TV-Tipp für den 28. Februar: I, Tonya

Februar 27, 2021

RTL II, 20.15

I, Tonya (I, Tonya, USA 2017)

Regie: Craig Gillespie

Drehbuch: Steven Rogers

TV-Premiere. Schön schwarzhumorige, auf wahren Ereignissen basierende Satire auf den American Way of Life: White-Trash-Eiskunstläuferin Tonya Harding kämpft um ihren Platz auf dem Siegerpodest. Nicht immer mit legalen Mitteln.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Margot Robbie, Sebastian Stan, Allison Janney, Julianne Nicholson, Paul Walter Hauser, Bobby Cannavale, Bojana Novakovic, Caitlin Carver, Maizie Smith, Mckenna Grace

Wiederholung: Montag, 1. März, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „I, Tonya“

Metacritic über „I, Tonya“

Rotten Tomatoes über „I, Tonya“

Wikipedia über „I, Tonya“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „I, Tonya“

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Fright Night“ (Fright Night, USA 2011)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „I, Tonya“ (I, Tonya, USA 2017)


TV-Tipp für den 27. Februar: Den Menschen so fern

Februar 26, 2021

3sat, 23.00

Den Menschen so fern (Loin des Hommes, Frankreich 2014)

Regie: David Oelhoffen

Drehbuch: David Oelhoffen

LV (frei nach): Albert Camus: L’Hôte, 1957 (Der Gast, Erzählung)

Algerien, 1954: Der Ex-Soldat und Lehrer Daru soll den des Mordes angeklagten Bauern Mohamed in die nächste Stadt bringen, wo er zum Tod verurteilt wird. Während Daru ihn nicht dorthin bringen will, will Mohamed unbedingt dorthin

Tolles existenzialistisches Drama vor einer menschenleeren Western-Kulisse, musikalisch spärlich untermalt von Nick Cave und Warren Ellis.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viggo Mortensen, Reda Kateb, Djemel Barek, Vincent Martin Nicolas Giraud, Angela Molina

Hinweise
Moviepilot über „Den Menschen so fern“
AlloCiné über „Den Menschen so fern“
Metacritic über „Den Menschen so fern“
Rotten Tomatoes über „Den Menschen so fern“
Wikipedia über „Den Menschen so fern“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von David Oelhoffens „Den Menschen so fern“ (Loin des Hommes, Frankreich 2014)


DVD-Kritik: „Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt“, diese Kleinstadtbullen

Februar 26, 2021

Leben und leben lassen ist das unausgesprochene Motto von Deniz, Rocky, Hagen, Netti und ihren Chef Rainer. Sie sind Provinzpolizisten und mit dem „leben lassen“ haben sie insofern ein Problem, das ein echtes Luxusproblem ist: in ihrem Bezirk gibt es keine Verbrechen. Dieser paradisische Zustand wird zum Problem als von der Polizeidirektion Düsseldorf eine junge, taffe und extrem zielorientierte Beamtin von der Internen Revision zu ihnen nach Ahlen geschickt wird. Sie soll überprüfen, ob die Wache nicht geschlossen werden kann.

Deniz, Rocky, Hagen und Netti beschließen, ohne mit ihrem Chef darüber zu sprechen, sich zu wehren. Sie wollen beweisen, dass sie und ihre Wache gebraucht werden. Nicht mit einer Image-Kampagne, in der Kleinstadtbewohner protestierend vor die Stadtverwaltung ziehen, sondern indem sie beginnen Straftaten zu inszenieren, die sie dann eifrig protokollieren. Auch wenn es anfangs nur ein im Vollrausch eingeworfenes Fenster eines Lokals oder ein geklauter Deoroller ist.

Schwieriger wird die Situation für sie, als die Interne Revisorin ahnt, wer für die amateurhaft durchgeführten Verbrechen verantwortlich ist und sie verlangt, dass die Beamten die Täter überführen.

Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt“, ein Remake der schwedischen Komödie „Kops“, ist das Regiedebüt von Alexander Schubert. Als Albrecht von Humboldt gehört er zum Ensemble der „heute-show“. Um nur seine bekannteste Rolle zu nennen. Denn die Satiresendung hat auf den Film keinen direkten Einfluss. „Faking Bullshit“ will keine Polit-Satire sein und auch keine knallig zugespitzte schwarzhumorige Komödie wie „The Guard“, in der ein schwarzer FBI-Agent in Irland mit einem örtlichen Kollegen eine Drogenschmugglerbande jagt und Regisseur und Drehbuchautor John Michael McDonagh die Gegensätze und Vorurteile hemmungslos aufeinanderprallen lässt.

Faking Bullshit“ ist und will auch nicht mehr sein, als ein bestenfalls nett-harmloses Komödchen, das sich viel Zeit lässt, seine Figuren voller Sympathie beim Nichtstun zu beobachten. Es gibt einige eher didaktische als witzige Dialoge über Vorurteile gegenüber Ausländern, Geschlechterklischees und Kunst. Denn die Interne Revisorin Tina (Auf der Wache 23 wird sich prinzipiell geduzt.) war vor ihrer Strafmission in die nordrhein-westfälische Provinz bei der Eröffnung einer Austellung eines anonymen Künstlers als Aktivistin auffällig geworden. A3N, so das Pseudynom des Künstlers, stellte riesige Bilder von wie Augen aussehenden Vulven aus und provozierte damit eine Diskussion über Kunst oder Pornographie. Die Bilder wurden gestohlen und Deniz glaubt jetzt, dass die wertvollen Bilder in Ahlen in einer Garage versteckt sind.

