TV-Tipp für den 19. Januar: Harold und Maude

Januar 18, 2021

HR, 00.00

Harold und Maude (Harold and Maude, USA 1971)

Regie: Hal Ashby

Drehbuch: Colin Higgins

Harold ist 19 Jahr alt und hat keine Lust zu leben. Da trifft er bei einer Beerdigung die 79-jährige Maude, die immer noch ein fröhlich Regeln missachtendes Energiebündel ist. Harold verliebt sich in Maude.

Immer wieder gern gesehener Kultfilm!

Mit der Musik von Cat Stevens.

Mit Bud Cort, Ruth Gordon, Vivian Pickles, Cyril Cusack, Charles Tyner, Ellen Geer

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Harold und Maude“

Wikipedia über „Harold und Maude“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Hal Ashbys Lawrence-Block-Verfilmung „8 Millionen Wege zu sterben“ (8 Million Ways to die, USA 1986)

Meine Besprechung von Colin Higgins‘ „Harold und Maude“ (Harold and Maude, 1971)

Ein gelungener Fan-Trailer


TV-Tipp für den 18. Januar: Victoria

Januar 17, 2021

One, 20.15

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die über zweistündige Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Wiederholung: Freitag, 22. Januar, 22.30 Uhr

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Roads“ (Deutschland/Frankreich 2019)


TV-Tipp für den 17. Januar: Gone Girl – Das perfekte Opfer

Januar 16, 2021

Sat.1, 22.35

Gone Girl – Das perfekte Opfer (Gone Girl, USA 2014)

Regie: David Fincher

Drehbuch: Gillian Flynn

LV: Gillian Flynn: Gone Girl, 2012 (Gone Girl – Das perfekte Opfer)

Nick Dunnes Ehefrau Amy ist spurlos verschwunden. Noch während er sich in der Öffentlichkeit als besorgter, seine Frau innig liebender Ehemann inszeniert, taucht Amys Tagebuch auf, das eine ganz andere Geschichte ihrer Ehe erzählt.

Finchers bislang letzter Kinofilm (seitdem arbeitete er für den kleinen Bildschirm): ein hübscher Noir über das Lieben und Morden glückliche verheirateter Thirty-Somethings.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Carrie Coon, Kim Dickens, Patrick Fugit, David Clennon, Lisa Banes, Missi Pyle, Emily Ratajkowski, Casey Wilson, Sela Ward

Die Vorlage

Gillian Flynn: Gone Girl – Das perfekte Opfer
(übersetzt von Christine Strüh)
Fischer, 2014
592 Seiten
10,99 Euro

Die Hardcover-Ausgabe erschien 2013 bei Fischer.

Originalausgabe
Gone Girl
Crown Publishers, 2012

Hinweise

Moviepilot über „Gone Girl“

Metacritic über „Gone Girl“

Rotten Tomatoes über „Gone Girl“

Wikipedia über „Gone Girl“ (deutsch, englisch)

Homepage von Gillian Flynn

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. Januar: Arrival

Januar 15, 2021

Vox, 20.15

Arrival (Arrival, USA 2016)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Eric Heisserer

LV: Ted Chiang: Story of your Life, 1998 (Geschichte deines Lebens, enthalten in „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“ und „Geteilt durch Null“)

Aliens sind auf der Erde an verschiedenen Orten gelandet. Aber was wollen sie? Um das Herauszufinden, schickt die US-Regierung einige Wissenschaftler nach Montana zu einem der Raumschiffe. Dort angekommen versucht die Sprachwissenschaftlerin Dr. Louise Banks, sich mit den Aliens zu verständigen. Dafür muss sie ihr Denken und ihre Sprache entschlüsseln.

Toller philosophischer Science-Fiction-Film, der auf den üblichen Alien-Invasions-Krawall verzichtet. Schon jetzt ein Klassiker.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Mark O’Brien

Wiederholung: Sonntag, 17. Januar, 14.45 Uhr

Die Vorlage

Ted Chiang: Geteilt durch Null

(übersetzt von molosovsky und Karin Will)

Golkonda, 2020

360 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Story of your life and others

Vintage Books, 2016

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Arrival“

Metacritic über „Arrival“

Rotten Tomatoes über „Arrival“

Wikipedia über „Arrival“ (deutsch, englisch) und Ted Chiang (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Arrival“ (Arrival, USA 2016)

Meine Besprechung von Ted Chiangs „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“ (2011)

Meine Besprechung von Ted Chiangs „Die große Stille“ (Exhalation, 2019) und „Geteilt durch Null“ (Story of your life and others, 2016)


„Die große Stille“, „Geteilt durch Null“ – das fantastische Gesamtwerk von Ted Chiang

Januar 15, 2021

Wie man Ted Chiang nicht lesen sollte: das Buch nehmen, auf die Couch fläzen und es in einem Rutsch von der ersten bis zur letzten Seite durchlesen.

Das liegt nicht daran, dass man die jeweils knapp vierhundert Seiten von „Die große Stille“ und „Geteilt durch Null“ nicht an ein, zwei ruhigen Tag lesen könnte, sondern daran, dass jede Geschichte von Ted Chiang viel Stoff zum Nachdenken bietet und man auch darüber nachdenken will.

Ein breites Publikum dürfte Ted Chiang als den Mann kennen, der die Vorlage für Denis Villeneuves philosophischen Science-Fiction-Film „Arrival“ schrieb. „Geschichte deines Lebens“ erhielt den Nebula und den Sturgeon Award.

Science-Fiction-Fans, vor allem natürlich Science-Fiction-Fans aus dem angloamerikanischen Raum oder Science-Fiction-Fans, die englische Bücher lesen, kennen Ted Chiang schon viel länger. Seine erste veröffentlichte Kurzgeschichte, „Der Turmbau zu Babel“, erschien 1990. Sie erhielt den Nebula Award und war für den Hugo Award nominiert. Seitdem veröffentlichte er keine zwanzig Kurzgeschichten. Diese Geschichten erhielten 27 wichtige Science-Fiction-Preise. Dazu kommen noch gut dreißig Nominierungen. Romane veröffentlichte er bislang nicht.

