Joaah, auf dem Papier klingt das vielsprechend: eine schwarze kapitalismuskritische Komödie mit einem Schauspieler, der sich in den vergangenen Jahren einen guten Ruf als gut aussehender und kluger Sonnyboy erwarb. Sagen wir mal: eine jüngere Ausgabe von Brad Pitt. Aber auch Brad Pitt hat in seinem Werk einige Stinker. Und das ist „How to make a killing – Todsicheres Erbe“ im Werk von Glen Powell. Mit „Top Gun: Maverick“ hatte er seinen Durchbruch. Seitdem bewies er in „Twisters“, „Wo die Lüge hinfällt“ (Anyone but you) und, vor allem, „A Killer Romance“ (Hit Man) seine Vielfalt.
In John Patton Fords Film spielt er einen armen Milliardenerben. Als Sohn einer von der Familie verstoßenen Mutter wird er von der Familie auf Beerdigungen bestenfalls geduldet. Das ändert nichts daran, dass er in der Erbfolge irgendwann das gesamte Vermögen der stinkreichen Familie erhalten wird. Weil er ziemlich weit unten in der Erbfolge steht, ist die Chance, noch zu Lebzeiten zu erben, praktisch Null. Aber wenn alle, die in der Erbfolge vor ihm stehen, demnächst sterben, bekäme er in naher Zukunft das Vermögen. Weil eine solche Menge natürlich Todesfälle sehr unwahrscheinlich ist, will er seinem Glück nachhelfen. Sein erster Mord geschieht fast zufällig.
Dass es bei diesem Mord nicht bleibt, wissen wir schon von der ersten Minute. Wir wissen auch, wie die Geschichte endet. Denn Becket Redfellow sitzt im Gefängnis. Für seine Taten wurde er zum Tod verurteilt. In wenigen Stunden soll das Urteil vollstreckt werden. Davor entschließt er sich, dem Gefängnisgeistlichen sein Leben zu erzählen. Schon vor seinem Geständnis sagt er, dass er sehr schlau sei, alles genau geplant habe und in wenigen Stunden das Gefängnis verlassen kann. Er hält sich also für ein kriminellles Mastermind.
John Patton Ford zeigt jetzt, anfangs nervig und konfus zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springend, wie Becket mit dem Geistlichen redet und zeigt, was er tat, um verhaftet und bestraft zu werden. Glen Powell spielt den von sich überzeugten Trottel Becket als eine wenig überzeugende Mischung aus Lausbub und Psychopath. Denn auch wenn er Menschen ermordet, sollen wir ihn mögen und sympathisch finden. Das geschieht allerdings nicht, wenn es im Drehbuch behauptet wird und der Schauspieler es sagt, sondern wenn wir die Gründe für sein Handeln verstehen und emotional auf seiner Seite stehen. Oder wenn wir ihn für irgendwie interessant halten. Powells Spiel in dieser Komödie ist meilenweit von seinem überzeugendem Spiel als Undercover-Agent und Profikiller in „A Killer Romance“ entfernt. Während er in Richard Linklaters Komödie mühelos, mit erkennbarem Spaß in jede Rolle schlüpfte, ist in „How to make a killing“ alles Behauptung, getragen von der Angst, dass das Publikum Becket für unsympathisch halten könnte. Die Story selbst pendelt unentschlossen zwischen Satire, Drama und Krimi und funktioniert weder als Satire, noch als Schwarze Komödie, noch als Drama, noch als Kriminalfilm. Durchgängig fehlt ihr der Fokus. Die notwendigen Zuspitzungen; von denen viele auf der Hand liegen, erfolgen nicht. In „How to make a killing – Todsicheres Erbe“ bleibt es bei der banalen Behauptung, dass alle reichen Menschen den Tod verdient haben.
Nicht auszudenken, was der richtige Regisseur oder der richtige Autor daraus gemacht hätte. Ich denke da, zum Beispiel, an Donald E. Westlake, dessen bitterböse Kapitalismus-Satire „Der Freisteller“ (The Ax) kürzlich von Park Chan-wook als „No other choice“ wieder formidabel verfilmt wurde. Oder ich erinnere mich sehr, sehr dunkel an Robert Hamers „Adel verpflichtet“ (Kind Hearts and Coronets). Diese Komödie mit Alec Guiness in acht verschiedenen Rollen diente Ford als lose Inspiration für seinen Film.
Dagegen ist „How to make a killing – Todsicheres Erbe“ nur kalter Kaffee.

How to make a killing – Todsicheres Erbe (How to make a killing, Großbritannien 2026)
Regie: John Patton Ford
Drehbuch: John Patton Ford
mit Glen Powell, Margaret Qualley, Jessica Henwick, Bill Camp, Zach Woods, Topher Grace, Ed Harris, Bianca Amato, Raff Law, Alexander Hanson
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „How to make a killing – Todsicheres Erbe“
Metacritic über „How to make a killing – Todsicheres Erbe“
Rotten Tomatoes über „How to make a killing – Todsicheres Erbe“
Wikipedia über „How to make a killing – Todsicheres Erbe“ (deutsch, englisch)
Veröffentlicht von AxelB 







