
Cover der Woche
Juli 7, 2026TV-Tipp für den 7. Juli: Juno
Juli 6, 2026
Disney Channel, 20.15
Juno (Juno, USA 2007)
Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Diablo Cody
Die sechzehnjährige Juno (Ellen Page) ist schwanger. Aber anstatt das mit einem Schulkameraden gezeugte Kind abzutreiben, möchte sie es zur Adoption freigeben. Sie hat auch schon die richtigen Eltern gefunden.
Die herrlich unsentimentale, schnoddrige und immer wieder altkluge Komödie war ein Überraschungserfolg. Diablo Cody erhielt für ihr Buch den Drehbuchoscar.
„Juno“ ist die erste Zusammenarbeit von Jason Reitman und Diablo Cody. „Young Adult“ (mit Charlize Theron) und „Tully“ (ebenfalls mit Theron) folgten. In den Filmen reflektiert Cody auch ihr Leben.
Mit Ellen Page, Michael Cera, Jennifer Garner, Jason Bateman, J. K. Simmons
Wiederholung: Donnerstag, 9. Juli, 22.50 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „Juno“ (deutsch, englisch)
Kriminalakte: Wer ist Diablo Cody? (mit Links zum Drehbuch und Interviews)
Meine Besprechung von Jason Reitmans „Young Adult“ (Young Adult, USA 2011)
Meine Besprechung von Jason Reitmans „Labor Day“ (Labor Day, USA 2013)
Meine Besprechung von Jason Reitmans „Tully“ (Tully, USA 2018)
Meine Besprechung von Jason Reitmans „Der Spitzenkandidat“ (The Front Runner, USA 2018)
TV-Tipp für den 6. Juli: Der Schlachter
Juli 5, 2026
Arte, 22.10
Der Schlachter (Le boucher, Frankreich/Italien 1969)
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Claude Chabrol
In der Provinz verliebt sich eine Lehrerin in einen Schlachter. Dieser ist allerdings auch der in der Gegend gesuchte Frauenmörder.
Ein Chabrol-Klassiker über zwei beschädigte Menschen, die nicht zueinander finden können.
Mit Stéphane Audran, Jean Yanne, Roger Rudel
Hinweise
Arte über den Film (in der Mediathek bis zum 4. August 2026)
AlloCiné über „Der Schlachter“
Rotten Tomatoes über „Der Schlachter“
Wikipedia über „Der Schlachter“ (deutsch, englisch, französisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)
TV-Tipp für den 5. Juli: Carlitos Weg
Juli 4, 2026
Arte, 20.15
Carlito’s Way (Carlito’s Way, USA 1993)
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: David Koepp
LV: Edwin Torres: Carlito’s Way, 1975 und After Hours, 1979 (auf Deutsch zum Filmstart bei Heyne als Doppelband „Carlito’s Way“ erschienen)
Drogenhändler Carlito Brigante wird vorzeitig aus der Haft entlassen und will fortan ehrlich bleiben. Aber er hat nicht mit den Umständen und seinem Anwalt gerechnet.
Machen wir es kurz: De Palmas Period-Picture der Siebziger ist ein grandioser Gangsterfilm
mit Al Pacino, Sean Penn, Penelope Ann Miller, John Leguizamo, Luis Guzman, Viggo Mortensen
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Carlito’s Way“
Wikipedia über „Carlito’s Way“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von David Koepps „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (Mortdecai, USA 2015)
Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019) und der Verfilmung
Die Krimibestenliste Juli 2026
Juli 4, 2026Das wird ein Mordssommer – und die Empfehlungen der monatlichen Krimibestenliste, präsentiert von Deutschlandfunk Kultur, können für zusätzliche Schweißausbrüche sorgen:
1 (–) Kim Koplin: Die Toten von morgen
Suhrkamp, 270 Seiten, 18 Euro
2 (3) Megan Abbott: El Dorado Drive
Aus dem Englischen von Peter Hammans
Pulp Master, 425 Seiten, 18 Euro
3 (1) Oliver Bottini: Die Summe aller Dinge
DuMont, 476 Seiten, 28 Euro
4 (–) Candice Fox: Outback Killers
Aus dem Englischen von Andere O’Brien
Suhrkamp, 431 Seiten, 18 Euro
5 (–) Christoffer Carlsson: Hinter dem Nebel
Aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann
Kindler, 460 Seiten, 26 Euro
6 (–) Till Raether: Meeresdunkel
Rowohlt Polaris, 410 Seiten, 18 Euro
7 (7) Michael Hjorth & Bjarni Thorsson: Schlafende Vulkane
Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
Wunderlich, 477 Seiten, 24 Euro
8 (2) Denise Mina: Die große Hitze
Aus dem Englischen von Else Laudan
Ariadne/Argument, 301 Seiten, 24 Euro
9 (–) Caroline Seibt: Weil sie lügt
Droemer, 384 Seiten, 16,99 Euro
10 (5) Jochen Brunow: Der Mann vom Meer
Ars Vivendi, 321 Seiten, 18 Euro
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
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Auf der Liste stehen fünf deutschsprachige Krimis und nur drei Übersetzungen aus dem Englischen. Das dürfte eine Premiere sein.
TV-Tipp für den 4. Juli: The Menu
Juli 3, 2026
Vox, 22.40
The Menu (The Menu, USA 2022)
Regie: Mark Mylod
Drehbuch: Seth Reiss, Will Tracy
Der exzentrische Starkoch Slowik lädt auf eine abgelegene Insel zu einem Essen ein, das die von ihm ausgewählten Gäste niemals vergessen werden. Falls sie es überleben.
Surrealistische Satire, zusammengestellt aus exquisiten Zutaten, aber letztendlich etwas enttäuschend.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Ralph Fiennes, Anya Taylor-Joy, Nicholas Hoult, Hong Chau, Janet McTeer, Reed Birney, Judith Light, Paul Adelstein, Aimee Carrero, Arturo Castro, Rob Yang, Mark St. Cyr, John Leguizamo
Wiederholung: Sonntag, 27. Juli, 02.30 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „The Menu“
Wikipedia über „The Menu“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Mark Mylods „The Menu“ (The Menu, USA 2022)
Der Verfassungsschutz, eine „Gesinnungspolizei im Rechtsstaat?“
Juli 3, 2026
Diese Woche stellte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt den neuen Jahresbericht des Verfassungsschutzes vor.
