Der Soldat James Ryan (Saving Private Ryan, USA 1998)
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Robert Rodat
1944, nach der Landung der Allierten in der Normandie, wird US-Captain Miller mit einigen Männern losgeschickt. Sie sollen den titelgebenden Soldaten James Ryan finden und nach Hause schicken. Dummerweise weiß niemand, wo er ist.
Packender Kriegsfilm von Steven Spielberg. Auch wenn er letztendlich nur die Geschichte vom tapferen Soldaten erzählt.
Mit Tom Hanks, Edward Burns, Tom Sizemore, Matt Damon, Barry Pepper, Adam Goldberg, Vin Diesel, Giovanni Ribisi, Jeremy Davis, Ted Danson, Bryan Cranston, Paul Giamatti
Für die trüben Novembertage empfehlen die Damen und Herren Krimikritiker in ihrer monatlichen Krimibestenliste, präsentiert von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur, folgende mörderischen Romane:
1 (7) Tana French: Wie ein Fluss in der Nacht
Aus dem Englischen von Henning Ahrens
560 Seiten
26 Euro
S. Fischer
2 (2) Belinda Bauer: Das Ding der Unmöglichkeit
Aus dem Englischen von Conny Lösch
400 Seiten
25 Euro
Antje Kunstmann
3 (-) Attica Locke: Führe mich heim
Aus dem Englischen von Andrea Stumpf
358 Seiten
26 Euro
Polar
4 (-) Caroline Blackwood: Das Schicksal von Mary Rose
Aus dem Englischen von Claudia Voit
284 Seiten
24 Euro
Insel
5 (9) Dirk Schmidt: Final Show
267 Seiten
17 Euro
Suhrkamp
6 (-) Iva Procházkova: Ein Lied für den Weg
Aus dem Tschechischen von Mirko Kraetsch
428 Seiten
22 Euro
Braumüller
8 (3) Mike Nicol: Die Schakalin
Aus dem Englischen von Meredith Barth
511 Seiten
15 Euro
btb
9 (-) Liza Cody: Die herzlose Detektivin
Aus dem Englischen von Iris Konopik
272 Seiten
18 Euro
Ariadne/Argument
10 (1) Peter Grainger: Ein unglücklicher Tod
Aus dem Englischen von Eva Regul
272 Seiten
18 Euro
Diogenes
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
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Dass Peter Grainger mit zwei Romanen auf der Liste steht, dürfte eine Premiere sein.
Attica Locke liegt ziemlich weit oben auf meinem Zu-lesen-Stapel. Dummerweise dauert die Lektüre von Anna Mais “Brausecrash” länger als erwartet. Nicht weil das Buch schlecht ist, sondern weil ich so wenig Zeit habe.
2015, so erzählt Fatih Akin, hatte sein damals zehnjähriger Sohn die Idee für einen Film über zwei Freunde, von denen der eine lebendig und der andere tot ist. Diese Idee war der Ursprung für seinen neuesten Film „Geister“. Pünktlich zum Filmstart erschien jetzt auch die auf dem Drehbuch und Rohschnittfassungen basierende, von Bea Davies gezeichnete Comicversion.
Aus den beiden Freunden wurden zwei Abiturienten, die sich auf einer Abifeier im Turmkorb des Heinrich-Hertz-Turms, dem Fernsehturm von Hamburg, an der Bar kennen lernen. Die beiden Einser-Abiturienten Faris (Eren M. Güvercin) und Farasha (Mariam Dawoud) verstehen sich sofort. Es ist die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick.
Farasha bittet Faris, sie heimzufahren. Zusammen mit zwei Freunden, die er ebenfalls nach Hause fahren will, machen sie sich auf den Weg. Es ist eine dieser typischen Heimfahrtouren quer durch die Stadt. Als er sich im Roßhafen verfährt, geschieht ein Unfall.
Am nächsten Tag erwacht Faris im Krankenhaus. Er erfährt, dass er in die Elbe gefahren und Farasha ertrunken ist. Warum es zum Unfall kam und was am Unfallort genau passierte, enthüllt Akin ziemlich ungeschickt in Bruchstücken über den gesamten Film.
Die tote Farasha erfährt von ihrem ebenfalls totem Vater, dass die Toten in den ersten vierzig Tagen nach ihrem Tod den Lebenden im Traum begegnen können. Danach verschwänden sie im Nebel der Erinnerung. Farasha versucht nun den von ihr über alles geliebten Faris zu kontaktieren. Und Faris versucht, mit Farashas Hilfe, Klarheit über seine Gefühle und sein weiteres Leben zu erlangen. Im Moment kann er sich kein Leben ohne Farasha vorstellen.
Fatih Akin erzählt die Geschichte einer großen Liebe. Was kann da nach „Gegen die Wand“ schon schiefgehen? Und er erzählt sie mit jungen Protagonisten, die gerade ihr Abitur hinter sich haben. Was kann da nach Filmen wie „Tschick“, „Rheingold“, „Amrum“ und „Kurz und schmerzlos“ schon schiefgehen?
