Künstler! Wenige Tage vor ihrem großen Comeback auf der Bühne wird Pop-Megastar Mother Mary (Anne Hathaway, die aktuell in „Der Teufel trägt Prada 2“ anders mit Bekleidungsfragen beschäftigt ist) von Erschöpfung und Selbstzweifeln geplagt. Nur ein von ihrer ehemaligen Freundin Sam Anselm (Michaela Coel) für den Auftritt geschneidertes Kostüm kann die Show retten. Sam hat auch ihre früheren, inzwischen legendären Bühnenkleider entworfen. Mother Mary fährt zu dem Landsitz der Modedesignerin. Diese ist zuerst wenig begeistert vom Auftauchen ihrer früheren Freundin. Seit ihrer schwierigen Trennung vor zehn Jahren haben sie nicht mehr miteinander gesprochen.
Trotzdem stimmt Sam zu, innerhalb eines Tages das Kleid zu kreieren. In ihrem sich in einer Scheune befindendem Atelier beginnen die beiden Frauen mit der Arbeit an dem neuen Kostüm. Dazu gehört für Sam die Aufarbeitung ihrer gemeinsamen Vergangenheit und Trennung und ein Seelenstriptease von Mother Mary, inclusive eines entfesselten Tanzes zu ihrem neuen Song, der nicht zu hören ist. Denn nur wenn Sam die intimsten Geheimnisse und Gefühle der Trägerin ihres Kleides kennt, kann sie für sie ein spektakuläres Kleid entwerfen.
David Lowerys neuer Film „Mother Mary“ ist kein neuer „Ein Gauner & Gentleman“ oder „Peter Pan & Wendy“, sondern etwas für die Fans von seinen Arthaus-Filmen „A Ghost Story“ und „The Green Knight“, die sich an ein deutlich kleineres Publikum richten.
Er konzentriert die Geschichte auf einen Handlungsort, Sams zur Bühne werdendes Atelier, und zwei Schauspielerinnen mit ausdrucksstarken Gesichtern. Die Ausleuchtung, die Kamera und die Inszenierung betonen deren Physiognomie. Manchmal wirken sie wie Liebende, manchmal wie Geister, manchmal wie Dämonen.
Das Gespräch zwischen Sam und Mother Mary beginnt wie ein normales Gespräch zwischen zwei Menschen, die eine intime Beziehung im Graubereich zwischen gemeinsamer Arbeit und Freundschaft hatten, und die jetzt vielleicht wieder zusammen arbeiten. Nach einem interessanten Anfang wird das Zwei-Personen-Stück zu einer abstrus-unverständlichen Therapiesitzung zwischen Seelenstriptease und Séance, garniert mit von Jack Antonoff, Charli XCX und FKA twigs für den Film geschriebenen Songs.
Am Ende bleibt die Frage, was Lowery in seiner assoziativen Collage erzählen wollte. Zu vieles wird nur angedeutet. Zu vieles bleibt unklar. Zu vieles ist auch nach dem Abspann immer noch offen für jede Interpretation. Als auf bedeutungsschwangere und deshalb beeindruckende Bilder bauendes Musikvideo mit ausgedehnten Dialogszenen funktioniert „Mother Mary“ halbwegs.
Ähnlich wie in „The Green Knight“, seiner Interpretation der Geschichte von Sir Gawain, einem Neffen von König Artus, bewunderte ich die Bilder, war aber emotional und auch intellektuell nie gepackt.

Mother Mary (Mother Mary, USA/Deutschland 2026)
Regie: David Lowery
Drehbuch: David Lowery
Musik: Daniel Hart
Songs: Jack Antonoff, Charli XCX, FKA twigs
mit Anne Hathaway, Michaela Coel, Hunter Schafer, Sian Clifford, Atheena Frizzell, FKA twigs, Jessica Brown Findlay
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Rotten Tomatoes über „Mother Mary“
Wikipedia über „Mother Mary“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von David Lowerys „Elliot, der Drache“ (Pete’s Dragon, USA 2016)
Meine Besprechung von David Lowerys „A Ghost Story“ (A Ghost Story, USA 2017)
Meine Besprechung von David Lowerys „Ein Gauner & Gentleman“ (The old man & the gun, USA 2018) (mit Q&A-Clips) und der DVD
Meine Besprechung (kurz) von David Lowerys „The Green Knight“ (The Green Knight, USA 2021)
Veröffentlicht von AxelB 



















