Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?
Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.
Nun, entgegen der allgemeinen Euphorie fand ich „Shutter Island“ todsterbenslangweilig und ungefähr so subtil wie Scorseses John-D.-MacDonald-Verfilmung „Kap der Angst“ (Cape Fear, USA 1991). Lehanes Roman ist dagegen grandios.
Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas
Westdeutsche Provinz, in den Achtzigern – Daniela Dröschers autobiographisch beeinflusster Roman, der 2022 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand, spielt im Hunsrück (wie auch Shida Bazyars dieses Jahr mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneter Roman „Die Lücken“), Aaron Lehmanns Verfilmung ist da ungenauer -: Cornelia (Rosalie Thomass, auch Drehbuch) hat den gertenschlanken Werner (Golo Euler) geheiratet und lebt nun mit ihm und ihrer Tochter Ela (Elise Lindner) in dem Dorf Obach bei Werners Mutter, die ihre abgrundtiefe Abneigung gegenüber Cornelia nicht verhehlt. Werner ist der Alleinverdiener und er will auch, dass es so bleibt. Vom gesellschaftlichen Aufbruch und den in den Siebzigern erkämpften Freiheiten ist in diesem Haus nichts angekommen.
Diese an sich schon unerträgliche Situation verschlimmert sich, als Werner, ganz großkotzig-dummer Macho der alten Schule, sich auf Cornelias Gewicht fixiert. Er hält sie für zu dick. Er glaubt, dass er wegen ihr nicht befördert wird. Er hat den perfekten Sündenbock für sein Versagen gefunden: Cornelias Gewicht.
Erzählt wird dies von der siebenjährigen Ela, die eine überaus altkluge, fantasiebegabte und entsprechend unzuverlässige Erzählerin ist.
Das führt zu einigen witzigen und satirischen Brechungen in diesem Kleinstadt-Horrorfilm, der aber viel zu oft diffus bleibt. So ist unklar, wann und wo der Film spielt. Denn Provinz ist nicht gleich Provinz. Unklar ist auch – und das ist ein größeres Problem – warum die lebenslustige Fremdsprachensekretärin Cornelia sich in Werner verliebte und warum sie bei ihm bleibt. Vor allem nachdem sie, gegen Werners Widerstand, wieder arbeitet und sogar eine anscheinend erkleckliche Erbschaft erhält.
Stattdessen wiederholt „Lügen über meine Mutter“ die immergleichen Punkte. Der Erkenntnisgewinn ist gering und, bei dem Mann, auch schon nach wenigen Minuten offensichtlich.
Lügen über meine Mutter (Deutschland 2026)
Regie: Aron Lehmann
Drehbuch: Rosalie Thomass
LV: Daniela Dröscher: Lügen über meine Mutter, 2022
mit Rosalie Thomass, Elise Lindner, Golo Euler, Johanna Gastdorf, Juliane Köhler, Anneke Kim Sarnau, Rainer Laupichler
Damals, als es die DDR, West- und Ostberlin noch gab: Die Menschenschmuggler Horst Bremer (Marius Müller-Westernhagen) und Martin Poll (Götz George) wollen eine DDR-Bürgerin in den Westen schmuggeln. Dummerweise geht der Plan schief, eine unbekannte Frauenleiche liegt an der Transitstrecke und Kommissar Schmidt (Martin Hirthe) hat einen neuen Fall.
Alter SFB-Tatort (ist heute der RBB), der mit einer tollen Besetzung (George! Westernhagen!) hundert Minuten in die siebziger Jahre entführt.
mit Martin Hirthe, Ulrich Faulhaber, Wilfried Klaus, Bernd Bauer, Marius Müller-Westernhagen, Götz George, Gisela Dreyer, Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer
Die impulsive Jo und die schlaue Raissa sind schon seit Ewigkeiten beste Freundinnen. Aber jetzt ist die Schule zu Ende. Raissa wird am nächsten Tag die Philippinen in Richtung California Institute of Technology verlassen. Sie wurde dort angenommen. Für Jo ist das eine Katastrophe. Ihr Talent liegt im verursachen von Chaos und dabei Spaß zu haben. Aber sie haben noch eine Nacht, die sie gemeinsam am Strand verbringen können.
Plötzlich öffnet sich, vom Meer kommend, ein Portal, das sie zur mythischen Insel Nakali herab zieht. Dort werden sie am nächsten Tag am Strand wach. Sie erinnern sich an nichts. Aber der auf den ersten Blick sympathische Werwolf-Hund Raww, der sich im Verlauf von Joel Crawford und Januel Mercados Animationsfilm „Forgotten Island“ als überaus windiger Geselle entpuppt, kann ihnen helfen. Er verrät ihnen auch, wie sie wieder in ihre Welt zurückkehren können. Die Sache hat nur einen kleinen Haken: dafür müssen sie Erinnerungen opfern.
