Ein namenlos bleibender Journalist (Jeffrey Wright) hat es geschafft. Wadim Baranov (Paul Dano) empfängt ihn in seinem Haus zu einem Gespräch über sein Leben. Und Baranov hat einiges zu erzählen. In den frühen neunziger Jahren profiliert er sich in Moskau als Avantgarde-Künstler. Später produziert er Reality-TV-Shows und berät die Machthaber. Dabei formt er aus dem ambitioniertem, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks quasi arbeitslosen KGB-Agenten Wladimir Putin (Jude Law) den heutigen Präsidenten Russlands. Skrupel hat der im Hintergrund agierende Strippenzieher bei der Inszenierung seines Stückes nie.
Dieser Rückblick auf die neunziger Jahre in der früheren UdSSR und wie sich die Verhältnisse neu sortieren ist der gelungene Teil von Olivier Assayas‘ neuem satirisch gefärbtem Polit-Thriller „Der Magier im Kreml“. Nah den Fakten erzählt er, basierend auf Giuliano da Empolis gleichnamigem Roman, eine erfundene Geschichte. In der zweiten Hälfte, wenn die Macht konsolidiert wird und Gegner, wozu auch frühere Verbündete und Freunde gehören, ausgeschaltet werden, wird der Film zu einer Nummernrevue. Ereignisse folgen aufeinander. Die Einordnung – also wo gerade warum ein Krieg geführt wird und wer aus einem Fenster fällt – bleibt dem Wissen des Zuschauers überlassen. Ohne ein mehr als solides Hintergrundwissen über die russische Innen- und Außenpolitik unter Putin und die damit verbundenen Interessen sind es nur noch verstreute, sich wiederholende, immergleiche Kurzmeldungen aus der Tageszeitung.
Das macht den „Magier im Kreml“ zu einem der schlechteren Filme von Olivier Assayas. Es ist vielleicht sogar sein schlechtester Film (ich habe nicht alle seine Filme gesehen). Die mit fast 150 Minuten zu lang geratene Satire ist eine halbgare Geschichtsstunde, in der, jedenfalls für Nicht-Experten, unklar ist, was Fiktion, was Fakt und was eine satirische Überspitzung realer Verhältnisse und Ereignisse ist.
Vielleicht gibt es irgendwann einen Extended Cut oder, wie bei „Carlos – Der Schakal“, eine deutlich längere TV-Fassung, die dann die Probleme des Films behebt. Bis dahin haben wir, wie erstaunlich viele Filme in der letzten Zeit, einen überlangen Film, der in eine überzeugende erste Hälfte und eine langweilige zweite Hälfte zerfällt.

Der Magier im Kreml (Le mage du Kremlin/The Wizard of the Kremlin, Frankreich/USA 2025)
Regie: Olivier Assayas
Drehbuch: Olivier Assayas, Emmanuel Carrère
LV: Giuliano da Empoli: Le mage du Kremlin, 2022 (Der Magier im Kreml)
mit Paul Dano, Jude Law, Alicia Vikander, Tom Sturridge, Jeffrey Wright, Will Keen
Länge: 146 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
AlloCiné über „Der Magier im Kreml“
Moviepilot über „Der Magier im Kreml“
Metacritic über „Der Magier im Kreml“
Rotten Tomatoes über „Der Magier im Kreml“
Wikipedia über „Der Magier im Kreml“ (deutsch, englisch, französisch)
Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Kinofassung)
Meine Besprechung von Olvier Assayas’ “Die wilde Zeit” (Après Mai, Frankreich 2012) (und der DVD)
Meine Besprechung von Olivier Assayas‘ „Die Wolken von Sils Maria“ (Clouds over Sils Maria, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2014) (mit Pressekonferenzen) und der DVD
Meine Besprechung von Olivier Assayas‘ „Zwischen den Zeilen“ (Doubles Vies, Frankreich 2018)
Veröffentlicht von AxelB 







