Friendly Fire – Erich Fried (Deutschland/Österreich 2025)
Regie: Klaus Fried, Julia Albrecht (Realisation)
Drehbuch: Klaus Fried, Andrew Hood
TV-Premiere. Klaus Fried will herausfinden, warum sein Vater Erich Fried (6. Mai 1921, Wien – 22. November 1988, Baden-Baden) so wenig über ihn wusste.
Entstanden ist kein Film über das Werk von Erich Fried, sondern über die Suche nach einem Vater, der gleichzeitig ein von der ganzen Welt bewunderter Dichter und politischer Essayist war. Ein mit Absicht sperriger und dissonanter Film. Sehenswert!
Aufgrund eines Fluchs tauschen der gefürchtete Serienmörder ‚Blissfield Butcher‘ (Vince Vaughn) und die 17jährige Millie Kessler (Kathryn Newton) ihre Körper. Der Mörder ist begeistert. Denn niemand würde vermuten, dass eine schnuckelige Schülerin ein gefürchteter Mörder ist. Er erkundet sofort neue, ihm vorher verschlossene Jagdreviere. Die Schülerin hätte dagegen gerne ihren alten Körper zurück.
Köstlicher Bodyswitch-Slasherfilm mit einer ordentlichen Portion Slapstick (wenn der Riese Vaughn eine 17-jährige spielt) und voller gelungener Anspielungen und Zitate auf Horrorfilme.
Wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schickt die CSSR einen Spion und die UdSSR eine Spionin in den Westen. Während ihres ersten echten Einsatzes treffen sie sich zufällig in München in einer Hotelbar. Sie verlieben sich ineinander und interessieren sie sich nicht mehr für ihre Mission.
Dass Pavel besonders sprachbegabt ist, kommt öfter vor. Dass Sylva, bevor sie im Institut für experimentelle Humanmedizin zu einer wunderschönen Frau wurde, eine Füchsin war, ist dagegen einzigartig und jenseits jeder Realität. Aber so etwas kommt in osteuropäischen Romanen, auch wenn sie keine Fantasy-Romane sind, die in Buchhandlungen sofort bei den üblichen Fantasy-Romanen einsortiert werden, öfter vor.
Jiří Kratochvil wurde 1940 in Brünn geboren. Von 1968 bis 1989 belegte ihn die dortige Regierung mit einem politisch bedingtem Publikationsverbot. Inzwischen ist er einer der führenden Vertreter der tschechischen Postmoderne.
Sein neuester Roman „Fuchs zu Dame“ ist ein wenig Spionageroman, etwas Fantasy-Geschichte, milde Satire, bestenfalls durchwachsene postmoderne Spielerei und langweilige Biographie.
Für die Agentengeschichte interessiert Kratochvil sich kaum. Sylva und Pavel lassen schnell ihren eher nebulösen Auftrag links liegen. Gemeinsam flüchten sie in die USA und versuchen in der Provinz nicht aufzufallen. Spannend ist das nicht. Auch nicht witzig; – was ja für die mangelnde Spionageroman-Spannung entschädigen könnte. Und auch nie absurd oder satirisch genug, Dabei böten, wie viele Romane und Filme beweisen, die Missionen der Agenten, ihre Schattenspiele, die beginnende Paranoia des Kalten Krieges und die grundverschiedenen (?) Ideologien in Ost und West viel Anlass für herzhafte Lacher.
„Fuchs zu D ame“ ist eine, trotz ihrer Kürze von nicht einmal 240 Seiten, sich quälend lang anfühlende Doppelbiographie.
Kratochvils Roman erhielt 2020 den tschechischen Magnesia-Litera-Preis in der Kategorie Prosa.
P. S.: Die am Buchende platzierte „Anmerkung des Autors“ sollte, weil sie wichtige Informationen zur Geschichte enthält, erst nach der Lektüre gelesen werden.
Kurz nachdem Marina ihren Mann Alexander mit Veronal vergiftet hat, beginnt sie zu erzählen, wie sie zur Prostituierten wurde und sich in den trunksüchtigen Maler verliebt, wie er, verursacht durch einen Gehirntumor, sein Augenlicht verliert und sterben will.