Und schon sind wir mitten drin in einer Achterbahnfahrt, die keine Verschnaufpause kennt. Ständig passiert etwas. Es gibt Gags und Überraschungen am laufenden Band. Immer sieht es toll aus. Während des Films lenkt das ziemlich erfolgreich davon ab, dass die Geschichte nicht gut ist. Da werden Figuren von Szene zu Szene mal gut, mal böse; halt gerade so, wie es in dieser Szene überraschender ist. Eine emotionale Bindung des Zuschauers an die Figuren kann so nicht entstehen. Da werden wichtige Punkte galant übergangen. Das beginnt schon mit der Etablierung der Freundschaft zwischen Raissa und Jo. Vor dem Büro des Direktors erzählt Raissa Jo, dass sie sie in der Klasse verteidigte, nachdem die Lehrerin Jo wegen ihres Benehmens zum Direktor schickte. Wie Raissa Jo verteigte, wird nicht gezeigt.
Das geht so weiter. Später wird gesagt, jeder Gegenstand am Freundschaftsband von Jo und Raissa stehe für ein wichtiges Ereignis in ihrer Freundschaft. Gezeigt werden uns diese Ereignisse nicht. So fragen wir uns, warum ein Mixtape im Lauf einer jahrelangen Freundschaft so wichtig sein soll.
Auch bei den anderen Figuren erfahren wir nichts über ihre Erinnerungen. Aber wir sollen glauben, dass der Verlust bestimmter Erinnerungen aus lieben Wesen ganz furchtbar böse Wesen machen kann.
Entsprechend abrupt verlaufen verschiedene Entwicklungen bei den Figuren. Und die Botschaft des Films, die auch etwas mit Freundschaft zu tun hat, kommt ziemlich unvermittelt.
Auf der Plus-Seite des Films steht eindeutig der starke Fokus auf die philippinische Kultur. In diesem Punkt erinnert Crawford und Mercados DreamWorks-Film „Forgotten Island“ an den Disney-Film „Vaiana“ (Moana, USA 2016; 2026 gab es ein überflüssiges Remake). Auch dass Frauen hier in der ersten Reihe stehen, gefällt.
Vollkommen unklar ist, für wenn der Film gemacht wurde. In Deutschland ist „Forgotten Island“ ‚frei ab 12 Jahre‘. Von seiner Machart her ist es ein klassischer Animationsfilm, der in erster Linie Kinder anspricht. Also Menschen bis 12 Jahre. Die in dem Film angesprochenen Themen und wie sie behandelt werden, sind dann eher für die Knapp-Zwanzigjährigen gedacht, die nach dem Abitur überlegen, in welche Stadt sie zum studieren umziehen sollen. Für sie sind die Figuren und die Konflikte dann zu einfach. Außerdem können sie sich einen Film mit ungefähr gleichaltrigen Protagonisten ansehen, die vor den gleichen Fragen stehen.
„Forgotten Island“ ist ein Kinderfilm, der sein Thema als Thema für Erwachsene behandelt.
Forgotten Island(Forgotten Island, USA 2026)
Regie: Joel Crawford, Januel Mercado
Drehbuch: Joel Crawford, Januel Mercado
mit (im Original den Stimmen von)H.E.R., Liza Soberano, Dave Franco, Jenny Slate, Manny Jacinto, Dolly de Leon, Jo Koy, Ronny Chieng, Lea Salonga
(in der deutschen Synchronisation den Stimmen von) Magdalena Höfner, Gabrielle Pietermann, Tim Schwarzmaier, Maximiliane Häcke, Manuel Straube
Gewalttätige Jugendliche, Konflikte mit den Eltern, Rockmusik, die Anfänge der World Music, stundenlange drogengeschwängerte Sessions, Hippies, esoterische Sinnsuche und das damit verbundene Ausprobieren von Heroin, Haschisch, LSD und was sonst noch die Chemieküche und der Urwald hergaben. So kann man die 60er Jahre beschreiben. Ein für die Sinnsuche beliebtes Reiseziel, selbstverständlich im VW Bulli, waren Indien und die nördlichen Anrainerstaaten.
Einer der Reisenden war der am 19. März 1941 in Hellerup (Dänemark) geborene Ole Nydahl. Zusammen mit seiner Frau Hannah fuhren sie in den späten sechziger Jahren dorthin. Sie kehrten mit Drogen und einem Buch zurück. An der Grenze wurden sie verhafet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Zeit in der Isolationshaft verbrachte Ole mit dem Studieren des Buches und Meditieren.
