziehung von Helen zu ihrem Habicht Mabel und ihren Erinnerungen an ihren Vater, der sie für die Natur begeisterte. Die größte Erzählzeit nimmt dabei Mabels in kleinen Schritten erfolgende und gezeigte Zähmung ein.
„H wie Habicht“ punktet mit seinem Ensemble und dem titelgebendem Vogel, der mit einem Flügelschlag Helens halbe Wohnung zerstört. Verkörpert wird der Film-Habicht von zwei Habichten, mit denen vor allem Claire Foy agierte. Am Ende der kleinen, sensibel erzählten Geschichte wissen wir einiges über die Abrichtung von Vögeln, Habichte und Falken und die Unterschiede zwischen beiden Vögeln.
H wie Habicht (H is for Hawk, Großbritannien 2025)
Regie: Philippa Lowthorpe
Drehbuch: Philippa Lowthorpe, Emma Donoghue
LV: Helen Macdonald: H is for Hawk, 2014 (H wie Habicht)
mit Claire Foy, Brendan Gleeson, Lindsay Duncan, Josh Dylan, Denise Gough, Sam Spruell, Emma Cunniffe, Arty Froushan
Kleine schmutzige Briefe(Wicked little Letters, Großbritannien 2023)
Regie: Thea Sharrock
Drehbuch: Jonny Sweet
In der südostenglischen Küstenstadt Littlehampton erhält in den 1920er Jahren die gottesfürchtige Edith Swan (Olivia Colman) anonyme Briefe voller Beleidigungen. Sie verdächtigt die aus Irland kommende extrem freigeistige Nachbarin Rose Gooding (Jessie Buckley). Die leugnet die Taten. Die neue Polizistin Glady Moss (Anjana Vasan) will die Briefeschreiberin finden. Im Gegensatz zu ihren Kollegen nicht mit Vorurteilen, sondern mit moderner Technik und echter Polizeiarbeit.
TV-Premiere. Auf einer wahren Geschichte basierende britische Komödie, die von ihrem spielfreudigem, sich Obszönitäten an den Kopf werfendem Ensemble enorm profitiert.
Nachdem in den USA „Toy Story 5“ bereits am 19. Juni 2026 höchst erfolgreich startete, nimmt der neueste Pixar-Film jetzt Kurs auf die deutschen Kinos. In einigen Wochen dürfte er, unter anderem mit dem deutschen Einspiel, der erfolgreichste Film des Franchise sein.
Andrew Stanton, der in alle vorherigen „Toy Story“-Filme als Teil des Pixar-Teams und Autor involviert war, erzählt eine weitere Geschichte der bekannt-beliebten Spielzeuge Jessie, Woody und Buzz Lightyear, die am Filmanfang über die halbe Stadt verstreut sind,
Im Zentrum der Geschichte steht die achtjährige Bonnie, die am Ende von „Toy Story 3“ die Spielsachen erhielt. Sie hat keinen Computer, sondern spielt immer noch mit Puppen in einer von ihr erschaffenen Fantasiewelt. Denn nichts geht über eine von ihr erfundene Märchenhochzeit. Trotzdem hätte sie auch gerne echte Freundinnen. Aber die Nachbarskinder und ihre Klassenkameradinnen starren nur noch auf Computerbildschirme. Wenn sie es nicht tun, mobben sie Bonnie, weil sie immer noch mit Puppen spielt.
Das ändert sich, als Bonnie von ihren Eltern das Tablet Lilypad geschenkt bekommt. Plötzlich ist auch bei ihr der Computerbildschirm wichtiger als ihr altes Spielzeug. Sie kann sich mit Lilypads Hilfe mit den anderen Kindern verbinden.
