TV-Tipp für den 22. März: Shutter Island

März 21, 2026

Sat.1, 23.40

Shutter Island (Shutter Island, USA 2009)

Regie: Martin Scorsese

Drehbuch: Laeta Kalogridis

LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)

Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?

Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.

Nun, entgegen der allgemeinen Euphorie fand ich „Shutter Island“ todsterbenslangweilig und ungefähr so subtil wie Scorseses John-D.-MacDonald-Verfilmung „Kap der Angst“ (Cape Fear, USA 1991). Lehanes Roman ist dagegen grandios.

Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas

Lesetipp

Dennis Lehane: Shutter Island

(übersetzt von Steffen Jacobs)

Diogenes, 2015

432 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Shutter Island

William Morrow, 2003

Hinweise

Metacritic über „Shutter Island“

Rotten Tomatoes über „Shutter Island“

Wikipedia über „Shutter Island“ (deutsch, englisch)

The Boston Globe: Interview mit Dennis Lehane über “Shutter Island” (14. Februar 2010)

Kriminalakte über den Film „Shutter Island“

zu Dennis Lehane

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

zu Martin Scorsese

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Killers of the Flower Moon (Killers of the Flower Moon, USA 2023)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Is this thing on?“ Darf ich aus meinem Leben erzählen?

März 21, 2026

Nach einem gemeinsamen Abend bei Freunden trennen sich auf dem Heimweg die Wege von Alex Novak (Will Arnett) und Tess (Laura Dern). Tess fährt zu ihren Kindern. Alex driftet durch das nächtliche New York und landet, weil er kein Geld dabei hat, um den Eintritt zu bezahlen, er aber noch nicht nach Hause gehen will, auf der Open-Mic-Bühne des Olive Tree Cafes. Vor dem Publikum erzählt er spontan aus seinem Leben. Witzig ist das nicht. Noch nicht einmal wirklich tragikomisch. Aber irgendwie sind das Publikum und vor allem die anderen Open-Mic-Performer berührt. Sie ermuntern ihn zu einem weiteren Auftritt. Und Alex hat auf der Bühne etwas verspürt, was ihn zum weitermachen antreibt.

Fortan erzählt er auf der Bühne, mehr wahrhaftig als komisch, aus seinem Leben und von seinen Gefühlen.

Dazwischen zeigt Bradley Cooper in seinem dritten Spielfilm dieses Leben. Nach über sechsundzwanzig Jahren, zwanzig davon verheiratet, haben Alex und Tess sich getrennt. Warum wird in Coopers „Is this thing on?“ nicht wirklich deutlich. Sie leben jetzt zwar in getrennten Wohnungen, aber sie verstehen sich immer noch ausgezeichnet und die Kindererziehung teilen sie sich problemlos. Sie sind immer füreinander da. Sogar glückliche Familien wären über so viel Harmonie und selbstlosen Zusammenhalt begeistert.

Gleichzeitig beginnen sie darüber nachzudenken, wie sie ihr weiteres Leben gestalten sollen. Tess knüpft an ihr früheres Leben als Spitzensportlerin an. Alex scheint auf der Comedy-Bühne als Stand-up-Komiker seinen Leben einen neuen Sinn zu geben. Er findet neue Freunde und kann auf der Bühne eine Bestätigung finden, die er vorher anscheinend nicht hatte. Denn obwohl Alex die Hauptfigur der warmherzigen Komödie ist, erfahren wir wenig über ihn.

Zwei Stunden erzählt Bradley Cooper, keiner strikten Dramaturgie gehorchend, feinfühlig, wahrhaftig und mit spürbarer Sympathie für seine durchgehend sympathischen Figuren aus dem Leben einiger stinknormaler Menschen, die keinerlei finanzielle Probleme haben und die offensichtlich glücklich und zufrieden sind.

Das mag vor allem Menschen in einer ähnlichen Situation wie Alex und Tess ansprechen.

Is this thing on? (Is this thing on?, USA 2025)

Regie: Bradley Cooper

Drehbuch: Bradley Cooper, Will Arnett, Mark Chappell (nach einer Geschichte von Will Arnett, Mark Chappell und John Bishop)

mit Will Arnett, Laura Dern, Andra Day, Bradley Cooper, Amy Sedaris, Sean Hayes, Christine Ebersole, Ciarán Hinds, Scott Icenogle

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Is this thing on?“

Metacritic über „Is this thing on?“

Rotten Tomatoes über „Is this thing on?“

Wikipedia über „Is this thing on?“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bradley Coopers „A Star is born“ (A Star is born, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Paolo Sorrentino verleiht Toni Servillo „La Grazia“

März 21, 2026

Einsam sitzt Mariano De Santis (Toni Servillo) in seinem festungsähnlichem Amtssitz. Nur seine Tochter Dorotea (Anna Ferzetti) ist immer bei ihm und berät ihn. In einem halben Jahr endet seine Amtszeit als Präsident Italiens. Die noch nötigen Amtsgeschäfte erledigt er überdrüssig mit steinerner Miene. Er muss nur noch über ein schon lange vorbereitetes und noch länger diskutiertes Gesetz zur Sterbehilfe und über zwei Begnadigungen entscheiden. Der unter seinen akademischen Kollegen hochgeachtete und respektierte Jurist zögert allerdings. Es sind Entscheidungen, die sein Vermächtnis prägen werden.

Paolo Sorrentinos neuer Film „La Grazia“ ist eine weitere seiner Studien von erlesenem Stillstand vor prächtiger Kulisse. Der Präsidentenpalast verströmt als historisches Gebäude aus jeder Pore Geschichte. Toni Servillo verkörpert den zaudernden Präsidenten mit steinerner Miene. Meistens ist er allein. Immer zaudert er aus eher nebulösen Gründen. So hat er gegen das Gesetzt zur Sterbehilfe keine grundlegenden juristischen, politischen oder persönliche Einwände. Er zaudert nur um des Zauderns Willen.

So ist „La Grazia“ von Paolo Sorrentino, wie gesagt, eine weitere Studie im Stillstand, verbunden mit der Erinnerung an möglicherweise bessere Zeiten. Es passiert wenig bis nichts in dieser intimen Zustandsbeschreibung. Sorrentino übertönt es auch nicht, wie früher, mit Lautstärke oder felliniesken Figuren und breit gefächerten Tableaus.

In „La Grazia“ begnügt sich Sorrentino mit dem gewohnt überzeugend auftretendem Toni Servillo damit, seinen Lieblingsschauspieler in historische Räume zu setzen oder zu stellen. Das sieht prächtig aus, ist voller Nostalgie und verströmt die Aura gediegener Langeweile. Denn auch wenn De Santis vor einigen wichtigen Entscheidungen steht, scheint keine dieser Entscheidungen für das Leben der von ihm regierten Italiener besonders wichtig oder umstritten zu sein.

Das gesagt, ist es eine Wohltat, im Kino über zwei Stunden einen Politiker zu sehen, der ein hundertfünfzigprozentiger Anti-Trump und der intellektuelle Gegenentwurf zu vielen italienischen Politikern ist. Dazu gehört auch der ebenfalls von Toni Servillo in Paolo Sorrentinos Biopic „Loro“ porträtierte ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi.

