Cover der Woche

März 30, 2009

molsner-und-dann-hab-ich-geschossen


TV-Tipp für den 31. März: Rififi

März 30, 2009

ARD, 00.35

Rififi (F 1954, R.: Jules Dassin)

Drehbuch: René Wheeler, Jules Dassin, Auguste le Breton

LV: Auguste le Breton: Du rififi chez les hommes, 1953

Kaum draußen aus dem Gefängnis plant Toni zusammen mit seinen Freunden Jo und Mario den Einbruch in ein Juweliergeschäft. Der Einbruch gelingt. Dann kommt ihnen eine rivalisierende Bande auf die Spur.

Mit „Rififi“ begründete Dassin das Caper-Movie: ein Film, bei dem die Planung und Durchführung eines Einbruches mit Mittelpunkt steht. „Dassins Film wirkt ein wenig wie die Synthese aus seinen eigenen realistischen Kriminalfilmen aus Hollywood, das er der antikommunistischten Hexenjagden McCarthys wegen hatte verlassen müssen, und den französischen Filmen aus der Tradition des Poetischen Realismus. Dabei potenziert sich der Pessimismus so sehr wie die Stilisierung: In einer halbstündigen Sequenz, in der der technische Vorgang des Einbruchs gezeigt wird, gibt es weder Dialoge noch Musikuntermalung. Die technische Präzision, die fast ein wenig feierlich zelebriert wird und in der die Männer ganz offensichtlich ihre persönliche Erfüllung finden, mehr als in der Freude über die Beute, steht dabei im Gegensatz zu ihrem fast ein wenig melancholischen Wesen.“ (Georg Seeßlen)

Mit Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Robert Hossein, Perlo Vita (Pseudonym von Dassin)

Hinweise

Filmforum über „Rififi“

Noir of the Week über „Rififi“

Criterion Confessions (James S. Rich) über Jules Dassin und „Rififi“

Kriminalakte: R. i. P. Jules Dassin


Das Warten hat sich nicht gelohnt

März 30, 2009

werremeier-trimmels-letzter-fall

Zuerst müssen einige mögliche Missverständnisse geklärt werden:

1) Mir gefallen die Trimmel-Romane und auch die oft gleichzeitig entstandenen Verfilmungen sehr gut. Sie bilden eine immer noch spannende Chronik der Siebziger Jahre in Deutschland. Sie bieten einen vorzüglichen Einblick in den Justizapparat und stellen auch heute noch aktuelle Fragen. Außerdem sind sie einfach spannende Kriminalromane.

2) Auch ich habe bedauert, dass Trimmel-Erfinder Friedhelm Werremeier nach dem Ende der Trimmel-Tatorte (das kurze Nachspiel mit einem anderen Schauspieler und in einem kürzeren Format fand ich schon damals verzichtbar und heute dürfte sich, dank fehlender Wiederholungen, niemand mehr daran erinnern) auch als Romanautor verstummte.

3) Auch ich habe mich lange auf einen neuen Trimmel-Roman gefreut. Besonders nachdem Werremeier schon vor zehn Jahren sagte: „Der Trimmel wird ein andermal wieder auftauchen, später, sehr viel später, in einem umfangreichen, ultimativen Roman. Denn alle Trimmel, die ich geschrieben habe, denen fehlte etwas. Es müsste irgendeine Klammer geben, die alles umfasst, womit ich im Laufe meines Lebens konfrontiert war, alle Freuden und auch die persönlichen Tragödien.“

4) Der Lektor ist nicht für den Text verantwortlich. Die letzte Instanz ist der Autor. Der Lektor kann nur beratend zur Seite stehen. Vorschläge für einen besseren Text machen. Aber wenn der Autor nicht einsichtig ist, dann ist es eben so. Bei „Trimmels letzter Fall“ werden im Impressum zwei Lektoren genannt, die sicher nicht vor Ehrfurcht sprachlos waren. Friedhelm Werremeier wollte anscheinend ihre Ratschläge nicht annehmen. Ich kann mir jedenfalls keinen Ratschlag vorstellen, der „Trimmels letzter Fall“ zu einem schlechteren Werk gemacht hätte.

Denn der jetzt erschienene Trimmel-Roman ist ein unlesbares Desaster.

Werremeier springt in der Zeit munter hin und her. Allerdings ist es sinnlos, eine Zeitlinie aufzustellen. Denn da wird (wahrscheinlich) 1988 mit Handys telefoniert. Einmal ist Trimmel noch Polizist, als seine Freundin erschossen wird. Einmal nicht. Er hat eine Beziehung mit einer Psychologin. Wahrscheinlich nach dem Tod seiner Freundin. Aber eigentlich müsste diese Beziehung früher gewesen sein. Undsoweiter.