Höchste Eisenbahn für die aus den vorherigen „Toy Story“-Filmen bekannten Figuren Woody, Buzz Lightyear, Jessie und ihre Spielzeugfreunde, sich um Bonnie zu kümmern. Aber wie kann es ihnen gelingen, Bonnies Aufmerksamkeit wieder zu ihnen zu lenken und wie können sie mindestens eine Freundin für Bonnie finden?
Als 1995 (bzw. 1996 in Deutschland) der erste „Toy Story“-Film anlief, spielte der Pixar-Film in einer vollkommen anderen Welt. Und für uns war es eine Überraschung, dass Puppen ein Eigenleben haben. Der Film war ein Erfolg. Fortsetzungen und das Spin-off „Lightyear“ folgten. Immer versuchen die Macher, eine neue Geschichte mit dem nicht alterndem Spielzeug zu erzählen. Dieses Mal geht es, sehr aktuell, um die Bedrohung der Kindheit durch Computer. Sie befürchten, dass sie nicht mehr zum nächsten Kind, das mit ihnen spielen will, weitergereicht werden, sondern auf dem Müllplatz landen, weil niemand mehr mit ihnen spielen will.
Das ist ein aktuelles Thema und Bonnie ist eine sehr liebenswerte Protagonistin. Dummerweise ist sie, ähnlich wie kürzlich Mabel Tanaka in dem Pixar-Film „Hoppers“, eine Protagonistin, die nur begrüßenswerte Eigenschaften hat. Sie ist eigentlich perfekt. Mabel will unbedingt und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Umwelt schützen. Wer kann etwas dagegen haben? Wer möchte nicht, dass bei Kindern das Bewusstsein für die Wichtigkeit und den Schutz der Umwelt geweckt werden? Bonnie ist ein herzensgutes, fröhliches, vielseitig interessiertes Kind, das eine blühende Fantasie hat und gerne mit Puppen spielt. Wer kann etwas dagegen haben, dass ein Kind sich Dinge ausdenkt und auf die Kraft der Fantasie vertraut? Vor allem wenn die Alternative ein zombiehaftes Starren auf einen Bildschirm ist, der fantasietötende Programme zeigt.
Und damit stellt sich die Frage, was Bonnie in dem Film lernen soll. Also, was die Botschaft sein soll. Mehr Zeit vor dem Computer verbringen kann nicht wirklich die intendierte Botschaft sein. Dass Computer auch für sinnvolle Dinge benutzt werden können – Lilypad unterstützt sie bei ihren Abenteuern – ist wahr, aber für einen Kinderfilm vielleicht eine etwas zu komplexe und auch die eher falsche Botschaft. In diesem Fall ist, ähnlich wie bei „Hoppers“, die absolut erwartbare Botschaft, dass es auch für Bonnie okay ist, Zeit vor einem Tablet zu verbringen und dort vor allem einfach zu konsumieren. Eltern werden diese Botschaft lieben, wenn sie demnächst mit ihren Söhnen und Töchtern über die Zeit vor dem Bildschirm diskutieren.
Die um diese Botschaft einer Koexistenz alter und neuer Spielzeuge herum erfundene Filmgeschichte ist ein ziemliches Chaos mit fünfzig Exemplaren der Hi-Tech-Edition von Buzz Lightyear, die auf einer Insel stranden, Actionszenen auf einer Autobahn und einer Farm und etlichen seltsamen Storyentscheidungen, wozu neben der Reise der Hi-Tech-Buzz-Lightyears auch eine neue Freundin von Bonnie gehört. Vor diesem Hintergrund können die Spielzeuge nur einen begrenzten Reiz entfalten.
Das gesagt, muss ich auch sagen, dass die in der von mir besuchten Vorstellung anwesenden Kinder ziemlich begeistert von dem Animationsfilm waren.
