Der Abschluss der hochgelobten Trisolaris-Trilogie, die Heyne auch in einem 1740 Seiten dickem Buch veröffentlichte. Einzeln kommen die Science-Fiction-Romane über die Begegnung der Menschen mit einer außerirdischen Spezies auf 2400 Seiten.
Bei einem Anschlag wird Polizist Alex Murphy schwer verwundet. Er wird auf Betreiben des ein gutes Geschäft witternden Konzerns OmniCorp zusammengeflickt und als quasi unverwundbarer Robocop, einer Mischung aus Mensch und Roboter, auf die Verbrecherwelt losgelassen.
Überraschend gelungenes Remake und Update von Paul Verhoevens „Robocop“. Ein Science-Fiction-Actionfilm, der zum Nachdenken anregt.
mit Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Samuel L. Jackson, Abbie Cornish, Jackie Earle Haley, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jay Baruchel, Marianne Jean-Baptiste, Zach Grenier
Drehbuch: Michael Klier, Karin Åström, Günter Schütter (Bearbeitung)
DDR, Frühjahr 1961, wenige Monate vor dem Bau der Mauer (was damals niemand ahnte): In Dresden stolpert der zwanzigjährige Bühnenmaler Siggi (Max Riemelt) in unbekannte Welten zwischen Theater, dem Tanzlokal „Roter Kakadu“ (wo Jazz und westliche Rockmusik gespielt werden) und neuen, freiheitsliebenden Freunden. Das sorgt schnell für Ärger…mit der Staatsmacht.
Lebendiger Blick auf die DDR in den frühen sechziger Jahren und auf jugendliches Revoluzzertum.
mit Max Riemelt, Jessica Schwarz, Ronald Zehrfeld, Ingeborg Westphal, Devid Striesow, Kathrin Angerer, Tanja Schleif, Volker Michalowski, Klaus Manchen, Heiko Senst, Nadja Petri
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Die aktuell grafliche Lektüre
Am 12. Februar 2025 unterhielt sich Lisa Gotto (Professur für Theorie des Films, Universität Wien) mit Dominik Graf über sein Leben und Werk als Regisseur. Jetzt liegt die Niederschrift des Interviews, mit fast achtzig das Gespräch illustrierenden Bildern und vielen für Orientierung sorgenden Zwischenüberschriften, als 95. Heft der „Augenblick“-Buchreihe vor – und es lohnt sich für alle, die (mal wieder) in das Denken und Werk von Dominik Graf eintauchen wollen, die einen konzentrierte und selbstkritischen Einblick in Grafs Werk wollen und die mehr über die letzten fünfzig Jahre Geschichte des deutschen Films im Kino und Fernsehen erfahren wollen. Denn Dominik Graf gehört zu den wenigen Regisseuren, die öffentlich immer wieder über ihr Werk nachdenken, ein filmisches Programm haben und auch Ansprüche an sich, Kollegen und Produzenten stellen. Vor allem arbeitet Graf für das Fernsehen, oft in Serien und Reihen, wie „Der Fahnder“ (die legendären Anfänge, die auch in dem Interview ausführlich beleuchtet werden), „Tatort“ und „Polizeiruf 110“. Meistens inszeniert er Kriminalfilme, Unterkategorie Polizeifilm. Er arbeitet also nahe am Publikum, aber immer mit einem Anspruch an sich und die Geschichte und einem unverwechselbarem Stil.
In dem Interview spricht er über das alles.
Danach will man wieder einen der im Buch erwähnten Filme sehen. Beispielsweise, um zwei nicht von Graf inszenierte Filme, die er auch niemals inszeniert hätte, aber im Gespräch lobend erwähnt und die heute definitiv so nicht wieder inszeniert würden, zu nennen, „Im Himmel ist die Hölle los“ oder Bockmayers „Geierwally“.
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Augenblick – Konstanzer Hefte zur Medienwissenschaft # 95 (herausgegeben von Lisa Gotto): „Der Film fließt zurück ins Meer des Lebens“ – Ein Gespräch mit Dominik Graf
LV: Judith C. Brown: Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy, 1986 (Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonne in in Italien zur Zeit der Renaissance)
Im 17. Jahrhundert lebt die tiefgläubige Benedetta Carlini (Virginie Efira) in einem Theatiner-Kloster in Pescia. Als auf ihrem Körper die Wundmale Christi auftauchen, wird sie zu einem Spielball innerhalb katholischen Kirche. Oder spielt sie mit der Kirche?
Grandiose, auf einem wahren Fall beruhende, äußerst intelligente Nunsploitation von Provokateur Paul Verhoeven.
