Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Spaziergang nach Syrakus“, startend in der DDR und ohne Ausreisegenehmigung

August 21, 2026

Paul Gompitz (Charly Hübner) ist fasziniert von Johann Gottfried Seumes Bericht über seine Wanderung nach Syrakus 1801/1802. Er will unbedingt einmal, auf Seumes Spuren wandernd, Syrakus sehen.

1982 entschließt Paul sich, die Reise anzutreten. Weil er in der DDR lebt, kann der glücklich verheiratete, als Kellner auf einem Schiff der „Weißen Flotte“ arbeitende Paul nicht einfach im nächsten Sportgeschäft seine Wanderausrüstung zusammenkaufen und losgehen. Er muss zuerst einmal das Land verlassen und damit beginnen seine Probleme. Er beantragt eine Ausreisegenehmigung. Als diese ihm verweigert wird, überlegt er sich, wie er das Land verlassen kann. Er probiert erfolglos jede legale Methode, die DDR zu verlassen aus. Am Ende verfällt er auf eine äußerst gewagte Idee. Er will seine Reise nach Syrakus beginnen, indem er in einem Ein-Mann-Segelboot durch die Ostsee nach Westdeutschland segelt. Weil er nach seiner Reise nach Syrakus wieder in die DDR zurückkehren will ist es keine Flucht.

Lars Jessen verfilmte jetzt diese wahre Geschichte von Klaus Müller, die Friedrich Christian Delius wenige Jahre nach dem Fall der Mauer zu seinem Roman „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ inspirierte. Delius‘ Erzählung diente Jessen und seinen Drehbuchautoren Heide und Andreas R. Kersten als Inspiration für ein warmherziges, leicht humorvolles, sich Freiheiten nehmendes Drama. Denn so filmisch und abenteuerlich die Geschichte von Klaus Müller klingt, so wenig filmisch war sie dann in Teilen. Den größten und besten Teil des Films spielt „Spaziergang nach Syrakus“ in der DDR. In dieser ersten Stunde des Films stimmt alles.

Sieben Jahre und neun Monate nach seinem Entschluss, sich auf den Weg nach Syrakus zu begeben verlässt Paul in einem Segelboot in einer stürmischen Nacht die DDR, die wenige Tage später nicht mehr existiert. Aus diesem grotesken Zusammentreffen zwischen einer Republikflucht, die bestraft werden muss, und dem Zusammenbruch des Landes, aus dem er flüchtet, schlägt Jessen keine satirischen Funken. Er vermerkt es eher nebenbei als seltsame Gleichzeitigkeit von Ereignissen, während Paul in den Alpen in die Feinheiten der ihm bislang unbekannten italienischen Küche eingeführt wird.

Ab Pauls gelungener Flucht aus der DDR verliert der Film seinen erzählerischen Fokus. Bis dahin ist die Filmgeschichte auf ein klares Ziel ausgerichtet. Er muss die DDR verlassen. Das ist schwieriger und auch langwieriger als erwartet.

Danach, im letzten Drittel, wird die Filmgeschichte zunehmend episodisch und ziellos. Zuerst gibt es einige Episoden von seiner Reise nach Syrakus. Dann gibt es Episoden aus seinem späteren Leben zwischen seiner alten Heimat Rostock und Italien, wo er 2006 während der Fußball-WM als Kellner arbeitet und seinem Kollegen von seinem großen Abenteuer erzählt.

Jessen hätte auf diesen weitgehend belanglosen und arg lückenhaften Episodenreigen besser verzichtet zugunsten weiterer Geschichten von Pauls Vorbereitungen zu seiner Flucht in den Westen. Schließlich durften seine von ihm über alles geliebte Frau, Freunde, Bekannte und Kollegen nichts davon erfahren.

Spaziergang nach Syrakus (Deutschland 2026)

Regie: Lars Jessen

Drehbuch: Heide Kersten, Andreas R. Kersten

LV (nach Motiven von): Friedrich Christian Delius: Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus, 1995

mit Charly Hübner, Lina Beckmann, Thorsten Merten, Bruno Di Chiara, Jens Münchow, Tom Jahn, Max Tuveri, Christian Näthe, Mélanie Fouché, Anna Unterberger, Moritz Vierboom, Dagmar Sachse, Björn Jung

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Spaziergang nach Syrakus“

Moviepilot über „Spaziergang nach Syrakus“

Wikipedia über „Spaziergang nach Syrakus“

Meine Besprechung von Lars Jessens Dörte-Hansen-Verfilmung „Mittagsstunde“ (Deutschland 2022)

Meine Besprechung von Lars Jessens „Jetzt. Wohin. – Meine Reise mit Robert Habeck“ (Deutschland 2025)


TV-Tipp für den 21. August: Lord of War – Händler des Todes

August 20, 2026

Nitro, 22.40

Lord of War – Händler des Todes (Lord of War, USA 2005)

Regie: Andrew Niccol

Drehbuch: Andrew Niccol

There are over 550 million firearms in worldwide circulation. That’s one firearm for every twelve people on the planet. The only question is: How do we arm the other 11? (Yuri Orlov)

Einer der wenigen ansehbaren Nicolas-Cage-Filme, die der Schauspieler in diesem Jahrzehnt drehte. Dafür sammelte er in den vergangenen Jahren Razzie-Nominierungen.

In der knalligen Satire „Lord of War – Händler des Todes“ spielt er Yuri Orlov, einen Waffenhändler, der ungefähr jeden Potentaten der Nach-Kalter-Kriegs-Welt mit Waffen beliefert. Der Film erzählt in kurzen Episoden die Geschichte seines märchenhaften Aufstiegs von den Hinterhöfen Little Odessas in die Hinterhöfe der Weltpolitik. Denn mit dem illegalen Waffenhandel kann viel Geld verdient werden.

That was intentional, just to be a little subversive and make almost like a ‘how-to’ film – how to be an arms dealer – and I thought that would be a more interesting way into it than a typical story structure. (Andrew Niccol)

Mit Nicolas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan, Ian Holm, Ethan Hawke

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lord of War“

Wikipedia über „Lord of War“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Lord of War“ von Andrew Niccol

Meine Besprechung von Andrew Niccols “Seelen” (The Host, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“, jetzt aber mit dem Reboot-Dreh

August 20, 2026

Der Anfang ist fantastisch: die Macher haben für ihren Horrorfilm „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ ein 80er-Jahre-Horror-Franchise erfunden und präsentieren jetzt neben der schnell zusammengefassten Geschichte der verschiedenen Filme und dem rapiden Niedergang der Serie nach dem ersten Film (Remember „Halloween“?), die gesamte Welt der „Camp Miasma“-Filme mit Plakaten, Set-Impressionen, Requisiten, Devotionalien, dem über Jahre entstandenem Merchandise und den vielen verschiedenen Veröffentlichungen der Filme von VHS zu DVD zu Blu-ray. In wenigen Minuten wird der gesamte Kosmos eines Horror-Franchise gezeigt. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man glauben, dass es die „Camp Miasma“-Filme wirklich gibt und man sie blöderweise bis jetzt verpasste.

