TV-Tipp für den 21. September: Million Dollar Baby

September 20, 2022

Kabel 1, 20.15

Million Dollar Baby (Million Dollar Baby, USA 2004)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Paul Haggis

LV: F. X. Toole: Million Dollar Baby (Kurzgeschichte, erschienen in „Rope Burns“, 2000, Neuauflage zum Filmstart unter „Million Dollar Baby – Stories from the Corner“)

Jetzt ist es endlich soweit. Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“ ist der TV-Tagestipp. Denn aus vollkommen schleierhaften Gründen gelang es mir in den vergangenen Jahren immer wieder, wenn dieser Film lief, einen anderen Film zum Tagestipp zu machen.

Sie ist zu alt für eine Boxkarriere und eine Frau. Das sind für den erfahrenen Boxcoach Frankie Dunn (Clint Eastwood) zwei gute Gründe, Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) nicht zu trainieren. Aber die Kellnerin ist hartnäckig. Frankie traniert sie dann doch. Sie siegt. Bis ein Schlag im Boxring alles verändert.

Einer von Clint Eastwoods besten Filmen.

Mit Clint Eastwood, Hilary Swank, Morgan Freeman, Jay Baruchel, Mike Colter, Lucia Rijker, Anthony Mackie, Michael Peña

Wiederholung: Donnerstag, 22. September, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Million Dollar Baby“

Wikipedia über „Million Dollar Baby“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Juli: Oblivion

Juli 2, 2022

Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag, Tom Cruise!

RTL II, 20.15

Oblivion (Oblivion, USA 2013)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Karl Gajdusek, Michael deBruyn (basierend auf der Graphic-Novel-Originalstory von Joseph Kosinski)

Nach dem Krieg gegen die Aliens verließen die Menschen die Erde. Nur einige Männer, wie Jack, sind als Reparaturtrupp für Alien-jagende Drohnen zurückgeblieben. Da stürzt ein Raumschiff mit einer Frau an Bord ab – und Jacks Leben gerät aus dem Ruder.

Optisch überzeugender SF-Film, bei dem man sein Gehirn nicht komplett abschalten sollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.45 Uhr gibt es ein Tom-Cruise-Porträt (von 2011) und um 23.20 Uhr „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ (USA 1996).

mit Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko, Andrea Riseborough, Nikolaj Coster-Waldau, Melissa Leo

Wiederholung: Montag, 4. Juli, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Oblivion“

Rotten Tomatoes über „Oblivion“

Wikipedia über „Oblivion“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (30. Dezember 2012)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (2. April 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „Oblivion“ (Oblivion, USA 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „No Way Out – Gegen die Flammen“ (Only the Brave, USA 2017)

Meine Besprechung von Joseph Kosinkis „Top Gun: Maverick“ (Top Gun: Maverick, USA 2022)


TV-Tipp für den 2. März: Erbarmungslos

März 1, 2022

Kabel 1, 23.20

Erbarmungslos (Unforgiven, USA 1992)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: David Webb Peoples

Wyoming, 1880: Als der ehemalige Revolverheld William Munny erfährt, dass die Huren von Big Whiskey ein Kopfgeld von 1000 Dollar auf zwei Cowboys aussetzten, die eine von ihnen verstümmelte, schnallt er wieder seinen Colt um. Denn er braucht das Geld für sich und seine beiden Kinder; – auch wenn er es mit zwei Gefährten teilen muss.

„‘Erbarmungslos’ ist offensichtlich ein feinfühlig gemachter und ausbalancierter Film, und, wenn man seine Einsichten in die menschliche Natur bedenkt, so düster, wie ein Genrefilm überhaupt nur sein kann. Aber er präsentiert sich nicht finster, was er teilweise seinen Autoren verdankt. (…) Abgesehen von ‘revisionistisch’ , war das von den Kritikern am häufigsten verwendete Wort ‘Meisterstück’.“ (Richard Schickel: Clint Eastwood – Eine Biographie)

„ein vorzüglicher Spätwestern, der wie seit Peckinpahs ‘The Wild Bunch’ nicht mehr verstört.“ (Fischer Film Almanach 1993)

„Erbarmungslos“ erhielt vier Oscars, unter anderem als bester Film. Clint Eastwood erhielt für seine Regie und sein Spiel zahlreiche Preise und Nominierungen.

Das Drehbuch war für den Edgar, Oscar, Golden Globe und WGA Award nominiert und erhielt von den Western Writers of America den Spur Award als bestes Western-Drehbuch.

Außerdem erhielt „Erbarmungslos“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards.

Bei Rotten Tomatoes liegt der Frischegrad für diesen Western bei 96 Prozent.

Auf einer 2008 veröffentlichten Liste der zehn besten Western setzte das American Film Institute „Erbarmunglos“ auf den vierten Platz.

Und 2013 gab es ein verdammt gelungenes japanisches Remake.

mit Clint Eastwood, Gene Hackman, Morgan Freeman, Richard Harris, Jaimz Woolvett, Saul Rubinek, Francis Fisher, Jeremy Ratchford

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Erbarmungslos”

Wikipedia über „Erbarmungslos“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Januar: Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel

Januar 12, 2022

Servus TV, 21.55

Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (Gone Baby Gone, USA 2007)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck, Aaron Stockard

LV: Dennis Lehane: Gone, Baby, Gone, 1998 (Kein Kinderspiel; später, aufgrund des Films „Gone Baby Gone“)

In Boston suchen die Privatdetektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro die spurlos verschwundene vierjährige Amanda.

Tolle Verfilmung eines tollen Privatdetektivkrimis. Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris, John Ashton, Amy Ryan

Wiederholung: Freitag, 14. Januar, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Gone Baby Gone“

Rotten Tomatoes über „Gone Baby Gone“

Wikipedia über “Gone Baby Gone” (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Thrilling Detective über Patrick Kenzie und Angela Gennaro

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks „Argo“ (Argo, USA 2012)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Candyman“, „Coup“, „Killer’s Bodyguard 2“, „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“, „Martin Eden“ – die Neustarts vom 26. August 2021, Teil 1

August 26, 2021

Zehn Film werde ich jetzt besprechen. Dabei starten heute sogar siebzehn Filme. Und nur einem Film wünsche ich eine möglichst kurze Zeit in den Kinos. Die anderen sind vielleicht nicht alle kommende Klassiker, manche sind auch zwiespältig oder nur für ein bestimmtes Publikum geeignet (Ja, Killer’s Bodyguard, du bist gemeint), aber doch, in dem Fall für die Zielgruppe, mindestens einen Blick wert.

Im ersten Teil bespreche ich „Candyman“, „Coup“, „Killer’s Bodyguard 2“, „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ und „Martin Eden“; im zweiten Teil „Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“, „Die Rote Kapelle“, „Sky Sharks“, „Tides“ und „Die Unbeugsamen“.

Beginnen wir in alphabetischer Reihenfolge mit dem Mann, der Süßigkeiten an kleine Kinder verteilt.

Candyman“ ist irgendetwas zwischen Remake, Reboot, Prequel und Weitererzählung von „Candyman’s Fluch“ (Candyman, USA 1992). In den ersten Minuten wird nämlich von einem Auftauchen des titelgebenden Candymans im Sommer 1977 in Chicago in der real existierenden Sozialwohnungssiedlung Cabrini-Green erzählt. Dann springt die Filmgeschichte in die Gegenwart. Cabrini-Green ist inzwischen gentrifiziert. In einem der neuen Nobelapartments wohnt der schwarze Künstler Anthony McCoy. Als er die Geschichte von Candyman hört, ist er fasziniert. Schnell beschließt er, dass er sich in seinem neuen Projekt mit diesem Candyman und seinen Taten in Cabrini-Green beschäftigen will. In dem Moment ahnt er noch nicht, dass er dabei auch dem titelgebenden Mann mit den Süßigkeiten begegnen wird. Denn er taucht immer dann auf, wenn man seinen Namen fünfmal in einen Spiegel sagt (Nein! Nicht ausprobieren!).

Jordan Peele („Get out“) produzierte und schrieb das Drehbuch für diese Neuinterpretation einer Großstadtlegende. Die Regie übernahm die 1989 in Brooklyn geborene Nia DaCosta. Ihr Spielfilmdebüt war „Little Woods“. Ihr nächster Film ist der Marvel-Film „The Marvels“.

Candyman“ überzeugt vor allem als fast schon hypnotisch langsam erzählter, ätzender Kommentar zu Gentrifizierung, Rassismus und männlichen Selbstzweifeln. Weil der Protagonist ein Künstler ist, sind diese Sellbstzweifel monströs und die Macher können auch einen sarkastischen Blick auf die Kunstszene werfen. In den Städten ist sie ein Treiber der Gentrifizierung und Anthonys neues Projekt lebt genau von diesem Zwiespalt: einerseits will er in seinem neuen Werk auf die Geschichte bekannter machen, andererseits beutet er sie für seine Karriere aus. Vor allem nachdem nach der Präsentation seiner Werke in einer Galerie ein bestialischer Doppelmord geschieht, steigt der Preis für seine Bilder rapide.

Die üblichen Horrormomente, also vor allem die brutalen und blutige Morde, werden meistens nicht gezeigt. Die Opfer schon. Traditionelle Jumpscares werden auch größtenteils vermieden. Stattdessen wird die Vergangenheit von Candyman im Stil eines Schattenspiels erzählt.

Insofern kann „Candyman“ als gelungene Wiederbelebung eines schon toten Horrorfilm-Franchises aus dezidiert afroamerikanischer Perspektive gesehen werden. Denn selbstverständlich gab es nach dem überraschenden Erfolg des ersten „Candyman“-Films weitere, schlechtere und unbekanntere „Candyman“-Filme.

Allerdings hatte ich auch den Eindruck, dass der „Candyman“-Mythos die Macher beim Erzählen ihrer Geschichte etwas hinderte. Schließlich mussten sie immer wieder auf die aus den vorherigen Filmen bekannte Großstadtlegende von dem Killer mit der Hakenhand, sein Schicksal und seine Taten verweisen, anstatt eine eigene urban legend zu erfinden.

