Neu im Kino/Filmkritik: Der Konzertfilm „Power to the People: John & Yoko Live in NYC“ 1972 und ohne die Beatles

Rückblickend waren die ausverkauften „One To One“-Konzerte – es gab eine Nachmittag- und eine Abendshow – am 30. August 1972 in New York im Madison Square Garden die ersten und zugleich letzten Live-Konzerte die John Lennon nach dem Ende der Beatles gab. Bei den Benefiz-Konzerte für Kinder mit geistigen und entwicklungsbedingten Behinderungen wurden insgesamt 1,5 Millionen US-Dollar (bzw. nach heutigem Stand 11,5 Millionen US-Dollar) gesammelt. 40.000 Zuschauer, darunter auch bekannte Persönlichkeiten (wie Kurt Vonnegut, Shirley MacLaine und Bianca Jagger), kamen zu den Konzerten.

Sie wurden von Steve Gebhardt für eine TV-Ausstrahlung aufgezeichnet. In den vergangenen Jahren erschienen diese Konzerte in verschiedenen, teils unterschiedlich zusammengeschnittenen Ausgaben. Zuletzt wurden sie in der „Power to the People“-Super-Deluxe-Box (mit neun CDs und drei Blu-rays) vollständig veröffentllicht. Und jetzt gibt es den Auftritt als glänzend restaurierten Konzertfilm; also genaugenommen hat Simon Hilton sich die Bilder beider Konzerte vorgenommen und sie zu einem Konzertfilm montiert. Die Bilder sind fantastisch. Der Ton ebenso (soweit ich das mit meiner Wohnzimmeranlage beurteilen kann). Die ruhige Montage mit viel Splitscreen überzeugt – und entfaltet auf einer großen Leinwand ihre volle Wirkung.

Die Musik ist über jeden Zweifel erhaben. Von John Lennon stammen die bekannten Hits, teils aus seiner Zeit mit den Beatles. Von Yoko Ono sind die experimentellen Stücke mit eindeutig politischen und provozierenden, teils nur aus Slogans bestehenden Texten. Die klassisch ausgebildete Sängerin und Pianistin war damals schon eine bekannte Fluxus-Künstlerin und Avantgarde-Musikerin. Von den Beatles-Fans, die sie für das Ende der Beatles verantwortlich machten, wurde sie innig gehasst. Im Film, der etwas von der Songfolge der Konzerte abweicht, werden sie flott hintereinander abwechselnd präsentiert. Dieses Spannungsverhältnis zwischen eingängigen Hits und gegenteiligen Songexperimenten führt während des Konzerts zu einer Stop-and-Go-Dynamik. Das Finale aus der Abendshow mit dem Mitsing-Hit „Give Peace a Chance“ und einem Aufgebot aus in dem Menschengewimmel kaum erkennbaren Stars hat die ausgelassene Stimmung eines Kindergeburtstages. Bei allem Kurzweil und Spielfreude zeigt sich hier eine Band am Anfang einer Tournee, die es nie gab.

Power to the People: John & Yoko Live in NYC“ sollte auf der großen Leinwand gesehen werden.

Die Band

John Lennon: Vocals, Guitar, Keyboards

Yoko Ono: Vocals, Keyboards

Jim Keltner: Drums

mit Elephant’s Memory

Stan Bronstein: Saxophone

Wayne ‚Tex‘ Gabriel: Lead Guitar

Adam Ippolito: Keyboards

Gary Van Scycoc: Bass

John Ward: Bass

Rick Frank: Drums

David Peel’s Human Voice Choir

Die Songs

Power to the People (John Lennon)

News York City (John Lennon)

I’s so hard (John Lennon)

Well Well Well (John Lennon)

Instant Karma! (We all Shine in) (John Lennon)

Mother (John Lennon)

Cold Turkey (John Lennon)

Come Together (John Lennon/Paul McCartney)

Imagine (John Lennon/Yoko Ono)

Move on Fast (Yoko Ono)

Born in a Prison (Yoko Ono)

We’re all water (Yoko Ono)

Open your Box (Yoko Ono)

Don’t worry Kyoko (Yoko Ono)

Hound Dog (Mike Stoller/Jerry Leiber)

Give Peace a Chance (John Lennon)

Power to the People: John & Yoko Live in NYC (Power to the People: John & Yoko Live in NYC, Großbritannien 2026)

Regie: Simon Hilton

Länge: 80 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Kinostart: 29. April 2026

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Power to the People: John & Yoko Live in NYC“

Rotten Tomatoes über „Power to the People: John & Yoko Live in NYC“

Wikipedia über John Lennon (deutsch, englisch) und Yoko Ono (deutsch, englisch)

AllMusik über John Lennon und Yoko Ono

Homepage von John Lennon

Homepage von Yoko Ono

Meine Besprechung von Richard Lesters Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ (A Hard Day’s Night, Großbritannien 1964)

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