Das Kentler-Experiment – Staatlich finanzierter Kindesmissbrauch (Deutschland 2026)
Regie: Katarina Schickling
Heute fragt man sich, wie irgendjemand das jemals für eine gute Idee halten konnte.
Damals sah man es anders.
Ab 1969 führt der anerkannte Sexualwissenschaftler Helmut Kentler zusammen mit der Berliner Jugendbehörde ein Experiment durch. Schwer erziehbare minderjährige Straßenkinder wurden in die Obhut von vorbestraften Pädophilen gegeben. Die Idee war, dass diese Pflegeväter sich besonders gut um ihre Schützlinge kümmern würden.
Bis zu Beginn dieses Jahrhunderts fanden diese Vermittlungen statt.
In ihrer 45-minütigen Doku beschäftigt Katarina Schickling sich mit diesem Experiment.
Ruth Knafo Setton – ZIGZAG GIRL (Black Spring Press)
Gilly Macmillan – THE BURNING LIBRARY (William Morrow)
Sarah Pekkanen – THE LOCKED WARD (St. Martin’s Press)
Olivia Worley – SO HAPPY TOGETHER (Minotaur)
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BEST SERIES NOVEL
James Byrne – CHAIN REACTION (Minotaur)
Robert Crais – THE BIG EMPTY (Penguin/Putnam)
John McMahon – HEAD CASES (Minotaur)
Christopher Reich – THE TOURISTS (Thomas & Mercer)
Vincent Zandri – TERMINAL MOONLIGHT (Down & Out Books)
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BEST FIRST NOVEL
Chris Chibnall – DEATH AT THE WHITE HART (Pamela Dorman Books)
Kelsey Cox – PARTY OF LIARS (Minotaur)
Sophie Stava – COUNT MY LIES (Gallery/Scout Press)
Zoe B. Wallbrook – HISTORY LESSONS (Soho Crime)
Liann Zhang – JULIE CHAN IS DEAD (Atria)
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BEST AUDIOBOOK
S. A. Cosby – KING OF ASHES (Macmillan), Narrated by Adam Lazarre-White
Mark Edwards – THE WASP TRAP (Simon & Schuster), Narrated by John Hopkins, Anna Burnett
Marisa Kashino – BEST OFFER WINS (Macmillan), Narrated by Cia Court
Xan Kaur – WHEN DEVILS SING (Macmillan), Narrated by Michael Crouch, Anjali Kunapaneni, Jennifer Pickens, Landon Woodson
CN Mabry, N’Dia Rae – THE CHEATER’S WIFE (Simon Maverick), Narrated by Ruffin Prentiss, Machelle Williams
Michael Robotham – THE WHITE CROW (Simon & Schuster), Narrated by Katy Sobey
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BEST YOUNG ADULT NOVEL
Liz Lawson – MURDER BETWEEN FRIENDS (Delacorte Press)
Margot McGovern – THIS STAYS BETWEEN US (Penguin Young Readers)
Clay McLeod Chapman – SHINY HAPPY PEOPLE (Delacorte Press)
Diana Rodriguez Wallach – THE SILENCED (Delacorte Press)
Julie Soto – THE THRASHERS (Wednesday Books)
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BEST SHORT STORY
Katrina Carrasco – LEVEL UP (Bywater Books)
Scott William Carter – THE SEDUCTION OF DR. DIMENSION (Ellery Queen Mystery Magazine)
Lee Child – ELEVEN NUMBERS (Amazon Original Stories)
David Lagercrantz – FALSE NOTE (Amazon Original Stories)
Jessica Van Dessel – THE VIOLENT SEASON (Alfred Hitchcock Mystery Magazine)
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Die Preisverleihung ist am Samstag, den 9. Mai, im New York Hilton Midtown, Sie ist der Höhepunkt des XXI ThrillerFest, das dort vom 5. bis zum 9. Mai stattfindet.
Nach der Live-Übertragung der „Konstanzer Fasnacht aus dem Konzil“
SWR, 00.00
Kehraus (Deutschland 1983)
Regie: Hanns Christian Müller
Drehbuch: Hanns Christian Müller, Gerhard Polt, Carlo Fedier
Gabelstaplerfahrer Ferdinand Weitel will mehrere vollkommen unsinnige und hoffnungslov überteuerte Versicherungen, die er abgeschlossen hat, rückgängig machen. Bei seinem Besuch in der Versicherung und der Suche nach einem Verantwortlichen platzt er in die dortige Faschingsfeier.
