„100 Bullets“ für „Loveless“?

August 31, 2010

Gleich zwei Serien von Brian Azzarello steuern auf ihr Ende zu. Einmal die geniale, auf hundert Hefte angelegte Noir-Serie „100 Bullets“, einmal die eher konfuse Westernserie „Loveless“, die ursprünglich als ein großes Epos geplant war, aber nach 24 Heften eingestellt wurde.

Bereits in den ersten „Loveless“-Heften fragte man sich, was Brian Azzarello da eigentlich anstellt. Die Prämisse (Wes Cutter kehrt aus dem Krieg zurück und will sich rächen) ist einfach, aber tragfähig. Die Idee, die Zeit nach dem Bürgerkrieg ungeschminkt zu zeigen, verspricht durchaus einige spannende Geschichten, die ein unbekanntes Licht auf die amerikanische Geschichte werfen und gegen einen zünftigen Western ist auch nichts einzuwenden. Besonders wenn die ersten Seiten einen Mix aus Spaghetti-Western und Deadwood versprechen. Aber schon in den ersten Heften wurde die Rachegeschichte zugunsten verschiedener heftlanger Episoden und unmotivierter Aktionen von Wes Cutter, die vielleicht die Bewohner von Blackwater provozieren, ihn aber nicht näher an sein Ziel bringen, vernachlässigt. Am Ende des zweiten „Loveless“-Bandes „Begraben in Blackwater“ gab es dann den großen Schock: Wes Cutter wird von einem gedungenen Mörder erschossen.

Im dritten, jetzt erschienenen Band „Saat der Vergeltung“ nimmt Cutters Frau Ruth das Heft des Handelns in die Hand. Immerhin hat sie jetzt einen weiteren Grund, sich an den Einwohnern von Blackwater und den dort brutal agierenden Nordstaaten-Soldaten zu rächen. Aber vor der Rache gibt es erst einmal ein Bündel Charakterstudien, die den einzelnen Charakteren mehr Tiefe verleihen, ohne den Hauptplot (der jetzt wohl ‚Ruth Cutter will sich rächen‘ ist) erkennbar voranzutreiben. Dafür erzählt Azzarello in der drei Hefte umfassenden Geschichte „Stunde der Abrechnung“, wie ein ultrabrutaler Nordstaatler den Grundstein für den Klu Klux Klan legt und es entsteht langsam ein düsteres Bild, wie sich der Hass zwischen Nord- und Südstaatlern, politische und ökonomische Interessen miteinander verknüpfen. Es bleibt aber immer noch die Frage, wie das alles in dem vierten und abschließendem, für Ende September angekündigten „Loveless“-Band „Stunde der Abrechnung“ enden soll.

Wie das Enden soll fragt man sich auch bei „100 Bullets“. Denn Autor Brian Azzarello und Zeichner Eduardo Risso haben nur noch siebzehn Hefte um den Kampf zwischen den Minutemen und den verschiedenen Häusern des Trusts zu einem sicher für viele Charaktere tödlichem Ende zu führen und die vielen offenen Fragen zu klären.

In dem elften „100 Bullets“-Sammelband „Das Einmaleins der Macht“ springen Azzarello und Risso so sehr zwischen den einzelnen Subplots und Zeitebenen, dass die Geschichte kaum noch nacherzählt werden kann.

Aber das ist auch irgendwie müßig. Denn die „100 Bullets“-Fans werden die Story verschlingen, Neueinsteiger werden sich im elften „100 Bullets“-Sammelband sehr verloren vorkommen. Daran ändert auch die kurze Zusammenfassung am Anfang des Buches nichts.

Hier muss wirklich mit dem ersten Heft begonnen werden. Denn letztendlich ist kein Charakter und keine Geschichte überflüssig. Sie alle (Tote ausgenommen) tauchen irgendwann wieder auf und oft erscheint ihr früheres Handeln in einem neuen Licht.

Im Gegensatz zu der verunglückten Westernserie „Loveless“ (außer Brian Azzarello findet noch einen überraschenden Abschluss) ist die Noir-Serie „100 Bullets“ absolut empfehlenswert.

Brian Azzarello/Danijel Zezelj/Werther Dell’Edera: Loveless – Saat der Vergeltung (Band 3)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Vertigo/Panini 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Loveless – Blackwater Falls

Vertigo Comics, 2008

(die Originalausgabe enthält Volume 13 – 24)

Die deutsche Ausgabe Volume 13 – 18, Vertigo Comics 2007

Brian Azzarello/Eduardo Risso: 100 Bullets – Das Einmaleins der Macht (Band 11)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Vertigo/Panini 2010

196 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

100 Bullets – Once upon a crime

Vertigo, 2007

(enthält Volume 27 – 83, DC Comics 2006/2007)

Hinweise

Wikipedia über „100 Bullets“ (deutsch, englisch)

Britische Fanseite zu „100 Bullets“

News A Rama: Interview mit Brian Azzarello (Oktober 2006)

UGO: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006)

Comics Bulletin: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006/2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)


Cover der Woche

August 31, 2010


TV-Tipp für den 31. August: Wenn der Postmann zweimal klingelt

August 31, 2010

HR, 23.30

Wenn der Postmann zweimal klingelt (USA 1981, R.: Bob Rafelson)

Drehbuch: David Mamet

LV: James M. Cain: The postman always rings twice, 1934 (Wenn der Postmann zweimal klingelt, Die Rechnung ohne den Wirt)

Frank Chambers verliebt sich in Cora, die gelangweilte Frau des Tankstellenbesitzers Nick. Gemeinsam planen sie seinen Tod.