Candyman (Candyman, USA 2021)

Regie: Nia DaCosta

Drehbuch: Jordan Peele, Win Rosenfeld, Nia DaCosta

mit Yahya Abdul-Mateen II, Teyonah Parris, Nathan Stewart-Jarrett, Colman Comingo, Kyle Kaminsky, Vanessa Williams, Brian King, Rebecca Spence, Tony Todd

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Candyman“

Metacritic über „Candyman“

Rotten Tomatoes über „Candyman“

Wikipedia über „Candyman“ (deutsch, englisch)

Auf den ersten Blick wirkt „Coup“ wie der nächste Versuch eines deutschen Genrefilms. Im Mittelpunkt der wahren Geschichte steht ein 22-jähriger Bankangestellter. Obwohl er nur lustlos arbeitet, hat er eine feste Anstellung und finanziell eigentlich ausgesorgt. Da entdeckt er eine Sicherheitslücke. Er nutzt sie aus und hat plötzlich mehrere Millionen Deutsche Mark. Zusammen mit seinem besten Freund, wie er ein Rocker, flüchtet er nach Australien. Dort geben sie das erbeutete Geld mit vollen Händen aus. Er möchte auch, dass seine große Liebe und ihr gemeinsames Kind nachkommen. Aber sie will nicht.

In seinem Regiedebüt erzählt Sven O. Hill diese Geschichte mit einem minimalen Budget und einem Mix aus Real- und Animationsfilm. Erzählt wird die Geschichte von dem Bankräuber, der sie Hill erzählte und der immer noch etwas fassungslos über seinen 1988 erfolgten Bankraub ist.

Das Problem dieser verfilmten wahren Geschichte ist dann die wahre Geschichte, die halt nicht den Hollywood-Drehbuchregeln folgt und deshalb etwas spannungs- und konfliktfrei ist. Denn brenzlig oder gefährlich wird es für für ihn nie.

Coup“ ist kein pulstreibendes Krimidrama, sondern eine Schnurre mit nett-verpeilten Hamburger Jungs und ein Blick in die bundesdeutsche Vergangenheit als eine Anstellung bei einer Bank eine krisensichere Arbeit bis zur Rente war.

Coup (Deutschland 2019)

Regie: Sven O. Hill

Drehbuch: Sven O. Hill

mit Daniel Michel, Rocko Schamoni, Tomasz Robak, Paula Kalenberg

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

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Filmportal über „Coup“

Moviepilot über „Coup“

Die Story von „Killers’s Bodyguard 2“, bzw. im Original mit „The Hitman’s Wife Bodyguard“ treffender betitelt, ist Unfug, der nur existiert, um exzessive Gewalt, Brachialhumor und ein gutgelauntes Ensemble im konstanten Overacting-Modus zusammem zu führen.

Diese Fortsetzung knüpft an „Killer’s Bodyguard“ an. In dem Überraschungserfolg musste der Top-Bodyguard Michael Bryce (Ryan Reynolds) den erfolgreichen Profikiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) lebendig von Coventry nach Den Haag bringen. Bei der Mission gab es Verletzte, Tote und erhebliche Schäden an Fahrzeugen und Gebäuden.

Jetzt ist Bryce immer noch todunglücklich über den Verlust seines Top-Ratings als Bodyguard (das gibt es in dieser Welt) und seiner Lizenz (auch das gibt es in dieser Welt). Als er sich auf Anraten seiner Therapeutin, die ihren therapieunfähigen Patienten unbedingt loswerden will, in einen Erholungsurlaub begibt, wird er von Sonia Kincaid (Salma Hayek), der Frau von Darius Kincaid, gefunden und sofort in ein riesiges Gefecht mit einer Hundertschaft schieß- und gewalttätiger Männer verwickelt. Während er unter keinen Umständen eine Waffe anrühren möchte, ballert sie wild drauflos.

Sie entkommen und stolpern gleich in die nächste Schlacht. Denn Sonia will unbedingt ihren von einem Mafiosi entführten Mann befreien und sie möchte Mutter werden (dabei ist sie die ungeeignetste Person dafür). Außerdem werden sie von dem echt harten, immer schlecht gelauntem Interpol-Agenten Bobby O’Neill (Frank Grillo), der unbedingt wieder zurück in die USA will, erpresst, den größenwahnsinnigen griechischen Cyberterroristen Aristoteles Papadopolous (Antonio Banderas) auszuschalten.

Die James-Bond-würdige Geschichte erhebt sich bei ihrer europäischen Sightseeing-Tour nie über das Niveau der Rollennamen. Da werden die Klischees munter aneinandergereiht und zitiert; in dem vollen Bewusstsein, dass jeder im Saal die Anspielungen versteht.

Und dann tritt auch noch Morgan Freeman als Quasi-Gott auf. Im Film ist das einer der wirklich überraschenden Momente. Wer allerdings einen Blick auf das Plakat geworfen hat, weiß, dass Morgan Freeman mitspielt.

In der richtigen Stimmung ist Buddy-Movie (oder Buddy-Buddy-Movie) „Killer’s Bodyguard 2“ ein spaßiger Film, sozusagen der räudige, sich schlecht benehmende, sein schlechtes Benehmen geniesende Bruder von „Free Guy“, ebenfalls mit Ryan Reynolds.

Killer’s Bodyguard 2 (The Hitman’s Wife Bodyguard, USA 2021)

Regie: Patrick Hughes

Drehbuch: Tom O’Connor

mit Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Salma Hayek, Antonio Banderas, Morgan Freeman, Frank Grillo, Caroline Goodall, Rebecca Front, Gabriella Wright, Alice McMillan,

Kristofer Kamiyasu, Tom Hopper

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Killer’s Bodyguard 2“

Metacritic über „Killer’s Bodyguard 2“

Rotten Tomatoes über „Killer’s Bodyguard 2“

Wikipedia über „Killer’s Bodyguard 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Patrick Hughes‘ „The Expendables 3“ (The Expendables, USA 2014)

Meine Besprechung von Patrick Hughes‘ „Killer’s Bodyguard“ (Hitman’s Bodyguard, USA 2017)

Bleiben wir in Italien. Aber während „Killer’s Bodyguard 2“ Italien nur für den Klischeetrip US-amerikanischer Prägung benutzt, taucht Franco Maresco in seinem neuen Film „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ tief in den sizilianischen Alltag ein.

Am 23. Mai 1992 und am 19. Juli 1992 verübte die Mafia Bombenattentate auf die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino. Die Attentate, bei denen auch mehrere Unbeteiligte starben, waren letztendlich auch das Ende der Mafia, wie wir sie aus unzähligen Filmen kennen.

25 Jahre später will Maresco in Palermo die Feiern zu ihrem Todestag aufnehmen. Dafür begleitet er die Fotografin Letizia Battaglia. Sie dokumentierte ab den Siebzigern die Morde der Mafiosi. Sein zweiter Protagonist ist der Party-Veranstalter Ciccio Mira, der mit vielen Künstlern eine Feier zu Ehren der beiden ermordeten Mafiajäger durchführen will. Seine an Peinlichkeit kaum zu überbietende Dorfkirmes-Veranstaltung mit untalentierten Amateurkünstlern lebt von dem Gegensatz zwischen der erklärten Absicht, Borsellino und Falcone zu ehren, und der Realität, in der die Veranstalter und die Künstler wortreich nicht erklären können, warum sie an der Veranstaltung teilnehmen wollen und sie sich nicht von der Mafia distanzieren wollen.

In seinem Dokumentarfilm bedient Maresco sich eines satirischen Ansatzes, bei dem immer unklar ist, wie sehr die einzelnen Szenen inszeniert sind. Denn er ist ein ausgesucht respektloser und penetranter Fragensteller. Trotzdem ertragen seine Interviewpartner ihn klaglos und höflich. Auch wernn er zum x-ten Mal von ihnen ein Bekenntnis gegen die Mafia hören will. Oder er den immer freundlichen, aber auch sehr halbseidenen Festivalveranstalter Mira ins Kreuzverhör nimmt und dieser wort- und gestenreich ausweicht.

Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ ist eine sehr italienische satirische Doku, die perfekt in kleine, schummerige Arthauskinos passt. Die Studentenkinos sind ja noch geschlossen.

Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war (La mafia non è più quella di una volta, Italien 2019)

Regie: Franco Maresco

Drehbuch: Franco Maresco, Claudia Uzzo, Francesco Guttuso, Giuliano La Franca, Uliano Greca

mit Letizia Battaglia, Ciccio Mira, Matteo Mannino, Christian Miscel, Franco Zecchin

Länge: 105 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Verleihseite zum Film

Moviepilot über „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“

Rotten Tomatoes über „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“

Wikipedia über „Die Mafia ist auch nicht mehr das, was sie mal war“ (englisch, italienisch)

Wir bleiben in Italien. „Martin Eden“ ist die freie Verfilmung von Jack Londons gleichamigem, autobiographisch inspiriertem Roman. Pietro Marcello verlegte die Geschichte in seinem Spielfilmdebüt in das Nachkriegsitalien des Neorealismus.

Wie Dominik Graf in seiner Erich-Kästner-Verfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ erstarrt Marcello nicht in Ehrfurcht vor der Vorlage. Er bebildert sie nicht, sondern eignet sie sich an, interpretiert und verändert sie; dabei benutzt er die filmischen Mittel, die ihm passen. Die Geschichte gewinnt eine zeitlose Qualität, die immer an eine unspezifische Vergangenheit und die große Zeit des italienischen Kinos erinnert.

Martin Eden ist ein ungebildeter Seemann und Landarbeiter. Er gehört zum Subproletariat. Als er im Hafen von Neapel die großbürgerliche Elena Orsini vor einigen Schlägern rettet, öffnet sich für ihn eine Tür in eine andere Welt. Er verliebt sich in sie und sie scheint auch etwas für ihn zu empfinden. Um sie zu beeindrucken, beginnt er hochliterarische Werke zu lesen und er möchte Schriftsteller werden.

Einer der wenigen Menschen, die an ihn glaubt ist der Bohemien und Sozalist Russ Brissenden. Er fragt sich aber auch, ob Eden erfolgreich sein kann, ohne sich zu verraten. Falls er überhaupt einen Text verkaufen kann.

