Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Emil und die Detektive“ in Berlin

September 24, 2026

Die Geschichte kennen wir. In der aktuellen Version geht sie so: Im Zug nach Berlin betäubt Max Grundeis den jungen, allein reisenden Emil Tischbein und klaut ihm die über 1000 Euro, die er dabei hat. Emil hat das Geld von seiner Mutter, einer, wie im Roman, alleinerziehenden, selbstständigen Friseuse, bekommen. Er soll es in der Hauptstadt seiner zunehmend hilfsbedürftigen Großmutter geben.

In Berlin angekommen verfolgt Emil den Dieb. Aber wie soll er ihn allein durch die große Stadt verfolgen und überführen können? Weil Emil sich vor einigen Tagen in seinem Heimatdorf an einem Streich, der schiefging, beteiligte, hat er Angst vor der Polizei.

Aber schon kurz nach seiner Ankunft in Berlin im Hauptbahnhof trifft er auf einige andere Kinder, die ihm spontan helfen. Beispielsweise gegen Fahrkartenkontrolleure.

Erich Kästners 1929 erschienener „Roman für Kinder“ war vor fast hundert Jahren ein sofortiger Bestseller. Heute ist der zeitlose Roman immer noch beliebt und, wie eine wiederholte Lektüre zum Filmstart zeigte, immer noch spannend und gut zu lesen. Außerdem kenne ich jetzt die Orte, die Emil in dem Roman besucht. Seit seinem Erscheinen wurde das Kinderbuch mehrfach verfilmt. Legendär und heute wohl ziemlich unbekannt sind die ersten beiden deutschen Verfilmungen. 1931 verfilmte Gerhard Lamprecht nach einem Drehbuch von Billy Wilder das Buch. Fritz Rasp spielte damals den Dieb. 1954 verfilmte Robert A. Stemmle nach seinem Drehbuch die Geschichte.

Jetzt verfilmte David Dietl nach einem Drehbuch von Antonia Scheurlen Emils Abenteuer. Beherzt verlegten sie die Geschichte in die Gegenwart. Und das funktioniert bemerkenswert gut. Der Grundplot – die Jagd von Emil und seinen neu gewonnenen Freunden nach dem Dieb quer durch Berlin – ist unkaputtbar. Die Neuerungen – einige andere Handlungsorte in der Berliner Innenstadt, einige neue Kinder, die benutzte Technik bei der Verbrecherjagd und, gegen Filmende, Grundeis‘ geplanter großer Betrug gegenüber naiven Kleinanlegern – sind gelungen. 2026 sind die Detektive weiblicher und diverser als 1929. Da waren sie ein fast reiner Jungenclub. Das Berlin-Porträt, das, zugegeben an die poppigen BVG-Werbekampagnen erinnert, gefällt. Da wird ganz Berlin zu einem Dorf, durch das Emil und seine neuen Freunde sich lässig bewegen, überall jemand kennen oder schnell kennen lernen und sich gegenseitig helfen. Es geht nichts über die Solidarität der Kinder, die in ihrem Abenteuerspielplatz einen Verbrecher jagen.

„Emil und die Detektive“ ist ein schöner Kinderkrimi für Kinder bis 12. Das gilt für Kästners Roman und Dietls Verfilmung.

Und bei einigen Kindern könnte die Begegnung mit Emil zu einer lebenslangen Leidenschaft für Kriminalgeschichten werden.

Emil und die Detektive (Deutschland 2026)

Regie: David Dietl

Drehbuch: Antonia Scheurlen

LV: Erich Kästner: Emil und die Detektive, 1929

mit Nicholas Jonah Peter, Merlin Sandmeyer, Luise Heyer, Lara Toni Lüdders, Kilian Kasa, Bela Louis Plass, Ai Vy Bui, Camille Moltzen, Ursula Werner

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Die Vorlage

(in der schicken Filmausgabe mit 32 Bildern aus dem Film auf 16 Seiten und, selbstverständlich, den Zeichnungen von Walter Trier)

Erich Kästner: Emil und die Detektive

Atrium Verlag, 2026

176 Seiten

12 Euro

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Erstausgabe

Williams & Co, Berlin-Grunewald, 1929

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Emil und die Detektive“

Moviepilot über „Emil und die Detektive“

Wikipedia über „Emil und die Detektive“ (Buch: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Dietls „GG 19″ (Deutschland 2007) (Omnibusfilm; von Dietl ist nur ein Kurzfilm)

Meine Besprechung von Erich Kästners „Die verschwundene Miniatur“ (1935/2009)

Meine Besprechung von Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ (Deutschland 2021) (überzeugend mit Tom Schilling als Fabian)

Meine Besprechung von Carolina Hellsgårds Erich-Kästner-Verfilmung „Das fliegende Klassenzimmer“ (Deutschland 2023)


TV-Tipp für den 24. September: Der Ghostwriter

September 23, 2026

RBB, 20.15

Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

Ein Autor soll innerhalb weniger Tage die Biographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang ghostwriten. Als Lang wegen Kriegsverbrechen im „Krieg gegen den Terror“ angeklagt wird, beginnt der gänzlich unpolitische Autor auf eigene Faust zu recherchieren.