Düsteres Drama mit Jack Nicholson und Jessica Lange. – Das schmale Buch von Cain wurde fünfmal verfilmt und mindestens drei Verfilmungen sind Klassiker: „Ossione“ (I 1942, R.: Lucino Visconti), „Die Rechnung ohne den Wirt“ (USA 1946, R.: Tay Garnett) und „Wenn der Postmann zweimal klingelt“.

Hinweise

Wikipedia über James M. Cain (deutsch, englisch)

Kirjasto über James M. Cain

Krimi-Couch über James M. Cain

Mordlust über James M. Cain

Meine Besprechung von David Mamets “Bambi vs. Godzilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness” (Bambi vs. Godzilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte


„The Road“ – der deutsche Trailer

August 30, 2010

Am 7. Oktober startet John Hillcoats tolle Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (Die Straße, Rowohlt) endlich auch in Deutschland. Joe Penhall schrieb das Drehbuch, die Musik ist von Nick Cave und Warren Ellis und Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Robert Duvall, Guy Pearce und Molly Parker spielen mit. Trotz der Besetzung ist „The Road“ im wesentlichen ein Zwei-Personen-Stück.

Zum Filmstart gibt es meine Jubelrezension (Yep: Film gesehen, begeistert). Bis dahin gibt es den Trailer:


TV-Tipp für den 30. August: Der Elefantenmensch

August 30, 2010

MDR, 22.50

Der Elefantenmensch (GB 1980, R.: David Lynch)

Drehbuch: Christopher de Vore, Eric Bergren, David Lynch

LV: Frederick Treves: The Elephant Man and Other Reminiscences (1923); Ashley Montagu: The Elephant Man: A Study in Dignity (1942)

Im viktorianischem England entdeckt der Arzt Frederick Treves auf einem Jahrmarkt den durch das Proteus-Syndrom und multiple Neurofibromatose grauenhaft entstellten John Merrick, der dort als „Elefantenmensch“ der sensationsgeilen Masse präsentiert wird. Treves nimmt ihn als neues Forschungsobjekt zu sich.

Atmosphärische SW-Verfilmung eines wahren Falles. Der von Mel Brooks produzierte Film war ein gewaltiger Erfolg und David Lynchs Karte nach Hollywood. Sein nächster Film war „Dune – Der Wüstenplanet“.

mit Anthony Hopkins, John Hurt, Anne Bancroft, John Gielgud, Wendy Hiller, Freddie Jones

Hinweise

Wikipedia über „Der Elefantenmensch“ (deutsch, englisch)

Time Out: Tom Huddeston interviewt David Lynch über „Der Elefantenmensch“

Homepage von David Lynch

Deutsche David-Lynch-Seite

Wikipedia über David Lynch


TV-Tipp für den 29. August: 8 Blickwinkel

August 29, 2010

Pro7, 20.15

8 Blickwinkel (USA 2008, R.: Pete Travis)

Drehbuch: Barry L. Levy

Salamanca, Spanien, großer Antiterrorgipfel: der amerikanische Präsident will auf dem Marktplatz eine Rede halten. Da wird er erschossen und eine Bombe explodiert. Sein Leibwächter Thomas Barnes hat aber etwas gesehen und er nimmt die Spur auf.

8 Fremde, 8 Sichtweisen, 1 Wahrheit“ lautet der Werbespruch, der ziemlich genau die erzählerische Pointe des Films verrät. Denn das Ereignisse vor, während und nach dem Attentat werden aus acht verschiedenen Sichtweisen erzählt und am Ende gibt es eine atemberaubende Autoverfolgungsjagd. Das unterhält prächtig über die knapp neunzig Minuten und ist filmisch und darstellerisch auch sehr gut gelöst. Denn mit den verschiedenen Blickwinkeln ändert sich auch immer der Blick auf die Ereignisse und die beteiligten Personen.

