Rechtsruck im Silicon Valley: Warum die kalifornischen Tech-Eliten Trump unterstützen (Deutschland 2026)
Regie: Cornelius Janzen
Drehbuch: Cornelius Janzen
TV-Premiere. Vierzigminütiger Dokumentarfilm über den aktuellen Geisteszustand der Silicon-Valley-Tech-Elite und die historischen Wurzeln des dortigen Rechtsruck, der die Demokratie hochgradig gefährdet.
Kochrezepte. Und zwar nicht nur von der komplizierten Art, sondern einfache Rezepte, die die Hausfrau schnell kochen kann mit den Zutaten die gerade in der Küche sind und die der Familie schmecken, gab es nicht schon immer in Reklame-, Frauen- und Kochzeitschriften.
In der Schweiz begann dies 1956 mit Betty Bossi. Sie wurde schnell populär und das Gesicht der Zeitschrift, die ganz banal „Betty Bossi Post“ hieß und aus einer Mischung aus Kochrezepten und Ratschlägen bestand.
Dabei gab es Betty Bossi nicht. Sie wurde von der Werbetexterin Emmi Creola (Sarah Spale) erfunden für die Firma Astra, die den Verkauf von Margarine und Erdnussöl ankurbeln wollte. Die einfachen Rezepte der patenten Schweizer Hausfrau kamen gut an. Später trat sie in der Öffentlichkeit als Betty Bossi auf. Und kümmerte sich neben ihrer immer mehr Zeit in Anspruch nehmenden Arbeit auch um ihre Kinder und ihren Ehemann. Noch später wurden ihre Leistungen als ‚Köchin und Hausfrau der Nation‘ umfassend gewürdigt. In dem Moment war Betty Bossi schon ein Markenzeichen und ein großes, heute immer noch bestehendes Unternehmen.
Die am 3. September 1912 geborene Betty-Bossi-Erfinderin Emmi Creola-Maag starb am 2. Oktober 2006.
Auch „Platzspitzbaby“-Regisseur Pierre Monnard lernte mit Betty Bossis einfachen und, was der wichtigste Punkt war, immer gelingenden Rezepten Kochen.
Jetzt erzählt er in „Hallo Betty“ sehr warmherzig und mit mild pointiertem Humor die Anfänge von Betty Bossis Geschichte mit einer ordentlichen Portion Fünfziger-Jahre-Retro-Charme. Er spricht auch die mangelnde Gleichberechtigung, vor allem bei der Arbeit das herablassende Verhalten der Männer gegenüber Frauen, die schlechte Behandlung der aus Italien kommenden Arbeiter und die sich dagegen formierende Solidarisierung der Frauen an. Denn Betty Bossis Geschichte ist auch die Geschichte der Emanzipation von Emmi Creola, einer bei uns in Deutschland fast unbekannten Frau. Während sie sich nach der Zubereitung von Tiramisu erkundigt, gab es in Deutschland Toast Hawaii.
Hallo Betty(Schweiz 2026)
Regie: Pierre Monnard
Drehbuch: André Küttel
mit Sarah Spale, Martin Vischer, Rabea Egg, Viviana Zappa, Cyril Metzger, Ueli Jäggi, Morgane Ferru, Magdalena Neuhaus, Esther Gemsch, Thomas Douglas, Leonardo Nigro, Pablo Caprez, Dominique Müller
In Cannes erhielt Bi Gans Science-Fiction-Film „Resurrection“ den Spezialpreis der Jury. Er erzählt von einer Zukunft, in der Menschen ewig Leben. Dafür haben sie aufgehört zu Träumen. Ein Namenloser macht sich mit dem Ziel, Träume vor dem Vergessen zu bewahren, auf eine Reise durch Raum und Zeit und fantastische Welten.
Für Bi Gan ist das eine Gelegenheit, viele dieser Träume zu zeigen. Sie ahmen dabei verschiedene Filmstile und Genres nach.
Es beginnt, wunderschön verspielt, mit dem Stummfilm, dem Expressionismus und dem magischen Realismus. Realität, also Filmrealität, Fantasie und Traum sind, höchst verspielt, untrennbar miteinander verbunden. Weiter geht es mit einem Noir-Traum, einer Samurai-Geschichte, einer Coming-of-Age-Vater-Tochter-Geschichte, einem Vampir- und Jugenddrama. Immer wieder verknüpft Bi Gan dabei verschiedene Stile und Genres. Immer wieder erinnern die Träume an frühere Filme und bekannte Figuren und Figurenkonstellationen.
Dieses Spiel mit den Genres ist mal mehr, mal weniger befriedigend. Vor allem das anfängliche Spiel aus der Welt und Zeit des Stummfilms gefällt.
Diese Verspieltheit und der Ideenreichtum des Anfangs wird in den späteren Träumen nicht mehr erreicht. Sicher, einige Träume haben beeindruckende Filmsequenzen und variieren gekonnt und geschickt die bekannten Erzählmuster dieser Geschichte. So ist ein Noir-Agententhriller mit einem Alain-Delon-Der-eiskalte-Engel-Lookalike immer sehenswert.
Aber es wird zunehmend müßig zu versuchen, einen großen, die Geschichten verbindenden Bogen herauszufinden. Regisseur Bi Gan will das auch nicht. Er will auch nicht eine bestimmte Interpretation vorgeben. Das ist sicher eine Stärke des Films – jeder Zuschauer kann seinen eigenen Film, der sich vollkommen von dem Film des Nachbarn unterscheidet, daraus machen – und eine Schwäche. Wer sich davon nicht angesprochen fühlt, glaubt, er befinde sich in einem schlecht gestaltetem Kaufhaus, begleitet von dem Manager, der einem beständig ins Ohr brüllt, alles sei einzigartig grandios.