La Grazia (La Grazia, Italien 2025)

Regie Paolo Sorrentino

Drehbuch: Paolo Sorrentino

mit Toni Servillo, Anna Ferzetti, Orlando Cinque, Massimo Venturiello, Milvia Marigliano, Giuseppe Gaiani, Giovanna Guida, Alessia Giuliani, Roberto Zibetti, Vasco Mirandola, Linda Messerklinger, Rufin Doh Zeyenouin

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „La Grazia“

Metacritic über „La Grazia“

Rotten Tomatoes über „La Grazia“

Wikipedia über „La Grazia“ (deutsch, englisch, italienisch)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Cheyenne – This must be the Place“ (This must be the Place, Italien/Frankreich/Irland 2011)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „La grande Bellezza – Die große Schönheit“ (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von „Paolo Sorrentino – Director’s Collection“

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Loro – Die Verführten“ (Loro, Italien/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Paolo Sorrentinos „Parthenope“ (Parthenope, Italien/Frankreich 2024)


TV-Tipp für den 21. März: Die Blechtrommmel

März 20, 2026

3sat, 22.10

Die Blechtrommel (Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff, Jean-Claude Carrière, Franz Seitz, Günther Grass (Dialogbearbeitung)

LV: Günter Grass: Die Blechtrommel, 1959

Die Geschichte von Blechtrommler Oskar Matzerath, der am 12. September 1927 als Dreijähriger beschließt, nicht weiter zu wachsen.

Ein Klassiker des deutschen Films, ausgezeichnet, u. a., mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Oscar als bester ausländischer Film und ein Kassenerfolg.

Mit David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski, Katharina Thalbach, Heinz Bennent, Andrea Ferréol, Fritz Hakl, Ernst Jacobi, Otto Sander, Charles Aznavour

Hinweise

Filmportal über „Die Blechtrommel“

Rotten Tomatoes über „Die Blechtrommel“

Wikipedia über „Die Blechtrommel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)


Leipziger Buchmesse 2026 – Prolog

März 20, 2026

Mein Donnerstag: Leipziger Buchmesse – mit vielen guten Gesprächen, einer leckeren Pizza und der Preis der Leipziger Buchmesse ging an:

KATEGORIE BELLETRISTIK: Katerina Poladjan: „Goldstrand“ [S. Fischer]

KATEGORIE SACHBUCH/ESSAYISTIK: Marie-Janine Calic: „Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ [C.H. Beck]

KATEGORIE ÜBERSETZUNG: Manfred Gmeiner: „Unten leben“ (Gustavo Faverón Patriau) [Literaturverlag Droschl]


TV-Tipp für den 20. März: Die üblichen Verdächtigen

März 19, 2026

BR, 00.25

Die üblichen Verdächtigen (The usual Suspects, USA 1995)

Regie: Bryan Singer

Drehbuch: Christopher McQuarrie

„Wer ist Keyser Soze?“ fragen sich einige nur scheinbar zufällig in eine Gefängniszelle eingesperrte Verbrecher und, nach einem Massaker im Hafen von San Pedro, auch ein Zollinspektor. Er lässt sich von dem einzigen Überleben erzählen, wie es zu dem Blutbad im Hafen kam.

Nach zwei Stunden gibt es die überraschende Enthüllung. Heute dürfte das Ende bekannt sein.

„Einer der intelligentesten Thriller des Jahres.“ (Fischer Film Almanach 1997)

McQuarries Drehbuch erhielt unter anderem den Edgar und den Oscar.

Mit Kevin Spacey, Chazz Palminteri, Stephen Baldwin, Gabriel Byrne, Benicio Del Toro, Kevin Pollak, Pete Postlethwaite, Suzy Amis, Giancarlo Esposito, Dan Hedaya, Paul Bartel, Louis Lombardi

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die üblichen Verdächtigen“

Wikipedia über “Die üblichen Verdächtigen” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bryan Singers „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (X-Men: Days of Future Past, USA 2014)

Meine Besprechung von Bryan Singers „X-Men: Apocalypse“ (X-Men: Apocalypse, USA 2016)

Meine Besprechung von Bryan Singer/Dexter Fletchers „Bohemian Rhapsody“ (Bohemian Rhapsody, USA 2018)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Rouge Nation“ (Mission Impossible: Rouge Nation, USA 2015)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Fallout“ (Mission: Impossible – Fallout, USA 2018)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – Dead Reckoning Teil eins“ (Mission: Impossible – Dead Reckoning Part One, USA 2023)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ (Mission: Impossible – The Final Reckoning, USA 2025)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Ryan Gosling ist „Der Astronaut – Project Hail Mary“ ist seine Mission

März 19, 2026

Als Ryland Grace wach wird, liegen neben ihm zwei ziemlich verweste Leichen und er hat keine Ahnung, wo er ist.

So fangen Krimis und Horrorgeschichten an. „Der Astronaut – Project Hail Mary“ ist allerdings keine Horrorgeschichte und auch kein Thriller, sondern der von Sony Pictures erhoffte nächste Science-Fiction-Blockbuster. Als Grundlage des Films diente der dritte und bislang neueste Roman von Hard-SF-Autor Andy Weir, dem Autor von „Der Marsianer“. Ryan Gosling übernahm die Hauptrolle. Sandra Hüller hat in ihrem gelungenem Hollywood-Debüt die wichtigste und mit entsprechend viel Leinwandzeit ausgestattete Nebenrolle.

Es dauert im Roman und im Film einige Zeit, bis Ryland Grace herausgefunden hat, wer er ist und wo er sich befindet. Er ist in dem Raumschiff Hail Mary und fliegt zum Tau-Ceti-System. Er erwachte aus einem künstlichen Koma. Er und seine beiden toten, arg verwesten Mitastronauten wurden dorthin geschickt, um die Welt zu retten. Denn die Astrophagen entziehen der Sonne das für das Leben auf der Erde nötige Licht. Die einzelligen Lebewesen begeben sich entlang des Petrowa-Strahls auf eine Reise zu Tau Ceti. Die Menschheit hofft, dass die Astronauten herausfinden, warum die Astrophagen sich zu dem Ort bewegen und wie man die Entwicklung umkehren kann.

Vor dem Raumflug ohne Rückfahrtticket war Dr. Ryland Grace Lehrer an einer Highschool. Davor stand dem promovierten Molekularbiologen eine Karriere als Wissenschaftler offen. Er publizierte auch ein in der Wissenschaftler-Gemeinde wahrgenommenes Papier über den Ursprung des Lebens. Darin vertrat er die These, Leben sei nicht unbedingt von Wasserstoff und Sauerstoff abhängig. Die Wissenschaftlerin Eva Stratt (Sandra Hüller) nahm ihn in ihr Team, die Petrowa-Taskforce, auf. Sie wurde von allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen beauftragt, die Menschheit zu retten. Alles, was sie dafür braucht oder haben möchte, steht ihr zur Verfügung. Sie muss es nur anfordern.

An seinem Zielort trifft Ryland auf ein Alien-Schiff und einen Außerirdischen. Dieser knuffig aussehende, an Bernd das Brot erinnernde Außerirdische, den Ryland Rocky nennt, hat die gleiche Mission. Nur: wie sollen sie sich verständigen?