Dass der ganze Attentatsplan, wenn man genauer darüber nachdenkt, ziemlich konstruiert ist, fällt einem erst nach dem Abspann auf.

mit Dennis Quaid, Matthew Fox, Forest Whitaker, Sigourney Weaver, William Hurt, Edgar Ramirez, Ayelet Zurer, Bruce McGill, Zoe Saldana

Wiederholung: Montag, 30. August, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „8 Blickwinkel“

Los Angeles Times über Barry Levy


„Verbotene Filme“ in Berlin

August 28, 2010

Aus zuverlässiger Quelle habe ich erfahren, dass die Veranstalter des zweitägigen Symposiums „Verbotene Filme“ noch einige Anmeldungen annehmen. Wer also immer noch überlegt, ob er die „Verbotenen Filme“ (mit einer sinnlichen Einführung am Vorabend der Tagung in Kino Arsenal) in der Deutschen Kinemathek (Potsdamer Platz) besuchen soll, wird durch einen Blick auf das Programm sicher überzeugt:

Mittwoch, 8. September

20.00 Uhr

Im Reich der Sinne (J/F 1976) | Regie: Nagisa Oshima (Filmvorführung)

Donnerstag, 9. September

10.00 Uhr

Begrüßung, Eröffnung

Dr. Rainer Rother | Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek

Dr. Paul Klimpel | Verwaltungsdirektor der Deutschen Kinemathek

10.30 Uhr

Was ein Filmemacher alles tun muss, um einen Film rechtlich abzusichern

Hannes Stöhr | Regisseur, Drehbuchautor und Produzent

10.50 Uhr

Einführung in die juristischen Grundbegriffe

Christlieb Klages | Rechtsanwalt, Hertin Anwaltssozietät

11.20 Uhr

Rechtliche Restriktionen in Deutschland und China

Peiqi Han | Dozentin, Ostasiatisches Institut der Universität Leipzig

11.40 Uhr

Legal clarification in the US

Michael C. Donaldson | Attorney and author, Donaldson & Callif Law Firm, Los Angeles

Block 1: Fime, die nicht gezeigt werden

13.00 Uhr

Vom „Reich der Sinne” ins Visier der Staatsanwaltschaft

Ulrich Gregor | Filmhistoriker und Mitbegründer der Freunde der Deutschen Kinemathek e. V.

13.20 Uhr

Rechtliche Bewertung des Falles „Im Reich der Sinne”

Christlieb Klages

14.00 Uhr

Beruf Neonazi (D 1993) – Ein verbotener Film?

Winfried Bonengel | Regisseur und Autor

14.20 Uhr

Rechtliche Bewertung von „Beruf Neonazi”

Christlieb Klages

15.20 Uhr

Hitlers Hitparade (D 2003) – über die Fallstricke der Rechteklärung

C. Cay Wesnigk | Regisseur, Autor und Produzent

15.40 Uhr

Paul is Dead (D 2000) – ein Film nur für das Fernsehen?

Hendrik Handloegten | Regisseur

16.00 Uhr

Was im Fernsehen Recht ist, muss das auch dem Kino billig sein?

Podiumsgespräch mit

Hendrik Handloegten | Regisseur

C. Cay Wesnigk | Regisseur, Autor und Produzent

Dr. Mareile Büscher | Rechtsanwältin, Raue LLP

17.00 Uhr

Verwaiste Werke – nicht nur ein Problem der Archive. Die Vorschläge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Peter Weber | Stellvertretender Justiziar, ZDF

18.00 Uhr

Beruf Neonazi, D 1993 (Regie: Winfried Bonengel)

Filmvorführung für die Teilnehmer des Symposiums

19.30 Uhr

Kurzfilmprogramm „Mashup-Rolle” (90 Min.)

Filmvorführung, kuratiert von Ilja Braun und Valie Djordjevic, iRights.info

ab 21.00 Uhr

Filmkunst trifft Netzkunst

Abendveranstaltung mit Mashups und Remixes und der Podiumsdiskussion

Ein anfälliges System? – Rechtsdurchsetzung im Internet und ihre Folgen

mit Dr. Matthias Leonardy, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberechtsverletzungen (GVU) und Mario Sixtus, Journalist und „Elektrischer Reporter“

Freitag, 10. September

Block 2: Filme, die nicht gemacht werden

10.00 Uhr

Die Schere im Kopf

Prof. Dr. Peter Raue | Rechtsanwalt, Raue LLP

10.20 Uhr

Untold Stories

Michael C. Donaldson | Attorney and author, Donaldson & Callif Law Firm, Los Angeles

Block 3: Filme, die es gar nicht geben dürfte

11.30 Uhr

Neue Wege, neue Filme – das Internet als Verbreitungsmedium von rechtlich problematischen Bewegtbildern

Dr. Till Kreutzer | Rechtsanwalt & Autor, iRights.info

13.30 Uhr

Das Internet als Kunstmaschine: Bedingt eine neue Technik eine neue Ästhetik?

Podiumsdiskussion mit

Susanne Gerber | Künstlerin

Kathrin Becker | Kuratorin und Leiterin des Video-Forums des Neuen Berliner Kunstvereins

Stefan Eckel | reproducts.de, Medienarchäologe und Videokünstler

Moderation: Valie Djordjevic | iRights.info

15.00 Uhr

Arts and politics: How political is the remix and mash-up culture?

Panel discussion with

Johan Söderberg | Editor, director and audiovisual designer

Elisa Kreisinger | Video remix artist and pop culture pirate

Peter Conheim (Negativland) | Collage and appropriation artist

Moderation: Ilja Braun | Filmwissenschaftler und Publizist

Uff, ein volles Programm.

