TV-Tipp für den 23. Oktober: American Hustle

Oktober 22, 2026

3sat, 22.25

American Hustle (American Hustle, USA 2013)

Regie: David O. Russell

Drehbuch: Eric Warren Singer, David O. Russell

New York in den späten Siebzigern: FBI-Agent DiMaso will einen korrupten Bürgermeister überführen. Dabei sollen ihm der Betrüger Rosenfeld und seine Geliebte helfen.

Durchaus vergnügliche, aber auch von sich selbst zu sehr überzeugte Mega-Retro-Gaunerkomödie, die auf einem wahren Fall basiert.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Christian Bale, Amy Adam, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner, Jack Huston, Michael Peña, Louis C. K., Shea Whigham, Elisabeth Rohm, Barry Primus, Robert De Niro

Hinweise

Moviepilot über „American Hustle“

Metacritic über „American Hustle“

Rotten Tomatoes über „American Hustle“

Wikipedia über „American Hustle“ (deutsch, englisch) und die Operation Abscam (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „American Hustle“

Meine Besprechung von David O. Russells „American Hustle“ (American Hustle, USA 2013)

Meine Besprechung von David O. Russells „Joy – Alles außer gewöhnlich“ (Joy, USA 2015)


Neu im Kritik/Filmkritik: Über den deutschen Science-Fiction-Film „Die andere Seite“

Oktober 22, 2026

Covid wird in „Die andere Seite“ nicht einmal erwähnt. Und trotzdem ist die Coronavirus-Pandemie, der Umgang mit Infizierten und die Diskussion um eine Impfpflicht ständig präsent. Zu ähnlich sind der reale Coronavirus und der von Mariko Minoguchi erfundene Virus. Das Drehbuch schrieb sie Ende 2022, während der Pandemie.

In ihrem Film sind Infizierte Überträger der Krankheit. Eine der Infizierten ist die Ärztin Hanna (Nina Hoss). Sie lehnt die staatliche Hilfe ab. Stattdessen versteckt sie sich im Wald und lebt von Dingen, die ihnen Freunde vorbeibringen, die sie im Wald und leer stehenden Häusern findet.

Als die Lage für Hanna zunehmend schwierig wird, bricht sie aus Süddeutschland zu Fuß Richtung Süden auf. Dort soll es besser sein.

Die Welt, in der der Film spielt, ist eine merkwürdige Mischung aus fast normalem Alltag, wie wir ihn kennen, mit einigen Straßensperren und der Welt nach einer Zombie-Apokalypse und dem sofortigen spurlosen Verschwinden der Zombies. So bricht Hanna in ein leer stehendes Haus ein, verhält sich dabei, als würde sie in eine potentielle Todesfalle gehen, und bedient sich an den Vorräten in diesem Haus, das aussieht, als hätten die Bewohner es vor einiger Zeit vollkommen überstürzt verlassen. Später trifft sie auf andere Außenseiter, die in ihrem Lager fast normal leben; wenn sie nicht gerade von der Polizei gejagt werden. Das Gerücht, dass es im Süden besser sein soll ist natürlich ein aus anderen Dystopien vertrautes Handlungselement. In diesen Dystopien, wie zuletzt in Ridley Scotts „Das Ende der Sterne“, gibt es kein Radio und kein Fernsehen mehr. Weil es das in „Die andere Seite“ gibt, sollte es halbwegs gesicherte Nachrichten über diesen besseren Ort für die Infizierten geben. So passt in der Welt, in der der Film spielt, vieles nicht zusammen.

Minochis Drama ist keine Auseinandersetzung mit der Coronavirus-Pandemie.

Insofern sind die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Pandemien zufällig und auch störend. Denn der Film-Virus ist zu nah am Coronavirus. Ständig erinnert er an ihn. Ständig provoziert er nicht zielführende „Das war in der Realität doch anders“-Vergleiche. Ständig weist er, und das ist das größte Problem, darauf hin, dass die Filmgeschichte nicht packt. Denn wenn die Dystopie in sich schlüssig entworfen ist, unterzieht man den Film nicht einem ständigen Realitätsvergleich.

„Die andere Seite“ ist, mit einer großartigen Nina Hoss, die den Film in einer fast stummen Rolle trägt, eine episodisch vor sich hin mäandernde Dystopie, die in einer bestenfalls skizzenhaft gezeichneten Welt spielt und die beliebig aus anderen Dystopien bekannte Episoden aneinanderreiht.

Die andere Seite (Deutschland/Österreich 2026)

Regie: Mariko Minoguchi

Drehbuch: Mariko Minoguchi

mit Nina Hoss, Precious Mariam Sanusi, Barbara Petritsch

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die andere Seite“

Moviepilot über „Die andere Seite“

Wikipedia über „Die andere Seite“

Meine Besprechung von Mariko Minoguchis „Mein Ende. Dein Anfang.“ (Deutschland 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Aus den Akten des DC Universe: Wie Clayface „Clayface“ wurde

Oktober 22, 2026

Ein neuer DC-Film und wieder ein Film aus der Welt der Superhelden, in denen uns erzählt wird, wie einer der Bösewichter aus der Superheldenwelt zum Bösewicht wird. Dieses Mal ist es Clayface. Er ist bis jetzt als Schurke aus diversen Batman-Comics (mit verschiedenen Namen und Biographien) und TV-Serien bekannt.

Sein Kinodebüt hat er jetzt in James Watkins‘ „Clayface“. Mike Flanagan und Hossein Amini schrieben das Drehbuch. Tom Rhys Harries übernahm die Hauptrolle. Er spielt den aufstrebenden Schauspieler Matt Hagens, der im Verlauf des Films zu Clayface wird; – einem Menschen, der sein Gesicht und seine Gestalt verändern kann. Matt wurde gerade für einen wichtigen Preis nominiert, ist bei allen beliebt und anscheinend kurz davor, zum internationalen Superstar zu werden. Und er kommt aus Gotham aus ärmlichen Verhältnissen. Das ist für den Film unwichtig, für die im Film präsentierten Zeitschriftengeschichten über ihn wichtig.

Während der Promotour für seinen neuen Film, trifft er in Gotham in einer Disco auf eine dunkelhaarige Schönheit.

Als er am nächsten Tag im Bett neben ihr erwacht, steht ihr Mann vor ihr: der stadtbekannte, unangreifbare Gangsterboss Markos Szabo (David Dencik). Er verunstaltet Matts Gesicht. Damit ist seine Karriere als Schauspieler vorbei. Seine Agenten lassen ihn fallen. Sein Vermögen schmilzt rapide.