Nach der Haft fuhren er und Hannah in den Tibet. Im Himalaya verbrachten sie über zwei Jahre bei dem 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje, dem höchsten Lama der Karma-Kagyü-Schule des tibetischen Buddhismus. Die Begegnung mit ihm hatte Ole tief beeindruckt. Sie wurden seine Schüler. 1972 beauftragte der 16. Karmapa Ole und Hannah Nydahl mit dem Aufbau religiöser Zentren im Westen. Das taten sie seitdem höchst erfolgreich.
Márta György-Kessler, selbst Buddhistin, langjährige Begleiterin von Lama Ole und Hannah Nydahl und seit 2002 als buddhistische Lehrerin in vielen Ländern tätig, konzentriert sich in ihrem Dokumentarfilm „Meeting the Buddha“ auf Ole Nydahls Leben. Chronologisch, mit spürbarer Sympathie und vollkommen unkritisch erzählt sie, wie aus einem Rabauken und Frauenheld ein Missionar wird und wie er fortan überall die Botschaft des Buddhismus predigte.
Dazu gibt es einige Informationen über den Buddhismus und den 16. und 17. Karmapa, Statements von Vertrauten und viele zeitgenössische Aufnahmen. Meistens Fotografien. Ergänzt werden die Bilder von einigen animierten Teilen. Das ist, weil György-Kessler mit ihren Co-Autoren und Editoren über anderthalb Jahre an der Struktur des Films arbeitete und sie einen zehnstündigen Rohschnitt erstellten, den sie anschließend auf immer noch
epische 151 Minuten kürzten, sehr dicht erzählt.
Wer allerdings auch nur einen milde kritischen Anspruch an den Film erhebt, wer mehr über die Hintergründe des Buddhismus, vor allem seiner Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg, erfahren möchte und wer erfahren möchte, warum der Buddhismus im Westen in den vergangenen Jahrzehnten so beliebt wurde, wird enttäuscht sein. Der Buddhismus als Religion erschöpft sich in Lama Ole Nydahls Statements zu einem getätigtem mündlichen Bekenntnis und Meditation. Ole Nydahls schlechte Seiten und seine teils reaktionären politischen Ansichten werden übergangen. Dafür interessiert sich György-Kessler in ihrem Dokumentarfilm überhaupt nicht.
Wer eine gut gemachte Heldenverehrung und einen oberflächlichen Image-Film für den Buddhismus sehen möchte, wird mit „Meeting the Buddha“ gut bedient.
Nydahl starb am 18. Mai 2026 in Immenstadt im Allgäu. Seine Frau Hannah starb bereits 2007. Über sie drehte György-Kessler 2014 den Dokumentarfilm „Hannah – Ein buddhistischer Weg zur Freiheit“. Einiges Material, das für „Hannah“ entstand, verwendete sie jetzt „Meeting the Buddha“.
Meeting the Buddha (Meeting the Buddha, Großbritannien 2025)
Regie: Márta György-Kessler
Drehbuch: Márta György-Kessler, Tobias Dörr, Adam Penny
mit Lama Ole Nydahl, Hannah Nydahl, Rangjung Rigpe Dorje (16. Gyalwa Karmapa), Thaye Dorje (17. Gyalwa Karmapa)
Das einiges verratende Filmplakat gab es noch nicht. Einen Trailer habe ich mir vorher nicht angesehen. Die nebulöse Synopse, dass Michael Fassbender und Alicia Vikander in einem südkoreanischen Film mitspielen und dass Mubi ihn verleiht, signalisierten einen Slow-Cinema-Kunstfilm. Viel Stille, wenig Bewegung und alles hübsch verrätselt für Interpretationen über die Art der Bedrohung, die ein Dorf mit etwas konfrontiert, das ihre Vorstellungskraft übersteigt.
So beginnt der Film auch. Ein Polizist steht auf einer einsamen Straße zwischen nicht enden wollenden trockenen Feldern vor einen Tierkadaver. Irgendetwas hat das Rind regelrecht zerfetzt und ausgeweitet. Einige jüngere, sich unschuldig gebende Dorfbewohner, die anscheinend auch stadtbekannte Wilderer sind, stehen neben dem Kadaver. Einer sagt, ein Tiger könne für die Verletzung verursacht haben. Ein anderer Dorfbewohner habe ihm etwas von einem seltsamen Tiger erzählt, der durch die Wälder streife.
Bum-seok überzeugt das nicht. Aber eine bessere Erklärung hat der Leiter des in Südkorea in der Nähe der demilitarisierten liegendem Dorf Hope Harbor nicht. Er beginnt mit der Organisation nach der Jagd nach dem Tier.
In den folgenden Minuten zeigt Na Hong-jin („The Chaser“, „The Wailing: Die Besessenen“), was dieses sich rasend schnell bewegende Wesen angerichtet hat. Das Dorf sieht aus, als habe ein Wirbelsturm getobt. Das kann kein Tiger und auch keine Horde Tiger gewesen sein.
