Neu im Kino/Filmkritik: Der Konzertfilm „Power to the People: John & Yoko Live in NYC“ 1972 und ohne die Beatles

April 28, 2026

Rückblickend waren die ausverkauften „One To One“-Konzerte – es gab eine Nachmittag- und eine Abendshow – am 30. August 1972 in New York im Madison Square Garden die ersten und zugleich letzten Live-Konzerte die John Lennon nach dem Ende der Beatles gab. Bei den Benefiz-Konzerte für Kinder mit geistigen und entwicklungsbedingten Behinderungen wurden insgesamt 1,5 Millionen US-Dollar (bzw. nach heutigem Stand 11,5 Millionen US-Dollar) gesammelt. 40.000 Zuschauer, darunter auch bekannte Persönlichkeiten (wie Kurt Vonnegut, Shirley MacLaine und Bianca Jagger), kamen zu den Konzerten.

Sie wurden von Steve Gebhardt für eine TV-Ausstrahlung aufgezeichnet. In den vergangenen Jahren erschienen diese Konzerte in verschiedenen, teils unterschiedlich zusammengeschnittenen Ausgaben. Zuletzt wurden sie in der „Power to the People“-Super-Deluxe-Box (mit neun CDs und drei Blu-rays) vollständig veröffentllicht. Und jetzt gibt es den Auftritt als glänzend restaurierten Konzertfilm; also genaugenommen hat Simon Hilton sich die Bilder beider Konzerte vorgenommen und sie zu einem Konzertfilm montiert. Die Bilder sind fantastisch. Der Ton ebenso (soweit ich das mit meiner Wohnzimmeranlage beurteilen kann). Die ruhige Montage mit viel Splitscreen überzeugt – und entfaltet auf einer großen Leinwand ihre volle Wirkung.

Die Musik ist über jeden Zweifel erhaben. Von John Lennon stammen die bekannten Hits, teils aus seiner Zeit mit den Beatles. Von Yoko Ono sind die experimentellen Stücke mit eindeutig politischen und provozierenden, teils nur aus Slogans bestehenden Texten. Die klassisch ausgebildete Sängerin und Pianistin war damals schon eine bekannte Fluxus-Künstlerin und Avantgarde-Musikerin. Von den Beatles-Fans, die sie für das Ende der Beatles verantwortlich machten, wurde sie innig gehasst. Im Film, der etwas von der Songfolge der Konzerte abweicht, werden sie flott hintereinander abwechselnd präsentiert. Dieses Spannungsverhältnis zwischen eingängigen Hits und gegenteiligen Songexperimenten führt während des Konzerts zu einer Stop-and-Go-Dynamik. Das Finale aus der Abendshow mit dem Mitsing-Hit „Give Peace a Chance“ und einem Aufgebot aus in dem Menschengewimmel kaum erkennbaren Stars hat die ausgelassene Stimmung eines Kindergeburtstages. Bei allem Kurzweil und Spielfreude zeigt sich hier eine Band am Anfang einer Tournee, die es nie gab.

Power to the People: John & Yoko Live in NYC“ sollte auf der großen Leinwand gesehen werden.

Die Band

John Lennon: Vocals, Guitar, Keyboards

Yoko Ono: Vocals, Keyboards

Jim Keltner: Drums

mit Elephant’s Memory

Stan Bronstein: Saxophone

Wayne ‚Tex‘ Gabriel: Lead Guitar

Adam Ippolito: Keyboards

Gary Van Scycoc: Bass

John Ward: Bass

Rick Frank: Drums

David Peel’s Human Voice Choir

Die Songs

Power to the People (John Lennon)

News York City (John Lennon)

I’s so hard (John Lennon)

Well Well Well (John Lennon)

Instant Karma! (We all Shine in) (John Lennon)

Mother (John Lennon)

Cold Turkey (John Lennon)

Come Together (John Lennon/Paul McCartney)

Imagine (John Lennon/Yoko Ono)

Move on Fast (Yoko Ono)

Born in a Prison (Yoko Ono)

We’re all water (Yoko Ono)

Open your Box (Yoko Ono)

Don’t worry Kyoko (Yoko Ono)

Hound Dog (Mike Stoller/Jerry Leiber)

Give Peace a Chance (John Lennon)

Power to the People: John & Yoko Live in NYC (Power to the People: John & Yoko Live in NYC, Großbritannien 2026)