Da erfährt er von einer experimentellen Therapie mit Nanozellen. Dr. Caitlyn Corr (Naomi Ackie) behandelt ihn. Die Narben verschwinden aus Matts Gesicht. Aber wie jedes Wunderheilmittel hat auch diese Therapie ihre Nebenwirkungen.

Außerdem will Matt sich an den Menschen rächen, die ihm Unrecht antaten.

„Clayface“ ist, nach „Superman“ und „Supergirl“, der dritte Film im DC Universe (DCU), das von James Gunn und Peter Safran verantwortet wird. Er gehört außerdem zum, etwas umständlich betitelten „Chapter One: Gods and Monsters films“. Clayface gehört zu den Monstern. Immerhin ermordet der Antiheld während des Films, zunehmend kaltblütig, einige Menschen. Wie es mit ihm im DC Universe weitergeht, ist unklar. Im Moment ist „Clayface“ in jeder Beziehung ein Einzelfilm, für den man absolut nichts über Gotham und die DCU-Welt wissen muss.

Im Gegensatz zu den quietschbunten ersten beiden DCU-Filmen ist „Clayface“ ein Bodyhorrorfilm mit einem für einen Superheldenfilm extrem niedrigen Budget von irgendetwas zwischen 30 und 44 Millionen US-Dollar. Das ist ein Budget, das Experimente erlaubt und immer noch für einen Gewinn an der Kinokasse sorgen sollte. Entsprechend eklig sind viele der Horrorszenen. Es ist auch ein Film ohne große Stars und ohne epische Schlachten. Ein Kampf in einer Disco beeindruckt vor allem dadurch, dass Matt ständig seine Gestalt verändert. Dafür wird er von verschiedenen Schauspielern gespielt.

Diese Gestaltwandler-Fähigkeit ist eine Nebenwirkung der von Corr bei ihm angewandten Therapie, die irgendetwas mit Nanozellen zu tun hat. Es ist auch eine Fähigkeit, deren Wirkungsweise im Film mal so, mal so funktioniert. Einmal kommt sie zufällig, einmal wenn er wütend ist (dann verwandelt sich sein Gesicht in das Gesicht der Person auf die er wütend ist) und dann kann er die Verwandlung steuern. Beispielsweise in der eben erwähnten Disco-Szene. Letztendlich setzen Flanagan, Amini und Watkins Matts Gestaltwandler-Fähigkeit nach Belieben und vollkommen willkürlich ein. Für Spannung sorgt das nicht, weil Matt, wenn er in Gefahr ist, einfach seine Gestalt ändert und so aus jeder brenzligen Situation entkommenn kann.

Matt selbst ist – und das ist ein durchgängiges Problem aller Superbösewichter-Origin-Geschichten – kein sympathischer Charakter. Nicht am Anfang, nicht am Ende und auch nicht dazwischen. Er ist eine eindimensionale Figur, die im Verlauf des Films keine Wandlung erfährt. Er ändert sich nicht. Er ist böse. Er hat keinen moralischen Konflikt. Er fragt sich nie, ob er dieses oder jenes tun soll, ob er etwas lernt aus seinen Erfahrungen und ob er ein besserer Mensch werden möchte. Er fragt sich nie, wie er mit seiner Veränderung umgeht. Darum ging es beispielsweise in „Die Fliege“ (David Cronenberg zeigt in seiner Version, wie ein Mensch und eine Fliege zu einem neuen Wesen werden) oder in Sam Raimis „Darkman“. ‚Clayface‘ Matt Hagens will sich einfach nur rächen an den Menschen, die ihm sein Aussehen, seine Karrieren und sein Geld stahlen. Anfangs geschehen seine Morde eher zufällig, später geplant. Dabei haben Szabos Handlanger ebenfalls den Tod verdient.

Diese Rachegeschichte erzählt James Watkins durchaus effektiv, aber auch strikt entlang der bekannten Storykonventionen.

Clayface (Clayface, Großbritannien/UUSA 2026)

Regie: James Watkins

Drehbuch: Mike Flanagan, Hossein Amini (nach einer Geschichte von Mike Flanagan, basierend auf Figuren aus dem DC-Universum)

mit Tom Rhys Harries, Naomi Ackie, David Dencik, Max Minghella, Eddie Marsan, Nancy Carroll, Joshua James

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Clayface“

Metacritic über „Clayface“

Rotten Tomatoes über „Clayface“

Wikipedia über „Clayface“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Watkins‘ „Bastille Day“ (Bastille Day, USA/Frankreich/Großbritannien 2016)

Meine Besprechung von James Watkins‘ „McMafia – Staffel 1“ (McMafia, Großbritannien 2018)

Meine Besprechung von James Watkins‘ „Speak no evil“ (Speak no evil, USA 2024)

Meine Besprechung von James Gunns „Superman“ (Superman, USA 2025)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Supergirl“ (Supergirl, USA 2026)


TV-Tipp für den 22. Oktober: Cold War – Der Breitengrad der Liebe

Oktober 21, 2026

MDR, 00.55

Cold War – Der Breitengrad der Liebe (Zimna wojna, Polen/Frankreich/Großbritannien 2018)

Regie: Paweł Pawlikowski

Drehbuch: Paweł Pawlikowski, Janusz Głowacki, Piotr Borkowski

1949 treffen sich in Polen ein Komponist und eine Sängerin. In präzise komponierten SW-Bildern und mit dem Mut zur kunstvollen Lücke erzählt Pawel Pawlikowski ihre problematische, sich über fünfzehn Jahre erstreckende Liebesgeschichte in unter neunzig Minuten.

“Cold War” gewann, unter anderem, den Europäischen Filmpreis 2018 als “Bester europäischer Film” und in Cannes den Preis für die beste Regie.

Aktuell läuft sein neuester Film “Vaterland” erfolgreich im Kino.

mit Joanna Kulig, Tomasz Kot, Agata Kulesza, Borys Szyc, Jeanne Balibar, Cédric Kahn

Hinweise

MDR über „Cold War“ (in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über “Cold War – Der Breitengrad der Liebe”

Wikipedia über “Cold War – Der Breitengrad der Liebe” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paweł Pawlikowskis “Vaterland” (Polen/Deutschland/Italien/Frankreich 2026)


Impressionen aus Berlin: Die Regenbogenbank

Oktober 21, 2026

Wer kann etwas gegen eine so schön bunte Bank haben?