Vor einigen Wochen war der Verfassungsschutz in aller Munde, weil Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die Juryentscheidung ignorierte und eigenmächtig mehrere Buchhandlungen vom Erhalt des Deutschen Buchhandlungspreises ausschloss. Es gebe, so Weimer, Erkenntnisse des Verfassungsschutzes über die drei Buchhandlungen. Was genau könne er nicht sagen, weil er es selbst nicht wisse. Mit dem Preis werden kleine Buchhandlungen für ihr Programm auszeichnet.
Dazwischen las ich „Gesinnungspolizei im Rechtsstaat – Der Verfassungsschutz als Erfüllungsgehilfe der Politik“. Mathias Brodkorb, Gründer von „Endstation Rechts“, Ex-SPD-MdL, Bildungs- und später Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern und Cicero-Kolumnist, verdeutlicht an sechs Fallbeispielen, warum die Causa Buchhandlungspreis kein Einzelfall ist und was an der Arbeit des Verfassungsschutzes so problematisch ist, dass das selbsternannte „Frühwarnsystem Verfassungsschutz“ abgeschafft werden sollte.
Brodkorb konzentriert sich bei seiner Kritik auf zwei Fälle, bei denen die Überwachten zufällig von der Überwachung erfuhren. Es handelt sich um Rolf Gössner und Bodo Ramelow. Beide gehören zum linken politischen Spektrum, sind seit Jahrzehnten politisch aktiv, inzwischen hochgeachtete Demokraten, die den Staat niemals, vor allem nicht mit Gewalt, abschaffen wollten. Beide wurden viele Jahrzehnte überwacht. Was der Verfassungsschutz über sie aufgeschrieben hat, ist immer noch unbekannt.
In den anderen Fällen – die AfD, Götz Kubitschek und sein Institut für Staatspolitik in Schnellroda, den nach rechts abdriftenden Wissenschaftler Martin Wagener, Reichsbürger und Corona-Leugner – ist die Beobachtung in den jährlichen Verfassungsschutzberichten und weiteren Publikationen dokumentiert. Im Gegensatz zu den Fällen Gössner und Ramelow handelt es sich hier um aktuelle Fälle.
Brodkorb nimmt sich im Verfassungsschutzbericht und anderen vom Verfassungsschutz veröffentlichten Dokumenten genannte verfassungsfeindliche Zitate der Beobachtungsobjekte vor und seziert sie – als reine Textanalyse. Es geht also darum, ob der Verfassungsschutz das Zitat richtig oder falsch zitiert und interpretiert. Ob er es so interpretiert, wie es zur vom Dienst vorgefassten Meinung passt. Brodkorb prangert dabei die Verwendung unklarer Begriffe an. Er weist darauf hin, dass bestimmte Worte auch von anderen Personen benutzt werden, der Verfassungsschutz sie bei diesen Personen aber nicht als verfassungsfeindlich brandmarke. Es könnte darum gehen, wann bestimmte Äußerungen ein ganz normaler Teil eines Diskurses sind und wann sie außerhalb dieses Diskurses stehen. Brodkorb neigt hier durchgängig zur Position, dass der Verfassungsschutz die Sätze mutwillig falsch interpretiere.
Das Problem bei dieser Argumentation ist, dass auf jeglichen Kontext verzichtet wird. Dabei ist der Kontext und auch ob bestimmte Worte und Sätze in bestimmten Szenen Signalworte sind, wichtig. Es ist auch wichtig zu wissen, innerhalb welcher Gedankengebäude argumentiert wird und was der Sprecher mit seinen Worten erreichen möchte.
Brodkorb beachtet auch nicht die Handlungen der Akteure, also ob sie Menschen bedrohen, Demonstrationen organisiere, Straftaten verüben oder sich weigern, Steuern zu bezahlen.
Es gehe dem Verfassungsschutz immer nur darum, die Äußerungen bewusst falsch zu verstehen und die Sprecher als Verfassungsfeinde, die die Bundesrepublik Deutschland abschaffen wollen, zu diskreditieren.
Brodkorb klagt auch an, dass der Verfassungsschutz seine Begriffe, wie „Extremismus“ und „Volk“, verschieden verwendet und neue Kategorien, wie „Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“, „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“, dazu kommen. Für Brodkorb sind diese neuen Kategorien keine Reaktion auf neue Phänomene, sondern ein weiteres Beispiel für die Willkür des Verfassungsschutzes. Das Amt führe die Kategorien ad hoc ein, um seine Arbeit zu rechtfertigen und sich neue Arbeit zu verschaffen. Das stimmt einerseits. Andererseits ist das Schaffen neuer Kategorien und auch das Verändern der Bedeutung bestimmter Kategorien ein Teil normaler wissenschaftlicher Arbeit. Oder anders gesagt: alles was er hier dem Verfassungsschutz vorwirft, kann er genausogut jedem Sozial- und Politikwissenschaftler vorwerfen.
Auf juristische Bedenken gegen den Verfassungsschutz geht er nicht ein. Er unterzieht auch nicht die gesamte Arbeit des Verfassungsschutzes einer Kritik. Dazu gehören, unter anderem, der Einsatz und Umgang mit V-Leuten, die jahrzehntelang einseitige Ausrichtung der Arbeit des Verfassungsschutzes (der Feind wurde vor allem links gesehen), die teilweise erstaunlich schlechte Arbeit des Dienstes, genannt sei hier beispielhaft die Beobachtung der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, und die Nicht-Erfüllung der Funktion als Frühwarnsystem. Vor bestimmten Gefahren warnte der Verfassungsschutz erst, nachdem schon alle Zeitungen darüber berichteten.
