Die Bafta-Gewinner 2026

Februar 23, 2026

Ohne große Vorrede: Die Gewinner der diesjährigen Bafta Awards, wie jedes Jahr verliehen von der British Academy of Film and Television Arts:

Best film

Hamnet

Marty Supreme (Besprechung zum Filmstart)

GEWINNER: One Battle After Another

Sentimental Value

Sinners (Blood & Sinners)

Outstanding British film

28 Years Later

The Ballad of Wallis Island

Bridget Jones: Mad About the Boy

Die My Love

H Is for Hawk

GEWINNER: Hamnet

I Swear

Mr Burton

Pillion

Steve

Outstanding debut by a British writer, director or producer

The Ceremony – Jack King (director, writer), Hollie Bryan (producer), Lucy Meer (producer)

GEWINNER: My Father’s Shadow – Akinola Davies Jr (director), Wale Davies (writer)

Pillion – Harry Lighton (director, writer)

A Want in Her – Myrid Carten (director)

Wasteman – Cal McMau (director), Hunter Andrews (writer), Eoin Doran (writer)

Best film not in the English language

It Was Just an Accident (Ein einfacher Unfall)

The Secret Agent

GEWINNER: Sentimental Value

Sirāt

The Voice of Hind Rajab

Best documentary

2000 Meters to Andriivka

Apocalypse in the Tropics

Cover-Up

GEWINNER: Mr Nobody Against Putin

The Perfect Neighbor

Best animated film

Elio

Little Amélie

GEWINNER: Zootropolis 2 (Zoomania 2)

Best children’s and family film

Arco

GEWINNER: Boong

Lilo & Stitch

Zootropolis 2

Best director

Bugonia – Yorgos Lanthimos

Hamnet – Chloé Zhao

Marty Supreme – Josh Safdie

GEWINNER: One Battle After Another – Paul Thomas Anderson

Sentimental Value – Joachim Trier

Sinners – Ryan Coogler

Best original screenplay

I Swear – Kirk Jones

Marty Supreme – Ronald Bronstein, Josh Safdie

The Secret Agent – Kleber Mendonça Filho

Sentimental Value – Eskil Vogt, Joachim Trier

GEWINNER: Sinners – Ryan Coogler

Best adapted screenplay

The Ballad of Wallis Island – Tom Basden, Tim Key

Bugonia – Will Tracy

Hamnet – Chloé Zhao, Maggie O’Farrell

GEWINNER: One Battle After Another – Paul Thomas Anderson

Pillion – Harry Lighton

Best leading actress

GEWINNER: Jessie Buckley – Hamnet

Rose Byrne – If I Had Legs I’d Kick You

Kate Hudson – Song Sung Blue

Chase Infiniti – One Battle After Another

Renate Reinsve – Sentimental Value

Emma Stone – Bugonia

Best leading actor

GEWINNER: Robert Aramayo – I Swear

Timothée Chalamet – Marty Supreme

Leonardo DiCaprio – One Battle After Another

Ethan Hawke – Blue Moon

Michael B Jordan – Sinners

Jesse Plemons – Bugonia

Best supporting actress

Odessa A’zion – Marty Supreme

Inga Ibsdotter Lilleaas – Sentimental Value

GEWINNER: Wunmi Mosaku – Sinners

Carey Mulligan – The Ballad of Wallis Island

Teyana Taylor – One Battle After Another

Emily Watson – Hamnet

Best supporting actor

Benicio del Toro – One Battle After Another

Jacob Elordi – Frankenstein

Paul Mescal – Hamnet

Peter Mullan – I Swear

GEWINNER: Sean Penn – One Battle After Another

Stellan Skarsgård – Sentimental Value

Best casting

GEWINNER: I Swear

Marty Supreme

One Battle After Another

Sentimental Value

Sinners

Best cinematography

Frankenstein

Marty Supreme

GEWINNER: One Battle After Another

Sinners

Train Dreams

Best editing

F1

A House of Dynamite

Marty Supreme

GEWINNER: One Battle After Another

Sinners

Best costume design

GEWINNER: Frankenstein

Hamnet

Marty Supreme

Sinners

Wicked: For Good (Wicked: Teil 2)

Best make up & hair

GEWINNER: Frankenstein

Hamnet

Marty Supreme

Sinners

Wicked: For Good

Best original score

Bugonia

Frankenstein

Hamnet

One Battle After Another

GEWINNER: Sinners

Best production design

GEWINNER: Frankenstein

Hamnet

Marty Supreme

One Battle After Another

Sinners

Best sound

GEWINNER: F1

Frankenstein

One Battle After Another

Sinners

Warfare

Best special visual effects

GEWINNER: Avatar: Fire and Ash

F1

Frankenstein

How to Train Your Dragon

The Lost Bus

Best British short animation

Cardboard

Solstice

GEWINNER: Two Black Boys in Paradise

Best British short film

Magid / Zafar

Nostalgie

Terence

GEWINNER: This Is Endometriosis

Welcome Home Freckles

EE Rising Star award (voted for by the public)

GEWINNER: Robert Aramayo

Miles Caton

Chase Infiniti

Archie Madekwe

Posy Sterling

Outstanding British Contribution to Cinema

Clare Binns

Academy Fellowship

Dame Donna Langley

Mit sechs Baftas ist „One Battle after another“, unter anderem in den wichtigen Kategorien Bester Film, Regie und Drehbuch, der große Gewinner. Der Film wäre auch mein Tipp gewesen.


TV-Tipp für den 23. Februar: Possession

Februar 22, 2026

Arte, 00.10

Possession (Frankreich/Deutschland 1980, Regie: Andrzej Zulawski)

Drehbuch: Andrzej Zulawski

Berlin: Marc kehrt nach einer längeren Abwesenheit zu seiner Frau Anna zurück. Sie behauptet, einen Liebhaber zu haben. Als der eifersüchtige Marc mehr herausfinden will, entdeckt er, dass sie sich mit einem krakenhaftem Monster vereint.

„Horrrovision einer zerbrochenen Beziehung und zerstörter Identitäten(…) Mit kaltem Licht, bizarren Kameraeinstellungen und Schockeffekten malt er [Zulawski] eine barocke Alptraumwelt aus Ekel und Hysterie. Wenn die Geschichte einen etwas kruden Freudianismus bemüht, so überzeugt die Umsetzung in Bilder und Farbe.“ (Fischer Film Almanach 1994; mit dem Hinweis „Verleih: offen“)

„Das im wahren Wortsinne aufopferungsvolle, an die physischen Grenzen gehende Spiel der beiden Hauptdarsteller, die unstete Kamera und die grotesken Spezialeffekte machen aus dem absurden Gewalttheater nachhaltig bewegendes Kunstkino.“ (Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2010, zur DVD-Ausgabe, die anscheinend auch gleichzeitig die Deutschlandpremiere des Skandalfilms war)

Isabelle Adjani erhielt in Cannes den Darstellerpreis.