Im Film vergehen um die fünfzig Minuten, bis Na Hong-jin zum ersten Mal das Wesen in seiner ganzen Pracht zeigt. In dem Moment ist die fast pausenlose Jagd zwischen Menschen und Aliens bereits in vollem Gang. Und bis zum schamlos auf eine Fortsetzung spekulierendem Ende ist „Hope“ ein 158-minütiger Actionritt mit einigen eingestreuten Comedy-Elementen und der Erkenntnis, dass südkoreanische Helden quasi unsterblich sind.
Mit 158 Minuten ist „Hope“ auch zu lang. So zieht sich die Erzählung eines alten Mannes, der im Wald beim Verrichten eines menschlichen Bedürfnisses (das betont er mehrmals) die Aliens entdeckte, ewig hin. So ziehen die Kämpfe zwischen Bum-seok (Hwang Jung-min), seiner überaus taffen neuen Kollegin Sung-ae (Hoyeon), dem einheimischen Jäger Sung-ki (Zo In-sung) und weiteren Menschen und den bis fast zum Schluss anonym bleibenden, ebenfalls fast unbesiegbaren Aliens sich endlos hin. Bum-seok, Sung-ae und Sung-ki kämpfen manchmal zusammen, manchmal getrennt im Wald, auf nicht enden wollenden Straßen und in der zunehmend zerstörten Stadt gegen die Aliens. Im Kampf und beim fotogenen Sterben zwischen Mensch und Alien gibt es immer noch eine weitere abstruse Wendung und noch eine überraschende Auferstehung. Das sorgt für Amüsement und gleichzeitig für eine gewisse Langeweile.
Die Aliens sind anonyme Monster, die töten, weil sie töten. Das ändert sich am Ende, wenn Na Hong-jin in einem zu lang geratenem Infodump, vieles über die Aliens, deren Welt und warum sie auf der Erde sind, verrät. Für diesen Film sind die Informationen unwichtig. Für eine etwaige Fortsetzung nicht.
Am Ende bleibt ein Missverhältnis zwischen Länge, teils klamaukigem Humor, Minimal-Story (eigentlich besteht die Story nur aus weitgehend beliebig aneinandergereihten Actionszenen mit eindimensionalen Figuren) und atemberaubenden, nicht enden wollenden Actionszenen. Nennen wir „Hope“ einen Rohdiamanten.
Hope (호프, Südkorea 2026)
Regie: Na Hong-jin
Drehbuch: Na Hong-jin
mit Hwang Jung-min, Zo In-sung, Hoyeon, Taylor Russell, Cameron Britton, Alicia Vikander, Michael Fassbender
Seit vierzig Jahren sind Lore (Dagmar Manzel) und Harry (Joachim Król) miteinander verheiratet. Die Tochter ist aus dem Haus – und lädt sie zu ihrer dritten Hochzeit ein. Harry genießt inzwischen das Leben als Pensionär zwischen Gartenpflege und Bierkonsum. Lore arbeitet noch in der Bibliothek und organisiert Lesungen mit, unter anderem, Clemens Meyer und Christoph Hein. Aber soll das alles gewesen sein? Und Warum bleibt man nach vierzig Jahren Ehe immer noch zusammen?
Während Andreas Dresen, nach einem von ihm und Laila Stieler geschriebenem Drehbuch, die beiden leise groß aufspielenden Hochkaräter Joachim Król und Dagmar Manzel lustvoll miteinander zanken lässt, wird schnell die tiefe Verbundenheit zwischen ihnen deutlich. Sie gehören zusammen. Damals und heute immer noch.
„Alte Liebe“ ist ein zwischen Küche und kleinem Wohnzimmer spielendes Zwei-Personen-Stück. Das Kammerspiel wirkt dabei nie wie ein irrtümlich ins Kino gekommenes Fernsehspiel, sondern, dank seiner beiden Hauptdarsteller und den Bildern, immer wie ein für die große Leinwand inszenierter Kinofilm.
Für Laila Stieler und Andreas Dresen ist „Alte Liebe“ nach den auf Tatsachen beruhenden Dramen „Gundermann“, „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ und „In Liebe, eure Hilde“ ein kleiner Film. Er ist eine gelungene Entspannungsübung über den Sinn des Lebens und lebenslanger Partnerschaften, wie die zwischen Dresen und Stieler. Sie lernten sich 1985 kennen und arbeiteten bei neun Langfilmen zusammen.
Ihr neuester, gewohnt sehenswerter und gelungener Film richtet sich vor allem an ältere Menschen, die vor den gleichen Fragen wie Harry und Lore stehen.