In den ersten Minuten, wenn Farasha und Faris sich zum ersten Mal begegnen, zeigt Akin, dass alles schiefgehen kann. In der Szene stimmt nichts.Die Gefühle sind bestenfalls behauptet. Bei diesem ersten Gespräch zwischen Farasha und Faris ist nicht die Taubheit für das Gespräch der beiden Jugendlichen, sondern die Taubheit für jedes Gespräch erstaunlich. So reden Menschen nicht miteinander. Nicht im echten Leben, nicht auf einer Theaterbühne, höchstens in einem schlechten Film.
Im folgenden wird es nicht besser. Das Spiel bleibt gekünstelt. Das Plotting ist seltsam. Das Erzähltempo enervierend langsam. Szenen, die große Gefühle zeigen sollen, erreichen das Gegenteil. Anstatt nach Taschentüchern zu suchen, gibt es peinliches Schweigen und Lachanfälle.
In „Geister“ ist nichts von dem Fatih Akin zu spüren, der sich in seinen anderen Filmen so gut auf die widerstreitenden Gefühle seiner Protagonisten einließ und er ein fantastisches Gespür für jugendliche Protagonisten, ihr Leben, ihre Gefühle und Wünsche hatte. Aber das waren glaubwürdige Figuren, mit denen man sich gerne auf eine Reise begab. In „Geister“ sind sie nur Abziehbilder für Behauptungen.
Während der Film auf keiner Ebene funktioniert, funktioniert die von Bea Davies gezeichnete Comic-Version prächtig. Ihr Comic ist ein Filmroman. D. h. er hält sich in den Dialogen und Bildern sklavisch an das Drehbuch und überträgt die Geschichte möglichst getreu in ein anderes Medium. Im Comic sind die gekünstelten Dialoge des Films gut lesbar. Schließlich gibt es in einem Comic keinen Platz für lange Dialoge. Sie sind immer knapp. Die Zeichnungen und das Erzähltempo stimmen. Der Wechsel zwischen den SW-Panels und den wenigen farbigen Elementen, die für das Totenreich stehen, ist schlüssig. Akins Film ist dagegen durchgehend bunt. Und ein Manga oder ein Anime, in dem Menschen im Kontakt mit mal guten, mal bösen Geistern stehen, ist keine Seltenheit.
Wer sich für die Geschichte interessiert, sollte den Comic lesen.
Geister (Deutschland 2026)
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, Ruth Toma
mit Mariam Dawoud, Eren M. Güvercin, Carlotta von Falkenhayn, Gabriel-Winner Amorin, Anna Bederke, Lama Alhalabi, Aya Samra, David Schütter
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Der Comic zum Film
Bea Davies: Geister (nach einem Film von Fatih Akin)
TV-Premiere. Über 160 Minuten erzählt Tom Tykwer einige Wochen aus dem Leben der normal dysfunktionalen Berliner Familie Engels, deren Leben etwas aus den gewohnten Bahnen gerät, als sie eine syrische Immigrantin als Haushälterin engagieren. Denn Farrah ist nicht nur Haushälterin.
Schön, dass Tom Tykwer nach einer neunjährigen Kinopause wieder Kino macht. Schade, dass es kein besserer Film wurde.
Seit 2009 veröffentliche Jörg Maurer sechzehn humoristische Alpenkrimis mit Kommissar Hubertus Jennerwein als etwas seltsamen und an Akinetopsie (aka Bewegungsblindheit) leidenden Ermittler. Von den Büchern wurden über drei Millionen Exemplare verkauft. Mit den Verfilmungen haute es bislang nicht hin. 2011 wurde der Jennerwein-Krimi „Föhnlage“ für das Fernsehen verfilmt. Es blieb eine einmalige Ermittlung.
Jetzt wird ein zweiter Versuch gestartet. „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ bekommt sogar, trotz TV-Optik und einer erkennbar auf weitere Filme angelegten Erzählweise, einen Kinostart.
Während des Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen wird auf den gerade springenden dänischen Skispringer geschossen. Der vor wenigen Minuten in dem Ort wieder angekommene Kommissar Jennerwein (Florian Brückner) beginnt mit seinen Ermittlungen. Während der Bürgermeister möchte, dass die Ermittlungen möglichst schnell beendet werden und er wieder ungehindert die Bewerbung von Garmisch-Partenkirchen für die Winter-Olympiade forcieren kann, erhalten Jennerwein und sein Team anonyme Briefe, in denen weitere Taten angekündigt werden.
Hannu Salonens Verfilmung des zweiten Jennerwein-Alpenkrimis „Hochsaison“ nimmt sich, zum Glück, gegenüber dem Roman viele Freiheiten und konzentriert sich mehr auf den Kriminalfall.
