The Straight Story – Eine wahre Geschichte(The Straight Story, USA 1999)
Regie: David Lynch
Drehbuch: John Roach, Mary Sweeney
Kamera: Freddie Francis
Musik: Angelo Badalamenti (Wer sonst?)
Der 73-jährige Alvin Straight will sich nach jahrelangem Schweigen mit seinem Bruder aussöhnen. Dafür nimmt er eine 240 Meilen lange Fahrt auf sich. Auf einem Rasenmäher- Auto darf er nicht mehr fahren und andere Arten der Fortbewegung lehnt er ab.
David Lynchs ungewöhnlichster Film und gleichzeitig einer seiner schönsten Filme: ein die Langsamkeit und die Landschaft und Menschen zelebrierendes Roadmovie mit einem wunderschönen Ende: zwei Männer sitzen auf einer Veranda und blicken in den Nachthimmel.
„Auf eine gewisse Weise ist ‚The Straight Story‘ der extremste Film, den ich je gemacht habe.“ (David Lynch, Interview in Zitty 25/99)
mit Richard Farnsworth, Sissy Spacek, Harry Dean Stanton, John Farley, Everett McGill
auch bekannt als „Eine wahre Geschichte – The Straight Story“
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Zum Lesen
ein Buch, das nicht seine Filme euphorisch herunterbetet, sondern einen intensiven Blick auf Lynchs Werk als bildender Künstler, Musiker und Designer wirft und versucht, Lynchs gesamtes künstlerisches Spektrum in einer essayistischen Entdeckungsreise zu analysieren.
Jonathan Ederer/Adrian Gmelch: David Lynch begreifen – Kunst – Kino – Kreativität
Nachdem Diogenes unlängst in vorzüglichen neuen Übersetzungen die Romane von Raymond Chandler noch einmal veröffentlichte und hoffentlich einige Jüngere Chandler und den von ihm erfundenen Privatdetektiv Philip Marlowe entdeckten, gibt es jetzt für sie und langjährige Marlowe-Fans Nachschub. Die Erben von Raymond Chandler beauftragten die Tartan-Noir-Autorin Denise Mina mit dem Schreiben eines Philip-Marlowe-Romans. Das ist schon eine kleine Sensation. Denn seit Chandlers Tod am 26. März 1959 erschienen nur sehr wenige Werke, in denen andere Autoren neue Geschichten mit dem stilbildendem Hardboiled-Privatdetektiv erzählten. Das war bei anderen Autoren, teils aus verschiedenen Gründen, anders. Ace Atkins schrieb zwischen 2012 und 2022 zehn neue Spenser-Romane. Seitdem schreibt Mike Lupica neue Spenser-Romane. Max Allan Collins schrieb seit 2008 sechzehn neue Mike-Hammer-Romane. Er konnte dabei auf Material von Mickey Spillane zurückgreifen. Joe Gores schrieb einen Sam-Spade-Roman. Max Allan Collins unlängst ebenso. Keiner dieser Romane wurde ins Deutsche übersetzt.
Robert B. Parker (der Erfinder von Spenser, einem deutlich von Marlowe und Spade beeinflusstem Privatdetektiv) vollendete 1989 ein Manuskript von Raymond Chandler und schrieb anschließend einen weiteren Marlowe-Roman. Benjamin Black (John Banville) folgte 2014 mit „The Black-Eyed Blonde“ (Die Blonde mit den schwarzen Augen). Und jetzt Denis Mina mit „Die große Hitze“.
1938 erhält Marlowe von dem unglaublich vermögendem, im Sterben liegendem Patriarchen Chadwick Montgomery den Auftrag seine zweiundzwanzigjährige Tochter Chrissie zu suchen. Die Erbin des Ölmoguls verschwand wenige Stunden vor ihrer Verlobungsfeier. Jetzt soll der Privatdetektiv mit festem Tagessatz („Ich kriege vierzig pro Tag, im Voraus, plus Spesen im Nachhinein.“) und Ehrenkodex sie finden.
Wie es sich für einen zünftigen Hardboiled-Privatdetektiv-Krimi gehört, beginnt er sich umzuhören, findet sie und steht schnell tief in der Scheiße.
Schon auf den ersten Seiten herrscht ein wohliges Retro-Gefühl. Man erinnert sich an ähnliche Situationen aus Chandlers Romanen und Kurzgeschichten (die er teils in seinen Romanen recyclte), den guten Verfilmungen (es gibt auch weniger gelungene) – und den vielen, vielen, sehr vielen Marlowe-Kopien in anderen Kurzgeschichten, Romanen, Filmen, TV-Serien, Comics und Computerspielen. Marlowe und Dashiell Hammetts Sam Spade wurden seit ihrem ersten Auftritt unzählige Male als Vorbild genommen oder parodiert. Seit Jahhrzehnten sind sie ein fester Teil des popkulturellen Gedächtnisses. Das ist ein Problem, mit dem Denise Mina zu kämpfen hat.
Ein anderes ist Chandlers markante Sprache, die unzählige Male kopiert, nachgeahmt und parodiert wurde. Dieses Problem umgeht Denise Mina, indem sie nicht auf Biegen und Brechen versucht, in mindestens jedem zweiten Satz eine Metapher oder einen absurden, aber einprägsamen und die Situation präzise beschreibenden Vergleich zu bringen.
Sie bringt auch feministische Themen ein und Marlowe arbeitet mit einer Privatdetektivin zusammen. Chandler schrieb seine Geschichten zwischen 1933 und 1958. Vier seiner sieben Romane erschienen zwischen 1939 und 1943. Seitdem veränderte sich einiges.
Die von ihr erfundene Geschichte wird schnell verwirrend, weil Ich-Erzähler Marlowe die Ereignisse nicht vollständig überblickt und viel passiert. Das kennen wir von Chandler, der auch nicht immer den Durchblick in seinen Geschichten hatte. Aber bei Mina zerplätschert die Geschichte auch. Sie wird langweilig und langatmig. Und am Ende bleiben in einem Roman, der nie eigenständig genug ist, um zu begeistern, eigentlich alle Fragen offen.