Anlässlich des zehnten Todestages von Götz George (23. Juli 1938, Berlin – 19. Juni 2016, Hamburg) präsentiert der WDR einen Abend mit Götz George. Um 20.15 zeigt er „Besondere Schwere der Schuld“ (D 2014), um 21.45 Uhr „Schimanski: Loverboy“ (D 2013) und
WDR, 23.15
Tatort: Duisburg-Ruhrort(Deutschland 1981)
Regie: Hajo Gies
Drehbuch: Horst Vocks, Thomas Wittenburg
Ein ermordeter Binnenschiffer treibt im Hafenbecken von Duisburg-Ruhrort. Die Kommissare Schimanski und Thanner suchen seinen Mörder.
Der erste Auftritt von Götz George als Horst Schimanski. Damals ein Skandal (Seine Manieren! Seine Sprache! Sein Umgang mit den Dienstvorschriften!), heute ein „Tatort“-Klassiker. Schimanski war schnell der beliebteste „Tatort“-Kommissar, der auch zweimal im Kino ermitteln durfte.
mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Michael Lech, Michael Rastl, Brigitte Janner, Max Volkert Martens, Barbara Focke
Brandt Andersens „Das Los des Fremden“ beginnt 2023 in den USA in einem Krankenhaus und springt dann acht Jahre zurück in die Vergangenheit nach Aleppo. In Syrien tobt der Bürgerkrieg. Für eine syrische Ärztin, die sich in ihrer Arbeit nach dem hippokratischen Eid richtet, und ihre Tochter wird die Situation zunehmend bedrohlich. Sie flüchten.
Andersen erzählt diese Flucht als eine Abfolge mehrerer lose miteinander verbundener Kurzfilme mit wechselnden Protagonisten, die nach ihrem Kurzfilm aus dem Film verschwinden. Diese wechselnden Protagonisten, wozu auch ein an seinem Dienst zweifelnder Soldat, ein skrupelloser Schleuser, der sich rührend um seinen kranken Sohn kümmert, und ein zwischen Pflicht und Moral stehender griechischer Polizist der Küstenwache gehören, weiten auf den ersten Blick die Geschichte der aus Syrien flüchtenden Ärztin. Es gibt schließlich verschiedene Perspektiven auf die Ereignisse und wir erfahren in der einen Episode mehr über eine Nebenfigur aus einer anderen Episode. Oder wir erfahren einiges über einen Mann, der etwas tut, was für das Gelingen ihrer Flucht wichtig ist. Die Protagonistin der ersten Episode wird zunehmend zu einer Nebenfigur. Teilweise verschwindet sie vollkommen aus der Handlung, die sich dann mit dem Gefühlsleben einiger Männer beschäftigt. Mit jedem neuen Kurzfilm zerfasert die Geschichte und die Betroffenheit weiter.
Das führt dazu, dass der Spielfilm „Das Los des Fremden“ zu einer Abfolge von meist abrupt abbrechenden Episoden wird, die alle letztendlich ziemlich platt um Menschlichkeit und Verständnis werben.
Der Film hatte seine Premiere 2024 auf der Berlinale und wurde mit dem Amnesty International Filmpreis ausgezeichnet.
Das Los des Fremden (I was a stranger, USA 2024)
Regie: Brandt Andersen
Drehbuch: Brandt Andersen
mit Yasmine Al Massri, Yahya Mahayni, Omar Sy, Constantine Markoulakis
Während wir noch über die Vor- und Nachteile von Künstlicher Intelligenz reden, sind in „Cyberpunk Romance“ die Big-Tech-Firmen bereits etwas weiter. Mittels eines Ports am Kopf können Menschen sich mit einem Computer, dem gesamten Wissen der Menschheit und all ihren Erinnerungen verbinden. Oh, und sie beherrschen alle Sprachen. Milo (Jannik Schümann) probiert mit seinen Freunden von einer Anarcho-Hackergruppe die Möglichkeiten dieser neuen Technik aus. Sie manipulieren sie und kämpfen gegen die bösen Konzerne. Milos Freundin Mona (Naemi Florez) lehnt einen solchen Port an.
Als Milo in ein neurotechnisches Koma fällt und seine Freunde aus Angst vor der Polizei keinen Notarzt rufen, lässt Mona sich einen solchen Port legen. Sie will Milo retten, indem sie in seinen Kopf eindringt und die Ursache für das Koma beseitigt. Davor muss sie ihren eigenen Kopf für die neue Anwendung einrichten und erlebt dabei einige Überraschungen.
