Neu im Kino/Filmkritik: „Alpha“, der neue Film von Julia Ducournau

April 2, 2026

Blöder Film. Denn vieles fügt sich erst am Ende mehr oder weniger zusammen. Einiges bleibt unklar. Und weil sich bis zum Ende keine richtige Geschichte entfaltet (wie bei einem Rätselkrimi, in dem der Detektiv die Puzzlesteine zusammenfügt oder wie bei „Die üblichen Verdächtigen“ und „The sixth Sense“, wo das Ende die vorherige Geschichte in einem vollkommen anderem Licht erscheinen lässt), kann auch kaum über Julia Ducournaus neuen Film gesprochen werden.

Vielleicht soviel: er spielt in Frankreich in den achtziger Jahren. Die dreizehnjährige Alpha lässt sich während einer drogengeschwängerten Party ein „A“ in ihren Arm tätowieren. Ihre allein erziehende Mutter, Ärztin im örtlichen Krankenhaus, reagiert panisch. Nicht wegen der Tätowierung, sondern wegen ihrer Entstehung und der Möglichkeit, dass die Nadel nicht desinfiziert war. Sie führt sofort einen AIDS-Test durch. Ddie Tätowierung heilt nicht richtig. Alpha verändert sich. Sie könnte sich mit infiziert haben; – es kann sich allerdings auch um normaler pubertäre Veränderungen handeln.

In ihr Zimmer zieht ihr drogensüchtiger Onkel ein. Sie verstehen sich. Alpha baut eine tiefere Verbindung zu dem immer wieder sehr lebenslustigem Mann auf. Dummerweise gehört er zu den Infizierten.

Diese Infizierten sind Menschen, deren Körper sich immer mehr verändert. Sie sehen immer mehr aus wie griechische oder römische Statuen. Sie werden immer mehr zu einer Art netter und harmloser Marmor-Zombies. Über den Ursprung der Seuche erfahren wir nichts. Aber sie scheint weitgehend harmlos zu sein.

Oft ist in dem Horrorfilm unklar, ob es sich um eine Fantasie, eine Vor- oder eine Rückschau handelt. Die eine Chronologie und Erklärung, die man hat, wird wenige Minuten später in dem Film widerlegt. „Alpha“ funktioniert vor allem als surrealistischer (Alp)Traum.

Trotzdem bleibt am Ende der Eindruck, dass „Titane“-Regisseurin Julia Ducournau sich hoffnungslos in ihren Ideen verirrte. Nur wenig fügt sich zusammen. Einiges spielt, wenn man eine Chronologie erstellen will, weder in der Gegenwart, noch in der Vergangenheit, sondern in einer Fantasiewelt jenseits von Gegenwart und Vergangenheit. Zu vieles bleibt nur eine schön aussehende Idee. So sehen die Infizierten gut aus. Womit sie infiziert wurden, ist unklar. Aber AIDS ist es nicht. Der in der zweiten Hälfte auftauchende rote Wind sorgt ebenfalls für schön dystopische Bilder. Was der Wind dann mit den Infizierten, Alpha, ihrem Onkel und ihrer Mutter zu tun hat, bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen.

Die spätestens in der zweiten Hälfte erahnbare Erklärung am Filmende sorgt dann für etwas Klarheit. Es ändert aber nichts daran, dass „Alpha“ ein ziemlich frustrierender Horrorfilm ist. Früher nannte man solche Filme ‚ambitioniert‘.

Alpha (Alpha, Frankreich/Belgien 2025)

Regie: Julia Ducournau

Drehbuch: Julia Ducournau

mit Mélissa Boros, Tahar Rahim, Golshifteh Farahani, Finnegan Oldfield, Emma Mackey

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Alpha“

AlloCiné über „Alpha“

Metacritic über „Alpha“

Rotten Tomatoes über „Alpha“

Wikipedia über „Alpha“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Julia Ducournaus „Titane“ (Titane, Frankreich 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Kristoffer Borglis Anti-RomCom „Das Drama – Nochmal auf Anfang“

April 2, 2026

Wenige Tage vor ihrer Hochzeit sind Emma (Zendaya), Lektorin, und Charlie (Robert Pattinson), ein aus England in die USA eingewanderter Kunstkurator, beide gut verdienend und in einer schicken Wohnung lebend, mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Es geht um den Hochzeitstanz, das Essen, den Wein, die Musik, die Hochzeitsfotos und die Reden, die sie halten werden. Schließlich soll es eine perfekte Hochzeitsfeier werden. Es wird, das kann verraten werden, für die Anwesenden eine Feier, die sie nicht vergessen werden.

Der Grund ist ein Spiel, das Emma und Charlie auf den Vorschlag ihrer besten Freunde Rachel (Alana Haim) und Mike (Mamoudou Athie) eine knappe Woche vor der Hochzeit spielen. Sie vertrauen sich die schlimmste Sache an, die sie in ihrem Leben gemacht haben – und schweigen anschließend darüber.

Reihum gestehen sie ein solches Geheimnis. Als Emma ihnen das Schlimmste, was sie jemals getan hat, verrät, sind die anderen schockiert. Rachel hält es für eine nicht zu verzeihende Sache. Mike versucht zu vermitteln. Charlie fragt sich, ob er Emma wirklich kennt, liebt und heiraten will.

Mit dieser schönen Prämisse kann Kristoffer Borgli („Sick of Myself“, „Dream Scenario“) lustvoll moderne Beziehungen sezieren und das ganze Drumherum um eine Eheschließung, das in den USA wohl noch einige Nummern pompöser ausfällt als hier, zertrümmern. Gnadenlos und mit sardonischem Humor dreht er an der Eskalationsschraube und lässt im Finale von „Das Drama – Nochmal auf Anfang“ die Hochzeitsfeier komplett aus dem Ruder laufen. Die Eskalation gelingt ihm, weil er aus einer Mücke (Emmas schlimmster Tat) einen Elefanten macht und seine Figuren zutiefst hypochondrische Menschen sind, die die Verfehlungen anderer Menschen glasklar sehen und die eigenen galant ignorieren. Denn – ohne jetzt mehr zu verraten – die schlimmen Taten von Rachel, Mike und Charlie sind schlimmer als Emmas Tat.

Borgli erzählt diese Geschichte eines Mannes, der an seiner großen Liebe zweifelt, pointiert, hauptsächlich aus Charlies Sicht und, immer wieder, mit zur kurzzeitigen Desorientierung beitragenden Zeitsprüngen und Bildern aus Charlies Fantasie. Die Schauspieler, und das gilt auch für Nebenfiguren wie eine Tanzlehrerin, eine Hochzeitsfotografin, die beiden DJs und Charlies Arbeitskollegin, spitzen ihre Figuren, mal mehr, mal weniger, satirisch zu und liefern sie dem Gespött des Publikums aus. 

Die Selbsterkenntnis folgt dann möglicherweise während des Gesprächs nach der tiefschwarzen Satire.