Schade.
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Fast zeitgleich zur deutschen Ausgabe von „Die große Hitze“ erschien im Unionsverlag die Taschenbuch-Ausgabe von Denise Minas fünftem und letztem Inspector-Morrow-Roman. Die deutsche Erstausgabe von „Blut Salz Wasser“ erschien 2018 im Argument Verlag.
Alex Morrow, Kriminalinspektorin der Polizei von Glasgow, sucht die spurlos verschwundene Wirtschaftskriminelle Roxanna Fuentecilla, die gerade ein mehr oder weniger illegales Millionengeschäft plante. Zur gleichen Zeit irrt der während einer Entführung zum Mörder gewordene Kleinganove Ian Fraser durch die Stadt und Boyd Fraser, der verheiratete, in die Stadt zurückgekehrte Betreiber eines veganen Restaurants, trifft seine ebenfalls nach Jahren in die Stadt zurückgekehrte, sich etwas seltsam verhaltende ehemalige Pfadfinderleiterin Susan Grierson wieder.
Mina erzählt, vor dem Hintergrund des Referendums zur Unabhängigkeit Schottlands, gleichzeitig und sehr detailliert mehrere Plots, die miteinander zusammen hängen. Sie entwirft dabei auf knapp 360 Seiten ein dichtes Geflecht zwischen legalen, halblegalen und vollkommen illegalen Geschäften, die durch den Ausgang des Referendums positiv oder negativ beeinflusst werden (weshalb jeder von ihnen auf einen bestimmten Ausgang des Referendums hinarbeitet). Während jede einzelne Figur nur einen Teil des gesamten Bildes wahrnimmt, bekommt der Leser ein sich langsam vervollständigendes Bild der Ereignisse und Hintergründe. Und weil es sich um einen Noir handelt, siegen am Ende nicht die Guten. Sofern es sie in dieser Welt überhaupt gibt.
Denise Mina: Die große Hitze – Ein Philip-Marlowe-Roman
(übersetzt von Else Laudan)
ariadne/Argument Verlag, 2026
304 Seiten
24 Euro
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Originalausgabe
The second Murderer
Harvill Secker, 2023
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Denise Mina: Blut Salz Wasser
(übersetzt von Zoe Beck)
Unionsverlag, 2026
368 Seiten
15 Euro
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Deutsche Erstausgabe (immer noch erhältlich für 19 Euro)
Miles Davis (26. Mai 1926 in Alton, Illinois – 28. September 1991 in Santa Monica, Kalifornien)
Arte, 21.40
Miles Davis – Birth of the Cool (Miles Davis: Birth of the Cool, USA 2019)
Regie: Stanley Nelson
Drehbuch: Stanley Nelson
Gelungene spielfilmlange Doku über Jazz-Trompeter Miles Davis (1926 – 1991).
„Miles Davis – Birth of the Cool“ ist für den Davis-Fan eine Auffrischung bekannter Informationen. Für den Novizen ist die Doku ein glänzender und rundum gelungener Überblick über das Leben und Werk eines der wichtigsten Jazzmusiker.
mit (ohne zwischen aktuellen Interviews und Archivmaterial, ohne zwischen kurzen und langen Statements und ohne zwischen allgemein bekannten und unbekannteren Gesprächspartnern zu unterscheiden) Miles Davis, Carl Lumbly (im Original: Stimme von Miles Davis), Reginald Petty, Quincy Troupe, Farah Griffin, Lee Annie Bonner, Ashley Kahn, Benjamin Cawthra, Billy Eckstine, Walter Cronkite, Jimmy Heath, Jimmy Cobb, Dan Morgenstern, Charlie Parker, Greg Tate, Gerald Early, Quincy Jones, Wayne Shorter, Tammy L. Kernodle, Juliette Gréco, Vincent Bessières, George Wein, Eugene Redmond, Thelonious Monk, Carlos Santana, Herbie Hancock, Marcus Miller, Cortez McCoy, Sandra McCoy, Jack Chambers, Frances Taylor, Johnny Mathis, René Urtreger, Joshua Redman, John Coltrane, James Mtume, Lenny White, Vincent Wilburn Jr., Archie Shepp, Stanley Crouch, Gil Evans, Cheryl Davis, Ron Carter, Sly and the Family Stone, Clive Davis, Betty Davis, Marguerite Cantú, Mark Rothbaum, Erin Davis, Mike Stern, Mikel Elam, Jo Gelbard, Prince, Wallace Roney
Mississippi Burning – Die Wurzeln des Hasses (Mississippi Burning, USA 1988)
Regie: Alan Parker
Drehbuch: Chris Gerolmo
Südstaaten, 1964: Mitten im Hochsommer verschwinden im ländlichen Jessup County drei Bürgerrechtler spurlos. Ein älterer und ein jüngerer FBI-Agent sollen den Fall aufklären und wenn sie nur auf eine Mauer des Schweigens stoßen würden, wären sie froh.
Packender, auf einem wahren Fall basierender Polizei-Thriller. Zum Filmstart sah der Fischer Film Almanach das anders (wobei damals die Filmkritik auch anders war): „Parker lässt zu, dass ‚Mississippi Burning‘ sich zu einem konventionellen Reißer entwickelt, zu einem Polizeifilm, der mit den fragwürdigen Methoden seiner Protagonisten sympathisiert. Doch damit wird er seinem Thema nicht mehr gerecht. Ein Film der verschenkten Möglichkeiten.“ Dabei wird der erste Teil des Films wegen seiner dokumentarischen Qualitäten gelobt.