„Gesinnungspolizei im Rechtsstaat?“ ist ein zwiespältiges Buch. Gut ist, das Brodkorb sich auf einen Aspekt und eine Methode konzentriert. Allerdings ist die Auswahl der Fallbeispiele merkwürdig. Die ausgewählten Zitate werden nicht kontextualisiert. Die gewählte Form der Kritik des Dienstes bleibt zu sehr in einem akademisch-luftleerem Raum. Mehr als einmal drängt sich der Gedanke auf, dass es Brodkorb weniger um eine fundierte Kritik des Verfassungsschutzes, sondern mehr um ein relativieren rechten Gedankengutes geht.
Außerdem gibt es von Bürgerrechtlern, wie dem schon erwähnten Rolf Gössner, schon seit Jahren eine fundiertere Kritik an der weltweit einzigartigen Behörde.
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Mathias Brodkorb: Gesinnungspolizei im Rechtsstaat? – Der Verfassungsschutz als Erfüllungsgehilfe der Politik: Sechs Fallstudien (Aktualisierte Ausgabe mit VS-Gutachten zur AfD)
zu Klampen Verlag, 2025 (erweiterte vierte Auflage)
272 Seiten
25 Euro
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Hinweise
TV-Tipp für den 3. Juli: Apocalypse Now – Final Cut
Juli 2, 2026
3sat, 22.00
Apocalypse Now – Final Cut (Apocalypse Now, USA 1979)
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola
LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)
Während des Vietnamkrieges soll Captain Willard (Martin Sheen) Colonel Kurtz (Marlon Brando), der im Dschungel sein Reich errichtete, suchen und töten.
Klassiker. Heute im 2019 von Francis Ford Coppola erstellen „Final Cut“. Dafür wurde der Film digital restauriert (das Bild ist toll, aber auf der riesengroßen Kinoleinwand zeigen sich auch die Beschränkungen des Ausgangsmaterials) und er lief sogar im Kino.
Von der Länge liegt der dreistündige Final Cut zwischen der kürzeren 1979er Kinoversion und der längeren Redux-Fassung, die für mich die beste Fassung des Films ist. Danach kommt die Kinoversion (in der Fassung sah ich den Film zum ersten Mal). Der „Final Cut“ ist die schlechteste Fassung.
Meine – und jetzt wird es etwas kompliziert – Besprechung des Final Cut, der DVD/Blu-ray-Ausgabe des Final Cut und einer früheren, umfassenden Ausgabe des Film in der Kino- und Redux-Fassung.
mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Apocalypse Now“, „Apocalypse Now Redux“ und „Apocalypse Now – Final Cut“
Wikipedia über „Apocalypse Now“ (deutsch, englisch)
Schnittberichte: Vergleich der Kino- mit der „Redux“-Fassung
Schnittberichte: Vergleich der „Redux“-Fassung mit dem „Final Cut“
Awesome Film: Drehbuch „Apocalypse Now“ von John Milius (Fassung vom 3. Dezember 1975)
Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now: The Final Cut“ (USA 1979/2019) und der Blu-ray
Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „The Outsiders: The complete Novel“ (The Outsiders, USA 1983/2005) und der Blu-ray
Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)
Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)
Meine Besprechung von Franics Ford Coppolas „Megalopolis“ (Megalopolis, USA 2024)
Francis Ford Coppola in der Kriminalakte
Neu im Kino/Filmkritik: „The Piano Tuner“ auf kriminellen Abwegen
Juli 2, 2026
Natürlich hat Dustin Hoffman nicht die Hauptrolle in „The Piano Tuner“. Seine Rolle ist klein, aber wichtig und für den gesamten Film prägend. Außerdem ist es nach elf Jahren („The Program – Um jeden Preis“) endlich wieder ein Film mit Dustin Hoffman, der im Kino läuft und den man sich ohne schlechtes Gewissen und lange „Megalopolis“-Entschuldigungen ansehen kann.
„The Piano Tuner“ ist das überaus gelungene Spielfilmdebüt von Daniel Roher. Von ihm ist der mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnete „Nawalny“ (Nawalny, USA 2022).
Im Mittelpunkt des Kriminalfilms steht Niki White (Leo Woodall). Er hat das absolute Gehör. Außerdem ist er extrem geräuschempfindlich. Er leidet er an einer Störung seines Hörsinns, die dazu führt, dass er alle Geräusche als extrem laut wahrnimmt. Deshalb trägt der Einzelgänger immer einen Kopfhörer. Inzwischen ist der frühere hochbegabte Pianist der Lehrling von Harry Horowitz (Dustin Hoffman). Harry führt in New York seit Ewigkeiten ein kleines Geschäft als Klavierstimmer. Inzwischen ist er in dem Alter, in dem er vergesslich wird und nur noch nach Gefühl hört, während er aus seinem Leben und seinen Begegnungen mit Jazz-Legenden erzählt. Eines Tages hat er einen Herzinfarkt. Während er im Krankenhaus liegt, türmen sich die Rechnungen für die Behandlung.
Ungefähr in dem Moment trifft Niki in einer Nobelvilla auf den in New Jersey residierenden halbseidenen Sicherheitsunternehmer Uri Stern (Lior Raz) und seine Männer. Uri erzählt Niki zwar etwas von einem Kundenauftrag, aber es ist offensichtlich, dass sie den Safe ausräumen wollen und von Niki beim Öffnen gestört wurden. Niki ist in der Villa, weil er das Klavier stimmen wollte, das er tagsüber bei den lauten Vorbereitungen für eine Feier nicht stimmen konnte. Er hatte gehofft, am Abend ungestört seine Arbeit erledigen zu können. Aber Uris Männer verursachen bei ihrem dilettantischem Versuch, den Safe zu öffnen, einen infernalischen Lärm.
Um seine Arbeit fortsetzen zu können, hilft er Uri. Er öffnet den Safe, indem er die Kombination erlauscht. In dem Moment erkennt Uri Nikis Talent, das ihm bei weiteren Diebstählen nützlich sein kann. Er bietet Niki weitere Aufträge an. Niki, der Harry und Harrys Frau beim Bezahlen der Rechnungen helfen will, nimmt an.
Zur gleichen Zeit verliebt er sich in die ehrgeizige Pianistin und Kompositionsstudentin Ruthie (Havana Rose Liu). Er lernte sie beim Stimmen eines Klaviers kennen.