„So hysterisch sie in mancher Szene scheint, so folgerichtig ist dies im Rahmen dieses exaltierten Films, der wie ein Schock wirkte und zahlreiche Kritiker nachhaltig abstieß oder zu Lobeshymnen veranlasste.“ (Meinolf Zurhorst: Isabelle Adjani, 1992)

Damals hatte der 124 minütigen Film (englische Originalfassung) gewaltige Probleme mit der Zensur. Für die US-Auswertung wurde er um 45 Minuten gekürzt, in England gehörte er zu den ‚video nasties‘ und in Deutschland kam er erst gar nicht in die Kinos. Heute ist er ein Kultfilm.

Inzwischen hat er ungekürzt eine FSK-16-Freigabe erhalten.

Auch nach über vierzig Jahren immer noch ein verstörender, herausfordernder Horrorfilm.

mit Isabelle Adjani, Sam Neill, Margit Carstensen, Heinz Bennent, Johanna Hofer, Shaun Lawton, Leslie Malton

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Possession“

Wikipedia über „Possession“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. Februar: Die Vögel

Februar 21, 2026

Arte, 20.15

Die Vögel (The Birds, USA 1963)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Evan Hunter

LV: Daphne du Maurier: The birds, 1952 (Die Vögel)

In Bodega Bay attackieren Vögel Menschen.

Nicht direkt ein Krimi, aber ein Klassiker.

„‘The Birds’ war ein Avantgarde-Hitchcock, haarsträubend und voll verschlagenem Witz. Der Held krümmt sich, und das Publikum kreischt.“ (Robert A. Harris/Michael S. Lasky: Alfred Hitchcock und seine Filme)

Alfred Hitchcock verwandte von du Mauriers Kurzgeschichte nur den Grundgedanken (rätselhafte Attacken von Vögel auf Menschen). Evan Hunter kennen wir auch als Ed McBain (87. Polizeirevier).

Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die knapp einstündige Doku „Tippi Hedren und die wilden Tiere“ (Deutschland 2021)

Mit Rod Taylor, Tippi Hedren, Jessica Tandy, Suzanne Pleshette, Veronica Cartwright, Ethel Griffies, Charles McGraw, Ruth McDevitt

Wiederholung: Montag, 2. März, 21.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Vögel“

Wikipedia über „Die Vögel“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

zu Alfred Hitchock

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock” (2010)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

zu Daphne du Maurier

Meine Besprechung von Daphne du Mauriers “Der Apfelbaum” (The Appletree, 1952)

zu Ed McBain

Homepage von Ed McBain

Meine ausführliche Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions)

Meine Besprechung von Ed McBains „Die Gosse und das Grab“ (The Gutter and the Grave, 2005, Originalausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)


Neu im Kino/Filmkritik: „Souleymans Geschichte“ oder Zwei Tage aus dem Leben eines Fahrradkuriers und Asylbewerbers

Februar 21, 2026

Sie gehören zum Bild der Großstädte: Fahrradkuriere, die bei Wind und Wetter Essen ausliefern. Souleyman ist einer von ihnen. Er fährt, immer unter Zeitdruck, durch Paris, trifft viele Menschen, teils Bekannte, teils Arbeitskollegen, teils Menschen, die ihm mehr oder weniger eigennützig helfen, und er bereitet sich auf eine Anhörung bei der Asylbehörde vor. Diese Anhörung ist dann auch der Schwachpunkt von Boris Lojkines Drama „Souleymans Geschichte“. Souleyman lässt sich vor der Anhörung von einem anderen Ausländer, der daraus ein Geschäft gemacht hat, beraten. Er empfiehlt allen die gleiche Geschichte, die sie auswendig lernen und bei der Anhörung erzählen sollen. Souleyman kommt, während er die Geschichte auswendig lernt, nie auf den Gedanken, dass die Beamten der Asylbehörde diese auswendig gelernte Geschichte schon hundertmal genauso gehört haben.

Davon abgesehen taucht Lojkine tief in Souleymans Leben ein. Er verfolgt ihn bei der Arbeit, zeigt ihn in seinem Umfeld und in der Asylbewerberunterkunft. Es ist ein Leben ganz unten im Kapitalismus.

Der Rhythmus ist schnell. Ständig unter Zeitdruck hetzt Souleyman von einem Kunden zum nächsten – und versucht dazwischen seine persönlichen Angelegenheiten zu klären. Die Monotonie des immer gleichen in dem Hamsterrad, in dem Souleyman sich befindet, ebenso.

Lojkines Film steht in der Tradition von Ken Loach und des sozialkritischen Kinos. Allerdings verzichtet er auf den bei Loach immer vorhandenen erzählerischen und analytischen Überbau. Wie ein Reporter beobachtet Lojkine Souleyman und zeigt einfach, was an zwei ziemlich normalen Tagen passiert.

Danach wird man die Essensauslieferer mit anderen Augen sehen.

Seine Premiere hatte „Souleymans Geschichte“ 2024 in Cannes in der Reihe Un Certain Regard. Dort erhielt er den Preis der Jury und den Fipresci-Preis. 2025 erhielt „Souleymans Geschichte“ vier Césars für das Drehbuch, den Schnitt, die beste Nebendarstellerin und den besten Nachwuchsdarsteller. Abou Sangeré, der Souleyman spielt, wurde auch in Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet.

Souleymans Geschichte (L’Histoire de Souleymane, Frankreich 2024)

Regie: Boris Lojkine

Drehbuch: Boris Lojkine, Delphine Agut

mit Abou Sangaré, Nina Meurisse, Alpha Oumar Sow, Emmanuel Yovanie, Younoussa Diallo, Ghislain Mahan, Mamadou Barry, Yaya Diallo, Keita Diallo

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

AlloCiné über „Souleymans Geschichte“

Moviepilot über „Souleymans Geschichte“

Metacritic über „Souleymans Geschichte“

Rotten Tomatoes über „Souleymans Geschichte“

Wikipedia über „Souleymans Geschichte“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 21. Februar: Amerikanische Fiktion

Februar 20, 2026

One, 22.00

Amerikanische Fiktion (American Fiction, USA 2023)

Regie: Cord Jefferson

Drehbuch: Cord Jefferson

LV: Percival Everett: Erasure, 2001 (Ausradiert)

Als literarischer Autor ärgert Thelonious „Monk“ Ellison (Jeffrey Wright) sich über den Erfolg von literarisch flachen, eindimensionalen, vor Klischees strotzenden Romanen über die afroamerikanische Community. Unter Pseudonym schreibt er einen Trash-Roman über das angeblich authentische Leben eines armen, ungebildeten Schwarzen – und landet einen Bestseller. Jetzt soll er Interviews über sein Leben als Schwerverbrecher im Ghetto geben.

TV-Premiere, Gelungene Tragikomödie und Satire über den US-amerikanischen Kulturbetrieb und seine identitätspolitischen Volten.

mit Jeffrey Wright, Tracee Ellis Ross, Issa Rae, Sterling K. Brown, John Ortiz, Erika Alexander, Leslie Uggams, Adam Brody

Wiederholung: Donnerstag, 26. Februar, 23.20 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Amerikanische Fiktion“

Wikipedia über „Amerikanische Fiktion“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Wer ist der „Dust Bunny“ unter meinem Bett?