Kris (Hannah Einbinder, Hacks“) ist ein Fan der Serie. Nicht der fanatischste Fan der Serie, aber fast. Außerdem ist sie Regisseurin und jetzt will sie ein Reboot der Serie inszenieren. Natürlich mit Respekt vor dem Original, den ersten Film fortführen, rebooten und mit einem neuen Dreh in die Gegenwart befördern. Ihre queere Identität will sie dabei nicht verleugnen, sondern in das Zentrum des Films stellen. Es soll ein Film für die alten Fans sein – und eine vollkommen neue Fanbase erschaffen. Auch die Heldin des ersten Films, die zurückgezogen lebende Billy (Gillian Anderson; bekannt aus der Horrorserie „Akte X“), soll wieder mitspielen.

Um Billy zu überzeugen die Rolle anzunehmen, fährt Kris zu ihr. Mitten im Winter (Äh, wann spielten die „Camp Miasma“-Filme?) zu ihrem einsam gelegenem Haus…am Drehort der Horrorfilme. Und als ob das noch nicht verdächtig genug wäre, lebt Billy im Set und der Welt der „Camp Miasma“-Filme. Da fragt sich nicht nur Kris, ob Billy gerade eine Norma-Desmond-„Boulevard der Dämmerung“-Existenz auslebt, komplett verrückt ist oder die Verrückte spielt.

Diese Frage, garniert mit vielen Dialogen und Diskursen über den 80er-Jahre-Horrorfilm, das damalige Frauenbild, den Zustand von Hollywood, verschiedene Formen von Sexualität und der „Wahrheit“ von Horrorfilmen, also was wäre, wenn es das Monster aus den Camp Miasma wirklich gäbe, steht dann im Zentrum des von Jane Schoenbrun („I saw the TV glow“) inszenierten Films. Dieser spielt hauptsächlich in einer Nacht in Billys Haus und besteht aus einem Gespräch zwischen der alten, von der Welt vergessenen Schauspielerin und der jungen Regisseurin, zwischen dem Star und ihrem Fan, garniert mit einigen Ausflügen in die nicht (?) reale Welt von Camp Miasma.

Dieser Dialog zwischen den beiden Frauen und die Inszenierung ergehen sich, besoffen von der eigenen Schlauheit, in Meta-Ebenen. Da werden dann gleichzeitig alle Erwartungen bedient. Da wird man zuerst über die Klischees der Slasherfilme belehrt, ehe eine spärlich bekleidete Schönheit in knappstem T-Shirt kreischend in Zeitlupe vor dem Monster wegläuft und ihr T-Shirt immer feuchter wird.

Es gibt etwas lesbischen Sex. Den gab es auch in den alten Horrorfilmen; auch wenn in europäischen Filmen mehr, also weniger Bekleidung, gezeigt wurde. Damals wurden einfach nur die Gelüste lüsterner Jungs befriedigt. Jetzt gibt es die popkulturelle Einordnung – und die lüsternen Jungs dürfen wieder die gleichen Bilder angucken.

Diese Idee eines zitatfreudigen Metafilms, der gleichzeitig als richtiger Horrorfilm und als Grundlage für Universitätsseminare funktioniert, trägt dann nicht über zwei Stunden. Die Handlungen und Motive von vor allem Billy zunehmend beliebig. Von dem einen zum nächsten Bild wechselt sie den Charakter, erklärt es zum Scherz und verneint den Scherz. Die Filmgeschichte wird zunehmend abstrus; auch wenn spätestens nach Kris‘ Ankunft in Billys Haus jede Anmutung eines realistischen Films beherzt zur Seite geschoben wird. Ab diesem Moment wird „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ von einer Traumlogik irgendwo zwischen Schmalspur-David-Lynch und Schmalspur-Surrealismus beherrscht.

Der Meta-Horrorfilm konzentriert sich zu sehr auf das immer redundanter, abgedrehter und in seiner Beliebigkeit uninteressanter werdende Gespräch zwischen Kris und Billy. Er stellt in den verschiedenen übereinander gestapelten, sich teilweise widersprechende und in ihren Erklärungen aufhebenden Meta-Ebenen und Zitaten zu sehr sein Wissen heraus. Irgendwann ist nur noch eine interpretationsoffene Beliebigkeit vorhanden.

Teenage Sex and Death at Camp Miasma (Teenage Sex and Death at Camp Miasma, USA/Kanada 2026)

Regie: Jane Schoenbrun

Drehbuch: Jane Schoenbrun

mit Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Jack Haven, Amanda Fix, Arthur Conti, Eva Victor, Zach Gerry, Sarah Sherman, Patrick Fischler, Dylan Baker

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“

Metacritic über „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“

Rotten Tomatoes über „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“

Wikipedia über „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 20. August: Sisi & Ich

August 19, 2026

BR, 22.45

Sisi & Ich (Deutschland/Schweiz/Österreich 2023)

Regie: Frauke Finsterwalder

Drehbuch: Frauke Finsterwalder, Christian Kracht

Irma Gräfin von Sztáray (Sandra Hüller) wird Hofdame von Kaiserin Elisabeth von Österreich, bekannter als Sisi (Susanne Wolff) – und Frauke Finsterwalder erzählt die Geschichte der beiden Frauen beherzt faktenfrei und mit einem rein weiblichen Soundtrack. Schade, dass die zweite Hälfte des Dramas nicht die Qualität der ersten Hälfte hat.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sandra Hüller, Susanne Wolff, Stefan Kurt, Georg Friedrich, Sophie Hutter, Maresi Riegner, Johanna Wokalek, Sibylle Canonica, Angela Winkler, Markus Schleinzer, Anne Müller, Anthony Calf, Tom Rhys Harries, Annette Badland

Hinweise

Filmportal über „Sisi & Ich“

Moviepilot über „Sisi & Ich“

Rotten Tomatoes über „Sisi & Ich“

Wikipedia über „Sisi & Ich“ (deutsch, englisch)

Berlinale über das Werk

Meine Besprechung von Frauke Finsterwalders „Finsterworld“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Frauke Finsterwalders „Sisi & Ich“ (Deutschland/Schweiz/Österreich 2023)


„Straßenköter“ Jürgen Heimbach erzählt von einem Bankräuber und der RAF

August 19, 2026

Der Banküberfall und die Flucht vor der Polizei gelingen ziemlich nach Plan. Die Beute ist auch größer als erwartet. Aber danach geht alles schief. Irgendwie hat die Polizei fast sofort erfahren, wer für den Überfall verantwortlich ist. Wenige Stunden nach dem Überfall sind ihre Gesichter in allen Hamburger Zeitungen abgedruckt. Und vor Marlons Tür stehen zwielichtige Typen. Er machte bei dem Überfall als Fluchtwagenfahrer nur mit, um seine Schulden abzubezahlen. Jetzt weiß er, dass etwas furchtbar schief ging und er hereingelegt werden soll.

Der unpolitische, hoch verschuldete 25-jährige Marlon-Brandon-Fan, – genaugenommen Fan des von Brando in „Der Wilde“ (The Wild One, USA 1953) gespielten Johnny Strabler, Chef des Black Rebel Motorcycle Club -, muss untertauchen. Auf seiner Irrfahrt durch Deutschland trifft er Revolutionäre, Sympathisanten und Terroristen. Denn Jürgen Heimbachs neuer Kriminalroman „Straßenköter“ spielt 1975 zur Hochzeit des RAF- und Linksterrorismus in der Bundesrepublik.

