LV: Joseph D. Pistone, Richard Woodley: Donnie Brasco: My Undercover Life in the Mafia, 1990
FBI-Agent Joe Pistone arbeitete von 1975 bis 1981 als Undercover-Agent in New York gegen den Bonanno Clan. Dabei befreundete er sich mit dem Kleingangster Lefty Ruggiero.
Intensives Porträt über Mafiosi am unteren Ende der Futterleiter, den persönlichen Folgen gefährlicher Einsätze, über Beziehungen, Freundschaft und Verrat.
Mit Al Pacino, Johnny Depp, Michael Madsen, James Russo, Anne Heche
Da kommt einiges zusammen: Regisseurin Caroline (Nathalie Richard) will in Afrika den klassischen Medea-Stoff neu und in jeder Beziehung korrekt verfilmen. Also radikal neu interpretiert, feministisch, antikolonial und in keinster Weise ausbeuterisch.
Das geht schon während der Dreharbeiten schief. Auch im Senegal gibt es unter den Einheimischen eine Klassengesellschaft. Immer wieder kollidiert das europäische Bild von Afrika mit der Realität. Das gut gemeinte ist eben nicht immer unbedingt das Gute. Dazu kommt das Ego der Regisseurin zwischen hochfliegenden künstlerischen Ambitionen und der Blindheit für die Realität.
Ein halbes Jahr nach dem Ende der Dreharbeiten soll der Film in Berlin auf der Berlinale seine glorreiche Premiere feiern. Nourou (Jean-Christophe Folly), der aus dem Senegal kommende, zur dortigen Oberschicht gehörende Star des Films, wird eingeflogen. Beim Einchecken in seinem Hotel gerät er mit einem Security-Mitarbeiter in einen Streit. Maja (Maren Eggert) macht daraus einen rassistischen Vorfall und inszeniert sich, ohne auch nur eine Zehntelsekunde über ihre Privilegien und ihre Rolle nachzudenken, als „White Savior“. Dabei könnte es auch einfach ein Missverständnis gewesen sein. Die Missverständnisse, die auch bewusste oder unbewusste Diskriminierungen und Überschreitungen von Grenzen sind, gehen weiter. Denn Maja und Nourou hatten während der Dreharbeiten eine Beziehung. Jetzt ist Maja wieder bei ihrer Familie.
Das Spannende bei Ulrich Köhlers neuem Film „Gavagai“, der aus zwei Teilen besteht, die mühelos vollkommen unabhängig voneinander gesehen werden können, ist dieser fast schon wissenschaftlich-objektive Blick auf Grenzen und Strukturen. Er zeigt sie, ohne zu urteilen oder anzuklagen. Er inszeniert immer so, dass alle Szenen offen für vollkommen gegensätzliche Interpretationen sind. Das Urteil überlässt Köhler dem Zuschauer.
Das macht den Film als Versuchsanordnung mit vielen verschiedenen Situationen interessant für lange Diskussionen nach dem Film über Missverständnisse, richtiges und falsches Verhalten. War der Vorfall in dem Hotel wirklich eine Diskriminierung aufgrund von Rasse und Hautfarbe oder nur ein durch Schwierigkeiten bei der Verständigung entstandenes Missverständnis oder hat Nourou gegen Regeln verstoßen? Nourou möchte die Sache auf sich beruhen lassen. Maja, die nicht die ganze Zeit dabei war, ist überzeugt, dass Nourous Hautfarbe entscheidend war. Sie beschwert sich beim Hoteldirektor und löst eine Kettenreaktion aus.
Diese durchgehende Offenheit macht „Gavagai“ gleichzeitig unbefriedigend als Spielfilm. Keine Person lädt zur Identifikation ein. Sie bleiben Stichwortgeber für die Diskussion nach dem Film. Es entsteht keine Geschichte. „Gavagai“ bleibt eine Abfolge von mehr oder weniger skurrilen, mehr oder weniger entlarvenden Situationen, einige mit einem mehr oder weniger großem Fremdschäm-Potential. Immerhin zeigt sich so, wie schwierig Verständigung ist und wie sehr vorgefasste Ansichten eine Verständigung erschweren.
Gavagai (Deutschland/Frankreich 2025)
Regie: Ulrich Köhler
Drehbuch: Ulrich Köhler
mit Jean-Christophe Folly, Maren Eggert, Nathalie Richard, Anna Diakhere Thiandoum
LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)
Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.
Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.
Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle
Wiederholung: Sonntag, 3. Mai, 02.45 Uhr (Taggenau!)
Wer einen normalen Dokumentarfilm über Erich Fried (6. Mai 1921, Wien – 22. November 1988, Baden-Baden) erwartet, in dem das Leben und Wirken des bedeutenden und viel gelesenen Dichters chronologisch nacherzählt wird mit Statements von Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen und Bewunderern, wird enttäuscht sein. In einem x-beliebigem Lexikonartikel erfährt er mehr.