Februar 20, 2026

Aurora (Sophie Sloan) hat Angst vor dem Monster unter ihrem Bett. Und weil sie zehn Jahre alt ist, ist das nicht so ungewöhnlich. Schließlich haben viele Kinder, so heißt es, Angst vor einem sich unter dem Bett versteckendem Monster. Diese Angst wird in zahlreichen Horrorgeschichten gepflegt.

In Auroras Fall existiert dieses Monster allerdings wirklich und – soviel kann verraten werden – es wächst zu wahrlich bedrohlichen Dimensionen an.

Zum Glück ist Aurora nicht auf den Kopf gefallen und sie hat ihren Nachbarn (Mads Mikkelsen) beobachtet, wie er bei einem nächtlichen Ausflug in Chinatown einen Drachen massakrierte. Wenn dieser in 5B wohnende Mann einen Drachen besiegen kann, dürfte er auch das unter ihrem Bett lebende Staubmonster besiegen können.

In dem Moment lebt Aurora bereits allein in der riesigen Mietwohnung. Denn das Monster hat ihre Eltern – es handelte sich um ihre dritte Pflegefamilie – bereits verschlungen.

Zur Bezahlung des Killers klaut Aurora die Kollekte der Kirche. Dieser namenlose Killer, den wir fortan 5B nennen, ist zwar nicht überzeugt von Auroras Monstergeschichte. Er glaubt eher, dass Killer, die ihn umbringen wollten, Auroras Pflegefamilie tötete.

Eine ziemlich schräge Idee hatte Bryan Fuller für sein Spielfilmdebüt, die er mit spürbarer Lust am Überschreiten von Genregrenzen und -konventionen und schrägem schwarzen Humor erzählt. Zu Fullers früheren Werken gehören, als Erfinder, die TV-Serien „Pushing Daisies“ und „Hannibal“ (ebenfalls mit Mads Mikkelsen) und, als Showrunner, „American Gods“ und „Star Trek: Discovery“.

„Dust Bunny“ ist ein dunkles Märchen, das in einer Fantasiewelt irgendwo zwischen Fantasy und Actionthriller spielt. Fuller inszeniert das sehr stilbewusst in Richtung Neo-Noir, aber auch sehr reduziert auf wenige Locations. Fast der gesamte Film spielt in Auroras Wohnung und im davor liegendem Flur des alten Mietshauses. Dass eine solche Reduzierung auf einen Handlungsort nicht unbedingt nachteilig sein muss, haben schon viele Filme gezeigt. So spielte, um nur drei aktuelle sehenswerte Beispiele zu nennen, „Die Stimme von Hind Rajab“ in einer Notrufzentrale, „Send help“ auf einer Insel und „Cold Storage“ in einem Self-Storage-Lagerkomplex.

Bei Fuller geht diese Reduzierung auf einen Handlungsort auch mit einer Reduzierung der Erzählgeschwindigkeit und der Emotionen einher. Der Nachbar, der als Killer seinen Lebensunterhalt verdient haben, muss natürlich seine Gefühle verbergen. Die Killer, die ihn oder Aurora umbringen wollen, ebenso. Gleiches gilt für die Polizisten. Keiner verzieht eine Miene.

Sie belauern sich oder warten regungslos auf das aus dem Fußboden auftauchende Monster.

Die Dialoge tragen zu diesem Eindruck des Stillstands bei. Sie drehen sich in schlechter Quentin-Tarantino- oder Sergio-Leone-Manier im Kreis und sind oft arg redundant. Sie sind nicht cool, sondern pseudo-cool und nervig. Das gilt auch für den Running Gag, dass 5B Auroras Namen fast immer falsch ausspricht.

Die Bilder schwanken zwischen neonbuntem Neo-Noir, der auch in „Blade Runner“ nicht negativ auffallen würde, und den poppigen Farben aus „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Das sieht gut aus. Die Sets sind liebevoll gestaltet, aber halt auch in erster Linie Sets, die als Zeichnung gut aussehen, in einem Film aber nie ihre Künstlichkeit verbergen können.

Die Story selbst ist, mit vielen erzählerischen Auslassungen (so erfahren wir kaum, wer warum Aurora und 5B verfolgen und wer wer ist), „Léon – Der Profi“ meets „Die fabelhafte Welt der Amélie“ irgendwo im Niemandsland zwischen Fantasy und Realismus. Auf dem Papier liest sich das dann interessanter als der Film ist. Viel zu oft ist „Dust Bunny“ eine stilbewusste Übung im Stillstand.

Das gilt auch für die Actionszenen.

Dust Bunny (Dust Bunny, USA 2025)

Regie: Bryan Fuller

Drehbuch: Bryan Fuller

mit Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver, David Dastmalchian, Rebecca Henderson, Sheila Atim

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Dust Bunny“

Metacritic über „Dust Bunny“

Rotten Tomatoes über „Dust Bunny“

Wikipedia über „Dust Bunny“ (deutsch, englisch)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Wenn der Killerpilz aus dem „Cold Storage“ ausbricht

Februar 20, 2026

Teacake (Joe Keery) und Naomi (Georgina Campbell) sind die Nachtschicht in einem abgelegen in der US-amerikanischen Provinz in den Bergen liegendem Self-Storage-Lagerkomplex. Einheimische lagern in den Garageneinheiten ihr Gerümpel. Manchmal wird auch heiße Ware zwischengelagert. Geklaute Fernseher, beispielsweise.

Die Nachtschicht ist die Friedhofsschicht, in der nichts Aufregendes passiert. Außer dass Teacake sich schon seit Tagen überlegt, wie er die gut aussehende Naomi, die einen anderen Teil des riesigen Komplexes überwacht, ansprechen kann. In dieser Nacht will er außerdem eine alte Ausgabe von Jack Finneys „The Body Snatchers“ lesen. Das ist der Plan.

Aber ihn stört ein klopfendes Geräusch. Es kommt aus den nicht benutzten und unzugänglichen Teilen des unterirdischen Gebäudes. Zusammen mit Naomi will er den Grund für das Geräusch herausfinden. Sie reißen eine Wand ein, beginnen die noch nicht erkundete Gänge in dem riesigen Komplex zu erkunden und die Nacht nimmt einen in jeder Beziehung unvorhergesehenen Verlauf.

Denn der Self-Storage-Laden wurde in einer stillgelegten militärischen Anlage errichtet. Weite Teile der Anlage wurden einfach abgesperrt und vergessen. Dazu gehört auch eine unterhalb des Self-Storage-Ladens befindende Mischung aus Labor und Lager. Dort wurde ein extrem gefährlicher, sich extrem schnell verbreitender Pilz-Parasit gelagert und vergessen. In dieser Nacht mutiert dieses Überbleibsel eines Experiments auf der Suche nach Lebewesen durch die Anlage.

Und schon kämpfen die beiden Nobodys gegen ein gesichts- und gefühlloses Monster, das sie und die gesamte Menschheit innerhalb kürzester Zeit vernichten kann.