Joscha Doumas SF-Film spielt in der schon seit Jahrzehnten im Cyberpunk etablierten Welt, die heute immer mehr wie eine nur noch leicht überspitzten Beschreibung der Gegenwart wirkt. Entsprechend drängend sind die damit verbundenen und auch im Film angesprochenen Fragen nach Freiheit und Überwachung, nach Wahrheit und Lüge und Manipulation und nach der Echtheit von Gefühlen und Erinnerungen. Leider werden sie in „Cyberpunkt Romance“ arg oberflächlich und spannungsfrei behandelt. Daran ändern die gelungenen Sets und die Schauspieler nichts.
Im Film ist Big Tech nur ein Hintergrundrauschen. Obwohl es im Lauf der Geschichte eine Entdeckung gibt, die aus Monas Rettungsversuch eine kapitalismuskritische Geschichte machen könnte, bleibt die Firma, die die Ports herstellt, anonym. Es ist, als ob man über Hassbotschaften bei X (ex-Twitter) redet, dabei nicht auf die Interessen des Unternehmens und seines Chefs eingeht, sondern nur über individuelles Nutzungsverhalten redet. Es gibt also keinen Aufruf zur Enteignung oder zur stärkeren Kontrolle des Konzerns, sondern nur den Hinweis, man solle X nicht nutzen oder dort nur mit Freunden über Katzenbilder diskutieren. Das ist nicht falsch, greift aber zu kurz.
Cyberpunk Romance (Österreich/Deutschland 2026
Regie: Joscha Douma
Drehbuch: Belo Schwarz (Pseudonym von Joscha Douma)
mit Naemi Florez, Jannik Schümann, Thomas Mraz, Paula Hans, Eleonore Weisgerber, Anna Wagner
Die Menschheit hat es mal wieder geschaft. In ihrem Spielfilmdebüt „Gorgonà“ kämpfen, so wird uns am Filmanfang gesagt, rivalisierende Banden gegeneinander und Benzin – wir sind immer noch abhängig davon – ist fast unbezahlbar. Für einen Kanister Benzin verkauft eine Familie ihre Tochter. Danach gehört sie Nikos, dem Herrscher über das Öl und dem Anführer einer Bande muskulöser Männer. Er ist todkrank. Maria soll seine Nachfolgerin werden. Die Männer lehnen das ab.
Visuell und durch den Einleitungstext – die Geschichte spielt in Griechenland in einer Dystopie, in der um die letzten Liter Benzin gekämpft wird – erinnert die Bildende Künstlerin Evi Kalogiropoulous „Gorgonà” selbstverständlich an Mad Max. Bei der Geschichte – es geht um die Nachfolge am Hofstaat – denkt man sofort an Shakespeare. Später wird es sogar etwas übersinnlich, was noch eine Box bei Shakespeare ausfüllt.
Aber das sind nur Neugierde weckende Schlagworte für eine Dystopie, die nie mehr als eine mit etwas Lesbensex garnierte Abfolge gut aussehender Stillleben ist Mit der richtigen musikalischen Untermalung können die muskulösen gemeinsam am Wasser trainierenden und tanzenden halbnackten Männer, die knapp bekleideteten, ebenso gut aussehenden, eher gelangweilt herumlungernden Frauen, die langen Motorradfahrten und die atmosphärischen Landschaftsaufnahmen gut als leicht schwülstiges Musikvideos funktionieren. Jeglicher Inhalt, jede Story verschwindet hinter der fotogenen Pose.
Der Kampf um Öl und die „Mad Max”-Welt sind letztendlich vollkommen unwichtig für einen Film, in dem es vor austauschbarer Kulisse um eine Nachfolgeregelung geht. Denn ob Nikos der Herrscher über das Öl oder über Prostituierte in einem Tanzlokal ist, ob er ein Gangster oder ein ganz normaler Firmenchef ist, ist egal. Wir sehen ihn nie bei der Arbeit. Wir sehen ihn beim Training mit seinen Männern und mit Maria. Und wenn einer seiner Fußsoldaten es wagt, ihm zu widersprechen, erschießt er ihn. So wie alle cholerischen Gangsterbosse es in schlechten Spielfilmen tun.