Klaus Fried verfolgt in seinem herausforderndem Film „Friendly Fire – Erich Fried“, zusammen mit seiner Co-Regisseurin Julia Albrecht, einen ganz anderen Ansatz. Er ist einer der Söhne von Erich Fried. Er glaubt, dass sein Vater ihn am wenigsten von allen seinen Kindern gekannt habe.
Jetzt will er mehr über ihn erfahren. Seine Suche führt ihn vor allem zu anderen Mitgliedern der großen Fried-Familie. Erich Fried war dreimal verheiratet und hat aus diesen Ehen sechs Kinder. Sie reden miteinander. Auch über ihren Vater. Dazwischen gibt es einen sehr kryptischen Blick in Erich Frieds Leben und sehr wenige Einblicke in sein Werk.
In seinem essayistischen, enorm dicht erzählten Dokumentarfilm geht es Klaus Fried und seiner Co-Regisseurin Julia Albrecht, die auch für die Montage und das Sounddesign verantwortlich ist, um Verzerrungen, Irritationen und Unwohlsein. Dazu gehört auch der exzessive Einsatz von Avantgarde-Musik und wie Klaus Fried sich immer wieder als Getriebenen ins Bild setzt. Einmal stolpert er über einen Friedhof und sucht während eines Sturms ein Grab. Die Gespräche verlaufen oft etwas anders als in konventionellen Dokumentarfilmen. Fried und Albrecht zeigen auch Momente, in denen das Gespräch kurz vor einem Abbruch steht. Immer wieder zeigen sie, teilweise quälend lang, Momente und Szenen, die in anderen Dokumentarfilmen noch nicht einmal in die erste Fassung aufgenommen würden. Die während der Coronavirus-Pandemie vorgeschriebenen Atemschutzmasken verstärken das Gefühl, das etwas ver-rückt ist.
„Friendly Fire – Erich Fried“ ist kein Film über das Werk von Erich Fried, sondern über die Suche nach einem Vater, der gleichzeitig ein von der ganzen Welt bewunderter Dichter und politischer Essayist war.
Das gewollt sperrige Ergebnis ist definitiv ein Film, der Reaktionen herausfordert.
Friendly Fire – Erich Fried (Deutschland/Österreich 2025)
Die 25-jährige Daisy Morris (Lili Reinhart) arbeitet als Content Cleanerin für ein soziales Netzwerk, in das Videos hochgeladen werden können. Sie und ihre Kollegen sollen in Florida in dem Großraum-Büro von Paladin Control im Sekundentakt Videos entfernen, die gegen die Richtlinien des Netzwerkes verstoßen. Dafür müssen sie sich die Videos mehr oder weniger lange ansehen. Pornografie ist einfach, weil Pornografie verboten ist. Bei anderen Bildern wird es schwieriger. Und natürlich spielt der politische und kulturelle Kontext eine Rolle. 2018 gab der sehenswerte Dokumentarfilm „The Cleaners“ einen guten Einblick in diese deprimierende Arbeit.
Trotz aller professionellen Distanz geht Daisy ein Video mit dem Titel „Nailed it“ nicht mehr aus dem Kopf. Sie beschließt, den Täter zur Verantwortung zu ziehen. Nachdem die Polizei ihr nicht helfen will, weil unklar ist, ob die Tat in Florida geschah oder das Video in Florida hochgeladen wurde, begibt sie sich auf eigene Faust auf die Suche nach den Tätern.
In dem Moment könnte Uta Briesewitz‘ Spielfilmdebüt „American Sweatshop“ den Weg eines x-beliebigen Selbstjustiz-Thriller beschreiten. Für die Erfordernisse einer solchen Geschichte interessiert Briesewitz sich kaum. Der Thrillerplot dient ihr nur als strukturierendes Element einer Arbeitsplatzstudie.
In dem Thrillerplot versucht Daisy sich als Amateurdetektivin. Aber in erster Linie zeigt Briesewitz im Rahmen dieses Plots, wie Daisy eine Entscheidung fällt. Die anschließende Umsetzung und die damit verbundenen Folgen werden nicht mehr gezeigt. Dabei bleibt nebulös, was genau dieses Video für sie schockierender als alle anderen Videos, die sie sich bis dahin ansehen musste, macht. Aber vielleicht war dieses Video auch nur das eine Video zu viel. Im Film selbst sind von diesem Video nur einige Bilder zu sehen. Von den anderen Videos, die sich die Content Moderatoren ansehen müssen, zeigt sie noch weniger. Sie zeigt ihre Reaktionen auf die Bilder.