Alte Liebe (Deutschland 2026)
Regie: Andreas Dresen
Drehbuch: Laila Stieler, Andreas Dresen
LV: Elke Heidenreich/Bernd Schroeder: Alte Liebe, 2009
mit Dagmar Manzel, Joachim Król, Anna von Seld, Liane Düsterhöft, Christoph Hein, Clemens Meyer
Wie kam es, dass das Wall Street Journal die ‚Facebook-Files‘ veröffentlichte?
Nun, indem sie einen Journalisten einstellten, der zu spät zum Vorstellungsgespräch kam, weil er das Navi in seinem Leihwagen nicht bedienen konnte. Und wir reden hier nicht von der Steinzeit, sondern von 2019.
Ein Investigativjournalist muss allerdings am Beginn seiner Recherche nicht unbedingt ein Fachmann in dem Gebiet sein, über das er berichtet. Er muss von seiner Redaktion die Zeit für eine umfassende, möglicherweise ins Nichts führende Recherche erhalten. Er muss ein Gespür für eine mögliche Story haben. Er muss hartnäckig sein. Er muss geduldig sein. Er muss nachfragen, nachfragen und nochmal nachfragen, bis er alles verstanden hat. Und er muss mit schwierigen Menschen umgehen können.
Wenn das alles zusammenkommt, können die Journalisten Skandale aufdecken, für Diskussionen sorgen, den Anstoß für Veränderungen geben und die Inspiration für nah an der Wirklichkeit entlang erzählte Spielfilme sein. Genannt seien die Klassiker „Die Unbestechlichen“, „The Insider“, „Spotlight“ und „She said“. „The Social Reckoning“ reiht sich mühelos hier ein.
In seinem neuen Film erzählt Aaron Sorkin nach „The Social Network“ (seiner von David Fincher inszenierten Version der Gründung von Facebook) eine weitere Facebook-Geschichte. Dieses Mal geht es um die ‚Facebook-Files‘, eine Serie von aufsehenerregenden Reportagen, die im September 2021 im Wall Street Journal erschienen. In ihnen wird nachgewiesen, dass Facebook die für die User und die Gesellschaft schädlichen Folgen seiner Veränderungen am Algorithmus kannte und forcierte. So wurden den Usern vermehrt Hass-Postings und einseitige, vor allem reaktionäre, ausländerfeindliche und auf Lügen, falschen, unvollständigen und hoffnungslos verzerrten, Misstrauen erzeugende Posts gezeigt. Sie wurden nach oben gerankt und weitergeleitet.
Denn Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg ging es bei der Installierung der neuen Regeln, wie Meaningful Social Interaction (MSI), und weiteren Änderungen nur um die Steigerung des Umsatzes und des Gewinns der von ihm beherrschten sozialen Netzwerke.
Die Folgen für die seelische Gesundheit von Teenagern interessierten ihn nicht. Auch nicht die Folgen für die Gesellschaft. So war, wie auch Sorkin in „The Social Reckoning“ zeigt, der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 der Höhepunkt und eine unmittelbare Folge der auf Facebook in den Monaten davor und am 6. Januar verbreiteten und gepushten Nachrichten.
Sorkin erzählt in seinem Journalismusfilm diese Geschichte. Als Investigativjournalist Jeff Horwitz (Jeremy Allen White) mit seiner Recherche beginnt, stößt er nur auf verschlossene Türen und einen sich hermetisch abschottenden Konzern. Als Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen (Mikey Madison) mit ihren Warnungen bei ihren Vorgesetzten immer wieder ignoriert wird, kontaktiert sie Horwitz. Sie erklärt ihm (und uns) diese streng geschützten Interna. Obwohl sie niemals ihre Identität enthüllen wollte, tut sie dies mit der Veröffentlichung der Artikelserie. Am 5. Oktober 2021 sagt sie vor einem Ausschuss des US-Senats aus.
Während der ganzen Zeit arbeitet Facebook gegen sie – und in einem Subplot zeigt Sorkin den zu keinem normal-menschlichem Gefühl fähigen Mark Zuckerberg (Jeremy Strong) bei den Vorbereitungen für das Hearing im Senat.
Dieses Mal übernahm Aaron Sorkin auch die Regie. Er schrieb und inszenierte eine packende, dichte, intensive und informative Version der damaligen Ereignisse als klassischen Journalismus-Thriller. Es gelingt ihm, wie in einer gelungenen Zeitungsreportage, das komplexe Material nachvollziehbar aufzubereiten und spannend zu präsentieren.
So reiht sich „The Social Reckoning“ mühelos in Aaron Sorkins beste Arbeiten ein.
