„Faithless“ – Brian Azzarello macht jetzt Dark Fantasy

Januar 14, 2021

Faithless“ ist die Hardcore-Version von „Fifty Shades of Grey“. Das stimmt zwar nicht so ganz, aber so dürfte das Interesse an „Faithless“, dem neuesten Werk von Brian Azzarello, geweckt sein. Azzarello ist vor allem für seine grandiosen Noir-Comics bekannt. Das sind eigene Serien, wie „100 Bullets“, „Jonny Double“ und „Moonshine“, und Neuinterpretationen bekannter Charaktere, wie seine zahlreichen „Batman“-Comics. Für „Faithless“ arbeitete er erstmals mit Maria Llovet zusammen. Zu den bisherigen Werken der Spanierin gehören „Loud!“, „Heartbeat“ und die Bilder für das Sex-Sachbuch „Ceci n’est pas un livre de sexe“. Soweit ich es überblicke, ist „Faithless“ ihr erstes in Deutschland veröffentlichtes Werk.

Im Mittelpunkt von „Faithless“ steht Faith, eine junge, an Magie glaubende Künstlerin, die sich mehr als schlecht durchschlägt und viel Zeit mit ihren Freunden in abgewrackten Spelunken verbringt. Eines Tages lernt sie Poppy kennen. Sie haben Sex. Für Faith ist es sogar wortwörtlich tierisch-teuflischer Sex. Tabulos gezeihnet von Llovet.

Wenige Stunden später gehen Poppy und Faith auf eine Vernissage. Dort trifft Faith den bekannten, charismatischen und überaus egozentrischen Künstler Louis Thorn.

Kurz darauf stirbt Poppy. Ihr kurzzeitig trauernder Vater Louis Thorn beginnt eine Beziehung mit Faith. Er nimmt sie auch als Muse und junges Talent in seine Schule auf. Sie wird ein Teil seiner Entourage. Gleichzeitig verführt er sie. Als sie Sex haben, glaubt Faith, dass auch Poppy dabei ist. Sowieso ist Poppy für Faith inzwischen eine feste, durchaus lebendige Begleiterin geworden.

Faithless“ wird als „Dark Fantasy Serie“ beworben. Der Untertitel ist „Eine erotische Darstellung von Glauben, Sex und dem Teufel in der Tradition der ‚Göttlichen Komödie’“. Damit dürfte klar sein, dass in der von Brian Azzarello und Maria Llovet erzählten Geschichte die Grenzen zwischen der normalen und einer magischen Welt brüchig sind und der Teufel eine junge Frau verführt. Unklar ist allerdings, wie gefährlich diese Welt ist, in die Faith hineingeführt wird und wie gefährlich sie für Faith wird.

In dem ersten „Faithless“-Sammelband (der die ersten sechs „Faithless“-Hefte enthält) geht es auch um die Selbstinszenierungen von Künstlern, ihrer Suche nach Wahrheit und Echtheit in ihrem Werk und dem Verhältnis vom Meister zu seinen von ihm verzauberten, ihm zu Füßen liegenden Lehrlingen.

Der erste „Faithless“-Sammelband ist ein gelungener, vielschichtiger Serienauftakt. In den USA erscheint in wenigen Wochen der zweite Sammelband.

Brian Azzarello/Maria Llovet: Faithless – Band 1

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Panini, 2020

164 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Faithless # 1 – 6

Boom Studios, 2020

Hinweise

Homepage von Maria Llovet

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Matteo Casalis „Batman: Europa (Batman: Europa, 2016)

Meine Besprechung von Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert/Klaus Janson/Brad Anderson/Alex Sinclairs „Batman – Die Übermenschen“ (Dark Knight III: The Master Race # 1 – 9, 2018 )

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Batman: Kaputte Stadt und weitere Abenteuer“ (Batman: Gotham Knights #8, 2000; Batman # 620 – 625, 2003/2004; Flashpoint: Batman – Knight of Vengeance # 1 – 3, 2011; Wednesday Comics # 1 – 12, 2009)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 1“ (Batman: Damned # 1, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 2“ (Batman: Damned # 2, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 3“ (Batman: Damned 3, 2019)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Moonshine – Band 1“ (Moonshine, Volume 1, 2017)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Moonshine: Band 2“ (Moonshine, Volume #2, 2017)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman/Deathblow: Nach dem Feuer“ (Batman/Deathblow: After the Fire #1 – 3, 2002)


TV-Tipp für den 14. Januar: The Deep

Januar 14, 2021

Servus TV, 22.10

The Deep (Djúpið, Island/Norwegen 2012)

Regie Baltasar Kormákur

Drehbuch: Baltasar Kormákur, Jón Atli Jónasson

Mitten im arschkalten Winter sinkt in der Nähe von Island ein Fischkutter. Fünf der sechs Besatzungsmitglieder ertrinken. Nur Gulli beginnt in Richtung Land zu schwimmen.