Über 160 Minuten ergibt sich so nur eine Abfolge von Kurzfilmen, die nicht miteinander zusammenhängen. Entsprechend ermüdend und frustrierend ist das Ergebnis als Spielfilm, der die Geschichte einer Person und eines Problems, das sie lösen will, mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende erzählt. „Resurrection“ würde genausogut mit weniger oder mehr oder anderen Träumen funktionieren. Er würde vielleicht sogar besser als Serie funktionieren, in der der Protagonist in Träumen etwas herausfinden muss oder herausfindet. Je nach dem Interesse des Publikums kann die Serie dann kürzer oder länger ausfallen. Genausogut würde sie als YouTube-Serie funktionieren, zu der jeder seinen von einem anderen Filmgenre beeinflussten Traum hochladen kann.
Als 159-minütiger Spielfilm funktioniert das nicht.
Resurrection (Kuang ye shi dai, China/Frankreich/USA 2025)
Regie: Bi Gan
Drehbuch: Bi Gan, Zhai Xiaohui
mit Shu Qi, Jackson Yee, Mark Chao, Li Gengxi, Huang Jue, Chen Yonngzhong
mit Blake Lively – außerdem, nicht unwichtig, aber durchgehend im Cameo-Bereich: Óscar Jaenada, Angelo Jose, Lozano Corzo, Jose Manual, Trujillo Salas, Brett Cullen, Sedona Legge, Pablo Calva, Diego Espejel, Janelle Bailey, Ava Dean, Chelsea Moody, Sully ‚Steven‘ Seagall (Debüt!)
Rick Power (Paul Rudd) war einmal auf dem Weg einer mehr als ordentliche Karriere als Rockmusiker. Aber dann traf der US-Amerikaner auf einer Tour seine große Liebe und jetzige Frau. Ihre Tochter ist siebzehn Jahre alt. Sie leben in Dublin. Er spieltt in einer Hochzeitsband. Das Programm besteht aus den größten Hits anderer Bands und den Wünschen des Publikums.
Danny Wilson (Nick Jonas von den „Jonas Brothers“) war Sänger in einer unglaublich erfolgreichen Boygroup. Jetzt, mit 27 Jahren, versucht er sich mit seinem Solo-Debüt neu zu erfinden.
Diese beiden unterschiedlichen Männer treffen sich auf einer Promi-Hochzeit. Nach den Feierlichkeiten hängen sie in Dannys Zimmer ab und musizieren gemeinsam. Rick spielt ihm dabei seinen großen, bislang unveröffentlichten Song vor. Bis jetzt ist es nur ein seit Jahren unvollendetes Fragment.
Monate später hat Danny mit diesem Song, den er als seinen eigenen Song ausgibt, einen weltweiten Hit.
Rick beschließt um seine Ehre zu kämpfen. Er will für den Song die Anerkennung haben, die ihm zusteht. Gemeinsam mit seinem besten Kumpel Sandy (Peter McDonald) macht er sich auf den Weg nach Los Angeles. Sandy entspricht dabei dem Klischee des herzensguten sauf- und rauflustigen irischen Kumpels, der als erstes Dannys Bar ausprobiert.
„Power Ballad – Der Song meines Lebens“ ist der neue Musikfilm von John Carney. Wie in seinen vorherigen Filmen – wozu „Once“, „Can a Song save your Life?“ und „Sing Street“ gehören – geht es um Musik, Musiker, Bands und die Kraft der Musik.
Das ist, mit viel Musik, humorvoll erzählt und, vor allem wenn es um Ricks Leben geht, sehr stimmig. Er ist 48-jähriger Mann, der den Traum von einem Leben als Rockstar für ein anderes Leben aufgegeben hat. Trotzdem komponiert er in jeder freien Minute und er hat immer noch seine Träume. Dannys Leben entspricht dagegen dem Leben eines von seiner Entourage umsorgten Pop-Musikers, der sich um nichts kümmern muss. Gegensätzlicher könnten die beiden Männer nicht sein. Und sie könnten den Liedtext auch nicht gegensätzlicher verstehen. Wenn Rick um seinen Song kämpft, entfernt sich die Filmgeschichte ein Stück weit von der Realität zugunsten des etwas eskalierenden Konflikts zwischen zwei Musikern um einen Song.
Insgesamt gefällt diese versöhnlich endende Feelgood-„Power Ballad“ mit ihren kindischen Männern. Sie weigern sich nicht erwachsen zu werden, aber in ihrem Innersten bleiben sie Kinder.
Die Musik, mehr Poprock als Rock, gefällt ebenfalls, auch wenn sie für meinen Geschmack etwas zu gefällig ist.
Power Ballad – Der Song meines Lebens (Power Ballad, Irland/USA 2026)
Regie: John Carney
Drehbuch: John Carney, Peter McDonald
mit Paul Rudd, Nick Jonas, Peter McDonald, Marcella Plunkett, Havana Rose Liu, Jack Reynor, Rory Keenan, Keith McErlean, Paul Reid, Beth Fallon
Inzwischen ist „Obsession – Du sollst mich lieben“ ein an der Kinokasse erfolgreicher Horrorfilm, der, zusammen mit dem letzte Woche gestarteten Horrorfilm „Backrooms“, zahlreiche Artikel inspirierte. Denn irgendetwas muss uns der gleichzeitige Erfolg von zwei Horrorfilmen an der Kinokasse doch über unsere Gesellschaft sagen.