David Koepp hat sich diese Geschichte ausgedacht. Er schrieb auch die Drehbücher für „Jurassic Park“, „Panic Room“, „Mission: Impossible“, „Spider-Man“, „Premium Rush“ und jüngst „Black Bag“. Aber in diesem Fall schrieb er die Geschichte nicht als Drehbuch, sondern zuerst als Roman. 2019 war „Cold Storage – Es tötet“ (so der deutsche Romantitel) sein überzeugendes Debüt als Thrillerautor. Der Horrorthriller ist ein echter Pageturner, der sich – je nach Perspektive – wie eine grandiose Vorlage für einen Spielfilm oder ein überzeugender Filmroman liest. In jedem Fall liest sich der Thriller wie die verschriftlichte Fassung eines spannenden Horrorfilms, der seine Geschichte mit einer ordentlichen Portion selbstbewussten Humors erzählt. Denn alle wissen, in welcher Geschichte sie sind. Teacake und Naomi wissen, warum sie bestimmte Türen nicht öffnen sollen. Die rettende Kavallerie – ein im Film von Liam Neeson zupackend verkörpertes Ein-Mann-Rettungsteam – kommt immerhin früh genug, um noch einzugreifen. Koepp schrieb auch das Drehbuch, das im Großen und Ganzen der Romangeschichte folgt.

Regisseur Jonny Campbell (u. a. Folgen für die TV-Serien „Dracula“, „Westworld“, „Doctor Who“, „Ashes to Ashes“ und „Spooks“) erzählt diese sich auf einen Handlungsort konzentrierende Mischung aus „Jurassic Park“ und „Panic Room“ (um zwei Koepp-Werke zu nennen) äußerst flott und mit der richtigen Mischung aus Deadpan-Humor, Thrill und Splatter.

Das macht „Cold Storage“ zu einer äußerst vergnüglichen und kurzweiligen Angelegenheit für die Fans eines sich gleichzeitig nicht allzu ernst nehmenden und selbstbewussten B-Horrorthrillers, der einfach nur in neunzig Minuten eine spannende Geschichte erzählen will.

Cold Storage (Cold Storage, Großbritannien 2026)

Regie: Jonny Campbell

Drehbuch: David Koepp

LV: David Koepp: Cold Storage, 2019 (Cold Storage – Es tötet)

mit Joe Kerry, Georgina Campbell, Liam Neeson, Vanessa Redgrave, Sosie Bacon, Lesley Manville, Aaron Heffernan, Ellora Torchia, Gavin Spokes

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die lesenswerte Vorlage (aktuell nur als E-Book erhältlich)

David Koepp: Cold Storage – Es tötet

(übersetzt von Oliver Hoffmann)

HarperCollins, 2019

336 Seiten

4,99 Euro (E-Book)

Originalausgabe

Cold Storage

Ecco/HarperCollins Publishers, 2019

Hinweise

Moviepilot über „Cold Storage“

Metacritic über „Cold Storage“

Rotten Tomatoes über „Cold Storage“

Wikipedia über „Cold Storage“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jonny Campbell/Damon Thomas/Paul McGuigans „Dracula“ (Dracula, Großbritannien 2020 – TV-Serie nach einem Buch von Mark Gatiss und Steven Moffat)

Meine Besprechung von David Koepps „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (Mortdecai, USA 2015)

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


TV-Tipp für den 20. Februar: Das unsichtbare Mädchen

Februar 19, 2026

Arte, 20.15

Das unsichtbare Mädchen (Deutschland 2011)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung

Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklich der richtige Mann verurteilt wurde.

Gewohnt guter Krimi von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung. Sie recherchierte für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy Knobloch. Diese Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.

mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann

Hinweise

Tagesspiegel, Spiegel Online über “Das unsichtbare Mädchen”

Wikipedia über “Das unsichtbare Mädchen”

zu Dominik Graf

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“ (2009)

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“ (2010)

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“ (2010)

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf” (2012)

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2014)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021)

Meine Besprechung von Domink Graf/Felix von Boehms (Co-Regie) „Jeder schreibt für sich allein“ (Deutschland 2023)

Dominik Graf in der Kriminalakte

zu Friedrich Ani

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und das heimliche Leben” (2012)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und die Stimme der Angst“ (2013, neuer Titel von „Verzeihen“)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „M – Ein Tabor-Süden-Roman“ (2013)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der namenlose Tag“ (2015)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der einsame Engel“ (2016)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der Narr und seine Maschine“ (2018)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Dead of Winter – Eisige Stille“, tödliche Schüsse und eine Entführung

Februar 19, 2026

Heute will die in Minnesota lebende Barb (Emma Thompson im Actionheldinnenmodus) den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes erfüllen. Sie fährt zu einem einsamen, im Norden des Landes gelegenem See. Beide verbinden mit Lake Hilda Erinnerungen an glückliche Stunden. Der Höhepunkt des Tagesausflugs wird das Verstreuen der Asche ihres Mannes sein. Ihre Trauerarbeit wird unterbrochen, als sie in der winterlichen Einsamkeit eine junge Frau entdeckt, die offensichtlich entführt wurde. Barb will sie retten – und nun beginnt ein Abenteuer, das als im Schnee spielender Thriller spannend unterhält. Bis man beginnt, über die Story nachzudenken und sich fragt, warum nicht wenigstens die gröbsten Logiklöcher behoben wurden.

So spielt die Geschichte im Schnee in einer menschenleeren Gegend. Aber es scheint überhaupt keinerlei verräterische Spuren im Schnee zu geben. Egal wie oft die vier Menschen durch den Schnee stampfen, sie hinterlassen keine Spuren.

Die ziemlich durchgeknallte Entführerin ist eine begnadete Scharfschützin. Wenn es passt.

Denn Barb kann im hellen Licht des Tages und ohne irgendeinen Schutz vor neugierigen Blicken eine auf dem vereisten See stehende Hütte zu einer Todesfalle umbauen. Auch der damit verbundene Lärm lockt die Bösewichter – ein Paar, das aus der schon erwähnen skrupellosen Scharfschützin und ihrem leicht depperten Mann besteht – nicht an. Weil Regisseur Brian Kirk („21 Bridges“, „Game of Thrones“) nicht zeigt, wie Barb die Falle errichtet, sorgt ihr Zuschnappen im Film für einen vollkommen unglaubwürdigen Überraschungsmoment.

Ein weiterer Schwachpunkt ist das Motiv der Entführer. Es wird erst am Filmende enthüllt. Es ist durchaus nachvollziehbar, aber die Entführer wählen die umständlichste und ungeschickteste Methode, um an ihr Ziel zu gelangen. Sogar die dusseligen Bösewichter der Coen-Brüder machen bessere Pläne. 