Auf wenigen Seiten entwirft Heimbach ein dichtes Porträt des damaligen Deutschland, während Marlon durch die Geschichte stolpert. Alle paar Seiten präsentiert er eine neue Überraschung für den von der Polizei schnell als hochgefährlichen Linksterroristen verfolgten Taugenichts. Denn Marlon befand sich, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und nicht ganz freiwillig, im Wendland in einem Haus, in dem Terroristen die Befreiung ihrer in Stammheim inhaftierten Genossen planten.

Straßenköter“ ist eine sich eher an ein jugendliches Publikum richtende Abenteuergeschichte mit viel stimmigem Zeit- und Lokalkolorit. Wenn Heimbach die Wahl zwischen neuem Ärger für Marlon und einer Geschichtsstunde hat, entscheidet er sich zuverlässig für das Erste. Das macht den spannenden, äußerst wendungsreichen und erstaunlich kurzen Thriller zur perfekten Sommerlektüre.

Jürgen Heimbach: Straßenköter

Ars Vivendi, 2026

272 Seiten

18 Euro

Hinweise

Homepage von Jürgen Heimbach

Wikipedia über Jürgen Heimbach

Meine Besprechung von Jürgen Heimbachs „Die Rote Hand“ (2019)

Meine Besprechung von Jürgen Heimbachs „Waldeck“ (2024)


TV-Tipp für den 19. August: Ewige Jugend

August 18, 2026

Arte, 20.15

Ewige Jugend (Youth, Italien/Frankreich/Schweiz/Großbritannien 2015)

Regie: Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

Der Komponist Fred Ballinger und sein Freund, der Drehbuchautor Mick Boyle, verbringen den Sommer in der Schweiz in einem edlen Wellness-Tempel. Die beiden alten Herren genießen die Ereignislosigkeit. Sie blicken wehmütig auf ihre früheren Jahre zurück und beobachten, milde desinteressiert, die anderen Hotelgäste. Ab und an wird Ballinger, – weil es doch nicht vollkommen ohne Story geht -, von einem Gesandten der Queen gefragt, ob er sein bekanntestes Stück für eine Feier dirigieren möchte. Ballinger lehnt diese Unterbrechung seines Ruhestandes zunächst ab.

In „Ewige Jugend“ gibt es noch nicht einmal die Scheinaktivitäten von Sorrentinos früheren Filmen. Handlungstechnisch passiert nichts. Visuell passiert nichts. Das hat, gerade wegen der Altersweisheit der Charaktere, durchaus seinen kontemplativ entspannenden Reiz. Wenn man in der richtigen Stimmung ist.

Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die 55-minütige Doku „Sir Michael Caine: Vom Arbeiterkind zum Hollywoodstar“ (Deutschland 2021).

mit Michael Caine, Harvey Keitel, Rachel Weisz, Paul Dano, Jane Fonda, Mark Kozelek, Robert Seethaler, Alex Macqueen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ewige Jugend“

Wikipedia über „Ewige Jugend“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the Place“ (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von „Paolo Sorrentino – Director’s Collection“

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Loro – Die Verführten“ (Loro, Italien/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Parthenope“ (Parthenope, Italien/Frankreich 2024)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La Grazia“ (La Grazia, Italien 2025)


Cover der Woche

August 18, 2026

Felix Huby (21. Dezember 1938, Dettenhausen – 19. August 2022, Berlin), Vater von Kommissar Ernst Bienzle und einer der großen Autoren des deutschen Kriminalromans

Hinweise

Homepage von Felix Huby

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Felix Huby (Stand: 2019)

Planet Interview: Gespräch mit Felix Huby (21. Dezember 2008)

Meine Besprechung von Felix Hubys „Fast wie von selbst – Ein Gespräch mit Dieter de Lazzer“ (2008)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Null Chance” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Bienzle und das ewige Kind” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys „Adieu, Bienzle“ (2011)

Wikipedia über Felix Huby


TV-Tipp für den 18. August: Tatort: Grenzgänger/Tatort: Rechnung ohne Wirt

August 17, 2026

Doppelter Einsatz für Kommissar Schimanski:

WDR, 22.15

TATORT: Grenzgänger (Deutschland 1981)

Regie: Ilse Hofmann

Drehbuch: Felix Huby

Undercover-Polizist Hollai (Günther Maria Halmer) hat anscheinend die Seiten gewechselt. Kommissar Horst Schimanski soll’s herausfinden.

Der zweite Schimanski-Tatort, das erste Drehbuch von Felix Huby („Bienzle“) und immer noch spannend.

Mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Günther Maria Halmer, Charles Brauer, Michael Lesch

Hinweise

Homepage von Felix Huby

Lexikon deutscher Kriminalautoren über Felix Huby (Stand: Januar 2007)

Planet Interview: Gespräch mit Felix Huby (21. Dezember 2008)

Meine Besprechung von Felix Hubys „Fast wie von selbst – Ein Gespräch mit Dieter de Lazzer“ (2008)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Null Chance” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Bienzle und das ewige Kind” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys „Adieu, Bienzle“ (2011)

Wikipedia über „Tatort: Grenzgänger“ und Horst Schimanski

WDR, 23.45

Tatort: Rechnung ohne Wirt (Deutschland 1984)

Regie: Peter Adam

Drehbuch: Peter Adam

Ex-Boxer Bubi Kantmeier wird auf offener Straße erschossen. Der Boxer arbeitete für den Restaurantbesitzer Guido Tessari. Und weil Kommissar Schimanski mit Guido befreundet ist, ist der Fall für den Ruhrpottkommissar eine persönliche Angelegenheit. Vor allem nachdem Guido andeutet, dass er Probleme mit Schutzgelderpressern hat und Bubis Tod vielleicht eine Warnung war.

Das dürfte einer der ersten Krimis sein, in denen die Mafia im Ruhrpott agiert.

Aus der Erinnerung: ein guter Schimanski.

mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Ulrich Matschoss, Wilfried Blasberg, Guido Gagliardi. Cornelia Glogger, Pietro Giardini

Hinweise

Host-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über Horst Schimanski und über „Tatort: Rechnung ohne Wirt“

Meine Besprechung von Martin Schüllers Schimanski-Roman „Moltke“ (2010)


TV-Tipp für den 17. August: Licorice Pizza

August 16, 2026

ZDF, 01.40

Licorice Pizza (Licorice Pizza, USA 2021)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

Los Angeles, 1973: der von sich überzeugte 15-jährige Schüler Gary, der gleichzeitig Nachwuchsschauspieler und Jungunternehmer ist, verliebt sich während der üblichen Klassenfotos in die zehn Jahre ältere Assistentin des Fotografen. Alana lässt ihn abblitzen. Zunächst.