Jetzt liegen in den beiden erwähnten Büchern „Die große Stille“ und „Geteilt durch Null“ erstmals alle seine Geschichte auf Deutsch vor, ergänzt um Anmerkungen von ihm zu seinen Geschichten.

In „Die große Stille“ sind:

Der Kaufmann am Portal des Alchemisten (The Merchant and the Alchemist’s Gate, FANTASY AND, September 2007, ausgezeichnet mit dem Nebula und Hugo Award)

Ausatmung (Exhalation, Exlipse 2, 2008, ausgezeichent mit dem Hugo und Locus Award)

Was von uns erwartet wird (What’s Expected of Us, Nature Volume 436 Issue 7047, Juli 2005)

Der Lebenszyklus von Software-Objekten (The Lifecycle of Software Objects, Subterranean Press, 2010, ausgezeichnet mit dem Hugo und Locus Award)

Daceys vollautomatisches Kindermädchen (Dacey’s Patent Automatic Nanny, in Jeff VanderMeer/Ann VanderMeer, Hrsg.: The Thackery T. Lambshead Cabinett of Curiosities, 2011)

Die Wahrheit der Fakten, die Wahrheit des Empfindens (The Truth of Fact, the Truth of Feeling, Subterranean Press Magazine, August 2013)

Die große Stille (The Great Silence, e-flux journal, 2015)

Omphalos (Omphalos, Exhalation, 2019)

Angst ist der Taumel der Freiheit (Anxiety Is the Dizziness of Freedom, Exhalation, 2019, Finalist für den Nebula Award für die beste Erzählung)

In „Geteilt durch Null“ sind seine älteren Geschichte. Nämlich:

Der Turmbau zu Babel (Tower of Babylon, OMNI, November 1990, ausgezeichnet mit dem Nebula Award)

Verstehen (Understand, ASIMOV’S, August 1991)

Geteilt durch null (Division by Zero, Full Spectrum 3, Doubleday, 1991)

Geschichte deines Lebens (Story of Your Life, Starlight 2, November 1998, ausgezeichnet mit dem Nebula und Sturgeon Award)

Zweiundsiebzig Buchstaben (Seventy-Two Letters, Vanishing Acts, TOR 2000)

Die Evolution menschlicher Wissenschaft (The Evolution of Human Science, erschien erstmals unter dem Titel „Catching Crumbs from the Table“, Nature 405, Juni 2000)

Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (Hell Is the Absence of God, Starlight 3, 2001, ausgezeichnet mit den Nebula, Hugo und Locus Award)

Die Wahrheit vor Augen (Liking What You See: A Documentary, in „Story of your Life and Others, TOR 2002)

Natürlich ist nicht jede Geschichte ein Meisterwerk. Aber jede Geschichte ist eine lohnenswerte Lektüre. Persönlich halte ich „Die große Stille“ für etwas besser als „Geteilt durch Null“; aber das kann auch daran liegen, dass ich zuerst „Die große Stille“ gelesen habe.

Weil bei Kurzgeschichten die Pointe ein wichtiger Teil der Geschichte ist und schon eine kurze Zusammenfassung zu viel verraten kann, werde ich nur auf einige seiner Geschichten etwas näher eingehen.

In der vierseitigen Geschichte „Was von uns erwartet wird“ gibt es ein Gerät, Prognostiker genannt, bei dem ein Licht blinkt, bevor man den Knopf drückt. Das Gerät weiß also, was in der Zukunft geschieht und diese Zukunft ist bereits vorherbestimmt. Aber was bedeutet es, wenn wir Menschen wissen, dass wir keinen freien Willen haben? Chiang gelingt es auf vier Seiten die Diskussion über die Willensfreiheit abzubilden und dem Leser die wichtigen damit verbundenen Fragen so nahezubringen, dass man sie und die damit verbundenen Probleme versteht und sofort beginnt, darüber nachzudenken.

In „Angst ist der Taumel der Freiheit“ können die Menschen mit Hilfe eines Geräts in Parallelwelten blicken und sehen, wie ihr Leben verlaufen würde, wenn sie andere Entscheidungen getroffen hätten. Aber hätten diese Entscheidungen und Zufälle ihr Leben im großen und ganzen wirklich verändert? Oder ist nicht doch alles vorherbestimmt?

In „Geteilt durch Null“ entdeckt eine Mathematikerin den Beweis, dass die gesamte Mathematik auf einer falschen Annahme beruht. Was bedeutet diese Entdeckung für sie? In „Der Lebenszyklus von Software-Objekten“, mit knapp hundertzwanzig Seiten seine längste Geschichte, schildert Chiang, den Aufstieg und Niedergang eines Computerspiels und einiger seiner begeisterten Fans, die das Spiel, nachdem es von der Firma nicht mehr weiterentwickelt wird, weiter am Leben erhalten wollen, weil es ein Teil ihres Lebens ist.

Es geht, in „Die Wahrheit der Fakten, die Wahrheit des Empfindens“, um unsere Erinnerung und was es bedeutet, wenn wir für jede unserer Taten einen unwiderlegbaren Videobeweis haben. Was macht das mit unseren, dann eigentlich überflüssigen, Erinnerungen? Ist dieses Leben ein Paradies (endlich keine Streitereien mehr darüber, wer vor fünf Jahren nach der Geburtstagsfeier den Abwasch erledigt hat) oder die Hölle? Wobei Chiang diese Frage schon im grandiosen Titel einer anderen Geschichte beantwortet hat: „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“.

In seinen Geschichten beschäftigt er sich mit philosophischen Fragen, die uns schon lange beschäftigen und auch zukünftig beschäftigen werden, wie die Frage der Willensfreiheit oder des Determinismus. Chiang nimmt sie allerdings aus dem philosophischen Universitätsseminar. Er behandelt sie in SF-Geschichten, die zum Nachdenken anregen und gerade genug in die Zukunft blicken, um uns wirklich zu ängstigen. Oder hoffnungsfroh zu stimmen. Denn was wäre so schlecht an einem Gerät, das uns dazu bringt, unseren Gegenüber nicht nach ihrem Aussehen zu beurteilen?