„Parkers von gewalttätigen Eruptionen durchsetzter FBI-Thriller ist wegen seiner (historisch unhaltbaren) Glorifizierung des FBI und wegen seiner Tendenz, die Rolle der Bürgerrechtler und der Schwarzen zu verfälschen (sie sind mehr oder weniger Randfiguren des Dramas), heftig kritisiert worden.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)
Der Film feierte seine Premiere auf der Berlinale. Der immer überzeugende Gene Hackman erhielt den Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller. Und bei den US-Kritikern kam der Film besser an als bei den deutschen Kritikern.
mit Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand, Brad Dourif, R. Lee Ermey, Michael Rooker, Pruitt Taylor Vince, Tobin Bell (damals noch ein kleiner Nebendarsteller in seinem ersten namentlich genanntem Spielfilmauftritt)
In Tokio reinigt Hirayama hingebungsvoll wunderschön aussehende öffentliche Toiletten. Anscheinend ist er zufrieden mit seinem betont einfachem, festen Ritualen folgendem Leben.
Wim Wenders‘ bester Spielfilm seit Ewigkeiten und ein Film für die Ewigkeit, wie ihn nur Wim Wenders machen kann. „Perfect Days“ ist gleichzeitig eine Fortführung und Revision bekannter Wenders-Themen.
JAMES BOND 007: Moonraker – Streng geheim (Moonraker, Großbritannien 1979)
Regie: Lewis Gilbert
Drehbuch: Christopher Wood
LV: Ian Fleming: Moonraker, 1955 (Mondblitz; Moonraker)
Buch zum Film: Christopher Wood: James Bond and Moonraker, 1979 (Moonraker – Streng geheim)
Der stinkreiche Hugo Drax hält wenig von seinen Mitmenschen. Deshalb will er sie umbringen und mit einigen Auserwählten einen neuen Start machen. James Bond soll das verhindern.
Natürlich hat der Film mit dem Buch eigentlich nichts mehr gemeinsam und das große Finale im Orbit ist immer noch reinste Zukunftsmusik. Aber die bekannten Bond-Elemente wurden locker-flockig über den Globus verteilt. Das Ergebnis ist eine vergnügliche Mischung aus Action, leichtbekleideten Frauen, Witzen und einem glänzend aufgelegten Roger Moore. „Moonraker“ ist einer der guten Roger-Moore-Bonds.
„ein großes Remake aus allen vorhergegangenen 007-Filmen“ (Michael Scheingraber: Die James-Bond-Filme, 1979)
Mit Roger Moore, Lois Chiles, Michael Lonsdale, Richard Kiel, Corinne Clery, Toshiro Suga, Bernard Lee, Desmond Llewelyn, Lois Maxwell
Im Gegensatz zu den vielen Pseudo-Trilogien kann in diesem Fall wirklich von einer Trilogie gesprochen werden. Auch wenn es sich primär um Werbesprech handelt und nichts dagegen spricht, dass Tarik Saleh noch ein, zwei, drei im heutigen Ägypten spielende Polit-Thriller inszeniert. Denn jeder seiner jetzt zur Kairo-Trilogie zusammengefassten Filme erzählt eine vollkommen eigenständige Geschichte erzählt. Jeder Noir-Thriller beleuchtet einen anderen Respekt der Realität. Keine Figur tritt in mehr als einem Film auftritt. Dafür spielt Fares Fares in jedem Film der Kairo-Trilogie mit. In „Die Nile Hilton Affäre“ und in „Eagles of the Republic“ ist er der Hauptdarsteller. In „Die Kairo Verschwörung“ ein wichtiger Nebendarsteller. In „Die Nile Hilton Affäre“ geht es um einen Mord in dem titelgebendem Nobelhotel und einen Kommissar, der bei seinen Ermittlungen in das sprichwörtliche Wespennest sticht. In „Die Kairo Verschwörung“ stolpert ein junger Religionsstudent in den skrupellos geführten Kampf um die Nachfolge des Imans an der Al-Azhar-Universität und ein Regierungsbeamter versucht, einen Spitzel in das verschlossene Auswahlgremium installieren.
In „Eagles of the Republic“ wird der in jeder Beziehung freizügig lebende Filmstar Georges Fahmy (Fares Fares) von der Regierung mit sanfter Gewalt gezwungen, in einem den ägyptischen Staatspräsidenten Al-Sisi verherrlichendem Biopic die Hauptrolle zu übernehmen. Penibel überwacht werden die Dreharbeiten von dem Regierungsbeamten Dr. Mansour (Amr Waked). Er zieht Fahmy immer tiefer in eine politische Intrige, die er nicht überblickt.
Tarik Saleh gelingt ein über weite Strecken überzeugendes Porträt eines sich bislang aus der Politik und der Religion heraushaltenden Schauspielers und wie es dem diktatorischem Regime gelingt, ihn gefügig zu machen und für ihre eigenen Interessen einzusetzen. Fahmy hält sich zunächst aufgrund seines Erfolgs beim Publikum für unangreifbar. Er ist der größte Star des Landes. Was soll ihm schon passieren? Aber sein Lebensstil mit Alkohol, Drogen und Frauen, also allem, was den religiösen Sittenwächtern missfällt, bietet Angriffspunkte. Üble Nachrede und der Entzug von Rollen erledigen den Rest. Ruhig und konzentriert erzählt Salen von Fahmys erfolglosem Widerstand gegen das Regime und wie er versucht, während der Dreharbeiten gute Arbeit zu leisten. Das Regime will dagegen nur ein unkritisches Propaganda-Biopic.
Wenn Fahmy später in ein Komplott verwickelt wird, wird die Geschichte zunehmend verwirrend und uninteressant. Verschiedene, möglicherweise verfeindete Fraktionen innerhalb des Regimes agieren mit nebulösen Absichten und Plänen mehr oder weniger gegeneinander. Fahmy soll in ihrem Spiel, ohne sein Wissen, eine Rolle übernehmen. Aber es ist unklar, wie wichtig er für das Gelingen des Komplotts ist. Diese Verwirrung trägt sicher zu dem Gefühl bei, dass „Eagles of the Republic“ zu lang ist. Ohne dieses Komplott oder wenn Saleh es klarer präsentiert hätte, wäre „Eagles of the Republic“ ein besserer Noir über einen Schauspieler, der gezwungen wird, für ein repressives Regime zu arbeiten.
