TV-Tipp für den 25. April: Das Piano

April 24, 2026

One, 23.20

Das Piano (The Piano, Australien/Neuseeland/Frankreich 1993)

Regie: Jane Campion

Drehbuch: Jane Campion

Um 1850 herum wird die stumme Ada nach Neuseeland zwangsverheiratet. Ihr ihr vollkommen unbekannter Ehemann, der Plantagenbesitzer Stewart, nimmt sie und Adas neunjährige Tochter Flora auf. Adas heißgeliebtes Piano lässt er als unnötigen Ballast am Strand zurück. Stewarts Nachbar Baines holt das Piano in sein Haus. Er bietet Ada eine Möglichkeit an, wie sie wieder an ihr Piano kommen könnte.

Jane Campions Durchbruch beim globalen Kinopublikum und immer noch ihr bekanntester Film.

mit Holly Hunter, Harvey Keitel, Sam Neill, Anna Paquin, Kerry Walker

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Piano“

Wikipedia über „Das Piano“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marisa Buovolos „Jane Campion & ihre Filme“ (2024)

Weiterführende Lektüre

Marisa Buovolo: Jane Campion & ihre Filme

Schüren, 2024

208 Seiten

24 Euro


TV-Tipp fürden 24. April: Bohemian Rhapsody

April 23, 2026

Deutlich gelungener als „Michael“

Pro7, 20.15

Bohemian Rhapsody (Bohemian Rhapsody, USA 2018)

Regie: Bryan Singer, Dexter Fletcher (ungenannt)

Drehbuch: Anthony McCarten (nach einer Geschichte von Anthony McCarten und Peter Morgan)

Nicht besonders tiefgründiges, aber fett rockendes Biopic über Freddie Mercury und die Rockband „Queen“, von der so Gassenhauer wie „Bohemian Rhapsody“, „We will rock you“ (funktioniert in jedem Stadion) und „We’re the Champions“ (funktioniert in jeder Fankurve) stammen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Rami Malek, Lucy Boynton, Ben Hardy, Joseph Mazzello, Mike Myers, Gwilym Lee, Aidan Gillen, Allen Leech, Tom Hollander, Aaron McCusker

Wiederholung: Freitag, 1. Mai, 22.30 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Bohemian Rhapsody“

Metacritic über „Bohemian Rhapsody“

Rotten Tomatoes über „Bohemian Rhapsody“

Wikipedia über „Bohemian Rhapsody“ (deutsch, englisch) und Queen (deutsch, englisch)

Hollywood vs. History stellt die böhmische Wahrheitsfrage

AllMusic über Queen

Meine Besprechung von Bryan Singers „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (X-Men: Days of Future Past, USA 2014)

Meine Besprechung von Bryan Singers „X-Men: Apocalypse“ (X-Men: Apocalypse, USA 2016)

Meine Besprechung von Bryan Singers „Bohemian Rhapsody“ (Bohemian Rhapsody, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: “Cotton Queen”, der erste Spielfilm einer sudanesischen Regisseurin

April 23, 2026

Afrika ist ein riesiger, filmisch kaum erschlossener Kontinent. Wenn wir Tierdokus und Hollywood-Filme wie “Black Panther”, die alles außer einem realistischen Bild von Afrika zeichnen, links liegen lassen, bleiben nur wenige Filme, die in unsere Kinos gelangen oder im Fernsehen gezeigt werden. “Cotton Queen”, das Spielfilmdebüt von Suzanna Mirghani, gehört zu diesem kleinen Kreis von in Afrika von afrikanischen Filmemachern gedrehten Filmen, die aktuelle afrikanische Geschichten erzählen.

Mirghani erzählt die Geschichte der fünfzehnjährigen Nafisa. In den Sommerferien helfen sie und ihre Freundinnen im heutigen Sudan bei der Baumwollernte. Es ist eine beschwerliche Arbeit. Durch die Investition eines sudanstämmigen Geschäftsmannes in neue Technologien könnte sich das ändern. Nafisas Eltern wollen ihre Tochter mit ihm verheiraten. Dafür beschwören sie die Geister. Nafisas Großmutter Al-Sit, die allseits geachtete Matriarchin, die noch die Kolonialzeit miterlebte, begrüßt diesen Plan.

Aber Nafisa hat sich in einen Jungen aus dem Dorf verliebt.

Suzanna Mirghani beginnt ihren Film mit farbenprächtigen Bildern von der Baumwollernte. Sie zeigt, wie die Arbeiterinnen bei der Arbeit singen, anschließend am Fluss Zeit miteinander verbringen und wie Nafisa mit ihrer Großmutter spricht. Es sind Bilder, die, mit einem Touch magischen Realismus, ein gutes Gefühl von dem Ort und den Menschen vermitteln. Später, wenn Nafisa zu dem Frau des angereisten Geschäftsmann werden soll, tendiert der Film etwas in Richtung Horrorfilm. Nicht wegen der Geister, sondern weil hier eine Gruppe Frauen mit allen Mitteln versucht, eine junge Frau in eine Richtung zu beeinflussen. Mirghani konzentriert sich auf Nafisas Umfeld, während der Geschäftsmann und seine das Leben in dem gesamten Dorf radikal verändernde Investition an den Rand gedrängt werden. Dafür wirden der Blick in die die Gegenwart beeinflussende Kolonialvergangenheit wichtiger.

Trotzdem kann “Cotton Queen” das Versprechen seiner ersten Bilder nicht halten. Zu sehr versumpft die Geschichte in Nebenkriegsschauplätzen, während der eigentlich zentrale Konflikt zwischen den Einheimischen und den Investoren über weite Strecken des Films zu sehr an den Rand gedrängt wird.

„Cotton Queen“ ist ein vielversprechendes Debüt, das neugierig auf Suzannah Mirghanis nächsten Film macht.