Der harmoniesüchtige Film plätschert harmlos behäbig und absolut vorhersehbar vor sich hin. Die wenigen guten Gags (so sagt Netti bei einem Gespräch mit einem Bürger: „Humor ist in Deutschland verboten.“) wiegen nicht die vielen verpassten Chancen und ignorierten Möglichkeiten auf. Potentiell vielversprechende Figuren und Handlungsstränge werden nicht weiter verfolgt. Und die Lücken in der Geschichte sind ärgerlich. So erfahren wir nicht, um nur ein Beispiel zu nennen, wer warum Rainers Fahrrad stahl und wie es wiedergefunden wurde.

Da drehe ich liebe noch eine Runde in Niederkaltenkirchen.

Faking Bullshit – Krimiller als die Polizei erlaubt (Deutschland 2020)

Regie: Alexander Schubert

Drehbuch: Alexander Schubert

mit Erkan Acar, Sina Tkotsch, Adrian Topol, Sanne Schnapp, Alexander Hörbe, Xenia Assenza, Bjarne Mädel, Alexander von Glenck, Jörg Schüttauf, Mišel Matičević, Dietrich Hollinderbäumer

DVD

EuroVideo

Bild: 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Blu-ray identisch. Auch digital verfügbar.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Faking Bullshit“

Moviepilot über „Faking Bullshit“

Wikipedia über „Faking Bullshit“


TV-Tipp für den 26. Februar: Nocturnal Animals

Februar 25, 2021

3sat, 22.25

Nocturnal Animals (Nocturnal Animals, USA 2016)

Regie: Tom Ford

Drehbuch: Tom Ford

LV: Austin Wright: Tony & Susan, 1993 (Tony & Susan) (manchmal auch „Tony and Susan“ bzw. „Tony und Susan“, US-Neuausgabe unter „Nocturnal Animals“)

Die erfolgreiche Kunsthändlerin Susan erhält ein unveröffentlichtes Roman-Manuskript ihres Ex-Mannes Edward, zu dem sie seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr hat. Sie beginnt den Roman zu lesen und, während der Film zwischen Susans Leben und dem Roman hin und her springt, ahnen wir, dass Edward in seinem Kriminalroman ihre Beziehung verarbeitete.

„Nocturnal Animals“ ist ein Manufactum-Film, bei dem der Stil, die richtige Geste, die richtige Ausleuchtung und der äußere Schein wichtiger als der Inhalt ist. Alles ist höchst elegant, gut besetzt und in jeder Beziehung gut inszeniert (was ihn unbedingt sehenswert macht), aber auch immer eine Spur zu offensichtlich und zu eindeutig, um wirklich zu verunsichern oder emotional zu bewegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Karl Glusman, Armie Hammer, Laura Linney, Andreas Riseborough, Michael Sheen

Hinweise

Moviepilot über „Nocturnal Animals“

Metacritic über „Nocturnal Animals“

Rotten Tomatoes über „Nocturnal Animals“

Wikipedia über „Nocturnal Animals“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom Fords „Nocturnal Animals“ (Nocturnal Animals, USA 2016)


DVD-Kritik: „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ macht jetzt Hausbesuche

Februar 25, 2021

Zum Kinostart am 8. Oktober (und damit ungefähr drei Wochen vor dem aktuellen Lockdown) schrieb ich ziemlich begeistert:

Auf diesen Film freue ich mich seit einigen Monaten. Als ich für meine Besprechung von Hannelore Cayres Krimi „Die Alte“ Hintergrundmaterial sammelte, erfuhr ich, dass Cayres Noir von Jean-Paul Salomé mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle verfilmt wird.

Über Isabelle Huppert muss wohl nichts mehr gesagt werden.

Jean-Paul Salomé ist deutlich unbekannter. Einige dürften immerhin seine ab und zu im Fernsehen laufenden, vor historischer Kulisse spielenden Abenteuerfilme/Thriller „Arsène Lupin“ und „Female Agents – Geheimkommando Phoenix“ kennen.

In Salomés neuem Film spielt Huppert Patience Portefeux, die titelgebende ‚Frau mit berauschenden Talenten‘. Auch wenn Madame Portefeux auf den ersten Blick wie eine taffe Mittfünfzigerin, die nichts erschüttern kann, wirkt, ist ihr Leben gar nicht so rosig. Die Pariserin lebt allein – ihr Mann starb vor zwanzig Jahren und sie hat erst jetzt seine Schulden abbezahlt -, die beiden erwachsenen Töchter leben ihr Leben und ihre Mutter liegt in einem Pflegeheim, das sie jeden Monat 3200 Euro kostet. Eine Menge Geld.

Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Übersetzerin. Freiberuflich und ohne Altersvorsorge. Für das Drogendezernat belauscht und übersetzt sie die auf arabisch geführten Gespräche der Drogenhändler und ihrer Familien.