Dieser Verzicht auf ein genaueres Ausmalen der von Kalogiropoulou aus anderen SF-Werken recycelten Versatzstücken ist sogar eine ziemlich kluge Entscheidung. Denn die „Mad Max”-Welt ist eine aus den siebziger Jahre kommende Vision einer Welt ohne den damals benötigten Treibstoff. Nach der Ölkrise und der befürchteten Erderwärmung war die Angst vor einer nicht mehr bewohnbaren Erde global vorhanden. Es war eine reale Angst – und die Filme gaben darauf eine düstere Antwort. Dystopien, in denen sich seltsam gekleidete Männer in Wüstenlandschaften und Baugruben (beides der feuchte Traum der Buchhaltung) budgetschonend kloppten und töteten, überschwemmten die Kinos. Heute werden sie ab und an im Spätprogramm gezeigt oder poppen bei einem Streamingdienst auf. Sie sind nur noch putzige Erinnerungen an eine Vergangenheit, in der ein gut platzierter rechter Hacken alle Probleme löste.
Als Dystopien, die sich mit Problemen der Gegenwart beschäftigen, taugen sie nicht. Wir sind zwar immer noch vom Öl abhängig. Aber nicht mehr so sehr, wie vor fünfzig Jahren. Mit Windrädern, Sonnenkollektoren und Batterien gibt es die verwirklichbare Vision einer anderen Welt.
Die Aufgabe von Künstlern wäre es also, neue Bilder für die Zukunft zu entwerfen.
„Gorgonà“ wiederholt nur die alten Bilder mit einem Minimalplot und einem Maximum an Pose. Dass Frauen eine wichtigere Rolle haben, macht Kalogiropoulous SF-Film nicht zu einem feministischen Werk. Jedenfalls wenn man vom Feminismus mehr erwartet als die Ersetzung eines männlichen Bandenführers durch eine ähnlich brutal agierende Anführerin.
Gorgonà(Gorgonà, Griechenland/Frankreich 2025)
Regie: Evi Kalogiropoulou
Drehbuch: Louise Groult, Evi Kalogiropoulou
mit Melissanthi Mahut, Aurora Marion, Christos Loulis, Kostas Nikouli
The Apprentice – The Trump Story(The Apprentice, USA 2024)
Regie: Ali Abbasi
Drehbuch: Gabriel Sherman
TV-Premiere. Biopic über Donald J. Trump und seine Freundschaft zu dem skrupellosen Rechtsanwalt Roy Cohn, der ihm den nötigen Feinschliff verpasste.
Obwohl ich die Minderheitenmeinung vertrete und das zwischen 1973 und Cohns Tod 1986 spielende Biopic für ärgerliche Zeitverschwendung halte, hat Abbasis Film für die Erstausstrahlung diese Uhrzeit nicht verdient.
Abbasi zeigt nichts was über einen schlechten SNL-Sketch hinausgeht und ist deutlich weniger informativ als eine gute Zeitungsreportage.
Zugegeben, die kompetent und flott erzählte Story wird keine Preise für Innovation, Logik und Realismus erhalten. Sie ist eine handelsübliche Action-B-Picture-Geschichte mit klar gezeichneten Figuren und einem ebenso klar gezeichnetem zentralen Konflikt. Aber die Action ist grandios und sie ist der Grund, sich diesen ACTION-Thriller anzusehen.
In einer großen, am Wasser gelegenen Stadt irgendwo in Südost-Asien leben der stumme Wang Wei (Xie Miao) und seine Tochter Rainy (Yang Enyou) zusammen ein einfaches, aber glückliches Leben. Das ändert sich, als Menschenhändler Rainy am helllichten Tag auf der Straße kidnappen. Für die Polizei ist Rainy nur ein weiteres spurlos verschwundenes Kind. Also muss Wang seine Tochter auf eigene Faust suchen. Zusammen mit dem Journalisten Navin (Joe Taslim) begibt er sich auf die Suche. Navin sucht seine spurlos verschwundene Frau. Die Enthüllungsjournalistin Matia jagte Paklung (Joey Iwanaga), den größten Menschenhändler der Stadt, des Landes und möglicherweise der gesamten Region.
Viel mehr Story benötigt Kenji Tanigaki nicht, um ein atemberaubendes Actionfeuerwerk zu entzünden. Das beginnt schon in der ersten Filmminute mit der Szene, in der Matia von den Bösewichtern enttarnt wird, setzt sich wenige Minuten später mit der Entführung von Rainy und Wangs anschließender Verfolgungsjagd über mehrere Straßen fort und geht so, mit kurzen Pausen, bis zum Ende weiter.
Alle wichtigen Rollen und damit zugleich auch alle kämpfenden Rollen werden von Kampfsportkünstlern gespielt. Nachdem Tanigaki in der ersten Actionszene etwas zu sehr schneidet, verlässt er sich später auf seine Kampfkünstler. Sie können in den oft grotesk eskalierenden Actionszenen ausführlich ihre Fähigkeiten präsentieren. Die Kamera versucht sie möglichst umfassend zu dokumentieren. Und das ist gut so.
