Cover der Woche + Buchtipp: Monroe – Ein Hollywoodmärchen!

Juni 2, 2026

Marilyn Monroe (1. Juni 1926 in Los Angeles, als Norma Jeane Mortenson [kirchlich registrierter Taufname Norma Jeane Baker] – 4. August 1962 in Brentwood, Los Angeles)

Wer hätte vor hundert Jahren gedacht, dass MM über sechzig Jahre nach ihrem Tod immer noch bekannt ist?

In ihrer Comic-Biographie „Monroe – Ein Hollywoodmärchen!“ (Les étoiles de l’histoire: Marilyn Monroe, 2020) erzählen Bernard Swysen (Text) und Christian Paty (Zeichnungen) auf knapp hundert Seite das Leben der Schauspielerin, die mehr als nur ein Sexsymbol sein wollte, pointiert nach. Eine Leseempfehlung. 

Die bei Panini erschienene deutsche Ausgabe ist nur noch antiquarisch erhältlich.


TV-Tipp für den 2. Juni: Die Anstalt

Juni 1, 2026

ZDF, 22.15

Die Anstalt (Deutschland 2026)

Ist das witzig – oder gehört das in Die Anstalt?

Hinweis

ZDF über „Die Anstalt“


„Inventing Queer Cinema“ – Es darf diskutiert werden

Juni 1, 2026

Am 12. Juni startet das die Ausstellung und das Filmprogramm „Inventing Queer Cinema“ in der Deutschen Kinemathek (Mauerstraße 79, 10117 Berlin) begleitende Veranstaltungsprogramm.

Hier, ohne weitere Worte, das Programm (wie es mir zugeflüstert wurde):

Freitag, 12. Juni, 19 Uhr 

Tanten, Tunten, kesse Väter.Wolfgang Theis macht großes Kino im Schwulen Museum

(Gespräch)

Wolfgang Theis (ehem. Schwules Museum, Deutsche Kinemathek)

Birgit Bosold (Vorstand, Schwules Museum)

Romain Pinteaux (Archiv, Schwules Museum)

Wolfgang Theis war der langjährige Leiter des Fotoarchivs der Deutschen Kinemathek und ist eine der »Gründungsmütter« des Schwulen Museums in Berlin. Dort kuratierte er viele Jahrzehnte Sonderausstellungen zu allen möglichen und unmöglichen Themen der queeren Kulturgeschichte. Zusammen mit Birgit Bosold und Romain Pinteaux widmen wir seinem eindrucksvollen (schwulen-) bewegten Schaffen diesen Abend.

In Kooperation mit dem Schwulen Museum und im Rahmen der Ausstellung »Susan Sontag: Sehen und Gesehen werden«.

Freitag, 19. Juni, 19 Uhr 

Unverfilmt: Das Drehbuch ›Der Puppenjunge‹ von Wieland Speck 

(Lesung und Gespräch)

Wieland Speck (Regisseur, Kurator ehem. Berlinale Panorama, TEDDY Awards)

Til Schindler (Schauspieler)

1926 veröffentlichte der deutsche Autor John Henry Mackay den Roman ›Der Puppenjunge. Die Geschichte einer namenlosen Liebe aus der Friedrichstrasse‹ über den Buchhändler Hermann Graff, der sich in den Strichjungen Günter verliebt. 1992 adaptierte Filmemacher und Aktivist Wieland Speck den Roman, sein Drehbuch blieb jedoch unverfilmt. Wir sprechen mit Speck über seine Adaption, erfolgreichen Aktivismus und gescheiterte Finanzierungen. Schauspieler Til Schindler liest erstmals öffentlich Teile des Drehbuches.

Freitag, 26. Juni, 19 Uhr 

Kein Taxi zum Klo? Lesbisches Kino im Fokus 

(Diskussion)

Monika Treut (Regisseurin, Autorin, Produzentin)

Angelina Maccarone (Regisseurin, Autorin)

Eline Gehring (Regisseurin, Autorin)

Wie steht es um lesbische Sichtbarkeit im Queer Cinema? Spielen lesbische Frauen als Regisseurinnen und Figuren im Film eine Nebenrolle? Oder gucken wir einfach nicht genau hin? Zwischen Verführungen, Coming Outs und Selbstbehauptung diskutieren Monika Treut, Angelina Maccarone und Eline Gehring ihre oft bahnbrechenden Filme. Sie erzählen von ihren Geschichten, ihren queeren Figuren und geben uns einen Einblick in vergangenes und kommendes lesbisches Filmschaffen.

– 

Freitag, 10. Juli, 19 Uhr 

Wie pervers ist die Situation? Wir diskutieren Rosa von Praunheims ›Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt‹

(Screening und Diskussion)

Martin Dannecker (Sexualwissenschaftler, Autor)

Jochen Hick (Regisseur, Journalist, Autor)

Faraz Shariat (Regisseur, Produzent, Autor)

›Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt‹ von Rosa von Praunheim löste 1971 ein Erdbeben aus und führte deutschlandweit erstmals zur Gründung zahlreicher Schwulenbewegungen. Statt um Empathie und Verständnis zu werben, griff Praunheim schwule Männer scharf an: Spießig, einsam, eitel und unpolitisch seien sie und sollten endlich auf die Straße gehen! Ein Film wie eine schallende Ohrfeige, die nicht umsonst auch in der Ausstellung »Inventing Queer Cinema« eine zentrale Rolle spielt. Wir zeigen den Film noch einmal und fordern das Publikum und geladene Gäste auf, sich kritisch zu positionieren. Ein offenes Gespräch ohne Podium und Bühne, in dem wir Wirkung und Thesen des Films neu diskutieren wollen.

Freitag, 17. Juli, 19 Uhr 

Let’s Have a Talk! Queerer Aktivismus in der Filmbranche

(Diskussion)

Vertreter*innen von:

Queer Media Society

#ActOut

Schwarze Filmschaffende e.V.

Hauptverband Cinephilie

Jünglinge

Die Deutsche Kinemathek lädt zum Austausch ein: Was passiert aktivistisch im deutschen Queer Cinema? Wer organisiert sich wie – und wofür? Wie können wir uns gegenseitig unterstützen und vor welchen Herausforderungen stehen wir? Dazu laden wir zum Fishbowl ein. Bei der Diskussionsmethode in Form eines offenen Stuhlkreises kommen die Teilnehmenden zu Wort und miteinander ins Gespräch. Mit dabei sind Vertreter*innen der Queer Media Society, von #ActOut, Jünglinge und dem Hauptverband Cinephilie. Die Veranstaltung ist offen für alle.

Freitag, 24. Juli, 19 Uhr 

Selbstverständlichkeiten und Rollenverständnisse: Frauen, Männer, Trans* im Film

(Diskussion)

Thea Ehre (Schauspielerin)

Tucké Royale (Schauspieler, Autor)

Zazie de Paris (Schauspielerin, Sängerin)

Zazie de Paris, Thea Ehre und Tucké Royale haben mit ihren Rollen in Produktionen wie ›Westler“, ›Bis ans Ende der Nacht‹ oder ›Neubau‹ queere Filmgeschichte geschrieben. Mal geht es in den Filmen explizit um Repräsentation von Trans*, mal wird es am Rande und oft überhaupt nicht erwähnt. Wann spielt Trans*identität im Film eine Rolle?  Wie steht es um die Sichtbarkeit im Queer Cinema? Ein Gespräch über Underground und Prime Time, Genre und Gender, Erfolg und Rollenangebote.