Das Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller („Spider-Man: Into the Spider-Verse“, „The Lego Movie“) und Drehbuchautor Drew Goddard halten sich in ihrer Verfilmung eng an Andy Weirs Roman. Aber immer, wenn es im Roman wissenschaftliche Erklärungen gibt, biegt der Film in Richtung Comedy ab. So bleibt im Film die gesamte Wissenschaft rätselhaft. Das war in „Der Marsianer“ anders. In Ridley Scotts Verfilmung von Andy Weirs Debütroman, ebenfalls nach einem Drehbuch von Drew Goddard, glaubte man nach dem Film, man habe die gesamte Wissenschaft und die Feinheiten des Kartoffelanbaus verstanden. Nach „Der Astronaut – Project Hail Mary“ fühlt man sich bestenfalls kurzweilig unterhalten und besser. Denn trotz drohendem Weltuntergang und Selbstmordmission ist „Der Astronaut“ ein Feelgood-Film.

Lord und Goddard erzählen die Geschichte mit ihren zahlreichen Rückblenden, flott und immer auf die nächste Pointe hin. Die Zeit – der Film dauert fast drei Stunden – vergeht schnell, aber die Geschichte ist auch etwas dünn für die epische Laufzeit.

Bei dem ebenfalls sehr langem Roman – aufgrund des kleinen Drucks führen die 560 Seiten etwas in die Irre – erfahren wir mehr über die wissenschaftlichen Grundlagen und auch über die komplizierte Arbeit der Wissenschaftler an den Astrophagen, den ständigen Versuchen und, manchmal tödlichen, Irrtümern, und den Vorbereitungen für den viele Jahre dauernden Flug durch den Weltraum.

Gleichzeitig besteht genug Zeit, sich zu fragen, warum es in der Hail Mary nicht eine leicht zu findende Datei gibt, die den aus dem Tiefschlaf aufwachenden Astronauten sofort verraten würde, wo sie gerade sind und warum sie dort sind. Weil es so ein Papier mit den wichtigen Informationen nicht gibt, muss Ryland alles mühsam enträtseln.

Der Astronaut – Project Hail Mary (Project Hail Mary, USA 2026

Regie: Phil Lord, Christopher Miller

Drehbuch: Drew Goddard

LV: Andy Weir: Project Hail Mary, 2021 (Der Astronaut; Der Astronaut – Project Hail Mary)

mit Ryan Gosling, Sandra Hüller, Lionel Boyce, Ken Leung, Milana Vayntrub

Länge: 157 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage (mit mehr naturwissenschaftlichen Erklärungen und Filmcover)

Andy Weir: Der Astronaut – Project Hail Mary

(übersetzt von Jürgen Langowski)

Heyne, 2026

560 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

Poject Hail Mary

Ballantine Books, New York, 2021

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Der Astronaut – Project Hail Mary“

Metacritic über „Der Astronaut – Project Hail Mary“

Rotten Tomatoes über „Der Astronaut – Project Hail Mary“

Wikipedia über „Der Astronaut – Project Hail Mary“ (Roman: deutsch, englisch; Film: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Phil Lord/Christopher Miller „22 Jump Street“ (22 Jump Street, USA 2014)

Meine Besprechung von Drew Goddards „Bad Times at the El Royale“ (Bad Times at the El Royale, USA 2018)

Meine Besprechung von Ridley Scotts Andy-Weir-Verfilmung „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Homepage von Andy Weir

Bookmarks über „Der Astronaut“

 


TV-Tipp für den 19. März: Under the Silver Lake

März 18, 2026

ZDF, 00.45

Under the Silver Lake (Under the Silver Lake, USA 2018)

Regie: David Robert Mitchell

Drehbuch: David Robert Mitchell

Los Angeles, 2011: Das spurlose Verschwinden seiner neuen Nachbarin Sarah reißt Sam aus seiner Slacker-Lethargie. Er vermutet hinter ihrem Verschwinden ein großes Verbrechen und eine noch größere Verschwörung.

TV-Premiere. Neo-Noir-Komödie, die wie ein in den neunziger Jahren gedrehter Film wirkt, der mindestens zwanzig Jahre zu spät ins Kino kam. Außer Zitaten nichts gewesen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Andrew Garfield, Riley Keough, Topher Grace, Callie Hernandez, Don McMandus, Jeremy Bobb, Riki Lindholme Zosia Mamet, Jimmi Simpson, Grace van Patten

Hinweise

Moviepilot über „Under the Silver Lake“

Metacritic über „Under the Silver Lake“

Rotten Tomatoes über „Under the Silver Lake“

Wikipedia über „Under the Silver Lake“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Robert Mitchells „It Follows“ (It Follows, USA 2014)

Meine Besprechung von David Robert Mitchells „Unter the Silver Lake“ (Under the Silver Lake, USA 2018)


Jamie Lee Curtis ist nicht „Mother Nature“

März 18, 2026

Jetzt macht sie auch noch Comics! Dabei ist die Entstehungsgeschichte von „Mother Nature“, der ersten Graphic Novel von Jamie Lee Curtis (Ja, genau, die Jamie Lee Curtis!), etwas komplizierter.

Curtis hatte ein Drehbuch für einen Öko-Horrorfilm konzipiert und mitgeschrieben. Als Comiczeichner und -autor Karl Stevens davon hörte, wollte er es lesen. Daraus entwickelte sich eine Zusammenarbeit zwischen ihm, Curtis und Regisseur Russell Goldman, dem Regisseur der von Comet Pictures/Blumhouse geplanten, sich anscheinend im Moment in der Entwicklungshölle befindenden Verfilmung. Schon früh ließen sie sich von Indigenen beraten. Sie gaben ihnen einen Einblick in deren Leben und Kultur.

Die in New Mexico liegende Kleinstadt Catch Creek ist ökonomisch von Cobalt Industries abhängig. Die Firma fördert vor Ort Öl, ist experimentellen Fördermethoden gegenüber aufgeschlossen und gibt sich als Wohltäter. Ihr neuestes Projekt ist das Mother-Nature-Project. Mit einer neuen Technologie soll verunreinigtes Wasser aufbereitet werden. Es soll, in den Worten der Chefin Cobalt Industries Cynthia Butterfield, aus der Wüste eine grüne Oase machen. Die erste Testanlage wird demnächst in Catch Creek fertiggestellt.

Seit dem Tod ihres Vaters – als er 1995 eine Erdöltiefpumpe von Cobalt Industries reparieren wollte, wurde er von ihr erschlagen – kämpft Nova Terrell gegen den Konzern. Sie macht ihn für den Tod ihres Vaters und weitere Schweinereien verantwortlich. Während ihrer Sabotageaktionen entdeckt sie auf dem Boden eine gelb-grünliche Flüssigkeit und sieht den Geist einer Frau.

Mother Nature“ ist ein zwiespältiges Werk – und jetzt begebe wir uns in das Spoiler-Territorium; wobei im Nachwort von Brian Lee Young und dem Interview mit Jamie Lee Curtis und Russell Goldman einiges Verraten wird. In der Geschichte selbst bleibt der Bezug zur Diné-Kultur eher kryptisch. Über weite Strecken der Geschichte wirkt die aus der Erde kommende Bedrohung wie eine x-beliebige Bedrohung, die am Ende, je nachdem, was dem Autor besser gefällt, mit einem Hinweis auf die Rache der Natur an den Umweltfreveln der Menschen oder einer ungünstigen Kombination von Chemikalien und Lebewesen oder einer Mischung aus beidem erklärt.

Bis dahin plätschert die Geschichte mit seltsamen Sichtungen, bizarren Todesfällen und Subplots überraschend spannungsfrei vor sich hin.