Nun, diese Sitzgelegenheit ist keine normale Parkbank, sondern ein Gedenkort. Sie wurde als Erinnerung an den Anschlag auf den diesjährigen Christopher Street Day (CSD) aufgestellt.

Am 25. Juli 2026 fuhr ein mutmaßlich islamistischer, 21-jähriger Attentäter mit einem Kleintransporter in den Großen Tiergarten, ermordete eine Frau und verletzte 31 Menschen teils schwer.

Zwei Wochen nach dem Anschlag pflanzte der Bezirk Mitte in der Nähe des Tatorts einen Ahornbaum und stellte eine Bank in Regenbogen-Farben auf. „Eine“, weil die Bank seitdem viermal mutwillig zerstört wurde. Auch der Baum wurde zerstört.

Alles wurde wieder aufgebaut und soll auch immer wieder aufgebaut werden.

Eine Idee, die mir gefällt, würde es nicht beim Wiederaufbau der Bank belassen. Stattdessen würde mit jeder Zerstörung der Bank die doppelte Zahl von Bänken in Regenbogen-Farben in Berlin aufgestellt werden. Also:

nach der ersten Zerstörung werden zwei Bänke aufgestellt,

nach der zweiten Zerstörung vier Bänke,

nach der dritten Zerstörung acht Bänke,

nach der vierten Zerstörung sechzehn Bänke,

nach der fünften Zerstörung gabe es schon 32 Bänke.

In Berlin gibt es viel Platz für Parkbänke.


Über Yves Raveys „Nichts als heiße Luft“

Oktober 21, 2026

Barnett Trapp, der Erzähler in Yves Raveys neuem Noir „Nichts als heiße Luft“, hat viel Zeit, die neue Nachbarin zu beobachten. Seine Frau hat ihn verlassen. Sie will sich scheiden lassen. Der gemeinsame Sohn wohnt bei ihr. Ihr neuer Freund plant schon den Verkauf von Barnetts Haus Seine Firma für Krankentransporte war ein Reinfall. Sein anderes Geschäft, der Verkauf von Restposten, läuft solala. Da ist die verheiratete Sally, die sich nebenan am Swimmingpool räkelt, ein Lichtblick.

Sie beginnen, Zeit miteinander zu verbringen. Eines Tages schlägt sie ihm vor, den Safe ihres Mannes auszuräumen. In ihm lagert er sein Schwarzgeld. Das Schöne bei Schwarzgeld ist, dass der Bestohlene den Diebstahl nicht bei der Polizei melden kann. Trotzdem zögert Barnett.

Sie überredet ihn dann doch und, wie schon der Klappentext verrät und es sich für einen Noir gehört, bekommt Barnett danach ungeahnte Probleme.

Yves Ravey braucht nicht einmal 110 Seiten, um seine bitterböse Geschichte zu erzählen. Er verknappt. Er konzentriert sich auf die entscheidenden Punkte. Trotzdem ziehen sich Barnetts Zögern und die Diskussionen über Sallys abenteuerlich undurchdachten Plänen etwas hin. Sie zögern nur den unvermeidbaren Diebstahl hinaus.

Das gesagt gefällt die Länge, eigentlich Kürze, von „Nichts als heiße Luft“ und dass die Geschichte so eindeutig in der französischen Noir-Tradition steht.

Im Moment steht der Roman auf dem fünftem Platz der Krimibestenliste.

–

Yves Ravey: Nichts als heiße Luft

(übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller)

Liebeskind, 2026

112 Seiten

20 Euro

–

Originalausgabe

Que du vent

Éditions de Minuit, Paris, 2024

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Hinweise

Liebeskind über Yves Ravey

Wikipedia über Yves Ravey (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 21. Oktober: Das Schmuckstück/Catherine Deneuve – Ein Leben auf der Leinwand/Peter von Kant

Oktober 20, 2026

Eigentlich ein François-Ozon-Abend mit einer Doku über „Das Schmuckstück“ Catherine Deneuve

Arte, 20.15

Das Schmuckstück (Potiche, Frankreich 2010)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon (nach dem Bühnenstück von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy)

In den Siebzigern übernimmt die Frau eines cholerischen Fabrikanten, der aufgrund eines Herzinfarkts unpässlich ist, die Firmenleitung. Sie, die bislang nur das Schmuckstück war, findet Gefallen an ihrer neuen Rolle.

„lustvoll mit Überspitzungen arbeitende Emanzipationskomödie, gestaltet als liebenswürdige Hommage an ‚klassische‘ amerikanische und französische Film-Musicals“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Fabrice Luchini, Karin Viard, Judith Godrèche, Sergi Lopez

Wiederholung: Freitag, 30. Oktober, 14.00 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Das Schmuckstück“

Rotten Tomatoes über „Das Schmuckstück“

Wikipedia über „Das Schmuckstück“ (deutsch, englisch, französisch)

–

Arte, 21.55

Catherine Deneuve – Ein Leben auf der Leinwand (Frankreich 2023)

Regie: Claire Laborey

55-minütige Doku über Catherine Deneuve.

Am 3. Dezember startet ihr neuer Film (auch wenn sie nur einen, allerdings längeren Auftritt hat): Asghar Farhadis “Parallele Leben”.

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 20. März 2027 in der Mediathek)

Wikipedia über Catherine Deneuve (deutsch, englisch, französisch)

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Arte, 22.50

Peter von Kant (Peter von Kant, Frankreich 2022)

Regie: François Ozon

Drehbuch: François Ozon

LV: Rainer Werner Fassbinder: Die bitteren Tränen der Petra von Kant, 1971

François Ozon verfilmt und interpretiert Rainer Werner Fassbinders sehr autobiographisches Stück „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“. Grandios! Und überaus witzig.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Denis Ménochet, Isabelle Adjani, Khalil Gharbia, Hanna Schygulla, Stefan Crépon, Aminthe Audiard

Hinweise

Moviepilot über „Peter von Kant“

AlloCiné über „Peter von Kant“

Metacritic über „Peter von Kant“

Rotten Tomatoes über „Peter von Kant“

Wikipedia über „Peter von Kant“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

Meine Besprechung von François Ozons „Gelobt sei Gott“ (Grâce à Dieu, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von François Ozons „Alles ist gutgegangen“ (Tout s’est bien passé, Frankreich 2021)