Ein Skandalfilm und enormer Publikumserfolg. Aufgeregt werde sich damals weniger über die sekundenlange Nacktaufnahme von Hildegard Knef, sondern vor allem über die im Film breit angesprochenen Themen Sterbehilfe, Suizid, Inzest, Wilde Ehe und Prostitution. Das empörte 1951 die katholische Kirche (die evangelische Kirche war weniger empört) und die gottesfürchtige Bevölkerung. Es gab Aufrufe, den Film nicht zu zeigen oder ihn sich nicht anzusehen, Flugblätter, Schweigemärsche, mit Stinkbomben und Niespulver gestörte Kinovorstellungen, Vorführungen unter Polizeischutz und Aufführungsverbote.
„der größte Skandalfall des deutschen Nachkriegsfilms (…) „der interessanteste schlechte deutsche Film aus einer Zeit, da es fast nur schlechte deutsche Filme gab. (….) er hat die Faszination aller heillos chaotischen und wüst verkitschten Filme.“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms, 1980)
Der damals, nach langen Verhandlungen, ab 18 Jahre freigegebene Film (heute FSK 12) ist ein aus Rückblenden bestehender Stummfilm, über den ein, von wenigen Dialogen unterbrochener, Monolog Marinas gelegt wurde.
Anschließend, um 21.40 Uhr, zeigt Arte die 55-minütige Doku „Hildegard Knef: So oder so ist das Leben” (Deutschland 2025, Regie: André Schäfer).
mit Hildegard Knef, Gustav Fröhlich, Robert Meyn, Aenne Bruck, Jochen-Wolfgang Meyn, Andreas Wolf
Hitchcocks Einstand in Hollywood: ein viktorianisches Thrillermelodrama über die junge Frau de Winter, die in dem Familienschloss Manderley überall Spuren der verstorbenen Rebecca de Winter findet und anscheinend von ihrem Mann und der Haushälterin in den Tod getrieben werden soll.
Obwohl David O. Selznick gerade sehr mit „Gone with the wind“ beschäftigt war und Hitch deshalb in Ruhe arbeiten ließ, ist „Rebecca“ in erster Linie ein Selznick-Film.
Hitchcock war von dem Film nicht begeistert: „Das ist kein Hitchcock-Film. Das ist eine Art Märchen,…eine ziemlich vorgestrige, altmodische Geschichte. Es gab damals viele schriftstellernde Frauen. Dagegen habe ich nichts, aber Rebecca ist eine Geschichte ohne jeden Humor.“
Anschließend, um 22.20 Uhr, zeigt Arte das 55-minütige Porträt „Mr. & Mrs. Hitchcock“ (Frankreich 2019).
Mit Laurence Olivier, Joan Fontaine, George Sanders, Judith Anderson, Nigel Bruce, Leo G. Carroll
Im heutigen Spanien besucht die 17-jährige Ainara eine katholische Schule. Sie nimmt auch an kirchlichen Freizeiten teil. Nach der Schule will sie allerdings nicht, wie sie ihren schockierten Eltern eröffnet, das Tun, was alle ihre Klassenkameradinnen tun werden. Sie will in ein Kloster gehen und Nonne werden.
Während ihre Eltern ihre Tante versuchen, Ainara umzustimmen, empfangen die Ordensschwester und alle im Kloster lebenden Nonnen sie mit offenen Armen. Die ärmlich lebenden Schwestern freuen sich über jedes neue Mitglied.
Alauda Ruiz de Azúa präsentiert in ihrem zweiten Kinofilm in ruhigen, dicht inszenierten, präzise und pointiert beobachteten Szenen Ainaras Entscheidung, was diese Entscheidung für ihre Freunde und Familie bedeutet und wie sie alle mit dieser Entscheidung umgehen. Sie zeigt auch verschiedene Versuche, Ainara zu manipulieren. Sie beobachtet – und überlässt dem Publikum in jeder Beziehrung das Urteil über Ainaras Wunsch, Nonne zu werden.
Bei den diesjährigen Goyas wurde der Publikumserfolg „Glaube“ in den wichtigen Kategorien – Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Beste Hauptdarstellerin und Beste Nebendarstellerin – ausgezeichnet.