Auch an Trimmels Alter wird herumgedoktort. Nach den früheren Romanen war Paul Trimmel ein älterer Polizist, der ungefähr 1920 geboren wurde und keine ausformulierte Vergangenheit hatte. Jetzt verpasst Werremeier ihm eine vollkommen überflüssige Vergangenheit, inclusive kindlichem Trauma, und Verjüngungskur.

Trimmel wurde – Halten Sie sich fest! – als Quasi-Waise von einer kommunistischen Jüdin in den Dreißigern aufgezogen. Sie nahm ihn dann auch mit in die Schweiz. Werremeier erzählt das in der epischen Breite und Banalität einer Schmonzette. Dazu passt auch, dass Trimmel panische Angst vor Kakerlaken hat. Doch für die Story ist das unwichtig.

Diese ist, soweit überhaupt erkennbar, krude. Es geht irgendwie um mindestens einen Serienmörder, der sich auch irgendwie an Trimmel rächen will. Und das ganze hat auch irgendwie mit Trimmels Vergangenheit als Polizist und seiner Herkunft zu tun. Diese „irgendwies“ sollen allerdings keine Spoiler vermeiden. Denn dafür ist „Trimmels letzter Fall“ viel zu chaotisch.

Damit auch wirklich niemand mehr einen Überblick über die Geschichte hat, lässt Werremeier fast im Seitentakt neue Charaktere auftreten. Auf zweihundert Seiten stolpert eine gefühlte halbe Hundertschaft durch die Geschichte. Kein Name sagt einem etwas. Dienstbezeichnungen schwanken hin und her, teilweise mit, teilweise ohne den Zusatz „Ex“. Die Verwirrung nimmt zu. Das Interesse am Ende der Geschichte nimmt mit jeder gelesenen Zeile ab.

Die Sprache passt sich dem Niveau an. Es regnet Katzen und Hunde, ein Junge ist happy, Ole Bornsen ist ein blonder Name und fast jeder gesprochen Satz endet mit einem Ausrufezeichen. Etliche Sätze müssen zweimal gelesen werden, bevor der Sinn erfasst werden kann. Dabei war Werremeier jahrelang Polizei- und Gerichtsreporter. Zuletzt für den „Stern“ und dem „Stern“ kann ungefähr alles außer Unlesbarkeit vorgeworfen werden.

Wenn am Ende der Mörder (oder die Mörderin oder die MörderInnen) irgendwie nicht verhaftet werden, ist es auch egal. Denn die Freude, das Werk überstanden zu haben überwiegt eindeutig.

In seinem lesenswerten Nachwort stellt Frank Göhre die alten Trimmel-Romane vor. Den neuen erwähnt er nur noch pflichtbewusst. Weil Göhre einer der Lektoren von „Trimmels letzter Fall“ war,…

Friedhelm Werremeier: Trimmels letzter Fall

(mit einem Nachwort von Frank Göhre)

Pendragon, 2009

232 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Lexikon deutscher Kriminalautoren über Friedhelm Werremeier

Tatort-Fundus über Trimmel

Galerie der Detektive über Trimmel

Rudi Kost über Trimmel

Meine Besprechung von Friedhelm Werremeiers „Taxi nach Leipzig“

Kriminalakte: Einige Zitate aus „Trimmels letzter Fall“


TV-Tipp für den 30. März: Departed – Unter Feinden

März 30, 2009

ZDF, 22.15

Departed – Unter Feinden (USA 2006, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio, die Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“, startet weltweit Anfang Oktober.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alex Baldwin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Departed – Unter Feinden“

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Bonushinweis

Das ZDF zeigt morgen Abend um 00.20 Uhr das Original „Infernal Affairs – Die achte Hölle“ (HK 2002)


TV-Tipp für den 29. März: Monsterland

März 29, 2009

Arte, 22.25

Monsterland (D 2008, R.: Jörg Buttgereit)

Drehbuch: Jörg Buttgereit

Nach dem verzichtbaren „King Kong“-Film von 1976 zeigt Arte zum Abschluss des Themenabends „Monster“ eine spielfilmlange Doku von unserem Jörg, der die Idole seiner Jugend, Kollegen und Fans von Monsterfilmen besucht.

Mit Rick Baker, Joe Coleman Gregory Nicotero, Kenpachiro Satsuma, Teruyoshi Nakano, Shinya Tsukamoto, Paul Gavins

Wiederholungen

Samstag, 4. April, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Freitag, 10. April, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Arte zur Doku (und über den Themenabend)


Die KrimiWelt-Bestenliste April 2009

März 28, 2009

Da hab ich mich letzen Monat mit meinen Tipps für die Aprilliste der KrimiWelt aber mächtig geirrt. Kein Connelly. Kein Bunker. Keine Schenkel. Kein Disher. Kein Mosley. Lansdale, Deaver und Louis, wie erwartet, ebenfalls nicht. Stattdessen empfehlen die Kritiker der KrimiWelt diese Werke für den österlichen Geschenkkorb:

1 (1) Richard Stark: Keiner rennt für immer

2 (2) Jan Costin Wagner: Im Winter der Löwen

3 (-) Jörg Juretzka: Alles total groovy hier

4 (7) Roger Smith: Kap der Finsternis

5 (5) John Farrow: Eishauch

6 (-) Oliver Bottini: Jäger in der Nacht

7 (3) Stefan Kiesbye: Nebenan ein Mädchen

8 (4) Åsa Larsson: Bis dein Zorn sich legt

9 (9) Zoran Drvenkar: Sorry

10 (-) Uta-Maria Heim: Wespennest

Schön, dass Richard Stark immer noch auf Platz eins ist. Wagner, Juretzka (der kann gar nicht schlecht sein) und Farrow liegen auf meinem Lesen-Stapel.