Cotton Queen (Cotton Queen, Deutschland/Frankreich/Palästina/Sudan/Saudi-Arabien/Qatar, 2025)

Regie: Suzannah Mirghani

Drehbuch: Suzannah Mirghani

mit Mihad Murtada, Rabha Mohamed Mahmoud, Talaat Fareed, Haram Bisheer, Mohamed Musa, Hassan Kassala, Fatma Farid

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über “Cotton Queen”

Moviepilot über “Cotton Queen”

Rotten Tomatoes über “Cotton Queen”

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Babystar“ – aus dem Leben einer Influencer-Familie

April 23, 2026

Stella (Bea Brocks) und Chris Sommer (Liliom Lewald) breiten ihr gesamtes Leben in den sozialen Medien aus. Mit dieser radikalen Offenheit haben sie sich einen großen Bungalow im Grünen erarbeitet. Ihre sechzehnjährige Tochter Luca (Maja Bons) ist von Anfang an ein Teil des Family-Influencer-Geschäfts our_bright_life. Eine normale Kindheit und Jugend hatte sie nicht. Auch keine Freundinnen. Stattdessen hat sie Follower. Jetzt soll ein KI-Avatar von ihr erstellt werden, der einfühlsame Gespräche mit ihren Followern anbietet – und, wie ein fallen gelassenes Projekt, der nach einer pompösen Einführung im Film im digitalen Nirwana verschwindet.

Als ihre Mutter überlegt, ob sie ein weiteres Kind bekommen soll, ist Luca dagegen.

Das Thema und die Idee von „Babystar“, nämlich das Leben einer Influencer-Familie zu zeigen und sich zu fragen, wie eine Pubertierende damit umgeht, dass sich mit einem Baby die gesamte Dynamik innerhalb der Familie ändert, sind vielversprechend. Schließlich ist über das wahre Leben von Influencern wenig bekannt.

Allerdings sind ein Thema und eine Idee keine Geschichte. Und genau diese fehlt in Joscha Bongards Diplomfilm und Spielfilmdebüt „Babystar“. Anstatt die Konflikte konsequent auszubuchstabieren, gibt es viele Szenen, in denen nichts geschieht, was die Hauptgeschichte irgendwie voranbringt oder wenigstens unterhält. Es wird viel geschwiegen und nachdenklich in die Landschaft gestarrt. Es wird ein hölzernes Gemisch aus Denglisch, Schrifthochdeutsch und Pseudo-Plattdeutsch gesprochen. Das sind Sätze, die so niemand sagen würde. Kein Mensch verhält sich normal. Sie tun, was ihnen das Drehbuch vorschreibt. Während der Bungalow der Familie noch halbwegs real wirkt, ist das Hotelzimmer, in das Luca einmal vor ihren Eltern flüchtet, ein reines Fantasie-Hotelzimmer, das es so nur in einem Filmstudio gibt. Das gleiche gilt für ein von der Familie besuchtes Nobelrestaurant. Das ist eine der vielen Filmszene, in denen, egal wie man sie betrachtet, nichts stimmt.

Für Kurzweil sorgen die Schnipsel aus den Social-Media-Beiträgen der Familie Sommer. Sie zeigen, was möglich gewesen wäre.

Babystar (Deutschland 2024)

Regie: Joscha Bongard

Drehbuch: Nicole Rüthers, Joscha Bongard

mit Maja Bons, Bea Brocks, Liliom Lewald

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Babystar“

Moviepilot über „Babystar“

Wikipedia über „Babystar“

Meine Besprechung von Joscha Bongards „Pornfluencer“ (2022)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die reichste Frau der Welt“ und der Fotograf

April 23, 2026

Marianne Farrère (Isabelle Huppert) ist unglaublich reich, nach dem Filmtitel sogar „Die reichste Frau der Welt“, und angemessen angeödet von ihren Aufgaben als Firmenchefin. Auch das Fotoshooting lässt sie über sich ergehen, bis sie von der charmant-frechen Art des Fotografen Pierre-Alain Fantin (Laurent Lafitte) herausgefordert wird. Er tanzt nicht nach ihrer Pfeife, sondern gestaltet den Raum nach seiner Vision. Nach dem Shooting beginnt er sich bei ihr einzuschleimen und sie finanziell auszunehmen. Das ruft irgendwann die ebenso gierige Verwandtschaft von Marianne Farrère auf den Plan.

Und spätestens in diesem Moment fragt sich der Cineast, was Claude Chabrol aus der Geschichte, die lose auf der Bettencourt-Affäre basiert, gemacht hätte. Wahrscheinlich eine bitterböse, schreiend komische Abrechnung mit der Bourgeoisie. Vielleicht eine Neuauflage von „Der Halunke“/“Doktor Popaul“ (Docteur Popaul, 1972, mit Jean-Paul Belmondo). Er hätte jede Figur dem Gespött des Publikums preisgegeben.

Thierry Klifa macht daraus, mit genussvoll aufspielenden Schauspielern, eine anfangs satirische Gesellschaftskomödie. Später wird sie zu einem konfusem Streit zwischen den Erben, vor allem der Tochter, und dem Fotografen. Das ist dann mehr verwirrend als amüsant.

Die reichste Frau der Welt (La Femme la plus riche du monde, Frankreich/Belgien 2025)

Regie: Thierry Klifa

Drehbuch: Thierry Klifa, Cédric Anger, Jacques Fieschi

mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Marina Foïs, Raphaël Personnaz, André Marcon, Mathieu Demy, Joseph Olivennes

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Die reichste Frau der Welt“

Moviepilot büer „Die reichste Frau der Welt“

Rotten Tomatoes über „Die reichste Frau der Welt“

Wikipedia über „Die reichste Frau der Welt“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 23. April: Der Staatsfeind Nr. 1

April 22, 2026

Vox, 20.15

Der Staatsfeind Nr. 1 (Enemy of the State, USA 1998)

Regie: Tony Scott

Drehbuch: David Marconi

Anwalt Robert Clayton Dean gelangt unwissentlich in den Besitz eines Videos, das den Mord an einem Politiker zeigt. Der Täter, ein hochrangiger Abgeordneter, setzt den ganzen Geheimdienst-Überwachungsapparat ein, um den Zeugen zu beseitigen. Und los geht die Hatz durch die USA.