Auf Tatsachen basierendes Überlebensdrama von Baltasar Kormákur, der solche Filme liebt. Wenn er nicht gerade einen ordentlichen Krimi inszeniert.

mit Ólafur Darri Ólafsson, Jóhann G. Jóhannsson, Þorbjörg Helga Þorgilsdóttir, Theódór Júlíusson, María Sigurðardóttir

Wiederholung: Freitag, 15. Januar, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Deep“

Wikipedia über „The Deep“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “Contraband” (Contraband, USA 2012)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “2 Guns” (2 Guns, USA 2013)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Everest“ (Everest,USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Der Eid“ (Eidurinn, Island 2016)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Die Farbe des Horizonts“ (Adrift, USA 2018)


„Schwarzes Gold“, „Marseille.73“ – Die ersten Fälle von Dominque Manottis Commisaire Théo Daquin

Januar 13, 2021

Am 11. März 1973 trifft Commisaire Théodore ‚Théo‘ Daquin in Marseille ein. Vorher war der Siebenundzwanigjährige, nach seinem mit Bravour bestandenem Studium und der Polizeihochschule, die er als einer der Jahrgangsbesten abgeschlossen hat, ein Jahr in Beirut beim Sicherheitsdienst der Botschaft. Jetzt leitet er erstmals eine Einheit bei der Kriminalpolizei. Und diese Zusammenarbeit wird, das kann jetzt schon gesagt werden, erfreulich reibungslos und professionell verlaufen. Außerdem sind die drei Ermittler erfreulich unbelastet von persönlichen psychischen Problemen.

Daquin hat an seinen neuen Arbeitsplatz noch nicht die überlebenswichtige Expressomaschine angeschlossen, da haben er und sein Team, Inspecteur Grimbert und Inspecteur Delmas, ihren ersten Fall. Sie sollen den Mordfall Belle de Mai bearbeiten. Der Mord ist ein weiterer Mord in einem gerade stattfindendem Gangsterkrieg um die Nachfolge im Guérini-Clan. Für Daquin sind die Ermittlungen eine gute Gelegenheit, seinen neuen Einsatzort und die örtliche Verbrecherszene kennen zu lernen.

Wenige Stunden später wird der Unternehmer Maxime Pieri vor einem Casino auf offener Straße erschossen. Der Mörder kann auf einem Motorrad entkommen. Die Tat ist so inszeniert, dass sie eine eine Botschaft senden soll. Der Ermordete wurde von Emily Frickx begleitet. Sie wurde nicht verletzt. Ihr Ehemann Michael Frickx ist der Leiter des europäischen Büros einer großen amerikanischen Handelsfirma für Erze. Er machte öfter Geschäfte mit Pieri.

Pieri leitete das Seefrachtunternehmen Somar, das zuletzt Erdöl über das Mittelmeer transportierte und dabei die großen Ölkonzerne, die den Markt aufgeteilt haben, umgeht. Er hoffte auf große Gewinne am sich wandelnden Ölmarkt. Bevor Pieri bürgerlich wurde, organisierte er für die Guérinis den Heroinschmuggel. Auch seine aktuellen Geschäfte sind, wie die Ermittler schnell erfahren, nicht hunderprozentig legal.

Aufgrund einer rechtstechnischen Formalie haben Daquin, Grimbert und Delmas im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens ein Zeitfenster von vierzehn Tagen, in denen sie bei ihren Ermittlungen freie Hand haben. Diese Freiheit nutzen sie bei ihren Ermittlungen weidlich aus.

In „Schwarzes Gold“ erzählt Dominque Manotti den ersten großen Fall von Théo Daquin, der bereits in mehreren ihrer Romane (die chronologisch nach „Schwarzes Gold“ spielen) auftrat. 1973 ist er noch jung an Lebensjahren, aber er hat schon die Ruhe und Lakonik eines alten Mannes. Schnell erkennt der unbestechliche Ermittler, welche Rolle er spielen soll und wo seine Position in diesem Spiel ist. Er füllt sie aus und nutzt die Chancen, die sich ihm bieten.

Die von Manotti in ihrem gewohnt schnörkellosen Ton erzählte Noir-Geschichte ist dann ein Wirtschaftskrimi à la Eric Ambler.

Wenige Monate später haben Daquin und sein Team von der Brigade Criminelle ihren nächsten großen Fall. Es beginnt mit einer Amtshilfe für die Kollegen in Toulon. Die haben einige Mitglieder der rechtsterroristischen UFRA, der „Vereinigung französischer Algerienheimkehrer“, verhaftet. Bei ihnen wurden Adressen aus Marseille gefunden. Einige UFRA-Mitglieder sind Polizisten oder mit Polizisten befreundet. Daquin, Grimbert und Delmas sollen die Anfrage benutzen, um unauffällig ein Bild der Marseiller UFRA zu erstellen. Dass ihr Lagebild nicht zur Bekämpfung der UFRA benutzt werden soll, ahnt Daquin schnell.

Ihre langsam beginnenden Ermittlungen spielen vor dem Hintergrund mehrerer, sich gegenseitig hochschaukelnder rassistischer Taten und einer rassistisch motivierten Mordserie. So wird der sechzehnjährige Malek Khider in seinem Viertel erschossen. Während die Police Urbaine extrem schlampig die Beweise am Tatort sammelt und dabei (und danach) Beweise vernichtet, beginnt Daquin mit ernsthaften Ermittlungen. Schnell sind er und sein Team überzeugt, dass dieser Mord und ihre Ermittlungen gegen die regionale UFRA-Zweigstelle miteinander zusammen hängen.

