Aurora (Sophie Sloan) hat Angst vor dem Monster unter ihrem Bett. Und weil sie zehn Jahre alt ist, ist das nicht so ungewöhnlich. Schließlich haben viele Kinder, so heißt es, Angst vor einem sich unter dem Bett versteckendem Monster. Diese Angst wird in zahlreichen Horrorgeschichten gepflegt.
In Auroras Fall existiert dieses Monster allerdings wirklich und – soviel kann verraten werden – es wächst zu wahrlich bedrohlichen Dimensionen an.
Zum Glück ist Aurora nicht auf den Kopf gefallen und sie hat ihren Nachbarn (Mads Mikkelsen) beobachtet, wie er bei einem nächtlichen Ausflug in Chinatown einen Drachen massakrierte. Wenn dieser in 5B wohnende Mann einen Drachen besiegen kann, dürfte er auch das unter ihrem Bett lebende Staubmonster besiegen können.
In dem Moment lebt Aurora bereits allein in der riesigen Mietwohnung. Denn das Monster hat ihre Eltern – es handelte sich um ihre dritte Pflegefamilie – bereits verschlungen.
Zur Bezahlung des Killers klaut Aurora die Kollekte der Kirche. Dieser namenlose Killer, den wir fortan 5B nennen, ist zwar nicht überzeugt von Auroras Monstergeschichte. Er glaubt eher, dass Killer, die ihn umbringen wollten, Auroras Pflegefamilie tötete.
Eine ziemlich schräge Idee hatte Bryan Fuller für sein Spielfilmdebüt, die er mit spürbarer Lust am Überschreiten von Genregrenzen und -konventionen und schrägem schwarzen Humor erzählt. Zu Fullers früheren Werken gehören, als Erfinder, die TV-Serien „Pushing Daisies“ und „Hannibal“ (ebenfalls mit Mads Mikkelsen) und, als Showrunner, „American Gods“ und „Star Trek: Discovery“.
„Dust Bunny“ ist ein dunkles Märchen, das in einer Fantasiewelt irgendwo zwischen Fantasy und Actionthriller spielt. Fuller inszeniert das sehr stilbewusst in Richtung Neo-Noir, aber auch sehr reduziert auf wenige Locations. Fast der gesamte Film spielt in Auroras Wohnung und im davor liegendem Flur des alten Mietshauses. Dass eine solche Reduzierung auf einen Handlungsort nicht unbedingt nachteilig sein muss, haben schon viele Filme gezeigt. So spielte, um nur drei aktuelle sehenswerte Beispiele zu nennen, „Die Stimme von Hind Rajab“ in einer Notrufzentrale, „Send help“ auf einer Insel und „Cold Storage“ in einem Self-Storage-Lagerkomplex.
Bei Fuller geht diese Reduzierung auf einen Handlungsort auch mit einer Reduzierung der Erzählgeschwindigkeit und der Emotionen einher. Der Nachbar, der als Killer seinen Lebensunterhalt verdient haben, muss natürlich seine Gefühle verbergen. Die Killer, die ihn oder Aurora umbringen wollen, ebenso. Gleiches gilt für die Polizisten. Keiner verzieht eine Miene.
Sie belauern sich oder warten regungslos auf das aus dem Fußboden auftauchende Monster.
Die Dialoge tragen zu diesem Eindruck des Stillstands bei. Sie drehen sich in schlechter Quentin-Tarantino- oder Sergio-Leone-Manier im Kreis und sind oft arg redundant. Sie sind nicht cool, sondern pseudo-cool und nervig. Das gilt auch für den Running Gag, dass 5B Auroras Namen fast immer falsch ausspricht.
Die Bilder schwanken zwischen neonbuntem Neo-Noir, der auch in „Blade Runner“ nicht negativ auffallen würde, und den poppigen Farben aus „Die fabelhafte Welt der Amélie“. Das sieht gut aus. Die Sets sind liebevoll gestaltet, aber halt auch in erster Linie Sets, die als Zeichnung gut aussehen, in einem Film aber nie ihre Künstlichkeit verbergen können.
Die Story selbst ist, mit vielen erzählerischen Auslassungen (so erfahren wir kaum, wer warum Aurora und 5B verfolgen und wer wer ist), „Léon – Der Profi“ meets „Die fabelhafte Welt der Amélie“ irgendwo im Niemandsland zwischen Fantasy und Realismus. Auf dem Papier liest sich das dann interessanter als der Film ist. Viel zu oft ist „Dust Bunny“ eine stilbewusste Übung im Stillstand.
Das gilt auch für die Actionszenen.

Dust Bunny (Dust Bunny, USA 2025)
Regie: Bryan Fuller
Drehbuch: Bryan Fuller
mit Mads Mikkelsen, Sophie Sloan, Sigourney Weaver, David Dastmalchian, Rebecca Henderson, Sheila Atim
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Rotten Tomatoes über „Dust Bunny“
Wikipedia über „Dust Bunny“ (deutsch, englisch)
Veröffentlicht von AxelB 