Glaube (Los Domingos, Spanien 2025)
Regie: Alauda Ruiz de Azúa
Drehbuch: Alauda Ruiz de Azúa
mit Blanca Soroa, Patricia López Arnaiz, Miguel Garcés, Juan Minujín, Mabel Rivera, Nagore Aranburu
Mississippi, 1966: der junge, sich an die Vorschriften haltende FBI-Agent Wayne Strider (Yahya Abdul-Mateen II) soll den Mord am dem Bürgerrechtler Vernon Dahmer aufklären. Die mutmaßlichen Täter sind Honoratioren und Mitglieder des Klu-Klux-Klans. Niemand will mit dem Schwarzen Polizisten reden. Die Weißen nicht, weil sie sich im Recht fühlen und nicht mit Schwarzen reden. Die Schwarzen nicht, weil sie Angst haben.
Das ändert sich erst, als ihm Greg Scarpa (Mark Wahlberg) zur Seite gestellt wird. Scarpa ist kein FBI-Agent, sondern ein Mafia-Killer und Spitzel für das FBI. Manchmal holt das FBI, alle geschriebenen und ungeschriebenen Vorschriften ignorierend, den New Yorker für Sachen, bei denen seine besonderen Fähigkeiten hilfreich sein können. Alle wissen, dass niemand jemals erfahren darf, dass ein Mafia-Killer für das FBI arbeitet.
Skrupellos schlägt, mordet und foltert Scarpa alle, die ihm Informationen über die Mörder geben könnten. Das sorgt zuerst für erwartbaren Streit zwischen Strider und Scarpa. Beispielsweise als Scarpa bei einer Verkehrskontrolle einen Polizisten erschießt. Später raufen sie sich zusammen, lernen sich schätzen und sie können den Fall aufklären.
Elegance Bratton erzählt diese in Teilen wahre Geschichte in dem Polizeithriller „By any means“.
Scarpa gab es und der Killer war ein Spitzel für das FBI. Er war auch irgendwie in den sechziger Jahren in den Südstaaten in Ermittlungen involviert. Alles weitere entspringt der Phantasie des Drehbuchautors.
In Alan Parkers „Mississippi Burning“ (1988), ein Film, an den die Geschichte von „By any means“ erinnert, taucht Scarpa ebenfalls auf. Als FBI-Agent Monk, der ein Klan-Mitglied entführt. Parkers Film behandelt mehr oder weniger die gleichen Ereignisse und erlaubt sich ebenfalls kreative Freiheiten im Umgang mit der Wahrheit. Die Stimmung in den Südstaaten treffen beide Thriller.
Bratton zeichnet in seinem ruhig erzähltem Thriller ein Bild der damaligen, oft auch gewalttätigen Unterdrückung von Schwarzen und Bürgerrechtlern. Dieses Mal sogar mit einem Schwarzen Protagonisten, der – und das ist ein Problem des Films – von einem italienischstämmigem Mörder lernt, dass gegen Gewalt nur noch brutalere Gewalt hilft. Ein anderes Problem von „By any means“ ist, dass hier, wieder einmal, ein Weißer dem Schwarzen hilft, die Dinge zu regeln. Dieses Problem relativiert Bratton, wenn er detailliert die damalige Zeit schildert.
Für die Älteren ist „By any means“ eine lauwarme Wiederholung von „Mississippi Burning“.
Für die Jüngeren, die sich so alte Filme nicht ansehen, ist Brattons Thriller eine empfehlenswerte Geschichtsstunde, die zeigt, was sich seitdem in den USA veränderte und was auf dem Spiel steht.
By any means(By any means, USA 2026)
Regie: Elegance Bratton
Drehbuch: Sascha Penn
mit Yahya Abdul-Mateen II, Mark Wahlberg, Nicole Beharie, Josh Lucas, LisaGay Hamilton, David Strathairn, Ethan Embry, Giancarlo Esposito, Lee Perkins
Zach, der gerade mit seiner Mutter von der Großstadt in die Kleinstadt gezogen ist, verguckt sich sofort in das Nachbarmädchen Hannah. Aber ihr unhöflicher Vater verbietet ihr den Umgang mit Zach. Als Zach und sein Schulfreund Champ kurz darauf, aufgeschreckt durch seltsame Ereignisse, in das Nachbarhaus einbrechen, entdecken sie einen Schrank voller Bücher von R. L. Stine. Sie öffnen eines der Bücher und all die Monster, die R. L. Stine in seine Bücher verbannte, brechen aus. Zach, Champ, Hannah und ihr Vater, R. L. Stine höchstpersönlich, versuchen, das Schlimmste zu verhindern.