Das Drama – Nochmal auf Anfang (The Drama, USA 2026)

Regie: Kristoffer Borgli

Drehbuch: Kristoffer Borgli

mit Zendaya, Robert Pattinson, Alana Haim, Mamoudou Athie, Hailey Benton Gates, Sydney Lemmon, Hannah Gross, Anna Baryshnikov, Jordyn Cunet

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Das Drama“

Metacritic über „Das Drama“

Rotten Tomatoes über „Das Drama“

Wikipedia über „Das Drama“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Kristoffer Borglis „Sick of myself“ (Syk Pke, Norwegen 2022)

Meine Besprechung von Kristoffer Borglis „Dream Scenario“ (Dream Scenarion, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Über die neueste Verfilmung von Victor Hugos „Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“

April 2, 2026

Victor Hugos „Die Elenden“ besteht aus fünf Bänden. In der alten Diogenes-Ausgabe von 1986, die ich besitze (und als Jugendlicher verschlungen habe [Wer braucht schon den „Herr der Ringe“, wenn er Jean Valjean hat?]) erstreckt sich Hugos epischer, immer wieder lustvoll ausfransender Roman auf fünf Bücher und insgesamt, mit allen Anmerkungen, 1856 engbedruckte Seiten.

Der Roman ist ein Klassiker. Französisches Kulturgut und immer wieder verfilmt mit Stars und Pomp. Meistens wird der gesamte Roman als Epos verfilmt. Schließlich erzählt Hugo eine ereignisreiche Abenteuergeschichte, die gut als Film funktioniert.

In seiner Verfilmung geht Éric Besnard den anderen Weg. Er konzentriert sich auf einen kleinen, aber sehr wichtigen Teil der von Hugo über viele Seiten erzählten Geschichte. Besnard verfilmte nur das Zweite Buch („Der Rückfall“) des ersten Bandes. In diesem siebzig Seiten umfassendem Buch erzählt Hugo, wie die Begegnung mit einen Geistlichen dazu führt, dass Jean Valjean zu einem anderen Menschen wird. In dem Moment legt Hugo das Fundament für den weiteren Roman. Ohne diese Begegnung gäbe es nicht den Jean Valjean, den die Welt aus dem Roman und den vielen, vielen Verfilmungen kennt.

Im Dezember 1815 kehrt der gerade nach zwanzig Jahren aus der Haft entlassene Jean Valjean bei einem Priester ein. Der nimmt ihn freundlich und ohne Vorurteile auf. Trotzdem bestiehlt der verbitterte, von der Gesellschaft gemiedene und als Ex-Sträfling verachtete Valjean ihn. Als Gendarmen Valjean auf seiner Flucht verhaftet und Bienvenu das gestohlene wertvolle Silberbesteck zurückgeben wollen, sagt Bienvenu, er habe Valjean die Gegenstände geschenkt und er gibt dem ihm, vor den Augen der Polizei, noch zwei wertvolle Kerzenleuchter.

Diese Begegnung führt dazu, dass Valjean über seine Haltung zur Welt nachdenkt. Er wird zum geläuterten Mann und will fortan nur noch Gutes tun. Dafür setzt er sein Vermögen, das er sich ausgehend von dem Silberbesteck und dem Kerzenleuchter erarbeitete, ein.

Besnards Kammerspiel enthällt wie in einem Brennglas die zentralen Konflikte des Romans. Im Mittelpunkt der in sich abgeschlossenen Geschichte stehen Jean Valjean und der Geistliche Bienvenue. Er ist ein Bischof, der auf allen Prunk verzichtet. Seine Schwester und seine Magd wohnen bei ihm und bringen weitere Perspektiven ein.

Einige kurze Rückblenden in Valjeans Leben – er wurde für den Diebstahl eines Stückes Brot und mehrere Fluchtversuche zu insgesamt neunzehn Jahren Zuchthaus verurteilt – Bienvenues Leben vermitteln weitere Informationen über diese beiden gegensätzlichen Männer.

Im Zentrum der Begegnung zwischen dem Sträfling und dem Geistlichen stehen dabei heute immer noch aktuelle Fragen, die in einem deutlich anderem Rahmen auch in der ebenfalls diese Woche startenden schwarzen Hochzeitskomödie „Das Drama“ behandelt werden.

Durch diese Konzentration auf eine kurze Episode, wenige Personen, gespielt von guten Schauspielern, die auch schweigend viel sagen, und wenige, eigentlich nur einen Handlungsort umgeht Besnard die Gefahr, sich entscheiden zu müssen, was er weglässt oder er nur noch episodisch und oberflächlich erzählt, während er versucht, alle wichtigen Ereignisse in einen langen Film zu pressen. Es gelingt ihm auch so.

Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean (Jean Valjean, Frankreich 2025)

Regie: Éric Besnard

Drehbuch: Éric Besnard

LV: Victor Hugo: Les Misérables, 1862 (Die Elenden)

mit Grégory Gadebois, Bernard Campan, Alexandra Lamy, Isabelle Carré

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“

AlloCiné über „Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“

Rotten Tomatoes über „Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“

Wikipedia über „Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“ (deutsch, französisch)


TV-Tipp für den 2. April: Ich Capitano

April 1, 2026

ZDF, 00.30

Ich Capitano (Io capitano, Italien/Belgien 2023)

Regie: Matteo Garrone

Drehbuch: Matteo Garrone, Massimo Gaudioso, Massimo Ceccherini, Andrea Tagliaferri

TV-Premiere zu einer unverschämten Uhrzeit. Bewegendes Drama über zwei senegalesische Teenager, die nach Europa auswandern wollen. In „Ich Capitano“ erzählt Mateo Garrone, was sie auf ihrer Reise quer durch Afrika und über das Mittelmeer erleben.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Seydou Sarr, Moustapha Fall, Issaka Sawadogo

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Ich Capitano“

Metacritic über „Ich Capitano“

Rotten Tomatoes über „Ich Capitano“

Wikipedia über „Ich Capitano“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“ (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Dogman“ (Dogman, Italien/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Ich Capitano“ (Io capitano, Italien/Belgien 2023)


TV-Tipp für den 1. April: Ender’s Game

März 31, 2026

Kabel Eins, 20.15

Ender’s Game – Das große Spiel (Ender’s Game, USA 2013)

Regie: Gavin Hood

Drehbuch: Gavin Hood

LV: Orson Scott Card: Ender’s Game, 1985 (Enders Spiel)

Der junge Ender Wiggin soll zum Anführer im Kampf gegen die außerirdischen Formics ausgebildet werden. Dabei ist Ender noch ein Kind.

Durchaus gelungene Mainstream-Verfilmung eines Science-Fiction-Klassikers, die nicht die Komplexität der Vorlage erreicht.