Glänzend besetzter, grandioser Paranoia-Thriller, der an Polanskis frühere Filme, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpft.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)

Hinweise

Metacritic über “Der Ghostwriter”

Rotten Tomatoes über “Der Ghostwriter”

Wikipedia über “Der Ghostwriter” (deutsch, englisch)

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Ghostwriter” (aka The Ghost” von Robert Harris und Roman Polanski (nach dem Roman von Robert Harris)

Die Berlinale-Pressekonferenz zu “Der Ghostwriter” (12. Februar 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis Robert-Harris-Verfilmung „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Roman Polanskis Robert-Harris-Verfilmung „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „The Palace“ (The Palace, Italien/Polen/Schweiz/Frankreich 2023)

Meine Besprechung von Robert Harris‘ „Intrige“ (An Officer and a Spy, 2013)

Meine ‚Besprechung‘ von Robert Harris‘ „Konklave“ (Conclave, 2016)


CWA International Dagger 2025: Akira Otani: Die Yakuza-Prinzessin

September 23, 2026

Yoriko Shindo ist ein Schrank. Mühelos verprügelt die zweiundzwanzigjährige Straßenkämpferin in Tokyo ganze Heerscharen von Männern. Für den Yakuza-Boss reicht das Empfehlung. Yoriko soll – letztendlich erpresst er sie zu dieser Bodyguard-Arbeit – auf seine achtzehnjährige extrem behütete Tochter Shoko Naiki aufpassen, sie zur Schule und zurück fahren und jeden verprügeln, der sich ihr nähert.

Das erinnert auf den ersten Seiten etwas an A. J. Quinnells „Man on Fire“ (unter anderem von Tony Scott mit Denzel Washington und Dakota Fanning verfilmt), begibt sich aber schnell auf andere Wege, über die hier nichts verraten werden soll.

In knappen Sätzen treibt Otani die Geschichte auf zwei Zeitebenen voran. Der kleinere Teil spielt in der Gegenwart, der größere spielt 1979. Er erzählt, wie Yoriko und Shoko sich nach einem schweren Start näher kommen. Denn beide Frauen kommen aus vollkommen verschiedenen Welten.

Weil Otani in dem 1979 spielendem Teil nichts erwähnt, was die Geschichte sofort, erkennbar und einfach in einem Jahr verortet (wie erfolgreiche Filme, Hits oder Trends), erfolgt die Verortung in der Vergangenheit nur wegen dem in der Gegenwart spielendem, sich über mehrere Kapitel hinziehenden Epilog.

Akira Otani wurde 1981 in Tokyo geboren. Sie begann als Autorin für Videospiele. Ihr literarisches Debüt war die Kurzgeschichtensammlung „Nobody said we’re perfect“. Sie veröffentliche weitere Kurzgeschichten- und Essaysammlungen und einen Manga. „Die Yakuza-Prinzessin“ ist ihr erster Roman. Und sie ist, was für ihr Werk wichtig ist, lesbisch.

Ihr Roman „Die Yakuza-Prinzessin“ erhielt 2025 den CWA Dagger for Crime Fiction in Translation und beim CrimeFest den Specsavers Debut Crime Novel Award. Außerdem war der Roman Finalist für den Lambda Literary Award for LGBTQ+ Mystery (finalist).

Eine klare Leseempfehlung für einen langen Abend oder einen entspannten Sonntagnachmittag.

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Akira Otani: Die Yakuza-Prinzessin

(übersetzt von Katja Busson)

Suhrkamp, 2026

176 Seiten

17 Euro

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Originalausgabe

Baba Yaga no yoru

Kawade Shobo sinsha Ltd. Publishers, Tokio, 2020

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Englischer Titel

The Night of Baba Yaga

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Hinweise

Suhrkamp über Akira Otani

Wikipedia über Akira Otani


TV-Tipp für den 23. September: Sterben

September 22, 2026

Arte, 22.00

Sterben (Deutschland 2024)

Regie: Matthias Glasner

Drehbuch: Matthias Glasner

TV-Premiere. Dreistündiges sperriges, top besetztes und mit dem Deutschen Filmpreis (Gold) ausgezeichnetes Familiendrama von Matthias Glasner.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Lilith Stangenberg, Ronald Zehrfeld, Robert Gwisdek, Anna Bederke, Hans Uwe Bauer, Saskia Rosendahl, Saerom Park, Nico Holonics, Catherine Stoyan, Tatja Seibt

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Sterben“

Moviepilot über „Sterben“

Rotten Tomatoes über „Sterben“

Wikipedia über „Sterben“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Sterben“

Meine Besprechung von Matthias Glasner „Gnade“ (Deutschland/Norwegen 2012)

Meine Besprechung von Matthias Glasners „Blochin – Die Lebenden und die Toten: Staffel 1“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Matthias Glasners „Sterben“ (Deutschland 2024)


Cover der Woche

September 22, 2026


TV-Tipp für den 22. September: Robocop

September 21, 2026

Nitro, 20.15

Robocop (Robocop, USA 2014)

Regie: José Padilha

Drehbuch: Joshua Zetumer

Bei einem Anschlag wird Polizist Alex Murphy schwer verwundet. Er wird auf Betreiben des ein gutes Geschäft witternden Konzerns OmniCorp zusammengeflickt und als quasi unverwundbarer Robocop, einer Mischung aus Mensch und Roboter, auf die Verbrecherwelt losgelassen.