Ted Chiang: Die große Stille

(übersetzt von molosovsky, Jacob Schmidt und Karin Will)

Golkonda, 2020

392 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Exhalation

Alfred A. Knopf, 2019

Ted Chiang: Geteilt durch Null

(übersetzt von molosovsky und Karin Will)

Golkonda, 2020

360 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

Story of your life and others

Vintage Books, 2016

Hinweise

Wikipedia über Ted Chiang (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ted Chiangs „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“ (2011)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves Ted-Chiang-Verfilmung „Arrival“ (Arrival, USA 2016)


TV-Tipp für den 15. Januar: Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula

Januar 14, 2021

Weil David Lynch am 20. Januar seinen 75. Geburtstag hat

3sat, 22.25

Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula (Wild at Heart, USA 1990)

Regie: David Lynch

Drehbuch: David Lynch

LV: Barry Gifford: Wild at Heart: The Story of Sailor and Lula, 1984 (Die Saga von Sailor und Lula)

Sailor und Lula flüchten vor einem Detektiv und einem Killer, die beide im Auftrag von Lulas durchgeknallter Mutter reinen Tisch machen sollen. Und dann treffen sie auf den Gangster Bobby Peru und dessen Komplizin Perdita Durango.

Lynchs wildes Roadmovie, ausgezeichnet mit der Goldenen Palme in Cannes, ist ein hemmungslos übertriebener Trip durch einen Alptraum namens Amerika. Ein Meisterwerk.

Barry Gifford schrieb später das Drehbuch für den Lynch-Film „Lost Highway”. Außerdem publizierte er neben seinen Romanen, wie „Perdita Durango“ (ebenfalls verfilmt), lesenswerte Sachbücher, wie „Out of the past“ über den Film Noir.

Mit Nicolas Cage, Laura Dern, Diane Ladd, Willem Dafoe, Isabella Rossellini, Harry Dean Stanton, Crispin Glover

Wiederholung: Montag, 25. Januar, NDR, 23.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Wild at Heart“

Wikipedia über „Wild at Heart“ (deutsch, englisch)

Homepage von David Lynch

Meine Besprechung von David Lynchs „Lost Highway“ (Lost Highway, USA 1997)


„Faithless“ – Brian Azzarello macht jetzt Dark Fantasy

Januar 14, 2021

Faithless“ ist die Hardcore-Version von „Fifty Shades of Grey“. Das stimmt zwar nicht so ganz, aber so dürfte das Interesse an „Faithless“, dem neuesten Werk von Brian Azzarello, geweckt sein. Azzarello ist vor allem für seine grandiosen Noir-Comics bekannt. Das sind eigene Serien, wie „100 Bullets“, „Jonny Double“ und „Moonshine“, und Neuinterpretationen bekannter Charaktere, wie seine zahlreichen „Batman“-Comics. Für „Faithless“ arbeitete er erstmals mit Maria Llovet zusammen. Zu den bisherigen Werken der Spanierin gehören „Loud!“, „Heartbeat“ und die Bilder für das Sex-Sachbuch „Ceci n’est pas un livre de sexe“. Soweit ich es überblicke, ist „Faithless“ ihr erstes in Deutschland veröffentlichtes Werk.

Im Mittelpunkt von „Faithless“ steht Faith, eine junge, an Magie glaubende Künstlerin, die sich mehr als schlecht durchschlägt und viel Zeit mit ihren Freunden in abgewrackten Spelunken verbringt. Eines Tages lernt sie Poppy kennen. Sie haben Sex. Für Faith ist es sogar wortwörtlich tierisch-teuflischer Sex. Tabulos gezeihnet von Llovet.

Wenige Stunden später gehen Poppy und Faith auf eine Vernissage. Dort trifft Faith den bekannten, charismatischen und überaus egozentrischen Künstler Louis Thorn.

Kurz darauf stirbt Poppy. Ihr kurzzeitig trauernder Vater Louis Thorn beginnt eine Beziehung mit Faith. Er nimmt sie auch als Muse und junges Talent in seine Schule auf. Sie wird ein Teil seiner Entourage. Gleichzeitig verführt er sie. Als sie Sex haben, glaubt Faith, dass auch Poppy dabei ist. Sowieso ist Poppy für Faith inzwischen eine feste, durchaus lebendige Begleiterin geworden.

Faithless“ wird als „Dark Fantasy Serie“ beworben. Der Untertitel ist „Eine erotische Darstellung von Glauben, Sex und dem Teufel in der Tradition der ‚Göttlichen Komödie’“. Damit dürfte klar sein, dass in der von Brian Azzarello und Maria Llovet erzählten Geschichte die Grenzen zwischen der normalen und einer magischen Welt brüchig sind und der Teufel eine junge Frau verführt. Unklar ist allerdings, wie gefährlich diese Welt ist, in die Faith hineingeführt wird und wie gefährlich sie für Faith wird.

In dem ersten „Faithless“-Sammelband (der die ersten sechs „Faithless“-Hefte enthält) geht es auch um die Selbstinszenierungen von Künstlern, ihrer Suche nach Wahrheit und Echtheit in ihrem Werk und dem Verhältnis vom Meister zu seinen von ihm verzauberten, ihm zu Füßen liegenden Lehrlingen.

Der erste „Faithless“-Sammelband ist ein gelungener, vielschichtiger Serienauftakt. In den USA erscheint in wenigen Wochen der zweite Sammelband.