Mehr in meiner Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Asa Butterfield, Harrison Ford, Ben Kingsley, Abigail Breslin, Hailee Steinfeld, Moises Arias, Viola Davis, Nonso Anozie, Aramis Knight, Jessica Harthcock

Wiederholung: Donnerstag, 2. April, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Metacritic über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Rotten Tomatoes über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Wikipedia über „Ender’s Game – Das große Spiel“ (deutsch, englisch)

Homepage von Orson Scott Card

Phantastik-Couch über Orson Scott Card

Wikipedia über Orson Scott Card (deutsch, englisch)

Epilog: Interview mit Orson Scott Card (2004)

Meine Besprechung von Orson Scott Card (Projektleitung)/Christopher Yost (Skript)/Pasqual Ferrys (Zeichnungen) „Ender’s Game – Das große Spiel (Band 1)“ (Ender’s Game: Battle School 1 – 5, 2009)

Meine Besprechung von Orson Scott Card (Projektleitung)/Christopher Yost (Skript)/Pasqual Ferry (Zeichnungen) „Ender’s Game – Das große Spiel (Band 2)“ (Ender’s Game: Command School 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Orson Scott Cards „Enders Spiel“ (Ender’s Game, 1985, 1991 erschien eine vom Autor leicht überarbeitete Ausgabe) und Orson Scott Cards „Enders Schatten“ (Ender’s Shadow, 1999)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Ender’s Game – Das große Spiel“ (Ender’s Game, USA 2013)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Official Secrets“ (Official Secrets, Großbritannien/USA 2019)

Die Vorlage

Man kann die Romane unabhängig voneinander lesen und man muss „Enders Schatten“ nicht lesen, um „Enders Spiel“ zu verstehen, aber „Enders Schatten“ ist ein wirklich lesenswerter anderer Blick auf die Ausbildung von Ender Wiggins. Und daher empfehle ich beide Romane; in chronologischer Reihenfolge.

Orson Scott Card: Enders Spiel

(übersetzt von Karl-Ulrich Burgdorf)

Heyne, 2012

464 Seiten

9,99 Euro (E-Book)

Originalausgabe

Ender’s Game

Tor, 1985

(1991 erschien eine vom Autor leicht überarbeitete Ausgabe)

Frühere deutsche Ausgaben als „Das große Spiel“ und, als Doppelband mit dem zweiten Ender-Roman, als „Ender“.

Orson Scott Card: Enders Schatten

(übersetzt von Regina Winter)

Heyne, 2013

592 Seiten

5,99 Euro (E-Book“

Originalausgabe

Ender’s Shadow

Tor, 1999


Die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis 2026

März 31, 2026

Heute wurden die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis 2026 bekannt gegeben. Die Verleihung ist am Freitag, den 29. Mai, ab 19.00 Uhr als Livestream in der ARD Mediathek und im TV ab 22.20 Uhr in der ARD.

Bevor ich zu den Nominierungen komme, muss ich unbedingt darauf hinweisen, dass dieses Mal, bis auf einen Dokumentarfilm, der am Donnerstag anläuft, alle Filme bereits im Kino liefen. Das war in früheren Jahren anders und verhinderte jede sinnvolle Diskussion über die Nominierungen.

Nominiert sind:

BESTER SPIELFILM

22 BAHNEN (Produktion: Anna-Malike Eigl, Thomas Wöbke, Philipp Trauer ∙ BerghausWöbke Filmproduktion, Constantin Film – Regie: Mia Maariel Meyer · Drehbuch: Elena Hell)

ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE (Produktion: Janine Jackowski, Jonas Dornbach, Maren Ade ∙ Komplizen Film, Sentana Filmproduktion, Doll Filmproduktion, Warner Bros. Film Productions Germany – Regie & Drehbuch: Simon Verhoeven)

AMRUM (Produktion: Fatih Akin, Herman Weigel ∙ bombero international, Warner Bros. Film Productions Germany, Rialto Film – Regie: Fatih Akin · Drehbuch: Hark Bohm, Fatih Akin)

DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE (Produktion: Felix von Boehm ∙ Lupa Film, CG Cinema, Hype Studios – Regie & Drehbuch: Kirill Serebrennikov)

GELBE BRIEFE (Produktion: Ingo Fliess ∙ if… Productions Film, Haut et Court, Liman Film – Regie: İlker Çatak · Drehbuch: İlker Çatak, Ayda Meryem Çatak, Enis Köstepen)

IN DIE SONNE SCHAUEN (Produktion: Maren Schmitt, Lucas Schmidt, Lasse Scharpen ∙ Studio Zentral – Regie: Mascha Schilinski · Drehbuch: Mascha Schilinski, Louise Peter)

BESTER DOKUMENTARFILM

IM PRINZIP FAMILIE (Produktion: Britta Strampe, Laura Klippel ∙ Bandenfilm – Regie: Daniel Abma)

SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF (Produktion: Irene Höfer ∙ Medea Film Factory, Dschoint Ventschr Filmproduktion – Regie: Sabine Lidl) (Kinostart: 2. April 2026)

SOLDATEN DES LICHTS (Produktion: Karoline Henkel, Jasper Mielke, Arto Sebastian ∙ Wood Water Films, patatino – Regie: Julian Vogel, Johannes Büttner)

BESTER KINDERFILM

DAS GEHEIME STOCKWERK (Produktion: Norbert Lechner, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Bady Minck ∙ KEVIN LEE Filmgesellschaft, AMOUR FOU Vienna, AMOUR FOU Luxembourg – Regie: Norbert Lechner · Drehbuch: Antonia Rothe-Liermann, Katrin Milhahn)

ZIRKUSKIND (Produktion: Katharina Bergfeld, Martin Heisler ∙ Flare Film – Regie & Drehbuch: Julia Lemke, Anna Koch)

BESTE REGIE

Simon Verhoeven · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

İlker Çatak · GELBE BRIEFE

Mascha Schilinski · IN DIE SONNE SCHAUEN

BESTES DREHBUCH

Simon Verhoeven · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

İlker Çatak, Ayda Meryem Çatak, Enis Köstepen · GELBE BRIEFE

Mascha Schilinski, Louise Peter · IN DIE SONNE SCHAUEN

BESTE WEIBLICHE HAUPTROLLE

Luna Wedler · 22 BAHNEN

Senta Berger · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

Özgü Namal · GELBE BRIEFE

BESTE WEIBLICHE NEBENROLLE

Laura Tonke · 22 BAHNEN

Claudia Geisler-Bading · IN DIE SONNE SCHAUEN

Lena Urzendowsky · IN DIE SONNE SCHAUEN

BESTE MÄNNLICHE HAUPTROLLE

Bruno Alexander · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

August Diehl · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

Tansu Biçer · GELBE BRIEFE

BESTE MÄNNLICHE NEBENROLLE

Jannis Niewöhner · 22 BAHNEN

Michael Wittenborn · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

Peter Kurth · DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Thorsten Merten · DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Leonard Kunz · DER TIGER