Meine Besprechung von François Ozons „Peter von Kant“ (Peter von Kant, Frankreich 2022)

Meine Besprechung von François Ozons „Mein fabelhaftes Verbrechen“ (Mon Crime, Frankreich 2023)

Meine Besprechung von François Ozons Albert-Camus-Verfilmung „Der Fremde“ (L’Étranger, Frankreich 2025)


Cover der Woche

Oktober 20, 2026

Bald…


TV-Tipp für den 20. Oktober: Hotel Artemis

Oktober 19, 2026

Tele 5, 22.10

Hotel Artemis (Hotel Artemis, USA 2018)

Regie: Drew Pearce

Drehtuch: Drew Pearce

Los Angeles, 2028: die Stadt versinkt in Straßenschlachten. Mitten in dem Chaos verarztet die ‚Schwester‘ im Hotel Artemis Gangster, die sie für ihre Dienste gut bezahlen. Als die Schwester einer verletzten Polizistin hilft, beginnen die Dinge in dem Hotel aus dem Ruder zu laufen.

Zwiespältiges Regiedebüt von Drehbuchautor Drew Pearce („Iron Man 3“, „Fast & Furious Presents: Hobbs & Shaw“, „The Fall Guy“): gute Schauspieler, viel fotogene Noir-Stimmung, aber keine fesselnde Geschichte, sondern nur eine Abfolge von Situationen und nicht so wahnsinnig interessanten Gesprächen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jodie Foster, Sterling K. Brown, Dave Bautista, Sofia Boutella, Jeff Goldblum, Brian Tyreee Henry, Jenny Slate, Zachary Quinto, Charlie Day, Kennth Choi

Wiederholung: Mittwoch, 21. Oktober, 23.55 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Hotel Artemis“

Metacritic über „Hotel Artemis“

Rotten Tomatoes über „Hotel Artemis“

Wikipedia über „Hotel Artemis“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Drew Pearces „Hotel Artemis“ (Hotel Artemis, USA 2018)


TV-Tipp für den 19. Oktober: Die Macht und ihr Preis

Oktober 18, 2026

Arte, 20.15

Die Macht und ihr Preis (Cadaveri eccellenti, Italien/Frankreich 1976)

Regie: Francesco Rosi

Drehbuch: Francesco Rosi, Tonino Guerra, Lino Jannuzi

LV: Leonardo Sciascia: Il contesto – Una parodia, 1971 (Tote Richter reden nicht, Die Macht und ihr Preis, Der Zusammenhang – Eine Parodie)

Inspektor Rogas stößt bei der Suche nach dem Mörder zweier Richter und eines Staatsanwalts auf ein die höchsten Kreise betreffendes Komplott.

Ein starbesetzter Klassiker unter den Polit-Thrillern der Siebziger.

Endlich wieder im Fernsehen. Nach meinen, zugegeben unvollständigen, Aufzeichnungen lief er zuletzt vor fast zwanzig Jahren im Fernsehen. Es scheint auch keine deutschsprachige DVD-Ausgabe zu geben.

Wer danch nicht einschlafen kann und mehr über Lino Ventura wissen möchte, kann sich um 01.55 Uhr die 55-minütige Doku Lino Ventura – Ganove mit Herz“ (Frankreich 2017) ansehen.

Mit Lino Ventura, Alain Cuny, Charles Vanel, Max von Sydow, Fernando Rey, Tino Carraro, Marcel Bozzuffi

Hinweise

Arte über den Film (auch in der Mediathek)

AlloCiné über „Die Macht und ihr Preis“

Rotten Tomatoes über „Die Macht und ihr Preis“

Wikipedia über „Die Macht und ihr Preis“ (deutsch, englisch),  Francesco Rosi (deutsch, englisch) und Leonardo Sciascia (deutsch, englisch, italienisch)

The Hollywood Reporter interviewt Francesco Rosi (14. Februar 2008)

Movie-College interviewt Francesco Rosi (2001)

Krimi-Couch über Leonardo Sciascia

Amici di Leonardo Sciascia

Meine Besprechung von Leonardo Sciascias „Die Affaire Moro. Ein Roman“ (L’Affaire Moro, 1978)


TV-Tipp für den 18. Oktober: Interstellar

Oktober 17, 2026

Arte, 20.15

Interstellar (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Christopher Nolan

Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan

Bevor die Erde endgültig unbewohnbar ist, schickt die NASA ein Team, zu dem auch ein Farmer gehört, ins Weltall. Sie sollen auf der anderen Seite eines Wurmlochs eine zweite Erde finden.

Planetenhopping zur Rettung der Welt. Ich war, im Gegensatz zu den meisten Kritikern und Zuschauern, wenig begeistert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend zeigt Arte um 22.55 Uhr die 55-minütige Doku „Jessica Chastain“ (Frankreich 2025) und, für die Science-Fiction-Begeisterten, um 23.50 Uhr die 55-minütige Doku „Der Krieg der Welten: Klassiker der Science-Fiction“ (Frankreich 2025) über H. G. Wells‘ Roman und die zahlreichen Interpretationen.

mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Casey Affleck, David Gyasi, John Lithgow, Bill Irwin, Ellen Burstyn, Michael Caine, Matt Damon, Wes Bentley, Mackenzie Foy, Topher Grace, David Oyelowo, William Devane

Wiederholung: Mittwoch, 21. Oktober, 14.00 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Interstellar“

Metacritic über „Interstellar“

Rotten Tomatoes über „Interstellar“

Wikipedia über „Interstellar“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Interstellar“ (Interstellar, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Dunkirk“ (Dunkirk, USA/Frankreich/Großbritannien 2017)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Tenet“ (Tenet, USA 2020)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Oppenheimer“ (Oppenheimer, USA 2023)

Meine Besprechung von Christopher Nolans „Die Odyssee“ (The Odyssey, USA/Großbritannien 2026)


TV-Tipp für den 17. Oktober: Carlito’s Way

Oktober 16, 2026

HR, 23.15

Carlito’s Way (Carlito’s Way, USA 1993)

Regie: Brian De Palma

Drehbuch: David Koepp

LV: Edwin Torres: Carlito’s Way, 1975 und After Hours, 1979 (auf Deutsch zum Filmstart als Doppelband „Carlito’s Way“ bei Heyne erschienen)

Drogenhändler Carlito Brigante wird vorzeitig aus der Haft entlassen und will fortan ehrlich bleiben. Aber er hat nicht mit den Umständen und seinem Anwalt gerechnet.