Als ihre Mutter wegen unbezahlter Rechnungen in ein anderes Heim verlegt werden soll und sie aus einem abgehörtem Telefonat erfährt, dass der junge Drogenhändler, der verhaftet werden soll, der Sohn von Khadidja, einer Pflegerin ihrer Mutter, ist, greift sie spontan in die geplante Verhaftung ein. Sie informiert Khadidja. Die informiert ihren Sohn. Der kann vor seiner Verhaftung die Drogen verstecken.

Patience ergreift die sich ihr bietende Chance. Wenn sie die Drogen vor der Polizei und den Cherkaoui-Brüdern, die auf ihre Lieferung warten, findet, kann sie sich finanziell sanieren. Mit Geduld, detektivischem Gespür und dem pensionierten Drogenhund DNA findet sie vor allen anderen die Drogen. Sie versteckt sie im Keller des Mietshaus, in dem sie wohnt und beginnt sie an arabische Drogenhändler zu verkaufen. Immerhin kennt sie von ihrer Arbeit als Übersetzerin die potentiellen Großeinkäufer, ihre Nöte und die aktuellen Preise.

Und weil die Polizei schnell versucht, die neu in der Szene aufgetauchte geheimnisvolle Drogenhändlerin zu verhaften, muss sie weiter die Ermittlungen der Polizisten, mit denen sie seit längerem vertrauensvoll zusammenarbeitet, sabotieren. Ihr aktueller Freund Philippe ist sogar der Leiter der Drogenfahnder und er ist grundehrlich.

Jean-Paul Salomé macht aus Hannelore Cayres schwarzhumoriger Romanvorlage einen ebenso schwarzhumorigen, niemals moralisierenden, angenehm respektlosen Film, der genau deshalb Claude Chabrol in jeder Beziehung gefallen hätte. Auch dass die Frauen gegenüber den doch meist arg tumben Männern ein besseres Bild abgeben, hätte ihm gefallen. Sie wissen, wie Probleme ohne Gewalt gelöst werden können. Beispielsweise mit einem kleinen Geschäft, von dem beide Seiten profitieren. So versteht Patiences Hausverwalterin sofort Patiences Vorschlag für ein Geschäft. Denn irgendwie muss das Drogengeld gewaschen werden. Davor und danach bringt die kleine Patience den deutlich größeren und ihr körperlich überlegenen arabischstämmigen Macho-Drogenhändlern Manieren und Disziplin bei.

Salomé schrieb das Drehbuch zusammen mit Cayre. Gemeinsam machten sie die Romangeschichte filmischer und verzichteten auf einige Hintergrundinformationen zu Patiences Familiengeschichte.

 

Jetzt erschien die Komödie auf DVD in einer schicken Pappverpackung und mit überschaubarem Bonusmaterial. Es gibt einige Screentests und untertitelte Interviews mit Jean-Paul Salomé (auf französisch) und Isabelle Huppert (auf englisch), die einige Hintergründe vermitteln, aber weitgehend werblichen Charakter haben. Das wird besonders deutlich, wenn Patience („50 % Polizistin, 50 % Dealerin, 100 % glaubwürdig“) beschrieben wird, ohne etwas Wichtiges über die Filmgeschichte zu verraten.

Ansonsten: ein sehenswerter Film nach einem lesenswerten Roman.

Das eine kann man jetzt auf der heimischen Couch erledigen. Das andere auch an anderen Orten. Das andere andere auch.

Eine Frau mit berauschenden Talenten (La daronne, Frankreich 2020)

Regie: Jean-Paul Salomé

Drehbuch: Hannelore Cayre, Jean-Paul Salomé, Antoine Salomé (Zusammenarbeit)

LV: Hannelore Cayre: La daronne, 2017 (Die Alte)

mit Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, Farida Ouchani, Liliane Rovère, Iris Bry, Nadja Nguyen, Rebecca Marder, Rachid Guellaz, Mourad Boudaoud, Youssef Sahraoui, Kamel Guenfoud

DVD

good!movies

Bild:2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit Jean-Paul Salomé und Isabelle Huppert, Casting Tests, Audiodeskription Untertitel für Hörgeschädigte

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Hannelore Cayre: Die Alte

(übersetzt von Iris Konopik)

Argument Verlag, 2019

208 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La daronne

Éditions Métailié, Paris 2017

Hinweise

AlloCiné über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Moviepilot über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“

Wikipedia über „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (deutsch, französisch)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“ (Commis d’office, 2004)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Das Meisterstück“ (Toiles de maitre, 2005)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Die Alte“ (La daronne, 2017)

Meine Besprechung von Jean-Paul Salomés „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (La daronne, Frankreich 2020)


TV-Tipp für den 25. Februar: Hereditary – Das Vermächtnis

Februar 24, 2021

3sat, 23.00

Hereditary – Das Vermächtnis (Hereditary, USA 2018)

Regie: Ari Aster

Drehbuch: Ari Aster

Eigentlich ist Annie Graham über den Tod ihrer dominanten Mutter ganz froh. Trotzdem versucht sie sie während einer Séance zu kontaktieren. Dass das keine gute Idee ist, wissen gestandene Horrorfilmfans. Dass in diesem Moment schon die gesamte Familie Graham sich wie traumatisiert und von Dämonen getrieben durch das einsam gelegene Haus bewegt, trägt dann auch zur Beunruhigung gestandener Horrorfilmfans bei.

TV-Premiere eines überaus gelungenen, souverän inszenierten Filmdebüts, das ein wirklicher Feel-Bad-Film ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Toniy Collette, Gabriel Byrne, Alex Wolff, Milly Shapiro, Ann Dowd

Hinweise

Moviepilot über „Hereditary“

Metacritic über „Hereditary“

Rotten Tomatoes über „Hereditary“

Wikipedia über „Hereditary“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ari Asters „Hereditary – Das Vermächtnis“ (Hereditary, USA 2018)

Meine Besprechung von Ari Asters „Midsommar“ (Midsommar, USA 2019)


DVD-Kritik: Kann der „Bodyguard“ die Innenminsterin schützen? Und will er das überhaupt?

Februar 24, 2021

Spannender als die letzten drei Bond-Filme zusammen“, schrieb die Süddeutsche Zeitung laut dem DVD-Cover über die britische TV-Serie „Bodyguard“.

Mit sechs Stunden ist die Miniserie in jedem Fall kürzer als die letzten drei Bond-Filme.

In der von Jed Mercurio („Line of Duty“) erfundenen Serie geht es um David Budd (Richard Madden), Kriegsveteran mit posttraumatischer Belastungsstörung (nicht behandelt auf eigenen Wunsch) und Personenschützer bei einer Spezialeinheit der Londoner Polizei. Als er seine beiden Kinder zu seiner Frau, von der er getrennt lebt, bringen will, kann er im Zug einen Selbstmordanschlag verhindern. Kurz darauf wird er zum Personenschützer der Innenministerin Julia Montague (Keeley Hawes) befördert. Sie ist eine Kriegstreiberin und will ein heftig umstrittenes Überwachungsgesetz durch das Parlament bringen. Außerdem möchte sie in der Partei aufsteigen. Genug Konflikte und, immerhin ist „Bodyguard“ eine Krimiserie, genug potentielle Attentäter und, das kann man angesichts der vielen Frauen, von denen Budd umgeben ist und die ihm teilweise Befehle erteilen können, Attentäterinnen, die Montague umbringen wollen.

Auch Budd ist, jedenfalls in den ersten Episoden, ein möglicher Attentäter. Er macht Politiker wie Montague, die für Kriegseinsätze stimmten, für seine Situation verantwortlich. Er ist auch Mitglied einer losen Veteranengruppe, die ihren Hass auf die Politiker pflegt.

Der Verdacht zerstreut sich, nachdem er ihr das Leben rettet, es Spuren in den Sicherheitsapparat gibt (was natürlich etwas seltsam ist, weil das von ihr protegierte Gesetz der feuchte Traum der Sicherheitsbehörden ist) und er, wie „Bodyguard“ Kevin Costner in dem anderen Film, eine Affäre mit ihr beginnt.

Spätestens in dem Moment ist klar, dass „Bodyguard“, trotz einiger realpolitischer Anspielungen, reinstes Entertainment ist. Wahrscheinlichkeit und Logik werden einfach dem nächsten Anschlag geopfert. Das sorgt durchgehend für abenteuerliche Wendungen und, immer wieder, für vollkommen absurde Szenen. So war schon beim Auftakt, als Budd im Zug die Selbstmordattentäterin zur Aufgabe bewegen kann, die Polizei erstaunlich schießwütig. Budd scheint der einzige Bodyguard der Innenministerin zu sein. Und als Budd später mit einem Sprengstoffgürtel und einem Totmannschalter (also einer Vorrichtung, die die Bombe explodieren lässt, wenn er seinen Finger vom Sprengknopf entfernt) auf Londons Straßen stolpert, ist es ähnlich absurd. Er versichert den herbeigeeilten Polizisten, dass er die Bombe nicht zünden will. Die Mitglieder der Spezialeinheit überlegen nicht, wie sie die Bombe entschärfen könnten, sondern sie überlegen, wie sie ihn erschießen können – und damit die Bombe explodieren lassen. Etwas nachvollziehbarer wird die idiotische Szene, weil Budd in dem Moment schon in Richtung des Sicherheitsapparats ermittelt und der Täter seine Enttarnung verhindern kann, indem er Budd erschießen und ihn so endgültig zum perfekten und von den Bösewichtern schon lange geplanten Sündenbock werden lässt.

So ist „Bodyguard“ eskapistische Thrillerunterhaltung, die mit sechs Stunden etwas lang geraten ist. Gerade in der zweiten Hälfte der ersten Episode und der zweiten Episode plätschert die Geschichte arg ziellos vor sich hin. Am Ende der dritten Episode gibt es dann ein Ereignis, das alles verändert. Und das Finale ist ziemlich spannend. Wenn man nicht darüber nachdenkt.

In England war die sechsteilige Serie ein Kritiker- und Publikumserfolg.

Eine zweite Staffel ist beschlossen. Unklar ist, wann sie gedreht und ausgestrahlt wird.

Das Bonusmaterial besteht aus dem üblichen Werbematerial.

Bodyguard (Bodyguard, Großbritannien 2018)

Regie: John Strickland, Thomas Vincent

Drehbuch: Jed Mercurio

mit Richard Madden, Keeley Hawes, Sophie Rundle, Vincent Franklin, Ash Tandon, Gina McKee, Nina Toussaint-White

DVD

Pandastorm

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Making of, Interviews, Behind the Scenes, Originaltrailer

Länge: 362 Minuten (6 Folgen à 60 Minuten, 3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zur Serie

Englische Homepage zur Serie

Moviepilot über „Bodyguard“

Metacritic über „Bodyguard“

Rotten Tomatoes über „Bodyguard“

Wikipedia über „Bodyguard“ (deutsch, englisch) (Vorischt Spoiler)


TV-Tipp für den 24. Februar: Tatort: Saarbrücken an einem Montag…

Februar 23, 2021

SWR, 23.30

Tatort: Saarbrücken an einem Montag… (Deutschland 1970)

Regie: Karl-Heinz Bieber

Drehbuch: Johannes Niem

Die Kommissare Liersdahl und Schäfermann suchen die verschwundene Datenverarbeiterin eines Stahlwerks.

Das „Taxi nach Leipzig“, den ersten „Tatort“ kennt jeder, aber „Saarbrücken an einem Montag…“, der zweite „Tatort“ ist dagegen fast unbekannt, weil er fast nie gezeigt wird. Dennoch ist er einen Blick wert.

mit Dieter Eppler, Manfred Heidmann, Eva-Maria Meineke, Horst Naumann, Eva Christian, Erik Schumann

Hinweise

Filmportal über „Saarbrücken an einem Montag…“

Wikipedia über „Saarbrücken an einem Montag…“

Tatort-Fundus über Kommissar Liersdahl


Cover der Woche

Februar 23, 2021

John Rawls (21. Februar 1921 – 24. November 2002), sein bekanntestes Buch


TV-Tipp für den 23. Februar: Rio Lobo

Februar 22, 2021

Servus TV, 22.05

Rio Lobo (Rio Lobo, USA 1970)

Regie: Howard Hawks

Drehbuch: Burton Wohl, Leigh Brackett (nach einer Story von Burton Wohl)

Nach dem Bürgerkrieg sucht der Nordstaatenoffizier Cord McNally (John Wayne) in Texas nach zwei Verrätern, die beim Diebstahl eines von ihm verantworteten Goldtransports involviert waren.

Der letzte Spielfilm von Howard Hawks und damit auch seine letzte Zusammenarbeit mit John Wayne und der letzte seiner nach einem Fluß benannten Western: „Rio Lobo“ ist kein Klassiker, aber okay.

mit John Wayne, Jorge Rivero, Jennifer O’Neill, Jack Elam, Chris Mitchum, Jim Davis

Wiederholung: Mittwoch, 24. Febuar, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rio Lobo“

Wikipedia über „Rio Lobo“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. Februar: Du lebst noch 105 Minuten

Februar 21, 2021

Arte, 20.15

Du lebst noch 105 Minuten (Sorry, wrong number, USA 1948)

Regie: Anatole Litvak

Drehbuch: Lucille Fletcher (nach ihrem Hörspiel)

Die vermögende, bettlägerige Leona Stevenson hört zufällig ein Telefongespräch mit, in dem ein Mord verabredet wird. Sie versucht den Mord zu verhindern. Dabei ahnt sie nicht, dass sie das Opfer ist.

Spannender Noir-Thriller, der gerade wegen seiner genial einfachen Grundidee auch siebzig Jahre nach der Premiere beim wiederholten Sehen immer wieder spannend ist.

Das Drehbuch war 1949 für den Edgar als bestes Drehbuch nominiert.

Mit Barbara Stanwyck, Burt Lancaster, Wendell Corey, Ed Begley

Wiederholung: Donnerstag, 25. Februar, 13.45 Uhr

Hinweise

Noir of the Week über „Du lebst noch 105 Minuten“

Rotten Tomatoes über „Du lebst noch 105 Minuten“

Wikipedia über „Du lebst noch 105 Minuten“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 21. Februar: There will be Blood

Februar 20, 2021

Arte, 20.15

There will be Blood (There will be Blood, USA 2007)

Regie: Paul Thomas Anderson

Drehbuch: Paul Thomas Anderson

LV: Upton Sinclair: Oil!, 1927 (Öl!)

Porträt von Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis), einem kapitalistisch-egoistischem, Menschen verachtenden und rein instrumentell behandelnden Ölsucher, der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Kalifornien ein Vermögen macht. Sein Gegenspieler ist der ebenso ehrgeizige evangelikale Prediger Eli Sunday (Paul Dano). Mit großen Showveranstaltungen sammelt er Gläubige um sich. Und mit Plainview kooperiert er, um seine Gemeinde (und damit sich selbst) zu mästen.

Bildgewaltiges Drama, das in jeder Sekunde auf maximale Überwältigung zielt. Und vom Wesen der amerikanischen Kultur erzählt.

Mit Daniel Day-Lewis, Paul Dano, Kevin J. O’Connor, Ciarán Hinds, Dillon Freasier, Elizabeth Barrett

Hinweise

Rotten Tomatoes über „There will be Blood“

Wikipedia über „There will be Blood“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ (Inherent Vice, USA 2015)

Meine Besprechung von Paul Thomas Andersons „Der seidene Faden“ (Phantom Thread, Großbritannien 2017)


TV-Tipp für den 20. Februar: Tödliche Entscheidung

Februar 19, 2021

Servus TV, 22.05

Tödliche Entscheidung (Before the devil knows you’re dead, USA 2007)

Regie: Sidney Lumet

Drehbuch: Kelly Masterson

Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.

Mit seinem letzten Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.

Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.

„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino. Ein potentieller Klassiker.

mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris

Wiederholung: Sonntag, 21. Februar, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Tödliche Entscheidung”

Wikipedia über „Tödliche Entscheidung“ (deutsch, englisch)

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


VoD-Kritik: „Sunburned“ – einmal Sommerurlaub mit Urlaubsbekanntschaft

Februar 19, 2021

Mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester und ihrer Mutter verbringt die 13-jährige Claire den Sommerurlaub in einem Ferienressort in Andalusien.

Während ihre Mutter und ihre Schwester die Zeit mit Urlaubsliebschaften verbringen, streunt Claire, jung, naiv und gelangweilt, durch das Hotel, nimmt am Freizeitprogramm teil und trifft am Strand auf den gleichaltrigen Amram. Der aus dem Senegal kommende Flüchtling verkauft billigen Schmuck und hofft auf eine bessere Zukunft. Für Geld würde er fast alles tun. Claire verbringt viel Zeit mit ihm. Und auch Amram genießt die Zeit mit ihr. Als ihre Beziehung intensiver wird, möchte sie ihm helfen; wobei ihre Versuche, ihm zu helfen seine Situation verschlechtern. So gibt sie ihm die Kreditkarte ihrer Mutter. Er kann damit selbstverständlich kein Geld abheben, aber er wird als Dieb verdächtigt.

Sunburned“, der im Sommer in den Kinos lief, ist der dritte Spielfilm von Carolina Hellsgård. Ihr Spielfilmdebüt „Wanja“ lief auf der Berlinale und war für den Best First Feature Award nominiert. Als nächste inszenierte sie den in Deutschland spielenden und trotz einiger Mängel sehenswerten Zombiefilm „Endzeit“. Ihr dritter Spielfilm ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die auch die Flüchtlingsthematik anspricht und das Leben in einem Ferienressort schildert, das für mich einen immerwährenden Besuch im Purgatorium angenehmer erscheinen lässt. Entsprechend sympathisch fand ich Claires ständig gelangweilt-genervten Blick. Schon als Kind hält sie nichts von dieser Form des Massentourismus, der überhaupt kein Interesse am Gastland hat. Sie ist auch die einzige Person, die sich für das Leben außerhalb der Hotelanlage interessiert und aufgeschlossen für neue Erfahrungen ist. Sie und Amram durchleben in diesem Urlaub auch einen Reifungsprozess. Amram gibt seinem Leben sogar eine neue Richtung. Auch wenn Hellsgård im Dunkeln lässt, wohin ihn das führt.

Hellsgård schildert das alles mit einem sympathisierenden Blick, der den Schauspielern, vor allem den jungen Schauspielern, viel Zeit gibt, sich vor der Kamera zu entfalten. Belohnt wird das mit einem sehr natürlichen Spiel. Auch der fehlende pädagogische Zeigefinger trägt dazu bei. Die großen Fragen werden mehr angedeutet als direkt angesprochen. Die Stimmung bleibt in einem sommerlich flirrenden Ungefähren voller Spiegelungen und Schattenspiele. „Sunburned“ ist weniger ein Drama als eine Sommerpastiche, die an der sensibel gefilmten Oberfläche bleibt und wenig über die einzelnen Figuren verrät.

Ein Problem für jüngere Zuschauer – immerhin ist die Protagonistin dreizehn Jahre alt – dürfte sein, dass fast ausschließlich Englisch gesprochen wird. Und ob ältere Jugendliche sich für den ersten Kuss einer Jüngeren interessieren, bezweifle ich aus eigener Seherfahrung. Als Vierzehnjähriger wollte ich vor allem die Filme gehen, die frei ab sechzehn oder achtzehn Jahren waren.

Das ändert nichts daran, dass „Sunburned“ ein sehenswertes, angenehm undidaktisches, sensibel beobachtetes Drama ist.

Sunburned (Deutschland/Niederlande/Polen 2019)

Regie: Carolina Hellsgård

Drehbuch: Carolina Hellsgård

mit Zita Gaier, Gedion Oduor Wekesa, Sabine Timoteo, Nicolais Borger

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Als VoD bei Amazon Prime, Google Play, YouTube, Magenta TV und Apple iTunes erhältlich.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Sunburned“

Moviepilot über „Sunburned“

Meine Besprechung von Carolina Hellsgård Olivia-Vieweg-Verfilmung „Endzeit“ (Deutschland 2018)

Homepage von Carolina Hellsgård


TV-Tipp für den 19. Februar: Nico, 1988

Februar 18, 2021

Arte, 22.45

Nico, 1988 (Nico, 1988, Italien/Belgien 2017)

Regie: Susanna Nicchiarelli

Drehbuch: Susanna Nicchiarelli

TV-Premiere. Faszinierendes Porträt von Christa Päffgen (Trine Dyrholm, grandios!), die als Nico bekannter war. Bekannt wurde sie als Fotomodelle, Muse von Andy Warhol und Sängerin einiger Songs der ersten LP von „The Velvet Underground“. Danach nahm sie einige Solo-Platten auf und hatte eine kleine, treue Fanbasis. Susanna Nicchiarelli konzentriert sich in ihrem Porträt auf die letzten Monate der drogenabhängige Künstlerin.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Trine Dyrholm, John Gordon Sinclair, Anamaria Marinca, Sandor Funtek, Thomas Trabacchi, Karina Fernandez