Gerhard Polts Spielfilmdebüt ist „eine bundesdeutsche Komödie, die diesen Namen wirklich verdient (…) eine bitterböse Paraphrase auf mehrere bundesrepublikanische Einrichtungen und Typen.“ (Fischer Film Almanach 1984)
Kinostart war der 11. November, auch bekannt als Auftakt der närrischen Jahreszeit.
mit Gerhard Polt, Gisela Schneeberger, Nikolaus Paryla, Dieter Hildebrandt, Jochen Busse, Hans Gündther Martens, Karl Obermayr, Bruno Jonas
Am morgigen Dienstag, den 3. Februar, ist es wieder soweit. Im Rahmen der uneingeschränkt empfehlenswerten “Best of Cinema”-Reihe wird David Lynchs vorletzter großer und großartiger Film “Lost Highway” gezeigt.
Diese Rückkehr ins Kino kann auch als etwas nachgeschobene Ehrung zu Lynchs Geburts- und Todestag verstanden werden. Er wurde am 20. Januar 1946 in Missoula, Montana, geboren und starb am 16. Januar 2025 in Los Angeles, Kalifornien.
Im Mittelpunkt der schlüssig nicht nacherzählbaren Geschichte von “Lost Highway” steht der eifersüchtige Jazzsaxophonist Fred Madison (Bill Pullman). Als seine Frau ermordet wird und eine Videoaufnahme auftaucht, die ihn eindeutig als Mörder zeigt, wird er zum Tode verurteilt.
In der Zelle verwandelt er sich plötzlich in den Automechaniker Pete Dayton (Balthazar Getty). Weil Dayton offensichtlich nicht Madison ist, wird er freigelassen. Er verliebt sich in die Geliebte des Gangsters und Pronofilmproduzenten Dick Laurent. Dieser soll allerdings, so sagte eine Stimme am Filmanfang, tot sein.
David Lynch und sein Co-Drehbuchautor Barry Gifford (Lynch verfilmte seinen Roman „Wild at Heart“) ersannen eine Noir-Geschichte, die ein labyrinthischer Alptraum ohne endgültige Erklärungen, mit vielen losen Enden, starken und verstörenden Szenen und einer gelungenen Musik (von Angelo Badalamenti) und von Trent Reznor kuratierten Musikauswahl ist. Das ist, wie schon David Bowie am Filmanfang singt, ziemlich ‚deranged‘.
Und jetzt wieder auf der großen Leinwand.
P. S.: Für den 23. April ist eine 4K UHD des Films angekündigt.
Lost Highway (Lost Highway, USA 1997)
Regie: David Lynch
Drehbuch: David Lynch, Barry Gifford
mit Bill Pullman, Patricia Arquette, Balthazar Getty, Robert Blake, Natasha Gregson Wagner, Richard Pryor, Lucy Butler, Michael Massee, Gary Busey, Robert Loggia, John Roselius, David Byrd, Jack Nance
Drehbuch: David Webb Peoples, Janet Peoples (frei nach dem Kurzfilm „Am Rande des Rollfelds“ [La Jetée, Frankreich 1962] von Chris Marker)
1996/97 tötet ein Virus fast die gesamte Menschheit. 2035 schicken die wenigen Überlebenden den Sträfling James Cole (Bruce Willis) zurück in das Jahr 1996. Dort soll er eine nicht mutierte Form des Virus finden. Dummerweise landet er im Jahr 1990. In einer Irrenanstalt begegnet er Jeffrey Goines (Brad Pitt), Mitglied des Geheimbund der „Zwölf Affen“. Und schon bahnt sich die Katastrophe an, die verhindert werden soll. Falls es diese Katastrophe überhaupt gibt, jemals gab oder geben wird.
Durchgeknallter Science-Fiction-Klassiker und eines von Gilliams besten Werken. Absoluter Kult.
„’12 Monkeys‘ gehört zu jenen filmischen Kunstwerken, die gewinnen, je öfter man sie anschaut.“ (Fischer Film Almanach 1997)
Anschließend, um 22.20 Uhr zeigt Arte die brandneue 53-minütige Doku „Terrry Gilliams Welt: Im Reich der Fantasie“ (Frankreich 2025).
mit Bruce Willis, Brad Pitt, Madeleine Stowe, Christopher Plummer, Jon Seda, Carol Florence, David Morse, Christopher Meloni
Biopic über den Multimillionär Howard Hughes und sein Leben in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Gut gespielt, liebevoll ausgestattet, straff erzählt mit einem Blick auf die dunklen Seiten des Porträtierten, aber von Scorsese erwarte ich mehr.
Denn letztendlich ist „Aviator“ Ausstattungskino.
Danach, um 23.00 Uhr, zeigt Arte die 53-minütige Doku „Martin Scorsese – Von Little Italy nach Hollywood“ (Frankreich 2023).