Während „Backrooms“ mit dem Konzept liminaler Räume arbeitet und man leicht über die Unwirtlichkeit des Kapitalismus räsonieren kann, ist es bei „Obsession – Du sollst mich lieben“ anders.
Bear (Michael Johnston) ist schon seit Jahren in Nikki (Inde Navarrette), seine Arbeitskollegin in einem Musikgeschäft, verliebt. Sie verstehen sich auch gut, aber es bleibt bei einer Freundschaft. Weil der schüchterne Romantiker Bear sich nicht traut, Nikki seine Liebe zu gestehen, verfällt er auf einen One-Wish-Willow. Er hat diesen One-Wish-Willow in einem aus der Zeit gefallenem Geschäft für allerlei Zauberartikel gefunden und aus einer Laune heraus gekauft. Wenn man diesen One-Wish-Willow zerbricht, so erzählt ihm der Verkäufer, erfüllt er einen Wunsch. Bear wünscht sich, dass Nikki sich unsterblich in ihn verliebt.
Zuerst geschieht nichts.
Etwas später ist sie in ihn verliebt, zeigt ihm ihre Liebe und zieht bei ihm ein.
Kurz darauf dämmert es Bear, dass sich sein Wunsch erfüllte. Nikki ist jetzt in ihn verliebt. Sie erfüllt ihm jeden Wunsch. Sie will ihm nicht mehr von der Seite weichen. Und sie verteidigt ihre Liebe mit allen Mitteln gegen echte und vermeintliche Bedrohungen.
Curry Barker postete, wie „Backrooms“-Regisseur Kane Parsons, seine ersten Filme auf YouTube. „Obsession – Du sollst mich lieben“ ist jetzt das ebenfalls in langen Szenen gedrehte Spielfilmdebüt des 26-jährigen. Er inszenierte ihn mit einem Microbudget von 750.000 US-Dollar.
Inzwischen hat der Horrorfilm in den USA über 220 Millionen US-Dollar eingespielt. Aktuell steht der in den USA am 15. Mai gestartete Film immer noch mal auf dem zweiten, seltener auf dem dritten Platz der täglichen US-Kinocharts. Weltweit spielte er über 337 Millionen US-Dollar ein. Damit ist er der umsatzträchtigste Horrorfilm des Jahres.
Noch mehr als bei „Backrooms“ stellt sich die Frage, warum dieser Film so erfolgreich ist. Sicher, er ist gut gemacht. Die Schauspieler überzeugen, vor allem Inde Navarrette hat eine beunruhigende Präsenz, wenn sie etwas seltsam reagiert, in einer dunklen Zimmerecke steht oder zu lang in bestimmten Posen verharrt. Die Story von „Obsession“ wirft einen beunruhigenden Blick auf sich anders als erwartet entwickelnde Beziehungen. Es geht um Begehren, Macht, Besessenheit, Abhängigkeit und Freiheit. Das kann jeder nachvollziehen. Nach dem Film kann man mit dem Freund darüber reden, wann aus Liebe etwas anderes wird.
Das ändert aber nichts daran, dass die Geschichte nur sattsam bekannte Topoi leicht variiert. Der Plot ist in seinen Grundzügen bekannt. Ebenso die Moral der Geschichte und die sich schnell abzeichnende Lösung für Bears Problem. Es ist auch eine Geschichte, die mit 109 Minuten deutlich zu lang geraten ist. Eigentlich sollte sie in unter neunzig Minuten erzählt werden. Oder, dann unter sechzig Minuten, als Geschichte in einer Anthologieserie wie „The Twilight Zone“.
Selbstverständlich wird es aufgrund des überwältigenden Einspiels an der Kinokasse in den kommenden Jahren Fortsetzungen geben. Irgendwo wird sich nämlich immer wieder ein Trottel finden, der sich etwas wünscht und einen One-Wish-Willow zerbricht.
Obsession – Du sollst mich lieben (Obsession, USA 2025)
Regie: Curry Barker
Drehbuch: Curry Barker
mit Michael Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson, Megan Lawless, Haley Fitzgerald, Darin Toonder
Am Ende von „Superman“ hatten Kara Zor-El (Milly Alcock) und ihr schlecht erzogener Hund Krypto, als sie ihren Cousin Kal-El (aka Superman aka Clark Kent) (David Corenswet) auf der Erde besuchten, ihren ersten, ziemlich denkwürdigen Auftritt.
Jetzt hat Superman via Bildtelefon seinen Auftritt in dem ersten Solo-Film von Kara Zor-El; – Jeannot Szwarc‘ „Supergirl“ von 1984 können wir ignorieren. Der biedere Kal-El will ihr zu ihrem Geburtstag gratulieren. Sie will ihren Geburtstag mit einer gigantischen Sauftour feiern. Sowieso bemüht sich Regisseur Craig Gillespie sein Supergirl als das komplette Gegenteil von dem edlen Superman zu etablieren.
Als die dreizehnjährige Ruthye Marie Knoll vom Danastia Clan (Eve Ridley) in einer Halbweltkaschemme den Gästen ein Angebot macht, will Kara nichts davon wissen. Ruthye sucht den überall gefürchteten Banditenführer Krem of the Yellow Hills (Matthias Schoenaerts). Er ermordete ihre Familie. Jetzt möchte sie, dass jemand sie zu Krem bringt. Sie will ihn töten. Als Lohn für die Hilfe bietet sie ein von ihrem Vater geschmiedetes unbezahlbares Schwert an. Niemand möchte das Angebot annehmen.