Brian Azzarello/Maria Llovet: Faithless – Band 1

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Panini, 2020

164 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Faithless # 1 – 6

Boom Studios, 2020

Hinweise

Homepage von Maria Llovet

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Matteo Casalis „Batman: Europa (Batman: Europa, 2016)

Meine Besprechung von Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert/Klaus Janson/Brad Anderson/Alex Sinclairs „Batman – Die Übermenschen“ (Dark Knight III: The Master Race # 1 – 9, 2018 )

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Batman: Kaputte Stadt und weitere Abenteuer“ (Batman: Gotham Knights #8, 2000; Batman # 620 – 625, 2003/2004; Flashpoint: Batman – Knight of Vengeance # 1 – 3, 2011; Wednesday Comics # 1 – 12, 2009)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 1“ (Batman: Damned # 1, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 2“ (Batman: Damned # 2, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 3“ (Batman: Damned 3, 2019)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Moonshine – Band 1“ (Moonshine, Volume 1, 2017)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Moonshine: Band 2“ (Moonshine, Volume #2, 2017)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman/Deathblow: Nach dem Feuer“ (Batman/Deathblow: After the Fire #1 – 3, 2002)


TV-Tipp für den 14. Januar: The Deep

Januar 14, 2021

Servus TV, 22.10

The Deep (Djúpið, Island/Norwegen 2012)

Regie Baltasar Kormákur

Drehbuch: Baltasar Kormákur, Jón Atli Jónasson

Mitten im arschkalten Winter sinkt in der Nähe von Island ein Fischkutter. Fünf der sechs Besatzungsmitglieder ertrinken. Nur Gulli beginnt in Richtung Land zu schwimmen.

Auf Tatsachen basierendes Überlebensdrama von Baltasar Kormákur, der solche Filme liebt. Wenn er nicht gerade einen ordentlichen Krimi inszeniert.

mit Ólafur Darri Ólafsson, Jóhann G. Jóhannsson, Þorbjörg Helga Þorgilsdóttir, Theódór Júlíusson, María Sigurðardóttir

Wiederholung: Freitag, 15. Januar, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Deep“

Wikipedia über „The Deep“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “Contraband” (Contraband, USA 2012)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “2 Guns” (2 Guns, USA 2013)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Everest“ (Everest,USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Der Eid“ (Eidurinn, Island 2016)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Die Farbe des Horizonts“ (Adrift, USA 2018)


„Schwarzes Gold“, „Marseille.73“ – Die ersten Fälle von Dominque Manottis Commisaire Théo Daquin

Januar 13, 2021

Am 11. März 1973 trifft Commisaire Théodore ‚Théo‘ Daquin in Marseille ein. Vorher war der Siebenundzwanigjährige, nach seinem mit Bravour bestandenem Studium und der Polizeihochschule, die er als einer der Jahrgangsbesten abgeschlossen hat, ein Jahr in Beirut beim Sicherheitsdienst der Botschaft. Jetzt leitet er erstmals eine Einheit bei der Kriminalpolizei. Und diese Zusammenarbeit wird, das kann jetzt schon gesagt werden, erfreulich reibungslos und professionell verlaufen. Außerdem sind die drei Ermittler erfreulich unbelastet von persönlichen psychischen Problemen.

Daquin hat an seinen neuen Arbeitsplatz noch nicht die überlebenswichtige Expressomaschine angeschlossen, da haben er und sein Team, Inspecteur Grimbert und Inspecteur Delmas, ihren ersten Fall. Sie sollen den Mordfall Belle de Mai bearbeiten. Der Mord ist ein weiterer Mord in einem gerade stattfindendem Gangsterkrieg um die Nachfolge im Guérini-Clan. Für Daquin sind die Ermittlungen eine gute Gelegenheit, seinen neuen Einsatzort und die örtliche Verbrecherszene kennen zu lernen.

Wenige Stunden später wird der Unternehmer Maxime Pieri vor einem Casino auf offener Straße erschossen. Der Mörder kann auf einem Motorrad entkommen. Die Tat ist so inszeniert, dass sie eine eine Botschaft senden soll. Der Ermordete wurde von Emily Frickx begleitet. Sie wurde nicht verletzt. Ihr Ehemann Michael Frickx ist der Leiter des europäischen Büros einer großen amerikanischen Handelsfirma für Erze. Er machte öfter Geschäfte mit Pieri.

Pieri leitete das Seefrachtunternehmen Somar, das zuletzt Erdöl über das Mittelmeer transportierte und dabei die großen Ölkonzerne, die den Markt aufgeteilt haben, umgeht. Er hoffte auf große Gewinne am sich wandelnden Ölmarkt. Bevor Pieri bürgerlich wurde, organisierte er für die Guérinis den Heroinschmuggel. Auch seine aktuellen Geschäfte sind, wie die Ermittler schnell erfahren, nicht hunderprozentig legal.

Aufgrund einer rechtstechnischen Formalie haben Daquin, Grimbert und Delmas im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens ein Zeitfenster von vierzehn Tagen, in denen sie bei ihren Ermittlungen freie Hand haben. Diese Freiheit nutzen sie bei ihren Ermittlungen weidlich aus.

In „Schwarzes Gold“ erzählt Dominque Manotti den ersten großen Fall von Théo Daquin, der bereits in mehreren ihrer Romane (die chronologisch nach „Schwarzes Gold“ spielen) auftrat. 1973 ist er noch jung an Lebensjahren, aber er hat schon die Ruhe und Lakonik eines alten Mannes. Schnell erkennt der unbestechliche Ermittler, welche Rolle er spielen soll und wo seine Position in diesem Spiel ist. Er füllt sie aus und nutzt die Chancen, die sich ihm bieten.

Die von Manotti in ihrem gewohnt schnörkellosen Ton erzählte Noir-Geschichte ist dann ein Wirtschaftskrimi à la Eric Ambler.