Mit Leonardo DiCaprio, Cate Blancett, Kate Beckinsale, John C. Reilly, Alan Alda, Jude Law, Alec Baldwin, Alan Alda, Ian Holm, Danny Huston, Gwen Stefani, Willem Dafoe
Nein, Senta Berger ist nicht Inge Birkmann. Aber nach Simon Verhoevens neuem Film „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ glaubt man es. Auch, dass Senta Berger in einem „Derrick“-Krimi mitspielte. Das tat sie nie. Sie spielte als Gaststar in „Solo für O.N.C.E.L.“ und „Ihr Auftritt, Al Mundy“ mit. Inge Birkmann dagegen spielte in mehreren „Derrick“-, „Der Kommissar“- und „Der Alte“-Folgen mit. Vor allem spielte sie Theater. Von 1968 bis 1979 unterrichtete sie auch an der Otto-Falckenberg-Schule Schauspiel.
Auf diese Schule bewirbt sich Joachim Meyerhoff Ende der achtziger Jahre. Er zieht aus Norddeutschland nach München und kommt bei seinen Großeltern, der schon erwähnten Inge Birkmann und ihrem Ehemann, dem Philosphieprofessor Hermann Krings, unter. Diese führen zu dem Zeitpunkt in ihrer Villa ein gut eingespieltes Leben zwischen Außenstehende teils seltsam anmutenden Routinen und erhöhtem Alkoholkonsum, der über den ganzen Tag verteilt wird. Meyerhoff bewirbt sich an der Otto-Falckenberg-Schule. Er wird genommen und veröffentlichte 2015 seinen semiautobiographischen Roman „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, den Senta Bergers Sohn Simon Verhoeven jetzt verfilmte und dabei die Grenzen zwischen realer Biographie, Meyerhoffscher Autofiktion und eigener Erfindung weiter verwischte.
In dem fast hundervierzigminütigem Film pendelt die Filmgeschichte, ungefähr zu gleichen Teilenm, zwischen Joachims gemeinsamen Abenden mit seinen Großeltern und seiner Ausbildung zum Schauspieler, die er betont unlustig angeht. Er erscheint unvorbereitet zur Aufnahmeprüfung, verweigert später durchgehend die Mitarbeit und wird doch weiter gefördert, weil seine Lehrer in diesem jungen Mann, dem der begehrte Platz an der Schauspielschule anscheinend vollkommen egal ist, ein außerordentliches Talent erblicken. Die Schauspielausbildung verkommt zu einer anekdotischen, schnell langweilenden Abfolge von Improvisationsübungen, in denen sie eine Nudel darstellen sollen oder eine Rolle wie ein Nilpferd spielen sollen. Das mag für einen Lacher gut sein und das sind auch genau die Anekdoten, die man als Studierender seinen nicht studierenden Schulfreunden in der Provinz beim Bier in der Kneipe erzählt. Aber diese Anekdoten verraten nichts über die Ausbildung zum Schauspieler, verschiedene Auffassungen vom Schauspiel und dem Umgang mit verschiedenen Interpretationen von klassischen und modernen Stücken. Sie verraten auch nichts über die bei einem Studium vorhandenen Zweifel und dem Scheitern an Aufgaben, die man später meistert. Seine Mitstudierenden, die ungleich engagierter an die Ausbildung herangehen und die seine Konkurrenten sind, bleiben austauschbare Staffage. Da wäre in der Zeit, die wir im Film mit ihnen verbringen, mehr drin gewesen.
Gelungener sind Joachims Erlebnisse bei seinen Großeltern, die als seit Ewigkeiten gut aufeinander eingespieltes Ehepaar ihre Rituale pflegen. Dazu gehört vor allem der Konsum von Alkohol und das Ausstellen ihrer allumfassenden Bildung. Das ist vergnüglich, teils sogar lehrreich und ist auch für einige Lacher gut. Aber irgendwann erschöpft es sich in dem „Noch ein Glas. Prösterchen“-Trinkritual vor, während und nach dem gemeinsamen Fernsehabend und der Lebensberatung für ihren jugendlichen Gast.
Als rudimentäre Klammer kann „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ als eine Entwicklungsgeschichte gesehen werden. Am Filmanfang wird Joachims Bruder beerdigt. Er ist von diesem plötzlichen Tod erschüttert, zieht ans andere Ende von Deutschland und beginnt ein Studium, das möglichst weit von den Wünschen seiner Eltern entfernt ist. Am Filmende verarbeitet Joachim diesen Tod, der während des gesamten Films keine Rolle spielte, und er wird schwuppdiwupp zum Schauspieler. Das gelingt ihm, indem er vor seinen Mitstudierenden herzergreifend einen Song singt, der bis dahin in der Filmgeschichte nicht weiter wichtig war, der aber für ihn und seinen Bruder wichtig war. Er muss auch von seinen Großeltern Abschied nehmen. Kurz: er wird vom Kind zum Mann.