Im Gegensatz zu dem konfus vor sich hin plätscherndem Roman, erzählt Salonen, ausgehend von einem von Maximilian Brückner, Linus Herbig-Matten und Dinah Marte Golch geschriebenem Drehbuch, eine ziemlich stringente Kriminalgeschichte mit einer ordentlichen Portion bayerischem Humor. Es gibt einem Blick auf die regionalen Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten, die fotogen für die Verbrechen ins Szene gesetzt werden. Das Ermittlerteam findet in diesem Krimi zusammen. Die Absicht der Macher, dass es gemeinsam weitere Fälle lösen soll, ist unverkennbar. Das alles orientiert sich deutlich an den gelungeneren Eberhofer-Krimikomödien. In „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“ ist alles harmloser und austauschbarer.
Und jetzt sollte ich erklären, welcher Godzilla zurück ist.
Seinen ersten Auftritt hatte er 1954 in Inoshiro Hondas „Godzilla“. Der SW-Monsterheuler thematisierte auch die Folgen des Zweiten Weltkriegs, vor allem der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, für Japan. Seitdem trat er in unzähligen weiteren Filmen auf. Die meisten Filme waren billig. Mit kindlicher Freude zertrampelte Godzilla Großstädte, während Menschen versuchten, ihn zu besiegen. Manchmal kämpfte Gozilla auch gegen andere Kaijus. Die Menschen kämpften gegen sie. Am Ende war eine Großstadt kaputt. Und viele Kinder und Jugendliche hatten einen wunderschönen Sonntagnachmittag vor dem Fernseher verbracht.
Später durfte Godzilla im Big-Budget-Hollywoodkino mitmischen. Aktuell in dem „MonsterVerse“. Die bislang fünf Filme waren teuer. Der günstigste soll 135 Millionen US-Dollar gekostet haben. Sie haben viele ziemlich gut aussehenden CGI-Effekte und sind, in verschiedenen Abstufungen, schlecht.
Mitten in dieses Hollywood-Franchise platzte 2023 „Godzilla Minus One“. Takashi Yamazaki erzählt in seinem mit einem Oscar für die besten visuellen Effekte prämiertem Monsterfilm, der am Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt, vom Kampf einiger tapferer Menschen gegen Godzilla. Der aus Hollywood-Sicht extrem günstig produzierte Film – er soll 10 Millionen US-Dollar gekostet haben – war ein Überraschungserfolg.
„Gozilla Minus Zero“ ist die zwei Jahre später spielende Fortsetzung. Godzilla ist doch nicht tot. Artgenossen von Godzilla tauchen auf. Alles deutet auf einen großen Kampf zwischen Menschen und Monstern hin. Auf der Seite der Menschen kämpfen dann viele Menschen, die bereits in „Godzilla Minus One“ gegen Godzilla kämpften.
Für die ursprünglich nicht geplante Fortsetzung hatte Takashi Yamazaki, der wieder das Drehbuch schrieb, Regie führte und für die visuellen Effekte zuständig war, mehr Geld zur Verfügung. Er sagt bescheiden, das Budget sei etwas gestiegen. In jedem Fall war das VFX-Team größer. Dieses Mal bestand es nicht aus 35, sondern aus 50 Leuten. Es wurde im IMAX-Format gedreht. Und er ist einige Minuten länger.
Sein Film ist ein leicht zwiespältiges Vergnügen. Die Actionszenen sind gelungen. Vor allem im Finale wird dem Affen ordentlich Zucker gegeben. Aber sie sind rar. Die Auftritte von Godzilla und seinen, uh, Artgenossen noch rarer.
Zwischen den Actionszenen wird ordentlich gemenschelt, analysiert und sich auf den Kampf gegen die Monster vorbereitet. Die politischen Implikationen sind deutlich. Die Szenen mit Menschen sind oft quälend. Beispielsweise bemüht sich ein Mädchen schon von ihrem ersten Auftritt an erfolgreich, möglichst nervig zu sein. Das überbordende, kulturell bedingte Pathos und die damit verbundene Todesverachtung ist arg gewöhnungsbedürftig. Andere Szenen in der Familie und bei der Arbeit sind durchaus gelungen, aber auch eigentlich immer länger als nötig. So kommt der Monsterfilm auf deutlich über zwei Stunden Laufzeit.
Trotz aller Kritik ist „Godzilla Minus Zero“ ungleich besser als die Hollywood-Filme des „MonsterVerse“. Er bietet den Fans schon, was sie wollen und von einem japanischen Godzilla-Film erwarten.
Godzilla Minus Zero(Godzilla Minus Zero, Japan 2026)
Regie: Takashi Yamazaki
Drehbuch (und visuelle Effekte): Takashi Yamazaki
mit Ryûnosuke Kamiki, Minami Hamabe, Min Tanaka, Hidetaka Yoshioka, Masami Nagasawa, Yuki Yamada, Kuranosuke Sasaki, Jun Kunimura, Sakura Ando, Miou Tanaka, Sae Nagatani
Irgendwo in Russland in der Provinz: Gleb ist ein erfolgreicher Firmeninhaber, verheiratet und Vater. Sie leben in einem noblen, sehr westlich eingerichtetem Haus im Wald an einem See. Auf den ersten Blick ist alles perfekt. Aber nach Russlands Überfall auf die benachbarte Ukraine flüchten etliche Mitarbeiter in den Westen. Jeder seiner Arbeitstage beginnt mit der Meldung, wer nicht zur Arbeit erschienen ist. Zusätzlich bittet ihn die Regierung, vierzehn seiner Mitarbeiter für die ‚Spezialoperation‘ abzustellen. Gleb fragt sich, wen von seinen Angestellten er in den ziemlich sicheren Tod schicken soll.