Wenige Monate später haben Daquin und sein Team von der Brigade Criminelle ihren nächsten großen Fall. Es beginnt mit einer Amtshilfe für die Kollegen in Toulon. Die haben einige Mitglieder der rechtsterroristischen UFRA, der „Vereinigung französischer Algerienheimkehrer“, verhaftet. Bei ihnen wurden Adressen aus Marseille gefunden. Einige UFRA-Mitglieder sind Polizisten oder mit Polizisten befreundet. Daquin, Grimbert und Delmas sollen die Anfrage benutzen, um unauffällig ein Bild der Marseiller UFRA zu erstellen. Dass ihr Lagebild nicht zur Bekämpfung der UFRA benutzt werden soll, ahnt Daquin schnell.

Ihre langsam beginnenden Ermittlungen spielen vor dem Hintergrund mehrerer, sich gegenseitig hochschaukelnder rassistischer Taten und einer rassistisch motivierten Mordserie. So wird der sechzehnjährige Malek Khider in seinem Viertel erschossen. Während die Police Urbaine extrem schlampig die Beweise am Tatort sammelt und dabei (und danach) Beweise vernichtet, beginnt Daquin mit ernsthaften Ermittlungen. Schnell sind er und sein Team überzeugt, dass dieser Mord und ihre Ermittlungen gegen die regionale UFRA-Zweigstelle miteinander zusammen hängen.

Es ist auch die Zeit, als der Korpsgeist und ein gut etabliertes korruptes System von Abhängigkeiten und Gefälligkeiten in Marseille und in der dortigen Polizei herrschte. Das ist jetzt von innen und außen gefährtet. Denn der Dicke Marcel, ein Brigadier, ohne dessen Wissen und Zustimmung nichts bei der Police Urbaine geschieht, wird alt. Seine Macht bröckelt. Gleichzeitig initiert ein rühriger junger Anwalt eine Protestbewegung und eine Klage, die zu einem Prozess gegen den Mörder von Malek Khider führen soll. Und der Mörder ist ein Polizist.

Diese Proteste gegen eine rassistische Polizei und eine untätige Justiz stehen im Zentrum von „Marseille.73“. Daquin und sein Team stehen da weitgehend am Spielfeldrand einer historisch verbürgten rassistischen Mordserie. Während den Ermittlugen fragt Daquin sich, wie lange er in Marseille bleiben kann und will. Denn er möchte nicht Mitglied eines Systems werden, in dem rassistische Polizisten ungestraft Ausländer, wozu auch aus den ehemaligen Kolonien, wie Algerien, kommende Menschen gehören, ermorden können.

Marseille.73“ ist das fast wie eine Reportage geschriebene Porträt einer korrupten Polizei und das damals alltäglichen Rassismus. Der Noir ist dann ein Copthriller à la James Ellroy, bevor er in Verschwörungstheorien abtauchte.

Schwarzes Gold“ und „Marseille.73“ sind zwei gewohnt lesenswerte und aufklärerische Noirs von Dominique Manotti, die vollkommen unabhängig voneinander gelesen werden können. Beide Noirs sind erhellende und aufklärerische Blicke in die Vergangenheit; wobei gerade bei „Marseille.73“ die Verbindungen zur Gegenwart leicht zu ziehen sind.

Am 7. Oktober 1973, wieder ein Sonntag, verläßt Daquin Marseille. Sein Urteil über die Hafenstadt ist wenig schmeichelhaft, aber nachvollziehbar: „Die Stadt stinkt vor Straflosigkeit und Gewalt. Straflosigkeit gebiert Gewalt.“

Dominique Manotte: Schwarzes Gold

(übersetzt von Iris Konopik)

Ariadne, 2016

384 Seiten

19 Euro

Die Taschenbuchausgabe erschien im Juli und kostet 14 Euro.

Originalausgabe

Or noir

Éditions Gallimard, Paris, 2015

Dominique Manotti: Marseille.73

(übersetzt von Iris Konopik)

Ariadne, 2020

400 Seiten

23 Euro

Originalausgabe

Marseille 73

Éditions Les Arènes, Paris, 2020

Hinweise

Krimi-Couch über Dominique Manotti

Wikipedia über Dominique Manotti (deutsch, französisch)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Zügellos“ (À nos Chevaux!, 1997)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Ausbruch“ (L’évasion, 2013)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Madoffs Traum“ (La rêve de Madoff, 2013)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Abpfiff“ (Kop, 1988)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Kesseltreiben“ (Racket, 2018)


TV-Tipp für den 13. Januar: Die Unschuldigen

Januar 12, 2021

Arte, 20.15

Die Unschuldigen (Les Innocentes, Frankreich/Polen 2016)

Regie: Anne Fontaine

Drehbuch: Sabrina B. Karine, Alice Vial, Anne Fontaine, Pascal Bonitzer (basierend auf einer Idee von Philippe Maynial)

TV-Premiere. Für vier Césars (bester Film, Regie, Drehbuch, Kamera) nominiertes, hochgelobtes Drama über einen wahren Fall: eine französische Ärztin muss im Dezember 1945 in Polen in einem Kloster heimlich Geburtshilfe leisten. Etliche Nonnen wurden von Soldaten der Roten Armee vergewaltigt.

Anne Fontaine inszenierte auch „Coco Chanel“ und „Gemma Bovery“.

mit Lou de Laâge, Agata Buzek, Agata Kulesza, Vincent Macaigne, Joanna Kulig, Eliza Rycembel, Katarzyna Dabrowska

Hinweise

AlloCiné über „Die Unschuldigen“

Rotten Tomatoes über „Die Unschuldigen“

Wikipedia über „Die Unschuldigen“ (deutsch, englisch, französisch)


Cover der Woche

Januar 12, 2021


Die Krimibestenliste Januar 2021

Januar 12, 2021

Weil ich es verdattelte gibt es die monatliche Krimibestenliste etwas später als gewohnt. Inzwischen wird sie nur noch vom Deutschlandfunk Kultur präsentiert. Ansonsten hat sich nichts verändert. Auf die Liste der nach Ansicht der Damen und Herren Krimikritiker sind dies die aktuell besonders lesenswerten Krimis:

1 (-) Candice Fox: „Dark“ (Aus dem Englischen von Andrea O‘Brien)