Diese irgendwann in den späten achtziger, frühen neunziger Jahren in einem mentalem Vor-Mauerfall-Westdeutschland spielende Entwicklungsgeschichte ist allerdings vergraben unter Kurzauftritten bekannter Schauspieler und unzähligen Anekdoten, über die man nach dem Film redet. Das ist für 137 Filmminuten einfach zu wenig.
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (Deutschland 2026)
Regie: Simon Verhoeven
Drehbuch: Simon Verhoeven
LV: Joachim Meyerhoff: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke, 2015
mit Senta Berger, Bruno Alexander, Michael Wittenborn, Laura Tonke, Devid Striesow, Katharina Stark, Tom Schilling, Johann von Bülow, Moritz Treuenfels, Victoria Trauttmansdorff, Anne Ratte-Polle, Friedrich von Thun, Karoline Herfurth
Als „Woodwalkers“ Ende Oktober 2024 in die Kinos kam, waren schon zwei Dinge bekannt. Es würde eine Fortsetzung geben und sie würde von einem anderen Regisseur inszeniert werden. Nämlich nicht mehr Damian John Harper, sondern von Sven Unterwaldt. Das ist nur auf den ersten Blick eine große Änderung. Denn Arthaus-Regisseur Harper inszenierte einen Fantasy-Film für ein junges Publikum. Es war also ein Film für die Harry-Potter-Fangemeinde und nicht für die Fans seiner vorherigen Filme.
Sven Unterwaldt ist bekannt für die beiden „7 Zwerge“-Filme mit Otto Waalkes, „Catweazle“ (ebenfalls mit Otto) und den zweiten und dritten Film der „Die Schule der magischen Tiere“-Reihe. Damit ist er schon auf den ersten Blick der passendere Regisseur für einen sich vor allem an Kinder richtenden Film.
In „Woodwalkers“, dem Auftakt der auf der für junge Leser geschriebenen Bestseller-Reihe von Katja Brandis basierenden geplanten Film-Trilogie, lernten wir Carag kennen. Er war an der Clearwater High der neue Schüler. In dieser malerisch in den Bergen von Wyoming gelegenen Schule werden ausschließlich Kinder unterrichtet, die ihre Gestalt in ein Tier verwandeln können. Auch Carag ist so ein Gestaltwandler. Er ist zugleich Mensch und Puma.
In „Woodwalkers 2“ wird die Geschichte von Carag und seinen Freunden Brandon, Holly und Lou weitererzählt. Im Hauptplot geht es um den Wahlkampf von Carags früherem Mentor Andrew Milling, einem Gestaltwandler, vermögendem Tech-Impresario und Bösewicht der Geschichte. Jetzt kandidiert er als Gouverneur. Schon vor seinem Wahlsieg hat er dem zwielichtigem Geschäftsmann Tucker Jones versprochen, dass er später den für die Gestaltwandler als Lebensraum wichtigen Wald zum Abholzen erhält.
Neben diesem immer wieder an den Rand gedrängtem Hauptplot gibt es für jede Figur mindestens einen größeren Nebenplot. Das verleiht dem Fantasy-Film dann die Dynamik einer Folge einer schon lange laufenden TV-Soap. Jede Figur spricht ein anderes Publikum an. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte. Und jede Geschichte ist am Ende der Episode mehr oder weniger abgeschlossen. Bis nächste Woche, in der neuen Folge der Serie, alle wieder aufeinander treffen.
In einem Spielfilm, auch wenn es sich um den Mittelteil einer Trilogie handelt, funktioniert das weniger. Der Hauptplot wird durchgehend ausgebremst. Immer, wenn es spannend oder interessant werden könnte, wird man mit nebensächlichen Nebenplots gelangweilt. Dabei böte der Hauptplot – Wahlkampf, schmutzige politische Geschäfte, der Kampf um den Erhalt der Natur und Carags kompliziertes Verhältnis zu seinem Mentor – genug Stoff für einen spannenden Film. Stattdessen erfahren wir mehr über seine Puma-Familie und die Probleme seiner Klassenkameraden und erleben längliche Besprechungen im Wald im Rat der Tiere.
Die Schauspieler – bei den Erwachsenen sind es unter anderem Oliver Masucci, Martina Gedeck, Hannah Herzsprung, Lucas Gregorowicz, Tom Schilling und Moritz Bleibtreu (konsequent im schmierigen Overacting-Bösewicht-Modus; was dann schon wieder lustig ist) – sind konsequent unterfordert. Tricks, Drehbuch und Dialoge sind, wie im ersten „Woodwalkers“-Film, bestenfalls zweckdienlich.