TV-Premiere – Die Uhrzeit ist eine Frechheit. „Licorice Pizza“ ist kein nur für eine kleine Minderheit interessanter Arthaus-Film. Andersons Komödie ist ein von der Kritik frenetisch gefeiertes Zeitporträt, das laut IMDb 61 Preise erhielt und für fast 200 Preise nominiert wurde, unter anderem mehrere Oscars, Golden Globes, BAFTAs und Critics Choice Awards . “Licorice Pizza” ist nicht Paul Thomas Andersons bester Film, aber er ist absolut sehenswert. 

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Alana Haim, Cooper Hoffman, Bradley Cooper, Benny Safdie, Tom Waits, Sean Penn, Nate Mann, Will Angarola, Joseph Cross, Maya Rudolph

Hinweise

Moviepilot über „Licorice Pizza“

Metacritic über „Licorice Pizza“

Rotten Tomatoes über „Licorice Pizza“

Wikipedia über „Licorice Pizza“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Licorice Pizza“ (Licorice Pizza, USA 2021)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons “One Battle after another” (One Battle after another, USA 2025)


TV-Tipp für den 16. August: Die Klapperschlange

August 15, 2026

SWR, 22.30

Die Klapperschlange (Escape from New York, USA 1981)

Regie: John Carpenter

Drehbuch: John Carpenter, Nick Castle

USA, 1997: Manhattan wurde zum Gefängnis umfunktioniert, in dem Verbrecher den Ton angeben. Durch einen dummen Zufall muss das Flugzeug des US-Präsidenten in Manhattan notlanden. Da hat der Polizeichef eine geniale Idee: Er bietet dem rauhbeinigen Knacki Snake Plissken die Freiheit an, wenn er den US-Präsidenten lebendig aus Manhattan herausholt. Zur Motivationsförderung lässt er Plissken zwei Sprengkapseln implantiert.

Ein schön zynischer, dystpischer SF-Klassiker und ein John-Carpenter-Klassiker.

„einer der spannendsten Filme der letzten Jahre, sorgfältig inszeniert, wenn auch recht gewalttätig.“ (Fischer Film Almanach 1982)

mit Kurt Russell, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton, Adrienne Barbeau, Tom Atkins

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Klapperschlange“

Wikipedia über „Die Klapperschlange“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht“ (Assault on Precinct 13, USA 1976)

John Carpenter in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Walshs „Die Klapperschlange – Escape from New York: Die Entstehungsgeschichte des Kultfilms“ (Escape From New York: The Official Story of the Film, 2021)


TV-Tipp für den 15. August: Challengers – Rivalen

August 14, 2026

ZDFneo, 20.15

Challengers – Rivalen (Challengers, USA 2024)

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: Justin Kuritzkes

Musik: Trent Reznor, Atticus Ross

Bei einem Provinzturnier treffen sich die Jugendfreunde und Tennisprofis Patrick Zweig (Josh O’Connor) und Art Donaldson (Mike Faist) zufällig wieder. Art ist inzwischen mit Tashi (Zendaya), die auch seine Managerin ist, verheiratet. Vor dreizehn Jahren verliebten sie sich in den aufstrebenden und von allen umschwärmten Tennisstar.

TV-Premiere. Hemmungsloser Flirt mit und zwischen Trash und Pulp. Ein Vergnügen!

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Zendaya, Mike Faist, Josh O’Connor, Darnell Appling, Bryan Doo, Nada Despotovich, Joan Mcshane

Hinweise

Moviepilot über „Challengers – Rivalen“

Metacritic über „Challengers – Rivalen“

Rotten Tomatoes über „Challengers – Rivalen“

Wikipedia über „Challengers – Rivalen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „A bigger Splash“ (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Call me by your Name“ (Call me by your Name, USA 2017)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Suspiria“ (Suspiria, Italien/USA 2018)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Bones and All“ (Bones and All, Italien/USA 2022)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Challengers – Rivalen“ (Challengers, USA 2024)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Queer“ (Queer, Italien/USA 2024)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „After the Hunt“ (After the Hunt, USA 2025)


Neu im Kino/Filmkritik: „Sunny Dancer“ im Sommercamp der an Krebs erkrankten Jugendlichen

August 14, 2026

Die siebzehnjährige Ivy (Bella Ramsey) ist zum ersten Mal im Children Run Free Camp für krebskranke Jugendliche. Sie wurde von ihren Eltern gezwungen, vier Wochen des Sommers dort und nicht schlecht gelaunt in ihrem Zimmer zu verbringen. Entsprechend gründlich versucht sie möglichst alles zu sabotieren mit der Absicht, möglichst schnell nach Hause geschickt zu werden. Wenn ihr das nicht gelingt, will sie eine möglichst schlechte Zeit in dem Sommercamp verbringen.

Einige der anderen Sommercamper waren schon öfter dabei. Und wenn sie nächstes Jahr nicht wieder dabei sind, sind sie gestorben. Die Chance dafür ist ziemlich hoch. Denn sie alle haben Krebs. Sie werden in Krankenhäusern Tage, Wochen und Monate behandelt. Der Tod und Gespräche über das Sterben gehören zu ihrem Alltag.

George Jaques erzählt in seinem Film „Sunny Dancer“ von Ivys Erlebnissen in dem Camp, das sich in großen Teilen nicht von einem anderen Sommercamp unterscheidet. Die Erzieher sind seltsam. Die von ihnen initiierten Beschäftigungen nervig. Die Köchin und die Pillen reichende Krankenschwester sind, nun, Erwachsene.

Die anderen Jugendlichen sind, nachdem Ivy sie kennengelernt hat, wirklich okay. Denn sie alle haben Krebs, sind immer wieder geschwächt von ihrer Krankheit und sie müssen sich aufgrund ihrer Krankheit viel mehr mit dem Tod beschäftigen als andere Gleichaltrige. Und sie sind im ‚Chemo-Camp‘ (Ivy über das Camp) über eine längere Zeit mit Gleichaltrigen zusammen, die die gleichen Probleme haben. Endlich einmal sind sie nicht die Außenseiter, sondern sie können, ohne die besorgten Eltern, als Teenager Teenager-Dinge tun. Das ist auch der Grund, weshalb einige immer wieder kommen. Bis sie zu alt werden.

Sunny Dancer“ ist ein Feelgood-Movie für Jugendliche mit dem Herz am richtigen Fleck. Da verzeiht man die vorhersehbare Geschichte, die eigentlich eine Zusammenstellung von Episoden und Impressionen aus einem Ferienlager ist, und die brave Inszenierung.

Sunny Dancer (Sunny Dancer, Großbritannien/Deutschland 2026)

Regie: George Jaques

Drehbuch: George Jaques

mit Bella Ramsey, Neil Patrick Harris, Daniel Quinn-Toye, Ruby Stokes, Earl Cave, Conrad Khan, Jasmine Elcock, Jessica Gunning, James Norton

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Filmportal über „Sunny Dancer“

Moviepilot über „Sunny Dancer“

Rotten Tomatoes über „Sunny Dancer“

Wikipedia über „Sunny Dancer“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Wo ist „Exit 8“?