Martin Eden (Martin Eden, Italien/Frankreich/Deutschland 2019)

Regie: Pietro Marcello

Drehbuch: Maurizio Braucci, Pietro Marcello

LV: Jack London: Martin Eden, 1909 (Martin Eden)

mit Luca Marinelli, Jessica Cressy, Denise Sardisco, Vincenzo Nemolato, Carmen Pommella, Elisabetta Volagoi, Marco Leonardi, Autilia Ranieri, Pietro Raguso, Carlo Cecchi

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Martin Eden“

Moviepilot über „Martin Eden“

Metacritic über „Martin Eden“

Rotten Tomatoes über „Martin Eden“

Wikipedia über „Martin Eden“ (deutsch, englisch, italienisch)


Neu im Kino; – schon jetzt, vor der großen Wiedereröffnung: „Freaky“, „Kings of Hollywood“, „No sudden move“, „Proxima – Die Astronautin“, „A quiet place 2“, „Chaos walking“, „Malasaña 32 – Haus des Bösen“

Juni 30, 2021

Langsam kommen die Kinos aus der langen Corona-Pause. In einigen Bundesländern dürfen sie, mit unterschiedlichen Regeln, schon länger öffnen. Auch hier in Berlin ist eine Öffnung möglich. Aber auch hier öffnen die meisten Kinos am 1. Juli, dem von den Verleihern schon länger anvisiertem Kinoneustart.

Dann kommen viele neue Filme in die Kinos. Unter anderem “Conjuring 3: Im Bann des Teufels”, “Godzilla vs. Kong” (auch in 3D und wirklich für die wirklich große Leinwand komponiert), “Monster Hunter” (auch in 3D, aber für nichts komponiert), “Nobody” (nicht John Wick), “Peter Hase 2 – Ein Hase macht sich vom Acker”, “Catweazle” (mit Otto Waalkes) und der Oscar-Gewinner “Nomadland” (Sehbefehl!).

Eine Woche später geht es mit “Black Widow” weiter und schon am 15. Juli läuft “Fast & Furios 9” an. Damit dürften genug Blockbuster, Actionkracher und Horrorfilme in den Kinos laufen, um das jugendliche Publikum wieder in geschlossene, dunkle Räume zu bringen.

Schon vor dem 1. Juli, vor allem diese und vorherige Woche, sind bereits einige Filme neu gestartet, die ich bereits gesehen habe (in einem Fall schon vor einem Jahr, aber ich musste Stillschweigen darüber bewahren) und die ich jetzt kurz besprechen werde. (Naja, das war der Plan, beim Schreiben kam dann doch die Lust mehr über dieser Filme zu schreiben.)

Zu den aktuell neu im Kino laufenden Filmen gehören (alphabetisch sortiert, zuerst die aktuelle Startwoche, dann die Woche davor):

Aufgrund eines uralten Fluchs tauscht der Serienmörder ‚Blissfield Butcher‘ seinen Körper mit Millie Kessler – und schon muss der Mörder damit zurechtkommen, dass er jetzt im Körper einer 17-jährigen Schülerin steckt. Und die Schülerin muss ihre Freunde überzeugen, dass sie nicht der gefürchtete und von allen gesuchte Serienmörder, sondern Millie ist. Und dass sie den Mörder möglichst schnell aufhalten und den Körpertausch innerhalb weniger Stunden rückgängig machen müssen.

Natürlich ist die Idee eines Körpertausches nicht wahnsinnig neu, aber Regisseur Christopher Landon („Happy Deathday“, „Paranormal Activity“) malt sie detailliert aus und geht höchst kreativ mit den Regeln des Slasher-Films um. Insofern hat “Freaky” etwas von einem “’Scream‘ für die zwanziger Jahre”. Nur halt praktisch ohne Meta-Dialoge über die Regeln des Genres. In “Freaky” werden sie angewandt. Mit kleinen Änderungen, wie dass hier die Gewalt durchgehend von Frauen ausgeht, vorehelicher Sex kein Grund zum Sterben ist und Millie und ihre Freunde, die in einem älteren Horrorfilm zu den ersten Opfern gehört hätten, hier die besten Überlebenschancen haben.

Soweit das in einer Welt gesagt werden kann, in der innerhalb der ersten Filmminuten der ‚Blissfield Butcher‘ gleich sechs Menschen – zwei Teenagerpärchen und die wohlhabenden Eltern von einem der Opfer – bestialisch ermordet und er zügig weitermordet. Dann im Körper von Millie (Kathryn Newton), die natürlich niemand für einen furchterregenden Schlachter hält. Verfolgt wird er dann von Millie, die jetzt in seinem Körper steckt. Der gut zwei Meter große Vince Vaughn hatte sichtlich seinen Spaß daran, ein verängstigtes Mädchen zu spielen, das plötzlich viel größer und kräftiger als früher ist.

Das ist, nicht nur am ‚Freitag, den 13.‘, ein Film für die große Leinwand. Nicht wegen der Bilder, sondern weil eine Horrorkomödie mit ihrer Mischung aus Angst und Lachen einfach in der Gruppe besser funktioniert.

Freaky (Freaky, USA 2020)

Regie: Christopher Landon

Drehbuch: Christopher Landon, Michael Kennedy

mit Vince Vaughn, Kathryn Newton, Celeste O’Connor, Misha Osherovich, Katie Finneran, Dana Drori, Uriah Shelton, Alan Ruck

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Freaky“

Metacritic über „Freaky“

Rotten Tomaotes über „Freaky“

Wikipedia über „Freaky“ (deutsch, englisch)


 

Nachdem Walter Creason (Zach Braff) zufällig bei Dreharbeiten den Tod des von ihm bewunderten Stars verursacht und der Produzent des Films dafür eine horrend hohe Schadenersatzsumme erhält, hat Creasons Geschäftspartner, der glücklose Hollywood-Filmproduzent Max Barber (Robert De Niro), eine grandiose Idee: bei seinem nächsten Film wird er schon am ersten Drehtag für den Tod des für eine unglaublich hohe Summe versicherten Stars sorgen und so ein Vermögen machen. Geld mit dem er seine Schulden bei dem filmbegeisterten Gangster Reggie Fontaine (Morgan Freeman) bezahlen kann. Barber kann Reggie sogar überzeugen, Geld in seinen neuen Film zu investieren. Als Hauptdarsteller engagiert er den suizidgefährdeten Western-Altstar Duke Montana (Tommy Lee Jones).

Kings of Hollywood”, ein 1974 spielendes Remake von Harry Hurwitz‘ fast unbekannter und ziemlich obskurer Komödie “The Comeback Trail” (USA 1982), gehört zu den Komödien, die sich über Hollywood lustig machen. In diesem Fall auch mit einem Blick auf eine aus heutiger Sicht sehr wilde und unbefangene Zeit, als mit wenig Geld, zwielichtigem Geschäftsgebaren (auf Produzentenseite), Enthusiasmus (wenn es sich um junge Filmfans handelte) und, damals immer gut für Aufmerksamkeit, etwas nackter Haut Filme gedreht wurden. Das sind auch die Filme, die Barber und Creason mit ihrer Produktionsfirma Miracle Motion Pictures auf den Markt werfen.

Und damit ist „Kings of Hollywood“ eine mit viel Hollywood-Nostalgie veredelte Parodie auf das Low-Budget-Filmgeschäft. Da sitzt nicht jeder Gag und die Story plätschert oft vor sich hin. Aber die spielfreudigen Stars machen das wett. Sie erinnern sich wahrscheinlich auch an einige damalige Dreharbeiten und Kinoabende, als das Plakat einen viel aufregenderen Film versprach als dann gezeigt wurde – und man das auch schon vorher ahnte.

Das ist nicht so gelungen, wie „Once upon a Time in Hollywood“ oder „Get Shorty“, aber absolut okay für einen verregneten Sommerabend.

Kings of Hollywood (The Comeback Trail, USA 2020)

Regie: George Gallo

Drehbuch: George Gallo, Josh Posner

mit Robert De Niro, Tommy Lee Jones, Morgan Freeman, Zach Braff, Emile Hirsch, Kate Katzman, Eddie Griffin

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Kings of Hollywood“

Metacritic über „Kings of Hollywood“

Rotten Tomatoes über „Kings of Hollywood“

Wikipedia über „Kings of Hollywood“ (deutsch, englisch)

Mit Don Cheadle, Benicio Del Toro, David Harbour, Ray Liotta, Jon Hamm, Brendan Fraser, Amy Seimetz, Kieran Culkin, Noah Jupe, Craig muMs Grant, Frankie Shaw, Bill Duke und Matt Damon ist auch Steven Soderberghs neuer Film, der Noir „No sudden move“ grandios besetzt. Und er dürfte jetzt viel zu sang- und klanglos untergehen.

Die Geschichte spielt 1954 in Detroit. Curt Goynes (Don Cheadle) und einige weitere Kleingangster werden für einen scheinbar kinderleichten Diebstahl engagiert. Der geht dann doch sehr schnell schief und plötzlich sind sie in einer Geschichte, in der, wie in „Der Malteser-Falke“, viele Menschen mit höchst unlauteren Motiven unbedingt ein äußerst wertvolles Dokument haben wollen. Jeder umgebracht werden kann. Und selbstverständlich alle, also die Verbrecher, die Polizisten, die Beklauten, die Auftraggeber, zahlreiche mit den Männern amourös verbandelte Frauen, und damit ungefähr die halbe Autostadt, in meist höchst halbseidenen Beziehungen zueinander stehen, sich betrügen und ermorden.

Drehbuchautor Ed Solomon hat so etwas, allerdings wesentlich humorvoller, schon in den beiden „Now you see me“-Filmen, erzählt.

Hier, in „No sudden move“, stehen alle Zeichen auf Noir mit einer kleinen Prise Coen-Brothers. Für Genrejunkies also ein Fest, das, so meine Befürchtung, viel zu kurz im Kino laufen wird.

Aber vielleicht wird „No sudden move“, wie Soderberghs letzter Detroit-Film, die Elmore-Leonard-Verfilmung „Out of sight“, mit der Zeit ein immer wieder gern gesehener Klassiker. Beim wiederholten Sehen versteht man vielleicht auch die Handlung besser. Oder, um schnell noch einen anderen Noir-Klassiker zu nennen, man lässt sich, wie in „Tote schlafen fest“, einfach durch die Geschichte treiben.