Viel mehr interessiert Briesewitz sich für die Arbeit der Content Moderatoren und wie sie mit den Bildern umgehen, die sie sich ansehen müssen. Der eine Kollege brüllt durch das Büro. Andere gehen in ein eigens dafür hergerichtetes Zimmer. Einige fressen die Bilder in sich hinein. Andere kündigen. Teilweise schon am ersten Tag. Alle können mit dem Betriebspsychologen reden. Trotz der vielen Filmzeit, die Briesewitz ihnen und ihrer Arbeit widmet, bleibt sie zu sehr an der Oberfläche.
Die in Leverkusen geborene Uta Briesewitz arbeitete als Kamerafrau für TV-Serien wie „The Wire“, „LAX“, „Hung – Um Längen besser“ und „True Blood“. Zu ihren Kinoarbeiten gehören „Session 9“, „Walk Hard: The Dewey Cox Story“ und „Die Herrschaft der Schatten“. Seit 2010 arbeitete sie, beginnend mit „Hung – Um Längen besser“, auch als Regisseurin für zahlreiche TV-Serien. Sie inszenierte Episoden für „Fear the Walking Dead“, „Orange is the new Black“, „Westworld“,, „Stranger Things“, „Black Mirror“, „Marvel’s Jessica Jones“, „Severane“ und „The Pitt“. „American Sweatshop“ ist ihr Spielfilmdebüt.
American Sweatshop (USA/Deutschland 2025)
Regie: Uta Briesewitz
Drehbuch: Matthew Nemeth
mit Lili Reinhart, Daniela Melchior, Christiane Paul, Jeremy Ang Jones, Josh Whitehouse
LV: Jacques Lob/Benjamin Legrand/Jean-Marc Rochette: Le Transperceneige, 1984 (Schneekreuzer)
Nach der Klimakatastrophe ist die Erde ein Eisplanet. Ein Zug fährt ohne Unterbrechung um die Erde, versorgt sich autark und die Zugbewohner leben in einer radikalen Klassengesellschaft. Da entschließen sich die Unterdrückten, die in den hinteren Zugabteilen vegetieren, zum Aufstand. Ihr Ziel: der erste Wagon.
Während des Dreißigjährigen Krieges taucht in einem protestantischem Dorf ein unbekannter Mann auf. Der schweigsame, sich abweisend gebende Ex-Soldat legt Papiere vor, die ihn zum Erben eines Gutshof machen. Dieser ist schon lange verlassen und entsprechend heruntergekommen. In mühseliger Arbeit richtet er ihn wieder her. Er gewinnt den Respekt der Dorfbewohner. Schließlich bietet ihm der Großbauer, im Zusammenhang mit einem Grundstückgeschäft, seine Tochter Suzanna als Frau an.
Der Fremde nimmt an. Dass der Fremde eine Frau ist, wissen die Dorfbewohner nicht. Sie ahnen es noch nicht einmal. Das Kinopublikum weiß das schon vor dem Film. Denn der Fremde heißt Rose (wie der Filmtitel) und er wird von Sandra Hüller als Frau in unförmigen Männerkleidern gespielt. Dafür erhielt sie auf der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bär als beste Schauspielerin. Hüller verleiht diesem kantigen, schweigsamen Einzelgänger schnell durch ihre Handlungen, Bewegungen, Blicke und die wenigen Sätze, die sie sagt, eine individuelle Persönlichkeit. Über ihre Vergangenheit müssen wir nichts erfahren; auch wenn Regisseur Markus Schleinzer („Michael“, „Angelo“) zur Vorbereitung unzählige Seiten füllte und für sich einen dicken Roman über Rose schrieb. Sie wird zum Mann, verleugnet alles erkennbar Weibliche und kann so unter falscher Identität ein Leben jenseits der damals gültigen Konventionen leben.
Auch Suzanna sieht es ähnlich. Sie kommt, was zu dem Zeitpunkt weder ihr Vater noch Rose wissen, schwanger in die Ehe. Später sieht sie Rose nackt. Anstatt Rose zu verraten, deckt sie sie. Im Haus genießt sie die Freiheit, von keinem Mann unterdrückt zu werden; außerhalb des Hauses tritt sie zunehmend auch als Gutsherrin auf. Gemeinsam führen die beiden Frauen fortan den Hof. Solange die Dorfbewohner nicht zu neugierig werden.
Markus Schleinzer erzählt diese Geschichte in atmosphärischen Schwarzweiß-Bildern. Die durchkomponierten, kargen Bilder tragen dazu bei, dass „Rose“ als in sich geschlossenes Kunstwerk überzeugt. Die Bilder, die Schauspieler, die Dialoge und der distanzierte Bericht der Erzählerin fügen sich zu einem geschlossenem Bild zusammen. Schleinzer erzählt eine Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit und fragt, was Freiheit ist.