August 14, 2026

Es beginnt harmlos: Ein Mann steigt aus der übervollen U-Bahn. Er telefoniert dabei mit seiner Freundin, erfährt von ihr, dass er Vater wird, bekommt einen Asthma-Anfall und geht zum nächsten Ausgang. Dummerweise ist die Station in Tokio riesig und der telefonierende Mann etwas unaufmerksam. Irgendwann glaubt er, dass er sich verlaufen hat. Aber, kein Problem, jede U-Bahnstation ist mit Schildern gepflastert, die zum Ausgang führen. Als er zum wiederholten Mal an den exakt gleichen Schildern und Plakaten vorbeigeht und wieder ein zunächst stummer, später schreiender Mann ihm entgegenkommt, dämmert ihm, dass er sich nicht verlaufen hat, sondern in – ja, wo eigentlich? – ist. Einem Alptraum? Einer Parallelwelt? Einem schlechten Scherz? Einem Sketch für „Verstehen Sie Spaß?“; falls es so eine Sendung in Japan gibt. Jedenfalls beginnt er nach Zeichen und einem Ausweg zu sehen.

Dank eines Schildes begreift er, dass die Welt, in der er sich gerade befindet, nach auf den ersten Blick sehr einfachen, eigentlich nur einer Regel funktioniert: Kehre um, wenn du eine Anomalie entdeckst; gehe weiter, wenn es keine Anomalie gibt. Aber was ist eine Anomalie?

Dieses erste Kapitel, in dem der verirrte Mann immer wieder durch den gleichen Gang geht und er einigen wenigen anderen Menschen begegnet, die, ihn ignorierend, an ihm vorbeilaufen, ist das längste Kapitel von Genki Kawamuras „Exit 8“. Das Kapitel dauert fast den halben Film und es ist enorm spannend. Denn schnell suchen auch wir nach Anomalien, nach Veränderungen, wie den wechselnden Zahlen auf Schildern, und Auswegen aus diesem Gang, aus dem es scheinbar kein entkommen gibt.

Die späteren Erklärungen erklären einiges und werfen neue Fragen auf. Das gilt vor allem für die Nebenfiguren des Spiels. Denn „Exit 8“ ist die Verfilmung des gleichnamigen erfolgreichen Computerspiels von Kotake Create. Für den Protagonisten, den verirrten Mann, steht am Ende des Horrorfilms die Antwort auf eine Frage, die er am Anfang nicht benatworten wollte. Aber ob er wirklich den titelgebenden Exit 8 gefunden hat, bleibt in diesem Film, der wie eine Endlosschleife konstruiert ist und sich anscheinend alles wiederholt, unklar.

Bis dahin begeistert der wunderschön durchkomponierte, auf mehreren Ebenen funktionierend, gleichzeitig in sich geschlossene und für verschiedene Interpretationen offene Horrorfilm in seinem Minimalismus. Eigentlich spielt der gesamte Film nur in einem Gang, der immer wieder durchschritten wird und der scheinbar kein Ende hat, obwohl er sich alle paar Meter wieder wiederholt. Kawamura inszeniert das in langen Takes, die über die reale Länge des Gangs bei den Dreharbeiten hinwegtäuschen. Mit der heutigen Technik und den monoton gekachelten U-Bahn-Gängen können unsichtbare Schnitte leichter getarnt werden und aus fünf Metern werden endlos viele Meter.

Genki Kawamura schrieb den Bestseller „Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ (2012), produzierte die Filme „Suzume“, „Miral“, „Belle“ und „Die Unschuld“ mit und verfilmte seinen Roman „A hundred Flowers“ (2022), sein Spielfilmdebüt. „Exit 8“ ist sein zweiter Spielfilm. Seine Premiere hatte er 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes in der Sektion „Midnight Screenings“.

Exit 8 (8番出口, Transkription: Hachi-Ban Deguchi, Japan 2025)

Regie: Genki Kawamura

Drehbuch: Kentaro Hirase, Genki Kawamura

mit Kazunari Ninomiya, Yamato Kôchi, Naru Asanuma, Kotone Hanase, Hirota Ôtsuka, Tara Nakashima, Reo Soda, Mikio Ueda, Hikaru Kaihotsu, Nana Komatsu

Länge: 95 Minuten

FSK:ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Exit 8“

Metacritic über „Exit 8“

Rotten Tomatoes über „Exit 8“

Wikipedia über „Exit 8“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. August: Der talentierte Mr. Ripley

August 13, 2026

BR, 22.50

Der talentierte Mr. Ripley (The talented Mr. Ripley, USA 1999)

Regie: Anthony Minghella

Drehbuch: Anthony Minghella

LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.

Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.

Der Film war unter anderem für den Edgar Alan Poe Award nominiert.

Mit Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Philip Baker Hall, Lisa Eichhorn

Wiederholung: Sonntag, 16. August, 0125 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Drehbuch “The talented Mr. Ripley” von Anthony Minghella (Fassung 1. November 1999)

Rotten Tomatoes über “Der talentierte Mr. Ripley”

Wikipedia über „Der talentierte Mr. Ripley“ (deutsch, englisch) und Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Mein Nachruf auf Anthony Minghella

zu Patricia Highsmith

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988)

Meine Besprechung von Hossein Aminis Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Wie kommt der Dinosaurier zum „The End of Oak Street“?

August 13, 2026

Ein Horrorfilm, ein Neo-Noir und jetzt ein Dinosaurierfilm. Wo ist da, abgesehen von dem Namen des Regisseurs, der gemeinsame Nenner? Alle verraten ein großes Filmwissen. „It Follows“ über einen tödlichen Fluch, der durch Sex weitergegeben wird, gefiel den Horrorfans und den Kritikern. „Under the Silver Lake“ kam beim Kinostart nicht so gut an. Inzwischen wird dieser Zitatfreudige, aus der Zeit gefallene in Los Angeles spielende, sich in der dortigen Kultur suhlende Neo-Noir positiver beurteilt. Sein neuester Film „The End of Oak Street“ ist ein sich etwas seltsam zwischen die Stühle setzender Vorstadt-Dinosaurier-Film. Was wäre, wenn der Jurassic Park nicht auf einer einsamen Insel sondern eines Morgens im Vorgarten einer typischen US-Vorstadt wäre? Und was wäre, wenn eine typische US-amerikanische Kleinfamilie plötzlich gegen Dinosaurier im Vorgarten kämpfen müsste?

David Robert Mitchell, der wie bei seinen vorherigen Filmen auch dieses Mal das Drehbuch schrieb, hält sich nicht mit Erklärungen auf, wie es zu der Zeitreise der Familie Platt, bestehend aus der Hausfrau Denise Platt (Anne Hathaway), ihrem liebevollem Mann Greg (Ewan McGregor) und ihren netten Kinder Brian (Christian Convery) und seiner ältere Schwester Audrey (Maisy Stella), kommt. In der Nacht gibt es plötzlich ein sehr helles Licht. Am nächsten Tag ist die lauschige Vorort ein vom Rest der heutigen Welt abgetrenntes Gebiet mit tropischen Temperaturen und Dinosauriern, aber ohne fließendes Wasser und ohne Strom. Dieses „Twilight Zone“-Gefühl gibt Mitchell dann schnell zugunsten eines bunten, actionlastigen Siebziger/Achtziger-Jahre-Fantasy-Familienfilms auf. Obwohl der Film 1982 spielt, wirkt er mit den Frisuren und Kleidern seiner Hauptfiguren, der Inneneinrichtung, den kleinen Fernsehern, Denises Polaroid-Kamera und der Abwesenheit von allem, was irgendwie mit Computern und den Achtzigern zu tun hat, wie ein in den Siebzigern spielender Film. In jedem Fall ist es eine Zeit, die heute als gute alte Zeit, in der die US-Gesellschaft noch eine harmonische Gemeinschaft war, verklärt wird.