Dead of Winter – Eisige Stille (Dead of Winter, USA/Deutschland/Kanada 2025)

Regie: Brian Kirk

Drehbuch: Nicholas Jacobson-Larson, Dalton Leeb

mit Emma Thompson, Gaia Wise, Judy Greer, Laurel Marsden, Marc Menchaca, Cúán Hosty-Blaney

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Dead of Winter“

Moviepilot über „Dead of Winter“

Metacritic über „Dead of Winter“

Rotten Tomatoes über „Dead of Winter“

Wikipedia über „Dead of Winter“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brian Kirks „21 Bridges“ (21 Bridges, USA 2019)


TV-Tipp für den 19. Februar: Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush

Februar 18, 2026

RBB, 20.15

Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (Deutschland/Frankreich 2022)

Regie: Andreas Dresen

Drehbuch: Laila Stieler

Wenige Wochen nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 wird in Pakistan der neunzehnjährige Murat Kurnat verhaftet und nach Guantanamo gebracht. Die Presse nennt ihn „Bremer Taliban“.

Seine Mutter Rabiye Kurnaz will ihren Jungen aus der Gefangenschaft befreien. Zusammen mit dem Menschenrechtsanwalt Bernhard Docke setzt sie Himmel und Hölle in Bewegung.

Sehr gelungenes, unterhaltsames, nah an den Fakten entlang erzähltes Drama, mit einer ordentlichen Portion Humor.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Meltem Kaptan, Alexander Scheer, Charly Hübner, Nazmi Kirik, Sevda Polat, Abdullah Emre Öztürk

Wiederholung: Samstag, 21. Februar, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Moviepilot über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Rotten Tomatoes über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Wikipedia über „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Als wir träumten“ (Deutschland/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Andreas Dresens James-Krüss-Verfilmung „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ (Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Andres Dresens „Gundermann“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Andreas Dresens „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ (Deutschland/Frankreich 2022)

Meine Besprechung von Andres Dresens „In Liebe, eure Hilde“ (Deutschland 2024)


„The Final Score“ – sechs neue Kurzgeschichten von Don Winslow

Februar 18, 2026

Ist das ein Ruf aus dem Ruhestand? Hat er beim Aufräumen des Schreibtischs eine ältere Texte gefunden? War es eine Freizeitbeschäftigung, weil das Wetter gerade schlecht war? Oder sind die in „The Final Score“ gesammelten sechs Kurzgeschichten vielleicht doch Aufwärmarbeiten vor dem nächsten Roman?

Im Gegensatz zu Stephen King, der neben seinen Romanen fast ohne Unterbrechung auch Kurzgeschichten veröffentlicht, oder Lawrence Block, der sogar mehrere Kurzgeschichten-Serien schrieb, ist Don Winslow kein ausgewiesener Kurzgeschichten-Autor. Er ist seit Jahrzehnten ein produktiver Romanautor. Erst mit „Crime 101“ (ursprünglich 2020 als „Broken“ veröffentlicht) veröffentlichte er ein Buch mit Kurzgeschichten.

Und jetzt, als erstes Werk in seiner als Ruhestand angekündigten Lebensphase, „The Final Score“. Es enthält sechs Kurzgeschichte. Die meisten sind so um die vierzig Seiten. Die umfangreichste hat hundert Seiten. Und nicht alle sind im engeren Sinn Kriminalgeschichten. In „Die Sonntagsliste“ erzählt Don Winslow, wie Nick McKenna 1970 jeden Sonntag auf Rhode Island Alkohol ausliefert. Sicher, das ist nicht legal, aber bei weitem nicht so illegal wie die Beförderung von Schnaps während der Prohibition. Nick will so das Geld für die Universität verdienen. „Die Sonntagsliste“ ist vor allem ein schönes kleines Porträt einer verschlafenen, vom Tourismus lebenden Seestadt in den frühen siebziger Jahren.

True Story“ ist ein einziger langer Dialog. In einem Diner haben zwei Männer eines dieser Gespräche, in denen sie vom Stock zum Stöckchen kommen. Sie sprechen über verschiedene Ereignisse, die teilweise etwas mit dem örtlichen Organisierten Verbrechen zu tun haben, teilweise wohl eher nicht. Dieser mäandernde Endlos-Dialog ist die schwächste Geschichte des Buches. Eigentlich ist sie nur eine Schreibübung.

Lunch Break“ mit Surfer und Privatdetektiv Boone Daniels (bekannt aus „Pacific Private“ und „Pacific Paradise“) ist bestenfalls eine halbe Kriminalgeschichte. Daniels und seine Freunde sollen einen Hollywood-Star beschützen und für den problemlosen Ablauf der Dreharbeiten garantieren. Brittany McVeigh ist eine verwöhnte, Drogen konsumierende Nervensäge.

Auch „Der Nordflügel“ ist nicht unbedingt eine Kriminalgeschichte. Nachdem Chrissy Pritchett betrunken eine Frau überfährt, wird er zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Sein Cousin Doug, ein aufstrebender Streifenpolizist, versucht Chrissy einen Platz in dem Teil des Gefängnisses zu verschaffen, den er überleben kann.

The Final Score“ und „Kollisionen“ sind dann eindeutig Kriminalgeschichten.

In „The Final Score“ plant Profiräuber John Highland, bevor er eine lebenslange Haftstrafe absitzen muss, noch seinen letzten großen, eigentlich unmöglichen Coup. Er will ein einsam gelegenes Casino ausrauben.

Kollisionen“ ist mit hundert Seiten die mit Abstand längste Geschichte des Buches. In ihr gerät Brad McAlister, glücklich verheirateter Hotelmanager und Vater eines kleinen Jungen, in einen Streit. Er schlägt einen anderen Mann. Der stürzt unglücklich. Brad wird zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt. Im Gefängnis ergreift er die notwendigen Maßnahmen, um zu überleben. Auch wenn er dafür zum Mörder werden soll.

Auch wenn nicht jede Kurzgeschichte in „The Final Score“ eine lupenreine Kriminalgeschichte ist, ist jede Geschichte ein Lesevergnügen für alte und neue Don-Winslow-Fans.

Ob der Sammelband die Ouvertüre für weitere von Don Winslow geschriebene Thriller oder nur eine einmalige Rückkehr aus dem Ruhestand ist, ist unklar. Ebenso unklar ist, ob die vielen Pläne von Verfilmungen seiner Werke zu Verfilmungen führen werden.

Don Winslow: The Final Score

(übersetzt von Conny Lösch, mit einem Vorwort von Reed Farrel Coleman)

HarperCollins, 2026

336 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

The Final Score

William Morrow, 2026

Hinweise

Homepage von Don Winslow

Wikipedia über Don Winslow (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Don Winslows “London Undercover – Neal Careys erster Fall” (A cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Don Winslows “China Girl – Neal Careys zweiter Fall” (The Trail to Buddha’s Mirror, 1992)

Meine Besprechung von Don Winslows „Way Down on the High Lonely – Neal Careys dritter Fall“ (neue Übersetzung von „Das Schlangenmaul“; Way Down on the High Lonely, 1993)

Meine Besprechung von Don Winslows „A long Walk up the Water Slide – Neal Careys vierter Fall“ (A long Walk up the Water Slide, 1994)

Meine Besprechung von Don Winslows „Palm Desert – Neal Careys fünfter Fall“ (While Drowning in the Desert, 1996)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Die Sprache des Feuers“ (California Fire & Life, 1999)