Der finale Teil der Trilogie ist für den 30. September 2027 angekündigt. Wer nicht so lange warten will, muss die Bücher von Katja Brandis lesen.
mit Emile Cherif, Oliver Masucci, Martina Gedeck, Lilli Falk, Johan von Ehrlich, Sophie Lelenta, Hannah Herzsprung, Moritz Bleibtreu, Tom Schilling, David Schütter, Olivia Sinclair, Emil Bloch, Lara Amelie Rosa, Lucas Gregorowicz, Luna Arwen Krüger, Johannes Degen
„Das ist nicht mehr unser Ben.“ Als bei Lucy Pinborough diese Erkenntnis wächst, paddeln sie, ihre College-Freundinnen und ihre Schwester bereits im Swimmingpool des einsam gelegenen Hauses auf Hawaii. Der Pool ist der einzige Ort, an dem sie vor dem extrem wasserscheuen Schimpansen sicher sind. Die Tollwut machte aus dem netten Haustier und Spielkameraden innerhalb weniger Stunden eine mordgierige Bieste.
Aber weil es, auch wenn „Primate“ deutlich unter neunzig Minuten ist, etwas langweilig wäre, die Jugendlichen die ganze Zeit im Swimmingpool ängstlich schreiend paddeln zu lassen, versuchen sie den Pool zu verlassen, verlassen ihn auch, holen sich eine Luftmatratze, an der sie sich festhalten können, versuchen ein Telefon zu erreichen und zu flüchten. Das alles ist leichter gesagt, als getan, sorgt aber für zahlreiche gute, oft äußerst schwarzhumorige Suspense-Szenen. Denn wenn eine von ihnen das Wasser verlassen hat, ist die Frage nicht ob, sondern wann sie Ben begegnet. Und ob sie die Begegnung überlebt.
Das Verhalten der Teenager ist dabei über weite Strecken genreüblich idiotisch. Aber Johannes Roberts inszenierte seinen B-Horrorfilm flott und mit einer mehr als ordentlichen Portion Gore.
Zum wohligen Gruseln trägt bei, dass Roberts den Mörderaffen Ben nicht am Computer animierte, sondern einen Menschen – Miguel Torres Umba und sein Stunt-Double Nadia Hansell – in ein Affenkostüm steckte. Diese Entscheidung, einen echten Schauspieler gegenüber den um ihr Leben kämpfenden Teenagern agieren zu lassen, Bens zunehmend furchterregend entstelltes Gesicht, seine Taten und dass es in dem Haus ziemlich dunkel ist, tragen zum Horror bei.
Für Horrorfilmfans, Unterabteilung Tierhorror, bietet „Primate“ kurzweilige neunzig Minuten.
Positiv hervorzuheben ist ein, bis auf das Finale, weitgehend unwichtiges Detail. Lucys Vater Adam ist taubstumm. Gespielt wird er von dem gehörlosen Schauspieler Troy Kotsur, der 2022 einen Oscar als bester Nebendarsteller für seine Rolle in „Coda“ erhielt. In „Primate“ unterhält er sich mit seinen Töchtern in der Zeichensprache. Gegenüber Menschen, die die Zeichensprache nicht verstehen, benutzt er einen Stift und einen Zettel. Seine Töchter antworten ihm ebenfalls in der Zeichensprache. Ihre gesamten Gespräche werden im Film untertitelt.
Das gibt präzise wieder, wie Menschen, die hören und sprechen können, mit Taubstummen reden. Denn es besteht, auch wenn es in Filmen oft so gemacht wird (und mich jedes Mal wahnsinnig nervt), keinerlei Notwendigkeit, dass eine Person, wenn sie sich in Zeichensprache mit einem anderen Menschen unterhält, das in Handzeichen gesagte laut wiederholt. Ebenso unsinnig ist es, dass sie aufsagt, was der Taubstumme ihr gerade mitteilt. Sie reden miteinander in einer Sprache, die sie beide verstehen. Unter ihnen ist keine Übersetzung nötig.
Im Finale, wenn Adam sein Haus betritt und er versucht herauszufinden, warum seine Töchter nicht auf seine Nachrichten reagierten, wird die Szene besonders furchterregend. Denn Adam kann nicht mit Geräuschen oder Schreien vor Ben gewarnt werden. Er hört auch nicht, wenn sich ihm jemand nähert.
Primate (Primate, USA 2025)
Regie: Johannes Roberts
Drehbuch: Johannes Roberts, Ernest Riera
mit Johnny Sequoyah, Jessica Alexander, Troy Kotsur, Victoria Wyant, Gia Hunter, Benjamin Cheng, Charlie Mann, Tienne Simon, Miguel Torres Umba
Linda Liddle (Rachel McAdams) ist eine gute Angestellte. Im Umgang mit anderen Menschen ist sie etwas seltsam, um nicht zu sagen anstrengend und nervig.