Jamie Lee Curtis/Russell Goldman/Karl Stevens: Mother Nature – Die Rache der Erdgeister

(übersetzt von Sandra Kentopf)

Panini Comics, 2026

184 Seiten

29 Euro

Originalausgabe

Mother Nature

Titan Comics, 2023

Hinweise

Panini über den Comic

Wikipedia über „Mother Nature“


TV-Tipp für den 18. März: The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten

März 17, 2026

Arte, 20.15

The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants, USA 2011)

Regie: Alexander Payne

Drehbuch: Alexander Payne, Nat Faxon, Jim Rash

LV: Kaui Hart Hemmings: The Descendants, 2009 (Mit deinen Augen, Neuveröffentlichung unter „The Descendants“)

Auch im Paradies haben die Menschen alltägliche Probleme. So muss Rechtsanwalt Matt King (George Clooney) sich auf Hawaii mit der weiteren Nutzung des Landes, das seit Generationen im Familienbesitz ist und von ihm verwaltet wird, herumschlagen, seine Frau liegt nach einem Bootsunfall im Koma und er muss sich jetzt um seine beiden Töchter kümmern. Da erfährt er, dass seine Frau einen Liebhaber hatte.

Paynes Film ist eine feine, warmherzige und lebenskluge Komödie über Familien und andere alltägliche Probleme.

mit George Clooney, Shailene Woodley, Beau Bridges, Robert Forster, Judy Greer, Matthew Lillard, Nick Krause, Amara Miller, Mary Birdsong, Rob Huebel, Patricia Hastie

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Descendants“

Wikipedia über „The Descendants“ (deutschenglisch)

The Wall Street Journal: Interview mit Kaui Hart Hemmings über “The Descendants” (23. November 2011)

Stuttgarter Zeitung: Mein Interview mit Alexander Payne über „The Descendants“

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (The Descendants, USA 2011, mit George Clooney)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Nebraska“ (Nebraska, USA 2013)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Downsizing“ (Downsizing, USA 2017)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Holdovers“ (The Holdovers, USA 2023)

Alexander Payne in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Nat Faxon/Jim Rashs „Ganz weit hinten“ (The Way Way Back, USA 2013)


Cover der Woche

März 17, 2026

Ein Klassiker


TV-Tipp für den 17. März: Auftrag Rache

März 16, 2026

Tele 5, 20.15

Auftrag Rache (Edge of Darkness, USA/Großbritannien 2010)

Regie: Martin Campbell

Buch: William Monahan, Andrew Bovell (nach dem Drehbuch von Troy Kennedy Martin)

Vor der Haustür des Polizisten Thomas Craven erschießen Unbekannte seine Tochter. Craven glaubt, dass der Anschlag ihm gegolten hat. Er beginnt ihren Mörder zu jagen.

Nach einer siebenhährigen Schauspielpause übernahm er in diesen leicht noirischen Politthriller endlich wieder die Hauptrolle. Es wurde eine veritable Soloshow.

„Auftrag Rache“ ist das Remake der hochgelobten, sechsstündigen BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“ (Edge of Darkness) von 1985, die ebenfalls von Martin Campbell inszeniert wurde und ein mit mehreren BAFTAs (unter anderem „Beste TV-Serie“) ausgezeichneter „Meilenstein der Fernsehgeschichte“ (Martin Compart: Crime TV) ist. Dagegen ist das Remake nur austauschbare 08/15-Kost.

„Simpler Thriller, der das Spannungspotential seiner Actionszenen inszenatorisch nicht sonderlich ausschöpft und dessen politische Hintergründe eher konfus gezeichnet sind.“ (Lexikon des internationalen Films)

William Monahan schrieb auch die Drehbücher für die ungleich gelungeneren Thriler „Departed – Unter Feinden“,Der Mann, der niemals lebte“ und „London Boulevard“ (auch Regie).

Martin Campbell inszenierte auch die James-Bond-Filme „GoldenEye“ und „Casino Royale“ (zweimal gut) und „Green Lantern“ (Gähn!).

mit Mel Gibson, Ray Winstone, Danny Huston, Bojana Novakovic, Shawn Roberts, Frank Grillo

Wiederholung: Mittwoch, 18. März, 02.45 Uhr (Taggenau! – und wahrscheinlich ungekürzt. Der Film ist FSK 16)

Hinweise

Metacritic über „Auftrag Rache“

Rotten Tomatoes über „Auftrag Rache“

Wikipedia über „Auftrag Rache“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Campbells TV-Serie “Am Rande der Finsternis” (Edge of Darkness, GB 1985 – DIE Vorlage für “Auftrag Mord”)

Meine Besprechung von Martin Campbells „Green Lantern” (Green Lantern, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Campbells „The Foreigner“ (The Foreigner, Großbritannien/China 2017) (mit Jackie Chan und Pierce Brosnan)

Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung von William Monahans “The Gambler” (The Gambler, USA 2014 – nur Drehbuch)

 

 


Die Oscar-Gewinner 2026

März 16, 2026

Geschafft: vor wenigen Stunden wurden im Dolby Theatre in Los Angeles die 98. Oscars vergeben. Ich sah sie mir hier in Berlin im Hackesche Höfe Kino in überaus netter Gesellschaft an, radelte danach auf einer geraden Linie durch die Stadt und jetzt bin ich fit genug, um meiner Chronistenpflicht nachzukommen.

Große Überraschungen gab es bei der oft erstaunlich politischen Preisverleihung nicht. „One Battle after another“ gewann etliche Oscars. Das war allgemein so erwartet worden. „Blood & Sinners“ ebenso; – und hier kommen wir zu den Überraschungen: die Oscars für die beste Kamera – Autumn Durald Arkapaw als erste Frau – und den besten Hauptdarsteller – Michael B. Jordan anstelle von Timothée Chalamet – waren so nicht erwartet worden. Gleiches gilt für die beste Nebenrolle. Den Oscar gewann Amy Madigan.

Mich überraschte (weil ich solche Dinge oft wahrnehme und dann wieder vergesse, weil ich sie ja jederzeit nachsehen kann), dass Paul Thomas Anderson bislang noch keinen Oscar gewonnen hat. Jetzt hat er drei Oscars.

Gewonnen haben:

Best Motion Picture of the Year

Bugonia (Ed Guiney, Andrew Lowe, Yorgos Lanthimos, Emma Stone, Lars Knudsen)

F1 (Chad Oman, Brad Pitt, Dede Gardner, Jeremy Kleiner, Joseph Kosinski, Jerry Bruckheimer)

Frankenstein (Guillermo del Toro, J. Miles Dale, Scott Stuber)

Hamnet (Liza Marshall, Pippa Harris, Nicolas Gonda, Steven Spielberg, Sam Mendes)

Marty Supreme (Eli Bush, Ronald Bronstein, Josh Safdie, Anthony Katagas, Timothée Chalamet)

GEWINNER: One Battle After Another (Adam Somner, Sara Murphy, Paul Thomas Anderson)

The Secret Agent (Emilie Lesclaux)

Sentimental Value (Maria Ekerhovd, Andrea Berentsen Ottmar)

Blood & Sinners (Sinners) (Zinzi Coogler, Sev Ohanian, Ryan Coogler)

Train Dreams (Marissa McMahon, Teddy Schwarzman, Will Janowitz, Ashley Schlaifer, Michael Heimler)