Andrea Maria Schenkel scheint ja wirklich in Ungnade gefallen zu sein.

Nächsten Monat könnte dann endlich „Crack“, die zweite und noch bessere Zusammenarbeit von Ken Bruen und Jason Starr auf die Liste gehoben werden. Joseph Wambaugh, Ian Rankin, Robert Hültner, Jeff Lindsay und Kenneth Abel (der hat mal den Deutschen Krimipreis erhalten) wären sicher auch eine Überlegung wert.

In Klammern ist die Platzierung des Vormonats.


Die Nominierungen für den Scribe Award

März 28, 2009

Die International Association of Media Tie-In Writers hat die Nominierungen für den diesjährigen Scribe Award veröffentlicht. Der Scribe Award wird an Werke vergeben, die auf Filmen, TV-Serien und Spielen basieren. Also den „Büchern zum Film“.

Die Nominierten:

Best General Fiction Original

BURN NOTICE: THE FIX von Tod Goldberg

CRIMINAL MINDS: FINISHING SCHOOL von Max Allan Collins

CSI: HEADHUNTER von Greg Cox

Best General Fiction Adapted

DEATH DEFYING ACTS von Greg Cox

INDIANA JONES AND THE KINGDOM OF THE CRYSTAL SKULL (Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels) von James Rollins

THE TUDORS: KING TAKES QUEEN von Elizabeth Massie

THE WACKNESS von Dale C. Phillips

X-FILES: I WANT TO BELIEVE von Max Allan Collins

Best Speculative Fiction Original

GHOST WHISPERER: REVENGE von Doranna Durgin

RAVENLOFT: THE COVENANT, HEAVEN’S BONES von Samantha Henderson

STARGATE SG-1: HYDRA von Holly Scott & Jamie Duncan

STAR TREK: TEROK NOR, DAY OF THE VIPERS von James Swallow

Best Speculative Fiction Adapted

HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY (Hellboy 2: Die Goldene Armee) von Bob Greenberger

THE MUTANT CHRONICLES von Matt Forbeck

STAR WARS – THE CLONE WARS: WILD SPACE von Karen Miller

UNDERWORLD: RISE OF THE LYCANS von Greg Cox

Best Young Adult Original

DR. WHO: THE EYELESS von Lance Parkin

PRIMEVAL: SHADOW OF THE JAGUAR von Steven Savile

DISNEY CLUB PENGUIN: STOWAWAY! ADVENTURES AT SEA von Tracey West

Best Young Adult Adapted

IRON MAN: THE JUNIOR NOVEL von Stephen D. Sullivan

THE DARK KNIGHT: THE JUNIOR NOVEL von Stacia Deutsch und Rhody Cohen

JOURNEY TO THE CENTER OF THE EARTH 3D von Tracey West

Grandmaster

Keith R. A. DeCandido

Der Scribe Award wird auf der Comic-Con in San Diego (23. – 29. Juli 2009) verliehen.

Die beiden Special Gaming Scribes warden auf der GenCon in Indianapolis (13. – 16. August 2009) verliehen. Nominiert sind:

Special Gaming Scribe – Best Original

EBERRON: THE INQUISITIVES, THE DARKWOOD MASK von Jeff LaSala

DRAGONLANCE: DEATH MARCH von Jean Rabe

EBERRON: THE DOOM OF KINGS von Don Bassingthwaite

WARHAMMER: ELFSLAYER von Nathan Long

Special Gaming Scribe – Best Adapted

THE WORLD OF WARCRAFT: BEYOND THE DARK PORTAL von Aaron Rosenberg und Christie Golden

THE MUTANT CHRONICLES von Matt Forbeck

METAL GEAR SOLID (Metal Gear Solid) von Raymond Benson

(Dank an Lee Goldberg für die Informationen.)