Der neue Besitzer der Firma ist Bradley Preston (Dylan O’Brien). Von seinem verstorbenem Vater hat er jetzt das Firmenimperium übernommen. Seine Kompetenz als Chef beschränkt sich darauf, der oberflächliche, kapitalistische Dummkopf zu sein, dem bisher alles in den Schoß fiel. Er ist das komplette Gegenteil von Linda, die seit Jahren in ihrem Bereich Strategie und Planung exzellente, kaum bis überhaupt nicht gewürdigte Arbeit leistet.
Nach einem Flugzeugabsturz sind Linda und Bradley die einzigen Überlebenden. Immerhin bietet ihnen die malerische Südseeinsel alle Annehmlichkeiten, die die Natur einem bieten kann. Weil es keine anderen Menschen, Funkgeräte oder funktionierende Smartphones gibt, müssen sie abwarten, bis sie von einer Suchmannschaft entdeckt werden.
Bis dahin müssen Linda und Bradley miteinander auskommen und überleben.
Dabei ist Survival-Fan Linda die kompetene Person, die einen Unterstand baut, Essen besorgt und Bradley versorgt. In dem Moment liegt Bradley noch schwer verletzt am Strand. Später ist er auch keine große Hilfe.
Cineasten denken bei dieser Situation – zwei Menschen auf einer einsamen Insel und ein damit verbundener Wechsel der Machtverhältnisse – sicher an Ruben Östlunds „Triangle of Sadness“ (der dritte Akt spielt auf einer Insel) und Lina Wertmüllers „Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal im azurblauen Meer im August“ (Travolti da un insolito destino nell’azzurro mare d’agosto, Italien 1974). Beide Filme sind ätzende Kritiken am Kapitalismus und den Geschlechterverhältnissen, die auf der Insel komplett umgedreht werden. Aber wie dauerhaft ist diese Veränderung? Und verändert sich wirklich etwas oder handelt es sich nur um einen kurzen Tausch der Herrschaftsverhältnisse?
Auch Linda entdeckt auf der Insel ungeahnte und verborgene Fähigkeiten, die sie beim äußerst blutigen Abschlachten eines sehr wilden Wildschweins demonstriert. In diesem und einigen weiteren Momenten zeigt sich Sam Raimis Vergangenheit als Horrorfilmregisseur.
Bis auf diesen und ein, zwei weitere blutige Szenen ist sein neuer Film vor allem ein psychologisches Drama und eine schwarzhumorige Satire. „Send help“ ist auch einer seiner kleinen Filme, wie „Ein einfacher Plan“ und „Drag me to Hell“, in denen er sich nicht darum kümmern muss, ob sie ein Multi-Millionen-Budget wieder einspielen. Sein neuester Horrorfilm ist sogar noch reduzierter als alle seine vorherigen Filme. Bis auf einige wenige Szenen, vor allem am Filmanfang, in dem er die beiden gegensätzlichen Hauptfiguren treffend und knapp charakterisiert, handelt es sich um ein kurzweiliges und ziemlich vergnügliches Zwei-Personenstück, das sich vor allem an einem malerischem Strand entfaltet. Die größte Gefahr für Linda und Bradley sind dabei nicht wilde Tiere oder zu wenig Essen und Trinken, sondern der Mensch mit seinen Wünschen, Zielen und Trieben zwischen Egoismus, gepaart mit einer guten Portion Rachsucht, und Altruismus.
Da verzeiht man gerne die erstaunlich schlechten Tricks beim Flugzeugabsturz und später auf der Insel das durchgehende Flair eines Studiodrehs.
P. S.: Sam-Raimi-Buddy Bruce Campbell ist nur auf einigen Fotografien zu sehen.
Send help(Send help, USA 2026)
Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Damian Shannon, Mark Swift
mit Rachel McAdams, Dylan O’Brien, Edyll Ismail, Dennis Haysbert, Xavier Samuel, Chris Pang, Thaneth Warakulnukroh, Emma Raimi
Drehbuch: Richard Wenk (basierend auf der von Michael Sloan und Richard Lindheim erfundenen TV-Serie)
Als ihr Zuhälter eine junge Prostituierte brutal zusammenschlägt, beschließt Robert McCall, dem Schläger eine Lektion zu erteilen. Die Sache läuft dann aus dem Ruder.