Rose (Österreich/Deutschland 2026)
Regie: Markus Schleinzer
Drehbuch: Markus Schleinzer, Alexander Brom
mit Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese, Maria Dragus, Annalisa Hohl, Robert Gwisdek, Augustino Renken, Maurice Leonhard
Ein Satz für die Fans des ersten Teils, die nichts über den Film wissen wollen (aber in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten jeden Informationskrümel begierig aufsogen und interpretierten): wenn euch „Der Teufel trägt Prada“ gefallen hat, dürfte euch auch „Der Teufel trägt Prada 2“ gefallen.
Nach dem Trailer geht es weiter für die Menschen, die etwas mehr wissen möchten.
Vor zwanzig Jahren war „Der Teufel trägt Prada“ mit Meryl Streep als Miranda Priestly, einem Boss aus der Hölle, ein Überraschungserfolg. Gute Schauspieler, neben Streep sind Anna Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci und Simon Baker (hier in seiner Vor-“The Mentalist“-Zeit noch ziemlich unbekannt) dabei, flotte Inszenierung, Humor, minimaler Tiefgang zwischen Liebe und Beruf, und Schauwerte. Jedenfalls für den Teil der Bevölkerung, der den Unterschied zwischen Gucci und Prada kennt.
Jetzt kommt die Fortsetzung in die Kinos. Schon während der Dreharbeiten wurde heftig die Werbetrommel gerührt. Anna Hathaway, Meryl Streep, Stanley Tucci und Emily Blunt übernahmen wieder die Hauptrollen. Kenneth Branagh als liebevoller Ehemann von Miranda (wie wir aus dem Film erfahren) und Violonist und Komponist (wie wir aus dem Presseheft erfahren), Justin Theroux, B. J. Novak und Lucy Liu gehören zu den prominenten Neuzugängen. Ihre Rollen sind teils sehr kurz. Auf Empfängen gibt es dazu noch einige Cameos, die hier nicht verraten werden. Die Story wirkt im ersten Moment wie eine neue Geschichte, die sich fundamental von der Geschichte von „Der Teufel trägt Prada“ unterscheidet und gleichzeitig die vertrauten und gelungenen Elemente des ersten Films beibehält. „Der Teufel trägt Prada 2“ behält auch die nicht gelungenen Teile des ersten Films bei. Die Story selbst wiederholt, wie man mit zunehemender Laufzeit bemerkt, mit kleinsten Variationen die Story des erstens Teils, minus der Entwicklungsgeschichte von Andy Sachs. Schließlich kennt sie die Modezeitschrift Runway und die dort arbeitenden Menschen.
Dorthin kehrt die Investigativ-Journalist nach zwanzig Jahren zurück. Gerade hat sie einen Preis für ihre Arbeit bekommen und, wie ihre Kollegen, ihren Job bei der Zeitung verloren. Gleichzeitig wird das Modemagazin Runway heftig für eine Story kritisiert, in der die schlechten Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Luxuskleidern nicht angesprochen wurden. Andy soll jetzt den, uh, guten Ruf der Zeitschrift wieder herstellen.
Andy nimmt den fabelhaft dotierten Job an und wieder ist Miranda Priesley ihre Chefin. Sie trifft wieder auf Emily Charlton (Emily Blunt), die inzwischen in der Modewelt einen anderen Job und einen vermögenden Freund hat. Bei einer Wohnungsbesichtigung trifft Andy auf einen netten Mann, der zufälligerweise auch der Vermieter der Nobelwohnungen ist (Remember Simon Baker? Nur etwas anders.). Sie muss für Miranda ein Interview mit einer Frau organisieren, die keine Interviews gibt (Remember die Harry-Potter-Episode?). Wieder wählt Nigel Kipling (Stanley Tucci) die Kleider für sie aus. Dazwischen gibt es Bilder von Empfängen und Modeschauen und bedeutungsschwangere Auftritte, Wagenkolonnen und Sonnenbrillen. Dazwischen gibt es, wie schon im ersten Film, einen Kampf um die Zukunft des Modemagazin und um Mirandas Chefposten.
Wie schon im ersten Teil wird jede Spur von Tiefgang vermieden. Wieder wird elliptisch erzählt. Die Figuren, vor allem Andy, simulieren Arbeit ohne zu arbeiten. Irgendwann werden dann Ergebnisse präsentiert.
Das führt dazu, dass man vieles einfach so hinnehmen muss. Andy kann den Ruf des Magazins mit einem Meinungsartikel retten, in dem sie sich für die Arbeit ihres Vorgängers entschuldigt und ankündigt, jetzt werde alles besser. Andy kann das Interview mit der Person, die keine Interviews gibt, organisieren. Miranda ist selbstverständlich immer bestens informiert. Und die Schlacht um die Zukunft des Modemagazins bleibt immer an der Oberfläche.
Das ist alles, wie im ersten „Der Teufel trägt Prada“-Film.