Auch im Privaten häufen sich die Probleme. Seine Frau Galina betrügt ihn. Das kann und will er nicht akzeptieren.
Ruhig, sehr ruhig, immerhin hat „Minotaurus“ eine stolze Länge von 142 Minuten, erzählt Andrey Zvyagintsev von Glebs Leben und wie es immer mehr aus dem Ruder läuft. Er gehört eindeutig zur oberen Schicht. Er hat den Habitus eines Mitglieds der Bourgeoisie. In diesen Momenten wirkt Zvyagintsevs Film, als habe er Claude Chabrols bitterböse und präzise Analyse der französischen Gesellschaft, vor allem der französischen Gesellschaft der sechziger und siebziger Jahre, als er einige seiner besten und einflussreichsten Kriminaldramen drehte, auf die russische Gesellschaft übertragen. Das funktioniert erstaunlich gut. Zvyagintsev hat nicht nur Chabrols Gesellschaftsporträt, sondern einen seiner besten Filmen, nämlich „Die untreue Frau“ (La femme infidèle, Frankreich 1969), in die Gegenwart und in die russische Provinz verlegt.
Wenn man das während des Films begreift oder schon vorher weiß, dann kennt man natürlich die Geschichte und fragt sich, warum Zvyagintsev 45 Minuten mehr braucht als Chabrol, um diese Geschichte von Eifersucht, Mord und Liebe zu erzählen. Die anfängliche Spannung verfliegt, weil man den sich langsam entfaltenden, chronologisch und unterkühlt erzählten Plot, seine Wendungen und auch die Schlusspointe kennt. Ob Zvyagintsev Chabrols Schlusspointe genau so wiederholt oder, immerhin entstand Chabrols Film vor über fünfzig Jahren und spielte in einer anderen Gesellschaft, variiert, ist in dem Moment schon zweitrangig.
Insgesamt ist Zvyagintsevs Krimidrama über eine fremdgehende Frau und ihren eifersüchtigen Ehemann einfach zu lang. Daran ändert Zvyagintsevs Anklage gegen das System Putin und die präzisen, oft packenden, aber immer auch langen Miniaturen aus dem Leben in einer Provinzstadt, und etliche wegen ihrer Inszenierung atemberaubenden Szenen nichts.
Um alle Missverständnisse über den Wahrheitsgehalt der Geschichte auszuräumen, verrät das Presseheft auf der ersten Seite: „Diese Darstellung von Patricia Highsmith und ihrem Leben ist rein fiktiv.“
Regisseur Anton Corbijn erklärt es genauer: „Highsmith war eine reale Person, und sie zog in ein bunkerartiges Haus in der Schweiz, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Wir zeigen sie am Ende ihres Lebens, was biografisch der Wahrheit entspricht, aber alles andere ist fiktional. Wir spielen also mit dem Verständnis davon, wer sie war, und bauen darauf auf.“
Helen Mirren, die Patricia Highsmith spielt, stimmt ihm zu: „Wir haben keinen Dokumentarfilm über Patricia Highsmith gedreht. Wir drehen nicht einmal ein Dokudrama über sie. Sie ist eine Figur in einer Geschichte, die ein Krimi, ein Thriller, eine psychologische Untersuchung ist – offensichtlich inspiriert von ihrem brillanten Schreibstil. Es ist nicht die wahre Figur, die man da sieht. Ich betrachte es nicht als Imitation, es ist eine fiktive Figur, die von ihr inspiriert ist.“
Und wie alle großen Schriftsteller und Schriftstellerinnen (und Blues-, Jazz- und Rockmusiker; aber deren Geschichten sind andere Geschichten) wissen, sollte eine gute Geschichte niemals über Gebühr von lästigen Fakten gestört werden. Ein Roman, ein Theaterstück, ein Spielfilm ist Fiktion. Und das ist „Ein Talent fürs Morden“. Außerdem ist Corbijns Film ein großer Spaß für Fans von Patricia Highsmith und Tom Ripley, für Krimifans und für die Freunde einer guten schwarzhumorigen, mit Anspielungen und Metaebenen angereicherten Geschichte.
1995 soll der junge Lektor Edward Ridgeway (Alden Ehrenreich) die zurückgezogen in einem Chalet in den Schweizer Alpen lebende Patricia Highsmith (Helen Mirren) überzeugen, noch einen Ripley-Roman zu schreiben. Er hat schon gehört, dass sie schwierig sei. Aber dass sie so schwierig und biestig ist und ihn anscheinend umbringen will, damit hat er nicht gerechnet. Oder spielt sie nur mit ihm?