Regie: Simon Hilton

Länge: 80 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Kinostart: 29. April 2026

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Power to the People: John & Yoko Live in NYC“

Rotten Tomatoes über „Power to the People: John & Yoko Live in NYC“

Wikipedia über John Lennon (deutsch, englisch) und Yoko Ono (deutsch, englisch)

AllMusik über John Lennon und Yoko Ono

Homepage von John Lennon

Homepage von Yoko Ono

Meine Besprechung von Richard Lesters Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ (A Hard Day’s Night, Großbritannien 1964)


TV-Tipp für den 11. August: A Hard Day’s Night

August 10, 2017

Arte, 21.55

The Beatles – A Hard Day’s Night (Großbritannien 1964, Regie: Richard Lester)

Drehbuch: Alun Owen

Yeah! Yeah! Yeah! Heute gibt es einen stilprägenden Musikfilmklassiker mit und über die Beatles im Mockumentary-Stil, den Richard Lester quasi im Alleingang erfand und der heute immer noch frisch wirkt.

Über die Musik muss ich wohl nichts sagen.

Arte zeigt die restaurierte Fassung, allerdings mit der alten deutschen Synchronisation.

Danach zeigt Arte um 23.25 Uhr „Sgt. Pepper’s Musical Revolution“ (Doku, GB 2017) und um 00.25 Uhr „John Lennon: Live in New York City“ (30. August 1972 mit Yoko Ono und der Plastic Ono Elephant’s Memory Band).

mit John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr, Wilfrid Brambell, Anna Quayle, Norman Rossington

Hinweise

Rotten Tomatoes über „A Hard Day’s Night“

Wikipedia über „A Hard Day’s Night“ (deutsch, englisch) und die Beatles (deutsch,englisch)

Meine Besprechung von Richard Lesters „A Hard Day’s Night“ (A Hard Day’s Night, Großbritannien 1964)


TV-Tipp für den 12. August: The Beatles – A Hard Day’s Night

August 11, 2014

BR, 22.00

The Beatles – A Hard Day’s Night (Großbritannien 1964, Regie: Richard Lester)

Drehbuch: Alun Owen

Yeah! Yeah! Yeah! Heute gibt es einen stilprägenden Musikfilmklassiker mit und über die Beatles im Mockumentary-Stil, den Richard Lester quasi im Alleingang erfand und der heute immer noch frisch wirkt.

Über die Musik muss ich wohl nichts sagen.

Der BR zeigt die brandneue restaurierte Fassung, allerdings in der deutschen Synchronisation.

mit John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr, Wilfrid Brambell, Anna Quayle, Norman Rossington

Hinweise

Rotten Tomatoes über „A Hard Day’s Night“

Wikipedia über „A Hard Day’s Night“ (deutsch, englisch) und die Beatles (deutsch,englisch)

Meine Besprechung von Richard Lesters „A Hard Day’s Night“ (A Hard Day’s Night, Großbritannien 1964)


DVD-Kritik: Yeah! Yeah! Yeah! „A Hard Day’s Night“ mit den Beatles

Juli 30, 2014

Schauspielernde Musiker und Bands, um die herum zur Vermarktung ihrer Musik ein Film geschrieben wird, sind meistens schnell vergessener filmischer Sondermüll. Oder will wirklich jemand alle Elvis-Presley-Madonna-Howard-Carpendale(das war eigentlich nur ein Film)-Filme sehen? Es gibt natürlich, wie immer, einige Ausnahmen und der erste Film der Beatles gehört unbestritten dazu. Bei einer 1999 vom British Film Institute (BFI) durchgeführten Befragung von tausend Filmschaffenden zu den 100 besten britischen Filmen landete „A Hard Day’s Night“ auf dem 88. Platz. Auch das Time Magazin erwähnte ihn in seiner Liste der 100 besten Filme – um nur zwei Listen zu nennen, auf denen der Film steht.