Best Achievement in Directing

Chloé Zhao (Hamnet)

GEWINNER: Paul Thomas Anderson (One Battle After Another)

Ryan Coogler (Blood & Sinners)

Joachim Trier (Sentimental Value)

Josh Safdie (Marty Supreme)

Best Original Screenplay

Blue Moon (Robert Kaplow)

Ein einfacher Unfall (Jafar Panahi, Shadmehr Rastin, Nader Saïvar, Mehdi Mahmoudian)

Marty Supreme (Josh Safdie, Nader Saïvar, Shadmehr Rastin, Mehdi Mahmoudian)

Sentimental Value (Joachim Trier, Eskil Vogt)

GEWINNER: Blood & Sinners (Ryan Coogler)

Best Adapted Screenplay

Bugonia (Will Tracy)

Frankenstein (Guillermo del Toro)

Hamnet (Maggie O’Farrell, Chloé Zhao)

GEWINNER: One Battle After Another (Paul Thomas Anderson)

Train Dreams (Clint Bentley, Greg Kwedar)

Best International Feature Film

The Secret Agent (Brazil)

Ein einfacher Unfall (France)

GEWINNER: Sentimental Value (Norway)

Sirât (Spain)

Die Stimme von Hind Rajab (Tunisia)

Best Animated Feature Film

Arco (Ugo Bienvenu, Félix de Givry, Sophie Mas, Natalie Portman)

GEWINNER: KPop Demon Hunters (Maggie Kang, Chris Appelhans, Michelle Wong)

Little Amélie or The Character of Rain (Maïlys Vallade, Liane-Cho Han Jin Kuang, Nidia Santiago, Henri Magalon)

Zoomania 2 (Jared Bush, Byron Howard, Yvett Merino)

Elio (Madeline Sharafian, Domee Shi, Adrian Molina, Mary Alice Drumm)

Best Performance by an Actor in a Leading Role

Timothée Chalamet (Marty Supreme)

Leonardo DiCaprio (One Battle After Another)

Ethan Hawke (Blue Moon)

GEWINNER: Michael B. Jordan (Blood & Sinners)

Wagner Moura (The Secret Agent)

Best Performance by an Actress in a Leading Role

GEWINNER: Jessie Buckley (Hamnet)

Rose Byrne (If I Had Legs I’d Kick You)

Renate Reinsve (Sentimental Value)

Emma Stone (Bugonia)

Kate Hudson (Song Sung Blue)

Best Performance by an Actor in a Supporting Role

Benicio Del Toro (One Battle After Another)

GEWINNER: Sean Penn (One Battle After Another)

Stellan Skarsgård (Sentimental Value)

Jacob Elordi (Frankenstein)

Delroy Lindo (Blood & Sinners)

Best Performance by an Actress in a Supporting Role

Elle Fanning (Sentimental Value)

Inga Ibsdotter Lilleaas (Sentimental Value)

GEWINNER: Amy Madigan (Weapons – Die Stunde des Verschwindens)

Teyana Taylor (One Battle After Another)

Wunmi Mosaku (Blood & Sinners)

Best Achievement in Cinematography

Frankenstein (Dan Laustsen)

Marty Supreme (Darius Khondji)

One Battle After Another (Michael Bauman)

GEWINNER: Blood & Sinners (Autumn Durald Arkapaw)

Train Dreams (Adolpho Veloso)

Best Achievement in Film Editing

F1 (Stephen Mirrione)

Marty Supreme (Ronald Bronstein, Josh Safdie)

GEWINNER: One Battle After Another (Andy Jurgensen)

Blood & Sinners (Michael P. Shawver)

Sentimental Value (Olivier Bugge CouttéO)

Best Achievement in Production Design

GEWINNER: Frankenstein (Tamara Deverell (production designer), Shane Vieau (set decorator))

Hamnet (Fiona Crombie (production designer), Alice Felton (set decorator))

Marty Supreme (Jack Fisk (production designer), Adam Willis (set decorator))

Blood & Sinners (Hannah Beachler (production designer), Monique Champagne (set decorator))

One Battle After Another (Florencia Martin (production designer), Anthony Carlino (set decorator))

Best Achievement in Costume Design

GEWINNER: Frankenstein (Kate Hawley)

Hamnet (Malgosia Turzanska)

Blood & Sinners (Ruth E. Carter)

Marty Supreme (Miyako Bellizzi)

Avatar: Fire and Ash (Deborah L. Scott)

Best Sound

GEWINNER: F1 (Gareth John, Al Nelson, Gwendolyn Yates Whittle, Gary A. Rizzo, Juan Peralta)

Frankenstein (Greg Chapman, Nathan Robitaille, Nelson Ferreira, Christian T. Cooke, Brad Zoern)

One Battle After Another (José Antonio García, Christopher Scarabosio, Tony Villaflor)

Blood & Sinners (Chris Welcker, Benjamin A. Burtt, Felipe Pacheco, Brandon Proctor, Steve Boeddeker)

Sirât (Amanda Villavieja, Laia Casanovas, Yasmina Praderas)

Best Achievement in Makeup and Hairstyling

GEWINNER: Frankenstein (Mike Hill, Jordan Samuel, Cliona Furey)

Kokuhô (Kyôko Toyokawa, Naomi Hibino, Tadashi Nishimatsu)

Blood & Sinners (Ken Diaz, Michael Fontaine, Shunika Terry)

The Smashing Machine (Kazu Hiro, Glen P. Griffin, Björn Rehbein)

The Ugly Stepsister (Thomas Foldberg, Anne Cathrine Sauerberg)

Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Score)

Bugonia (Jerskin Fendrix)

Frankenstein ( Alexandre Desplat)

Hamnet (Max Richter)

GEWINNER: Blood & Sinners (Ludwig Göransson)

One Battle After Another (Jonny Greenwood)

Best Achievement in Music Written for Motion Pictures (Original Song)

Diane Warren: Relentless (Diane Warren (music and lyric)) für „Dear Me“

GEWINNER: KPop Demon Hunters (EJAE(music and lyric), Mark Sonnenblick, Joong Gyu-kwak, Lee Yu-han, Nam Hee-dong, Teddy Park, Jeong Seong-Hoon) für „Golden“

Blood & Sinners (Ludwig Göransson (music and lyric), Raphael Saadiq (music and lyric)) für „I Lied to You“

Viva Verdi (Nicholas Pike (music and lyric)) für „Sweet Dreams of Joy“

Train Dreams (Nick Cave (music and lyric), Bryce Dessner (music)) für „Train Dreams“

Best Achievement in Visual Effects

GEWINNER: Avatar: Fire and Ash (Joe Letteri, Richard Baneham, Eric Saindon, Daniel Barrett)

F1 (Ryan Tudhope, Nicolas Chevallier, Robert Harrington, Keith Dawson)

Jurassic World: Die Wiedergeburt (David Vickery, Stephen Aplin, Charmaine Chan, Neil Corbould)

The Lost Bus (Charlie Noble, David Zaretti, Russell Bowen, Brandon K. McLaughlin)

Blood & Sinners (Michael Ralla, Espen Nordahl, Guido Wolter, Donnie Dean)

Best Documentary Feature

The Alabama Solution (Andrew Jarecki, Charlotte Kaufman)

Come See Me in the Good Light (Ryan White, Jessica Hargrave, Tig Notaro, Stef Willen)

Cutting Through Rocks (Sara Khaki, Mohammadreza Eyni)

