Berlin wählt: Ihr fragt – Politik antwortet!: Die junge Wahlarena
Am 20. September wählt Berlin sein neues Abgeordnetenhaus (aka Landtag). Das Rennen ist knapp (nach den aktuellen Umfragen wird es eine Dreier-Koalition geben) und es gibt keinen eindeutigen Favoriten.
In der heutigen Wahlarena stehen die Fragen der ErstwählerInnen im Mittelpunkt. Beantwortet werden sie von Niklas Schenker (Die Linke), Klara Schedlich (Bündnis 90/Die Grünen), Tamara Lüdke (SPD), Lucas Schaal (CDU), Alexander Bertram (AfD) und Alina Lindemann (BSW). Sie sind alle jünger und sitzen fast alle derzeit im Abgeordnetenhaus.
Eines Tages ist Rabias Schule geschlossen. Es heißt, ihr Lehrer sei von einem Dschinn besessen. Während ihre Klassenkameraden im ländlichen Pakistan die freie Zeit genießen, will die zehnjährige Rabia herausfinden, warum die Schule geschlossen wirklich geschlossen wurde. Sie glaubt die Geschichte von dem Geist nicht.
Sie hört sich um, besucht die verschiedenen Menschen, die etwas mit der Schließung der Schule zu tun haben oder zu tun haben könnten. Bei ihrer Suche erfährt sie einiges über eine Gesellschaft zwischen Aberglaube, Tradition und Moderne und die alles beherrschenden patriarchalen Strukturen. Es sind Strukturen, die Bildung für Frauen nicht vorsehen.
Diese Suche strukturiert Regisseurin Seemab Gul in ihrem Spielfilmdebüt als klassische Ermittlungsgeschichte mit Rabia als neugieriger Ermittlerin, die auch in eine für sie fremde Welt eintaucht und geduldig eine Spur nach der nächsten verfolgt. Das ist bis zu Beginn des letzten Drittels, also nachdem Rabia das Ergebnis ihrer Recherche und die Erklärung für die Schließung der Schule präsentiert, ein sehr gelungenes, dicht erzähltes Drama, das das mit einer sympathisch-neugierigen Protagonistin tief in eine für uns fremde Welt eintaucht. Danach zerfleddert die Geschichte.
Das macht „Ghost School“ zu einem uneinheitlichem Film.
Drama über ein karrieresüchtiges Fotomodell, das in den Sechzigern in London nach oben will und dafür bedenkenlos Männer verführt, die ihr dabei helfen können.
Damals erhielt Schlesingers SW-Charakterstudie viele Preise und machte Julie Christie zum Star.
1999 wählte das British Film Institute in seiner Liste der besten britischen Filme aller Zeiten „Darling“ auf den 83. Platz.
Das Lexikon des Internationalen Films urteilte zum Filmstart: „Formal beachtlicher, in der Darstellung des karrieresüchtigen Luders durch Julie Christie faszinierender Film, der in seiner kritischen Tendenz aber unklar bleibt.“
mit Julie Christie, Laurence Harvey, Dirk Bogarde, Roland Curram, José Luis De Villalonga
Porträt einer dysfunktionalen, zur gehobenen römischen Mittelschicht gehörenden Familie in den siebziger Jahren, das trotzt guter Momente in seine Einzelteile zerfällt.
Es ist ein Biopic, aber weil ja einige darüber gemeckert haben sollen, dass Kritiker in ihren Besprechungen über „Titanic“ verrieten, dass das Schiff untergeht (Uups, das hast du nicht gewusst?), beginne ich mit einer Spoilerwarnung für alle, die nichts über Christy Martin wissen. Wer etwas über sie weiß, wird feststellen, dass ich nicht alles, eigentlich fast nichts, verrate.
Beim Boxen fühlt Christy Martin sich lebendig. Außerdem erhält sie Geld, wenn sie siegt. Für die aus ärmlichen Verhältnissen kommende Tochter eines Bergarbeiters sind das zwei unbestreibare Pluspunkte. Dass Frauenboxen damals – wir reden von den späten achtziger Jahren – nicht ernstgenommen wurde, stört sie nicht. Sie trainiert hart, kämpft sich nach oben, gewinnt im Ring während ihrer professionellen Laufbahn fast alle Kämpfe, ist im April 1996 die erste Boxerin auf dem Cover von „Sports Illustrated“ und das Gesicht des in den neunziger Jahren in den USA zu einem lukrativen Geschäft werdendem Frauenboxen.
In seinem in den USA grandios geflopptem Biopic „That’s why the Lady is a Champ“ (Originaltitel: „Christy“) erzählt David Michôd („War Machine“) ihren Weg von ihrem ersten Kampf 1989 bis 2010, als ihr Ehemann und Trainer sie umbringen will.