No sudden move (No sudden move, USA 2021

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Ed Solomon

mit Don Cheadle, Benicio Del Toro, David Harbour, Ray Liotta, Jon Hamm, Amy Seimetz, Brendan Fraser, Kieran Culkin, Noah Jupe, Craig muMs Grant, Julia Fox, Frankie Shaw, Bill Duke, Matt Damon

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „No sudden move“

Metacritic über „No sudden move“

Rotten Tomatoes über „No sudden move“

Wikipedia über „No sudden move“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Logan Lucky“ (Logan Lucky, USA 2017) und der DVD

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Unsane: Ausgeliefert“ (Unsane, USA 2018)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Sarah Loreau (Eva Green) erhält die Zusage, dass sie für die einjährige Weltraummission Proxima ausgewählt wurde. Wenn sie die Vorbereitungen für den Flug erfolgreich absolviert, wäre sie die erste Frau, die den Mars erforscht. Damit ginge für sie ein Traum in Erfüllung.

Alice Winocour beschreibt in ihrem neuen Film „Proxima: Die Astronautin“ diese Vorbereitungen auf den Weltraumflug. Zuerst bei der ESA in Köln. Später, in dem einsam gelegenem Ausbildungsstützpunkt Star City in der Nähe von Moskau, lernt sie beim gemeinsamen Training die Männer kennen, die mit ihr in den Weltraum fliegen sollen.

Allerdings hat Sarah ein Problem, das ihre Kollegen nicht haben. Sie ist eine geschiedene Mutter und sie hadert damit, ihre kleine Tochter Stella zurückzulassen.

Damit steht die Frage, wie Sarah sich entscheidet im Mittelpunkt. Also ob sie ihren größten Wunsch, die erste Frau auf dem Mars zu sein, weiter verfolgt oder ob sie bei ihrer Tochter bleibt. Es ist eine Entscheidung, vor der ihre männlichen Kollegen, wie Mike Shanon (Matt Dillon), nicht stehen. Sie lassen ihre Kinder einfach bei ihren Frauen zurück.

Diesen Konflikt dramatisiert Winocour nur in wenigen Szenen. Stattdessen steht das minutiös geschilderte, vor Ort gedrehte Training für den Flug im Vordergrund. Dieses Training wird von wenigen Begegnungen mit ihrer Tochter und ihrem Ex-Mann in Star City und, später, am Raketenstartplatz in Baikonur unterbrochen.

Dann verhält Sarah sich immer wieder erschreckend unprofessionell. Sie bricht Regeln. Sie gefährdet damit ihren Flug und, im schlimmsten Fall, sogar die gesamte Mission. In diesen Momenten wird der Film zu einem fast schon „Herzino“-würdigem Drama über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Das wäre Neil Armstrong, wie wir in Damien Chazelles Biopic „Aufbruch zum Mond (First Man, USA 2018) gesehen haben, nicht passiert.

Ryūichi Sakamoto schrieb die Musik.

Proxima: Die Astronautin (Proxima, Frankreich/Deutschland 2020)

Regie: Alice Winocour

Drehbuch: Alice Winocour, Jean-Stéphane Bron

mit Eva Green, Lars Eidinger, Matt Dillon, Sandra Hüller, Zélie Boulant-Lemesle, Aleksey Fateev

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Proxima: Die Astronautin“

Moviepilot über „Proxima: Die Astronautin“

Metacritic über „Proxima: Die Astronautin“

Rotten Tomatoes über „Proxima: Die Astronautin“

Wikipedia über „Proxima: Die Astronautin“ (deutsch, englisch, französisch)

Wir erinnern uns: 2018 kam ein kleiner Sci-Fi-Horrorfilm in die Kinos, der es schaffte, dass es in den Kinos totenstill wurde. Der Film über die Aliens, die schonungslos alles töten, was Geräusche verursacht, und die auf einer Farm lebende Familie Abbott, die versucht zu überleben indem sie still, also wirklich richtig still, ist, war an der Kinokasse ein Überraschungshit.

John Krasinski, der ursprünglich überhaupt nicht an eine Fortsetzung gedacht hat, war dann doch schnell von einer Fortsetzung überzeugt und es soll weitere Filme geben. In den USA, wo „A quiet Place 2“ schon seit einigen Tagen läuft, ist der Film ein Hit. Aktuell sind ein dritter „A quiet Place“-Film von Krasinski, der dann der Abschluss einer Trilogie wäre, und ein Spin-off-Film von Jeff Nichols („Loving“) geplant.

In „A quiet Place 2“, der ursprünglich schon vor über einem Jahr, am 19. März 2020, anlaufen sollte, erzählt Krasinski dann, was vor und nach „A quiet Place“ pasiert. Kurz schildert er wie die Alien-Invasion während eines Baseball-Spiels an einem sonnigen Nachmittag in der Provinz beginnt. Im Mittelpunkt steht hier eine äußerst beeindruckend inszenierte Szene von dem Alien-Angriff. Der längere Teil des Films beschäftigt sich mit den Ereignissen nach dem Tod von Lee Abbott (John Krasinski). Seine Frau Evelyn (Emily Blunt) verlässt mit ihren Kindern Regan (Millicent Simmonds), Marcus (Noah Jupe) und ihrem Baby die Farm. Sie suchen andere Überlebende und einen sicheren Ort.

Damit ist „A quiet Place 2“ eine Reiseerzählung, deren primäres Ziel es ist, seine Figuren von einem Ort zu einem anderen Ort zu bewegen. Das tut er äußerst spannend; – auch wenn die Prämisse eine dieser Prämissen ist, über die nicht zu genau nachgedacht werden sollte und ich Emily Blunt bewunderte, die barfuß durch die Wildnis schleicht. Ich hätte da schon nach fünf Minuten einen wahren Veitstanz aufgeführt – und wäre Alienfutter geworden.

A quiet Place 2 (A Quiet Place: Part II, USA 2021)

Regie: John Krasinski

Drehbuch: John Krasinski

mit Emily Blunt, Millicent Simmonds, Noah Jupe, Cillian Murphy, Wayne Duvall, Djimon Hounsou, John Krasinski

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „A quiet Place 2“

Metacritic über „A quiet Place 2“

Rotten Tomatoes über „A quiet Place 2“

Wikipedia über „A quiet Place 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Krasinskis „A quiet Place“ (A quiet Place, USA 2018)

Im Jahr 2257 wird eine Sonde auf den Planeten New World geschickt, zu dem vor einigen Jahren der Kontakt abgebrochen ist. Niemand weiß, was seitdem auf New World passiert ist.

Auf dem Planeten etablierte sich eine Wild-West-Zivilisation mit einigen wenigen modernen Gegenständen und der Besonderheit, dass Männer die Gedanken von anderen Männern, den sogenannten „Lärm“, lesen können. Frauen gibt es nicht mehr. Sie wurden, so wird gesagt, von den einer auf dem Planeten lebenden Alien-Spezies, den Spackle, getötet.

Beim Eintritt in den Orbit wird die Sonde zerstört. Nur Viola (Daisy Ridley) überlebt die Bruchlandung. Sie wird von Todd Hewitt (Tom Holland) entdeckt. Der Junge lebt bei den Farmern Ben und Cillian. Über das Gebiet herrscht Mayor Prentiss, ein typischer Wild-West-Despot. Er nimmt Viola gefangen. Aber sie kann schnell flüchten und gemeinsam mit Todd, der in sie verliebt ist und die Gegend kennt, macht sie sich auf den Weg nach Farbranch. Dabei werden sie von dem Mayor und seinen Schergen gejagt.

Als der Film 2017 gedreht wurde, war er sicher als Start einer weiteren Young-Adult-Dystopie im Fahrwasser der kommerziell sehr erfolgreichen “Tribute von Panem” gedacht. Auch “Chaos Walking” basiert auf einer erfolgreichen, auch ins Deutsche übersetzten Romantrilogie. Patrick Ness hat sie geschrieben.

Mit Doug Liman wurde ein Regisseur gefunden, der mit „Die Bourne Identität“ und „Edge of Tomorrow“ bereits sein Talent für Action und Science-Fiction bewies. Und trotzdem ging genug schief, um einen 15 Millionen teuren Nachdreh mit einem anderen Regisseur zu rechtfertigen. „Don’t Breathe“-Regiseur Fede Álvarez übernahm die Aufgabe. Danach kam es, auch wegen der Coronavirus-Pandemie, zu mehreren Verschiebungen des Starttermins. Inzwischen ist die Zeit der Young-Adult-Filmdystopien vorbei und auch „Chaos Walking“ wird daran nichts ändern.

Limans Science-Fiction-Abenteuerfilm für Jugendliche funktioniert am Besten, wenn man die Geschichte einfach als altbekannte Westerngeschichte goutiert mit weißen Siedlern, einem verbrecherischem Bürgermeister, bösen Angreifern (ob gesichtslose Aliens oder Indianer ist einerlei) und einer Hatz durch die Wildnis. Zuerst zur geheimnisumwitterten Siedlung Farbranch, dann zu einer Sendeanlage, von der aus Viola die Menschen, die sie auf die gefährliche Mission schickten, über die Situation auf New World informieren kann.

Die Spielerei mit den hör- und als Wolke sichtbaren Gedanken, dem ‚Lärm‘, bringt die Geschichte nicht wirklich voran. Stattdessen nervt der banale Gedankenstrom von Todd Hewitt. Meistens wiederholt er immer wieder seinen Namen. So kann er seine wahren Gedanken verbergen. Mal handelt es sich dabei um Violas Versteck, das er dem Mayor und seinen Schergen nicht verraten will. Mal um seine höchst eindeutigen Gedanken gegenüber Viola (Na, was glaubt ihr, an was ein junger Mann denkt, wenn er eine junge, gutaussehende Frau sieht? Mein Name ist…).

Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist, wie in anderen Young-Adult-Dystopien, nicht wirklich überzeugend. So wird nie erklärt, warum Raumfahrer und Siedler in der Zukunft schwuppdiwupp in die Wild-West-Vergangenheit (oder noch etwas weiter in die Vergangenheit) zurückfallen. Es wird auch nicht erklärt, warum die Männer so sorglos vor sich hin das Land bestellen. Denn ohne Frauen oder moderne Technik ist ziemlich offensichtlich, wann die Menschheit auf New World ihr Ende findet. Und es wird in einem Satz erklärt, warum vor einigen Jahren die Frauen sterben mussten. Besonders überzeugend ist die Erklärung nicht. Das alles erklärt Patrick Ness vielleicht in den nächsten beiden „Chaos Walking“-Büchern. Im Film wird nichts davon erklärt und auch keines der angesprochenen Themen vertieft. Es geht halt nur darum dass Todd und Viola, beide mit möglichst ausdruckslosem Gesicht, durch die Wälder gehen. Und wir erfahren, dass Viola gut Motorrad fahren kann. Warum wissen wir nicht. Wir wissen am Ende des Films auch nicht, warum sie für diese Mission ausgewählt wurde.

Als Film ist “Chaos Walking” ein weiteres Young-Adult-Franchise, das Dead on arrival ist. Sogar fanatische Daisy-Ridley- und Tom-Holland-Fans dürften enttäuscht sein.

Chaos Walking (Chaos Walking, USA 2021)

Regie: Doug Liman

Drehbuch: Patrick Ness, Christopher Ford

LV: Patrick Ness: The Knife of Never Letting Go, 2008 (New World – Die Flucht)

mit Tom Holland, Daisy Ridley, Mads Mikkelsen, Nick Jonas, Demián Bichir, David Oyelowo, Kurt Sutter, Cynthia Erivo, Bethany Anne Lind

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Chaos Walking“

Metacritic über „Chaos Walking“

Rotten Tomatoes über „Chaos Walking“

Wikipedia über „Chaos Walking“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Doug Limans „Edge of Tomorrow“ (Edge of Tomorrow, USA 2014) und der DVD

Meine Besprechung von Doug Limans „Barry Seal – Only in America“ (American Made, USA 2017)

Zum Abschluss meines kleinen Überblicks (Das war der grandios gescheiterte Plan.): ein weiterer Horrorfillm. Dieses Mal aus Spanien und beruhend auf wahren Begenheiten.

1976, in den letzten Tagen der Franco-Diktatur, ziehen die Olmedos aus der Provinz nach Madrid. Die Familie hofft, dass ihnen hier ein Neustart gelingt. Candela, die Mutter der Kinder, und Manolo, ihr Schwager, hoffen, dass ihre Beziehung in der Großstadt besser als auf dem Dorf akzeptiert wird.

Kaum sind sie in die große Wohnung eingezogen, erfahren sie, dass in dem Haus seltsame Dinge vor sich gehen. Es ist, als ob ein Dämon sie töten wolle. Besonders abgesehen hat er es auf Amparo, die fast erwachsene Tochter der Olmedos.

Albert Pintós Horrorfilm „Malasaña 32 – Haus des Bösen“ ist ein weiterer Geisterhorrorfilm, der seine Geschichte gelungen mit einer bestimmten Zeit und einem Ort verknüpft. Franco-Diktatur und Katholizismus mögen hier als Stichworte genügen. Weil Pintó sich mehr auf Suspense als auf Jumpscares konzentriert, entfaltet sich der Schrecken langsam. Die Schreckmomente für ein schreckhaftes Publikum entstehen dann vor allem über die Tonspur.

Malasaña 32 – Haus des Bösen (Malasaña 32, Spanien 2020)

Regie: Albert Pintó

Drehbuch: Ramón Campos, Gema R. Neira, David Orea, Salvador S. Molina

mit Begoña Vargas, Sergio Castellanos, Bea Segura, Concha Velasco, Iván Marcos, María Ballesteros, Javier Botet,Jose Luis de Madariaga

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Malasaña 32 – Haus des Bösen“

Rotten Tomatoes über „Malasaña 32 – Haus des Bösen“

Wikipedia über „Malasaña 32 – Haus des Bösen


TV-Tipp für den 15. Oktober: Oblivion

Oktober 14, 2020

Vox, 20.15

Oblivion (Oblivion, USA 2013)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Karl Gajdusek, Michael deBruyn (basierend auf der Graphic-Novel-Originalstory von Joseph Kosinski)

Nach dem Krieg gegen die Aliens verließen die Menschen die Erde. Nur einige Männer, wie Jack, sind als Reparaturtrupp für Alien-jagende Drohnen zurückgeblieben. Da stürzt ein Raumschiff mit einer Frau an Bord ab – und Jacks Leben gerät aus dem Ruder.

Optisch überzeugender SF-Film, bei dem man sein Gehirn nicht komplett abschalten sollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko, Andrea Riseborough, Nikolaj Coster-Waldau, Melissa Leo

Wiederholung: Samstag, 17. Oktober, 22.10 Uhr

Hinweise

Metacritic über „Oblivion“

Rotten Tomatoes über „Oblivion“

Wikipedia über „Oblivion“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (30. Dezember 2012)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (2. April 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „Oblivion“ (Oblivion, USA 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „No Way Out – Gegen die Flammen“ (Only the Brave, USA 2017)


TV-Tipp für den 2. Juni: Space Cowboys/Die Clint Eastwood Story/Erbarmungslos

Juni 1, 2020

Und noch ein Abend mit Clint Eastwood

Kabel 1, 20.15

Space Cowboys (Space Cowboys, USA 2000)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Ken Kaufman, Howard Klausner

Wenn 1958 nicht ein Affe ins All geschossen worden wäre, wären Frank Corvin und sein Team die ersten Lebewesen im All gewesen. Jetzt droht ein russischer Satellit (ausgestattet mit geklauter Ami-Technik) abzustürzen und nur Corvin und seine Jungs kennen noch die alte Technik. Sie sollen nun die jungen Spunde beraten, aber das hindert Corvin und die anderen nicht daran, mit allen Mitteln zu versuchen, endlich ihren Jugendtraum vom Weltraumflug zu verwirklichen.

Köstlich entspannte Komödie von Clint Eastwood mit einer All-Star-Besetzung, die damals uralt erschien (Clint Eastwood, geb. 1930, Donald Sutherland, geb. 1935, James Garner, geb. 1928, Tommy Lee Jones, geb. 1946). Heute nicht mehr so sehr.

mit Clint Eastwood, Tommy Lee Jones, James Garner, Donald Sutherland, James Cromwell, Marcia Gay Harden, William Devane, Courtney B. Vance, Rade Serbedzija, Jay Leno (als er selbst)

Wiederholung: Mittwoch, 3. Juni, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Space Cowboys“

Wikipedia über „Space Cowboys“ (deutsch, englisch)

Kabel 1, 22.45

Die Clint Eastwood Story (Deutschland 2018)

Mit Werbung einstündiges Porträt des Regisseurs von „Begegnung am Vormittag“.

Wiederholung: Mittwoch, 3. Juni, 04.20 Uhr (Taggenau!)

Kabel 1, 23.50

Erbarmungslos (Unforgiven, USA 1992)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: David Webb Peoples

Wyoming, 1880: Als der ehemalige Revolverheld William Munny erfährt, dass die Huren von Big Whiskey ein Kopfgeld von 1000 Dollar auf zwei Cowboys aussetzten, die eine von ihnen verstümmelte, schnallt er wieder seinen Colt um. Denn er braucht das Geld für sich und seine beiden Kinder; – auch wenn er es mit zwei Gefährten teilen muss.

„‘Erbarmungslos’ ist offensichtlich ein feinfühlig gemachter und ausbalancierter Film, und, wenn man seine Einsichten in die menschliche Natur bedenkt, so düster, wie ein Genrefilm überhaupt nur sein kann. Aber er präsentiert sich nicht finster, was er teilweise seinen Autoren verdankt. (…) Abgesehen von ‘revisionistisch’ , war das von den Kritikern am häufigsten verwendete Wort ‘Meisterstück’.“ (Richard Schickel: Clint Eastwood – Eine Biographie)

„ein vorzüglicher Spätwestern, der wie seit Peckinpahs ‘The Wild Bunch’ nicht mehr verstört.“ (Fischer Film Almanach 1993)

„Erbarmungslos“ erhielt vier Oscars, unter anderem als bester Film. Clint Eastwood erhielt für seine Regie und sein Spiel zahlreiche Preise und Nominierungen.

Das Drehbuch war für den Edgar, Oscar, Golden Globe und WGA Award nominiert und erhielt von den Western Writers of America den Spur Award als bestes Western-Drehbuch.

Außerdem erhielt „Erbarmungslos“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards.

Bei Rotten Tomatoes liegt der Frischegrad für diesen Western bei 96 Prozent.

Auf einer 2008 veröffentlichten Liste der zehn besten Western setzte das American Film Institute „Erbarmunglos“ auf den vierten Platz.

Und 2013 gab es ein verdammt gelungenes japanisches Remake.

mit Clint Eastwood, Gene Hackman, Morgan Freeman, Richard Harris, Jaimz Woolvett, Saul Rubinek, Francis Fisher, Jeremy Ratchford

Zum Lesen (ausführliche Besprechung in Arbeit)

Kai Bliesener: Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften

Schüren, 2020

232 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Erbarmungslos”

Wikipedia über „Erbarmungslos“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples (Production Draft Sript, 23. April 1984)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. Oktober: Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel

Oktober 15, 2019

ZDFneo, 23.15

Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (Gone Baby Gone, USA 2007)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck, Aaron Stockard

LV: Dennis Lehane: Gone, Baby, Gone, 1998 (Kein Kinderspiel; später, aufgrund des Films „Gone Baby Gone“)

In Boston suchen die Privatdetektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro die spurlos verschwundene vierjährige Amanda.

Tolle Verfilmung eines tollen Privatdetektivkrimis. Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris, John Ashton, Amy Ryan

Hinweise

Metacritic über „Gone Baby Gone“

Rotten Tomatoes über „Gone Baby Gone“

Wikipedia über “Gone Baby Gone” (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Thrilling Detective über Patrick Kenzie und Angela Gennaro

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks „Argo“ (Argo, USA 2012)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Angel has fallen“ und Mike Banning muss schon wieder den US-Präsidenten vor Attentätern schützen

August 29, 2019

Mike Banning, der gefährlichste Bodyguard für den US-Präsidenten, ist zurück. Schon in „Olympus has fallen“ und „London has fallen“ wurden während seiner Arbeitszeit Anschläge auf den Präsidenten verübt. Es kam zu massiven, ganze Innenstädte verwüstenden Kollateralschäden. Aber Banning rettete den Präsidenten.