GEWINNER: Ein Nobody gegen Putin (Mr. Nobody against Putin; David Borenstein, Pavel Talankin, Helle Faber and Alžběta Karásková)

The Perfect Neighbor (Geeta Gandbhir, Alisa Payne, Nikon Kwantu, Sam Bisbee)

Best Animated Short Film

Schmetterling (Florence Miailhe, Ron Dyens)

Forevergreen (Nathan Engelhardt, Jeremy Spears)

GEWINNER: Das Mädchen, das Perlen weinte (Chris Lavis, Maciek Szczerbowski)

Retirement Plan (John Kelly, Andrew Freedman)

The Three Sisters (Konstantin Bronzit)

Best Live Action Short Film (hier gab es, was sehr selten passiert, zwei Gewinner)

Butcher’s Stain (Meyer Levinson-Blount, Oron Caspi)

A Friend of Dorothy (Lee Knight, James Dean)

Jane Austen’s Period Drama (Julia Aks, Steve Pinder)

GEWINNER: The Singers (Sam A. Davis, Jack Piatt)

GEWINNER: Deux personnes échangeant de la salive (Two People exchanging Saliva, Alexandre Singh, Natalie Musteata)

Best Documentary Short Film

GEWINNER: All die leeren Zimmer (All the empty rooms, Joshua Seftel, Conall Jones)

Armed Only with a Camera: The Life and Death of Brent Renaud (Craig Renaud, Juan Arredondo)

Children No More: Were and are Gone (Hilla Medalia, Sheila Nevins)

The Devil Is Busy (Christalyn Hampton, Geeta Gandbhir)

Perfectly a Strangeness (Alison McAlpine)

Best Casting (eine neue Kategorie)

Hamnet (Nina Gold)

Marty Supreme (Jennifer Venditti)

GEWINNER: One Battle After Another (Cassandra Kulukundis)

The Secret Agent (Gabriel Domingues)

Blood & Sinners (Francine Maisler)

Honorary Award

Tom Cruise

Wynn Thomas

Debbie Allen


Horst Eckert # 21: Die Praktikantin

März 16, 2026

Carla Bergmann kann ihr Glück kaum fassen: in der Lokalredaktion der Morgenpost hat sie einen Praktikumsplatz bekommen. Als erstes soll sie den Polizeibericht bearbeiten. Das ist eine typische Anfängeraufgabe. Dabei entdeckt sie eine Meldung über einen Einbruch in ein Büro. Zwei Männer wurden verhaftet. Sie fragt bei der Polizeisprecherin nach. Diese sagt ihr, es habe sich um eine Irrtum gehandelt und die beiden verhafteten Männer seien bereits entlassen worden.

Damit könnte die Sache erledigt sein. Aber Carla fragt sich, warum die Polizeisprecherin so pampig reagierte.

Sie recherchiert weiter, findet heraus, dass in das Büro eines ukrainischen Magazins, für das auch regimekritische Exilrussen schreiben, eingebrochen wurde, aber nichts gestohlen wurde. Kurz darauf wird auf Artem Woronin, einem der für das Magazin arbeitenden Journalisten, ein Anschlag verübt. Dieser Anschlag geschieht Sekunden vor einem Treffen mit Clara, bei dem er ihr wichtige Dokumente übergeben wollte. Er stirbt in der Garage der Morgenpost.

Danach ist diese Geschichte für die Morgenpost eine große Story. Zusammen mit Jan Koller, früher Investigativjournalist, jetzt Hauptstadtkorrespondent der Zeitung, will Clara herausfinden, wer warum Woronin ermordete.

Dabei begegnen der erfahrene Journallist und die Praktikantin auch einigen aus früheren Thrillern von Horst Eckert bekannten Figuren, wie den Polizisten Vincent Veih und Melia Adan. Und in Berlin bricht in dem an wenigen Tagen im November spielendem Thriller gerade die Regierung auseinander. Ähnlichkeit mit einem realen Koalitionsbruch sind gewollt. Schließlich schreibt Horst Eckert schon seit Jahren seine fabelhaften Politthriller dicht entlang aktueller Ereignisse, Entwicklungen und Schlagzeilen. In dem Einzelroman „Die Praktikantin“ beschäftigt sich der frühere TV-Journalist, neben dem Ukrainekrieg in all seinen Facetten, mit aktuellen Entwicklungen in der Zeitungsbranche. Der Spardruck, KI-Anwendungen und anstehende Fusionen prägen die Arbeit in der Redaktion.

Der Hauptplot – die Recherche von Carla und Jan über die Hintergründe des Einbruchs – entwickelt sich flott und actionreich. Das liegt einerseits daran, dass „Die Praktikantin“ zu Eckerts kürzeren Werken gehört, und andererseits daran, dass er eine Story erzählt, die von Eric Ambler sein könnte. Wie bei Ambler geraten in diesem Fall zwei (bei Ambler war es normalerweise ein) Normalbürger in eine sie überfordernde labyrinthische politische Verschwörung, bei der unklar ist, ob sie das Ende der Geschichte erleben.

Zwischen all den Fronten und verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Interessen verliert Horst Eckert nie den Überblick. Sein neuester Pageturner ist wieder einmal glänzend geplottete Aufklärung

Horst Eckert: Die Praktikantin

Heyne, 2026

384 Seiten

17 Euro

Hinweise

Homepage von Horst Eckert

Wikipedia über Horst Eckert

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Königsallee“ (2007)

Meine Besprechung von Horst Eckerts “Sprengkraft” (2009)

Kriminalakte: Interview mit Horst Eckert über „Sprengkraft“

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Niederrhein-Blues und andere Geschichten“ (2010)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzer Schwan“ (2011)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzlicht“ (2013)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schattenboxer“ (2015)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Wolfsspinne“ (2016)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Im Namen der Lüge“ (2020)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Die Stunde der Wut“ (2021)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Das Jahr der Gier“ (2022)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Die Macht der Wölfe“ (2023)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Nacht der Verräter“ (2024)

 


TV-Tipp für den 16. März: Blutige Hochzeit

März 15, 2026

Arte, 20.15

Blutige Hochzeit (Les noces rouges, Frankreich/Italien 1972)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Claude Chabrol

Pierre und Lucienne sind verliebt. Dummerweise sind beide unglücklich verheiratet und, ebenfalls dummerweise, ist er in der Loire-Kleinstadt ein sozialistischer Stadtrat und Luciennes Mann der Bürgermeister und ein Gaullist. Oh, und dummerweise kennt hier jeder jeden. Trotzdem will Pierre seine Frau umbringen.

Ein schon ewig nicht mehr gezeigter, auf einer wahren Begebenheit beruhender Chabrol-Klassiker, in dem er das französische Bürgertum attackiert.

mit Stéphane Audran, Michel Piccoli, Claude Piépiu, Clotilde Joano, Elinia De Santis, Francois Robert

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blutige Hochzeit“

Wikipedia über „Blutige Hochzeit“ (deutsch, englisch, französisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Was ist „The Testament of Ann Lee“?

März 15, 2026

Sie haderte mit der Amtskirche. Also gründete sie ihre eigene Kirche. Sie scharrte einige Gläubige um sich. Sie war ständigen Angriffen ausgesetzt. 1774 wanderte die am 29. Februar 1736 in Manchester geborene Ann Lee mit einigen wenigen Gläubigen in die USA aus. Im Verwaltungsbezirk Watervliet im Bundesstaat New York gründeten sie in einem Waldgebiet eine Gemeinde. Sie missionierten. Sie verkauften von ihnen hergestellte Möbel. Immer wieder wurden sie angegriffen. Am 8. September 1784 starb sie.

