Neu im Kino/Filmkritik: „Die Schöne und das Biest“ im CGI-Märchenwald

April 30, 2014

Die Geschichte, also das Märchen von der Schönheit, die von einem Monster auf einem Schloss gefangen gehalten wird, die wahren, inneren Werte des Biestes erkennt und sich in das feingeistig Wesen verliebt, dürfte bekannt sein. Entweder das Märchen oder eine seiner zahlreichen Variationen in verschiedenen Medien. Unter Cineasten erfährt dabei die Version von Jean Cocteau, der die Geschichte 1946 mit Jean Marais als dem Biest verfilmte, die größte Wertschätzung. Auch Christophe Gans‘ „Die Schöne und das Biest“ orientiert sich an Cocteaus Film „Die Schöne und das Tier“, ist aber dennoch eigenständig als buntes, CGI-gesättigtes Märchenspektakel, das sich am Anfang viel Zeit nimmt, um Belle (Léa Seydoux) im Kreis ihrer Familie zu zeigen. Sie ist die Tochter eines vermögenden Kaufmanns (André Dussolier), der, nachdem seine mit Fracht gefüllten Schiffe untergehen, alles verliert und verarmt mit seinen sechs Kindern aufs Land ziehen muss. Während für Belles statusbedachten Schwestern das die ultimative Schmach ist, gefällt es Belle auf dem Land in der freien Natur, abseits der gesellschaftlichen Verpflichtungen.
Eines Tages bricht ihr Vater auf, um in der Stadt einen ihrer Brüder zu finden. Auf dem Rückweg verirrt er sich im winterlichen Wald und entdeckt ein Schloss. Er bedient sich an der reichhaltig gedeckten Tafel und bricht für Belle eine Rose ab. Dafür verurteilt ihn der Hausherr, das titelgebende Biest (Vincent Cassel), zum Tod. Der Kaufmann darf vorher noch einmal seine Familie sehen.
Seine Tochter Belle, die sich, weil sie sich als Reisemitbringsel eine Rose wünschte, für das Schicksal ihrer Familie verantwortlich fühlt, bricht auf zu dem Schloss in den sicheren Tod.
Aber der Schlossherr tötet sie nicht. Er ist eine verfluchte Seele, die erst erlöst werden kann, wenn er eine Frau findet, die ihn wirklich liebt.
Wer diese Frau ist, ist natürlich schon vor der ersten Begegnung zwischen Belle und dem Biest, das sich lange vor ihr versteckt, offensichtlich. Dennoch verliebt Belle sich in Christophe Gans Interpretation des schon mehrmals verfilmten Märchen viel zu schnell in das Biest; fast so, als würde sie nur eine Fluchtmöglichkeit aus ihrer Familie suchen und sich dafür in den ersten Mann verlieben, der ihr dabei helfen kann. Auch wenn ihre Flucht in einem goldenem Käfig endet. Deshalb ist diese fast schon nebenbei behandelte Liebesgeschichte als Geschichte einer großen, reinen, sich langsam entwickelden Liebe auch unglaubwürdig.
Belles Familie, vor allem natürlich die Geschichte ihrer rapiden Verarmung und die Dynamik innerhalb der Familie, nimmt im Vergleich zum titelgebenden Liebespaar viel Zeit in Anspruch, weshalb es auch fast bis zur Filmmitte dauert, bis Belle und das Biest sich zum ersten Mal treffen.
Noch länger dauert es, bis wir endlich Vincent Cassels Gesicht sehen. Die meiste Zeit ist er unter der computergenerierten, ziemlich künstlich aussehenden und wenig beeindruckenden Biest-Maske nicht erkennbar, außer an seinen Bewegungen und seiner Stimme, die in der Synchronisation auch wegfällt. In den Rückblenden, in denen erzählt wird, wie der Prinz, der ein begeisterter Jäger war und eine goldene Hirschkuh töten wollte, wegen seiner Jagdtrophäe zum Biest wurde, ist Cassel in seiner ganzen Pracht zu sehen.
Gedreht wurde „Die Schöne und das Biest“ in den Babelsberg Studios. Die prächtige Kulisse stammt aus dem Computer, was dem Film einen märchenhaft irrationalen Look verschafft, der irgendwo zwischen CGI, Gemälde und alten Studiokulissen ist.
Doch so schön die Ausstattung auch ist, so störend sind die Effekte im Finale, das dann die Märchenwelt zugunsten einem konventionellen CGI-Aktionfinale verlässt. Das hat man schon tausendmal gesehen.
Lächerlich und vollkommen unpassend sind die computergenerierten Tadums, kleine Hunde-ähnliche Tiere mit großen Augen und überlangen Schlappohren, die einfach nur lächerliche und vollkommen überflüssige Trickfiguren aus einem anderen Film sind.
Aber trotz aller Kritik hat mir „Die Schöne und das Biest“ deutlich besser als erwartet gefallen und gerade Kindern dürfte der Film, der als Bilderbuch beginnt und endet, gefallen. Für Erwachsene ist dann doch alles zu märchenhaft-eindeutig. Die Guten sind zu gut, die Bösen zu böse, die Prinzessin und Belle zu schön und Belles Schwestern zu zickig-schnöselig.
Peter Uehling nannte den Film in seiner „Berlinale“-Kritik durchaus treffend „eine große Buttercremetorte mit Sahne und einem quietschsüßem Vanilla Latte“. So etwas muss man, wie einen Mädchen-Kindergeburtstag einfach mögen – oder die Flucht ergreifen.

Die Schöne und das Biest - Plakat 1

Die Schöne und das Biest (La belle et la bête, Frankreich 2013)
Regie: Christophe Gans
Drehbuch: Christophe Gans, Sandra Vo-Anh
LV: Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve: La belle et la bête, 1740 (Die schöne und das Biest, Märchen)
mit Vincent Cassel, Léa Seydoux, André Dussollier, Eduardo Noriega, Myriam Sharleins, Audrey Lamy, Sara Giraudeau, Yvonne Catterfeld
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Französische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Schöne und das Biest“
Moviepilot über „Die Schöne und das Biest“
Metacritic über „Die Schöne und das Biest“
Rotten Tomatoes über „Die Schöne und das Biest“
Wikipedia über „Die Schöne und das Biest“ (englisch, französisch)
Berlinale über „Die Schöne und das Biest“ (inclusive der Pressekonferenz)

Weitere Filmplakate

Die Schöne und das Biest - Plakat 2

Die Schöne und das Biest - Plakat 3

Die Schöne und das Biest - Teaserplakat


TV-Tipp für den 1. Mai: Africa Queen

April 30, 2014

BR, 22.00

African Queen (USA 1951, R.: John Huston)

Drehbuch: James Agee, John Huston, Peter Viertel (ungenannt), John Collier (ungenannt)

LV: C. S. Forester: The African Queen, 1946 (Die „African Queen“)

Die zeitlos-witzige Abenteuerromanze (für die Jüngeren: Romantic-Comedy) enthält die klassischen Zutaten: zwei gegensätzliche Charaktere (Bogart als versoffener Kapitän und Hephurn als sittenstrenge Missionarin), exotische Kulisse (Ostafrika 1914), etwas Weltpolitik (sie will, nachdem die Deutschen ihre Familie ermordeten, ein Boot der Deutschen in die Luft jagen, er will in einem Fluss-Seitenarm in aller Ruhe seinen Schnapsvorrat austrinken) und ein vorhersehbares Ende (Ja, sie kriegen sich). Davor gibt es gefährliche Abenteuer und heftige Wortgefechte.

Bogart erhielt für diese untypische Rolle den schon lange überfälligen Oscar als bester Hauptdarsteller. Das Publikum liebte das streitbare Leinwandpaar. Die katastrophalen Dreharbeiten wurden später von Peter Viertel literarisch verarbeitet und von Clint Eastwood unter „Weißer Jäger, schwarzes Herz“ (White hunter, black heart; USA 1990) verfilmt.