In „Angel has fallen“ ist der aus den vorherigen Filmen in anderen Positionen arbeitende Allan Trumbull (Morgan Freeman) zum Präsidenten der USA aufgestiegen. Aufgrund der Ereignisse in den vorherigen Filmen hat Trumbull ein fast schon freundschaftliches Verhältnis zu dem Secret-Service-Agenten Banning (Gerard Butler). Banning kämpft inzwischen zwar mit gesundheitlichen Problemen. Aber er kann bei einer Übung auf einem Trainingsgelände seines Freundes Wade Jennings (Danny Huston), den Chef einer privaten Militärfirma, immer noch dessen Männer im Dutzend ausschalten.

Gegen einen Drohnenangriff, der kurz darauf auf einem selbstverständlich gut geschützten Landsitz des Präsidenten auf den Präsidenten verübt wird, ist Banning machtlos. Seine Männer werden von den Drohnen, die wie ein Schwarm Steckmücken über sie herfallen, massakriert. Nur Banning und Trumbull überleben schwer verletzt den Anschlag.

Als Banning im Krankenhaus aufwacht, erfährt er, dass seine Kollegen ihn für den Anschlag verantwortlich machen. Und schon ist der Mann, der mehrmals das Leben des Präsidenten rettete, als Attentäter angeklagt. Wenige Minuten später ist er ein Mann auf der Flucht, der herausfinden will, wer ihn als Attentäter sehen will.

In dieser Situation kann Banning nur einem Mann vertrauen: seinem Vater, den er seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat. Denn der Vietnamveteran Clay Banning (Nick Nolte) lebt seit Jahrzehnten als Einsiedler am Rand der Zivilisation.

Angel has fallen“ ist eine Actionsause, die mit Auftritten bekannter Schauspieler punktet, während die einfache Geschichte sich nicht um Logik und Plausibilität bemüht.

Stattdessen scheinen die Bösewichter vor allem an möglichst spektakulären Aktionen interessiert zu sein. Warum sollte man den Präsidenten bei einem gezielten Anschlag töten, wenn man stattdessen gleichzeitig den halben Secret-Service töten und ein großes Waldgrundstück abfackeln kann? Warum soll man einen chirurgischen Anschlag verüben, wenn man stattdessen das ganze Krankenhaus in die Luft jagen kann? Und wenn man schon dabei ist, kann man das Gebiet um das Krankenhaus gleich in ein innerstädtisches Kriegsgebiet verwandeln.

Auch der Plan der Bösewichter aus dem gefeierten Bodyguard Banning den Attentäter Banning zu machen, ist Unfug. Denn bei dem Attentat überleben zwei Personen: Banning, der „Attentäter“, und Trumbull, das Opfer.

Während Banning noch von seinen ehemaligen Kollegen gejagt wird, weiß der Zuschauer schon, wer für die Attentate verantwortlich ist und auch wer der große unbekannte Drahtzieher ist.

Damit liefert „Angel has fallen“ ziemlich genau das, was man von den vorherigen beiden Banning-Filmen erwartet: gut besetzte, grob geschnitzte, bodenständige Action.

Dass dabei nach Antoine Fuqua und Babak Najafi jetzt Ric Roman Waugh die Regie übernommen hat, fällt nicht weiter auf.

In den USA belegte der Film an seinem Startwochenende mit großem Abstand den esten Platz der Kinocharts. Damit dürfte ein weiterer Film mit dem Bodyguard, der Präsidenten in Lebensgefahr bringt, um sie anschließend zu retten, beschlossen sein. Auch wenn es vor dem Filmstart hieß, das sei der letzte Film der Serie und im Film immer wieder auf Bannings körperliche Gebrechen hingewiesen wird und er einen Bürojob bekommen soll. Für Banning, der wahrscheinlich noch als rollstuhlfahrender, blinder und tauber Großvater Präsidenten beschützt, eine unvorstellbare Vorstellung.

Angel has fallen (Angel has fallen, USA 2019)

Regie: Ric Roman Waugh

Drehbuch: Ric Roman Waugh, Robert Mark Kamen, Matt Cook, Creighton Rothenberger, Katrin Benedikt

mit Gerard Butler, Morgan Freeman, Danny Huston, Nick Nolte, Lance Reddick, Jada Pinkett Smith, Piper Perabo, Tim Blake Nelson

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Angel has fallen“

Metacritic über „Angel has fallen“

Rotten Tomatoes über „Angel has fallen“

Wikipedia über „Angel has fallen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ric Roman Waughs „Snitch – Ein riskanter Deal“ (Snitch, USA 2013)


TV-Tipp für den 27. Juli: Transcendence

Juli 26, 2019

Pro7, 20.15

Transcendence (Transcendence, USA 2014)

Regie: Wally Pfister

Drehbuch: Jack Paglen

Der visionäre KI-Forscher Will Caster wird von militanten Technikfeinden erschossen. Casters Frau überträgt das gesamte Bewusstsein ihres Mannes in einen riesigen Server. Und das ist keine gute Idee.

Optisch überzeugender, an seinen Ambitionen gescheiterter Science-Fiction-Film. Kein Meisterwerk, aber an einem lauen Sommerabend definitiv einen Blick wert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit Gesprächen mit Christopher-Nolan-Kameramann Wally Pfister).

mit Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Morgan Freeman, Kate Mara, Cillian Murphy, Clifton Collins Jr., Cole Hauser, Xander Berkeley, Lukas Haas, Wallace Langham

Wiederholung: Sonntag, 28. Juli, 15.45 Uhr

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Moviepilot über „Transcendence“
Metacritic über „Transcendence“
Rotten Tomatoes über „Transcendence“
Wikipedia über „Transcendence“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wally Pfisters „Transcendence“ (Transcendence, USA 2014)


TV-Tipp für den 19. April: Die Verurteilten

April 19, 2019

Weil „Das Leben des Brian“ erst am Ostermontag gezeigt wird (RTL II um 20.15 Uhr) und das ZDF die TV-Premiere von „Trumbo“ um 00.25 Uhr (oder später) versendet

Vox, 20.15

Die Verurteilten (The Shawshank Redemption, USA 1994)

Regie: Frank Darabont

Drehbuch: Frank Darabont

LV: Stephen King: Rita Hayworth and the Shawshank Redemption, in Different Seasons, 1982 (Pin up; Die Verurteilten in „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“; einer Sammlung von vier Novellen)

Ein unschuldig verurteilter Bankmanager flüchtet nach jahrelanger Kleinarbeit aus dem Gefängnis.

Eindrucksvolles Gefängnisdrama, das beim Kinostart nicht als „Stephen-King-Film“ beworben wurde. Zu Recht, denn damals stand Kings Name fast ausschließlich für minderwertige Horrorfilme.
„Die Verurteilten“ ist inzwischen ein äußerst beliebter und erfolgreicher Film. In dem All-Time-Great-Ranking der Internet Movie Database steht er derzeit auf Platz 1; – was einen dann doch etwas an dieser Liste zweifeln lassen kanne. Auch wenn der zweite und dritte Platz von „Der Pate“ und „Der Pate 2“ belegt werden.

Mit Tim Robbins, Morgan Freeman, Bob Gunton, William Sadler, Clancy Brown, Gil Bellows, Mark Rolston, James Whitmore, Jude Ciccolella

Wiederholung: Sonntag, 21. April, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Verurteilten“

Wikipedia über „Die Verurteilten“ (deutsch, englisch)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis Stephen-King-Verfilmung „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, 1983) und Kevin Kölsch/Dennis Widmyers Romanverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, USA 2019)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour


TV-Tipp für den 10. November (+ Buchtipp): Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel

November 10, 2018

ZDFneo, 22.00

Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (Gone Baby Gone, USA 2007)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck, Aaron Stockard

LV: Dennis Lehane: Gone, Baby, Gone, 1998 (Kein Kinderspiel; später, aufgrund des Films „Gone Baby Gone“)

In Boston suchen die Privatdetektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro die spurlos verschwundene vierjährige Amanda.

Tolle Verfilmung eines tollen Privatdetektivkrimis. Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris, John Ashton, Amy Ryan

Wiederholung: Sonntag, 11. November, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Gone Baby Gone“

Rotten Tomatoes über „Gone Baby Gone“

Wikipedia über “Gone Baby Gone” (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Thrilling Detective über Patrick Kenzie und Angela Gennaro

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Afflecks „Argo“ (Argo, USA 2012)

Seit einigen Tagen in den Buchhandlungen: der neue Roman von Dennis Lehane

Sein Verlag schreibt:

Rachel Childs hat alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann. Doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet dieser Mann ihr Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen?

Dennis Lehane: Der Abgrund in dir

(übersetzt von Steffen Jacobs und Peter Torberg)

Diogenes, 2018

528 Seiten

21,99 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: „Alpha“ – ein Cro-Magnon-Mann, ein Wolf, eine Freundschaft

September 7, 2018

Es ist die erste Jagd, an der Keda (Kodi Smit-McPhee) teilnimmt. Obwohl er nicht fit für die Jagd ist und er der Akademiker in der Familie ist. Wenn es damals, vor 20.000 Jahren in Europa, schon Universitäten gegeben hätte. So ist er nur der Mann, der von den älteren Kriegern und Gleichaltrigen abschätzig betrachtet wird. Denn Kodi ist auch der Sohn des Häuptlings und der beschließt, dass sein Sohn fit für die Jagd ist.

Als sie eine Herde Bisons in die Enge treiben wollen, reagiert Keda panisch. Er stürzt über die Klippe. Seine Stammesbrüder und sein Vater halten ihn für tot und lassen ihn zurück.

Aber Keda hat den Sturz überlebt. Er macht sich, mehr tot als lebendig, auf den Heimweg. Es gelingt ihm einen Angriff von Wölfen abzuwehren. Anschließend kümmert er sich um den von ihm verletzten Wolf und, nun, der Rest ist sozusagen Geschichte.

Denn Albert Hughes schildert in seinem Solo-Debüt als Regisseur, wie der Wolf zum Hund und damit zum allseits geliebten Haustier des Menschen wird. Seine vorherigen Filme „Menace II Society“, „Dead Presidents“, „From Hell“ und „The Book of Eli“ inszenierte er mit seinem Bruder Allen als The Hughes Brothers. Sie waren, bei allen Unterschieden, immer spannendes Kino. Das kann über „Alpha“ nicht gesagt werden. Die vorhersehbare Geschichte schleppt sich mühsam zu ihrem Ende. Das hat mehrere Gründe.

