ITW nominiert beste Thriller 2010

März 31, 2010

Die Autorenorganisation International Thriller Writers (ITW) hat die Nominierungsliste für den diesjährigen Thriller Award veröffentlicht:

Best Hard Cover Novel

VANISHED von Joseph Finder

LONG LOST von Harlan Coben

FEAR THE WORST von Linwood Barclay

THE NEIGHBOR von Lisa Gardner

THE RENEGADES von T. Jefferson Parker

Best Paperback Original

SHADOW SEASON von Tom Piccirilli

URGE TO KILL von John Lutz

VENGEANCE ROAD von Rick Mofina

THE COLDEST MILE von Tom Piccirilli

NO MERCY von John Gilstrap

Best First Novel

FRAGMENT von Warren Fahy

DEAD MEN’S DUST (Der Knochensammler) von Matt Hilton

COLLISION OF EVIL von John J. Le Beau

DRACULA: THE UN-DEAD von Dacre Stoker

RUNNING FROM THE DEVIL von Jamie Freveletti

Best Short Story

THE DESERT HERE AND THE DESERT FAR AWAY von Marcus Sakey

A STAB IN THE HEART von Twist Phelan

AFTERSHOCK & OTHERS von F. Paul Wilson

ICED von Harry Hunsicker

BOLDT’S BROKEN ANGEL von Ridley Pearson

Da sind dieses Jahr viele Autoren (Finder, Coben, Parker, Piccirilli, Lutz, Mofina, Hilton) und Werke dabei, die ich noch unbedingt lesen will. Etliche der nominierten Werke dürften auch dieses und nächstes Jahr übersetzt werden.


Kleinkram zwischen Stoker Award 2009 und Spinetingler Award 2010

März 31, 2010

Die Horror Writers Association hat den „Bram Stoker Award 2009“ vergeben:

Superior Achievement in a NOVEL

AUDREY’S DOOR von Sarah Langan (Harper)

Superior Achievement in a FIRST NOVEL

DAMNABLE von Hank Schwaeble (Jove)

Superior Achievement in LONG FICTION

THE LUCID DREAMING von Lisa Morton (Bad Moon Books)

Superior Achievement in SHORT FICTION

In the Porches of My Ears” von Norman Prentiss (POSTSCRIPTS #18)

Superior Achievement in an ANTHOLOGY

HE IS LEGEND herausgegeben von Christopher Conlon (Gauntlet Press)

Superior Achievement in a COLLECTION

A TASTE OF TENDERLOIN von Gene O’Neill (Apex Book Company)

Superior Achievement in NONFICTION

WRITERS WORKSHOP OF HORROR von Michael Knost (Woodland Press)

Superior Achievement in POETRY

CHIMERIC MACHINES von Lucy A. Snyder (Creative Guy Publishing)

Those Sexy Vintage Sleaze Books hat ein Buch von Sheldon Lord (auch bekannt als one and only Lawrence Block) entdeckt: Of Shame and Joy.

Joe Lansdale beantwortet den Sons of Spade einige Fragen:

I based a lot of Hap on myself, and Leonard on friends of mine. It’s that simple. But, of course, a lot of who they are is made up. I had a number of the jobs Hap had, and some of the other experiences. No murders and killings, but the background.

„Battlefield Earth“ hat kürzlich den Razzie als schlechtester Film des Jahrzehnts erhalten. Drehbuchautor J. D. Shapiro hat den Preis persönlich entgegengenommen und die Gelegenheit genutzt, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern:

It wasn’t as I intended — promise. No one sets out to make a train wreck. Actually, comparing it to a train wreck isn’t really fair to train wrecks, because people actually want to watch those. (…)

My script was very, VERY different than what ended up on the screen. My screenplay was darker, grittier and had a very compelling story with rich characters. What my screenplay didn’t have was slow motion at every turn, Dutch tilts, campy dialogue, aliens in KISS boots, and everyone wearing Bob Marley wigs.(…)

The only time I saw the movie was at the premiere, which was one too many times. (…)

Now, looking back at the movie with fresh eyes, I can’t help but be strangely proud of it. Because out of all the sucky movies, mine is the suckiest.

Horrorautor Norman Partridge hat sich mit Duane Swierczynski (aka Duane Louis) unterhalten:

It’s the work that matters. Don’t get caught up in the rest of the nonsense — the business and marketing and trend-watching and all of that. Sure, it’s important. But the work comes first. Sit your butt in a chair and keep writing. When you’re not writing, read your eyeballs out.

Spinetingler hat sich mit P. D. James unterhalten.
Die neue Ausgabe von Plots with Guns ist online.
Spinetingler hat die Nominierungsliste für die „Best Short Story on the Web“ veröffentlicht:

A Wild and Crazy Night by John Kenyon from Beat to a Pulp

At Least I felt Something by Sophie Littlefield from The Drowning Machine

Blurred Lines by Michael Moreci from A Twist of Noir

Flesh Rule by Frank Bill from Plots with Guns

Insatiable by Hilary Davidson from Beat to a Pulp

My Father’s Son by Alan Griffiths from A Twist of Noir

M-N-S (n) murder-necrophilia-suicide by Anonymous 9 from Plots with Guns

The Present by Mark Joseph Kiewlak from A Twist Of Noir

Survival Instincts by Sandra Seamans from Pulp Pusher

The Tut by Paul D Brazill from Beat to a Pulp

und demnächst wird der Weg zur Wahlkabine ausgeschildert.

TV-Tipp für den 31. März: Bis nichts mehr bleibt

März 31, 2010

ARD, 20.15

Bis nichts mehr bleibt (D 2010, R.: Niki Stein)

Drehbuch: Niki Stein

Endlich ist es soweit: nach wochenlanger Vorberichterstattung und pflichtschuldigem Gemaule von Scientology können wir den Anlass für die ganze Aufregung ansehen.

Weil Niki Stein auch einige der guten „Tatorte“ (vor allem mit dem Frankfurter Team Dellwo/Sänger) drehte, dürfte dieser TV-Film über einen Studenten, der mit seiner Frau, in die Fänge der Sekte gerät und nach jahrelanger Mitgliedschaft aussteigen will, immerhin ansehbar sein. Vielleicht ist er sogar wirklich gut.