TV-Krimi-Buch-Tipps online

März 28, 2009

Seht euch diese Bilder an. Unter anderem zu diesen Filmen in meinen aktuellen TV-Krimi-Buch-Tipps bei den Alligatorpapieren:

Die kommenden beiden TV-Wochen beginnen mit einer James-Bond-Nacht. Spannend geht’s weiter mit einer neuen Folge von LyndaLa Plantes „Der Preis des Verbrechens“, Jules Dassins Auguste-le-Breton-Verfilmung „Rififi“, Martin Enlens Friedrich-Ani-Verfilmung „Kommissar Süden und das Geheimnis der Königin“, Alfred Hitchcocks selten gezeigter W.-Somerset-Maugham-Verfilmung „Geheimagent“, Florent Emilio Siris knalliger Robert-Crais-Verfilmung „Hostage“ und Frank Mancusos Lawrence-Block-Verfilmung „Kein Mord bleibt ungesühnt“.
Trash-Fans können Jerry Cotton genießen.
Cineasten dürfen sich auf „Citizen Kane“ und „Taxi Driver“ freuen.


TV-Tipp für den 28. März: Coma

März 28, 2009

ARD, 22.10

Coma (USA 1978, R.: Michael Crichton)

Drehbuch: Michael Crichton

LV: Robin Cook: Coma, 1977 (Koma)

Die Ärztin Susan Wheeler hat einen schrecklichen Verdacht: ihre Vorgesetzten versetzten Patienten ins Koma und betreiben mit ihren Innereien einen schwunghaften, illegalen Organhandel. Ein Geschäft, das sie sich von Susan Wheeler nicht vermiesen lassen wollen.

„Ungemein spannender, perfekt inszenierter und geschnittener Thriller“ meint der Filmdienst, im Einklang mit anderen Kritiken, über den okayen Thriller aus der bösen Welt der Mediziner, mit einem großartigen Richard Widmark, einem herrlich hilflosen Tom Selleck und die beiden Hauptdarsteller sind auch nicht zu verachten. Der medizinische Hintergrund, immerhin schrieb ein Arzt den Roman und ein anderer inszenierte den Film, ist dagegen nicht so wichtig.

Mit Geneviève Bujold, Michael Douglas, Elizabeth Ashley, Rip Torn, Richard Widmark, Lois Chiles, Tom Selleck

Hinweise

Kriminalakte: Nachruf auf Michael Crichton

Homepage von Michael Crichton

Krimi-Couch über Robin Cook


Kündigung à la Swierczynski

März 27, 2009

louis-letzte-order

An einem heißen Samstagvormittag in Philadelphia bittet David Murphy in Duane Louis Swierczynskis neuestem Roman „Letzte Order“ sieben seiner Angestellten zu einem außerordentlichen Meeting. Als Jamie De Broux, Amy Felton, Ethan Goines, Roxanne Kurtwood, Molly Lewis, Stuart McCrane und Nichole Wise eintreffen, sagt er ihnen: „Wir sind eine Tarnfirma des CI-6, einem Geheimdienst der Regierung. Und der Laden wird heute dichtgemacht. Ich werde Sie nicht feuern. Ich werde Sie töten. Und dann werde ich mich selbst umbringen.“

Er stellt sie vor die Wahl einen Giftcocktail zu trinken oder von ihm erschossen zu werden. Stuart McCrane glaubt an ein unangekündigtes Training, trinkt den Cocktail und kippt tot um.

Bevor sich die Angestellten mit der neuen Situation arrangieren können, bringt Molly Lewis den Chef um. Nur: Wie können sie Hilfe holen oder aus der hermetisch abgeriegelten sechsunddreißigsten Etage flüchten? Denn ihre Diensthandys funktionieren nicht. Die Telefone sind tot. An den Türen sind Sarin-Bomben. Die Fahrstühle sind für die nächsten Stunden blockiert.

Aber das schlimmste wissen Jamie De Broux, Amy Felton, Roxanne Kurtwood und Nichole Wise nicht: Molly Lewis hat den CI-6-Chefs vorgeschlagen hat, ihre Kollegen umzubringen und sich so für einen besseren Job zu empfehlen. Das ist dann doch nicht so einfach, weil einerseits Molly in diesem Vorstellungsgespräch ihre Fähigkeiten demonstrieren will, und andererseits die meisten ihrer Kollegen ausgebildete Agenten und daher ebenbürtige Gegner sind.

Auch der zweite auf deutsche erschienen Noir-Roman von Duane Louis (so heißt Duane Swierczynski auf Wunsch des Verlages bei uns) ist nach „Blondes Gift“ ein in wenigen Stunden stattfindender Wettlauf gegen die Zeit. Louis zeichnet die einzelnen Charaktere mit knappen Worten und lässt sie dann meistens gegeneinander agieren. Dabei gibt es auch in „Letzte Order“ nachdem die Prämisse etabliert ist, zahlreiche irrwitzige Wendungen und Überraschungen. Denn das „Vorstellungsgespräch“ von Molly Lewis läuft wegen der sterbeunwilligen Kollegen absolut nicht nach Plan. David Murphy hat noch einige weitere Überraschungen für seine Angestellten vorbereitet. Und der biedere Pressemann Jamie De Broux, der nichtsahnend in die Fänge des Geheimdienstes geriet, entwickelt ungeahnte Kräfte. Immerhin will er seine Familie wieder sehen.