Donnerstag, 30. Juli, 19 Uhr 

Queer Cinema in Serie. Andere Geschichten und Figuren in Fernsehproduktionen

(Diskussion)

Merle Grimme (Regisseurin, Autorin)

Kerstin Polte (Regisseurin, Autorin)

Lamin Leroy Gibba (Schauspieler, Autor)

Es tut sich etwas im deutschen Fernsehen, das in den letzten Jahren queerer und diverser zu werden scheint. Mit Serien wie ›Clashing Differences‹, ›Schwarze Früchte‹, ›Becoming Charlie‹, ›Loving Her‹, ›Wir‹ oder „Druck‹ entstehen gerade im nicht-lineare Spartenprogramm Geschichten und Figuren, die wir so noch nicht kannten. Doch wie nachhaltig ist der Trend, und was folgt auf die Vorzeigeserien? Mit Merle Grimme, Kerstin Polte und Lamin Leroy Gibba berichten drei Kreative über ihre Arbeiten, die nicht nur die Fernsehlandschaft maßgeblich verändert haben.

Freitag 14. August, 19 Uhr 

Do It Yourself! Subversive Filmarbeit zwischen Pornoproduktion, Fernsehmagazin und Straßenführung 

(Diskussion)

Mahide Lein (Aktivistin, Kulturvermittlerin, AHOI)

Jürgen Brüning (Produzent, Regisseur, Kurator)

Gaby Tupper (Hausfrau, Showgirl, Community Queen)

Willkommen in der Subkultur! Von »Wurstfilm« und dem Porn Film Festival über »LÄSBISCH-TV« bis hin zu »Göttinnen des Trash und »Dietrich-Drag«: Jürgen Brüning, Mahide Lein und Gaby Tupper sprechen über ihre Kulturarbeit, ihr bewegtes Leben und darüber wie sie eigene Räume und Angebote geschaffen haben, die die queere Kultur Berlins verändert haben. Ein Abend als gesprächiger Erlebnisbericht.

Freitag, 21. August, 19 Uhr

Rosenkönige und Grausame Frauen: Die Bildermacherin Elfi Mikesch

(Gespräch)

Elfi Mikesch (Kamerafrau, Regisseurin, Fotografin)

Moderation:

Fiona Berg (feminist elsewheres)

Maja Roth (HBK Braunschweig)

Queer avant la lettre: Im Jahr 1970 begann die Fotografin Elfi Mikesch ihre Arbeit als Regisseurin und Kamerafrau. Bekannt für ihre tanzenden, beweglichen Bilder, die uns in unerhörte Schieflagen und Träume versetzen, arbeitet sie bei unzähligen Filmen von Rosa von Praunheim, Werner Schroeter oder Monika Treut an der Kamera. Diese Kollaborationen sprühen von Queerness, anarchischer Energie und politischem Engagement. Von ›Ich denke oft an Hawaii‹ (1978) und dem Foto-Film ›Execution – A Study of Mary‹ (1979) bis zu ihrem Dokumentarfilm ›Krieg oder Frieden‹ (2024) führte Mikesch bei über 20 Produktionen selbst Regie. Fiona Berg und Maja Roth unterhalten sich mit Mikesch über ihr queeres Leben und Schaffen.

P. S.: Wie immer: Änderungen vorbehalten. Und an einigen Abenden dürfte es voll werden.

 


TV-Tipp für den 1. Juni: Todesmelodie

Mai 31, 2026

Arte, 20.15

Todesmelodie (Giù la testa, Italien 1971)

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Luciano Vincenzoni, Sergio Donati, Sergio Leone

Mexiko, 1913: Zwei Verbrecher, einer davon ist ein Sprengstoffexperte, werden während des Bürgerkriegs zu Helden wider Willen und jagen einiges in die Luft.

Der weitgehend unbeachtete (und ungeliebte) Mittelteil von Leones Amerika-Trilogie, die mit „Spiel mir das Lied vom Tod“ beginnt und mit „Es war einmal in Amerika“ endet, bietet in erster Linie rauhe Unterhaltung mit einem starken Schuss Comedy.

mit Rod Steiger, James Coburn, Romolo Valli, Maria Monti, Rik Battaglia

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Todesmelodie“

Wikipedia über „Todesmelodie“ (deutschenglisch)


TV-Tipp für den 31. Mai: Good bye, Lenin!

Mai 30, 2026

3sat, 21.45

Good bye, Lenin! (Deutschland 2003)

Regie: Wolfgang Becker

Drehbuch: Bernd Lichtenberg, Wolfgang Becker

Als Mutter Kerner ins Koma fällt, gibt es die DDR noch. Als sie wieder wach wird, gibt es sie nicht mehr. Aber weil sie eine ultrastramme Kommunistin ist und ihr Arzt meint, auch die kleinste Aufregung könne sie töten, lässt ihr Sohn Alex die DDR wieder aufleben. Das entwickelt sich schnell zu einer Herkulesaufgabe.

Die süffige, warmherzige DDR-Komödie war vor zwanzig Jahren (der Kinostart war, wenige Tage nach der Berlinale-Premiere, am 13. Februar) ein unglaublicher Kassenerfolg. In Deutschland wurden 6,4 Millionen Kinotickets verkauft. Der erfolgreichste Kinofilm des Jahres war, mit 7,7 Millionen Zuschauern, „Findet Nemo“. Auf dem zweiten Platz folgte „Der Herr der Ringe 3“ und auf dem dritten Platz „Good bye, Lenin!“.

mit Daniel Brühl, Katrin Sass, Florian Lukas, Chulpan Khamatova, Maria Simon, Alexander Beyer, Burghart Klaußner, Michael Gwisdek

Hinweise

Filmportal über „Good bye, Lenin!“

Rotten Tomatoes über „Good bye, Lenin!“

Wikipedia über „Good bye, Lenin!“ (deutschenglisch)

Meine Besprechung von Wolfgang Beckers Daniel-Kehlmann-Verfilmung „Ich und Kaminski“ (Deutschland/Belgien 2015)

Meine Besprechung von Wolfgang Beckers Maxim-Leo-Verfilmung „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“ (Deutschland 2025)


TV-Tipp für den 30. Mai: Shoplifters

Mai 29, 2026

One, 20.15

Shoplifters – Familienbande (Manbiki Kazoku, Japan 2018)

Regie: Hirokazu Kore-eda

Drehbuch: Hirokazu Kore-eda

Die Familie Shibata hält sich mit kleinen Ladendiebstählen über Wasser. Aber sie sind auch eine herzensgute Familie, die spontan die kleine Yuri, die allein auf einem Balkon spielt, bei sich aufnehmen.

Gewohnt feinfühliger Film von Hirokazu Kore-eda über echte und falsche Familien, der verdient in Cannes die Goldene Palme erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lily Franky, Sakura Ando, Mayu Matsuoka, Kilin Kiki, Kairi Jyo, Miyu Sasaki

Wiederholung: 31. Mai, 23.20 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Shoplifters“

Metacritic über „Shoplifters“

Rotten Tomatoes über „Shoplifters“

Wikipedia über „Shoplifters“ (deutschenglisch)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Like Father, like Son“ (Soshite chichi ni naru, Japan 2013)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Unsere kleine Schwester“ (Umimachi Diary, Japan 2015)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Shoplifters – Familienbande“ (Manbiki Kazoku, Japan 2018)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „La Vérité – Leben und lügen lassen“ (La Vérité, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Broker – Familie gesucht“ (Beurokeo, Südkorea 2022) und der DVD

Meine Besprechung von Hirokazu Kore-edas „Die Unschuld“ (怪物 [Kaibutsu], Japan 2023)


Deutscher Filmpreis 2026: die Gewinner

Mai 29, 2026

Vor wenigen Stunden wurden am Freitag, den 29. Mai, hier in Berlin die Deutschen Filmpreise verliehen. Die Lolas gingen an:

BESTER SPIELFILM

GOLD: IN DIE SONNE SCHAUEN (Produktion: Maren Schmitt, Lucas Schmidt, Lasse Scharpen ∙ Studio Zentral – Regie: Mascha Schilinski · Drehbuch: Mascha Schilinski, Louise Peter)

SILBER: GELBE BRIEFE (Produktion: Ingo Fliess ∙ if… Productions Film, Haut et Court, Liman Film – Regie: İlker Çatak · Drehbuch: İlker Çatak, Ayda Meryem Çatak, Enis Köstepen)

BRONZE: ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE (Produktion: Janine Jackowski, Jonas Dornbach, Maren Ade ∙ Komplizen Film, Sentana Filmproduktion, Doll Filmproduktion, Warner Bros. Film Productions Germany – Regie & Drehbuch: Simon Verhoeven)

nominiert:

22 BAHNEN (Produktion: Anna-Malike Eigl, Thomas Wöbke, Philipp Trauer ∙ BerghausWöbke Filmproduktion, Constantin Film – Regie: Mia Maariel Meyer · Drehbuch: Elena Hell)

AMRUM (Produktion: Fatih Akin, Herman Weigel ∙ bombero international, Warner Bros. Film Productions Germany, Rialto Film – Regie: Fatih Akin · Drehbuch: Hark Bohm, Fatih Akin)

DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE (Produktion: Felix von Boehm ∙ Lupa Film, CG Cinema, Hype Studios – Regie & Drehbuch: Kirill Serebrennikov)

BESTER DOKUMENTARFILM

GEWINNER: SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF (Produktion: Irene Höfer ∙ Medea Film Factory, Dschoint Ventschr Filmproduktion – Regie: Sabine Lidl)

nominiert:

IM PRINZIP FAMILIE (Produktion: Britta Strampe, Laura Klippel ∙ Bandenfilm – Regie: Daniel Abma)

SOLDATEN DES LICHTS (Produktion: Karoline Henkel, Jasper Mielke, Arto Sebastian ∙ Wood Water Films, patatino – Regie: Julian Vogel, Johannes Büttner)

BESTER KINDERFILM

GEWINNER: ZIRKUSKIND (Produktion: Katharina Bergfeld, Martin Heisler ∙ Flare Film – Regie & Drehbuch: Julia Lemke, Anna Koch)

nominiert:

DAS GEHEIME STOCKWERK (Produktion: Norbert Lechner, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Bady Minck ∙ KEVIN LEE Filmgesellschaft, AMOUR FOU Vienna, AMOUR FOU Luxembourg – Regie: Norbert Lechner · Drehbuch: Antonia Rothe-Liermann, Katrin Milhahn)

BESTE REGIE

GEWINNER: Mascha Schilinski · IN DIE SONNE SCHAUEN

nominiert:

Simon Verhoeven · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

İlker Çatak · GELBE BRIEFE

BESTES DREHBUCH

GEWINNER: Mascha Schilinski, Louise Peter · IN DIE SONNE SCHAUEN

nominiert:

Simon Verhoeven · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

İlker Çatak, Ayda Meryem Çatak, Enis Köstepen · GELBE BRIEFE

BESTE WEIBLICHE HAUPTROLLE

GEWINNER: Senta Berger · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

nominiert:

Luna Wedler · 22 BAHNEN

Özgü Namal · GELBE BRIEFE

BESTE WEIBLICHE NEBENROLLE

GEWINNER: Lena Urzendowsky · IN DIE SONNE SCHAUEN

nominiert:

Laura Tonke · 22 BAHNEN

Claudia Geisler-Bading · IN DIE SONNE SCHAUEN

BESTE MÄNNLICHE HAUPTROLLE

GEWINNER: August Diehl · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

nominiert:

Bruno Alexander · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

Tansu Biçer · GELBE BRIEFE

BESTE MÄNNLICHE NEBENROLLE

GEWINNER: Michael Wittenborn · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

nominiert:

Jannis Niewöhner · 22 BAHNEN

Peter Kurth · DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Thorsten Merten · DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

Leonard Kunz · DER TIGER

BESTE KAMERA/BILDGESTALTUNG

GEWINNER: Fabian Gamper · IN DIE SONNE SCHAUEN

nominiert:

Karl Walter Lindenlaub · AMRUM

Vladislav Opelyants · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

Judith Kaufmann · GELBE BRIEFE

BESTER SCHNITT

GEWINNER: Evelyn Rack · IN DIE SONNE SCHAUEN

nominiert:

Gesa Jäger · GELBE BRIEFE

Maxine Goedicke · SIRI HUSTVEDT – DANCE AROUND THE SELF

BESTES SZENENBILD

GEWINNER: Cosima Vellenzer (Szenenbild), Maike Kiefer (Set Dec) · IN DIE SONNE SCHAUEN

nominiert:

Vladislav Ogay · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

Zazie Knepper · GELBE BRIEFE

BESTES KOSTÜMBILD

GEWINNER: Sabrina Krämer · IN DIE SONNE SCHAUEN

nominiert:

Birgit Missal · AMRUM

Tatiana Dolmatovskaya · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

BESTES MASKENBILD

GEWINNER: Anne-Marie Walther, Irina Schwarz · IN DIE SONNE SCHAUEN

nominiert:

Maike Heinlein · AMRUM

Mariia Tutukina · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

BESTE FILMMUSIK

GEWINNER: Marvin Miller · GELBE BRIEFE

nominiert:

Dascha Dauenhauer · 22 BAHNEN

Stefan Goetsch alias Hainbach · AMRUM

Lorenz Dangel · DER HELD VOM BAHNHOF FRIEDRICHSTRASSE

BESTE TONGESTALTUNG

GEWINNER: Claudio Demel, Billie Mind, Kai Tebbel, Sebastian Heyser, Jürgen Schulz · IN DIE SONNE SCHAUEN

nominiert:

Eckhard Kuchenbecker, Dominik Schleier, Nico Krebs, Christoph Merkele, Hanse Warns · ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE

Joern Martens, Tobias Fleig, Corinna Fleig, Richard Borowski · AMRUM

David Almeida-Ribeiro, Olivier Touche, Olivier Goinard · DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

Jacques Kieffer, Tobias Koch, Bertin Molz · SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?

BESTE VISUELLE EFFEKTE

GEWINNER: Michael Wortmann, Frank Schlegel · MOMO

nominiert:

Tomer Eshed, Dennis Rettkowski, Frank Kaminski · DIE SCHULE DER MAGISCHEN TIERE 4

Max Riess, Mona Mohr · WOODWALKERS 2

EHRENPREIS DES DEUTSCHEN FILMPREISES

Wim Wenders

BESUCHERSTÄRKSTER FILM

DAS KANU DES MANITU (Regie & Produktion: Michael Bully Herbig)

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner. Der überragende Gewinnerfilm des Abends ist „In die Sonne schauen“. Bis auf eine Ausnahme – in der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle“ war er zweimal nominiert – setzte er jede Nominierung in einen Gewinn um.


Neu auf Blu-ray/Filmkritik: Der Jobsuchende hat immer noch „No other Choice“

Mai 29, 2026

Zum Kinostart schrieb ich:

Über ein Jahr ist Man-su schon arbeitslos. Die finanziellen Ressourcen schwinden unaufhaltsam. Jetzt teilen er und seine Frau sich ein Auto. Außerdem arbeitet sie. Die Kinder müssen auf beliebte Streamingangebote verzichten. Ob sie ihr wunderschönes Haus mit Garten weiterhin behalten können oder in eine Mietwohnung umziehen müssen, ist noch unklar. Dennoch will er seine Familie zusammenhalten, den erreichten Lebensstandard aufrechterhalten und den Schein wahren.

Man-su wurde gleichzeitig mit vielen weiteren verdienten Kollegen aufgrund von Umstrukturierungen entlassen. Bis dahin war der passionierte Freizeitgärtner, liebevolle Familienvater und gesetztestreue Bürger Man-su fünfundzwanzig Jahre in ein und derselben Papierfabrik in leitender Position angestellt. Papier ist sein Leben. Er will auch unbedingt wieder in einer Papierfabrik arbeiten.

Dummerweise ist die Konkurrenz um die wenigen offenen Stellen groß. Wenn ein Mitbewerber nur etwas besser qualifiziert ist oder etwas umgänglicher ist, bekommt er den Job. Aber, so überlegt Man-su sich, wenn dieser Mitbewerber sich nicht auf die Stelle bewerben kann, steigen seine Chancen. Er könnte bei einem Unfall sterben. Man-su muss nur wissen, wer diese besser qualifizierten Mitbewerber sind und sie dann töten. Weil er ein exzellenter Bewerber ist, ist die Konkurrenz überschaubar.

Der grandiose Krimiautor Donald E. Westlake (er erfand auch den Profidieb Parker und den vom Pech verfolgten Einbrecher John Dortmunder) ersann diese rabenschwarze Kapitalismussatire 1997. In seinem Roman „The Ax“ erzählt er sie in tödlich präziser Konsequenz. Wie ein nur selten manchmal etwas aus dem Takt geratendes Uhrwerk arbeitet Burke Devore (so heißt der Mörder bei Westlake) die Liste seiner Mitbewerber ab. Costa-Gavras verlegte die Geschichte 2005 in seiner Verfilmung „Die Axt“ (alternativer Titel „Jobkiller“) nach Frankreich. Park Chan-wook verlegte sie jetzt nach Südkorea und widmete den Film Costa-Gavras.

Park, der zuerst Westlakes Roman und erst später Costa-Gavras Verfilmung kannte, wollte den Roman schon seit Ewigkeiten verfilmen. 2009 wurde das Projekt erstmals auf dem Busan International Film Festival angekündigt. Seitdem sagte er, wenn er danach gefragt wurde, er arbeite immer noch daran.

Fünfzehn Jahre später begannen die Dreharbeiten. Ende August 2025 hatte seine Westlake-Verfilmung bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig seine Premiere. Und jetzt läuft sie hier in Deutschland im Kino an.

Wer den Roman, die erste und jetzt die aktuelle Verfilmung kennt, wird viele Gemeinsamkeiten und einige Unterschiede erkennen. Jede Version setzt ihre eigenen Akzente, lässt aber die absolut überzeugende und stabile Grundstruktur der von Westlake erfundenen Geschichte intakt. Die Unterschiede beschränken sich vor allem auf Anpassungen an den Handlungsort und die Zeit. So gab es 1997 noch keine Smartphones. Für die Geschichte ist das letztendlich egal. Die Kultur und die Sozialsysteme unterscheiden sich in den einzelnen Ländern. Sie verleihen jeder Version ihre besondere Duftnote.

No other Choice“ hat nicht die gnadenlos präzise satirische Wucht von Costa-Gavras zweistündiger Version. Das kann einerseits daran liegen, dass uns die europäische Gesellschaft vertrauter als die koreanische Gesellschaft ist und wir deshalb auch subtile Anspielungen besser verstehen, andererseits kann es einfach daran liegen, dass Park sich fast 140 Minuten Zeit nimmt, um die Geschichte zu erzählen, sie gegen Ende etwas konfus wird und er bei Man-sus Morden immer wieder die Comedy-Elemente betont. So ist Man-sus erster Mord keine eiskalt geplante und schnell durchgeführte Tat, sondern eine ausartende Slapstick-Nummer.

Außerdem verfolgt Park die von Man-su erstellte Mordliste nicht so konsequent wie Costa-Gavras und vor allem Westlake, der immer eindeutig sagte, wen Devore jetzt umbringen will. Er studiert die Bewerbungen, plant die Morde sorgfältig (jedenfalls für einen Amateur) und dann folgt ein Mord nach dem anderen. Man-su geht immer etwas trotteliger und spontaner vor.

Das sind allerdings alles nur graduelle Unterschiede, kleine Verschiebungen von Gewichten mal mehr in Richtung Noir, mal mehr in Richtung Kapitalismuskritik, mal mehr in Richtung Slapstick. Die Idee und der Plot der von Westlake ersonnenen Satire sind so stark, dass niemand sie in seiner Version grundlegend veränderte. Immer bleibt der Protagonist ein Serienmörder, dem wir die Daumen drücken. Auch wenn er bei der Wahl seines gut nachvollziebaren Ziels zu den falschen Mitteln greift und er mit seinen Taten das kapitalistische System, das ihn zum Mörder macht, festigt.

P. S.: Am 3. März 2026 läuft im Rahmen der Best-of-Cinema-Reihe Park Chan-wooks „Oldboy“ wieder im Kino.

Wer die bitterböse Satire im Kino verpasste, kann das jetzt auf dem heimischen Sofa nachholen.

Das Bonusmaterial, insgesamt etwas über zwanzig Minuten, besteht aus einigen kurzen, weitgehend oberflächlichen Werbeinterviews mit dem Regisseur, den beiden Hauptdarstellern und weiteren am Film Beteiligten und einem Clip, in dem die Arbeit an dem Filmplakat mit dem Bonsai-Baum und den in ihm versteckten Menschen gezeigt wird.

No other Choice (Eojjeolsuga eobsda, Südkorea 2025)

Regie: Park Chan-wook

Drehbuch: Park Chan-wook, Lee Kyoung-mi, Don McKellar, Jahnye Lee

LV: Donald E. Westlake: The Ax, 1997 (Der Freisteller)

mit Lee Byung-hun, Son Yejin, Park Hee-soon, Lee Sung-min, Yeom Hye-ran, Cha Seung-won

Länge: 139 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

internationaler Titel: No other Choice

Blu-ray

Plaion Pictures

Bild: 2,39:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Koreanisch (Sound SystemDTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Featurettes mit Regisseur und Schauspielern, Interviews

Der Film ist auch digital, auf DVD und als Mediabook erhältlich.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „No other Choice“

Metacritic über „No other Choice“

Rotten Tomatoes über „No other Choice“

Wikipedia über „No other Choice“ (deutschenglisch)

zu Park Chan-wook

Meine Besprechung von Park Chan-wooks “Stoker” (Stoker, USA 2012)

Meine Besprechung von Park Chan-wooks „Die Taschendiebin“ (The Handmaiden, Südkorea 2016)

Meine Besprechung von Park Chan-wooks „Die Frau im Nebel“ (Heojil Kyolshim, Decision to leave [internationaler Titel], Südkorea 2022)

Meine Besprechung von Park Chan-wooks Donald-Westlake-Verfilmung „No other Choice“ (Eojjeolsuga eobsda, Südkorea 2025)

zu Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)

 

 


TV-Tipp für den 29. Mai: Deutscher Filmpreis 2026 – Die Gala

Mai 28, 2026

ARD, 22.20

Deutscher Filmpreis 2026 – Die Gala

Zeitversetzte Ausstrahlung der Verleihung des Deutschen Filmpreis, liebevoll Lola genannt – und viel schöner als der Oscar. 

Nominiert sind


Neu im Kino/Filmkritik: Über den besonders unangenehmen „Passenger“

Mai 28, 2026

Notiz an mich nach „Passenger“: Keine Urlaube im Wohnmobil. Niemals!

Begründung für euch: Die enden tödlich.

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Das muss ich vielleicht erklären.

Also: Tyler Genocchio (Jacob Scopio) und Madi Brecker (Lou Llobell) sind schon seit drei Jahren zusammen und sie haben genug Geld, um sich in einem von ihre liebevoll ausgestattetem Mercedes Sprinter auf eine Reise durch die USA von unbekannter Dauer begeben können. Er denkt dabei so in die Richtung einer ewigen Reise im Stil von Jack Kerouacs „On the Road“. Sie will es ihm zuliebe ausprobieren.

Als sie im Hinterland mitten in der Nacht auf einer einsamen Landstraße ein verunglücktes Auto entdecken, versuchen sie dem schwer verletztem Fahrer zu helfen. Dabei nehmen sie einen „Passenger“ auf. Dieser Mitreisende ist ein Geist. Ein sehr böser Geist, der Reisende, die in der Dunkelheit unterwegs sind und anhalten, tötet. Er ist das Gegenteil von Christophorus, dem Schutzheiligen der Reisenden.

André Øvredal erzählt die Geschichte nach einem Drehbuch von Zachary Donohue und T. W. Burgess in unter neunzig Minuten mit vielen Suspense-Szene und in oft sehr langen Takes. Herausragend ist eine dreiminütige Sequenz auf einem nächtlichen Parkplatz. Madi fühlt sich von dem Dämon verfolgt, der sie umkreist, aber immer unsichtbar bleibt. Die Kamera wechselt dabei ständig die Perspektive und steigert das Gefühl von einer unsichtbaren Bedrohung. Wenn Madi kurz darauf im Van die Überwachungskameras überprüft, wird es filmisch konventioneller, aber nicht weniger spannend. Denn irgendeine Kamera sollte nicht nur den menschenleeren Parkplatz aufgenommen haben. Auch ein gemeinsamer Filmabend im Wald, der von dem unsichtbar bleibendem Dämon unterbrochen wird, gehört zu diesen langen und gelungenen Suspense-Szenen. Sie, der sardonische Humor und die atmosphärischen Bilder vom Nomadland lassen einen vergessen, dass die US-amerikanische Mythen zitierende Geschichte eher dünn ist. Ein Horrorschriftsteller hätte sie wahrscheinlich als Kurzgeschichte oder Novelle veröffentlicht.

P. S.: Sie konnten nicht darauf verzichten: zum Abspann gibt es „The Passenger“. In diesem Fall wird der Song nicht von Iggy Pop, sondern von Siouxsie and the Banshees gesungen. Dass es in dem Song um etwas anderes geht und dass Iggy Pop, so heißt es, während seiner Zeit in West-Berlin zu dem Text inspiriert wurde, als öfters in der S-Bahn durch die Stadt fuhr, muss uns in diesem Zusammenhang nicht weiter kümmern.

Passenger (Passenger, USA 2026)

Regie: André Øvredal

Drehbuch: Zachary Donohue, T.W. Burgess

mit Jacob Scipio, Lou Llobell, Melissa Leo, Joseph Lopez

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Passenger“

Metacritic über „Passenger“

Rotten Tomatoes über „Passenger“

Wikipedia über „Passenger“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von André Øvredals „Scary Stories to tell in the Dark“ (Scary Stories to tell in the Dark, USA 2019)

Meine Besprechung von André Øvredals „Die letzte Fahrt der Demeter“ (The last Voyage of the Demeter, USA/Deutschland 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: „Verflucht normal“, trotz Tourette

Mai 28, 2026

Als John Davidson (Robert Aramayo) 2019 von der damals schon hochbetagten und vom Volk frenetisch verehrten Queen den Orden des British Empire erhalten soll, ist er nervös. Das ist verständlich. Denn wer wäre nicht nervös, wenn er nicht in wenigen Minuten vor der Queen stehen wird?

Aber John Davidson ist aus einem anderen Grund nervös. Er hat Angst, dass er sie beleidigt und einen Skandal provoziert. Er leidet nämlich an dem Tourette-Syndrom und er soll für seinen Aktivismus ausgezeichnet werden. In den vergangenen Jahren engagierte sich der in Großbritannien bekannte John Davidson für Menschen, die das Tourette-Syndrom haben. Er gehört zu der Minderheit, die an ausgeprägter Koprolalie, also dem unkontrolliertem Ausrufen von Obszönitäten und Flüchen, leidet.

Dieser Aktivismus war dem 1971 in der schottischen Kleinstadt Galashiels geborenen Arbeiterkind nicht in die Wiege gelegt worden. Seine ersten Lebensjahre verlaufen normal. Die ersten Anzeichen hat er als Zwölfjähriger. Wahllos beleidigt er Klassenkameraden und Lehrer. Die anschließende Entschuldigung werden ihm immer weniger geglaubt. Die Bestrafungen von seinen Eltern, Lehrern und Mitschülern fallen immer drastischer aus. Um nicht zu Fluchen, versucht er, nichts zu sagen und verrenkt sich dabei komisch. Schnell wird er in seiner Schulklasse und auch der Gesellschaft zum Außenseiter.

In den frühen achtziger Jahren war das Tourette-Syndrom eine öffentlich kaum bekannte Krankheit. Das änderte sich erst in den vergangenen Jahren. Und, wenigstens in Großbritannien, ist das auch der Verdienst von John Davidson.

Lang lebe Ned Devine!“-Regisseur Kirk Jones erzählt jetzt in dem Biopic „Verflucht Normal“ Davidsons Geschichte vom Beginn der Krankheit bis zur Ehrung durch die Queen. In bester britischer Tradition wird aus Davidsons Leben ein realistisch geerdeter, in der Arbeiterklasse spielender, pointiert erzählter Feelgood-Film zwischen herzhaftem Lachen, absurden Szenen (wie Davidsons Vorstellungsgespräch im Gemeindezentrum als Hilfe für den Hausmeister Tommy Trotter [Peter Mullan]), herzlichen Szenen (wie Davidsons erste und für sein weiteres Leben entscheidende Begegnung mit Dottie Achenbach [Maxine Peake], der Mutter seines Schulfreundes Murray, die ihn ohne Vorurteile in ihre Familie aufnimmt), Szenen, die gleichzeitig beides sind (wie das erste von Davidson organisierte Treffen von Menschen mit Tourette) und Momenten, in denen es nicht genug Taschentücher in Reichweite geben kann.

Verflucht normal (I swear, Großbritannien 2025)

Regie: Kirk Jones

Drehbuch: Kirk Jones

mit Robert Aramayo, Maxine Peake, Peter Mullan, Shirley Henderson, Scott Ellis Watson, Francesco Piacentini-Smith, Steven Cree

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Verflucht normal“

Metacritic über „Verflucht normal“

Rotten Tomatoes über „Verflucht normal“

Wikipedia über „Verflucht normal“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. Mai: Nebraska

Mai 27, 2026

RBB, 20.15

Nebraska (Nebraska, USA 2013)

Regie: Alexander Payne

Drehbuch: Bob Nelson

Ein alter starrköpfiger dementer Mann (Bruce Dern) macht sich zu Fuß auf den 900 Meilen langen Weg nach Lincoln, Nebraska. Dort will er einen (vermeintlichen) Millionengewinn persönlich abholen.

TV-Premiere. Ja, erst jetzt. Ist trotzdem ein sehr sehr sehenswertes Roadmovie und eine Bestandsaufnahme des amerikanischen Traums.

Ich war damals ziemlich besoffen vor Begeisterung.

Deshalb: die (nicht) andere Meinung: „Ständig auf der Grenzlinie zwischen Komödie und Tragik angesiedelt, profitiert der einfühlsame Schwarz-Weiß-Film von prägnanten Charakteren, vor allem von der bewegnden Darstellung der Hauptfigur durch Bruce Dern.“ (Lexikon des Internationalen Films – er gehörte damals auch zur Liste der besten Kinofilme des Jahres 2014

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Bruce Dern, Will Forte, June Squibb, Stacy Keach, Bob Odenkirk, Tim Driscoll, Davin Ratray, Angela McEwan

Wiederholung: Freitag, 29. Mai, 23.45 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Nebraska“

Metacritic über „Nebraska“

Rotten Tomatoes über „Nebraska“

Wikipedia über „Nebraska“ (deutschenglisch)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (The Descendants, USA 2011, mit George Clooney)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Nebraska“ (Nebraska, USA 2013)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Downsizing“ (Downsizing, USA 2017)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Holdovers“ (The Holdovers, USA 2023)

Alexander Payne in der Kriminalakte

 


Jérôme Leroy schreibt über „Die kleine Faschistin“

Mai 27, 2026

Frankreich in naher Zukunft: der Präsident hat sich im Élysée-Palast vollkommen von der Welt isoliert. Er wird nur noch „der Verrückte“ genannt. Seine einzige Amtshandlung sind regelmäßige Auflösungen der Nationalversammlung. Es sind, wie der Erzähler der Geschichte auf der ersten Seite von „Die kleine Faschistin“ sagt, die letzten Tage vor dem Sturz der Republik. Die Bonneval-Affäre hatte daran einen entscheidenden Anteil. Welchen will der Erzähler uns auf den folgenden 140 Seiten erzählen.

Patrick Bonneval ist ein in Nordfrankreich in der Nähe der Grenze zu Belgien lebender sechzigjähriger Mitte-Links-Politiker, der jetzt wieder für die Nationalversammlung kandidieren will. Laut der Prognose der Tarantel, einer legendären Strippenzieherin, wird er in wenigen Monaten der Premierminister sein. Er sei der Letzte, der die Republik noch retten könne.

Sein aussichtsreichster Gegner in seinem Wahlkreis ist ein Trottel vom Patriotischen Block. Diese Ultra-Rechts-Partei wird in ganz Frankreich immer stärker. Sie könnte eine der nächsten Regierungen stellen.

Und dann gibt es noch die titelgebende „kleine Faschistin“. Die zwanzigjährige Francesca Crommelynck, die aussieht wie ein „nationalsozialistisches Postergirl“, wuchs in einer rechtsradikalen Familie auf. Ihre Kindheitsliebe war der Sohn eines kabylischen Kommunisten. „War“ weil er als Vierzehnjähriger ermordet wurde. Der Täter wurde nie gefunden. Der andere wichtige Mann in ihrem Leben ist ihr großer Bruder Nils, der ebenfalls tot ist. Sie könnte im Patriotischen Block eine wichtige Rolle übernehmen.

Und viel mehr soll nicht verraten werden über die Geschichte von Jérôme Leroys neuestem Roman „Die kleine Faschistin“. Äußerst flott, angenehm verdichtet und etwas schnoddrig erzählt Leroy auf wenigen Seiten eine äußerst verwickelte und schwarzhumorige Geschichte, die von der ersten bis zur letzten Seite in Politik getränkt ist. „Die kleine Faschistin“ reiht sich nahtlos in Leroys bisheriges Werk ein mit seiner nüchternen Analyse der französischen Gesellschaft und des dortigen Rechtsextremismus.

Empfehlenswert!

Jérôme Leroy: Die kleine Faschistin

(übersetzt von Cornelia Wend)

Edition Nautilus, 2026

152 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La petite fasciste

La Manufacture de livres, Paris, 2025

Hinweise

Edition Nautilus über Jérôme Leroy

Perlentaucher über Jérôme Leroy

Wikipedia über Jérôme Leroy (deutsch, englisch, französisch)

Blog von Jérôme Leroy

Meine Besprechung von Lucas Belvaux‘ „Das ist unser Land!“ (Chez nous, Frankreich/Belgien 2017) und der DVD (Leroy ist Co-Drehbuchautor)

Meine Besprechung von Jérôme Leroys „Der Block“ (Le bloc, 2011)


TV-Tipp für den 27. Mai: Benedetta

Mai 26, 2026

Arte, 22.10

Benedetta (Benedetta, Frankreich 2021)

Regie: Paul Verhoeven

Drehbuch: David Birke, Paul Verhoeven

LV: Judith C. Brown: Immodest Acts: The Life of a Lesbian Nun in Renaissance Italy, 1986 (Schändliche Leidenschaften: Das Leben einer lesbischen Nonne in in Italien zur Zeit der Renaissance)

Im 17. Jahrhundert lebt die tiefgläubige Benedetta Carlini (Virginie Efira) in einem Theatiner-Kloster in Pescia. Als auf ihrem Körper die Wundmale Christi auftauchen, wird sie zu einem Spielball innerhalb katholischen Kirche. Oder spielt sie mit der Kirche?

Grandiose, auf einem wahren Fall beruhende, äußerst intelligente Nunsploitation von Provokateur Paul Verhoeven.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Virginie Efira, Charlotte Rampling, Daphné Patikia, Lambert Wilson, Olivier Rabourdin, Louise Chevillotte, Hervé Pierre, Clotilde Courau, David Clavel, Guilaine Londez

Hinweise

AlloCiné über „Benedetta“

Moviepilot über „Benedetta“

Metacritic über „Benedetta“

Rotten Tomatoes über „Benedetta“

Wikipedia über „Benedetta“ (deutschenglisch, französisch)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Flesh + Blood“ (Flesh + Blood, USA 1985)

Meine Besprechung von Paul Verhoevens Philippe-Djian-Verfilmung „Elle“ (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Paul Verhoevens „Benedetta“ (Benedetta, Frankreich 2021) und der DVD


Cover der Woche

Mai 26, 2026

Was kann bei Robert Brack schon schiefgehen?


TV-Tipp für den 26. Mai: The Straight Story – Eine wahre Geschichte

Mai 25, 2026

MDR, 22.55

The Straight Story – Eine wahre Geschichte (The Straight Story, USA 1999)

Regie: David Lynch

Drehbuch: John Roach, Mary Sweeney

Kamera: Freddie Francis

Musik: Angelo Badalamenti (Wer sonst?)

Der 73-jährige Alvin Straight will sich nach jahrelangem Schweigen mit seinem Bruder aussöhnen. Dafür nimmt er eine 240 Meilen lange Fahrt auf sich. Auf einem Rasenmäher- Auto darf er nicht mehr fahren und andere Arten der Fortbewegung lehnt er ab.

David Lynchs ungewöhnlichster Film und gleichzeitig einer seiner schönsten Filme: ein die Langsamkeit und die Landschaft und Menschen zelebrierendes Roadmovie mit einem wunderschönen Ende: zwei Männer sitzen auf einer Veranda und blicken in den Nachthimmel.

„Auf eine gewisse Weise ist ‚The Straight Story‘ der extremste Film, den ich je gemacht habe.“ (David Lynch, Interview in Zitty 25/99)

mit Richard Farnsworth, Sissy Spacek, Harry Dean Stanton, John Farley, Everett McGill

auch bekannt als „Eine wahre Geschichte – The Straight Story“

Zum Lesen

ein Buch, das nicht seine Filme euphorisch herunterbetet, sondern einen intensiven Blick auf Lynchs Werk als bildender Künstler, Musiker und Designer wirft und versucht, Lynchs gesamtes künstlerisches Spektrum in einer essayistischen Entdeckungsreise zu analysieren.

Jonathan Ederer/Adrian Gmelch: David Lynch begreifen – Kunst – Kino – Kreativität

Büchner-Verlag, 2024

388 Seiten

30 Euro

Hinweise

Rotten Tomateos über „The Straight Story“

Wikipedia über „The Straight Story“ (deutsch, englisch)

Homepage von David Lynch

Meine Besprechung von David Lynchs „Der Wüstenplanet“ (Dune, USA 1984) und der gleichnamigen Vorlage von Frank Herbert

Meine Besprechung von David Lynchs „Twin Peaks – Fire walk with me“ (Twin Peaks: Fire walk with me, USA 1992)

Meine Besprechung von David Lynchs „Lost Highway“ (Lost Highway, USA 1997)

Meine Besprechung von David Lynchs „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“ (Mulholland Dr., USA/Frankreich 2001)


Gegen „Die große Hitze“ hilft „Blut Salz Wasser“ und Denise Mina

Mai 25, 2026

Nachdem Diogenes unlängst in vorzüglichen neuen Übersetzungen die Romane von Raymond Chandler noch einmal veröffentlichte und hoffentlich einige Jüngere Chandler und den von ihm erfundenen Privatdetektiv Philip Marlowe entdeckten, gibt es jetzt für sie und langjährige Marlowe-Fans Nachschub. Die Erben von Raymond Chandler beauftragten die Tartan-Noir-Autorin Denise Mina mit dem Schreiben eines Philip-Marlowe-Romans. Das ist schon eine kleine Sensation. Denn seit Chandlers Tod am 26. März 1959 erschienen nur sehr wenige Werke, in denen andere Autoren neue Geschichten mit dem stilbildendem Hardboiled-Privatdetektiv erzählten. Das war bei anderen Autoren, teils aus verschiedenen Gründen, anders. Ace Atkins schrieb zwischen 2012 und 2022 zehn neue Spenser-Romane. Seitdem schreibt Mike Lupica neue Spenser-Romane. Max Allan Collins schrieb seit 2008 sechzehn neue Mike-Hammer-Romane. Er konnte dabei auf Material von Mickey Spillane zurückgreifen. Joe Gores schrieb einen Sam-Spade-Roman. Max Allan Collins unlängst ebenso. Keiner dieser Romane wurde ins Deutsche übersetzt.

Robert B. Parker (der Erfinder von Spenser, einem deutlich von Marlowe und Spade beeinflusstem Privatdetektiv) vollendete 1989 ein Manuskript von Raymond Chandler und schrieb anschließend einen weiteren Marlowe-Roman. Benjamin Black (John Banville) folgte 2014 mit „The Black-Eyed Blonde“ (Die Blonde mit den schwarzen Augen). Und jetzt Denis Mina mit „Die große Hitze“.

1938 erhält Marlowe von dem unglaublich vermögendem, im Sterben liegendem Patriarchen Chadwick Montgomery den Auftrag seine zweiundzwanzigjährige Tochter Chrissie zu suchen. Die Erbin des Ölmoguls verschwand wenige Stunden vor ihrer Verlobungsfeier. Jetzt soll der Privatdetektiv mit festem Tagessatz („Ich kriege vierzig pro Tag, im Voraus, plus Spesen im Nachhinein.“) und Ehrenkodex sie finden.

Wie es sich für einen zünftigen Hardboiled-Privatdetektiv-Krimi gehört, beginnt er sich umzuhören, findet sie und steht schnell tief in der Scheiße.

Schon auf den ersten Seiten herrscht ein wohliges Retro-Gefühl. Man erinnert sich an ähnliche Situationen aus Chandlers Romanen und Kurzgeschichten (die er teils in seinen Romanen recyclte), den guten Verfilmungen (es gibt auch weniger gelungene) – und den vielen, vielen, sehr vielen Marlowe-Kopien in anderen Kurzgeschichten, Romanen, Filmen, TV-Serien, Comics und Computerspielen. Marlowe und Dashiell Hammetts Sam Spade wurden seit ihrem ersten Auftritt unzählige Male als Vorbild genommen oder parodiert. Seit Jahhrzehnten sind sie ein fester Teil des popkulturellen Gedächtnisses. Das ist ein Problem, mit dem Denise Mina zu kämpfen hat.

Ein anderes ist Chandlers markante Sprache, die unzählige Male kopiert, nachgeahmt und parodiert wurde. Dieses Problem umgeht Denise Mina, indem sie nicht auf Biegen und Brechen versucht, in mindestens jedem zweiten Satz eine Metapher oder einen absurden, aber einprägsamen und die Situation präzise beschreibenden Vergleich zu bringen.

Sie bringt auch feministische Themen ein und Marlowe arbeitet mit einer Privatdetektivin zusammen. Chandler schrieb seine Geschichten zwischen 1933 und 1958. Vier seiner sieben Romane erschienen zwischen 1939 und 1943. Seitdem veränderte sich einiges.

Die von ihr erfundene Geschichte wird schnell verwirrend, weil Ich-Erzähler Marlowe die Ereignisse nicht vollständig überblickt und viel passiert. Das kennen wir von Chandler, der auch nicht immer den Durchblick in seinen Geschichten hatte. Aber bei Mina zerplätschert die Geschichte auch. Sie wird langweilig und langatmig. Und am Ende bleiben in einem Roman, der nie eigenständig genug ist, um zu begeistern, eigentlich alle Fragen offen.

Schade.

Fast zeitgleich zur deutschen Ausgabe von „Die große Hitze“ erschien im Unionsverlag die Taschenbuch-Ausgabe von Denise Minas fünftem und letztem Inspector-Morrow-Roman. Die deutsche Erstausgabe von „Blut Salz Wasser“ erschien 2018 im Argument Verlag.

Alex Morrow, Kriminalinspektorin der Polizei von Glasgow, sucht die spurlos verschwundene Wirtschaftskriminelle Roxanna Fuentecilla, die gerade ein mehr oder weniger illegales Millionengeschäft plante. Zur gleichen Zeit irrt der während einer Entführung zum Mörder gewordene Kleinganove Ian Fraser durch die Stadt und Boyd Fraser, der verheiratete, in die Stadt zurückgekehrte Betreiber eines veganen Restaurants, trifft seine ebenfalls nach Jahren in die Stadt zurückgekehrte, sich etwas seltsam verhaltende ehemalige Pfadfinderleiterin Susan Grierson wieder.

Mina erzählt, vor dem Hintergrund des Referendums zur Unabhängigkeit Schottlands, gleichzeitig und sehr detailliert mehrere Plots, die miteinander zusammen hängen. Sie entwirft dabei auf knapp 360 Seiten ein dichtes Geflecht zwischen legalen, halblegalen und vollkommen illegalen Geschäften, die durch den Ausgang des Referendums positiv oder negativ beeinflusst werden (weshalb jeder von ihnen auf einen bestimmten Ausgang des Referendums hinarbeitet). Während jede einzelne Figur nur einen Teil des gesamten Bildes wahrnimmt, bekommt der Leser ein sich langsam vervollständigendes Bild der Ereignisse und Hintergründe. Und weil es sich um einen Noir handelt, siegen am Ende nicht die Guten. Sofern es sie in dieser Welt überhaupt gibt.

Denise Mina: Die große Hitze – Ein Philip-Marlowe-Roman

(übersetzt von Else Laudan)

ariadne/Argument Verlag, 2026

304 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

The second Murderer

Harvill Secker, 2023

Denise Mina: Blut Salz Wasser

(übersetzt von Zoe Beck)

Unionsverlag, 2026

368 Seiten

15 Euro

Deutsche Erstausgabe (immer noch erhältlich für 19 Euro)

ariadne/Argument Verlag, 2018

Originalausgabe

Blood Salt Water

Orion Publishing Group, London, 2015

Hinweise

zu Raymond Chandler

Wikipedia über Philip Marlowe (deutsch, englisch) und Raymond Chandler (deutschenglisch)

Thrilling Detective über Philip Marlowe

Thrilling Detective über Raymond Chandler

Krimi-Couch über Raymond Chandler

Mordlust über Raymond Chandler

Meine Besprechung von Raymond Chandlers „Lebwohl, mein Liebling“ (Farewell, my Lovely, 1940)

Mein Hinweis auf Raymond Chandlers „Das hohe Fenster“ (The High Window, 1942)

Meine Besprechung von Raymond Chandlers „Die Lady im See“ (The Lady in the Lake, 1943)

zu Denise Mina

Homepage von Denise Mina

Wikipedia über Denise Mina (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )

Meine Besprechung von Denise Mina/Leanordo Manco/Andrea Muttis „Stieg Larsson- Millennium: Verblendung – Band 2“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two, 2013)

Meine Besprechung von Denise Mina/Leonardo Manco/Andrea Mutti/Antonio Fusos „Stieg Larsson Millenium: Verdamnis – Band 1″ (The Girl who played with Fire, 2014)

Mein Hinweis auf Denise Minas „Götter und Tiere“ (Gods and Beasts, 2012)

Meine Besprechung von Denise Minas „Fester Glaube“ (Confidence, 2022)

Meine Besprechung von Denise Minas „Götter und Tiere“ (Gods and Beasts, 2012)


TV-Tipp für den 25. Mai: Miles Davis: Birth of the Cool

Mai 24, 2026

Miles Davis (26. Mai 1926 in Alton, Illinois – 28. September 1991 in Santa Monica, Kalifornien)

Arte, 21.40

Miles Davis – Birth of the Cool (Miles Davis: Birth of the Cool, USA 2019)

Regie: Stanley Nelson

Drehbuch: Stanley Nelson

Gelungene spielfilmlange Doku über Jazz-Trompeter Miles Davis (1926 – 1991).

„Miles Davis – Birth of the Cool“ ist für den Davis-Fan eine Auffrischung bekannter Informationen. Für den Novizen ist die Doku ein glänzender und rundum gelungener Überblick über das Leben und Werk eines der wichtigsten Jazzmusiker.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Davor, um 20.15 Uhr zeigt Arte „Fahrstuhl zum Schafott“ (Frankreich 1958) mit der Musik von Miles Davis.

mit (ohne zwischen aktuellen Interviews und Archivmaterial, ohne zwischen kurzen und langen Statements und ohne zwischen allgemein bekannten und unbekannteren Gesprächspartnern zu unterscheiden) Miles Davis, Carl Lumbly (im Original: Stimme von Miles Davis), Reginald Petty, Quincy Troupe, Farah Griffin, Lee Annie Bonner, Ashley Kahn, Benjamin Cawthra, Billy Eckstine, Walter Cronkite, Jimmy Heath, Jimmy Cobb, Dan Morgenstern, Charlie Parker, Greg Tate, Gerald Early, Quincy Jones, Wayne Shorter, Tammy L. Kernodle, Juliette Gréco, Vincent Bessières, George Wein, Eugene Redmond, Thelonious Monk, Carlos Santana, Herbie Hancock, Marcus Miller, Cortez McCoy, Sandra McCoy, Jack Chambers, Frances Taylor, Johnny Mathis, René Urtreger, Joshua Redman, John Coltrane, James Mtume, Lenny White, Vincent Wilburn Jr., Archie Shepp, Stanley Crouch, Gil Evans, Cheryl Davis, Ron Carter, Sly and the Family Stone, Clive Davis, Betty Davis, Marguerite Cantú, Mark Rothbaum, Erin Davis, Mike Stern, Mikel Elam, Jo Gelbard, Prince, Wallace Roney

Hinweise

Moviepilot über „Miles Davis: Birth of the Cool“

Metacritic über „Miles Davis: Birth of the Cool“

Rotten Tomatoes über „Miles Davis: Birth of the Cool“

Wikipedia über „Miles Davis – Birth of the Cool“ und Miles Davis (deutschenglisch)

Homepage von Miles Davis

AllMusic über Miles Davis

Meine Besprechung von Stanley Nelsons „Miles Davis – Birth of the Cool“ (Miles Davis: Birth of the Cool, USA 2019)


TV-Tipp für den 24. Mai: Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses

Mai 23, 2026

Arte, 20.15

Mississippi Burning – Die Wurzeln des Hasses (Mississippi Burning, USA 1988)

Regie: Alan Parker

Drehbuch: Chris Gerolmo

Südstaaten, 1964: Mitten im Hochsommer verschwinden im ländlichen Jessup County drei Bürgerrechtler spurlos. Ein älterer und ein jüngerer FBI-Agent sollen den Fall aufklären und wenn sie nur auf eine Mauer des Schweigens stoßen würden, wären sie froh.

Packender, auf einem wahren Fall basierender Polizei-Thriller. Zum Filmstart sah der Fischer Film Almanach das anders (wobei damals die Filmkritik auch anders war): „Parker lässt zu, dass ‚Mississippi Burning‘ sich zu einem konventionellen Reißer entwickelt, zu einem Polizeifilm, der mit den fragwürdigen Methoden seiner Protagonisten sympathisiert. Doch damit wird er seinem Thema nicht mehr gerecht. Ein Film der verschenkten Möglichkeiten.“ Dabei wird der erste Teil des Films wegen seiner dokumentarischen Qualitäten gelobt.

„Parkers von gewalttätigen Eruptionen durchsetzter FBI-Thriller ist wegen seiner (historisch unhaltbaren) Glorifizierung des FBI und wegen seiner Tendenz, die Rolle der Bürgerrechtler und der Schwarzen zu verfälschen (sie sind mehr oder weniger Randfiguren des Dramas), heftig kritisiert worden.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)

Der Film feierte seine Premiere auf der Berlinale. Der immer überzeugende Gene Hackman erhielt den Silbernen Bären als bester Hauptdarsteller. Und bei den US-Kritikern kam der Film besser an als bei den deutschen Kritikern.

mit Gene Hackman, Willem Dafoe, Frances McDormand, Brad Dourif, R. Lee Ermey, Michael Rooker, Pruitt Taylor Vince, Tobin Bell (damals noch ein kleiner Nebendarsteller in seinem ersten namentlich genanntem Spielfilmauftritt)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mississippi Burning“

Wikipedia über „Mississippi Burning“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 23. Mai: Perfect Days

Mai 22, 2026

One, 22.35

Perfect Days (Japan/Deutschland 2023)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Takuma Takasaki, Wim Wenders

In Tokio reinigt Hirayama hingebungsvoll wunderschön aussehende öffentliche Toiletten. Anscheinend ist er zufrieden mit seinem betont einfachem, festen Ritualen folgendem Leben.

Wim Wenders‘ bester Spielfilm seit Ewigkeiten und ein Film für die Ewigkeit, wie ihn nur Wim Wenders machen kann. „Perfect Days“ ist gleichzeitig eine Fortführung und Revision bekannter Wenders-Themen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Kôji Yakusho, Tokio Emoto, Arisa Nakano, Aoi Yamada, Yumi Asô, Sayuri Ishikawa, Tomokazu Miura, Min Tanaka

Wiederholung: Montag, 25. Mai, 18.15 Uhr

Hinweise

Filmportal über „Perfect Days“

Moviepilot über „Perfect Days“

Metacritic über „Perfect Days“

Rotten Tomatoes über „Perfect Days“

Wikipedia über „Perfect Days“ (deutschenglisch) und über Wim Wenders (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Grenzenlos“ (Submergence, USA 2017)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ “Anselm – Das Rauschen der Zeit” (Deutschland/Frankreich 2023)

Mein Gespräch mit Wim Wenders über „Anselm – Das Rauschen der Zeit“ (Deutschland/Frankreich 2023)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Perfect Days“ (Japan/Deutschland 2023)

Wim Wenders in der Kriminalakte

Homepage von Wim Wenders