Aus diesem Leben hätte man einen spannenden Film, ein Biopic, in dem wir einiges über Ann Lee, ihren Glauben, ihre Überzeugungen, das Leben der von ihr gegründeten Glaubensgemeinschaft und warum ihre einige ihrer Ideen 240 Jahre nach ihrem Tod immer noch wichtig sind, erfahren können. Jedenfalls für Regisseurin Mona Fastvold, die das Drehbuch zusammen mit ihrem Partner Brady Corbet (dem Regisseur von „The Brutalist“, zu dem sie ebenfalls gemeinsam das Drehbuch schrieben) schrieb, waren sie wichtig genug, um ein Biopic über Ann Lee zu drehen. Ob Ann Lees Ideen auch für uns in irgendeiner Form wichtig sind, ist eine andere Frage. In jedem Fall hätte „The Testament of Ann Lee“ ein Film werden können, der zum Nachdenken und Diskutieren einlädt.

Stattdessen wurde es ein gut gemachter, gänzlich unironischer, die Gläubigen und Ann Lee nie verurteilender Film, in dem von der Glaubensgemeinschaft der Shaker vor allem ihre Gottesdienste im Gedächtnis bleiben. Diese Schüttelorgien mit viel Gesang und Tanz sehen aus wie heiße Sexszenen aus einem Hollywood-Film ohne Geschlechtsverkehr, ohne Berührungen und vollständig bekleidet.

Daneben werden Ann Lees Glauben und ihre Ansichten zunehmend an den Rand gedrängt. Anfangs, in England, sind sie noch präsenter. Zwischen erzwungener Ehe, vier kurz nach der Geburt verstorbenen Kindern und ihren religiösen Ansichten versucht sie ihren Weg zu finden. Lee schließt sich einer Vorläufer-Sekte der Shaker an. Sie predigt über die zweite Ankunft von Christi, der dieses Mal als Frau erscheinen soll. Sie ist gegen die Ehe und gegen Sex. Sie hat die Idee einer gleichberechtigten Gemeinschaft. Ihr Denken war vom Quäkertum und dem Calvinismus beeinflusst. Sie gründet eine christliche Freikirche mit ihr als Oberhaupt. In den USA wurden sie geachtet für ihre zeitlosen Möbel und Erfindungen.

Mona Fastvold sagt das in dem in England spielendem Teil des Films auch, setzt es aber kaum in einen Bezug zur damaligen Gesellschaft, außer dass die von ihrem Glauben und Gottes Wohlwollen überzeugten Shaker mit ihren Gottesdiensten etwas seltsam waren. In der zweiten Hälfte des Films, die nach einer gefährlichen Überfahrt in den USA spielt, wird Fastvolds Musical-Drama zunehmend zu einer ermüdenden, sich immer wieder wiederholenden, redundanten Abfolge von Gesangseinlagen, Fahrten ins Land zwecks Missionierungen und gewalttätigen Anfeindungen von anderen Auswanderern. Das gelobte Land ist nicht das den Auswanderern versprochene Paradies.

Das ist gut gespielt, gut inszeniert, musikalisch stimmig unterlegt und zunehmend arg redundant. Das Biopic regt nicht zur Diskussion über Ann Lee, ihre Ansichten und ihr Werk an. Am Ende des 137-minütigen Films bleibt nur die Ekstase bei den gemeinsamen Gottesdiensten im Gedächtnis. Die hat eine ähnliche Halbwertzeit wie die Ekstase bei einem Musikfestival.

The Testament of Ann Lee (The Testament of Ann Lee, USA 2025)

Regie: Mona Fastvold

Drehbuch: Brady Corbet, Mona Fastvold

mit Amanda Seyfried, Thomasin Mckenzie, Lewis Pullman, Tim Blake Nelson, Christopher Abbott, Stacy Martin

Länge: 137 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Testament of Ann Lee“

Metacritic über „The Testament of Ann Lee“

Rotten Tomatoes über „The Testament of Ann Lee“

Wikipedia über „The Testament of Ann Lee“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Über den Zeitreise-Kinderkrimi „Das geheime Stockwerk“

März 14, 2026

Als der zwölfjährige Karli in dem Lastenaufzug des früheren, in den Alpen liegenden Nobelhotels, das seine Eltern jetzt renovieren, gleichzeitig zwei bestimmte Knöpfe drückt, öffnen sich die Fahrstuhltüren nicht mehr in der Gegenwart, sondern im Jahr 1938. Damals herrschte in dem Hotel reges Treiben. In der Lobby des Hotels trifft er die gleichaltrige, ziemlich altkluge und patente Hannah Friedländer. Die aus Berlin kommende Jüdin gastiert mit ihrem Vater in dem Grandhotel. Karli lernt auch den ebenfalls gleichaltrige Schuhputzer Georg, den Hotelpianisten Bruno und die Brüder Heinrich und Herrmann, die verzogenen, skrupellosen und gewaltgeneigten Kinder des ebenfalls in dem Hotel logierenden Nazis Otto Hartwig, kennen.

Als Georg verdächtigt wird, Hotelgäste bestohlen zu haben, wollen Karli und Hannah die Unschuld ihres Freundes beweisen.

Gleichzeitig nerven Karli in der Gegenwart seine Eltern. Er soll nicht immer spurlos verschwinden. Er soll nicht zu spät zum Essen kommen. Er soll, trotz Schulferien, bei der Renovierung helfen. Er soll sich mit den Dorfjugendlichen befreunden. Dass er im Hotel keinen Handyempfang hat, ärgert ihn in der Gegenwart. In der Vergangenheit funktioniert sein Handy dann überhaupt nicht mehr. Und der Fahrstuhl funktioniert nur in eine Richtung. D. h. er kann in die Vergangenheit fahren, aber er kann niemand aus der Vergangenheit mit in die Gegenwart nehmen.

Es gibt sie noch: deutsche Kinderfilme, die nicht zu poppig-bunten Flachwitzorgien ausarten oder die sozialkritische Dramen für Erwachsene sind. „Das geheime Stockwerk“ erzählt eine – für Kinder – spannende Kriminal- und Zeitreisegeschichte. Dabei wird auch über den Nationalsozialismus informiert und der Frage nachgegangen, warum sich damals so wenige Menschen gegen den Terror wehrten. Es sind Fragen, die Karli beschäftigen, nachdem er 1938 Hannah und all die anderen Menschen im Hotel kennen lernt.

Es gibt Humor, präzise gezeichnete Figuren, nachvollziehbare Konflikte – und ein zu Herzen gehendes Ende. Dafür erhielt „Das geheime Stockwerk“ 2025 den Goldenen Spatz.