Richard Lester erzählt in einem flotten Reigen kurzer, dokumentarisch anmutender Szenen vom alltäglichen Leben der Band. Die vier Musiker laufen vor kreischenden Fans (die von echten Fans gespielt wurden) davon, sie fahren im Zug von Liverpool nach London, wo sie in einer Live-TV-Sendung auftreten sollen, sie begegnen wieder kreischenden Fans (okay, sie begegnen überall kreischenden Fans, vor denen sie mit jugendlichem Charme flüchten), sie nehmen ihre kleinen Fluchten, was ihren Manager zur Verzweiflung treibt und am Ende treten sie in der Show auf, was dazu führt, dass sie hintereinander einige noch heute bekannte Hits spielen und die überwiegend weiblichen Fans kreischen dürfen.

Und, als Comic-Relief ist Pauls Großvater dabei, ein Mann, über dessen Zurechnungsfähigkeit spekuliert werden kann. Aber nicht über seine Geschäftstüchtigkeit. Und er ist, wie mehrfach betont wird, sauber.

Die Beatles, also John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr werden als fröhliche junge Männer gezeigt, die wie pubertierende Jungs ihr Leben genießen und trotzdem verantwortungsbewußt sind. Denn auch bei ihren zahlreichen Fluchten, die ihren gutmütigen Managers Nerven kosten, kehren sie doch pünktlich zum Auftritt zurück. Sie sind so etwas wie die Klassenclowns, die den Lehrer respektieren. Und sie würden nie etwas wirklich Schlimmes oder Böses tun; nicht so wie spätere Musikergenerationen, die mit Drogen experimentierten und – ähem – seltsame Kleider trugen und – räusper – aufrührerische Parolen skandierten.

Nein, die Beatles waren noch richtig unschuldig – und die Fanekstase mit kreischenden, sie verfolgenden Fans und kreischenden Fans während des Konzertes ist heute fast unvorstellbar; – solange wir nicht über eine austauschbare Boy-Group mit deutlich kürzerem musikalischem Haltbarkeitsdatum und vernachlässigarem Einfluss auf die Musikgeschichte reden.

Richard Lester, der hier am Anfang seiner Karriere stand und in den nächsten Jahren einige Klassiker drehte, inszenierte mit „A Hard Day’s Night“ die Blaupause für künftige Musikerporträts, indem er gelungen zwischen den Stilen, vor allem in einem atemlosen, im Rhythmus der Musk geschnittenem Cinéma-Vérité-Stil zwischen dokumentarischen und eindeutig parodistischen Szenen, wechselte, die Musker als grundsympathische Menschen inszenierte und viele Songs der nach damaliger Meinung langhaarigen Musiker präsentierte, die zuerst zu Hits und später zu Evergreens wurden. Dabei gehorcht Lester nie einer spröden dokumentarisch-faktenbasierten, sondern einer emotionalen Wahrheit.

Heute würde man „Yeah Yeah Yeah“ (so der ursprüngliche deutsche Titel) Mockumentary nennen und den kurzweiligen Film ebenso bedenkenlos genießen, wie damals während der Beatlemania.

A Hard Day's Night - DVD-Cover

 

A Hard Day’s Night (A Hard Day’s Night, Großbritannien 1964)

Regie: Richard Lester

Drehbuch: Alun Owen

mit John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr, Wilfrid Brambell, Anna Quayle, Norman Rossington

DVD

Koch-Media

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1/2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar mit Cast und Crew (ungefähr ein Dutzend Menschen und Tonnen Informationen), umfangreiche Bildergalerie, Deutscher und englischer Kinotrailer

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Der Film erschien in identischer Ausstattung auch auf Blu-ray.

Außerdem gibt es eine Special Edition mit DVD, Blu-ray und zwei Bonus-DVDs, die insgesamt über 250 Minuten Bonusmaterial enthalten, unter anderem mit über zwei Stunden Interviews, mehrere Dokumentationen über den Film, die Beatles und Richard Lester und Richard Lesters Kurzfilm „The Running, Jumping & Standing Still“. Außerdem gibt es noch ein Booklet.

Koch Media verwandte die von Criterion hergestellte Fassung.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „A Hard Day’s Night“

Wikipedia über „A Hard Day’s Night“ (deutsch, englisch) und die Beatles (deutsch, englisch)


Bill Frisell spielt John Lennon live

Juni 27, 2013

Ein wunderschönes Konzert mit kaum erkennbaren John-Lennon-Songs gab Gitarrist Bill Frisell, begleitet von seinen langjährigen Co-Musikern Greg Leisz (Pedal Steel), Tony Scherr (Bass) und Kenny Wollesen (Drums), 2012 beim La Vilette Jazz Festival.