Mit Humphrey Bogart, Katharine Hephurn, Robert Morley, Peter Bull

Hinweise

AFI Classic Movies „The African Queen“ (Linksammlung)

Reel Classics: “The African Queen”


„Angst über Gotham“ wegen dem „Rat der Eulen“, aber Batman ist auf dem Weg

April 30, 2014

Normalerweise teilt Batman bei seiner Verbrechensbekämpfung in Gotham kräftig aus. In den neuen „Batman“-Geschichten „Angst über Gotham“, von Gregg Hurwitz, und „Der Rat der Eulen/Die Stadt der Eulen“, von Scott Snyder, muss er dagegen vor allem Schläge einstecken. Und zwar so viele, dass sein treuer Diener Alfred sich ernsthafte Sorgen um seinen vermögenden Brötchengeber Bruce Wayne macht.
In „Angst über Gotham“ muss Wayne gegen den irren Psychiater Jonathan Crane kämpfen. Der als Scarecrow bekannte Bösewicht probiert an von ihm entführten Kindern sein neues Angstgas aus. Wenn er sie danach freilässt, sind sie schwer traumatisiert und haben sie keine Erinnerungen mehr an ihre Entführung.
Als Batman Scarecrow findet, kann der ihn überwältigen. Anschließend probiert er an Batman sein Angstgas aus, was dazu führt, dass Bruce Wayne sich seinen Urängsten stellen muss.
Thriller-Autor Gregg Hurwitz übernahm hier die Autorenschaft für „Batman: The Dark Knght“ und in der spannenden, sechsteiligen Geschichte erzählt er in Rückblenden auch die Ursprungsgeschichte von Scarecrow, der eine sehr unglückliche Kindheit hatte. Daneben gibt es, ausgelöst durch das Angstgas, auch Rückblenden in Waynes Leben, wobei sein Kindheitstrauma, nämlich der Tod seiner Eltern, im Mittelpunkt steht.
Durch die parallel erzählten Ursprungsgeschichten von Batman und Scarecrow zeigt Gregg Hurwitz auch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Charakteren auf und auch wie sehr Kindheitserlebnisse das spätere Leben prägen. Bei diesen beiden Männern erklärt es ihr ganzes Leben.
In diesem Sammelband ist auch die ebenfalls von Hurwitz geschriebene Kurzgeschichte „Schuld in der Luft“ (Chill in the Air, Batman: The Dark Knight # 0) enthalten. In ihr sucht Bruce Wayne – mal wieder – die Mörder seiner Eltern und den Rat der Eulen. Denn er glaubt, dass dieser sagenumwobene Rat den Mord beauftragte. Am Ende muss er enttäuscht feststellen, dass der Mord an seinen Eltern in einer Hinterhofgasse ein banaler Raubmord war und es den Rat der Eulen nicht gibt.


In Scott Snyders zweibändiger Geschichte „Der Rat der Eulen“ und „Die Stadt der Eulen“ ist dieser Rat der Eulen, eine supergeheime Geheimgesellschaft, die seit Jahrzehnten unerkannt im Hintergrund die Geschicke von Gotham lenken soll, die aber auch eine urbane Legende sein kann, Batmans Gegner.
Batman stößt auf eine Spur zu dieser Loge, als er als Bruce Wayne ein neues Stadtteil bauen möchte. Kurz nachdem er das Bauprojekt groß ankündigte, erhält er eine Todesdrohung und als er sich mit dem Bürgermeisterkandidaten Lincoln March auf der Aussichtsplattform des alten Wayne Towers trifft, wird ein Mordanschlag auf ihn verübt. Der Täter sagt kurz vor seinem Tod „Bruce Wayne, der Rat der Eulen verurteilt dich zum Tode.“ und „Waynes töte ich am liebsten.“
Wayne vertieft sich in seine Familiengeschichte und die Geschichte Gothams und er findet handfeste Spuren des Rats der Eulen.
Der zweite Band „Die Stadt der Eulen“ beginnt mit einem atemberaubenden Kampf um Waynes Anwesen Wayne Manor, der das Anwesen und die Bathöhle in einem renovierungsbedürftigem Zustand zurücklässt. Die anschließende Kämpfe gegen „Mr. Freeze“ und die „Fledermaus“, der so etwas wie der Vorsitzende des Rat der Eulen ist (sofern es diesen Rat überhaupt wirklich gibt), sind als Mann-gegen-Mann-Kämpfe weniger beeindruckend.
Ergänzt wird der Sammelband um mehrere Geschichten, die mehr oder weniger lose mit der Hauptgeschichte verbunden sind.
In jedem Fall sind die „Batman“-Geschichten von Gregg Hurwitz und „American Vampire“-Autor Scott Snyder spannende Lektüre.

Hurwitz - Batman - Angst über Gotham - Softcover - 2

Gregg Hurwitz/David Finch: Batman – The Dark Knight: Angst über Gotham (Band 2)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2014
164 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe/enthält
Batman: The Dark Knight # 10 – 15 (August 2012 – Februar 2013)
Batman: The Dark Knight # 0 (November 2012)

Die deutschen Ausgaben der Thriller von Gregg Hurwitz erscheinen bei Knaur.

Snyder - Batman - Der Rat der Eulen - Softcover - 2Snyder - Batman - Der Rat der Eulen - Hardcover - 2
Scott Snyder/Greg Capullo: Batman: Der Rat der Eulen (Band 1)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2013
180 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
Batman # 1 – 7 (November 2011 – Mai 2012)

Snyder - Batman - Die Stadt der Eulen - Softcover - 2Snyder - Batman - Die Stadt der Eulen - Hardcover - 2
Scott Snyder/Greg Capullo: Batman: Die Stadt der Eulen (Band 2)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2014
212 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe/enthält
Batman # 8 – 12 (Juni 2012 – Oktober 2012)
The New 52 – Batman Annual # 1 (Juli 2012)

Hinweise

Homepage von Gregg Hurwitz

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos “American Vampire – Band 2″ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs “American Vampire – Band 3″ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Sean Murphys „American Vampire – Das Überleben des Stärkeren, Band 4“ (American Vampire: The Survival of the Fittest, 2011)
Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)
Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Batman: Kaputte Stadt“ (Batman: Broken City, 2003/2004)


Die KrimiZeit-Bestenliste Mai 2014

April 30, 2014

Weil der 1. Mai der erste Donnerstag im Monat, aber ein Feiertag ist, erscheint die KrimiZeit-Bestenliste im Mai schon im April und diesen Werken wünschen die Damen und Herren Krimikritiker viele Leser:
1 (2) Oliver Bottini: Ein paar Tage Licht
2 (-) Ross Thomas: Fette Ernte
3 (-) Dominique Manotti: Ausbruch
4 (10) Mukoma wa Ngugi: Nairobi Heat
5 (-) Leonardo Padura: Ketzer
6 (8) Karim Miské: Entfliehen kannst Du nie
7 (7) Urban Waite: Wüste der Toten
8 (1) David Peace: GB84
9 (3) Daniel Woodrell: In Almas Augen
10 (-) Jonathan Woods: Die Tote von San Miguel

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Etliche Romane stehen auf meiner Zu-Lesen-Liste. Außerdem sind da der neue Jack-Reacher-Roman „Wespennest“ von Lee Chld, Carl Hiaasens „Affentheater“, Sascha Arangos „Die Wahrheit und andere Lügen“ (schon seine Drehbücher haben mir gefallen), Jörg Juretzkas neuer Kryszinski „Taxibar“, Robert Hültners Irgendwie-True-Crime-Buch „Tödliches Bayern“ und der am 17. Mai erscheinende neue Sean-Duffy-Krimi „Die Sirenen von Belfast“ von Adrian McKinty.
Da ist das Wochenende auch ohne Darwyn Cookes neuer Richard-Stark-Comic-Bearbeitung „Das Syndikat“ (mit Parker) mehr als verplant.