Die Assoziation mit „Baby Driver“, über einen ähnlich geräuschempfindlichen und musikbegeisterten Fluchtwagenfahrer, trägt nicht länger als der Trailer. Regisseur Daniel Roher setzt in seinem „The Piano Tuner“ gänzlich andere Akzente. Er inszenierte kein brutales Gangsterthriller-Quasi-Musical, sondern eine atmosphärische Noir-Verbrechergeschichte, die deutlich mehr eine komplexe Charakterstudie als ein Thriller ist. Im Mittelpunkt steht Niki, der zufällig eine Gelegenheit zum scheinbar gefahrlosem Geldverdienen erhält, sich in eine Pianistin verliebt und in Teufels Küche gerät. Das ist eine klassische Noir-Geschichte, die in diesem Fall von der feinen Zeichnung der Figuren und ihres Lebens lebt.
Musikalisch unterlegt mit einem gelungenem Mix aus klassischen Jazzstücken, teils garniert mit Erinnerungen von Harry, und E-Musik erzählt Roher gelungen im Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Stil eine Kleine-Leute-Gangstergeschichte. Er zeigt auch ein New York, das wohltuend an das damalige New York erinnert und das es heute immer noch gibt.

The Piano Tuner (Tuner, USA 2025)
Regie: Daniel Roher
Drehbuch: Daniel Roher, Robert Ramsey
mit Leo Woodall, Dustin Hoffman, Havana Rose Liu, Lior Raz, Tovah Feldshuh, Jean Reno, Nissan Sakira, Gil Cohen, C.S. Lee, Herbie Hancock, Marius De Vries
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „The Piano Tuner“
Metacritic über „The Piano Tuner“
Rotten Tomatoes über „The Piano Tuner“
Wikipedia über „The Piano Tuner“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Daniel Rohers Dokumentarfilm „Nawalny“ (Nawalny, USA 2022) (u. a. ausgezeichnet mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm)
Neu im Kino/Filmkritik: „Minions & Monster“ in Hollywood
Juli 1, 2026
Über einige Umwege, die zu grotesk sind, um hier verraten zu werden, stolpern die Minions in eine Verfolgungsjagd in einem Hollywood-Stummfilmwestern. Die Aufnahme läuft vollkommen aus dem Ruder. Regisseur Max ist verzweifelt, aber die beiden Produzenten sind begeistert über den Auftritt dieser Agenten des Chaos. Und so beginnt in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Hollywood-Karriere der Minions. Treibende Kräfte bei den Minions sind die beiden filmbegeisterten Freunde James und Henry.
Mit dem Beginn des Tonfilms ist diese Karriere allerdings gefährdet. Sie verfallen auf die Idee, mit einem echten Monster einen Monsterfilm zu drehen. Der von ihnen mit der Hilfe eines Zauberbuchs befreite, verdächtig harmlos aussehende und agierende Goomi bietet ihnen seine Hilfe an. Er kenne gute auf einer einsamen Insel lebende Monster. Dabei verfolgt er sinistre Pläne.
„Minions & Monster“ ist Pierre Coffins mit Zitaten und Anspielungen gespickte Liebeserklärung an das klassische Hollywood, den Stummfilm und den B-Picture-Monsterfilm. Während Cineasten in dem Moment einen „wer erkennt die meisten Anspielungen“-Wettbewerb starten, dürften vor allem Kinder die wenigsten Anspielungen erkennen und einordnen können. Für das Vergnügen ist das nicht schlimm, aber schade. Deshalb wäre bei der DVD/Blu-ray-Veröffentlichung ein entsprechender erklärender, auf alle Anspielungen eingehender Audiokommentar fantastisch. Dann wäre dieser Teil der Arbeit der Macher nicht vollkommen umsonst.
Am besten funktioniert der neueste Minions-Film, wenn er einfach nur Episoden aneinanderreiht, in denen die Minions Minions-Dinge tun; also voller Energie und gutem Willem und kindlicher Unschuld versuchen, etwas besonders gut zu machen und dabei ein veritables Chaos auslösen. Sie wollen einem Bösewicht helfen und werden durch ihre eigene Unfähigkeit zu Kräften des Guten. Wer da nicht beginnt, an göttliche Fügung zu glauben, muss an die heilende Kraft des eskalierenden Slapsticks glauben.
Coffin, der Erfinder der Minions und der Regisseur der ersten drei von vier „Ich – Einfach unverbesserlich“- und des ersten und dritten, also diesem „Minions“-Films, erzählt den gesamten Film durchgängig in hoher Geschwindigkeit. Das ist, weil es nur ein Erzähltempo gibt und, wenn es dann doch in der zweiten Filmhälfte so etwas wie eine Monster-Geschichte gibt, ermüdend. In dieser Hälfte fällt nämlich negativ auf, dass die Figuren arg eindimensional sind. Ihre Auftritte dienen weniger der Geschichte, sondern mehr einzelnen Gags. Nach dem Gag verschwinden sie aus der Geschichte. Manchmal tauchen sie wieder auf. Manchmal nicht.

Minions & Monster (Minions & Monster, USA 2026)
Regie: Pierre Coffin
Drehbuch: Brian Lynch, Pierre Coffin
mit (im Original den Stimmen von) Allison Janney, Christoph Waltz, Jeff Bridges, Jesse Eisenberg, Zoey Deutch, Bobby Moynihan, Phil LaMarr, Trey Parker, Pierre Coffin
(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Pierre Coffin, Bill Kaulitz, Tom Kaulitz, Christoph Waltz, Alexandra Marisa Wilcke, Joachim Tennstedt, Alice Bauer, Tim Sander, Tilo Schmitz
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 6 Jahre (allerdings sollten Eltern prüfen, ob diese Slapstick-Komödie für ihre Kinder geeignet ist)
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Hinweise
Moviepilot über „Minions & Monster“
Metacritic über „Minions & Monster“
Rotten Tomatoes über „Minions & Monster“
TV-Tipp für den 1. Juli: Volver – Zurückkehren
Juni 30, 2026
Arte, 20.15
Volver – Zurückkehren (Volver, Spanien 2006)
Regie: Pedro Almodóvar
Drehbuch: Pedro Almodóvar
Eigentlich kann man einen Almodóvar-Film nicht in wenigen Worten nacherzählen – und das ist gut so. Jedenfalls geht es hier um Frauen aus drei Generationen einer Familie, es gibt einen ermordeten Stiefvater (er hatte es verdient) und eine tote Mutter, deren Geist zurückkehrt.