Jedenfalls für alle, die einen Film à la „The Raid“ erwarten. Auch wenn es in den vergangenen Jahren einige Filme mit furioser handgemachter Action gab, gab es seit langem keinen Film mehr, der im Kino fast nonstop Action lieferte. Und dabei keine Sekunde langweilt.
The Furious(Huo zhe yan, Hongkong/Volksrepublik China 2025)
Regie: Kenji Tanigaki
Drehbuch: Mak Tin Shu, Lei Zhilong, Shum Kwan Sin, Frank Hui
mit Xie Miao, Joe Taslim, Yang Enyou, Brian Le, Jija Yanin, Yayan Ruhian, Joey iwanaga
Robin Hood kennen wir vor allem als jungen Mann, wenn er die allseits bekannten Abenteuer mit seinen allseits bekannten Freunden erlebt und den bösen Sheriff von Nottingham besiegt. Was danach geschah, wird dagegen seltener erzählt. Richard Lester tat es 1975 in „Robin und Marian“ mit Sean Connery und Audrey Hepburn als bittersüßes Melodrama. Außerdem kann ein Film mit Sean Connery nicht ganz schlecht sein.
Michael Sarnoski wählt einen anderen Ansatzpunkt in seinem „The Death of Robin Hood“. Bekannt ist er für das düstere, langsam erzählte Rachedrama „Pig“, ein Anti-“John Wick“-Thriller mit Nicolas Cage in der Hauptrolle, und „A quiet Place: Tag Eins“, seinem gelungenem Eintrag in das SF-Franchise. Gerade den Fans von „Pig“ sollte „The Death of Robin Hood“ gefallen.
1247 ist Robin Hood (Hugh Jackman, zuletzt die Leiche in „Glennkill“) ein alter Mann. Eine Legende, die irgendwo in den Bergen leben soll. Als Little John ihn um Hilfe bittet, muss er wieder in den Kampf ziehen. Sarnoski inszeniert diesen Rachefeldzug bildgewaltig als blutiges Gemetzel à la „The Northman“. Es sind hochästhetische Bilder, die in ihrer Brutalität verstören sollen.
Nach ungefähr vierzig Minuten gibt es einen Bruch. Im Breitbildformat 1:2,39 wird Robin Hood schwer verletzt. Mehr tot als lebendig wacht er in einem auf einer Insel liegendem Kloster auf. Ab diesem Moment erzählt Sarnoski die Geschichte im deutlich schmaleren 1:1,66-Format weiter.
Mit dem Wechsel des Bildformats beginnt ein neuer Film, in dem es nur noch um die Genesung von Robin Hood geht. Zuerst körperlich, dann auch geistig. Sarnoski erzählt dies enervierend ruhig. Schon bei seiner ersten Begegnung mit Schwester Brigid (Jodie Comer) ist der weitere Verlauf der Geschichte absehbar.
Den Mythos Robin Hood und Robin Hood hat Sarnoski bereits in den ersten Filmminuten demontiert. Zuerst erzählt Hood, ein alter, zotteliger in den Bergen lebender Einsiedler, einem durch die Einöde irrendem Mädchen, dass die Heldengeschichten über Robin Hood Lügen seien. Anschließend tötet er mit einem traurigem Blick das Kind, weil es ihn töten wollte. Sarnoski braucht keine fünf Minuten für diese Heldendemontage. Sein Robin Hood ist kein strahlender Held, sondern ein von seinen Taten verfolgter Mann, der Erlösung sucht – und müde weitermordet bis zu seinem schon im Filmtitel angekündigtem Tod.
Das ist dann etwas wenig Story und thematische Variation für einen über zweistündigen Film, der kontemplativ ähnliche Szenen aneinanderreiht.
The Death of Robin Hood(The Death of Robin Hood, USA 2026)
Regie: Michael Sarnoski
Drehbuch: Michael Sarnoski
mit Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård, Murray Bartlett, Fatih Delaney, Noah Jupe
Zum Glück orientiert sich der Film am ersten Trailer. Der zweite Trailer lässt einen generischen 08/15-Horrorfilm erwarten, in dem Menschen von einem Monster mehr oder weniger blutig, mehr oder weniger schrecklich durch dunkle Räume gejagt und fotogen ermordet werden.