Aber als Krem einen vergifteten Pfeil auf ihren geliebten Hund Krypto abschießt und ihr Raumschiff klaut, beginnt Kara ihn kreuz und quer durch das Universum zu jagen. Denn er hat das Gegengift, das sie innerhalb von drei Tagen besorgen muss. Sonst stirbt Krypto.
Nach „Superman“ ist „Supergirl“ der zweite Film im DC Cinematic Universe unter der Ägide von James Gunn und Peter Safran. Als erstes verordneten sie dem DC-Filmuniversum einen umfassenden Neustart. Alles, was vor Gunns Zeit geschah, wurde ins Museum befördert. Alle Pläne, die vorher existierten, wanderten auf den Müllhaufen der Geschichte. Figuren, die weitere Abenteuer erleben sollten, wurden neu besetzt. David Corenswet wurde der neue Superman. Milly Alcock, die in „Superman“ einen Mini-Auftritt hat, Supergirl. Jetzt hat sie einen eigenen Film bekommen, der sich durchaus erfolgreich bemüht, das Gegenteil der „Superman“-Filme zu sein. Die Geschichte spielt nicht auf der Erde, sondern auf verschiedenen Planeten irgendwo im Weltall und Supergirl ist in ungefähr jeder Beziehung das Gegenteil von Superman.
Sie ist die weibliche Ausgabe von Han Solo. Nur schlechter gelaunt, trinksüchtiger und, je nachdem, wo sie gerade ist, mit Superkräften ausgestattet. Schnell wirken ihre Superkräfte wie ein Ersatz für schlampiges Drehbuchschreiben. Je nachdem, was in der Szene gerade benötigt wird, verfügt sie über die Kräfte – oder auch nicht.
Auch der restliche Film wirkt wie ein Film aus dem „Star Wars“-Universum: die Raumschiffe (Karas Raumschiff erinnert an Han Solos Millennium Falcon), Krypto ist ihr Chewbacca, die Kneipen, die Aliens, denen sie begegnet, die Planeten und die Konflikte könnten alle aus einem Han-Solo-Abenteuer sein.
Auch der B-Plot, die Geschichte von Ruthye, erinnert an „Star Wars“. Der Anfang von „Rogue One“ wird hier in Teilen variiert und mit dem zweimal verfilmten Westernklassiker „True Grit“ gekreuzt. In „True Grit“ engagiert die vierzehnjährige Mattie Ross den versoffenen US-Marshal Rooster Cogburn, um den Mord an ihrem Vater zu rächen.
Nur die Idee mit der Bushaltestelle für Raumschiffe, die wie eine stinknormale Bushaltestelle im Nirgendwo aussieht, und dem Greyhound-Bus-Raumschiff ist neu; – hätte aber gut in „Per Anhalter durch die Galaxis“ gepasst.
Das Ergebnis ist okay als Superheldenfilm, der sich kaum um das übliche Superheldengedöns kümmert, und der als SF-Abenteuerfilm beständig an andere Filme und Welten erinnert. Nichts ist wirklich gut oder überraschend. Nichts ist wirklich schlecht. Vieles ist erstaunlich erwartbar. Dazu gehören auch die schlampigen Tricks, die wir so ähnlich inzwischen auch aus anderen Superheldenfilmen kennen.
P. S.: Es gibt keine Szene im oder nach dem Abspann.
Supergirl(Supergirl, USA 2026)
Regie: Craig Gillespie
Drehbuch: Ana Nogueira
mit Milly Alcock, Matthias Schoenaerts, Eve Ridley, David Krumholtz, David Corenswet, Emily Beecham, Jason Momoa
All die schönen Pferde (All the pretty horses, USA 1999)
Regie: Billy Bob Thornton
Drehbuch: Ted Tally
LV: Cormac McCarthy: All the pretty horses, 1992 (All die schönen Pferde)
Texas, 1949: der 19-jährige John Grady Cole (Matt Damon) und sein Kumpel Lacey Rawlins (Henry Thomas) wollen in Mexiko ihren Cowboytraum von wilden Abenteuern, wahrer Liebe, heißblütigen Pferden und unberührter Natur erleben.
Die erste Cormac-McCarthy-Verfilmung, ein selten gezeigter Coming-of-Age-Spätwestern, ist ein langer Marlboro-Werbespot.
Mit Matt Damon, Henry Thomas, Lucas Black, Penélope Cruz, Ruben Blades, Robert Patrick
Weil Frauchen Urlaub machen möchte, bringt sie ihre Katze Miez Marple in dem noblen Tierhotel Bellagio unter. Dort stolpert sie, wie wir uns auch ohne einen Blick auf das mit dem diesjährigen Bloody Cover ausgezeichnete Cover („Ein flauschiger Kriminalroman“) und die Inhaltsangabe denken können, in einen Mordfall. Schließlich erinnert ihr Name „Miez Marple“ an „Miss Marple“, der Name ist Programm und Fabian Navarro schrieb bereits zwei Kriminalromane mit der Katzendetektivin.
Jetzt muss Miez Marple ihre Fähigkeiten in einem von der Außenwelt hermetisch abgeriegeltem Luxus-Resort einsetzen. Die Showkatze Schnurrsanne wurde bestialisch ermordet. Wobei Miez Marple misstrauisch ist. Keine der vielen Wunden war tödlich. Soll hier etwas vertuscht werden? Sie beginnt zu ermitteln und, wie es sich für einen Rätselkrimi in der Tradition von Agatha Christie gehört, ist jeder Hotelgast verdächtig.