Spannender, etwas lang geratener Thriller von Produzent Jerry Bruckheimer, der heute aktueller als damals ist. Denn wer geht heute noch ohne Handy vor die Haustür?

mit Will Smith, Gene Hackman, Jon Voight, Lisa Bonet, Regina King, Stuart Wilson, Tom Sizemore, Loren Dean, Barry Pepper, Jack Busey, Scott Caan, Gabriel Byrne

Wiederholung: Freitag, 24. April, 22.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Metacritic über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Wikipedia über „Der Staatsfeind Nr. 1“ (deutsch, englisch)

Tony Scott in der Kriminalakte

Ein informatives Gespräch mit Tony Scott über den Film


Neu im Kino/Filmkritik: Antoine Fuqua erzählt die frühen Jahre von „Michael“ Jackson

April 22, 2026

Als Kind gehörte er zur Popgruppe „The Jackson 5“, einer Gruppe von fünf Brüdern, die mit ihren Songs das US-Publikum erfreuten. Sie waren „eine Hochglanzfolie für den schwarzen amerikanischen Traum von der Erlösung aus Ghetto-Schwierigkeiten“ (Barry Graves/Siegfried Schmidt-Joos/Bernward Halbscheffel: Rock-Lexikon, 1998), wobei in Antoine Fuquas Michael-Jackson-Biopic „Michael“ das Ghetto ein kleines, für die Arbeiterklasse typisches Holzhaus in Gary, Indiana, ist. Schon in den frühen siebziger Jahren startet Michael Jackson (1958 – 2009) seine Solokarriere. „Off the Wall“ (1979) ist seine erste Zusammenarbeit mit Quincy Jones (der im Film einmal durchs Bild läuft). Sie ist, mit großem Abstand, seine bis dahin erfolgreichste Solo-LP. Seine nächste LP „Thriller“ (1982) katapultiert ihn in ungeahnte Höhen mit Disco-tauglichen Songs und Musikvideos, die damals breit rezipiert wurden, weil sie auch von Regiestars, wie John Landis („Thriller“) und Martin Scorsese („Bad“), inszeniert wurden. Die Videos tendierten in Richtung Kurzfilm. 67 Millionen verkaufte LPs (und damit das am meisten verkaufte Musikalbum weltweit) und sieben unglaublich erfolgreiche Single-Auskopplungen aus einer neun Songs umfassenden LP sprechen eine deutliche Sprache. Die Nachfolge-LP „Bad“ (1987), die dritte und letzte Zusammenarbeit von Jackson mit Quincy Jones (der im Film galant ignoriert wird), kann diesen Mega-Erfolg nicht wiederholen. Aber mit Hits wie „I Just Can’t Stop Loving You“, „Bad“, „The Way You Make Me Feel“, „Man In The Mirror“ und „Dirty Diana“ und 35 Millionen verkauften LPs ist sie auch kein Flop. Sie steht auf Platz 16 der meistverkauften Musikalben und ist drittbeste verkaufte Album von Michael Jackson.

Antoine Fuqua beendet sein chronologisch erzähltes Biopic „Michael“ 1988 mit einem Stadionkonzert in London. Es beginnt 1966 im Haus der Familie Jackson beim gemeinsamen Proben vor dem Vater für künftige Auftritte. „Michael“ endet als Michael Jackson auf dem Höhepunkt seines Erfolgs ist. Alles was danach kommt, wird nicht beachtet. Fuqua erzählt nur die Geschichte seines Aufstiegs, den Jahren, in denen er die Popkultur beeinflusst und er ein Idol ist. Dass Fuqua die späteren Jahre komplett ignoriert, ist nicht das Problem des Biopics. Das ist, wir reden hier von einem Film, der die Massen in die Kinos locken soll, eine nachvollziehbare künstlerische und kommerzielle Entscheidung. Dass Jacksons langjähriger Manager, Anwalt und Testamentsvollstrecker John Branca (im Film gespielt von Miles Teller) in den Film involviert sind, ist definitiv nicht das Hauptproblem des Films. In anderen Musiker-Biopics ist es ähnlich. Sie alle sind, mehr oder weniger, unkritische Heldenverehrungen. Die Erben haben natürlich aus rein pekuniären Erwägungen ein Interesse ein einem positiven Bild des Porträtierten. Schließlich soll so ein Biopic die Plattenverkäufe ankurbeln. Beispielsweise indem der Soundtrack zum Film, auch in diesem Fall eine weitere Best-of-Compilation, zum Verkauf angeboten wird. Die Macher des Films bekommen für diese Kritiklosigkeit einen exclusiven Einblick in das Leben des Künstlers und sie kommen günstig an die Musikrechte heran.

In diesem Fall sogar an den Hauptdarsteller Jaafar Jackson. In seinem Schauspieldebüt spielt er seinen Onkel Michael Jackson. Singen musste er nicht. Im Film werden, wie der Abspann verrät, ausschließlich von Michael Jackson gesungene Versionen der Hits verwendet. Tanzen musste Jaafar Jackson schon – und je länger „Michael“ dauert, umso mehr drängt sich der Eindruck auf, dass Michael Jackson sich nicht für die Musik, sondern für das Tanzen interessierte. Jedenfalls tanzte er sehr gerne.

Das Problem von „Michael“ ist, dass die Macher keine Ahnung haben, was sie erzählen wollen. Sogar die vielen schlechten Biopics, die in den letzten Jahren im Kino liefen, hatten eine Idee davon, weshalb sie einen bestimmten Künstler und einen bestimmten Abschnitt aus seinem Leben auswählten oder sich für eine bestimmte Erzählstruktur und Stil entschieden.

Genau diese Idee fehlt hier. Chronologisch werden Episoden aus dem Leben von Michael Jackson in erschreckend biederer Manier aneinandergefügt. Bekannte Songs erklingen. Der kreative Prozess, der zu den Hits führte, wird nicht beachtet. Michael Jackson tanzt über die Bühne. Die bekannten Plattencover werden kurz gezeigt. Dazwischen irrlichtert Jackson zwischen herzigen Begegnungen mit kranken Kindern in Krankenhäusern, einsamen Abenden in der Familienvilla mit seiner Mutter und seinen Haustieren, wie seinem Affen Bubbles (laut Presseheft digital zum Leben erweckt), vor dem Fernseher, oder, mehrmals, beim Vorlesen eines Peter-Pan-Kinderbuches und Schlägen und Streit mit seinem Vater, dem Bösewicht des Films. Und das wars.

Von all den schlechten Künstler-Biopics, die ich in den vergangenen Jahren sah, gehört „Michael“ eindeutig zu den schlechtesten Musiker-Biopics. Es existiert nur als Werbematerial für die LPs von Michael Jackson und damit zusammenhängende Produkte.

Dabei sind Antoine Fuquas frühere Filme, wie „Training Day“, „Die glorreichen Sieben“ und die „Equalizer“-Filme, sehenswert. John Logan schrieb die Drehbücher für „Gladiator“, „The Aviator“ und die James-Bond-Filme „Skyfall“ und „Spectre“. Die Wissen, wie eine Geschichte erzählt wird. Deshalb wäre von ihnen ein deutlich besserer Film zu erwarten gewesen.