Und das ganze kostet 00,00 Euro.

Mehr Infos gibt es bei iRights und bei der Deutschen Kinemathek (symposium-recht@deutsche-kinemathek.de) kann man sich anmelden. Aber nicht mehr lange.


KrimiWelt-Bestenliste September 2010

August 28, 2010

Die Bestenliste der KrimiWelt für den September:

1 (1) Richard Price: Cash

2 (4) Dominique Manotti: Letzte Schicht

3 (-) Jenny Siler: Verschärftes Verhör

4 (8) Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

5 (-) Garry Disher: Rostmond

5 (-) Jo Nesbø: Headhunter

6 (-) Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

7 (-) Jussi Adler-Olsen: Schändung

8 (3) Derek Nikitas: Scheiterhaufen

9 (-) Frank Göhre: Der Auserwählte

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Tja, sechs Neueinsteiger (drei davon hab ich letzten Monat schon angekündigt). Davon sind fünf auf meinem Zu-Lesen-Stapel; der Parker von Richard Stark steht im Original schon lange im Regal.

Aber zuerst wird die die Vorlage für die am 7. Oktober startende, tolle Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ gelesen.

Draußen sind leider Pete Dexter, D.B. Blettenberg und Don Winslow, der am 14. September in Berlin ist.


TV-Tipp für den 28. August: Bei Anruf Mord

August 28, 2010

Auch in 3-D spannend

Arte, 20.15

Bei Anruf Mord (USA 1954, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Frederick Knott

LV: Frederick Knott: Dial M for Murder, 1952 (Theaterstück)

Der ehemalige Tennisprofi Tony Wendice plant den perfekten Mord an seiner untreuen Ehefrau Margot. Als sie den Killer umbringt, wird es Zeit für Plan B.

Für Hitchcock war die Verfilmung des Broadway-Stückes eine Verlegenheitsarbeit, bei dem er damals modische 3-D-Effekte einbauen musste. Er tat dies nur in einer Szene: als Margot den Killer mit einer Schere ersticht. Der Rest ist gut abgefilmtes Theater.

Mit Grace Kelly, Ray Milland, Robert Cummings, John Williams, Anthony Dawson

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

August 28, 2010

Bei den Alligatorpapieren sind meine neuen, wunderschön bebilderten TV-Krimi-Buch-Tipps online:

In den kommenden Tagen läuft für den geneigten Krimifan Alfred Hitchcocks Frederick-Knott-Verfilmung „Bei Anruf Mord“, Bob Rafelsons James-M.Cain-Verfilmung „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, Francis Ford Coppolas „Cotton Club“ (William Kennedy und Mario Puzo waren am Drehbuch beteiligt), Philip Noyces Charles-Williams-Verfilmung „Todesstille“, Constantin Costa-Gavras geniale Donald-E.-Westlake-Verfilmung „Die Axt“, Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“, Ridley Scotts Philip-K-Dick-Verfilmung „Blade Runner“ (im Final Cut), Henri Verneuils John-Trinian-verfilmung „Lautlos wie die Nacht“, Claude Sautets Claude-Néron-Verfilmung „Das Mädchen und der Kommissar“, Robert Harmons Robert-B.-Parker-Verfilmung „Jesse Stone – Knallhart“ und James Bond (aka Pierce Brosnan) rettet zweimal die Welt.


Kleinkram

August 27, 2010

Bei Mulholland Books (einem Imprint von Little, Brown and Company, das ab 2011 Krimis veröffentlicht) gibt es bereits jetzt viel zu lesen. Zum Beispiel:

George Pelecanos: Why Mark Billingham is a Badass

Charles Ardai (Hard Case Crime): The dark heart of noir

Alan Glynn: ’70s Paranoia Thriller and why we need them now more than ever…

Tom Piccirilli: Dead Mower Dreams and the Weeds of Boo Radley

Laura Lippman:  Mark Billingham and Laura Lippman on themselves and everything else

Charlie Huston: Guns to shape the future

Nelson DeMille: Childhood obsession turned bestselling novel

Joe R. Lansdale: The Workplace, wet or dry

Sarah Weinman: Live Chat with Don Winslow

Shane Salerno: Don Winslow, interviewt by Shane Salerno

Brad Meltzer: Batman is my Mr. Miyagi

Nick Tosches: Making Sense of Nothing and Making Nothing of Sense

und Lawrence Block sucht ein altes Buch.

Bei Spinetingler hat Brian Lindemuth seine 15 Lieblingsdefinitionen von „Noir“ zusammengestellt. Dabei sind:

“Hardboiled is about toughness and noir is about pain”

“Noir – You’re fucked on page one, and things go downhill from there.”

“Noir” (it’s the antithesis of “Disney”)”

Ebenfalls dort ist Karl McGowan ziemlich begeistert von der Verfilmung von Ken Bruens erstem Jack-Taylor-Roman „The Guards“.