„Letzte Order“ ist ein schwarzhumoriger Highspeed-Thriller, der locker auch als bitterböse Allegorie auf den Kampf um den Arbeitsplatz gelesen werden kann.

Duane Louis: Letzte Order

(übersetzt von Frank Dabrock)

Heyne, 2009

352 Seiten

7,95 Euro

Originalausgabe

Duane Swierczynski: Severance Package

(mit Illustrationen von Dennis CaleroI)

St. Martin Minotaur, 2008

Hinweise

Secret Dead Blog von Duane Swierczynski

Meine Besprechung von Duane Louis’ „Blondes Gift“ (The Blonde, 2006)

Meine Besprechung von Duane Swierczynskis „Cable: Kriegskind – Band 1“ (Cable: War Child – 1, 2008)


TV-Tipp für den 27. März: State and Main

März 27, 2009

Kabel 1, 02.45

State and Main (USA 2000, R.: David Mamet)

Drehbuch: David Mamet

David Mamets Abrechnung mit Hollywood: eine Filmcrew dreht in der Provinz einen Film.

Die Besetzung ist, wie immer bei Mamet, hochkarätig. Trotzdem erlebte der Film bei uns seine Premiere auf DVD und die TV-Premiere ist jetzt, höflich gesagt, sehr versteckt mitten in der Nacht. Dabei hätte man mit Sarah Jessica Parker oder Julia Stiles (die Jungs dürften es hier nicht so bringen) doch sicher eine frühere Sendezeit rechtfertigen Können.

„Kein Meisterwerk, aber doch eine zuweilen köstliche Komödie.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2003)

Hollywood corrupts absolutely, and Mamet turns the toxic process into the year’s best and smartest comedy. (Rolling Stone)

In order to see one of 2000’s real treasures, most of you are going to have to wait until January of 2001, when the masterful State and Main comes to a theater near you. (Filmcritic)

Mit Alec Baldwin, Charles Durning, Philip Seymour Hoffman, William H. Macy, Sarah Jessica Parker, David Paymer, Rebecca Pidgeon, Ricky Jay, Julia Stiles,

Hinweise

State and Main: Shooting Script von David Mamet

Rotten Tomatoes über „State and Main“ (87 % Frische!)

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Godzilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness” (Bambi vs. Godzilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)


Spurensuche mit 105 Geschichten

März 26, 2009

Kurzgeschichten lautet das Thema meiner neuen Spurensuche. Besprochen werden diese Bücher:

– H. P. Karr/H. Knorr (Hrsg.): Mord am Hellweg IV

– Marita und Jürgen Alberts: Tod in der Quizshow

– Manfred Wieninger: Die Rückseite des Mondes

– Wolfgang Schorlau: Ein perfekter Mord

– Wolfgang Kemmer (Hrsg.): In Kürze verstorben – Mörderische Stories

– James Patterson (Hrsg.): Thriller – Band 1 (Thriller)

– James Patterson (Hrsg.): Thriller – Band 2 (Thriller)

– Lee Child (Hrsg.): Killer Year – Stories to die for … from the hottest new crime writers

– Charlaine Harris/Toni L. P. Kelner (Hrsg.): Happy Bissday! – Vampirgeschichten (Many Bloody Returns)

Und ich kann Ihnen schon eine Sache verraten: Die meisten Geschichten haben mir sehr gut gefallen. Deshalb wurde meine Watchlist um eine zweistellige Zahl neuer Autoren ergänzt.


Sachdienliche Hinweise und die Nominierungen für den Strand Critics Award

März 26, 2009

Der Noir of the Week ist „Der Panther wird gehetzt“ (Classe tous risques, F/I 1959). Regie führte Claude Sautet. Das nach José Giovannis Roman entstandene Drehbuch ist von José Giovanni, Claude Sautet und Pascal Jardin. Lino Ventura und Jean-Paul Belmondo spielten die Hauptrollen. Ein Klassiker!

Bei My Book, The Movie sagt David Hewson, wer die Hauptrollen in seinem neuesten Nic-Costa-Thriller „Dante’s Numbers“ übernehmen soll.

Zuletzt erschienen von ihm bei uns eine Neuausgabe seines Debüts „Epiphanias“ (Epiphany, 1996)  und sein neuer Thriller „Das zweite Leben“ (The promised Land, 2007).

Marcus Sakey fragt im Outfit, warum ein Komiker ihr einziger Journalist sei. Der Komiker ist Jon Stewart mit seiner auch bei uns empfangbaren Daily Show.

Ebenfalls im Outfit schreibt Gastblogger J. A. Konrath über Rezensionen von Lesern und Bloggern. Von ihm wurde noch kein Roman übersetzt, aber der erste von James Patterson herausgegebene  „Thriller“-Band enthält eine von ihm geschriebene Kurzgeschichte.  J. A. Konrath meint:

I have a vested interest in reviews and being reviewed, because I’m a writer.