„Ein Talent fürs Morden“ basiert auf Joanna Murray-Smiths von ihr für den Film kunstvoll erweitertem Zwei-Personen-Theaterstück. Für Fans von Patricia Highsmith und ihrer bekanntesten Figur, dem Mörder Tom Ripley, ist das Ergebnis ein Fest. Gleich ihr erster Roman „Alibi für zwei“/“Zwei Fremde im Zug“ (Strangers on a train, 1950) mit seiner grandiosen Prämisse von einem vertauschten Mord war ein Erfolg. Alfred Hitchcock verfilmte ihn. 1955 erschien ihr erster Ripley-Roman „Nur die Sonne war Zeuge“/“Der talentierte Mr. Ripley“ (The talented Mr Ripley). Die erste Verfilmung von 1960 machte Alain Delon, der Ripley verkörperte, zum Star. 1999 verfilmte Anthony Minghella den Roman wieder. Mit Matt Damon als Ripley. Beide Filme gelten inzwischen als Klassiker. Highsmith hatte damals einen Mörder erfunden, der weiter morden durfte in ihren Romanen und den Verfilmungen. Beispielsweise in „Der amerikanische Freund“ von Wim Wenders. Und das sind nur die bekanntesten Ripley-Verfilmungen für das Kino.
Highsmith schrieb fünf Ripley-Romane. Er blieb ihr einziger Seriencharakter.
Nachdem Ridgeway die ersten Stunden und Nacht mit der Hausherrin überlebt, beginnen sie ein Spiel, das die Grenzen zwischen Realität und Fiktion weiter verwischt. Sie erfinden einen neuen Ripley-Roman – und wir sehen Ridgeway als Ripley (Eldenreich in einer Doppelrolle), der die Frau, die er auf der Zugfahrt zu Patricia Highsmith kennen lernte, mit mörderischen Absichten verführt. Sie könnte ein Vermögen erben.
In der schwarzhumorigen Krimikomödie gibt es selbstverständlich etliche Anspielungen auf Tom Ripley. Wobei sich wegen der großen Bekanntheit des ersten Ripley-Romans und den allseits bekannten Verfilmungen vor allem auf diesen Ripley-Roman konzentriert wird. Alle anderen Werke und ihr ebenfalls damals unbekannteres, heute bekannteres Privatleben werden dagegen weitgehend und großflächig ignoriert. Schließlich will „Ein Talent fürs Morden“ ein glänzend gespielter und inszenierter Spaß mit dem öffentlichen Image und dem populären Wissen über Patricia Highsmith sein.
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Wer es realistischer will, kann sich den Dokumentarfilm „Loving Highsmith“ (Schweiz/Deutschland 2022) ansehen. Und wer einige Zeit auf der Couch verbringen will, kann einige ihrer bei Diogenes erschienenen Bücher lesen.
Am 18. November erscheint dort als 15. Band der Reihe „Modern Classics“ ihr früher Roman „Salz und sein Preis“ in einer neuen Ausgabe als Hardcover.
Der Roman ist ein untypischer Highsmith-Roman, weil er keine Kriminal- sondern eine Liebesgeschichte erzählt und weil er ursprünglich unter Pseudonym erschien. 1952 wurde er unter dem Autorennamen Claire Morgan veröffentlicht. Highsmith wollte damals nicht als Autorin lesbischer Romane angesehen werden. In „The Price of Salt“, so der Originaltitel, erzählt Highsmith die optimistisch endende Liebesgeschichte zwischen der neunzehnjährigen Verkäuferin Therese Belivet und der dreizehn Jahre älteren, wohlhabenden, eine Tochter habenden, verheirateten, aber getrennt lebenden Carol Aird. Die Paperback-Ausgabe wurde über eine Million mal verkauft.
1990 veröffentlichte Highsmith den Roman unter ihrem Namen als „Carol“. Eine erste Übersetzung (von Kyra Stromberg) erschien 1990 bei Diogenes als „Carol – Roman einer ungewöhnlichen Liebe“. 2005 erschien, ebenfalls bei Diogenes, der Roman in einer neuen Übersetzung (von Melanie Walz) als „Salz und sein Preis“.
2015 kam die von Todd Haynes sensibel inszenierte Verfilmung „Carol“ mit Cate Blanchett und Rooney Mara in den Hauptrollen in die Kinos.
Ein gewöhnlicher Startpunkt ist natürlich einer ihrer Kriminalromane. Es ist egal, mit welchem man beginnt.