Und Brian Lindemuth mag Jim Nisbets Science-Fiction(?)-Roman „Windward Passage“.

Die Dreharbeiten für die James-Sallis-Verfilmung „Drive“ (Driver) beginnen am 20. September. Ryan Gosling übernimmt die Hauptrolle, Nicholas Winding Refn führt Regie und das Drehbuch ist von Hossein Amini (Killshot).

Seamus Scanlon schreibt bei The Rap Sheet  über Richard Stark (aka Donald E. Westlake) und Parker.

Und The Rap Sheet sieht sich in San Francisco (als Vorbereitung für die Bouchercon, aber auch einfach so als Empfehlungen für einige spannende Stunden) um:

TV-Serien, die in San Francisco spielen (wie „Die Straßen von…“)

Kriminalfilme, die in San Francisco spielen

Kriminalromane, die in San Francisco spielen

Mehr Raum in den unendlichen Weiten des Internet dank Depublizieren:

Auf der Suche nach einem möglichst eindringlichen Beispiel berichtet der ZDF-Mann, dass gerade erst der O-Ton von Josef Ackermann aus der ZDF-Mediathek geflogen sei, in dem der Deutsche Bank-Chef im Mai bei Maybrit Illner daran gezweifelt habe, ob Griechenland jemals seine Schulden zurückzahlen könne. Nach drei Monaten ist für Videos der Kategorie Gesprächssendung das Ende gekommen. (…)

Fragt man sich durch die Anstalten, welche Inhalte aufgrund des „Verweildauerkonzeptes“ entfernt wurden, wird man geradezu unter Zahlen begraben: Der BR meldet 69 Prozent des Gesamtinhaltes, darunter überwiegende Teile der Bildungsangebote, Dokumentationen und Reportagen. Der HR gibt eine Löschquote von 58 Prozent für hr-online.de an, bei boerse.ARD.de seien es 72 Prozent gewesen. Beim RBB heißt es, allein im Angebot des Portals kulturradio.de gingen 80 Prozent der Rezensionen von Filmen, Büchern und CDs offline, die älter als zwölf Monate seien. Der SR listet auf: Unter sr-online.de seien in der Rubrik Kultur nur noch sieben Prozent der Inhalte verfügbar.

Jetzt können die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage ja so richtig loslegen.




TV-Tipp für den 27. August: New Orleans – Nach dem Wirbelsturm

August 27, 2010

Arte, 23.25

New Orleans – Nach dem Wirbelsturm (USA 2010, R.: Luisa Dantas)

Drehbuch: Luisa Dantas

Spielfilmlange Doku über das heutige New Orleans

Die amerikanische Filmemacherin Luisa Dantas ist im Jahr 2005 gekommen, als die Reporter längst wieder zur nächsten Katastrophe weitergezogen sind. Sie drehte bis zum Frühjahr 2010 und sammelte 1500 Stunden Filmmaterial. (…) Dank der kontinuierlichen Begleitung wird der mühsame Prozess des Wiederaufbaus sichtbar: Eine intensive Nahaufnahme statt des punktuellen Vorher-Nachher-Bilds, das Korrespondenten liefern, die zu Jahrestagen an den Ort der Katastrophe zurückkehren.“ (Thomas Gehringer, Tagesspiegel, 26. August 2010)

Wiederholungen

Dienstag, 31. August, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Donnerstag, 16. September, 10.40 Uhr

Hinweis

Arte über die Doku


Neu im Kino: The Expendables

August 26, 2010

The Expendables (The Expendables, USA 2010)

Regie: Sylvester Stallone

Drehbuch: Sylvester Stallone, Dave Callaham

Eine Gruppe von Söldnern soll in Südamerika einen Militärdiktator und einen CIA-Mann ausschalten. Exzessiver Waffengebrauch erlaubt.

Der feuchte Traum jedes 80er-Jahre-Actionkinofans

mit Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Randy Couture, Steve Austin, David Zayas, Gary Daniels, Mickey Rourke, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Expendables“

My pdf-Scripts: Wizdoc bespricht das Drehbuch (dort gibt es auch demnächst das Drehbuch)


TV-Tipp für den 26. August: Sein Leben in meiner Gewalt

August 26, 2010

ARD, 00.25

Sein Leben in meiner Gewalt (GB 1973, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: John Hopkins

LV: John Hopkins: This story of yours, 1968 (Theaterstück)

Der desillusionierte und fanatische Detektiv Johnson hält den Verdächtigen für einen Kinderschänder. Während des Verhörs stirbt der Verdächtige und Johnson wird angeklagt.

Intensiv gespieltes, düsteres Drama. Allerdings wollte damals niemand Connery als einen fanatischen Polizisten sehen. „Sein Leben in meiner Gewalt“ war der erste Film, den Sean Connery mit seiner Produktionsfirma Tantallon Films und United Artists drehte. Ein zweites, geplantes Projekt mit United Artists kam nie zustande. Das sagt einiges über den finanziellen Erfolg von „Sein Leben in meiner Gewalt aus“. Denn es dauerte zehn Jahre, bis der Film seine Kosten eingespielt hatte.

