Neu im Kino/Filmkritik: “Cotton Queen”, der erste Spielfilm einer sudanesischen Regisseurin

Afrika ist ein riesiger, filmisch kaum erschlossener Kontinent. Wenn wir Tierdokus und Hollywood-Filme wie “Black Panther”, die alles außer einem realistischen Bild von Afrika zeichnen, links liegen lassen, bleiben nur wenige Filme, die in unsere Kinos gelangen oder im Fernsehen gezeigt werden. “Cotton Queen”, das Spielfilmdebüt von Suzanna Mirghani, gehört zu diesem kleinen Kreis von in Afrika von afrikanischen Filmemachern gedrehten Filmen, die aktuelle afrikanische Geschichten erzählen.

Mirghani erzählt die Geschichte der fünfzehnjährigen Nafisa. In den Sommerferien helfen sie und ihre Freundinnen im heutigen Sudan bei der Baumwollernte. Es ist eine beschwerliche Arbeit. Durch die Investition eines sudanstämmigen Geschäftsmannes in neue Technologien könnte sich das ändern. Nafisas Eltern wollen ihre Tochter mit ihm verheiraten. Dafür beschwören sie die Geister. Nafisas Großmutter Al-Sit, die allseits geachtete Matriarchin, die noch die Kolonialzeit miterlebte, begrüßt diesen Plan.

Aber Nafisa hat sich in einen Jungen aus dem Dorf verliebt.

Suzanna Mirghani beginnt ihren Film mit farbenprächtigen Bildern von der Baumwollernte. Sie zeigt, wie die Arbeiterinnen bei der Arbeit singen, anschließend am Fluss Zeit miteinander verbringen und wie Nafisa mit ihrer Großmutter spricht. Es sind Bilder, die, mit einem Touch magischen Realismus, ein gutes Gefühl von dem Ort und den Menschen vermitteln. Später, wenn Nafisa zu dem Frau des angereisten Geschäftsmann werden soll, tendiert der Film etwas in Richtung Horrorfilm. Nicht wegen der Geister, sondern weil hier eine Gruppe Frauen mit allen Mitteln versucht, eine junge Frau in eine Richtung zu beeinflussen. Mirghani konzentriert sich auf Nafisas Umfeld, während der Geschäftsmann und seine das Leben in dem gesamten Dorf radikal verändernde Investition an den Rand gedrängt werden. Dafür wirden der Blick in die die Gegenwart beeinflussende Kolonialvergangenheit wichtiger.

Trotzdem kann “Cotton Queen” das Versprechen seiner ersten Bilder nicht halten. Zu sehr versumpft die Geschichte in Nebenkriegsschauplätzen, während der eigentlich zentrale Konflikt zwischen den Einheimischen und den Investoren über weite Strecken des Films zu sehr an den Rand gedrängt wird.

„Cotton Queen“ ist ein vielversprechendes Debüt, das neugierig auf Suzannah Mirghanis nächsten Film macht.

Cotton Queen (Cotton Queen, Deutschland/Frankreich/Palästina/Sudan/Saudi-Arabien/Qatar, 2025)

Regie: Suzannah Mirghani

Drehbuch: Suzannah Mirghani

mit Mihad Murtada, Rabha Mohamed Mahmoud, Talaat Fareed, Haram Bisheer, Mohamed Musa, Hassan Kassala, Fatma Farid

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über “Cotton Queen”

Moviepilot über “Cotton Queen”

Rotten Tomatoes über “Cotton Queen”

 

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