Machen wir es kurz: De Palmas Period-Picture der Siebziger ist ein grandioser Gangsterfilm

mit Al Pacino, Sean Penn, Penelope Ann Miller, John Leguizamo, Luis Guzman, Viggo Mortensen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Carlito’s Way“

Wikipedia über „Carlito’s Way“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Koepps „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (Mortdecai, USA 2015)

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Sinn und Sinnlichkeit“, Jane Austen und die Liebe. Wieder einmal

Oktober 16, 2026

Bislang kommt Jane Austen in der Kriminalakte nur einmal ausführlicher vor. Im Zusammenhang mit Zombies. Und damit dürfte bewiesen sein, wie nahe wir uns stehen. Der Film „Stolz und Vorurteil & Zombies“ (Pride and Prejudice and Zombies, USA 2016) basiert auf Seth Grahame-Smiths Roman. Er war Teil eines damals beliebten Mash-up von gemeinfreien und immer noch populären Stoffen und einer lose darin eingefügten blutrünstigen Geschichte mit Monstern. Diese Zeit, die für Austen-Fans wahrscheinlich ein einziger Alptraum war, ist anscheinend vorbei.

Dafür werden die bekannt-beliebten Bücher von Jane Austen und Emily Brontë wieder, mehr oder weniger modernisiert, für das Kino interpretiert.

In „Sinn und Sinnlichkeit“ geht es um die um 1800 in England auf dem Land lebenden Dashwood-Schwestern Elinor (Daisy Edgar-Jones) und Marianne (Esmé Creed-Miles). Nach dem Tod ihres Vaters erfahren sie, dass das Erbe deutlich kleiner als erwartet ist. Eine Heirat könnte ihren Lebensstandard sichern. Dabei müssen die gesellschaftlichen Konventionen beachtet werden. Auch wenn das Herz für einen anderen Mann schlägt. Und auch wer den Roman nicht kennt, weiß schon bei den ersten Begegnungen von Elinor und Marianne mit Edward Ferrars (George MacKay) und John Willoughby (Frank Dillane), wie die Geschichte sich weiter entwickeln wird.

Georgia Oakley erzählt das in ihrem zweiten Spielfilm nach „Blue Jean“ mit Romantik-tauglichen Schauspielern und Schauwerten bei den Landschaften, Häusern, Kostümen und der Ausstattung. Die aus Austens Roman bekannten Konflikte und Liebesverwicklungen sind seit Jahrhunderten erprobt taschentuchgeeignet. Die Dialoge wurden aus dem Buch übernommen.

Trotzdem sprach mich nichts in Oakleys Interpretation der bekannten Geschichte an. Stattdessen fragte ich mich, warum die beiden Schwestern sich so dumm verhalten, sie nicht sofort wissen, welche Beziehungen sie mit welchen Männern eingehen sollen und langweilte mich durch die damaligen Heiratsregeln.

Das war mir durchgehend zu nah an den Schmonzetten, die ich normalerweise meide wie ein Vampir das Tageslicht.

Sinn und Sinnlichkeit (Sense and Sensibility, Großbritannien 2026)

Regie: Georgia Oakley

Drehbuch: Diana Reid

LV: Jane Austen: Sense and Sensibility, 1811 (Gefühl und Verstand; Verstand und Gefühl; Vernunft und Gefühl)

mit Daisy Edgar-Jones, Esmé Creed-Miles, Fiona Shaw, Bodhi Rae Breathnach, Caitríone Balfe, George MacKay, Frank Dillane, Stacy Martin

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Sinn und Sinnlichkeit“

Metacritic über „Sinn und Sinnlichkeit“

Rotten Tomatoes über „Sinn und Sinnlichkeit“

Wikipedia über „Sinn und Sinnlichkeit“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 16. Oktober: Geheimring 99

Oktober 15, 2026

BR, 00.45

Geheimring 99 (The big Combo, USA 1955)

Regie: Joseph H. Lewis

Drehbuch: Philip Yordan

Lieutenant Diamond will den Gangsterboss Mr. Brown unschädlich machen. Der Krieg zwischen beiden eskaliert immer weiter.

Dieses späte Noir-Juwel ist vom ersten bis zum letzten Moment mit sexueller Spannung aufgeladen. „Nahezu unverhüllt thematisierte B-Film-Regisseur Joseph H. Lewis den engen Zusammenhang zwischen unterdrückter Sexualität, sexueller Frustration und exzessiver Gewalt. (…) Es ist eine Welt sexueller Perversion und fatalistischer Abhängigkeit.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Mit Cornel Wilde, Richard Conte, Lee Van Cleef, Brian Donlevy, Jean Wallace, Robert Middleton, Earl Holliman

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Geheimring 99”

Wikipedia über “Geheimring 99” (deutsch, englisch)

Film Noir über “Geheimring 99” (mächtig begeistert)

Archive.org: der Film


Neu im Kino/Filmkritik: „Whalefall“ – Vom Überleben in einem Wal

Oktober 15, 2026

Ein Pottwal kann über zwanzig Meter groß werden.

Ein Mensch ist deutlich kleiner.

Ein Pottwal kann, wie Daniel Kraus von Wissenschaftlern erfuhr, einen Menschen verschlucken. Ausgehend von dieser Idee erzählte Kraus in seinem Roman „Whalefall“ eine Geschichte, die unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich ist. Bis jetzt gibt es noch keinen bestätigten Fall von einem Menschen, der von einem Pottwal verschluckt wurde. Aber wenn das passieren würde, könnte es so oder so ähnlich geschehen.

Jay Gardiner (Austin Abrams) verbrachte das letzte Jahr weitab von seinem Heimatort am College. Jetzt besucht er seine immer noch in Monterey, Kalifornien lebende Mutter.

Vor einem Jahr beendete sein unheilbar an Krebs erkrankter Vater Mitt (Josh Brolin) sein Leben am Monastery Beach. Seine Leiche wurde nie gefunden. Jetzt will Jay sie finden – ein bescheuertes und ziemlich unmögliches Vorhaben – und so den Respekt der lokalen Taucher-Gemeinschaft erlangen. Denn Mitt ist unter ihnen eine Legende. Er will auch seinem toten Vater beweisen, dass er ein guter Taucher ist.

Kurz nach dem Beginn seines eigentlich ungefährlichen Tauchgangs wird Jay von den Tentakeln eines Kalmars erfasst. Kaum hat er sich befreit, werden er und der Kalmar von einem Pottwal verschluckt.