Überraschend gelungenes Remake und Update von Paul Verhoevens „Robocop“. Ein Science-Fiction-Actionfilm, der zum Nachdenken anregt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton, Samuel L. Jackson, Abbie Cornish, Jackie Earle Haley, Michael K. Williams, Jennifer Ehle, Jay Baruchel, Marianne Jean-Baptiste, Zach Grenier

Wiederholung: Mittwoch, 23. September, 22.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Robocop“

Metacritic über „Robocop“

Rotten Tomatoes über „Robocop“

Wikipedia über „Robocop“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von José Padilhas „Tropa de Elite“ (Tropa de Elite, Brasilien/USA 2007)

Meine Besprechung von José Padilhas „Robocop“ (Robocop, USA 2014)

Meine Besprechung von José Padilhas „Narcos – Die komplette erste Staffel“ (Narcos, USA 2015)

Meine Besprechung von José Padilhas „7 Tage in Entebbe“ (7 Days in Entebbe, USA/Großbritannien 2018)


TV-Tipp für den 21. September: Die Polizistin und die Todesstille

September 20, 2026

ZDF, 20.15

Die Polizistin und die Todesstille (Deutschland 2016)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

TV-Premiere. Zweiter Fall für die BKA Polizistin Gloria Acheampong. Dieses Mal soll sie herausfinden, wer in Frankfurt am Main einen verdeckten Ermittler ermordete.

Ein Krimi von Lars Becker

mit Thelma Buabeng, Tobias Oertel, Haley Louise Jones, Marc Benjamin, Almila Bagriacik, Alexander Milo, Teresa Rizos, Nico Holonics, Slavko Popadić, Nadeshda Brennicke

Hinweise

ZDF über den Film (in der Mediathek)

Wikipedia über Lars Becker

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Der Fall „Coyote vs. ACME“

September 20, 2026

Das ist eine Hollywood-Geschichte! „Coyote vs. ACME“ wurde zum größten Teil von März bis Mai 2022 in Albuquerque, New Mexico, gedreht. Animationen wurden hinzugefügt. Im Juli 2023 sollte der Film dann ins Kino kommen. Der Start wurde verschoben. Das passiert öfter. Einige Monate später entschloss Warner Bros. sich, den Film abzuschreiben und ins Archiv zu verbannen. Niemand würde ihn sehen.

Es gab Proteste von Fans und einen langwierigen Bieterwettstreit. Letztendlich kaufte Ketchup Entertainment die globalen Rechte. In Deutschland verleiht capelight pictures Dave Greens Komödie. Die Kritiken sind ziemlich euphorisch. Bei Rotten Tomateos kommt er auf 96 Prozent Frischegrad, bei dem weniger zu Übertreibungen neigendem Metacritic auf 77 Prozent. Auch beim Publikum kommt er ähnlich gut an. Und seine Kosten von ungefähr 70 Millionen US-Dollar hat er bereits eingespielt.

Das ist die Geschichte von dem glücklichen Ende eines Nobodys gegen einen riesigen Konzern. Und auch, irgendwie, die Geschichte des Films.

„Coyote vs. ACME“ erzählt eine Geschichte aus der Welt der Looney Tunes. Das sind Cartoonfiguren, die 1930 von Warner Bros. erfunden wurden und seitdem erfolgreich im Kino und Fernsehen laufen. Zu den Figuren gehören Schweinchen Dick, Daffy Duck, Bugs Bunny, Speedy Gonzales, Road Runner und Willi Kojote (bzw. im Original Wile E. Coyote).

1990 schrieb Ian Frazier im The New Yorker einen satirischen Text über einen Rechtsstreit zwischen Willi Kojote und der ACME Corporation. Kojote verklagt das Unternehmen, weil deren Produkte auf seiner Jagd nach Road Runner regelmäßig versagen und ihn tödlich verletzten.

Diese Satire war die Grundlage für Dave Greens Film „Coyote vs. ACME“. Er verbindet Cartoon-Szenen mit Realszenen und fast durchgängig interagieren Menschen mit Cartoon-Figuren. Wie in „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988) leben Menschen und Cartoon-Figuren einträchtig nebeneinander.

Willi Kojote jagt Road Runner. Weil die von ihm benutzten ACME-Produkte versagen, endet jede seiner Aktionen in einem für ihn kurzweilig tödlichem Desaster..

Eines Tages sieht Willi Kojote im Fernsehen eine Werbung von Winkeladvokat Kevin Avery (Will Forte), der Menschen helft, die durch ACME-Produkte verletzt werden. Willi Kojote beauftragt ihn mit der Klage. Der Fall ist eindeutig, gut dokumentiert – und vollkommen aussichtslos. Denn der Lebensinhalt bestimmter Cartoon-Fiugren ist es, in katastrophale Situation zu geraden, zu sterben und kurz darauf in eine ähnlich katastrophale Situation zu geraten. Außerdem wird ACME von dem skrupellosen Anwalt Buddy Crane (John Cena) vertreten.

Das ganze ist saukomisch, wenn Coyote und Road Runner in der Wüste aneinander geraten. Aber diese Slapstick-Momente, von denen es zu wenig gibt, können die Probleme der Komödie nicht verdecken. Die Story ist nicht plausibel und auch nie glaubwürdig. Das Zusammenspiel zwischen den gezeichneten Cartoon-Figuren und realen Menschen ist nicht stimmig. Sie scheinen immer in verschiedenen Räumen zu sein. Und das Spiel der beiden Hauptdarsteller – Will Forte als Kojotes Anwalt und John Cena als ACME-Anwalt – passt nicht zu den Cartoon-Figuren.

Coyote vs. ACME (Coyote vs. ACME, USA 2026)

Regie: Dave Green

Drehbuch: Samy Burch (nach einer Geschichte von James Gunn und Jeremy Slater, und nach einem Artikel von Ian Frazier)

mit Will Forte, Lana Condor, John Cena, Tone Bell, Martha Kelly, Luis Guzmán, P. J. Byrne, John Early

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Coyote vs. ACME“

Metacritic über „Coyote vs. ACME“

Rotten Tomatoes über „Coyote vs. ACME“

Wikipedia über „Coyote vs. ACME“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dave Greens „Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows“ (Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows, USA 2016)


TV-Tipp für den 20. September: Wahl 2026

September 19, 2026

RBB, 17.40

Wahl 2026

Berichterstattung zur Wahl in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern


TV-Tipp für den 19. September: The Report

September 18, 2026

One, 20.15

The Report (The Report, USA 2019)

Regie: Scott Z. Burns

Drehbuch: Scott Z. Burns

TV-Premiere. Hochspannender und, auch für die Menschen, die alle Fakten im Schlaf herunterbeten können, informativer Polit-Thriller über die schwierige Entstehung des „Feinstein-Reports“. 2009 beauftragte die US-Senatorin Dianne Feinstein den Senatsmitarbeiter Daniel J. Jones, einen Bericht über die ‚erweiterten Verhörmethoden‘ (Folter) der CIA nach dem 11. September zu schreiben. Er vertieft sich in die Akten und ist, obwohl die Fakten damals schon bekannt waren, schockiert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Adam Driver, Annette Benning, Ted Levine, Jon Hamm, Sarah Goldberg, Maura Tierney, Michael C. Hall, Douglas Hodge, Fajer Kaisi, Jennifer Morrison, Tim Blake, Corey Stoll, Matthew Rhys

Wiederholung: Mittwoch, 23. September, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Report“

Metacritic über „The Report“

Rotten Tomatoes über „The Report“

Wikipedia über „The Report“ (deutsch, englisch) und den CIA-Folterbericht (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Scott Z. Burns‘ „The Report“ (The Report, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Gentle Monster“: netter Ehemann, liebevoller Vater und möglicherweise „?“

September 18, 2026

Es wird zwar in allen mir bekannten Besprechungen verraten, aber weil der Trailer es nicht verrät, gibt es eine Spoilerwarnung.

Als eines Tages die Polizei klingelt und beginnt, das Haus von Lucy (Léa Seydoux) und Philip Weiss (Laurence Rupp) zu durchsuchen, bricht Lucys auf den ersten Blick heile Welt zusammen. Die Pianistin lebt mit ihrem Mann, einem Filmemacher, und ihrem gemeinsamen Kind auf dem Land in einem großen, links-bürgerlich verwilderten Villa.

Warum die Polizei ihr Haus durchsuchte, verrät Regisseurin Marie Kreutzer erst einige Minuten später, als Lucy das Polizeigebäude betritt und zur für die Durchsuchung zuständigen Polizistin geht. Elsa Kühn (Jella Haase) arbeitet in der Abteilung Pädakriminalität.

Ihr Mann soll pornographische Bilder von Kindern besitzen.

Während Lucy sich jetzt mühsam durch die verschiedenen Aspekte des Themas quält, fragte ich mich, wie man ein so wichtiges Thema so versemmeln kann. Wobei, das muss ich zugeben, ich mich in den ersten Minuten, wenn Kreutzer impressionistische Bilder vom glücklichen Familienleben zeigt, fragte, welche Geschichte der Film erzählen möchte. Erst nach fünfzehn, zwanzig Minuten, mit der Hausdurchsuchung, gibt es das die Filmgeschichte startende Ereignis.

Während der Hausdurchsuchung verlor „Gentle Monster“ mich endgültig. Die Polizistin erklärt nicht, warum sie das Haus durchsuchen wollen. Philip fragt nicht. Er lässt die Beamten ohne ein Widerwort in das Haus. Die später hinzukommende Lucy nimmt zwar die Polizisten wahr, begibt sich aber erst einmal in die Küche. Als Philip dann jemand anrufen möchte, lässt Elsa ihn telefonieren. Wen er warum anruft, interessiert die Polizistin nicht. Dabei könnte er einen Mittäter warnen.

Niemand von ihnen verhält sich in dem Moment in irgendeiner Beziehung plausibel oder so, wie es nach ihrem vorherigen Verhalten erwartbar wäre. Immerhin kann Philips Verhalten mühelos als umfassendes Schuldeingeständnis verstanden werden.

Auch danach mäandert der enervierend ereignislose, meist sinnfrei zwischen drei Sprachen wechselnde Film vor sich hin. Philip verschwindet aus der Filmgeschichte in eine Arrestzelle. Ab und an wird über ihn und seine möglichen Taten gesprochen. Lucy darf nachdenklich und viel auf ihrem Klavier herumklimpern. Was sie denkt, erfahren wir nicht. Dafür erfahren wir viel, viel zu viel, über das Privatleben der Kommissarin und ihre Probleme mit ihrem zunehmend pflegebürftigem und übergriffigem Vater. Das Thema „sexuelle Gewalt“ und die Frage von Mitwisserschaft und möglicher Mittäterschaft wird hier auch angesprochen, aber die Hauptgeschichte bringt diese Nebengeschichte nicht voran. Man hätte sie ersatzlos streichen können.

Über Pädophilie, kriminelle pädophile Netzwerke und Schutzbehauptungen von Tätern erfahren wir auch einiges. In Nebensätzen und auf die denkbar ungeschickteste Art und Weise. Es ist, als habe Kreutzer einen Drehbuchratgeber gelesen und beschlossen, einfach alles anders zu machen.

Dazu gehört, dass an allen Figuren – obwohl Kreutzer recherchierte und mit dem Fall Florian Teichtmeister (einer der Hauptdarsteller ihres vorherigen Films „Corsage“ wurde nach der Fertigstellung des Films wegen des Besitzes kinderpornographischer Aufnahmen angeklagt und zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt) – die Diskussionen der vergangenen Jahre spurlos vorbeigingen. So sollen wir auch nur eine Zehntelsekunde Philips nicht weiter vertiefte Schutzbehauptung glauben, er habe das Material nur als Recherchematerial für einen Dokumentarfilm gesammelt. Seine nächste Schutzbehauptung ist genauso idiotisch.