Auch der von ihr aufgrund einer früherer Ermittlung ungeliebte Mitbewohner Florian Silberschweif. Der opportunistische Schlagerkater leidet an einer Schreibblockade. Nach dem Mord dient er sich bei ihr als Assistent an. Schließlich kennt er die anderen Gäste und ihre Beziehungen zueinander. Es handelt sich um Informationen, die auch in der von Miez Marple nicht gelesenen Klatschpostille BELLT ausführlich abgehandelt werden.
„Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ ist ein cozy Rätselkrimi, der in der Welt der Tiere spielt. Diese beschreibt Fabian Navarro sehr schön mit ihren Marotten, ihrer Sicht auf die Welt und die sich ihnen gegenüber oft seltsam verhaltenden Menschen. Die Tiere sind dabei ziemlich schlau, können sich untereinander problemlos verständigen (nicht wie wir Menschen) und ihre Welt unterscheidet sich kaum von der Welt der Menschen.
Etwas enttäuschend ist das Ende. Es ist nämlich kein klassisches Rätselkrimiende, in dem die Ermittlerin Miez Marple die Verdächtigen in einem Raum versammelt und zuerst mehrere falsche und abschließend den richtigen Täter präsentiert. Stattdessen schnappt sie den Täter auf quasi frischer Tat (Pfote?) und dieser gesteht sofort alles.
Das gesagt ist Navarros dritter Miez-Marple-Krimi ein unterhaltsamer Urlaubsausflug für die Ermittlerin, der nach einer kurzen Erkundung des Ortes sofort zu einem Arbeitsaufenthalt wird. Denn, wie bei zweibeinigen Ermittlern, folgen auch vierbeinigen Ermittlern Mord und Totschlag überall hin.
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Fabian Navarro: Miez Marple und die Tatze der Verdammnis
Um 20.15 Uhr ist Harrison Ford „Auf der Flucht“, danach kämpft er gegen die
Nitro, 22.50
Firewall (Firewall, USA 2006)
Regie: Richard Loncraine
Drehbuch: Joe Forte
Bankräuber Bill Cox (Paul Bettany) nimmt die Familie von Jack Stanfield (Harrison Ford), Sicherheitschef bei einer Bank, gefangen. Er verlangt von Stanfield, dass dieser ihm bei dem Bankraub hilft. Stanfield versucht den Bankraub zu verhindern und seine Familie zu retten.
Gut, die Story ist mit etwas Hightech-Voodoo aufgebretzelte Dutzendware, aber die Riege der altbekannten Gesichter und die Schlägerei am Ende (sie war auch für den World Stunt Award/Taurus-Award als bester Kampf) entschädigen dafür.
„Firewall“ ist ein B-Picture mit Starpower.
mit Harrison Ford, Virginia Madsen, Paul Bettany, Carly Schroeder, Jimmy Bennett, Mary Lynn Rajskub, Robert Forster, Robert Patrick, Alan Arkin
Der Abschluss der hochgelobten Trisolaris-Trilogie, die Heyne auch in einem 1740 Seiten dickem Buch veröffentlichte. Einzeln kommen die Science-Fiction-Romane über die Begegnung der Menschen mit einer außerirdischen Spezies auf 2400 Seiten.
Bei einem Anschlag wird Polizist Alex Murphy schwer verwundet. Er wird auf Betreiben des ein gutes Geschäft witternden Konzerns OmniCorp zusammengeflickt und als quasi unverwundbarer Robocop, einer Mischung aus Mensch und Roboter, auf die Verbrecherwelt losgelassen.
Überraschend gelungenes Remake und Update von Paul Verhoevens „Robocop“. Ein Science-Fiction-Actionfilm, der zum Nachdenken anregt.
mit Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Samuel L. Jackson, Abbie Cornish, Jackie Earle Haley, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jay Baruchel, Marianne Jean-Baptiste, Zach Grenier
Drehbuch: Michael Klier, Karin Åström, Günter Schütter (Bearbeitung)
DDR, Frühjahr 1961, wenige Monate vor dem Bau der Mauer (was damals niemand ahnte): In Dresden stolpert der zwanzigjährige Bühnenmaler Siggi (Max Riemelt) in unbekannte Welten zwischen Theater, dem Tanzlokal „Roter Kakadu“ (wo Jazz und westliche Rockmusik gespielt werden) und neuen, freiheitsliebenden Freunden. Das sorgt schnell für Ärger…mit der Staatsmacht.
Lebendiger Blick auf die DDR in den frühen sechziger Jahren und auf jugendliches Revoluzzertum.