Mitchell nahm sich für seinen neue Film „The End of Oak Street“ als offensichtliches Vorbild in den siebziger und achtziger Jahren entstandene Fantasy-Filme für die ganze Familie. Auch wenn es bei ihm ab und an etwas drastischer und expliziter zugeht. Er zeigt, wie ein Dinosaurier einem Menschen ein Bein abbeißt. Oder wie zwei Dinosaurier sich einträchtig an ein Haus gelehnt paaren. Das ist ein Moment der Stille, bevor die Menschen wieder schreiend vor Dinosauriern weglaufen.

Die Platts laufen kreuz und quer durch die Oak Street und die anderen Straßen und Abkürzungen in ihrer halb im Wald liegenden Vorstadt. Sie suchen ihren Hund Starbuck und ein Portal, das sie wieder in die Gegenwart zurückbringen soll. Bis auf ein kürzlich mit ihrer Familie in die Nachbarschaft gezogenes Mädchen, treffen sie kaum andere Menschen. Bei der Zeitreise des Ortes in die Vergangenheit scheinen fast alle Nachbarn im Nirgendwo verschwunden zu sein. Die anderen Nachbarn werden sofort zu Dino-Futter oder werfen nur einen kurzen Blick auf die Straße. Letztendlich ist die Oak Street nach der Zeitreise ein seltsam menschenleerer und entsprechend ruhiger Ort.

Sowieso sollte man nicht zu sehr über die doch sehr vorhersehbare und einfache Geschichte von „The End of Oak Street“ nachdenken. Mitchell liefert weitgehend anspruchslose familienfreundliche Unterhaltung im Retro-Design mit Spielberg-Touch.

Wer einfach knappe hundert Minuten zusehen möchte, wie eine vierköpfige Familie mit kleinen Problemen beim Zusammenleben und einem Hund, gegen Dinosaurier kämpft, und die Geschichte nicht zu sehr auf Erklärungen und politische Implikationen abklopft, wird sich gut unterhalten fühlen.

The End of Oak Street (The End of Oak Street, USA 2026)

Regie: David Robert Mitchell

Drehbuch: David Robert Mitchell

mit Anne Hathaway, Ewan McGregor, Christian Convery, Maisy Stella, P. J. Byrne, Chris Coy, Jordan Alexa Davis

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The End of Oak Street“

Metacritic über „The End of Oak Street“

Rotten Tomatoes über „The End of Oak Street“

Wikipedia über „The End of Oak Street“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Robert Mitchells „It Follows“ (It Follows, USA 2014)

Meine Besprechung von David Robert Mitchells „Unter the Silver Lake“ (Under the Silver Lake, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein zutiefst eberhoferianisches „Steckerlfischfiasko“

August 13, 2026

Niederkaltenkirchen, ein Dorf in Niederbayern, mit einer verdächtig hohen Mordrate. Jetzt hat es den Steckerlfischkönig erwischt. Splitterfasernackt liegt er im Bad des örtlichen und selbstverständlich sehr noblen Golfclubs. Weil es sich eindeutig um Mord handelt und der Steckerlfischkönig Paulus (Christian Tramitz) viele Feinde hatte, muss Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), der unbestechliche Dorfpolizist mit der hundertprozentigen Aufklärungsrate, ran. Sofort sehr verdächtig ist die Großfamilie Dottinger. Die miteinander verfeindeten Familien Dottinger und Paulus betreiben seit Ewigkeiten auf Volksfesten Fischbuden. In den vergangenen Tagen eskalierte der Konflikt zwischen den Konkurrenten auf einem Volksfest so sehr, dass Franz Eberhofer öfter zur Hilfe gerufen wurde.

Noch bevor Eberhofer einen Blick auf die Leiche werfen kann, mischt sich sein Freund Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) in die Ermittlungen ein. Weil er gerade einen Selbstversuch im konsumfreien Leben durchführt, taucht er vollkommen ungepflegt und stinkend auf. Eberhofers Frau, die Susi (Lisa Maria Potthoff), würde sich über mehr Hilfe von ihrem Gatten im Bürgermeisterwahlkampf freuen. Und ihr inzwischen schon zehnjähriger Sohn Paul (Pelle Küffner – Mensch, wachsen die Kinder schnell!), probt gerade für eine Tanzaufführung. Eberhofers Bruder und Vater leben weiter auf dem Hof. Die Oma wird kurzzeitig für eine Kur in ein Altenheim befördert und Eberhofers Kumpels haben sich als Werbemaßnahme T-Shirts drucken gelassen. Die neuen Hemden präsentieren sie auf dem Golfplatz, an ihrem Handicap arbeitend.

Ihr merkt: seit dem vorherigen Eberhofer-Film „Rehragout-Rendezvous“ hat sich in Niederkaltenkirchen viel und gleichzeitig wenig verändert. Auch hinter der Kamera ist Kontinuität angesagt. So ist das Drehbuch wieder von Stefan Betz und Ed Herzog ist wieder der Regisseur. Das ist ein eingespieltes Team, das zuverlässig im Jahresturnus (auch wenn es zuletzt eine längere Pause gab) eine neue Krimi-Komödie abliefert. Der Kriminalfall ist dabei die Beigabe für den vergnüglichen Rest, der weitgehend von den bekannten Figuren bestritten wird. Auch wenn es zu viele Witze über Birkenbergers fürchterlichen Geruch gibt, einiges zu vorhersehbar ist und einige potentielle Witze ignoriert werden.

Auch im „Steckerlfischfiasko“ markieren der Mord und die Aufklärung des Falles nur die Punkte, wann der Film beginnt und endet. Dazwischen werden einige Filmminuten für die Ermittlungen verwendet, während die Aufmerksamkeit der Macher vor allem den verschiedenen Nebengeschichten und Begegnungen mit den aus den vorherigen Filmen bekannten Figuren gilt. Die Fans bemerken die kleinen Veränderungen. Die Gaststars fügen sich spielfreudig ein.

Am Ende unterscheidet sich das „Steckerlfischfiasko“ kaum von den vorherigen neun Eberhofer-Krimis. Das erwartet auch, wie bei der neuen CD der „Rolling Stones“ (sie waren wieder im Studio), niemand. Die Fans wollen das Gleiche noch einmal, nur etwas anders. Das gut eingespielte Team Eberhofer liefert.

