Neu im Kino/Filmkritik: „Babystar“ – aus dem Leben einer Influencer-Familie

Stella (Bea Brocks) und Chris Sommer (Liliom Lewald) breiten ihr gesamtes Leben in den sozialen Medien aus. Mit dieser radikalen Offenheit haben sie sich einen großen Bungalow im Grünen erarbeitet. Ihre sechzehnjährige Tochter Luca (Maja Bons) ist von Anfang an ein Teil des Family-Influencer-Geschäfts our_bright_life. Eine normale Kindheit und Jugend hatte sie nicht. Auch keine Freundinnen. Stattdessen hat sie Follower. Jetzt soll ein KI-Avatar von ihr erstellt werden, der einfühlsame Gespräche mit ihren Followern anbietet – und, wie ein fallen gelassenes Projekt, der nach einer pompösen Einführung im Film im digitalen Nirwana verschwindet.

Als ihre Mutter überlegt, ob sie ein weiteres Kind bekommen soll, ist Luca dagegen.

Das Thema und die Idee von „Babystar“, nämlich das Leben einer Influencer-Familie zu zeigen und sich zu fragen, wie eine Pubertierende damit umgeht, dass sich mit einem Baby die gesamte Dynamik innerhalb der Familie ändert, sind vielversprechend. Schließlich ist über das wahre Leben von Influencern wenig bekannt.

Allerdings sind ein Thema und eine Idee keine Geschichte. Und genau diese fehlt in Joscha Bongards Diplomfilm und Spielfilmdebüt „Babystar“. Anstatt die Konflikte konsequent auszubuchstabieren, gibt es viele Szenen, in denen nichts geschieht, was die Hauptgeschichte irgendwie voranbringt oder wenigstens unterhält. Es wird viel geschwiegen und nachdenklich in die Landschaft gestarrt. Es wird ein hölzernes Gemisch aus Denglisch, Schrifthochdeutsch und Pseudo-Plattdeutsch gesprochen. Das sind Sätze, die so niemand sagen würde. Kein Mensch verhält sich normal. Sie tun, was ihnen das Drehbuch vorschreibt. Während der Bungalow der Familie noch halbwegs real wirkt, ist das Hotelzimmer, in das Luca einmal vor ihren Eltern flüchtet, ein reines Fantasie-Hotelzimmer, das es so nur in einem Filmstudio gibt. Das gleiche gilt für ein von der Familie besuchtes Nobelrestaurant. Das ist eine der vielen Filmszene, in denen, egal wie man sie betrachtet, nichts stimmt.

Für Kurzweil sorgen die Schnipsel aus den Social-Media-Beiträgen der Familie Sommer. Sie zeigen, was möglich gewesen wäre.

Babystar (Deutschland 2024)

Regie: Joscha Bongard

Drehbuch: Nicole Rüthers, Joscha Bongard

mit Maja Bons, Bea Brocks, Liliom Lewald

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Babystar“

Moviepilot über „Babystar“

Wikipedia über „Babystar“

Meine Besprechung von Joscha Bongards „Pornfluencer“ (2022)

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..