Neu ist, dass Miranda Priestly etwas menschlicher wird. Sie zeigt mehr Gefühle und verändert, notgedrungen, einiges in ihrem Leben. Mehr Tiefe erhält sie aber nicht.
Andy Sachs – und das ist ziemlich nervig – benimmt sich nicht wie eine gestandene Journalistin mit nun über zwanzig Jahren Berufserfahrung, die für ihre Reportagen Journalistenpreise erhielt, sondern wie eine überaus naive und unsichere Berufsanfängerin vor ihrem ersten Job als Teenager in einem Fastfood-Restaurant. Sogar bei ihrem ersten Gespräch vor zwanzig Jahren mit der ihr in dem Moment vollkommen unbekannten Miranda Priestly (eine der ikonischen Szenen des ersten Films) trat sie souveräner auf. Jetzt mutierte sie zum kieksenden Teenager.
„Der Teufel trägt Prada 2“ gehört zu den Fortsetzungen, die wissen, warum der erste Film erfolgreich war und der genau diese Momente nachstellen. Mit kleinen Variationen wird, ohne die Qualität des ersten Films zu erreichen, noch einmal der gleiche Film für die Zielgruppe präsentiert.
Wer dieses Gefühl allumfassender Nostalgie haben will, wird „Der Teufel trägt Prada 2“ lieben.
Der Teufel trägt Prada 2 (The Devil wears Prada, USA 2026)
Regie: David Frankel
Drehbuch: Aline Brosh McKenna (basierend auf von Lauren Weisberger erfundenen Figuren)
mit Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci, Justin Theroux, Lucy Liu, Kenneth Branagh, B.J. Novak, Simone Ashley, Tracie Thoms, Tibor Feldman, Patrick Brammall, Caleb Hearon, Helen J. Shen
Aller Anfang ist schwer. Vor der Karriere als echte Journalistin muss Andy Sachs (Anne Hathaway) sich als zweite Assistentin von Miranda Priestly (Meryl Streep), diktatorische Chefredakteurin des einflussreichen Modemagazins „Runway“, bewähren.
Zwanzig Jahre nach dem Überraschungserfolg startet heute die Fortsetzung im Kino. Was ich von der Fortsetzung halte, verrate ich in meiner Besprechung.
„Der Teufel trägt Prada“ ist eine arg oberflächliche pro-kapitalistische RomCom, flott erzählt, gut gespielt (was bei der Besetzung kein Wunder ist, eher schon ist die Besetzung ein Wunder) und mit einigen guten Gags. Der perfekte Film für die Ladies Night. Die Jungs werden derweil in einen anderen Kinosaal geschickt oder zum Putzen verdonnert.
„Lauren Weisbergers Buch zählt zur sogenannten ‚ChickLit‘ – Literatur, die eigentlich gar keine ist, sondern nur den altbewährten Lore-Roman in hochglanzpolierte Zusammenhänge versetzt. (…)
Der Film ist, was bei solchen Vorlagen selten der Fall ist, besser geraten als das Buch: pointierter, zugespitzter, ambivalenter in der Zeichnung der handelnden Personen.“ (Carmen Böker, Berliner Zeitung, 11. Oktober 2006)
„eine amüsante, letztlich aber bekannte Karikatur von Oberflächenreizen“ (Lexikon des Internationalen Films)
„ein zögerliches Wischiwaschi-Werk“ (Katja Nicodemus, Die Zeit 42/2006, 12. Oktober 2006)
Mit Anne Hathaway, Meryl Streep, Emily Blunt, Stanley Tucci, Adrian Grenier, Simon Baker, Gisele Bündchen, Tracie Thoms, Rich Sommer, James Naughton
Auch hier ist der in ähnlicher Form aus unzähligen Filmtrailern und Plakaten bekannte Satz „Vom Erfinder von ‚Lassie’“ (um jetzt nicht allgemein „Von den Machern von xyz“ hinzuschreiben) ähnlich sinnfrei. Denn der Roman „Wer verliert gewinnt“ hat nichts mit der Geschichte „Lassie come home“, die zuerst eine Kurzgeschichte war, die Eric Knight (1897 – 1943) später zu einem Roman ausbaute, zu tun. Das eine ist die Geschichte einer Collie-Hündin, die hunderte Kilometer von Schottland nach Yorkshire läuft, um zu seinem ursprünglichem Besitzer, einem Jungen, zurückzukehren. Die Verfilmung von 1943 mit einer jungen Elizabeth Taylor, Fortsetzungen, Neuverfilmungen und TV-Serien (die erste lief von 1954 bis 1973 im US-Fernsehen) trugen weiter zur Popularität des treuen Hundes bei. Das andere ist ein Noir, der sich damals gut verkaufte, mehrmals neu aufgelegt wurde und irgendwann zum Noir-Klassiker gekürt wurde. Eric Knight veröffentlichte den Noir damals unter dem Pseudonym Richard Hallas. Seitdem wurde der Roman mal unter seinem Namen, mal unter dem Pseudonym veröffentlicht.