„Gänsehaut“ ist eine sehr unterhaltsame Gruselkomödie für ein jüngeres Publikum, eine Liebeserklärung an die klassischen Horror- und Monsterfilme und auch eine kleine Meditation über die Arbeit eines Horrorschriftstellers, garniert mit einigen gut platzierten Witzen, die vor allem Erwachsene verstehen.
Die Gräfin Elizabeth Bathory ist zurück. Nach 25 Jahren taucht sie wieder in Wien auf und wieder versinkt die Stadt in einem irren und, dank der Inszenierung, den Locations und den Kostümen, sehr stilbewusstem Blutrausch.
Gespielt wird die Gräfin von Isabelle Huppert. Inszeniert wurde der Film von Ulrike Ottinger, einer Legende des feministischen Kinos. Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek half bei dem Drehbuch. Von ihr sind die Anspielungen auf die österreichische Kultur und Geschichte. Die Zusammenarbeit zwischen Ottinger und Jelinek am Drehbuch begann in den frühen Nuller Jahren. Auch Isabelle Huppert wurde schon vor zwanzig Jahren auf die Rolle angesprochen. Sie war interessiert. Die Finanzierung gestaltete sich dann schwierig.
Neben Huppert spielen Birgit Minichmayer, Thomas Schubert, Lars Eidinger und Conchita Wurst (Göttlich! Kein weiterer Kommentar.) in diesem wundervoll respektlosem Tanz der Vampire mit.
Und das war es mit dem selektivem Name-Dropping für einen doch sehr speziellen Film. Die Figuren tragen absurde Namen, es gibt einen vegetarischen Vampir, weitere zur Familie gehörende, burschenschaftlich-halbstarke Vampire, einen Therapeuten, der die Vampirsichtungen seines Klienten für mit einer Konfrontationstherapie behandelbare Spinnereien hält, einen Kommissar, der sich an ein frühere Blutbäder erinnert, zwei verschrobene Wissenschaftler, die die Tagung „Identität der Vampire im Zeitalter ihrer digitalen Reproduzierbarkeit“ besuchen. Als sie erfahren, dass die Blutgräfin Elizabeth Bathory zufällig ebenfalls in dem Nobelhotel nächtigt, sind sie begeistert. Und es gibt ein sehr wienerisches morbid theaterhaft überhöhtes Wien, in dem die Begegnung zwischen Menschen und Vampiren normal ist.
Die vernachlässigbare Geschichte über ein Buch, das alle wollen, spielt in einem Operettenwien, das die Bühne für ein einziges gigantisches Kostümfest ist. Die Dialoge sind bewusst künstlich. Die Namen der Figuren, wie Rudi Bubi Baron von Strudl zur Buchtelau, Theobastus Bombastus, Nepomuk Nachbiss oder Oberinspektor Unglaube, sind Kabarettnamen. Die Bilder sind eindeutig für das Kino konzipiert. Martin Gschlacht arbeitete auf der Grundlage von Storyboards, die Ulrike Ottinger zeichnete. Bei ihren vorherigen Filmen war sie die Kamerafrau.
Ulrike Ottinger ist eine der wenigen Regisseurinnen des Neuen Deutschen Films. Neben der Filmregie war die Feministin Malerin, Fotografin, Galeristin, Filmclub-Betreiberin, Mitgründerin des Verbandes der Filmarbeiterinnen, Theater- und Opernregisseurin.
Am bekanntesten ist ihre Berlin-Trilogie „Bildnis einer Trinkerin“ (1979), „Freak Orlando“ (1981) und „Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse“ (1984). Danach konzentrierte sie sich auf teils episch lange Dokumentarfilme.
Der wienerisch-morbide Vampirfilm „Die Blutgräfin“ ist jetzt ihre sehr stilbewusste Rückkehr zum Spielfilm. Gewohnt experimentell spielt sie mit Zitaten und Mythen, während die Blutgräfin und ihre Zofe durch Wien wandeln und alle seine Vampire ein Fest feiern mit den Lebenden und bald Toten.