BESTE KAMERA/BILDGESTALTUNG

Karl Walter Lindenlaub · AMRUM

Vladislav Opelyants · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

Judith Kaufmann · GELBE BRIEFE

Fabian Gamper · IN DIE SONNE SCHAUEN

BESTER SCHNITT

Gesa Jäger · GELBE BRIEFE

Evelyn Rack · IN DIE SONNE SCHAUEN

Maxine Goedicke · SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF

BESTES SZENENBILD

Vladislav Ogay · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

Zazie Knepper · GELBE BRIEFE

Cosima Vellenzer (Szenenbild), Maike Kiefer (Set Dec) · IN DIE SONNE SCHAUEN

BESTES KOSTÜMBILD

Birgit Missal · AMRUM

Tatiana Dolmatovskaya · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

Sabrina Krämer · IN DIE SONNE SCHAUEN

BESTES MASKENBILD

Maike Heinlein · AMRUM

Mariia Tutukina · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

Anne-Marie Walther, Irina Schwarz · IN DIE SONNE SCHAUEN

BESTE FILMMUSIK

Dascha Dauenhauer · 22 BAHNEN

Stefan Goetsch alias Hainbach · AMRUM

Lorenz Dangel · DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Marvin Miller · GELBE BRIEFE

BESTE TONGESTALTUNG

Eckhard Kuchenbecker, Dominik Schleier, Nico Krebs, Christoph Merkele, Hanse Warns · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

Joern Martens, Tobias Fleig, Corinna Fleig, Richard Borowski · AMRUM

David Almeida-Ribeiro, Olivier Touche, Olivier Goinard · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

Claudio Demel, Billie Mind, Kai Tebbel, Sebastian Heyser, Jürgen Schulz · IN DIE SONNE SCHAUEN

Jacques Kieffer, Tobias Koch, Bertin Molz · SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?

BESTE VISUELLE EFFEKTE

Tomer Eshed, Dennis Rettkowski, Frank Kaminski · DIE SCHULE DER MAGISCHEN TIERE 4

Michael Wortmann, Frank Schlegel · MOMO

Max Riess, Mona Mohr · WOODWALKERS 2

EHRENPREIS DES DEUTSCHEN FILMPREISES

Wim Wenders

BESUCHERSTÄRKSTER FILM

DAS KANU DES MANITU (Regie & Produktion: Michael Bully Herbig)

Für die Zahlenfreaks:

IN DIE SONNE SCHAUEN: 11 Nominierungen

GELBE BRIEFE: 9 Nominierungen

ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE: 7 Nominierungen

DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE: 7 Nominierungen

AMRUM: 6 Nominierungen

22 BAHNEN: 5 Nominierungen

DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE: 3 Nominierungen (erstaunlich wenige Nominierungen)

SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF: 2 Nominierungen

IM PRINZIP FAMILIE: 1 Nominierung

SOLDATEN DES LICHTS: 1 Nominierung

DAS GEHEIME STOCKWERK: 1 Nominierung

ZIRKUSKIND: 1 Nominierung

DER TIGER: 1 Nominierung

SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?: 1 Nominierung

DIE SCHULE DER MAGISCHEN TIERE 4: 1 Nominierung

MOMO: 1 Nominierung

WOODWALKERS 2: 1 Nominierung


Cover der Woche

März 31, 2026

durch Indien mit äußerst seltsamen Mitreisenden.

Ein vergnüglicher Krimi.


TV-Tipp für den 31. März: Super 8

März 30, 2026

ZDFneo, 22.40

Super 8 (Super 8, USA 2011)

Regie: J. J. Abrams

Drehbuch: J. J. Abrams

Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.

Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kyle Chandler, Elle Fanning, Joel Courtney, Gabriel Basso, Noah Emmerich, Ron Eldard, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Super 8“

Wikipedia über „Super 8“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Star Wars: The Rise of Skywalker, USA 2019)


TV-Tipp für den 30. März: In der Glut des Südens

März 29, 2026

Arte, 20.15

In der Glut des Südens (Days of Heaven, USA 1978)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

USA 1916: Nach einem tödlichen Streit in einer Fabrik fliehen Bill und seine Freundin Abby aus Chicago in den Süden. Dort verliebt sich der reiche, todkranke Farmbesitzer in Abby und Bill wittert das Geschäft seines Lebens.

Selten gezeigtes, beeindruckend gefilmtes Südstaatendrama von Terrence Malick, der bereits mit seinem Debüt „Badlands“ einen Klassiker schuf und nach „In der Glut des Südens“ sich zwanzig Jahre aus Hollywood zurückzog. Mit dem poetischen Kriegsfilm „The Thin Red Line“ (ein starbesetztes Stück Kino, das man entweder liebt oder todsterbenslangweilig findet) kehrte er 1998 zurück.

Kameramann Nestor Almendros erhielt für seine Bilder einen Oscar.

Ennio Morricone schrieb die Musik.

Anschließend, um 21.45 Uhr, zeigt Arte die brandneue, knapp einstündige Doku „Terrence Malick – Suche nach dem Unsichtbaren“ (Deutschland 2025).

mit Richard Gere, Brooke Adams, Sam Shepard, Linda Manz, Stuart Margolin

Hinweise

Rotten Tomatoes über „In der Glut des Südens“

Wikipedia über „In der Glut des Südens“ (deutsch, englisch) und über Terrence Malick (deutsch, englisch)

Slant Magazine: Nick Schager über „Days of Heaven“ („greatest film ever made“, 22. Oktober 2007)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Song to Song“ (Song to Song, USA 2017)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Ein verborgenes Leben“ (A hidden life, Deutschland/USA 2019)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Im Archiv gefundene Kassetten: „Mit Hasan in Gaza“

März 29, 2026

Wenn man nichts über die Hintergründe weiß, ist „Mit Hasan in Gaza“ nur ein zweistündiges unkommentiertes YouTube-Video. In langen ungeschnittenen Szenen, mit Wackelkamera, oft unpassenden Bildausschnitten und viel Leerlauf beobachtet die Kamera einfach, wie einige Männer sich durch Gaza bewegen. Mit Einheimischen wird sich über Dies und Das ausgetauscht. Aber es gibt keine Informationen zum Grund der Reise. Oder wie es dazu kam, dass „Mit Hasan in Gaza“ jetzt im Kino läuft. Im Film verrät Regisseur Kamal Aljafari das nicht. Erst im Abspann gibt er einige wenige Informationen zum Film preis.

Im Juli 2024 entdeckte der in Berlin lebende palästinensische Regisseur in seinem Archiv drei MiniDV-Kassetten, an die er sich nicht erinnerte. Auch die Beschriftung „Mit Hasan in Gaza“ löste bei ihm keine Erinnerung aus an seinen Ausflug nach Gaza am 1. und 2. November 2001. Er suchte damals einen Mann, den er 1989 im Gefängnis kennen lernte. Mit Hasan machte er sich auf die Suche. Eine Nacht, die einen großen Teil des Films einnimmt, verbrachte er in Hasans Haus und filmte aus der Wohnung heraus, was vor der Tür geschah. Aus der Ferne sind Schüsse zu hören, die von nicht vor der Kamera stehenden Männern einzelnen Waffen und Konfliktparteien zugeordnet werden. Auf der anderen Straßenseite sitzt eine Gruppe Männer. Der Rest des Films ist nicht interessanter. Er besteht aus Autofahrten, zufälligen Begegnungen am Strand, einem Marktbesuch und, immer wieder, Kindern, die darum betteln, aufgenommen zu werden,

Diese Aufnahmen von 2001 veröffentlichte Aljafan nun genau so, wie er sie damals aufnahm. Das mag für historisch Interessierte, die die Gegend wenigstens rudimentär kennen, und für Fans von Heimvideos interessant sein. Für alle anderen ist „Mit Hasan in Gaza“ eine ziemlich langweilige Angelegenheit.