Ein Talent fürs Morden (A Talent for Murder, Großbritannien/Schweiz/Italien 2026)
Regie: Anton Corbijn
Drehbuch: Joanna Murray-Smith (nach ihrem Theaterstück „Switzerland“ [2014])
mit Helen Mirren, Alden Ehrenreich, Olivia Cooke, Juliet Stevenson
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Lektüretipp (erhältlich in dieser Ausgabe ab dem 18. November)
Patricia Highsmith: Salz und sein Preis
(übersetzt von Melanie Walz, mit einem Nachwort von Patricia Highsmith und einem von Antje Rávik Strubel)
Weil die TV-Premiere von „Late Night with the Devil“ (Toller Film!) im ZDF um 01.20 Uhr einfach zu spät ist:
One, 21.55
Shoplifters – Familienbande(Manbiki Kazoku, Japan 2018)
Regie: Hirokazu Kore-eda
Drehbuch: Hirokazu Kore-eda
Die Familie Shibata hält sich mit kleinen Ladendiebstählen über Wasser. Aber sie sind auch eine herzensgute Familie, die spontan die kleine Yuri, die allein auf einem Balkon spielt, bei sich aufnehmen.
Gewohnt feinfühliger Film von Hirokazu Kore-eda über echte und falsche Familien, der verdient in Cannes die Goldene Palme erhielt.
Bis auf Daniel Craigs tödliche (und wie ich finde tödlich misslungene) Abschiedsvorstellung “Keine Zeit zu sterben” zeigt das ZDF ab Dienstag, den 1. Dezember, ab 10.00 Uhr alle Eon-James-Bond-Filme; also die klassischen, kanonisierten, offiziellen James-Bond-Filme mit Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig.
Nicht alle Filme laufen im Fernsehen, aber alle sind in der Mediathek. Konkret: ab dem 1. Dezember sind sie für sechzig Tage im ZDF-Streaming-Portal und ab Freitag, den 18. Dezember, um 22.25 Uhr werden einige Bond-Filme im ZDF, ZDFneo und auf 3sat gezeigt.
Das ist also eine grandiose Gelegenheit, Lücken zu schließen oder einfach noch einmal fast alle James-Bond-Filme zu sehen. Ohne Werbung und auch ohne die Filme zu kaufen.
Friendly Fire – Erich Fried (Deutschland/Österreich 2025)
Regie: Klaus Fried, Julia Albrecht (Realisation)
Drehbuch: Klaus Fried, Andrew Hood
TV-Premiere. Klaus Fried will herausfinden, warum sein Vater Erich Fried (6. Mai 1921, Wien – 22. November 1988, Baden-Baden) so wenig über ihn wusste.
Entstanden ist kein Film über das Werk von Erich Fried, sondern über die Suche nach einem Vater, der gleichzeitig ein von der ganzen Welt bewunderter Dichter und politischer Essayist war. Ein mit Absicht sperriger und dissonanter Film. Sehenswert!
Aufgrund eines Fluchs tauschen der gefürchtete Serienmörder ‚Blissfield Butcher‘ (Vince Vaughn) und die 17jährige Millie Kessler (Kathryn Newton) ihre Körper. Der Mörder ist begeistert. Denn niemand würde vermuten, dass eine schnuckelige Schülerin ein gefürchteter Mörder ist. Er erkundet sofort neue, ihm vorher verschlossene Jagdreviere. Die Schülerin hätte dagegen gerne ihren alten Körper zurück.
Köstlicher Bodyswitch-Slasherfilm mit einer ordentlichen Portion Slapstick (wenn der Riese Vaughn eine 17-jährige spielt) und voller gelungener Anspielungen und Zitate auf Horrorfilme.
Wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schickt die CSSR einen Spion und die UdSSR eine Spionin in den Westen. Während ihres ersten echten Einsatzes treffen sie sich zufällig in München in einer Hotelbar. Sie verlieben sich ineinander und interessieren sie sich nicht mehr für ihre Mission.
Dass Pavel besonders sprachbegabt ist, kommt öfter vor. Dass Sylva, bevor sie im Institut für experimentelle Humanmedizin zu einer wunderschönen Frau wurde, eine Füchsin war, ist dagegen einzigartig und jenseits jeder Realität. Aber so etwas kommt in osteuropäischen Romanen, auch wenn sie keine Fantasy-Romane sind, die in Buchhandlungen sofort bei den üblichen Fantasy-Romanen einsortiert werden, öfter vor.
Jiří Kratochvil wurde 1940 in Brünn geboren. Von 1968 bis 1989 belegte ihn die dortige Regierung mit einem politisch bedingtem Publikationsverbot. Inzwischen ist er einer der führenden Vertreter der tschechischen Postmoderne.
Sein neuester Roman „Fuchs zu Dame“ ist ein wenig Spionageroman, etwas Fantasy-Geschichte, milde Satire, bestenfalls durchwachsene postmoderne Spielerei und langweilige Biographie.
Für die Agentengeschichte interessiert Kratochvil sich kaum. Sylva und Pavel lassen schnell ihren eher nebulösen Auftrag links liegen. Gemeinsam flüchten sie in die USA und versuchen in der Provinz nicht aufzufallen. Spannend ist das nicht. Auch nicht witzig; – was ja für die mangelnde Spionageroman-Spannung entschädigen könnte. Und auch nie absurd oder satirisch genug, Dabei böten, wie viele Romane und Filme beweisen, die Missionen der Agenten, ihre Schattenspiele, die beginnende Paranoia des Kalten Krieges und die grundverschiedenen (?) Ideologien in Ost und West viel Anlass für herzhafte Lacher.