Damit sich etwas an der Macht von Facebook, das nach den Enthüllungen von Horwitz und andere Journalisten in Meta umbenannt wurde, und anderen Sozialen Medien ändert, braucht es den Druck der Öffentlichkeit und Politiker, die Gesetze verabschieden, die den Sozialen Medien Grenzen setzen. Filme wie „The Social Reckoning“ können solche Diskussionen anstoßen und die Erinnerung an früher erfolgte Enthüllungen bewahren.
The Social Reckoning (The Social Reckoning, USA 2026)
Regie: Aaron Sorkin
Drehbuch: Aaron Sorkin
mit Mikey Madison, Jeremy Allen White, Jeremy Strong, Wunmi Mosaku, Betty Gilpin, Billy Magnussen, Bill Burr
Kathryn Bigelows nicht unproblematischen Film über die Jagd auf Osama Bin Laden, erzählt aus der Sicht der Geheimdienste mit einer CIA-Analytikerin als Protagonistin.
Zum Kinostart schrieb ich unter anderem: „Nach dem gelungenen „The Hurt Locker“, der ersten Zusammenarbeit von Mark Boal und Kathryn Bigelow, ist „Zero Dark Thirty“ eine ziemlich herbe Enttäuschung, die unter einem unfokussiertem Drehbuch und der Absicht, den Menschen im Schatten, die Osama bin Laden jagten und töteten ein Denkmal zu setzen, leidet. Für ein solches Heldenporträt muss man nicht gleich den gesamten Film ausschließlich und ohne jegliche Distanz aus der Perspektive der CIA-Agenten und Soldaten erzählen.“
Anschließend, um 00.35 Uhr zeigt Arte die 55-minütige Doku „Kathryn Bigelow – Hollywood unter Adrenalin“ (Frankreich 2023).
mit Jessica Chastain, Jason Clarke, Jennifer Ehle, Fares Fares, James Gandolfini, Kyle Chandler, Harold Perrineau, Reda Kateb, Mark Strong, Edgar Ramirez, Frank Grillo, Mark Valley
Kunstauktionator Simon versteckt während eines Überfalls ein wertvolles Goya-Gemälde. Weil er durch einen Schlag auf den Kopf sein Gedächtnis verloren hat und die Gangster das Gemälde unbedingt wollen, soll eine Hypnotiseurin bei der Wiederbeschaffung helfen.
Nichts, aber auch wirklich nichts ist so, wie es scheint.
Herrlich vertrackter Noir von Danny Boyle, der für meinen Geschmack mit der Zeit schon etwas zu vertrackt wird.
Nachdem sich die vorherigen Songcomic-Bände einzelnen Bands, wie The Go-Betweens, Tocotronic, Fettes Brot, Stereo Total, Fehlfarben (mit ihrer bekanntesten LP „Monarchie und Alltag“), Ton Steine Scherben (mit der Doppel-LP „Keine Macht für Niemand“), widmeten, taucht der neueste Songcomic-Band, wie ein Sampler, in die frühe Geschichte des Deutschpunk ein. Die gute alte Zeit, „als die Welt noch unterging“ (Klappentext; und wem ich das erklären muss, der hat die Zeit zwischen Atomkrieg und Waldsterben nicht erlebt).
Die gewohnt abwechslungsreich gezeichnete Playlist besteht in „Barfuss in Scherben“ aus, in der Reihenfolge ihres Auftretens:
Rahel Süßkind illustriert „Sense“ von Torpedo Moskau
Marlene Krause zeichnet „Deutschland“ (muss sterben, damit wir leben können) von Slime
Sascha Hommer malt „Meerschweinchen“ von Östro 430
Tine Fetz denkt an „Es brennt“ von Hans-A-Plast
Jens Cornils zeichnet „Bundeswehr“ von Brausepöter
18 Metzger ist mit „Müslibrei“ von Rotzkotz dabei
Antonia Kühn mit „Der große Mafiosi“ von The Wirtschaftswunder (ergänzt um 50 Wege umsonst ins SO 36)
Luka Lenzin taucht irgendwie in die Geschichte von Kleenex (eine der wenigen Frauenpunkbands und dann noch aus der idyllischen Schweiz) ein
Ziska Riemann zeichnet „Satan“ von Schleim-Keim
Helena Baumeister trifft „Lachleute und Nettmenschen von S.Y.P.H.
Gut, ein „Keine Macht für Niemand“ ist da nicht dabei, aber der Song wurde ja schon in dem „Ton Steine Scherben“-Band als Comic verewigt.