Nach zwei Stunden endet das Biopic mit der Texteinblendung „His Story continues“. Einige interpretieren das, auch wegen verschiedener Statements der Macher, als einen Hinweis auf einen kommenden zweiten Teil. Das halte ich bestenfalls für Wunschdenken. Denn alles was nach 1988 im Leben von Michael Jackson kam, taugt nicht für ein Plattenverkäufe ankurbelndes, den Musiker verehrendes Biopic. Das wäre die spielfilmlange Demontage eines Superstars. Oder eine „Neverland“-Fantasy-Geschichte.

Michael (Michael, USA 2026)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: John Logan

mit Jaafar Jackson, Nia Long, Juliano Krue Valdi, Keilyn Durrell Jones, Laura Harrier, Miles Teller, Colman Domingo, Larenz Tate, Mike Myers, Kendrick Sampson, Deon Cole

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Michael“

Metacritic über „Michael“

Rotten Tomatoes über „Michael“

Wikipedia über „Michael“ (deutsch, englisch) und Michael Jackson (deutsch, englisch)

AllMusic über Michael Jackson

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „The Equalizer 2“ (The Equalizer 2, USA 2018)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „The Equalizer 3 – The Final Chapter“ (The Equalizer 3, USA 2023)


TV-Tipp für den 22. April: Die Bourne Identität

April 21, 2026

Kabel 1, 20.15

Die Bourne Identität (The Bourne Identity, USA 2002)

Regie: Doug Liman

Drehbuch: Tony Gilroy, William Blake Herron

LV: Robert Ludlum: The Bourne Identity, 1980 (Der Borowski-Betrug, Die Bourne-Identität)

CIA-Agent und Killer Jason Bourne hat sein Gedächtnis verloren. Schlimme Sache. Aber schlimmer ist, dass seine ehemaligen Arbeitgeber ihn umbringen wollen.

Die eher werkferne, kommerziell erfolgreiche Verfilmung des ersten Borowski-Buches. Für die Verfilmung des damals über zwanzig Jahre alten Buches wurde nur das Skelett der Handlung übernommen, der Rest aktualisiert und ein unterhaltsamer Action-Thriller gedreht, der sogar angenehm altmodisch ist. Nur Matt Damon wirkt einfach fünf Jahre zu jung für den eiskalten Profikiller. Das Problem hatte er in den spannenden Fortsetzungen nicht mehr.

Danach, um 22.40 Uhr, betritt Matt Damon unter der Regie von Paul Greengrass die „Green Zone“.

Mit Matt Damon, Franka Potente, Chris Cooper, Clive Owen, Brian Cox, Walton Goggins

Wiederholung: Donnerstag, 23. April, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Bourne Identität“

Wikipedia über „Die Bourne Identität“ (deutsch, englisch) und Robert Ludlum (deutsch, englisch)

Kirjasto über Robert Ludlum

Meine Besprechung von Tony Gilroys “Das Bourne-Vermächtnis” (The Bourne Legacy, USA 2012)

Meine Besprechung von Paul Greengrass‘ „Jason Bourne“ (Jason Bourne, USA 2016)

Meine Besprechung von Doug Limans „Edge of Tomorrow“ (Edge of Tomorrow, USA 2014) und der DVD

Meine Besprechung von Doug Limans „Barry Seal – Only in America“ (American Made, USA 2017)

Meine Besprechung von Doug Limans “Chaos Walking“ (Chaos Walking, USA 2021)


Cover der Woche

April 21, 2026

Alles von Madame Manotti ist lesenswert.


TV-Tipp für den 21. April: The Limehouse Golem – Das Monster von London

April 20, 2026

Tele 5, 20.20

The Limehouse Golem – Das Monster von London (The Limehouse Golem, Großbritannien 2016)

Regie: Juan Carlos Medina

Drehbuch: Jane Goldman

LV: Peter Ackroyd: Dan Leno and the Limehouse Golem, 1994 (Der Golem von Limehouse)

London, 1880: Inspektor John Kildare (Bill Nighy) soll den Serienmörder finden, der als Limehouse Golem bekannt ist. Scheinbar wahllos ermordet er im Bezirk Limehouse Menschen und hinterlässt an den Tatorten kryptische Botschaften. Zu Kildares Verdächtigen gehören Karl Marx und der kürzlich verstorbene erfolglose Dramatiker John Cree. Seine Frau, die bekannte Varieté-Künstlerin Elizabeth Cree (Olivia Cooke), ist angeklagt, ihren Mann vergiftet zu haben.

Gut besetzter und in schön atmosphärischer Kulisse gedrehter, erzählerisch ambiotionierter Mystery-Grusler im Hammer-Stil. „The Limehouse Golem“ ist eine vergnügliche Moritat mit ausgedehntem Varieté-Besuch.

mit Bill Nighy, Olivia Cooke, Eddie Marsan, María Valverde, Douglas Booth, Amelia Crouch, Daniel Mays, Sam Reid, María Valverde, Henry Goodman

Wiederholung: Mittwoch, 22. April, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Limehouse Golem“

Wikipedia über „The Limehouse Golem“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 20. April: Das Biest muss sterben

April 19, 2026

Zuerst „Network“ (um 20.15 Uhr), dann

Arte, 22.10

Das Biest muss sterben (Que la bête meure, Frankreich/Italien 1969)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Paul Gégauff, Claude Chabrol

LV: Nicholas Blake: The Beast must die, 1938 (Mein Verbrechen)

Ein unbekannter Raser überfährt in einem bretonischen Dorf den neunjährigen Sohn des Kinderbuchautors Charles Thénier. Weil die Polizei den Täter nicht überführt, beginnt Thénier ihn auf eigene Faust zu suchen. Anschließend will er ihn umbringen.

Chabrol-Klassiker, der damals einen bemerkenswerten Film nach dem nächsten drehte.