„Fuchs zu D ame“ ist eine, trotz ihrer Kürze von nicht einmal 240 Seiten, sich quälend lang anfühlende Doppelbiographie.
Kratochvils Roman erhielt 2020 den tschechischen Magnesia-Litera-Preis in der Kategorie Prosa.
P. S.: Die am Buchende platzierte „Anmerkung des Autors“ sollte, weil sie wichtige Informationen zur Geschichte enthält, erst nach der Lektüre gelesen werden.
Kurz nachdem Marina ihren Mann Alexander mit Veronal vergiftet hat, beginnt sie zu erzählen, wie sie zur Prostituierten wurde und sich in den trunksüchtigen Maler verliebt, wie er, verursacht durch einen Gehirntumor, sein Augenlicht verliert und sterben will.
Ein Skandalfilm und enormer Publikumserfolg. Aufgeregt werde sich damals weniger über die sekundenlange Nacktaufnahme von Hildegard Knef, sondern vor allem über die im Film breit angesprochenen Themen Sterbehilfe, Suizid, Inzest, Wilde Ehe und Prostitution. Das empörte 1951 die katholische Kirche (die evangelische Kirche war weniger empört) und die gottesfürchtige Bevölkerung. Es gab Aufrufe, den Film nicht zu zeigen oder ihn sich nicht anzusehen, Flugblätter, Schweigemärsche, mit Stinkbomben und Niespulver gestörte Kinovorstellungen, Vorführungen unter Polizeischutz und Aufführungsverbote.
„der größte Skandalfall des deutschen Nachkriegsfilms (…) „der interessanteste schlechte deutsche Film aus einer Zeit, da es fast nur schlechte deutsche Filme gab. (….) er hat die Faszination aller heillos chaotischen und wüst verkitschten Filme.“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms, 1980)
Der damals, nach langen Verhandlungen, ab 18 Jahre freigegebene Film (heute FSK 12) ist ein aus Rückblenden bestehender Stummfilm, über den ein, von wenigen Dialogen unterbrochener, Monolog Marinas gelegt wurde.
Anschließend, um 21.40 Uhr, zeigt Arte die 55-minütige Doku „Hildegard Knef: So oder so ist das Leben” (Deutschland 2025, Regie: André Schäfer).
mit Hildegard Knef, Gustav Fröhlich, Robert Meyn, Aenne Bruck, Jochen-Wolfgang Meyn, Andreas Wolf
Hitchcocks Einstand in Hollywood: ein viktorianisches Thrillermelodrama über die junge Frau de Winter, die in dem Familienschloss Manderley überall Spuren der verstorbenen Rebecca de Winter findet und anscheinend von ihrem Mann und der Haushälterin in den Tod getrieben werden soll.
Obwohl David O. Selznick gerade sehr mit „Gone with the wind“ beschäftigt war und Hitch deshalb in Ruhe arbeiten ließ, ist „Rebecca“ in erster Linie ein Selznick-Film.
Hitchcock war von dem Film nicht begeistert: „Das ist kein Hitchcock-Film. Das ist eine Art Märchen,…eine ziemlich vorgestrige, altmodische Geschichte. Es gab damals viele schriftstellernde Frauen. Dagegen habe ich nichts, aber Rebecca ist eine Geschichte ohne jeden Humor.“
Anschließend, um 22.20 Uhr, zeigt Arte das 55-minütige Porträt „Mr. & Mrs. Hitchcock“ (Frankreich 2019).
Mit Laurence Olivier, Joan Fontaine, George Sanders, Judith Anderson, Nigel Bruce, Leo G. Carroll
Im heutigen Spanien besucht die 17-jährige Ainara eine katholische Schule. Sie nimmt auch an kirchlichen Freizeiten teil. Nach der Schule will sie allerdings nicht, wie sie ihren schockierten Eltern eröffnet, das Tun, was alle ihre Klassenkameradinnen tun werden. Sie will in ein Kloster gehen und Nonne werden.
Während ihre Eltern ihre Tante versuchen, Ainara umzustimmen, empfangen die Ordensschwester und alle im Kloster lebenden Nonnen sie mit offenen Armen. Die ärmlich lebenden Schwestern freuen sich über jedes neue Mitglied.
Alauda Ruiz de Azúa präsentiert in ihrem zweiten Kinofilm in ruhigen, dicht inszenierten, präzise und pointiert beobachteten Szenen Ainaras Entscheidung, was diese Entscheidung für ihre Freunde und Familie bedeutet und wie sie alle mit dieser Entscheidung umgehen. Sie zeigt auch verschiedene Versuche, Ainara zu manipulieren. Sie beobachtet – und überlässt dem Publikum in jeder Beziehrung das Urteil über Ainaras Wunsch, Nonne zu werden.
Bei den diesjährigen Goyas wurde der Publikumserfolg „Glaube“ in den wichtigen Kategorien – Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Beste Hauptdarstellerin und Beste Nebendarstellerin – ausgezeichnet.