„Backrooms“ verlässt sich dagegen auf die Idee der Backrooms, der kafkaesken Hinterzimmer, in denen mal nichts, mal teils deformierte Möbel und und auch andere Gegenstände herumliegen. Vieles sieht aus, als habe jemand sie hergestellt, der die Originale nicht kennt. Die Wände, Decken und Böden schimmern in einem kränklichen Ocker; eigentlich haben sie keine Farbe, sondern einen Platzhalter-Farbton. Ein Raum führt in die nächsten Räume. Einige spätere Räume erinnern an seltsam verschobene Küchen und funktionslose Freizeiträume. Manchmal scheint man am Ende des Ganges auch einen anderen Menschen zu erblicken. Und es gibt seltsame Geräusche und nicht minder seltsame Stimmen.
Es ist ein M.-C.-Escher-würdiges Labyrinth, das Clark (Chiwetel Ejiofor) im Sommer 1990 erkundet. Es ist im Keller des von ihm geführten, kurz vor der Pleite stehenden Möbelgeschäftes, das in einem Vorort von Silicon Valley ist. Der Zugang erfolgt indem man einfach an einer bestimmten Stelle der Wand durch die Wand geht. Danach ist man in Räumen, die viel größer als das Möbelgeschäft sind und die keine erkennbare Funktion haben.
Zuerst erkundet er die Räume allein, dann mit seiner Angestellten Kat (Lukita Maxwell) und ihrem Freund Bobby (Finn Bennett). Sie sollen bezeugen können und auf Video aufnehmen, was er sieht. Sonst wird ihm niemand glauben. So ist seine Psychologin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve), als er ihr davon erzählt, skeptisch. Er ist bei ihr wegen seiner gescheiterten Ehe, seiner ebenso gescheiterten Karriere als Architekt, seinen Wutausbrüchen und seiner generell instabilen Psyche in Behandlung. Es klingt auch ziemlich irre, was er ihr erzählt. Trotzdem folgt sie ihm später durch die Wand in die Backrooms.
Die Idee dafür hatte der heute Zwanzigjährige Kane Parsons als Sechzehnjähriger. Inspiriert von einer Internet-Horrorgeschichte, einer Creepypasta, experimentierte er mit der Open-Source-3D-Software Blender und Adobe After Effects und dem Konzept von Liminal Spaces herum, also unbewohnten Orten, Nicht-Orten und Transiträumen. In diesem Fall sind es Räume, die mehr Skizzen als echte Räume sind. Seinen ersten Film lud er 2022 auf YouTube hoch. Innerhalb von zwei Wochen wurde der neunminütige Clip zwanzig Millionen Mal aufgerufen. Seitdem erstellte er 24 weitere Episoden und Hollywood klopfte an seine Tür.
Mit seinem Spielfilmdebüt „Backrooms“ übertrug er dieses Konzept mit TV-Drehbuchautor Will Soodik auf die große Leinwand. Innerhalb weniger Tage wurde der 10 Millionen US-Dollar teure Horrorfilm zu einem riesigen Kassenerfolg und dem erfolgreichsten Film von A24. In den USA spielte er seit seinem Kinostart am 29. Mai etwas über 160 Millionen US-Dollar und weltweit über 250 Millionen US-Dollar ein. Um die Zahlen besser einordnen zu können helfen einige Vergleiche: „Masters of the Universe“ spielte in den USA bislang keine 50 Millionen US-Dollar und „Star Wars: The Mandalorian & Groku“ etwas über 160 Millionen US-Dollar ein. „Backrooms“ ist aktuell der zweiterfolgreichste Horrorfilm des Jahres; auf dem ersten Platz steht „Obsession“ (der bei uns am 25. Juni anläuft).
Neben den die Buchhalter in einen Glücksrausch versetzenden Zahlen überzeugt „Backrooms“ auch als Horrorfilm. In für einen Spielfilm, vor allem für einen Horrorfilm, unüblichen langen Einstellungen erzählt Kane Parsons eine Geschichte, die vor allem von ihrer Atmosphäre lebt. Die riesigen menschenleeren und funktionslosen Räume und die Geräusche beunruhigen. Die Räume wirken immer etwas falsch. Und die Hauptfiguren haben mit seelischen Problemen zu kämpfen. Parsons lässt sich auf seine Figuren und ihr Gefühlsleben ein. Und er erklärt fast nichts. Das führt dazu, dass die Erklärung am Filmende zugleich zu viel und zu wenig erklärt.
Aber das ist bestenfalls ein kleiner Kritikpunkt an diesem überzeugendem Debütfilm eines überraschend jungen Regisseurs. Wenn man nicht wüsste, dass Parsons erst zwanzig Jahre alt ist, würde man einen älteren Regisseur hinter der Kamera vermuten.