P. S.: Gelungenes Plakat.
Eagles of the Republic (Eagles of the Republic, Schweden/Frankreich/Dänemark/Deutschland 2025)
Regie: Tarik Saleh
Drehbuch: Tarik Saleh
mit Fars Fares, Lyna Khoudri, Zineb Triki, Amr Waked, Cherien Dabis, Ahmed Khairy, Nael, Sherwan Haji, Suhaib Nashwan
Künstler! Wenige Tage vor ihrem großen Comeback auf der Bühne wird Pop-Megastar Mother Mary (Anne Hathaway, die aktuell in „Der Teufel trägt Prada 2“ anders mit Bekleidungsfragen beschäftigt ist) von Erschöpfung und Selbstzweifeln geplagt. Nur ein von ihrer ehemaligen Freundin Sam Anselm (Michaela Coel) für den Auftritt geschneidertes Kostüm kann die Show retten. Sam hat auch ihre früheren, inzwischen legendären Bühnenkleider entworfen. Mother Mary fährt zu dem Landsitz der Modedesignerin. Diese ist zuerst wenig begeistert vom Auftauchen ihrer früheren Freundin. Seit ihrer schwierigen Trennung vor zehn Jahren haben sie nicht mehr miteinander gesprochen.
Trotzdem stimmt Sam zu, innerhalb eines Tages das Kleid zu kreieren. In ihrem sich in einer Scheune befindendem Atelier beginnen die beiden Frauen mit der Arbeit an dem neuen Kostüm. Dazu gehört für Sam die Aufarbeitung ihrer gemeinsamen Vergangenheit und Trennung und ein Seelenstriptease von Mother Mary, inclusive eines entfesselten Tanzes zu ihrem neuen Song, der nicht zu hören ist. Denn nur wenn Sam die intimsten Geheimnisse und Gefühle der Trägerin ihres Kleides kennt, kann sie für sie ein spektakuläres Kleid entwerfen.
David Lowerys neuer Film „Mother Mary“ ist kein neuer „Ein Gauner & Gentleman“ oder „Peter Pan & Wendy“, sondern etwas für die Fans von seinen Arthaus-Filmen „A Ghost Story“ und „The Green Knight“, die sich an ein deutlich kleineres Publikum richten.
Er konzentriert die Geschichte auf einen Handlungsort, Sams zur Bühne werdendes Atelier, und zwei Schauspielerinnen mit ausdrucksstarken Gesichtern. Die Ausleuchtung, die Kamera und die Inszenierung betonen deren Physiognomie. Manchmal wirken sie wie Liebende, manchmal wie Geister, manchmal wie Dämonen.
Das Gespräch zwischen Sam und Mother Mary beginnt wie ein normales Gespräch zwischen zwei Menschen, die eine intime Beziehung im Graubereich zwischen gemeinsamer Arbeit und Freundschaft hatten, und die jetzt vielleicht wieder zusammen arbeiten. Nach einem interessanten Anfang wird das Zwei-Personen-Stück zu einer abstrus-unverständlichen Therapiesitzung zwischen Seelenstriptease und Séance, garniert mit von Jack Antonoff, Charli XCX und FKA twigs für den Film geschriebenen Songs.
Am Ende bleibt die Frage, was Lowery in seiner assoziativen Collage erzählen wollte. Zu vieles wird nur angedeutet. Zu vieles bleibt unklar. Zu vieles ist auch nach dem Abspann immer noch offen für jede Interpretation. Als auf bedeutungsschwangere und deshalb beeindruckende Bilder bauendes Musikvideo mit ausgedehnten Dialogszenen funktioniert „Mother Mary“ halbwegs.
Ähnlich wie in „The Green Knight“, seiner Interpretation der Geschichte von Sir Gawain, einem Neffen von König Artus, bewunderte ich die Bilder, war aber emotional und auch intellektuell nie gepackt.
Mother Mary (Mother Mary, USA/Deutschland 2026)
Regie: David Lowery
Drehbuch: David Lowery
Musik: Daniel Hart
Songs: Jack Antonoff, Charli XCX, FKA twigs
mit Anne Hathaway, Michaela Coel, Hunter Schafer, Sian Clifford, Atheena Frizzell, FKA twigs, Jessica Brown Findlay
Wie schon der Filmanfang zeigt, ging einiges schief bei dem geplanten Deal. Eine Frau, die sich uns als Rachel Wild vorstellt, versteckt sich auf der Rückbank eines Autos, während außerhalb des Autos wild herumgeschossen wird.
Was genau schiefging, erfahren wir erst später in Guy Ritchies neuem Actionfilm „In the Grey“. Bis dahin widmet er sich ausführlich den von den Söldnern Bronco (Jake Gyllenhaal) und Sidney (Henry Cavill) und ihrem Team durchgeführten Vorbereitungen für eine schnelle Flucht von einer Insel. Es sind Pläne und ein Training für eine möglicherweise nie stattfindende Extraktion. Aber wenn doch, haben sie mehrere Wege, um Rachel Wild (Eiza González), für die sie bereits öfter arbeiteten, in Sicherheit zu bringen. Die Anwältin wird sich mit Manny Salazar (Carlos Bardem) auf einer von ihm kontrollierten Insel treffen und mit ihm über die Rückgabe von einer Milliarde Dollar verhandeln. Er will das Geld nicht zurückgeben. Woher Salazars Vermögen stammt, bleibt im Dunkeln. Aber er benimmt sich wie ein südamerikanischer Drogenboss und er ist extrem skrupellos. Rachel ist es ebenso. Nachdem sie den Auftrag übernommen hat, beginnt sie, einige seiner legalen Geschäfte zu stören mit Sabotageakten und Klagen. Sie will ihn damit zu einem Treffen mit ihr zwingen.
Währenddessen erkunden Bronco und Sidney und ein von ihnen zusammengestelltes Team die Insel. Über die einzelnen Teammitglieder erfahren wir fast nichts. Gemeinsam legen sie verschiedene Fluchtrouten fest und trainieren die Flucht von der Insel. Denn wenn etwas schiefgeht, wird es auf jede Sekunde ankommen.