Mit Hasan in Gaza (Frankreich/Katar/Deutschland/Palästina 2025)

Regie: Kamal Aljafari

Drehbuch: Kamal Aljafari

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Mit Hasan in Gaza“

Moviepilot über „Mit Hasan in Gaza“

Metacritic über „Mit Hasan in Gaza“

Rotten Tomatoes über „Mit Hasan in Gaza“

Wikipedia über „Mit Hasan in Gaza“


TV-Tipp für den 29. März: Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

März 28, 2026

SWR, 22.30

Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (Deutschland 1981)

Regie: Ulrich Edel

Drehbuch: Herman Weigel

LV: Kai Hermann/Horst Rieck: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, 1978

An der Kinokasse erfolgreiche Verfilmung des immer noch erhältlichen gleichnamigen Sachbuch-Bestsellers der „stern“-Reporter Kai Hermann und Horst Rieck über die titelgebende drogensüchtige dreizehnjährige Christiane F. und ihre drogensüchtigen Freunde am Bahnhof Zoo in den Siebzigern.

Auf ein grundsätzliches Problem von diesem und anderen, ähnlich gelagerten Filmen wies damals der Fischer Film Almanach hin: „So paradox es klingt: Glaubwürdig hätten sie wohl nur dadurch bleiben können, dass sie diesen Film nicht gemacht hätten, sie alle, die an ihm beteiligt sind, die anonyme Christiane, die vor einigen Jahren die traurige Geschichte ihrer Sucht den beiden ’stern‘-Reportern Kai Hermann und Horst Rieck auf Band gesprochen und zusammen mit ihnen die Verfilmungsrechte verkauft hat; der ehrgeizige junge Produzent Bernd Eichinger, der das Projekt – vom kaufmännischen Standpunkt aus – perfekt durchgehogen hat; der Autor Herman Weigel und der Regisseur Ulrich Edel, der sich gleich bei seinem ersten Spielfilm an solch einen Stoff wagen durfte – und mit ihm, zwangsweise, scheitern musste. Ihnen allen sollen die Redlichkeit und Ehrlichkeit ihrer Absichten gar nicht bestritten werden, nämlich unter weitgehendem Verzicht auf Spekulation einen ungeschminkten Report über die Szene der jugendlichen Fixer und Prostituierten abzuliefern (…) Sie wollen niemandem weh tun; deshalb ist aus ihrem Film nichts Richtiges geworden. Sie hätten den Mut haben müssen, Wut auszulösen, Betroffenheit. Sie begnügen sich mit dem beifällig gemurmelten: ‚So ist’s‘ – und das ist zu wenig.“ (Fischer Film Almanach 1982)

Vor Edel sollte Roland Klick das Buch verfilmen. Er hatte einen anderen Film geplant. Ob es ein besserer Film geworden wäre, werden wir nie erfahren. Edels Film ist ein heute immer noch packender Blick in das West-Berlin um 1980

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Natja Brunkhorst, Thomas Haustei, Jens Kuphal, Reiner Wölk, David Bowie

Hinweise

Filmportal über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

Rotten Tomatoes über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“

Wikipedia über „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Uli Edels „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ (Deutschland 1981)

Meine Besprechung von Uli Edels „Der Baader Meinhof Komplex“ (Deutschland 2008)


Neu im Kino/Filmkritik: „Kokuho – Meister des Kabuki“, der Kassenhit aus Japan

März 28, 2026

Fast drei Stunden lässt Sang-Il Lee sich Zeit, um strikt chronologisch die Geschichte von Kikuo und Shunsuke zu erzählen. Sie beginnt 1962 mit dem gewaltsamen Tod von Kikuos Vater und endet 2014.

Nach einer Amateur-Kabuki-Aufführung wird 1964 in Nagasaki der Vater des vierzehnjährigen Kikuo, der vorher auf der Bühne stand, von anderen Yakuzas getötet. Der berühmte Kabuki-Schauspieler Hanjiro, der von Kikuos Können fasziniert war, nimmt den Waisenjungen bei sich auf. Er lehrt ihn und seinen Sohn Shunsuke die Feinheiten dieser traditionellen Form des Theaters. Das Kabuki-Thater ist eine Form des japanischen Theaters, in der immer noch auch die Frauenrollen von Männern gespielt werden. Sie entstand im 17. Jahrhundert, verbindet Musik, Tanz, Pantomime, Spiel (wozu auch die Kostüme und die Schminke gehören) und das Bühnenbild zu einem Gesamterlebnis. Seit 2005 gehört Kabuki zur UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immaterilelen Erbes der Menschheit.

Die gleichaltrigen Jungen Kikuo und Shunsuke werden schnell Freunde. Sie werden zu Quasi-Brüdern. Und sie werden zu ausgezeichneten Kabuki-Schauspielern, die nach ihrer Ausbildung und Erfolgen auf der Bühne um die höchste Ehre die es gibt, die Ernennung zum Kokuho (Lebender Nationalschatz), kämpfen.

Sang-Il Lee erzählt diese Geschichte mit großem epischen Atem. Dabei ist die erste, zehn Jahre umfassende Hälfte, in der Kikuo und Shunsuke von Hanjiro ausgebildet werden und sie ihre erste Schritte als Schauspieler unternehmen stärker als die zweite, episodisch von einem Jahr zum nächsten Jahr durch die Jahrzehnte hüpfende Hälfte.

Weil beide ‚Brüder‘ Künstler sind, die um die Nachfolge von Hanjiro kämpfen, präsentiert Sang-Il Lee auch ausführlich Ausschnitte aus mehreren Theaterstücken. Sie zeigen eine fremde Kultur und eine, jedenfalls in dem Drama „Kokuho“, ungute Tendenz der Kabuki-Schauspieler, auf offener Bühne zu sterben.

In Japan ist „Kokuho – Meister des Kabuki“ der umsatzträchtigste japanische Spielfilm. Nur einige wenige Animes setzten mehr Geld an der Kinokasse um. Er war für dreizehn Japanese Academy Awards nominiert und erhielt den Preis unter anderem in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Hauptrolle, Beste Kamera und Besten Schnitt.

Weil „Kokuho – Meister des Kabuki“ wenige Tage vor der Kino-Wiederaufführung von Quentin Tarantinos „Kill Bill“ (am 16. April; Besprechung der minimalst geänderten neuen Fassung folgt), startet, ist „Kokuhu – Meister des Kabuki“ jetzt nicht der japanische Film, den man sich im Kino ansehen kann, wenn man nach „Kill Bill“ neugierig auf die japanische Kultur wurde. Jetzt kann man ihn als Vorbereitung für „Kill Bill“ ansehen. Danach fallen einem einige weitere Anspielungen Tarantinos auf die japanische Kultur auf und man kann sie in einen Kontext setzen.