„Die Hommage an die pragmatische Lebensweisheit der Frauen überzeugt durch die souveräne Kombination widersprüchlicher Elemente, wobei vor allem der gelassene Umgang mit dem Tod angenehm überrascht.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Penélope Cruz, Carmen Maura, Lola Duenas, Blanca Portillo, Chus Lampreave
Wiederholung: Freitag, 3. Juli, 14.00 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „Volver“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)
Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Julieta“ (Julieta, Spanien 2016)
Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Leid und Herrlichkeit“ (Dolor y gloria, Spanien 2019)
Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Parallele Mütter“ (Madres paralelas, Spanien 2021)
Cover der Woche
Juni 30, 2026
Ein Privatdetektiv erzählt Episoden aus seinem Leben.
Aus den spärlichen Informationen, die ich über ihn im Netz gefunden habe, arbeitet er immer noch als Privatdetektiv und verzichtet auf Öffentlichkeitsarbeit.
TV-Tipp für den 30. Juni: Get the Gringo
Juni 29, 2026Sommerurlaub?
Tele 5, 22.35
Get the Gringo (Get the Gringo, USA 2012)
Regie: Adrian Grunberg
Drehbuch: Mel Gibson, Stacy Perskie, Adrian Grunberg
Ein namenloser Fluchtwagenfahrer wird kurz hinter der Grenze von der mexikanischen Polizei verhaftet und in einen von einem Gangsterboss regierten Knast gesteckt. Jetzt will er überleben, ausbrechen und seine Kohle wieder haben.
Das B-Picture „Get the Gringo“ ist eine unterhaltsame Hardboiled-Krimikomödie mit etwas Action und einem lakonischen Voice-Over des Fahrers, der auch über die Auslassungen und Unwahrscheinlichkeiten der Geschichte hinwegerzählt.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Mel Gibson, Kevin Hernandez, Daniel Giménez Cacho, Jesús Ochoa, Dolores Heredia, Peter Gerety, Roberto Sosa Martinez, Peter Stormare, Mario Zaragoza, Gerardo Taracena
Wiederholung: Donnerstag, 2. Juli, 00.00 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Moviepilot über „Get the Gringo“
Metacritic über „Get the Gringo“
Rotten Tomatoes über „Get the Gringo“
Wikipedia über „Get the Gringo“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Adrian Grunbergs „Get the Gringo“ (Get the Gringo, USA 2012)
Meine Besprechung von Adrian Grunbergs „Rambo: Last Blood“ (Rambo: Last Blood, USA 2019)
„Orlando“, hab keine „Furcht“, das ist die „Wahrheit“. „Zwischen den Bäumen“ stapeln sich „Alien“ und „Blade Runner 2039“ und die „Traumnovelle“
Juni 29, 2026
Nennen wir es Sommerlektüre und Aufräumen, teils ergänzt mit brandneuen Werken, wie die druckfrisch bei mir eingetroffene Neuausgabe von Jakob Hinrichs‘ überzeugender Comicversion von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“. Ursprünglich erschien sie bereits 2012 bei der Büchergilde und wer möchte, kann sie zu teils utopischen Preisen antiquarisch kaufen.
Die neue Ausgabe bei der Favoritenpresse ist selbstverständlich günstiger. Sie gefällt mir ausnehmen gut. Sie liegt gut in der Hand, Papier und Farben passen zu den Zeichnungen von Jakob Hinrichs, die sich kongenial zwischen 20er-Jahre-Avantgarde (also die 20er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts), Fünfziger-Jahre-Cartoons und Gebrauchsgrafik bewegt.
Die Geschichte selbst, die bei Arthur Schnitzler im Wien der späten Kaiserjahre spielt, verlegte er in eine zeit- und ortlose bundesdeutsche Mittelstandsgegenwart, die immer noch einen Hauch Wirtschaftswunder-Nachkriegsdeutschland verströmt. Immer noch geht es um ein Ehepaar und sexuelle Wünsche.
Die Geschichte selbst dürfte von Schnitzler oder von Stanley Kubricks textnaher Verfilmung „Eyes Wide Shut“ bekannt sein. Es war sein letzter Film. Tom Cruise und Nicole Kidman spielten das sexuell verwirrte Paar. Kubrick verlegte die Geschichte in das heutige New York und ich fragte mich die ganze Zeit, warum Kubrick sie nicht historisch korrekt und wie auch von ihm gewünscht, in Wien der späten Kaiserjahre spielen ließ.
Hinrich wählte einen deutlich freieren Zugang. Das Ergebnis überzeugt in jeder Beziehung.
Wie bei der Erstausgabe ist auch in der aktuellen Ausgabe Schnitzlers Novelle abgedruckt. Sie erschien erstmals 1925 als Fortsetzungsroman und 1926 als Buch. Man kann also direkt Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichen.
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Jakob Hinrichs/Arthur Schnitzler: Traumnovelle
Favoritenpresse, 2026
192 Seiten
18 Euro
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Originalausgabe
Büchergilde, 2012
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Hinweise
Favoritenpresse über den Comic
Wikipedia über die „Traumnovelle“ (deutsch, englisch) und Jakob Hinrichs
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Um Begehren geht es auch in Paul Wincks „Zwischen den Bäumen“. Die Journalistin Mathilde soll eine Reportage über eine in Südfrankreich abgeschieden lebende religiöse Gemeinde schreiben. Sie fremdelt mit den Gläubigen und ihren Riten. Mit Anita, der Köchin und Gärtnerin der Gemeinschaft, versteht sie sich allerdings gut.