But I’m also a reader. A reader who enjoys sharing his opinion. A reader who thinks it’s important to play cheerleader for my peers. A reader who recognizes how important a few sentences can be to someone considering buying a book. (…)

Your opinion really does matter. And authors really do care.

Sarah Weinman verrät die Nominierungen für den diesjährigen Strand Critics Award:

Best Novel:
When Will There Be Good News? by Kate Atkinson (Little, Brown and Company)
Master of the Delta by Thomas H. Cook (Houghton Mifflin Harcourt)
The Brass Verdict by Michael Connelly (Little, Brown and Company)
Lush Life by Richard Price (Farrar, Straus and Giroux)
Hollywood Crows by Joseph Wambaugh (Little, Brown and Company)

Best First Novel:
The Girl with the Dragon Tattoo by Stieg Larsson (Knopf)
City of the Sun by David Levien (Doubleday)
A Cure for Night by Justin Peacock (Doubleday)
Child 44 by Tom Rob Smith (Grand Central Publishing)
A Carrion Death by Michael Stanley (Harper)

Er wird am 8. Juli in New York verliehen.

Eine schöne Liste. Der Wambaugh liegt auf meinem Zu-Lesen-Stapel. Bei uns heißt das Werk „Sunset Boulevard“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Film).

Och, nö. Die behaupten, das Phantom gibt es nicht. Alles nur schlampige Arbeit. In einem Krimi wäre das nie passiert.

Das hat was:


TV-Tipp für den 26. März: Die Sprache von Al Qaida

März 26, 2009

Arte, 23.30

Die Sprache von Al Qaida (Can/D 2008, R.: Asiem El Difraoui)

Drehbuch: Asiem El Difraoui

Knapp einstündige Doku über die Videobotschaften von Al Qaida und wie Aktivisten so neue Kämpfer rekrutieren.

„Filmemacher Asiem El Difraoui beschäftigt sich seit langem intensiv mit den vielfältigen Videobotschaften von Al Qaida. Er entschlüsselt typische Inhalte und Symbole dieser Kommunikation und erläutert die Entstehung der Dschihad-Medienstrategie am Krieg gegen die Sowjets in Afghanistan, am Krieg in Bosnien und an den Anschlägen vom 11. September 2001. Er sucht in verschiedenen Ländern Menschen auf, die an der Herstellung und Verbreitung der Videos beteiligt sind, und ebenso Menschen, die von diesen Aufrufen beeinflusst worden sind. Außerdem zeigt der Dokumentarfilm, welche Anteile der Videobotschaften besonders starke Wirkung auf junge Araber haben, und er dokumentiert, welche Anstrengungen Militärs, Sicherheitsdienste und zivile Forschungsinstitute weltweit unternehmen, um der Macht dieser Bilder und Botschaften entgegenzuwirken.“ (Arte)

Wiederholungen

Samstag, 11. April, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 15. April, 01.30 Uhr (Taggenau!)


„Die Uhr läuft ab“ ist eingetroffen

März 25, 2009

Heute brachte mein Postbote die Belegexemplare.

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Yeah, meine Geschichte „Val Kilmer kommt“ ist in dem von Cordelia Borchardt und Andreas Hoh herausgegebenen Band „Die Uhr läuft ab – Die besten Einsendungen zum Agatha-Christie-Krimipreis 2009“ enthalten. Das im Fischer Taschenbuch Verlag erschienene Werk müsste die Tage für schlappe 7,95 Euro in der Buchhandlung Ihres Vertrauens erhältlich sein.

Für den Sammelband wurden 25 Kurzgeschichten ausgewählt. Veit Bronnenmeyer erhielt für „Eigenbemühungen“ den diesjährigen Agatha-Christie-Preis. Aber auch die anderen Geschichten sind (obwohl ich sie noch nicht gelesen habe) sauspannend.

Also: Kaufen! Einmal für die Eltern, einmal für die Freundin oder den Freund, einmal für den eigenen Gebrauch, einmal für’s Bücherregal, einmal für…


TV-Tipp für den 25. März: Wer mit dem Teufel reitet

März 25, 2009

3sat, 22.25

Wer mit dem Teufel reitet (USA 1999, R.: Ang Lee)

Drehbuch: James Schamus

LV: Daniel Woodrell: Woe to live on, 1987 (Zum Leben verdammt)

USA, 1860: Jake Roedel und Jack Bull ziehen auf Seiten der Südstaaten in den Krieg. In einer Guerillagruppe beteiligen sie sich an einem zunehmend sinnlosen Vernichtungsfeldzug bei dem keine Gefangenen gemacht werden.

Wie so oft: aus einem hochgelobten Buch wurde ein – nun – mittelmäßiger Film.