Klassisch sind auch die ersten Zeilen von Blakes Roman: “Ich will einen Menschen töten. Ich weiß nicht, wie er heißt, ich weiß nicht, wo er wohnt, ich habe keine Ahnung, wie er aussieht. Aber ich werde ihn finden und ihn töten.”

mit Michel Duchaussoy, Caroline Cellier, Jean Yanne, Maurice Pialat

Alter deutscher Titel: Das Biest muß sterben

Wiederholung: Montag, 27. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Biest muß sterben“

Wikipedia über „Das Biest muß sterben“ (deutsch, englisch, französisch) und über Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte

Wikipedia über Nicholas Blake (deutsch, englisch)

Kirjasto über Nicholas Blake


Neu im Kino/Filmkritik: über den gelungenen Kinderfilm „I accidentally wrote a book – Der Sommer als (m)ich meine Geschichte fand“

April 19, 2026

Die zwölfjährige Nina möchte wissen, wer ihre vor acht Jahren verstorbene Mutter war. Und sie hätte gerne ein Bild von ihr. Denn irgendwie gelang es ihr immer, nicht fotografiert zu werden. Auf keinem Bild ist ihr Gesicht erkennbar. Ihr Vater hat eine neue Freundin. Ob sie allerdings länger in der sehr freigeistig-künstlerischen, beeindruckend harmonischen Familie bleibt, ist unklar. Einige seiner Freundinnen störten sich schon an ihrem allabendlichen gemeinsamen Abendessen: sie sehen sich eine Folge „Mord ist ihr Hobby“ (Murder, she wrote) an, rätseln und essen Pizza. Ihr Vater produziert Trickfilme, in denen Realität und Fantasie zu einer neuen Fantasiewelt werden. Ihr jüngerer Bruder zaubert und möchte, dass sie ihm jeden Abend neue Gute-Nacht-Geschichten erzählt. Ein Klassenkamerad hat sich in sie verliebt, aber Nina ist noch nicht so weit. Sie will nämlich bessere Geschichten für ihren Bruder erfinden. Helfen soll ihr dabei eine Nachbarin, in deren Haus noch mehr Bücher sind als in Ninas Haus. Die Nachbarin könnte ihre Oma sein. Sie ist eine Schriftstellerin, die ihr Hinweise zum Schreiben von Geschichten gibt.

Während Nina noch überlegt, wie sie die ihr gestellten Aufgaben mit wahren, erdachten und verfremdeten Episoden aus ihrem Leben umsetzen soll, zeigt Regisseurin Nóra Lakos das in bunten Bildern, die aus einem skandinavischen Kinderfilm oder einem „Der kleine Nick“-Film (ohne Retro-Touch) stammen könnten, und in denen sie locker ständig die Grenzen zwischen Fantasie und Realität, zwischen Realfilm und Trickfilm überschreitet.

I accidentally wrote a book – Der Sommer als (m)ich meine Geschichte fand“ ist ein schöner, überaus unterhaltsamer und auch lehrreicher Kinderfilm. Auf Kinderfilmfestivals erhielt er etliche Preise, unter anderem beim Internationalen Filmfestival SCHLiNGEL. In Ungarn gehört er mit fast 150.000 Besuchern zu den erfolgreichsten Filmen des Landes für ein junges Publikum. In Deutschland wird er wahrscheinlich kaum gesehen werden, weil er in viel zu wenigen Kinos mit viel zu wenigen Vorstellungen läuft. Hier in Berlin läuft er lediglich in einem Kino einmal am Tag. Aber vielleicht findet er in den kommenden Monaten in verschiedenen Schulkinovorführungen sein Publikum. Verdient hätte er es.

I accidentally wrote a book – Der Sommer, als (m)ich meine Geschichte fand (Véletlenül írtam egy könyvet, Ungarn/Niederlande 2024)

Regie: Nóra Lakos

Drehbuch: Nóra Lakos

LV: Annet Huizing: Hoe ik per ongeluk een boek schreef, 2014 (Wie ganz zufällig aus meinem Leben ein Buch wurde)

mit Villő Demeter, László Mátray, Vivien Rujder, Kati Zsurzs

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (empfohlen vom Verleih ab 11 Jahre)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „I accidentally wrote a book“

Wikipedia über „I accidentally wrote a book“


TV-Tipp für den 19. April: Parasite

April 18, 2026

ARD, 23.35

Parasite (Gisaengchung, Südkorea 2019)

Regie: Bong Joon Ho

Drehbuch: Bong Joon Ho, Han Jin Won

Eine Großstadt in Südkorea, Gegenwart: Familie Kim lebt in einer verwanzten, auch mal überschwemmten, viel zu kleinen Kellerwohnung. Die ebenfalls vierköpfige Familie Park lebt in einem schicken Haus. Als der Sohn der Familie Kim bei den Parks einen Job als Nachhilfelehrer erhält, öffnet sich für die Kims die Tür zu einem besseren Leben, die sie skrupellos wahrnehmen.

„Parasite“ ist eine tiefschwarze, sehr präzise Gesellschaftssatire, bei der schnell unklar ist, wer die titelgebenden Parasiten sind. Nachdem der in jeder Beziehung überzeugende Thriller in Cannes abgefeiert wurde, erhielt er u. a. den Oscar als bester Film und den Oscar als bester ausländischer Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Song Kang Ho, Lee Sun Kyun, Cho Yeo Jeong, Choi Woo Shik, Park So Dam, Lee Jung Eun, Chang Hyae Jin

Hinweise

Moviepilot über „Parasite“

Metacritic über „Parasite“

Rotten Tomatoes über „Parasite“

Wikipedia über „Parasite“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Okja“ (Okja, USA/Südkorea 2017)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Parasite“ (Gisaengchung, Südkorea 2019)

Meine Besprechung von Bong Joon Hos „Mickey 17“ (Mickey 17, USA 2025)

 


TV-Tipp für den 18. April: Cop Land

April 17, 2026

RTL II, 23.00

Cop Land (Cop Land, USA 1997)

Regie: James Mangold

Drehbuch: James Mangold

Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.

Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen. Seit 2006 ist er wieder bei „Rocky“ und „Rambo“ angekommen und drehte mit einer Action-All-Star-Besetzung mehrere „The Expendables“-Actionkracher (über Söldner, die tun, was Söldner tun).

Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Cop Land“

Wikipedia über „Cop Land“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Mangolds “Wolverine – Weg des Kriegers” (The Wolverine, USA 2013)

Meine Besprechung von James Mangolds „Logan – The Wolverine“ (Logan, USA 2017)

Meine Besprechung von James Mangolds „Le Mans 66: Gegen jede Chance“ (Ford v Ferrari, USA 2019)

Meine Besprechung von James Mangolds „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ (Indiana Jones and the Dial of Destiny, USA 2023)

Meine Besprechung von James Mangolds „Like a complete unknown“ (A complete unknown, USA 2024)


Neu im Kino/Filmkritik: „Blame“ die Wissenschaft für SARS und Covid-19?

April 17, 2026

Wie konnte es dazu kommen – aktuell sehen wir es bei den Rettungsversuchen für den in der Ostsee gestrandeten Wal – dass selbsternannten Experten mehr geglaubt wird als Wissenschaftlern, die teilweise seit Jahrzehnten in einem Gebiet forschen?