Suhrkamp, Berlin 2020, 394 Seiten, 15,95 Euro

2 (2) Dominique Manotti: „Marseille.73“ (Aus dem Französischen von Iris Konopik)

Ariadne im Argumentverlag, Hamburg 2020, 400 Seiten, 23 Euro

3 (1) Denise Mina: „Götter und Tiere“ (Aus dem Englischen von Karen Gerwig)

ariadne im Argumentverlag, Hamburg 2020, 352 Seiten, 21 Euro

4 (-) Tim MacGabhann: „Der erste Tote“ (Aus dem Englischen von Conny Lösch)

Suhrkamp, Berlin 2020, 274 Seiten, 15,95 Euro

5 (-) Robert Galbraith: „Böses Blut“ (Aus dem Englischen von Wulf Bergner, Christoph Göhler, Kristof Kurz)

Blanvalet, München 2020, 1194 Seiten, 26 Euro

6 (-) Samantha Harvey: „Westwind“ (Aus dem Englischen von Steffen Jacobs)

Atrium, Hamburg 2020, 382 Seiten, 22 Euro

7 (4) Mick Herron: „Real Tigers“ (Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer)

Diogenes, Zürich 2020, 480 Seiten, 18 Euro

8 (-) Nicci French: „Eine bittere Wahrheit“ (Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller)

C. Bertelsmann, München 2020, 506 Seiten, 16 Euro

9 (-) Iva Procházková: „Die Residentur“ (Aus dem Tschechischen von Mirko Kraetsch)

Braumüller, Wien 2020, 573 Seiten, 24 Euro

10 (-) David Whish-Wilson: „Das große Aufräumen“ (Aus dem Englischen von Sven Koch)

Suhrkamp, Berlin 2020, 327 Seiten, 10 Euro

In ( ) ist die Bewertung vom Vormonat.

Kein guter Monat für deutsche Autoren. Und, wenn die Regeln strikt angewandt werden („keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien“) sind die beiden pulp-master-Neuerscheinungen disqualifiziert. Auch wenn Ted Lewis‘ „Schwere Körperverletzung“ eine Neuübersetzung und Tom Franklins „Wilderer“ eine Sammlung von teilweise unveröffentlichten oder für die Veröffentlichung überarbeiteter Kurzgeschichten ist. Lesenswert sind beide Bücher.

(Korrektur 13. 1. 21: Ursprünglich wurde Derek Raymond als Autor von „Schwere Körperverletzung“ genannt. Der Noir-Autor hat nur das Vorwort geschrieben.)


TV-Tipp für den 12. Januar: Tatort: Kressin und der Laster nach Lüttich

Januar 11, 2021

Welchen „Tatort“ gucken wir uns heute Abend an? Wie wäre es mit

WDR, 23.45

Tatort: Kressin und der Laster nach Lüttich (Deutschland 1971)

Regie: Tom Toelle

Drehbuch: Wolfgang Menge

Zollfahnder Kressin jagt dieses Mal Schnapsschmuggler, die den Alkohol aus dem sozialistischen Ostblock in die kapitalistische Bundesrepublik schmuggeln. Um die Bösewichter, die auch vor Mord nicht zurückschrecken zu fangen, geht Kressin als Trucker-Fahrer undercover.

Ein Oldie mit dem damals sehr beliebten Ermittler Kressin. In seinem zweiten Einsatz, inszeniert von „Das Millionenspiel“ Tom Toelle, gibt es eine ordentliche Portion Action. „ein kurzatmiger Action-Film mit rauhen Prügeleien, bei denen brutale Hiebe ausgeteilt und eingesteckt werden wie in blutigen Leinwand-Reißern“ (Kölner Stadt-Anzeiger)

Mit Sieghardt Rupp, Hermann Lenschau, Ivan Desny, Katrin Schaake, Manfred Seipold, Gernot Duda, Joachim Richert, Werner Schumacher

Hinweise

Tatort-Fundus über Zollfahnder Kressin

Wikipedia über „Tatort: Kressin und der Laster nach Lüttich“


TV-Tipp für den 11. Januar: Monsieur Klein

Januar 10, 2021

Arte, 22.00

Monsieur Klein (Monsieur Klein, Frankreich/Italien 1976)

Regie: Joseph Losey

Drehbuch: Franco Solinas, Fernando Morandi, Joseph Losey

Paris 1942: Robert Klein verdient als Kunsthändler gut an der Not der Juden. Eines Tages liegt vor seiner Haustür ein an ihn adressiertes Exemplar der „Les informations juives“. Klein will herausfinden, warum er die Zeitung zugeschickt bekommen hat. Er erfährt von einem gleichnamigen Juden, der sich anscheinend seiner Identität bemächtigen will.

Kafkaesker Alptraum ohne die Hoffnung auf ein Happy End, von Losey karg und sehr stilbewusst inszeniert. Delons zurückhaltendes Spiel passt perfekt zur Rolle des emotionslosen Mitläufers, der nur an sich denkt und dabei zielsicher ins Verderben läuft.

Delon war für einen Cesar als bester Schauspieler nominiert, Losey erhielt einen für die Regie und der Film gewann den Cesar für bester Film.

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte das sehenswerte Drama „Verleugnung“ (Denial, GB/USA 2016, Regie: Mick Jackson; über den aufsehenerregenden Prozess, in dem die angesehene Historikerin Deborah E. Lipstadt gegenüber dem sie wegen Verleugnung anklagendem Holocaust-Leugner David Irving beweisen musste, dass es den Holocaust gegeben hat).

mit Alain Delon, Jeanne Moreau, Michel Lonsdale, Juliet Bertot, Suzanne Flon, Jean Bouise

Hinweise

Wikipedia über „Monsieur Klein“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 10. Januar: Confidence – Coup in L. A.