Martin Compart halt Woodrells zweiten Roman “Woe to live on” für einen der besten Bürgerkriegs-Romane: “Mit jedem zündenden Satz verbrennt Woodrell die Hollywoodklischees über den Sezessionskrieg. Der Roman folgt dem jungen Ich-Erzähler auf seiner blutigen Spur an der Seite der Freischärler unter dem berüchtigten Quantrill. In den West Plains tobte ein brutaler Partisanenkrieg, der noch Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges Opfer forderte…Die Sprache des Romans ist filmisch und hypnotisch.“

Woodrell zu seinem Buch: „Die Amerikaner haben sich über das Buch zu Tode erschreckt, weil es vom Standpunkt der Südstaaten geschrieben ist. Ich bekam keine Rezension nördlich der Dixon-Linie. Keiner wollte wissen, was hier wirklich los war. Es war wie in Bosnien.“ Die Erstausgabe war ein Flop – und ist heute ziemlich teuer.

Woodrell zur Verfilmung: „I was merely the writer of the novel. That is, the one who created the story, characters, dialogue and structure from scratch. Once the movie started I was more or less blotted from the scene. I did enjoy watching actors mouth my words and so on, and did learn plenty from that experience. As to the process of making the film, all I can say is, if it happens again, I won’t make nice so much. I deferred to their arguments (I had no power to do anything) since I thought maybe they know more about narrative for film than I-and they don’t. Everything is clouded by,“If we show this scene in a truthful manner we think twelve people will walk out in Encino, so we will substitute a phony as shit scene we got from a can of old movies we found sitting open back in the vault.“ And so on.“

Der Film war kein Kassenerfolg; was hier allerdings – im Gegensatz zum Buch – an der Qualität des Werkes liegt: „Eine Enttäuschung“ (Zitty), „Der Film wirkt mitunter so langatmig, als würde man den Bürgerkrieg in Echtzeit miterleben.“ (Berliner Zeitung). Und, was sicher auch zu seiner Unbeliebtheit beigetragen hat: „Ride with the Devil“ ist ein Film „über Männer, die für die falsche Sache auf der falschen Seite in einem schrecklichen Krieg kämpfen…Man könnte auch behaupten, dass dieser Film eine Feldstudie über galoppierende Dummheit ist.“ (Berliner Zeitung)

Eine der wenigen positiven Stimmen: “Ang Lee’s film, Ride with the Devil, is the best western since Clint Eastwood’s Unforgiven (1992)… Ride with the Devil displays a care and intelligence increasingly rare in mainstream American cinema. While there are suitably memorable images of violence there is also a lot of memorable talk. Wonderful cinematography from Frederick Elmes, excellent performances from its (then mostly) young, up-and-coming cast of actors, and the acting debut of pop star Jewel should have brought new, younger viewers to this old genre. The film deserved a better commercial fate because it is as “stone brilliant” as the writing from which it is derived, and making such a fine film also “required some genius”.” (Noel King, Senses of Cinema – eine sehr informative Web-Seite)

Die meisten Bücher von Woodrell erschienen im Rowohlt Verlag und sind inzwischen nur noch auf den Wühltischen und Antiquariaten ihres Vertrauens zu finden. Die Originale sind fast alle bei No Exit Press und Pocket Books erhältlich.

Mit Skeet Ulrich, Tobey Maguire, Jewel Kilcher, Jonathan Rhys, James Caviezel

Kinotitel: „Ride with the Devil“

Hinweise

Meine Besprechung von Daniel Woodrells “Winter’s Bone” (2006)

Mordlust über Daniel Woodrell

Wikipedia über Daniel Woodrell

The Richmond Review interviewt Daniel Woodrell zum Film

Granta: Daniel Woodrell: Portrait of my Father (19. Februar 2009)



Cover der Woche

März 24, 2009

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TV-Tipp für den 24. März: Eine Tür fällt zu

März 24, 2009

ARD, 02.40

Die Tür fällt zu (GB 1965, R.: J. Lee Thompson)

Drehbuch: Julius J. Epstein

LV: Hubert Monteilhet: Le Retour des Cendres, 1961 (Der Asche entstiegen)

Als eine KZ-Überlebende heimkehrt, erwischt sie ihren Mann zusammen mit ihrer Stieftochter. Das Liebespaar will sie umbringen.

Vergessener Schocker. „Auf peinliche Weise dient das Schicksal jüdischer Verfolgter dem reißerischen Film als pures Unterhaltungsmaterial. Dass der Film an manchen Stellen unter die Haut geht, verdankt er vor allem der hervorragenden Hauptdarstellerin.“ (Lexikon des internationalen Films; – das dürfte die zeitgenössische Bewertung sein)