Eine endgültige Antwort kann und will Christian Frei in seinem Dokumentarfilm „Blame“ darauf nicht geben. Er zeigt, wie Wissenschaftler teils über Jahre, teils in internationalen Forschergruppen, an der Lösung einer Frage arbeiten und dabei nicht in das Scheinwerferlicht der Medien und der Öffentlichkeit streben. Das – soviel kann verraten werden – ist ein Grund, weshalb die Idioten die Deutungshoheit gewonnen haben.

Frei beobachtet die renommierten Virologen Linfa Wang und Zhengli Shi und den Zoologen Peter Daszak. Sie forschen über Infektionskrankheiten und warnen seit Jahren vor weltweiten Pandemien.

Der angenehm ruhig und konventionell erzählte Dokumentarfilm beginnt im Februar 2003. Damals ging es um die SARS-Epidemie in Hongkong. Sie vermuteten, dass SARS von Fledermäusen übertragen wurde. Nach zehn Jahren sind sie sich sicher, dass der Virus aus einer Höhle in der chinesischen Provinz Yunnan stammt und Fledermäuse die natürlichen Wirte waren. Sie warnen vor weiteren, möglicherweise globalen Pandemien. Dann kam Covid-19, die Pandemie, vor der sie und ihre Fachkollegen jahrelang warnten. Ihr Wissen und das ihrer Kollegen ist gefragt. Während andere Wissenschaftler nach einem Impfstoff suchen, suchen sie nach dem Ursprung von Covid-19. Bis Verschwörungstheoretiker und selbsternannte Experten lautstark beginnen, ihnen die Schuld zu geben und behaupten, der Virus sei aus einem Labor ausgebrochen.

Im Mai 2024 beendet Frei seine Dreharbeiten für „Blame“ in Washington, D. C.. Er zeigt, wie während einer Kongressanhörung Verschwörungstheorien und Vorwürfe wichtiger als wissenschaftliche Erkenntnisse sind.

Seine Premiere hatte „Blame“ als Eröffnungsfilm beim Dokumentarfilmfestival „Visions du Réel“ in der Schweiz in Nyon im April 2025. Im Film sagt Frei, dass der US-Präsident Donald J. Trump erwäge, Robert F. Kennedy jr. zum Gesundheitsminister zu machen.

Blame“ ist der Film, den Wissenschaftler und Studierende ihren Eltern und Freunden zeigen können, wenn sie gefragt werden, was sie denn eigentlich machen.

Blame (Schweiz 2025)

Regie: Christian Frei

Drehbuch: Christian Frei

mit Linfa Wang, Zhengli Shi, Peter Daszak, Jane Qiu, Philipp Markolin

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Blame“

Rotten Tomatoes über „Blame“

Wikipedia über „Blame“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Adrian Goigingers fünften Kinofilm „Vier minus drei“

April 17, 2026

Barbara, Heli, Fini und Thimo sind eine glückliche Familie.

Wenige Tage nach einem Autounfall muss Barbara ihren Mann Heli und ihre Kinder Fini und Thimo beerdigen und mit ihrer Trauer umgehen.

Adrian Goiginger verfilmte diese wahre Geschichte, die auf Barbara Pachl-Eberharts gleichnamiger Bestseller-Autobiographie von 2010 beruht, als zwischen Barbaras Versuchen, einen Weg aus ihrer Trauer zu finden und ihren Erinnerungen an Heli und ihre beiden Kinder. Goiginger erzählt, wie Barbara (Valerie Pachner) den Clown Heli (Robert Stadlober) auf der Straße kennen lernt, wie sie sich ineinander verlieben und, unter anderem in Krankenhäusern, als Clowns auftreten, auf dem Land ein geerbtes, heruntergekommenes Haus beziehen und renovieren und wie sie mit ihren beiden Kindern umgehen. Sie sind eine glückliche, auf einem Dorf in Österreich lebende Familie.

Nach dem Unglück muss Barbara einen Weg finden, mit dem Verlust umzugehen. Dabei lernt sie den als Landarzt bekannten Schauspieler Friedrich (von Hanno Koffler seltsam steif gespielt) kennen. Er interessiert sich für sie, aber es ist unklar, ob er sich für die trauernde Witwe aus irgendeinem Verantwortungsgefühl, aus Liebe oder weil er erfahren möchte, wie es ist, eine Beziehung zu einer Frau aufzubauen, die kürzlich ihren Mann und ihre Kinder verloren hat. Dieser TV-Seriendarsteller ist die merkwürdigste, unglaubwürdigste und am wenigsten sympathische Figur des gesamten Films. Dabei sollte er genau das nicht sein.

Ein weiteres Problem von „Vier minus drei“ ist das abrupte Ende. Über gut zwei Stunden erzählt Goiginger feinfühlig von Barbaras Leben nach dem tödlichen Unfall und ihren Erinnerungen an ein weitgehend glückliches Leben mit dem immer gut gelauntem Clown Heli. Es sind Episoden, aus denen sich keine richtig nacherzählbare Geschichte ergibt. Er folgt dabei – zum Glück! – nicht den bekannten Stufen der Trauer, die eine absolut vorhersehbare Geschichte ergäben. Das fließt etwas undramatisch, aber angenehm anzusehend und mit der aus Goigingers vorherigen Filmen bekannten Sympathie für seine Figuren und ihr nicht der bürgerlichen Norm entsprechendes Leben vor sich hin. Dann scheint Goiginger bemerkt zu haben, dass schon fast zwei Filmstunden um sind. Plötzlich steht Barbara auf der Bühne und ist geheilt, während man sich im Kinosaal fragt, ob man jetzt nicht gerade mindestens zwei Erzählschritte zwischen Barbaras Verlust ihrer Familie und ihrer Rückkehr ins Leben verpasst hat.