Die Frage, wie man damit umgeht, wenn sich herausstellt, dass ein geliebter Mensch möglicherweise pädophil ist, hätte einen besseren Film als dieses langatmig, konfuse und gänzlich spannungsfreie, hochkarätig besetzte Werk verdient.

Gentle Monster (Deutschland/Frankreich/Österreich 2026)

Regie: Marie Kreutzer

Drehbuch: Marie Kreutzer

mit Léa Seydoux, Jella haase, Laurence Rupp, Malo Blanchet, Catherine Deneuve, Anton Rubtsov, Nils Strunk, Sylvester Groth

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Gentle Monster“

Moviepilot über „Gentle Monster“

Metacritic über „Gentle Monster“

Rotten Tomatoes über „Gentle Monster“

Wikipedia über „Gentle Monster“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marie Kreutzers „Corsage“ (Österreich/Luxemburg/Deutschland/Frankreich 2022)


TV-Tipp für den 18. September: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

September 17, 2026

RTL II, 20.15

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian, USA 2015)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Drew Goddard

LV: Andy Weir: The Martian, 2011/2014 (Der Marsianer)

Wegen eines Sturms wird die erste bemannte Marsmission hastig abgebrochen und, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, Crewmitglied Mark Watney auf dem Mars zurückgelassen. Weil auch jede Funkverbindung unterbrochen ist, beginnt Watney sich auf dem Mars einzurichten. Bis Hilfe kommt…

Hochspannendes und realistisches SF-Abenteuer, mit einer ordentlichen Portion Humor. „Der Marsianer“ war ein Erfolg bei der Kritik und dem Publikum. Er ist einer von Scotts besten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wig, Jeff Daniels, Michael Pena, Kate Mara, Sean Bean, Sebastian Stan, Aksel Hennie, Chiwetel Ejiofor, Donald Glover, Benedict Wong, Mackenzie Davis

Wiederholung: Sonntag, 20. September, 22.50 Uhr

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Die Vorlage

Andy Weir: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

(übersetzt von Jürgen Langowski)

Heyne, 2015

512 Seiten

14 Euro

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Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2014

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Originalausgabe

The Martian

2011 (online)

(gedruckt 2014 bei Crown und Del Rey)

–

Hinweise

Moviepilot über „Der Marsianer“

Metacritic über „Der Marsianer“

Rotten Tomatoes über „Der Marsianer“

Wikipedia über „Der Marsianer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts Andy-Weir-Verfilmung „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Gladiator II“ (Gladiator II, USA 2024)

Meine Besprechung von Ridley Scotts Peter-Heller-Verfilmung „Das Ende der Sterne“ (The Dog Stars, USA 2026)

Ridley Scott in der Kriminalakte

Homepage von Andy Weir

Meine Besprechung vonPhil Lord/Christopher Millers Andy-Weir-Verfilmung „Der Astronaut – Project Hail Mary“ (Project Hail Mary, USA 2026)


Neu im Kino/Filmkritik: „Resident Evil“, jetzt inszeniert von Zach Cregger

September 17, 2026

Früher wäre das ein Abstieg gewesen. Nach zwei hochgelobten und kommerziell erfolgreichen Horrorfilmen dreht ein Regisseur den achten Kinofilm einer existierenden Reihe, die nie die Kritikerherzen eroberte, aber zuverlässig – jedenfalls bei den ersten sechs Filmen, der siebte floppte – das Publikum ins Kino lockte. Solche Regiearbeiten waren Aufträge, die von einem Handwerker oder einem Anfänger, der den Drehplan einhält, aber nicht von einem aufstrebenden Regisseur erledigt wurde. Eine irgendwie geartete eigene Handschrift oder eigenständige künstlerische Vision war nicht erwünscht.

Heute sieht das, wie in den vergangenen Jahren verschiedene mehr oder weniger gelungene Reboots/Remakes/Re-Imaginationen bestehender Franchises zeigten, anders aus. Da inszenierten bekannte Indie-Regisseure oder erfolgreiche Regisseure nicht ihren nächsten eigenständigen Film, sondern sie reihten sich als x-ter Regisseur in ein bestehendes Franchise ein. Teils, vor allem wenn sie einen Superheldenfilm drehten, mit einem Budget, von dem sie davor nicht einmal zu träumen wagten. Der aktuell im Kino laufende Meta-Horrorfilm „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ macht sich über diesen neuesten Reboot-Trend lustig.

Im Fall von „Resident Evil“, dem achten Kinofilm des „Resident Evil“-Franchise durfte „Barbarian“- und „Weapons“-Regisseur Zach Cregger offiziell 75 Millionen US-Dollar ausgeben. Das ist das bislang höchste Budget eines „Resident Evil“-Films; auch wenn einige der ersten, von Paul W. S. Anderson mit Milla Jovovich in der Hauptrolle verantworteten und größtenteils inszenierten Filme inflationsbereinigt über ein ähnliches Budget verfügen könnten. Aber nach dem ersten Reboot-Versuch „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ (2021), der 25 Millionen US-Dollar gekostet haben soll und 42 Millionen US-Dollar einspielte, ist ein solches Budget ein deutlicher Hinweis auf die Gewinnerwartungen der Produzenten.

Auch wer die gleichnamige, sehr erfolgreiche Computerspielreihe nicht kennt und die vorherigen, ebenfalls kommerziell sehr erfolgreichen „Resident Evil“-Filme primär ignorierte, dürfte mitbekommen haben, dass es um ein aus dem Ruder laufendes Biowaffenexperiment eines Konzerns geht und Menschen gegen blutrünstige Zombies kämpfen müssen.

In Interviews und im Presseheft betont Zach Cregger seine Hingabe zum Computerspiel und dass er seine Vision inszenieren durfte. Dafür erfand er eine Geschichte, die auf keinem der Spiele basiert, sondern „could exist on the edges of one of the games“ (Zach Cregger).

Es geht um den Kurierfahrer Bryan (Austin Abrams). In einer verschneiten Winternacht soll er ein sehr wichtiges Paket mit irgendeinem biomedizinischem Inhalt zu dem in in den Bergen gelegenem Krankenhaus von Raccoon City, Colorado, bringen. Schnell wird der scheinbar harmlose Auftrag für ihn zu einem Kampf ums Überleben. Zuerst wird er von einer bisswütigen, spärlich bekleideten, anscheinend nicht sterblichen Frau verfolgt. Dann von einem ebenso bisswütigem tollwütigem Hund. Und das ist erst der Anfang.

Bryan ist dabei ein leicht schluffiger Normalo mit einer schwangeren Freundin und aus Computerspielen stammender Kampferfahrung. Die hilft ihm allerdings nur bedingt, weil eine Waffe in einem Spiel anders reagiert als in der Realität und eine Pistole zuerst entsichert werden muss.

Cregger bleibt während des gesamten Films bei Bryan. Wir sehen und wissen nur, was er sieht und weiß. Er ist ein Mann, der in eine Situation gerät, die ihn hoffnungslos überfordert und in der er nur noch reagieren kann. Das gelingt ihm mal besser, mal schlechter und sorgt für einige Lacher, wenn er von allen möglichen Entscheidungen die dümmste Entscheidung trifft oder er auf von der Situation ähnlich überforderte, panisch agierende Menschen trifft, die kurz darauf Zombiefutter sind.

Cregger erzählt seine bekannte Bilder und Motive recyclende B-Movie-Geschichte in schlanken neunzig Minuten, ohne störende Subplots und ohne Zeitsprünge. Es ist eine simple „Man on a mission“-Geschichte. Bryan wird die Tasche abliefern. Niemand wird ihn daran hindern, seinen Auftrag zu erfüllen. Schon gar nicht irgendwelche Zombies.

Resident Evil (Resident Evil, Deutschland/USA 2026)

Regie: Zach Cregger

Drehbuch: Zach Cregger, Shay Hatten

mit Austin Abrams, Zach Cherry, Kali Reis, Paul Walter Hauser, Johnno Wilson

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Resident Evil“

Moviepilot über „Resident Evil“

Metacritic über „Resident Evil“

Rotten Tomatoes über „Resident Evil“

Wikipedia über „Resident Evil“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Resident Evil: The Final Chapter“ (Resident Evil: The Final Chapter, USA 2016)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ (Welcome to Raccoon City, USA/Deutschland/Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Zach Creggers „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ (Weapons, USA 2025)


Neu im Kino/Filmkritik: „Pressure“ – Wie wird das Wetter am D-Day?

September 17, 2026

Wie wird das Wetter am Dienstag? Heute konsultieren wir verschiedene Wetter-Apps, sind danach maximal verwirrt und packen vorsichtshalber die Regenjacke und die Badehose ein. Früher war die Wettervorhersage die letzte Möglichkeit für eine Pinkelpause vor dem „Tatort“.

Und noch früher, nämlich 1944, war das eine für eine militärische Operation entscheidende Frage. Sollte die Operation Neptune als Teil der Operation Overlord, also die Landung der Alliierten in der Normandie, die heute bekannter als D-Day ist, am 5. Juni stattfinden?

Die Entscheidung darüber traf natürlich US-General Dwight D. Eisenhower. Er gab den Einsatzbefehl.

Über das Wetter stritten der britische Chefmeteorologe Captain James Stagg und sein US-amerikanischer Kollege Irving P. Krick. Krick war damals Eisenhowers Meteorologe. Ihre Prognosen beruhten auf verschiedenen Methoden. Außerdem war Stagg mit den Besonderheiten des regionalen Wetters vertraut. Aber würde er das Wetter am Tag der geplanten Invasion besser vorhersagen? Wem würde Eisenhower vertrauen? Oder können die beiden Meteorologen sich auf eine Prognose einigen?

Diesen Streit zeigt Regisseur Anthony Maras ausführlich und bis ins letzte Wetterdatendetail in seinem Film „Pressure“ – und was vollkommen langweilig klingt, ist hochspannendes, prächtig ausgestattetes Schauspielerkino. Es handelt sich erkennbar um eine Prestigeproduktion mit Stars – Andrew Scott als James Stagg, Brendan Fraser als Dwight D. Eisenhower, Chris Messina als Irving P. Krick, Kerry Condon als Kay Summersby und Damian Lewis als Bernard Montgomery –, Statisten und einer verschwenderischen Ausstattung. So betritt James Stagg am Filmanfang nicht einfach sein neues Büro. Stattdessen begleitet ihn die Kamera auf dem ganzen Weg von der Eingangspforte, durch das riesige Zeltlager, in dem die Soldaten campieren und ihre Freizeit verbringen, durch die Eingangshalle von Southwick House (gedreht wurde in Mentmore Towers), in der Hunderte an Schreibtischen arbeiten, die Treppe hoch durch einige Gänge bis hin zu den Räumen, in denen die Meteorologen die Wetterdaten analysieren.

Und schon sind wir im Zentrum des Konflikts: zwei Männer mit gegensätzlichen Ansichten über ein zukünftiges Ereignis und ein Mann, der entscheiden muss, welcher Meinung er vertraut.

Maras konventionell inszeniertes Drama basiert auf einem von David Haig geschriebenem Theaterstück und, egal, wie man es dreht und wendet, solange man sich auf Stagg als den Protagonisten der Geschichte konzentriert, bleibt es eine reduzierte, in einigen wenigen Räumen spielende Geschichte, in der Meteorologen sich über Wetterdaten streiten und weitere Daten anfordern. Maras zeigt dann auch in kurzen Sznen, wie mühsam die Gewinnung dieser Daten war. Und selbstverständlich gibt es einige Bilder von kämpfenden und sterbenden Soldaten.

„Pressure“ erzählt nur die Fußnote einer Fußnote. Aber hochspannend. Auch wenn man das Datum des D-Days kennt.

Pressure (Pressure, Großbritannien 2026)

Regie: Anthony Maras

Drehbuch: David Haig, Anthony Maras (basierend auf dem Theaterstück von David Haig)

mit Andrew Scott, Brendan Fraser, Kerry Condon, Chris Messina, Damian Lewis

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Moviepilot über „Pressure“

Metacritic über „Pressure“

Rotten Tomatoes über „Pressure“

Wikipedia über „Pressure“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Ein „Runner“, eine Quasselstrippe, ein begehrtes Paket und fertig ist die Actionsause

September 17, 2026

In Australien in Queensland schiebt Ex-Navy-SEAL Hank Malone (Alan Ritchson) eine ruhige Kugel als Kurier. Er befördert Dinge von einem Ort zu einem anderen Ort. Und er will keinen Ärger. Seine frühere Arbeit erklärt, woher er all die Kompetenzen hat, die er benötigt, als seine jüngste Kurierfahrt – den medizinischen Kurier Ben Bishop (Owen Wilson) vom Flughafen zu einer Klinik fahren – vollkommen aus dem Ruder läuft. Denn irgendjemand will das für ein siebenjähriges Mädchen überlebenswichtige Organ haben und er verfügt über eine Armee schießwütiger, gewalt- und sterbebereiter Muskelprotze.

Aber – erstens – Aufträge werden erfüllt, – zweitens – Hank hat beeindruckende Muskeln, die trainiert werden müssen, und – drittens – …steht das so im Drehbuch für Scott Waughs sich durchgängig in vertrauten Bahnen bewegenden Buddy-Actionkomödie „Runner“.

Hank und Ben sind zwei vollkommen gegensätzliche Charaktere, die sich im Lauf des Films näherkommen. Die reichhaltig vorhandene Action ist ganz ordentlich inszeniert. Die Comedy-Elemente sind eher nervig. Die Überraschungen sind nicht wirklich überraschend. Die hauchdünne Story hält das alles okay zusammen. Und die Laufzeit von etwas über neunzig Minuten ist genau die richtige Länge für diese Art von Filmen.

Am Ende glaubt man, die inoffizielle Vorgeschichte für die in Südfrankreich spielenden „Transporter“-Filme mit Jason Statham als wortkargen, schlagkräftigen Kurier Frank Martin gesehen zu haben.

Alan Ritchson, der als Jack „Reacher“ bekannt und beliebt wurde, fungiert hier als Ersatz für den schon erwähnten Jason Statham und Gerard Butler. Beide sind bessere Schauspieler, die solche durchgehend durchschnittlichen Filme auf ein etwas besseres Level heben können.

So bleiben bei dieser generischen Buddy-Actionkomödie nur die Actionszenen und die Landschaft. Und die Freude, dass so eine Actionkomödie im Kino gezeigt wird.

Runner (Runner, USA 2026)

Regie: Scott Waugh

Drehbuch: Miles Hubley, Tommy White

mit Alan Ritchson, Owen Wilson, Rodrigo Santoro, Leila George, Kate Box, Peta Sergeant, Cecilia Toussaint, Geraldine Hakewill, Goran D. Kleut, Scarlett Crabtree

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Runner“

Metacritic über „Runner“

Rotten Tomatoes über „Runner“

Wikipedia über „Runner“ 

Meine Besprechung von Scott Waughs „Act of Valor“ (Act of Valor, USA 2012)

Meine Besprechung von Scott Waughs „Need for Speed“ (Need for Speed, USA 2013)

Meine Besprechung von Scott Waughs „The Expendables 4“ (Expend4bles, USA 2023)


TV-Tipp für den 17. September: Kneecap

September 16, 2026

ZDF, 00.45

Kneecap (Kneecap, Großbritannien/Irland 2024)

Regie: Rich Peppiatt

Drehbuch: Rich Peppiatt

TV-Premiere. Rotzfreches Biopic über die nordirische Hip-Hop-Gruppe „Kneecap“. Mehr oder weniger wahr, aber immer saukomisch.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Naoise Ó Cairealláin, Liam Óg Ó Hannaidh, JJ Ó Dochartaigh, Josie Walker, Fionnuala Flaherty, Jessica Reynolds, Adam Best, Simone Kirby, Michael Fassbender

Hinweise

Moviepilot über „Kneecap“

Metacritic über „Kneecap“

Rotten Tomatoes über „Kneecap“

Wikipedia über „Kneecap“ (deutsch, englisch) und Kneecap (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Rich Peppiatts „Kneecap“ (Kneecap, Großbritannien/Irland 2024)

Homepage von Kneecap

Allmusic über Kneecap

 


Verfilmte Bücher: Daniel Kraus: Whalefall – Im Wal gefangen

September 16, 2026

Die Verfilmung startet am 15. Oktober – und auch ich kenne bislang nur die für Gespräche sorgenden und neugierig machenden Trailer. Die Bilder versprechen, dass der Film sich an die Vorlage hält.