Selbstverständlich wird es weitere Filme geben, die in der Welt der Backrooms spielen. Davor dürfte „Backrooms“, zu Recht, auf einigen Jahresbestenlisten auftauchen.
Backrooms(Backrooms, USA 2026)
Regie: Kane Parsons
Drehbuch: Will Soodik
mit Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Lukita Maxwell, Finn Bennett
Julia liebt Motorräder. Um bei illegalen Motorradrennen mitfahren, stiehlt sie Motorräder und wird Mitglied in einer kriminellen Bande.
TV-Premiere. Die kraftvolle Inszenierung, die unverbrauchten Gesichter, das Porträt einer wenig bekannten Subkultur und die Stunts überzeugen in diesem kleinen, dreckigen Debütfilm über eine Frau, die nur auf einem Motorrad Freiheit fühlt.
Während Zombies durch die USA schlurfen, machen sich der regelsüchtige Feigling Columbus (Jesse Eisenberg), Raubein Tallahassee (Woody Harrelson) und die beiden Schwestern Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) auf den Weg zu einem angeblich zombiefreiem Vergnügungspark.
Auf dem Höhepunkt der Zombiewelle war „Zombieland“ eine Überraschung. Gleichzeitig wurden die Regeln der Zombiefilme befolgt und durch den Kakao gezogen von einem spielfreudigen Ensemble und mit mehr als einer Portion schlagkräftigem Humor und kunstvoll über die Leinwand spritzenden Zombiehirnen. Der Spaß kam bei den Horrorfans gut an.
mit Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Emma Stone, Abigail Breslin, Bill Murray, Amber Heard
Götz George (23. Juli 1938, Berlin – 19. Juni 2016, Hamburg)
NDR, 22.00
Tatort: Der Fall Schimanski (Deutschland 1991)
Regie: Hajo Gies
Drehbuch: Axel Götz, Thomas Wesskamp
Schimanski soll bestechlich sein. Er wird suspendiert und ermittelt auf eigene Faust.
Letzter Schimanski-Tatort mit einem legendärem Ende. Einige Jahre nach „der brillanten Schimanski-Persiflage“ (Eike Wenzel: Der Star, sein Körper und die Nation. Die Schimanski-TATORTe, in Wenzel, Hrsg.: Ermittlungen in Sachen TATORT, 2000) ging es mit der insgesamt durchwachsenen TV-Reihe „Schimanski“ weiter.
mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Ulrich Matschoss, Ludger Pistor, Armin Rohde, Maja Maranow, Brigitte Janner, Jochen Senf (als Gastkommissar Palu)
In „Die große Verdrängung“ erzählt Roberto Grossi nicht das, was man nach einem flüchtigen Blick auf das Titelbild vermuten könnte. Jedenfalls nicht nur und nicht an erster Stelle. Die steigende Zahl von Flüchtlingen, die in der oberen Bildhälfte zu sehen sind, ist eine Folge des Klimawandels. Klimawandel ist dabei ein gern benutzter Euphemismus für die katastrophalen Folgen, die eine weitere Erwärmung der Erde hat. Nämlich dass Tiere und Pflanzen vermehrt aussterben, dass die überlebenden Tiere und Pflanzen sich zunehmend andere Lebensräume suchen und dass große Teile des Planeten für Menschen unbewohnbar werden. Außer man möchte 24/7 in einer klimatisierten Wohnung sitzen und auf die Wüste starren.
In seinem Comic „Die große Verdrängung“ warnt Roberto Grossi vor dieser Veränderung und er ruft zum Handeln auf. Er verbindet dabei eine etwas längere, glänzend recherchierte und präzise geschriebene Reportage mit Bildern, die durch ihre Platzierung und Kombination, zum Nachdenken anregen. Dabei zeigt er auch die Zusammenhänge zwischen Umweltzerstörung, daraus entstehenden Konflikten, Industrialisierung, Kapitalismus und Flucht auf. Er zeigt, wie in komplexen Systemen manchmal kleine von Menschen vorgenommene Veränderungen große Veränderungen haben können.
„Die große Verdrängung“ ist äußerst lesenswert als schneller und gelungener Einstieg in das vielschichtige Thema. Aufgrund der Zeichnungen ist es ein zum Nachdenken anregender Kurzessay über die Zusammenhänge zwischen verschiedenen menschheitsbedrohenden Problemen und wie sie gelöst werden können. Auch wenn Grossi nach dem ersten Schritt – dem Schaffen von Aufmerksamkeit und Problembewusstsein über die titelgebende ‚große Verdrängung‘ – den zweiten nur skizziert.