mit Max Riemelt, Jessica Schwarz, Ronald Zehrfeld, Ingeborg Westphal, Devid Striesow, Kathrin Angerer, Tanja Schleif, Volker Michalowski, Klaus Manchen, Heiko Senst, Nadja Petri
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Die aktuell grafliche Lektüre
Am 12. Februar 2025 unterhielt sich Lisa Gotto (Professur für Theorie des Films, Universität Wien) mit Dominik Graf über sein Leben und Werk als Regisseur. Jetzt liegt die Niederschrift des Interviews, mit fast achtzig das Gespräch illustrierenden Bildern und vielen für Orientierung sorgenden Zwischenüberschriften, als 95. Heft der „Augenblick“-Buchreihe vor – und es lohnt sich für alle, die (mal wieder) in das Denken und Werk von Dominik Graf eintauchen wollen, die einen konzentrierte und selbstkritischen Einblick in Grafs Werk wollen und die mehr über die letzten fünfzig Jahre Geschichte des deutschen Films im Kino und Fernsehen erfahren wollen. Denn Dominik Graf gehört zu den wenigen Regisseuren, die öffentlich immer wieder über ihr Werk nachdenken, ein filmisches Programm haben und auch Ansprüche an sich, Kollegen und Produzenten stellen. Vor allem arbeitet Graf für das Fernsehen, oft in Serien und Reihen, wie „Der Fahnder“ (die legendären Anfänge, die auch in dem Interview ausführlich beleuchtet werden), „Tatort“ und „Polizeiruf 110“. Meistens inszeniert er Kriminalfilme, Unterkategorie Polizeifilm. Er arbeitet also nahe am Publikum, aber immer mit einem Anspruch an sich und die Geschichte und einem unverwechselbarem Stil.
In dem Interview spricht er über das alles.
Danach will man wieder einen der im Buch erwähnten Filme sehen. Beispielsweise, um zwei nicht von Graf inszenierte Filme, die er auch niemals inszeniert hätte, aber im Gespräch lobend erwähnt und die heute definitiv so nicht wieder inszeniert würden, zu nennen, „Im Himmel ist die Hölle los“ oder Bockmayers „Geierwally“.
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Augenblick – Konstanzer Hefte zur Medienwissenschaft # 95 (herausgegeben von Lisa Gotto): „Der Film fließt zurück ins Meer des Lebens“ – Ein Gespräch mit Dominik Graf
LV: Judith C. Brown: Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy, 1986 (Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonne in in Italien zur Zeit der Renaissance)
Im 17. Jahrhundert lebt die tiefgläubige Benedetta Carlini (Virginie Efira) in einem Theatiner-Kloster in Pescia. Als auf ihrem Körper die Wundmale Christi auftauchen, wird sie zu einem Spielball innerhalb katholischen Kirche. Oder spielt sie mit der Kirche?
Grandiose, auf einem wahren Fall beruhende, äußerst intelligente Nunsploitation von Provokateur Paul Verhoeven.
Anlässlich des zehnten Todestages von Götz George (23. Juli 1938, Berlin – 19. Juni 2016, Hamburg) präsentiert der WDR einen Abend mit Götz George. Um 20.15 zeigt er „Besondere Schwere der Schuld“ (D 2014), um 21.45 Uhr „Schimanski: Loverboy“ (D 2013) und
WDR, 23.15
Tatort: Duisburg-Ruhrort(Deutschland 1981)
Regie: Hajo Gies
Drehbuch: Horst Vocks, Thomas Wittenburg
Ein ermordeter Binnenschiffer treibt im Hafenbecken von Duisburg-Ruhrort. Die Kommissare Schimanski und Thanner suchen seinen Mörder.
Der erste Auftritt von Götz George als Horst Schimanski. Damals ein Skandal (Seine Manieren! Seine Sprache! Sein Umgang mit den Dienstvorschriften!), heute ein „Tatort“-Klassiker. Schimanski war schnell der beliebteste „Tatort“-Kommissar, der auch zweimal im Kino ermitteln durfte.
mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Michael Lech, Michael Rastl, Brigitte Janner, Max Volkert Martens, Barbara Focke
Brandt Andersens „Das Los des Fremden“ beginnt 2023 in den USA in einem Krankenhaus und springt dann acht Jahre zurück in die Vergangenheit nach Aleppo. In Syrien tobt der Bürgerkrieg. Für eine syrische Ärztin, die sich in ihrer Arbeit nach dem hippokratischen Eid richtet, und ihre Tochter wird die Situation zunehmend bedrohlich. Sie flüchten.
Andersen erzählt diese Flucht als eine Abfolge mehrerer lose miteinander verbundener Kurzfilme mit wechselnden Protagonisten, die nach ihrem Kurzfilm aus dem Film verschwinden. Diese wechselnden Protagonisten, wozu auch ein an seinem Dienst zweifelnder Soldat, ein skrupelloser Schleuser, der sich rührend um seinen kranken Sohn kümmert, und ein zwischen Pflicht und Moral stehender griechischer Polizist der Küstenwache gehören, weiten auf den ersten Blick die Geschichte der aus Syrien flüchtenden Ärztin. Es gibt schließlich verschiedene Perspektiven auf die Ereignisse und wir erfahren in der einen Episode mehr über eine Nebenfigur aus einer anderen Episode. Oder wir erfahren einiges über einen Mann, der etwas tut, was für das Gelingen ihrer Flucht wichtig ist. Die Protagonistin der ersten Episode wird zunehmend zu einer Nebenfigur. Teilweise verschwindet sie vollkommen aus der Handlung, die sich dann mit dem Gefühlsleben einiger Männer beschäftigt. Mit jedem neuen Kurzfilm zerfasert die Geschichte und die Betroffenheit weiter.
Das führt dazu, dass der Spielfilm „Das Los des Fremden“ zu einer Abfolge von meist abrupt abbrechenden Episoden wird, die alle letztendlich ziemlich platt um Menschlichkeit und Verständnis werben.
Der Film hatte seine Premiere 2024 auf der Berlinale und wurde mit dem Amnesty International Filmpreis ausgezeichnet.