Keda-Darsteller Kodi Smit-McPhee ist bekannt als ‚Nightcrawler‘ Kurt Wagner im vorherigen und dem nächsten „X-Men“-Film und der Junge in der Dystopie „The Road“. In „Alpha“ blickt er immer reichlich ausdruckslos in die Kamera. Man nimmt ihm, wenn er sich nach dem Sturz schwer verletzt durch die Landschaft schleppt, seine Leiden und Schmerzen nicht ab. Es wirkt immer wie ein Club-Med-Ausflug.

Auch die Kleider von Keda und seinen Stammesbrüdern und -schwestern sehen immer wie gerade erst gekaufte Designerkleider aus. Glaubwürdig – auch wenn ich die Cro-Magnon-Kleidung nicht kenne – wirkt das nicht.

Die Bilder sind schön auf der eindimensionalen Ebene einer Wandtapete. Sie sehen auch immer sehr künstlich aus. Als habe man jedes Bild im Computer kräftig nachbearbeitet. Die Tiere, denen Keda auf seiner Reise begegnet, sehen auch immer wie CGI-Kreaturen aus. So wirkt es, als ob Kodi Smit-McPhee im Studio vor einem Greenscreen seine Szenen spielte und der Rest nachher eingefügt wurde. Dabei wurde in Kanada in Vancouver und Alberta, der Mojave-Wüste und Island gedreht.

Bei der Geschichte von „Alpha“ fallen einem spontan zwei Filme ein, die erst kürzlich im Kino liefen und die gelungener sind. In „Der Mann aus dem Eis“ werden die letzten Tage des vor 5300 Jahren gestorbenen Ötzi geschildert. In „The Revenant“ schleppt sich im Wilden Westen ein Jäger, der von seinen Kameraden zum Sterben im Wald zurückgelassen wurde, zum nächsten Fort.

Verglichen mit „The Revenant“ ist „Alpha“ höchstens ein laues Lüftchen.

P. S.: In der Originalfassung des Films sprechen alle Menschen Cro-Magonon 101, eine mit wissenschaftlicher Begleitung extra für den Film für den Cro-Magnon-Menschen erfundene Sprache, die untertitelt wurde. Für die deutsche Fassung wurde Cro-Magon 101 dann anscheinend komplett synchronisiert.

Alpha (Alpha, USA 2018)

Regie: Albert Hughes

Drehbuch: Daniele Sebastian Wiedenhaupt (nach einer Geschichte von Albert Hughes)

mit Kodi Smit-McPhee, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Natassia Malthe, Leonor Varela, Mercedes de la Zerda, Jens Hultén, Priya Rajaratnam, Marcin Kowalczyk, Morgan Freeman (Erzähler, im Original)

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Alpha“

Metacritic über „Alpha“

Rotten Tomatoes über „Alpha“

Wikipedia über „Alpha“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. August: Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (+Buchhinweis)

August 28, 2018

Pro7Maxx, 22.15

Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (Gone Baby Gone, USA 2007)

Regie: Ben Affleck

Drehbuch: Ben Affleck, Aaron Stockard

LV: Dennis Lehane: Gone, Baby, Gone, 1998 (Kein Kinderspiel; später, aufgrund des Films „Gone Baby Gone“)

In Boston suchen die Privatdetektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro die spurlos verschwundene vierjährige Amanda.

Tolle Verfilmung eines tollen Privatdetektivkrimis. Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris, John Ashton, Amy Ryan

Wiederholung: Mittwoch, 29. August, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Gone Baby Gone“

Rotten Tomatoes über „Gone Baby Gone“

Wikipedia über “Gone Baby Gone” (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Thrilling Detective über Patrick Kenzie und Angela Gennaro

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Afflecks „Argo“ (Argo, USA 2012)

Auf dem Weg von der Druckerpresse in die nächste Buchhandlung: der neue Roman von Dennis Lehane

Sein Verlag schreibt:

Rachel Childs hat alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann. Doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet dieser Mann ihr Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen?

Dennis Lehane: Der Abgrund in dir

(übersetzt von Steffen Jacobs und Peter Torberg)

Diogenes, 2018

528 Seiten

21,99 Euro


TV-Tipp für den 8. Juli: Sieben

Juli 7, 2018

Sat.1, 22.55
Sieben (USA 1995, Regie: David Fincher)
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
In einer verregneten Großstadt jagen ein junger und ein alter Polizist einen Serienmörder, der sich bei seinen Taten anscheinend von den sieben Todsünden inspirieren lässt.
Einer der in jeder Beziehung prägenden Thriller der neunziger Jahre, der gleichzeitig Genre-Fans und das große Kinopublikum begeisterte – und ein absolutes Killer-Ende hat.
Mit seinem zweiten Spielfilm, nach dem Desaster „Alien 3“, setzte David Fincher seine Filmkarriere auf die richtigen Spuren. Danach kamen „The Game“, „Fight Club“, „Panic Room“, „Zodiac“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „The Social Network“, „Verblendung“ und „Gone Girl“. Da ist kein echter Flop dabei.
mit Brad Pitt, Morgan Freeman, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, John C. McGinley, Richard Roundtree, R. Lee Emery

Wiederholung: Montag, 9. Juli, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Metacritic über „Sieben“
Rotten Tomatoes über „Sieben“
Wikipedia über „Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 5. Juli: Oblivion

Juli 5, 2018

Vox, 20.15

Oblivion (Oblivion, USA 2013)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Karl Gajdusek, Michael deBruyn (basierend auf der Graphic-Novel-Originalstory von Joseph Kosinski)

Nach dem Krieg gegen die Aliens verließen die Menschen die Erde. Nur einige Männer, wie Jack, sind als Reparaturtrupp für Alien-jagende Drohnen zurückgeblieben. Da stürzt ein Raumschiff mit einer Frau an Bord ab – und Jacks Leben gerät aus dem Ruder.

Optisch überzeugender SF-Film, bei dem man sein Gehirn nicht komplett abschalten sollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko, Andrea Riseborough, Nikolaj Coster-Waldau, Melissa Leo

Wiederholung: Freitag, 6. Juli, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Oblivion“

Metacritic über „Oblivion“

Rotten Tomatoes über „Oblivion“

Wikipedia über „Oblivion“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (30. Dezember 2012)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (2. April 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „Oblivion“ (Oblivion, USA 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „No Way Out – Gegen die Flammen“ (Only the Brave, USA 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Herren Caine, Freeman und Arkin versuchen einen „Abgang mit Stil“

April 14, 2017

Jahrzehntelang arbeiteten sie gemeinsam in der Fabrik und auch als Rentner sind Joe Harding (Michael Caine), Willie Davis (Morgan Freeman) und Albert ‚Al‘ Garner (Alan Arkin) immer noch beste Freunde. Als ihr ehemaliger Arbeitgeber die Firma umstrukturiert und ihre Rente sich in Luft auflöst, hat Joe eine Idee: sie überfallen ihre Bank. Und weil er kürzlich einen Banküberfall miterlebte, weiß er auch, wie es geht.

Also planen die drei rüstigen Rentner einen Banküberfall, bei dem sie sich das zurückholen wollen, was ihnen gehört. Der Rest kann dann ja gespendet werden.

Abgang mit Stil“ ist eine altmodische Gaunerkomödie, die ruhig bis bedächtig im Lebensrhythmus der Rentner erzählt wird und bei der die Sympathien klar verteilt sind. Das spielfreudige Ensembles, der feine Humor des Films, der sich nie über seine Personen lustig macht und die durchgehend freundlich-humanistische Einstellung lassen einen gnädig über die doch sehr vorhersehbare Geschichte, ihre teils dick aufgetragenen Botschaft und die Ambitionslosigkeit der Macher hinwegsehen. Denn ihre Schmunzelkomödie will nie mehr als ein Vehikel für die Altstars sein.

Die Inspiration für „Abgang mit Stil“ war Martin Brests 1979er Gaunerkomödie „Die Rentner-Gang“ (Going in Style, mit George Burns, Art Carney und Lee Strasberg).

St. Vincent“-Drehbuchautor Theodore Melfi übernahm für die aktuelle Version allerdings nur die Idee, dass einige Rentner eine Bank überfallen. „Garden State“-Regisseur Zach Braff beschränkte sich bei seinem dritten Spielfilm darauf, die Altstars bei ihrem gemeinsamen Abhängen nicht zu stören. Entstanden ist eine Feelgood-Gaunerkomödie für einen entspannten Nachmittag.

Abgang mit Stil (Going in Style, USA 2017)

Regie: Zach Braff

Drehbuch: Theodore Melfi (basierend auf einer Geschichte von Edward Cannon)

mit Michael Caine, Morgan Freeman, Alan Arkin, Christopher Lloyd, Ann-Margaret, Joey King, Matt Dillon, John Ortiz, Josh Pais

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Abgang mit Stil“

Metacritic über „Abgang mit Stil“

Rotten Tomatoes über „Abgang mit Stil“

Wikipedia über „Abgang mit Stil“

Meine Besprechung von Zach Braffs „Wish I was here“ (Wish I was here, USA 2014)

Meine Besprechung von Theodore Melfis „St. Vincent“ (St. Vincent, USA 2014)


TV-Tipp für den 25. Februar: Die Verurteilten

Februar 25, 2017

Vox, 20.15
Die Verurteilten (USA 1994, Regie: Frank Darabont)
Drehbuch: Frank Darabont
LV: Stephen King: Rita Hayworth and the Shawshank Redemption, in Different Seasons, 1982 (Pin up; Die Verurteilten in „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“; einer Sammlung von vier Novellen)
Ein unschuldig verurteilter Bankmanager flüchtet nach jahrelanger Kleinarbeit aus dem Gefängnis.
Eindrucksvolles Gefängnisdrama, das beim Kinostart nicht als „Stephen-King-Film“ beworben wurde. Zu Recht, denn damals stand Kings Name fast ausschließlich für minderwertige Horrorfilme.
„Die Verurteilten“ ist inzwischen ein äußerst beliebter und erfolgreicher Film. In dem All-Time-Great-Ranking der Internet Movie Database steht er derzeit auf Platz 1; – was einen dann doch etwas an dieser Liste zweifeln lassen kanne. Auch wenn der zweite und dritte Platz von „Der Pate“ und „Der Pate 2“ belegt werden.
Mit Tim Robbins, Morgan Freeman, Bob Gunton, William Sadler, Clancy Brown, Gil Bellows, Mark Rolston, James Whitmore, Jude Ciccolella