Vier minus drei (Österreich/Deutschland 2025)

Regie: Adrian Goiginger

Drehbuch: Senad Halilbašić

LV: Barbara Pachl-Eberhart: Vier minus drei – Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand, 2010

mit Valerie Pachner, Robert Stadlober, Stefanie Reinsperger, Hanno Koffler, Margarethe Tiesel, Paul Wolff-Plottegg, Michael Gampe, Petra Morzé, Michael Fuith, Wolfgang Lampl

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Vier minus drei“

Moviepilot über „Vier minus drei“

Wikipedia über „Vier minus drei“

Berlinale über „Vier minus drei“

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Die beste aller Welten“ (Österreich/Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Märzengrund“ (Österreich/Deutschland 2022)

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Der Fuchs“ (Deutschland/Österreich 2022)

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“ (Österreich/Deutschland 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Kleinstadt „Normal“, die Bank und die große Schlacht

April 17, 2026

Normal ist auf den ersten Blick eine typische Kleinstadt irgendwo im ziemlich menschenleeren Nirgendwo von Minnesota. Eine Straße, einige Geschäfte, nette Einwohner und eine Bank. Sheriff Ulysses (Bob Odenkirk) soll in Normal die nächsten zwei Monate als Vertretungssheriff arbeiten. Nach der bald anstehenden Wahl des neuen Sheriffs übernimmt der Wahlgewinner das Amt und Ulysses kann die Stadt verlassen. Entsprechend ruhig und entspannt geht Ulysses die Sache an.

Das gemütliche Kleinstadtleben endet mit einem Banküberfall. Weil die beiden Bankräuber von der kärglichen Beute enttäuscht sind, fordern sie einen Bankangestellten auf, den Safe zu öffnen. Diese Forderung löst einen Alarm aus.

Ulysses, der die Bankräuber zur Aufgabe überreden will, staunt nicht schlecht, als sich das ganze Dorf schwer bewaffnet vor der Bank versammelt und, kaum geht er zur Bank, wie gedopt losballert. Zusammen mit den beiden Bankräubern beginnt Ulysses gegen die Dorfbewohner zu kämpfen.

Normal“, inszeniert von Ben Wheatley, ist der neueste Film aus der Actionschmiede von „John Wick“-Schöpfer Derek Kolstad. Es gibt also viel Action und eine, innerhalb der Genrekonventionen, abgedrehte Geschichte. Bob Odenkirk gibt wieder den Actionhelden. Dass er das kann, hat er in den beiden „Nobody“-Filmen bewiesen und „Normal“ hätte mit kleinen Änderungen auch als „Nobody 3“ starten können. Die Story bedient sich exzessiv bei John Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht“ (Assault on Precint 13, USA 1976), der sich beim Western bediente. Aber während bei Carpenter und auch in Jean-François Richets ziemlich gelungenem Remake von 2005 (mit Ethan Hawke) jede der in dem Gebäude – bei Carpenter eine Polizeistation, bei Wheatley zuerst die Bank, später die Polizeistation – eingeschlossenen Personen innerhalb kürzester Zeit zu einer individuell erkennbaren Person wird, bleiben bei Wheatley alle bis auf Sheriff Ulysses austauschbares Kanonenfutter ohne besondere Eigenschaften.

Das führt dazu, dass „Normal“ trotz seiner schlanken Laufzeit von neunzig Minuten ziemlich lang wirkt. Zuerst dauert es eine halbe Stunde bis zu dem Banküberfall. In dieser halben Stunde porträtiert Wheatley in entschleunigtem Tempo und mild humoristischem Tonfall ausführlich das friedliche Kleinstadtleben und die netten Bewohner. Informationen, die für die spätere Schlacht wichtig sind, liefert er nicht. Die Schlacht wird schnell zu einer zunehmend redundanten Abfolge von Schießereien, Explosionen und wenigen Schlägereien. Figuren, die wichtig werden könnten, wie die beiden Bankräuber oder zwei Japaner, bleiben vernachlässigbare Nebenfiguren.

Dabei hat Ben Wheatley in dem Actionthriller „Free Fire“ gezeigt, dass er es besser kann. In dem hochkarätig besetztem Film läuft in einer verlassenen Lagerhalle ein illegaler Waffendeal vollkommen aus dem Ruder.

Dagegen ist „Normal“ der schwache Abklatsch von „Nobody 2“.

Normal (Normal, USA 2026)

Regie: Ben Wheatley

Drehbuch: Derek Kolstad, Bob Odenkirk

mit Bob Odenkirk, Lena Headey, Henry Winkler, Reena Jolly, Brendan Fletcher, Brian Kawakami, Jess McLeod, Peter Shinkoda, Ryan Allen, Bill MacLellan

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Normal“

Metacritic über „Normal“

Rotten Tomatoes über „Normal“

Wikipedia über „Normal“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Sightseers“ (Sightseers, Großbritannien 2012)

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „High-Rise“ (High-Rise, Großbritannien 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Ben Wheatleys „Free Fire“ (Free Fire, Großbritannien/Frankreich 2016)


TV-Tipp für den 17. April: James Bond 007: Diamantenfieber

April 16, 2026

Nitro, 20.15

JAMES BOND: Diamantenfieber (Diamonds are forever, Großbritannien 1971)

Regie: Guy Hamilton

Drehbuch: Richard Maibaum, Tom Mankiewicz

LV: Ian Fleming: Diamonds are forever, 1956 (Diamantenfieber)

Eigentlich soll Bond nur einen Juwelenraub untersuchen. Aber Erzfeind Blofeld (schon wieder mit neuen Gesicht: Charles Gray) hat seine Finger drin.

Sean Connery kehrte für eine damals unglaublich hohe Summe zurück und spendete das Geld dem Scottish International Education Trust.

„Diamantenfieber“ ist insgesamt ein ziemlich lahmer Bond, bei dem nur die Autoverfolgungsjagd in Las Vegas in die Historie einging. Dreiundfünfzig Autos wurden geschrottet. Und die schwulen Killer Mr. Wint (Bruce Glover) und Mr. Kidd (Putter Smith) sind köstlich.

mit Sean Connery, Jill St. John, Charles Gray, Lana Wood, Bernard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn, Bruce Glover, Putter Smith

Die aktuell erhältlliche Übersetzung

Ian Fleming: Diamantenfieber

(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

336 Seiten

12,80 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Diamantenfieber“

Wikipedia über „Diamantenfieber“ (deutsch, englisch)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond: Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: GoldenEye“ (GoldenEye, 1995)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: KALT“ (COLD, 1996)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung von Kim Sherwoods „Doppelt oder nichts“ (Double or nothing, 2022) (ein Spionageroman aus der Welt von James Bond)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

Meine Besprechung von Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick (Being Bond: A Daniel Craig Retrospective, 2024)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Lee Cronin’s The Mummy“ ist Horror für Ekelfreunde

April 16, 2026

Lee Cronin’s The Mummy“ heißt der Horrorfilm. Dabei wäre für Lee Cronins dritten Film, nach „The Hole in the Grund“ und „Evil Dead Rise“, „Lee Cronin’s The Exorcist“ der zutreffendere Titel.