Glaube (Los Domingos, Spanien 2025)
Regie: Alauda Ruiz de Azúa
Drehbuch: Alauda Ruiz de Azúa
mit Blanca Soroa, Patricia López Arnaiz, Miguel Garcés, Juan Minujín, Mabel Rivera, Nagore Aranburu
Mississippi, 1966: der junge, sich an die Vorschriften haltende FBI-Agent Wayne Strider (Yahya Abdul-Mateen II) soll den Mord am dem Bürgerrechtler Vernon Dahmer aufklären. Die mutmaßlichen Täter sind Honoratioren und Mitglieder des Klu-Klux-Klans. Niemand will mit dem Schwarzen Polizisten reden. Die Weißen nicht, weil sie sich im Recht fühlen und nicht mit Schwarzen reden. Die Schwarzen nicht, weil sie Angst haben.
Das ändert sich erst, als ihm Greg Scarpa (Mark Wahlberg) zur Seite gestellt wird. Scarpa ist kein FBI-Agent, sondern ein Mafia-Killer und Spitzel für das FBI. Manchmal holt das FBI, alle geschriebenen und ungeschriebenen Vorschriften ignorierend, den New Yorker für Sachen, bei denen seine besonderen Fähigkeiten hilfreich sein können. Alle wissen, dass niemand jemals erfahren darf, dass ein Mafia-Killer für das FBI arbeitet.
Skrupellos schlägt, mordet und foltert Scarpa alle, die ihm Informationen über die Mörder geben könnten. Das sorgt zuerst für erwartbaren Streit zwischen Strider und Scarpa. Beispielsweise als Scarpa bei einer Verkehrskontrolle einen Polizisten erschießt. Später raufen sie sich zusammen, lernen sich schätzen und sie können den Fall aufklären.
Elegance Bratton erzählt diese in Teilen wahre Geschichte in dem Polizeithriller „By any means“.
Scarpa gab es und der Killer war ein Spitzel für das FBI. Er war auch irgendwie in den sechziger Jahren in den Südstaaten in Ermittlungen involviert. Alles weitere entspringt der Phantasie des Drehbuchautors.
In Alan Parkers „Mississippi Burning“ (1988), ein Film, an den die Geschichte von „By any means“ erinnert, taucht Scarpa ebenfalls auf. Als FBI-Agent Monk, der ein Klan-Mitglied entführt. Parkers Film behandelt mehr oder weniger die gleichen Ereignisse und erlaubt sich ebenfalls kreative Freiheiten im Umgang mit der Wahrheit. Die Stimmung in den Südstaaten treffen beide Thriller.
Bratton zeichnet in seinem ruhig erzähltem Thriller ein Bild der damaligen, oft auch gewalttätigen Unterdrückung von Schwarzen und Bürgerrechtlern. Dieses Mal sogar mit einem Schwarzen Protagonisten, der – und das ist ein Problem des Films – von einem italienischstämmigem Mörder lernt, dass gegen Gewalt nur noch brutalere Gewalt hilft. Ein anderes Problem von „By any means“ ist, dass hier, wieder einmal, ein Weißer dem Schwarzen hilft, die Dinge zu regeln. Dieses Problem relativiert Bratton, wenn er detailliert die damalige Zeit schildert.
Für die Älteren ist „By any means“ eine lauwarme Wiederholung von „Mississippi Burning“.
Für die Jüngeren, die sich so alte Filme nicht ansehen, ist Brattons Thriller eine empfehlenswerte Geschichtsstunde, die zeigt, was sich seitdem in den USA veränderte und was auf dem Spiel steht.
By any means(By any means, USA 2026)
Regie: Elegance Bratton
Drehbuch: Sascha Penn
mit Yahya Abdul-Mateen II, Mark Wahlberg, Nicole Beharie, Josh Lucas, LisaGay Hamilton, David Strathairn, Ethan Embry, Giancarlo Esposito, Lee Perkins
Zach, der gerade mit seiner Mutter von der Großstadt in die Kleinstadt gezogen ist, verguckt sich sofort in das Nachbarmädchen Hannah. Aber ihr unhöflicher Vater verbietet ihr den Umgang mit Zach. Als Zach und sein Schulfreund Champ kurz darauf, aufgeschreckt durch seltsame Ereignisse, in das Nachbarhaus einbrechen, entdecken sie einen Schrank voller Bücher von R. L. Stine. Sie öffnen eines der Bücher und all die Monster, die R. L. Stine in seine Bücher verbannte, brechen aus. Zach, Champ, Hannah und ihr Vater, R. L. Stine höchstpersönlich, versuchen, das Schlimmste zu verhindern.
„Gänsehaut“ ist eine sehr unterhaltsame Gruselkomödie für ein jüngeres Publikum, eine Liebeserklärung an die klassischen Horror- und Monsterfilme und auch eine kleine Meditation über die Arbeit eines Horrorschriftstellers, garniert mit einigen gut platzierten Witzen, die vor allem Erwachsene verstehen.