Diesen Film hat Guy Ritchie schon mindestens einmal gedreht. Nämlich 2024 als „The Ministry of Ungentlemanly Warfare“. Der Actionfilm spielt im Zweiten Weltkrieg. Ein wild zusammengestelltes Eliteteam wird auf eine unmögliche Mission geschickt. Sie erledigen sie mit viel trockenem Humor und noch mehr toten Nazis. Diese sterben reichlich unblutig im Kugelhagel. So wie wir es aus alten Kriegsfilmen und Western kennen oder wenn eine FSK-12-Freigabe angestrebt wird.
In „In the Grey“ erzählt Ritchie, erstaunlicherweise ohne den Humor, für den er bekannt ist, in knapp hundert Minuten die Geschichte einer in der Gegenwart spielenden unmöglichen Mission. Die ersten ungefähr zwei Drittel des Film widmen sich der Planung. In diesem Teil wird viel geredet, geplant und herumgesessen.
Dabei setzt Ritchie bei der Inszenierung der Planung Akzente. Im Bild liefert er neben den Dialogen weitere mehr oder weniger wichtige Informationen. Er schildert die Planungen von Bronco, Sidney und Rachel Wild detailliert und pointiert, wenn von der ersten Idee umstandslos zur Durchführung zu Gerichtsverhandlungen geschnitten wird oder wenn er fast parallel das Erkunden der einzelnen Fluchtrouten, die Vorbereitung von Fallen und das Training schildert. Die Dialoge sind, abgesehen von den Frotzeleien zwischen den Buddies Bronco und Sidney, funktional.
Das letzte Drittel besteht aus dem lange erwarteten Actiongewitter. Bronco, Sidney und ihr Team müssen Rachel befreien. Die Insel wird zu einem einzigen Kampfschauplatz. Salazars Männer sterben wie die Fliegen, während die Helden unverletzt durch den Kugelhagel laufen, schießen und Dinge in die Luft jagen.
Das weckt dann Erinnerungen an die Söldnerfilme der siebziger und achtziger Jahre, die im Nachgang von „Die Wildgänse kommen“ entstanden und in denen eine Gruppe Söldner einen unmöglichen Auftrag erledigen soll. Die Mission ist austauschbar. Der politische und ökonomische Hintergrund der Mission ebenso. In „In the Grey“ geht es daher nicht um eine präzise Darstellung internationaler Finanzgeschäfte und möglicher moralischer Konflikte, sondern letztendlich um knallige Action mit eindeutig gezeichneten Figuren.
Guy Ritchie erzählt das durchaus kurzweilig (auch wenn „In the Grey“ unter einigen sehr abrupten Schnitten leidet), mild ironisch, und erstaunlich unpersönlich. „In the Grey“ wirkt wie eine Auftragsproduktion, in der er ein auch aus seinem bisherigen Werk bekanntes Thema variiert – und das mit teils anderen Schauspielern an anderen Orten und einer minimal geänderten Story noch einige Male machen könnte.
In the Grey (In the Grey, USA 2026)
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Guy Ritchie
mit Eiza González, Henry Cavill, Jake Gyllenhaal, Rosamund Pike, Carlos Bardem, Fisher Stevens, Kristofer Hivju
No Way Out – Es gibt kein Zurück (No way out, USA 1987)
Regie: Roger Donaldson
Drehbuch: Robert Garland
LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946 (Die große Uhr)
Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.
Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.
Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton, Howard Duff, George Dzundza, Brad Pitt (ist wohl irgendwann einmal als Partygast zu sehen; ist einer seiner allerersten Filmauftritte)
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Lesetipp: Der Roman, der den Film inspirierte
Die Vorlage für „No Way Out – Es gibt kein Zurück“ erzählt die Geschichte etwas anders. In dem Roman soll George Stroud, Chefredakteur des True-Crime-Magazins „Crimeways“, den Mann suchen, der Pauline Delos nach Hause begleitete. Sein Chef Earl Janoth möchte das. Denn er möchte diesem Mann, den er in der Nacht nur als Schatten gesehen hat, den Mord an seiner Geliebten Pauline Delos anhängen. Janoth ermordete sie in einem Eifersuchtsanfall. Was Janoth nicht ahnt ist, dass Stroud der Mann ist, der Delos nach Hause begleitete.
Unglaublich, aber wahr: die deutsche Erstausgabe von Kenneth Fearings „Die große Uhr“ erschien erst 2023. Im Original erschien der Noir-Roman bereits 1946. Er wurde Fearings erfolgreichstes Werk und gilt schon lange als Noir-Klassiker.
Und es wurde zweimal erfolgreich und sehr unterschiedlich verfilmt. Einmal, nah am Buch, 1947 von John Farrow. Roger Donaldson verlegte 1987 die Geschichte in die Welt der Politik und Spionage. Jetzt ist der Täter der US-Verteidigungsminister und ein hochrangiger Soldat soll den Zeugen/“Täter“ finden. Und beide Male ließen deutsche Verlage die günstige Gelegenheit, den Roman zu veröffentlichen, ungenutzt verstreichen.
Dabei ist der chronologisch, aus verschiedenen Perspektiven und mit verschiedenen Stimmen stringent erzählte Noir immer noch eine beängstigende und spannende Lektüre über einen Mann, der sich selbst jagt und sich als Unschuldiger an den Galgen liefern soll, damit der Schuldige entkommen kann. Eine wahrhaft teuflische Prämisse.
Nach seiner deutschen Erstveröffentlichung stand der Noir zweimal auf der Krimibestenliste.
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Kenneth Fearing: Die große Uhr
(übersetzt von Jakob Vandenberg, mit einem Nachwort von Martin Compart)
Sieben Jahre nach dem letzten „Star Wars“-Kinofilm, – das war „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“, der Abschluss einer erzählerisch vollkommen chaotischen Trilogie -, läuft jetzt ein neuer Film aus dem „Star Wars“-Universum im Kino an. Zwischen diesen beiden Kinofilmen wurden die Fans im Streaming mit neuem filmischen Stoff versorgt, unter anderem der beliebten Serie „The Mandalorian“, die es bislang auf drei Staffeln brachte. Die schon weit fortgeschrittenen Pläne für eine vierte Staffel wurden 2023 während der Streiks in Hollywood zugunsten eines Kinofilms geändert. Der Science-Fiction-Film, der jetzt anläuft, ist als Auftakt für weitere „Star Wars“-Einzelfilme geplant. Bis dahin haben wir „Star Wars: The Mandalorian and Grogu“.