In dem Roman wird Jay Gardiner bei einem herausforderndem, aber eigentlich ungefährlichem Tauchgang, wenige Meter vor der kalifornischen Küste, von einem Pottwal verschluckt. Der Siebzehnjährige hat Sauerstoff für eine Stunde. Er beginnt um sein Überleben zu kämpfen.

Der Grund für den Tauchgang im Pazifik in der Nähe von Monterey ist, dass er Mitt Gardiners Leiche, oder was nach einem Jahr von ihr übrig ist, finden will. Sein Vater Mitt war unheilbar an Krebs erkrankt und verübte Suizid. Er war zeitlebens ein begeisterter Taucher, eine Legende in dem Ort, ein Hallodri mit starken Überzeugungen, atemberaubend vielen Jobwechseln und ein strenger Lehrer, der eine traditionelle Form des Tauchens verfocht. Alles, was auch nur im Ansatz nach moderner Technik aussah, lehnte er vehement ab.

Jay will mit dem Tauchgang beweisen, dass er ein Mann ist und so den Respekt der örtlichen Tauchergemeinschaft erlangen.

Im Bauch des Wals erinnert Jay sich an die Ratschläge, Lebensweisheiten und Lehrstunden, die er als Kind von seinem Vater erhielt. Ob sie ihm helfen, aus dem Bauch des Wals zu entkommen?

Daniel Kraus erzählt die einfache Überlebensgeschichte konstant zwischen der Gegenwart im Bauch des Wals und Jays Erinnerungen an sein bisheriges Leben wechselnd in extrem kurzen Kapiteln. Ein vierseitiges Kapitel erscheint als lang. Die kurzen Kapiteln, in denen immer etwas passiert, treiben die Geschichte voran.

„Whalefall – Im Wal gefangen“ ist ein spannender Thriller, die psychologisch stimmige Geschichte einer komplexen und unguten Sohn-Vater-Beziehung und eine kleine Lehrstunde in Wal- und Tauchkunde. Denn, so Kraus in seiner Danksagung, er bemühte sich um größtmögliche Faktentreue. Einiges ist noch nicht erforscht, aber insgesamt ist die Geschichte möglich.

Bei uns dürfte Daniel Kraus vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Guillermo del Toro bei „The Shape of Water“ und „Trollhunters“ und mit George A. Romero bei „The Living Dead“ bekannt sein.

Daniel Kraus: Whalefall – Im Wal gefangen

(übersetzt von Claudia Rapp)

Festa, 2024

416 Seiten

24,99 Euro (gebundene Ausgabe)

16,99 Euro (Taschenbuch)

–

Originalausgabe

Whalefall

MTV Books, 2023

–

Die Verfilmung

Whalefall (Whalefall, USA 2025)

Regie: Brian Duffield

Drehbuch: Brian Duffield, Daniel Kraus

LV: Daniel Kraus: Whalefall, 2023 (Whalefall)

mit Austin Abrams, Josh Brolin, Elisabeth Shue, John Ortiz, Jane Levy, Emily Rudd

Kinostart: 15. Oktober 2026

–

Hinweise

Festa über den Roman

Homepage von Daniel Kraus

Wikipedia über Daniel Kraus und „Whalefall“ (Buch; Film: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guillermo del Toro/Daniel Kraus‘ „The Shape of Water“ (The Shape of Water, 2018) (Roman zum Film)


TV-Tipp für den 16. September: Two Lovers

September 15, 2026

Arte, 20.15

Two Lovers (Two Lovers, USA 2008)

Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray, Rick Menello

Nicht der Plot (eigentlich ein 08/15-Liebedrama: Leonard lebt, nach mehreren Selbstmordversuchen, wieder in seinem Jugendzimmer. Seine Eltern wollen ihn mit Sandra verkuppeln. Aber er ist in Michelle verliebt.), sondern die Machart ist entscheidend. Und die stimmt bei „Two Lovers“.

Denn „Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme „Little Odessa“, The Yards – Im Hinterhof der Macht“ und „Helden der Nacht“ hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton (Das gilt auch für seine späteren Filme.). Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte die 50-minütige Doku „James Gray – Filmemacher in Zeiten des Umbruchs“ (Frankreich 2024) und um 22.50 Uhr die 55-minütige Doku „Joaquin Phoenix – Schauspieler der Extreme“ (Deutschland 2023).

mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Two Lovers“

Wikipedia über “Two Lovers” (deutsch, englisch)

IndieWire: Interview mit James Gray über “Two Lovers”

Meine Besprechung von James Grays „Two Lovers“ (Two Lovers, USA 2008)

Meine Besprechung von James Grays „Die versunkene Stadt Z“ (The lost City of Z, USA 2016)

Meine Besprechung von James Grays „Ad Astra: Zu den Sternen“ (Ad Astra, USA 2019)

Meine Besprechung von James Grays „Zeiten des Umbruchs“ (Armageddon Time, USA 2022)


Cover der Woche

September 15, 2026

Eine Sachbuch-Empfehlung.


TV-Tipp für den 15. September: Tax me (if you can!)

September 14, 2026

Arte, 20.15

Tax me (if you can!) (Frankreich 2026)

Regie: Thomas Lafarge

Drehbuch: Thomas Lafarge

Zweiteilige Doku (insgesamt 95 Minuten) über die immer reicher werdenden, kaum bis keine Steuern zahlenden Superreichen und die Menschen, die etwas dagegen unternehmen wollen. 

Hinweis

Arte über die Doku