Die Blutgräfin (Österreich/Deutschland/Luxemburg 2026)
mit Isabelle Huppert, Birgit Minichmayer, Thomas Schubert, Lars Eidinger, André Jung, Marco Lorenzini, Karl Markovics, Felix Oitzinger, Tom Neuwirth (aka Conchita Wurst), Maresi Riegner, Branko Samarovski, Inge Maux, Paul Matic
In einem Lagerhaus in Brooklyn will DJ Dre die große Party, von der die ganze Stadt sprechen wird, veranstalten. Aber kurz vor dem Beginn sagt der bestenfalls szenebekannte Hauptact ab. Ein Ersatz muss organisiert werden. Lust, Liebe und Künstler:innenegos knallen aufeinander. Hetero-Influencer wollen die angekündigte Drag-Show ansehen. Und dann tauchen auch noch Zombies auf.
“Queen of the Dead” ist das Spielfilmdebüt von Tina Romero. Ihr Filmdebüt hatte sie als Kind in George A. Romeros “Der Affe im Menschen” (Monkey Shines, 1988). Sie spielte ein spielendes Kind. Später studierte sie Film am Wellesley College und der NYU Tisch Graduate School of Film. Sie ist Vizepräsidentin der GARF Foundation, die das Werk ihres Vaters George A. Romero würdigt. Er beeinflusste auch unverkennbar ihr mit einem überschaubarem Budget inszeniertes Spielfilmdebüt.
Das Budget ist allerdings nicht das größte Problem von “Queens of the Dead”. Auch nicht, dass die Schauspieler keine zukünftigen Oscar-Kandidaten sind, sondern, auch rollenbedingt, zum Overacting tendieren. Beides akzeptiert man, wenn der Rest zumindest interessant ist.
Leider macht Tina Romero aus wenig noch weniger. Fast der gesamte Film spielt in der zur Partylocation umfunktionierten Lagerhalle. In ihr stehen die wenige Menschen, die zu der großen Party gekommen sind, verlorener als nötig herum. Als müssten die strengsten Corona-Regeln eingehalten werden. Auf die Angriffe der Zombies reagieren sie meistens vollkommen bescheuert. Die Angriffe sind rar und schnell vorbei. Die Witze erschöpfen sich weitgehend in einer Umkehr der Geschlechterrollen und Spott über die bekannten Klischees über Homosexuelle und Transvestiten. Das war vor vierzig Jahren, zehn Jahre nach der “Rocky Horror Picture Show”, vielleicht noch neu, ist aber heute, fast dreißig Jahre nach der „Bullyparade“, älter als die Tageszeitung vom letzten Halloween.
“Queens of the Dead” ist da einfach nur der nächste, verzichtbare, mit einem Minibudget gedrehte Zombiefilm. Dieses Mal in der queerbunten Version.
Aus US-amerikanscher Perspektive ist das vielleicht anders. Dort kann die 80er-Jahre-Zombiekomödie „Queens of the Dead“ als Selbstvergewisserung und Schlachtruf der LGBTQ+-Community gegen die sie offensiv bekämpfende Regierung und die reaktionäre Stimmung gesehen werden.
Queens of the Dead (Queens of the Dead, USA 2025)
Regie: Tina Romero
Drehbuch: Tina Romero, Erin Judge
mit Jaquel Spivey, Katy O’Brian, Nina West, Tomas Matos, Margaret Cho, Jack Haven, Quincy Dunn-Baker, Cheyenne Jackson, Tom Savini
The Rocky Horror Picture Show(The Rocky Horror Picture Show, USA 1974)
Regie: Jim Sharman
Drehbuch: Richard O’Brien, Jim Sharman
Nach einer Reifenpanne klopfen die Spießer Janet und Brad an die Tür eines düsteren Schlosses – und gelangen in ihre schlimmsten Alpträumen. In dem Schloss findet gerade das orgiastische Jahrestreffen der irdischen Agenten vom Planeten Transsexual statt.
Ein Kultfilm, der in einigen Kinos viele Jahre lief.