Dafür ist Slimes Gassenhauer „Deutschland“ dabei. Nach der unsäglichen, von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sinnfrei angestoßenen Debatte um den Deutschen Buchhandelspreis, ist der Song wieder aktuell und, uh, nachlesenswert. Eine Zeile aus dem Song, verewigt auf dem Haus, in dem eine der ausgezeichneten Buchhandlungen ist, soll (nichts genaues weiß man nicht und Weimer weiß, so sagt er, auch nicht mehr) der Grund für die von Weimer veranlasste Rücknahme der Verleihung an die Buchhandlung gewesen sein. Wenn das nicht der Grund war, war es ein guter Grund, sich den 1981 veröffentlichten Song wieder zu Gemüte zu führen und darüber nachzudenken, wie aktuell er immer noch ist.
Brausepöters ebenfalls 1981 veröffentlichten Gedanken über den Musterungsbefehl der „Bundeswehr“ sind für junge Männer heute wieder aktuell. Auch wenn der Kalte Krieg vorbei ist und die Bundeswehr heute einige Kampfeinsätze absolviert hat. Jens Cornils schloss seine Arbeit an dem Comic an dem Tag ab, als im Bundestag das neue Wehrdienstgesetz beschlossen wurde.
Insgesamt fällt auf, wie erstaunlich zeitlos die in den Songs angesprochenen Themen, Konflikte und Gefühle sind. Und wie vielfältig die Songs in kurze Comics umgesetzt werden.
Wie auch in den anderen Songcomics-Büchern wird jeder Song, was für stilistische Vielfalt sorgt, von einem anderen Künstler illustriert und es gibt zu den Songs informative Intros von Bandmitgliedern und den Zeichnern der Comics.
Äh, ja, und natürlich ist auch „Barfuss in Scherben“ eine gute Grundlage für eine gute Playlist.
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Gunther Buskies/Jonas Engelmann (Hrsg.): Barfuss in Scherben- Ein Deutschpunk-Songcomic
Die Story erinnert (unhöfliche Leute sagen: der Plot ist abgekupfert) natürlich an den Noir-Klassiker „Spiel mit dem Tod“: Die einsame Polizist Marc Ferrot verliebt sich in Sylvia, die Geliebte seines Vorgesetzten Ganay. Als der eifersüchtige Ganay sie ermordet, setzt er seinen besten Mann darauf an, den Nebenbuhler, der als Mörder hängen soll, zu finden. Erst langsam begreift Ferrot, dass er der gesuchte Nebenbuhler ist und alle Beweise auf ihn als Mörder deuten.
„Geschickt in Szene gesetzter Polizeithriller.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)
„Police Python 357 ist eine stilistische Neuerung im Genre und beschwört zugleich dessen Traditionen. (…) Es ist der melancholische Rückblick des Genres auf seinen mythischen Helden, von dem es weiß, dass er nicht mehr zu retten ist.“ (Georg Seesslen: Copland)
Volle Zustimmung.
Mit Yves Montand, Simone Signoret, Francois Périer, Stefania Sandrelli, Mathieu Carrière, Vadim Glowna, Claude Bertrand
Als Vorbereitung für Aaron Sorkins „The Social Reckoning“, der die Geschichte von Facebook weiter erzählt und der am Donnerstag startet (Besprechung folgt):
RTL II, 20.15
The Social Network (The Social Network, USA 2010)
Regie: David Fincher
Drehbuch: Aaron Sorkin
LV: Ben Mezrich: The Accidental Billionaires, 2009 (Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook – Eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug)
Fincher und Sorkin (The West Wing, The Newsroom), der für sein Drehbuch einen Oscar erhielt, erzählen die Geschichte von Facebook und Mark Zuckerberg.
Rasantes dialoglastiges Drama, bei dem jeder Satz trifft und einige junge Schauspieler ihr Können zeigen können.
Mit Jesse Eisenberg, Andrew Garfield, Justin Timberlake, Rooney Mara, John Getz, Armie Hammer
Pünktlich zum Wochenende mit zwei Sonntagen gibt es die monatliche Krimibestenliste, präsentiert von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur
1 (1) Peter Grainger: Ein unglücklicher Tod
Aus dem Englischen von Eva Regul
Diogenes
284 Seiten
18 Euro
–
2 (2) Belinda Bauer: Das Ding der Unmöglichkeit
Aus dem Englischen von Conny Lösch
Antje Kunstmann
400 Seiten
25 Euro
–
3 (3) Mike Nicol: Die Schakalin
Aus dem Englischen von Meredith Barth
btb
511 Seiten
15 Euro
–
4 (5) D. B. John: Red Star Down
Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff
Suhrkamp
717 Seiten
20 Euro
–
5 (-) Yves Ravey: Nichts als heiße Luft
Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller
Liebeskind
112 Seiten
20 Euro
–
6 (10) Ron Currie: Die Patin von Maine
Aus dem Englischen von Stephan Glietsch
btb
415 Seiten
17 Euro
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7 (-) Tana French: Wie ein Fluss in der Nacht
Aus dem Englischen von Henning Ahrens
S. Fischer
560 Seiten
26 Euro
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8 (-) Melanie Raabe: Daisy
btb
416 Seiten
24 Euro
–
9 (-) Dirk Schmidt: Final Show
Suhrkamp
267 Seiten
17 Euro
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10 (-) Petra Hartlieb: Buberlpartie
Dumont
384 Seiten
18 Euro
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
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Peter Graingers „Ein unglücklicher Tod“ werde ich demnächst, zusammen mit dem bereits erschienenen zweiten DC-Smith-Krimi „Gnade vor Recht“, besprechen. Am 9. Dezember erscheint „Nach menschlichem Ermessen“, der dritte Fall für DC Smith.