Und wer sich „Kill Bill“ nicht ansehen will, hat immerhin einen guten Spielfilm gesehen.

Kokuho – Meister des Kabuki (Kokuhō, Japan 2025)

Regie: Sang-Il Lee

Drehbuch: Satoko Okudera

LV: Shūichi Yoshida: Kokuho, 2018

mit Ryō Yoshizawa, Ryusei Yokohama, Soya Kurokawa, Keitatsu Koshiyama, Mitsuki Takahata, Nana Mori, Ken Watanabe

Länge: 175 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Kokuho – Meister des Kabuki“

Metacritic über „Kokuho – Meister des Kabuki“

Rotten Tomatoes über „Kokuho – Meister des Kabuki“

Wikipedia über „Kokuho – Meister des Kabuki“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lee Sang-Ils „The Unforgiven“ (Yurusarezaru Mono, Japan 2013)


TV-Tipp für den 28. März: Jean Seberg – Against all Enemies

März 27, 2026

Was geschah nach „Nouvelle Vague„?

One, 21.45

Jean Seberg – Against all Enemies (Seberg, USA 2019)

Regie: Benedict Andrews

Drehbuch: Joe Shrapnel, Anna Waterhouse

1968 trifft die Schauspielerin Jean Seberg („Außer Atem“) den Black-Panther-Aktivisten Hakim Jamal. Sie verlieben sich. Sie werden vom FBI beobachtet, das eine Rufmordkampagne gegen sie startet.

Biopic mit einer gewohnt überzeugenden Kristen Stewart in der Hauptrolle, das ziemlich schnell zu einem mutlosen Film über die Gewissenskonflikte eines fiktiven FBI-Agenten wird. Da wäre mehr möglich gewesen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kristen Stewart, Jack O’Connell, Margaret Qualley, Zazie Beetz, Yvan Attal, Stephen Root, Colm Meaney, Anthony Mackie, Vince Vaughn

Wiederholung: Montag, 30. März, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Metacritic über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Rotten Tomatoes über „Jean Seberg – Against all Enemies“

Wikipedia über „Jean Seberg – Against all Enemies“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Benedict Andrews‘ „Jean Seberg – Against all Enemies“ (Seberg, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Blue Moon“ – eine Nacht im Sardi’s mit Lorenz Hart, Richard Rodgers, Oscar Hammerstein und Elizabeth Weiland

März 27, 2026

Im Sardi’s soll am 31. März 1943 nach der Premiere des Musical „Oklahoma!“ gefeiert werden. Es ist die erste Zusammenarbeit von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein. Lorenz Hart (Ethan Hawke) ist schon in der Bar. Der berühmte Broadway-Songautor unterhält die wenigen anwesenden Gäste und einen unbeteiligt vor sich hin lesenden Mann mit seinen scharfzüngigen Bemerkungen und lästert über „Oklahoma!“. Er ist verbittert. Denn bis dahin arbeitete er über zwanzig Jahre mit Richard Rodgers zusammen. Von ihnen stammen fast dreißig Musicals für die Bühne und den Film. Viele der über fünfhundert von ihnen geschriebenen Songs wurden zu immer wieder neu interpretierten Klassikern. Zu ihren bekanntesten Songs gehören „My funny Valentine“, „Have you met Miss Jones?“, „Spring is here“, „Little Girl Blue“, „The most beautiful Girl in the World“, „Manhattan“ und „Blue Moon“.

Zwei Wochen nach „Nouvelle Vague“ startet der zweite absolut sehenswerte Film von Richard Linklater in unseren Kinos. In „Nouvelle Vague“ schildert Linklater die Vorgeschichte und die Dreharbeiten zu dem Klassiker „Außer Atem“. In „Blue Moon“ erzählt er eine andere Geschichte aus dem Showgeschäft, die gleichzeitig einen normalen Abend im Leben des damals 47-jährigen Lorenz Hart schildert und gleichzeitig, wenige Monate vor seinem Tod, sein Leben auf wenige Stunden verdichtet.

Umgeben ist er von einem wundervoll aufeinander und auf ihn eingespieltem Ensemble. Wie ein altes Ehepaar werfen sich der Songtexter und der Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale) die Bälle zu. Der Barpianist Morty Rifkin (Jonah Lees) setzt als dritter Mann Akzente. Auch wenn er nur die zur Szene passende Hintergrundmusik klimpert. Damals schon bekannte Künstler und noch am Anfang ihrer Karriere stehende Künstler betreten an dem Abend die Bühne im Sardi’s.

Mit der zwanzigjährigen Elizabeth Weiland (Margaret Qualley) zieht Hart sich dann länger zu einem intimen Gespräch in die Garderobe zurück. Sie vertrauen einander. Sie erzählt ihm ihre intimsten Geheimnisse, aber liebt sie ihn auch? Hart jedenfalls ist in sie verliebt. Aber er will der deutlich jüngeren Frau seine Liebe nicht gestehen. Bevor sie an dem Abend ins Sardi’s kommt, unterhält er sich mit Eddie über sie, seine Verehrung für sie und seine Gefühle für sie.

Und wenn Richard Rodgers (Andrew Scott) und die „Oklahoma!“-Entourage auftauchen gibt es Showbiz-Begegnungen und Enthüllungen.

Richard Linklater schildert eine Nacht in New York vor über achtzig Jahren, die sich kaum von einer ähnlichen Premierennacht in der Gegenwart unterscheidet. Aber dank der tollen Schauspieler und des sehr pointierten, anspielungsreichen und clever konstruierten Drehbuchs von Robert Kaplow ist „Blue Moon“ eine sehr kurzweilige Angelegenheit, die, abgesehen von einem kurzen Prolog, chronologisch und ohne Rückblenden eine Geschichte erzählt und locker viele, oft nur für Broadway-Kenner erkennbaren Anspielungen einstreut. Eine erste Fassung des Drehbuchs hatte Kaplow schon vor über zehn Jahren geschrieben. Linklater war begeistert. Ethan Hawke ebenso. Weil er damals noch auf Alt hätte geschminkt werden müssen, verschoben sie die Dreharbeiten bis Hawke in dem richtigen Alter für die Rolle war. Nicht ändern konnten sie den Unterschied in der Körpergröße zwischen Hawke (1,79 Meter) und Hart (1,52 Meter). Das wird durch Hawkes extra breitem Anzug und die von Richard Linklaters langjährigem Kameramann Shane F. Kelly gewählten Kamerawinkel versucht zu kaschieren. Es irritiert trotzdem. Wenn Hawke dann die von Kaplow aufgeschriebenen Sätze, die aus präzisen Beobachtungen, treffenden, oft gemeinen Zuspitzungen, Hass und Selbsterkenntnis bestehen, aufsagt, ist das Vergessen.

Die Sätze der anderen Figuren des Stücks sind weniger auf Pointen hin formuliert, aber zusammen ergeben sie, auch dank des guten Ensembles und des hohen Erzähltempos, eine Screwball-Comedy, in der es um verschiedene Formen von Liebe, Enttäuschung und Bewunderung geht.