Steckerlfischfiasko (Deutschland 2026)

Regie: Ed Herzog

Drehbuch: Stefan Betz, Ed Herzog

LV: Rita Falk: Steckerlfischfiasko, 2023

mit Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Eisi Gulp, Enzi Fuchs, Gerhard Wittmann, Pelle Küffner, Lara Mandoki, Ruby O. Fee, Niklas Marian Müller, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Thomas Kügel, Sigi Zimmerschied, Ferdinand Hofer, Günther Michael Ostrowski, Milan Peschel, Eli Wasserscheid, Petra Berndt, Peter Mitterrutzer, Castro Dokyi Affum, Christian Tramitz

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Steckerlfischfiasko“

Moviepilot über „Steckerlfischfiasko“

Wikipedia über „Steckerlfischfiasko“

Homepage von Franz Eberhofer

dtv über Rita Falk

Meine Besprechung von Rita Falks „Dampfnudelblues – Ein Provinzkrimi“ (2011)

Meine Besprechung von Rita Falks „Sauerkrautkoma – Ein Provinzkrimi“ (2012)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Sauerkrautkoma“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung  „Leberkäsjunkie“ (Deutschland 2019)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Kaiserschmarrndrama“ (Deutschland 2021) und der DVD

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Guglhupfgeschwader“ (Deutschland 2022)

Meine Besprechung von Ed Herzogs Rita-Falk-Verfilmung „Rehragout-Rendezvous“ (Deutschland 2023)


TV-Tipp für den 13. August: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

August 12, 2026

Disney Channel, 20.15

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)

Regie: Ben Stiller

Drehbuch: Steven Conrad

LV: James Thurber: The Secret Life of Walter Mitty, 1939 (Walter Mittys Geheimleben, Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The New Yorker“)

Walter Mitty arbeitet im Fotoarchiv des „Life Magazine“ und in seiner Fantasie erlebt er die tollsten Abenteuer. Sein Leben ändert sich, als auf dem Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins ein von dem wagemutigem Fotografen Sean O’Connell gemachtes Bild erscheinen soll. Denn dummerweise findet Mitty das Negativ nicht. Also macht er sich auf den Weg. Er sucht O’Connell und erlebt dabei die erstaunlichsten Abenteuer.

Wunderschöne, gelungen zwischen Fantasie und Realität wechselnde Komödie über Träume und ihre Erfüllung. Von James Thurbers klassischer Kurzgeschichte wurde nur die Grundidee übernommen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ben Stiller, Kirsten Wiig, Sean Penn, Shirley MacLaine, Adam Scott, Kathryn Hahn, Patton Oswalt, Adrian Martinez

Wiederholung: Samstag, 15. August, 22.20 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Metacritic über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Rotten Tomatoes über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Wikipedia über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Stillers „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)


Joe Hill, „King Sorrow“ – und eine Lesereise im Oktober durch Deutschland

August 12, 2026

In einigen Wochen besucht Joe Hill Deutschland. Im Gepäck hat er seinen neuen Horrorroman. „King Sorrow“, in Deutschland in zwei Bänden erschienen, ist Hills bislang umfangreichstes Werk handelt. Dabei sind auch seine vorherigen vier Romane ziemliche Wälzer. Kürzer sind seine Comics und Kurzgeschichten. „King Sorrow“ kann auch als eine zwischen 1989 und 2022 spielende Zusammenstellung von Kurzgeschichten gelesen werden.

In einer Nacht beschwören die Freunde Arthur Oakes, Donna McBride, Donovan ‚Van‘ McBride, Gwen Underfoot, Colin Wren und Allison ‚Allie‘ Shiner, eher als Spaß, den titelgebenden King Sorrow herauf. Fortan verlangt er von den Jugendlichen jedes Jahr zu Ostern ein Menschenopfer, das jedes Jahr von einem anderen aus dem Freundeskreis benannt wird. Wen King Sorrow umbringt, ist ihm egal.

Über die nächsten Jahrzehnte wählen die Freunde immer wieder böse Menschen und Organisationen aus. Die Zahl der Opfer ist King Sorrow nämlich auch egal. Dabei fragen sie sich, ob sie auch die richtigen Menschen ausgewählt haben. Also: verhindern sie Leid und machen die Welt zu einem besseren Ort oder verschlimmern sie die Lage? Oder ist es letztendlich egal, wen sie auswählen? Geschützt sind sie durch ein unsichtbares Zeichen auf ihrer Brust. Wenn sie es berühren, kommt King Sorrow und tötet die Menschen, die sie bedrohen.

Schnell empfinden sie King Sorrow als eine Belastung. Jedes Jahr müssen sie, wenn sie nicht selbst sterben wollen, einen Mordauftrag geben. Dabei wollen sie keine Menschen umbringen. Jahre nach King Sorrows erstem Auftritt lehrt Arthur als Professor in Oxford. Dort könnte er einen Weg gefunden haben, wie sie sich von King Sorrow und dem auf ihnen lastendem Fluch befreien können.

Jede Zusammenfassung, Synopse und Klappentext liest sich interessanter als der Roman. Denn Joe Hill wählt einen weitgehend spannungstötenden Weg, die gut 1200-seitige Geschichte zu erzählen. Er unterteilt sie in fünf „Bücher“, vier deutlich kürzere „Zwischenspiele“ und einen Epilog. Es sind weitgehend eigenständige Kurzgeschichten mit wechselnden Protagonisten, in denen ein sich über viele Seiten erstreckendes Abenteuer erzählt wird. Dieses besteht einmal aus einer gefährlichen Situation in einem voll besetztem Passagierflugzeug. King Sorrow will während des Fluges neben seiner Zielperson alle Passagiere und die Besatzung töten. Weil Allie das verhindern will, steigt sie ebenfalls in das Flugzeug ein. Denn dann kann der Dämon sein Werk nicht vollenden. Oder? In einem anderen „Buch“ wurden die Geschwister Donna und Van in ein irgendwie von der US-Regierung geführtes, privates Geheimgefängnis entführt. Ihre Entführer wollen mehr über den Dämon herausfinden. Letztendlich wollen sie den Dämon für sich benutzen. Donna und Van wollen das nicht. Aber wie können sie sich aus ihrer Lage befreien? Denn ihre Hände sind so gefesselt, dass sie nicht ihre Brust berühren können. Sie können King Sorrow nicht zur Hilfe rufen. In einem anderen „Buch“ begibt Arthur sich in der englischen Provinz mit Colin, der inzwischen ein Vermögen angehäuft hat, als Begleiter in eine Höhle. Ein Troll führt sie durch das Labyrinth zu einem mythischen Gegenstand, mit dem sie King Sorrow besiegen können. Jedenfalls glaubt Arthur das. Aber vielleicht irrt er sich – und natürlich müssen die beiden Freunde mit dem Gegenstand die Höhle verlassen. In diesen in sich abgeschlossenen Geschichten informiert Joe Hill nebenbei über Ereignisse, die zwischen den „Büchern“ und „Zwischenspielen“ geschehen. Oft berichtet er auch einfach von Ereignissen; also anstatt den Leser miterleben zu lassen, was geschah, werden wir in einem Absatz über durchaus wichtige Ereignisse und Entscheidungen informiert, die unsere blass bleibenden Dämonenbeschwörer betreffen. Beispielsweise wie sie ihre Opfer auswählten oder was zwischen den einzelnen, sich normalerweise innerhalb kurzer Zeit abspielenden Ereignissen in den „Büchern“ und „Zwischenspielen“ geschah. Hill erzählt, mit Anspielungen auf historische Ereignisse, wie sich das Leben der Jugendfreunde über dreißig Jahre entwickelt. Einige erleben dabei das Ende des Buches nicht.