Meine Besprechung von Don Winslows „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, 2014 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Missing. New York“ (Missing. New York, 2014 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Das Kartell“ (The Cartel, 2015)

Meine Besprechung von Don Winslows „Germany“ (Germany, 2016 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Broken – Sechs Geschichten“ (Broken, 2020) und mein Hinweis auf die Verfilmung

Meine Besprechung von Don Winslows „City of Dreams“ (City of Dreams, 2023)

Meine Besprechung von Don Winslows „City in Ruins“ (City in Ruins, 2024)

Mein Hinweis auf Don Winslows „London Undercover – Neal Careys erster Fall“ (A Cool Breeze on the Underground, 1991)

Mein Hinweis auf Don Winslows „Jahre des Jägers“ (The Border, 2019)

Mein Hinweis auf Don Winslows Lesereise zu „City on Fire“ (City on Fire, 2022) – und ein Bild von der Lesung

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Meine Besprechung von Bart Laytons Don-Winslow-Verfilmung „Crime 101“ (Crime 101, USA 2026)

Don Winslow in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 18. Februar: Das Lehrerzimmer

Februar 17, 2026

Arte, 20.15

Das Lehrerzimmer (Deutschland 2023)

Regie: İlker Çatak

Drehbuch: İlker Çatak, Johannes Duncker

TV-Premiere. Eine junge engagierte Lehrerin auf Kollisionskurs mit Kollegen, Schülern und Eltern.

Intensives, mit vielen Preisen ausgezeichnetes und für den Auslandsoscar nominiertes Drama, in dem die Schule zum Terrorhaus wird.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Sein neuer Film „Gelbe Briefe“ feierte seine Premiere auf der Berlinale im Wettbewerb. Im Kino startet er am 5. März.

mit Leonie Benesch, Michael Klammer, Rafael Stachowiak, Eva Löbau

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Lehrerzimmer“

Moviepilot über „Das Lehrerzimmer“

Rotten Tomatoes über „Das Lehrerzimmer“

Wikipedia über „Das Lehrerzimmer“

Berlinale über „Das Lehrerzimmer“

Meine Besprechung von İlker Çataks „Das Lehrerzimmer“ (Deutschland 2023)


Cover der Woche

Februar 17, 2026

Ross Thomas (19. Februar 1926, Oklahoma City – 18. Dezember 1995, Santa Monica, Kalifornien)

Sein fulminanter, mit dem Edgar ausgezeichneter Debütroman.

Der Rest ist Kriminalgeschichte – und kann inzwischen beim Alexander Verlag vollständig in neuen und vollständigen Übersetzungen nachgelesen werden.

Hinweise

Alexander Verlag über Ross Thomas

Wikipedia über Ross Thomas (deutsch, englisch)

Alligatorpapiere: Gerd Schäfer über Ross Thomas (Reprint “Merkur”, November 2007)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Gottes vergessene Stadt” (The Fourth Durango, 1989)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Kälter als der Kalte Krieg“ (Der Einweg-Mensch, The Cold War Swap, 1966)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Teufels Küche“ (Missionary Stew, 1983)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Am Rand der Welt“ (Out on the Rim, 1986)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Voodoo, Ltd.“ (Voodoo, Ltd., 1992)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ “Der Yellow-Dog-Kontrakt” (Yellow Dog Contract, 1976)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Gelbe Schatten“ (Cast a Yellow Shadow, 1967)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Der achte Zwerg“ (The Eight Dwarf, 1979)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Die Backup-Männer“ (The Backup Men, 1971)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Dämmerung in Mac’s Place“ (Twilight at Mac’s Place, 1990)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Die Narren sind auf unserer Seite“ (The Fools in Town are on our side, 1970; Deutsche Erstausgabe: Unsere Stadt muss sauber werden, 1972)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Zu hoch gepokert – Ein Philip-St.-Ives-Fall“ (The Highbinders, 1973; Deutsche Erstausgabe: Ein scharfes Baby, 1974)

Kleine Ross-Thomas-Covergalerie in der Kriminalakte

 


Neu übersetzt: Raymond Chandlers Philip-Marlowe-Roman „Lebwohl, mein Liebling“

Februar 17, 2026

Solche Bücher werden heute nicht mehr geschrieben.“ ist ein oft benutzter dummer Spruch. Und trotzdem stellt sich beim wiederholten Lesen von Raymond Chandlers zweitem Philip-Marlowe-Roman, der jetzt in einer neuen Übersetzung von Melanie Walz bei Diogenes erschien, genau dieses Gefühl ein. Oder wann habt ihr zum letzten Mal in einem neueren Roman solche Sätze gelesen?

Er war sehr groß, nicht größer als zwei Meter, nicht breiter als ein Bierlaster.“

Selbst auf der Central Avenue, nicht für unscheinbare Kleidung bekannt, sah er so diskret aus wie eine Tarantel auf einem Babykuchen.“

Eine Hand, in der ich hätte sitzen können, fuhr aus dem Halbdunkel, packte meine Schulter und zerquetschte sie zu Brei. Dann zerrte die Hand mich durch die Tür und hob mich wie ein Spielzeug auf die erste Stufe.“

Und das sind nur einige willkürlich ausgewählte Sätze aus den ersten drei Seiten eines über dreihundertseitigen Kriminalromans.

Diese metaphernreiche Spache, die Chandler oft vorgeworfen und bis weit über den Exzess parodiert wurde, ist heute verschwunden zugunsten von oft nur kryptischen Beschreibungen. Wie die Gegend und die Personen aussehen, wie der Erzähler sie empfindet, kann sich der Leser mehr oder weniger selbst zusammenreimen. Oder auf eine Verfilmung hoffen, die die Bilder zu den Sätzen liefert.

Da sind diese farbenreichen Beschreibungen und Vergleiche eine Wohltat. Schnell entsteht ein Bild von Moose Malloy, einem nach acht Jahren frisch aus dem Gefängnis entlassenem Bankräuber, der seine große, spurlos verschwundene Liebe Velma sucht, und der Bar, die er gerade zerstört. Er bringt auch den Geschäftsführer des Lokals um und verschwindet spurlos. Jedenfalls soweit das für so einen Riesen möglich ist.

Marlowe, der gerade nichts zu tun hat, beginnt in seiner Stadt Los Angeles das Riesenbaby Malloy und die schon vor Jahren verschwundene Velma zu suchen. Kurz darauf ist er mitten in einem – jedenfalls für uns Leser – wundervollem Schlamassel.

Lebwohl, mein Liebling“ wurde zweimal gut verfilmt. 1942 erfolgte im Rahmen der „The Falcon“-Filmserie als „The Falcon Takes Over“ eine erste Verfilmung des Romans, die den Plot in ein anderes fiktionales Universum übertrug. Die erste richtige Verfilmung von „Lebwohl, mein Liebling“ ist auch die erste Verfilmung eines Chandler-Romans in der Philip Marlowe als Philip Marlowe auftrat. Edward Dmytryks „Murder, my Sweet“ war an der Kinokasse erfolgreich, wurde mit den Edgar ausgezeichnet, Raymond Chandler war mit dem Hauptdarsteller Dick Powell als Marlowe zufrieden und, während der Noir in den USA ziemlich bekannt ist, ist er hier fast unbekannt. Die deutsche Premiere war 1972 im Fernsehen. 1988 folgte sogar eine Kinoauswertung.