Wegen der Kürze und weil Winck sich vor allem auf seine Bilder verlässt, bleibt „Zwischen den Bäumen“ auf der Story-Ebene etwas diffus. Das gilt vor allem für die Gemeinschaft und ihr seltsames Verhalten. Die Sekte lud Mathilde ein, einen Bericht über sie zu schreiben, erschwert ihr dann aber die Arbeit.
Die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte und die damit verbundene Frage, ob Anita weggehen soll, sind dagegen gelungener.
Wer also keinen Thriller über eine investigative Journalistin und eine brandgefährliche Sekte erwartet, kann zugreifen.
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Paul Winck: Zwischen den Bäumen
Moom Comics, 2025
72 Seiten
15 Euro
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Hinweise
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Orlando wird im 16. Jahrhundert in England als Mann geboren. Viele Jahre später wird er im Schlaf zur Frau. Eine Erklärung für die Geschlechtsumwandlung gibt es nicht. Fortan muss der Edelmann, der bei den Frauen äußerst beliebt war, ein Leben als ebenfalls nicht älter werdende Frau führen.
Sein/Ihr Leben bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts schildert Virginia Woolf in ihrem schon lange zum Klassiker gewordenem Roman „Orlando“, untertitelt als ‚Biographie‘. Das feministische Buch erschien 1928.
Susanna Kuhlendahls Comic „Orlando“ liest sich durchgehend wie die Reader’s Digest-Version des Romans. Sie lädt dazu ein, den Roman oder auch Sally Potters legendäre Verfilmung von 1992 (mit Tilda Swinton in der Hauptrolle) wieder (?) zu genießen.
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Susanne Kuhlendahl: Virginia Woolf – Orlando
Helvetiq, 2025
208 Seiten
27 Euro
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Hinweise
Homepage von Susanne Kuhlendahl
Wikipedia über „Orlando“ (Roman: deutsch, englisch)
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Und ab in die Zukunft, die kein besserer Ort ist.
Obwohl das „Paradiso“ als Nobelferienhotel auf den ersten Blick vielversprechend aussieht. Um einige Gäste, wie den Ricky Valentine und seine Bande, muss man sich als normaler Tourist nicht kümmern. Dafür sind zwei Colonial Marshals in einem Undercover-Einsatz, zuständig. Aber dann bringt einer der Gäste einen Xenomorph-Embryo mit – und es passiert das, was immer passiert, wenn Menschen und Xenomorphe sich begegnen. Kurz darauf kämpfen die Hotelgäste und das Personal um ihr Überleben und die Xenomorphe nehmen eine sehr nahrhaft-menschliche Mahlzeit zu sich.
In dem Alien-Comic „Paradiso“ erzählen Autor Steve Foxe und die Zeichner Edgar Salazar und Peter Nguyen auch von überraschenden Koalitionen zwischen Polizisten und Verbrechern.
Das ändert aber nichts daran, dass es inzwischen ein festes Muster für Alien-Geschichten gibt, die einfach nur noch an verschiedenen abgeschiedenen Orten mit verschiedenen Menschen, die mindestens zu einem großen Teil das Ende der Geschichte nicht erleben, ausgefüllt werden. Das ist durchaus spannend, aber auch etwas überraschungsfrei.
Am Ende ist „Paradiso“ nur eine weitere „Alien“-Geschichte in neuer Kulisse mit anderen Menschen und höchst vertrauten Abläufen.
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Steve Foxe/Edgar Salazar/Peter Nguyen: Alien: Paradiso
(übersetzt von Alexander Rösch)
Panini Comics, 2026
120 Seiten
16 Euro
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Originalausgabe
Alien: Paradiso (2024) # 1 – 5
Dezember 2024 – April 2025
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Hinweise
Wikipedia über das Alien-Franchise (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Alien – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Alien, 2019)
zu Filmen
Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)
Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)
Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017) (Filmroman)
Meine Besprechung von Fede Alvaraz‘ „Alien: Romulus (Alien: Romulus, USA 2024)
zu Comics
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Die „Blade Runner“-Welt ist fast so alt wie die „Alien“-Welt. In dieser Welt geht es um das Zusammenleben von Menschen und menschenähnlichen Robotern, Replikanten genannt. Ursprünglich wurden sie auf anderen Planeten als Arbeitssklaven eingesetzt. Irgendwann begehrten sie gegen ihr Schicksal auf. In den zwanziger Jahren brachen die Ökosysteme zusammen und die „Blade Runner“-Welt wurde noch dystopischer.
In der in drei Bänden herausgegebenen und inzwischen vollständig auf Deutsch vorliegenden von Mike Johnson (Geschichte), Andrés Guinaldo (Zeichnungen) und Marco Lesko (Farben) erfundenen „Blade Runner 2039“-Geschichte geht es um die seit zwanzig Jahren untergetauchte LAPD-Blade-Runner-Jägerin Aahna „Ash“ Ashina. Danach half sie Replikanten, aus ihrer Sklaverei zu entkommen. Jetzt muss Ash ihr Versteck verlassen. Denn Bösewicht Niander Wallace hat Luv, die erste Blade-Runner-Replikantin des LAPD und ein Klon von Ash, beauftragt, Cleo Selwyn zu finden. In Cleos DNA könnte der Schlüssel zur Fortpflanzung der Replikanten liegen.
„Ash“ ist ein gelungener Abschluss der Miniserie.
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Mike Johnson/Andrés Guinaldo/Marco Lesko: Blade Runner 2039: Ash (Band 3 von 3)
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini Comics, 2025
112 Seiten
17 Euro
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Originalausgabe
Blade Runner 2039 vol. 3: Ash
Alcon Publishing/Titan Publishing 2025
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Hinweise
Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch) und das Blade-Runner-Franchise
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Aus Japan gibt es eine weitere Ladung Horrorkurzgeschichten. Es ist der fünfte Band der von Juoku Kawakami geschriebenen und gezeichneten Mangas „Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan“ und er enthält die Geschichten 39 bis 50. Es sind immer noch vollkommen unabhängige, im heutigen Japan, bevorzugt unter Jugendlichen spielenden Horrorkurzgeschichten. Einmal gehen drei Jugendliche nach Einbruch der Dunkelheit in einen Park. Für eine Mutprobe wollen sie einem Geist begegnen. Einer der Jungs fragt die sich auf einem Smartphone befindende KI. Und diese sagt ihnen, welchen Weg sie benutzen sollen.