Hinweise

Moviepilot über „Nico, 1988“

Metacritic über „Nico, 1988“

Rotten Tomatoes über „Nico, 1988“

Wikipedia über Nico (deutsch, englisch)

AllMusic über Nico

Meine Besprechung von Susanna Nicchiarellis „Nico, 1988“ (Nico, 1988, Italien/Belgien 2017)

Meine Besprechung von Tobias Lehmkuhls „Nico – Biographie eines Rätsels“ (2018)


TV-Tipp für den 18. Februar: Angel Heart

Februar 17, 2021

Tele 5, 22.15

Angel Heart (Angel Heart, USA 1987)

Regie: Alan Parker

Drehbuch: Alan Parker

LV: William Hjortsberg: Falling Angel, 1978 (Angel Heart)

Privatdetektiv Harry Angel soll einen verschwundenen Jazzmusiker finden. In New Orleans verschwimmen für ihn immer mehr die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Exzellenter Okkultthriller, der die Handlung des Buches von New York nach New Orleans verlegt.

William Hjortsberg zum Film: „Parker wrote an excellent script and went on to make a memorable film.”

Mit Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Brownie McGhee, Dann Florek

Wiederholung: Freitag, 19. Februar, 04.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Angel Heart“

Wikipedia über „Angel Heart“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Harry Angel


Nordische Morde: ein Livestream-Abend mit Max Seeck, Tina Frennstedt, Gustaf Skördeman und Lars Kepler

Februar 17, 2021

Am Donnerstag, den 18. Februar 2021, gibt es ab 19.30 Uhr den Abend „Nordische Morde“, in dem der Bastei-Lübbe-Verlag einige seiner aktuellen skandinavischen Autoren vorstellt. Nämlich um

19.30 Uhr: Max Seeck („Hexenjäger“) im Gespräch mit Margarete von Schwarzkopf
20.00 Uhr: Tina Frennstedt („Cold Case – Das gezeichnete Opfer“) im Gespräch mit Günter Keil
20.30 Uhr: Gustaf Skördeman („Geiger“) im Gespräch mit Günter Keil
21.00 Uhr: Lars Kepler („Der Spiegelmann“) im Gespräch mit Margarete von Schwarzkopf

Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.

Hier der Link zum Livestream.

 

 


TV-Tipp für den 17. Februar: Der gute Bulle – Nur Tote reden nicht

Februar 16, 2021

ZDF, 20.15

Der gute Bulle – Nur Tote reden nicht (Deutschland 2020)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

Dritter Einsatz für den guten Bullen Fredo Schulz. Dieses Mal sucht er den Mörder von seinem Partner Milan Filipovic. Der wollte aus dem Polizeidienst ausscheiden und wurde an seinem letzten Tag im Dienst erschossen. Fredo und Milan waren gerade dabei, eine Drogenkurierin vom Flughafen zum Präsidium zu fahren, als diese auf die Toilette wollte. Während der Pause wurden sie überfallen. Danach beginnt Fredo den Täter (den wir Zuschauer schon kennen), die Flüchtige und die Hintermänner (dito) zu suchen. Außerdem muss Fredo sich mit einem neuen Partner herumschlagen, der es mit den Regeln besonders genau nimmt. Im Gegensatz zu Fredo.

Gewohnt unterhaltsame Krimi-Kost von „Nachtschicht“-Macher Lars Becker. Mehr muss wirklich nicht über diesen in Berlin spielenden Multikulti-Krimi gesagt werden.

Deshalb kann ich sofort zu den Neuigkeiten kommen: Am Montag, den 29. März 2021, zeigt das ZDF um 20.15 Uhr den neuen „Nachtschicht“-Krimi „Blut und Eisen“.

Lars Becker hat gerade mit den Dreharbeiten für „Alles auf Rot“ (Arbeitstitel) begonnen. In dem Krimi erzählt er ein neues Abenteuer der korrupten Polizisten Diller und Kessel. Der Sendetermin steht noch nicht fest.

mit Armin Rohde, Edin Hasanovic, Sabin Tambrea, Johann von Bülow, Nele Kiper, Lo Rivera, Timo Jacobs, Anica Dobra, Carlo Ljubek, Andreas Anke

Hinweise

ZDF über den Film

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Cover der Woche

Februar 16, 2021


VoD-Kritik: „The Tunnel – Die Todesfalle“ nach einem LKW-Unfall

Februar 16, 2021

Kurz vor Weihnachten: während in dem Dorf noch auf eine weiße Weihnacht gehofft wird, sind die Berge bereits verschneit und auch in Norwegen gibt es den üblichen vorweihnachtlichen Reiseverkehr. Da rammt im knapp zehn Kilometer langen Storfjell-Tunnel ein Tanklaster eine Tunnelwand und versperrt die Straße. Die Telefonverbindung zur Rettungsstelle – natürlich nur über Handy – ist instabil. Daher ist unklar, wo der Unfall genau passierte. Auf der einen Seite des Tunnels ist kurz vorher eine Lawine heruntergegangen, die die Straße versperrt. Auf der anderen Seite nähert sich, als Rettungstruppe, die Freiwillige Feuerwehr. Immerhin haben sie mit Stein einen alten Hasen im Team, der den Tunnel besser als seine Hosentasche kennt.

Eigentlich wollen sie den Einsatz mit der nötigen Ruhe angehen. Da explodiert der Tanklaster.

Pål Øie erzählt seinen Katastrophenthriller „The Tunnel – Die Todesfalle“ mit handgemachten Actionszenen nordisch unterkühlt. Es gibt also nicht die tapferen Helden und erbärmlichen Feiglinge und die mit pompöser Musik erhaben zelebrierten Momente von Tapferkeit, Todesverachtung und übermenschlichem Mut, die wir aus mehr oder weniger prominent besetzten US-Katastrophenfilmen kennen. Natürlich gibt es auch in „The Tunnel – Die Todesfalle“ mutige Männer und Menschen, die mehr oder weniger egoistisch um ihr und das Überleben ihrer Familie kämpfen. Es gibt auch den Schnösel, der zuerst eine geführte Kolonne überholt, anschließend sein Auto auf einer Eisfläche in den Schnee setzt (off Kamera) und seine Tochter anpflaumt. Aber im Gegensatz zu einem normalen Katastrophenfilm gerät er nicht in Lebensgefahr, sondern muss die Zeit, in der Tunnel gesperrt ist, in einem gastlichen Lokal verbringen. Die anderen Figuren sind noch sparsamer gezeichnet. Ihr Sterben (falls wir es überhaupt sehen), ihre Leiden und ihr Mut berühren uns daher nicht.

Das macht „The Tunnel – Die Todesfalle“ zu einem okayen, wahrscheinlich sogar ziemlich realistischen Katastrophenfilm, von dem kein Bild, keine Szene, kein Tod und auch keine Rettung länger im Gedächtnis bleibt.

Das am Filmbeginn erklärte Selbstrettungsprinzip und die mangelhafte Ausstattung des knapp zehn Kilometer langen Tunnels, in dem im Film die Katastrophe passiert, ist erstaunlich. Anscheinend haben die einfach einen Tunnel, also eine aus zwei Fahrspuren bestehende, enge Röhre, durch den Berg gebohrt und verlassen sich anschließend darauf, dass nichts passiert. Es gibt keine Notausgänge und keine Noträume. Keine Feuerlöscher. Keine Überwachung, egal ob über Video oder irgendein anderes System. Und das Notruftelefon funktioniert auch nicht besser als die Handys, über die zuerst um Hilfe gerufen wird. Für mich klingt das nach einem Rezept für eine Katastrophe mit chaotischen Zuständen und vielen Toten.

Dabei ist „The Tunnel – Die Todesfalle“ wohl nicht die Idee einer nach Hollywood schielenden Drehbuchautorin, sondern ziemlich nah an der norwegischen Realität. Denn vor der Filmpremiere überprüfte die Feuerwehr die Sicherheit mehrerer Tunnel, in denen der Film gedreht wurde. Ihr Fazit: Der Film ist realistisch.

Für Deutschland scheint das nicht zu gelten. So schreibt das Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST): „Für manche Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer ist das Durchfahren eines Tunnels mit einem unbehaglichen Gefühl verbunden, obwohl die Unfallhäufigkeit sogar nachweislich geringer ist als außerhalb von Tunneln. Deutschlands Straßentunnel gehören zu den sichersten der Welt. Die Sicherheitsstandards der Tunnel werden regelmäßig überprüft und den neuesten Erkenntnissen angepasst. Neue Tunnel werden auf Basis der aktuellen Techniken und Bauweisen errichtet und ausgestattet, ältere Straßentunnel werden entsprechend nachgerüstet.

Grundlage für das hohe Sicherheitsniveau sind die in Deutschland geltenden „Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln“ (RABT). Zusätzlich regelt seit 2004 eine europäische Richtlinie den grundlegenden Sicherheitsstandard für Straßentunnel im transeuropäischen Netz, um ein weitgehend einheitliches Sicherheitsniveau in allen europäischen Tunneln zu erreichen.“ (BAST: Sicherheit geht vor – Straßentunnel in Deutschland, 2017)

Unter anderen gibt es alle 600 Meter Nothalte- und Pannenbuchten mit Notrufkabinen. Es gibt alle 150 Meter Notrufkabinen mit Brandmeldern und Feuerlöschern. Mindestens alle 300 Meter Notausgänge. Es gibt an jeder Fahrbahnseite Notgehwege. Es gibt eine Videoüberwachung und die Möglichkeit für Lautsprecherdurchsagen. Und es gibt eine selbstleuchtende Beschilderung, die einen auch in absoluter Dunkelheit zum nächsten Ausgang führt

Danach wäre in Deutschland und in der EU der im Film geschilderte Verlauf der Katastrophe nicht möglich.

Aktuell ist keine DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung geplant.

The Tunnel – Die Todesfalle (Tunnelen, Norwegen 2019)

Regie: Pål Øie

Drehbuch: Kjersti Helen Rasmussen

mit Thorbjørn Harr, Ylva Lyng Fuglerud, Lisa Carlehed, Mikkel Bratt Silset, Peter Førde, Daniel Alexander Skadal, Per Egil Aske, Tor Christian Bleikli

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

EST/TVOD unter anderem bei iTunes, Amazon, Sky, Google, Maxdome, Videoload, Videociety, Chilli, On Demand und Vodafone

Hinweis

Wikipedia über „The Tunnel – Die Todesfalle“ 

 


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