Dafür wurde „Die große Verdrängung“ in der Kategorie „Sachbuch“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2026 nominiert. Die Preisverleihung ist am 9. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse.
Das Phantom der Oper(The Phantom of the Opera, USA 1925)
Regie: Rupert Julian, Edward Sedgwick (nicht genannt), Ernst Laemmle (nicht genannt), Lon Chaney (nicht genannt)
Drehbuch: Raymond Schrock (nicht genannt), Elliot J. Clawson (nicht genannt), Walter Anthony (nicht genannt), Bernard McConville (nicht genannt), Frank M. McCormack (nicht genannt), Tom Reed (nicht genannt), Jasper Spearing (nicht genannt), Richard Wallace (nicht genannt)
LV: Gaston Leroux: Le Fantôme de l’Opéra, 1909/1910 (Das Phantom der Oper)
In den Katakomben unterhalb der Pariser Oper lebt das titelgebende Phantom: ein begnadeter Musiker, der nach einem Unglück nur noch maskiert durch die Gänge schleicht, in das Geschehen auf und neben der Bühne eingreift und auch mordet Er will eine junge, von ihm bewunderte Sängerin zum Star der Oper machen.
„bis heute die schönste und originalgetreueste Verfilmung des Romans von Gaston Leroux“ (James Marriott/Kim Newman: Horror, 2007)
Ein Klassiker des Stummfilms und des Horrorfilms. Legendär wegen Lon Chaneys Maske. Der Horrorfilm existiert in vielen verschiedenen Fassungen. Das erklärt auch die Menge der nicht genannten Regisseure und Drehbuchautoren, die teils nur für bestimmte Aspekte des Drehbuchs verantwortlich waren.
Arte zeigt eine restaurierte Fassung, verrät aber nicht, welche.
mit Lon Chaney, Mary Philbin, Norman Kerry, Snitz Edwards, Gibson Gowland
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Lesetipp
Vor wenigen Tagen erschien Sabine Schwienteks umfangreiche Biographie über Lon Chaney (1. April 1883 – 26. August 1930). Auf 416 Seiten dürfte sie ungefähr jede Frage über den ‚Mann mit den 1000 Gesichtern‘, sein Leben, sein Werk und seine Bedeutung für Hollywood und den Horrorfilm beantworten. Das ist vielleicht keine klassische Strandkorblektüre, aber in jedem Fall ein Buch, das einen im Urlaub mehrere Tage fesseln sollte.
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Sabine Schwientek: Lon Chaney – Das Phantom von Hollywood
Seit einigen Tagen zeigt Apple TV die zehnteilige Neuverfilmung mit Javier Bardem als Bösewicht. Das Finale ist für den 31. Juli angekündigt.
Heute zeigt Arte eine frühere Verfilmung der von John D. MacDonald geschriebenen Geschichte
Arte, 22.00
Kap der Angst(Cape Fear, USA 1991)
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Wesley Strick, James R. Webb (Drehbuch zur Verfilmung von 1962)
LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)
Max Cady will sich nach 14 Jahren Haft an seinem Pflichtverteidiger Samuel Bowden rächen. Dieser unterschlug damals entlastende Beweise.
Das Remake von „Ein Köder für die Bestie“ (USA 1962, Regie: J. Lee Thompson) ist als Scorsese-Film enttäuschend, als – auch brutales – Psycho-Duell zwischen Nick Nolte und Robert De Niro hochspannend. Und wenn Robert De Niro Juliette Lewis im Märchenwald verführt, gefriert einem das Blut.
Mit Nick Nolte, Robert De Niro, Jessica Lange, Juliette Lewis, Joe Don Baker, Martin Balsam, Gregory Peck, Robert Mitchum
Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)
Regie: Jean-Paul Salomé
Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)
LV: Hannelore Cayre: La daronne, 2017 (Die Alte)
Patience Portefeux (Isabelle Huppert) kommt als schlecht bezahlte Übersetzerin für das Pariser Drogendezernat gerade so über die Runden. Als sie bei einem Telefonat von einem großen Drogendeal erfährt, in den der Sohn einer Pflegerin ihrer Mutter involviert ist, hat sie eine Idee. Kurz darauf hat sie anderthalb Tonnen Haschich im Keller eines Mietshauses gelagert und sie beginnt die Drogen an die richtigen Männer zu verkaufen. Während die Polizei unbedingt die neue Drogengroßhändlerin schnappen will.
Wundervollen Krimikomödie zu einer berauschenden Uhrzeit.