Als Leser bleibt man dran, weil man weniger das Gefühl hat, einen 1200-seitigen Roman zu lesen, sondern mehr das Gefühl hat, mehrere Kurzgeschichten zu lesen. Die Geschichten bedienen verschiedene Genres. Das sorgt für Abwechslung. Die Kapitel sind kurz. Und schon stellt sich ein Pageturner-Effekt ein.

Am Ende ist man trotzdem nicht zufrieden, sondern verärgert darüber, wie wenig Joe Hill aus der Idee machte.

Joe Hill: King Sorrow I

(übersetzt von Stefanie Adam und Kristof Kurz)

Heyne, 2026

592 Seiten

24 Euro

Joe Hill: King Sorrow II

(übersetzt von Stefanie Adam und Kristof Kurz)

Heyne, 2026

640 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

King Sorrow

William Morrow, 2025

Joe Hill liest am

Freitag, den 23. Oktober, in München

Samstag, den 24. Oktober, in Berlin

Sonntag, den 25. Oktober, in Gelsenkirchen (Mord am Hellweg)

Montag, den 26. Oktober, in Köln

Weitere Informationen

Hinweise

Perlentaucher über Joe Hills „King Sorrow“

Bookmarks über Joe Hills „King Sorrow“

Homepage von Joe Hill

Heyne über Joe Hill

Deutschsprachige Joe-Hill-Fanseite

Wikipedia über Joe Hill (deutsch, englisch)

Joe Hill in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Scott Derricksons Joe-Hill-Verfilmung „The Black Phone“ (The Black Phone, USA 2022)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung von Joe Hill/Gabriel Rodriguez‘ „Tales from the Darkside – Geschichten aus der Schattenwelt“ (Tales from the Darkside # 1 – 4, 2016)

DC über Hill House Comics

Meine Besprechung von Joe Hill/Leomacs/Dave Stewarts „Ein Korb voller Köpfe“ (Basketful of Heads # 1 – 7, 2019/2020) (DC Black Label/Hill House Comics)

Meine Besprechung von M. R. Carey/Peter Gross‘ „Das Puppenhaus“ (The Dollhouse Family # 1 – 6, 2020) (DC Black Label/Hill House Comics)

Meine Besprechung von Carmen Maria Machado/Danis „Im tiefen, tiefen Wald“ (The low, low Woods # 1 – 6, 2020) (DC Black Label/Hill House Comics)

Meine Besprechung von Joe Hill/Dan McDaids „See Dogs – Blutige Wellen“ (ursprünglich publiziert in Basketfull of Heads # 1 -7, 2019/2020, The Dollhouse Family # 1 – 6, 2020, The low, low Woods # 1 – 6, 2020, Daphne Byrne # 1 – 6, 2020, Plunge # 1- 5, 2020)

Meine Besprechung von Laura Marks/Kelley Jones/Michelle Madsens „Daphne Byrne – Besessen“ (Daphne Byrne # 1 – 6, März 2020 – September 2020)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stuart Immonen/Dave Stewarts „Schiff der lebenden Toten“ (Plunge # 1 – 6, April – Oktober 2020)

Meine Besprechung von Rio Youers/Tom Fowlers „Ein Kühlschrank voller Köpfe“ (Refrigerator Full of Heads # 1 – 6, Oktober 2021 – Juni 2022)


TV-Tipp für den 12. August: Tatort: Rot – rot – tot

August 11, 2026

SWR, 23.25

Tatort: Rot – rot – tot (Deutschland 1978)

Regie: Theo Mezger

Drehbuch: Karl Heinz Willschrei

Kommissar Lutz sucht einen Serientäter, der im Stuttgarter Villenviertel Rothaarige erdrosselt. Als Julia Pfandler erdrosselt wird, glaubt Lutz, dass ihr Ehemann Dr. Konrad Pfandler (Curd Jürgens), ein hochintelligenter Versicherungsmathematiker, seine ihn betrügende Frau tötete und auch die anderen Morde begangen hat, um so von seiner Tat abzulenken.

Curd Jürgens, der heute immer noch (und vor allem?) als Bösewicht aus dem James-Bond-Film „Der Spion, der mich liebte“ bekannt ist, spielt auch hier einen Bösewicht mit guten Manieren.
„Rot – rot – tot“ ist ein spannender „Tatort“, der sich, wie damals üblich, auf den Fall, den Täter (der oft bekannt war) und das Motiv konzentriert, während das Privatleben des Kommissars privat bleibt. Dafür gibt es ein schönes Psychoduell zwischen Kommissar und Täter.

„Ehemann tötet Ehefrau aus Eifersucht – das ist die simple Quintessenz der Geschichte, und gerade auf der Grundlage dieser Banalität entfaltet sich die dramaturgische Raffinesse, die diesen ‚Tatort‘, ebenfalls kein Whodunit, (…) sehenswert macht.“ (Hans Krah: Sex & Crime, in Eike Wenzel, Herausgeber: Ermittlungen in Sachen ‚Tatort‘, 2000)

Ach ja, wenn heute mal wieder von „Tatort“-Zuschauerrekorden gesprochen wird. Bei der Erstausstrahlung sahen 26,57 Millionen Zuschauer „Rot – rot – tot“.

mit Werner Schumacher, Frank Strecker, Curd Jürgens, Renate Schroeter, Christian Berkel (eine seiner ersten Filmrollen)

Hinweis

Wikipedia über „Tatort: Rot – rot – tot“


Cover der Woche: mit einem verfilmungsbedingtem Lesetipp

August 11, 2026

Bis zum 5. November ist noch etwas Zeit. Dann startet im Kino Hannu Salonens Verfilmung von Jörg Maurers zweitem Kommissar-Jennerwein-Kriminalroman mit Florian Brückner als Hubertus Jennerwein. „Hochsaison“ beginnt mit einem Anschlag auf einen Skispringer beim Neujahrspringen. Jennerwein ermittelt. Der Täter kündigt weitere Taten an. Das Dorf ist in Panik. Die Aufregung über die Mordanschläge gefährden die anstehende Touristensaison.

Dem Publikum gefiel’s. Musikkabarettist Jörg Maurer schrieb weitere witzige Alpenkrimis mit dem Kommissar, der m November sein Kinodebüt gibt.

Jörg Maurer: Hochsaison

Fischer Taschenbuch Verlag, 2010

400 Seiten

14 Euro

Die Verfilmung

Kommissar Jennerwein – Hochsaison (Deutschland 2026)

Regie: Hannu Salonen

Drehbuch: Maximilian Brückner, Linus Herbig-Matten, Dinah Marte Golch

mit Florian Brückner, Sarah Thonig, Frederic Linkemann, Eva-Maria Reichert, Helmfried von Lüttichau, Florian Thongsap Welsch, Cornelius Obonya

Hinweise

Homepage von Jörg Maurer

Fischer Verlag über Jörg Maurer

Wikipedia über Jörg Maurer