John Huston meinte, für ihn gehöre das letzte Drittel des Films zum Besten, was er jemals auf der Leinwand gesehen habe.

Mit Sean Connery, Trevor Howard, Vivian Merchant, Ian Bannen

Hinweise

Wikipedia über „Sein Leben in meiner Gewalt“ (deutsch, englisch)

Romuald Karmakar über „Sein Leben in meiner Gewalt“

Homepage von Sean Connery

Wikipedia über Sean Connery (deutsch, englisch)

Kriminalakte gratuliert Sean Connery zum 80. Geburtstag

Sean Connery in der Kriminalakte


The Walking Dead – Der AMC-Trailer und das CC-Panel

August 25, 2010

In den USA startet am 31. Oktober bei AMC die sechsteilige Verfilmung von Robert Kirkmans „The Walking Dead“. Der erste AMC-Trailer sieht verdammt vielversprechend aus:

Auf der Comic Con gab es auch ein Panel zu der Serie:

Wann und wo die Serie im deutschen Fernsehen läuft ist unklar.


Happy Birthday, Sean Connery!

August 25, 2010

Den großen Durchbruch hatte der am 25. August 1930 in ärmlichen Verhältnissen in Edinburgh geborene Sean Connery nach einigen unbedeutenden Nebenrollen als James Bond in „007 jagt Dr. No“ (1962). Bereits während seiner Bond-Jahre probierte er, allerdings mäßig erfolgreich, andere Rollen aus und arbeitete mit bekannten Regisseuren, wie Alfred Hitchcock („Marnie“, 1964), Sidney Lumet („Ein Haufen toller Hunde“, 1965, „Der Anderson-Clan“, 1971, „Sein Leben in meiner Gewalt“, 1972, „Mord im Orient-Express“, 1974, „Family Business“, 1990), Edward Dmytryk („Shalako“, 1968) und Martin Ritt („Verflucht bis zum jüngsten Tag“, 1969) zusammen. Auch danach versuchte er immer wieder, mit wechselndem Erfolg, sein Repertoire zu erweitern. Dazu gehören vor allem John Boormans Science-Fiction-Film „Zardoz“ (1974), John Milius‘ Abenteuerfilm „Der Wind und der Löwe“ (1975), John Hustons Rudyard-Kipling-Verfilmung „Der Mann, der König sein wollte“ (1975), Richard Lesters Robin-Hood-Abgesang „Robin und Marian“ (1976) und sein Politthriller „Explosion in Cuba“ (1979), Michael Crichtons Gangsterfilm „Der erste große Eisenbahnraub“ (1978), Peter Hyams High-Noon-im-Weltraum-Thriller „Outland – Planet der Verdammten“ (Einer der ersten Connery-Filme, die ich im Kino sah. Denn damals gab es in meinem Provinzkino auch eine Wiederholung der Connery-Bond-Filme.), Terry Gilliams Fantasyfilm „Time Bandits“ (hier hatte Connery nur eine Nebenrolle), Richard Brooks prophetische Satire „Flammen am Horizont“ (1982) und Fred Zinnemanns in den Bergen spielendes Eifersuchtsdrama „Am Rande des Abgrunds“ (1982; es war Zinnemanns letzter Film). Dann spielte er für viel Geld noch einmal James Bond: „Sag niemals nie“ (1983).

In Russel Mulcahys „Highlander – Es kann nur einen geben“ (1985) spielte er erstmals die Rolle des väterlichen Freundes und Vorbildes für einen jüngeren Charakter. In Jean-Jacques Annauds Umberto-Eco-Verfilmung „Der Name der Rose“ (1986) hatte er dann damit einen überwältigenden Erfolg und seine zweite Karriere als Schauspieler, in der er nicht mehr nur an James Bond gemessen wurde, begann. Brian De Palmas Prohibitions-Krimi „The Untouchables – Die Unbestechlichen“ (1986, wofür er einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt), Steven Spielbergs „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989), John McTiernans Tom-Clancy-Verfilmung „Jagd auf Roter Oktober“ (1990), Fred Schepisis John-Le-Carré-Verfilmung „Das Russland-Haus“ (1990), ein Kurzauftritt in Kevin Reynolds „Robin Hood – König der Diebe“ (1991, Heute kann sich wahrscheinlich niemand mehr vorstellen, welche Wirkung Connerys Cameo am Filmende hatte.), Philip Kaufmans Michael-Crichton-Verfilmung „Die Wiege der Sonne“ (1993), Bruce Beresfords dank Sean Connery halbwegs sehenswerter Satire „A Good Man in Africa“ (1994), Arne Glimchers okaye John-Katzenbach-Verfilmung „Im Sumpf des Verbrechens“ (1995), Michael Bays „The Rock – Fels der Entscheidung“ (1996, laut, lauter, am lautesten, Jerry Bruckheimer), Jeremiah Chechiks Desaster „Mit Schirm, Charme und Melone“ (1998), Willard Carrolls hochkarätig besetzter Ensemblefilm „Leben und Lieben in L. A.“ (1998), Jon Amiels Caper „Verlockende Falle“ (1999, gleichzeitig eine Abkehr von seinen Väter-Rollen), Gus van Sants „Forrester – Gefunden“ (2000) und, sein bislang letzter Film, Stephen Norringtons desaströse Alan-Moore-Verfilmung „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (2003).