Spannender Actionthriller, der nur sehr lose von der gleichnamigen TV-Serie inspiriert ist.
mit Denzel Washington, Marton Csokas, Chloë Grace Moretz, David Harbour, Haley Bennett, Bill Pullman, Melissa Leo, David Meunier, Johnny Skourtis, Alex Veadov
Es ist (k)ein einfacher Auftrag für die Journalistin Laura Warren. Für das britische Magazin „Zeppelin“ soll sie einen Bericht über die Dreharbeiten für eine Horrorfilmserie schreiben. Ein, zwei Impressionen vom Set, ein Interview mit der Hauptdarstellerin, eines mit dem Regisseur und fertig ist der hundertprozentig unkritische Artikel, der dann zum Start der Streamingserie erscheint.
Wenn es da nicht ein kleines Problem gäbe, das Laura erst während des Flugs nach Los Angeles auffällt. Bei dem Film handelt es sich um das Remake eines inzwischen als Kultfilm gehandelten Slasherfilms aus den frühen neunziger Jahre. Seinen Status als Kultfilm verdankt „The Guesthouse“ vor allem dem Umstand, dass während und nach den Dreharbeiten alle Beteiligten unter seltsamen Umständen starben. Die Hauptdarstellerin des verfluchten Films, die damals siebenjährige Polly Tremaine, tauchte kurz darauf unter, siedelte nach England über und veränderte ihren Namen in Laura Warren.
Seit den damaligen Ereignissen war sie nicht mehr in Los Angeles. Schon während des Flugs bekommt sie eine Panickattacke. Kurz nach der Landung, auf dem Weg zu ihrem Hotel, sieht sie, wie sich ein Mann von einer Brücke stürzt. Und das ist erst der Anfang einer Reihe unnatürlicher Todesfälle.
Als sie in Verdacht gerät, die Mörderin zu sein, beginnt sie, ziemlich schnell begleitet von einem seltsamen Medium, das die Dreharbeiten begleiten soll, und ihrer jüngeren Schwester, die schon immer eine erfolgreiche Filmkarriere starten wollte, den Täter und den sie verfolgenden Dämon, den Needle Man, zu suchen. Ach ja, der Needle Man ist der Dämon aus dem Film.
In „Verbrenn das Negativ“ erzählt Josh Winning, souverän zwischen Horrorthriller und Rätselkrimi schwankend, eine spannende Geschichte. Denn selbstverständlich ist jeder verdächtig (auch die Protagonistin) und natürlich könnte es, immerhin handelt es sich um eine Horrorgeschichte, den Dämon wirklich geben. Winning streut die Verdachtsmomente geschickt, spielt dabei mit der Form des Horrorfilms und erwähnt und zitiert etliche Horrorfilme und Slasherfilme. Auch in höchster Not können die Figuren einen auf die aktuelle Situation passenden Horrorfilm erwähnen und so erklären, weshalb etwas eine vielversprechende Spur oder eine sehr dumme, um nicht zu sagen lebensgefährliche Idee ist. Sie tun es dann doch. Dazwischen gibt es noch etwas Hollywood-Klatsch und Informationen über das Drehen von Filmen.
All das streut Filmjournalist Winning (u. a. Radio Times, Den of Geek) locker in die Geschichte ein.
Das macht seinen 2023 für den Bram-Stoker-Award in der Kategorie „Superior Achievement in a Novel“ nomininierten Horrorthriller zu einer absoluten Leseempfehlung für alle, die einen spannenden Horrorthriller lesen wollen und keine Angst vor einer schlaflosen Nacht mit einem echten Pageturner haben.
Hochkarätig besetztes CIA-Biopic, das die Geschichte des Geheimdienstes zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den sechziger Jahren anhand des Lebens von Edward Wilson von der Spionageabwehr erzählt.
„Der gute Hirte“ war für mehrere renommierte Preise nominiert, wie den Oscar für die Ausstattung, und erhielt auch einige. Hauptsächlich für die Ausstattung und, auf der Berlinale, für das Ensemble.
Auch für den Edgar war Eric Roths Drehbuch nominiert. Den Preis der International Thriller Writers (ITW) als bester Thriller erhielt „Der gute Hirte“.
Und das fand ich dann doch ziemlich rätselhaft. Denn letztendlich ist Robert de Niros Film doch nur gut ausgestattetes, gut besetztes, ziemlich zähes Ausstattungskino.
Mit Matt Damon, Angelina Jolie, Alec Baldwin, Tammy Blanchard, Billy Crudup, Robert De Niro, Keir Dullea, Michael Gambon, Martina Gedeck, William Hurt, Timothy Hutton, Gabriel Macht, Joe Pesci, John Turturro
Nehmen wir uns noch schnell zwei Komödien vor, die bereits am Donnerstag anliefen. In der einen fühlen die Protagonisten sich im falschen Film. In dem anderen Film fühlen wir uns im falschen Film.