Das geheime Stockwerk (Deutschland/Österreich/Luxemburg 2025)

Regie: Norbert Lechner

Drehbuch: Antonia Rothe-Liermann, Katrin Milhahn

mit Silas John, Annika Benzin, Maximilian Reinwald, André Jung, Marie Jung, Marc Limpach, Maximilian Simonischek, Konstantin Horn, Ben Winkler, Tobias Resch, Franz Buchrieser

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das geheime Stockwerk“

Moviepilot über „Das geheime Stockwerk“

Wikipedia über „Das geheime Stockwerk“


TV-Tipp für den 15. März: Mord mit kleinen Fehlern

März 14, 2026

Früher als gewohnt, weil der heutige Tagestipp am Nachmittag gezeigt wird:

Arte, 13.53

Mord mit kleinen Fehlern (Sleuth, Großbritannien 1972)

Regie: Joseph L. Mankiewicz

Drehbuch: Anthony Shaffer (nach seinem Theaterstück)

Krimiautor Andrew Wyke (Laurence Olivier) lädt den Liebhaber seiner Frau, Milo Tindle (Michael Caine), auf sein einsam gelegenes Anwesen ein und macht ihm ein Angebot, das Milo nicht ablehnen will. Dummerweise will Wyke, ein Mitglied der Oberschicht, auch den Nebenbuhler seiner Frau töten und der, ein Cockney sprechender Friseur italienischer Abstammung (viel mehr Arbeiterklasse und Unterschicht geht kaum), wehrt sich.

Grandioses Schauspielerkino, das seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen lief.

„ein virtuoser Kammerkrimi, ein Spiel mit doppeltem Boden, verdrehten Finten und überraschenden Lösungen. Joseph L. Mankiewicz inszenierte die Vorlage mit boshaftem Sarkasmus als Parforcetour zweier exzellenter Darsteller, mit zahlreichen Verweisen auf Vorbilder des Genres und visuellen Andeutungen über den Fortgang der komplizierten, nichtsdestotrotz intelligent konstruierten Handlung.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Caine, Olivier und Mankiewicz waren für Oscars nominiert. Der Film erhielt den renommierten Krimipreis Edgar als bester Spielfilm.

„Mord mit kleinen Fehlern“ ist Mankiewicz‘ letzter Film. Davor inszenierte er „Alles über Eva“, „Julius Cäser“ (mit Marlon Brando), „Die barfüßige Gräfin“ und „Cleopatra“.

Anthony Shaffer (1926 – 2001) schrieb die Bücher für Alfred Hitchcocks „Frenzy“ und die Agatha-Christie-Verfilmungen „Tod auf dem Nil“, „Das Böse unter der Sonne“ und „Rendezvous mit einer Leiche“.

In Kenneth Branaghs Remake des Stücks, „1 Mord für 2“ (2007), spielt Michael Caine den gehörnten Ehemann und Jude Law den Nebenbuhler.

mit Laurence Olivier, Michael Caine, Alec Cawthorne, Margo Channing, John Matthews

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mord mit kleinen Fehlern“

Wikipedia über „Mord mit kleinen Fehlern“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Tod wird kommen“, aber wie?

März 14, 2026

In Brüssel wird Yann in seinem Hotelzimmer erschossen. Er war für Gangster Charles Mahr, nach einer jahrelangen Pause, als Kurier unterwegs. Im Rahmen eines Bildes schmuggelte er eine beträchtliche Menge Bargeld. Die Polizei verhaftete ihn. Kurz darauf kam er auf Kaution frei.

Mahr will wissen, wer der Polizei den Tipp gab und wer Yann erschoss. Die Killerin Tez soll es herausfinden und den Verantwortlichen für Yanns Tod töten.

In seinem neuesten Film hat Christoph Hochhäusler vieles: interessante Locations für einen Kriminalfilm, atmosphärische Bilder, gute Schauspieler und eine hoffnungslos überladene Story. Es ist ein Neo-Noir der gleichzeitig Gangsterfilm, Auftragsmördergeschichte und Detektivgeschichte ist. Dabei gestaltet sich Tez‘ Suche nach dem Mörder von Yann zunehmend unglaubwürdig. Als Killerin sollte sie möglichst unauffällig agieren. Als Auftragsmörderin kennt sie normalerweise ihr Ziel. Schließlich wird sie nicht engagiert, um ihr Ziel zu finden und anschließend zu töten, sondern um eine bestimmte, namentlich bekannte Person zu töten. Als Privatdetektivin kann sie dagegen, wie schon Humphrey Bogart als Sam Spade und Philip Marlowe maximal auffällig agieren. Es ist egal, ob sie von jemand wieder erkannt wird. Für die Erfüllung ihres Auftrags ist auch halbwegs egal, ob sie verfolgt wird. Das ist, als ob man einem Musiker sagt, er solle gleichzeitig unglaublich laut und unglaublich leise spielen. Das geht nicht. Entsprechend unglaubwürdig gestaltet sich Tez‘ den Genrekonventionen eines Privatgdetektivkrimis gehorchende Suche nach dem Mörder von Yann. 

Hochhäusler erzählt diese Mördersuche extrem langsam und mit wenigen, extrem steifen Dialogen.

Das gesagt ist Sophie Verbeeck, die Tez spielt, eine Entdeckung. Sie hat mehr Charisma als der gesamte Film. Wie ein schlecht gelaunter Junge stampft sie durch die Geschichte. Jede ihrer Bewegungen sagt, dass sie nicht an Nettigkeiten interessiert sei. Und wenn nötig, schießt sie um sich. Sie hätte einen besseren Film verdient.

Der Tod wird kommen (La Mort Viendra, Deutschland/Belgien/Luxemburg 2024)

Regie: Christoph Hochhäusler

Drehbuch: Christoph Hochhäusler, Ulrich Peltzer

mit Sophie Verbeeck, Louis-Do de Lencquesaing, Marc Limpach, Mourade Zeguendi, Nassim Rachi, Hilde van Mieghem, Delphine Bibet, Laura Sépul

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Der Tod wird kommen“

Moviepilot über „Der Tod wird kommen“

Rotten Tomatoes über „Der Tod wird kommen“

Wikipedia über „Der Tod wird kommen“

Meine Besprechung von Christoph Hochhäuslers „Die Lügen der Sieger“ (Deutschland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Christoph Hochhäuslers „Bis ans Ende der Nacht“ (Deutschland 2023)


TV-Tipp für den 14. März: Die Klapperschlange

März 13, 2026

RBB, 23.30

Die Klapperschlange (Escape from New York, USA 1981)

Regie: John Carpenter

Drehbuch: John Carpenter, Nick Castle

USA, 1997: Manhattan wurde zum Gefängnis umfunktioniert, in dem Verbrecher den Ton angeben. Durch einen dummen Zufall muss das Flugzeug des US-Präsidenten in Manhattan notlanden. Da hat der Polizeichef eine geniale Idee: Er bietet dem rauhbeinigen Knacki Snake Plissken die Freiheit an, wenn er den US-Präsidenten lebendig aus Manhattan herausholt. Zur Motivationsförderung lässt er Plissken zwei Sprengkapseln implantiert.

Ein schön zynischer, dystpischer SF-Klassiker und ein John-Carpenter-Klassiker.

„einer der spannendsten Filme der letzten Jahre, sorgfältig inszeniert, wenn auch recht gewalttätig.“ (Fischer Film Almanach 1982)

mit Kurt Russell, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton, Adrienne Barbeau, Tom Atkins

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Klapperschlange“

Wikipedia über „Die Klapperschlange“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht“ (Assault on Precinct 13, USA 1976)

John Carpenter in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Walshs „Die Klapperschlange – Escape from New York: Die Entstehungsgeschichte des Kultfilms“ (Escape From New York: The Official Story of the Film, 2021)