Yves Raveys „Nichts als heiße Luft“ will in einem Zug lesen und dann besprechen.
LV: Benjamin Black (Pseudonym von John Banville): The Black-Eyed Blonde, 2014 (Die Blonde mit den schwarzen Augen – Ein Philip-Marlowe-Roman)
Los Angeles, 1939: Privatdetektiv Philip Marlowe (Liam Neeson) wird von einer Frau beauftragt, ihren verschwundenen Liebhaber zu suchen. Bei seiner Suche sticht Marlowe in ein Wespennest.
Neil Jordans „Marlowe“ ist eine erstaunlich leblos-museale Angelegenheit, die einfach noch einmal, ohne einen eigenen Gedanken, Chandler bebildert. Von dem Team hätte ich mehr erwartet.
mit Liam Neeson, Diane Kruger, Jessica Lange, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Ian Hart, Colm Meaney, Daniela Melchior, Danny Huston, Alan Cumming
Bekannt ist Colleen Hoover für ihre erfolgreichen Young/New Adult-Liebesromane, von denen inzwischen auch drei fürs Kino verfilmt wurden.
„Verity – Dunkle Geheimnisse“ ist ihr erster Thriller. Ein Kollege, der den Roman gelesen hatte, verriet mir nach der Pressevorführung, dass der Roman sehr frei verfilmt wurde. Die Vorlage gefiel ihm besser.
Hoover, die zu den Produzenten des Films gehört, meint: „It’s still a great reflection of the book.“
Im Film wird die nicht so wahnsinnig erfolgreiche Thrillerautorin Lowen Ashleigh (Dakota Johnson) engagiert, der Thriller-Königin Verity Crawford (Anne Hathaway) bei ihrem neuen Buch zu helfen. Verity schreibt sehr erfolgreiche und sehr brutale Thriller, in denen sie sich in die Psyche des Täter hineinversetzt.
Als Lowen bei den Crawfords ankommt, erfährt sie, dass sie Verity nicht beim Schreiben des Buches helfen soll. Sie soll das Buch und die nächsten Bücher ganz allein schreiben. Denn Verity liegt schon einige Zeit vollständig gelähmt im Bett. Wie sie in diesen Zustand kam, wird erst viel später im Film verraten. Warum Veritys Verlag und auch sonst niemand etwas davon weiß, erfahren wir nie.
„Verity – Dunkle Geheimnisse“ ist ein 08/15-Lady-Thriller, der sich banal, jedes Klischee mitnehmend, überraschungsfrei bis zum ebenso überraschungsfreien Ende bewegt. Jeder Satz, jeder Dialog, jede Szene, jede Entwicklung kommt aus dem Klischeebaukasten. Gleiches gilt für die Figuren. Und wer nach Logiklöchern und Unplausibilitäten sucht, wird einen Großkampftag erleben.
Garniert wird die banale Thrillergeschichte, genrekonform und erwartungsgemäß, mit einer Liebesgeschichte. Denn selbstverständlich verlieben sich die Ghostwriterin Lowen und Veritys überaus liebevoller, treusorgender, verständnisvoller und gut aussehender Ehemann und Vater Jeremy (Josh Hartnett) ineinander.
Das ist alles so vorhersehbar und so wirklichkeitsfern, dass es nie spannend wird. Es wird noch nicht einmal interessant. Immerhin ist dieser Romantic-Thriller professionell inszeniert mit guten, aber sträflich unterforderten Schauspielern in nobler Ambiente mit Wald- und Seeblick.
Während des gesamten Films fragte ich mich, was Donald E. Westlake (der Autor der Vorlage für „No other choice“) daraus gemacht hätte. Und schon hatte ich Ideen für mindestens ein Dutzend bessere Filme. Was wäre, wenn…
Verity – Dunkle Geheimnisse(Verity, USA 2026)
Regie: Michael Showalter
Drehbuch: Nick Antosca
LV: Colleen Hoover: Verity, 2018 (Verity)
mit Anne Hathaway, Dakota Johnson, Josh Hartnett, Ismael Cruz Cordova, Brady Wagner