Es ist auch die Zeit, als der Korpsgeist und ein gut etabliertes korruptes System von Abhängigkeiten und Gefälligkeiten in Marseille und in der dortigen Polizei herrschte. Das ist jetzt von innen und außen gefährtet. Denn der Dicke Marcel, ein Brigadier, ohne dessen Wissen und Zustimmung nichts bei der Police Urbaine geschieht, wird alt. Seine Macht bröckelt. Gleichzeitig initiert ein rühriger junger Anwalt eine Protestbewegung und eine Klage, die zu einem Prozess gegen den Mörder von Malek Khider führen soll. Und der Mörder ist ein Polizist.

Diese Proteste gegen eine rassistische Polizei und eine untätige Justiz stehen im Zentrum von „Marseille.73“. Daquin und sein Team stehen da weitgehend am Spielfeldrand einer historisch verbürgten rassistischen Mordserie. Während den Ermittlugen fragt Daquin sich, wie lange er in Marseille bleiben kann und will. Denn er möchte nicht Mitglied eines Systems werden, in dem rassistische Polizisten ungestraft Ausländer, wozu auch aus den ehemaligen Kolonien, wie Algerien, kommende Menschen gehören, ermorden können.

Marseille.73“ ist das fast wie eine Reportage geschriebene Porträt einer korrupten Polizei und das damals alltäglichen Rassismus. Der Noir ist dann ein Copthriller à la James Ellroy, bevor er in Verschwörungstheorien abtauchte.

Schwarzes Gold“ und „Marseille.73“ sind zwei gewohnt lesenswerte und aufklärerische Noirs von Dominique Manotti, die vollkommen unabhängig voneinander gelesen werden können. Beide Noirs sind erhellende und aufklärerische Blicke in die Vergangenheit; wobei gerade bei „Marseille.73“ die Verbindungen zur Gegenwart leicht zu ziehen sind.

Am 7. Oktober 1973, wieder ein Sonntag, verläßt Daquin Marseille. Sein Urteil über die Hafenstadt ist wenig schmeichelhaft, aber nachvollziehbar: „Die Stadt stinkt vor Straflosigkeit und Gewalt. Straflosigkeit gebiert Gewalt.“

Dominique Manotte: Schwarzes Gold

(übersetzt von Iris Konopik)

Ariadne, 2016

384 Seiten

19 Euro

Die Taschenbuchausgabe erschien im Juli und kostet 14 Euro.

Originalausgabe

Or noir

Éditions Gallimard, Paris, 2015

Dominique Manotti: Marseille.73

(übersetzt von Iris Konopik)

Ariadne, 2020

400 Seiten

23 Euro

Originalausgabe

Marseille 73

Éditions Les Arènes, Paris, 2020

Hinweise

Krimi-Couch über Dominique Manotti

Wikipedia über Dominique Manotti (deutsch, französisch)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Zügellos“ (À nos Chevaux!, 1997)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Ausbruch“ (L’évasion, 2013)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Madoffs Traum“ (La rêve de Madoff, 2013)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Abpfiff“ (Kop, 1988)

Meine Besprechung von Dominique Manottis „Kesseltreiben“ (Racket, 2018)


TV-Tipp für den 13. Januar: Die Unschuldigen

Januar 12, 2021

Arte, 20.15

Die Unschuldigen (Les Innocentes, Frankreich/Polen 2016)

Regie: Anne Fontaine

Drehbuch: Sabrina B. Karine, Alice Vial, Anne Fontaine, Pascal Bonitzer (basierend auf einer Idee von Philippe Maynial)

TV-Premiere. Für vier Césars (bester Film, Regie, Drehbuch, Kamera) nominiertes, hochgelobtes Drama über einen wahren Fall: eine französische Ärztin muss im Dezember 1945 in Polen in einem Kloster heimlich Geburtshilfe leisten. Etliche Nonnen wurden von Soldaten der Roten Armee vergewaltigt.

Anne Fontaine inszenierte auch „Coco Chanel“ und „Gemma Bovery“.

mit Lou de Laâge, Agata Buzek, Agata Kulesza, Vincent Macaigne, Joanna Kulig, Eliza Rycembel, Katarzyna Dabrowska

Hinweise

AlloCiné über „Die Unschuldigen“

Rotten Tomatoes über „Die Unschuldigen“

Wikipedia über „Die Unschuldigen“ (deutsch, englisch, französisch)


Cover der Woche

Januar 12, 2021


Die Krimibestenliste Januar 2021

Januar 12, 2021

Weil ich es verdattelte gibt es die monatliche Krimibestenliste etwas später als gewohnt. Inzwischen wird sie nur noch vom Deutschlandfunk Kultur präsentiert. Ansonsten hat sich nichts verändert. Auf die Liste der nach Ansicht der Damen und Herren Krimikritiker sind dies die aktuell besonders lesenswerten Krimis:

1 (-) Candice Fox: „Dark“ (Aus dem Englischen von Andrea O‘Brien)

Suhrkamp, Berlin 2020, 394 Seiten, 15,95 Euro

2 (2) Dominique Manotti: „Marseille.73“ (Aus dem Französischen von Iris Konopik)

Ariadne im Argumentverlag, Hamburg 2020, 400 Seiten, 23 Euro

3 (1) Denise Mina: „Götter und Tiere“ (Aus dem Englischen von Karen Gerwig)

ariadne im Argumentverlag, Hamburg 2020, 352 Seiten, 21 Euro

4 (-) Tim MacGabhann: „Der erste Tote“ (Aus dem Englischen von Conny Lösch)