Nach dem Film zeigt Arte um 21.50 uhr die 75-minütige Doku „Die ‚Rocky Horror Picture Show‘: Eine wilde Geschichte“ (USA 2025, Regie: Linus O’Brien).
mit Tim Curry, Susan Sarandon, Barry Bostwick, Richard O’Brien, Patricia Quinn, Nell Campbell, Jonathan Adams, Peter Hinwood, Meat Loaf, Charles Gray (Der Erzähler)
Klara ist eine Künstliche Freundin (KF). Sie ist allerdings kein mit dem Internet verbundener Supercomputer, sondern ein autonom lernendes System, das mit einigen Charaktereigenschaften, die sich wohl von KF zu KF unterscheiden, und bestimmten Fertigkeiten ausgestattet ist. Das führt in Kazuo Ishiguros Roman und Taika Waititis Version immer wieder zu amüsanten Situationen zwischen Roboter und Mensch und Roboter und Umwelt. Waititi interpretiert den Roman. Er setzt andere Schwerpunkt und erfindet Figuren. Er verändert die Geschichte, das Ende und den Ton. Ishiguros Roman ist deutlich ernster und richtet sich an Erwachsene; trotz der naiven Klara als Erzählerin, die sich auf dem Niveau eines Kindes befindet und die Welt durch die Augen eines neugierigen Kindes sieht. Waititis Film ist bis so ungefähr zur Filmmitte ein Film, der mit seinem Humor und den Slapstick-Elementen, auch für Kinder ein Vergnügen ist. Aber in der zweiten Hälfte, in der die Geschichte unnötig zerfasert und es immer unklarer wird, wohin das alles führen soll, wird eindeutig ein erwachsenes Publikum angesprochen.
Klara (Jenny Ortega) wird von Josie (Mia Tharia) als KF ausgewählt. Josie lebt mit ihrer Mutter (Amy Adams) und Melania Haushälterin (Rachel House) in einem einsam gelegenem Haus, das von Kornfeldern umgeben ist. Erst langsam begreift Klara, dass Josie im Sterben liegt.
Literatur-Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro konzentriert sich in seinem Roman „Klara und die Sonne“ auf Fragen, die mit Josies Sterben zusammenhängen. Es sind Fragen, wie man die letzten Tage verbringen soll, wie man mit dem Tod der Tochter umgeht und, weil Klara eine KF mit viel Empathie und dem Wunsch zu helfen ist, wie man mit dem Sterben einer pflegebürftigen Person umgeht. Einen Anspruch auf Realismus erhebt er dabei kaum. Dafür ist Klara zu rudimentär, realitätsfremd und eingeschränkt programmiert. Sie soll eine ‚beste Freundin‘ sein, verfügt aber nur über das Wissen eines Teddybären. Josie wird nur von einem periodisch auftauchendem Doktor behandelt. Weiteres Pflegepersonal gibt es nicht. Das ist fernab jeder gegenwärtigen und zukünftigen Realität. Innerhalb der von Ishiguro erfundenen Realität funktioniert das alles.
Taika Waititi ist bekannt für seinen bei aller Respektlosigkeit immer auch warmherzigen Humor, wie er in „5 Zimmer Küche Sarg“, „Wo die wilden Menschen jagen“ und drei „Thor“-Kinofilmen bewies. In „Jojo Rabbit“ gelang ihm die Verbindung von Humor, ernsten Themen und durchaus kindgerechter Erzählweise; – wobei „Ein Film für alle Altersstufen“ vielleicht zutreffender ist. Dagegen ist „Klara und die Sonne“ eine ziemliche Enttäuschung.
Waititi konzentriert sich in seinem Film, vor allem am Anfang, auf die Comedy-Elemente. In grotesken Posen stehen die KFs im Schaufenster und warten auf Käufer. Klara steht dabei gerne auf einem Bein. Nach Geschäftsschluss unterhalten sie sich untereinander und mit der Managerin des Geschäfts über die Welt, die sie draußen erwartet. Klara ist dabei eine besonders empathische und neugierige KF. Eine besondere Beziehung hat sie dabei zur Sonne. Für sie ist die Sonne nicht nur die Energiequelle, die sie und die anderen KFs auflädt, sondern mehr. Wenn Klara dann in Josies Haus ist, beginnt sie die Welt zu erkunden, fährt Auto (keine besonders gute Idee) und lernt eine künstliche Vogelscheuche kennen. In dieser Filmhälfte gibt es etliche gelungene Gags. Später nicht mehr. Aus der Komödie wird ein weitgehend humorfreies, oberflächliches Drama für Erwachsene über eine Mutter, die versucht, den baldigen Tod ihrer Tochter zu verarbeiten.