Wiederholung: Sonntag, 26. Februar, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Verurteilten“

Wikipedia über „Die Verurteilten“ (deutsch, englisch)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)


DVD-Kritik: Zauberhaft. „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ im Heimkino

Februar 15, 2017

Inzwischen ist Jon M. Chus „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ auf DVD und Blu-Ray und 4K Ultra HD (wer’s braucht) erschienen und das Bonusmaterial gesichtet. Zum Kinostart des Films schrieb ich (bereinigt um ein, zwei Dusselfehler):

Wie bei dem ebenfalls heute anlaufendem Jason-Statham-Actionfilm „Mechanic: Resurrection“ hat auch bei der Caper-Komödie „Die Unfassbaren“ niemand wirklich eine Fortsetzung erwartet. Denn die Geschichte der Illusionisten „The Four Horsemen“ war erzählt. Sie verwirklichten, im Auftrag von Dylan Rhodes, einen ziemlich elaborierten Racheplan, der natürlich auch deshalb so elaboriert war, um möglichst gut von den wahren Absichten abzulenken und bei dem, wie es sich für einen guten Zauberertrick gehört, fast alles schon vorher geplant war. Die starbesetzte Krimikomödie war ein großer Spaß und das Einspielergebnis war mit weltweit über 350 Millionen Dollar so überzeugend, dass es jetzt die Fortsetzung gibt, die genau daran leidet, dass die Geschichte fertig erzählt war.

Für die Fortsetzung mussten die Macher nun überlegen, wie sie die „Four Horsemen“, die irgendwo zwischen Ruhestand und Shows auf den großen Las-Vegas-Showbühnen leben könnten, wieder zurück bringen: ob sie zu einer „Ocean’s Eleven“-Verbrecherbande werden oder ob sie ihre Fähigkeiten als moderne Robin Hoods, sozusagen als „Leverage“-Team mit Zaubershow, einsetzen.

Mit Ach und Krach entschlossen sich die Macher für eine Mischung aus komplettem Neuanfang und Weitererzählung der Geschichte von „Die Unfassbaren“, weil jetzt die inhaftierten und blamierten Bösewichter des ersten Teils sich rächen wollen und die „Four Horsemen“ in Richtung Verbrechensbekämpfung auf der großen Showbühne gehen, während Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) noch immer beim FBI arbeitet und dort fanatisch jede Spur der spurlos verschwundenen Illusionisten verfolgt. Seine Kollegen zweifeln zwar an seinem Verstand, aber so kann er die spurlos verschwundenen „Four Horsemen“ am besten schützen. Denn er ist der Kopf der „Four Horsemen“ und Mitglied des Magier-Geheimbundes „Das Auge“.

Während einer Produktpräsentation geht ein arg amateurhafter Überraschungsauftritt der „Four Horsemen“, bei dem sie die schändlichen Absichten des Veranstalters der Welt verraten wollen, gründlich schief. Die tapferen vier Reiter, bestehend aus Illusionist J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Mentalist Merritt McKinney (Woody Harrelson), Kartentrickser Jack Wilder (Dave Franco) und Neuzugang Lula (Lizzy Caplan), die sich zur Begrüßung schon einmal selbst enthauptet, müssen untertauchen.

Sie alle reisen, mehr oder weniger freiwillig, nach Macau, wo Walter Mabry (Daniel Radcliffe) sie in seinem Penthouse empfängt. Für den zurückgezogen lebenden Milliardär sollen sie einen unvorstellbar leistungsfähigen Computerchip/-software (der MacGuffin des 21. Jahrhunderts) stehlen. Die fünf Illusionisten sind einverstanden. Allerdings wissen sie nicht, dass Mabry der Sohn von Arthur Tressler (Michael Caine), dem Bösewicht des vorherigen Films, ist und Mabry und Tressler sich an ihnen für die damaligen Ereignisse rächen wollen.

Außerdem kann Thaddeus Bradley (Morgan Freeman), der ebenfalls aus „Die Unfassbaren“ bekannte, jetzt inhaftierte Berufsenttarner von Zauberertricks, aus dem Gefängnis entkommen.

Während in „Die Unfassbaren“ noch viel Zeit auf die Tricks der Illusionisten und deren Erklärung verwandt wurde, spielen sie in „Die Unfassbaren 2“ eigentlich keine Rolle mehr. Die meisten Tricks sind so elaboriert und groß, dass die Macher auf jede Erklärung verzichten. Es wäre ihnen auch nicht gelungen. Für den Rest gibt es dann gut versteckte Falltüren und Kartentricks, die keiner Erklärung bedürfen.

Stattdessen konzentriert Regisseur Jon M. Chu sich auf die Action und die Drehbuchautoren Peter Chiarelli und Ed Solomon, einer der Autoren des ersten Films, schrieben eine Geschichte, die in der Tradition der klassischen Pulp-Geschichten und B-Pictures aus den Dreißigern und Vierzigern, wie den „Mr. Moto“-Filmen mit Peter Lorre, steht. Immer wenn es nicht weiter geht, gibt es eine ausgewalzte Actionszene, immer wieder taucht plötzlich jemand aus dem Nichts auf, immer wieder gibt es, wenn man sich gerade in eine erzählerische Sackgasse manövrierte, eine Erklärung, die alle vorherigen Ereignisse auf den Kopf stellt, und es passiert so viel so schnell, dass man über die Geschichte nicht weiter nachdenkt. Denn aus den einzelnen Szenen ergibt sich keine wirklich sinnvolle Geschichte.

Die Action inszenierte Jon M. Chu, der vorher vor allem die „Step Up“-Tanzfilme und das kindische Actiondesaster „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (USA/Kanada 2013) inszenierte, in „Die Unfassbaren 2“ nachvollziehbar, mit weniger Schnitten als in „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ und, wenn unsere Helden gerade einen komplizierten Diebstahl aus einem bestens bewachtem Gebäude unter den wachsamen Augen des Sicherheitspersonals durchführen, mit viel Slo-Mo, wie einen Tanz. Das bringt die Handlung zwar genauso wenig voran wie eine Fred-Astaire-Tanznummer in einem Musical, aber das Auge (vielleicht auch „Das Auge“) verfolgt entzückt die überaus komplizierte Aktion, während das Hirn anmerkt, dass die Zauberer auch leichter und schneller an ihr Ziel kommen könnten.

Als gut gemachte, durchaus familienfreundliche Samstagabendunterhaltung mit gut aufgelegten Schauspielern (und Woody Harrelson in einer Doppelrolle) im Stil eines Vierziger-Jahre-B-Pictures funktioniert „Die Unfassbaren 2“ gut.

Es ist aber auch ein Film, der gerade die besonderen Aspekte des ersten Films – die Tricks der Illusionisten und der große Plan, in dem alles miteinander zusammenhängt (wobei ich immer noch glaube, dass der Plan bei einer genaueren Betrachtung schneller als ein Soufflé in sich zusammenfällt) – zugunsten einer 08/15-Gaunergeschichte links liegen lässt, die noch nicht einmal versucht, die Szenen in eine kohärente Geschichte oder einen großen Zauberertrick, der sich erst am Ende enthüllt, einzufügen.

Schon vor dem US-Kinostart wurde ein dritter „Die Unfassbaren“-Film angekündigt, bei dem Jon M. Chu wieder die Regie übernehmen soll. Über den Plot und die Besetzung ist noch nichts bekannt.

 

Daran hat sich immer noch nichts geändert. Der dritte „Die Unfassbaren“-Film ist für 2019 angekündigt. Weil das Einspielergebnis des zweiten Teils sich mit 334 Millionen Dollar weltweitem Einspiel kaum vom ersten Teil unterscheidet und das Ensemble seinen Spaß hatte, dürfte es dabei bleiben.

Das Bonusmaterial der Blu-ray ist mit einem Audiokommentar und drei Featurettes, die insgesamt eine gute Stunde dauern, umfangreicher als bei der DVD ausgefallen. Die hat nur das viertelstündige Featurette „Guck genau hin!“. Die Featurettes geben einen kurzweiligen Einblick in verschiedene Aspekte des Films und der Dreharbeiten. Jon M. Chus Audiokommentar ist informativ, konzentriert sich aber zu sehr auf Erklärungen über die Drehorte und wie sehr er die verschiedenen Schauspieler bewundert. Interessant sind seine Hinweise auf verschiedene Kürzungen (und warum die Szenen gekürzt wurden) und wie viel von den Tricks der „Four Horseman“ echt ist. Um uns zu zeigen, dass die Schauspieler die Tricks beherrschten und live präsentierten, schnitt er in diesen Szenen sehr wenig.

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Die Unfassbaren 2 – Now you see me (Now you see me 2, USA 2016)

Regie: Jon M. Chu

Drehbuch: Ed Solomon, Peter Chiarelli

mit Jesse Eisenberg, Mark Rufallo, Woody Harrelson, Dave Franco, Daniel Radcliffe, Lizzy Caplan, Jay Chou, Sanaa Lathan, Michael Caine, Morgan Freeman

Blu-ray

Concorde Home

Bild: 1080p HD 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 7.1, Dolby Digital 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 7.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Magie von Cast und Crew, Guck genau hin!, Hier kommt Magie, Audiokommentar von Regisseur Jon M. Chu, Deutscher und Original-Kinotrailer, Wendecover

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unfassbaren 2“

Metacritic über „Die Unfassbaren 2“

Rotten Tomatoes über „Die Unfassbaren 2“

Wikipedia über „Die Unfassbaren 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Louis Letteriers „Die Unfassbaren – Now you see me“ (Now you see me, USA 2013) und der DVD

Meine Besprechung von Jon M. Chus „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (G.I. Joe: Retaliation, USA/Kanada 2013)

Meine Besprechung von Jon M. Chus „Die Unfassbaren 2 – Now you see me“ (Now you see me 2, USA 2016)


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