 


TV-Tipp für den 30. April: Hair

April 30, 2014

3sat, 22.25
Hair (USA 1979, Regie: Milos Forman)
Drehbuch: Michael Weller (nach dem Musical von Gerome Ragni und James Rado)
Farmersohn und Landei Claude muss zum Militärdienst und nach Vietnam. Vor seiner Musterung verbringt er einige Tage in New York mit einer Hippie-Gruppe, mit deren Mitgliedern er sich anfreundet.
Das Musical war in den späten Sechzigern ein Bühnenhit. Milos Formans Film, der das Stück aktualisierte und mit einer Geschichte versah, ebenso.
„Der Film konfrontiert den Zuschauer der späten siebziger Jahre mit seiner Sehnsucht nach Protest und Widerstand, weckt in ihm Spontanität und das Bedürfnis nach einer befreiten Existenz. (…) Die Stärke des Films liegt sowohl in der thematischen Aktualisierung, die dem Trauma des Vietnamkrieges die Vision eines anderen Amerika entgegensetzt, als auch in der Weiterentwicklung des klassischen amerikanischen Musicals. Die Tänze spielen sich fast ausnahmslos in Naturdekors ab, entwickeln sich logisch aus der Handlung, wirken nirgends ausgesetzt.“ (Fischer Film Almanach 1980)
mit John Savage, Treat Williams, Beverly D’Angelo, Annie Golden, Nicholas Ray
Wiederholung: Donnerstag, 1. Mai, 03.50 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Homepage von Milos Forman – und über „Hair“
Rotten Tomatoes über „Hair“
Wikipedia über „Hair“ (deutsch, englisch)


Der Cast von „Star Wars: Episode VII“ wurde bekannt gegeben

April 29, 2014

Das Rätselraten hat ein Ende. Die Macher vom neuen „Star Wars“-Film (für die Älteren wird es immer „Krieg der Sterne“ sein) haben heute den Cast für den neuen Film bekannt gegeben und es sind auch einige alte Bekannte aus den ersten drei „Krieg der Sterne“-Filmen (den einzig wahren „Krieg der Sterne“-Filmne) dabei.

Hier die Pressemitteilung des den Film produzierenden Walt Disney Studios:

Schauspieler John Boyega, Daisy Ridley, Adam Driver, Oscar Isaac, Andy Serkis, Domhnall Gleeson und Max von Sydow  werden den Original Stars der Saga Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill, Anthony Daniels, Peter Mayhew und Kenny Baker im neuen Film zur Seite stehen.

Regisseur J.J. Abrams sagt: “Wir freuen uns sehr, endlich die Schauspieler von Star Wars: Episode VII bekannt geben zu können. Es ist aufregend und surreal zugleich, die beliebten Schauspieler der Original Saga und die großartigen neuen Darsteller dabei zu beobachten, wie sie diese Welt erneut zum Leben erwecken. Wir beginnen in einigen Wochen mit den Dreharbeiten und alle geben ihr Bestes, um die Fans stolz zu machen.“

Star Wars: Episode VII wird unter der Regie von J.J. Abrams, nach einem Drehbuch von Lawrence Kasdan und J.J. Abrams entstehen und wird von Kathleen Kennedy, J.J. Abrams und Bryan Burk produziert. John Williams kehrt als Komponist zurück. Der Film startet in Deutschland am 17. Dezember 2015.

Und auf der Facebook-Seite kann man den Cast diskutieren.

Ich hoffe jedenfalls, dass die „Original Stars“ mehr als einen kurzen Gastauftritt haben.


Cover der Woche

April 29, 2014

Freemantle - Here comes Charlie M


TV-Tipp für den 29. April: Die Anstalt

April 29, 2014

ZDF, 22.15
Die Anstalt
Die neuen Anstaltsleiter Claus von Wagner und Max Uthoff begrüßen Alfons, Abdelkarim und Konstantin Wecker – und einen Monat vor der Europawahl und bei der derzeitigen Nachrichtenlage verspricht das ziemlich gute Satire.
Wer die Sendung verpasst, muss sich in der Mediathek die nötige Dosis abholen.


Tim Seeley zwischen „Hack/Slash“ und „Revival“

April 28, 2014

Die eine Serie endet, die andere beginnt gerade. Mit „Hack/Slash“, Tim Seeleys Serie über Cassie Hack, eine junge Frau, die, seitdem ihre Mutter sich in einen Slasher verwandelte und sie töten wollte, Slasher jagt, geht mit dem zehnten „Hack/Slash“-Sammelband „Folterverliebt“ in die Endrunde. „Revival“, eine neue Serie über eine Polizistin, die sich in einer ländlichen Gemeinde mit weitgehend friedlichen Untoten und weniger friedlichen Dämonen auseinandersetzen muss, beginnt gerade und, auch wenn jetzt die Idee, dass eine Frau sich mit Untoten blutig und tödlich auseinandersetzen muss, auf den ersten Blick aus dem gleichen Universum stammt, könnten die Serien nicht verschiedener sein.

Seeley - Hack-Slash 9Seeley - Hack-Slash 10

In „Hack/Slash“ kämpfte Cassie Hack in den ersten Geschichten und den zahlreichen Crossover-Geschichten (die etwas außerhalb der regulären Reihenfolge stehen) gegen zahlreiche aus Horrorfilmen bekannte Slasher, Maniacs und Bösewichter. Tim Seeley erzählte dies mit viel Witz, Anspielungen, Sex und Gewalt. Später wurde das Spiel mit den hauptsächliche filmischen Vorbildern zugunsten einer größeren Geschichte vernachlässigt. Ab da kämpften Cassie Hack und ihren Freunden gegen „Die Vereinigung der schwarzen Laterne“, einem Orden mit – nun – seltsamen Ansichten und dem Plan, die Macht zu übernehmen.
Auch in „Folterverliebt“, dem zehnten „Hack/Slash“-Sammelband, spielen die beiden Geschichten und der kurze Epilog vor diesem Hintergrund, was es für Neueinsteiger vor allem in „Mordmessias“ zu einer vor allem verwirrenden Lektüre macht. Die zweite Geschichte „Am Scheideweg“ gehorcht dagegen Thrillerkonventionen, aber mit toten Slashern, die entgegen aller Wahrscheinlichkeit, zurückkehren und Cassie, Vlad und ihren Freunden viele Probleme bereiten. Tim Seeley bereitet hier unüberschaubar, auf zwei Zeitebenen und vielen Charakteren, die nicht sind, was sie vorgeben zu sein, das Finale vor.
Der neunte „Hack/Slash“-Sammelband „My First Maniac – Wie alles begann“ ist dagegen für Neueinsteiger wesentlich gewinnbringender zu lesen. Außerdem macht der Kampf gegen einzelne, erkennbare und auch irgendwie noch menschliche Slasher (also keine Mitglieder eines seit Jahrhunderten bestehenden Geheimbundes) mehr Spaß.
So gibt es hier auch einen Besuch im „Psycho“-Motel und in „Ich ohne dich“ erfahren wir, wo Cassies Freund Vlad herkommt und wie sie sich kennen lernten.

Seeley - Revival 1

„Revival“ ist eine neue Serie von Tim Seeley. Sie spielt im winterlichen Wisconsin, wo seit einiger Zeit die Toten zurückkehren. Aber die Erweckten, wie sie genannt werden, sind keine gehirnhungrigen, sabbernden Zombies, sondern Inkarnationen ihres früheren Ichs, die einfach wieder ihr vorheriges Leben aufnehmen, als sei nichts passiert.
Die Kleinstadt und das umliegende County werden abgesperrt. Dennoch wird es zu einem Tummelplatz für religiöse Spinner, Fanatiker, Heilsbringer, dubiose Geschäftemacher und die Medien.
Im Zentrum der Serie steht Police Officer Dana Cypress, alleinerziehende Mutter, jung, intelligent und genervt von ihrem Vater, der der Polizeichef ist und sie wie ein kleines, schutzbedürftiges Kind behandelt. Deshalb ernennt er sie auch zur Leiterin der „Schlichtungseinheit für erweckte Bürger“, was eine nette Beschreibung für „Job, bei dem nichts Schlimmes passieren kann“ ist.
Gleich bei ihrem ersten Einsatz als Leiterin der nur aus ihr bestehenden Einheit geht einiges schief. Ihre Schwester Martha stirbt und kehrt wieder zurück.
„Unter Freunden“, der erste „Revival“-Sammelband, ist eigentlich nur eine Einführung in die Geschichte. Wir lernen die Charaktere und ihre Welt kennen – und sind neugierig auf die nächsten Bände. Denn in „Revival“ arbeitet Tim Seeley mit einem erkennbar langen Atem. Das ist nichts, was nach einigen Heften oder ein, zwei Sammelbänden enden soll.
Neben Dana Cypress und ihrer Schwester Martha, gibt es auch einige Charaktere, die wohl noch für einige Überraschungen gut sind. Das sind bislang Ibrahaim Ramin von der Seuchenschutzbehörde der USA, ein Dämonologe mit unorthodoxen Methoden, die alte Arlene Dittman, die verwandelt von den Toten zurückkehrte, und einem oder mehreren Dämonen, die an Edvard Munchs „Der Schrei“ erinnern.
„Revival“ könnte eine wirklich spannende und interessante Serie werden. Der Auftakt ist jedenfalls wirklich vielversprechend.