Eine geschiedene Frau sucht über eine Dating-App einen Mann. Dieses Mal scheint sie den richtigen Mann gefunden zu haben. Ein junger Mann hat Schlafprobleme. Eine Frau hat eine außereheliche Affäre, für die sie einen Geheimaccount eingerichtet hat. Ein Lehrer erfährt unangenehm viel Aufmerksamkeit von einer Schülerin. In einer anderen Geschichte ist ein Fangirl überhaupt nicht davon begeistert, dass der von ihr bewunderte Boygroup-Sänger sich in eine andere Frau verliebt hat.
Immer wieder geht es in Juoku Kawakamis Geschichten um Bedrohungen durch neue Techniken, Geister, japanische Mythen, die in der Gegenwart fortexistieren, und ein fundamentales Unwohlsein an und in der Gegenwart.
Weil alle Geschichten sehr kurz sind, muss Kawakami immer schnell auf die meist gelungene Pointe zusteuern. Trotzdem wiederholt sich, wer alle Geschichten kennt, inzwischen einiges. Wenn bei Kawakami eine Streamerin auf einem Parkplatz für eine Nacht Kamera aufbaut, haben wir eine gute Ahnung, in welche Richtung sich die Geschichte bewegt.
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Juoku Kawakami: Furcht – Horrorgeschichten aus dem modernen Japan: Band 5
(übersetzt von Gregor Wakounig)
Panini Manga, 2026
192 Seiten
8,99 Euro
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Originalausgabe
Osore – Reiwa Kaidan – Vol. 5
Shogakukan, 2026
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Hinweise
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Wenn man unter ‚Comic‘ ‚Zeichungen‘ und ‚Texte in Sprechblasen‘ versteht, dann ist „Wahrheit“, der zweite Band der „Comicothek der Philosophie“, ein Comic. Trotzdem sind die erklärenden Texte wichtiger. Martine Gasparov, Philosophin, Philosophielehrerin an einer Schule für Kunst und Design in Paris und Verfasserin von Philosophie-Handbüchern für die Abiturprüfung, und Illustratorin Émilie Boudet haben mit dem Band „Wahrheit“ eine sehr kurze, klare und präzise Einführung in die Frage gegeben, was aus philosophischer Sicht „Wahrheit“ ist, was die Probleme bei verschiedenen Definitionen sind, ob man immer die Wahrheit sagen muss und ob die Idee der Wahrheit nicht ein Instrument zur Herrschaft ist.
Auf noch nicht einmal sechzig Seiten geben Gasparov und Boudet einen sehr guten Einblick in das Thema – und sie liefern viel Stoff zum Nachdenken.
Weitere Bände, unter anderem zu den Themen „Gerechtigkeit“, „Freiheit“, „Freizeit“ und „Zeit“ sind geplant.
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Martine Gasparov/Émilie Boudet: Die Comicothek der Philosophie: Wahrheit
(übersetzt von Edmund Jacoby)
Jacoby & Stuart, 2026
64 Seiten
15 Euro
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Originalausgabe
Toute la Philo en BD/La vérité
Belin Éducaions & La Boite à Bulles, 2022
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Hinweis
TV-Tipp für den 28. Juni: Scarface
Juni 27, 2026
Arte, 22.00
Scarface – Toni, das Narbengesicht (Scarface, USA 1983)
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: Oliver Stone
LV: Armitage Trail: Scarface, 1930 (Scarface)
Buch zum Film: Paul Monette: Scarface, 1983 (Scarface – Der Mann mit der Narbe)
De Palma aktualisierte „Scarface“, die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters, und schuf ein packendes Sittengemälde des Verbrechens in Florida in den frühen Achtzigern.
Damals wurde die Sprache („Fuck“) und die Brutalität kritisiert. Heute wäre es die grauenhafte, altmodische Disco-Musik von Giorgio Moroder. Ansonsten ist „Scarface“ in der ungekürzten Fassung inzwischen einer der Klassiker des Gangsterfilms.
Mit Al Pacino, Michelle Pfeiffer, Mary Elizabeth Mastrantonio, Robert Loggia, F. Murray Abraham
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Scarface“
Wikipedia über „Scarface“ (deutsch, englisch)
New York Times: Vincent Canby: Besprechung von “Scarface” (9. Dezember 1983)
Roger Ebert über “Scarface” (9. Dezember 1983, 28. September 2003)
Schnittberichte: Vergleich der FSK-16-Fassung (ein trauriger Torso) mit der Kinoversion
TV-Tipp für den 27. Juni: Rechtsruck im Silicon Valley
Juni 26, 20263sat, 19.20
Rechtsruck im Silicon Valley: Warum die kalifornischen Tech-Eliten Trump unterstützen (Deutschland 2026)
Regie: Cornelius Janzen
Drehbuch: Cornelius Janzen
TV-Premiere. Vierzigminütiger Dokumentarfilm über den aktuellen Geisteszustand der Silicon-Valley-Tech-Elite und die historischen Wurzeln des dortigen Rechtsruck, der die Demokratie hochgradig gefährdet.
Hinweis
Neu im Kino/Filmkritik: „Hallo Betty“ Bossi, Köchin der Nation
Juni 26, 2026
Kochrezepte. Und zwar nicht nur von der komplizierten Art, sondern einfache Rezepte, die die Hausfrau schnell kochen kann mit den Zutaten die gerade in der Küche sind und die der Familie schmecken, gab es nicht schon immer in Reklame-, Frauen- und Kochzeitschriften.
In der Schweiz begann dies 1956 mit Betty Bossi. Sie wurde schnell populär und das Gesicht der Zeitschrift, die ganz banal „Betty Bossi Post“ hieß und aus einer Mischung aus Kochrezepten und Ratschlägen bestand.