Mit Felix Klare, Silke Bodenbender, Kai Wiesinger, Nina Kunzendorf, Suzanne von Borsody, Paula Schramm, Sabine Postel, Robert Atzorn

Wiederholung: Donnerstag, 1. April, 10.30 Uhr

Hinweise

Das Erste über „Bis nichts mehr bleibt“ (und in der Mediathek)

Tagesspiegel: Besprechung des Films


R. i. P. Peter Herbolzheimer

März 30, 2010

R. i. P. Peter Herbolzheimer (31. Dezember 1935 – 27. März 2010)

Mit Peter Herbolzheimer ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten des deutschen Jazz gestorben. Als Bigbandleiter begleitete er mit seiner 1969 gegründeten „Rhythm Combination & Brass“ US-Größen wie Dizzy Gillespie, Stan Getz, Nancy Wilson, Clark Terry, Nat Adderley, Toots Thielemans, Gerry Mulligan und Al Jarreau. Er schrieb die Musik für die Eröffnung der Olympischen Spiele 1972 in München. In TV-Sendungen wie „Bios Bahnhof“ und dem „ZDF Jazzclub“ erreichte er ein Millionenpublikum. Sein Geniestreich war 1987 die Gründung des Bundesjugend-Jazzorchesters (BuJazzO), das er zwanzig Jahre leitete und unter seiner Ägide zur Talentschmiede wurde. Till Brönner, Claudio Puntin, Steffen Roger Cicero, Michael Wollny und Peter Weniger gehörten zum BuJazzO.

Herbolzheimer starb am Samstag in der Kölner Universitätsklinik an einer schweren Krankheit.

Nachrufe gibt es in der Spiegel Online (dpa), Der Standard, Tagesspiegel (Christian Schröder), Frankfurter Allgemeine Zeitung (Wolfgang Sandner), Badische Zeitung (Reiner Kobe), WDR (Interview mit Bernd Hoffmann) und der Frankfurter Rundschau (Hans-Jürgen Linke).


Cover der Woche

März 30, 2010

Nach langer, langer Zeit wird die Verfilmung des Romans, „Flieder für Jaczek“, am Donnerstag, den 1. April, im HR um 21.45 Uhr gezeigt.


TV-Tipp für den 30. März: Der Augenzeuge

März 30, 2010

BR, 21.45

Der Augenzeuge (USA 1981, R.: Peter Yates)

Drehbuch: Steve Tesich

Vietnam-Veteran Daryl Deever arbeitet als Hausmeister in einem New Yorker Bürohaus. Als er den ermordeten Manager Long findet, ergreift er die Gelegenheit sich seiner heimlichen Liebe, der TV-Reporterin Tony Sokolow, zu nähern, indem er behauptet, er habe den Mörder gesehen.

Unterschätzter ruhiger, romantischer Thriller.

a thoroughly delightful but far from plausible mystery melodrama that operates exclusively on high spirits and a no-nonsense intelligence that is never sidetracked by coherence.“ (Vincent Canby, New York Times, 27. Februar 1981)

mit William Hurt, Sigourney Weaver, Christopher Plummer, James Woods, Irene Worth, Albert Paulsen, Steven Hill, Morgan Freeman

Hinweise

Trailer bei Videodetective (laue Qualität)

Showtime: schöne Ankündigung des Films

Wikipedia über „Eyewitness“




Dennis Hopper und der Stern

März 29, 2010

Die Enthüllung seines Sterns auf dem Walk of Fame am vergangenen Freitag (26. März)  ist wahrscheinlich der letzte öffentliche Aufritt von Dennis Hopper:

Er hat Prostatakrebs und ist in einen sehr unschönen Scheidungsstreit verwickelt (mehr hier).


TV-Krimi-Buch-Tipps für die Ostertage online

März 29, 2010

Technik, oh Technik – aber jetzt hat Alligator-Alfred einmal richtig zugeschnappt und es klappt mit den aktuellen Terminen und den vielen schönen Bildern. Fans von Krimiverfilmungen dürfen sich unter anderem auf diese Werke freuen:

Ostern ist wie Weihnachten für die kleine verschworene Gemeinschaft der Mankell-Fans. Die Peckinpahianer versammeln sich ebenfalls am Lagerfeuer. Und dann gibt es noch die sehenswerte Henri-Georges Clouzot Boileau/Narcejac-Verfilmung „Die Teuflischen“, seine Georges-Arnaud-Verfilmung „Lohn der Angst“, Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Michael Ciminos Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Alfred Hitchcocks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Das Fenster zum Hof“, Curtis Hansons James-Ellroy-Verfilmung „L. A. Confidential“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung „Casino“, Pedro Almodóvars Ruth-Rendell-Verfilmung „Live Flesh“, John Fords Alan-LeMay-Verfilmung „Der schwarze Falke“, Bennet Millers Gerald-Clarke-Verfilmung „Capote“ (TV-Premiere zu – Ach, vergessens wir’s und programmieren den Rekorder.), Delmer Daves‘ David-Goodis-Verfilmung „Das unbekannte Gesicht“ und für die Klassik-Fans gibt es den seit gut fünfzehn Jahren nicht mehr gezeigten Tatort „Flieder für Jaczek“, nach einem Buch von Stefan Murr.


TV-Tipp für den 29. März: Die Teuflischen

März 29, 2010

Arte, 20.15

Die Teuflischen (F 1955, R.: Henri-Georges Clouzot)

Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérôme Geronimi, René Masson (Mitarbeit), Frédéric Grendel (Mitarbeit)

LV: Pierre Boileau/Thomas Narcejac: Les diaboliques: Celle qui n´etait pas, 1952 (Die Teuflischen; Tote sollen schweigen)

Privatschullehrer Delasse quält mit sadistischer Freude seine herzkranke Frau und seine Geliebte. Da beschließen die beiden Frauen, das Ekelpaket umzubringen.

Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigter Klassiker, der einem auch heute noch den Atem raubt.

Das Drehbuch gewann einen Special Edgar.

mit Simone Signoret, Véra Clouzot, Paul Meurisse, Charles Vanel, Michel Serrault

Wiederholungen

Dienstag, 6. April, 14.45 Uhr

Freitag, 16. April, 14.45 Uhr

Hinweise

Arte über die Henri-Georges-Clouzot-Reihe

Wikipedia über Henri-Georges Clouzot (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. März: Donna Leon

März 27, 2010

Arte, 17.00

Donna Leon (D 2008, R.: Ralf Pleger, Torsten Bohnet)

Drehbuch: Ralf Pleger, Torsten Bohnet

45-minütige Doku über die Erfinderin von Venedig-Kommissar Brunetti.

Wiederholungen

Montag, 29. März, 08.00 Uhr

Samstag, 3. April, 06.45 Uhr

Hinweise

Arte über die Doku

Wikipedia über Donna Leon (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Donna Leon

Italian Mysteries über Donna Leon

Homepage von Donna Leon (Random House)

Homepage von Donna Leon (Grove Atlantic)

Diogenes über Donna Leon

Das Erste über die Commissario-Brunetti-Filme


„24“ erlebt keinen neunten TV-Tag

März 27, 2010

In den vergangenen Tagen gab es einige Meldungen über das mögliche Ende der Serie, einen Umzug zu einem anderen Sender und einem Kinofilm.

Jetzt ist das Ende der TV-Serie nach der achten Staffel (die derzeit in den USA ausgestrahlt wird) beschlossen. Letztendlich dürfte es an den gestiegenen Kosten und den anstehenden Gehaltsverhandlungen gelegen haben. Außerdem soll man dann aufhören, wenn es am schönsten ist.

Aber halt: die wollen jetzt einen Kinofilm machen. Er soll in Europa spielen und Billy Ray schreibt das Drehbuch. Ray schrieb die Bücher für „State of Play“ und „Das Tribunal“ (Hart’s War). Für seine beiden Spielfilme „Enttarnt“ (Breach) und „Lüge und Wahrheit“ (Shattered Glass) schrieb er ebenfalls die Bücher.

Hier die Pressemitteilung von Fox (habe auf kürzere Version verlinkt):

24: DAY EIGHT” WILL BE THE AWARD-WINNING SERIES’ FINAL SEASON

Two-Hour Series Finale Airs Monday, May 24, on FOX

In a joint decision made by 24’s star and executive producer Kiefer Sutherland, executive producer and showrunner Howard Gordon, Twentieth Century Fox Television, Imagine Entertainment and Fox Broadcasting Company, it was determined that the acclaimed series will end its remarkable eight-season run. Jack Bauer’s last day on FOX will conclude when the final two hours of “Day Eight” air Monday, May 24 (8:00-10:00 PM ET/PT). As the countdown to the series’ climactic conclusion races on, the final 11 hours will air uninterrupted Mondays (9:00-10:00 PM ET/PT) on FOX.

Multiple award-winning series star Kiefer Sutherland reflected on the show’s run: “This has been the role of a lifetime, and I will never be able to fully express my appreciation to everyone who made it possible. While the end of the series is bittersweet, we always wanted 24 to finish on a high note, so the decision to make the eighth season our last was one we all agreed upon. This feels like the culmination of all our efforts from the writers to the actors to our fantastic crew and everyone at Fox. Looking ahead to the future, Howard Gordon and I are excited about the opportunity to create the feature film version of 24. But when all is said and done, it is the loyal worldwide fan base that made it possible for me to have the experience of playing the role of Jack Bauer, and for that I am eternally grateful.”

Executive producer and showrunner Howard Gordon said, “Kiefer and I have loved every minute of making 24, but we all believe that now is the right time to call it a day. I echo his sentiments of gratitude toward the show’s amazing creative team, as well as the studio and network who have always believed in us and shown us unbelievable support.”

24 is so much more than just a TV show – it has redefined the drama genre and created one of the most admired action icons in television history,” said Peter Rice, Chairman, Entertainment, Fox Networks Group. Kevin Reilly, President, Entertainment, Fox Broadcasting Company added, “We are extremely proud of this groundbreaking series and will be forever thankful to Kiefer, the producers, the cast and crew for everything they’ve put into 24 over the years. It’s truly been an amazing and unforgettable eight days.”

We are so grateful to Kiefer and Howard who have really poured their hearts and souls into making this show over the past eight seasons,” commented Gary Newman and Dana Walden, Chairmen, Twentieth Century Fox Television. “To everyone who contributed to this iconic series over its amazing run, we want to extend our heartfelt appreciation for your incredible work.”

Added Imagine Entertainment’s Brian Grazer, “I’m so proud to have been a part of 24, which has become such a cultural phenomenon. And to Kiefer and Howard and everyone who has worked on the show, many thanks.”

Now in its eighth season with Kiefer Sutherland starring as the heroic Jack Bauer, the inventive and suspenseful 24 has been nominated for a total of 68 Emmy Awards, winning for Outstanding Drama Series in 2006. Over the course of seven seasons, Sutherland garnered seven Emmy nominations and one win for Outstanding Lead Actor – Drama Series. While the series gained global recognition, Sutherland’s portrayal of the legendary character penetrated the American psyche like no other dramatic television character to become part of the English lexicon.

Premiering November 6, 2001, 24 employed a pioneering split-screen, fast-paced format with complex interweaving storylines as viewers followed anti-terrorism agent Jack Bauer through 24 pulse-pounding episodes, each covering one hour and presented in real time. Subsequent seasons combined the show’s unique and trend-setting format while delivering compelling new elements and attracting talented actors and guest stars, including the Emmy Award-winning Cherry Jones (President Allison Taylor). The series also currently stars Mary Lynn Rajskub (Chloe O’Brian), Anil Kapoor (Omar Hassan), Annie Wersching (Renee Walker), Katee Sackhoff (Dana Walsh), Mykelti Williamson (Brian Hastings), Freddie Prinze Jr. (Cole Ortiz), Chris Diamantopoulos (Rob Weiss) and John Boyd (Arlo Glass).