Tim Seeley: Hack/Slash: Folterverliebt (Band 10)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2014
160 Seiten
19,80 Euro

Originalausgabe
Hack/Slash: Torture Porn
Imagine, 2011

enthält
Tim Seeley (Autor)/Jethro Morales (Zeichner): Mordmessias
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): Am Scheideweg
James Lowder (Autor)/Jean-Paul Deshong (Zeichner): Nächtliche Totenwache in Eminence

Tim Seeley: Hack/Slash: My First Maniac – Wie alles begann (Band 9)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2013
160 Seiten
19,80 Euro

Originalausgabe
Hack/Slash: Me without you
Image, 2010

enthält
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): My First Maniac – Wie alles begann
Tim Seeley (Autor)/Daniel Leister (Zeichner): Ich ohne dich (Me without you)
+ Kurzgeschichten aus „Trailers 2“:
Chris Burnham (Autor)/Stephen Molnar (Zeichner): Gesichtsgulasch (Butterface)
Dennis Hopeless (Autor)/Kyle Strahm (Zeichner): Zu süss (Too cute)
Kevin Mellon (Autor/Zeichner): Blut auf der Tanzfläche (Blood on the Dancefloor)
Mike Olivieri (Autor)/Sean K. Dove (Zeichner): In Leichen suhlen (Wallon in Death)
B. Clay Moore (Autor)/Daniel Liester (Zeichner): Schuss mit Aussicht (Womb with a View)
Mike Norton (Autor)/Brent Schoonover: Fummelkiste (Rape Van)
J. Torres (Autor)/Joe Song (Zeichner): Psyche (Psyche)

Tim Seeley (Autor)/Mike Norton (Zeichner): Revival: Unter Freunden (Band 1)
(übersetzt von Frank Neubauer)
Cross Cult, 2013
128 Seiten
18 Euro

Originalausgabe
Revival, Volume 1: You’re among friends
Image, 2012

Hinweise
Homepage von Tim Seeley
Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)“ (Hack/Slash: Reanimation Games, 2009)


TV-Tipp für den 28. April: Father Brown: Der Hammer Gottes/Die fliegenden Sterne

April 28, 2014

ZDFneo, 20.15/21.00
Father Brown: Der Hammer Gottes/Die fliegenden Sterne (Großbritannien 2013, Regie: Ian Barber)
Drehbuch: Tahsin Guner (Episode 1), Rachel Flowerday (Episode 2)
Erfinder: Tahsin Guner, Rachel Flowerday
LV: Charakter von Gilbert K. Chesterton
Dank der regelmäßigen Wiederholungen der beiden Spielfilme „Das schwarze Schaf“ und „Er kann’s nicht lassen“ ist für uns natürlich Heinz Rühmann der einzig wahre Father Brown und deshalb verglich ich beim Ansehen der ersten beiden Folgen der neuen BBC-Serie „Father Brown“ Mark Williams, der den Geistlichen in der Serie spielt, auch immer mit Heinz Rühmann. Außerdem spielt die Serie in den Fünfzigern.
Der englische Film „Die seltsamen Wege des Pater Brown“ (Father Brown) von 1954 mit Alex Guiness als Priester und die TV-Serie „Father Brown“ aus den Siebzigern mit Kenneth More sind dagegen bei uns fast bis vollkommen unbekannt.
Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936) schrieb die fünfzig Father-Brown-Geschichten, die in fünf Büchern veröffentlicht wurden, zwischen 1911 und 1936 und gerade die Verbindung von Glaube und rationaler Verbrechensaufklärung verhalten den Geschichten zum Klassikerstaut. Denn der nach außen hin so unscheinbare Father Brown ist ein genauer Beobachter und ein Menschenkenner, der in zahlreichen Beichten zahllose Schandtaten anhören musste.
Neben den „Father Brown“-Geschichten schrieb Chesterton zahlreiche weitere Geschichten, Biographien und Essays, die in seiner Heimat auch sehr populär waren. Bei uns sind sie, auch weil sie nicht oder erst sehr spät übersetzt wurden, kaum bekannt.
In der ersten „Father Brown“-Episode, „Der Hammer Gottes“, wird während der Einweihungsfeier der neuen Glocken der Dorfkirche der allgemein unbeliebte Bruder von Pastor Wilfred mit einem Hammer erschlagen. Bevor die Polizei die Verdächtigen auseinandersortieren kann, gesteht Elizabeth Barnes, die Frau des Schmiedes, die von Norman Bohun zum Sex erpresst wurde, die Tat. Aber Father Brown zweifelt.
In „Die fliegenden Sterne“ stirbt Anne-Marie Adams. Father Brown hält einen Unfall für unwahrscheinlich, aber wer aus Anne-Maries Famile hat die Alkoholikerin getötet? Denn ihr nach langer Abwesenheit aus Nairobi gekommener Bruder, dem Father Brown am ehesten die Tat zutrauen würde, hat ein wasserdichtes Alibi.
Die TV-Serie ist sehr cozy, aber auch kurzweilig und selbstverständlich absolut unrealistisch. Denn, wie in „Inspector Barnaby“, wird in einem kleinen, abseits der Großstadt liegendem Ort, in dem sich auf den ersten Blick alle gern haben, hemmungslos gemordet.
Zwanzig Fälle wurden in England bereits gezeigt. Eine dritte Staffel, dann mit fünfzehn Fällen, ist in Arbeit. ZDFneo zeigt jetzt, immer in Doppelfolgen, die erste, aus zehn Episoden bestehende Staffel.
Am 30. Mai veröffentlicht Polyband die erste Staffel auf DVD.
Früher hätte das ZDF die Serie im Vorabendprogramm gezeigt. Aber da ermitteln inzwischen ja die verschiedenen Sokos.
mit Mark Williams (Father Brown), Sorcha Cusack (Mrs. McCarthy), Nancy Carroll (Lady Felicia), Alex Price (Sid Carter), Hugo Speer (Inspector Valentine)
Father Brown - Staffel 1 - DVD-Cover
Hinweise
BBC-Homepage zur Serie
ZDFneo über die Serie
Wikipedia über „Father Brown“ (deutsch, englisch) und Gilbert K. Chesterton (deutsch, englisch)
Kirjasto über Gilbert K. Chesterton
Alle Father-Brown-Geschichten von Gilbert K. Chesterton

G. K. Chesterton im Projekt Gutenberg (derzeit fünf Texte, zwei mit Pater Brown)


TV-Tipp für den 27. April: Unknown Identity

April 26, 2014

RTL, 20.15/23.15

Unknown Identity (Japan/Kanada/USA/Deutschland 2010, Regie: Jaume Collet-Serra)

Drehbuch: Oliver Butcher, Stephen Cornwell

LV: Didier van Cauwelaert: Hors de moi, 2003 (Unknown Identity)

Berlin: Auf einer Vortragsreise hat der US-Wissenschaftler Martin Harris einen Autounfall. Als er danach mit seiner Frau reden will, behauptet sie, dass sie ihn nicht kennt und irgendwelche Dunkelmänner wollen ihn umbringen. Harris will die Wahrheit herausfinden.

Für die Verfilmung wurde die Handlung von Didier van Cauwelaerts spannendem Pulp-Thriller, dank der hiesigen Filmförderung, von Paris nach Berlin verlegt; die Prämisse, einige Charaktere und die Erklärung für Martin Harris’ Amnesie wurden übernommen. Allerdings ist das Ende im Film wesentlich explosiver und der gesamte Film mit zahlreichen Morden, Schlägereien und Verfolgungsjagden zu Fuß und im Auto viel actionlastiger. Das ist zwar nicht besonders logisch und glaubwürdig (eigentlich sogar noch unglaubwürdiger als der Roman), aber ziemlich unterhaltsam. Und die Berlin-Bilder, inclusive einem Zusammenstoß mit einer Tram und einer Explosion im Hotel Adlon, erfreuen natürlich das lokalpatriotische Herz.

mit Liam Neeson, Diane Kruger, January Jones, Aidan Quinn, Bruno Ganz, Sebastian Koch, Frank Langella, Stipe Erceg

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Unknown Identity“

Rotten Tomatoes über “Unknown Identity”

Wikipedia über “Unknown Identity” (deutsch, englisch)

Homepage von Didier van Cauwelaert

Meine Besprechung von Didier van Cauwelaerts Roman “Unknown Identity”

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)


TV-Tipp für den 26. April: Kiss Kiss, Bang Bang

April 26, 2014

Eins Festival, 21.45

Kiss Kiss, Bang Bang (USA 2005, Regie: Shane Black)

Drehbuch: Shane Black

LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941

Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.

Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).

first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar

Wiederholung: Sonntag, 27. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kiss Kiss Bang Bang“

Rotten Tomatoes über „Kiss Kiss Bang Bang“

Wikipedia über „Kiss Kiss Bang Bang“ (deutsch, englisch)

Spike: Interview mit Shane Black (17. Oktober 2005)

Drehbuch „Kiss, Kiss, Bang, Bang“ von Shane Black (Fassung vom 21. November 2003)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man 3, USA 2013)

Wikipedia über Brett Halliday

Kirjasto über Brett Halliday

Mordlust über Brett Halliday

Thrilling Detective über Michael Shayne


DVD-Kritik: Der Western-Klassiker „Der große Bluff“

April 25, 2014

Western und Komödie passen nicht zusammen, heißt es und der kundige Filmfan kann dann auch einige Western nennen, die als Komödie so zündend wie ein nasser Silvesterkracher sind. Jüngstes Beispiel: „Lone Ranger“ mit Johnny Depp.
Dabei gibt es durchaus gelungene Westernkomödien: eine der ersten und bekanntesten ist „Der große Bluff“, im Original „Destry rides again“, mit James Stewart und Marlene Dietrich. Der im Original titelgebende Destry ist Thomas Jefferson Destry jr., der Sohn eines legendären Gesetzeshüters, der jetzt in Bottleneck das Gesetz verteidigen soll. Wyatt Earp soll gegen ihn ein Waisenknaben und Hasenfuß sein. Einen so unbestechlichen und tapferen Gesetzeshüter braucht Bottleneck. Denn die gesamte Stadt steht unter dem Regime des verbrecherischen Saloon-Besitzers Kent. Der vorherige Sheriff wurde von ihm erschossen und als neuer Sheriff wurde der städtische Trunkenbold ernannt. Der ruft nun Destry um Hilfe. Destry kommt – und sorgt gleich für heftiges Erstaunen bei den rauflustigen Dorfbewohnern. Denn Destry ist keine das Gesetz verteidigende, Kollateralschäden billigend in Kauf nehmende Dampframme, sondern ein Gentleman, der Damen höflich aus der Kutsche hilft. Auch zu den Freudenmädchen ist er ausgesucht höflich und respektvoll, Er trinkt Milch, trägt keine Waffe und Gewalt lehnt er generell ab. Kurz: er ist eine so komplette Fehlbesetzung, dass Kent entzückt ist.
Aber er hat sich geirrt – und wie Destry dann in Bottleneck aufräumt, macht auch heute noch Spaß.
Für James Stewart war diese Rolle der Durchburch in Hollywood und der erste Auftritt in einem Western. In den nächsten Jahren wurde er, neben John Wayne, zu einem der das Genre prägenden Western-Darsteller. Marlene Dietrich, die sich damals in einem Karrieretief befand, erhielt danach wieder Rollen.
Und der augenscheinlich konfliktscheue, intelligente Destry war so beliebt, dass es später eine TV-Serie und einige Remakes, die man heute nicht mehr kennt, gab.
Mit dem Roman von Max Brand hat der Film, außer dem Titel und der Idee, dass der Held auf Gewalt nicht mit Gewalt reagiert, nichts zu tun. Wobei der Roman-Destry nur am Anfang den Feigling spielt. Denn er ist ein verurteilter Verbrecher und Raufbold, der nach seiner Rückkehr nach Wham die Männer sucht, die ihn damals ins Gefängnis schickten. Schnell erschießt er in Notwehr die ersten beiden Männer auf seiner Todesliste. Danach knöpft er sich die anderen Männer mit ähnlich finalen Ergebnissen vor. Naja, „Destry rides again“ ist ja auch ein Rachewestern. Marshalls Verfilmung hat damit, wie schon der Vorspann verrät, nichts zu tun. Denn da steht „suggested by“, was als „uns hat der Titel gefallen“ gelesen werden kann, und der Film wurde ein Kassenhit. Inzwischen ist er ein zu Recht immer wieder gern gesehener Western-Klassiker.
Als Bonusmaterial gibt es bei der jetzt veröffentlichten DVD ein 52-minütiges Radiohörspiel und eine Bildergalerie. Außerdem sind alle drei Synchronfassungen enthalten. Die Fassung von 1947 in der restaurierten und der nicht restaurierten Fassung und die 1987 und 2006 entstandenen Neusynchronisationen.

Der große Bluff - DVD-Cover

Der große Bluff (Destry rides again, USA 1939)
Regie: George Marshall
Drehbuch: Felix Jackson, Gertrude Purcell, Henry Myers (nach einer Geschichte von Felix Jackson)
LV: Max Brand: Destry rides again, 1930 (Destry reitet wieder)
mit James Stewart, Marlene Dietrich, Brian Donlevy, Charles Winninger, Micha Aer, Una Merkel

DVD
Koch Media (Edition Western-Legenden #28)
Bild: 1.33:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Radiospecial „Der große Bluff“, Bildergalerie, 3 Synchronfassungen (1947, 1987 und 2006)
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der große Bluff“
TCM über „Der große Bluff“
Wikipedia über „Der große Bluff“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Brand


TV-Tipp für den 25. April: Ein Köder für die Bestie

April 25, 2014

ZDFneo, 03.15

Ein Köder für die Bestie (USA 1962, R.: J. Lee Thompson)

Drehbuch: James R. Webb

LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)

Nach seinem Knastaufenthalt beginnt Max Cady Sam Bowden und dessen Familie zu terrorisieren. Immerhin brachte dessen Aussage ihn ins Gefängnis.

Spannender Psychoschocker

Mit Gregory Peck, Robert Mitchum, Martin Balsam, Telly Savalas

Hinweise

Wikipedia über John D. MacDonald (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über John D. MacDonald

Krimi-Couch über John D. MacDonald

Umfangreiche amerikanische John D. MacDonald-Fanseite


Neu im Kino/Filmkritik: Charles Dickens und „The Invisible Woman“

April 24, 2014

Erst wenn man die historischen Daten studiert, fällt auf, wie sehr Regisseur Ralph Fiennes sich in seinem zweiten Spielfilm „The Invisible Woman“ um eine genaue Datierung der Ereignisse herummogelt oder sie als so bekannt voraussetzt, dass er sie nicht explizit erwähnen muss. Jedenfalls erweckt er bei einem unbedarftem Publikum den Eindruck, dass die Geschichte der titelgebenden unsichtbaren Frau sich innerhalb eines ziemlich kurzen Zeitraums abspielt.
Der Film beginnt 1885 am Strand der englischen Küstenstadt Margate. Eine Frau läuft, gehetzt von unsichtbaren Dämonen, am Strand entlang. Es ist Mrs. George Wharton Robinson, gebürtige Ellen ‚Nelly‘ Ternan (Felicity Jones), die mit Jugendlichen das von Charles Dickens und Wilkie Collins geschriebene Theaterstück „No Thoroughfare“ inszeniert. Die respektierte Gelehrtengattin, die mit ihrem Mann eine Jungenschule leitet, ist eine große Dickens-Bewunderin, die den Dichter sogar persönlich kannte. Als Kind behauptet sie.
Eine Rückblende in das Jahr 1857 zeigt sie als achtzehnjährige Schauspielerin, die in Manchester in dem Collins/Dickens-Theaterstück „The Frozen Deep“ mitspielen soll. Inszeniert wird die Aufführung von Charles Dickens (Ralph Fiennes) höchstpersönlich, der auch die Hauptrolle übernimmt. Der verheiratete 45-jähriger Mann verliebt sich in die Schauspielerin.
In den folgenden dreizehn Jahren, bis zu Dickens Tod 1870, sind sie ein Liebespaar, bei dem Nelly die titelgebende unsichtbare Frau ist. Denn in der Öffentlichkeit gehen sie getrennte Wege und Dickens versucht alles, damit niemand von der Beziehung erfährt.
Und genauso diskret, wie Dickens und Ternan vorgingen, erzählt Ralph Fiennes, nach einem Drehbuch von Abi Morgan („Shame“, „Die eiserne Lady“), diese auf Fakten basierende Geschichte. Denn anstatt die Konflikte direkt anzusprechen, umkreist er sie und deutet sie in Halbsätzen und Gesten an. Und die lange Zeit, die vergeht, ignoriert er, weil die Schauspieler immer ungefähr gleich alt aussehen.
Außerdem werden die Konflikte zugunsten einer gediegenen Inszenierung vernachlässigt. Letztendlich ist „The Invisible Woman“ ein Kostümdrama für das gebildete, schon etwas ältere Publikum, das sich an einer ästhetischen, das Nervenkostüm schonenden Inszenierung ergötzt, während das Denkmal von Charles Dickens kaum angekratzt wird und seine Liebe zu der jungen Schauspielerin fast wie allseit akzeptierte eine Zweckehe wirkt.
Die starren gesellschaftlichen Konventionen und auch die Belastungen und Nachteile, die Nelly Ternan aufgrund ihrer Liebe zu einem älteren, verheirateten, von der Öffentlichkeit vergötterten, sich absolut egoistisch verhaltenden Mann, hatte, werden kaum angesprochen. Denn es war auch eine Liebe, für die sie als Konkubine ihr Leben aufgab und über die sie schweigen musste. Auch nach ihrem Tod wurde von Dickens‘ Nachkommen diese Beziehung soweit möglich verschwiegen.
So bleibt der Film hinter den Möglichkeiten zurück, die die wahren Geschichte von Nelly Ternan geboten hätte.