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Mr. Connery!

Hinweise

Homepage von Sean Connery

Wikipedia über Sean Connery (deutsch, englisch)

Sean Connery in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. August: Suhrkamp – Ein Verlag im Umbruch

August 25, 2010

RBB, 22.45

Suhrkamp – Ein Verlag im Umbruch (D 2010, R.: Thomas Grimm)

Drehbuch: Thomas Grimm

45-minütige Doku über den Umzug des Suhrkamp-Verlages von Frankfurt nach Berlin und den damit verbundenen Veränderungen im Verlag.

Hinweis

RBB über die Doku


Cover der Woche

August 24, 2010


TV-Tipp für den 24. August: Explosion in Cuba

August 24, 2010

BR, 21.45

Explosion in Cuba (USA 1979, R.: Richard Lester)

Drehbuch: Charles Wood

Cuba, 1959: Wenige Tage vor dem Sturz der Batista-Diktatur soll ein britischer Ex-Offizier die Regierung bei der Bekämpfung der Rebellen beraten. Da trifft er eine frühere Freundin und wir befinden uns tief im Graham-Greene-Land.

Damals ein weiterer Flop für den am 25. August 1930 geborenen Sean Connery. Als der Politthriller 1986 seine deutsche Premiere im TV erlebte, gefiel er mir ziemlich gut. „Heute ist dieses Politdrama teilweise rehabilitiert. Es hatte sein Thema bemerkenswert differenziert und ohne Klischees gestaltet und inzwischen nostalgische Patina angesetzt.“ (Adolf Heinzlmeier: Sean Connery, 2001)

Heute sieht man den Film mit anderen Augen; und wie das oft der Fall ist, wenn kein Druck mehr besteht, die Produktionskosten einzuspielen, und wenn die Stimmen der Kritiker verhallt sind, scheint er eigentlich ganz annehmbar. Trotz der Schwierigkeiten ist Connery gut, und während die historischen Ereignisse verblassen wird ‚Explosion in Cuba‘ als Film seltsamerweise sehenswerter.“ (John Parker: Sean Connery, 1995)

Regisseur Lester, der von der bizarren Komik seiner frühen Jahre immer mehr Abstand gewinnt, erreicht hier eine dennoch witzig-sarkastische und bis ins Detail genaue Bestandsaufnahme einer ausbeuterischen Gesellschaftsschicht, die mühsam ihre Augen vor dem herannahenden Untergang verschlossen hält.“ (Fischer Film Almanach 1987)

„That’s a fascinating movie. Flawed, but really the things that people disliked about it when it came out are what makes it interesting now, it’s refusal to sort of play to the idea of a war-torn romance. An absolute refusal to be sentimental or easy about anything. Brooke Adams‘ character was really fascinating. Here’s a woman who says ‚Look, I don’t know what little fantasy you’ve got in your head, but don’t play it out on me, because I’m not that.‘ And this guy (Sean Connery) who’s wrestling with the fact that the kind of guy he is, is obsolete now…It’s a really interesting movie.“ (Steven Soderbergh, in einem Interview mit Alex Simon, 1998)

Charles Wood und Richard Lester arbeiteten bereits bei „Der gewisse Kniff“, „Help“, „Wie ich den Krieg gewann“ und „Danach“ zusammen.

mit Sean Connery, Brooke Adams, Louisa Moritz, Jack Weston, Martin Balsam, Chris Sarandon, Hector Elizondo

Wiederholung: RBB, Mittwoch, 25. August, 23.30 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Explosion in Cuba“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Richard Lester

Sean Connery in der Kriminalakte


„Martha Washington“ – Frank Millers und Dave Gibbons‘ Vision von der Gegenwart

August 23, 2010

Was passiert, wenn „Sin City“, „The Dark Knight Returns“ (Batman: Die Rückkehr des Dunklen Ritters) und „Watchmen“ aufeinander stoßen?

Das ist eine interessante Frage, die bereits 1990 beantwortet wurde.

Frank Miller und Dave Gibbons haben sich damals zusammengetan und mit der vierteiligen Serie „Martha Washington“ (die später aufgrund des Erfolgs einige Fortsetzungen erhielt, die jetzt, teilweise erstmals, bei uns erscheinen) eine vollkommen andere Welt geschaffen, die als Science-Fiction-Geschichte damalige Entwicklungen fortschrieb und, teilweise, an Frank Millers äußerst gewalttätige dystopische, fast zeitgleich entstandene Philip-K.-Dick-Hommage „Hardboiled“ erinnert. Weil Dave Gibbons „Watchmen“ und „Martha Washington“ zeichnete, sind die Parallelen zu Alan Moores in einer Parallelwelt spielendem Epos unübersehbar. Auch der Einsatz von erklärenden Zeitungsreportagen, Titelseiten und Anzeigen ist aus „Watchmen“ vertraut und zeichnet ein vielschichtiges, satirisches Bild einer totalitären Zukunft, die in erster Linie ein unübersehbarer Kommentar zur Tagespolitik war.