Dieser Stilbruch führt dazu, dass „Klara und die Sonne“ zu einem Film auf der Suche nach einem Publikum wird.
Es ist auch Waititis schwächster Film. Was schade ist, weil auf den ersten Blick eigentlich alles für den Film spricht. Jenny Ortega als Klara überzeugt. Die anderen Schauspieler, die Sets und die Kamera ebenso. Aber das Drehbuch funktioniert nicht.
Dabei hätte Waitit sich nur entscheiden müssen, ob er einen Film im Stil von „Jojo Rabbit“ oder „Next Goal Wins“ drehen möchte. In „Klara und die Sonne“ kombiniert er beide Filme und verliert.
Klara und die Sonne (Klara and the Sun, USA 2026)
Regie: Taika Waititi
Drehbuch: Taika Waititi, Dahvi Waller
LV: Kazuo Ishiguro: Klara and the Sun, 2021 (Klara und die Sonne)
mit Jenna Ortega, Amy Adams, Mia Tharia, Aran Murphy, Steve Buscemi, Natasha Lyonne, Rachel House
Was für ein Leben! Geboren am 15. November 1936 in Hamburg. Der Vater wird als Jude und Kommunist nach Auschwitz deportiert und ermordet. 1953 siedelt Wolf Biermann in die DDR über, wird Liedermacher und schnell zum Staatsfeind mit Arbeits-, Auftritts-, Publikations- und Reiseverbot. Im November 1976 darf er für ein Konzert nach Westdeutschland/BRD/Bundesrepublik Deutschland/Deutschland (ich hoffe, ich habe keine Bezeichnung für die Bonner Republik vergessen) ausreisen. Er tritt in der Kölner Sporthalle auf. Der Saal ist brechend voll. Die Stimmung gut. Danach bürgerte das SED-Politbüro ihn aus und stieß eine ungeahnte und ungeplante Solidarisierungswelle mit Wolf Biermann an.
Seitdem trat Biermann regelmäßig auf (nach dem Mauerfall auch wieder in der DDR), veröffentlichte Musikalben und mischte sich immer wieder querulantisch in die Politik ein.
Dieses Leben des trotz seiner fast neunzig Jahren junggebliebenen und immer wieder selbstironischen Künstlers rekapituliert Jens Meurer in seinem konventionellem Biopic „Bierman“. Chronologisch führt er mit Statements von Wolf Biermann, Vertrauten und Bewunderern und Archivaufnahmen durch Biermanns Leben. Meurer gibt einen guten Einblick und Überblick über Biermans Leben und Denken, aber nicht, trotz zahlreicher angespielter Lieder, in sein Werk.
Dafür erfahren wir, wie er zu seinem Bart kam.
Das sehenswerte Biopic „Biermann“ ist ein Teil der großen Wolf-Biermann-Offensive zu seinem runden Geburtstag. Neben dem Film gibt es mehrere Bücher, Musikalben und eine kleine Konzerttour.
mit Wolf Biermann, Pamele Biermann, Ulrich Gumpert, Günter ‚Baby‘ Sommer, Campino, Barbara Honigmann, Armin Mueller-Stahl, Nora Buschmann, Joachim Gauck, Van Holzen, Wolfgang Niedecken, Lina Maly, Alligatoah, (und in Archivaufnahmen) Eva-Maria Hagen, Heinrich Böll, Romy Schneider, Nina Hagen, Manfred Krug
Ehe Helen Mirren ab dem 5. November im Kino als Patricia Highsmith „Ein Talent fürs Morden“ beweist, beweist sie dies als Alma Reville in
RBB, 20.15
Hitchcock(Hitchcock, USA 2012)
Regie: Sacha Gervasi
Drehbuch: John J. McLaughlin
LV: Stephen Rebello: Alfred Hitchcock and The Making of Psycho, 1990 (Hitchcock und die Geschichte von „Psycho“)
Biopic über die Dreharbeiten zu „Psycho“ und die Beziehung zwischen Alfred Hitchcock und seiner Frau Alma Reville.