Toy Story 5 (Toy Story 5, USA 2026)
Regie: Andrew Stanton, Kenna Harris (Ko-Regie)
Drehbuch: Andrew Stanton , Kenna Harris (nach einer Geschichte von Andrew Stanton)
mit (in der Originalfassung) Tom Hanks, Tim Allen, Joan Cusack, Conan O’Brien, Scarlett Spears, Shelby Rabara, Mykal-Michelle Harris, Craig Robinson, Lori Alan, Jay Hernandez, Bonnie Hunt, Benito Antonio Martínez Ocasio (aka Bad Bunny), Keanu Reeves
(in der deutschen Fassung) Michael Bully Herbig, Rick Kavanian, Gery Seidl, Zeki Bulgurcu
Passagier 23 – Verschwunden auf hoher See (Deutschland 2018)
Regie: Alexander Dierbach
Drehbuch: Miriam Rechel
LV: Sebastian Fitzek: Passagier 23, 2014
Wenn jemand auf einer Kreuzfahrt spurlos verschwindet, ist es meistens Suizid oder Suff. Aber was ist, wenn eine solche verschwundene Person wieder auftaucht? Mit diesem Problem müssen sich auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ einige Menschen beschäftigen. Denn die vor acht Wochen verschwundene und für tot erklärte elfjährige Anouk Lamar ist schwer traumatisiert wieder aufgetaucht. Von ihrer Mutter fehlt immer noch jede Spur. Bei sich hatte Anouk den Teddybär des fast gleichaltrigen Timmy Schwartz. Timmy und seine Mutter gingen vor fünf Jahren auf der „Sultan of the Seas“ über Bord.
Jetzt kehrt der Berliner Polizeipsychologe Martin Schwartz auf das Kreuzfahrtschiff zurück. Er will das Rätsel um den Tod seiner Frau und seines Sohns und das rätselhafte Auftauchen von Anouk lösen. Auf dem Schiff trifft er Daniel Bonhoeffer, der damals und heute der Kapitän des Schiffes ist.
(Zwischenbemerkung: diese Inhaltsangabe folgt dem Roman. Für den Film wurde der Schiffsname und die Dauer von Anouks Verschwinden geändert.)
„Unterm Strich sind die 120 Minuten zwar spannend, aber „Passagier 23“ hätte ein noch besserer Film werden können.“ (tittelbach.tv)
mit Lucas Gregorowicz, Oliver Mommsen, Judy Winter, Kim Riedle, Mercedes Müller, André Röhner, Picco von Groote, Martin Lindow
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Die Vorlage
Was für ein Filmjahr für Sebastian Fitzek. Nachdem zunächst alle Produzenten abwinkten, gab es dieses Jahr mit den TV-Filmen „Das Joshua-Profil“, „Amokspiel“ (noch nicht gesehen), „Passagier 23“ (dito) und dem Kinofilm „Abgeschnitten“ wahre Fitzek-Festspiele mit zwiespältigem Ergebnis. Immerhin gelang es Christian Alvart in „Abgeschnitten“ aus dem Serienkiller-Pageturner einen Serienkiller-Thriller zu machen, der mir sogar besser als der Roman gefiel.
Auch die Verfilmung von „Passagier 23“ dürfte schwierig sein. Denn der Pageturner ist ein typischer Fitzek-Roman. Es beginnt mit einem Rätsel (Warum kehrte die vor acht Wochen über Bord gegangene Anouk zurück? Wo war sie die ganze Zeit?) und schnell wird aus dem Ermittlerkrimi ein Thriller, in dem ständig etwas passiert. Die Figuren bleiben dabei immer spärlich charakterisierte Erfüllungsgehilfen der sich rasend schnell entwickelnden Ereignisse. In einem Roman funktioniert das. Für einen Film muss die Romangeschichte verändert werden. Charaktere müssen eingeführt werden. Beziehungen müssen etabliert werden und auch die falschen Fährten müssen anders ausgelegt oder vollkommen aus der Filmgeschichte gestrichen werden. Die Aufgabe des Drehbuchautors ist es, die Essenz des Romans und warum der Roman gelesen wurde, in ein anderes Medium zu übertragen. Dafür kann und muss die Vorlage verändert werden.
„Passagier 23“ ist ein ziemlich abstruser Thriller, der bis zur überraschenden Auflösung das Prinzip des Cliffhangers perfektioniert hat. Ehe man lange darüber nachdenken kann, ob das alles besonders wahrscheinlich ist, hat man das Buch zu Ende gelesen. Gleich danach streicht man die Idee mit der Kreuzfahrt von der nächsten Urlaubswunschliste. Gibt ja noch andere Orte, an denen es schön ist. Vielleicht ist da einer dabei, an dem keine Verbrechen geschehen.
Still ruht der Fjord. Dabei verrät Pål Øie schon in der ersten Minute seines neuen Films „Kraken – Erwachen der Tiefe“, dass unter der Oberfläche ein Monster lauert. 1970 schlug es zu. Das Fernsehen berichtete. Dann verschwand es.
Jetzt scheint es wieder in dem Fjord aufgetaucht zu sein. Jedenfalls verschwindet eine Gruppe Jugendlicher. Und ungewöhnlich viele Wildlachse sterben. Die aus der Gegend kommende Meeresbiologin Johanne soll das Sterben der Lachse untersuchen. Der Grund dafür könnte eine neue Lachsfarm sein, die mit einem revolutionärem Verfahren Zucht in einem großen Stil betreiben will.
„Kraken“ erzählt seine Geschichte, mit minimalsten Überraschungen, strickt nach der seit dem „Der weiße Hai“ bekannten Formel. Das Monster aus der Tiefe, ein riesiger Kraken, wird durch menschliche Eingriffe in seinem natürlichem Lebensraum gestört. Er taucht auf, tötet Menschen und diese versuchen ihn zu töten. Das ganze wird, während die Schauspieler sich überzeugend im Non-Acting bewähren, mit etwas milder, sehr milder, wirklich sehr milder Kapitalismuskritik garniert.
Immerhin ist „Kraken“ kompetent inszeniert, es gibt schöne Bilder vom Fjord und er ist, wenn die Monster ganz oder in Teilen auftauchen, ordentlich getrickst.
Pål Øies Film wäre ein enttäuschender Tier-Horrorfilm, wenn man mehr erwartet hätte.
Kraken – Erwachen der Tiefe (Kraken, Norwegen 2026)
Regie: Pål Øie
Drehbuch: Vilde Eide, Kjersti Helen Rasmussen, Natasha Arthur (nach einer Geschichte von Pål Øie und Sjur Aarthun)
mit Sara Khorami, Mikkel Bratt Silset, Øyvind Brandtzæg, Jenny Evensen, Ingvild Holthe Bygdnes, Jon Erik Myre
Der Fahrer (Dwayne Johnson) ist stinkig: zuerst wird ein Coup verraten, dann sein Bruder ermordet und er für zehn Jahre in den Knast eingesperrt. Als er entlassen wird, will er sich rächen. Nach dem ersten Mord wird er von einem Polizisten (Billy Bob Thornton) und einem Killer (Oliver Jackson-Cohen) verfolgt.
„Faster“ orientiert sich ziemlich gelungen an den Gangsterthrillern der siebziger Jahre (und älter), die schnörkellos eine amoralische Geschichte erzählten. Nur die Schnittfrequenz (da wäre weniger mehr gewesen) und die Brutalität haben zugenommen.
Wer Filme wie „Point Blank“ oder „Driver“ liebt, sollte unbedingt dieses traditionsbewusste Werk einschalten.
Die Gayton-Brüder haben zuletzt die AMC-Westernserie „Hell on Wheels“ auf die Beine gestellt.
Mit Dwayne Johnson, Billy Bob Thornton, Oliver Jackson-Cohen, Carla Gugino, Maggie Grace, Moon Bloodgood, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Xander Berkeley, Tom Berenger