Januar 9, 2021

3sat, 23.10

Confidence – Coup in L. A. (Confidence, USA/Kanada/Deutschland 2003)

Regie: James Foley

Drehbuch: Doug Jung

Weil Profidieb Jake zufällig einen Mafiosi beklaut hat, bietet er ihm bei seinem nächsten Trickbetrug einen Teil der Beute an. Nur: wer kann hier wem trauen und wer betrügt wen?

Gelungener Neo-Noir-Gangsterkrimi mit einer prächtig gelaunten Starbesetzung, die sich gegenseitig übers Ohr haut.

„mehr David Mamet als Ocean’s Eleven“ (Gerald Jung, Zitty 2/2004)

mit Edward Burns, Rachel Weisz, Andy Garcia, Dustin Hoffman, Paul Giamatti, Donal Logue, Luis Guzmán, John Carroll Lynch, Morris Chestnut, Robert Forster

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Confidence“

Wikipedia über „Confidence“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Januar: Justiz

Januar 8, 2021

3sat, 20.15

Justiz (Deutschland/Schweiz 1993)

Regie: Hans W. Geißendörfer

Drehbuch: Hans W. Geißendörfer

LV: Friedrich Dürrenmatt: Justiz, 1985

In einem Nobellokal in Zürich erschießt Regierungsrat Isaak Kohler vor Zeugen den Jura-Professor Winter. Er wird für den Mord verurteilt. Anschließend bittet er den jungen Rechtsanwalt Felix Spät, sich des Falles wieder anzunehmen. Spät soll dabei von seiner Unschuld ausgehen.

ein moralischer Krimi um den möglichen Unterschied zwischen Justiz und Gerechtigkeit, der bei aller Nachdenklichkeit die Spannung nicht zu kurz kommen läßt.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Mit einer selten gezeigten Verfilmung beginnt dieser Friedrich-Dürrenmatt-Abend. Um 22.00 Uhr geht es mit „The Pledge – Das Versprechen“ (USA 2001; eine weitere Verfilmung von „Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman“, der Romanversion von „Es geschah am hellichten Tag“) weiter. Um Mitternacht wird „Der Besuch der alten Dame“ (Deutschland/Österreich 2008) gezeigt. Die ‚alte Dame‘ kommt bereits einmal um 17.30 Uhr.

Der Anlass ist der hundertste Geburtstag des Dichters. Der war am 5. Januar.

mit Maximilian Schell, Thomas Heinze, Anna Thalbach, Mathias Gnädinger, Norbert Schwientek, Ulrike Kriener, Suzanne von Borsody, Hark Bohm, Martin Semmelrogge

Hinweise

Filmportal über „Justiz“

Wikipedia über „Justiz“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Friedrich Dürrenmatts „Die Kriminalromane“ (Der Richter und sein Henker, Der Verdacht, Das Versprechen, Justiz, Der Pensionierte)


„Breathtaker: Liebe, Tod, Sex, Macht“ und eine Prise hemmungslos übertriebene Gewalt

Januar 8, 2021

Wer als Mann Chase Darrow begegnet, ist verloren. Jeder Mann, der sie trifft, verliebt sich unsterblich in sie und ist ihr bis zum Tod hoffnungslos verfallen. Dieser Tod tritt für den Mann oft schneller als erwartet ein. Denn mit jedem Kuss raubt sie ihm seine Lebenskraft. Darrow ist allerdings kein Vampir, sondern eine von der US-Regierung erfundene Waffe, die als Spionin eingesetzt wird. Sie ist eine Über-Mata-Hari. Dass sie nur Männer wuschig macht, liegt wohl in erster Linie daran, dass „Breathtaker: Liebe, Tod, Sex, Macht“ im Original bereits 1990 bei DC Comics erschien. Der von Autor Mark Wheatley und Zeichner Marc Hempel geschaffene vierteilige Comic wurde 1994 bei Vertigo als Sammelband veröffentlicht und ist jetzt in einer deutschen Übersetzung erschienen. Mit sehr viel Bonusmaterial.

Nachdem Darrow den vermögeden Paul Raymond getötet hat und spurlos verschwunden ist, ist die Jagd auf sie eröffnet. Gejagt wird sie von „The Man“, der den Beteuerungen von Raymonds Sohn, dass Darrow eine überaus liebevolle, um das Wohl ihres Vaters aufrichtige bemühte Frau war, nicht glaubt. Er hält sie für eine Serienmörderin. Er ist eine ebenfalls von der US-Regierung erfundene Waffe.

The Man ist der unkaputtbare und bei seinen Missionen viel kaputtmachende Held, der sogar eine eigene TV-Show hat, die von seinen Heldentaten erzählt. Seit er bei seiner letzten Heldentat unter anderem einen Mord vor laufender Kamera begangen hat, ist sein Image beschädigt. Es wird sogar über eine Absetzung seiner zuletzt quotenschwachen Show geredet.

Beide Figuren sind natürlich hemmungslos überzeichnete Pulp-Charaktere. Beide gehen so unverhohlen ihren Trieben nach, dass eine mehr als satte Portion Sex und Gewalt garantiert ist. Das war damals, als Frank Miller mit „Batman – Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ und Alan Moore/Dave Gibbons mit „Watchmen“ für eine Neuinterpretation des Superheldengenres sorgten und Tim Burtons „Batman“-Film die bahnbrechende Comicverfilmung war, sicherlich aufregender als heute, wo solche Entmystifizierungen und Neuinterpretationen nicht mehr schockieren.

Bei „Breathtaker“ fallen zuerst die Zeichnungen auf. Sie sind satirisch überspitzt, nie um eine platte Abbildung der Realität bemuht und manchmal ins Surrealistische gehend.

Die sich fast zweihundert Seiten entfaltende Geschichte ist sehr skizzenhaft. Wirklich interessante Punkte werden ignoriert oder nicht weiter vertieft. Dazu gehören die nur manchmal aufblitzende Medienkritik und die bestenfalls skizzierten Hintergründe zur Entstehung von Darrow und The Man. Dagegen wird sich über Seiten in Gewalt und Sex gebadet.