Suhrkamp, Berlin 2020, 274 Seiten, 15,95 Euro

5 (-) Robert Galbraith: „Böses Blut“ (Aus dem Englischen von Wulf Bergner, Christoph Göhler, Kristof Kurz)

Blanvalet, München 2020, 1194 Seiten, 26 Euro

6 (-) Samantha Harvey: „Westwind“ (Aus dem Englischen von Steffen Jacobs)

Atrium, Hamburg 2020, 382 Seiten, 22 Euro

7 (4) Mick Herron: „Real Tigers“ (Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer)

Diogenes, Zürich 2020, 480 Seiten, 18 Euro

8 (-) Nicci French: „Eine bittere Wahrheit“ (Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller)

C. Bertelsmann, München 2020, 506 Seiten, 16 Euro

9 (-) Iva Procházková: „Die Residentur“ (Aus dem Tschechischen von Mirko Kraetsch)

Braumüller, Wien 2020, 573 Seiten, 24 Euro

10 (-) David Whish-Wilson: „Das große Aufräumen“ (Aus dem Englischen von Sven Koch)

Suhrkamp, Berlin 2020, 327 Seiten, 10 Euro

In ( ) ist die Bewertung vom Vormonat.

Kein guter Monat für deutsche Autoren. Und, wenn die Regeln strikt angewandt werden („keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien“) sind die beiden pulp-master-Neuerscheinungen disqualifiziert. Auch wenn Ted Lewis‘ „Schwere Körperverletzung“ eine Neuübersetzung und Tom Franklins „Wilderer“ eine Sammlung von teilweise unveröffentlichten oder für die Veröffentlichung überarbeiteter Kurzgeschichten ist. Lesenswert sind beide Bücher.

(Korrektur 13. 1. 21: Ursprünglich wurde Derek Raymond als Autor von „Schwere Körperverletzung“ genannt. Der Noir-Autor hat nur das Vorwort geschrieben.)


TV-Tipp für den 12. Januar: Tatort: Kressin und der Laster nach Lüttich

Januar 11, 2021

Welchen „Tatort“ gucken wir uns heute Abend an? Wie wäre es mit

WDR, 23.45

Tatort: Kressin und der Laster nach Lüttich (Deutschland 1971)

Regie: Tom Toelle

Drehbuch: Wolfgang Menge

Zollfahnder Kressin jagt dieses Mal Schnapsschmuggler, die den Alkohol aus dem sozialistischen Ostblock in die kapitalistische Bundesrepublik schmuggeln. Um die Bösewichter, die auch vor Mord nicht zurückschrecken zu fangen, geht Kressin als Trucker-Fahrer undercover.

Ein Oldie mit dem damals sehr beliebten Ermittler Kressin. In seinem zweiten Einsatz, inszeniert von „Das Millionenspiel“ Tom Toelle, gibt es eine ordentliche Portion Action. „ein kurzatmiger Action-Film mit rauhen Prügeleien, bei denen brutale Hiebe ausgeteilt und eingesteckt werden wie in blutigen Leinwand-Reißern“ (Kölner Stadt-Anzeiger)

Mit Sieghardt Rupp, Hermann Lenschau, Ivan Desny, Katrin Schaake, Manfred Seipold, Gernot Duda, Joachim Richert, Werner Schumacher

Hinweise

Tatort-Fundus über Zollfahnder Kressin

Wikipedia über „Tatort: Kressin und der Laster nach Lüttich“


TV-Tipp für den 11. Januar: Monsieur Klein

Januar 10, 2021

Arte, 22.00

Monsieur Klein (Monsieur Klein, Frankreich/Italien 1976)

Regie: Joseph Losey

Drehbuch: Franco Solinas, Fernando Morandi, Joseph Losey

Paris 1942: Robert Klein verdient als Kunsthändler gut an der Not der Juden. Eines Tages liegt vor seiner Haustür ein an ihn adressiertes Exemplar der „Les informations juives“. Klein will herausfinden, warum er die Zeitung zugeschickt bekommen hat. Er erfährt von einem gleichnamigen Juden, der sich anscheinend seiner Identität bemächtigen will.

Kafkaesker Alptraum ohne die Hoffnung auf ein Happy End, von Losey karg und sehr stilbewusst inszeniert. Delons zurückhaltendes Spiel passt perfekt zur Rolle des emotionslosen Mitläufers, der nur an sich denkt und dabei zielsicher ins Verderben läuft.

Delon war für einen Cesar als bester Schauspieler nominiert, Losey erhielt einen für die Regie und der Film gewann den Cesar für bester Film.

Davor, um 20.15 Uhr, zeigt Arte das sehenswerte Drama „Verleugnung“ (Denial, GB/USA 2016, Regie: Mick Jackson; über den aufsehenerregenden Prozess, in dem die angesehene Historikerin Deborah E. Lipstadt gegenüber dem sie wegen Verleugnung anklagendem Holocaust-Leugner David Irving beweisen musste, dass es den Holocaust gegeben hat).

mit Alain Delon, Jeanne Moreau, Michel Lonsdale, Juliet Bertot, Suzanne Flon, Jean Bouise

Hinweise

Wikipedia über „Monsieur Klein“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 10. Januar: Confidence – Coup in L. A.

Januar 9, 2021

3sat, 23.10

Confidence – Coup in L. A. (Confidence, USA/Kanada/Deutschland 2003)

Regie: James Foley

Drehbuch: Doug Jung

Weil Profidieb Jake zufällig einen Mafiosi beklaut hat, bietet er ihm bei seinem nächsten Trickbetrug einen Teil der Beute an. Nur: wer kann hier wem trauen und wer betrügt wen?

Gelungener Neo-Noir-Gangsterkrimi mit einer prächtig gelaunten Starbesetzung, die sich gegenseitig übers Ohr haut.

„mehr David Mamet als Ocean’s Eleven“ (Gerald Jung, Zitty 2/2004)

mit Edward Burns, Rachel Weisz, Andy Garcia, Dustin Hoffman, Paul Giamatti, Donal Logue, Luis Guzmán, John Carroll Lynch, Morris Chestnut, Robert Forster

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Confidence“

Wikipedia über „Confidence“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Januar: Justiz

Januar 8, 2021

3sat, 20.15

Justiz (Deutschland/Schweiz 1993)

Regie: Hans W. Geißendörfer

Drehbuch: Hans W. Geißendörfer

LV: Friedrich Dürrenmatt: Justiz, 1985

In einem Nobellokal in Zürich erschießt Regierungsrat Isaak Kohler vor Zeugen den Jura-Professor Winter. Er wird für den Mord verurteilt. Anschließend bittet er den jungen Rechtsanwalt Felix Spät, sich des Falles wieder anzunehmen. Spät soll dabei von seiner Unschuld ausgehen.

ein moralischer Krimi um den möglichen Unterschied zwischen Justiz und Gerechtigkeit, der bei aller Nachdenklichkeit die Spannung nicht zu kurz kommen läßt.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Mit einer selten gezeigten Verfilmung beginnt dieser Friedrich-Dürrenmatt-Abend. Um 22.00 Uhr geht es mit „The Pledge – Das Versprechen“ (USA 2001; eine weitere Verfilmung von „Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman“, der Romanversion von „Es geschah am hellichten Tag“) weiter. Um Mitternacht wird „Der Besuch der alten Dame“ (Deutschland/Österreich 2008) gezeigt. Die ‚alte Dame‘ kommt bereits einmal um 17.30 Uhr.

Der Anlass ist der hundertste Geburtstag des Dichters. Der war am 5. Januar.

mit Maximilian Schell, Thomas Heinze, Anna Thalbach, Mathias Gnädinger, Norbert Schwientek, Ulrike Kriener, Suzanne von Borsody, Hark Bohm, Martin Semmelrogge

Hinweise

Filmportal über „Justiz“

Wikipedia über „Justiz“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Friedrich Dürrenmatts „Die Kriminalromane“ (Der Richter und sein Henker, Der Verdacht, Das Versprechen, Justiz, Der Pensionierte)


„Breathtaker: Liebe, Tod, Sex, Macht“ und eine Prise hemmungslos übertriebene Gewalt

Januar 8, 2021

Wer als Mann Chase Darrow begegnet, ist verloren. Jeder Mann, der sie trifft, verliebt sich unsterblich in sie und ist ihr bis zum Tod hoffnungslos verfallen. Dieser Tod tritt für den Mann oft schneller als erwartet ein. Denn mit jedem Kuss raubt sie ihm seine Lebenskraft. Darrow ist allerdings kein Vampir, sondern eine von der US-Regierung erfundene Waffe, die als Spionin eingesetzt wird. Sie ist eine Über-Mata-Hari. Dass sie nur Männer wuschig macht, liegt wohl in erster Linie daran, dass „Breathtaker: Liebe, Tod, Sex, Macht“ im Original bereits 1990 bei DC Comics erschien. Der von Autor Mark Wheatley und Zeichner Marc Hempel geschaffene vierteilige Comic wurde 1994 bei Vertigo als Sammelband veröffentlicht und ist jetzt in einer deutschen Übersetzung erschienen. Mit sehr viel Bonusmaterial.

Nachdem Darrow den vermögeden Paul Raymond getötet hat und spurlos verschwunden ist, ist die Jagd auf sie eröffnet. Gejagt wird sie von „The Man“, der den Beteuerungen von Raymonds Sohn, dass Darrow eine überaus liebevolle, um das Wohl ihres Vaters aufrichtige bemühte Frau war, nicht glaubt. Er hält sie für eine Serienmörderin. Er ist eine ebenfalls von der US-Regierung erfundene Waffe.

The Man ist der unkaputtbare und bei seinen Missionen viel kaputtmachende Held, der sogar eine eigene TV-Show hat, die von seinen Heldentaten erzählt. Seit er bei seiner letzten Heldentat unter anderem einen Mord vor laufender Kamera begangen hat, ist sein Image beschädigt. Es wird sogar über eine Absetzung seiner zuletzt quotenschwachen Show geredet.

Beide Figuren sind natürlich hemmungslos überzeichnete Pulp-Charaktere. Beide gehen so unverhohlen ihren Trieben nach, dass eine mehr als satte Portion Sex und Gewalt garantiert ist. Das war damals, als Frank Miller mit „Batman – Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ und Alan Moore/Dave Gibbons mit „Watchmen“ für eine Neuinterpretation des Superheldengenres sorgten und Tim Burtons „Batman“-Film die bahnbrechende Comicverfilmung war, sicherlich aufregender als heute, wo solche Entmystifizierungen und Neuinterpretationen nicht mehr schockieren.

Bei „Breathtaker“ fallen zuerst die Zeichnungen auf. Sie sind satirisch überspitzt, nie um eine platte Abbildung der Realität bemuht und manchmal ins Surrealistische gehend.

Die sich fast zweihundert Seiten entfaltende Geschichte ist sehr skizzenhaft. Wirklich interessante Punkte werden ignoriert oder nicht weiter vertieft. Dazu gehören die nur manchmal aufblitzende Medienkritik und die bestenfalls skizzierten Hintergründe zur Entstehung von Darrow und The Man. Dagegen wird sich über Seiten in Gewalt und Sex gebadet.

Die deutsche Ausgabe enthält neben dem Comic eine Einleitung von Neil Gaiman (von 1994), ausführliche Informationen von Mark Wheatley und Marc Hempel zur Entstehung, damals entstandene Skizzen und Zeichnungen und, brandneu, den 28-seitigen Comic „Make Way for The Man # 138“, der eine Geschichte zu Ende erzählt, die in „Breathtaking“ auch einmal im Bild ist. Denn „The Man“ hat neben der Reality-Show auch eine Comicreihe.

Mark Wheatley/Marc Hempel: Breathtaker: Liebe, Tod, Sex, Macht

(übersetzt von Christian Langhagen)

Cross Cult, 2020

250 Seiten

30 Euro

Originalausgabe

Breathtaker: Love, Death, Sex, Power, # 1 – 4

DC Comics 1990

als Sammelband

Vertigo, 1994

Hinweise

Wikipedia über Mark Wheatley, Marc Hempel und „Breathaker“


TV-Tipp für den 8. Januar: Eric Clapton: Leben mit dem Blues

Januar 7, 2021

Arte, 21.45

Eric Clapton: Leben mit dem Blues (Eric Clapton: A Life in 12 Bars, Großbritannien 2017)

Regie: Lili Fini Zanuck

Drehbuch: Stephen ‚Scooter‘ Weintraub, Larry Yelen

TV-Premiere. Zweistündige Doku über das Leben und Werk von Bluesgitarrist Eric Clapton, mit vielen Archivaufnahmen und aktuellen Interviews.

Lili Fini Zanuck könnte etwas bekannter für ihr Drogendrama „Rush“ (1991) sein, für das Clapton die Musik (und „Tears in Heaven“) schrieb. Große Erfolge hatte sie als Produzentin von, u. a., „Cocoon“ (1985), „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ (Driving Miss Daisy, 1989; der Film erhielt den Oscar als bester Film des Jahres), „Nach eigenen Regeln“ (Mulholland Falls, 1996) und „Ein wahres Verbrechen“ (True Crime, 1999).

Arte zeigt nach der Doku den gut zweistündigen Konzertmitschnitt „Slowhand at 70“ (bzw. „Live at the Royal Albert Hall“ (Großbritannien 2015).

mit Eric Clapton, Chris Dreja, Hughie Flint, Richard Goldstein, Alex Hooper, Cathy James, John Mayall, Jim McCarty, Jamie Oldaker, Ben Palmer, Howard Smith, George Terry, Steve Turner, Mike Vernon, Roger Waters, Bobby Whitlock, Steve Winwood

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 6. Februar in der Mediathek) und das Konzert (bis zum 8. März in der Mediathek)

Rotten Tomatoes über „Eric Clapton: Leben mit dem Blues“

Homepage von Erick Clapton

AllMusic über Eric Clapton

Wikipedia über Eric Clapton (deutsch, englisch)

Where’s Eric! (sehr umfangreiche Fanclubseite)

Meine Besprechung von Blue Leachs „Eric Clapton: Live at the Royal Albert Hall – Slowhand at 70“ (Großbritannien 2015)

Zwei Gespräche zum Film mit Lili Fini Zanuck und Eric Clapton (das zweite ist eine Amateuraufnahme)


TV-Tipp für den 7. Januar: Gattaca

Januar 6, 2021

ZDFneo, 20.15

Gattaca (Gattaca, USA 1997)

Regie: Andrew Niccol

Drehbuch: Andrew Niccol

In der nahen Zukunft gibt es im Labor entstandene, genetisch perfekte Menschen und natürlich entstandene Menschen, die nicht perfekt sind und deshalb nicht alles tun dürfen. Vincent will dennoch seinen Traum, Astronaut zu werden, verwirklichen. Unter falscher Identität und mit damit verbundenen Betrügereien bei Gen-Tests gelingt es ihm, im Raumfahrtkonzern Gattaca eine Stelle zu bekommen und in die engere Auswahl für eine wichtige Raumfahrtmission zu kommen. Wenn er nicht vorher entdeckt wird.