Die zweite Verfilmung war 1976 von Dick Richards mit Robert Mitchum als Marlowe. „Fahr zur Hölle, Liebling“ gefiel den Fans und lief bis vor einigen Jahren öfter im Fernsehen.

Aktuell scheinen beide Filme nur auf DVD/Blu-ray erhältlich zu sein.

Der immer noch absolut lesenswerte Roman ist dagegen, vorzüglich neu übersetzt und mit einem extra für diese Ausgabe geschriebenem Nachwort, gut erhältlich.

They remain great works of American literature, as readable and enjoyable as when the were first published.“ (Nick Rennison, Hrsg: Bloomsbury Good Reading Guide to Crime Fiction, 2003)

Raymond Chandler: Lebwohl, mein Liebling

(übersetzt von Melanie Walz)

(mit einem Nachwort von Paul Ingendaay)

Diogenes, 2026

368 Seiten

26 Euro

Originalausgabe

Farewell, my Lovely

Alfred A. Knopf, New York, 1940

Erste vollständige Übersetzung

Lebwohl, mein Liebling

(übersetzt von Wulf Teichmann)

Diogenes, 1976

Die guten Verfilmungen

Leb wohl, Liebling (Murder, my Sweet, USA 1944)

Regie: Edward Dymtryk

Drehbuch: John Paxton

LV: Raymond Chandler: Farewell, my lovely, 1940 (Lebewohl, mein Liebling/Betrogen und gesühnt/Lebwohl, mein Liebling)

mit Dick Powell, Claire Trevor, Anne Shirley, Otto Kruger

Alternativtitel sind in Deutschland „Murder, my Sweet“ und „Mord, mein Liebling“

Fahr zur Hölle, Liebling (Farewell, My Lovely, USA 1975)

Regie: Dick Richards

Drehbuch: David Zelag Goodman

LV: Raymond Chandler: Farewell, my lovely, 1940 (Lebewohl, mein Liebling/Betrogen und gesühnt/Lebwohl, mein Liebling)

mit Robert Mitchum, Charlotte Rampling, John Ireland, Harry Dean Stanton, Anthony Zerbe, Sylvester Stallone, Jim Thompson

Hinweise

Wikipedia über „Lebwohl, mein Liebling“ (deutsch, englisch), Philip Marlowe (deutsch, englisch) und Raymond Chandler (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Philip Marlowe

Thrilling Detective über Raymond Chandler

Krimi-Couch über Raymond Chandler

Mordlust über Raymond Chandler

Mein Hinweis auf Raymond Chandlers „Das hohe Fenster“ (The High Window, 1942)

Meine Besprechung von Raymond Chandlers „Die Lady im See“ (The Lady in the Lake, 1943)


TV-Tip für den 17. Februar: Spy – Susan Cooper undercover

Februar 16, 2026

Kabel Eins, 20.15

Spy – Susan Cooper Undercover (Spy, USA 2015)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Paul Feig

Die Waffenhändlerin Rayna Boyanov (Rose Byrne) will eine Mini-Atombombe verkaufen. Und weil sie die Identitäten von allen CIA-Feldagenten kennt, kann nur Susan Cooper (Melissa McCarthy) das Geschäft verhindern. Denn bislang ist die CIA-Agentin, die noch keinen einzigen Außeneinsatz hinter sich hat, ein unbeschriebenes Blatt. Mit einer falschen Identität nähert sie sich in Paris Boyanov, die dort gerade die Atombombe verkaufen will.

Köstliche Agentenfilm-Parodie und Liebeserklärung an die James-Bond-Filme.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Melissa McCarthy, Jason Statham, Jude Law, Rose Byrne, Miranda Hart, Bobby Cannavale, Allison Janney, Peter Serafinowicz, Morena Baccarin, 50 Cent, Ben Falcone

Wiederholung: Mittwoch, 18. Februar, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Spy“

Metacritic über „Spy“

Rotten Tomatoes über „Spy“

Wikipedia über „Spy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Ghostbusters“ (Ghostbuster, USA 2016)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Nur ein kleiner Gefallen“ (A simple Favor, USA 2018) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Feigs „Last Christmas“ (Last Christmas, Großbritannien 2019)

Meine Besprechung von Paul Feigs „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ (The Housemaid, USA 2025)

 


Die Krimibestenliste Februar 2026

Februar 16, 2026

Närrischer Schnee vor der Haustür, gepflegte Morde für die Couch gibt es in der monatlichen Krimibestenliste, präsentiert von Deutschlandfunk Kultur.

Besonders lesenswert sind danach folgende zehn Kriminalromane:

1 (7) Jo Nesbø: Minnesota

Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob

Ullstein, 407 Seiten, 24,99 Euro

2 (–) Robert Brack: Die nackte Haut

Edition Nautlius, 216 Seiten, 18 Euro

3 (–) Josh Winning: Verbrenn das Negativ

Aus dem Englischen von Stefan Lux

Suhrkamp, 374 Seiten, 18 Euro

4 (–) Henry Wise: Holy City

Aus dem Englischen von Karen Witthuhn

Polar, 340 Seiten, 26 Euro

5 (1) Pascal Garnier: Die Eskimo-Lösung

Aus dem Französischen von Felix Mayer

Septime, 140 Seiten, 20 Euro

6 (–) Louise Penny: Der schwarze Wolf:

Aus dem Englischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck

Kampa, 512 Seiten, 24,90 Euro

7 (4) Eliza Clark: Penance

Aus dem Englischen von Simona Turini

Festa, 492 Seiten, 24,99 Euro

8 (3) Robert Jackson Bennett: The Tainted Cup

Aus dem Englischen von Jakob und Karla Schmidt

Adrian Wimmelbuchverlag, 416 Seiten, 16,95 Euro

9 (–) Jonny Sweet: Der Kellerby-Code

Aus dem Englischen von Andrea Stumpf

Suhrkamp, 365 Seiten, 18 Euro

10 (5) Martin von Arndt: Der Wortschatz des Todes

Ars vivendi, 288 Seiten, 18 Euro

In ( ) ist die Platzierung von Vormonat

Henry Wise wird die Tage besprochen. Ich fand den Edgar-Preisträger eher durchwachsen. Gut gefallen hat mir Don Winslows „The Final Score“, eine Sammlung von sechs brandneuen Kurzgeschichten, was wohl ein No Go für die Liste ist.

Ansonsten: auf der Liste stehen sechs Übersetzungen aus dem Englischen, eine aus dem Norwegischen, eine aus dem Französischem und zwei Bücher mussten nicht übersetzt werden.

Wenn ich mich nicht verzählt oder ein Pseudonym übersehen habe, wurden acht Krimis von Männern und zwei von Frauen geschrieben.

Ein Roman hat unter zweihundert, einer über fünfhundert Seiten.