Dabei gab es Betty Bossi nicht. Sie wurde von der Werbetexterin Emmi Creola (Sarah Spale) erfunden für die Firma Astra, die den Verkauf von Margarine und Erdnussöl ankurbeln wollte. Die einfachen Rezepte der patenten Schweizer Hausfrau kamen gut an. Später trat sie in der Öffentlichkeit als Betty Bossi auf. Und kümmerte sich neben ihrer immer mehr Zeit in Anspruch nehmenden Arbeit auch um ihre Kinder und ihren Ehemann. Noch später wurden ihre Leistungen als ‚Köchin und Hausfrau der Nation‘ umfassend gewürdigt. In dem Moment war Betty Bossi schon ein Markenzeichen und ein großes, heute immer noch bestehendes Unternehmen.
Die am 3. September 1912 geborene Betty-Bossi-Erfinderin Emmi Creola-Maag starb am 2. Oktober 2006.
Auch „Platzspitzbaby“-Regisseur Pierre Monnard lernte mit Betty Bossis einfachen und, was der wichtigste Punkt war, immer gelingenden Rezepten Kochen.
Jetzt erzählt er in „Hallo Betty“ sehr warmherzig und mit mild pointiertem Humor die Anfänge von Betty Bossis Geschichte mit einer ordentlichen Portion Fünfziger-Jahre-Retro-Charme. Er spricht auch die mangelnde Gleichberechtigung, vor allem bei der Arbeit das herablassende Verhalten der Männer gegenüber Frauen, die schlechte Behandlung der aus Italien kommenden Arbeiter und die sich dagegen formierende Solidarisierung der Frauen an. Denn Betty Bossis Geschichte ist auch die Geschichte der Emanzipation von Emmi Creola, einer bei uns in Deutschland fast unbekannten Frau. Während sie sich nach der Zubereitung von Tiramisu erkundigt, gab es in Deutschland Toast Hawaii.

Hallo Betty (Schweiz 2026)
Regie: Pierre Monnard
Drehbuch: André Küttel
mit Sarah Spale, Martin Vischer, Rabea Egg, Viviana Zappa, Cyril Metzger, Ueli Jäggi, Morgane Ferru, Magdalena Neuhaus, Esther Gemsch, Thomas Douglas, Leonardo Nigro, Pablo Caprez, Dominique Müller
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Wikipedia über „Hallo Betty“, Betty Bossi und Emmi Creola-Maag
Meine Besprechung von Pierre Monnards „Platzspitzbaby“ (Schweiz 2020)
Neu im Kino/Filmkritik: Über Bi Gans Cannes-Gewinner „Resurrection“
Juni 26, 2026
In Cannes erhielt Bi Gans Science-Fiction-Film „Resurrection“ den Spezialpreis der Jury. Er erzählt von einer Zukunft, in der Menschen ewig Leben. Dafür haben sie aufgehört zu Träumen. Ein Namenloser macht sich mit dem Ziel, Träume vor dem Vergessen zu bewahren, auf eine Reise durch Raum und Zeit und fantastische Welten.
Für Bi Gan ist das eine Gelegenheit, viele dieser Träume zu zeigen. Sie ahmen dabei verschiedene Filmstile und Genres nach.
Es beginnt, wunderschön verspielt, mit dem Stummfilm, dem Expressionismus und dem magischen Realismus. Realität, also Filmrealität, Fantasie und Traum sind, höchst verspielt, untrennbar miteinander verbunden. Weiter geht es mit einem Noir-Traum, einer Samurai-Geschichte, einer Coming-of-Age-Vater-Tochter-Geschichte, einem Vampir- und Jugenddrama. Immer wieder verknüpft Bi Gan dabei verschiedene Stile und Genres. Immer wieder erinnern die Träume an frühere Filme und bekannte Figuren und Figurenkonstellationen.
Dieses Spiel mit den Genres ist mal mehr, mal weniger befriedigend. Vor allem das anfängliche Spiel aus der Welt und Zeit des Stummfilms gefällt.
Diese Verspieltheit und der Ideenreichtum des Anfangs wird in den späteren Träumen nicht mehr erreicht. Sicher, einige Träume haben beeindruckende Filmsequenzen und variieren gekonnt und geschickt die bekannten Erzählmuster dieser Geschichte. So ist ein Noir-Agententhriller mit einem Alain-Delon-Der-eiskalte-Engel-Lookalike immer sehenswert.
Aber es wird zunehmend müßig zu versuchen, einen großen, die Geschichten verbindenden Bogen herauszufinden. Regisseur Bi Gan will das auch nicht. Er will auch nicht eine bestimmte Interpretation vorgeben. Das ist sicher eine Stärke des Films – jeder Zuschauer kann seinen eigenen Film, der sich vollkommen von dem Film des Nachbarn unterscheidet, daraus machen – und eine Schwäche. Wer sich davon nicht angesprochen fühlt, glaubt, er befinde sich in einem schlecht gestaltetem Kaufhaus, begleitet von dem Manager, der einem beständig ins Ohr brüllt, alles sei einzigartig grandios.
Über 160 Minuten ergibt sich so nur eine Abfolge von Kurzfilmen, die nicht miteinander zusammenhängen. Entsprechend ermüdend und frustrierend ist das Ergebnis als Spielfilm, der die Geschichte einer Person und eines Problems, das sie lösen will, mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende erzählt. „Resurrection“ würde genausogut mit weniger oder mehr oder anderen Träumen funktionieren. Er würde vielleicht sogar besser als Serie funktionieren, in der der Protagonist in Träumen etwas herausfinden muss oder herausfindet. Je nach dem Interesse des Publikums kann die Serie dann kürzer oder länger ausfallen. Genausogut würde sie als YouTube-Serie funktionieren, zu der jeder seinen von einem anderen Filmgenre beeinflussten Traum hochladen kann.
Als 159-minütiger Spielfilm funktioniert das nicht.

Resurrection (Kuang ye shi dai, China/Frankreich/USA 2025)
Regie: Bi Gan
Drehbuch: Bi Gan, Zhai Xiaohui
mit Shu Qi, Jackson Yee, Mark Chao, Li Gengxi, Huang Jue, Chen Yonngzhong
Länge: 159 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „Resurrection“
Metacritic über „Resurrection“
Veröffentlicht von AxelB 