The Invisible Woman - Plakat

The Invisible Woman (The Invisible Woman, Großbritannien 2013)
Regie: Ralph Fiennes
Drehbuch: Abi Morgan
LV: Claire Tomalin: The Invisible Woman: The Story of Nelly Ternan and Charles Dickens, 1991
mit Ralph Fiennes, Felicity Jones, Kristin Scott Thomas, Tom Hollander, Joanna Scanlan, Perdita Weeks, Amanda Hale, Tom Burke, John Kavanagh
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Invisible Woman“
Moviepilot über „The Invisible Woman“
Metacritic über „The Invisible Woman“
Rotten Tomatoes über „The Invisible Woman“
Wikipedia über „The Invisible Woman“

Die TIFF-Pressekonferenz

Die NYFF-Pressekonferenz

Die Screen-Actors-Guild-Conversation


Neu im Kino/Filmkritik: „Ride along“ in einer witzlosen Buddy-Cop-Komödie

April 24, 2014

Etwas Action, einige blöde Sprüche und fertig ist der Film. Dass das nicht so einfach ist, zeigt „Ride along“ in jeder Minute seiner knapp hundert Minuten Laufzeit. Für diesen Buddy-Film, der sich Komödie nennt, aber keine ist, nimmt der harte Cop James (Ice Cube) den Freund seiner Schwester mit auf einen Training Day. Einen Tag lang darf Ben Barber (Kevin Hart), ein überforderter Schulwachmann, Videospiel-Junkie, Schwätzer und Feigling, den ultraharten und supercoolen James begleiten. James sucht auch seit Ewigkeiten Omar (Laurence Fishburne), der als Gangsterboss die Stadt beherrscht und den noch niemand gesehen hat.
Während des Training Day will der Supercop allerdings vor allem Ben beweisen, dass er nicht zum Polizisten taugt und er auch seine bildschöne und kluge Schwester in Ruhe lassen soll.
Das gibt dann am Anfang einige witzig gemeinte Szenen, in denen Ben als überforderter Depp da steht und mündet später in eine gemeinsame Jagd nach Omar, der sich dummer als ein Schulhofgangster verhält. Garniert wird das mit einem Endlos-Geplapper, das bei Eddie Murphy in „Nur 48 Stunden“ und „Beverly Hills Cop“ noch witzig war, aber inzwischen im ungenießbaren Klischee erstickt ist. Vor allem wenn einfach nur vor sich hin geblödelt wird.
Immerhin erscheint nach „Ride along“ die witzlosen, einen Tiefpunkt des Genres markierende Buddy-Cop-Comedy „Cop Out“ mit einem engagiert gegen das vorhersehbare Drehbuch aufspielendem Tracy Morgan und einem erkennbar gelangweilten Bruce Willis als besserer Film.

Ride Along - Plakat

Ride along (Ride along, USA 2013)
Regie: Tim Story
Drehbuch: Greg Coolidge, Jason Mantzoukas, Phil Hay, Matt Manfredi (nach einer Geschichte von Greg Coolidge)
mit Ice Cube, Kevin Hart, John Leguizamo, Bruce McGill, Tika Sumpter, Laurence Fishburne
Länge: 99 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ride along“
Moviepilot über „Ride along“
Metacritic über „Ride along“
Rotten Tomatoes über „Ride along“
Wikipedia über „Ride along“

Mehr aus dem Film und einige Worte der Macher


Neu im Kino/Filmkritik: „Irre sind männlich“ und Frauen sind bekloppt

April 24, 2014

Beginnen wir mit dem Positiven. Das Apartment von Daniel sieht wirklich wie eine Wohnung aus, in der jemand lebt.
Aber der Rest ist mit „eine deutsche Komödie“ nur unzureichend beschrieben. Denn „Irre sind männlich“ ist ein unwitziger Kladderadatsch, der sich auch irgendwie an Wochenendpsychotherapien abarbeiten will, aber nur sattsam bekannte Klischees ohne weiteren Erkenntniswert reproduziert, als hätte es nie Edward Nortons Gang durch die Selbsthilfegruppen in David Finchers grandioser Chuck-Palahniuk-Verfilmung „Fight Club“ gegeben.
Aber Regisseur Anno Saul („Kebab Connection“, „Wo ist Fred?“) und die Drehbuchautoren Philip Voges und Ilja Haller wollten mit „Irre sind männlich“ keine bitterböse Satire, sondern eine deutsche RomCom abliefern.
Denn eigentlich ist Daniel Lukas (Fahri Yardim) ein Traummann, wenn er nicht so furchtbar anhänglich wäre. Deshalb verlässt ihn seine Freundin Mia (Josefine Preuß). Sein Freund Thomas Vierzig (Milan Peschel), gleichzeitig Geschäftspartner in ihrer Computerspielefirma, überredet ihn, mit ihm während verschiedener Wochenendtherapien möglichst viele Frauen flach zu legen. Dafür melden sie sich mit falschen Namen und erfundenen Lebensläufen bei den Therapien an.
Bei einem Therapiewochenende trifft Thomas wieder auf Sylvie (Marie Bäumer), die er bei einem früheren Therapiewochenende versetzte, weil die gleichaltrige Wuchtbrumme nach seiner Berechnung viel zu alt für ihn ist. Sie, die die Wochenenden ebenfalls für folgenlose Bettgeschichten benutzt, will sich jetzt an Thomas rächen und erpresst ihn zum Geschlechtsverkehr.
Gleichzeitig trifft Daniel wieder auf Bernadette (Peri Baumeister), eine bekannte Schauspielerin – und die beiden Kontrollfreaks verlieben sich ineinander.
Uups, habe ich jetzt etwas verraten?
Die interessantere Liebesgeschichte in dem Film ist die zwischen Thomas und Sylvie, zwei vergnügungssüchtigen Menschen, die Bindungen wie der Teufel das Weihwasser fürchten.
Aber im Rahmen einer erfolgreichen Konfliktvermeidungsstrategie wird sich auf das langweilige Paar konzentriert, es gibt einige Witzeleien über die Psychotherapie und etwas RomCom-Sauce, wobei die Konflikte, die von Anno Saul, Philip Voges und Ilja Haller aufgebaut werden, noch nicht einmal als Scheinkonflikte taugen.
„Irre sind männlich“ ist ein deprimierender, in einem Paralleluniversum spielender Film, in dem schon andere furchtbare deutsche Filme entstanden, die heute niemand gesehen haben will.