Dabei hakt Michôd weitgehend chronologisch die wichtigen Stationen und Begegnungen in ihrem Leben ab. Er spricht vieles an: das Boxgeschäft in all seinen Facetten, Sexismus, Gewalt in der Ehe, gleichgeschlechtliche Liebe, Bigotterie, Spielsucht, gewalttätige und schlechte Familienbeziehungen. In dem Film ist alles drin, weil es Teil von Christy Martins Leben ist.
Was fehlt ist eine über die Chronologie eines Wikipedia-Artikels hinausgehende Struktur. So kämpfte, wie das Tennis-Biopic „Battle of the Sexes“ (USA 2017) eindrucksvoll zeigt, die Tennisspielerin Billie Jean King in den frühen siebziger Jahren um höhere Preisgelder für Tennisspielerinnen. Ihre Preisgelder lagen deutlich unter denen der Männer. Dieser Kampf um gleiche Bezahlung zieht sich durch das gesamte Biopic und macht das überaus pointierte Biopic auch für Menschen, denen Tennis egal ist, sehenswert. In „That’s why the Lady is a Champ“ muss Christy Martin mehrere Kämpfe, beruflich und privat, durchfechten. Aber welches der wichtigste Kampf ist, bleibt lange diffus. Am Ende ist es der Kampf gegen ihren Trainer (der sie zuerst nicht trainieren wollte, weil Frauen nicht boxen können), der später ihr Ehemann und Buchhalter wird, ihr Geld verzockt und immer herrischer wird. Bis er sie umbringen will.
Ben Foster, unter der Maske kaum erkennbar, spielt Christys Mann Jim Martin betont unsympathisch.
Sydney Sweeney spielt Christy Martin mit einem festen Blick auf eine Oscar-Nominierung. Für die Rolle nahm sie einige Pfund zu, trug eine potthässliche Frisur und zog körperverhüllende Klamotten an. Sie tat alles, um im Film möglichst unattraktiv zu erscheinen. Gleichzeitig brüllt sie einen in jeder Sekunde des Biopics an, dass das ihre Oscar-Rolle ist und dass sie fortan nicht nur wegen ihres Aussehens, sondern auch als Schauspielerin wahrgenommen werden möchte.
That’s why the Lady is a Champ (Christy, USA 2025)
Regie: David Michôd
Drehbuch: Mirrah Foulkes, David Michôd (nach einer Geschichte von Katherine Fugate)
mit Sydney Sweeney, Ben Foster, Merritt Wever, Katy O’Brian, Ethan Embry, Jess Gabor, Chad Coleman, Bryan Hibbard, Tony Cavalero, Gilbert Cruz
Es sind nur wenige Tage, ein Besuch in der alten Heimat mit einigen Begegnungen, öffentlichen Auftritten und Erinnerungen. Denn auch wenn nichts „Besonderes“ passiert, ist es eine besondere Reise. 1949, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, besucht Thomas Mann mit seiner Tochter Erika Deutschland. Den West- und Ostteil des Landes, aus dem der Literaturnobelpreisträger 1933 vor den Nazis zuerst in die Schweiz und 1938 in die USA floh. Von dort aus schrieb er Texte gegen den Faschismus. Jetzt wird er in Deutschland als große Autorität angesehen. Als ein Mann, der für die Deutschen ein moralischer Kompass sein kann. Aber will er das? Wollen die Deutschen hören, was er sagt? Oder wollen sie nicht einfach nur eine Absolution erhalten? Überleben die hohen Erwartungen der Deutschen die Begegnung mit Thomas Mann?
Wer Manns Biographie kennt und wer auch die Biographien von anderen Heimkehrern kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kennt (so kehrte Peter Lorre 1950 zurück, drehte den Film „Der Verlorene“, war von der Reaktion des Publikums darauf tief enttäuscht und verließ Deutschland im Dezember 1951 für immer.), weiß, wie absehbar ernüchternd diese Begegnung verläuft. Denn Mann konnte und wollte nicht die erwartete Absolution erteilen.
Pawel Pawlikowski verfilmte jetzt in seinem neuesten Film „Vaterland“ diese Reise fiktionalisiert in SW, im 1.33:1-Format und in langen, kargen Szenen. Es ist der sofort wiedererkennbare Stil, den er in seinen letzten Filmen etablierte und perfektionierte. Das macht „Vaterland“ zu einem cineastischen Genuss und Schauspielerkino. Hanns Zischler und Sandra Hüller übernahmen die Rollen von Thomas Mann und seiner Tochter Erika, die seine Tochter, seine Fahrerin und seine Sekretärin ist. Sie organisiert alles, damit der Großliterat nur noch die Bühne betreten muss.
Die anderen bekannten Schauspieler, unter anderem August Diehl, Devid Striesow, Joachim Meyerhoff, Fritzi Haberlandt und Milan Peschel, haben meist nur einen Auftritt. Der ist dafür prägnant.
Die Frage nach Fremdheit und Zugehörigkeit, nach Ansprüchen von Außen und dem Umgang damit, die Pawlikowski vor zerbombter und kaum wiederaufgebauter Kulisse stellt, sind zeitlos aktuell.
Mit insgesamt 82 Minuten ist „Vaterland“, wie Pawlikowskis vorherige hochgelobte Dramen „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“ und „Ida“, sehr kurz. Aber es ist genau die Zeit, die der präzise verdichtete, zum Nachdenken anregende Film mit seinen im Gedächtnis bleibenden Bildern braucht.
Celeste (Adria Arjona) war beim Militär und genoss die Ausbildung, die dort Soldaten erhalten, die sich später in Action- und Horrorfilmen gegen skrupellose Bösewichter beweisen müssen. Jetzt lebt sie in der Wüste in einem abgeranztem Trailerpark, kuriert ihre Kriegstraumata aus und arbeitet dort als Mädchen für alles. Sie ist geschieden, aber weil ihr Ex-Mann gerade mit etwas wichtigerem beschäftigt ist, muss sie jetzt außerplanmäßig auf ihre Tochter aufpassen.
In dem Moment weiß sie noch nicht, dass die letzten friedlichen Stunden des Tages sind. In einem nahe gelegenem Militärlabor experiment Dr. Hans Kammler (Dan Stevens) mit Leichenteilen und der DNA von Soldaten herum. Eine Demonstration seiner unbesiegbaren Soldaten auf dem streng gesichtertem Gelände läuft aus dem Ruder. Am Ende sind die Gäste, denen er seine Erfindung vorführen wollte, tot, das geheime Labor zerstört und die drei Super-Soldaten machen sich auf den Weg in Richtung Trailerpark.
Auf dem Weg liegende Gebäude zerstören sie. Menschen töten sie – und wenn doch einmal ein Mensch die Begegnung mit den Super-Soldaten überlebt, ist ein durchgeknallter von der Regierung beauftragter Jäger vor Ort. Er verwischt alle Spuren. Auch wenn er dafür wahrscheinlich ultra-patriotische US-Amerikaner töten muss. Seinen ersten Auftritt im Film hat er als Kunde eines SM-Bordells. Für die Filmgeschichte ist es egal, aber Regisseur Adam Wingard kann in dem Moment etwas nackte Haut und Leder zeigen und so auf die siebziger Jahre mit Filmen wie „Der Nachtportier“ und unzählige schlechtere Folgefilme, anspielen.
Adam Wingard begann vor fast zwanzig Jahren als Teil der Mumblecore-Bewegung. Bekannt wurde er als Horrorfilmregisseur. Zuletzt inszenierte er die Blockbuster „Godzilla vs. Kong“ und „Godzilla x Kong: The New Empire“. Mit „Onslaught“ geht es wieder zurück zu einem deutlich günstigerem Film, der gar nicht das große Publikum ansprechen will und der in der Welt seiner früheren Filme „You’re next“ und „The Guest“ spielt. Der Verleih bewirbt „Onslaught“ als Horror-Actionslasher. Sie hätten ihn auch als Grindhouse-Hommage verkaufen können. Stilistisch und erzählerisch orientiert Wingard sich am Actionfilm der achtziger und auch siebziger Jahre. Da ist der Bösewicht ein durchgeknallter Forscher, der in der Originalfassung deutsch redet (ein Gag, der in der deutschen Fassung nicht funktioniert). Das US-Militär investiert skrupellos in Menschenexperimente und wenn die Supersoldaten sich dann durch das menschenleere Hinterland morden, erinnern sie an Roland Emmerichs „Universal Soldier“. Ein anderer Bezugspunkt ist das Frühwerk von John Carpenter; vor allem „Assault – Anschlag bei Nacht“ (Assault on Precinct 13).
Zwischen den Bildern gibt es, auch weil die Super-Soldaten anfangs an Abu-Ghraib-Gefangene erinnern und später, wenn sie bevorzugt im Gegenlicht, aber mit bedrohlich leuchtenden Augen, gezeigt werden, wie Invasoren aussehen, etwas Systemkritik. Eine auch nur irgendwie tiefergehende Analyse findet natürlich nicht statt. Das erwartet niemand ernsthaft und es würde von den liebevoll ausgestatteten blutigen Actionszenen dieses klischeetriefenden B-Movies ablenken.
Das klingt jetzt nach einem großen Spaß für den B-Movie-Fan. Aber Wingard klatscht Szenen, Motive und, zugegeben, gut aussehende Bilder einfach so hintereinander bis er neunzig Filmminuten zusammen hat. Das kann natürlich als Hommage an die 80er-Jahre-B-Actionfilme, die ihre Heimat irgendwo zwischen Autokino und Videothek fanden, verstanden werden. Besser macht es die aus der Zeit gefallene Liebeserklärung „Onslaught“ nicht.