Und jetzt wurde er wieder auf Deutsch veröffentlicht. Es handelt sich um eine Neuauflage der ersten und bislang einzigen deutschsprachigen Veröffentlichung 1944 beim Berner Scherz Verlag.
Im Mittelpunkt der in den dreißiger Jahren während der Großen Depression spielenden Geschichte steht Ich-Erzähler Richard ‚Dick‘ Dempsey. Am Buchanfang hat ihn seine Frau mit ihrem gemeinsamen Sohn und ihrem gesamten Vermögen verlassen. Er vermutet, dass sie nach Kalifornien fährt, weil sie ein Filmstar werden will. Er will sie wieder haben und begibt sich in Hobo-Manier auf den Weg nach Hollywood.
Kaum ist er im Land der Träume angekommen, werden seine Frau und sein Sohn zu einer Nebensache. Stattdessen taucht Dick in die dortige verrückte Gesellschaft ein. Er wird mit abstrusen Erklärungen zu abstrusen Verbrechen angestiftet. Er trifft einen Groß-Regisseur, eine nächtliche Schwimmerin und die Gründerin der Ökanaanomischen Partei. Er verliert sich in dieser für ihn fremden Welt, in der Geld keine Rolle spielt.
Die Stärke von Richard Hallas‘ Roman liegt dabei in dem Porträt dieser verrückten Gesellschaft und den verschwimmenden Grenzen zwischen Wahn, Wunderglaube, abstrusen Theorien, Hollywood-Träumen und Verbrechen.
„Wer verliert gewinnt“ ist definitiv einen Blick wert für Fans von Noirs und in Kalifornien spielenden Geschichten.
Spielfilmlange, mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Doku über Petra Kelly (1947 – 1992). Es wird eine um gut zwanzig Minuten gekürzte Fassung gezeigt.
Rückblickend waren die ausverkauften „One To One“-Konzerte – es gab eine Nachmittag- und eine Abendshow – am 30. August 1972 in New York im Madison Square Garden die ersten und zugleich letzten Live-Konzerte die John Lennon nach dem Ende der Beatles gab. Bei den Benefiz-Konzerte für Kinder mit geistigen und entwicklungsbedingten Behinderungen wurden insgesamt 1,5 Millionen US-Dollar (bzw. nach heutigem Stand 11,5 Millionen US-Dollar) gesammelt. 40.000 Zuschauer, darunter auch bekannte Persönlichkeiten (wie Kurt Vonnegut, Shirley MacLaine und Bianca Jagger), kamen zu den Konzerten.
Sie wurden von Steve Gebhardt für eine TV-Ausstrahlung aufgezeichnet. In den vergangenen Jahren erschienen diese Konzerte in verschiedenen, teils unterschiedlich zusammengeschnittenen Ausgaben. Zuletzt wurden sie in der „Power to the People“-Super-Deluxe-Box (mit neun CDs und drei Blu-rays) vollständig veröffentllicht. Und jetzt gibt es den Auftritt als glänzend restaurierten Konzertfilm; also genaugenommen hat Simon Hilton sich die Bilder beider Konzerte vorgenommen und sie zu einem Konzertfilm montiert. Die Bilder sind fantastisch. Der Ton ebenso (soweit ich das mit meiner Wohnzimmeranlage beurteilen kann). Die ruhige Montage mit viel Splitscreen überzeugt – und entfaltet auf einer großen Leinwand ihre volle Wirkung.
Die Musik ist über jeden Zweifel erhaben. Von John Lennon stammen die bekannten Hits, teils aus seiner Zeit mit den Beatles. Von Yoko Ono sind die experimentellen Stücke mit eindeutig politischen und provozierenden, teils nur aus Slogans bestehenden Texten. Die klassisch ausgebildete Sängerin und Pianistin war damals schon eine bekannte Fluxus-Künstlerin und Avantgarde-Musikerin. Von den Beatles-Fans, die sie für das Ende der Beatles verantwortlich machten, wurde sie innig gehasst. Im Film, der etwas von der Songfolge der Konzerte abweicht, werden sie flott hintereinander abwechselnd präsentiert. Dieses Spannungsverhältnis zwischen eingängigen Hits und gegenteiligen Songexperimenten führt während des Konzerts zu einer Stop-and-Go-Dynamik. Das Finale aus der Abendshow mit dem Mitsing-Hit „Give Peace a Chance“ und einem Aufgebot aus in dem Menschengewimmel kaum erkennbaren Stars hat die ausgelassene Stimmung eines Kindergeburtstages. Bei allem Kurzweil und Spielfreude zeigt sich hier eine Band am Anfang einer Tournee, die es nie gab.