Dieser ist die „Lesbian Space Princess“. Science-Fiction-Filme, in denen ein strahlender, oft überaus wohlproportionierter Held die Welt und nebenbei das Universum rettet, haben wir schon einige gesehen. Auch Filme, in denen der Held viele fremde Welten besucht, kennen wir einige. In dem Animationsfilm von Leela Varghese und Emma Hough Hobbs werden zuerst einmal die Geschlechterverhältnisse auf den Kopf gestellt. Die Lesben sind die Guten. Die Straight White Maliens die Bösen. Und das gesamte Universum ist hundertfünfzigprozentig queer. Die Lesbian Space Princess ist am Filmanfang eine introvertierte, absolut nicht abenteuerlustige junge Prinzessin. Als ihre Freundin, die Kopfgeldjägerin Kiki entführt wird, beginnt für Prinzessin Saira das Abenteuer ihres Lebens. Denn sie muss ihre Freundin und die Ordnung des Universums retten.
Der auf der Berlinale 2025 mit dem Teddy-Award und dem 2. Platz beim Panorama-Publikumspreis ausgezeichnete Animationsfilm „Lesbian Space Princess“ ruht sich leider etwas zu sehr auf der konsequent umgesetzten Idee aus, die Geschlechterverhältnisse umzudrehen. Das sich dann entwickelnde Abenteuer folgt den bekannten Plotmodellen mit den bekannten Figuren; nur dass hier die Geschlechter vertauscht wurden und Frauen Frauen lieben. Das ist für einen Film für Erwachsene etwas zu eindimensional. Und an die richtet sich, wie ein Blick auf die FSK-16-Freigabe zeigt, das spaßige und überaus bunte Weltraumabenteuer.
In der französischen Komödie „Die progressiven Nostalgiker“ glauben die beiden Protagonisten, dass sie plötzlich im falschen Film sind. Michel (Didier Bourdon) und Hélène Dupuis (Elsa Zylberstein) leben 1958 in Frankreich in einer kleinbürgerlichen Bilderbuchvorstadt eine Vorzeigeehe. Er ist in einer Bank angestellt und grundsätzlich ablehnend gegenüber neuen Erfindungen und Ideen. Sie macht den Haushalt und kümmert sich liebevoll um ihren Mann und die Kinder. Es ist perfekt. Sie können sich kein anderes Leben vorstellen.
Dann kommt es im Keller zu einem Unglück mit der nagelneuen Waschmaschine und schwuppdiwupp landen sie in der für sie überaus schockierenden Gegenwart. Plötzlich dürfen Frauen nicht nur Auto fahren, sondern auch anspruchsvolle Führungsaufgaben übernehmen. So leitet jetzt Hélène eine Bank und sagt den ihr untergebenen Männern, was sie tun sollen. Computer und all die Dinge, die es vor siebzig Jahren noch nicht gab, sind vor allem für Michel ein Buch mit mehr als sieben Siegeln. Die Hausarbeit, zu der er von seiner berufstätigen Frau verdonnert wird, überfordert ihn. Das hat damals Hélène doch alles klaglos übernommen. Und da reden wir noch nicht von der Politik. In den Fünfzigern hatte Frankreich noch wundervolle Kolonien.
Wie bei der „Lesbian Space Princess“ ist auch in den „Progressiven Nostalgikern“ ein Tausch der Perspektive die Hauptinspirationsquelle des Films. Vinciane Millereauie fragte sich, wie Menschen aus den fünfziger Jahren die Gegenwart erleben würden und malt das überaus detailfreudig in den schönsten Farben aus. Dass sich aus dieser Idee keine richtige Story entwickelt verzeiht man angesichts des konstant zum Schmunzeln anregenden Gagfeuerwerks, den spielfreudigen Schauspieler und der durchgehend gelungenen Ausstattung gerne.
Lesbian Space Princess (Lesbian Space Princess, Australien 2025)
Regie: Leela Varghese, Emma Hough Hobbs
Drehbuch: Leela Varghese, Emma Hough Hobbs
mit (im Original den Stimmen von) Shabana Azeez, Bernie Van Tiel, Gemma Chua-Tran, Jordan Raskopoulos
(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Genet Zegay, Lana Cooper, Lena Urzendowsky, Katy Karrenbauer, Jasmin Tabatabai
Gelungenes, mit dem Deutschejn Fernsehpreis ausgezeichnetes Dokudrama über die 1921 geborene Holcaust-Überlebende Margot Friedländer. Ihr Leben wird in einer Mischung aus Spielszenen und Interviews erzählt.
mit Margot Friedländer, Julia Anna Grob, Ilona Schulz, Hannah Ley, Cai Cohrs, Peter Lewys Preston, Iris Berben, Charly Hübner, Axel Prahl, Herbert Knaup