Sicher, die Geschichte beginnt in Ägypten und sie hat auch irgendetwas mit der ägyptischen Vergangenheit zu tun, aber das verfluchte Mädchen tut genau das, was die zwölfjährige Regan (Linda Blair) in William Friedkins Horrorfilmklassiker tat: in ihrem Zimmer sitzen, eklige Flüssigkeiten ausspeien, schimpfen, die Familie terrorisieren und Menschen in den Tod treiben. Bei Cronin gibt es vor dem Sterben noch etwas ekligen Bodyhorror und sinnfrei gruselige Bilder. So bohrt sich nach einem Flugzeugabsturz ein Ast durch den Kopf und das Auge eines Passagiers. Cronin präsentiert das Bild im hellen Licht des Tages. Dieses und ähnliche Bilder machen die FSK-ab-18-Jahre-Freigabe nachvollziehbar.

Über zwei Stunden präsentiert Cronin die sattsam bekannten Elemente eines Horrorfilms über eine verfluchte Person. Dieses Mal spielt die Geschichte vor allem in einer einsam gelegenen Villa in Albuquerque, New Mexico. Dorthin bringen Charlie (Jack Reynor) und Larissa Cannon (Laia Costa) ihre Tochter Katie (Natalie Grace). Sie verschwand vor acht Jahren spurlos in Kairo. Jetzt wurde sie in Ägypten in einem 3000 Jahre altem Sarkophag gefunden, der in den Trümmern eines abgestürzten Flugzeugs lag. Sie ist katatonisch und extrem geräuschempfindlich. Die beste Therapie sei, so der zuständige Arzt, wenn sie im Kreis ihrer Familie gepflegt werde. Die Cannons holen ihre Tochter zu sich nach Albuquerque. Dort wird Katie von ihren beiden jüngeren Geschwistern und ihrer sehr gläubigen Großmutter (die wie ein Direktimport aus einer italienischen Komödie aus den fünfziger Jahren wirkt) erwartet. Und schon kann Katie beginnen, ihre Familie zu terrorisieren.

Frei von Überraschungen folgt Cronin der von Friedkin etablierten Formel. Die Tonspur und die Ekeleffekte überzeugen. In sie floss Cronins, wie schon in seinem vorherigen Film „Evil Dead Rise“, seine kreative Energie. Die Geschichte selbst ist dann Malen-nach-Zahlen und ohne ein Thema, dass die einzelnen Szenen zusammenhält. Katie ist einfach von einem bösen Geist besessen. Das muss als Motivation für Angst und Schrecken und Tötungen reichen.

Das Ergebnis ist dann nicht die schlechteste Kopie von „Der Exorzist“.

Mit Karl Freunds Klassiker „Die Mumie“ (The Mummy, USA 1933, mit Boris Karloff) hat Lee Cronins „The Mummy“ nichts zu tun. Auch wenn das so vor dem Filmstart immer wieder gesagt wurde.

Lee Cronin’s The Mummy (Lee Cronin’s The Mummy, USA/Irland 2026)

Regie: Lee Cronin

Drehbuch: Lee Cronin

mit Jack Reynor, Laia Costa, May Calamawy, Natalie Grace, Veronica Falcón

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Lee Cronin’s The Mummy“

Metacritic über „Lee Cronin’s The Mummy“

Rotten Tomatoes über „Lee Cronin’s The Mummy“

Wikipedia über „Lee Cronin’s The Mummy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lee Cronins „The Hole in the Ground“ (The Hole in the Ground, Irland/Belgien/Finnland 2019)

Meine Besprechung von Lee Cronins „Evil Dead Rise“ (Evil Dead Rise, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Jodie Foster löst ein „Paris Murder Mystery“

April 16, 2026

Das Drehbuch habe sie überzeugt, die Hauptrolle in der französischen Krimikomödie „Paris Murder Mystery“ zu übernehmen, sagt Jodie Foster, die in den vergangenen Jahren nur in wenigen Filmen mitspielte. In der Originalfassung des Films kann sie außerdem ausführlich ihre Französischkenntnisse präsentieren. Sie spielt Lilian Steiner, eine in Paris in einer großen Wohnung lebende, geachtete Psychotherapeutin. Aber jetzt ist sie verunsichert. Eine ihrer Patientinnen ist verstorben. Suizid sagt die Polizei. Die Familie macht sie für Paula Cohen-Solals Tod verantwortlich. Steiner glaubt, dass Cohen-Solal ermordet wurde. Und sie glaubt, sie hätte die Tat verhindern können. Zusammen mit ihrem Ex-Mann beginnt sie mit der Suche nach dem Mörder.

Dabei geht die Amateurdetektivin bei ihren Ermittlungen arg unbedarft vor. Anstatt nach quasi-wissenschaftlichen Kriterien verschiedene Theorien zu überprüfen, lässt die Akademikerin sich von wilden Vermutungen, Vorurteilen und Gefühlen leiten. Nebenplots, wie ihr Ärger mit einem Patienten, der seit Jahren mit dem Rauchen aufhören will, und die harmonische Beziehung zu ihrem Ex-Mann, sind amüsant und sie demontieren Steiner weiter. Den lustlos mitgeschleiften Krimiplot bringen sie nicht voran.

Dank der guten Schauspieler und der guten Inszenierung ist die französische Krimikomödie „Paris Murder Mystery“ trotzdem unterhaltsam. Mehr nicht.

Inszeniert wurde die Komödie von Rebecca Zlotkowski. Zu ihren früheren Arbeiten als Regisseurin gehören „Belle Épine“, „Grand Central“ und „Ein leichtes Mädchen“. Sie ist auch Co-Drehbuchautorin von Audrey Diwans missglücktem „Emmanuelle“.

Paris Murder Mystery (Vie Privée, Frankreich 2025)

Regie: Rebecca Zlotowski

Drehbuch: Rebecca Zlotowski, Anne Berest, Gaëlle Macé (in Zusammenarbeit mit)

mit Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, Mathieu Amalric, Vincent Lacoste, Luàna Bajrami, Noam Morgensztern, Frederick Wiseman, Aurore Clément

internationaler Titel: A Private Life

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Paris Murder Mystery“

Moviepilot über „Paris Murder Mystery“

Metacritic über „Paris Murder Mystery“

Rotten Tomatoes über „Paris Murder Mystery“

Wikipedia über „Paris Murder Mystery“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Rebecca Zlotowskis „Ein leichtes Mädchen“ (Une fille facile, Frankreich 2019)