Der titelgebende Mandalorian ist Din Djarin (Pedro Pascal, unter der Ganzkörperrüstung [also fast während des gesamten Films] Brendan Wayne und Lateef Crowder). Er ist ein skrupelloser und höchst erfolgreicher Kopfgeldjäger. Begleitet wird er von Grogu, auch Baby-Yoda genannt. Der knuffige kleine Kerl mit den riesigen Ohren ist ein junger Jedi, der beim Umgang mit der Macht noch unsicher ist. Und auch sonst noch viel lernen muss.
Inzwischen – die Geschichte spielt nach den Ereignissen von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ – arbeiten der Mandalorian und Grogu für die Neue Republik. Seine Aufträge erhält er von Colonel Ward (Sigourney Weaver). Jetzt soll er wieder eine gefährliche Person finden. Ward kann ihm nur einige Aufenthaltsorte der gesuchten Person nennen. Din Djarins erste Station bei seiner Suche nach dem Bösewicht ist das Hauptquartier der Hutts. Dort verhandelt er mit den ebenso verbrecherischen Nachfolgern des Verbrechers Jabba the Hutt. Sie versprechen, ihm zu helfen, wenn er für sie Jabbas entführten Sohn Rotta the Hutt findet.
Es stimmt. „The Mandalorian and Grogu“ funktioniert als Einzelfilm und, weil ein gewisses Minimalwissen über das „Star Wars“-Universum vorausgesetzt wird, mit kleinen Abstrichen, für Neueinsteiger. Wer die „Mandalorian“-Serie kennt, wird natürlich noch mehr Anspielungen verstehen. Aber letztendlich erzählt Jon Favreau eine gradlinige Man-on-a-Mission-Geschichte, in der wenige Dialoge die langen Actionszenen dürftig miteinander verbinden. Der quasi unverletzbare Mandalorian Din Djarin erschießt, ersticht, verprügelt und jagt Hunderte von mehr oder weniger menschenähnlichen, normalerweise vollkommen gesichtslosen Angreifern in die Luft. Das geschieht durchgehend unblutig, meistens in viel zu dunklen Bildern und oft so zerschnitten, dass die Kämpfe in dunklen Innenräumen, im ebenso dunklen Dschungel und naturgemäß dunklen Höhlensystemen kaum nachverfolgt werden kann. Am Ende sind alle Angreifer tot. Er selbst hat keine einzige Schramme und ist nicht außer Atem. Das wird, trotz wechselnder Schauplätze, schnell redundant.
Die von Favreau, Dave Filoni und Noah Kloor erfundene und auf zwei Stunden gestreckte Minimalgeschichte reiht ohne erkennbare Ambitionen die erforderlichen Plot Points aneinander. Letztendlich arrangieren sie nur aus anderen Filmen bekannte Situationen etwas anders. Auf aus dem Nichts kommende überraschende Wendungen oder ablenkende Subplots wird verzichtet. Die Figuren bleiben dabei erstaunlich eindimensional.
Das alles spielt zwar auf verschiedenen Planeten, aber immer wirkt es wie eine in dunkle Bilder getauchte Kombination aus Studiodreh und CGI. Dabei hat Favreau mit den Disney-Filmen „The Jungle Book“ und „Der König der Löwen“ gezeigt, dass er es besser kann.
Da war der bei den Star-Wars-Fans unbeliebte Einzelfilm „Solo“ gelungener und unterhaltsamer – und bunter.
Das gesagt ist die auf Spielfilmlänge aufgeblasene TV-Episode „The Mandalorian and Grogu“, ohne eigene Akzente zu setzen und mit den Erwartungen an eine Doppelfolge einer TV-Serie gesehen, als in der Zukunft spielender Einzelfilm über einen Kopfgeldjäger, der einen gefährlichen Auftrag annimmt okay. Mehr nicht.
Star Wars: The Mandalorian and Grogu (Star Wars: The Mandalorian and Grogu, USA 2026)
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Jon Favreau, Dave Filoni, Noah Kloor (basierend auf von George Lucas erfundenen Figuren)
mit (teils nur die Stimmen im Original) Pedro Pascal, Sigourney Weaver, Jeremy Allen White, Jonny Coyne, Martin Scorsese
In ihrem dritten Spielfilm setzt sich Margarethe von Trotta mit der deutschen Nachkriegsgeschichte anhand der Biographie zweier im Zweiten Weltkrieg geborener Schwestern auseinander. Die Inspiration dafür waren Christiane und Gudrun Ensslin. Christiane Ensslin gehört zu den Mitbegründerinnen der Frauenzeitschrift „Emma“; Gudrun Ensslin wurde Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF). Und damit ist die Frage des Films doch offensichtlich.
„Die bleierne Zeit“ ist ein Frühwerk von Margarethe von Trotta, die damals für ihren Film als erste Frau in Venedig den Goldenen Löwen erhielt. Neben einigen weiteren Preisen. Erwähnenswert ist, im Rahmen des Deutschen Filmpreises von 1989, der Sonderfilmpreis „40 Jahre Bundesrepublik Deutschland“ (gemeinsam mit „Abschied von gestern“, „Die Brücke“ und „Die Ehe der Maria Braun“).
„In einer sehr differenziert angelegten Rekonstruktion wird – auch durch dokumentarische Einschübe, historische Filmausschnitte und durch Zitate – deutsche Geschichte und Zeitgeschichte, die uns hierzulande angeht, für ein Szenarium adaptiert, das sich konkret auf soziale und politische Realitäten bezieht. (…) Trotz der nicht völlig ’schlackenfreien‘ Realisation eines so komplexen, von rechts und links gleichermaßen beargwöhnten Unternehmens zählt ‚Die bleierne Zeit‘ zu den wenigen und wichtigen bundesdeutschen Filmen, die versuchen, einen Beitrag zur Aufarbeitung jüngster deutscher Vergangenheit zu leisten. (…) Dass der Film auch liberal-demokratische Positionen vertritt, ist der Trotta hier und da angelastet worden. Dass er keinen lupenreinen Klassenstandpunkt bezieht, wen sollte das wundern? Dennoch gehört er in unserer bundesdeutschen Filmlandschaft zu den beeindruckendsten, ehrlichsten und in manchen Sequenzen ungemein beklemmenden Zeitfilmen dieses Jahres.“ (Fischer Film Almanach 1982)
mit Jutta Lampe, Barbara Sukowa, Rüdiger Vogler, Verenice Rudolph, Luc Bondy, Doris Schade, Franz Rudnick
Margarethe von Trotta – Zeit der Frauen (Italien/USA/Deutschland 2021)
Regie: Cuini Amelio Ortiz, Peter Altmann
Drehbuch: Cuini Amelio Ortiz, Peter Altmann
Spielfilmlange Doku über Margarethe von Trotta mit ihr und einiger Menschen, mit denen sie beruflich verbunden ist, unter anderem Volker Schlöndorff, Barbara Sukowa, Angela Winkler und Katja Riemann. Ortiz und Altmann gehen einmal chronologisch durch ihr Werk, konzentrieren sich auf ihre wichtigsten Kinofilme (ihre TV-Arbeiten werden fast vollständig ignoriert) und bieten so eine gute Einführung in ihr Leben und Werk. Interessant sind auch die historischen Aufnahmen aus Talk- und Nachrichtensendungen.
Störend ist, wie bei vielen anderen neueren Dokumentarfilmen, der Verzicht auf ein Voice-Over. Das ist eine gute Möglichkeit, auf die nicht verzichtet werden sollte, um wichtige Informationen zu liefern, die die Interviewten nicht sagen und einige Statements können so auch eingeordnet und in einen größeren Zusammenhang gestellt werden. So ist auch „Margarethe von Trotta – Zeit der Frauen“ eine Abfolge von Statements von Zeitzeugen. Oft sind die Angaben zum Inhalt der besprochenen Filme ziemlich kryptisch.
Als die beiden Waisenkinder Jake und Elwood Blues erfahren, dass das katholische Waisenhaus, in dem sie aufwuchsen, wegen nicht gezahlter Grundsteuer verkauft werden soll, beschließen sie, das Geld zu beschaffen. Dafür müssen sie ihre alte Blues-Band wieder vereinigen. Doch nicht alle wollen sofort mitmachen, eine geheimnisvolle Frau will sie umbringen und die Polizei verfolgt sie.
Immer wieder gern gesehene Mischung aus Bluesfilm, Konzertfilm, Komödie und Action-Film. Die Blues-Brothers-Band gab es wirklich und nach dem Film verzichtete keine Blues-Band auf schwarze Anzüge, Hüte und Sonnenbrillen.
mit John Belushi, Dan Aykroyd, James Brown, Cab Calloway, Ray Charles, Aretha Franklin, Steve Cropper, Donald Dunn, Murphy Dunne, Willie Hall, Tom Malone, Lou Marini, Matt Murphy, Alan Rubin, Carrie Fisher, Henry Gibson, John Candy, Kathleen Freeman, Twiggy, Frank Oz, Charles Napier, Chaka Khan, John Landis, John Lee Hooker, Walter Horton, Pinetop Perkins, Steven Spielberg, Mr. T (Debüt als Mann an der Straße) und viele weitere Musiker
Wiederholung: Donnerstag, 21. Mai, 03.45 Uhr (Taggenau!)
Weil ich über „The Mandalorian and Grogu“ (vorher im IMAX gesehen; Kinostart ist am Mittwoch) im Moment nur sagen darf, dass ich nichts sagen darf, gibt es ein Bild aus Berlin:
Nach einem Konzert wird der erfolgreiche Rockmusiker Udo Lindenberg (Udo Lindenberg) entführt. Privatdetektiv Carl Coolman (Udo Lindenberg) soll die Kidnapper finden. Hilfreich zur Seite stehen ihm seine Sekretärin, Udos Bodyguards und Lemmy Caution (Eddie Constantine).
Die große Udo-Lindenberg-Show. Objektiv betrachtet ein schlechter Film voller halbverdauter Hardboiled-Klischees, etwas Polit-Klamauk (Satire kann das kaum genannt werden), zeitgenössischem Humor, vielen Songs und erstaunlich vielen bekannten Gesichtern aus Film, Fernsehen und Kultur.
„Panische Zeiten“ ist, wenn man kein fanatischer Udo-Lindenberg-Fan ist, eine ziemlich peinliche, weit unter ihren Möglichkeiten bleibende Angelegenheit, gefilmt mit einer sympathischen Scheißegal-Attitüde und mehreren vollständig präsentierten Songs von Udo Lindenberg und dem Panikorchester.
Der Murks funktioniert vor allem als Rückblick auf die späten siebziger Jahre in der Bundesrepublik Deutschland.
Zwei zeitgenössische Meinungen: „immerhin ist Intelligenz bei dieser satirischen Actionkomödie im Spiel. Und viel politischer Witz. Die Unterhaltung, die geboten wird, lenkt nicht ab von der Realität, sondern hin zu ihr.“ (Fischer Film Almanach 1981)
„Ein Selbstdarstellungsfilm mit dürftiger Story, aber stellenweise recht witzigen Gags.“ (Lexikon des Internationalen Films)
mit Udo Lindenberg, Leata Galloway, Waler Kohut, vera Tschechova, Felix Scholz, Kklau Kauroff, Otto Wanz, Hark Bohm, Beate Jensen, Eddie Constantin, Rudolf Beiswanger, Peter Ahrweiler, Fritz Rau, Renate Schubert, heinz Domez, Werner Böhm, Willi Herrmann, Karl Dall, Helga Feddersen, Günter Netzer, Peggy Parnass, Werner Veigel
Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.
Anschließend zeigt Arte um 22.05 Uhr die Doku „Jeff Bridges und ‚The Dude'“ und um 23.00 Uhr „Die Coen-Brüder – Eine amerikanische Geschichte“ und dann ist es schon kurz vor Mitternacht
mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara
„Die Mörder sind unter uns“ war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste deutsche Film, der hergestellt wurde, und weil die anderen Besatzungsmächte Wolfgang Staudtes Drehbuch nicht akzeptierten (vor allem wegen des ursprünglich geplanten Selbstjustiz-Endes), war es auch der erste Defa-Film. Er ist auch ein Klassiker des deutschen Films und eine quälende, von Verunsicherung geprägte Bestandsaufnahme.
Im zerstörten Berlin leidet der Arzt Hans Mertens (Ernst Wilhelm Borchert) an seinen Kriegserlebnissen, die er versucht mit Alkohol und Barbesuchen zu betäuben. Er wohnt bei Susanne Wallner (Hildegard Knef), die in einem KZ war. Als sie in seinen Sachen den Abschiedsbrief von seinem Kompaniechef Brückner entdeckt, erfährt Mertens von ihr, dass Brückner (Arno Paulsen) noch lebt. Mertens möchte ihn für seine Kriegsverbrechen büßen lassen.
Staudte inszenierte diese Geschichte mit Bildern aus dem zerstörten Berlin in typischen Noir-Bildern und zahlreichen Nahaufnahmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Deutschen mit ihrer Schuld und wie sie mit den Tätern umgehen sollen. Es ist ein in hohem Maß selbstreflexiver, von Verunsicherung, auch über das eigene Tun, geprägter Film, der gerade daraus auch heute noch seine erzählerische Wucht gewinnt.
Ein historisches Dokument ist er sowieso.
„Dieser erste Trümmerfilm war ein hoffnungsvoller Ansatz, die deutsche Vergangenheit zu bewältigen.“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms, 1980)
Mit Ernst Wilhelm Borchert, Hildegard Knef, Erna Sellmer, Arno Paulsen, Michael Günther, Robert Forsch
Inzwischen ist „Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes“, der neue Film von Edgar Reitz, auch als Stream und auf DVD erhältlich. Man könnte also fragen, warum man sich ein Buch zulegen soll, das zu einem nicht unerheblichen Teil aus einer Nacherzählung des Films besteht. Nun, diese Nacherzählung über die fiktive Begegnung zwischen dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz und der Malerin Aaltje van de Meer, die ein Bild von ihm anfertigen soll, ist der eine Grund. Denn natürlich unterscheidet sich eine Nacherzählung die dem fertigen Film folgt, von dem Film. Die Lektüre dient, wenn man den Film kennt, der Erinnerung und sie ermöglicht ein vertieftes Eintauchen in die Dialoge. Denn schnell entwickelt sich zwischen Leibniz und Aaltje ein beide und die Zuschauer herausfordernder intellektueller Schlagabtausch.
Außerdem besteht das Filmbuch nicht nur aus dem nacherzähltem Drehbuch, den Credits, einigen Kurzbiograpien und vielen Film- und Setfotos, sondern auch aus Hintergrundmaterial. Es gibt ein Gespräch mit Edgar Reitz, ein Essay von Co-Drehbuchautor Gert Heidenreich und eine von ihm erstellte Literaturliste, Notizen von Kameramann Matthias Grunsky zum Lichtkonzept der fast ausschließlich in der im Souterrain liegenden Gartenmeisterei spielenden Geschichte und umfassende Auszüge aus dem E-Mail-Schriftverkehr zwischen Edgar Reitz und Leibniz-Darsteller Edgar Selge. Dieser Schriftwechsel gibt einen guten Einblick in die lange vor dem ersten Drehtag beginnende Arbeit zwischen einem Regisseur und einem Schauspieler. In diesem Fall gibt sie auch einen Einblick in die Schwierigkeiten einen letztendlich kleinen Film mit seinen wenigen Schauspielern und wenigen Drehorten zu finanzieren.
Das Filmbuch ist durchgehend informativ und vermittelt viele Informationen über verschiedene Aspekte des Films von der ersten Idee bis zum fertigen Werk.
„Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes: Das Filmbuch“ vertieft das Filmerlebnis gelungen und ist für künftige Arbeiten über den Film und Edgar Reitz ein essenziell.
Wegen des kleinen Drucks täuscht die Seitenzahl.
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Edgar Reitz: Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes: Das Filmbuch
Schüren, 2025
192 Seiten
28 Euro
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Der Film
Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes(Deutschland 2025)
Regie: Edgar Reitz, Anatol Schuster (Co-Regie)
Drehbuch: Gert Heidenreich, Edgar Reitz
mit Edgar Selge, Aenne Schwarz, Lars Eidinger, Barbara Sukowa, Antonia Bill, Michael Kranz
Treibjagd(La Course du lièvre à travers les champs/And hope to die, Frankreich/Italien/Kanada 1972)
Regie: René Clément
Drehbuch: Sébastien Japrisot
LV: David Goodis: Black Friday, 1954
Sportpilot Tony Cardot (Jean-Louis Trintignant) tötet bei einer Notlandung drei Kinder. Weil deren Angehörige sich an ihm rächen wollen, flüchtet er nach Montreal. Dort nimmt ihn eine Gangsterbande, die gerade ihren nächsten Coup plant, auf. Er soll sogar ein Mitglied der Bande werden.
Für die Macher ist das ein erstaunlich unbekannter Gangsterfilm.
„sensibel und spannend komponierte Kriminalfilm…Ein sehr artifizieller Film, der die Möglichkeiten des Genres mit Raffinesse nutzt.“ (Lexikon des Internationalen Films)
Ausgehend von der Ankündigung zeigt der BR die 140-minütige Originalfassung und nicht die um ungefähr 15 Minuten gekürzte deutsche Kinofassung. In den USA wurde eine knapp hundertminütige Fassung des Films gezeigt.
mit Jean-Louis Trintignant, Robert Ryan, Lea Massari, Aldo Ray, Jean Gaven, Tisa Farrow, Nadine Nabokov