Die deutsche Ausgabe enthält neben dem Comic eine Einleitung von Neil Gaiman (von 1994), ausführliche Informationen von Mark Wheatley und Marc Hempel zur Entstehung, damals entstandene Skizzen und Zeichnungen und, brandneu, den 28-seitigen Comic „Make Way for The Man # 138“, der eine Geschichte zu Ende erzählt, die in „Breathtaking“ auch einmal im Bild ist. Denn „The Man“ hat neben der Reality-Show auch eine Comicreihe.

Mark Wheatley/Marc Hempel: Breathtaker: Liebe, Tod, Sex, Macht

(übersetzt von Christian Langhagen)

Cross Cult, 2020

250 Seiten

30 Euro

Originalausgabe

Breathtaker: Love, Death, Sex, Power, # 1 – 4

DC Comics 1990

als Sammelband

Vertigo, 1994

Hinweise

Wikipedia über Mark Wheatley, Marc Hempel und „Breathaker“


TV-Tipp für den 8. Januar: Eric Clapton: Leben mit dem Blues

Januar 7, 2021

Arte, 21.45

Eric Clapton: Leben mit dem Blues (Eric Clapton: A Life in 12 Bars, Großbritannien 2017)

Regie: Lili Fini Zanuck

Drehbuch: Stephen ‚Scooter‘ Weintraub, Larry Yelen

TV-Premiere. Zweistündige Doku über das Leben und Werk von Bluesgitarrist Eric Clapton, mit vielen Archivaufnahmen und aktuellen Interviews.

Lili Fini Zanuck könnte etwas bekannter für ihr Drogendrama „Rush“ (1991) sein, für das Clapton die Musik (und „Tears in Heaven“) schrieb. Große Erfolge hatte sie als Produzentin von, u. a., „Cocoon“ (1985), „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ (Driving Miss Daisy, 1989; der Film erhielt den Oscar als bester Film des Jahres), „Nach eigenen Regeln“ (Mulholland Falls, 1996) und „Ein wahres Verbrechen“ (True Crime, 1999).

Arte zeigt nach der Doku den gut zweistündigen Konzertmitschnitt „Slowhand at 70“ (bzw. „Live at the Royal Albert Hall“ (Großbritannien 2015).

mit Eric Clapton, Chris Dreja, Hughie Flint, Richard Goldstein, Alex Hooper, Cathy James, John Mayall, Jim McCarty, Jamie Oldaker, Ben Palmer, Howard Smith, George Terry, Steve Turner, Mike Vernon, Roger Waters, Bobby Whitlock, Steve Winwood

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 6. Februar in der Mediathek) und das Konzert (bis zum 8. März in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Eric Clapton: Leben mit dem Blues“

Homepage von Erick Clapton

AllMusic über Eric Clapton

Wikipedia über Eric Clapton (deutsch, englisch)

Where’s Eric! (sehr umfangreiche Fanclubseite)

Meine Besprechung von Blue Leachs „Eric Clapton: Live at the Royal Albert Hall – Slowhand at 70“ (Großbritannien 2015)

Zwei Gespräche zum Film mit Lili Fini Zanuck und Eric Clapton (das zweite ist eine Amateuraufnahme)


TV-Tipp für den 7. Januar: Gattaca

Januar 6, 2021

ZDFneo, 20.15

Gattaca (Gattaca, USA 1997)

Regie: Andrew Niccol

Drehbuch: Andrew Niccol

In der nahen Zukunft gibt es im Labor entstandene, genetisch perfekte Menschen und natürlich entstandene Menschen, die nicht perfekt sind und deshalb nicht alles tun dürfen. Vincent will dennoch seinen Traum, Astronaut zu werden, verwirklichen. Unter falscher Identität und mit damit verbundenen Betrügereien bei Gen-Tests gelingt es ihm, im Raumfahrtkonzern Gattaca eine Stelle zu bekommen und in die engere Auswahl für eine wichtige Raumfahrtmission zu kommen. Wenn er nicht vorher entdeckt wird.

Außergewöhnlich schöner Science-Fiction-Thriller, der in elegischem Ton von einer manipulierten Welt zwischen Kafka, Orwell und Huxley erzählt und – heute eine Seltenheit – mit einem Spezialeffekt (der Raketenstart) auskommt.“ (Fischer Film Almanach 1999)

Science-Fiction zum Nachdenken.

mit Ethan Hawke, Uma Thurman, Alan Arkin, Jude Law, Loren Dean, Gore Vidal, Ernest Borgnine, Blair Underwood, Xander Berkeley, Elias Koteas

Wiederholung: Samstag, 9. Januar, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Gattaca“

Wikipedia über „Gattaca“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andrew Niccols “Seelen” (The Host, USA 2013)


TV-Tipp für den 6. Januar: The Sisters Brothers

Januar 5, 2021

Servus TV, 20.15

The Sisters Brothers (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain

LV: Patrick deWitt: The Sisters Brothers, 2011 (Die Sisters Brothers)

TV-Premiere. Schön schwarzhumoriger Neowestern über zwei Kopfgeldjäger, die titelgebenden Angst und Schrecken verbreitenden und noch auf der geistigen Entwicklunsstufe eines Kindes stehenden Sisters Brothers, die quer durch den Wilden Westen einen Goldsucher jagen. Der soll im Besitz einer Zauberformel zum effektiven Goldwaschen sein.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal, Riz Ahmed, Rutger Hauer, Rebecca Root, Carol Kane

Die lesenswerte Vorlage

Patrick deWitt: Die Sisters Brothers

(übersetzt von Marcus Ingendaay)

Goldmann, 2013

352 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Manhattan/Goldmann, 2012

Originalausgabe

The Sisters Brothers

ecco/HarperCollins Publishers, New York 2011

Hinweise

Moviepilot über „The Sisters Brothers“

Metacritic über „The Sisters Brothers“

Rotten Tomatoes über „The Sisters Brothers“

Wikipedia über „The Sisters Brothers“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „The Sisters Brothers“ (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)


%d Bloggern gefällt das: