Neu im Kino/Filmkritik: „Spider-Man: Brand New Day“ mit vielen alten Bekannten

Juli 29, 2026

Spider-Man, der freundliche Superheld aus und für die Nachbarschaft ist zurück. Wieder wird er von Tom Holland gespielt. MJ (Zendaya) und Ned Leeds (Jacob Batalon) sind wieder dabei. Aber nachdem Spider-Man vor vier Jahren die Welt rettete, musste er dafür sorgen, dass sich niemand mehr an Peter Parker erinnert.

Jetzt dreht sich in Spider-Mans Welt alles um das Schnappen von die Nachbarschaft und die Stadt in Angst und Schrecken versetzende Räuber. Die Kriminalitätsrate sinkt immer weiter. Die New Yorker können wieder Subway fahren und nach Einbruch der Dunkelheit ohne Angst vor Überfällen nach Hause gehen.

Und nun kommen wir zu einem zweigeteilten Probleme. Einerseits bittet der Verleih, wie immer bei Blockbustern, um spoilerfreie Besprechungen, andererseits hat der Film auch wenig „Geschichte“. Der „Gegner“ von Spider-Man ist etwas, das von einem Mensch zu einem anderen Mensch springen und seinen Körper und Geist übernehmen kann. Er kann aber nicht in den Geist von Spider-Man dringen. In dem Moment und lange ist unklar, ob dieses Wesen wirklich in diesem Film Spider-Mans Hauptgegner oder nur ein Handlanger des Bösewichts ist. Das erste Mal trifft Spider-Man auf dieses Wesen, als es den Verbrecher Scorpion aus einem Hochsicherheitsgefängnis befreit.

Im folgenden treten dann viele alte Bekannte aus dem Spider-Man- und Marvel-Universum auf. Teils in der aktuellen Hauptgeschichte, teils in Erinnerungen (was ein eleganter Weg ist, um auch einigen Verstorbenen einen weiteren Auftritt zu verschaffen). Die meisten dieser kurzen Auftritte sind nicht störender Fan-Service. Das gilt auch für den „Punisher“ Frank Castle (Jon Bernthal), der in der zweiten Hälfte des Films eine größere Rolle hat. Der skrupellos Bösewichter tötende Rächer ist in fast jeder Beziehung der Gegenentwurf zu Spider-Man. Dies führt, sobald sie gemeinsam gegen den Bösewicht vorgehen, zu einigen hitzigen Wortgefechten.

Trotz zahlreicher ziemlich spektakulärer Actionszenen (wobei das Finale in dieser Hinsicht enttäuscht) erzählt Destin Daniel Cretton in seinem ersten Spider-Man-Film keine Geschichte, in der der Held gegen den Bösewicht der Woche kämpft und die Stadt vor dem Untergang rettet. Er konzentriert sich einerseits auf Peter Parkers Erwachsenwerden und seinen damit verbundenen Abschied von seiner Jugend. Die Schule ist vorbei. MJ und Ned schließen gerade ihr Studium ab. Freundschaften können zerbrechen. Er muss seine Identität verbergen.

Dieser thematisch wenig spannende, aber in vielen Episoden, wenn er MJ und Ned trifft, vergnügliche Strang gehört zum festen Spider-Man-Repertoire, wie in den Batman-Geschichten Diskussionen über Vigilantentum und die Ähnlichkeit zwischen Batman und den Bösewichtern, gegen die er kämpft.

Deutlich interessanter und zum Nachdenken anregend ist der zweite thematische Strang des Superheldenfilms. Schon am Anfang, wenn Spider-Man im Department of Damage Control (DODC) einer Gruppe begegnet, die er früher bekämpfte, wird die Botschaft des Films angesprochen. Jetzt kämpften sie, so erklärt DODC-Direktor Bill Metzger (Tramell Tillman) Spider-Man, auf der Seite der Guten. Die Aufgabe seiner Behörde sei es, Schäden zu verhindern. Das gelinge vor allem, indem sie die Fähigkeiten der Menschen in die richtigen Bahnen lenkten. Fundamental dafür ist die Annahme, dass Menschen und in verschiedenen Abstufungen nichtmenschliche Wesen (wir sind hier ja in der Welt der Superhelden und Superschurken) sich ändern können und dass „gut“ und „böse“ keine unveränderlichen Zuschreibungen sind. Metzger sagt es nicht ausdrücklich, aber natürlich erinnert dieser Ansatz an Professor Charles Francis Xaviers School for gifted Youngsters; – wobei Xavier seine Schüler in den X-Men-Geschichten vor allem lernte, mit ihren Fähigkeiten verantwortungsvoll umzugehen.

Dieser Ansatz und der den ganzen Film durchziehende Glaube an das Gute im Menschen und die Veränderbarkeit des einzelnen Menschen machen aus „Brand New Day“ einen Gegenentwurf zur Tagespolitik, vor allem in den USA, wo sich die einzelnen politischen Lager immer mehr in ihre Schützengräben zurückziehen, dem Gegner alle Schandtaten unterstellen, Empathie für eine Schwäche halten und nicht daran glauben, dass Menschen sich verändern können.

Der Preis für diesen sehr sympathischen Ansatz ist, dass sich schon lange vor dem Filmende die Frage stellt, wer denn der Bösewicht des Films ist. Angesichts der vielen Marvel-Bösewichter der vergangenen Jahren, an die man sich schon einige Minuten nach dem Abspann kaum noch erinnern konnte, ist das nicht wirklich ein Makel. Es ist eher die konsequente Fortführung eines Konzepts.

Davon abgesehen setzt Destin Daniel Cretton nahtlos den Stil der vorherigen drei „Spider-Man“-Filme fort. Die liefen zwischen 2017 und 2021 im Kino, wurden von Jon Watts inszeniert und Holland spielte immer Peter Parker.

P. S.: Dank der Magie der Fördergelder ist „Brand New Day“ auch ein deutscher Film.

P. P. S.: Nach dem Abspann gibt es eine Miniszene, eigentlich nur ein kurzer Witz, und das, wenig überraschende Versprechen, dass es einen weiteren Spider-Man-Film geben wird.

Spider-Man: Brand New Day (Spider-Man: Brand New Day, USA 2026)

Regie: Destin Daniel Cretton

Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Justin Kuritzkes (basierend auf der von Stan Lee und Steve Ditko erfundenen Figur)

mit Tom Holland, Zendaya, Jacob Batalon, Mark Ruffalo, Sadie Sink, Jon Bernthal, Michael Mando, Marvin Jones III, Zabryna Guevara, Tramell Tillman, Liza Colón-Zayas, Florence Pugh

Länge: 146 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Spider-Man: Brand New Day“

Metacritic über „Spider-Man: Brand New Day“

Rotten Tomatoes über „Spider-Man: Brand New Day“

Wikipedia über „Spider-Man: Brand New Day“ (deutsch, englisch)

zu Destin Daniel Cretton

Meine Besprechung von Destin Daniel Crettons „Schloss aus Glas“ (The Glass Castle, USA 2017)

Meine Besprechung von Destin Daniel Crettons „Just Mercy“ (Just Mercy, USA 2019)

Meine Besprechung von Destin Daniel Crettons „Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings“ (Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings, USA 2021)

zu Spider-Man-Filmen

Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man“ (The Amazing Spider-Man, USA 2012)

Meine Besprechung von Marc Webbs „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ (The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro, USA 2013)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: Homecoming“ (Spider-Man: Homecoming, USA 2017)

Meine Besprechung von Jon Watts‘ „Spider-Man: Far From Home“ (Spider-Man: Far From Home, USA 2019)

Meine Besprechung von Jon Watts „Spider-Man: No Way Home (Spider-Man: No Way Home, USA 2021)

Meine Besprechung von Bob Persichetti, Peter Ramsey, Rodney Rothmans „Spider-Man: A new Universe“ (Spider-Man: Into the Spider-Verse, USA 2018)

Meine Besprechung von Joaquim Dos Santos/Kemp Powers/Justin K. Thompsons „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ (Spider-Man: Across the Spider-Verse, USA 2023)


TV-Tipp für den 29. Juli: Vera Drake

Juli 28, 2026

Arte, 20.15

Vera Drake (Vera Drake, Großbritannien/Frankreich/Neuseeland 2004)

Regie: Mike Leigh

Drehbuch: Mike Leigh

London in den Fünfzigern: Die aus der Arbeiterklasse kommende Vera Drake ist eine herzensgute Seele und führt kostenlos Abtreibungen durch. Sie will den Schwangeren helfen. Als die Polizei ihr auf die Schliche kommt und Anklage erhoben wird, steht ihre Familie vor der Frage, wie sie damit umgehen soll.

Hochgelobtes Drama, das unter anderem mit drei BAFTAs (Regie, Hauptdarstellerin und Kostüme) und sechs British Independent Film Awards (Bester britischer Independent-Film, Regie, Hauptdarstellerin, Hauptdarsteller, Nebendarsteller und beste Produktion) ausgezeichnet wurde.

mit Imelda Staunton, Richard Graham, Eddie Marsan, Anna Keaveney, Alex Kelly, Daniel Mays, Phil Davis, Lesley Manville, Sally Hawkins

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Vera Drake”

Wikipedia über “Vera Drake” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mike Leighs “Mr. Turner – Meister des Lichts” (Mr. Turner, Großbritannien 2014)


Cover der Woche

Juli 28, 2026

Die, so mein Überblick, aktuellste Ausgabe von Duca Lambertis drittem Fall.

Über seinen ersten Fall in der Comicvariante schrieb ich vor wenigen Tagen. 


TV-Tipp für den 28. Juli: Winner

Juli 27, 2026

Mal wieder Nachmitternachtskino

ZDF, 00.55

Winner (Winner, Kanada/USA 2024)

Regie: Susanna Fogel

Drehbuch: Kerry Howley, Susanna Fogel

LV: Kerry Howley: Who Is Reality Winner? (New York Magazine, 25. Dezember 2017, Reportage)

In dem schwarzhomorigen Biopic wird die Geschichte der Whistleblowerin Reality Winner erzählt. Sie war von 2010 bis 2016 in der United States Air Force. Danach arbeitete sie für ein NSA-Subunternehmen (National Security Agency). Dort entdeckte sie einen NSA-Report über einen Versuch russicher Hacker, die US-Präsidentenwahl von 2016 zu beeinflussen. Sie gab den Bericht zur Veröffentlichung an „The Intercept“ weiter. Anschließend wurde sie verhaftet und im August 2018 zur bislang längsten Strafe für die nicht autorisierte Weitergabe von staatlichen Informationen an die Medien (63 Monate) verurteilt.

Im Juni 2021 wurde sie vorzeitig aus der Haft entlassen. Ihre Bewährung endete im November 2024.

Kurz nach der Premiere von „Winner“ auf dem Sundance Film Festival kam bei uns „Reality“ (Reality, USA 2023) in die Kinos. Tina Satter konzentriert sich in ihrem grandiosen Film auf das erste Gespräch zwischen Reality Winner (Sydney Sweeney [grandios!]) und den FBI-Beamten, die sie wegen Geheimnisverrats verhaften wollen.

mit Emilia Jones, Connie Britton, Zach Galifianakis, Kathryn Newton, Danny Ramirez, Kristian Jordan

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Winner“

Wikipedia über „Winner“ (deutsch, englisch) und und Reality Winner (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Susanna Fogels „Bad Spies“ (The Spy who dumped me, USA 2018)

Meine Besprechung von Susanna Fogels „Cat Person“ (Cat Person, USA 2023)


TV-Tipp für den 27. Juli: Im Rausch der Tiefe

Juli 26, 2026

NDR, 22.45

Im Rausch der Tiefe – The Big Blue (La grand bleu, Frankreich/USA/Italien 1988)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson, Roger Garland

Bildgewaltiges Drama über zwei Kinderfreunde, die begeisterte Taucher sind und jetzt gegeneinander antreten. Es geht um den Weltrekord im Tauchen ohne Sauerstoffgerät.

Ein frühes Werk von Luc Besson, das in Frankreich ein Kassenhit war.

mit Jean-Marc Barr, Jean Reno, Rosanna Arquette, Paul Shenar, Sergio Castellitto, Jean Bouise, Griffin Dunne

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Im Rausch der Tiefe“

Wikipedia über „Im Rausch der Tiefe“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Léon – Der Profi“ (Léon, Frankreich 1994)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Lucy“ (Lucy, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ (Valerian and the City of a thousand Planets, Frankreich 2017)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Anna“ (Anna, Frankreich 2019)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Dogman“ (Dogman, Frankreich/USA 2023)

Meine Besprechung von Luc Bessons „Dracula – Die Auferstehung“ (Dracula: A Love Tale, Frankreich/USA 2025)

Luc Besson in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. Juli: James Bond 007: Casino Royale

Juli 25, 2026

RTL, 20.15

James Bond 007: Casino Royale (Casino Royale, USA 2006)

Regie: Martin Campbell

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)

James Bond soll Le Chiffre, den Finanzier eines weltweiten Terrornetzwerkes, ausschalten.

Nach allgemeiner Einschätzung ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Offizielle Zählung) einer der fünf besten, vielleicht sogar – vor “Skyfall” – der beste Bond-Film. Niemand hatte mit dieser umfassenden Revitalisierung des Mythos James Bond für das neue Jahrhundert gerechnet. Die weiteren Craig-Bonds sind dann eine erstaunlich zwiespältige Angelegenheit.

Der erste Auftritt von Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät ist ein spannender Thriller mit einem viel zu langen Ende. Denn nachdem Le Chiffre tot ist, ist der Film noch lange nicht zu Ende.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wrigth, Judi Dench, Giancarlo Giannini

Wiederholung: Montag, 27. Juli, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage (in der aktuell erhältlichen Ausgabe)

Ian Fleming: Casino Royale

(übersetzt von Stephanie Pannen und Anika Klüver)

Cross Cult, 2012

240 Seiten

11,80 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Casino Royale“

Wikipedia über „Casino Royale“ (deutschenglisch)

Meine Besprechung von Martin Campbells TV-Serie “Am Rande der Finsternis” (Edge of Darkness, GB 1985 – DIE Vorlage für “Auftrag Mord”)

Meine Besprechung von Martin Campbells „Green Lantern” (Green Lantern, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Campbells „The Foreigner“ (The Foreigner, Großbritannien/China 2017) (mit Jackie Chan und Pierce Brosnan)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond: Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: GoldenEye“ (GoldenEye, 1995)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: KALT“ (COLD, 1996)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung von Kim Sherwoods „Doppelt oder nichts“ (Double or nothing, 2022) (ein Spionageroman aus der Welt von James Bond)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

Meine Besprechung von Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick (Being Bond: A Daniel Craig Retrospective, 2024)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. Juli: Die wandernde Erde II

Juli 24, 2026

Tele 5, 20.15

Die wandernde Erde II (liúlàng dìqiú II, China 2023)

Regie: Frant Gwo

Drehbuch: Yang Zhixue, Gong Geer, Frant Gwo, Ruchang Ye

LV (Idee): Cixin Liu: liúlàng dìqiú (Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in Science Fiction World, Juli 2000) (deutsche Veröffentlichung: Die wandernde Erde, 2019)

Was geschah, bevor die Erde sich, um einer explodierenden Sonne zu entgehen, auf die hundert Generationen dauernde Wanderschaft in ein anderes Sonnensystem begab?

Dieses gut dreistündige Science-Fiction-Spektakel beantwortet diese Frage höchst kurzweilig im Geist von Roland Emmerich.

Und weil dieser zweite Teil die Vorgeschichte zum ersten Teil erzählt, muss man sich den ersten Teil nicht vor dem zweiten Teil ansehen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Andy Lau, Jing Wu, Zhi Wang, Xuejian Li, Yi Sha, Ning Li, Yanmanzi Zhu, Jing Wu

Die Vorlage 

Cixin Liu: Die wandernde Erde

(übersetzt von Karin Betz, Johannes Fiederling und Marc Hermann)

Heyne, 2019

688 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Liulang diqiu

Beijing Wenyi Chubanshe, 2008

Hinweise

Moviepilot über „Die wandernde Erde II“

Metacritic übr „Die wandernde Erde II“

Rotten Tomatoes über „Die wanderde Erde II“

Wikipedia über „Die wandernde Erde II“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Frant Gwos „Die wandernde Erde II“ (liúlàng dìqiú II, China 2023)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Spiegel“ (Jingzi, 2004)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Die drei Sonnen“ (San Ti, 2008) (und der anderen Werke von Liu)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Die wandernde Erde“ (Liulang diqiu, 2008)

Meine Besprechung von Cixin Lius „Der Blick von den Sternen“ (A View from the Stars, 2024)

Meine Besprechung von Baoshus „Botschafter der Sterne – Ein Trisolaris-Roman“ (三体X:观想之宙, 2011) (Roman spielt in der von Cixin Liu erfundenen Welt)

Mene Besprechung von Christophe Bec/Stefano Raffaele: Die wandernde Erde (2020) (Comicversion von Cixin Lius Geschichte)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Michel Francos „Dreams – Gefährliches Verlangen“

Juli 24, 2026

Beginnen wir mit der offiziellen Kurzsynopsis von „Dreams – Gefährliches Verlangen“:

„Jennifer ist ebenso reich wie attraktiv und genießt ein glamouröses Leben als Philanthropin in der amerikanischen High Society. Niemand ahnt, dass sie während ihrer regelmäßigen Aufenthalte in Mexiko eine leidenschaftliche Beziehung mit dem jungen Balletttänzer Fernando führt – einem vielversprechenden Talent ihrer Kulturstiftung. Verliebt und voller Hoffnung auf eine bessere Zukunft in den USA wagt Fernando eines Tages den gefährlichen Weg über die Grenze. Als er plötzlich in Jennifers luxuriösem Apartment in San Francisco auftaucht, gerät ihre sorgfältig kontrollierte Welt aus den Fugen.“

Michel Franco beginnt seinen neuen Film mit dem illegalen Grenzübertritt von Fernando, der damit endet, dass ihr Schleuser sie irgendwo in der Wüste ohne Wasser zurücklässt. Fernando schlägt sich auf eigene Faust nach San Francisco durch. Immerhin weiß er, wo Jennifers Wohnung ist und wo sie ihren Wohnungsschlüssel versteckt. So kann er sie am Abend in ihrem Bett überraschen.

In Rückblenden erzählt Franco dann die aus der Synopsis bekannte Vorgeschichte. Er tut das eher zäh als in das Geschehen involvierend und mit vielen offenen Fragen, die im Film nicht gestellt werden, weil dann das gesamte Erzählkonstrukt schwuppdiwupp zusammenbräche. Zum Beispiel, wird nicht gefragt, warum Jennifer McCarthy (Jessica Chastain) ihrem Liebhaber Fernando Rodríguez (gespielt von Ballettstar Isaac Hernández in seinem Schauspieldebüt) kein Visum besorgte. Wirklich geheim hielt sie ihre Beziehung nie und bei ihrem riesigen Familienvermögen und den guten Beziehungen der Familie McCarthy sollte das problemlos bewilligt werden. Auch Fernando bemühte sich um kein Visum, obwohl er als überaus talentierter Künstler wenigstens für einen kurzen Arbeitsaufenthalt auch im heutigen Trump-Amerika sicher eines bekommen hätte. Stattdessen überquert er mit Dutzenden weiterer illegaler Einwanderer die Grenze zu den USA auf dem denkbar gefährlichsten Weg. Das sind nur zwei Fragen, die die Glaubwürdigkeit der Liebesgeschichte unnötig strapazieren. Eine Beantwortung hätte allerdings die zunehmend unglaubwürdige, im Finale komplett aus dem Ruder laufende Geschichte zerstört.

Dreams“ ist eine unterkühlte Studie in Abhängigkeit, die kein Drama und, vor allem, auch wenn die Synopse und die Seherfahrung danach klingen, kein Erotik-Thriller sein will. Das ganze wirkt mit seinen überlangen Sexszenen und seiner rückblendenreichen Erzählstruktur vor allem wie ein todernst durchgezogene Übung in Klischee-Didaktik mit einigen wenigen Ballettszenen.

Dreams – Gefährliches Verlangen (Dreams, USA/Mexico 2025)

Regie: Michel Franco

Drehbuch: Michel Franco

mit Jessica Chastain, Isaac Hernández, Rupert Friend, Marshall Bell

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Dreams“

Metacritic über „Dreams“

Rotten Tomatoes über „Dreams“

Wikipedia über „Dreams“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Dreams“

Meine Besprechung von Michel Francos „Sundown – Geheimnisse in Acapulco“ (Sundown, Mexiko/Frankreich/Schweden 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: „H wie Habicht“, T wie Trauer

Juli 24, 2026

Helen Macdonald (Claire Foy) ist eine junge, aufstrebende Wissenschaftlerin. In Cambridge begeistert die Naturwissenschaftlerin die Studierenden mit ihrem wieder unkonventionellem Unterricht. Im Moment hat sie ein Angebot für eine Postdoc-Stelle in Deutschland. Außerdem hat sie eine innige Beziehung zu ihrem Vater (Brendan Gleeson), einem begeisterten, Geschichten erzählendem Fotografen, der viel erlebt hat, jetzt bevorzugt die Natur fotografiert und dabei die Geschichte Englands dokumentiert.

Als er eines Tages einen Herzinfarkt hat und stirbt, ist Helen schockiert. Sein Tod wirft sie vollkommen aus der Bahn. Sie gleitet immer mehr in eine behandlungsbedürftige Depression. Mit der Zähmung eines Habichts versucht sie, unmittelbar nach dem Tod ihres Vaters, ihrem Leben wieder eine Struktur zu geben. Diese Sinnsuche gelingt ihr bestenfalls halb. Während sie sich immer mehr in die Abrichtung des Habichts hineinsteigert, verwahrlosen sie und ihre Wohnung zunehmend.

Viel nacherzählbare Geschichte hat TV-Regisseurin Philippa Lowthorpe in ihrem dritten Spielfilm nicht. Die auf dem gleichnamigem autobiographischem Bestseller von Helen Macdonald basiernde Charakterstudie „H wie Habicht“ konzentriert sich auf die Beziehung von Helen zu ihrem Habicht Mabel und ihren Erinnerungen an ihren Vater, der sie für die Natur begeisterte. Die größte Erzählzeit nimmt dabei Mabels in kleinen Schritten erfolgende und gezeigte Zähmung ein.

H wie Habicht“ punktet mit seinem Ensemble und dem titelgebendem Vogel, der mit einem Flügelschlag Helens halbe Wohnung zerstört. Verkörpert wird der Film-Habicht von zwei Habichten, mit denen vor allem Claire Foy agierte. Am Ende der kleinen, sensibel erzählten Geschichte wissen wir einiges über die Abrichtung von Vögeln, Habichte und Falken und die Unterschiede zwischen beiden Vögeln.

H wie Habicht (H is for Hawk, Großbritannien 2025)

Regie: Philippa Lowthorpe

Drehbuch: Philippa Lowthorpe, Emma Donoghue

LV: Helen Macdonald: H is for Hawk, 2014 (H wie Habicht)

mit Claire Foy, Brendan Gleeson, Lindsay Duncan, Josh Dylan, Denise Gough, Sam Spruell, Emma Cunniffe, Arty Froushan

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „H wie Habicht“

Metacritic über „H wie Habicht“

Rotten Tomatoes über „H wie Habicht“

Wikipedia über „H wie Habicht“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. Juli: Kleine schmutzige Briefe

Juli 23, 2026

ARD, 22.20

Kleine schmutzige Briefe (Wicked little Letters, Großbritannien 2023)

Regie: Thea Sharrock

Drehbuch: Jonny Sweet

In der südostenglischen Küstenstadt Littlehampton erhält in den 1920er Jahren die gottesfürchtige Edith Swan (Olivia Colman) anonyme Briefe voller Beleidigungen. Sie verdächtigt die aus Irland kommende extrem freigeistige Nachbarin Rose Gooding (Jessie Buckley). Die leugnet die Taten. Die neue Polizistin Glady Moss (Anjana Vasan) will die Briefeschreiberin finden. Im Gegensatz zu ihren Kollegen nicht mit Vorurteilen, sondern mit moderner Technik und echter Polizeiarbeit.

TV-Premiere. Auf einer wahren Geschichte basierende britische Komödie, die von ihrem spielfreudigem, sich Obszönitäten an den Kopf werfendem Ensemble enorm profitiert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Olivia Colman, Jessie Buckley, Anjana Vasan, Timothy Spall, Joanna Scanlan, Hugh Skinner, Malachi Kirby, Gemma Jones, Lolly Adefope, Eileen Atkins, Alisha Weir

Hinweise

Moviepilot über „Kleine schmutzige Briefe“

Metacritic über „Kleine schmutzige Briefe“

Rotten Tomatoes über „Kleine schmutzige Briefe“

Wikipedia über „Kleine schmutzige Briefe“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood listet die Flunkereien auf

Meine Besprechung von Thea Sharrocks “Kleine schmutzige Briefe” (Wicked little Letters, Großbritannien 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: „Toy Story 5“, 4, 3, 2, 1 – die Spielzeuge wollen spielen

Juli 23, 2026

Nachdem in den USA „Toy Story 5“ bereits am 19. Juni 2026 höchst erfolgreich startete, nimmt der neueste Pixar-Film jetzt Kurs auf die deutschen Kinos. In einigen Wochen dürfte er, unter anderem mit dem deutschen Einspiel, der erfolgreichste Film des Franchise sein.

Andrew Stanton, der in alle vorherigen „Toy Story“-Filme als Teil des Pixar-Teams und Autor involviert war, erzählt eine weitere Geschichte der bekannt-beliebten Spielzeuge Jessie, Woody und Buzz Lightyear, die am Filmanfang über die halbe Stadt verstreut sind,

Im Zentrum der Geschichte steht die achtjährige Bonnie, die am Ende von „Toy Story 3“ die Spielsachen erhielt. Sie hat keinen Computer, sondern spielt immer noch mit Puppen in einer von ihr erschaffenen Fantasiewelt. Denn nichts geht über eine von ihr erfundene Märchenhochzeit. Trotzdem hätte sie auch gerne echte Freundinnen. Aber die Nachbarskinder und ihre Klassenkameradinnen starren nur noch auf Computerbildschirme. Wenn sie es nicht tun, mobben sie Bonnie, weil sie immer noch mit Puppen spielt.

Das ändert sich, als Bonnie von ihren Eltern das Tablet Lilypad geschenkt bekommt. Plötzlich ist auch bei ihr der Computerbildschirm wichtiger als ihr altes Spielzeug. Sie kann sich mit Lilypads Hilfe mit den anderen Kindern verbinden.

Höchste Eisenbahn für die aus den vorherigen „Toy Story“-Filmen bekannten Figuren Woody, Buzz Lightyear, Jessie und ihre Spielzeugfreunde, sich um Bonnie zu kümmern. Aber wie kann es ihnen gelingen, Bonnies Aufmerksamkeit wieder zu ihnen zu lenken und wie können sie mindestens eine Freundin für Bonnie finden?

Als 1995 (bzw. 1996 in Deutschland) der erste „Toy Story“-Film anlief, spielte der Pixar-Film in einer vollkommen anderen Welt. Und für uns war es eine Überraschung, dass Puppen ein Eigenleben haben. Der Film war ein Erfolg. Fortsetzungen und das Spin-off „Lightyear“ folgten. Immer versuchen die Macher, eine neue Geschichte mit dem nicht alterndem Spielzeug zu erzählen. Dieses Mal geht es, sehr aktuell, um die Bedrohung der Kindheit durch Computer. Sie befürchten, dass sie nicht mehr zum nächsten Kind, das mit ihnen spielen will, weitergereicht werden, sondern auf dem Müllplatz landen, weil niemand mehr mit ihnen spielen will.

Das ist ein aktuelles Thema und Bonnie ist eine sehr liebenswerte Protagonistin. Dummerweise ist sie, ähnlich wie kürzlich Mabel Tanaka in dem Pixar-Film „Hoppers“, eine Protagonistin, die nur begrüßenswerte Eigenschaften hat. Sie ist eigentlich perfekt. Mabel will unbedingt und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln die Umwelt schützen. Wer kann etwas dagegen haben? Wer möchte nicht, dass bei Kindern das Bewusstsein für die Wichtigkeit und den Schutz der Umwelt geweckt werden? Bonnie ist ein herzensgutes, fröhliches, vielseitig interessiertes Kind, das eine blühende Fantasie hat und gerne mit Puppen spielt. Wer kann etwas dagegen haben, dass ein Kind sich Dinge ausdenkt und auf die Kraft der Fantasie vertraut? Vor allem wenn die Alternative ein zombiehaftes Starren auf einen Bildschirm ist, der fantasietötende Programme zeigt.

Und damit stellt sich die Frage, was Bonnie in dem Film lernen soll. Also, was die Botschaft sein soll. Mehr Zeit vor dem Computer verbringen kann nicht wirklich die intendierte Botschaft sein. Dass Computer auch für sinnvolle Dinge benutzt werden können – Lilypad unterstützt sie bei ihren Abenteuern – ist wahr, aber für einen Kinderfilm vielleicht eine etwas zu komplexe und auch die eher falsche Botschaft. In diesem Fall ist, ähnlich wie bei „Hoppers“, die absolut erwartbare Botschaft, dass es auch für Bonnie okay ist, Zeit vor einem Tablet zu verbringen und dort vor allem einfach zu konsumieren. Eltern werden diese Botschaft lieben, wenn sie demnächst mit ihren Söhnen und Töchtern über die Zeit vor dem Bildschirm diskutieren.

Die um diese Botschaft einer Koexistenz alter und neuer Spielzeuge herum erfundene Filmgeschichte ist ein ziemliches Chaos mit fünfzig Exemplaren der Hi-Tech-Edition von Buzz Lightyear, die auf einer Insel stranden, Actionszenen auf einer Autobahn und einer Farm und etlichen seltsamen Storyentscheidungen, wozu neben der Reise der Hi-Tech-Buzz-Lightyears auch eine neue Freundin von Bonnie gehört. Vor diesem Hintergrund können die Spielzeuge nur einen begrenzten Reiz entfalten.

Das gesagt, muss ich auch sagen, dass die in der von mir besuchten Vorstellung anwesenden Kinder ziemlich begeistert von dem Animationsfilm waren.

Toy Story 5 (Toy Story 5, USA 2026)

Regie: Andrew Stanton, Kenna Harris (Ko-Regie)

Drehbuch: Andrew Stanton , Kenna Harris (nach einer Geschichte von Andrew Stanton)

mit (in der Originalfassung) Tom Hanks, Tim Allen, Joan Cusack, Conan O’Brien, Scarlett Spears, Shelby Rabara, Mykal-Michelle Harris, Craig Robinson, Lori Alan, Jay Hernandez, Bonnie Hunt, Benito Antonio Martínez Ocasio (aka Bad Bunny), Keanu Reeves

(in der deutschen Fassung) Michael Bully Herbig, Rick Kavanian, Gery Seidl, Zeki Bulgurcu

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Toy Story 5“

Metacritic über „Toy Story 5“

Rotten Tomatoes über „Toy Story 5“

Wikipedia über „Toy Story 5“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andrew Stantons „John Carter: Zwischen zwei Welten“ (John Carter, USA 2012)

Meine Besprechung von Andrew Stanton/Angus MacLanes „Findet Dorie“ (Finding Dory, USA 2016)


TV-Tipp für den 23. Juli: Passagier 23 – Verschollen auf hoher See

Juli 22, 2026

Das ist ein Repost 

RTL, 20.15

Passagier 23 – Verschwunden auf hoher See (Deutschland 2018)

Regie: Alexander Dierbach

Drehbuch: Miriam Rechel

LV: Sebastian Fitzek: Passagier 23, 2014

Wenn jemand auf einer Kreuzfahrt spurlos verschwindet, ist es meistens Suizid oder Suff. Aber was ist, wenn eine solche verschwundene Person wieder auftaucht? Mit diesem Problem müssen sich auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ einige Menschen beschäftigen. Denn die vor acht Wochen verschwundene und für tot erklärte elfjährige Anouk Lamar ist schwer traumatisiert wieder aufgetaucht. Von ihrer Mutter fehlt immer noch jede Spur. Bei sich hatte Anouk den Teddybär des fast gleichaltrigen Timmy Schwartz. Timmy und seine Mutter gingen vor fünf Jahren auf der „Sultan of the Seas“ über Bord.

Jetzt kehrt der Berliner Polizeipsychologe Martin Schwartz auf das Kreuzfahrtschiff zurück. Er will das Rätsel um den Tod seiner Frau und seines Sohns und das rätselhafte Auftauchen von Anouk lösen. Auf dem Schiff trifft er Daniel Bonhoeffer, der damals und heute der Kapitän des Schiffes ist.

(Zwischenbemerkung: diese Inhaltsangabe folgt dem Roman. Für den Film wurde der Schiffsname und die Dauer von Anouks Verschwinden geändert.)

„Unterm Strich sind die 120 Minuten zwar spannend, aber „Passagier 23“ hätte ein noch besserer Film werden können.“ (tittelbach.tv)

mit Lucas Gregorowicz, Oliver Mommsen, Judy Winter, Kim Riedle, Mercedes Müller, André Röhner, Picco von Groote, Martin Lindow

Die Vorlage

Was für ein Filmjahr für Sebastian Fitzek. Nachdem zunächst alle Produzenten abwinkten, gab es dieses Jahr mit den TV-Filmen „Das Joshua-Profil“, „Amokspiel“ (noch nicht gesehen), „Passagier 23“ (dito) und dem Kinofilm „Abgeschnitten“ wahre Fitzek-Festspiele mit zwiespältigem Ergebnis. Immerhin gelang es Christian Alvart in „Abgeschnitten“ aus dem Serienkiller-Pageturner einen Serienkiller-Thriller zu machen, der mir sogar besser als der Roman gefiel.

Auch die Verfilmung von „Passagier 23“ dürfte schwierig sein. Denn der Pageturner ist ein typischer Fitzek-Roman. Es beginnt mit einem Rätsel (Warum kehrte die vor acht Wochen über Bord gegangene Anouk zurück? Wo war sie die ganze Zeit?) und schnell wird aus dem Ermittlerkrimi ein Thriller, in dem ständig etwas passiert. Die Figuren bleiben dabei immer spärlich charakterisierte Erfüllungsgehilfen der sich rasend schnell entwickelnden Ereignisse. In einem Roman funktioniert das. Für einen Film muss die Romangeschichte verändert werden. Charaktere müssen eingeführt werden. Beziehungen müssen etabliert werden und auch die falschen Fährten müssen anders ausgelegt oder vollkommen aus der Filmgeschichte gestrichen werden. Die Aufgabe des Drehbuchautors ist es, die Essenz des Romans und warum der Roman gelesen wurde, in ein anderes Medium zu übertragen. Dafür kann und muss die Vorlage verändert werden.

„Passagier 23“ ist ein ziemlich abstruser Thriller, der bis zur überraschenden Auflösung das Prinzip des Cliffhangers perfektioniert hat. Ehe man lange darüber nachdenken kann, ob das alles besonders wahrscheinlich ist, hat man das Buch zu Ende gelesen. Gleich danach streicht man die Idee mit der Kreuzfahrt von der nächsten Urlaubswunschliste. Gibt ja noch andere Orte, an denen es schön ist. Vielleicht ist da einer dabei, an dem keine Verbrechen geschehen.

Sebastian Fitzek: Passagier 23

Knaur, 2015

432 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Droemer, 2014

Hinweise

Wikipedia über Sebastian Fitzek und „Passagier 23 – Verschwunden auf hoher See“

Homepage von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Kind“ (2008)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Splitter“ (2009)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augensammler” (2010)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks “Der Augenjäger” (2011)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzek/Michael Tsokos‘ „Abgeschnitten“ (2012)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Der Nachtwandler“ (2013)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Das Joshua-Profil“ (2015)

Meine Besprechung von Max Rhodes (Pseudonym von Sebastian Fitzek) „Die Blutschule“ (2015)

Meine Besprechung von Sebastian Fitzeks „Passagier 23“ (2014) und Alexander Dierbachs Verfilmung „Passagier 23 – Verschwunden auf hoher See“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Zsolt Bács‘ Sebastian-Fitzek-Verfilmung “Das Kind” (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Christian Alvarts Sebastian-Fitzek-Michael-Tsokos-Verfilmung „Abgeschnitten“ (Deutschland 2018)

Meine Besprechung von Frank Schmolkes Comic-Adaption von Sebastian Fitzeks „Der Augensammler“ (2021)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Monsterhorror im Fjord: „Kraken – Erwachen der Tiefe“

Juli 22, 2026

Still ruht der Fjord. Dabei verrät Pål Øie schon in der ersten Minute seines neuen Films „Kraken – Erwachen der Tiefe“, dass unter der Oberfläche ein Monster lauert. 1970 schlug es zu. Das Fernsehen berichtete. Dann verschwand es.

Jetzt scheint es wieder in dem Fjord aufgetaucht zu sein. Jedenfalls verschwindet eine Gruppe Jugendlicher. Und ungewöhnlich viele Wildlachse sterben. Die aus der Gegend kommende Meeresbiologin Johanne soll das Sterben der Lachse untersuchen. Der Grund dafür könnte eine neue Lachsfarm sein, die mit einem revolutionärem Verfahren Zucht in einem großen Stil betreiben will.

Kraken“ erzählt seine Geschichte, mit minimalsten Überraschungen, strickt nach der seit dem „Der weiße Hai“ bekannten Formel. Das Monster aus der Tiefe, ein riesiger Kraken, wird durch menschliche Eingriffe in seinem natürlichem Lebensraum gestört. Er taucht auf, tötet Menschen und diese versuchen ihn zu töten. Das ganze wird, während die Schauspieler sich überzeugend im Non-Acting bewähren, mit etwas milder, sehr milder, wirklich sehr milder Kapitalismuskritik garniert.

Immerhin ist „Kraken“ kompetent inszeniert, es gibt schöne Bilder vom Fjord und er ist, wenn die Monster ganz oder in Teilen auftauchen, ordentlich getrickst.

Pål Øies Film wäre ein enttäuschender Tier-Horrorfilm, wenn man mehr erwartet hätte.

Kraken – Erwachen der Tiefe (Kraken, Norwegen 2026)

Regie: Pål Øie

Drehbuch: Vilde Eide, Kjersti Helen Rasmussen, Natasha Arthur (nach einer Geschichte von Pål Øie und Sjur Aarthun)

mit Sara Khorami, Mikkel Bratt Silset, Øyvind Brandtzæg, Jenny Evensen, Ingvild Holthe Bygdnes, Jon Erik Myre

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Kinostart: 23. Juli 2026

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Kraken“

Metacritic über „Kraken“

Rotten Tomatoes über „Kraken“

Wikipedia über „Kraken“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pål Øies „The Tunnel – Die Todesfalle“ (Tunnelen, Norwegen 2019)


TV-Tipp für den 22. Juli: Faster

Juli 21, 2026

Pro7, 22.25

Faster (Faster, USA 2010)

Regie: George Tillman Jr.

Drehbuch: Tony Gayton, Joe Gayton

Der Fahrer (Dwayne Johnson) ist stinkig: zuerst wird ein Coup verraten, dann sein Bruder ermordet und er für zehn Jahre in den Knast eingesperrt. Als er entlassen wird, will er sich rächen. Nach dem ersten Mord wird er von einem Polizisten (Billy Bob Thornton) und einem Killer (Oliver Jackson-Cohen) verfolgt.

„Faster“ orientiert sich ziemlich gelungen an den Gangsterthrillern der siebziger Jahre (und älter), die schnörkellos eine amoralische Geschichte erzählten. Nur die Schnittfrequenz (da wäre weniger mehr gewesen) und die Brutalität haben zugenommen.

Wer Filme wie „Point Blank“ oder „Driver“ liebt, sollte unbedingt dieses traditionsbewusste Werk einschalten.

Die Gayton-Brüder haben zuletzt die AMC-Westernserie „Hell on Wheels“ auf die Beine gestellt.

Mit Dwayne Johnson, Billy Bob Thornton, Oliver Jackson-Cohen, Carla Gugino, Maggie Grace, Moon Bloodgood, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Xander Berkeley, Tom Berenger

Wiederholung: Samstag, 25. Juli, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Faster“

Rotten Tomatoes über „Faster“

Wikipedia über „Faster“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von George Tillman Jr.s Nicholas Sparks-Verfilmung „Kein Ort ohne dich“ (The longest ride, USA 2015)

Meine Besprechung von George Tillman Jr.s Angie-Thomas-Verfilmung „The Hate U Give“ (The Hate U Give, USA 2018)


Cover der Woche

Juli 21, 2026

Jazzpianist Evan Horne ermittelt – und Bill Moody (1941 – 2018) verbindet gelungen eine spannende Krimigeschichte mit viel Jazz-Hintergrundwissen.

Dieser Roman ist noch regulär erhältlich. Bei den anderen empfiehlt sich der Gang ins Antiquariat.


„Die nackte Haut“ des Robert Brack ist Jazz und St. Pauli

Juli 21, 2026

Hamburg, 1951, sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Diktatur: In den USA hätte Martha Kiesler als Jazzpianistin Karriere machen können. Aber sie fremdelt mit der dortigen Kultur. Sechs Jahre nach dem Ende des Krieges kehrt sie in ihre alte Heimat zurück.

Ihr erstes Engagement ist in einer Seitenstraße der Reeperbahn als Bar-Pianistin im Hotel König-Royal. Das anspruchslose Hintergrundgeklimper geht ihr auf die Nerven. Sie will den damals in Deutschland noch verpönten und in seinen aktuellen Strömungen unbekannten Jazz spielen.

Eher schon gefällt ihr das Engagement in der neu eröffneten, von ihrem alten Freund Jack betriebenen Jazzkneipe „Bohemia Bar“. Sie stellt eine Band zusammen, hat Probleme mit ihrem immer unzuverlässigem, aber fantastischem Bassisten, einem fahnenflüchtigem US-Soldaten mit Drogenproblemen, und freut sich über die euphorischen Reaktionen des Publikums und den über sie erscheinenden Berichten. Sie könnte mit ihrer Musik Geld verdienen.

Währenddessen werden Anschläge gegen die „Bohemia Bar“ verübt.

Wer Robert Bracks neuen Roman „Die nackte Haut“ primär als Kriminalroman liest, dürfte enttäuscht sein. Der Krimianteil ist verschwindend gering und wirkt wie eine lästige Pflichtübung, weil Robert Brack ein Krimi-Autor ist, Krimi-Autoren Kriminalromane schreiben und weil jemand auf das ansprechende Retro-Cover das Wort „Kriminalroman“ schrieb.

Sein neuer Roman überzeugt als Jazzroman und als Sittengemälde von St. Pauli bevor Frank Göhre in einer Reihe grandioser Kriminalromane die Ereignisse auf dem Kiez ab den achtziger Jahren chronologisierte. Heute scheint der Kiez ein sehr ruhiger, um nicht zu sagen langweiliger Ort zu sein; – jedenfalls habe ich schon lange keinen auf St. Pauli spielenden Roman gelesen und auch in den Zeitungen wurde nichts über aufsehenerregende aktuelle kriminelle und halblegale Umtriebe geschrieben. Schon 2015 bemerkte Bernd Begemann in einem Song „St. Pauli hat uns ausgespuckt“, dass Paare in Versace-Sportkleidung und Junggesellinenabschiede den Kiez übernommen haben und die alten Mieter aus ihren Wohnungen vertrieben.

1951 war eine solche Gentrifizierung noch nicht einmal Zukunftsmusik. Schon damals hatte St. Pauli, wie Brack erzählt, ein ausgeprägtes Nachtleben mit dem damit zusammenhängenden Verbrechen, wie Prostitution, Schutzgelderpressung und Drogenkonsum. Im Mittelpunkt der Geschichte steht allerdings Martha Kiesler. Brack erzählt kundig, wie sie versucht, als Jazzpianistin zu überleben. Sie will den echten, gerade in der USA angesagten Jazz spielen. Brack streut die Namen der Musiker ein. Er erzählt vom Zusammenspiel der Jazzmusiker auf und hinter der Bühne und wie sie die Welt sehen. Da vermisst man die Krimihandlung nicht.

Wer nach „Die nackte Haut“ einen weiteren Jazz-Krimi lesen möchte, sollte Jake Lamars „Viper’s Dream“ lesen, kongenial übersetzt von Robert Brack. Der Krimi spielt 1961 zu großen Teilen in New York im legendären Cathouse der Baroness Pannonica de Koenigswarter. Auch in diesem Fall können die im Buch erwähnten Musikernamen als Ausgangspunkt für eine gute Playlist genommen werden.

TV-Tipp: Am Donnerstag, den 30. Juli, zeigt der MDR um 22.40 Uhr die Doku „Being Hipp – First Lady of European Jazz“ über die Pianistin Jutta Hipp. Sie war für Brack die Inspiration für Martha Kiesler.

Robert Brack: Die nackte Haut

Edition Nautilus, 2026

224 Seiten

18 Euro

Hinweise

Perlentaucher über „Die nackte Haut“

Wikipedia über Robert Brack

Homepage von Robert Brack

Meine Besprechung von Robert Bracks „Schneewittchens Sarg“ (2007)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Und das Meer gab seine Toten wieder” (2008)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Psychofieber” (1993, Neuausgabe 2008)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Blutsonntag“ (2010)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Unter dem Schatten des Todes“ (2012)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Die drei Leben des Feng Yun-Fat“ (2015)

Meine Besprechung von Robrt Bracks „Dammbruch – Ein Sturmflut-Thriller“ (2020)


TV-Tipp für den 21. Juli: Tatort: Miriam/Tatort: Kuscheltiere

Juli 20, 2026

WDR, 22.15

Tatort: Miriam (Deutschland 1983)

Regie: Peter Adam

Drehbuch: Horst Vocks, Thomas Wittenburg, Peter Adam

Kommissar Schimanski will herausfinden, wer einen Privatdetektiv ermordete. Bei seinen Ermittlungen stößt er auf die Industriellentochter Miriam Schultheiß. Sie behauptet, ihre Mutter wurde vor zwanzig Jahren von ihrem Vater ermordet. Der Detektiv habe die Beweise dafür beschaffen sollen.

Zwei frühe Schimanski-Fälle.

mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Christoph Hofrichter, Sunnyi Melles, Ruth Niehaus, Paul-Albert Krumm

WDR, 23.45

Tatort: Kuscheltiere (Deutschland 1982)

Regie: Hajo Gies

Drehbuch: Chiem van Houweninge

Im Rhein wurde ein asiatisches Mädchen regelrecht bestattet. Ihre Identität und wie es nach Europa gekommen ist unklar. Aber weil das Kind an einer gefährlichen Infektionskrankheit starb, ist Eile geboten.

mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Ulrich Matschoss, Christoph Hofrichter, Nate Seids, Dieter Pfaff

Hinweise

Horst-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über Horst Schimanski, „Tatort: Miriam“ und „Tatort: Kuscheltiere

Meine Besprechung von Martin Schüllers Schimanski-Roman „Moltke“ (2010)

ARD über den „Tatort“

 


TV-Tipp für den 20. Juli: Der Mann, der Liberty Valance erschoss

Juli 19, 2026

Arte, 20.15

Der Mann, der Liberty Valance erschoss (The man who shot Liberty Valance, USA 1962)

Regie: John Ford

Drehbuch: James Warner Bellah, Willis Goldbeck

LV: Dorothy M. Johnson: The Man, who shot Liberty Valence, 1953 (Kurzgeschichte, erschienen in „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“)

Als junger Anwalt kam Senator Ransom Stoddard nach Shinbone, einer kleinen Stadt im Wilden Westen, die von Liberty Valance, dem skrupellosen Handlanger der örtlichen Viehzüchter, denen Recht und Gesetz egal ist, beherrscht wird. Stoddard will das ändern.

Western-Klassiker und einer von John Fords schönsten Filmen.

mit James Stewart, John Wayne, Vera Miles, Lee Marvin, Edmund O’Brien, John Carradine, Woody Strode, Strother Martin, Lee Van Cleef

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“

Wikipedia über „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Österreichisches Filmmuseum/Viennale(herausgegeben von Astrid Johanna Ofner und Hans Hurch) „John Ford“ (2014)


TV-Tipp für den 19. Juli: Fußball-WM: Endspiel

Juli 18, 2026

ZDF, 19.30

Fußball-WM: Endspiel Spanien – Argentinien

Das Spiel beginnt um 21.00 Uhr. Davor gibt es viele, wahrscheinlich überwiegend banale Information. Die Zeiten, in denen einfach nur, kurz vor Spielbeginn, gesagt wurde, wer auf dem Platz steht, sind vorbei.

Nach dem Spiel, möglicherweise mit Verlängerung und Elfmeterschießen, gibt es dann tiefschürende Analysen – und Nicht-Fußballfans konnten an einem Ort ihrer Wahl einen gemütlichen Abend verbringen und erfreut-beruhigt denken: Es ist vollbracht.

Hier geht’s zum Livestream.


TV-Tipp für den 18. Juli: Columbo: Bluthochzeit

Juli 17, 2026

RTL up, 20.15/23.35

Columbo: Bluthochzeit (Columbo: No time to die, USA 1992)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: Robert Van Scoyck

LV: Ed McBain: So Long As You Both Shall Live, 1976 (So lang ihr zwei noch lebt)

Ein persönlicher Fall für Columbo: Ein Irrer hat die Braut seines Neffen gekidnappt.

Ein Columbo, der sich nicht an die Columbo-Formel hält. Aber wer hätte das bei einer Ed McBain-Story erwartet?

„Bluthochzeit“ ist einer der besten neuen Columbo-Fälle; jedenfalls wenn man auch einmal auf die Columbo-Formel verzichten kann: ein ungewöhnlicher Fall (kein Mord, sondern ein Kidnapping ohne Lösegeldforderung), bei dem die normale Polizeiarbeit im Vordergrund steht (es wird öfters gezeigt, wie frustrierend langwierig das Beschaffen von Informationen ist), es fast keine Columbo-Maniriesmen gibt (und die verbleibenden sind eher zufällig) und die Geschichte ungewohnt straff erzählt wird (ein Manko der neuen Columbos ist, dass sie alle altmodischer als die klassischen Columbos wirken). „Bluthochzeit“ ist ein Columbo, der auch Columbo-Hassern gefallen könnte.

Oh, es ist auch einer der ganze wenigen Fälle, in denen Columbo eine Pistole trägt.

Davor (um 18.30 Uhr) und danach (um 21.55 Uhr) gibt es mit „Ein Spatz in der Hand“ (USA 1992) einen weiteren Columbo-Fall

Mit Peter Falk, Joanna Going, Daniel Davis, Thomas Calabro, Dan Butler, Doug Savant, Daniel McDonald, Donald Moffat

Hinweise

Wikipedia über „Columbo“ (deutschenglisch)

Fernsehlexikon über “Columbo”

“Columbo”-Fanseite

Deutsche “Columbo”-Fanseite

Noch eine deutsche “Columbo”-Fanseite

TV Time Machine: Audiointerview mit Peter Falk und Mark Dawidziak

Mein Nachruf auf Peter Falk

zu Ed McBain

Mehr über Ed McBains Columbo-Filme

Homepage von Ed McBain

Meine Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2006)

Meine Besprechung von Ed McBains “Die Gosse und das Grab” (The Gutter and the Grave, 2005, Erstausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)