Jay hat nur noch für eine Stunde Sauerstoff. Er beginnt um sein Überleben zu kämpfen. Er muss irgendwie aus dem Bauch des Wals entkommen.

Daniel Kraus hat sich eine spektakuläre Geschichte ausgedacht, die er in dem Roman in extrem kurzen Kapiteln vorantreibt. Für die Verfilmung änderten er und Regisseur Brian Duffield diese Struktur zugunsten längerer Erzählblöcke. Erst am Ende verschwimmen Gegenwart und Vergangenheit zunehmend.

Dabei wird aus der Survival-Story auch eine Vater-Sohn-Geschichte, in der Jay sich von seinem diktatorischem Über-Vater emanzipieren muss. Mitt war, wie Kraus im Roman schonungslos zeigt, nicht nur ein Mann mit starken Überzeugungen, sondern ein Vater aus der Hölle. Nur seine Meinung zählte. Als Verdiener war er ein Totalausfall. Keine Arbeit behielt er länger und die Jobs wurden immer schlechter. Mitt lebte nur für das Tauchen. Gleichzeitig brachte er Jay alles bei, um diese Situation zu überleben.

Wie Jay versucht, aus dem Walbauch zu entkommen, schildert Kraus in seinem Roman „Whalefall“ so detailliert und wissenschaftlich abgesichert, dass ich danach nicht nur verstand, was Jay warum machte, sondern auch (in grandioser Selbstüberschätzung) glaubte, jetzt mich selbst aus dem Bauch eines Wals befreien zu können.

Brian Duffields Verfilmung lässt diese Erklärungen weg zugunsten des reinen Terrors, in einem engen Raum eingesperrt zu sein und immer weniger Luft zu haben, und den verzweifelten Versuchen, sich aus dieser Situation zu befreien. Sobald Jay im Bauch des Wals ist, wird „Whalefall“ letztendlich zu einem Stummfilm. Es gibt auch kein erklärendes Voice-Over. Es gibt nur noch eine Mann, der etwas tut – und manchmal, wenn einer seiner Pläne schiefgeht oder der Wal etwas unvorhergesehenes tut, panische Schreckensschreie ausstößt.

In den Rückblenden geht es um Jays Beziehung zu seinem Vater. Dabei ist er im Film sympathischer als im Buch. Er wird zu einem forderndem Lehrer und Naturburschen, der nur das beste für seinen Sohn will.

Das Ergebnis ist ein spannender Survival-Thriller mit einer Vater-Sohn-Emanzipationsgeschichte – und eine Mischung aus tiefen Mitgefühl und Bewunderung für den Hauptdarsteller Austin Abrams. Er verbrachte den größten Teil der Dreharbeiten, nämlich 35 Drehtage, eingezwängt zwischen riesigen Schaumwänden, die die Magenwände des Wals waren, im Wasser und anderen Flüssigkeiten.

Whalefall (Whalefall, USA 2025)

Regie: Brian Duffield

Drehbuch: Brian Duffield, Daniel Kraus

LV: Daniel Kraus: Whalefall, 2023 (Whalefall)

mit Austin Abrams, Josh Brolin, Elisabeth Shue, John Ortiz, Jane Levy, Emily Rudd

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Die Vorlage

Daniel Kraus: Whalefall – Im Wal gefangen

(übersetzt von Claudia Rapp)

Festa, 2024

416 Seiten

24,99 Euro (gebundene Ausgabe)

16,99 Euro (Taschenbuch)

–

Originalausgabe

Whalefall

MTV Books, 2023

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Hinweise

Moviepilot über „Whalefall“

Metacritic über „Whalefall“

Rotten Tomatoes über „Whalefall“

Wikipedia über Daniel Kraus und „Whalefall“ (Buch; Film: deutsch, englisch)

Homepage von Daniel Kraus

Meine Besprechung von Guillermo del Toro/Daniel Kraus‘ „The Shape of Water“ (The Shape of Water, 2018) (Roman zum Film)

Meine Besprechung von Daniel Kraus‘ „Whalefall“ (Whalefall, 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Sacrifice“ für die Rettung der Welt?

Oktober 15, 2026

Billiger geht die Rettung der Welt nicht. Mit nur drei Menschenopfern, so behauptet Romain Gavras in seinem neuen Spielfilm „Sacrifice“, kann die Welt gerettet werden.

Das sage eine alte Prophezeiung. Joan (Anya Taylor-Joy) und ihre fanatisierten Anhänger glauben daran. Sie stürmen eine Charity-Gala, die in Griechenland in einem malerisch abgeschiedenen liegendem alten, teils unterirdischem Steinbruch stattfindet. Dort hoffen sie, ihre Menschenopfer zu finden. Die Gäste der Gala sind eine Mischung aus prominenten Kulturschaffenden und vermögenden Milliardären. Milliardär Ben Bracken (Vincent Cassel, mit Glatze an einen anderen Milliardär erinnernd) stellt seine neueste Erfindung zur Rettung der Welt vor. Wie Filmstar Mike Tyler (Chris Evans), der sich mit einem ähnlich wirren Auftritt in ein Karrieretief hineinmanövierte, in einer leicht wirren improvisierten Rede ausführt, müsse dafür die Welt noch mehr vernichtet werden.

Danach verschwindet er erst einmal auf die Toilette. Während er durch die Reaktionen auf seinen Auftritt scrollt, nehmen Joan und ihre Gefolgsleute die Gäste als Geisel. Joan beginnt die drei Menschen auszusuchen, die sie für ihre Prophezeiung benötigt: einen Helden, einen Schurken und eine Geliebte. Die Geliebte ist die Musikerin Katie (Ambika Mod), deren Auftritt sie mit ihrer Geiselnahme beendeten. Der Schurke ist, wenig überraschend, Ben Bracken. Fehlt nur noch der Held. Dieser soll durch ein Publikumsvotum herausgefunden werden.

Als Mike den Saal betritt, applaudieren die Charity-Gäste frenetisch. Er ist ihr Held. Er soll für sie in den Tod gehen. Bis Mike, der den Applaus dankbar annimmt, versteht, warum sie ihm applaudieren, ist es schon zu spät.