The first six seasons were set in Los Angeles, and following the strike-induced delay of Season Seven, “24: Redemption,” a two-hour film bridging Seasons Six and Seven, was set in Africa. Washington, D.C. was the setting for Season Seven, and the final season of 24 finds Jack Bauer thwarting a terrorist attack in New York.

At the conclusion of Season Eight, 24 will have a produced a total of 194 episodes (including “24: Redemption”), making it one of the longest-running action television shows in history.

Tune in Monday, March 29 (9:00-10:00 PM ET/PT) for the next all-new installment of 24 and Monday, April 5 (8:00-10:00 PM ET/PT) for a special two-hour episode.

(via Collider)


DVD-Kritik: „Two Lovers“ – James Grays vierter Streich

März 27, 2010

Ein Liebesfilm in der Kriminalakte?

Ich könnte jetzt einen langen Vortrag beginnen, dass Krimis eigentlich Liebesgeschichten sind undsoweiterundsofort.

Oder ich sage einfach nur: JAMES GRAY.

Genau, der James Gray, der bis jetzt drei fantastische Gangsterfilme, die er mit präzisen Sozialstudien und Familiengeschichten verband, drehte. „Little Odessa“, „The Yards“ und „Helden der Nacht“ hießen die in New York, vornehmlich Brighton Beach/Brooklyn, spielenden Filme, für die er auch immer das Drehbuch schrieb und immer wieder eine erkleckliche Zahl bekannter Schauspieler engagieren konnte.

Auch sein neuester Film „Two Lovers“ fügt sich nahtlos in sein bisheriges Werk ein und zeigt, wieder einmal, dass er zu den am meisten unterschätzten Geschichtenerzählern gehört. Wieder spielt sein Lieblingsschauspieler Joaquin Phoenix mit und wieder zeigt Phoenix in seinem bislang letztem Film eine beeindruckende Leistung als Leonard Kraditor, der nach einem psychischen Zusammenbruch seit vier Monaten wieder bei seinen Eltern lebt und versucht sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Seine Eltern (Isabella Rossellini, Moni Monoshov) wollen ihn mit Sandra Cohen (Vinessa Shaw) verkuppeln. Sandra hat sich, nachdem sie ihn in der Kleiderreinigung seiner Eltern gesehen hatte, in ihn verliebt. Sie ist die Tochter eines Geschäftskonkurrenten und auch ihre Eltern stünden einer Ehe wohlwollend gegenüber.

Aber Leonard verliebt sich in den blonden Engel Michelle Rausch (Gwyneth Paltrow). Sie ist die Geliebte des reichen, verheirateten Ronald Blatt (Elias Koteas) und hat absolut kein sexuelles Interesse an Leonard. Für sie ist er nur der nette Nachbar von nebenan.

Gray konzentriert sich in seiner von Fjodor Dostojewskis Kurzgeschichte „Weiße Nächte“ inspirierten, hübsch doppeldeutig betitelten Geschichte (das ist einer der raren Fälle, in denen der Originaltitel besser als eine wörtliche Übersetzung ist) auf den einsamen Leonard und seine Entscheidung zwischen zwei Frauen und Lebensstilen.

Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton. Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.

Und dennoch ist James Gray immer noch viel zu unbekannt. Teils weil seine Filme keinen großen Kinostart erhielten, teils weil sie – wie „The Yards“ nach einer Pleite des deutschen Verleihs – nie in die Kinos kamen. Aber auch weil seine Filme auf modischen Schnickschnack verzichten und sich auf die derzeit unhippe Tradition des klassischen Erzählkinos und des europäischen Kinos, zwischen Frederico Fellini und Krzysztof Kieslowski, beziehen.

Sein Erzähltempo ist für heutige Sehgewohnheiten ungewöhnlich langsam, aber immer entwickelt er bereits mit den ersten Bildern einen fatalistischen Sog, bei dem auf überraschende Plottwists und überraschende Enden verzichtet wird. Seine Charaktere scheinen äußeren Umständen und ihrem Schicksal ausgeliefert zu sein. Auch Leonards Schicksal ist von Anfang an vorherbestimmt, das Ende ist bittersüß und, je nach persönlicher Sicht, ist es ein gutes oder ein schlechtes Ende. Aber in jedem Fall ist es ein befriedigendes Ende.

Als Bonusmaterial gibt es lediglich drei geschnittene Szenen, die bis auf eine, die ich vielleicht drin gelassen hätte (sie zeigt Leonard mit seinen Eltern in der Reinigung), zu recht weggefallen sind, und einen sehr hörenswerten Audiokommentar von James Gray. Er erzählt von seinen Vorbildern im europäischen Kino, seinen ästhetischen Vorstellungen, den Dreharbeiten, welche Absichten er bei bestimmten Szenen hatte und wie die Schauspieler ihn mit ihren Improvisationen immer wieder überraschten.

Two Lovers (Two Lovers, USA 2008)

Regie: James Gray

Drehbuch: James Gray, Rick Menello

mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas

DVD

Senator

Bild: 2,35:1 (anamorph 16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar, Deleted Scenes, Trailer

Laufzeit: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die bisherigen Erkundungen New Yorks von James Gray

Little Odessa (Little Odessa, USA 1994)

Drehbuch: James Gray

mit Tim Roth, Moira Kelly, Edwad Furlong, Vanessa Redgrave, Maximilian Schell, Paul Guilfoyle

The Yards – Im Hinterhof der Macht (The Yards, USA 2000)

Drehbuch: James Gray, Matt Reeves

mit Mark Wahlberg, Joaquin Phoenix, Charlize Theron, James Caan, Faye Dunaway, Ellen Burstyn, Tony Musante, Victor Argo, Tomas Milian

Helden der Nacht (We own the Night, USA 2007)

Drehbuch: James Gray

mit Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Eva Mendes, Robert Duvall, Danny Hoch, Alex Veadov, Oleg Taktarov, Moni Monoshov, Tony Musante

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Wikipedia über „Two Lovers“ (deutsch, englisch)

IFC: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Spout Blog: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Coming Soon: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Collider: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

IndieWire: Interview mit James Gray über „Two Lovers“


TV-Tipp für den 27. März: Pat Garrett jagt Billy the Kid

März 27, 2010

BR, 21.55

Pat Garrett jagt Billy the Kid (USA 1973, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Rudolph Wurlitzer

Der Titel verrät die Story – und das Ende kennen wir aus den Geschichtsbüchern.

Grandioser Abgesang auf den Wilden Westen und das Ende der sechziger Jahre. Es wird, wie üblich, die rekonstruierte Langfassung gezeigt (in der leider die grandiose Sterbeszene am Fluss mit Dylans „Knockin´ on heavens door“ fehlt). MGM brachte damals nur eine gekürzte Fassung in die Kinos.

Der Film hat eine Trägheit und einen elegischen Ton, in denen man versinken kann. Was kommen wird, ist so klar, dass er immer wieder innehalten, abweichen, verzögern kann. Die Szenen müssen nicht ineinander greifen, es gibt abrupte Wechsel, und im Grunde ist es ein Film übers Herumhängen im Grenzgebiet, in runtergekommenen Häusern, provisorischen Quartieren. Es gibt eine ausgeprägte Vorliebe für Abend- und Morgendämmerung, für das Nachmittagslicht im amerikanischen Südwesten, und mittendrin gerät man immer wieder in kurze Sequenzen von einer tranceartigen Schönheit.“ (Peter Körte in Filmgenres: Western, Reclam 2003)

Mit Kris Kristofferson, James Coburn, Bob Dylan (auch Musik), Jason Robarts Jr., Richard Jaeckel, Katy Jurado, Slim Pickens, John Beck, Rita Coolidge, R. G. Armstrong, Jack Elam, L. Q. Jones, Harry Dean Stanton, Rudolph Wurlitzer, Sam Peckinpah (spielt Will, den Sargmacher), Elisha Cook Jr.

Hinweis

Meine Besprechung der DVD „Sam Peckinpah: Passion & Poetry“

Bonushinweis

Davor, um 20.15 Uhr, „Der Mann aus dem Westen“ (USA 1958, R.: Anthony Mann, mit Gary Cooper) und danach, um 23.50 Uhr, „Das passende Leben des Billy the Kid“ (D 1980, R.: Peter Gehring) ansehen.


No Stunts, No Jokes – und trotzdem mit Jackie Chan

März 26, 2010

Dass ich noch nichts über Jackie Chans „Stadt der Gewalt“ geschrieben habe, liegt nicht an dem Film, sondern nur an meiner schlechten Planung. Denn anstatt sofort die Kritik zu schreiben, hab ich’s auf die lange Bank geschoben. Dabei hat mir sein neuer Film, der ihn in einer ungewohnten Rolle zeigt, gut gefallen.

Chan spielt Tietou, eine armen chinesischen Arbeiter, der in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts illegal nach Japan einreist, um seine Freundin Xiu Xiu zu suchen. Als illegaler Flüchtling versucht er mit schlechtbezahlten Jobs und kleinen Gaunereien in Tokios Vergnügungsviertel Shinjuku halbwegs ehrlich über die Runden zu kommen.

In einem Lokal, in dem er jobbt, sieht er Xiu Xiu in Begleitung des aufstrebenden Yakuza-Bosses Toshinari Eguchi. Sie ist, wie er später erfährt, Eguchis Frau. Tietou entschließt sich zu den nächsten Schritten in seiner Verbrecherlaufbahn, es gibt Ärger mit japanischen Gangstern und eines Tages rettet er Eguchi das Leben.

Die Geschichte von „Stadt der Gewalt“ erinnert an die auch heute noch mitreisenden Hollywood-Gangster- und Sozialdramen aus den Dreißigern. Da wird dann, wegen der Botschaft, der Held arg positiv und naiv gezeichnet. Manchmal verhält Tietou sich wie ein reiner Tor. So ist er bass erstaunt, dass er als der neue Pate Schutzgeld von den Wirten und Unternehmern erhält. Und sein Versuch als Gangsterboss einfach nur der gute Onkel im Viertel zu sein, ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Auch das gemütliche Zusammensitzen der Illegalen in ihrer Suppenküche und ihr Zusammenhalt werden arg idealisiert und romantisch verklärt. Da fehlt nur noch das beschwingte Lied und die Tanznummer auf den Tischen.

Das alles dient natürlich nur dazu, die von den Japanern verachteten illegalen Einwanderer in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Für sie soll Verständnis geweckt werden. Denn in den Neunzigern, als viele Chinesen illegal, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben, nach Japan einwanderten, gab es gewalttätigen Konflikte zwischen den Chinesen und den sich in ihrem Wohlstand und ihren Privilegien bedrohten Japanern. Auch in anderen Einwanderergesellschaften gab und gibt es ähnliche Konflikte, die auch in Büchern und Filmen verarbeitet wurden.

In diesen Grenzen eines in der Realität geerdeten Gangsterdramas, das auf das Leben der von der Öffentlichkeit ignorierten Illegalen aufmerksam machen will, ist die Geschichte gut entwickelt und sie bewegt sich glaubwürdig und durchaus realistisch auf die letzte Konfrontation zu.

Stadt der Gewalt“ ist ein feines, düsteres Gangsterdrama mit einem nachvollziehbarem sozialen Anliegen. Jackie-Chan-Fans, die nur seine Action-Filme und Komödien sehen wollen, werden enttäuscht sein. Dies ist einer seiner bislang sehr wenigen Ausflüge in dramatische Gefilde und er schlägt sich mit seinem zur Rolle passenden introvertiertem Spiel mehr als achtbar aus der Affäre.