Mit Maximilian Schell, Ingrid Thulin, Samantha Eggar, Herbert Lom


Als Edward Bunker noch Knacki war

März 23, 2009

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„Ernie Stark war bestimmt nicht der netteste Kerl unter der Sonne. Das konnten sogar seine Freunde bestätigen. Sofern er überhaupt welche hatte. Er war ein mieser kleiner Gauner, der davon träumte, mit dem nächsten Ding den großen Treffer zu landen.“ So beginnt Edward Bunker seinen erst nach seinem Tod publizierten Gangsterroman „Lockruf der Nacht“. Die Geschichte spielt 1962 in Oceanview, Kalifornien. Stark ist nicht nur ein kleiner Gauner, sondern auch drogensüchtig und der nervige Detective Lieutenant Patrick Crowley hat ihn am Wickel. Der will, dass Stark ihm seinen Dealer Momo Mendoza und, vor allem, dessen Lieferanten auf dem Silbertablett serviert. Stark ist zwar kein Spitzel, aber solange er nicht in den Knast gehen will, bleibt ihm nichts anderes übrig als mit Crowley zu kooperieren. Jedenfalls solange er keinen besseren Plan hat.

Noir-Fans können sich bereits nach den ersten Zeilen auf Ernie Starks erwartbare Reise ins Verderben gefasst machen. Denn dass der Junkie Stark sich maßlos überschätzt, wird spätestens deutlich, wenn er versucht mehrere Drogenbanden und Polizeidienststellen gegeneinander auszuspielen und mit Momos Freundin Dorie und der Beute durchzubrennen. Das einzige was für Starks Pläne spricht, ist, dass seine Gegner auch keine Geistesgrößen sind.

Damit dürfte Edward Bunker, dank eigener Erfahrungen, ein ziemlich genaues Bild der Kleingangster in Kalifornien vor fast einem halben Jahrhundert zeichnen. Bis in die Siebziger verbrachte der 1933 geborene Edward Bunker die meiste Zeit seines Lebens als Strafgefangener.

Erst mit der Veröffentlichung von „No Beast so fierce“ 1973 (die deutsche Erstausgabe „Wilder als ein Tier“ erschien erst 1995) und der anschließenden Verfilmung „Straight Time“ (Stunde der Bewährung, USA 1978) mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle nahm er Abschied vom Leben als Krimineller. Später schrieb er unter anderem den ebenfalls autobiographisch inspirierten, ebenfalls verfilmten Gefängnisroman „Animal Factory“ (Ort der Verdammnis), schrieb das Oscar-nominierte Drehbuch zu Andrei Konchalovskys viel zu unbekanntem Thriller „Runaway Train“ (Express in die Hölle, USA 1985) und spielte, neben zahlreichen anderen Rollen, in Quentin Tarantinos Debüt „Reservoir Dogs“ Mr. Blue. In Deutschland blieb der 2005 verstorbene Autor, auch weil die Übersetzungen schnell aus den Buchläden verschwanden, immer ein Insider-Tipp. Düstere Gangsterromane sind einfach keine Literatur für die breite Masse. Auch wenn bekannte Autoren wie James Ellroy und William Styron enthusiastische Vor- und Nachworte schreiben.

Nach Edward Bunkers Tod wurde in seinem Nachlass das noch nicht veröffentlichte Manuskript „Lockruf der Nacht“ entdeckt. Das bereits in den frühen Sechzigern geschriebene Werk erzählt packend eine kleine Noir-Gangstergeschichte. Edward Bunker zeichnet mit wenigen Worten das Leben der Kriminellen. Er erzählt in knappen Episoden von dem darwinistischen und paranoiden System, in dem sie Leben. Denn die Polizei kann jederzeit an die Tür klopfen. Ein Freund kann zum Feind werden und einen töten oder verraten wollen. Manchmal ist das eine, manchmal das andere schlimmer. Und natürlich bringt eine Frau (oder genauer: die Gefühle, die Stark für Dorie entwickelt) alles durcheinander.

„Lockruf in der Nacht“ ist ein geradliniger Pulp-Roman, der damals gut in die einschlägigen Reihen gepasst hätte und sich heute immer noch sehr frisch liest.

Edward Bunker: Lockruf der Nacht

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Liebeskind, 2009

224 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Stark

(Vorwort von James Ellroy)

No Exit Press, 2007

Hinweise

Titel-Magazin: Frank Göhre über Edward Bunker

Crime Time: Interview mit Edward Bunker

Richmond Review: Interview mit Edward Bunker

Kriminalakte: Beim „Express zur Hölle“ gibt’s weitere Links zu Edward Bunker


TV-Tipp für den 23. März: Isolation und Sinnesentzug

März 23, 2009

Arte, 23.40

Isolation und Sinnesentzug – Sechs Versuchspersonen im Bunker (GB 2007, R.: Charles Colville)

Drehbuch: Charles Colville

Psychologe Ian Robbins sperrte für die Forschung sechs Freiwillige für 48 Stunden in winzige, schalldichte Zellen. Er wollte wissen, wie normale Menschen auf den Entzug all ihrer Sinne reagieren. Den Anlass für das Experiment gab seine Behandlung von Guantánamo-Häftlingen.

Wiederholung: Montag, 30. März, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über die Doku

BBC über die Doku

Andy Worthington über die Doku (Google-Cache)


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