Heute, zwanzig Jahre später, ist es natürlich interessant zu sehen, was um 1990 heftig diskutiert wurde, was immer noch aktuell ist und was sich ganz anders entwickelte.

So ist die USA in „Martha Washington“ in verschiedene Staaten zerfallen. Es gibt „God’s Country“ („ein Paradies ohne Zigaretten und Drogen“ in dem „schlechte Musik, schlechtes Essen, schmutzige Wörter, Verhütung, Pornographie und Ehebruch“ verboten sind), „Wunderland“ (nun ja: Hollywood), das „Mexikanische Territorium“ (Hauptquelle für billige Arbeitskräfte), „Real America“ (regiert von dem Fastfood-Konzern Fat Boy Burgers), die „Lone-Star-Republik“ (Texas), „Florida“ (das wahrscheinlich demnächst von Kuba annektiert wird), die „Frauen-Konföderation“ (liegt natürlich an der Ostküste und glaubt, dass „alles Schlimme in dieser Welt von Männern verursacht wird“), die „Kapitalistische Ostküsten-Diktatur“ (Manhattan und anliegende Gebiete), die „New-England-Staatenföderation“ (die alle Verfassungszusätze ab 1990 annullieren möchte und 2009 den Crash der Datenbank des Finanzamtes verursachte) und noch einige Reststaaten, die in den „Vereinigten Staaten von Amerika“ verblieben sind und seit mehreren Wahlperioden von dem gleichen Präsidenten regiert werden.

Die 1995 geborene Afroamerikanerin Martha Washington wächst in Chicago in einem gescheiterten Projekt für Soziales Wohnen auf, kommt in eine Geschlossene Anstalt (eine Möglichkeit dem Ghetto zu entkommen) und geht zum US-Militär, das jetzt „PAX“ heißt. Für Martha gibt es dafür drei gute Gründe: „Jeder, der zu PAX geht, kriegt eine saubere Akte. Man kann nicht verhaftet werden. Das wird Mama echt anpissen.“

In Südamerika kämpft sie als PAX-Friedenskämpferin gegen internationale Fastfood-Konzerne, die den Urwald abholzen. Damals war das Abholzen der Regenwälder ein großes Thema (Na, ihr alten Säcke, erinnert ihr euch noch an die Demos mit dem „MacDonalds holzt den Regenwald ab“-Plakaten?), heute redet niemand mehr darüber.

Dafür ist aber die schlechte Situation der Indianer in den Reservaten bekannter. Marthas Abenteuer verschlagen sie nämlich auch in das unbewohnbare Reservat der Apachen. Fast die Hälfte der Apachen leidet, aufgrund von umweltverschmutzenden Ölraffinerien, an verschiedenen Lungenkrankheiten.

In dem Apachengebiet landete sie, nachdem sie im Weltall eine Mission gegen die Arische Achse, eine militante schwule Rassistengruppe, die als Racheakt mit einer Laserkanone das Weiße Haus einäschern wollen, mehr oder weniger erfolgreich beendete.

Aber auch dort wird Martha Washington von ihrem Intimfeind Moretti verfolgt. Sie rettete dem Feigling mit hochfliegenden Ambitionen im Dschungel das Leben. Danach baute er seine Karriere auf einer falschen Heldentat auf und er will die einzige Zeugin dafür töten. Diese Rachegeschichte ist die am Ende des ersten Heftes „Heim & Garten“ beginnende heftübergreifende Geschichte für die nächsten drei, hübsch ironisch betitelten Hefte „Freizeit & Vergnügen“, „Gesundheit & Wohlergehen“ und „Tod & Steuern“ von „Das Leben und Wirken der Martha Washington im 21. Jahrhundert“, wie der vollständige, an die offiziell-pompöse Geschichtsschreibung erinnernde Titel der Sammelausgaben der Martha-Washington-Geschichten lautet.

Ende August erscheint bei Panini mit „Martha zieht in den Krieg“ der zweite Band der dreibändigen „Martha Washington“-Komplettausgabe.

Frank Miller (Autor)/Dave Gibbons /(Zeichner): Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2010

212 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

Give me liberty

Dark Horse Comics, 1990 (Vier Hefte)

später auch als Sammelband erschienen

Hinweise

Blog/Homepage von Frank Miller

Wikipedia über Frank Miller (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows “Hard Boiled” (Hard Boiled, 1990/1992)

Homepage von Dave Gibbons (coming soon…)

Dave-Gibbons-Fanseite

Wikipedia über Dave Gibbons (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alan Moore/Dave Gibbons‘ „Watchmen“ (Watchmen, 1986/1987)


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