Stadt der Gewalt (Shinjuku Incident, Hongkong 2009)

Regie: Derek Yee (Pseudonym von Tung-Shing Yee)

Drehbuch: Tung-Shing Yee, Tin Nam Chun

mit Jackie Chan, Naoto Takenaka, Daniel Wu, Xu Jinglei

DVD

New KSM

Bild: 16:9 (2.35:1)

Ton: Deutsch, Kantonesisch

Untertitel: Deutsch

Laufzeit: 115 Minuten

Bonusmaterial (angekündigt für die Doppel-DVD; Einzel- und Dreier-DVD ebenfalls erhältlich): Making of, Interviews, Deleted Scenes, Behind the Scenes, Trailer, Bildergalerie, Wendecover (ca. 4 Stunden Bonusmaterial)

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film (eins, zwei [die schönere Seite])

Wikipedia über „Stadt der Gewalt“ (deutsch, englisch)

Homepage von Jackie Chan


Neu im Kino: From Paris with Love

März 26, 2010

From Paris with Love (From Paris with Love, Frankreich 2009)

Regie: Pierre Morel

Drehbuch: Adi Hasak (nach einer Geschichte von Luc Besson)

Ein biederer Botschaftsangestellter, der gerne ein richtiger Geheimagent wäre, soll für den CIA-Agenten Charlie Wax in Paris das Kindermädchen spielen. Dieser Wax ist ein sehr ungezogenes Kind, das alles, was sich ihm in den Weg stellt, zerdeppert.

Und wieder einmal benehmen sich die Amis in der Fremde schlecht.

Aber wenn das ganze in Paris spielt, ist Luc Besson nicht weit und er hat mit „From Paris with Love“ ein weiteres actionreiches Buddy-Movie fabriziert, auf das Hollywood stolz sein kann.

Also: neunzig Minuten Franco-Action, der man alles vorwerfen kann, außer das Gehirn des geneigten Zuschauers übermäßig zu beanspruchen.

mit John Travolta, Jonathan Rhys-Meyers, Kasia Smutniak, Richard Durden, Eric Godon

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Film-Zeit über „From Paris with Love“


TV-Tipp für den 26. März: Tatort: Unter uns

März 26, 2010

ARD, 21.45

Tatort: Unter uns (D 2007, R.: Margarethe von Trotta)

Drehbuch: Katrin Bühlig

Margarethe von Trotta (Co-Regie bei „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, „Das zweite Erwachen der Christa Klages“, „Die bleierne Zeit“, „Rosa Luxemburg“, „Das Versprechen“, „Jahrestage“ und „Rosenstraße“) inszeniert einen „Tatort“ und es ist einer der besten „Tatorte“ der letzten Jahre. Daran ändert auch die seltsame Konstruktion mit den zwei parallelen Geschichten nichts: ein Mädchen behauptet, in einem Nachbarhaus ein Kind gesehen zu haben und niemand glaubt ihr; ein Unternehmer, der zum Hartz-IV-Empfänger wurde, dreht im Jobcenter durch und flüchtet mit einer Geisel. „Unter uns“ ist ein berührendes Sozialdrama.

mit Andrea Sawatzki, Jörg Schüttauf, Peter Lerchbaumer, Franziska Walser, Ulrike Krumbiegel, Michael Brandner, Lena Stolze, Stefan Jürgens

Hinweise

Tatort-Fundus über „Unter uns“ (Interviews, Hintergrundinfos, Kritiken)

Wikipedia über Margarethe von Trotta (deutsch, englisch)


R. i. P. Robert Culp

März 25, 2010

R. i. P. Robert Culp (16. August 1930 – 24. März 2010)

Mit der Serie „Tennisschläger und Kanonen“ (I Spy, USA 1965 – 1968) wurde Robert Culp zum Star. Der von ihm inszenierte Privatdetektivfilm „Magnum Heat“ (Hickey & Boggs, USA 1972, Drehbuch: Walter Hill) wurde zu einem Kultfilm. Er spielte in vier Columbo-Folgen mit, hatte Gastspiele in zahlreichen weiteren TV-Serien und tragende Rollen in vielen TV-Filmen und Spielfilmen, wie „Die Akte“ (The Pelican Brief, USA 1993).

Robert Culp stürzte, so die Polizei, vor seinem Haus in Los Angeles und verletzte sich tödlich am Kopf. Nach Culps Manager ist die offizielle Todesursache ein Herzanfall nach dem Sturz.

Die ersten Nachrufe gibt es in der Los Angeles Times, Washington Post, New York Daily News, Yahoo (deutsche AP-Meldung) und ORF (Kurzmeldung).

Update (25. 3. 2010): Nachrufe in der New York Times, Los Angeles Times, Baltimore Sun (AP-Meldung) und The Rap Sheet.

Heute Abend läuft um 22.15  Uhr auf SRTL die Columbo-Folge „Mord mit der linken Hand“ (Death lends a hand, USA 1971) mit Robert Culp als Bösewicht. Ray Milland spielt ebenfalls mit.

Am Montag, den 29. März, läuft um 22.15 Uhr auf SRTL die Columbo-Folge „Wenn der Eismann kommt“ (The most crucial game, USA 1972) mit Robert Culp.

Update (26. 3. 2010): Nachrufe von Duane Swierczynski und Gerald So.


James Ellroys Herr der Ringe: die „Underworld USA“-Trilogie

März 25, 2010

Erschöpfung.

Und Erleichterung.

Das sind die Gefühle, die sich nach der kompletten Lektüre von James Ellroys Unterwelt-Trilogie einstellen. Denn die Lektüre von „Ein amerikanischer Thriller“, „Ein amerikanischer Alptraum“ und „Blut will fließen“ in einem Rutsch ist weniger eine aufregende Reise durch fünfzehn Jahre US-amerikanischer Geschichte, als viel mehr ein ermüdender Boxkampf der irgendwann in ein stupides Catchen ausartet, bei dem man nur noch auf den erlösenden Gong wartet.

Aber James Ellroys Underworld-Trilogie sollte wahrscheinlich nicht als Roman gelesen werden. Vor allem nicht als Roman, der sich an die normalen Konventionen mit unterscheidbaren Haupt- und Subplots und unterscheidbaren Haupt- und Nebencharakteren hält. Sie sollte eher wie eine TV-Serie, die zwischen 1958 und 1972 spielt, genossen werden, in der viele Handlungsstränge, mehr oder weniger gleichzeitig, mehr oder weniger miteinander verknüpft, parallel ablaufen und am Ende des Buches, wie am Ende einer Staffel, ein Cliffhanger ist. Denn die nächste Staffel soll auch gesehen, der nächste Roman gelesen, werden.

So endet „Ein amerikanischer Thriller“ wenige Minuten vor der Ermordung von John F. Kennedy und „Ein amerikanischer Alptraum“ beginnt wenige Minuten nach der Ermordung von John F. Kennedy. Der Roman endet mit dem Tod von Martin Luther King und Bobby Kennedy.

Blut will fließen“ endet mit dem Tod von J. Edgar Hoover; – einem der ganz wenigen Charaktere, die in allen drei Büchern mitspielen. Insofern ist die Trilogie auch eine Chronik der letzten fünfzehn Jahre von Hoover, seiner zunehmenden Paranoia, seinem körperlichem Verfall und dem Verfall seiner Welt.

Ellroy lässt, neben Hoover, viele Personen der Zeitgeschichte auftreten und erzählt die Geschichte dieser Jahre in zahlreichen Episoden aus der Perspektive von einigen Troubleshootern, die zwischen den Fronten hin- und herspringen, Doppel-Doppelspiele (manchmal auch Doppel-Doppel-Doppelspiele) treiben und anscheinend in jedes wichtige Ereignis dieser Jahre irgendwie involviert sind. Auf die immerwährende Solidarität eines Charakters ist kein Verlass und letztendlich ist jeder Charakter ersetzbar.

Außerdem, auch das erinnert an TV-Serien mit einer folgenüberspannenden Geschichte (wie „24“ „The Shield“ und „The Sopranos“), entwickelt sich der Hauptplot teilweise im Hintergrund, während einzelne Episoden (die man manchmal auch ohne Verlust für die gesamte Erzählung in den Papierkorb hätte werfen können) die Aufmerksamkeit wachhalten.

In „Ein amerikanischer Thriller“ ist der Hauptplot der Aufstieg von John F. Kennedy als beliebter Senator und Kandidat für die Präsidentschaft bis zu zu seiner Ermordung.

In „Ein amerikanischer Alptraum“ ist der rote Faden der Wunsch von Howard Hughes die Casinos von Las Vegas zu kaufen.

In „Blut will fließen“ ist die sehr lose erzählerische Klammer die Jagd nach den Räubern, die bei einem brutalen Überfall auf einen Geldtransporter mehrere Millionen Dollar und wertvolle Smaragde erbeuteten.

Abgesehen von diesem „Hauptplot“ (Ja, auch darüber kann gestritten werden.) sind alle drei Bände ähnlich aufgebaut. Es gibt mehrere Handlungsstränge, viele Episoden, die die wichtigen Charaktere zu allen wichtigen und weniger wichtigen Orten der US-amerikanischen Politik führen, unglaublich kleinteilige Schilderungen von bestimmten Komplotten und im letzten Drittel (fast so, als sei Ellroy der Gedanke kommen, dass er jetzt langsam zum Schluss kommen müsse und er dafür die verschiedenen losen Fäden irgendwie miteinander verknüpfen muss [aber das kann nicht stimmen, weil Ellroy sagt, er plane seine Romane genau und er erstelle unglaublich detaillierte Exposés, in die er später vor allem die Dialoge einfüge) gibt es dann plötzlich den Plan, eine wichtige Person zu ermorden (John F. Kennedy, Bobby Kennedy, Martin Luther King, J. Edgar Hoover).

Und immer wieder werden wichtige Charaktere sehr lieblos in einem Halbsatz oder zwischen zwei Kapiteln ermordet.

Im ersten Band der Trilogie ermüdet, wie auch in den beiden Folgebänden, die oft unglaubliche kleinteilige Erzählweise, die immer wieder von Schlagzeilen und zusammenfassenden Berichten unterbrochen wird. Denn bei vielen Szenen ist ihre mögliche Bedeutung für die weitere Handlung unklar.

Der zweite Band ist mit seinen Stummelsätzen und den ständigen Zeitsprüngen einfach unlesbar. Denn alle zwei Zeilen stockt der Lesefluss, aber dafür steigt die Bewunderung für den Übersetzer, der zwischen dem ständigen „sagte“ und „sagt“ nicht den Überblick verlor.

Im dritten Band hat Ellroy diesen „Fehler“ (O-Ton Ellroy) berichtigt. Die Sätze sind jetzt wieder länger und es wird, wie schon „Ein amerikanischer Thriller“, wieder fast durchgängig im Imperfekt erzählt.

Aber ein richtiger Lesefluss entsteht immer noch nicht. Denn man muss ja immer noch die verschiedenen Handlungsstränge verfolgen und sich öfters durch ein halbes Kapitel lesen, bis endlich deutlich wird, welche Charaktere in der Szene auftreten. Denn Ellroys Hauptcharaktere unterscheiden sich bis auf ihr Alter kaum voneinander und er beginnt ein Kapitel gerne, indem er die Namen der in der Szene auftretenden Charaktere zunächst verschweigt und einfach mit einem unpersönlichen „er“ beginnt, bei dem nur sicher ist, dass dieser „er“ nicht der „er“ des vorherigen Kapitels ist.

Bei „Blut will fließen“ wäre, noch stärker als in den ersten beiden Bänden, ein Beschränken auf ein, zwei Hauptplots besser gewesen. Denn neben dem Überfall auf den Geldtransporter, der „Operation Bööööser Bruder“, der aufstrebenden Hippie-Bewegung, den Hinterhöfen der US-amerikanischen Politik, dem Plan der Mafia, in der Dominikanischen Republik Kasinos zu bauen, gibt es auf den gut achthundert Seiten noch einige Plots, die die Aufmerksamkeit beanspruchen und den Wunsch wecken, sich während des Lesens eine Grafik, mit den auftretenden Personen und ihren möglichen Beziehungen zueinander, zu erstellen.

So ist die Unterwelt-Trilogie ein Epos mit vielen Charakteren, die etwas besinnungslos durch die auf den ersten Blick labyrinthische, auf den zweiten Blick sehr banale Geschichte stolpern.

Dabei kann James Ellroy es, wie er in „L. A. Confidential“ zeigte, besser.

Underworld USA

James Ellroy: Ein amerikanischer Thriller

(übersetzt von Stephen Tree)

Ullstein, 1998

768 Seiten

10,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Hoffmann und Campe, 1996

Originalausgabe

James Ellroy: American Tabloid

Alfred A. Knopf, New York 1995


James Ellroy: Ein amerikanischer Alptraum

(übersetzt von Stephen Tree)

Ullstein, 2003

848 Seiten

10,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Ullstein, 2001

Originalausgabe

The Cold Six Thousand

Alfred A. Knopf, New York 2001


James Ellroy: Blut will fließen

(übersetzt von Stephen Tree)

Ullstein, 2010

784 Seiten

24,90 Euro

Originalausgabe

Blood’s a rover

Alfred A. Knopf, New York 2009

Hinweise

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über James Ellroy

Englische James-Ellroy-Fanseite

Noch eine James-Ellroy-Fanseite

James Ellroy in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. März: The Unit – Eine Frage der Ehre: Jäger und Gejagte – Teil 1

März 25, 2010

Kabel 1, 21.10

The Unit – Eine Frage der Ehre: Jäger und Gejagte – Teil 1 (USA 2007, R.: Vahan Moosekian)

Drehbuch: Sharon Lee Watson

Erfinder: David Mamet

LV: Eric L. Haney: Inside Delta Force, 2002

Am Ende der zweiten Staffel wurde die Spezialeinheit von Sergeant Major Jonas Blane aufgelöst, indem ihnen vergangene Verfehlungen vorgeworfen wurden, und einige Mitglieder tauchten unter. Jetzt wollen sie herausfinden, warum sie aufgelöst wurden.

Nach einer jahrelangen Pause geht es im deutschen TV endlich weiter mit dieser ziemlich genialen Actionserie, bei der neben David Mamet auch „Shield“-Erfinder Shawn Ryan Produzent war.

Mit Dennis Haysbert (Jonas Blane), Regina Taylor (Molly Blane), Robert Patrick (Colonel Tom Ryan), Audrey Marie Anderson (Kim Brown), Max Martini (Mack Gerhardt), Abby Brammell (Tiffy Gerhardt), Michael Irby (Charles Grey), Demore Barnes (Hector Williams), Scott Foley (Bob Brown), Rebecca Pidgeon (Charlotte Ryan), Tia Texada (Mariana Ribera)

Hinweise

CBS über „The Unit“

Kabel 1 über „The Unit“

Wikipedia über „The Unit“ (deutsch, englisch)

Serienjunkies über „The Unit“

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Godzilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness, 2008 (Bambi vs. Godzilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)


Kurzkritik: Peter Probst: Blinde Flecken

März 24, 2010

Wer bei den Münchner „Tatort“- und „Polizeiruf 110“-Folgen auch auf den Autorennamen achtet, wird öfters den Namen Peter Probst gelesen haben. „Im Herzen Eiszeit“, „Gefallene Engel“, „Wenn Frauen Austern essen“, „Der Traum von der Au“ und „Der Fluch der guten Tat“ gehören zu seinen Werken.

Jetzt legte er mit „Blinde Flecken“ seinen ersten Kriminalroman für Erwachsene vor. Es ist auch der erste Fall für den Privatdetektiv Anton Schwarz: einem einundünfzigjährigem Ex-Polizisten, der immer noch an seiner Ex-Frau hängt, regelmäßig seine Mutter besucht, sich in München meistens mit dem Fahrrad und der U-Bahn fortbewegt, dessen provisorische Wohnung auch nach drei Jahren ein einziges Junggesellen-Chaos ist und der einfach ein sehr sympathisch-gewöhnlicher Mann ohne auffällige Marotten, Interessen und schädliches Suchtverhalten ist. Zynisch gesagt ist sein Nachname schon das Farbigste bei ihm – und das ist gut so.

Dass er in seinem ersten Fall dann gleich im Braunen Sumpf ermitteln muss und zwischen die Fronten von Juden, Ausländern und Nazis gerät, weckt dann – vor allem weil im Klappentext betont wird, dass Probst sich im Verein „Lichterkette“ engagiert und an „Schuhhaus Pallas – Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte“ von seiner Frau Amelie Fried mitarbeitete – die schlimmsten Befürchtungen auf eine mit einem Krimimäntelchen umhängte, unverdauliche Mischung aus Sozialkritik, Betroffenheitsliteratur und gut gemeinter Anklage gegen Staat und Gesellschaft, wie wir sie aus den sonntäglichen „Tatorten“ kennen.

Aber Probst schrieb für die Münchner Sonntagskrimis und die verpacken die Gesellschaftskritik in packende Krimis. Die wenigen Ausnahmen bestätigen die Regel.

So hält sich auch „Blinde Flecken“ nicht allzu lange mit dem tiefsinnigen Erforschen der deutschen Seele und Informationen über das Judentum und die rechtsradikale Szene auf. Stattdessen muss Anton Schwarz, als er Herausfinden will, ob der inhaftierte Tim Burger immer noch eine Gefahr für die Gesellschaft ist, sich plötzlich mit neuen Straftaten auseinandersetzen. Aber trotz aller Haken, die die Handlung auf knapp 250 Seiten schlägt, ist das Ende schon sehr früh offensichtlich und viele Fragen werden nicht beantwortet.

Wer darüber hinwegsieht, kann den ersten Fall von Anton Schwarz als flott zu lesenden Pulp genießen.

Eine Anmerkung zur Rechtschreibung: Es machte mich wahnsinnig, dass ständig „Klesmer“ statt Klezmer und „Breakedance“ statt Breakdance geschrieben wurde.

Peter Probst: Blinde Flecken

dtv, 2010

256 Seiten

8,95 Euro

Hinweis

Homepage von Peter Probst


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