Die Dialoge sind pointiert, der Humor hitchcockian, die Schauspieler grandios, das Zeitkolorit treffend, die Faktentreue – naja, warum soll man bibeltreu bei den Fakten bleiben, wenn sie einer gelungenen Pointe im Weg stehen. Entstanden ist eine Geschichte, die in dieser Version, so meine Vermutung, Alfred Hitchcock gefallen hätte.
mit Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Danny Huston, Toni Collette, Michael Stuhlbarg, Michael Wincott, Jessica Biel, James D’Arcy, Kurtwood Smith, Ralph Macchio, Tara Summers
Die netten Damen von der Presseagentur machten mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen kann. Deshalb verlose ich 2 mal 2 Kinokarten für die am 5. November startende Krimikomödie „Kommissar Jennerwein – Hochsaison“. Es handelt sich dabei um die freie und gelungenere Verfilmung von Jörg Maurers zweitem Jennerwein-Kriminalroman.
Kommissar Hubertus Jennerwein (Florian Brückner) soll herausfinden, wer das Neujahrsspringen mit einem Mordanschlag auf den gerade springenden dänischen Skispringer frühzeitig beendete. In anonymen Schreiben kündigt der Mörder weitere Taten an. Und als wäre Jennerwein nicht schon genug beschäftigt mit der Aufklärung des Mordes und der Verhinderung weiterer Taten, schaltet sich die Lokalpolitik ein. Denn der Bürgermeister und die Honoratioren möchten alles vermeiden, was die erfolgreiche Bewerbung für die olympischen Winterspiele gefährden könnte.
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Die Teilnahmebedingungen für die Verlosung
Wer mit seiner Freund:in die Krimikomödie im Kino sehen möchte, muss bis Montag, den 2. November, um 12.00 Uhr mittags (aka Gary-Cooper-Zeit) eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung Kommisar Jennerwein“ an info@axelbussmer.de schicken.
Anschließend erhalten die beiden Gewinner die Tickets und die anderen E-Mails werden gelöscht.
Im Indianerreservat Wind River im US-Bundesstaat Wyoming wird die Leiche einer jungen Indianerin gefunden. Die unerfahrene FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) und der erfahrene Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) suchen den Täter.
Grandioser Schnee-Western von Taylor Sheridan. Er schrieb die Bücher für „Sicario“ und „Hell or High Water“.
mit Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Kelsey Asbille, Jon Bernthal, Graham Greene, Gil Birmingham, Julia Jones, Teo Briones, Martin Sensmeier, Hugh Dillon, James Jordan
Ein weiterer Klassiker von Ray Bradbury, dem Autor von „Fahrenheit 451“: an Halloween fragt sich ein Junge, wo der Ursprung von Hallowen ist. Zusammen mit seinen Freunden besucht er in dieser Nacht die verschiedenen Totenfeste.
Fun Fact: seit dem 31 Oktober 2007 gibt es in Kalifornien im Disneyland einen Halloween Tree (so auch der Originaltitel der 1972 erstmals erschienenen Geschichte).
Der Gott des Gemetzels(Carnage, Frankreich/Deutschland/Polen/Spanien 2011)
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Roman Polanski, Yasmina Reza (nach ihrem Theaterstück)
Der Sohn von Nancy und Alan Cowan hat dem Sohn von Penelope und Michael Longstreet zwei Zähne ausgeschlagen. Die kultivierten Eltern treffen sich, um, ganz zivilisiert, eine Versöhnung zwischen ihnen und ihren elfjährigen Kindern auszuhandeln. Der gute Wille ist vorhanden, aber nachdem Kaffee und Kuchen gereicht werden, eskaliert der Streit. Immer wieder unterbrochen vom ständigen Klingeln des Telefons.
Großartiges Schauspielerkino (wobei Kate Winslet für meinen Geschmack etwas blass bleibt), das vier Menschen in ein New-Yorker-Apartment einsperrt. Wunderschön pointiert, schwarzhumorig und bissig geschrieben und von Roman Polanski in einer weiterer seiner Theaterverfilmungen auf den Punkt inszeniert. Atempausen gibt es nach dem Film.
„‚Der Gott des Gemetzels‘ ist ein böser, vergnüglicher, kaum subtiler und durch und durch bürgerlicher Spaß.“ (Birgit Glombitza, epd Film 11/2011)
mit Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly