TV-Tipp für den 15. März: Mord mit kleinen Fehlern

März 14, 2026

Früher als gewohnt, weil der heutige Tagestipp am Nachmittag gezeigt wird:

Arte, 13.53

Mord mit kleinen Fehlern (Sleuth, Großbritannien 1972)

Regie: Joseph L. Mankiewicz

Drehbuch: Anthony Shaffer (nach seinem Theaterstück)

Krimiautor Andrew Wyke (Laurence Olivier) lädt den Liebhaber seiner Frau, Milo Tindle (Michael Caine), auf sein einsam gelegenes Anwesen ein und macht ihm ein Angebot, das Milo nicht ablehnen will. Dummerweise will Wyke, ein Mitglied der Oberschicht, auch den Nebenbuhler seiner Frau töten und der, ein Cockney sprechender Friseur italienischer Abstammung (viel mehr Arbeiterklasse und Unterschicht geht kaum), wehrt sich.

Grandioses Schauspielerkino, das seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen lief.

„ein virtuoser Kammerkrimi, ein Spiel mit doppeltem Boden, verdrehten Finten und überraschenden Lösungen. Joseph L. Mankiewicz inszenierte die Vorlage mit boshaftem Sarkasmus als Parforcetour zweier exzellenter Darsteller, mit zahlreichen Verweisen auf Vorbilder des Genres und visuellen Andeutungen über den Fortgang der komplizierten, nichtsdestotrotz intelligent konstruierten Handlung.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Caine, Olivier und Mankiewicz waren für Oscars nominiert. Der Film erhielt den renommierten Krimipreis Edgar als bester Spielfilm.

„Mord mit kleinen Fehlern“ ist Mankiewicz‘ letzter Film. Davor inszenierte er „Alles über Eva“, „Julius Cäser“ (mit Marlon Brando), „Die barfüßige Gräfin“ und „Cleopatra“.

Anthony Shaffer (1926 – 2001) schrieb die Bücher für Alfred Hitchcocks „Frenzy“ und die Agatha-Christie-Verfilmungen „Tod auf dem Nil“, „Das Böse unter der Sonne“ und „Rendezvous mit einer Leiche“.

In Kenneth Branaghs Remake des Stücks, „1 Mord für 2“ (2007), spielt Michael Caine den gehörnten Ehemann und Jude Law den Nebenbuhler.

mit Laurence Olivier, Michael Caine, Alec Cawthorne, Margo Channing, John Matthews

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mord mit kleinen Fehlern“

Wikipedia über „Mord mit kleinen Fehlern“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Tod wird kommen“, aber wie?

März 14, 2026

In Brüssel wird Yann in seinem Hotelzimmer erschossen. Er war für Gangster Charles Mahr, nach einer jahrelangen Pause, als Kurier unterwegs. Im Rahmen eines Bildes schmuggelte er eine beträchtliche Menge Bargeld. Die Polizei verhaftete ihn. Kurz darauf kam er auf Kaution frei.

Mahr will wissen, wer der Polizei den Tipp gab und wer Yann erschoss. Die Killerin Tez soll es herausfinden und den Verantwortlichen für Yanns Tod töten.

In seinem neuesten Film hat Christoph Hochhäusler vieles: interessante Locations für einen Kriminalfilm, atmosphärische Bilder, gute Schauspieler und eine hoffnungslos überladene Story. Es ist ein Neo-Noir der gleichzeitig Gangsterfilm, Auftragsmördergeschichte und Detektivgeschichte ist. Dabei gestaltet sich Tez‘ Suche nach dem Mörder von Yann zunehmend unglaubwürdig. Als Killerin sollte sie möglichst unauffällig agieren. Als Auftragsmörderin kennt sie normalerweise ihr Ziel. Schließlich wird sie nicht engagiert, um ihr Ziel zu finden und anschließend zu töten, sondern um eine bestimmte, namentlich bekannte Person zu töten. Als Privatdetektivin kann sie dagegen, wie schon Humphrey Bogart als Sam Spade und Philip Marlowe maximal auffällig agieren. Es ist egal, ob sie von jemand wieder erkannt wird. Für die Erfüllung ihres Auftrags ist auch halbwegs egal, ob sie verfolgt wird. Das ist, als ob man einem Musiker sagt, er solle gleichzeitig unglaublich laut und unglaublich leise spielen. Das geht nicht. Entsprechend unglaubwürdig gestaltet sich Tez‘ den Genrekonventionen eines Privatgdetektivkrimis gehorchende Suche nach dem Mörder von Yann. 

Hochhäusler erzählt diese Mördersuche extrem langsam und mit wenigen, extrem steifen Dialogen.

Das gesagt ist Sophie Verbeeck, die Tez spielt, eine Entdeckung. Sie hat mehr Charisma als der gesamte Film. Wie ein schlecht gelaunter Junge stampft sie durch die Geschichte. Jede ihrer Bewegungen sagt, dass sie nicht an Nettigkeiten interessiert sei. Und wenn nötig, schießt sie um sich. Sie hätte einen besseren Film verdient.

Der Tod wird kommen (La Mort Viendra, Deutschland/Belgien/Luxemburg 2024)

Regie: Christoph Hochhäusler

Drehbuch: Christoph Hochhäusler, Ulrich Peltzer

mit Sophie Verbeeck, Louis-Do de Lencquesaing, Marc Limpach, Mourade Zeguendi, Nassim Rachi, Hilde van Mieghem, Delphine Bibet, Laura Sépul

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Der Tod wird kommen“

Moviepilot über „Der Tod wird kommen“

Rotten Tomatoes über „Der Tod wird kommen“

Wikipedia über „Der Tod wird kommen“

Meine Besprechung von Christoph Hochhäuslers „Die Lügen der Sieger“ (Deutschland/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Christoph Hochhäuslers „Bis ans Ende der Nacht“ (Deutschland 2023)


TV-Tipp für den 14. März: Die Klapperschlange

März 13, 2026

RBB, 23.30

Die Klapperschlange (Escape from New York, USA 1981)

Regie: John Carpenter

Drehbuch: John Carpenter, Nick Castle

USA, 1997: Manhattan wurde zum Gefängnis umfunktioniert, in dem Verbrecher den Ton angeben. Durch einen dummen Zufall muss das Flugzeug des US-Präsidenten in Manhattan notlanden. Da hat der Polizeichef eine geniale Idee: Er bietet dem rauhbeinigen Knacki Snake Plissken die Freiheit an, wenn er den US-Präsidenten lebendig aus Manhattan herausholt. Zur Motivationsförderung lässt er Plissken zwei Sprengkapseln implantiert.

Ein schön zynischer, dystpischer SF-Klassiker und ein John-Carpenter-Klassiker.

„einer der spannendsten Filme der letzten Jahre, sorgfältig inszeniert, wenn auch recht gewalttätig.“ (Fischer Film Almanach 1982)

mit Kurt Russell, Lee Van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton, Adrienne Barbeau, Tom Atkins

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Klapperschlange“

Wikipedia über „Die Klapperschlange“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht“ (Assault on Precinct 13, USA 1976)

John Carpenter in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Walshs „Die Klapperschlange – Escape from New York: Die Entstehungsgeschichte des Kultfilms“ (Escape From New York: The Official Story of the Film, 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Die abgedrehte Science-Fiction-Apokalypse „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

März 13, 2026

Ein x-beliebiger Diner in Los Angeles an einem x-beliebigen Abend mit einer ebenso x-beliebigen Kundschaft. So sieht es auf den ersten Blick aus. Bis ein seltsam kostümierter Mann auftaucht, der von seiner Kleidung, seinem Aussehen und seinem Habitus ein Obachloser ist. In einer großen Rede behauptet er, er sei aus der Zukunft, er und einige auserwählte Diner-Gäste könnten eine in wenigen Stunden anstehende Katastrophe verhindertn. Falls sie ihn freiwillig begleiten und diese Nacht überleben. Auch das ist, wie jeder Großstadt-Bewohner und -Besucher weiß, nicht ungewöhnlich.

Ungewöhnlich ist dann, dass dieser Mann, nennen wir ihn den Mann aus der Zukunft, wirklich aus der Zukunft kommt und er wirklich eine die Welt vernichtende Katastrophe verhindern will. Zögernd erklären sich einige Diner-Gäste bereit, ihm zu helfen. Gemeinsam macht sich diese Gruppe höchst seltsamer Weltretter auf den Weg. Auch der Mann aus der Zukunft hält sie für eine sehr ungewöhnliche Gruppe. Auf den ersten Blick hat sie keine Chance, die Welt zu retten. Aber der Zeitreisende hat schon 116 erfolglose Versuche hinter sich. Immer mit anders zusammengestellten Gruppen von Diner-Gästen, die er irgendwann einmal für erfolgversprechender hielt. Also versucht er es mit diesen Nobodys – und viel mehr soll nicht über Gore Verbinskis neuesten Film „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ verraten werden.

Es handelt sich um den abgedrehtesten Science-Fiction-Film seit Ewigkeiten. Die Story verbreitet ein kräftiges „12 Monkeys“-Gefühl. Schließlich geht es auch in Verbinskis Film um eine Zeitreise, ein offensichtlicher Nobody (gespielt von Sam Rockwell) soll die Welt retten und die Mission ist ziemlich aussichtslos. Verbinski erzählt dies äußerst humorvoll, sarkastisch, pointiert und kurzweilig. Während die Mission immer mehr aus dem Ruder läuft, aber auch erfolgreicher als viele frühere Versuchte ist, erzählt Verbinski in gut platzierten Rückblenden, wer die Begleiter des Zeitreisenden sind und warum sie ihn begleiten. In den Momenten gibt es auch etwas Medien- und Gesellschaftskritik. Die heutige, oft erschreckend gedankenlose Nutzung von Handys, Computern, Virtual Reality und Künstlicher Intelligenz wird kritisiert. Satirisch übertrieben wird auf die Gefahren der Technik hingewiesen. Es gibt Klone von toten Kindern und einen erschreckend legeren Umgang mit den Folgen von Schulmassakern. Denn wenn man nach einer Schulschießerei einen Klon von seinem Sohn bestellen kann, ist so ein gewaltsamer Tod nicht mehr so schmerzhaft. Außerdem kann man den Klon-Sohn nach seinen Vorstellungen erschaffen.

In den Rückblenden nehmen Regisseur Verbinski und Drehbuchautor Matthew Robinson sich die aktuellen Schlagzeilen und die Gesellschaft bewegenden Themen vor, während der Zeitreisende und seine Weltretter sich durch das nächtliche Los Angeles auf dem Weg zum Ziel ihrer Mission schlagen. Dabei begegnen sie immer absurderen und lebensgefährlicheren Gefahren.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ ist ein Volltreffer als schwarzhumorige Science-Fiction-Satire. Die Gesellschaftskritik ist sicher nicht besonders subtil, aber treffend. Und das Ende ist…stark.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die (Good Luck, Have Fun, Don’t Die, USA/Deutschland 2025)

Regie: Gore Verbinski

Drehbuch: Matthew Robinson

mit Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Michael Peña, Zazie Beetz, Asim Chaudhry, Tom Taylor, Georgia Goodman, Daniel Barnett, Artie Wilkinson-Hunt, Riccardo Drayton

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Moviepilot über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Metacritic über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Rotten Tomatoes über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“

Wikipedia über „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gore Verbinskis „The Lone Ranger“ (The Lone Ranger, USA 2013)

Meine Besprechung von Gore Verbinskis „A Cure for Wellness“ (A Cure for Wellness, USA/Deutschland 2016)


TV-Tipp für den 13. März: Joan Baez – Mit lauter Stimme

März 12, 2026

Arte, 21.45

Joan Baez: I am a Noise (Joan Baez: I am a Noise, USA 2023)

Regie: Karen O’Connor, Miri Navasky, Maeve O’Boyle

Drehbuch: Karen O’Connor, Miri Navasky, Maeve O’Boyle

Sehenswerte spielfilmlange Doku mit und über Joan Baez, ihr Leben und ihre Musik.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joan Baez, Bob Dylan (Archivaufnahmen), Mimi Fariña (Archivaufnahmen), David Harris (Archivaufnahmen)

Hinweise

Moviepilot über „Joan Baez: I am a Noise“

Metacritic über „Joan Baez: I am a Noise“

Rotten Tomatoes über „Joan Baez: I am a Noise“

Wikipedia über „Joan Baez: I am a Noise“ und über Joan Baez (deutsch, englisch)

Homepage von Joan Baez

AllMusic über Joan Baez

Meine Besprechung von Karen O’Connor/Miri Navasky/Maeve O’Boyles „Joan Baez: I am a Noise“ (Joan Baez: I am a Noise, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Außer Atem erinnert Richard Linklater sich an die „Nouvelle Vague“

März 12, 2026

Vor drei Jahren tat Woody Allen es mit seinem bislang letztem Film „Ein Glücksfall“ (Coup de chance). Und jetzt tat Richard Linklater es mit „Nouvelle Vague“. Auch er drehte einen Film in Paris. Das ist nicht ungewöhnlich. Aber auch Linklater drehte den Film mit französischen Schauspielern auf Französisch. Ohne die Sprache zu beherrschen. Das Ergebnis überzeugt ebenfalls. Während Allen eine ziemlich französische Krimikomödie drehte, drehte Linklater einen Film über die titelgebende Nouvelle Vague und Jean-Luc Godards ersten Spielfilm „Außer Atem“ (À bout de souffle). Der 1959 entstandene Film mit Jean-Paul Belmondo (danach ein Star) und Jean Seberg (schon damals bekannt aus „Die heilige Johanna“, „Bonjour Tristesse“ und „Die Maus, die brüllte“) ist einer der wichtigsten Filme der Nouvelle Vague, ein für das Kino bahnbrechender Film und, fast schon überflüssig zu sagen, ein Kultfilm und Klassiker.

Linklater drehte, ganz Cineast, sein kurzweiliges, wundervoll ironisch erzähltes Making of mit der damals verfügbaren Technik in SW im 1,37:1-Seitenverhältnis. In der Postproduktion wurden dann noch einige Kratzer hinzugefügt. Sie verstärken das Gefühl, dass man einen alten Film sieht. Die Schauspieler gleichen ihren Vorbildern Godard, Belmondo, Seberg, François Truffaut und Claude Chabrol. Suzanne Schiffman, Georges de Beauregard (Produzent von „Außer Atem“), Raoul Coutard (der überaus lakonische Kameramann von „Außer Atem“), Jacques Rivette, Èric Rohmer, Jean-Pierre Melville (der Regisseur spielt auch in „Außer Atem“ mit), Roberto Rosselini, Robert Bresson, Jean Cocteau und Juliette Greco haben ebenfalls mehr oder weniger umfangreiche Auftritte in Linklaters Film

Es entsteht ein sehr vergnüglicher und kurzweiliger Blick in die Vergangenheit und den Ursprung der Nouvelle Vague. Es ist der Moment, in dem aus begeisterten und meinungsstarken Filmkritikern Regisseure wurden und ein neues Kino begründeten. Das wussten die Freunde damals noch nicht. Linklater schildert diese Szene pointiert. Wenn er dann die Dreharbeiten für „Außer Atem“ nachzeichnet, wird es etwas redundant. Die Abläufe der Drehtage ähneln sich. Immer sucht Godard nach Inspiration und der richtigen Einstellung. Mal wird nichts gedreht. Mal wird nur einige Minuten gedreht. Manchmal weil dann aus Godards Sicht alles Nötige gedreht wurde. Manchmal weil Godard keine Idee mehr hat. Der Produzent verzweifelt. Jean Seberg, die damals schon erfolgreich in mehreren Hollywood-Filmen auftrat, will das Projekt verlassen. Der Regisseur verhalte sich zu seltsam. Sie befürchtet, dass der Film, falls er überhaupt jemals beendet wird, eine totale Katastrophe sein wird.

Der Film wird beendet. Er hatte seine Premiere auf der Berlinale, erhielt den Silbernen Bären für die Beste Regie – und der Rest ist Filmgeschichte.

Nouvelle Vague“ ist natürlich für Fans von Godard und der Nouvelle Vague und für Cineasten eine anekdotenreiche Fundgrube. Aber auch Nicht-Cineasten und Menschen, die „Außer Atem“ noch nicht gesehen haben (das sollten sie allerdings schleunigst ändern), ist „Nouvelle Vague“ eine sehenswerte Komödie über eine junge Menschen, die einen Traum haben und einen Film drehen.

P. S.: Am 26. März startet Richard Linklaters an einem Abend in einer Bar spielende Dramödie „Blue Moon“ über das legendäre Songwriter-Duo Richard Rogers und Lorenz Hart. Zu ihren Songs gehören „Little Girl Blue“, „Have you met Miss Jones?“, „Blue Moon“ und „My funny Valentine“. Die Jubelarie folgt zum Kinostart.

Nouvelle Vague (Nouvelle Vague, Frankreich/USA 2025)

Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Holly Gent, Vince Palmo, Michèle Halberstadt (Dialogadaption), Laetitia Masson (Dialogadaption)

mit Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, Adrien Rouyard, Antoine Besson, Jodie Ruth Forest, Bruno Dreyfürst, Matthieu Penchinat

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Nouvelle Vague“

Metacritic über „Nouvelle Vague“

Rotten Tomatoes über „Nouvelle Vague“

Wikipedia über „Nouvelle Vague“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Before Midnight“ (Before Midnight, USA 2013)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Everybody wants some!!“ (Everybody wants some!!, USA 2016)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Bernadette“ (Where’d you go, Bernadette, USA 2019)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „A Killer Romance“ (Hit Man, USA 2023)

Richard Linklater in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über die Colleen-Hoover-Verfilmung „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“

März 12, 2026

Es gibt sie noch: Liebesgeschichten, die zuverlässig auf die Tränendrüse drücken und zu einem erhöhten Taschentuchkonsum führen sollen. Jedenfalls für die Menschen, die für so einen Kitsch empfänglich ist.

Bis vor zehn Jahren befriedigten die Verfilmungen der Bestseller von Nicholas Sparks dieses Bedürfnis. Jetzt könnte Colleen Hoover, deren Liebesromane ebenfalls Bestseller sind, ihm folgen.

Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ ist die neueste Verfilmung eines Hoover-Bestsellers. Sieben Jahre nach einem Unfall, bei dem ihre große Liebe Scotty starb und Kenna Rowan eine mehrjährige Haftstrafe erhielt (die genauen Hintergründe erfahren wir erst am Filmende; bis dahin ist es nur ein „Es geschah Schlimmes. Sie ist eine ganz schlimme Person.“-Raunen), kehrt die immer noch trauernde Kenna in ihr Heimatdorf Laramie, Wyoming, zurück. Sie will neu anfangen. Sie lernt Scottys besten Freund Ledger kennen und sie trifft wieder auf Scottys Eltern. Grace und Patrick haben das Sorgerecht für die im Gefängnis geborene Tochter von Kenna und ihrem Sohn Scotty. Sie halten Kenna für den Scottys Tod verantwortlich und hassen sie abgrundtief. Sie wollen nichts mit ihr zu tun haben.

Was dann folgt, bedient überraschungsfrei die Regeln einer kitschigen Liebesgeschichte mit vorhersehbarem Ende. Teils krachend unlogisch. So sollen wir glauben, dass Ledger noch nicht einmal ein Foto von Scottys großer Liebe, die er bald heiraten wollte, gesehen hat. So müssen wir akzeptieren, dass Kenna in ihrem Heimatdorf, außer Scottys Eltern, keinen einzigen Menschen von früher kennt, niemand sie erkennt und sie keine Familie hat.

Auch die zahlreichen Sparks-Verfilmungen waren vorhersehbare Schmonzetten. Aber die öfter renommierten Regisseure und die bekannten und guten Schauspieler machten die bei der Kritik zu Recht unbeliebten Filme genießbar. Hoover wildert in diesem Gebiet und es könnte passieren, dass wir in den kommenden Jahren jedes Jahr mit einer Hoover-Verfilmung beglückt werden. So ist „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ innerhalb von drei Jahren die dritte Hoover-Verfilmung für das Kino. In diesem Kitschfilm ist alles proletarischer als bei Sparks. Die Protagonistin kommt arm wie eine Kirchenmaus in Laramie an. Sie mietet sich in einem Billigst-Motel ein und sucht irgendeinen schlecht bezahlten Aushilfsjob. Viele Menschen, denen sie begegnet, sind tätowiert. Nur Scottys Eltern und Ledger besitzen ein kleines Haus mit Garten und damit anscheinend etwas Geld. Die Geschichte zwinkert immer wieder in Richtung White Trash und füllt die bekannten Formen aus.

Für Fans vorhersehbarer Liebesfilme ist „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ sicher einen Blick wert. Wer aber schon bei Sparks heftiges Unwohlsein verspürte und einen weiten Bogen um die allsonntäglichen ZDF-Herzkino-Rosamunde-Pilcher-Inga-Lindström-Filme macht, sollte einen ebenso großen Bogen um Colleen Hoover machen.

P. S.: Nach einer zehnjährigen Kinopause ist die nächste Sparks-Verfilmung für Februar 2027 angekündigt. Es soll ein Romantic Thriller mit übernatürlichen Elementen sein. M. Night Shyamalan inszeniert die von ihm und Sparks erfundene Geschichte, die Sparks bereits zu einem Roman verarbeitete. Jake Gyllenhaal übernahm die Hauptrolle. Das könnte ein sehenswerter Film werden.

Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him (Reminders of Him, USA 2026)

Regie: Vanessa Caswill

Drehbuch: Lauren Levine, Colleen Hoover

LV: Colleen Hoover: Reminders of Him, 2022 (Reminders of Him – Für immer ein Teil von Dir)

mit Maika Monroe, Tyriq Withers, Rudy Pankow, Lainey Wilson, Lauren Graham, Bradley Whitford, Zoe Kosovic

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“

Metacrtic über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“

Rotten Tomatoes über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“

Wikipedia über „Für immer ein Teil von Dir – Reminders of Him“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. März: Matthias & Maxime

März 11, 2026

WDR, 00.00

Matthias & Maxime (Matthias & Maxime, Kanada 2019)

Regie: Xavier Dolan

Drehbuch: Xavier Dolan

Wenige Tage vor einem zweijährigen Aufenthalt in Australien küsst Maxime, während einer Party mit seinen langjährigen Freunden, aufgrund einer Wette, für einen Studentenfilm seinen Sandkastenfreund Matthias. Daraus ergeben sich einige Gefühlskonfusionen, die ihre Beziehung auf die Probe stellen.

In seinem achten Film bewegt Xavier Dolan (der auch Maxime spielt) sich auf vertrautem Terrain. Aber dieses Mal ist alles ruhiger, normaler und weniger hysterisch als in seinen vorherigen Filmen.

Mit Xavier Dolan, Gabriel D’Almeida Freitas, Anne Dorval, Harris Dickinson, Catherine Brunet

Hinweise

Moviepilot über „Matthias & Maxime“

Metacritic über „Matthias & Maxime“

Rotten Tomatoes über „Matthias & Maxime“

Wikipedia über „Matthias & Maxime“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Xavier Dolans „Laurence Anyways“ (Laurence Anyways, Kanada/Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Xavier Dolans „Sag nicht, wer du bist!“ (Tom à la ferme/Tom at the Farm, Kanada/Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Xavier Dolans „Mommy“ (Mommy, Kanada/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Xavier Dolans „Matthias & Maxime“ (Matthias et Maxime, Kanada 2019)


TV-Tipp für den 11. März: Das Arche Noah Prinzip

März 10, 2026

Irgendwie Mitternachtskino

BR, 00.05

Das Arche Noah Prinzip (Deutschland 1984)

Regie: Roland Emmerich

Drehbuch: Roland Emmerich

1997 erforschen auf einer Raumstation zwei Männer, wie das Wetter verändert werden kann. Als sich im Nahen Osten eine Krise zuspitzt, befürchten sie, dass ihre Arbeit für militärische Zwecke missbraucht werden soll.

Roland Emmerichs Regiedebüt und sein Abschlussfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München war damals eine echte Überraschung: Science-Fiction aus Deutschland mit sehenswerten Tricks.

Der Fischer Film Almanach lobte zum Kinostart die Technik, bemängelte die Story und meinte: „insgesamt gesehen doch erfolgversprechender Kinofilm“.

Davor zeigt der BR um 22.45 Uhr die bestenfalls mäßig interessante Doku „Meister der Apokalypse – Roland Emmerich“ (Deutschland 2025) und fünfzehn Minuten „kinokino“.

Mit Richy Müller, Franz Buchrieser, Aviva Joel, Matthias Fuchs, Nikolas Lansky

Hinweise

Filmportal über „Das Arche Noah Prinzip“

Rotten Tomatoes über „Das Arche Noah Prinzip“

Wikipedia über „Das Arche Noah Prinzip“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „White House Down“ (White House Down, USA 2013)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „Stonewall“ (Stonewall, USA 2015)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „Independence Day: Wiederkehr (Independence Day: Resurgence, USA 2016)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „Midway – Für die Freiheit“ (Midway, USA 2019)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „Moonfall, (Moonfall, USA/Kanada/China 2022)

Meine Besprechung von Roland Emmerichs „Those about to die“ (Those about to die, USA/Deutschland 2024) (Teilbesprechung der TV-Serie)


Cover der Woche

März 10, 2026


TV-Tipp für den 10. März: Eye in the Sky

März 9, 2026

Tele5, 22.25

Eye in the Sky – In letzter Sekunde (Eye in the Sky, Großbritannien 2015)

Regie: Gavin Hood

Drehbuch: Guy Hibbert

Ein über den halben Globus verteiltes Team beobachtet mittels einer Drohne und eines Agenten vor Ort die Zusammenkunft von islamistischen Terroristen in einem Haus in Nairobi. Als sie sehen, dass die Terroristen sich auf einen Selbstmordanschlag vorbereiten, stehen sie vor der Frage, ob sie weiter beobachten oder den vermuteten Anschlag verhindern wollen.

Gut besetztes, gut gespieltes und zum Nachdenken anregendes Dramas über den Drohnenkrieg, die damit verbundenen Entscheidungen und moralischen Fragen.

Bei uns erschien „Eye in the Sky“ direkt auf DVD.

mit Helen Mirren, Aaron Paul, Alan Rickman, Barkhad Abdi, Jeremy Northam, Iain Glen, Phoebe Fox,Monica Dolan, Michael O’Keefe, Laila Robins, Gavin Hood

Wiederholung: Donnerstag, 12. März, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eye in the Sky“

Wikipedia über „Eye in the Sky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Ender’s Game – Das große Spiel“ (Ender’s Game, USA 2013)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Official Secrets“ (Official Secrets, Großbritannien/USA 2019)


TV-Tipp für den 9. März: Die Aussprache

März 8, 2026

auch wegen Jessie Buckley, die seit Donnerstag als Braut durch die Kinos kreischt und kommenden Sonntag bei der Oscar-Verleihung wahrscheinlich als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wird (wenn die Prognosen stimmen)

Arte, 21.50

Die Aussprache (Women Talking, USA 2022)

Regie: Sarah Polley

Drehbuch: Sarah Polley

LV: Miriam Toews: Women talking, 2018 (Die Aussprache)

In einer strenggläubigen mennonitischen Gemeinde versammeln sich auf dem Dachboden einer Scheune mehrere Frauen. Sie wollen über ihren Umgang mit einer Serie von Vergewaltigungen reden. Sollen sie die Gemeinde, in der sie ihr ganzes Leben verbrachten, verlassen oder in der Gemeinde bleiben und den Tätern, ebenfalls Mitglieder der Gemeinde, vergeben? Oder gibt es vielleicht eine andere Möglichkeit?

TV-Premiere. Top besetztes, stark gespieltes Thesentheater, das das Ideal des herrschaftsfreien Diskurses huldigt und den Schauspielerinnen Sätze in den Mund legt, die ihre Figuren, die nicht lesen und schreiben können, so niemals gesagt hätten.

Die Inspiration für den Roman und den Film waren Vergewaltigungen, die zwischen 2005 und 2009 in Bolivien in Manitoba in einer abgelegen liegenden äußerst konservativen mennonitischen Gemeinde geschahen.

Die im Film gezeigte Aussprache ist, wie eine Texteinblendung am Filmanfang verrät, ein „Akt weiblicher Vorstellungskraft“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Rooney Mara, Claire Foy, Jessie Buckley, Judith Ivey, Sheila McCarthy, Michelle McLeod, Kate Hallett, Liv McNeil, August Winter, Ben Whishaw, Frances McDormand (eigentlich ein längerer Cameo, der dazu dient, den von ihr mitproduzierten Film besser zu verkaufen)

Hinweise

Moviepilot über „Die Aussprache“

Metacritic über „Die Aussprache“

Rotten Tomatoes über „Die Aussprache“

Wikipedia über „Die Aussprache“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sarah Polleys „Die Aussprache“ (Women Talking, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Kristen Stewarts Spielfilmdebüt „The Chronology of Water“

März 8, 2026

In ihrem ungewöhnlichem Spielfilmdebüt „The Chronology of Water“ erzählt Kristen Stewart die Geschichte von Lidia Yuknavitch, einer 1963 geborenen Schwimmerin, die später Schriftstellerin wurde. In einem ihrer Bücher, dem titelgebenden „The Chronology of Water“, verarbeitet sie ihr Leben. Es geht um ihre Drogensucht, ihre Sexualität, ihre Leidenschaft für das Schwimmen (mit der Option auf eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen als Mitglied des Schwimmteams), ihre Anfänge als Schriftstellerin, unter anderem mit Ken Kesey als Universitätslehrer, und die schwierige Beziehung zu ihrem sie missbrauchenden, gewalttätigen Vater und ihrer Familie.

Kristen Stewart entdeckte das Buch 2017 und war schon nach den ersten Seiten fasziniert von der Erzählung. Sie wollte die Autorin kennen lernen und das Buch verfilmen.

Nach mehreren Kurzfilmen ist „The Chronology of Water“ ihr Spielfilmdebüt. Sie inszenierte es mit einem überschaubarem Budget, einer prominenten Besetzung und dem eindeutigen Willen, kein gewöhnliches Biopic zu inszenieren. Stewart, die auch das Drehbuch schrieb, erzählt assoziativ; auch wenn sie letztendlich weitgehend chronologisch erzählt. Sie lässt alles weg, was die Geschichte eindeutig zeitlich und örtlich verorten könnte. Sie verzichtet auf alles, was zu einer simplen Ursache-Wirkung-Erklärung führen könnte. Sie zeigt einfach nur Ereignisse und Impressionen von Ereignissen und Gefühlen. Es sind nicht immer sofort eindeutig zuordenbare Bilder und Töne.

Stilistisch orientiert Stewart sich vor allem anfangs stark an den Filmen von Jean-Luc Godard aus den sechziger Jahren. Später wird „The Chronology of Water“ zunehmend zu einer Meditation.

Immer bleibt es ein experimenteller Film, der sich nur an ein überschaubares Publikum richtet. Sehenswert ist er trotzdem.

The Chronology of Water (The Chronology of Water, USA/Frankreich/Lettland/Spanien/Großbritannien 2025)

Regie: Kristen Stewart

Drehbuch: Kristen Stewart

LV: Lidia Yuknavitch: The Chronology of Water, 2011 (In Wasser geschrieben)

mit Imogen Poots, Thora Birch, Susannah Flood, Michael Epp, Jim Belushi, Earl Cave, Esmé Creed-Miles, Tom Sturridge, Charlie Carrick, Kim Gordon

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Chronology of Water“

Metacritic über „The Chronology of Water“

Rotten Tomatoes über „The Chronology of Water“

Wikipedia über „The Chronology of Water“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. März: She said

März 7, 2026

Sixx, 20.15

She said (She said, USA 2022)

Regie: Maria Schrader

Drehbuch: Rebecca Lenkiewicz (basierend auf der „New York Times“-Recherche von Jodi Kantor, Megan Twohey und Rebecca Corbett und dem Buch „She Said“ von Jodi Kantor und Megan Twohey)

LV: Jodi Kantor/Megan Twohey: She said, 2019 (#MeToo; zum Filmstart als „She said“ veröffentlicht)

Spielfilmversion der Recherche der „New York Times“-Reporterinnen Jodi Kantor und Megan Twohey gegen den Filmogul Harvey Weinstein wegen jahrzehntelanger sexueller Belästigung. Sehenswert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Carey Mulligan, Zoe Kazan, Patricia Clarkson, Andre Braugher, Jennifer Ehle, Samantha Morton, Angela Yeoh, Ashley Judd, Sean Cullen

Wiederholung: Montag, 9. März, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Die unbedingt lesenswerte Vorlage

Jodi Kantor/Megan Twohey: She said – Wie das Schweigen gebrochen wurde und eie ‚MeToo-Bewegung begann

(übersetzt von Judith Elze und Katrin Harlass)

Tropen, 2022

448 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstausgabe

#Me Too – Von der ersten Enthüllung zur globalen Bewegung

Tropen, 2020

Originalausgabe

She said. Breaking the Sexual Harassment Story that helped ignite a Movement

Penguin Press, New York, 2019

Hinweise

Moviepilot über „She said“

Metacritic über „She said“

Rotten Tomatoes über „She said“

Wikipedia über „She said“ (deutsch, englisch), die Buchvorlage und den Weinstein-Skandal (deutsch, englisch)

Perlentaucher über Jodi Kantor/Megan Twoheys „She said“

Bookmarks über Jodi Kantor/Megan Twoheys „She said“

Meine Besprechung von Maria Schraders „Ich bin dein Mensch“ (Deutschland 2021)

Meine Besprechung von Maria Schraders „She said“ (She said, USA 2022)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Dardenne-Brüder erzählen über „Jeunes Mères – Junge Mütter“

März 7, 2026

Weil es so deprimierend ist und wenn ich zuerst die Geschichte des Films erzähle, jeder sagen wird ‚da seh ich mir lieber irgendeinen anderen Film an‘, verrate ich das Ende. Also nur teilweise. Alle Geschichten des Episodenfilms gehen gut aus; jedenfalls für die Protagonistin der Geschichte. Entsprechend positiv gestimmt verlässt man „Jeunes Mères – Junge Mütter“, den neuen Film der Dardenne-Brüder.

Jean-Piere und Luc Dardenne erzählen dieses Mal von fünf jungen Müttern. Eigentlich sind sie noch Kinder. Sie sind Teenager aus sozial prekären Verhältnissen. Teilweise gehen sie noch zur Schule oder sollten zur Schule gehen. Sie hatten dann aber Geschlechtsverkehr und neun Monate später werden sie Mutter. Die Väter, – Drogensüchtige und gerade entlassene Häftlinge -, sind durchgehend keine große Hilfe. Ebenso die Eltern.

Um sich über ihr weiteres Leben mit oder ohne Baby Klarheit zu verschaffen, verbringen Jessica, Julie, Ariane, Perla und Naima eine bestimmte Zeit in einem Heim für junge Mütter. Dort leben sie mit anderen Frauen zusammen, die vor der gleichen Frage stehen. Sie alle fragen sich, ob sie ihr Kind behalten oder zu Pflegeeltern geben wollen, ob sie es allein oder mit dem Erzeuger oder mit ihren Eltern groß ziehen wollen. Egal wie sie sich entscheiden werden, es wird keine leichte Entscheidung sein.

Jean-Piere und Luc Dardenne erzählen quasi-dokumentarisch von ihrem Leben in dem Heim und wie sie zu einer Entscheidung über ihr weiteres Leben kommen. Dabei gibt es keine für jede Mutter richtige oder falsche Entscheidung. Vor dem Dreh recherchierten die Dardenne-Brüder, zu deren früheren Filmen „Rosetta“, „Das Kind“, „Lornas Schweigen“ und „Zwei Tage, eine Nacht“ gehören, in einem Mütterunterstützungsheim. Die Geschichten, die sie in ihrem neuesten, gewohnt spartanisch inszeniertem Film parallel erzählen, basieren auf dieser Recherche.

Die Rollen besetzten sie mit jungen Schauspielerinnen. Es ist teils ihre ihre erste richtige Filmrolle oder sogar die erste Filmrolle. Sie alle überzeugen mit ihrem natürlichen Spiel.

Am Ende, und das führt zu dem positiven Gefühl am Ende des ruhig beobachtenden, durch und durch realistischen Films, gibt es nicht die richtige Entscheidung, sondern nur die für diese Mutter richtige Entscheidung. Weil die Dardennes fünf junge Frauen porträtieren, gibt es fünf richtige Entscheidungen. Außerdem zeigen sie, wie solche Unterstützungseinrichtungen arbeiten.

Jeunes Mères – Junge Mütter (Jeunes Mères, Frankreich 2025)

Regie: Jean-Piere Dardenne, Luc Dardenne

Drehbuch: Jean-Piere Dardenne, Luc Dardenne

mit Babette Verbeek, Elsa Houben, Janaina Halloy Fokan, Lucie Laruelle, Samia Hilmi

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Jeunes Mères – Junge Mütter“

AlloCiné über „Jeunes Mères – Junge Mütter“

Metacritic über „Jeunes Mères – Junge Mütter“

Rotten Tomatoes über „Jeunes Mères – Junge Mütter“

Wikipedia über „Jeunes Mères – Junge Mütter“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Pierre und Luc Dardennes „Zwei Tage, eine Nacht (Deux Jours, Une Nuit, Belgien/Frankreich/Italien 2014)


Die Krimibestenliste März 2026

März 7, 2026

Im Monat der Leipziger Buchmesse empfiehlt die monatliche Krimibestenliste, präsentiert von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur, folgende Kriminalromane zur Lektüre:

1 (-) Daniel Faßbender: Heaven’s Gate

291 Seiten, 19 Euro, Diogenes

2 (1) Jo Nesbø: Minnesota

(Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob)

407 Seiten, 24,99 Euro, Ullstein

3 (-) Gianrico Carofiglio: Der Horizont der Nacht

(Aus dem Italienischen von Verena von Koskull)

282 Seiten, 25 Euro, Folio

4 (-) Garry Disher: Zuflucht

(Aus dem Englischen von Peter Torberg)

336 Seiten, 24 Euro, Unionsverlag

5 (-) Colin Walsh: Kala

(Aus dem Englischen von Andrea O’Brien)

512 Seiten, 24 Euro, Gutkind

6 (-) Dave Zeltserman: Alles endet hier

(Aus dem Englischen von Michael Grimm und Angelika Müller)

282 Seiten, 16 Euro, Pulp Master

7 (-) M. W. Craven: Die Witwe

(Aus dem Englischen von Marie-Luise Bezzenberger)

501 Seiten, 16,99 Euro, Droemer Knaur

8 (-) Jérôme Leroy: Die kleine Faschistin

(Aus dem Französischen von Cornelia Wend)

147 Seiten, 18 Euro, Edition Nautilus

9 (-) Drew Hayden Taylor: Cold

(Aus dem Englischen von Leo Strohm)

448 Seiten, 28 Euro, Merlin

10 (-) Frauke Buchholz: Endzeit

321 Seiten, 20 Euro, Pendragon

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Neun Neueinsteiger, acht Übersetzungen, fünf aus dem Englischen, eine Autorin.


TV-Tipp für den 7. März: The Outsiders: The Complete Novel

März 6, 2026

RBB, 22.00

The Outsiders: The complete Novel (The Outsiders, USA 1983/2005)

Regie: Francis Ford Coppola

Drehbuch: Kathleen Knutsen Rowell

LV: S. E. Hinton: The Outsiders, 1967 (Die Outsider)

Tulsa, Oklahoma, sechziger Jahre (mit fünfziger Jahre Feeling): Die proletarischen Greaser und die aus dem wohlhabenden Teil der Stadt stammenden Socs leben ihre Feindschaft immer wieder in Schlägereien aus. Als dabei einer der Socs zufällig stirbt, müssen zwei in die Tat involvierte Mitglieder der Greasers aus der Stadt flüchten.

Jugendrama, das damals bei der Kritik nicht gut ankam. Die längere „The complete Novel“-Fassung rehabilierte das aus heutiger Sicht sehr prominent besetzte, edel fotografierte Jugenddrama vollständig.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung, inclusive einiger Worte zu den verschiedenen Fassungen.

mit C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez, Tom Cruise, Leif Garrett, Glenn Withrow, Tom Waits, S. E. Hinton

auch bekannt als „Coppola’s The Outsiders – Rebellen ohne Grund“ (Kinotitel) bzw. „Die Outsider“ (Kinotitel)

Hinweise

Moviepilot über „The Outsiders“

Metacritic über „The Outsiders“

Rotten Tomatoes über „The Outsiders“

Wikipedia über „The Outsiders“ (deutsch, englisch)

Homepage von S. E. Hinton

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) „Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)“ (2011)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now: The Final Cut“ (USA 1979/2019) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „The Outsiders: The complete Novel“ (The Outsiders, USA 1983/2005) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ (Rumble Fish, USA 1983)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Meine Besprechung von Franics Ford Coppolas „Megalopolis“ (Megalopolis, USA 2024)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Roy Thomas/Mike Mignolas „Bram Stoker’s Dracula“ (Bram Stoker’s Dracula 1-4, 1993) (der Comic-Version von Coppolas Film)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Bride! – Es lebe die Braut“ in Gotham

März 6, 2026

Beginnen wir mit etwas Filmgeschichte, ehe ich erkläre, warum sie für „The Bride! – Es lebe die Braut“ denkbar unwichtig ist. 1935 drehte James Whale „Frankensteins Braut“ (The Bride of Frankenstein). Der Horrorfilm erzählte die Geschichte von „Frankenstein“ weiter. Er gehört zu den wenigen Fortsetzungen, die nach allgemeiner Einschätzung besser als der erste Film sind. „Frankensteins Braut“ ist „ein Meisterstück schwarzen Humors“ (Lexikon des Internationalen Films). Das Aussehen der von Elsa Lanchester gespielten Braut ist ikonisch. Mit wenigen Minuten Leinwandzeit brannte sie sich in das kollektive Gedächtnis. Inspiriert ist ihr Aussehen von Maria (Brigitte Helm), der Arbeiterführerin und Roboterfrau aus Fritz Langs Science-Fiction-Stummfilmklassiker „Metropolis“.

Die Geschichte von Frankenstein, bekannt aus Mary Shelleys Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ (Frankenstein; or, The Modern Prometheus, 1818) und unzähligen mehr oder weniger freien Verfilmungen, setze ich als bekannt voraus. Schließlich startete die neueste Version, inszeniert von Guillermo del Toro, vor wenigen Wochen im Kino und ist seitdem auf Netflix verfügbar.

Maggie Gyllenhaal verlegte die Geschichte von der Braut und dem Monster (das inzwischen auch als Frankensteins Kreatur bekannt ist) in das Jahr 1936 in die USA nach Chicago, New York und die ländliche Gegend um die Niagarafälle. Die Geschichte von „Frankenstein“ ist nur noch ein Nebensatz. Von „Frankensteins Braut“ wurde die Idee übernommen, dass das Monster eine Braut benötigt und man ließ sich vom Aussehen der der Braut inspirieren. Für seine künftige Lebensgefährtin sucht Frank (was man als eine Kurzform von Frankenstein lesen kann) Dr. Euphronious auf. Er erklärt ihr seine Situation, die sich in den vergangenen über hundert Jahren nicht veränderte. Sie hilft ihm, ganz der experimentierfreudige Mad Scientist, bei der Suche nach einer Braut für Frank. Sie wird auf dem Friedhof entdeckt, wiederbelebt – und schon können Frank und die Braut, die sich an nichts erinnert, ihr gemeinsames, zunächst glückliches Leben beginnen.

Schnell wird die Filmgeschichte zu einer überdeutlich von Arthur Penns „Bonnie and Clyde“ inspirierten Bonnie-&-Clyde-Variante mit viel Retro-Gangsterkinoschick und DC/Marvel-Worldbuilding.

Das ist gut gespielt von Christian Bale als Frank und Jessie Buckley als durchgeknallter Braut in den Hauptrollen. Annette Bening als Mad Scientist, Peter Sarsgaard und Penélope Cruz als seltsames Frank und die Braut verfolgendes Ermittlerduo, und Jake Gyllenhaal als tanzendes, von Frank verehrtes Hollywood-Matinee-Idol übernahmen mehr oder weniger wichtige Nebenrollen. Die Bilder von „Joker“-Kameramann Lawrence Sher erinnern an die Gangsterfilmklassiker aus den dreißiger Jahren und die seitdem stattgefundenen Fortentwicklungen. Die Musik mixt unbekümmert damalige Songs mit neueren Songs und einem Soundtrack von Hildur Guðnadóttir.

Aber es bleibt bei einer Pastiche. Aus anderen Filmen bekannte Bilder und Situationen werden zitiert, teils in einen leicht veränderten Kontext gesetzt. Für fast jede Sekunde können andere Filme genannt werden. Im wesentlichen wildert Maggie Gyllenhaal unter den Gangsterfilmklassiker aus den Dreißiger Jahren und verschiedenen DC/Marvel-Filmen, mit einer besonderen Zuneigung zum Batman-Kosmos und, wenn wir den Blick weiten, den Batman-Noir-Comics. „The Bride!“ spielt in der Welt von Gotham. Die wenigen Musical-Nummern erinnern natürlich an „Joker: Folie à Deux“; könnten aber auch geschnittene Szenen aus einem anderen Film aus dem Batman-Kosmos sein. Die Braut ist eine Variation von Harley Quinn. Und Christian Bale erinnert erstaunlich oft an Tom Waits.

Gyllenhaal erzählt keine Geschichte aus der Welt von Frankenstein, sondern eine Noir-Geschichte aus der Welt von Batman, die sie als riesiges, oft disparates Mash-up bekannter Filme und Bilder präsentiert. Jede Szene ihrer Bonnie-und-Clyde-Geschichte inszeniert sie auf maximale Wirkung. Ständig passiert etwas. Alles ist überlaut und überdeutlich. Es ist, als hätte man Michael Bay auf Gotham losgelassen. Das ist als Kino der Oberflächenreize nie langweilig. Aber emotional ist man nie involviert. Man bewundert lediglich die Brillanz des Präsentierten.

The Bride! – Es lebe die Braut (The Bride!, USA 2026)

Regie: Maggie Gyllenhaal

Drehbuch: Maggie Gyllenhaal

mit Christian Bale, Jessie Buckley, Annette Bening, Peter Sarsgaard, Jake Gyllenhaal, Penélope Cruz

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Bride!“

Metacritic über „The Bride!“

Rotten Tomatoes über „The Bride!“

Wikipedia über „The Bride!“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 6. März: Ein Mann sieht rot

März 5, 2026

BR, 22.50

Ein Mann sieht rot (Death Wish, USA 1974)

Regie: Michael Winner

Drehbuch: Wendell Mayes

LV: Brian Garfield: Death Wish, 1972 (Ein Mann sieht rot)

Nachdem seine Frau und Tochter in ihrem New Yorker Apartment überfallen und vergewaltigt werden und seine Frau von den Verbrechern ermordet wird, sieht der friedliebende, linksliberale Paul Kersey (Charles Bronson) rot.

Selbstjustiz-Klassiker, der das schlechte Vorbild für unzählige weitere Vigilantenfilme war. Das gilt auch für die direkten „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzungen.

Michael Winner inszenierte die krude Geschichte kraftvoll, ohne große Subtilitäten mit eindeutiger Botschaft. Trotzdem ist sein Film immer wieder ambivalenter als das Publikum den Kassenhit damals sah.

Brian Garfield, der Autor der Vorlage, ist überzeugt, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt und sie zu einem moralischen Verfall des Täters führt. Weil er fand, dass seine Botschaft von Michael Winner falsch dargestellt wurde, schrieb er die „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzung „Death Sentence“ (1975). Der Roman wurde 2007 von James Wan als äußerst pessimistische Studie über Selbstjustiz verfilmt. In anderen Romanen erzählt Garfield, wie seine Protagonisten erfolgreich und ohne Gewalt anzuwenden gegen Gewalttäter vorgehen.

Zu „Ein Mann sieht rot“ erklärte Garfield: „I meant it (if you believe in the influence of subtext) as a cautionary lesson, not a recommendation. Revenge is a universal fantasy but, in practice, it isn’t a solution, it’s a problem.“

Hauptdarsteller Charles Bronson äußerte sich in Interviews über den Film ähnlich. Und Winners Film hat durchaus ein Interesse an dieser Frage. Sein Film spielt vor einem konkreten sozialen und politischen Hintergrund: dem New York der frühen siebziger Jahre, als die Millionenstadt in einem Sumpf von Gewalt und Verbrechen versank.

2018 drehte Eli Roth mit Bruce Willis ein vollkommen missglücktes Remake von Michael Winners Film.

mit Charles Bronson, Hope Lange, Vincent Gardenia, Steven Keats, William Redfield, Stuart Margolin, Stephen Elliott, Jeff Goldblum (sein Debüt)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ein Mann sieht rot“

Wikipedia über „Ein Mann sieht rot“ (deutsch, englisch)

Homepage von Brian Garfield

Meine Besprechung von Michael Winners Brian-Garfield-Verfilmung „Ein Mann sieht rot“ (Death Wish, USA 1974)

Meine Besprechung von Joseph Rubens  “The Stepfather” (The Stepfather, USA 1986, nach einer Geschichte von Brian Garfield)

Meine Besprechung von Eli Roths Brian-Garfield-Verfilmung „Death Wish“ (Death Wish, USA 2018)

Mein Nachruf auf Brian Garfield

Meine Besprechung von Michael Winners „Rendezvous mit einer Leiche“ (Appointment with Death, USA 1988)

Mein Nachruf auf Michael Winner


Neu im Kino/Filmkritik: Über den Pixar-Film „Hoppers“

März 5, 2026

Irgendwann im zweiten Akt, wahrscheinlich nach der Mitte des Films, fragte ich mich, wie die Macher von „Hoppers“ aus der Falle, die sie sich am Filmanfang stellten, elegant herauskommen wollen und wie sie eine aufbauende Botschaft senden können.

Das können sie nicht.

Doch der Reihe nach. Die Heldin des neuen Pixar-Films ist Mabel Tanaka, eine fanatische, vor Energie und Optimismus sprühende Kämpferin für die Freiheit von eingesperrten Tieren und eine ebenso überzeugte Liebhaberin der unberührten Natur, vor allem von einem Teich, an dem sie viel Zeit mit ihrer unlängst verstorbenen Großmutter verbrachte. Seit kurzem studiert sie an der örtlichen Universität. Ihr Feind ist Jerry Generazzo. Der skrupellose Bürgermeister der Stadt Beaverton will eine Umgehungsstraße bauen. Es fehlt nur noch das Stück, das den Teich zerstören würde.

Als Mabel entdeckt, dass alle Tiere aus dem Teich verschwunden sind und die Bagger anrollen können, will sie das verhindern. Das könnte ihr gelingen, wenn es an dem Teich wieder Biber gibt. Denn wenn ein Biber da ist, kommen kurz darauf auch die anderen Tiere. Der Bau der Umgehungsstraße wäre gestoppt.

In der Nähe des Teichs entdeckt sie einen Biber. Dieser ist allerdings kein echter Biber sondern ein wie ein Biber aussehender Roboter. Er ist Teil eines streng geheimen Forschungsprojekts von Professorin Dr. Sam. In dem Projekt von Mabels Biologie-Professorin wird das Gehirn eines Menschen in den Körper eines Roboter-Biber gehüpft. Mit Hilfe dieser Hoppers-Technologie kann das Leben der Tiere ohne störende Einflüsse beobachtet werden. Die Forscher können sogar verstehen, was die Tiere sagen.

Kurzentschlossen schlüpft Mabel (also genaugenommen nur ihr Bewusstsein) in den Roboter-Biber. Im Wald trifft sie die anderen Tiere, entdeckt eine vollkommen fremde, in ihren innersten Strukturen darwinistische Welt und den diese Welt regierenden herzensguten König George. Die Tiere verraten ihr auch, dass sie den Teich verlassen haben, weil es dort ein schreckliches Geräusch gebe. Mabel will den Grund für das Geräusch herausfinden.

Gleichzeitig stachelt sie die Tiere zum Kampf gegen die Menschen, die ihnen immer mehr von ihrem Lebensraum wegnehmen, an.

Nie verschwendet sie dabei einen Gedanken an die Folgen, die ihre Taten haben könnten. Dafür ist Mabel viel zu impulsiv und auf ihr Ziel fokussiert.

Hoppers“, inszeniert von Daniel Chong, nach einem Drehbuch von Jesse Andrews, erzählt vor allem eine spannende Geschichte über den Kampf zwischen einer radikalen Umweltschützerin und einem skrupellosem Bürgermeister. Chong zeichnet den Gegensatz zwischen Gut und Böse sehr klar und deutlich. Der Kampf zwischen Mabel und Bürgermeister Generazzo entwickelt sich innerhalb der Drei-Akt-Struktur. Die Figuren müssen etwas lernen. Sie müssen am Ende der Geschichte eine andere Person als am Anfang der Geschichte sein. Danach muss Mabel sich verändern. Aber welche Änderung könnte in einem Kinderfilm für eine grundsympathische, vor Energie und Optimismus sprühenden Umwelt- und Tierschützerin wünschenswert sein? Soll sie am Ende weniger Umwelt- und Tierschutz fordern? Soll sie für die Umgehungsstraße und für die Zerstörung der Umwelt sein?

Die von den Machern gewählte Lösung in und nach dem finalen Kampf zwischen Mabel und Generazzo fällt dann auch, nachdem sie sich in eine Catch-22-Situation hineinmanövrierten, wenig befriedigend aus.

Bis dahin entwickelt sich die Geschichte, trotz des komplizierten Set-ups mit der Hüpf-Technologie, den vielen individuell gezeichneten Figuren und überraschenden Wendungen letztendlich gradlinig, flott und auch kurzweilig auf ihr Ende hin.

Hoppers (Hoppers, USA 2026)

Regie: Daniel Chong

Drehbuch: Jesse Andrews (nach einer Geschichte von Daniel Chong und Jessie Andrews)

mit (im Original den Stimmen von) Piper Curda, Bobby Moynihan, Jon Hamm, Kathy Najimy, Dave Franco, Eduardo Franco, Aparna Nancherla, Tom Law, Sam Richardson, Melissa Villaseñor, Isiah Whitlock Jr., Steve Purcell, Ego Nwodim, Nichole Sakura, Meryl Streep, Karen Huie, Vanessa Bayer

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Hoppers“

Metacritic über „Hoppers“

Rotten Tomatoes über „Hoppers“

Wikipedia über „Hoppers“ (deutsch, englisch)