„Power to the People: John & Yoko Live in NYC“ sollte auf der großen Leinwand gesehen werden.
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Die Band
John Lennon: Vocals, Guitar, Keyboards
Yoko Ono: Vocals, Keyboards
Jim Keltner: Drums
mit Elephant’s Memory
Stan Bronstein: Saxophone
Wayne ‚Tex‘ Gabriel: Lead Guitar
Adam Ippolito: Keyboards
Gary Van Scycoc: Bass
John Ward: Bass
Rick Frank: Drums
David Peel’s Human Voice Choir
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Die Songs
Power to the People (John Lennon)
News York City (John Lennon)
I’s so hard (John Lennon)
Well Well Well (John Lennon)
Instant Karma! (We all Shine in) (John Lennon)
Mother (John Lennon)
Cold Turkey (John Lennon)
Come Together (John Lennon/Paul McCartney)
Imagine (John Lennon/Yoko Ono)
Move on Fast (Yoko Ono)
Born in a Prison (Yoko Ono)
We’re all water (Yoko Ono)
Open your Box (Yoko Ono)
Don’t worry Kyoko (Yoko Ono)
Hound Dog (Mike Stoller/Jerry Leiber)
Give Peace a Chance (John Lennon)
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Power to the People: John & Yoko Live in NYC (Power to the People: John & Yoko Live in NYC, Großbritannien 2026)
“Eines der entscheidenden Merkmale des Projekts ist seine monumentale ökonomische Sinnlosigkeit. (…)
Ich erfreue mich rückblickend an diesem irrationalen Irrrsin, der etwas hervorgebracht hat, was niemand braucht, was niemand verwerten kann, was aber dennoch eine feste Form angenommen hat und einen Wert hat.” (Andreas Hartung)
Als Andreas Hartung vor über zehn Jahren begann, Bilder zu H. P. Lovecrafts Horrorkurzgeschichte “The Colour out of Space” (Die Farbe aus dem All, erstmals 1927 in Amazing Stories erschienen) zu malen und er die Idee hatte, die Bilder mit Musik zu präsentieren, ahnte er nicht, dass es so lange dauern würde. Jetzt, mit der musikalisch unterlegten Präsentation der Bilder des fünften Teils und der vorherigen Teile am 23. April 2026 im ausverkaften Kino Babylon, ist das Werk vollendet. Die Freude darüber ist Hartung während seiner kurzen Ansprache vor dem Konzert anzumerken.
Hartung zeichnete mit Kohlestift und Wasserfarben insgesamt 758 atmosphärische Bilder im Din-A3-Format. Auf Dialoge verzichtete er. Lovecrafts Geschichte hat auch kaum Dialoge. Er erzählt, wie auf einer abgelegenen Neuengland-Farm in der Nähe von Arkham ein Meterorit einschlägt. Zuerst scheint dieses Ding aus dem Weltraum das Wachstum und Leben auf der Farm positiv zu beinflussen. Dann beginnt es langsam das Leben aus den Menschen und den Pflanzen zu saugen. Die Gegend um das Haus leuchtet in einer Farbe, die es auf der Erde nicht gibt.
Musikalisch unterlegt werden die Bilder von bedrohlich-dunkel dräuenden Soundskulpturen der eigens für dieses Projekt zusammengestelten Postrock-Band “The Dunwich Orchestra”. Sie besteht aus Daniel Tschernow (Gitarre), Paul Bertin (Analog Synth), Bennet Gamradt (Bass) und Johannes Hehemann (Schlagzeug).
Die besten Cop-Filme aller Zeiten (Deutschland 2026)
Siebzig Minuten (mit Werbung) nimmt Kabel 1 sich Zeit für „Die besten Cop-Filme aller Zeiten“. „Police Academy“, „Stirb langsam“ und „Sieben“ sollen dazu gehören. Der Experte ahnt, dass die Liste ziemlich lückenhaft wird. Und, echt jetzt?, „Police Academy“?
Wiederholung: Dienstag, 27. April, 02.10 Uhr (Taggenau!)
Nach dem „Ticket ins Paradies“ (Sat.1, 20.15 Uhr, mit dem Traumpaar George Clooney/Julia Roberts) sofort umschalten
Sixx, 22.25
Up in the Air (Up in the Air, USA 2009)
Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Jason Reitman, Sheldon Turner
LV: Walter Kirn: Up in the Air, 2001 (Mr. Bingham sammelt Meilen)
Ryan Bingham reist durch die USA und entlässt, im Auftrag verschiedener Firmen, deren Angestellte. Bindungen hat der Single keine. Sein Ziel als Vielflieger ist es die magische Zehn-Millionen-Frequent-Flyer-Meilen-Grenze zu durchbrechen. Dafür sammelt er wie besessen Bonusmeilen. Als er eine jüngere Kollegin ausbilden soll und er eine andere Vielfliegerin kennen lernt, gerät sein sorgloes Leben aus dem Takt.