Irre sind männlich - Plakat

Irre sind männlich (Deutschland 2014)
Regie: Anno Saul
Drehbuch: Philip Voges, Ilja Haller
mit Fahri Yardim, Milan Peschel, Marie Bäumer, Peri Baumeister, Josefine Preuß, Tom Beck, Carolin Kebekus, Herbert Knaup, Gitta Schweighöfer
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Irre sind männlich“
Moviepilot über „Irre sind männlich“


Neu im Kino/Filmkritik: „Transcendence“, das Regiedebüt von Christopher-Nolan-Kameramann Wally Pfister

April 24, 2014

Science-Fiction kann Fragen stellen, kann Entwicklungen aufzeigen, eine positive oder eine negative Utopie entwerfen und zum Nachdenken anregen. „Transcendence“, das Regiedebüt von Christopher-Nolan-Stammkameramann Wally Pfister (nach Lehrjahren in der Roger-Corman-Filmschule), will das, aber weil er sich nicht entscheiden kann, ob er eine Dystopie oder eine Utopie inszeniert und der Film vollkommen antidramatisch, aber sehr trendy in der Gegenwart beginnt und dann zurück in die Vergangenheit springt, wissen wir von der ersten Minute an, wie die Geschichte endet.
Nur der Weg zum Ende ist unklar und auf dem Weg dahin gibt es einige interessante dramaturgische Entscheidungen, die „Transcendence“ vor einer absoluten Vorhersehbarkeit bewahren, aber die Geschichte nicht kraftvoller machen. Im Gegenteil: sie zerfasert immer weiter, bis am Ende dann doch alles mit viel Waffengewalt gelöst werden soll. Und über die im Film gestellten Fragen und Antworten sollte man auch nicht zu genau nachdenken.
Im Mittelpunkt steht dabei die Idee der Künstlichen Intelligenz und – auch – was einen Menschen ausmacht.
Dr. Will Caster (Johnny Depp) ist ein Vordenker, der mit einem neuen Computersystem im Feld der Künstlichen Intelligenz forscht und kurz davor steht, einen Computer zu programmieren, der lernfähig und emotional begabt wie ein Mensch ist. Gleichzeitig möchte er damit die Welt zu einem besseren Ort machen, Krankheiten besiegen und die Armut überwinden. Trotzdem sind nicht alle Menschen von den Visionen des Menschenfreundes überzeugt. Die Terrorgruppe „R. I. F. T.“ (Revolutionary Independence From Technology), die ein zurück zur Natur propagiert, verübt einen gut orchestrierten und erfolgreichen Anschlag auf mehrere KI-Forscher.
Caster überlebt das Attentat, aber weil die Kugel präpariert war, wird er innerhalb weniger Wochen sterben. Casters Frau Evelyn (Rebecca Hall) entschließt sich, Wills Gedächtnis in den von ihm erfundenen Computer zu kopieren.
Das Experiment gelingt und Will, der schnell Zugriff auf alle Computer erhält, wird zu einem gottähnlichen Wesen, das sich in einem verlassenen Wüstenkaff sein weitgehend unterirdisches Reich aufbaut.
Science-Fiction-Fans werden jetzt schon mit der Checkliste begonnen haben und die Filmemacher bemühen sich erfolgreich, wirklich jedes Thema anzusprechen. Bis jetzt haben wir unter anderem „das Verhältnis von Mensch und Maschine“, „Künstliche Intelligenz“ (bzw. durchgeknallte Computer), „verrückte Wissenschaftler“, „Allmachtsphantasien“, die später genauer ausformuliert werden, Fortschrittsglaube und Fortschrittsangst. Zuerst auf rein technischer Ebene. Später mit einem religiösen Touch. Denn Will Caster kann, wie Jesus, Kraft seiner Gedanken in der Wüste Menschen heilen.
Science-Fiction-Fans werden auch eifrig das „Welcher Film wird hier zitiert?“-Trivial-Pursuit spielen und sich ärgern, dass in „Transcendence“ letztendlich so wenig aus der vielversprechenden Prämisse gemacht wurde. „Transcendence“ will zum Nachdenken anregen, spricht wichtige Themen an, aber die Macher haben selbst zu wenig nachgedacht. Denn zwischen all den Zitaten, gepaart mit einem tiefen Griff in die Science-Fiction-Themenkiste, verirrt Wally Pfister sich hoffnungslos zwischen Technikeuphorie, Technikphobie und neureligiösem Sektentum, ohne dass jemals wirklich eine eigene Haltung zur todernst und pathetisch erzählten Filmgeschichte sichtbar wird.
Dabei ist der gesamte Film optisch angenehm zurückhaltend inszeniert. So als habe ein kluger Kameramann erfolgreich mit einem begrenzten Budget und vorhandenen Orten gearbeitet. Dennoch soll der Film 100 Millionen Dollar gekostet haben.
Auch die wenigen offensichtlichen Spezialeffekte passen sich gut in den Film ein, der sich stilistisch am New Hollywood der siebziger Jahre und damals wichtiger sozialkritischer Science-Fiction-Filme orientiert. Pfister selbst nennt als Einflüsse unter anderem „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain), „Jahr 2022…die überleben wollen“ (Soylent Green), „Der Omega-Mann“ (The Omega Man), „Westworld“ (Westworld), „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (The Man who fell to Earth), „2001: Odyssee im Weltraum“ (2001: A Space Odyssey) und „Uhrwerk Organge“ (A Clockwork Orange).
In dieser Liga spielt „Transcendence“ nicht. Denn letztendlich ist Pfister mit seinem gut gemeinten, überfrachteten und unentschlossenen Debütfilm, der zu viel Nolan und zu wenig Corman enthält, gescheitert.
Trotzdem ist die derzeitige Rotten-Tomatoes-Bewertung von neunzehn Prozent im Vergleich zu wirklichen Gurken, wie „Seelen“, „Battleship“, „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ oder „Ride along“, oder dem Werk von Michael Bay zu schlecht. Denn im Gegensatz zu den gängigen Blockbuster-Science-Fiction-Krawallfilmen will Pfister immerhin zum Nachdenken anregen

Transcendence - Plakat

Transcendence (Transcendence, USA 2014)
Regie: Wally Pfister
Drehbuch: Jack Paglen
mit Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Morgan Freeman, Kate Mara, Cillian Murphy, Clifton Collins Jr., Cole Hauser, Xander Berkeley, Lukas Haas, Wallace Langham
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Transcendence“
Moviepilot über „Transcendence“
Metacritic über „Transcendence“
Rotten Tomatoes über „Transcendence“
Wikipedia über „Transcendence“ (deutsch, englisch)

Einige weitere Bilder aus dem Film

Einige Worte von Regisseur Wally Pfister zum Film

Etwas älter: DP/30 unterhält sich mit Wally Pfister über sein Leben und „Inception“

 


TV-Tipp für den 24. April: Ihr werdet euch noch wundern

April 24, 2014

WDR, 23.15
Ihr werdet euch noch wundern (Frankreich/Deutschland 2012, Regie: Alain Resnais)
Drehbuch: Alain Resnais (als Alex Reval), Laurent Herbiet
LV: Jean Anouilh: Eurydice, Cher Antoine ou l’amour raté
Nach seinem Tod treffen sich die Darsteller eine Eurydike-Inszenierung im Haus des verstorbenen Theaterregisseurs. Der bittet sie per Videobotschaft, anhand eines Probenmitschnitts über die Aufführung eines Theaterstückes zu entscheiden. Als die Schauspieler bemerken, dass es sich um den Mitschnitt einer ihrer Proben handelt, schlüpfen sie in ihre Rollen – und Alain Resnais liefert in seinem vorletzten Film eine Liebeserklärung an das Theater.
Alain Resnais („Hiroshima, mon amour“, „Letztes Jahr in Marienbad“, „Das Leben ist ein Chanson“) starb am 1. März 2014. Er wurde 91 Jahre alt . Sein letzter Film „Aimer, boire et chanter“ lief auf der diesjährigen Berlinale.
mit Mathieu Amalric, Pierre Arditi, Sabine Azéma, Jean-Noël Brouté, Anne Consigny, Anny Duperey, Hippolyte Girardot, Gérard Lartigau, Michel Piccoli, Denis Podalydès, Lambert Wilson
Hinweise
Film-Zeit über „Ihr werdet euch noch wundern“
Moviepilot über „Ihr werdet euch noch wundern“
Rotten Tomatoes über „Ihr werdet euch noch wundern“
Wikipedia über Alain Resnais und „Ihr werdet euch noch wundern“ (englisch, französisch)


„Killmousky“ – Frau Lewitscharoff schreibt einen „Kriminalroman“

April 23, 2014

So ein Krimi ist eine einfache Sache. Das dachte sich Sibylle Lewitscharoff wohl, als sie „Killmousky“ schrieb. Denn anstatt hoher Literatur, sollte es ein Kriminalroman werden.
Nun, es ist ein Monument des Scheiterns. Es ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie man einen Kriminalroman nicht schreiben soll. Aber wahrscheinlich kommt das heraus, wenn man das Genre verachtet und sich sein Wissen über das Genre aus Jugenderinnerungen irgendwo zwischen „Fünf Freunde“, Agatha Christie und Edgar Wallace, „Tatort“ und falsch verstandenem „Inspector Barnaby“ zusammenklaubt. Diese Krimiserie wird am Anfang des Werkes explizit erwähnt und sie markiert hier eine beachtliche Fallhöhe. Denn auch die schlechteste „Inspector Barnaby“-Episode ist besser als „Killmousky“.
Aber vergleichen wir nicht Äpfel (Film) mit Birnen (Buch). Allein schon die Lektüre und das Verstehen von einer Handvoll KrimiZeit-Bestenliste-Bücher hätte vieles verhindern können.
Das beginnt mit der Sprache. Denn „Killmousky“ ist erschreckend schlecht geschrieben, ungefähr auf dem Niveau einer vor sich hin babbelnden Hausfrau. Es sind Sätze, wie „Der Toast war inzwischen in ihm verschwunden. Die erste Tasse Kaffee getrunken. Er zündete sich eine Zigarette an. Vor der zweiten Tasse rauchte er immer eine Zigarette. Das würde er wahrscheinlich die nächsten Jahre beibehalten. Aber vielleicht änderten sich seine Gewohnheiten ab jetzt radikal. Er war ja nun gezwungen, ein ganz anderes Leben zu führen.“ (Seite 16)
Oder „In der Holzklasse gab es keine freien Plätze mehr. Die Maschine war ausgebucht.“ Auf den ersten Blick haben beide Sätze die gleiche Aussage. Weil Ellwanger dann in der ersten Klasse einen Platz erhält, ist der zweite Satz sogar falsch, aber genauso sinnfrei plappernd geht es wenige Zeilen später weiter: „Alsbald saß er da vergnügt als Hahn im Korb und ließ sich verwöhnen. So vorzüglich war er noch nie gereist. Der Beginn eines wunderbaren Abenteuers eben.“ (Seite 28)
Auf der nächsten Seite – keine Panik, ich höre gleich auf – geht es ähnlich verquast weiter: „Die Schlangen vor den Beamten, die die Dokumente überprüften, waren lang, aber es ging schneller als gedacht.“
„Kalt war’s. Die Passanten steckten in dicken Mänteln und trugen die Köpfe von Wollmützen bedeckt, die Hälse in Schals gemummelt. Zusammengescharrte Schneeberge am Straßenrand.“
Herrje, gibt es denn keine Schreibratgeber?
Denn das sind Sätze, die es noch nicht einmal in den ersten Entwurf eines gestandenen Krimiautoren geschafft hätten. Dass Lewitscharoff in ihren anderen Romanen mit ihrer Sprachgewalt beeindrucken soll, erscheint im Angesicht dieser Sätze wie eine böswillige Verleumdung. Gewaltig ist in „Killmousky“ höchstens die Unfähigkeit, sich präzise auszudrücken und mit Sprache eine Welt zu erschaffen, die mehr als die Kulisse eines letztrangigen Fünfziger-Jahre-Kolportage-Krimis ist.
Wahrscheinlich deshalb vermeidet die „Sprachvirtuosin“ auch die wörtliche Rede wie der Teufel das Weihwasser. Fast alle Gespräche reportiert sie brav in der indirekten Rede, was ungefähr so prickelnd zu lesen ist, wie ein Verhörprotokoll.
Die Geschichte ist ein erbärmlicher Wust, den höchstens Verächter „Kriminalroman“ nennen. Denn sogar ein blutiger Amateur würde zielgerichteter als Kommissar a. D. Richard Ellwanger ermitteln.
Also: Ellwanger soll herausfinden, ob Paul Larson seine Frau Victoria ermordete. Die New Yorker Polizei geht von Suizid aus, aber ihr stinkreicher, im Rollstuhl sitzender Vater Howard Clayton Trevillyan glaubt an Mord. Es besteht auch der Verdacht, dass Larson ein Schwindler ist, der aus Gerabronn kommt und Heiner Blaschke heißt. Nach einigen ziellosen Ermittlungen auf Long Island, inclusive einem Sprung ins Bett mit Victorias Schwester Catherine, reist Ellwanger zurück nach Deutschland, ermittelt hier ähnlich ziellos weiter, gibt sich ständig als Polizist aus, reist wieder zurück und – Hallelujah! – der Täter schnappt ihn und, bevor er Ellwanger ermordet, gesteht er ihm schnell noch alles.
Aber zum Glück taucht eine Frau mit Revolver und Schalldämpfer auf.
Wahrscheinlich ist eine Pistole gemeint. Denn Revolver (das sind die Dinger, die von den Cowboys in den Western benutzt werden) und Schalldämpfer sind eine sehr ungebräuchliche und auch nicht sonderlich sinnvolle Kombination. Aber in dem Moment ist eh alles egal.
Der Bösewicht Larson ist dabei ganz klar eine literarische Bearbeitung von Christian Gerhartsreiter, der als falscher Rockefeller in den USA reich heiratete und 2013 als Mörder verurteilt wurde. Der Hochstapler kam aus Siegsdorf, einem Dorf im Landkreis Traunstein in Bayern. Lewitscharoffs Hochstapler kommt aus einem anderen süddeutschen Dorf.
Die titelgebende Katze Killmousky ist das Haustier von Ellwanger und für die Geschichte vollkommen unwichtig, geht aber wohl als Selbstzitat durch. Siehe „Blumenberg“.
Und dann gibt es noch zwei Passagen, die Ellwanger zu einem rechtspopulistischem Law-and-Order-Befürworter und Saloon-Rassisten machen.
Denn das „Verhör-As“, „mit der höchsten Aufklärungsquote bei Schwerverbrechern in ganz Bayern, weit über Bayern hinaus“ (Seite 16) wurde aus dem Polizeidienst entlassen, weil er einen Verdächtigen bedrohte. Das reale Vorbild dafür ist natürlich der Fall Daschner. Auch bei Lewitscharoff ist der Verdächtige, ein arroganter Philosophie-Student, der Täter, Ellwanger drohte nur und die beiden Entführungsopfer konnten nicht gerettet werden. Die überhaupt nicht versteckte Botschaft ist: „Ja hätte der Bursche doch schon früher zugeschlagen, dann hätte er die Opfer retten können.“
Und auf Seite 157 wird Ellwanger flugs zum Rassisten: „Der Abend wurde noch munter. Sie zogen über dämliche Kollegen her, über dämliche Ehefrauen und die erzdämliche bayerische Bürokratie, auch über vollverschleierte Saudifrauen, Schlitzguckerinnen, die umgeben von einem Pulk Männer die Läden in der Maximilianstraße leer kauften. Ellwanger wurde richtig heiter und redete beschwingter als sonst.“
Beides ist für die Geschichte so überflüssig wie ein Kropf und die Sätze stehen nur deshalb im Roman, weil Lewitscharoff hier noch schnell eine ihr wichtige Botschaft unterbringen wollte. Vollkommen distanzlos und unreflektiert sagt sie, dass Folter und Rassismus okay sind. Georg Büchner und Heinrich von Kleist würden sich im Grab umdrehen.
„Killmousky“ ist eine Beleidigung für Genre-Liebhaber – und wahrscheinlich der schlechteste Roman, den ich dieses Jahr lesen werde.

Lewitscharoff - Killmousky

Sibylle Lewitscharoff: Killmousky
Suhrkamp, 2014
224 Seiten
19,95 Euro

Hinweise
Perlentaucher über „Killmousky“
Suhrkamp über Sibylle Lewitscharoff
Wikipedia über Sibylle Lewitscharoff

 

 


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