Das Los des Fremden (I was a stranger, USA 2024)
Regie: Brandt Andersen
Drehbuch: Brandt Andersen
mit Yasmine Al Massri, Yahya Mahayni, Omar Sy, Constantine Markoulakis
Während wir noch über die Vor- und Nachteile von Künstlicher Intelligenz reden, sind in „Cyberpunk Romance“ die Big-Tech-Firmen bereits etwas weiter. Mittels eines Ports am Kopf können Menschen sich mit einem Computer, dem gesamten Wissen der Menschheit und all ihren Erinnerungen verbinden. Oh, und sie beherrschen alle Sprachen. Milo (Jannik Schümann) probiert mit seinen Freunden von einer Anarcho-Hackergruppe die Möglichkeiten dieser neuen Technik aus. Sie manipulieren sie und kämpfen gegen die bösen Konzerne. Milos Freundin Mona (Naemi Florez) lehnt einen solchen Port an.
Als Milo in ein neurotechnisches Koma fällt und seine Freunde aus Angst vor der Polizei keinen Notarzt rufen, lässt Mona sich einen solchen Port legen. Sie will Milo retten, indem sie in seinen Kopf eindringt und die Ursache für das Koma beseitigt. Davor muss sie ihren eigenen Kopf für die neue Anwendung einrichten und erlebt dabei einige Überraschungen.
Joscha Doumas SF-Film spielt in der schon seit Jahrzehnten im Cyberpunk etablierten Welt, die heute immer mehr wie eine nur noch leicht überspitzten Beschreibung der Gegenwart wirkt. Entsprechend drängend sind die damit verbundenen und auch im Film angesprochenen Fragen nach Freiheit und Überwachung, nach Wahrheit und Lüge und Manipulation und nach der Echtheit von Gefühlen und Erinnerungen. Leider werden sie in „Cyberpunkt Romance“ arg oberflächlich und spannungsfrei behandelt. Daran ändern die gelungenen Sets und die Schauspieler nichts.
Im Film ist Big Tech nur ein Hintergrundrauschen. Obwohl es im Lauf der Geschichte eine Entdeckung gibt, die aus Monas Rettungsversuch eine kapitalismuskritische Geschichte machen könnte, bleibt die Firma, die die Ports herstellt, anonym. Es ist, als ob man über Hassbotschaften bei X (ex-Twitter) redet, dabei nicht auf die Interessen des Unternehmens und seines Chefs eingeht, sondern nur über individuelles Nutzungsverhalten redet. Es gibt also keinen Aufruf zur Enteignung oder zur stärkeren Kontrolle des Konzerns, sondern nur den Hinweis, man solle X nicht nutzen oder dort nur mit Freunden über Katzenbilder diskutieren. Das ist nicht falsch, greift aber zu kurz.
Cyberpunk Romance (Österreich/Deutschland 2026
Regie: Joscha Douma
Drehbuch: Belo Schwarz (Pseudonym von Joscha Douma)
mit Naemi Florez, Jannik Schümann, Thomas Mraz, Paula Hans, Eleonore Weisgerber, Anna Wagner
Die Menschheit hat es mal wieder geschaft. In ihrem Spielfilmdebüt „Gorgonà“ kämpfen, so wird uns am Filmanfang gesagt, rivalisierende Banden gegeneinander und Benzin – wir sind immer noch abhängig davon – ist fast unbezahlbar. Für einen Kanister Benzin verkauft eine Familie ihre Tochter. Danach gehört sie Nikos, dem Herrscher über das Öl und dem Anführer einer Bande muskulöser Männer. Er ist todkrank. Maria soll seine Nachfolgerin werden. Die Männer lehnen das ab.
Visuell und durch den Einleitungstext – die Geschichte spielt in Griechenland in einer Dystopie, in der um die letzten Liter Benzin gekämpft wird – erinnert die Bildende Künstlerin Evi Kalogiropoulous „Gorgonà” selbstverständlich an Mad Max. Bei der Geschichte – es geht um die Nachfolge am Hofstaat – denkt man sofort an Shakespeare. Später wird es sogar etwas übersinnlich, was noch eine Box bei Shakespeare ausfüllt.
Aber das sind nur Neugierde weckende Schlagworte für eine Dystopie, die nie mehr als eine mit etwas Lesbensex garnierte Abfolge gut aussehender Stillleben ist Mit der richtigen musikalischen Untermalung können die muskulösen gemeinsam am Wasser trainierenden und tanzenden halbnackten Männer, die knapp bekleideteten, ebenso gut aussehenden, eher gelangweilt herumlungernden Frauen, die langen Motorradfahrten und die atmosphärischen Landschaftsaufnahmen gut als leicht schwülstiges Musikvideos funktionieren. Jeglicher Inhalt, jede Story verschwindet hinter der fotogenen Pose.
Der Kampf um Öl und die „Mad Max”-Welt sind letztendlich vollkommen unwichtig für einen Film, in dem es vor austauschbarer Kulisse um eine Nachfolgeregelung geht. Denn ob Nikos der Herrscher über das Öl oder über Prostituierte in einem Tanzlokal ist, ob er ein Gangster oder ein ganz normaler Firmenchef ist, ist egal. Wir sehen ihn nie bei der Arbeit. Wir sehen ihn beim Training mit seinen Männern und mit Maria. Und wenn einer seiner Fußsoldaten es wagt, ihm zu widersprechen, erschießt er ihn. So wie alle cholerischen Gangsterbosse es in schlechten Spielfilmen tun.