Blue Moon (Blue Moon, USA 2025)

Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Robert Kaplow (inspiriert von den Briefen von Lorenz Hart und Elizabeth Weiland)

mit Ethan Hawke, Bobby Cannavale, Andrew Scott, Margaret Qualley, Patrick Kennedy, Jonah Lees, Simon Delaney, Cillian Sullivan, John Doran, Anne Brogan, David Rawle

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Blue Moon“

Metacritic über „Blue Moon“

Rotten Tomatoes über „Blue Moon“

Wikipedia über „Blue Moon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Before Midnight“ (Before Midnight, USA 2013)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Everybody wants some!!“ (Everybody wants some!!, USA 2016)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Bernadette“ (Where’d you go, Bernadette, USA 2019)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „A Killer Romance“ (Hit Man, USA 2023)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Nouvelle Vague“ (Nouvelle Vague, Frankreich/USA 2025)

Richard Linklater in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 27. März: Source Code

März 26, 2026

RTL II, 22.45

Source Code (Source Code, USA 2011)

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Ben Ripley

Colter Stevens versucht einen Anschlag auf einen fahrenden Zug zu verhindern. Nach acht Minuten ist er tot. Danach wird er wieder wach im Zug und er hat wieder acht Minuten Zeit, den Attentäter zu finden.

Die Prämisse ist eine äußerst fiese Abwandlung des Murmeltier-Tags. Das Ergebnis ist ein äußerst spannender, um nicht zu sagen bombiger Thriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright, Michael Arden, Cas Anvar

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Source Code“

Wikipedia über „Source Code“ (deutsch, englisch)

Script Shadow redet mit Drehbuchautor Ben Ripley über „Source Code“ (9. Februar 2010)

We got this covered redet mit Ben Ripley über „Source Code“ (20. März 2011)

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ “Moon” (Moon, Großbritannien 2009) und ein Interview mit Duncan Jones über den Film

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Source Code“ (Source Code, USA 2011)

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Warcraft: The Beginning“ (Warcraft: The Beginning, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Jason Statham bietet „Shelter“

März 26, 2026

Seit Jahren versteckt Michael Mason (Jason Statham) sich auf einer einsamen Insel in den Äußeren Hebriden. Alle sieben Tage bekommt er Lebensmittel geliefert. Das ist sein einziger Kontakt zum Rest der Welt. Als während eines Sturms der Kutter, der ihn mit Lebensmitteln versorgt, sinkt, kann er die dreizehnjährige Jessie (Bodhi Raie Breathnach) vor dem Ertrinken retten. Er bringt das verletzte Mädchen, das jetzt eine Vollwaise ist, nicht in das nächste Krankenhaus, sondern pflegt sie bei sich.

Als er mit ihr auf das Festland muss, um einige Kleinigkeiten zu besorgen, werden sie von einer Videokamera beobachtet. Der britische Geheimdienst MI6 sieht die Bilder, identifiziert ihn als einen gefährlichen Terroristen und schickt ein Spezialteam los. In Wirklichkeit ist Mason kein Terrorist, sondern ein abtrümmiger Agent.

Gejagt wird er auf Befehl von seinem früheren MI6-Vorgesetzten Steven Manafort (Bill Nighy). Nachdem Manafort wegen skandalträchtiger Geheimdienstaktionen in den Ruhestand versetzt wurde, agiert und manipuliert er aus dem Hintergrund. Im Rahmen eines ultrageheimen Geheimprogrammes ließ er Mason zur Tötungsmachine ausbilden. Als Mason bei einen seiner Aufträge Gewissensbisse bekam und einen Mordbefehl verweigerte, setzte Manafort seinen besten Mann auf die Abschussliste. Mason tauchte unter.

Jetzt werden Mason und Jessie von Manaforts Auftragkiller Workman (Bryan Vigler), einer jüngeren Ausgabe von Mason, und allen verfügbaren MI6-Spezialeinsatzkommandos quer durch Großbritannien bis nach London gejagt.

Shelter“ ist der neue Film von Ric Roman Waugh. In den letzten Jahren inszenierte er mehrere Actionfilme mit Gerald Butler in der Hauptrolle. Zuletzt die Dystopie „Greenland 2“. Dieses Mal übernahm Jason Statham die Hauptrolle. Das Ergebnis unterscheidet sich kaum von seinen anderen Filmen. Auch sein neuester Actionfilm ist grundsolide, altmodische B-Picture Thrillerkost, die etwas besser ist, als man es erwartet.

Die Geschichte bewegt sich, ziemlich überraschungsfrei, innerhalb der bekannten Actionthriller-Konventionen. Einiges, wie dass Mason Jessie nicht sofort zum nächsten Krankenhaus bringt und danach entweder auf seine Insel zurückkehrt oder an einem anderen Ort untertaucht, muss man einfach akzeptieren. Es gibt eine äußerst milde Warnung vor den Möglichkeiten staatlicher Überwachung in demokratischen Gesellschaften. In erster Linie sind die überall vorhandenen öffentlichen und privaten Kameras ein spannungssteigerndes Element. Denn Masons Jäger können ihn und das Mädchen immer überall finden. Manafort kann auch, aus seinem Home-Office, nach Belieben alle Daten manipulieren. Es gibt mehrere gute Actionszenen, die teils auf dem Land und teils in London spielen und vor Ort gedreht wurden. Das trägt zum Realismus bei.

Und so schlägt Jason Statham sich in einer Rolle, die er im Schlaf beherrscht, durch eine gut abgehangene, nicht vollkommen unrealistische, angenehm bodenständig inszenierte und erzählte Geschichte, die den Fans genau das bietet, was sie erwarten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Shelter (Shelter, Großbritannien 2026)

Regie: Ric Roman Waugh

Drehbuch: Ward Parry

mit Jason Statham, Bodhi Rae Breathnach, Bill Nighy, Naomi Ackie, Daniel Mays, Harriet Walter, Bryan Vigier, Michael Shaeffer, Bally Gill

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Shelter“

Metacritic über „Shelter“

Rotten Tomatoes über „Shelter“

Wikipedia über „Shelter“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Snitch – Ein riskanter Deal“ (Snitch, USA 2013)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Angel has fallen“ (Angel has fallen, USA 2019)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Greenland“ (Greenland, USA 2020)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Kandahar“ (Kandahar, USA 2023)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Greenland 2“ (Greenland 2: Migration, USA 2025)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Splatterorgie „They will kill you“

