Seien wir ehrlich; – auch wenn es offensichtlich ist: Jim Jarmusch hat letztes Jahr bei den Fimfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen für seinen neuen Film „Father Brother Sister Brother“ nicht für den Film, sondern für sein Lebenswerk erhalten. Wahrscheinlich mit einer leichten Torschusspanik bei dem Festival, dass sie bislang Jarmusch noch nicht ausgezeichnet haben. Dabei ist Jim Jarmusch einer der großen zeitgenössischen Indie-Regisseure, er ist schon über siebzig Jahre alt und er war in den vergangenen Jahren sehr unproduktiv. Jedenfalls in punkto Spielfilme.
Sein neuester Film „Father Mother Sister Brother“ besteht aus drei Kurzfilmen, die an verschiedenen Orten in den USA und Europa spielen und mit verschiedenen Schauspielern gedreht wurden. Immer geht es um Kinder und ihre Eltern. Immer tauchen durch das Bild fahrende Skater auf und immer ist irgendwann eine nicht immer echte Rolex im Bild. Wichtig für die Geschichte sind die Skater und die Rolex nicht. Es sind eher Dinge, die auftauchen müssen, weil der Geldgeber es so wollte.
In dem ersten, in einer abgelegenen Hütte in New Jersey spielenden Film, besuchen die Geschwister Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) ihren allein lebenden Vater (Tom Waits). Sie wollen wissen, ob er Hilfe benötigt. Die zweite Episode spielt in Dublin. Die beiden Schwestern Timothea (Cate Blanchett) und Lilith (Vicky Krieps) absolvieren den alljährlichen Pflichtbesuch bei ihrer furchteinflößenden Mutter (Charlotte Rampling) in ihrer noblen Wohnung. In der dritten und längsten Episode des Films geht es nach Paris zu den Zwillingen Skye (Indya Moore) und Billy (Luka Sabbat). Sie wollen die Wohnung ihrer tödlich verunglückten Eltern auflösen.
Bis auf die erste Geschichte ist keiner dieser Kurzfilme irgendwie auf eine Pointe hin erzählt. Und auch die Pointe in der ersten Geschichte ist schon von der ersten Minute an, wenn Tom Waits seine Wohnung für den Besuch seiner Kinder in einen schlechteren Zustand aufräumt, absehbar. Es sind drei Betrachtungen von Familienkonstellationen, in denen nichts Aufregendes passiert. Es sind Skizzen, in denen einfach einige Beobachtungen und eine Situation geschildert werden. Es sind auch typische Jarmusch-Geschichten. Dieses Mal in der kurzen und auf eine Situation konzentrierten Form, die er bereits in früheren Filmen pflegte. „Night on Earth“ und „Coffee and Cigarettes“ sind hier zu nennen. Diese Episodenfilme und Kurzfilme sind Nebenwerke.
Auch „Father Mother Sister Brother“ ist ein hochkarätig besetztes Nebenwerk, das vor allem für Jarmusch-Fans, sieben Jahre nach seinem letzten Spielfilm „The Dead don’t die“, ein willkommenes Lebenszeichen ist und das die Wartezeit auf seinen nächsten Spielfilm verkürzt.

Father Mother Sister Brother (Father Mother Sister Brother, USA/Deutschland/Italien/Irland/Frankreich 2025)
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch
mit Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Sarah Greene, Indya Moore, Luka Sabbat, Françoise Lebrun
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Filmportal über „Father Mother Sister Brother“
Moviepilot über „Father Mother Sister Brother“
Metacritic über „Father Mother Sister Brother“
Rotten Tomatoes über „Father Mother Sister Brother“
Wikipedia über „Father Mother Sister Brother“ (deutsch, englisch) und über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)
Jim Jarmusch in der Kriminalakte
Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016) und der DVD
Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)
Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „The Dead don’t die“ (The Dead don’t die, USA 2019)
Veröffentlicht von AxelB 