Onslaught (Onslaught, USA 2026)
Regie: Adam Wingard
Drehbuch: Simon Barrett (nach einer Geschichte von Adam Wingard und Simon Barrett)
mit Adria Arjona, Dan Stevens, Alex Pereira, Drew Starkey, Rebecca Hall
Es geht um zwei ziemlich doofe Juwelenräuber, die auf ihrer Flucht notgedrungen (ihr auf einem Behindertenparkplatz abgestelltes Fluchtauto wurde abgeschleppt und die Polizei riegelt das Viertel ab) und zufällig (ein abfahrbereiter Reisebus wartet noch auf einen weiteren Mitreisenden) in einer Behinderten-Reisegruppe untertauchen. Mit ihnen fahren sie für einige Tage in die Berge.
Während das Original, auch kein Meisterwerk feinsinniger Komödie, sondern eher in Richtung Klamauk gehend, gut für einige herzhafte Lacher ist und der inclusive Cast mit der Lust an Grenzüberschreitungen dem Affen ordentlich Zucker gibt, ist davon im Remake nichts mehr übrig. Marc Rothemund („Wochenendrebellen“, „Ein fast perfekter Antrag“) wiederholt die Witze aus dem Original ohne irgendein Gefühl für Timing oder Pointenaufbau. Die bereits aus anderen Filmen bekannten Schauspielern mit Beeinträchtigungen langweilen. Sie scheinen nur noch ein aus vorherigen Filmen erprobtes Programm abzuspulen. Verantwortlich dafür sind nicht sie, sondern das alle unterfordernde Drehbuch und die Inszenierung.
Anstatt sich dieses durchgehend langweilige, witzlose, gut gemeinte und vollkommen überflüssige Remake anzusehen, sollte man sich das in jeder Beziehung deutlich bessere Original „Was ist schon normal?“ ansehen.
Das gewisse Etwas (Deutschland 2026)
Regie: Marc Rothemund
Drehbuch: Murmel Clausen (basierend auf „Un p’tit truc en plus“ von Artus, Clément Marchand und Milan Mauger)
mit Max von der Groeben, Mala Emde, Florian Lukas, Jasmin Schwiers, Lorenzo Germeno, Frangiskos Kakoulakis, Antonia Riët, Simon Rupp, Natalie Kim Lehmann, Jan Bobke, Ferdinand Kuner, Linn Bade, Timon Heinzl, Luca Davidhaimann, Paul Kögler, Dieter Landuris, Bettina Mittendorfer, Johannes Berzl
James Bond: Spectre (Spectre, USA/Großbritannien 2015)
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: John Logan, Neal Purvis, Robert Wade, Jez Butterworth
LV: Charakter von Ian Fleming
James Bond will die geheimnisvolle Verbrecherorganisation Spectre zerstören. Sein Gegner ist dabei Franz Oberhauser. Sie haben sich schon als Kinder gekannt.
Nach dem grandiosen „Skyfall“ enttäuschte „Spectre“, der sich mehr um einen überflüssigen Bohei um den Namen des Bösewichts als um ein schlüssiges Drehbuch kümmert. Am Ende ist „Spectre“ der halbherzige Versuch, einen klassischen James-Bond-Film zu inszenieren.
mit Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Ben Whishaw, Naomie Harris, Dave Bautista, Monica Bellucci, Ralph Fiennes, Andrew Scott, Rory Kinnear, Jesper Christensen, Stephanie Sigman
Nach vierzehn Jahren kehrt Hein (Paul Boche) zurück in seine alte Heimat: ein auf einer Nordseeinsel gelegenes, von der Welt abgeschiedenes Dorf. Aber dort erkennt ihn niemand. An Ereignisse, von denen er erzählt, erinnern die Dörfler sich ganz anders. Um Herauszufinden, ob Hein Hein ist, wird ein Dorfgericht abgehalten.
Interessant ist „Der Heimatlose“ nicht wegen seiner Geschichte, sondern wegen seiner Inszenierung. Die Geschichte ist absolut vorhersehbar und insgesamt erschreckend überraschungsfrei. Jedes weitere Wort würde sie vollkommen spoilern.
Aber die Inszenierung. Kai Stänicke lässt sein Spielfilmdebüt in einer absolut künstlichen Welt spielen. Es ist unklar, wann genau die Geschichte spielt. Sie dürfte irgendwann zwischen dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts und den sechziger Jahren spielen; also in einer Zeit, in der die Zeichen der Industrialisierung auch auf einer Insel sichtbar sind, aber die Moderne mit Telefonen und Fernsehern auf dies einsam gelegenen Insel noch nicht angekommen ist. Es wird in einer überdeutlichen und sehr künstlichen Theatersprache gesprochen. Die Geschichte spielt in einer Kulissenwelt. Und das ist wörtlich zu verstehen. Stänicke baute kein Dorf auf, sondern er stellt, wie in einer Kulissenstadt nur einige Kulissen auf. Da besteht ein Haus nur aus der vorderen Fassade. Küche und Schlafzimmer wurden dahinter errichtet, aber ohne Wände. Kein Haus hat ein Dach. Alles wurde am Strand gedreht.
Das verleiht dem „Heimatlosen“ seinen besonderen Touch. In dieser Welt wird dann über Identität, Fremd- und Eigenwahrnehmung, Zugehörigkeit und auch Entfremdung verhandelt.
Allerdings bleibt die Open-Air-Kulisse im Wesentlichen ein Gimmick, der während der Dreharbeiten in der Buchhaltung wahrscheinlich für schlaflose Nächte sorgte. Anstatt in einer ebenso künstlichen Theaterwelt, also auf einer klar erkennbaren Bühne in einem Studio zu drehen, wurde der gesamte Film am Strand gedreht. Jede Drehminute waren die Macher den Unberechenbarkeiten des Wetters ausgesetzt. Jeder Wetterumschwung konnte den Drehplan über den Haufen werfen. Jede Spur von Fahrzeugen und Menschen musste vor dem Dreh aus dem Bild gekehrt werden.
Das Ergebnis ist in seiner Einzigartigkeit ziemlich überzeugend.
Der Heimatlose (Deutschland 2026)
Regie: Kai Stänicke
Drehbuch: Kai Stänicke
mit Paul Boche, Philip Froissant, Emilia Schüle, Stephanie Amarell, Aaron Hilmer, Irene Kleinschmidt, Jeanette Hain, Julika Jenkins, Sebastian Blomberg, Margarita Broich
Früher machten sie in der Experimentalfilmgruppe „Les enfants terrible“ Kunst. Später zerstritten sie sich. Als sie sich jetzt wieder treffen, lädt Charlotte (Lilith Stangenberg) Helena (Mücke) und Oskar (Chang Wang) zu einem Urlaub nach Palermo ein. Im Gegensatz zu den völlig verarmten Undergroundkünstlern Helena und Oskar verdient Charlotte als Schauspielerin Geld.
Vor Ort entschließen sie sich, einen Film zu drehen irgendwo im Bermuda-Dreieck von Avantgarde und Dilletantismus. Die kryptische Story über die männermordende Serienmörderin Demenzia ist reinster Pulp – und die Grenze zwischen Film und Realität werden konsequent ignoriert.
Arthaus, Experimentalfilm, Underground, John Waters, Rosa von Praunheim, DIY, gedreht in einer knappen Woche auf Palermo auf Super 8 mit einem erkennbar kleinem Budget, liebenswert amateuhaft, dilettantisch – und dann gibt es immer wieder Bilder, die zeigen, dass Brezel Göring, die überlebende Gründungshälfte von „Stereo Total“, seine Vorbilder und Inspirationsquellen kennt und weiß, was er tut. Die Gaga-Geschichte ist nur ein Abfolge von Sinneseindrücken, kurzen Referenzen an andere Filme und, in der richtigen Stimmung, viel Spaß.
Das ist wirklich ein Film von und für die Community, die sich schon an Brezels Musikvideos erfreute.
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Brezel Göring stellt seinen Film vor:
Mittwoch, 2. September, 20:00 Uhr: BERLIN Galiläa Kirche (Friedrichshain)
Donnerstag, 3. September, 20:30 Uhr: BERLIN Lichtblick
Samstag, 5. September, 20:30 Uhr: BERLIN Kino in der Brotfabrik
Dienstag, 15. September: LANDSHUT Kinoptikum
Mittwoch, 16. September: FRANKFURT DFF Frankfurt
Für immer 16 (Deutschland 2026)
Regie: Brezel Göring
Drehbuch: Brezel Göring (beruhend/basierend/inspiriert von einem Roman von Françoise Cactus)
mit Lilith Stangenberg, Chang Wang, Mücke, Twiggy Glouglou, Anton Garber
Songs of Gastarbeiter – Liebe, D-Mark und Tod (Deutschland 2022)
Regie: Cem Kaya
Drehbuch: Cem Kaya, Mehmet Akif Büyükatalay
„Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod“ (so der Kinotitel) ist ein fulminanter Überblick über sechzig Jahre Musik- und Integrationsgeschichte, die fast nie von der deutschsprachigen Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.
Es kann sein, dass eine für das Fernsehen gekürzte Fassung gezeigt wird. Im Kino dauerte die Doku 102 Minuten. Im Fernsehen ist sie als 90-minütiger Film angekündigt.
Beeindruckendes Biopic über die am 7. Februar 2005 in Berlin von ihrem Bruder erschossene Hatun Sürücü. Sie wurde von ihrer Familie ermordet, weil sie ein selbstbestimmtes Leben leben wollte.
Warum bin ich diese Woche mit den Filmkritiken so in Verzug? Meine Entschuldigung: Peter Heller lesen und, vor allem, Vorbereitungen, Nachbereitungen, letzte Details, Werbung und wieder Vorbereitung. Denn von der Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union gibt es Veranstaltungen (die nächste siehe unten) und eine Homepage zur Abgeordnetenhauswahl hier in Berlin am 20. September:
Am Dienstag, den 1. September 2026, diskutieren die Digitale Gesellschaft und die Humanistische Union Berlin-Brandenburg um 20.00 Uhr in der c-base (Rungestraße 20, 10179 Berlin, Nähe S/U-Bahnhof Jannowitzbrücke) im Rahmen des Netzpolitischen Abends mit Mitgliedern des Ausschusses für Inneres, Sicherheit und Ordnung des Berliner Abgeordnetenhauses über die künftige Innen- und Justizpolitik.
Als Gäste begrüßen wir
Vasili Franco, MdA · Bündnis 90/Die Grünen, Sprecher für Innenpolitik und Drogenpolitik
Stephan Lenz, MdA · CDU, Sprecher für Verfassungsschutz
Martin Matz, MdA · SPD, Innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion
Moderation: Axel Bussmer (HU), Tom Jennissen (Digitale Gesellschaft)
Mit ihnen reden wir über die Reform des Versammlungsfreiheitsgesetzes und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Polizeiarbeit.
2021 verabschiedete die damalige rot-rot-grüne Regierung das Versammlungsfreiheitsgesetz. Jedes Jahr profitieren in Berlin über 7.000 Demonstrationen davon. Im Frühjahr legte das Forschungsinstitut für Öffentliche und Private Sicherheit (FÖPS Berlin) der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) eine Evaluation des Gesetzes vor. Nach der Wahl wollen die Parteien das Gesetz ändern.
Soll der Begriff der „öffentlichen Ordnung“, der Verbote erleichtert, wieder in das Gesetz aufgenommen werden? Sollen rechtsextremistische Demonstrationen leichter verboten werden können? Oder soll noch einfacher demonstriert werden können? Wie soll mit Unklarheiten bei der Erhebung und Auswertung personenbezogener Daten umgegangen werden?
„Künstliche Intelligenz“ ist das aktuelle Buzzword. Auch bei der Verbrecherjagd, bei der Videoüberwachung und der Verhinderung von Straftaten soll KI helfen. So soll KI problematisches Verhalten auf öffentlichen Plätzen erkennen und die Polizei informieren, bevor es zu Verbrechen kommt.
Sicher habt ihr die Wahlplakate bemerkt, die Werbung gesehen und die Wahlbenachrichtigung erhalten: am 20. September wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Aber welche Partei setzt sich besonders für die Bürgerrechte ein?
Um das herauszufinden, haben wir von der Humanistischen Union, Landesverband Berlin-Brandenburg, wie zu den vorherigen Wahlen, umfangreiche Wahlprüfsteine erstellt.
Wir fragten die im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien – CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und die AfD – nach ihrer Meinung zu fünf wichtigen Themen der aktuellen und zukünftigen Innen- und Justizpolitik.
Wir wollen wissen, wie und wo nach deren Ansicht Künstliche Intelligenz bei der Verbrechensbekämpfung eingesetzt werden soll und wo nicht; wie die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl auf öffentlichen Plätzen erhöht werden kann; ob das ASOG, das hiesige Polizeigesetz, weiter geändert werden soll und was geändert werden soll; ob der Verfassungsschutz abgeschafft oder besser kontrolliert werden soll und wo im Strafvollzug dringender Reformbedarf besteht.
Die ausführlichen und lesenswerten Antworten der Parteien und die in wochenlangen Diskussionen erarbeiteten Positionen der HU zu den Fragen findet ihr hier: https://wahl26.berlin/
Auf der Seite findet ihr auch einige Informationen zu den im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien, zu unseren Veranstaltungen im Wahlkampf, die aufgezeichnet werden, und die vollständigen Antworten von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und der AfD auf unsere Fragen.
Das Thema ist wichtig. Das gewählte Genre ist gut geeignet, um es zu behandeln. Aber nicht so. Trotz guter Absichten scheitert „Staatsschutz“ auf ganzer Linie.
Es geht um die junge Staatsanwältin Seyo Kim (Chen Emilie Yan). Nach dem Studium hat sie jetzt eine Stelle in einer kleineren Stadt irgendwo in der ostdeutschen Provinz angenommen. Sie ist am Anfang ihrer Probezeit. Eines Tages wird sie vom Fahrrad gestoßen und ein Molotow-Cocktail auf die geworfen. Ihre Ermittlungen – teils von ihr gegen jede Dienstvorschrift durchgeführt – führen zu einer Verurteilung der Täter. Dabei deckt sie ein rechtsextremes, tief in den Staat hineinreichendes Netzwerk auf.
Soweit die Synopse von Faraz Shariats neuem Film „Staatsschutz“, entstanden nach einem Drehbuch von Claudia Schaefer und den Ko-Autoren Sun-Ju Choi und Jee-Un Kim. Die Geschichte ist von wahren Vorfällen inspiriert. Es geht um die bundesdeutsche Realität und alles soll nah an der Realität erzählt werden. So weit, so gut.
Für eine fiktionale Geschichte müssen die realen Ereignisse in eine Form gebracht werden. Und hier scheitert „Staatsschutz“. Das beginnt schon mit der Protagonistin. Anstatt einfach eine junge Staatsanwältin zu zeigen, die in einem Fall ermittelt, dabei auf das rechte Netzwerk stößt und gegen zunehmende Widerstände kämpfen muss, ermittelt sie in eigener Sache. Sie ermittelt in einem Fall, in dem sie das Opfer ist. Sie verstößt gegen ungefähr jede Dienstvorschrift und Verhaltensregel. Letztendlich tut sie alles, um den Fall zu sabotieren. Die Gerichtsverhandlung wirkt wie die Adaption einer in einem US-Thriller gesehenen Verhandlung, abzüglich all der Punkte, die die Verteidigung berechtigterweise gegen Kims Anklage vorbrächte.
Etliche Subplots werden nicht weitergeführt. Sie könnten ersatzlos gestrichen werden. Einmal wird Kim von Polizisten in ihrem Auto grundlos angehalten und bedroht. Die Dashcam-Aufnahmen benutzt sie nicht. Im Gefängnis wird sie wahrscheinlich – Shariat deutet es nur an – vergewaltigt. Für die weitere Geschichte ist diese Episode unerheblich. Während ihrer Ermittlungen isoliert Kim sich zunehmend. Das führt dazu, dass sie endlos lange schweigend auf eine fotogen an ihre Fenster geklebte Foto- und Dokumentenwand blickt und ebenso stumm etwas im Computer recherchiert. Was ist nicht erkennbar.
Erkennbar ist, dass jede Drehbuchregel, die aus dieser Langeweile einen in jedem Fall besseren Film gemacht hätte, ignoriert wird. Denn dann würde sie sich mit jemand über ihre Ermittlungen unterhalten. Dann würden nicht nur echte und möglicherweise vorhandene Fotos gezeigt werden, sondern die Verbindungen zwischen Nazis, Polizei und Justiz und das gesellschaftliche Umfeld könnten analysiert werden.
All diese massiven Drehbuchprobleme wären noch akzeptabel, wenn der Film anders enden würde. Das Gerichtsverfahren endet mit einer Verurteilung der Täter. Der Beamte vom Staatsschutz, der die Täter deckte, wird versetzt. Kim wird von ihren Vorgesetzten darauf hingewiesen, dass sie gegen Vorschriften verstieß. Folgen hat es keine. Wenn in dem Moment „Staatsschutz“ enden würde, könnte man sagen: das Justizsystem funktioniert und es ist innerhalb des Systems möglich, Verurteilungen von Rechtsextremisten zu erreichen. Vielleicht fällt die Strafe etwas gering aus, aber die Gesetze sind nun mal so.
Aber „Staatsschutz“ endet nicht in diesem Moment. Kim fährt weiter mit ihrem Auto durch die ostdeutsche Provinz und beginnt offensiv Nazis zu bedrohen. Sie wird zu einer Ein-Frau-Bürgerwehr und der Film endet mit einem, aus heiterem Himmel kommendem Aufruf zur Selbstjustiz.
Damit stellt „Staatsschutz“ sich nicht in die ehrenwerte Tradition aufklärerischer Polit-Thriller, wie „Im Labyrinth des Schweigens“ und „Der Staat gegen Fritz Bauer“ (um zwei neuere deutsche Bespiele zu nennen), „Spotlight“ und „The Report“ (um zwei ebenfalls neuere US-amerikanische Beispiele zu nennen) und den vielen grandiosen italienischen Polit-Thrillern, die sich mit den Verflechtungen von Mafia und Staat beschäftigen (da müsste ich mindestens ein Dutzend Filme nennen), sondern in die Tradition von Selbstjustiz-Thrillern wie „Ein Mann sieht rot“. Der ist ein erzählerisch ungleich besserer Film.
Staatsschutz (Deutschland 2026)
Regie: Faraz Shariat
Drehbuch: Claudia Schaefer, Sun-Ju Choi (Ko-Autorin), Jee-Un Kim (Ko-Autorin)
mit Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawitter, Sebastian Urzendowsky, Kotbong Yang, Kathrin Angerer, Max Krause
Spoilerwarnung? Ich meine, hey, es ist ein RomCom!
In den USA hat die Regierung ein Gesetz verabschiedet, das Singles nur an einem Tag im Jahr den Geschlechtsverkehr erlaubt. Mit Kondom.
Diese Prämisse ist natürlich schamlos von den „The Purge“-Filmen abgekupfert – dort dürften die Menschen an einem Tag im Jahr straflos alle Verbrechen begehen – und war die Grundlage für eine ätzende Kritik an reaktionären US-amerikanischen Politikvorstellungen. „Wo die Lüge hinfällt“-Regisseur Will Gluck beschreitet in seiner RomCom „One Night Only“ einen anderen Weg.
Die Idee, dass man nur einmal im Jahr Sex haben dürfte, ist auf den ersten Blick ziemlich gaga und taugt bestenfalls für einen SNL-Sketch. Wenn in „One Night Only“ die Menschen plötzlich und ohne Hemmungen an allen möglichen und unmöglichen Orten hemmungslosen Geschlechtsverkehr haben (natürlich immer züchtig bekleidet), während der Held und die Heldin davon ungerührt durch New York gehen, dann hat das für zwei Minuten oder weniger etwas absurdes. Erinnert sei an den SNL-Sketch in dem ein Junge seiner Freundin in einem billigem Motelzimmer einen Antrag machen will, während im Hintergrund das Spring-Break-Partyleben mit all seinen alkohol- und drogenbedingten Ausfällen tobt. Für fünf Minuten ist das unglaublich komisch. Aber auf Spielfilmlänge? Und wie will man die absurde Sexbann-Prämisse als wenn vielleicht nicht glaubwürdige, dann wenigstens akzeptable Prämisse für einen Spielfilm verkaufen? Die Skepsis ist groß.
Aber vielleicht findet Will Gluck einen interessanten Umgang mit dieser Prämisse.
Vor dem Hintergrund der Nacht der freien Liebe (mit Kondom) erzählt er, wie der supernette Pizzabäcker Owen (Callum Turner) und die supersympathische, zu Tagträumen neigende Sängerin Allie (Monica Barbaro) sich in New York in der Nacht immer wieder begegnen, während ihre Versuche, mit jemand anderem Sex zu haben, scheitern. Während wir Zuschauer schon vor ihrer ersten Begegnung wissen, dass sie zusammen gehören, brauchen Allie und Owen den gesamten Film, bis sie zu dieser Erkenntnis kommen.
Auf der reinen RomCom-Ebene funktioniert „One Night Only“ leidlich. Es ist halt eine weitere RomCom über zwei junge Menschen, die sich in einer Nacht in New York immer wieder treffen, während sie in der Stadt, die niemals schläft, die wahre Liebe suchen. Das haben wir schon tausendmal gesehen. Mal besser, mal schlechter. „One Night Only“ ist nicht die schlechteste RomCom, aber absolut verzichtbar.
Aber es gibt da immer noch die Prämisse, die im Film lieblos mitgeschleppt wird, meistens vergessen wird und fast immer vollkommen überflüssig ist. Sie ist auch vollkommen unglaubwürdig. Es ist nie auch nur im Ansatz nachvollziehbar, weshalb alle US-Amerikaner das Enthaltsamkeitsgesetz klaglos akzeptieren. Auch die, die das Gesetz ablehnen, akzeptieren es. Niemand verstößt dagegen. Es ist einfach eine weitere Regel, die befolgt wird.
Man hätte aus dieser Prämisse, wie in den „The Purge“-Filmen, eine hemmungslose Anklage gegen religiöse Fundamentalisten machen können. In den siebziger Jahren hätte man in Italien aus dieser Gaga-Idee eine Sexklamotte mit Kalauern und viel nackter Haut gemacht. Regisseur Gluck macht in seinem Film aus der Idee ein Pamphlet für konservative religiöse Werte, das am Ende nicht reaktionärer hätte ausfallen können. Natürlich kriegen sich Allie und Owen. Wenige Minuten vor dem Ende der Nacht fallen sie sich in die Arme, gestehen sich ihre Liebe – und beschließen, jetzt keinen Sex zu haben. Das wollen sie nach der Hochzeit machen.
Das ist der feuchte Traum konservativer Christen und Reaktionäre, die Enthaltsamkeit vor der Ehe verfechten, und der so offen in keinem Mainstream-Film, in keiner RomCom, an die ich mich erinnere, propagiert wird.
Bis es zu dieser Verkündung der frohen Botschaft kommt, zeigt Will Gluck der in seinem letzten Film „Wo die Lüge hinfällt“ für eine US-RomCom erstaunlich viel nackte Haut zeigte, nichts, was nicht auch an einem Nachmittag im Fernsehen gezeigt werden könnte.
„One Night Only“ ist ein ärgerlicher erzkonservativer Propagandafilm, verkleidet als RomCom.
One Night Only(One Night Only, USA 2026)
Regie: Will Gluck
Drehbuch: Travis Braun
mit Monica Barbaro, Callum Turner, Maya Hawke, Molly Ringwald, LeVar Burton, Julia Fox, Charlie Gillespie, Michelle Hurd