Jason Reitmans feinfühliges, perfekt komponiertes und austariertes Porträt eines Arschlochs ist auch ein Gesellschaftskommentar. Außerdem übernahm George Clooney die Hauptrolle.
mit George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman, Amy Morton, Melanie Lynskey, J. K. Simmons, Sam Elliott, Danny McBride, Zach Galifianakis
Wiederholung: Montag, 27. April, 02.15 Uhr (Taggenau!)
Das Piano (The Piano, Australien/Neuseeland/Frankreich 1993)
Regie: Jane Campion
Drehbuch: Jane Campion
Um 1850 herum wird die stumme Ada nach Neuseeland zwangsverheiratet. Ihr ihr vollkommen unbekannter Ehemann, der Plantagenbesitzer Stewart, nimmt sie und Adas neunjährige Tochter Flora auf. Adas heißgeliebtes Piano lässt er als unnötigen Ballast am Strand zurück. Stewarts Nachbar Baines holt das Piano in sein Haus. Er bietet Ada eine Möglichkeit an, wie sie wieder an ihr Piano kommen könnte.
Jane Campions Durchbruch beim globalen Kinopublikum und immer noch ihr bekanntester Film.
mit Holly Hunter, Harvey Keitel, Sam Neill, Anna Paquin, Kerry Walker
Drehbuch: Anthony McCarten (nach einer Geschichte von Anthony McCarten und Peter Morgan)
Nicht besonders tiefgründiges, aber fett rockendes Biopic über Freddie Mercury und die Rockband „Queen“, von der so Gassenhauer wie „Bohemian Rhapsody“, „We will rock you“ (funktioniert in jedem Stadion) und „We’re the Champions“ (funktioniert in jeder Fankurve) stammen.
Afrika ist ein riesiger, filmisch kaum erschlossener Kontinent. Wenn wir Tierdokus und Hollywood-Filme wie “Black Panther”, die alles außer einem realistischen Bild von Afrika zeichnen, links liegen lassen, bleiben nur wenige Filme, die in unsere Kinos gelangen oder im Fernsehen gezeigt werden. “Cotton Queen”, das Spielfilmdebüt von Suzanna Mirghani, gehört zu diesem kleinen Kreis von in Afrika von afrikanischen Filmemachern gedrehten Filmen, die aktuelle afrikanische Geschichten erzählen.
Mirghani erzählt die Geschichte der fünfzehnjährigen Nafisa. In den Sommerferien helfen sie und ihre Freundinnen im heutigen Sudan bei der Baumwollernte. Es ist eine beschwerliche Arbeit. Durch die Investition eines sudanstämmigen Geschäftsmannes in neue Technologien könnte sich das ändern. Nafisas Eltern wollen ihre Tochter mit ihm verheiraten. Dafür beschwören sie die Geister. Nafisas Großmutter Al-Sit, die allseits geachtete Matriarchin, die noch die Kolonialzeit miterlebte, begrüßt diesen Plan.
Aber Nafisa hat sich in einen Jungen aus dem Dorf verliebt.
Suzanna Mirghani beginnt ihren Film mit farbenprächtigen Bildern von der Baumwollernte. Sie zeigt, wie die Arbeiterinnen bei der Arbeit singen, anschließend am Fluss Zeit miteinander verbringen und wie Nafisa mit ihrer Großmutter spricht. Es sind Bilder, die, mit einem Touch magischen Realismus, ein gutes Gefühl von dem Ort und den Menschen vermitteln. Später, wenn Nafisa zu dem Frau des angereisten Geschäftsmann werden soll, tendiert der Film etwas in Richtung Horrorfilm. Nicht wegen der Geister, sondern weil hier eine Gruppe Frauen mit allen Mitteln versucht, eine junge Frau in eine Richtung zu beeinflussen. Mirghani konzentriert sich auf Nafisas Umfeld, während der Geschäftsmann und seine das Leben in dem gesamten Dorf radikal verändernde Investition an den Rand gedrängt werden. Dafür wirden der Blick in die die Gegenwart beeinflussende Kolonialvergangenheit wichtiger.
Trotzdem kann “Cotton Queen” das Versprechen seiner ersten Bilder nicht halten. Zu sehr versumpft die Geschichte in Nebenkriegsschauplätzen, während der eigentlich zentrale Konflikt zwischen den Einheimischen und den Investoren über weite Strecken des Films zu sehr an den Rand gedrängt wird.
„Cotton Queen“ ist ein vielversprechendes Debüt, das neugierig auf Suzannah Mirghanis nächsten Film macht.