Dieser Verzicht auf ein genaueres Ausmalen der von Kalogiropoulou aus anderen SF-Werken recycelten Versatzstücken ist sogar eine ziemlich kluge Entscheidung. Denn die „Mad Max”-Welt ist eine aus den siebziger Jahre kommende Vision einer Welt ohne den damals benötigten Treibstoff. Nach der Ölkrise und der befürchteten Erderwärmung war die Angst vor einer nicht mehr bewohnbaren Erde global vorhanden. Es war eine reale Angst – und die Filme gaben darauf eine düstere Antwort. Dystopien, in denen sich seltsam gekleidete Männer in Wüstenlandschaften und Baugruben (beides der feuchte Traum der Buchhaltung) budgetschonend kloppten und töteten, überschwemmten die Kinos. Heute werden sie ab und an im Spätprogramm gezeigt oder poppen bei einem Streamingdienst auf. Sie sind nur noch putzige Erinnerungen an eine Vergangenheit, in der ein gut platzierter rechter Hacken alle Probleme löste.
Als Dystopien, die sich mit Problemen der Gegenwart beschäftigen, taugen sie nicht. Wir sind zwar immer noch vom Öl abhängig. Aber nicht mehr so sehr, wie vor fünfzig Jahren. Mit Windrädern, Sonnenkollektoren und Batterien gibt es die verwirklichbare Vision einer anderen Welt.
Die Aufgabe von Künstlern wäre es also, neue Bilder für die Zukunft zu entwerfen.
„Gorgonà“ wiederholt nur die alten Bilder mit einem Minimalplot und einem Maximum an Pose. Dass Frauen eine wichtigere Rolle haben, macht Kalogiropoulous SF-Film nicht zu einem feministischen Werk. Jedenfalls wenn man vom Feminismus mehr erwartet als die Ersetzung eines männlichen Bandenführers durch eine ähnlich brutal agierende Anführerin.
Gorgonà(Gorgonà, Griechenland/Frankreich 2025)
Regie: Evi Kalogiropoulou
Drehbuch: Louise Groult, Evi Kalogiropoulou
mit Melissanthi Mahut, Aurora Marion, Christos Loulis, Kostas Nikouli
The Apprentice – The Trump Story(The Apprentice, USA 2024)
Regie: Ali Abbasi
Drehbuch: Gabriel Sherman
TV-Premiere. Biopic über Donald J. Trump und seine Freundschaft zu dem skrupellosen Rechtsanwalt Roy Cohn, der ihm den nötigen Feinschliff verpasste.
Obwohl ich die Minderheitenmeinung vertrete und das zwischen 1973 und Cohns Tod 1986 spielende Biopic für ärgerliche Zeitverschwendung halte, hat Abbasis Film für die Erstausstrahlung diese Uhrzeit nicht verdient.
Abbasi zeigt nichts was über einen schlechten SNL-Sketch hinausgeht und ist deutlich weniger informativ als eine gute Zeitungsreportage.
Zugegeben, die kompetent und flott erzählte Story wird keine Preise für Innovation, Logik und Realismus erhalten. Sie ist eine handelsübliche Action-B-Picture-Geschichte mit klar gezeichneten Figuren und einem ebenso klar gezeichnetem zentralen Konflikt. Aber die Action ist grandios und sie ist der Grund, sich diesen ACTION-Thriller anzusehen.
In einer großen, am Wasser gelegenen Stadt irgendwo in Südost-Asien leben der stumme Wang Wei (Xie Miao) und seine Tochter Rainy (Yang Enyou) zusammen ein einfaches, aber glückliches Leben. Das ändert sich, als Menschenhändler Rainy am helllichten Tag auf der Straße kidnappen. Für die Polizei ist Rainy nur ein weiteres spurlos verschwundenes Kind. Also muss Wang seine Tochter auf eigene Faust suchen. Zusammen mit dem Journalisten Navin (Joe Taslim) begibt er sich auf die Suche. Navin sucht seine spurlos verschwundene Frau. Die Enthüllungsjournalistin Matia jagte Paklung (Joey Iwanaga), den größten Menschenhändler der Stadt, des Landes und möglicherweise der gesamten Region.
Viel mehr Story benötigt Kenji Tanigaki nicht, um ein atemberaubendes Actionfeuerwerk zu entzünden. Das beginnt schon in der ersten Filmminute mit der Szene, in der Matia von den Bösewichtern enttarnt wird, setzt sich wenige Minuten später mit der Entführung von Rainy und Wangs anschließender Verfolgungsjagd über mehrere Straßen fort und geht so, mit kurzen Pausen, bis zum Ende weiter.
Alle wichtigen Rollen und damit zugleich auch alle kämpfenden Rollen werden von Kampfsportkünstlern gespielt. Nachdem Tanigaki in der ersten Actionszene etwas zu sehr schneidet, verlässt er sich später auf seine Kampfkünstler. Sie können in den oft grotesk eskalierenden Actionszenen ausführlich ihre Fähigkeiten präsentieren. Die Kamera versucht sie möglichst umfassend zu dokumentieren. Und das ist gut so.
Jedenfalls für alle, die einen Film à la „The Raid“ erwarten. Auch wenn es in den vergangenen Jahren einige Filme mit furioser handgemachter Action gab, gab es seit langem keinen Film mehr, der im Kino fast nonstop Action lieferte. Und dabei keine Sekunde langweilt.
The Furious(Huo zhe yan, Hongkong/Volksrepublik China 2025)
Regie: Kenji Tanigaki
Drehbuch: Mak Tin Shu, Lei Zhilong, Shum Kwan Sin, Frank Hui
mit Xie Miao, Joe Taslim, Yang Enyou, Brian Le, Jija Yanin, Yayan Ruhian, Joey iwanaga