TV-Tipp für den 16. Februar: Zwei Freundinnen

Februar 15, 2026

Arte, 20.15

Zwei Freundinnen (Les Biches, Frankreich/Italien 1968)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Paul Gégauff, Claude Chabrol

In Paris trifft die reiche Müßiggängerin Frédérique (Stéphane Audran) auf die Pflastermalerin Why (Jacqueline Sassard). Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine erotische Liaison. Als der Heterosexuelle Paul (Jean-Louis Trintignant) auf Frédériques Landsitz auftaucht, entsteht eine instabile Dreiecksbeziehung.

Extrem selten gezeigter Chabrol-Klassiker (was inzwischen auf ungefähr alle seine Filme zutrifft: sie werden inzwischen nur noch alle Jubeljahre gezeigt) – und Teil einer kleinen Chabrol-Retrospektive in der Arte-Mediathek.

mit Stéphane Audran, Jacqueline Sassard, Jean-Louis Trintignant, Henri Attal, Dominique Zardi, Nane Germon, Serge Bento, Claude Chabrol (als Regisseur)

Wiederholung: Mittwoch, 18. Februar, 15.40 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Zwei Freundinnen“

Rotten Tomatoes über „Zwei Freundinnen“

Wikipedia über „Zwei Freundinnen“ (deutsch, englisch, französisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. Februar: Lawrence von Arabien

Februar 14, 2026

3sat, 20.15

Lawrence von Arabien (Lawrence of Arabia, Großbritannien 1962)

Regie: David Lean

Drehbuch: Robert Bolt, Michael Wilson (ursprünglich ungenannt, 1978 von der WGA wieder hergestellt)

Klassiker. 210-minütiger Monumentalfilm über den britischen Offizier T. E. Lawrence, der während des Ersten Weltkriegs die arabischen Stämme im Kampf gegen die Türkei eint und anführt.

„kein Geschichtsbild, vielmehr eine höchst subjektive Zusammenfassung der historischen Ereignisse“ (Lexikon des internationalen Films)

Dem Erfolg bei der Kritik und an der Kasse tat das keinen Abbruch.

Maurice Jarre schrieb die Musik.

mit Peter O’Toole, Alec Guinness, Anthony Quinn, Jack Hawkins, Omar Sharif, José Ferrer, Anthony Quayle, Claude Rains, Arthur Kennedy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lawrence von Arabien“

Wikipedia über „Lawrence von Arabien“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Once upon a time in Gaza“, als drei Männer sich trafen

Februar 14, 2026

Gaza, 2007: Osama, Inhaber eines Falafel-Geschäfts und Drogenhändler, Yahya, ein bei ihm angestellter Student, und Abou Sami, ein korrupter Polizist, treffen aufeinander und eine eher zufällige Abfolge von Ereignissen entwickelt sich, die zu Osamas Tod, weiteren Toten und der Mitarbeit Yahyas in einem patriotischem, palästinensischem No-Budget-Actionfilm als Hauptdarsteller führen. Anfangs lassen einige atmosphärische Nachtaufnahmen auf einen Noir-Gangsterfilm hoffen.

Diese Hoffnungen erfüllen sich nicht. Formal zerfällt das von den Zwillingsbrüdern Tarzan und Arab Nasser unglaublich dröge erzählte Drama „Once upon a time in Gaza“ in zwei fast vollständig voneinander unabhängige Kurzfilme mit viel Füllmaterial und noch mehr verpassten Gelegenheiten.

Once upon a time in Gaza (Once upon a time in Gaza, Frankreich/Palästina/Deutschland/Portugal/Katar/Jordanien 2025)

Regie: Tarzan Nasser, Arab Nasser

Drehbuch: Tarzan Nasser, Arab Nasser, Amer Nasser, Marie Legrand

mit Nader Abd Alhay, Ramzi Maqdisi, Majd Eid

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Once upon a time in Gaza“

Moviepilot über „Once upon a time in Gaza“

Rotten Tomatoes über „Once upon a time in Gaza“

Wikipedia über „Once upon a time in Gaza“


Neu im Kino/Filmkritik: Über Sönke Wortmanns Jan-Weiler-Verfilmung „Die Ältern“

Februar 14, 2026

Irgendwann…also, nein, die anderen werden natürlich älter, aber man selbst fühlt sich immer noch so jung wie damals. Auch wenn die 21-jährige Tochter jetzt ausziehen will. Und die Ehefrau gleich mit. Hannes Wenger (Sebastian Bezzel), Bestsellerautor, der anscheinend sein Debüt mit abnehmendem Verkaufserfolg immer wieder recycled (Er sollte mal Herrn Fitzek fragen, wie man es anders macht.) ist schockiert. Er hat sich doch, wenn er nicht gerade am Schreibtisch Geschichten erfand, liebevoll um seine Familie gekümmert und in der großen Vorstadtvilla alle umsorgt. Jetzt sitzt er mit seinem Sohn Nick in einer unfreiwilligen Männer-WG.

Diese unfreiwillige WG-Gründung und die sich daraus ergebenden Probleme sind nicht der Beginn eines „Hangover“-ähnlichen Klamauks, sondern ein erstaunlich feinsinniger Film über Beständigkeit, Veränderungen und sanfte Neubeginne.

Die Vorlage für Sönke Wortmanns neue Komödie stammt von Jan Weiler. „Die Ältern“ ist der vierte Band seiner erfolgreichen, teils bereits verfilmten Pubertier-Reihe, in der er die Erlebnisse der Familie Wenger schildert, vor allem wie die Kinder erwachsen werden. Inzwischen steht der Auszug der Kinder auf der Agenda.

Wortmann schildert Hannes Kampf um Beständigkeit in einer sich verändernden Welt wird humorvoll im Heinz-Erhardt-Stil. Dieser zum zustimmenden Schmunzeln anregende, niemanden verletztenden, leicht selbstironische Humor wahrt immer ein bestimmtes Niveau. Die Geschichte, die die einzelnen Erlebnisse von Hannes auf seinem Weg zur Selbsterkenntnis strukturiert, stößt seine Figuren niemals in existentielle Krisen. Sie geht auch niemals sonderlich in die Tiefe, aber sie ist durchaus geeignet, auch über das eigene wohl situierte Leben und notwendige und nicht notwendige Veränderungen nachzudenken. Also, so Veränderungen, wie einmal ein anderes Restaurant auzuprobieren oder die nächsten Ferien an einem anderen Ort zu verbringen. Oder den Schreibtisch umzuräumen.

Die Ältern (Deutschland 2026)

Regie: Sönke Wortmann

Drehbuch: Jan Weiler, Robert Gold

LV: Jan Weiler: Die Ältern, 2020

mit Sebastian Bezzel, Anna Schudt, Kya-Celina Barucki, Philip Müller, Judith Bohle, Thomas Loibl, Nilma Farooq

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Ältern“

Moviepilot über „Die Ältern“

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Frau Müller muss weg“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Der Vorname“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Sönke Wortmanns „Eingeschlossene Gesellschaft“ (Deutschland 2022)

Meine Besprechung von Sönko Wortmanns „Der Nachname“ (Deutschland 2022)