März 26, 2026

Die freundlich gemeinte, auf den Badezimmerspiegel geschriebene und übersehene Warnung, die erst sichtbar wird, wenn genug Wasserdampf im Raum ist, kommt etwas spät. Denn in dem Moment hat Asia Reaves (Zazie Beetz) bereits ihr Zimmer in der Nobelherberge „Virgil“ bezogen. Es ist ein in New York liegendes, seit über hundert Jahren existierendes Gasthaus, das eine „John Wick“-Aura versprüht. Und dieser Eindruck täuscht nicht. Das „Virgil“ ist kein normales Hotel. Die Gäste und Teile des Personals sind speziell. Das stellt Asia, die hier als Zimmermädchen anfangen will, schon in der ersten Nacht fest, als einige maskierte Wesen sie im Schlaf betäuben wollen. Asia wird wach. Sie wehrt sich – und Regisseur Kirill Sokolow („Why don’t you just die!“, „No Looking Back“) präsentiert die erste große Actionszene seines neuen Films „They will kill you“. Ab diesem Moment gibt es, bis auf wenige Verschnaufpausen, nur noch Action. Und viele Lacher. Asia tritt und schlägt um sich. Sie setzt alles ein, was es in einem Personalzimmer gibt. In ihrem Koffer hat sie einige weitere Überraschungen, wie eine Schrotflinte und ein Schwert. Körperteile und Köpfe fliegen durch das Zimmer. Blut spritzt. Am Ende steht nur noch Asia – bevor einige Minuten später alle von ihr abgeschlachteten Menschen wieder aufstehen. Sie sind Unsterbliche. Asia soll für ein regelmäßig stattfindendes Ritual das Opfer sein.

Die letzten zehn Jahre ihres Lebens verbrachte Asia im Gefängnis. Sie wollte ihre jüngere Schwester vor ihrem gewalttätigem Vater beschützen und verletzte ihn schwer. In den Waschräumen des Gefängnisses erhielt sie ihre Kampfausbildung. Jetzt ist sie ins „Virgil“ gekommen, um ihre Schwester aus dem Haus herauszuholen.

They will kill you“ ist eine abgedrehte Splatter-Schlachtplatte mit viel schwarzem Humor, abstrusen Kämpfen (auch mit einer brennenden Axt), bizarren Einfälle (ich sage nur „Auge“) und sehr viel herumspritzendem Blut.

Die Story selbst ist eine neunzigminütige Nacherzählung von „Ready or not“ und „Ready or not 2“ (ab dem 9. April im Kino). Nur schlechter. Die Regeln des Tötens und Überlebens werden so improvisiert, dass der nächste Kill funktioniert. Oder halt nicht. Immerhin sind in dem Moment bereits der Kopf, Arme und Beine der Untoten fotogen durch den Raum verteilt worden. Es gibt mehrere erklärende Rückblenden, die deutlich schlechter in die Geschichte eingeflochten als zuletzt in „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ oder in einem Tarantino-Film. In diesen Filmen sind sie ein Teil der Geschichte, der die Geschichte vorantreibt. In „They will kill you“ verlangsamen sie die in einer Nacht spielende Haupthandlung.

Frei nach der legendären Gerichtsentscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Einzug des Horrorfilms „Tanz der Teufel“, dass Zombies keine Menschen seien und ihnen damit keine Menschenwürde zukomme, dürfen die Bewohner des „Virgil“ in diesem Tanz der Untoten gequält, massakriert, um Körperteile erleichtert, dem Gelächter des Publikums zum Frass vorgeworfen und, nun, immer wieder kurzzeitig getötet werden. Die unsterblichen Mitglieder der satanischen Sekte stehen ja wieder auf. Erst am Ende des Films befördert Asia sie final (bis zur im Horrorfilmgenre natürlich immer möglichen Fortsetzung) in einen anderen Bewusstseinszustand.

Zazie Beetz, die wir spätestens seit „Deadpool 2“ als Heldin mit der Superkraft „Glück“ kennen und lieben, überzeugt auch hier als lucky Heldin, die alles tut, um ihre jüngere Schwester zu retten und eine beeindrucken Menge an Frisurvarianten präsentiert. Da ist dann wirklich keine Zeit, das blutbesudelte T-Shirt zu wechseln.

They will kill you (They will kill you, USA 2026)

Regie: Kirill Sokolow (alternative Schreibweise: Sokolov)

Drehbuch: Alex Litvak, Kirill Sokolow

mit Zazie Beetz, Myha’la, Paterson Joseph, Tom Felton, Heather Graham, Patricia Arquette

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre (wie sich die Zeiten ändern)

Hinweise

Moviepilot über „They will kill you“

Metacritic über „They will kill you“

Rotten Tomatoes über „They will kill you“

Wikipedia über „They will kill you“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 26. März: Stadt der Gewalt

März 25, 2026

Tele 5, 22.00

Stadt der Gewalt (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)

Regie: Derek Yee (Pseudonym von Tung-Shing Yee)

Drehbuch: Tung-Shing Yee, Tin Nam Chun

In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts reist der arme chinesische Arbeiter Tietou (Jackie Chan) illegal nach Japan. Er sucht seine Freundin Xiu Xiu und schlägt sich in Tokios Vergnügungsviertel Shinjuku mit schlechtbezahlten Jobs und kleinen Gaunereien durch. Da erfährt er, dass Xiu Xiu inzwischen die Frau eines Yakuza-Bosses ist.

Noir-Drama mit einer ordentlichen Portion Action, das vor allem als Gangsterdrama mit Botschaft überzeugt. Ebenfalls überzeugend ist Jackie Chan in einer ungewohnt ernsten Rolle, die ihn vor allem als Schauspieler fordert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jackie Chan, Naoto Takenaka, Daniel Wu, Xu Jinglei

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Stadt der Gewalt“ 

Wikipedia über „Stadt der Gewalt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Derek Yees „Stadt der Gewalt“ (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)


TV-Tipp für den 25. März: Watching You – Die Welt von Palantir und Alex Karp

März 24, 2026

3sat, 20.15

Watching you – Die Welt von Palantir und Alex Karp (Deutschland 2024)

Regie: Klaus Stern

Drehbuch: Klaus Stern

Spielfilmlange Doku über Alex Karp, den Gründer der US-amerikanischen Firma Palantir. Aktuell diskutieren deutsche Sicherheitsbehörden über einen Einsatz der US-Überwachungssoftware. Aber anstatt sich mit der von Polizei und Geheimdiensten eingesetzten, von Datenschützern kritisierten Überwachungssoftware auseinanderzusetzten, konzentriert „Watching you“ sich auf Alex Karp, der als etwas schrulligen und interviewscheuer Unternehmer porträtiert wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 21.45 Uhr, zeigt 3sat die 15-minütige Kurzdoku „Vordenker des Silikon Valley – Warum Big Tech Trump unterstützt“ (Deutschland 2026), und danach muss sofort umgeschaltet werden. Ab 22.00 Uhr zeigt der BR die 45-minütige, ebenfalls brandneue Doku „Gefährliche Intelligenz – Kindesmissbrauch mit KI“.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Watching you“

Moviepilot über „Watching you“

Wikipedia über Klaus Stern, Palantir (deutsch, englisch) und Alex Karp (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Klaus Sterns „Watching you – Die Welt von Palantir und Alex Karp“ (Deutschland 2024)


Cover der Woche

März 24, 2026

Gutes Buch, gut verfilmt von John Huston mit Albert Finney in der Hauptrolle.

Eine absolute Leseempfehlung.