Zusammen mit den anderen beiden Menschenopfern wird er von Joan in Richtung des kurz vor der Explosion stehenden Vulkans verschleppt. Im Gegensatz zu den anderen beiden Menschenopfern, die von den Sektenmitgliedern in den Vulkan geschubst werden, darf Mike als Held freiwillig in den Tod springen.

„Sacrifice“ ist eine aus dem Ruder laufende, nicht sonderlich fokussierte, prominent besetzte Kapitalismussatire, in der alle Schauspieler in fotogenen Sets dem Affen ordentlich Zucker geben.

Es geht um die Zerstörung der Umwelt, Kapitalismuskritik, Öko-Terrorismus, durchgeknallte Sekten und abstruse Gedankengebäude zwischen Verschwörungstheorie und Wahnsinn. Vieles wird angesprochen, wenig vertieft.

Das Ergebnis ist kein guter Film, aber ein sympathischer Film. Denn solche Satiren gibt es viel zu selten. Auch wenn vor einigen Tagen die ähnlich gelagerte Satire „Digger“ anlief und sie bislang nicht genug Geld einspielte, um die horrenden Produktionskosten einzuspielen.

Sacrifice (Sacrifice, USA 2026)

Regie: Romain Gavras

Drehbuch: Romain Gavras, Will Arbery

mit Chris Evans, Anya Taylor-Joy, Vincent Cassel, John Malkovich, Salma Hayek Pinault, Ambika Mod, Sam Richardson, Yung Lean, Jade Croot, Miriam Silverman, Charli xcx

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Sacrifice“

Metacritic über „Sacrifice“

Rotten Tomatoes über „Sacrifice“

Wikipedia über „Sacrifice“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 15. Oktober: Silver Linings

Oktober 14, 2026

RBB, 20.15

Silver Linings (Silver Linings Playbook, USA 2012)

Regie: David O. Russell

Drehbuch: David O. Russell

LV: Matthew Quick: The Silver Linings Playbook, 2008 (Silver Linings)

Pat möchte seine Ex-Freundin zurückerobern. Tiffany soll ihm dabei helfen. Dummerweise leidet der frisch aus der Psychiatrie entlassene, wieder bei seinen Eltern lebende Pat an einer massiven manisch-depressiven Störung und Tiffany ist depressiv und emotional instabil.

Für acht Oscars nominierte schräge romantische Komödie

mit Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Jacki Weaver, Julia Stiles, Chris Tucker, Shea Whigham

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Silver Linings”

Wikipedia über “Silver Linings” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David O. Russells „American Hustle“ (American Hustle, USA 2013)

Meine Besprechung von David O. Russells „Joy – Alles außer gewöhnlich“ (Joy, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Volker Schlöndorffs Jenny-Erpenbeck-Verfilmung „Heimsuchung“

Oktober 14, 2026

Fast zehn Jahre nach seinem letzten Kinospielfilm „Rückkehr nach Montauk“ und fünf Jahre nach dem Dokumentarfilm „Der Waldmacher“ kehrt Volker Schlöndorff mit seinem neuen Film „Heimsuchung“ wieder zurück ins Kino. Es handelt sich um eine Literaturverfilmung. Schlöndorff-Fans sagen sich jetzt, womit auch sonst. Schließlich wurde er damit berühmt. Er verfilmte „Der junge Törless“, „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, „Die Blechtrommel“, „Die Fälschung“, „Eine Liebe von Swann“, „Die Geschichte der Dienerin“ und „Homo Faber“. Aber in den vergangenen Jahrzehnten verfilmte er, abgesehen von einer Friedrich-Ani-TV-Verfilmung („Der namenlose Tag“) und mehreren Verfilmungen von Theaterstücken, keine Romane. Seine letzte Literaturverfilmung war 1998 „Palmetto – Dumme sterben nicht aus“, die Verfilmung eines Kriminalromans von James Hadley Chase.

Jetzt nahm er sich Jenny Erpenbecks „Heimsuchung“ vor. Ihr 2007 erschienener Roman ist ein Bestseller, Abiturlektüre und in der Guardian-Liste der hundert besten Bücher des 21. Jahrhunderts.

Schlöndorff schrieb auch das Drehbuch und erwartungsgemäß handelt sich sich um eine werkgetreue, gewohnt respektvolle filmische Nacherzählung des Romans. In diesem Fall legt sie die Probleme des Romans offen, ist teils gelungener als der Roman und stößt auf ganz eigene filmische Probleme. Ein unbestreitbarer Vorteil des Romans ist dabei seine Länge. Mit 192 Seiten ist er ziemlich kurz.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Grundstück an einem märkischen See. Gedreht wurde am Scharmützelsee und im Einstein-Haus in Caputh (bei Potsdam). Während der Weimarer Republik verkauft ein Bauer es an einen jüdischen Tuchfabrikanten und einen Architekten. Der Fabrikant errichtet ein kleines Badehaus. Der Architekt baut für sich und seine zukünftige Frau ein ansehnliches Haus im Bauhaus-Stil. Nach 1933 erwirbt er von dem Fabrikanten, der mit seiner Familie aus Deutschland flüchten will, das Nachbarhaus. Der Architekt passt sich geschmeidig an den Nationalsozialismus an. Er plant Konzentrationslager. Und er ist tief verärgert über die Ablehnung von Albert Speer.

Nach dem Krieg – inzwischen liegt das Grundstück in der DDR – passt er sich dem neuen System an und muss dann doch Richtung Westen flüchten. Eine systemtreue Schriftstellerin und ihre Familie ziehen ein.

Nach der Wende, während der Film immer mehr zu einer beliebigen Abfolge von Personen wird, wechseln wieder die Bewohner und Eigentümerverhältnisse des Hauses.

Die einzige Person, die immer da ist, ist ein schweigsamer Gärtner, der unbekümmert von den weltpolitischen Umbrüchen seine Arbeit erledigt. Im Roman altert er. Im Film scheint er eine mythische Gestalt zu sein, die nicht altert, immer da ist und nichts sagt.

Erpenbeck erzählt „Heimsuchung“ aus verschiedenen Perspektiven. In jedem Kapitel steht eine andere namenlose Figur im Mittelpunkt. Dazwischen gibt es jedes Mal ein kurzes Kapitel mit dem Gärtnern. Das führt dazu, dass sie in der Chronologie immer wieder um kurze Zeiträume springt, wenn sie beispielsweise zuerst von dem Architekten und anschließend von seinen jüdischen Nachbarn erzählt. Aber letztendlich erzählt sie chronologisch. In einigen wenigen Sätzen verlässt sie das Grundstück. Sie gibt so in einigen Fällen Hinweise auf das weitere Leben der Figuren.