Außergewöhnlich schöner Science-Fiction-Thriller, der in elegischem Ton von einer manipulierten Welt zwischen Kafka, Orwell und Huxley erzählt und – heute eine Seltenheit – mit einem Spezialeffekt (der Raketenstart) auskommt.“ (Fischer Film Almanach 1999)

Science-Fiction zum Nachdenken.

mit Ethan Hawke, Uma Thurman, Alan Arkin, Jude Law, Loren Dean, Gore Vidal, Ernest Borgnine, Blair Underwood, Xander Berkeley, Elias Koteas

Wiederholung: Samstag, 9. Januar, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Gattaca“

Wikipedia über „Gattaca“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andrew Niccols “Seelen” (The Host, USA 2013)


TV-Tipp für den 6. Januar: The Sisters Brothers

Januar 5, 2021

Servus TV, 20.15

The Sisters Brothers (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain

LV: Patrick deWitt: The Sisters Brothers, 2011 (Die Sisters Brothers)

TV-Premiere. Schön schwarzhumoriger Neowestern über zwei Kopfgeldjäger, die titelgebenden Angst und Schrecken verbreitenden und noch auf der geistigen Entwicklunsstufe eines Kindes stehenden Sisters Brothers, die quer durch den Wilden Westen einen Goldsucher jagen. Der soll im Besitz einer Zauberformel zum effektiven Goldwaschen sein.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit John C. Reilly, Joaquin Phoenix, Jake Gyllenhaal, Riz Ahmed, Rutger Hauer, Rebecca Root, Carol Kane

Die lesenswerte Vorlage

Patrick deWitt: Die Sisters Brothers

(übersetzt von Marcus Ingendaay)

Goldmann, 2013

352 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Manhattan/Goldmann, 2012

Originalausgabe

The Sisters Brothers

ecco/HarperCollins Publishers, New York 2011

Hinweise

Moviepilot über „The Sisters Brothers“

Metacritic über „The Sisters Brothers“

Rotten Tomatoes über „The Sisters Brothers“

Wikipedia über „The Sisters Brothers“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „The Sisters Brothers“ (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)


Cover der Woche

Januar 5, 2021


TV-Tipp für den 5. Januar: Die zwei Gesichter des Januars

Januar 4, 2021

ZDF, 00.15

Die zwei Gesichter des Januars (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Regie: Hossein Amini

Drehbuch: Hossein Amini

LV: Patricia Highsmith: The two Faces of January, 1964 (Unfall auf Kreta, Die zwei Gesichter des Januars)

Athen, 1962: Der kleine Betrüger Rydal (Oscar Isaac) schlägt sich als Fremdenführer durch, trifft das amerikanische Ehepaar Chester MacFarland (Viggo Mortensen) und Colette (Kirsten Dunst) und wird in einem Mordfall verwickelt. Denn auch Chester ist in betrügerische Geschäfte verwickelt.

Sehr stilbewusste Highsmith-Verfilmung. Zu einer ziemlich unmöglichen Uhrzeit.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viggo Mortensen, Kirsten Dunst, Oscar Isaac, Daisy Bevan, Omiros Poulakis, David Warshofsky

Hinweise

Moviepilot über „Die zwei Gesichter des Januars“

Metacritic über „Die zwei Gesichter des Januars“

Rotten Tomatoes über „Die zwei Gesichter des Januars“

Wikipedia über „Die zwei Gesichter des Januars“ (deutsch, englisch) und über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988)

Meine Besprechung von Hossein Aminis Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Todd Haynes‘ Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (Carol, USA/Großbritannien/Frankreich 2015)

 


Eine „Schwere Körperverletzung“ von Ted Lewis

Januar 4, 2021

Das war ein gelungenes Weihnachtsgeschenk von Frank Nowatzki. Kurz vor Weihnachten überreichte mir mein Postbote ein Paket von Pulp Master mit zwei schon lange angekündigten Büchern: nämlich die Übersetzung von Tom Franklins „Wilderer“ (sein Debüt; eine Sammlung von Kurzgeschichten) und die Neuausgabe von Ted Lewis‘ „Schwere Körperverletzung“; in einer neuen Übersetzung. Der Krimi erschien 1990 in Nowatzkis vorherigem Verlag „Black Lizard“ und ist, wie alle „Black Lizard“-Bücher, schon seit Ewigkeiten nicht mehr regulär erhältlich.

Ted Lewis ist einer der großen britischen Noir-Autoren. Sein bekanntester Roman ist „Jack Carters Heimkehr“ (bzw. „Jack rechnet ab“) (Jack’s return home, später Get Carter) von 1970. Der Noir wurde dreimal verfilmt: einmal 1971 von Mike Hodges mit Michael Caine als Jack Carter. Der Gangsterkrimi ist ein Klassiker. Einmal 2000 von Stephen Kay mit Sylvester Stallone als Jack Carter. Der Film ist überflüssiger Mist. Und einmal 1972 von George Armitage („Miami Blues“, „Grosse Pointe Blank“) mit Bernie Casey als Jack Carter, der hier Tyrone Tackett heißt. Die Rachegeschichte wurde ins afroamerikanische Milieu verlegt. Der Film wurde bei uns nur auf Video in einer gekürzten Fassung veröffentlicht.

Nach „Jack Carters Heimkehr“ schrieb Lewis zwei weitere Romane mit Jack Carter, „Jack Carters Gesetz“ (Jack Carters Law, 1974) und „Jack Carters Wut“ (Jack Carter and the Mafia Pidgeon, 1977), die ebenfalls nicht mehr auf Deutsch erhältlich sind und wieder veröffentlicht werden könnten. Denn es sind verdammt spannende, düstere Gangsterromane.

Schwere Körperverletzung“ war dann der letzte Roman von Ted Lewis, der nicht ganz so gut wie seine Jack-Carter-Trilogie ist. Lewis starb 1982 mit zweiundvierzig Jahren.

In dem 1980 erschienenem Noir erzählt Ted Lewis die Geschichte von George Fowler. Der Gangster hat sich nach Mablethorpe zurückgezogen. In dem langweiligen Küstenkaff will er in Ruhe abwarten, bis sich der Staub über den letzten Gangsterkrieg gelegt hat. Während er, immer einen Drink in der Hand, die Seeluft geniest, erinnert er sich an sein Leben als skrupelloser Gangster in London. Aus diesen Erinnerungen entsteht ein Bild des Verbrechens in London in den siebziger Jahren, als Pornographie in Großbritannien illegal und damit ein großes Geschäft war. Schnörkel- und illusionslos erzählt Ted Lewis das.

Gleichzeitig wird Fowler, während er sich an die erkleckliche Zahl seiner Feinde erinnert, zunehmend paranoid. Denn er glaubt, dass sie nach Mablethorpe kommen werden, um ihn zu töten. Als Gangster der alten Schule bereitet er sich auf dieses Gefecht vor.

Für Noir-Fans und Fans von Gangsterkrimis ist „Schwere Körperverletzung“ eine klare Leseempfehlung.

Und nun zum Verlag:

Vor einigen Tagen veröffentlichte Bob Sala ein sehr informatives Verlagsporträt:

Auf der „demnächst erscheinen“-Liste stehen bei Pulp Master aktuell Les Edgerton „Primat des Überlebens“ und „Das grenzgeniale Pseudo-Kidnapping“ (toller Titel), Gerald Kersh „Hirn und zehn Finger“, Dave Zeltserman „Alles endet hier“, Derek Raymond „Er starb mit offenen Augen“ (eine Neuausgabe), Paul Cain „Ansturm auf L. A.“ (dito), Garry Disher „Moder“ (ein neuer Wyatt-Roman), Mark SaFranko „Amerigone“, Buddy Giovinazzo „Keiner lebt hier“ (endlich ein neuer Roman) und Jim Nisbet „Powerball“. Für Noir-Fans ist das eine schöne Mischung alter und neuer Autoren und Bücher.

Ted Lewis: Schwere Körperverletzung

(neu übersetzt von Angelika Müller)

Pulp Master, 2020

352 Seiten

14,80 Euro

Originalausgabe

GBH

Sphere, 1980

Hinweis

Wikipedia über Ted Lewis 


TV-Tipp für den 4. Januar: Die glorreichen Sieben

Januar 3, 2021

ZDF, 22.15

Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven, USA 2016)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Richard Wenk, Nic Pizzolatto (basierend auf dem Drehbuch von Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto und Hideo Oguni)

Die friedlichen Farmer von Rose Creek heuern sieben Revolverhelden an. Sie sollen sie gegen eine skrupellosen Minenbesitzer und seine gesetzlosen Handlanger beschützen.

Überaus gelungene und hundertfünfzigprozentig eigenständige Neuadaption von „Die sieben Samurai“, die schon einmal als Western geremaked wurden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer

Hinweise

Moviepilot über „Die glorreichen Sieben“

Metacritic über „Die glorreichen Sieben“

Rotten Tomatoes über „Die glorreichen Sieben“

Wikipedia über „Die glorreichen Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „The Equalizer 2“ (The Equalizer 2, USA 2018)


TV-Tipp für den 3. Januar: Capote

Januar 2, 2021

Tele 5, 23.05

Capote (Capote, USA 2005)

Regie: Bennett Miller

Drehbuch: Dan Futterman

LV: Gerald Clarke: Capote: A Biography, 1988

Sehr sehenswertes Biopic über Truman Capote und seine Recherchen für den True-Crime-Bestseller “Kaltblütig”.

Philip Seymour Hoffman erhielt für seine Darstellung Capotes zahlreiche Preise, unter anderem den Oscar und Golden Globe als bester Darsteller.

Mit Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Clifton Collins jr., Chris Cooper, Bob Balaban, Bruce Greenwood, Mark Pellegrino, Amy Ryan

Hinweise

Moviepilot über „Capote“

Metacritic über „Capote“

Rotten Tomatoes über „Capote“

Wikipedia über „Capote“ (deutsch, englisch) und Truman Capote (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bennett Millers „Foxcatcher“ (Foxcatcher, USA 2014)

Meine Besprechung von Ande Parks/Chris Samnee Bildergeschichte „Capote in Kansas“ (Capote in Kansas, 2005) (Yep, ebenfalls über die Arbeit an „Kaltblütig“)


TV-Tipp für den 2. Januar: Jesse James – Mann ohne Gesetz

Januar 1, 2021

SWR, 20.15

Jesse James – Mann ohne Gesetz (Jesse James, USA 1939)

Regie: Henry King

Drehbuch: Nunnally Johnson (nach historischen Recherchen von Rosalind Shaffer und Jo Frances James)

Ein Westernklassiker, der die Geschichte der Brüder Frank und Jesse James erzählt, die sich an der Eisenbahngesellschaft für erlittenes Unrecht rächen wollen und zu Verbrechern werden.

Danach geht es mit den ebenfalls sehenswerten Western „Rache für Jesse James“ (von Fritz Lang) und „Ritt zum Ox-Bow“ (von William A. Wellman) weiter.

mit Tyrone Power, Henry Fonda, Nancy Kelly, Randolph Scott, Henry Hull, Brian Donlevy, John Carradine, Lon Chaney jr.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Jesse James – Mann ohne Gesetz“

Wikipedia über „Jesse James – Mann ohne Gesetz“ (deutsch, englisch)


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