Schlöndorff erzählt „Heimsuchung“, abgesehen von einer geisterhaften Rahmung am Filmanfang und -ende, strikt chronologisch und aus einer Perspektive. Die Enkelin der Schriftstellerin fungiert als Erzählerin, die alle Bewohner des Hauses zu Wort kommen lässt. Die gesamte Geschichte konzentriert sich auf das Haus des Architekten. Die Welt hinter den Grenzen des Grundstücks wird nur sichtbar, wenn sie auf das Grundstück und die dort lebenden Menschen Auswirkungen hat. Über Halbsätze und herumliegende KZ-Baupläne wird manchmal deutlich, wann einzelne Episoden spielen. Vertieft wird das weder im Buch noch im Film. Weltgeschichte ist bestenfalls ein Hintergrundrauschen. Manchmal, wenn sie direkte Auswirkungen auf die zahlreichen Bewohner des Hauses hat, mehr.

Viele der Bewohner des Hauses lernen sich dabei nie kennen, weil sie zu verschiedenen Zeiten im Haus lebten und keinerlei Kontakt zueinander haben. So zerfällt der Film, stärker als der Roman, in eine Abfolge nicht zusammenhängender Episoden. Jeder hat hier sicher seine Lieblingsfigur und Lieblingsepisode. Aber insgesamt ist der erste Teil des Films gelungener als die zweite Hälfte. Im ersten Teil steht der von Lars Eidinger gespielte Architekt im Mittelpunkt. Es geht um den Kauf des Grundstücks, den Bau des Hauses, das Leben in dem Haus während der Weimarer Zeit, der Nazi-Diktatur und den ersten Jahren der DDR. Der Architekt hat Erfolg als Architekt und passt sich den Verhältnissen an. In diesem Teil von „Heimsuchung“ wird eine präzise datierbare, in sich geschlossene größere und mehr in die Tiefe gehende Geschichte erzählt. Danach wird es episodischer, oberflächlicher – und langweiliger. Es ist wie das desinteressierte Blättern in verschiedenen Jahrgängen einer Tageszeitung. Einige Berichte sind länger, andere kürzer und einige berühren einen sofort, wie die Gefühle eines jüdischen Mädchens, das das Haus am See verlassen muss, oder wenn die Frau des Architekten sich während der letzten Kriegstage im geheimen Kleiderschrank des Hauses vor sowjetischen Soldaten versteckt.

Dank der vielen bekannten Schauspieler, unter anderem Detlev Buck, Lars Eidinger, Susanne Wolff, Ulrich Matthes, Martina Gedeck und Angela Winkler, gewinnen die vielen Figuren auch in kurzen Auftritten Kontur. Trotzdem verfolgt man die Kurzauftritte der Schauspieler und die Ereignisse in dem Haus, vor allem ab den fünfziger Jahren, zunehmend desinteressiert. Zu schnell verschwinden die einzelnen Figuren aus dem Film. Zu wenig erfahren wir über sie und ihr Leben außerhalb des Hauses in der Schule, bei der Arbeit oder in der Freizeit mit Freunden. Zu folgenlos für die weitere Geschichte sind ihre Taten. Normalerweise wissen die neuen Bewohner nichts über die vorherigen Bewohner – und es ist ihnen auch egal.

Hier zeigt sich, wie auch bei „In die Sonne schauen“ und „Here“, dass die Idee, einen nur an einem räumlich sehr begrenzten, austauschbarem Ort spielenden Film, dessen Handlung sich über mehrere Jahrzehnte, teils Jahrhunderte oder, im Fall von „Here“, einen noch längeren Zeitraum erstreckt, auf dem Papier faszinierend, in der filmischen Umsetzung schwierig ist. Der alles zusammenhaltende erzählerische Bogen ist dann so beliebig, dass er kaum bis überhaupt nicht vorhanden ist.

Schlöndorffs „Heimsuchung“ ist eine top besetzte, werkgetreue, gediegene Verfilmung von Erpenbecks Roman.

Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte (Deutschland 2026)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff

LV: Jenny Erpenbeck: Heimsuchung, 2007

mit Martina Gedeck, Susanne Wolff, Lars Eidinger, Michael Maertens, Ulrich Matthes, Angela Winkler, Detlev Buck, Ludwig Trepte, Wigand Witting, Maria Matschke Engel, Josefin Platt, David Bennent

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Kinostart: 15. Oktober 2026

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Die Vorlage

Jenny Erpenbeck: Heimsuchung

Penguin Verlag, 2018

192 Seiten

14 Euro

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Originalausgabe

Eichborn, 2007

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Heimsuchung“

Moviepilot über „Heimsuchung“

Rotten Tomatoes über „Heimsuchung“

Wikipedia über „Heimsuchung“ (Buch, Film) und Jenny Erpenbeck (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)

 


TV-Tipp für den 14. Oktober: Der beste Film aller Zeiten

Oktober 13, 2026

Arte, 20.15

Der beste Film aller Zeiten (Competencia oficial, Spanien/Argentinien 2021)

Regie: Gastón Duprat, Mariano Cohn

Drehbuch: Andres Duprat, Gastón Duprat (Co-Autor), Mariano Cohn (Co-Autor)

Ein Konzernchef möchte der Welt etwas Bleibendes hinterlassen. Nämlich den besten Film aller Zeiten. Er kauft die Rechte an dem Roman eines Nobelpreisträgers, engagiert eine bei der Kritik beliebte Regisseurin und zwei Stars. Was kann da schiefgehen?

Köstliche Farce über Künstler, ihre aufgeblasenen und zerbrechlichen Egos und den Dreharbeiten für ein Meisterwerk, das alle Filmpreise erhalten wird. Wenn es denn jemals fertig gestellt wird..

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Penélope Cruz, Antonio Banderas, Oscar Martinez, Jose Luis Gómez, Manolo Solo, Nagore Aramburu, Irene Escolar

Hinweise

Moviepilot über “Der beste Film aller Zeiten”

Metacritic über “Der beste Film aller Zeiten”

Rotten Tomatoes über “Der beste Film aller Zeiten”

Wikipedia über “Der beste Film aller Zeiten” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gastón Duprat/Mariano Cohns „Der beste Film aller Zeiten“ (Competencia oficial, Spanien/Argentinien 2021)


Cover der Woche

Oktober 13, 2026